14. Zahrgaug Donnerstag, 13. September 1934 Nr. 214 15. September Der blutige Streik in USA Eisenbahnerfrau In Ihrer Wohnung mH dem Hammer erschlagen leersten eingesetzt, denen aber der Gebrauch und die sich daher auf die Anwendung der» liz dagegen verwendete außer Schußwaffen de«, die Brechreiz verursachen. Da- Schiedsaugebotde- Führers Bodenbach, 18. September.(Eigenbericht.) Heute gegen halb 12 Uhr mittag- wurde im Hause Nr. 31 in der Poststraße in Bodenbach ein blutige- Verbrechen, entdeckt. In diese« Hause wohnte im 4. Stock di« EisenbahnerstimiKe Wenzel Spiel, und zwar die beiden Eheleute und ein lljähriger Sohn. Al- Wenzel Spiel heute gegen Mittag nach Hause kam«ad die Tür verschlossen fand, öffnete er mit Hilfe eine-,Schürhaken-, den er sich bei einer im Hause wohnenden Partei au-geborgt hatte, di« Türe de- Vorzimmer-. Vorher hatte er bei ver schiedenen Parteien im Hause angefragt, ob sie feine Ara« nicht gesehen hätten. Al- er in da- Wohnzimmer seiner Wohnung kam, tot sich ihm ein schrecklicher Anblick. Zwischen dem Bett, und der Fensterwand lag mit dem Gesicht nach unten seine nur mit Hemd und Hose bekleidete» 41 Jahre alte Frau Elsa, mit dem Kopse in einergroße«Blut lache tot und schon erkaltet, so daß nach Annahme de- Gericht-arzte- die Lat spätesten-'um 10 Uhr vormittag- grschehen sein muß. Er verständigte die Parteien im Hause, fer ner die Gendarmerie und die Polizei, dir sich sofort am Tatorte einfanden. Nach allen bisher bekannt gewordenen Tat sachen handelt e- sich osfrnbar um einen.R aub-_ mord. Nach Angaben de- Spirk befanden sich I ßes Aufsehen erregt Hal der streikenden Textilarbeiter Gorman lies Dienstag um 18 Uhr ab. Gorman erklärte daraufhin, daß der Kampf weitergebe. Der von Roosevelt eingesetzte Au-schuß, der Erhebungen über die Streikursachrn durchführt, wird diese Erhebungen auch auf die Seiden» und Wollindustrie au-drbnen. (New Aart.) Au- all« Teil« de- Streitgebietts werd« heftige Zusammenstöße gemeldet, die offensichtlich auf die Scharfmacher«! der al-»Nationalgarde" auftrrtmden Unter- nrhmrrsöldner zurückzusübr« sind. Die gemeldet« schwer« Zusammenstöße zwischen 4000 Streitenden und 250 Nationalgardist« in S a y l e- v i i l e((Rbodc-3-land) dauert« die ganze Nacht auf Mittwoch an. Zu deftigen Kämpf« kam e- auch in Een trat Fall-, wo sich die Streikend« gegen die Nationalgarde auf einem Friedbof ven'chanzt halten. Setten- der Nationalgarde ward« auch von Tränengas verwendet. Dir Kämpfe spielt« sich in den völlig dunklen Stra ßen ob und batten eine Menge von Verletzten zur Folge. Die Hau-bewohnrr mußt« in aller Eil« die von Tränengas erfüllten Häuser verlassen. Es werdm zw ö lf v erl etzte Nati o n a l ga rd i st en, auf Seite der Streikend« drei Schwer, und zwanzig Leichtverletzte gemeldet. Tie Waffen der Streikmd« war« lediglich S t e i u e, während die Rationalgarde von Schußwaffen Gebrauch machte. Rach einem Rrutrrbericht wurden bei diesen Zusammenstößm auch 280 Feldartil» der Schußwaffe strengstens untersagt war Gummiknüvvel- beschränkten. Die Mi» und Tränrnga-bomb« auch noch G a- b o m» Mit Hitlermethoden gegen die deutsche Gewerbepartei So wirbt die„demokratische** Henleinfront furchtbarer Raubmord In Bodenbach Am 19. August bat die.Landpost" der Hei- lnanront bescheinigt, daß sie sich„a u f rein demokratischem Boden ausdaui". Jeder Tag bringt inzwischen neue Beweise, wie dieser angeblich demokratische Aufbau beschaffen ist. Er vollzieht sich, ganz nach fascistischen Küste«, unter Einsatz aller erdenklichen Pres- s i o n s m i i t e l. Bor uns liegt das neuefie Rundschreiben der SHF, die »Weisung Nr. 51" dom 3. September 1934. Darin lautet ein Absa? wie folgt: 4. Werbung mit Handzettel beim Einkauf. Mit gleicher Boll erhalt« Sie eine Anzahl Handzettel, die eine besondere Art der Werbung darstell«. Wir ersuch« Sir, die Hmdzettel nach eine«»ohlüberlrgten Blau hauptsächlich durch unsere Kmueradinnm iei Eiuki»senin Geschäfte«usw.verteilt« zu lass«. Wir setzen voran-, daß die Handzrttel v« unser« KamrrabiNU« und Käme- rad« nur in„deutsch«" Geschäft« und dort nur bei wirklich namhaft« Einkäufen /nicht bei Einkauf« um 1 Ki) verteilt werd«, da sich sonst die Wirkung int Gegenteil verkehr« und lächerlich gemacht würde. Beginn der Aktion möglichst gleichmäßig am 15. September 1934. Diese Weisung bezieht sich auf eine bereits in örtlichem Maßstabe von der SHF angeivandte Reihode der.Kundenwerbung". Sie besieht darin, daß zuerst ein Käufer dem Geschäftsmann folgenden Zettel auf den Ladenttsch legt: Soeben hat ein Mitglied der Sudettndeutschm Httmatfront SHF bei Ihnen gekauft. Beachten auch Sie unsere Bewegung! Hinterher kommt ein Werber der Heimat, front und bemüht sich, ün Anschluß an das kommerzielle auch ein politisches Geschäft obzuschließen. Der geängstigte Kaufmann oder Handwerker bangt vor dem Boykott und läßt sich lieber in die Mitgliederlisten Henleins einiragen. So wach st eine.Volksbewegung" Sie wirbt ihre Gefolgsleute nicht durch die Pro» paganda einer Weltanschauung, sondern durch Ausnützung der wirtschaftlich« Abhängigkeit. »Bogel friß oder stirb"— lautet das echt demokratische Motto der Henleinianer. Diese Methode der politischen Vergewaltigung soll nun ab 15. September nach einem »wohlüberlegten Plan" möglichst gleichmäßig im ganzen Lande in Schwung kommen. Hofsmtlich gibt es gmügmd charaktervolle Handwerker und Geschäftsleute, die dm erpresserisch« Agent« der Heimatfnmt hie Tür weis«. Wer sic in dieser oder jener Form durch Androhung des Boykottes zu einem politischen Gesinnungswechsel zwingen will, verstößt gegen das Terrorgesetz und verdient keine Schonung, Aie- mand braucht sich in einem demokratischen Staate Hitlermethoden gefall« zu lassen. * bas Geheimnis des Erfolges Höhnisch hält die letzte Nummer der„Rundschau" der deutschen Gcwerbepartei vor, daß sie einem Kampfe mit der Heimatfront nicht gcivach- sen sei. Unter dem Titel:„Ernstes und Heiteres dom Stenzl-Bund" schreibt das Blatt Henleins: „Unsere Organisation, macht Fortschritte", - behauptet Abg. Sterizl. Da erzählt ein Gewcrbe- treihender ein Beispiel:„In Köntgswald - traten bei der Gründung der SHF-OrtSgruppe von 36 Gewerbetreibenden 30 der SHF bei. Der Vorstand, der Gewerbcpartei in Königswald soll sich sehr einsam ftihlen." in dm im Zimmer stehend« Schrank 6000 K£ im baren Gelbe, die zum Fehlen kommen. Der Täter scheint ort-vertraut gewesen zu sein, Im alle andere» Grgmstände im Zimmer unberührt warm. Di« Tat selber dürfte nicht an jenrr Stell« erfolgt sein, an der die Leiche der Frau lag, sondern offenbar in dem schmalen Raum auf der anderen Seite der beiden Betten, zwischen diesen und dem Schranke. Die Fra« dürfte zuerst einm Schlag mit einem Hammer oder einem ähnlichen Gegenstand auf dm Hmtrrkopf erhalten hab«; die Schädrldecke war durchlöchert. Durch dies« Schlag scheint sie rückwärts in da- Bett gefallen zu sein, dessen Decke große Blutflecke aufweist. Mit letzter Kraft scheint sie dann über die beiden. Betten hinweg zum Fenster gewollt haben. Der Täter hat anscheinend dir- verhindert, indem er ihr ein Tuch um denHal- drehte, so daß al- mutmaßliche unmittelbare Todesursache Ersticken dunh. Drosselung angesehen werden muß. Die Polizei und Gendarmerie in Gemeinschaft mit der K r i m i n a l» F a h n d u» g-- abteilung von Böhm.- Leipa arbeiten fieberhaft an der Aufklärung dieser mysteriösen i Bluttat, die begreiflicherweise in Bodenbach gro- I ßes Aussehen erreat bat. Lvvvsittvnclle Fankrivnäre der Heimarftout. «rlwe das Cäsarentum eines selbsternannt« Fübrerklüngels niän verwog« können, das« ans den voll« und verdürgk« Wortlaut einer„v e r- sönlichen Weisung" Konrad Henle i n s an dir Mirglirder der SHF mir der Bitte am Beröktmilickung rur Berrügung gestellt. Dieses Dokument ist ein erftrulicker Beweis, daß die Sudetmdmnck« dock dellrre Demokrat« sind, als gewin« sasristiscken Usurpator« lieb rnckeint. H«lein wmdrt sich in drsrblsdaderiichrm Tone grg« die angeblich«..Brrdächtigungm", welche gegen seine engsten Mitarbeiter in dm Neiden derHeimatfronr laut grwordm sind. Er vertritt gegenüber dies« Zweitte« das absolutistische Füdrervrinziv in einer Form, dir an dir srlbstderrlich« Deklama- ttonm der Hitler und Gorring erinnert. Wer an der Allmacht des Führers zu zweifeln wagt, wird mtt Hinauswurs dedrodt. Wir«erd«, dem Wunsche der Einsender kolgmd, dieses dockintrrrssantr Dokument morgen in vollem Wortlaute vrröfsmtlich«. Aus e brauch« sich dl« Herrn I Heimarfro einrubilden. Rü Zwang I kann man Mitglieder gewinnen. aber e Zettetaktton wird — wenn sie in der anbewblenen Form zur Durchführung gelangt— Herrn Henlein noch manchen Püvicrioldaien cinbringen. Aber selbst di: Bandpost" wird nun kaum mehr bebauvien können, daß sie die SHF aus..reii: demokratischem Bodm" aufbaut. Henlein entlarv: sich mir der Anwendung solcher Rerboden selbst. Er sübrt vor der gesam- rrn Dekfrntlickkrit d« Beweis, daß er nickt da«uf ausgebt, die Mitglieder der aufgelöst« Partei« I zur Demokratie zu erzieh«, f«drm mit einer rein sasrisnsch aufgezogen« Agitatt« die demo- kratrsch« Partei« zu ve«icht«. I I■ I Es kriselt in der Heimatfront Henlein befiehlt„Vertrauen** Weltwirtschaft Wo steht sie? Tie Wirtschaft eines jeden kavitali'N'cken j Landes ist unzertrennlich verknüpft mi: der i Wirtschaft der übrigen Welt. Gewiß haben in j den letzten Iadren überall kstdrende Wirr'ckafts- I Politiker und Wirtschafte-„Sachverständige" dieie Tatsache zu negieren versucht, bab en die Illu- sion einer vo llständigen Autarkie or Wirtschaft oder eines cnt>ckeidcndcn Wirk' ckaftSzweigeS ihres genäbrt. Wo o.''or eir te Regierung dazu übergin g. die absurde Autarki e-Theorie im winickaftlick« m Leben zu prakri zieren, dort wurde sie sehr ra'ck erledigt. Allerdings nickt. ! ohne daß sie die vielseitigen wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen, die alle Länder der Welt > miteinander verbinden, empfindlich gestört batte. Auch auf die Bedingungen und Möglichkei- I ten. die für die nächste Entwicklung der Wirt- sckaft in unteren: Lande gegeben sind, bat die Entwicklung, die fick wirtschaftlich und politisch außerhalb unserer Staatsgrenzen pollziebt. ent- scheidenden Einftuß. Biele hunderitauscndr Men- ich« in der Tschechoslowakischen Republik haben im Frübjakre mit wachsenden Hoffnungen aus die leichte Besserung der wirtschaftlichen Lage ihres Landes geblickt: sie wurden zuversichtlich und meinten, daß auch von außen der nette An- triebe kommen tverden. die endlich ein Heraus, kommen aitS der nun fünf Jahre andauernden Krise ennöglicken würden. Fn der Tat zeigten sich inr Frühjahr 1934 in der Wirtschaft einer Reihe von Ländern Auf- schwüngSerfcheiüungen. die vor allem an dem Steigen der ProduktionSzif- f c r n zu erkennen waren. Besonders stark in den Bereinigten Staaten, in F a p a n. Großbritannien. Schweden, Dänemark. Auch in der Tschechoslowakei ben'egte sich in mehreren Industrie- zweigen die Produktion nach oben, llnzweiselhast gilt die? auch für Deuts ch land: hier aber vor allem siir jene Industrien, die für die Be- friedigung des gewaltigen RüsmngsbedarsS, also für die Produktion von KriegSgorät und Kriegs. auSrüsttlngSgegenständen arbeiten. Diese Erbo- lung der industriellen Produktion, die zum Teil recht erheblich über den Tiefpunkt während der Krise hinausführte, hatte einen Rückgang der Arbeitslosigkeit zur Folge, der allerdings nickt so stark war. wie nach dem Ansteigen der Produk- tion hätte vermutet werden könnet«. ES zeigte sich, besonders in den Vereinigten Staaten, Deutsch- land tuld Großbritannien, daß die R a t i o- nalisiernng auch während der Krise tvei- ter betrieben worden ist, mit dem Ziel, bei einer Belebung der Produktion>n i t weniger tnenschlichen Arbeitskräften aus- kommen zu können als früher. Wie st c h t c S nun h c u te mit d i e- servor Monaten eingetretenen W c n d u n g z u in B e s s c r c n? Obwohl auch jetzt noch von einheitlichen Entwicklungstendenzen nicht gcsprocheir werden kann— das eine läßt sich sagen: daß in den sührenden k a p i t a l i st i s ch e n Ländern der Welt der ProduktionSanstieg zum Stillstand g e k o m m en i st; ja in einigen, wie in den Vereinigten Staaten, Deutschland von einem beträchtlichen Rückschlag abgelöst worden ist. Frankreich, das an der kurzen Konjunktur kaum Anteil ge- habt hat, erlebt einen immer stärkeren Einbruch der Krise. Seine Arbeitslosigkeit ist zurzeit stär- ker denn je seit dem Kriege. In den Agrar- l ä n d e r n des europäischen Kontinents und der Ucbersee ist eine wesentliche Milderung des Kri- scndrucks nicht zu verzeichnen. Wohl hat die Mißernte an Getreide und Futtermitteln zu einer Preiserhöhung dieser landwirtschaftlichen Pro- dukte geführt, aber eine Vermehrung der Kauf- kraft der bäuerlichen Bevölkerungsmassen ist kaiipl eingctreten, weil sie infolge der knappen Getreideernte größere Mengen nicht zum Verkauf Äekte2 Donnerstag, 13. September 1931 Nr. 214, bringen. In einzelnen Rohstoffgebieten Amerikas und des Britischen Weltreiches liegen die Berhältnisse etwas günstiger; doch sind die Rohstoff-Weltvorräte, einschließlich des Weizen, bisher nur unerheblich zurückgegangen. Von dein W e l t h a n d e l des ersten Halbjahres 1984 ist keine Förderung des Produk- tionSauffchwungeS ausgegangen. Eine Reihe von Landern kann zwar nach dem gewaltigen Zu- sammenschrumpfcn des Außenhandels wieder eine geringe Zunahme feststellen; während bei anderen sich der Schrumpfungsprozeß weiter fortseht. Es muß dabei besonders unterstrichen werden, daß die beiden fascistischen Diktaturstaaten, Deutschland und Italien, eine-besonders u n g ü n st i g e Ent- wicklungihresAußenhandelsauf- z u w e i s e n haben. Insgesamt ist der Welthandel wertmäßig sogar noch gegenüber dem glei- chen Zeitraum 1938 zurückgegangen; der Menge nach nur wenig über jenen Stand hinaus gestiegen. Als Gründe für die Behinderung des Welt- Handels wirken in erster Linie noch immer die internationale Kredit- u n d Währungskrise. Die Kreditlrise, die den früher reichlich fließenden Strom der Anleihen und Kre- dite, so gut wie vollständig zum Versiegen gebracht hat, wird nicht aufhören in einer Welt, die angefüllt ist mit politischen Explosionsherden. Ebensowenig die internationale Unsicherheit füh- render Währungen, solange das Spiel mit wei- teren Experimenten für mächtige kapitalistische Gruppen ein Mittel ist, die Folgen der Krise aus andere abzuwälzen. Daß zu diesen Gründen noch das unheimliche Labyrinth der Handelspolitik hinzu kommt, klingt zwar grotesk, ist aber nichts- destoweniger wahr. Die staatliche Handelspolitik mutzte in den letzten Jahren oft den Eindruck hinterlassen, als sei ihr Zweck nicht, d i e w i r t- schaftlichen Verbindungen und Beziehungen zu den anderen Ländern auszubauen und zu festigen, sondern sie z u v e r- wirrenund zuzer stören. Hier und da scheint sich auf diesem Gebiet eine Besse- rung anzubahnen. Doch zwingen die Schäden, die angerichtet worden sind, zu rascheren und weitgehenderen Konsequenzen. Die drohende Kriegsgefahr! m Fernen Osten und das durch das fasci- stische Deutschland und Italien phantastisch gesteigerte Wettrü- sie n sind zwei weitere, die Erholung der Wirt- schäft,von der Krise hintertreibende Faktoren. Auf ihre Schwächung kann unsere Arbesterschaft mittelbar hinwirken, durch den S ch u tz u n d den Ausbau der Demokratie. ES ist und bleibt in dieser internationalen Situation Haupterfordernis der Arbeiter, ihre Organisationen, Partei und freie Gewerkschaften, zu stärken, ihnen die Straft zu verleihen zur Durchsetzung von Matznahmen zum Schutze der Krisenopfer, die über den Rahmen der bestehenden Gesellschaftsordnung hinausführen. Damft schasst sie die Voraussetzung für den Aufschwung der Wirtschaft, den Aufstieg der Menschlichkeit! DWWWWWV WWW Österreich bringt e» an den Tag Bekanntlich ist Henlein immer taub, wenn man über Deutschland spricht. Ueber das nach seiner Meinung Gute, das es in Deutschland gibt, lätzt er zwar in der„Rundschau* schreiben. DaS Schlechte aber schweigt er tot und wenn andere darüber reden, müssen sie von ihm den Borwurf der Greuelpropaganda hören. In den Versammlungen der SHF bezeichnet der Herr Sandner das Verbreiten der Wahrheit über das Dritte Reich als„Werfen von Schmutz und Unrat gegen das deutsche Volk*. Noch jedem sozialdemokratischen Gegcnredner wurde bedeutet, die Hen- leinanhänger kümmerten sich überhaupt nicht um ausländische Fragen; es gelte jetzt auSschlietzlich über sudetendeutsche Angelegenheiten zu reden. Nun aber hat die„Rundschau" die wahre Gesinnung der Henleinfaseisten wieder einmal enthüllt. Sie bringt in ihrer letzten Ausgabe Auszüge„AuS einem österreichischen Reisebrief", der, um im Tone der Henleinfaseisten zu reden,«in Kabinettstück von Greuelpropaganda ist. Di- Regierung wird der tollsten Verbrechen angeklagt — mit Recht, wie die Sozialdemokraten gern bestätigen, ohne allerdings gerade die von der „Rundschau" angeführten Begebenheiten näher zu kennen— und der Berichterstatter nimmt ganz eindeutig für die Nationalsozialisten Stellung. Ihren Heldenmut und Lammfrommheit schildert er in glühenden Farben; andere als nationalsozialistische Gewährsmänner lätzt er natürlich überhaupt nicht zu Worte kommen. Ma« meine ja nicht, di« Henleinlente hätte« gegenüber den Diktaturen ihr menschliches Fühlen, ihre Solidarität mit den Unterdrückten entdeckt. Sie nicht allein beweisen durch ihre Stellungnahme zu den Taten der Goering-Mörder, daß sie Fasristen und also Feinde deS deutschen Volkes sind. Sie haben auch im Fall« Oesterreich schon bewiesen, daß sie die Unterdrückung lobe«: in den F e b e r t a g e n jubelten sie, als eS gegen die Roten ging. Da hatten sie eben noch die Hoffnung, daß sich unter den Galgen der Weißel und Miinichreiter der schwarze und der braune FasriS- m»s die Hand reichen werden. Dies« Hoffnung ist jetzt zu Waffer geworden. Und darum verdonnern sie die schwarze« Mörder, denen sie im Feber Beifall klatschten. Sie beweisen damit auch, daß sie selbstverständlich bereit sind, zu auhenpolitischen Fragen und zu den Vorgängen in benachbarten Ländern Stellung zu nehmen: die Unterdrückung der Nationalsozialisten lätzt sie nicht kalt, gegen sie protestieren sie. Wenn aber die Nationalsozialisten selbst unterdrücken, wenn sie hängen und foltern und auf der Flucht erschießen, da sind die Henleinleute„neutral". Bon nun ab werden wir ihnen, wenn sie „aus grundsätzlichen Erwägungen" über Deutschland und Hitler nicht reden wollen, mit jener „Rundschau" auf den Mund schlagen, die sich zu den österreichischen Hakenkreuzlern bekennt. Im Falle Oesterreich tut die„Rundschau" eben, wozu sie im Falle Deutschland zu feige ist. Aber auch diese indirekte Selbstentlarvung ist von unschätzbarem Wert. ZwIeaesprMh In USA „Frluleln, was Ist das für eine Maschine?** „Das? Damit zahlt der Vater morgen die löhne ausl** 49 ■ FRITZ ROSENFELD: «X» dxiutta EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAO Es gab Schwerter genug, die Toten kämpften nicht mehr und liehen ihre Waffen. Die Tataren kitzelten mit ihren langen Lanzen die Leiber der sechs Assasiinen, es war ein höllisches Spiel, es war zum Bersten lustig, wie die Assasiinen mit bluuuterlaufenen Augen und schäumenden! Mund nach den Lanzen hieben und sie mit dem Schwert zertrümmerten, Aber an Stelle der krachenden Speere schoben sich immer wieder neue glänzende Spitzen aus Eisen gegen die Assasiinen vor. Endlich traf den einen die Lanze am Knie. Er sank ein, er blutete, aber er kämpfte weiter. Dem anderen ritz die Lanze das Kleid auf, nackt lag seine Brust, ein dunkler Wald von Haaren. Dann hatte sein Kleid einen grotzen roten Fleck und das Schwert in der Rechten sank. Doch das in der Linken focht weiter und drang einem-Tataren mitten in die Brust: Blut für Blut. Die Sonne stand hoch, sie blendet« die Affasiinen, ihre letzte Sonne. Ob sie noch lebten, wenn die Sonne den Rand der weißen Wolke erreicht hatte, wenn ihr Licht trüber auf die Erde sickerte, durch einen silbernen Schleier gedämpft? Pal ritt heran, sah den ungleichen Kampf, seine Augen leuchteten wild. Er sandte einen Trupp Tataren durch,«in Tor, auf die andere Seite der Mauer. Steine hielten sie in den Händen. Die Affasiinen wußten nicht, warum die Feinde so lachten, sie sahen nur die weiße Wolke näher kommen. Einmal war eine Wolke wie diese über den Garten gezogen, in der Stunde des grotzen Gongs... Dann brachen die Steine nieder auf die Köpfe der sechs Affasiinen, dann brachen die Schädel wie Rüsi« unter einer Faust, Blut und Gehirn spritzten umher. An den Spitzen der langen Lanzen hingen die sechs Körper. Die Tataren liehen sie zur Erde fallen und lachten. Der weitze Rand der Wolke hatte die Sonne geschluckt, durch einen silbernen Schleier schien sie gedämpft über die Toten. Bon der Burg bis zu dem Fluß hinunter, der das Tal mit seinem Tosen erfüllte, stand eine Reihe von Tatarenkriegern. Sie warfen sich di« toten Körper der Affasiinen zu, einen nach dem anderen. Sie zogen oi« Schwerter und di« Pfeile aus den Leibern, dann wanderten die Leiber in den Flutz, der sie fraß, der sie mitfpült«, ins Meer hinunter. Tausend, dreitausend, fünftausend Affasiinen in einer Stunde, und noch tobte der Kampf in der Burg. Pals Scharen drängten von allen Seiten näher und näher. Es gab keinen Ausweg mehr. Den Berg hinauf konnten die Affasiinen nicht, brennende Balken verlegten ihnen die Bahn, eine große Wand von Feuer stand hinter ihnen und schnitt sie ab. JnS Tal führte kein Weg mehr. Die von der Mauer in die Tiefe springen wollten, blieben im Gestein hängen; wer heil ankam auf dem grünen Boden, wurde von den Tataren niedergemacht. Es gab keine Gnade. Dann brach ungeheure» Geschrei der Tataren über die Burg:- sie,hatten das letzte Tor aufgesprengt. Eine Schar von Affasiinen war in den innersten Hof gedrängt worden. Hinter ihnen die Flammen, vor ihnen die Tatarenschwerter. Sie kämpften nicht mehr. Sie wollten fliehen. Um jeden Preis. Immer enger würde der Raum, immer stärker der Druck der Gegner. Da schob sich die flelne, verzweifelte Schar wie auf einen Befahl zur Seite. An der Seite de» Hofes war eine kleine Tür. Sie war der einzige Ausweg. Hassan kannte sie, Hassan führt«. Aber auch Pal kannte die Tür, er kannte AlwNat von vielen Jahren her. Und als Haffan gegen die Tür vorstieß, als das ungeheure Gewicht von tausend drängenden Körpern sich gegen die Tür warf und sie sprengte, als Haffan durch die Tür trat, in» Freie, wie er wähnte,— da fiel er. Ein Schwert hieb seinen Kopf ab mit einem Streich. Der nächste schreckte zurück: standen hinter der Mauer Tataren? Sein Schrei wurde nicht gehört» er versank in tausend Schreien. Er wollte zurück, aber die tausend Leiber schoben sich vor und stietzen ihn vor, und drängten ihn durch die Tür— unter das Schwert. Sein Hintermann schob ihn unter das Schwert, und wurde selbst mit unwiderstehlicher Gewalt unter das Schwert geschoben. Wie Drescher mit ihren Keulen di« reifen Aehren schlagen, schlugen die Tataren die runden Affaffinenschädel ab. Ein Blutbach rann zu ihren Füßen, bi» in den Fluß, der hoch ängeschwollen war und den Schrecken der Länder und Meere, die Unbesiegbaren, in» Meer hinunter- spülte. Wie die Schaufeln eine» Brunnenrades arbeiteten die Schwerter. Ein sinnlos grausames Schlachten war«s, die, Tataren sahen nicht, auf wen sie einhieben, sie hieben im Rhythmus ihre» aufgepeitschten Blute», und jeder Hieb bracht« Tod. Immer wilder wurden die Schrei« hinter den Mauern. Ai« Tier« bei Gewitter in» Freie drängen,' drängten die Aflaffinen gegen die Tür, hinter der di« Tatarenschwerter lauerten. Sie waren blind, sie fühlten nur in ihrem Rücken niederkrachende brennende Dächer, Flammen wehte der Wind in ihr Haar, wer nicht, durch die Tür entkam, mutzt« verbrennen. Die hinten standen, wollten über die Köpfe der anderen hinweg zu der Tür gelangen, sie kletterten der eine auf den änderen, sie verkrampften die Glieder ineinander, nur schneller zu der Tür, nur schneller unter damähende Schwert. Als der letzte der Aflaffinen auf Alumat gefallen war, hatte langst die Nacht sich Wer die Berge gesenkt. Fackeln hielten die Krieger Pal» in den taufeuchten Händen. Neuntausendsiebenhundertundsiebzig Affafft» nen fielen zu Alumat. Leer waren die Mauern, di« Pferde der Tataren zogen mit den Waffen und Vor einem belgischen Bergarbeiterstreik (Brüssel.) Das Kabinett tagte am Mittwoch mit einer kurzen Mittagspause nahezu ununterbrochen, um den drohenden Bergarbeiterstreik abzuwenden. Die Lage ist ernst. Märtyrer des Frelheitskampfes Wieder Schreckensurteile gegen Sozialdemokraten im Dritten Reich Während die Nazipropaganda täglich erzählt, daß der Marxismus und die Sozialdemokratie auSgestorben, daß alle Deutschen hitlcrgläubig und höchstens noch ein paar bolschewistische Friedensstörer am Werke sind, liefert die Nazijustiz täglich neue Beweise dafür, datz die Sozialdenwkratie lebt und daß die braunen Herrscher sie fürchten. Kürzlich wurde über den Prozeß gegen den Roten Borstotz Berlin— zum großen Teil sozialistische Studenten— berichtet. Der„Neue Vorwärts" schreibt Wer zwei neue Prozesse: Das B« r l i ne r Kamme r g e r i ch t ver- urteilte den als Hauptangellagtcn bezeichneten 24jährigen Genossen Theo Wiechert zu 2% Jahren Zuchthaus. Der frühere Redakteur der Arbeiterjugend, Genosse Gustav W e b e r, die Genossen Oswald Z i e n a u und Dr. Fritz M i e l- kowski wurden zu je 2% Jahren Gefängnis verurteilt. Der Geiwsse Paul Hetzberg erhielt 2 Jahre 3 Monate, der Genosse Ernst Gla- m e i c r 1 y s Jahr Gefängnis. Bier weitere An- gcklagte, darunter drei Genossinnen, erhielten je 8 Monate Gefängnis. Acht Angeklagte wurden freigesprochen. Auch das LandgerichtLeipzig verhandelte am 21. August gegen sechs Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei und der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands. Diesen Genossen wurde ebenfalls die Fortführung einer verbotenen Organisation, und zwar der Sozialistischen Arbeiterjugend zur Last gelegt. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des Genossen Diebe zu 11 Monaten und des Genossen Kluge zu 9 Monaten Gefängnis. Die Genossen Brandes, Ruprecht, Jonas und Seidel wurden„amnestiert". Ueber den Verlauf des Prozeffes erfahren wir noch: Die Haltung der Angeflagten war ausgezeichnet. Sie bekannten sich mutig zu ihrer s o- zialdemokratischen Ueberzeugung, was auf den Gerichtshof sichtlich Eindruck machte. Genosse Weber wurde nach seiner Vernehmung vom'Vorsitzenden gefragt, was für Schulbildung er habe. Als er antwortete:„Dorfschulbildung", war das Erstaunen nicht gering. Nicht weniger wunderten sich die Richter darüber, datz sich unter den männlichen Angeflagteik mehrere Kriegsteilnehmer und Inhaber der Eisernen Kreuze beider Klaffen befanden. Am ersten Tag der Verhandlung war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Es ist anzunehmen, datz an diesem Tage Wer die Erlebniffe gesprochen wurde, die die Angeflagten bei der Gestapo gehabt hatten. Die vier weiblichen Angeflagten wurden vom Gerichtshof rücksichtlos behandelt. Offenbar war der wahrheitsgemäße Bericht über die Mißhandlungen, die diese Frauen erlitten hatten, nicht ohne Wirkung geblieben. Rüstungen, mit den Schätzen aus den Schatzkammern und mit den Teppichen aus den Gemächern der Führer gegen Kasan. Eine Nacht gewährte Pal seinem Heere Rast. Als der Morgen anbrach, zogen sie gegen Ulleika. Stolz ragten die Zinnen und Türme von Ulleika, der letzten Affassinenburg. Aber gering war der Mut ihrer Verteidiger, flein war ihre Zahl. In den Zimmern des Scheichs, in den Gemächern, die einst das Lachen der Frauen er- füllt hatte, ging Roccu Cddin auf und ab. Ruhlos schritt er drei Tage und drei Nächte durch diese Räume, die Fackeln brannten, auch wenn die Sonne schien. Die Frauen hatten sich in einem Raum zusammengedrängt, das Schweigen des Todes lag über diesem Raum, und die Angst des Todes. Nun sollte das Schicksal Roccu Eddins sich entscheiden. Aber der Fürst der Berge belog sich. ES war entschieden. Oft die kleine Schar von Kriegern auf Ulleika einen Tag oder zwei die Tataren zurückhielt, ob er aus der Mauer starb als Held, oder in seinem Saal als Gefangener -—.das Schicksal lietz sich nicht mehr wenden. Flucht? Seine Hand kräuselte den roten Bart. Fürsten waren nicht feige, wenn sie flohen, und niemand strafte sie. Er sah vom vergitterten Fenster des Gemachs in den Hof. Die Mauern waren mit Kriegern besetzt. Auf den Toren weht« di« grün« Fahne mit der goldenen Sichel. Nachts brannten hohe Feuer vor den Toren, um die Krieger wach zu erhalten. Er konnte nicht fliehen. In seiner letzten Burg war er gefangen. Da ging er in seine Schatzkammer hinunter und schlug die grotzen Truhen auf. Seine Hände griffen tief in kühles Metall, die langen Ketten au» Gold flirrten, wie die Ketten der Gefangenen, und die silbernen Gefäße flirrten wie Schwerter an der Seite der Reiter. Die Edelsteine leuchteten im Schein der Fackel: ob er für all diese Schätze sich eine Stunde Leben laufen könnt«?(Fortsetzung folgt.), Nr. 214 Tritt 3 13. 1034: Der Völkerbund tagt Gefängnis Oesterreich (Wien.) Im Konzentrationslager in Wollersdorf befinden sich derzeit noch 850 Sozialdemokraten. Die Zahl der Kommunisten wird nicht angegeben. Nationalsozialisten befinden sich in WällerSdorf 8400, doch kommen jeden Lag neue Transporte hin» M. Ihre Objekte find Überfüllt. Die Nationalsozialisten werden zu Zwangsarbeiten verwendet. Der frühere sozialdemokratische Bundesrat und Präsident des internationalen Kriegsbeschädigten- BerbandeS C. I. A. M. A. L., Max B r a n d e i S. der sich den Feberereigniffen, in Haft befand, wurde Dienstag gegen Kaution auf freien Futz gesetzt. DaS Militärgericht Leoben hat nach zweitägiger Verhandlung Mittwoch, mittag den MDr. Ernst Geutebrück aus Lienz wegen des Verbrechens des AufmhrS zu S Jahren schweren Kerkers verurteilt: während fünf andere Nationalsozialisten, ebenfalls aus Lienz, wegen Teilnahme an dem Verbrechen des Aufruhrs zu 1 bis 8 Jahren schweren Kerkers verurteilt wurden. Bor dem Militärgerichtshof in Klagenfurt fand heute eine Verhandlung wegen des nationalsozialistischen PutscheS imMettnitz- tal statt. Der Lehrer Gottfried Majer, der mit seinem Rebellenhaufen die Gendarmerieposten in Mettnih, Grabes und St. Salvator beseht hatte, wurde des Verbrechens des Hochverrates schuldig erkannt und zu 16 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der erste Dlplomafenempffans bei Hitler (Berlin.) Im Reichspräsidentenpalais fand Mittwoch vormittag der erste große Empfang der Missionschefs aller in Berlin akkreditierten Länder statt. Auf eine Ansprache des Doyens des diplomatischen Korps, des päpstlichen Nuntius Orse- nigo, der Hitler an seine Friedensbeteuerungen erinnerte, antwortett Hitler mit ein paar Phrasen, daß er enge und aufrichtige Verbindungen zwischen Deutschland und den fremden Mächten erhalten und dadurch ein gegenseitiges Verstehen und Kennenlernen fördern wolle, das zur Zeit vieIfachnoch fehle. Es sei das unverrückbare Ziel seiner Politik, Deutschland zu einem ststen Hort des Friedens(?) zu machen. In diesem Zusammenhang brachte er allerdings sofort die Gleichberechtigungswünsche aufs Tapet und vertraute schließlich auf den Segen der vom Nuntius zitterten»göttlichen Vorsehung". Die Auffahrt der Diplomaten wurde von einer geschickten Regie zu einem wahren Schauspiel für die Berliner ausgestaltet. Neinsager aufhängen! Die Parole Hitlers Am Sonntag, dem 26. August, wurde zu Niedermoschel im Kreis Rockenhausen von einem wegen Unterschlagung vorbesttaften SA- Mann folgender Aufruf an den sichtbaren Stellen, u. a. auch an der Kirche, angebracht: »Bürger von Niedermoschel k Mr gebe» Euch nachfolgend die Name« derjenige» Personen bekannt, die letzte« Sonntag durch ihr Nein z« Verrätern an Heimat und Volk geworden finde 1. Jmbschwetler Otto, gen. Bergmännchen. 2. Jmbschwetler Adam, gen. Bamtsch. 3.' Jmbschwetler Margarethe, gen. Kommunifirn- Mutter. 4. Jmbschwetler Johanna, gen. Nagel aus Alsenz. 6. Erkin Johannes, gen. Schlapp« und Lei«. 6. Feld, Minna. Parole: Stoßt fie aus Eurer Ortsgemeinschast aus! Hängt fie aus!" Von der Werkbank wes: ..Rechts uml* Die Erziehung der Arbeiterjugend im Dritten Reich. Ende April 1988 wurden in Deuttchland sämtliche Tarifbesttmmungen für Lehrlinge außer Kraft gesetzt. So hat der FasciSmuS wirtschaftlich die Kraft der Jugend gebrochen. Das genügte den Gleichschaltern nicht; sie geistig zu vergewal- ügen war ihr Ziel. Zuerst mußte die Jugend in nationalsozialistische Zwangsorganisationen eintreten und später kam die Zusammenfassung der Lehrlinge und Lehrmädchen zu BetriebS- jugendgruppen, deren Leiter vom Unternehmer bestimmt werden. In welchem Geiste die Jugend dort erzogen wird, ist dem„Arbeitertun" zu entnehmen: „Die Betrtrbssührung der Zeiß-Jkon-A.-G., Dresden, berichtet:... Der nationalsozialistische Staat aber verlangt nur eine Jugend voll körper- lichrr Kraft und geistiger Frische, die gelernt hat zu ««horchen.... Bon der Werkbank weg... Kom- «and«:„In drei Glieder« angetreten— rechts Mn— im Gleichschritt marsch!"... und nicht zuletzt ei» ei« SO-Meter-Klrinkaliberschießstand mit drei Schießbahnen»nd rlettrischrr Anzeige... Besondere Begeisterung herrscht unter den Lehr- lingen, wenn da» Kommando zum Schießen erfolgt. Mit verbissenem Ehrgeiz verfolg«, fie di, Resultate. Jeder hat da» Bestreben, immer wieder zu verbessern und glücklich ist jener, dem vont Schießwart eine IS i« seinem Leifinng»tuch brfiättgt«erden kann»4 Günstige Voraussagen Dr. Bene» hat dem Genfer Berichterstatter de»„Temps" erklärt, daß sich die Ber- Handlungen über den Eintritt RuBlands normal entwickeln. Die Angelegenheit sei durch die Entscheidung de» Bölkerbundratr», Russland einen ständigen Rat»sitz zu reservieren, grundsätzlich geregelt. In de« Vordergrund de» Interesse» ist nun wieder dir Frage der politischen Unabhängigkeit Oe st erreich»«nd di« Frage der Regelung der Verhältnisse in Mitteleuropa (Genf.) In der Plenarsitzung der Völker« bmrdversammlung, die Mittwoch um 16 Uhr eröffnet wurde, gab der Delegierte Argentiniens Candilo eine Darlegung der Beziehungen der mnerikanischen Staaten zum Bölkcrbuird und versicherte, daß alle amerikanischen Staaten bereit seien, die internationale Zusammenarbeit durch Bermittlung des Völkerbundes fortzufchen, auch wenn diese Jnstttution in ihrer Tätigkeit nicht immer nur Erfolge ernte. Der österreichische Redner, Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, hielt eine lange Rede über die Notwendigkeit der inneren und äußeren Unabhängigkeit Oesterreichs und versuchte, das heutige autoritattve Regime in Oesterreich zu rechtfertigen, das— man höre!— auf„wirklich demokratischen Grundsätzen" gegründet sei. Außenpolitisch sei Oesterreich bereit, Verhandlungen mit jedwedem Staate aufzunehmen. Alle Staaten mögen Oesterreich Verständnis entgegenbringen und„moralische Hilfe" gewähren. Der irische Delegierte de Valero stimmt mit dem besonderen Vorgehen für die Aufnahme Rußlands nicht überein mck> sprach den Wunsch au», daß die russische Frage der politischen Kommission der Bölkerbundversammlung zur Behandlung vorgelegt werde. Rußland werde nicht erniedrigt werden, wenn es selbst um die Nuf- Jn meinem vorbeMhenden.Artikel habe ich versucht, in kurzenUMissen.-. die Versichertenöffentlichkeit auf die-eingetretenen Aenderungeu in der Leitungsagenda der Sozialversicherung aufmerksam zu machen. Heute sollen in Fortsetzung weitere, unbedingt wichtige Aenderungen aufgezählt werden, die die Arbeitnehmer beachten und wissen müssen, wenn fie sich vor Schäden bewahren wollen. Die Versicherten wurden wohl schon gleich nach Inkrafttreten des Gesetzes bei de» Krankenkaffenschaltern auf die Aenderungen aufmerksam gemacht; aus der Praxis weiß man aber, daß die Unkenntnis gerade dieser Bestimmungen, die unliebsamsten Auseinandersetzungen bei den Krankenkassenschaltern auslösen, weshalb sie ausführlicher behandelt werden müssen. Wie können die Ansprüche an» der Invaliden-«nd Altersversicherung auch über dir im vorigen Artikel angeführten Schutzfristen hinausgehend aufrocht erhalle« werden? Durch freiwillige Fortsetzung der Versicherung in der Invalidität»- und Altersversicherung! Durch Bezahlung einer Anerkennungsgebühr, wie dies in dem früheren Gesetz vorgesehen war, kann sich der Versicherte seine Ansprüche nicht mehr weiter aufrecht erhalten, weil nur jene Personen ihre Anerkennungsgebühr bis zum Wie- derantritt einer versicherungspflichtigen Beschäftigung weiter zahlen können, welche bereits vo; Wirksamkeit des neuen Gesetzes(also bis 30. Juni 1984) die Anerkennungsgebühr schon be- zahlten. Falls diese Personen wieder eine Versicherungspflichtige Beschäftigung antreten, können auch sie die Anerkennungsgebühr nicht mehr bezahlen. Dieses hängt mit der Ausdehnung der Schutzfrist auf fünf Jahre für Arbeitslose und Selbständige zusammen. Die Jnvaliditäts- und Altersversicherung kann die versichert gewesene Person, im Gegensatz zu früher, auch fortsetzcn, ohne daß sie die Krankenversicherung fortsetzen muß. Die Versicherung kann fortgesetzt werden, wenn die früher versicherte Person auS der Beschäftigung ausgetreten ist, die Wartezeit von 100 Beitragswochen zurückgelegt hat und keine In« validitätö- oder Altersrente zuerkannt erhält. Die Versicherung kann in der Klasse fortgesetzt wer« den, in der die versicherten zur Zeit des Erlöschens der Versicherung eingereiht waren oder in einer niedrigeren Klasse. Wer aber in der Klasse B bis D eingereiht war, kann die Versicherung m keiner niedrigeren als in der Klaffe Ab fortsehen. Die Anmeldung zur freiwilligen Fortsetzung mutz vor Ablauf der Schntzfrist(siehe meinen vorigen Artikel Mer die Schutzfrist) bei der Krankenversicherungsanstalt erfolgen, bei der die früher versicherte Person zuletzt pflichtgemätz versichert war. wor kann die Versicherung in der Kran- lenversicherung forttetzen, wann«nd wie kann getreten. Ma« ist allgemein der Ansicht, dass die Unterredungen«nd der Meinungsaustausch der in Genf anwesenden Staatsmänner den Boden für«ine konkrete Lösung vorbereitet haben. Der Genfer Berichterstatter de»„Pari» Doir" Sauerwein konstattert den allgemeinen Willen zu einem Abkommen und sagt, wenn die Regelung der Verhältnisse in Mitteleuropa, di« französisch-italienische Annäherung und die Eingliederung Russland» in da» System der SicherheitSpoltttk gelinge,«erde ganz Europa ausatmen und man«erde sich wieder der ruhigen Arbeit widmen können. nähme in den Böllerbund ersuchen werde. Irland sei für den Eintritt RutzlandS in den Völkerbund, wolle aber nicht die Einladung unterschreiben. Line Million Emigranten! In der politischen Kommission entwickelte sich eine lebhafte Debatte über daS Problem der politischen Emigranten. Der rumänische Gesandte Antoniade hielt einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit de» Nansen« amteS und über das Schicksal der politischen Flüchtlinge. Fast eine ganze Million Emigranten leben in den verschiedenen Staaten. Es sei notwendig, daß die Regierungen dem auf der vorjährigen Genfer Konferenz auSgcarbeiteten Abkommen über den Schuh der Emigranten beitreten. Es ergriffen dann noch einige Redner das Wort, welche auf die katastrophale Lage der nach China und in die Mandschurei geflüchteten russischen Frauen aufmerksam machten. Der polnische Delegierte Chodzko vertrat den Standpunkt, der Völkerbund sollte die Lösung der Frauenprobleme im Fernen Osten auch finanziell mehr untersttihen. l sie fortgesetzt werden»nd wann erlischt dir srriwMgp BKsicherung? Wer aus der-Veschäftigung ausgetreten ist oder abgemeldet wurde und sich weiter im Geriet« der Tschechoslolvakischen Republik aufhält und keine Jnvaliditäts« oder Altersrente erhält, kann die Krankenversicherung freiwillig fortsehen, wennerindenletztendreiMonaten vor dem Erlöschen der Versicherung wenig st enS 30 Tage für den Fall der Krankheit pflichtgemäß versichert w a r. Früher war die Zurücklegung von drei Monaten Pflichtversicherung erforderlich. Dadurch konnten viele infolge der Krisenverhältniffe ihre Versicherung nicht fortsehen. Die Anmeldung zur freiwilligen Versicherung mutz binnen sechs Wochen(früher in der Frist der letzten Beschäftigung, längstens aber innerhalb 28 Tagen) von dem Tage an erfolgen, an dem der Versicherte aus der Beschäftigung ausgetreten oder abgemeldet wurde. Dadurch ist die Frist aus 42 Tage verlängert. Die Anmeldung muß bei der Krankenver- sicherungSanstall erfolgen, bei der die aus der Beschäftigung getretene oder abgemeldete Person zuletzt pflichtmäßig versichert war. Die Versicherung kann in der Klasse fortgesetzt werden, in der die versicherte Person zur Zeit der Erlöschung der Versicherung eingereiht war, oder in einer niedrigeren Klaffe. Wer aber in der 4. bis 10. Klaffe eingereiht war, kann die Versicherung in keiner niedrigeren als in der 3. Klaffe fortsetzen. Die einmal gewählte Kläffe darf nicht geändert werden. Der erste Versicherungsbeitrag nach der Anmeldung ist binnen 15 Tagen, die weiteren Beiträge sind monatlich im vorhinein zu bezahlen. Dieses giü auch für die Bezahlung der Beiträge in der Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Der Versicherungsbetrag ist anschließend vom Tage des Austrittes aus der Beschäftigung oder der Abmeldung zu zahlen. Die freiwillige Fortsetzung der Versicherung erlischt mtt dem Antritt einer, die Versicherungspflicht begründenden Beschäftigung, dann durch die Zuerkennung einer Jnvaliditäts- oder Altersrente, durch den Anttitt einer Beschäftigung, in welcher der Versicherte von der Versicherung-Pflicht gemäß 8 5 lit. b bis f oder nach§ 6 lit. d, ausgenommen ist, oder wenn der Versicherungsbeitrag n.icht binnen 18 Tagen vom Fälligkeitstage b e- zahlt wurde. Der Fälligkeitstag ist immer der erstt Tag eines jeden Monats. ES mutz immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, datz sich Zeitungsartikel nur auf kurze Informationen der Oeffentlichkeit beschränken und keine erschöpfende Auslegung aller Aenderungen des Gesetzes beinhalten können. Unklarheiten können nur durch Einholung von Auskünften bei den BersicherungSanstalttn selbst auf« «klärt werden. Wahlen In een Londoner Gemeinden Die Londoner Lokalverwaltung liegt nicht allein in den Händen des Londoner Grafschaftsrates; eine ganze Reihe von Körperschaften nehmen daran teil, zu ihnen gehören auch die Räte der 28 Einzelgemeinden aus denen London besteht. Am 1. November finden nun die Neuwahlen dieser Räte statt, bei denen nicht weniger als 1385 Mitglieder ftir eine Amtsdauer von drei Jahren zu bestellen sind. Die Arbeiterpartei hat bekanntlich im März die Mehrheit im Graf- schaftSrat von London erobert. Sic wird nun darum kämpfen, wenigstens einen Großteil der Gemeinderäte zu erobern, um dadurch ihre Stellung in London zu stärken. Zu den Aufgaben der Gemeinderäte(Metropolitan Borough Councils) gehören zahlreiche Fragen der Hygieneverwaltung, die Verwaltung öffentlicher Parks und anderer Plätze, der öffentlichen Bibliotheken, Kunstgalerien und Museen, die Errichtung, Reinigung und Beleuchtung der S t r a- tz e n usw. In den„London News" legt der Führer des Londoner Grafschaftsrates Herbert M o r- r i f o n dar, daß diese weitgehenden Befugnisse in den Händen fähiger Vertreter der Arbeiterbewegung, die mit der Arbeitermehrhcit im Graf- schaftSrat Zusammenarbeiten, den Einwohnern von London erhebliche Verbesserungen bringen können.„Heute sind— schreibt Morrison— alle Anzeichen zweifellos einem Aufstieg der Londoner Arbeiterpartei günstig. Das begeisternde Resultat der Grafschaftswahlen im März und die Tatsache, datz cs der Arbeitermehrheil im Grafschaftsrat gelungen ist, die Erwartungen der Londoner Bevölkerung zu erfüllen, sind geivitz starke Trümpfe für die Arbeiterpartei in ihrem Kampf um die Mehrheit in den Londoner Gemeinderäten." Kommunalwahlen In Frankreich (Pari».) Das heutige Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, durch das die Wahlen in die Bezirksvertretungen auf den 7. Oktober, die engeren Wahlen auf den 14. Oktober festgesetzt werden. Die Wahlen finden etwa in einem Drittel der Departements statt. Obwohl bei diesen Wahlen in erster Linie die Umstände und lokale Interessen entscheiden werden, werden die Wahlen doch eine große politische Bedeutung haben. Die meisten politische» Parteien haben bereits eine scharfe Wahlkampagne eingeleitet. Balbo In Split ausgepfiffen (Belgrad.) Das jugoslawische Pressebüro ist ermächtigt zu erklären, daß die Meldungen über Demonstrationen gegen Marschall Balbo, die von einer Presseagentur verbreitet wurden, ungenau sind. Während des Aufenthaltes des Marschalls in Split fand durchaus keine Demonstration statt. Es haben bloß zehn von italienischer Seite provozierte Nationalisten einige antiitalienische Zurufe ausgebracht. Marschall Balbo wurde nicht insultiert oder gar von irgendwelcher Gefahr bedroht. Deshalb ist cs nicht wahr, datz er gezwungen war, Split zu verlassen. Tokio ungehalten (Tokio.) Einige Blätter kritisieren sehr scharf den bevorstehenden Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund.„Die Sowjets können im Völkerbund eine Bombe werden, die jeden Augenblick explodieren kann", schreibt„Jomiuri" und führt weiter aus, daß der Böllerbund jetzt ein Bund europäischer Staaten geworden ist. In amtlichen Kreisen wird bestritten, datz der Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund den japanischen Einfluß im Osten oder den deutschen Einfluß im Westen hemmen könnte, wie dies von einigen Seiten angenommen wird. Ostpaktnote auch In Prag notifiziert (Prag.) Der deutsche Gesandte in Prag Dr. Koch überreichte dem Vertreter des Autzcnmini- steriums, dem bevollmächtigten Minister Dr. Krofta den Text des Memorandums betreffend den Standpunkt Deutschlands zum Ostpakt, das bereits am Montag allen Großmächten überreich! worden war. 22 schwere Bomber für China Aktionsradius: Tokio und zurück (New Aork.) Im Zusammenhang mit den Rüstungsverhören berichtet„New Aork Herold", daß die kalifornische Flugzeugfabrik Northrop Co. in diesen Tagen 22 Bombenflugzeuge neuesten Typs für China geliefert habe. Die Flugzeuge, die eine Stundengeschwindigkeit von fast 400 Kilometern entwickeln, seien imstande, mit einer Bombenladung von 500 Kilogramm von Shanghai nach Tokio zu fliegen und ohne Brcnnstosfcrgän- zung an ihren Ausgangspunkt zurückzukchren. Bin Radja abgesägt Der Radja von Jhaipur in Mittelindien i'! von der indischen Regierung gezlvungen worden, seinen Staat auf unbestimmte Zeit zu verbissen. Zur Begründung dieser Maßnahme wird erllärt, datz der Radja seine Regierungsgewalt mißbraucht, die Verwaltung vernachlässigt und seinen Staat an den Rand des Bankrotts gebracht habe. Schuschniggs„Demokratie“ Aus der Sozialversicherung Von Franz Dufffek in Tetschen a. d. E. Veite 4 D:nn«r-ta-, 13. September 1934 Lustmord vet Hohenetve Mutter von zwei Kindern vergewalttgt und dann ermordet An: Nachmittag oder Abend drS 10. September 1934 wurde im Walde bei Obcr-Lange- nau, Bezirk H o h e n e l b e. die 38jShrige Martha Franz auS Ober-Langenau, Mut» ter zweier Kinder, vergewaltigt und dann ermordet. Tie war mit einer alten Wäschefchnnr erhängt worden. Der Tat verdächtig ist ein unbekannter Landstreicher, der sich in den Wäldern aufhält und auch dort nächtigt. Ein« Beschreibung ist nicht vorhanden. Der Täter dürfte eine blntbefleckte Hofe tragen oder den Versuch gemacht habe», dieselbe stellenweise zu reinigen. ES wird ersucht, Umstände, die zur Klärung dieses Falles beitragen könnte», bei der nächsten Gendarmeriestation zur Anzeige zu bringen. TaftsnculgkcUcn Die Guropa-Flieger in Prag Zu der heutigen Ankunft dec Teilnehmer am internationalen Europa-Rundflug in Prag wird mitgetcilt: Der eben stattfindcnde Europa-Rund- flug ist der vierte und cs hatten sich zu ihm im ganzen 38 Flieger angcmcldct. Bei den technischen und anderen Prüfungen sielen sechs aus, so daß in Warschau insgesamt 32 Teilnehmer starteten. Am Laufe des Fluges fielen bisher vier Deutsche, drei Polen und zlvei Italiener aus. Bei den technischen Prüfungen erreichten das beste GruppcncrgcbniS, und zwar: 906.66 Punkte die Tschechoslowakei, die zweiten lvaren die Polen mit 002.75, die dritten die Deutschen mit 878.58 und schließlich die Italiener mit 69Q Punkten. Bis auf den halbem Weg, d. i. Algier, lvaren von den ersten zehn die raschesten folgende Flieger mit einer Durchschnittsgeschwindigkcit ii Kilometern: Bajan 193, Plonczynsli 210, Seidemann 194, Hubrich 172, Buczynski 185, Ambrus 212, Anderle 103 und Hirth 202. Die Aussichten der tschechoslowakischen Teilnehmer Ambrus und Anderle sind gestiegen, da aus der ersten Zchn der Pole Karpinski und der Pole Florjanowicz im Laufe des Fluges auSfic- len. Der erste war bei den technischen Prüfungen an zweiter Stelle und der zweite an siebenter. Die Flieger werden von Donnerstag auf Freitag in P ra g die Nacht zubringen und Freitag früh zur verhältnismäßig schwierigsten Strecke Prag über Kattowitz, Lemberg, Wilna nach Warschau starten^ so daß sie im ganzen 1813 Kilometer durchfliegen. Vom letzten Abschnitt ist der schwierigste der Flug aus Lemberg nach Wilna In Warschau wird noch eine Prüfung der Maxi- malgeschwindigkeit auf 300 Kilometer stattfinden. Die Tragödie der„Morro Castle" «ehre« Befatzungemitglieder verhaftet (Rcw Jork.)"(Reuter.)' Ein F u n k e r des in Brand geratenen Dampfers„Morro Castle" und mehrereandere Bes atzungs» Mitglieder sind auf Veranlassung der Gerichtsbehörden festgenommen worden, um ihr Erscheinen bei der Verhandlung vor dem Bundesschwurgericht sicherzustellcn und ihre Anheuerung auf einem anderen Schiffe zu verhindern. Regelmäßiger Flugverkehr England—USA (Paris.) Der„Petit Parifien" meldet aus London, daß aller Wahrscheinlichkeit nach binnen kurzem eine regelmäßige Flugverbindung zwischen England und den Vereinigten Staaten eingeführt werden wird. Ein riesiges Flugzeug von 3000 PS, Ivelches besonders zu diesem Zwecke in Amerika konstruiert wurde, hat soeben bei den ersten Versuchen zufriedenstellende Ergebnisse geliefert. Das Flugzeug wird 3 2 Passagiere und fünf Mann Besatzung befördern sönnen. Vor dem Transozeanflugc werden mit ihm noch Probeflüge zwischen Nord- und Südamerika vorgcnommen werden. Der dreifache Mörder vom Semmering »ov et«»« Pogrom-Nazi avgestistet (Wien.) Vor dem Wiener Standgericht wurde Mittwoch die Verhandlung gegen den dreifachen Raubmörder vom Semmering, den 26jäh- rigen Johann Fleischer aus Semmering eröffnet. Fleischer hatte am 19. August am Semmering den Wiener Ingenieur Josef Jonas und dessen Begleiterin, die Beamtin einer Wiener Versicherungsgesellschaft EmmaWessely, die einen Autoausflug auf den Semmering untcr- nommcn hatten, meuchlings überfallen und das Paar beraubt. Nach deni Morde verübte er an der Wessely ein Sittlich keitsverbre« ch e n. Fleischer sollte sich bereits am 5. September vor dem Wiener Standgericht verantworten. Die Verhandlung wurde verschoben, weil Fleischer, Ivie um diese Zeit ermittelt wurde, noch einen dritten Raubmord am Semmering begangen hatte, u. zw. an der 17jährigen Verkäuferin Dorf st etter. Auch in diesem Falle hatte er nach der Ermordung und Beraubung seines Opfers dieses geschlechtlich mißbraucht. Fleischer hatte bereits ü» der Vor untersuchung seine Verbrechen ringe st an» d c n. Auch bei der gestrigen Verhandlung gab er die Verbrechen zu, suchte jedoch die Schuld auf den Nationalsozialisten August Spitzer .abzuwälzen, der ihn angeblich zu Mordtaten an Juden angestiftet hatte. Spitzer soll Fleischer auch die Mordwaffe ge» liehen haben.(Spitzer Ivar im Zusammen» hange mit einigen nationalsozialistischen Ter» r o r a k t c n auf dem Semmering nach Deutschland geflüchtet, wurde jedoch dieser Tage in der Nähe von Düren verhaftet. Das Urteil gegen Fleischer wird heute gefällt werden. Flugzeug ohne Piloten... El« Löter, drei Schwerverletzte (Kattowitz.) Auf dem hiesigen Flugfelde ereignete sich Mittwoch nachmittag ein außer» gewöhnliches Flugzeugunglück. Das zum Start nach Krakau bcreitstehende Flugzeug RWD, das von einem Krakauer Piloten gesteuert werden sollte, wurde, als der Pilot noch nicht seinen Sitz eingenommen hatte, durch Anlassen des Motors flugfertig gemacht. Der Apparat setzte sich in Bewegung und rollte in eine auf dem Flugfclde angesammelte Menschengruppe hinein. Eine Person wurde hiedurch getötet, drei andere schwer verletzt. Der Apparat stieß sodann gegen einen Hangar, wurde hiebei beschädigt und blieb schließlich stehen. AwSIftShelo» dei«owotav vom BNtz getötet (Komotau.) Die zwölfjährige Landwirts, iochtcr Maria Musch und der zehnjährige Schüler Wenzel Knaf aus Ukkern wurden Dienstag abend auf einem Felde bei ihrem Hcimatsorte von einem Gewitter überrascht. Während sie heimeilten, ging ein Blitz nieder und tötete das Mädchen. Der Knabe verlor für kurze Zeit das Bewußtsein, blieb jedoch unverletzt. » (Karlsbad.) Dienstag gegeü Abend ging über Karlsbad und Umgebung ein heftiges Ge» Im biblischen Alter von 90 Jahren ist in Chvaly-Poöernice Mittwoch vormittags Frau Katharina Breschko-Breschkov- skaja gestorben, die seinerzeit vielgenannte „Großmutter der Revolution". 1844 geboren, Tochter einer ruffischen Adelsfamilie, wie so viele spätere Revolutionäre, verlebte sie ihre Kindheit noch unter dem halbwahnsinnigcn und gewalttätigen Zaren Nikolaus I., ihre Mädchenjahre aber in der Zeit der beginnenden Reformen des„Zar- BefreierS" Alexanders II. Ihr Vater hatte mit der Durchführung der für Rußland so bedeutsamen und verhängnisvollen Agrarreformen Alexanders zu tun und sie diente ihm als Mitarbeiterin. Sie begann sich für agrarische Fragen und für das Schicksal der Bauern zu interessieren. Die Agrarreform hatte ja die ruffischen Bauen« in eine schlimmere Situation gebracht, als es die Leibeigenschaft gewesen, war. Sie könnten mit den Latifundienbesitzcrn, die den Getreideanbau im großen betrieben, nicht konkurrieren und verelendeten. Die Breschkovskaja begann unter den Bauern agitatorisch zu arbeiten, schloß sich der revolutio» mären Bewegung an und wurde 1874 nach Sibirien verschickt. Sie verbrachte dort mehr als zwei Jahrzehnte ihres Lebens. Die Verschickung war ja immer noch leichter zu ertragen, als di« Haft in den Festungen und, sofern die Verbannten keine Zwangsarbeit zu leisten hatten und über Bargeld Witter nieder. Bei Putschirn wurde ein A r b e i» ter durch Blitzschlag getötet. Bei Po- schetzau schlug der Blitz in ein Pferdegespann, wobei die Pferde getötet ivurden, während der Kutscher Wohl betäubt wurde, aber unverletzt blieb. Zuzng fernhalte«! Die variablen deutschen Dichter, Komponisten, Kritiker und sonstigen Geistesgrößen, die sich mit Hitler oder auch nur mit Fey und Starhembcrg glcichgeschaltct haben, sind sicher keine erfreulichen Erscheinungen und wir sind wohl durch unsere Haltung über den Verdacht erhaben, mit ihnen zu sympathisieren. Angesichts des Echos, das sie aber in der literarisch-journalistischen Unterwelt finden, könnte man manchmal versucht sein, sich ihrer anzunch- men und von der Scylla in die Charybdis,aus der Traufe in den Regen zu fliehen. ES ist auf lange Sicht hinaus vielleicht die übelste Folge der Gleichschaltung der Hauptmann, Benn, Bartel und in ganz besonderem Maße der Einkehr Karl Kraus' bei Starhembcrg» daß sich nun alles, was des Alphabets gerade noch kundig und im Besitze einer Feder ist,an ihnen reibt und auf jener Seite der Barrikade, wo inan als eine der wenigen Annehmlichkeiten die Abwesenheit von Literatur und demgemäß eine reinere Luft buchen konnte, nun polemischen Stunk ver- breitet. Die Abrechnungen mit Karl Kraus, die eS jetzt regnet, sind leider für die Herrschaften, die abrcchncn, in den meisten Fällen noch kompromittierender als es die gleichgeschaltcte„Fak. kcl"(über die wir unsere Meinung deutlich ge- sagt haben) für Kraus ist. Den Vogel abgcschos- scn hat wohl der Albert E h r c n st c i n mit einer Rede auf dem Moskauer Schriftstellerkongreß, die sich g e g e n Hauptmann, Werfel, Kraus, Benn und Leonhard Frank richtet und in einem Sauherdenton gehalten ist, dessen Ordinärheit nur von der Unfähigkeit ihres Autors zur Polemik und Satire überboten wird. Wenn man aus dieser Rede auf den Kongreß schließen sollte, müßte man die Sowjets bemitleiden ob der Gefolgschaft, die sie sich da einge- wirtschastet haben und die sich anscheinend zu einem Teil aus der Region ergänzt, für die man den Ausdruck Asphaltliteratur erfinden müßte, hätte man ihn nicht schon. Angesichts der Möglichkeit, den Ehr en stein und ähnliche Größen, bald vielleicht auch den A n t o n Kuh unter den Vertretern sozialistischen Schrift, tums mustern zu können, kann man sich gar nicht grob und nicht früh genug wehren. So übel die Gleichgeschalteten sind— sie haben sich wenig- stenS separiert. Hüten wir unS vor unseren verfügten, konnten sie sich das Leben in Sibirien erträglich gestalten. 1897 kehrte die Breschkovskaja aus der Verbannung zurück und widmete sich mit Feuereifer der Arbeit für die sozialrevolutionäre Partei. Sie agitierte für die revolutionäre Bewegung auch in den Vereinigten Staaten, wo sie Geld für die Partei sammelte, die damals ihre große— allerdings, wie man erst später durch die Aufdeckung der Verräterrolle AsewS erfuhr— auch so unendlich tragische und groteske Zeit des terroristischen Kampfes gegen den Zarismus und die Ochrana durchlebte. Wegen ihrer Teilnahme an der Revolution wurde die Breschkovskaja neuerlich nach Sibirien verbannt, wo sie nun bis 1917 blieb. Im Triumph wurde sie nach dem Sturz des Zaren zurückgehölt. Aber sie zerwarf sich, wie die meisten Sozialrevolutionäre, mit der bolschewistischen Diktatur, ging in die Emigration und betrieb in den Vereinigten Staaten eine heftige Propaganda gegen den Bolschewismus. Bon Amerika kam sie nach Prag. Die 80jährige betätigte sich auch als Emigrantin noch organisatorisch, indem sie aus amerikanischem Geld zwei Internate für studierende Bauernlinder und in Karpathoruß- land eine russische Druckerei gründete. Diese Frau, die mehr als ein Menschenalter in der Verbannung gelebt und Stellung, Reichtum und privates Lebensglück einer Idee geopfert hat, konnte 90jährig doch auf ein Leben zurückblicken, das reich in einem anderen als dem materiellen Sinne war und das einen großen Sinn gehabt bat. War sie auch mit dem AüSgang der großen ruffischen Revolution nicht einverstanden, so mag mich sie, wie manchen anderen, lange unversöhnlich gebliebenen Gegner des Sowjetregimes, am Ende das Gefühl getröstet'haben, daß Rußland nicht nur den Zarismus endgültig überwunden hat, fondery daß es auch unter der Führung 8er Sowjets wieder eine Weltmiffion erfüllt. Welcher Unterschied zwischen dem Rußland von 1849, das die Breschkovskaja als Kind noch gesehen hat, da die Heere Nikolaus l. in Ungarn die Konterrevolution zum Siege fiihrten und die deutsche Revolution verhinderten, und dem Rußland von 1934, das sie sterbend sah, und deffen Mission es ist, einem Sechstel der Erdoberfläche eine neue Lebensform zu geben, die Idee des Sozialismus tief nach Asten hineinzutragen' und mitzubaucn am Werk der Sicherung des Weltfriedens! Die„Großmutter Der russischen Revolution“ gestorben Die Jubllüumsfelem des ATUS im September sind auch Feiern der Partei, der freie» Gewerkschaften und aller proletarischen Kulturorganisationen. Traget alle da* Festabzeichen des ATUS I Freunden! Zögern wir nicht, die Parole auszugeben: Zuzug fernhalten l A n b i c d e- rungvcrbctenl Aonnnunisten-Berhaftunge» in Ostrau. Die Ostrauer Polizei kam kommunistischen Agitatoren auf die Spur, welche„geheime Versammlungen" der kommunistischen Jugend veranstalteten, illegale Zeitschriften verbreiteten und auf Zäune und Mauern kommunistische Parolen schrieben. Ihr Führer, der unter dem Nanicn„Vlad a" bekannt war, wurde nunmehr verhaftet. Es ist dies der 26jährige Bladislaus P i s aus Svinov. Mit ihm wurden noch zlvei junge Burschen verhaftet, die ihm behilflich lvaren. Wegen der gleichen Tätigkeit Ivurde auch ein kommunistischer Agitator in Karwin verhaftet. Alle Verhafteten wurden dem Krcisgcrichte in Mähr.-Ostrau cingclic« fert und werden wegen Vergehen nach 8 17 und Wege» anderer Straftaten nach dem Rcpublik- schuhgcsch verfolgt werden. Der Kongress der Internationale» Arbeitsgemeinschaft des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer(C. I. A. M. A. C.) tritt am 20. September dieses Jahres in Genf zu seiner Tagung zusammen. Die E2AMAC hat nicht nur die Sicherung der Kriegsopfer auf ihr Programm gesetzt, sondern hat sich hauptsächlich auch die Arbeit für den Frieden zum Ziel gesetzt. Die Verbände der Kleinen Entente-Staaten studieren diese Frage eifrig, lvaö sich auch im Programm des diesjährigen Kongresses der CJAMAC widerspiegelt, in welchem das Referat für die Verbände der Kleinen Entente dem Vertreter der tschechoslowakischen Delegation reser» viert wurde. »Richt nüchtern"— fünf Schwerverletzte. Dienstag gegen abend stieß bei Schlackcnwert ein reichödcutschcs Personenauto mit einem tschechoslowakischen Tatrawagcn mit großer Wucht zusammen. Die Jnsaffcn des TatrawagenS, der Gärtner Max Zuber und ein zweiter Gärtner namens Angermann, wurden verletzt. Anger- m a n n, der einen Darm» und Leberriß erlitt, wurde in schwerverletztem Zustand dem Karlsbader Krankenhaus eingeliefert, während Zuber mit leichteren Verletzungen davon kam. Die .Jnsaffcn des rcichsdeutschen Wagens, u. zw. der Kaufmann Lllfrcd Schild, der Kaufmann Arthur Bartfeld, beide aus Leipzig, sowie Fräulein Else Leiser und Herr Ilja Feigen aus Berlin, wurden sämtlich ziemlich schwer verletzt. Sic lvnrdcn ins Karlsbader Krankenhaus eingeliefcrt. Heute mittag begab sich eiue Gerichtskommission an die klnfallstellc. die erhob, daß der den Tatrawagcn lenkende Gärtner Zuber nicht nüchtern war und mit großer Geschwindigkeit auf der falschen Straßenseite fuhr. ArbriterloS. Beim Ausladen von Steinen wurde der 52jährigc Arbeiter I. P o Z ä r aus Tasov bei Belkö Mczikiök durch einen großen Steinquader gegen den Fuhrwagen gedrückt. Dadurch wurde ihm der Bru st korb eingedrückt, drei Nippen gebrochen und schwere innere Verletzungen zugefügt. PoZär wurde vou der Rcttüngsgescllschaft in das Krankenhaus von Tkebiö überführt. Eine Obst- nnd Gortrnbou-Ausstellung zu Pro- pagandazwecken wird in R a u d n i tz in den Tagen vom 15. bis 18. September d. I. abgehaltcn. Auf ihr lverden über 800 Sorten frischen Obstes ausgestellt werden, sowie Obst in verschiedenen Verarbeitungsformen, frisches und verarbeitetes Gemüse und Gartenprodukte in Töpfen, Kreuzungen von Rosen, Dahlien nnd Gladiolen, weiters künstlerische Dekorationsarbciten, Pflauzenkrankhcitcn, gartentechnisches Gerät und Requisiten, Fachliteratur, Schulgartenprodukte nnd Lchrliugsarbeiten. Die Einschreibungen in die staatliche Schul« für Verkehrs- und Kammerftenographie dauern bis 16, September 1984.(Prag I., Duönk ul 7.) Wahrscheinliches Wetter von heute: Im ganzen schön, heiter bis halbheiter, Ostwind, nachts stellenweise stärkere Abkühlung, untertags ziemlich warm. — Wetteraussichten für Freitag: Fortdauer des günstigen Witterungscharakters Vom Rundfunk ■mpfeManawartea«ms San Programmani Freitag. Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.00 Schallplatte». 17.40 Sängcrquar- tctt. 18.20 Deutsche Sendung. Doz. Labus: Bildtelcgraphie und Fcrnschau. 18.45 Arbeitersendung: Aktuelle 10 Minuten. 18.55 Deutsche Preffe. 19,10 Opernmusik. 22.15 Populäre Lieder tschechischer Komponisten.— Senter St.: 14.00 Klavierkonzert. 14.25.Deutsche Sendung: Für die Frau.— Brünn: 12.80 Orchesterkonzert. 17.45 Schallplatte«. 18.20 ArbeitSmarkt und Sozialinformationen. 18,20 DeutscheSen« düng: Der Fremdenführer, Hörspiel.— Mährisch- Ostrau: 21.15 Josef Haydn: Quartett G-Moll.— Preßburg: 15.15 Orchesterkonzert. Nr, 214 Gchwammerlsegen '■(Jglau.) Im Gebiet von T r e b i t s ch- Kgl a u und VelkL Mezikiöi Ist ein ungeheueres Wachstum der Schwämme, namentlich von Pilzen, zu verzeichnen, der für das arme Gebiet ein wahrer Segen ist. Eine solche Schwämmeernte ist seit einer Reihe von Jahren nicht mehr vorgelommen. In Okkiöky werden täglich in EilzugSwaggonS 80 bis 40 q frischer Pilze nach Prag und Reichenberg verladen, die einige» male während des Tages in Autobussen aus dem bekannten Schwämmegebict nm Opatov und He- raltice im Trebitscher Kreise zur Bahn gebracht werden. Im Jglauer Gebiet, in der Umgebung von Rhokov, fahren die Schwämmcsucher mit Schubka r r e n in dieWä'lder. Die gewöhnliche Ausbeute der Schwämmesucher beträgt bei einer Schwammsuche 10biS 1 2 Kilo g r a m m, während professionelle Schwämmesucher biS26Kilogrammbci einem Waldgang einheimsen. Die arbeitslosen armen Landbewohner kehren täglich gegen Abend in Gruppen mit Rucksäcken voller Schwämme beladen zurück. Der Preis der Pilze beträgt in entlegenen Gebieten 2 AL p ro Kilogramm und für sortierte Pilze bis 8 KL. Unter den Pilzen kommen häufig wunderliche Exemplare und Entartungen vor. Nach Jglau wurde gestern ein Pilz gebracht, um den 9 2 kleine Pilze herumgewachsen waren. Ett« litauische« Städtchen vom Feuer zerstört (Kowno.) Das im nördlichen Litauen bei kelschc gelegene Städtchen Lucke steht seit Lienstag nachts in Flammen. Lucke zählt 1200 Einwohner und besteht fast nur aus Holzhäusern, ilm Mittwoch Bormittag war der Ort trotz energischen Eingreifens aller benachbarten Feuerwehren zu Dreivierteln zerstört. Auch die jüdische Synagoge ist niedergöbrannt. Erst gegen Mittag gelang cs der Feuerwehr, den Rand einzudämmen. Die Ursache des Feuers ist noch nicht geklärt. Selbstmordversuch Levi««* (New Aork.) C h a r l e s L e v i n c, der kcks ersterOzeanflugzeugpassagiermit Clarence Chamberlain im Juli 1027 nach Berlin flog, wurde am Mittwoch in der Küche der Wohnung eines Freundes im Stadtteil Brooklyn neben fünf geöffneten Gashähnen bewutzt- loS aufgefunden. Auf einem Tisch lagen drei Priese, von denen der eine an seinen Freund gerichtet war. Das Schreiben beginnt mit den Worten:»Ichkann ein fach n icht mehr wei» terleb en." Levine wurde von einem Polizeiarzt nach 20 Minuten aus seiner Bewußtlosigkeit geweckt und ins Krankenhaus gebracht. Er dürfte wiederhergestellt Weichen. Furchtbare Strafen. Aus Darjeeling sPritisch-Jndien) wird gemeldet: Drei Bengalen, die unter der Anklage eines versuchten Kordanschlages auf den Gouverneur von Benga- kn, Anderson, vor Gericht standen, wurden zum ko de verurteilt. Gegen vier weitere Angeklagte wurden hohe Zuchthausstrafen verhängt. Zwei Bengalen erhielten je 14 Jahre Zuchthaus, ein weiterer zwölf Jahre Zuchthaus. Ein junges K ä d ch e n wurde zu lebenslänglicher Verbannungund zu vierzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Chinesische Banditen haben an der Eisenbahnstrecke Sipingai—Taonan einen Zug zur Entgleisung gebracht und beschossen. Zahlreiche Fahrgäste wurden getötet oder verletzt. Unsterbliche Richter... Nicht weniger als achtzehn hohe richterliche Beamte der englischen Ttrichtsverwaltung sind mehr als 70 Jahre alt; vor einigen Tagen starb der Richter Scrutton im Alter von 78 Jahren und einer seiner Kollegen, Sir Horace Avory, ist mit 83 Jahren heute noch im Dienste tätig. Der älteste der englischen Justizbeamten, Lovd Trevethm, der nicht weniger als V1 Jahre zählt, ist erst seit einigen Jahren dm" Dienst befreit. Heute noch kann man ihn hoch zu Ross bei den sportlichen Veranstaltungen tü Pegasus-Clubs antreffen, zu dessen Gründern er zählt. Wie kommt es nun, dass die englischen dichter über eine solche stattliche Zahl von Lebensjahren hcrabsehcn können und von den Erfah- wngen fast eines Jahrhunderts auszugchen verwögen? Ein Witzbold hat diese schwierige Frage dahin beantwortet, dass das englische Gericht all- sthrlich drei Monate Ferien mache und die gutbezahlten Richter ihre Langlebigkeit einzig dem Umstande verdanken, dass sie vor anderen Sterblichen dies voraushaben, sich von ihrem Handwerk 8 mal 30 Tage erholen zu können. Wenn diese Folgerung richtig ist, dann müssten alle die Müssiggänger, deren Ferien noch länger dauern, ein ewiges Leben haben. Die verschobene ReichSbrücke. Gestern wurde die über die Lobau führende, von 1873 bis 1876 erbaute Wiener ReichSbrücke mit allen modernen technischen Mitteln verschoben. Im Laufe von fünf Stunden wurde der 340 Meter lauge und 2450 können schwere Eisenüberbau der alten Brücke >lm26 Meter verschoben. Insgesamt waren acht Geleisstränge notwendig. Auf den Geleisen bewegten sich hintcreinqnder je zwei Wal- iuiwagey, auf welchen der Eisenüberbau der alten brücke mittels hydraulischer Pressen aufgelagert wurde. Die Bewegung der Wagen, deren grösste brlastung je 350 Tonnen betrug, erfolgte mit« Donnerstag, 13. September 1034 Seite b gegen Zahnstein kann gefährlich werden, warnt die Lupe Wenn Zahnstein nicht rechtzeitig bemerkt und entfernt wird, kann es so weit kommen, daß er die Zähne lockert und sie schließlich zum Ausfall bringt. Davor schützt Kalodont. Denn als einzige Zahncreme in diesem Lande enthält Kalodont das wissenschaftlich anerkannte Sulforizin« Oleat nach Dr. Bräunlich, das den gefährlichen Zahnstein entfernt und seine Neubildung verhindert. Ein paar Minuten tägliche Kalodont« Pflege ein Leben lang gesunde Zähne! Psychotechnischer Kongreß tels Flaschenzug. Durch die Verschiebung der alten Brücke, die bis zur Fertigstellung der neuen Brücke den Verkehr über die Donau ermöglichen wird, ist der Platz für die neue Brücke frei. Die neue Brücke ist eine Kettenbrücke mit einer Gesamtlänge von 366 Metern, wovon auf die Mit- tclöffnung 243 Meter entfallen. Die Breite der Fahrbahn beträgt 16.5 Meter und die der beiden Gehwege 3.5 Meter. Die beiden Portale, über die die Ketten führen, sind 34 Meter hoch. Ein schwerer BerkrhrSnnfall ereignete sich am Mittwoch früh in B e r l i n. Ein mit sechs Personen besetzter Personenkraftwagen versuchte einen Autobus zu überholen und raste dabei in eine entgegenkommende Strassenbahn. Sämtliche Insassen des Personenkraftwagens mussten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo der Führer des Wagens, der Reisende H o r st H e r b st, und die Ehefrau Klara Bormann kurz nach der Einlieferung ihren Verletzungen erlagen. Der Kraftwagen wurde vollkommen zertrümmert. Der Triebwagen der Strassenbahn ivurde so schlver beschädigt, dass er aus dem Verkehr gezogen werden muhte. Ein Unfallkommando der Polizei hatte fast eine Stunde zu arbeiten, um die Strasse von bin Trümmern des Kraftwagens zu befreien. Mitschuldig? Wie aus Winden bei Kreuzau im Kreise Düren gemeldet'tmrd.rst dort der 25- jah'r. Ocsterr'eichcr S p i tz"e tf''festgellömisieisMüden, der unter dem dringenden Verdacht steht, an der furchtbaren Bluttat am S e m m e rin g, woselbst der Ingenieur JonaS, die Private Wessely und Verkäuferin D o r f st e t t e r ermordet wurden, beteiligt gewesen zu sein. Wie bekannt, ist dieser Mordtaten der Hilfsarbeiter Fleischer angeklagt, der sich heute vor dem Standgerichte verantworten soll. Der jetzt verhaftete.Spitzer erklärt, mit den drei Morden in keiner Weise in Verbindung zu stehen, gibt aber zu, Fleischer seit seiner Jugend zu kennen. Hotelbrand im Lerner Oberland. Im Regina- Palace-Hotel in Beatcnberg, dem grössten Hotel im Berner Oberland, brach am Dienstag Feuer aus. Das Hotel brannte vollständig nieder. Vom Mobiliar konnte so gut wie nichts gerettet werden. Das Hotel, das 150 Betten austveist, ist das einzige am Platz, das während der Winterszeit geöffnet ist. Durch Erdrutsch verschüttet. In Tokaj, wo kürzlich ein verheerender Wolkenbruch niederging, hat sich in der Nacht auf Sonntag ein Erdrutsch ereignet Von einem Bergabhange in Tokaj lösten sich grosse Erdniassen und verschütteten das Wohnhaus eines Arbeiters. Die Fran des Arbeiters wurde t o t aus den Erdniassen geborgen, der Arbeiter erliti s ch w e r e B e r l e tz u n g e n. Die fünf Kinder der Familie blieben unversehrt. ■ Keine Cholera. Das rumänische Gesundheitsministerium dementiert kategorisch die Meldungen, dass die Erkrankungen von Soldaten im Lager Na- maja durch den Cholera-Bazillus verursacht wurden. Nach den bakteriologischen Proben und der klinischen Untersuchung, handelte es sich um eine Massenvergiftung. Erhüngt. Der Oberstleutnant Jng. Dr. Herman» Tippmann in Wien, der dem Hceresmini« sterium dort zugctcilt war, hat sich an einem Fensterkreuz. seiner Wohnung erhängt. Methode,' alt zu werden Das Vermächtnis eines französischen Politikers (Paris.) Die Französische Akademie öffnete Montag einen versiegelten Brief, der ihr .im September des Jahres 1805 von dem ehemali- ncn.Ülpgeprdneteu, Präfekten und Journalisten Jng. Franz La Ur mit dem Ersuchen überreicht worden Ivar, ihn erst nach 39 Jahren im September des Jahres 1934 zu öffnen. In dem Briefe teilt Laur mit, daß er eine Methode zur Erreichung eines langen Lebens entdeckt habe, dass er diese'aber erst nach Sammlung von Erfahrungen im Jahre 1934 bekanntgeben wolle. Er erklärt, mindestens bis S e p t e m b e r des Jahres 1984 am Leben bleiben zu wollen, zu welcher Zeit er das 90. Lebensjahr erreicht. Die Akademie stellte jedoch fest, dass Franz Laur Heuer im M a i gestorben ist, also vier Monate vor dem Termin, den er selbst vor 39 Jahren bestimmt hatte. Während seines ganzen Lebens habe er sich guter Gesundheit erfreut. In seinem Familientestament hinterließ er seine Methode. ES scheint, daß es sich eher um ein System der geregelten Lebensführung und des.festen Willens handelt. Auf dem Psychotechnikerkongreß arbeiteten Mittwoch drei getrennte Gruppen: A-Sektion für Berufsberatung, B-TranSportscktion, C-Kommissiün für wissenschaftliche Organisation der Arbeit. In der Gruppe A ließen Referate und Diskussionsreden deutlich erkennen, daß die Anwendung der verschiedenen psychotechuischen Methoden und die Auswirkung der Berufsberatung weitgehend von den weltanschaulichen und politischen Systemen, innerhalb derer sie ausgeübt werden, sowie von den Fachkenntnissen des ausübenden Psychotechnikers.abhängig sind. Crdölhi(Ungarn) sprach über die Möglichkeit, durch die Berufsberatung den richtigen Mann an den richtigen Platz zu stellen. Der Referent vertritt die Ansicht, daß im Begriff der Wirtschaftskrise schon die ivkeinung enthalten sei, daß es keine latente Krise gebe und folgert daraus, daß die Be- rufshcratung weder infolge der Wirtschaftskrise sinnlos sein könne, noch daß sie nur in Krisenzeiten eine Berechtigung habe. Kraus(Wien) führt auS, daß Länder, in denen die Wirtschaftskrise groß ist, bei der Berufsberatung die seelischen Auswirkungen der Wirtschaftskrise siärker berücksichtigen müssten, als midere Länder. Er erwähnt die Hoffnungslosigkeit, in der der Berufsanwärter aufwächst. Referent glaubt, daß die Ausgabe des Berufsberaters unter solchen Umständen sei, den Berufsanwärtern Lebensmut und moralischen Halt zu geben. Er weist in diesem Zusammenhang auf den Vorteil der Arbeitslager hin. Dr. Kalmus(Prag) erwähnt einige Einrichtungen fiir Berufsberatung in der Tfchechoslolvakischcn Republik: Das Zentralinstitut für Psychotechnik, da? BerufSbcratungsamt Dr. BäüaS, die Reichsarbeitsgemeinschaft, die von der deutscher Hailptstelle fiir Kinderschutz und Jugendfürsorge an Herrn Dr. Scola übertragene deutsche Berufsberatung. Die weiteren Ausführungen von Herrn Dr. Kalmus erregten heftigen Widerspruch. Besonders die Behauptung, daß die Berufsberatung hier von Technikern eingefiihrt worden sei, wurde widerlegt. Es wurde klargelegt, daß für jede Berufsberatung eine psychologische Auswertung der Teste(PrüfungSversuche) und die psychologische Erfassung der Gcsamtpersönlichkeit des Be» rufsantvärtcrs nicht nur selbstverständlich ist, sondern natürlich auch in den Berufsberatungsstellen der Tschechoslowakischen Republik herausgearbeitet wird. .In den NachmittagSsthungen waren die Referate MayerhoferS und Prof. Lahys in der. Transportscktion von besonderem Interesse. Mayer- Hofer sprach über die„llnfallScignung" der Kraftfahrer. Auf Grund gewissenhafter und zahlreicher Versuche an Kraftfahrern konnte Mayerhofer feststellen, daß keinem die Neigung zu Unfällen angeboren ist. Dieses Ergebnis steht in grellem Gegensatz zu den Behauptungen des deutschen Psychologen Marbe und seiner Anhänger, welche von dem„geborenen Unfäller", dem„geborenen Verbrecher" und dem„geborenen schlechten Schüler" sprechen. Nach Mayerhofer sind die Ursachen der Unfälle, soweit sie stchruicht'auf technische Ursachen zurückführxg'sassesi,' auf. sozjale'IMngungen zu- riickzusühren. Ucbcrmüdung, Sör-e um das tägliche Leben, bringen den besten Kraftfahrer in einen Zustand, der seine Leistungsfähigkeit gleich der des schlechten Fahrers erscheinen läßt. Die sozialen M i ß st ä n d e können sogar eine dauernde Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bewirken, z. B. Neurosen verursachen. Prof. Lahy betont ebenfalls die Bedeutung der sozialen Einflüsse auf die Lei- swngsfähigkeit der im Verkehrswesen Arbeitenden. In der Abteilung für Berufsberatung sprach Waldheim(Oesterreich) von den guten Erfolgen der psychotcchnischen Eignungsprüfungen, welche an kriminellen Jugendlichen in der Anstalt Kaiser-EberSdorf erzielt worden sind. Die Eignungsprüfungen ermöglichen es nämlich, die Jugendlichen dem richtigen sozialen und pädagogischen Milieu zuzuführen. Eine Reise in die schdne Slowakei (Fortsetzung.) Wir haben in I a s e n y in der niederen Tatra durch Vermittlung beim Gastwirt Franz PriS- taes eine gute«nh billige Unterkunft gefunden(Bett AL 5.—, Mittagessen recht gut und ehr reichlich AL 6.—(5 Gängel) Nachtmahl, 3—4 Gänge, AL 4.—). Herr PristacS wäre bereit, in einem verfügbaren Raum für- Mitglieder unseres Vereines Touristen« eventuell Maffenlager zu gan- billigen Preisen herzurichten. Eventuelle Interessenten mögen unter der Adresse F. P. Jasenh, Post Pretajna, Zupa XVIII., Slovensko, nähere Auskünfte einholen. Bon I a s e n y, am Fusse der niederen Tatra, kann man wie wir, in einer Rundreise von 6 bis 8 Tagen dei ganze kleine Tatra machen, und zwar über den Chabensy(2018 Meter) zum Djumbier 2045 Meter(herrliche Sicht auf die Hohe Tatra), mit Abstieg zur schönen Tropfsteinhöhle in Dem. Jaskhna nach St. Mikuläs, Bahnfahrt bi? Strba, Fußivanderung nach StrbskL Pleso, nach Be- ichtigung Aufstieg zum Poppersee, dann weiter Über die Froschseen zur Meeraugenspitze(Rysy) 2508 Meter, von wo herrliche Fernsicht und Ausblick auf 12 Hochgebirgsseen möglich ist. Hierauf zurück nach Etrhskö Pleso und mit der elektrischen Tatrabahn, die, wenn 6 organisierte Touristen zugleich fahren, 50 Prozent Ermässigung gewährt, nach Alt und Neu- Schmecks, Besichtigung und. Fußwanderung nach Tatra-Lomnih, wo man wahrlich alle Herrlichkeiten der Hohen Tatra, sowohl Fernblicke als auch die Schönheiten und den Luxus der mächtigen Kur- und Sportheime, an seinem Auge vorüberziehen lasen kann. Pon Lomnitz kann man mit bet Bahn nach Poprad fahren, von wo man die ganze, nur 42 Kilometer lange Hohe Tatra in aller Herrlichkeit und Schönheit(gutes Wetter ist Voraussetzung!) be wundern kann. Bon Poprad in sechsstündiger Wanderung in die Dobfchinaer Eishöhle, wo man gute uttd billige Unterkunft, billiges, gutes Essen und auf Grund der Naturfteundelegitimafion auch eine ermäßigte Eintrittskarte(8 statt 10 Ai) erhält. Der Besuch der 969'Meter hoch gelegenen Höhle in einer Gesamtausdehnung von 8874 Raummetern, wovon 7170 Raummeter Eis sind, ist sehr zu empfehlen. Herrlich sind die mächtigen Raureifbildungen und der grosse Schleifplatz, sMvie die ungeheueren Eisblöcke. Auf dem Wege von Poprad zur Eishöhle kömmt man durch hochinteressante, ganz primitive Siedlungen, die Holzställen viel ähnlicher sehen als menschlichen Behausungen. Wir wurden von den Ausläufern des grossen Wolkenbruches, der über Polen niederging, erwischt, doch ist„nix" passiert... Bon Dobschina wanderten wir wieder sechs Swnden entlang des in Durchführung. stehenden Eisenbahnbaues, der dem-, nächst bis zur Station„Eishöhle" eröffnet werden Ivird, dann aber nach weiter führt, um nach Fertig» Stellung eine bedeutend abgekürzte Schnellzugverbindung nach Kaschau zu ermöglichen. Die Wanderung führt an■ den Bahnbauarbeitersiedlungen vorüber und gestattet interessante Studien von LebenSgewohn« heften, Trachten usw. der heimischen Bevölkerung und der vielen Zigeuner. Wir kamen am Sonntag, den 15. Juni gegen Mittag durch die etwa 2000 Einwohner zählende Ortschaft T e l g a r t und konnten die Slowakinnen in ihren wirklich schönen Trachten(Spitzenleibchen und ebensolche Hauben, stark gerie« gene kurze Stöcke, schöne Schaftstiefeln mit zarten Füssen, bunte Schürzen bewundern. Auch die Kinder, besonders die Mtädchen, gehen sehr bunt. Die Männer zeigten sich in der bekannten Slowdkentracht (Weisse Bluse und weissgraue Filzhosen), die dort stark ansässigen Karpathorusscn sind an einem über das Gesäss führenden breiten Riemen erkenntlich. Wie uns ein deutscher Monteur aus Grulich mitteilt«, ist den Slowaken und Karpathorussen eine f l u ch w ü r- d ige Bedürfnislosigkeit eigen, die auch die Löhne der zugewanderten deutschen und tschechischen Monteure drückt. Bei Telkart macht die neue Bahn«ine herrliche Kurve in Achterform, um die beachtliche Steigung zu überwinden. In der Nähe von' Telkart befindet sich auch im dortigen Kalksteingebirge eine große Höhle, die aber noch nicht allgemein zugänglich ist. Von Cerwony-Sklala fuhren wir mit der Bahn weiter wieder nach Prcdajna, bzw. Jaseny; in den sechs Tagen hatten wir wirklich viel und bestimm! das Wichtigste der niederen und Hohen Tatra gesehen, aber auch von Jasenh aus kann man viele gediegene Tageswanderungen machen, z. B. nach Pcwbrezowa, dem großen staatl. Eisenwerk im engen Hrontal, wo jetzt 2500 Arbeiter beschäftigt stift!, früher 6000 Arbeiter fivährend des Krieges arbeiteten dort über 20.000 Menschen. ,DaS Erz kommt aus dem naheliegenden siowakischen Erzgebirge. Lohnend ist ein Ausflug zur Sauerbrunnquelle(2(4 Swnden). Sehenswert ist auch die grosse Wasserkraftanlage oberhalb Jaseny, wo aus zwei Seitentälern grosse Wassermengen zwecks Gewinnung von Elektrizität für das grosse Eisenwerk in einem 9000 Kubikmeter fassenden Behälter zusammengeführt und durch eine mächtige Fallrohrleitung in„weisse Kohle" verwandelt werden. Der Bau der Anlage dauerte sechs Jahre(1919—1925) und kostete 82 Millionen. Von Jaseny hat man auch die Möglichkeit, bei einer Tagestour Schäfereien im Gebirge zu besichttgen. 400 und mehr Schafe werden im Frühjahr auf die Bergweide getrieben, mit denen dann vier bis fünf Leute in einer kleinen Hütte eine rationelle Käse«, erzeugung betreiben. Vom frühesten Morgen bis in die Nacht müssen die Menschen um elenden Lohn, auf primitiver Liegestatt, bei eintöniger Kost unter allerlei Wetterunbilden den Kampf ums Dasein führen. Bemerkt sei aber, daß die Käseerzeugung peinlich sauber vor sich geht. Die Städte B r e z n o und Bätiskä Byftrica, diese eine schöne aufstrebende Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und vielen öffentlichen Gebäuden, sinh in Tagestouren er reichbar.....^Schluss folgt.). Sekt«« „Tozialdeniokrat" Donnerstag, 13. ScVtcmßer 1934. Nr. 214 »»***■ PRAGER Konst und wissen Gerhart Hauptmann ist ihnen nach nicht braun gemtg! Für den Internationalen Theater k o n g r e ß, der Anfang Oktober in Rom statt- finden wird, soll Deutschland durch F. von Unruh, GropiuS und Gerhart Hauptmann vertreten werden. Die„Deutsche Zeitung" nimmt . gegen die Zusammensetzung dieser Delegation Stellung und meint, eS wäre unverständlich, Ivenn Kräfte vor einem ausländischen Forum für Geist und Inhalt des neuen deutschen Theaters zeugen sollen, die sich im entscheidenden Abschnitt dcS Kampfes und geistigen Reiches in der Unentschiedenheit eines guten Europäertums in der Repräsentation des Weimarer Zwischenreiches hielten. Das Blatt spricht die Erwartung aus, daß die Führung deS Theaters entschieden Verwahrung gegen eine solche Verfälschnng des deutschen kulturpolitischen Einsatzes einlegen werde.— Da kann man nur sagen: Actschi Auch eine„Internationale". AuS Venedig wird gemeldet: Unter dem Vorsitze von Richard Straus; wurde hier der erste Kongreß des Permanenten R a t e s fiir die internationale Zusammenarbeit der Musiker eröffnet. Am Kongreß sind Dänemark, Italien, Jugoslawien, Deutschland und Oesterreich vertreten. In der Eröffnungssitzung sprach Richard Strauß. Der Kongrcßsekrctär Kops ch hielt eine Anspache über die Ausgabe des Permancuten Rates. Der italienische Delegierte L u a l d i schlug vor, ein internationales A r ch i v für moderne Musik zu gründen, in tvelchem Dokumente über das Leben aller modernen Musiker, gesamniclt würden.— Anm. d. Red. Nicht nur die Präsidentschaft des Herrn Dr. Richard Strauß gibt Auskunft über diese„Internationale"; man sehe sich die Staaten an, die in Venedig fehlen, und man weiß Bescheid: große Musiknationen wie die französische, russische, tschechische, spanische sind nicht dabei; uird wo blieben die anderen Erdteile? Hoffen wir. daß ihnen allen weiterhin ein berechtigtes tiefes Mißtraue» gegen die Musikfascisten Zurückhaltung gegen diese„Internationale" auferlcgti „Entführung aus dem Serail". Sonntag in neuer Inszenierung und Ausstattung.(A—1) Besetzung: Book— Konstauze, Riawch— Bclmonte, Rahn— Blondchen, Göllnitz— Pcdrillo, Gutmann — OSmin. Dirigent: Zweig, Regie: Mordo, Ausstattung: Schnltes. Wochrnspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Donnerstag, halb 7 Uhr:„Othello"(Werbevorstellung für Schulen, Abonn. aufgehoben).— Freitag, halb 8 Uhr:„Othello"(D 1).— Samstag, halb 8 Uhr:„Der Vogelhändler" (Werbcvorstellung der Serie C 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr:„Troß und Lobby".— Freitag. 8 Uhr:„Bunbury".— Samstag, 8 Uhr: „T r o ß u n d T o b b y". »«ei' Film »ntsletsie* Nach dem Welt-Kitsch-Erfolg seines Schubert- Films„Leise flehen meine Lieder" hat Willi Forst diesen neuen Wiener Film mit Musil und Kostümen prodilziert, in dem zur Abwechslung nicht Franz Schubert erscheint(den Richard Tauber jetzt für den Film beschlagnahmt hat), sondern die C-Dur-Fanta- sie von Bach und der tote Caruso, der hier auf der Hofopernbühne zu sehen ist, während auf Schallplatte» seine Rigoletto-Arien ertönen. Im übrigen musizieren wieder die Wiener Philharmoniker, die Kostüme stammen von Strnad, und der beleidigte Geschmack findet so abermals Augenblicke des Trostes. Die Handlung ist einer(angeblich verbürgten) Gesellschaftsaffäre aus dem Jahre 1005 entnommen. Ta wird ein mondäner Maler, der die Gattin eines Gibt es Radiowetter? WaS ist Radiowetter? Vor allem anderen eine unfehlbare Ausrede für radiotcchnische Mißerfolge. Wenn der Apparat„gerade heut" nicht pariert, wo du ihn staunenden Freunden vorführen wolltest— beruf dich ruhig aus das Radiowetter. Erzähl ihnen etwas von Ausbrei- tungsbcdingungen, von Ranmwellen und Heavisideschicht(sprich Hewisaidschicht); sie werden ehr- surchtsvoll anerkennen, daß du etwas davon verstehst... Und das Schönste an der Ausrede: sie kann sogar zutreffen.' Denn Radiowetter gibt eS wirklich. " ES soll hier nicht die Rede sein von Balkongittern und Blechfassaden, die als Antenne verwendet werden; daß sich ihre Isolation bei Rcgenwetter verschlechtert, ist Wohl selbstverständlich. Mit dem, waS man Radiowetter nennt, hat das aber nichts zu tun. Die Sonne und daS Radi». Den bedeutendsten und bekanntesten Einfluß auf den Empfang übt die Sonne aus: solange sie über den> Horizont steht, hört man weitentferne Sender nur mit den allerbesten Apparaten. Bei Einbruch der Dunkelheit wachsen die Lautstärken stark an; die Reichweite ein und desselben Empfängers wächst etwa auf das Zehnfache. Der Höhepunkt wird nicht bei Beginn der völligen Dunkelheit, sondern erst nach Mitternacht erreicht; ebenso ist der Fernempfang nicht den ganzen Tag hindurch gleich schleckst, sondern er erreicht etlva nm 2 Uhr nachmittags einen Tiefpunkt. Daraus erklärt sich ganz ztvangloS der zweite regelmäßige Einfluß; in den langen Winternächten steigen Lautstärken und Reichweiten; während der langen Sommertage sinken sie sehr tief und können in den kurzen Nächten nicht mehr hoch steigen/. LWMWWW Professors(versehentlich) um ihren Ruf zu bringen droht, von«der Braut eines Kapellmeisters(aus Eifersucht) angeschossen, Ivetl er sich inzwischen in daS Wiener Mädel verliebt hat, das zur Ehrenrettung der feinen Dame die Schande, Modell gestanden zu haben, ahnungslos auf sich nehmen sollte. Wenn Schnitzler das gestaltet hätte, dann wäre eine psychologische Gesellschaftsstudie mit Ironie und Alt- Wiener HerzcnSlyrik, wenn Sudermann es verarbeitet hätte, ein effektgeladeneS Theaterstück entstanden. Bei Willi Forst aber bleibt die Angelegenheit so langweilig, wie sie für uns Heutige im Grunde ist,— wenn nian sie nicht als Anlaß zur Gesellschaftskritik oder zur Parodie betrachtet, was Herrn Forst— von einige» Seitensprüngen abgesehen—- sichtlich ferngelcgcu hat. Er war sehr darauf be- Für Ausreden nicht geeignet. I • Nähere AuSlandsender machen diesen Wechsel nicht mit; sie sind Tag und Nacht mit gleicher Lautstärke zu hören. Hier gibt es auch keinen Fadingeffekt und kein Radiowetter; dasselbe gilt natürlich erst recht für den Ortsempfang. Also Achtung! Für Ausreden unbrauchbar I Bei weiter entfernten Sendern(für Wellengebiet von 200 bis 600 Meter etwa ab 160 Kilometer Distailz) tritt stärker ein neuer Einfluß auf: Die Lautstärken sind an manchen Abenden hesonderS hoch, an anderen wieder unter aller Kritik; einmal sind die deutschen Sender glänzend, die französischen dafür gar nicht zu hören, drei Tage später spricht unser Apparat plötzlich nur mehr italienisch. Die Regellosigkeit der EmpfangSverhältniffe erinnert tatsächlich an daS Wetter; aber damit ist noch gar nichts über einen Zusammenhang zwischen den beiden„Wettern" gesagt.,. Warnung v»r Bauernregeln. Daß ein solcher Zusammenhang besteht, kann nicht bezweifelt werden; aber worin er besteht, daS ist heute noch ein Rätsel. Die Erfahrung zeigt, daß eine Aenderung der Radiowetterlage gewöhnlich mit einem Wechsel des sichtbaren Wetters Hand in Hand geht. In welcher Weise sich der Empfang ändert, darüber läßt sich freilich kein Gesetz aufstellen. Man muß sich hier sehr vor,,Bauernregeln" hüten, eine jahrhundertealte Erfahrung gibt es ja beim Radio nicht; radiotechnischen Kartenmifschlägern, die behaupten, man müsse bei Regen besser hören, weil„daS Wasser die Wellen besser leitet", gehe man lieber aus dem Weg. Es ist schon richtig, daß der Empfang bei Regen oft besser wird, weil die atmosphärischen Störungen geringer sind(abgesehen von Gewitterregen, die mit ihren elektrisch geladenen Tropsen ein charakteristisches Prasselgeräusch erzeugen); leider gibt«S ja in der Großstadt wenig atmosphärisch« Störungen, weil'nämlich— die anderen Störungen dacht, moralisch und pikant zugleich zu sein, ynd so ist aus der möglicherweise wahren Geschichte eine sehr uiUvahrscheinliche und unbedeutende geworden. Bedeutend wird im Film nur eine Gestalt: die des ahnungslosen, aber schließlich ahnenden und rettenden Wiener Mädels,— weil sie von einer der hoffnungsvollsten jungen Schauspielerinnen unserer Zeit dargcstellt wird. Der Ruhm der Echtheit und der natürlichen Gestaltungsgabe, den sich Paula Wessely auf der Bühne erworben hat, bestätigt sich heute auch im Film, in dem sie glücklicherweise kein schnellverbrauchter Star werden wird, weil sie nicht so aussieht, wie sich Manager und Verleiher eine Schönheit vorstellen. Neben dieser Schauspielerin, die einen Menschen darstellt, erscheint die Be- nnihung des Herrn W o h l b r ü ck, einen Thp zu verkörpern, als krasse Uebertreibung und die Leistung derOlgaTschechowa bloß virtuos. Auch Hans Mosers sprachliche Komik verblaßt(zumal sie der einfallsreiche Regisseur mit einem hohlen Zahn in Verbindung gebracht hat).—eis— viel stärker sind. Systematische Beobachtungen aus srüheren Jahren sollen sogar einen sehr bedeutenden ungünstigen Einfluß festgestellt haben, der von weitausgedehnten Regen- und Nebelfronten ausgeübt wird. Die Temperatur beeinflußt sehr stark die atmosphärischen Störungen, wie sie ja auch die Gewitterbildung bedingt. Zusammenhänge mit Lautstärken und Reichweiten sind nicht nachweisbar. Ebenso hängt ein allfälliger Einfluß des Luftdruckes völlig„in der Luft". Rach einem Gewitter. Dagegen trifft die„Bauernregel", daß die Lautstärker nach einem Gewitter größer sind als vorher, beinahe immer zu; sie dürfte diesbezüglich die einzige sein. Bisher war immer vom Wetter am Empfangs ort die Rede. Welche Rolle das Wetter am Sendeort spielt, liegt erst recht im Dunkeln. JnS Reich der Fabel gehört aber der Einfluß des sichtbaren Wetters auf der Zwischenstrecke; die Wellen tun uns nämlich den Gefallen, hoch Über den. Regenwolken von einem Ort zum anderen zu ziehen, in der berühmten„Heavisideschicht", hundert Kilometer über dem Erdboden, neunzig über den höchsten Wolken. Dort oben ist der Ort, wo das eigentliche Radiowetter entsteht, aus dem Wechsel des elektrischen Zustandes der Heavisideschicht; dieser Wechsel hat jedenfalls, etwas mit den Sonnenflecken zu tun, mit geheimnisvollen Strömungen elektrischer Teilchen von der Sonne her; er hängt sicherlich mit der Heßschen Höhenstrahlung zusammen, zu deren Erforschung Professor Piccard im vorigen Jahr seinen berühmten Stratosphärenstug unternommen hat. Mit dem sichtbaren Wetter hangt das alles nur mehr auf weitläufigen Umwegen zusammen. Aber über die Gesetze der Heavisideschicht wissen wir nicht viel; darum gehört das Radiowetter vorläufig zu jenen unkontrollierbaren und darum so großartigen Ausreden, die nie versagen, wenn ein „Wunderwerk der Radiotechnik" versagt. A. R. Zwei ungeheuerliche Betrugsprozeffe Drei Todesopfer im Hintergrund— Achteinhalb Jahre schweren Werkers Und der geschickte Herr Weinberg Prag, 12. September. Bor dem Prager Kreisgericht wurden am heutigen Tage zwei unglaublich anmutende Betrugsprozeffe verhandelt. Eine alte Gastwirtin prellt elf Personen um zusammen 1,224.000 Ke. Wie cs die heute 02jährige Gastivirtin Julie K r e j t i t fertiggebracht hat, elf Leuten— zum Teil sehr intelligenten Leuten— einznrcdcn, sie besitze ein M> l l i o n e n v e r ni ö g e n, das nur momentan nicht greifbar sei und derart diesen elf Leuten fast eineinviertel Millionen herausznlocken, erscheint jcdeni Außenstehenden absolut unbegreiflich. Ilm so unbegreiflicher, lvcnn man hört, daß sie den Geprellten vorspicgelte, die angeblichen Vermögenswerte bestünden in alten Banknoten, die durch„besonderen Gnadcnakt" dcS Finanzministcrs ausgclvertct tverden sollten oder in der Anwartschaft auf eine Millionenerbschaft und dergleichen mehr. Aber diese Leichtgläubigen ließen sich noch ganz andere Dinge einrcdeu. Sie glaubten z. B., daß dieses zu erivartende Vermögen 12 bis 24 Millionen betrage und unser Finanzministerium mit tausend Freuden die Hälfte dieses Millionenvermö- gens bar ausgezahlt hätte, wenn nicht die alte Krejöik— stolz wie ein Spanier— eine solche Bagatelle abgelehnt hätte. All diesen Unsinn glaubten elf erwachsene und geistig normale Menschen und borgten der verbrecherischen Alten, die übrigens übel genug aussieht und gar nichts an sich hat, lvaS geeignet wäre, bestechend zu wirken. Beträge von vielen tausenden. Den Rekord hält der Vertreter Burda, der der alten Betrügerin nicht tvcniger als 800.000 KC gegeben hat. Unter den Geschädigten befindet sich komischerweise auch ein Polizeiinspektor, der ihr 10.000 K6 lieh. Als Vorwand stlr ihre Pumpereien diente der gefährlichen Alten die Behauptung, sie brauche momentan und dringend Geld für Gebühren, Stempel, Interventionen und Be, stechungen aller möglicher Funktionäre, wodurch die Flüssigmachung ihres märchenhaften Vermögens beschleunigt werden sollte. Ani schwersten büßte seine Leichtgläubigkeit der Häusler Wenzel Riegl aus dem Dorf V y k a n k. der völlig auSgeplündert und in den Tod getrieben wurde. Man fand ihn eines Morgens erhängt und in seiner Tasche eine Menge— natürlich ganz wertloser— Wechsel mit der Unterschrift der Krcjöik. Denn mit Wechseln pflegte sie die Gerupften „sichcrzustcllen". Die Krejiik hatte zwei Komplizen bei ihrer verbrecherischen Tätigkeit, eine gctvisse Therese T u ö e k. eine, alte Betrügerin, deren' Gaunereien bereits zwei Menschen in den Tod getrieben haben.' Ferner wirkte der Bruder der Krejiik, ein grauhaariger Schuft namens Ferdinand Z ä» Hora mit. Diese drei gemeingefährlichen Suöjekte standen heute vor dem Senat des OGR. S u d o m a und das Auditorium war gefüllt von einer Schar leidenschaftlich erregter Zuhörer. Stach langstündiger Verhandlung wurden alle drei Angeklagten schul- d i g erkannt. Die Strafe lautete für Julie Krejöik auf vier Jahre, Terese Tuöek auf dreieinhalb Jahre und Ferdinand Zähora achtzehn Monate schweren und verschärften Kerker. * Herr Otto Weinberg„macht" eine halbe Million Zum Unterschied von diesem Verbrechertrio, das in grobschlächtiger Art und in primitivem Vertrauen auf die unerschöpfliche menschliche Dummheit„arbeitete", ist der 44jährige Bilderhändler Otto Weinberg ein feiner Kenner aller geschäftlichen Gannerpraktiken legaler und illegaler Art und ein ebenso feiner Kenner des Strafgesetzes. In den Jahren 1020 bis 1080 hat er eine Tätigkeit entfaltet, deren„Reinertrag" sich auf eine halbe Million veranschlagen läßt. Dieser Herr stand heuie gleichzeitig mit der Bande Krejrik vor einem anderen Strafsenat unter Vorsitz deS OGR. Dr. Krystufek. , Zunächst lockte er einem hiesigenAd- v ö k a t e n unter der Vorspiegelung, er komme im Auftrage des Raudnitzcr Fabrikanten Becker, eines LandSnianneS und Freundes dieses Advokaten, 28.000 Kö heraus, von denen er aber, bevor der Betrug aufflog, 18.800 Ke zurückgab, um dann zu verschwinden. Schaden: 6700 KL! Einem Prager Kunsthändler redete er ein. er brauche fiir ein gewinnbringendes Geschäft 61.000 Ke. Er erhielt sie. Aus dem Geschäft wurde natürlich nichts und Herr Weiriberg gab nur einen Teil zurück. Schaden: 18.600 Kci Einem hohen Ministerialbcamten versprach der Gauner ein kostbares Gemälde ans Berlin zu verschaffen, einen echten„R e n o i r" für den Spottpreis von 80.000 Ke. Der Herr Sektionsrat, ein großer Kunstfreund, blechte. Natürlich erhielt er das Gemälde nicht. Schaden: 87.000 KCI Dann kam der Zizkover Selcher Prochäskq an die Reihe, ein alter Bekannter des Weinberg, den dieser zuerst durch pünktlich rückgczahlte kleinere Darlehen sicher machte, um dann seinen großen Schlag zu führen. Schaden: 416.000 Kö. Aber sein Meisterstück leistete der Angeklagte beim„Verkauf" eines wertvollen Gemäldes Pieter Breuyhels, das er seinem Besitzer, einer Frau W. abschwahte, unter der Vorspiegelung, eS binnen drei Tagen für 16.000 Ke zu verkaufen, oder zurückzubringen. Die Besitzerin bekam das Gemälde zwar zurück, aber erst nach einer Woche. Inzwischen hatte sich folgendes zugetragcn: Herr Otto Weinberg erschien eines Tages mit dem Bild unterm Arm und in Begleitung einer leider nicht eruierten jungen„Dame" im tafi „Wilson" und machte sich an den Bankier R y p a« e e k heran. Der Bankier biß an und kaufte nach dem üblichen Hin und Her daS Bild gegen bäte 21.000 Ke, die er sofort auSzahlte. Als Eigentümerin, wurde'die junge„Dame" auSgegeben. ' Nach kaum getätigten! Verkauf kehrte aber Weinberg, sich die Haare raufend, und die Stirne schlagend zu dem Bankier zurück. Soeben— so jammerte er, hätte er das Bild für den doppelten Betrag an einen Interessenten aus Brünn verkaufen können. Herr Rypäeck als Bankier wußte das Geschäft, zu schätzen und überließ das Bild dem Verkäufer— unter der Bedingung, daß er öOProzent des Mehrertrages über 21.000 Kö e r h a l t e. So leichtgläubig sind zuweilen selbst Bankiers! Herr Otto Weinberg verlieb aber wohlgemut mit dem verkauften Bild und 21.000 Ke in der Tasche das Kaffeehaus und stellte das Gemälde „ehrlich" der richtigen Eigentümerin zurück. Leidtragender ist Herr Rypäeek. Schaden: 21.000 Ke! Bei der Verhandlung erklärte der Angeklagte zunächst, er sei geisteskrank und legte auch ein ärztliches Zeugnis vor. Wenn die Not am größten, ist ein psychiatrisches Gutachten mn nächsten. Dieser Trick mißglückte, denn das Gericht sah in dem Raffinement deS Angeklagten ein hinlängliches Zeugnis seiner Zurechnungsfähigkeit. Dagegen waren einige Fälle so fein eingefädelt, daß der Gerichtshof wohl oder übel zugeben mußte, es handle sich um. ein „rein zivilrechtlichesVerhältnis". So fallen z. B. die 416.000 Ke des Zi.skover Selchers unter keinen Strafparagraphen. Es war ein freiwilliges Darlehen. Herr Otto Weinberg kennt unser Strafgesetz! Demgemäß kam er glimpflich davon. DaS Urteil lautete nur auf zehn Monate schweren und verschärften Kerkers— natürlich unbedingt. rb. Sport• Spiel• KSrperpIlege Sparta gegen BohemianS 1:0(1:0). Das Aorschlußspiel im Charity-Cup konnte die mit Braine antretcnde Sparta nur mit den: knappsten Ergebnis für sich buchen. ES scheint, daß die Sparta-Mannschaft sich doch in absteigender Form befindet. Rnffen-Fußballspirl in Gdingen. Im Stadion von Gdingen fand ein Fußballwettspiel zwischen einem GdingenerTeamund einer Mannschaft der sowjetrussischen Kriegsflotte, die dort einen Besuch abstattete, statt. Gdingen gewann das Match mit 8:2(0:1). Die Sieger erhielten vom Regicrungskommiffär in Gdingen und vom Konteradmiral der sowjetruffischen Kriegsflotte Pokale, welche sie dann der Sowjetflotte zum Andenken übergab... Anerkannte Wettrekorde in der Leichtathlettk. Auf dem Stockholmer Kongreß der IAAF, wurden 22 neue Weltrekorde anerkannt, von denen 16 von Amerikanern gehalten werden. Ben Eastman allein erzielte fünf Rekorde. Anerkannt wurden folgende Leistungen: Metcalfe(USA): 100 Meter: 10.8, 200 Meter: 20.6 Sek.; Eastman(USA): 440 Vards: 46.4 Sek., 600 Meter: 1:02, 600 gardS: 1:00.2. 600 Meter: 1:18.4, 880 AardS: 1:40.8 Min.; Beccali(Italien): 1000 UardS: 2:10 Mm.; 1500 Meter: Bouthron(USA) 8:48.8 Min.; Eine Meile(1600 Meter): Cunningham(USA) 4:06.8 Min.; 8000 Meter: Nielsen(Dänemark) 8:18.0 Min.; vier Meilen(6482 Meter): Iso-Hollo (Finnland) 10:01 Min.; zwei Stunden: Harper (England) 88.658 Meter; 110 Meter Hürden: Äcard(USA) 14.2 Sek.; 220 gards Hürden: Paul (USA) 28 Sek.; 400 Meter Hürden: Harbin (USA) 60,6 Sek.; Hochsprung: Marty(USA).2."6 Meter; Kugel: Torrance(USA) 17.40 Meter, beidarmig: 26.68 Meter; DiSkuS: Andersson(Schweden) 62.42 Meter; Speer: M. Järvinen(Finnland) 76.10 Meter; Zehnkampf: Sievert(Deutschland) 8700.64 Punkte. Ohne Protest gehtS nicht. Jugoflawien hat nach Abschluß der B a l k a n s p i e l e bei der IAAF einen Protest eingebracht, der sich gegen den Sieger des 10-Kilometer-Laufes KyriakidiS richtet, der nicht griechischer, sondern englischer Staatsbürger sein soll. Im Falle der Anerkennung des Protestes v.erlierr Griechenland zwölf Punkte und Jugoslawien wird dann der Gesamtsieger der Spiele. Lus der Partei SPD. Emigranten. Heute, Donnerstag, 7 Uhr Mitgliederversammlung im GewerkschastShaus. Pers- tyn Nr. 11. Sozialistische Jugend, Shell Prag. Freitag, abends 7 Uhr, im Ligaheim ProbefürKladno und für den Lagerabend. Die Teilnehmer des Sommerlagers und alle Kladno« Fahrer müssen unbedingt kommen.. Kladno-Fahrt. AbfahrtSzei ten am Samstag. 1. Partie: 18.12 vom Ra« sarykbahnhof. Wer mit diesem Zug fahren kau« nimmt nachmittags an der Besichtigung der Poldi- Hütte teil. 2. Partie: Treffen 16.00 Uhr am Ra« sarykbahnhof. Abfahrt 16.80 Uhr. Nachzügler und Stop-Fahrer kommen ins„Lidovy dum" in Kladno. Wer erst Sonntag mittags fährt, meldet sich beim Genossen Schönfelder an.— Fahrpreis: Rückfahrkarte 10.80 Ke. Uebernach« tung: Privatquartier. verdnsnadirtdrtcn PRAG immer willkommen. Turnerinnen! Wer mit Gymnastik, Geräteturnen und Ballspiele seine freie Zeit verbringen will, der kommt jeden Montag und Donnerstag von 7 bis 0 Uhr abends in unsere Turnhalle Prag II., Stöpan- fla 20. Neue Genossinnen sind Frei Heil! ? e.V Z en: Bei Zustellung in» Haus oder bei Bezim durch die Post monatlich K6 16.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig K« 96.—, ganzjährig Ke 102,—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und Telcgraphendirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/10S0 bewilligt. Druckerei:„Orbis", Druck«. Verlag«..und ZeitungE.G., Prag..