14. Jahrgang Nr. 215 Freitag, 14. September 1934 EtatM* 70*IMar (•Imchll.BHch 5 H.ltor PwM UNTRALORGAN DER NUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK BtSCHSNT MIT AUSNAHME MS MONTAG TXOUCH NHK. Redaktion und wrwainnrg iMfriH.,K)CNOWWt. imon<9W. aormbhstratiofi tehfoh sw*. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Ein kommunistisches Kabinettstück Die„Rote Fahne" schrieb in einer Ihrer Glossen der gestrigen Nummer folgenden beachtlichen Satz über den »bolschewistischen Außenminister des stärksten Staates der Welt, der vom ertrinkenden Völkerbund und von den betrübten Lohgerbern, denen die Felle von Versailles davonschwimmen, als Retter gegen Krieg und imperialistische Pestilenz herbrigerusen wird.. |lm Tonfall des 30. Juni i Führer Henlein befiehlt! Hitlerscher Diktatorenstil/ Gegen Nörgler und Gerüchtemacher Er hat keine Hintermänner/ Um den Kameradschaftsbund sprung erzielte. Die Europa-Flleser In Prag Am Donnerstag zwischen 14 llhr 10 und 17 Uhr 80 trafen 21 Teilnehmer des Europa- flugeS, die von Rom in den ersten Morgenstunden aufgestiegen waren und in Wien u- Brünn 8«i schcnlandungen vorgenommen hatten, auf dem Prager Flugfeld ein, wo sich außer den offiziellen Persönlichkeiten Tausende von Zuschauern einge funden hatten. Als erster landete drr Pole W l o d ä r- kiew i c z, dann kam noch ein Pole und zwei Deutsche, bis schließlich um 14 Uhr 48 der erste Tschechoslowakei A m b r üZ, landete. Die Flic-, ger übernachten in Prag und fliegen heute früh zur letzten' Etappe über Kattowitz—Lemberg— neuen Henleinschen-Führerschicht-ausgeschlossen Uns— und wahrscheinlich auch den sowjetrussischen Außenminister— interessiert an dieser „politischen" Aeußerung eines Kommunistcnblat-! tcs nicht so sehr daS darin enthaltene Urteil über den Völkerbund, als vielmehr gerade die Rolle, die dort nach der.Meinung der„Roten Fahne" eben Litwinow angeblich spielt. Denn tvaS sagt denn Litwinow, tvas sagt die Sowjcircgierung dazu, daß Rußland int Völkerbund nur die Rolle spielen soll, ihn vor dem Ertrinken zu retten? Wir haben erst vor wenigen Tagen einen Aufruf der Dritten Internationale aus dem Jahre 1026 zitiert, in dem Moskau die„p a z i f i st i s ch e L c g e n d c" vom Völkerbund zu zerstören sich bemühte und'ich dabei auf Lenin berief, der schon im Jahre 1910 dm Völkerbund als einen„Bund von Räubern und Volksbctriigern" bezeichnete. Aus dieser Gesinnung haben die Kommunisten durch eineinhalb Jahrzehnte die Sozialdemokraten wegen ihrer Bölkcrbundpolitik als Verräter und Sozialfascisten beschimpft.„Nieder m i>t dem Völkerbundl", schrien die Kommunisten alle die Jahre hindurch in allen Tonarten. Nun ist er ihnen zlvar weder gelungen, den Völkerbund niedcrzuringen, noch die Sozialdemokratie in ihrer Politik, auch tvas den Völkerbund anlangt, zu beirren.' Aber angenommen» die»Rote Fahne" hätte recht und der Völkerbund sei wirklich schon am Ertrinken. Warum jubelt dann darüber nicht mit den Kommunisten die Sowjetregierung? Wie ist eS möglich, das; Litwinow, anstatt im Sinne unserer Kommunisten den Völkerbund ertrinken zu lassen, zu seiner Rettung herbeieilt? Wir haben zwar keine hohe Meinung von den Schreibern der„Roten Fahne", aber wir können uns dennoch nicht vorstellcn. daß sie sich nicht des gigantisch lächerlichen Widerspruches bewußt sind, in den: sic sich gerade in punkto Völkerbund bewegen.?lbcr anstatt entweder zu schweigen oder den anständigen Versuch zu unternehmen, den Kommunisten die Ursachen der um hundertachtzig Grad geänderten Haltung Moskaus zum Völkerbund zu erklären, blamieren sie sich durch immer Ivcitcre Verstrickung in noch größere und lächerliche Widersprüche. In wenigen Tagen vielleicht schon wird L i t w i n o w n e b e n den„Räubern und Volksbctrü- g e r n" in Genf sitzen; nach der Meinung d e r„Roten Fahne" nur zu dem Zwecke, u m s i e z n r e t t e n... Es fällt einem wirklich schiver zu glauben, daß das Gehirn gewisser kommunistischer Schreiber noch einmal in jenen Normalzustand gelangen könnte, der ihnen ein Urteil darüber erlauben wird, was man gesunden Lesern noch znmnten kann! Wir haben gestern die Veröffentlichung eines Henleinschen Rundschreibens oder vielmehr einer„Persönlichen Weisung Konrad Henleins an alle Mitglieder der SHF." ange- kündigt. Sie liegt dem Rundschreiben Nr. 81 bei, das am 6. September in Eger auSgcgeben wurde, und ist selbst vom 8..September datiert. Zweierlei ist an diesem Rundschreiben, an dieser„Weisung" des Führers interessant: inhaltlich die Tatsache, daß'in der SHF. nach kaum einjährigem Bestand schon Differenzen schwer st er Natur vorhanden sein müssen, die das Imigatmige und energische Rundschreiben des Führers auSgclöst haben. Wir werden noch sehen, welcher Art die Beschwerden der Mitglieder sind. Formell ist überaus interessantderStil, in dem„Kamerad" Henlein zu seinen Mitgliedern spricht, der T o n- fall, die Diktion der Weisung, die den letzten Zweifel darüber beheben, daß Heulein nicht nur Hitler kopiert» sonder» daß er Hitlers'Geist in sich aufgesogen hat, so daß er nur noch mit den Worten des Führers sprechen kann, wobei es eine zlvcitrangige Frage ist, ob Hitler und Henlein ihre Reden und Weisungen s e l b st verfassen oder ob in beiden Fällen ein anderer der wahre Autor ist. Daß die SHF. eine nach dem Muster der Hitlerpartei aufgcbautc, von ihrem Geist beseelte, von allen demokratischen Formen meilenweit entfernte Partei ist, das wird auch der verstehen, der sich nicht mit Stilkritik befaßt. Der Ton, der aus der Weisung Nr. 51 spricht, ist unverkennbar. So hat noch kein demokratischer Parteiführer gesprochen, so hat hierzulande— von GajdaS Armeebefehlen abgesehen— noch kein politischer.Führer aufzutrumpfen gewagt, auch Stkibrny und Jung nicht. Man höre also: Angriffe auf die Führung In der letzten Zeit sind in einigen Gegenden gegen einzelne meiner nächsten Mitarbeiter Angriff« und Berleumdun» gen erfolgt. Man hat bewußt die verschiedensten Gerüchte auSgestreut, um in unsere geschlossene Einheit Mißtrauen und Zwietracht zu tragen. Man bemängelt z. B., daß in der Hauptleitung zu viel„Akademiker" seien, daß einige Mitglieder des„KameradschastSbundeS" waren, daß die Hauptleitung„bürgerlich" sei, daß in ihr nur„Theoretiker" und keine „Praktiker" sitzen usw. Gegen mich selber erhebt man derartige Vor- , würfe, nicht, aber man sucht meine Mitarbeiter zu„verdächtigen". Meine Mitarbeiter ater find Kameraden und Männer meines Vertrauens. SW .find in den Tagen des ersten Aushaues und des härtesten Kampfes neten mir gestanden und haben sich bis heute als treue Kameraden und verläßliche Mitarbeiter bewiesen und bewährt. Wer gegen fie Borwürfe erhebt, erhebt fie zn- gleich.gegen«ich! Den» ich habe mir die Mitarbeiter gesucht, die ich für mein« Aufgabe brauche. . Die Angriffe dürften in Summa von- den Nationalsozialisten ausgehen, die. ja die Hauptkaders der SHF.— mindestens 80 Prozent der Mitgliedschaft— bilden. Die alten Würdenträger und Funktionäre der- DNSAP.- sind von den Funktionen teils durch obrigkeitliches Weisung, teils durch daö- Emporkommen der Wilna nach Warschau weiter.| Sic rebellieren gegen die Theoretiker und berufen Nach den bisher bekannten Ergebnissen hatlsich darauf, die alten Praktiker zu sein, die grüßten Siegeschancen der Pole Ba j an,! Selbstverständlich arbeitet man auch, da die Nazi der bei der Klassifizierung der technischen Eigen-' dem Henlein ja viele Proleten zugeführt haben, schäften seines Flugzeuges und in den übrigen mit dem Gedanken, daß die Hauptleitung bür- vorlänfigen Prüfungen einen großen Punktevor- g e r l i ch sei. Gegen den Kamcradschastsbund sprung erzielte. scheint eine ähnliche Abneigung zu bestehen, wie in der NSDAP, gegen den Herrenklub, obwohl dieser die NSDAP, und jener die SHF. gemacht haben. Interessant ist neben dem E a sar e n ton, der schon in den ersten Sätzen kräftig angeschlagen wird, die Berufung auf die Tage des„h ä r- testen Kampfes". Hier entsteht eine neue Legende. Herr Henlein hat bisher so gut wie ü b e r h a u p t nicht gekämpft. Von hartem Kampf kann schon gar nicht die Rede sein und das härteste waren die Kuhhandel-Geschäfte mit Spina und Stcnzl. Henlein hat sich in keiner Persammlung gestellt, geschweige denn sonst irgendwie gekämpft. Er wurde auf das Postament dcö gottgcsandten Führers gehoben, schlich an verschiedenen Hintertüren herum und erbte einige Zehntausend Parteimitglieder von Jung und Krebs. DaS ist der ganze Kanrpfl Er fährt im Aato durch das Land,- lcißt-sich von seinen Kamc- radcn feiern und erteilt Weisungen. Aber schon redet er von„hartem Kampf" und in einem Jahr wird er selbst glauben, so wie Hitler heute vermutlich seDcr glaubt, daß er 15 Jahre lang „gekämpft" habe, während er von Banken und Industriellen, von Justiz und Regierungen gehätschelt und aufgcpäpelt wurde I Im H i t l e r t o n— ein wenig untermischt mit Goebbelstönen— fährt der Führer Henlein fort: „Krankhafte Besserwisser** Voll Unbehagen und Feindschaft spürt man daS VorlvärtSschreiten und die innere Lebenskraft unserer Bewegung. Da man erkennt, daß unsere Bewegung von außen nicht zu erschüttern ist, versucht man, uns durch innere Zersetzung zu schwächen. Agitawren schlimmster Art, krankhafte Besserwisser,- wigNnzufrie- Vene find hier am Werke. Meisterhaft verstehen fie es, selber im Hintergründe zu blel- brn und andere varzuschickrn. Gegen solch« Gemeinheiten hilft nur eines: rücksichtsloses Durchgreifen dort, wo solche Gerüchte verbreitet werden. Wer bewußt unserer Bewegung schadet, oder sich von anderen mißbrauchen läßt, ist sofort auszuschließen. Wer als Amtswalter unserer Bewegung nicht die Kraft hat, Ordnung zu schaffen, ist unfähig und soll einer stärkeren Persönlichkeit sein Amt abtretem Ortsgruppen aber, di« nicht Zucht h a l- t e«, die Uneinigkeit und Unkameradschaftlichkeit anfkommen lasse«, werde» brdingungS- loS und schimpflich aufgelöst. Ich erkläre ausdrücklich, daß ich von nun an gegen alle schärfstens ein schreite n werde, die einzelne meiner Mitarbeiter unbegründet in irgendeiner Weise verdächtigen. T ch werde unter keine« Umständen zulaffrn, dassAussenstehende»der Gegner»der Nörgler das begennene Werk stören»der untergraben .Hört man die Melodie des 30. Juni? Den Takt der Maschinenpistolen? Roch hält er ja nicht: dabei, Ernst machen und die Nörgler, die krankhaften Besserwisser, die Unzu- friedeckcn wirklich ,,'schärfstens" erledigen zu können. Roch muß er sich begnügen, die rebellischen. Gruppen'„sch i mpfl ich aufzulöscn", aber er„greift bereits durch". Er hat. Hitlers Reichstagsrede nach den Junimorden nicht umsonst studiert mit heißem Bemühen! Kritik ist nicht erlaubt? Wer ja. Genau wie bei Hitler. In Deutschland darf der Arbeiter beispielsweise gegen den Treuhänder Beschwerde| erheben. Aber er riskiert, aus dem Betrieb zu fliegen, wenn er seine Behauptungen„nicht beweisen" kann. Gegen den Vorgesetzten kann man aber in diktatorischen Staaten n i e etwas beweisen. So ähnlich ist es bei Henlein. Acußcrlich klingt es natürlich nach reinster Gerechtigkeit: Beschwerde» an IHNI Jedes Mitglied ist berechtigt, an die oberste Führung den strengsten Maßstab anzulcgen.- Jedem steht cs zu, seine begründeten Beschwerden gegen Mitglieder der Hauptleitung u n- mittelbar an mich zu richten. Ich erkläre aber, daß jeder, der seine Beschwerde einbringt, auch mit seiner Person für seine Angaben c i n st e h e n muß. Wer mutwillig handelt, oder unbewiesene Gerüchte weiterverbreitet, wird unnachsichtig zur Rechenschaft gezogen. Das mit dem„strengsten Maßstab" stammt wörtlich aus Hitlers Ausruf an die Ml. Nun geht Kamerad Henlein auf die„Gerüchte" ein: 1km allen Gerüchten ein für allemal den Boden zu entziehen, mache ich nachstehende Mitteilungen: 1. Außer mir gehören der Hauptleitung der SHF an die Kameraden(in alphabetischer Reihenfolge): a) Dr. Walter Brand; Leitung meiner Kanzlei(Asch). b) Karl H. F r a n k; Leiter der Werbestelle. c). Dr. Fritz Kö ll n e r; Wahlleitung, Rechts fragen. d) Richard Semmel; Amtsleiter der Hauptstelle,. «) Jng. Ernst P e s ch k a; Wirtschaftsfragen, Soziales Hilfswerk. f) Jng. Willi R ü m m l e r; ZeitnngSleiter (Rundschau). g) Dr. Wilhelm Sebeko.wsky; Leitung der politischen Kanzlei(Pressestelle Prag). h) Rudolf Sandner; Leitung des Organi- sationSaufbaueS. Alle Mitglieder der Hauptleitung sind einander r a n g g l e i ch.. Sie arbeiten in ihrem Aufgabenbereiche und sind mir persönlich verantwortlich. Als richtiger Diktator hat er schon eine Ka- binettskanzlci. Walter B r a n d, der Manager des KB ist Leiter„seiner" Kanzlei. Dr. K ö l l n e r ist ein bekannter Nazi von Jungs Zeiten her. Sebekowsky ist der kleine Goebbels, wie dieser ein besonders waschechter Germane. Verloren gegangen ist der Hauptleitung Herr K u n d t, der Leiter des Deutschpolitischen Arbeitsamtes. Wir hatten, als unverbesserliche Nörgler, an seiner Doppelrolle allerhand bemängelt. Es scheint, daß Hilgenreiner sich diese Nörgelei zu eigen gemacht und den Henlein um einen Mitführer gebracht hat. Dann setzt sich Henlein mit den Einwänden auseinander, daß seine Minister— pardon: Mitarbeiter— Theoretiker, Akademiker und bürgerlich seien. Er verweist darauf daß sie alle aus der Praktischen Arbeit, z. B. der Jugendbewegung, kommen. Besonders, das vergißt er zu erwähnen, S a n d n e r. Der kam nänilich aus der Sozialistischen Jugend. Legen das„klassenkämpferlsche Denken** 2. Der Vorwurf, daß in der Hauptleitung nur„Akademiker" sitzen, ist unwahr. Die Kameraden der Hauptleitung kommen aus den verschiedensten Lebenskreisen. Jemanden einen Vorwurf daraus zu machen, daß er"einen akademischen Grad erworben hat, zeigt nur die sonderbare Denkungsart jenes Menschen, der einen solchen Vorwurf erhebt. Ein größeres Wissen gereichte noch nieman- den zur Schande. Sette 2 Freitag, 14. September 1934 Nr. 215 WWWWÄMWW InUSA Roosevelt llft Truppen bereitstellen lwashingwn.) Streikende nnd Arbeitgeber bereiten sich ans eine lange Däner des Textilkonflikte» vor, wie an» der Tatsache zu ersehe« ist, daß sich die Streikenden mn die Unter» stühungsaktion kümmen» und die Industriellen die Wachen ihrer Fabriken ständig verstärken. Zu schweren Zusammenstößen zwischen Strei- kenden mid Fatrikankensarden kam e» in der FabrikSstadt Woonsocket im Staate Rhode JSland. Donnerstag früh schoß Nationalgarde und Polizei aus Streikend^ die eine Fabrik, in der Streikbrecher arbeiteten, zu stürmen versuchten. Dabei wurde ein Streikender er schossen und mehrere verwundet. Trotzdem gelang eS der Polizei nicht, der Lage Herr zu werden, woraus über Weisung deS Präsidenten Roosevelt 2000 Mann BnndeStrnppen Vereitgestellt wurden. Die Heranziehung des Bundesheeres ist ein immerhin ungewöhnlicher Schritt, da man im allgemeinen bei solchen Anlässen sich lediglich der Nationalgarde bedient. Die Enscheidung darüber, ob das Bundesheer tatsächlich eingesetzt werden soll, liegt nunmehr im Ermessen deS Gouverneurs von Rhode Island. Spanische Wbeiter Mianz durch Beitritt der Kommunisten erweitert (Madrid.) Am Donnerstag wurde in Spanien grundsätzlich eine gemeinsame Arbeiterfront gebildet. Der Vollzugsausschuß der kommunistischen Partei beschloß, der sogenannten Arbeiter-Allianee beizutreten, die sich biSher auS der sozialistischen Partei^ dem sozialistischen allgewerkschaftlichen ArbeitSverband, dem Block der landwirtschaftlichen Arbeiter und dem Verband der Tabakarbeiter zusammensetzte. Vor weiteren Unruhen? Die Nachrichten der Pariser Presse aus Spanien berichten übereinstimmend über w a ch» sendeUnruhenin Spanien und über die Möglichkeit einer neuen revolutionären Bewegung. Die Unzufriedenheit mit der jetzigen Regierung ist in den Rechts« und Linksparteien allgemein. Man erwartet einen baldigen Sturz der Regierung Samper. Den Informationen de»„Petit Parisiun- zufolge decken sich die Sozialisten mttWaffen ein. In Oviedo verhafteten Zivilgardisten angeblich Sozialisten, die in Motorbootm 200.000 Patronen für Mausergewehre«ach San Ssteben überführten. Gege«alle sozialistischen Bürgermeister in der asturischen Provinz wurde der Haftbefehl erlassen. Auch in Barcelona ist die Situation ständig sehr ernst. Die Rechtsblätter behauvten, daß die Patronen aus der staatlichen Waffenfabrik stammen und falsch deklariert wurden. DaS sozialistische Blatt„El Gozialssta" erklärt demgegenüber, dass die Patronen den Sozialisten nicht gehörten und daß die Partei mit der Angelegenheit absolut nichts gemein habe, obwohl eS, wie da» Blatt schreibt,„den Sozialisten nicht unangenehm wäre, wenn die Patronen fiir sie bestimmt gewesen wären". Unnachsichtig verlangen aber muß man von jedem Akademiker, daß er sich von allem „Standedünkel" fernhält. Leider ist hier in früheren Zeiten in de« Kreisen der sogenannten„Gebildeten" unendlich viel gesündigt worden. Wer aber die Lebensgeschichte gerade jener Kameraden der Hauptleitung kennt, die einen akademischen Titel führen, wird wissen, daß gerade sie eS waren, die in ihrer Studentenzeit manchen bitterenDtrauß für eine neue Haltung der Studenten a u s» gefochten haben. „Akademischer Ueberheblichkeit" sind sie auch fern geblieben. Einige unter ihnen haben unter schweren Entbehrungen, als Werkstudenten, ihr Studium durchgesetzt. S. Wer jemanden einen Theoretiker nennt, in der Absicht, ihn als wirklichkeitsfremden Menschen hinzustellen und sich als„Praktiker" rühmt, hat erst den Beweis zu erbringen, daß er eS besser zu machen versteht. Alle Kameraden der Hauptleitung sind von ihrer frühen Jugend an in den verschiedensten Gemeinschaften, in der Jugendbewegung, in der Turnarbeit, in der Schnharbcit usw. tätig gewesen und kennen das Leben aus eigener Erfahrung. Ihren„praktischen" Sinn aber haben sie am besten dadurch bewiesen, daß sie sich mir und der SSF sofort zur Verfügung stellten und mir bi» heute treue Mitarbeiter geblieben sind. Ein„Stubengelehrter", der nur in der Welt seiner Träume lebt, hätte solchen persönlichen Einsatz wohl kaum gewagt. 4. Keiner der Kameraden der Hauptleitung kommt aus sogenannten„bürgerlichen" Kreisen. Keinem ist ein sorgloses Leben bisher beschieden gewesen, sondern sie mußten sich hart und ost in materieller Not durch ihr bisherige» Leben schla gen. Jeder von ihnen weiß, was„soziale Not" heißt. Wer ihnen zum Vorwurf macht, daß sie nicht Handarbeiter gewesen sind, sieht sehr kurz und zeigt nur, daß er da» alte klassenkämpferische Denken noch nicht überwunden hat. Denn nicht darauf kommt es an, ob einer mit dem Kopfe oder mit der Hand arbeitet, sondern darauf: daß er im Dienste für sein Volk arbeitet. Und solche Arbeit ist dann gleichwichtig und ist gleich zu achten, gleichgültig, ob einer im Büro sitzt oder an der Maschine steht, oder in den Schacht fährt. Unsere Volksgemeinschaft sähe traurig au», wenn die Scheidung in Handarbeiter und geistige Arbeiter uns noch zu entfremden vermöchte. Interessanter ist da» folgende Kapitel der „PersönlichenWeisun g". Man erfährt darauf dass der geheimnisvolle„KB." bei den Mitgliedern der SHF in verdächtigem Gerüche steht. Sie scheinen doch eine gute Nase dafür zu haben, dass ein kleiner Klub ehrgeiziger Dilettanten der Politik sie samt und sonder» zur Herde degradiert und sich ihnen ohne Wahl nnd Berufung einfach al» Führerschaft vorstellt. Gelungen ist, dass der KB. dabei als j c s u i t i s ch oder freimaurerisch bezeichnet wird. Also nicht nur Hindenburg und Schacht, auch Henlein ein Logenbruder!? Henlein schreibt: Der„KD“ s. Besonders stark werden in der letzten Zeit Gerüchte über einen geheimnisvollen„K. B." ver breitet. Dabei wird behauptet, daß die G r ü-n- düng der SHF da» W e rk d i e s e» „G e h e i m b u n d e s" sei. Da»an dabei de«„K. B." bald j e s» i t i- scher, bald freimaurertschar Bestrebungen verdächtigt» versucht man dadurch gleichzeitig, die Vertrauenswürdigkeit und die Zuverlässigkeit seiner Mitarbeiter anzugreifen. Um allen diesen Gerüchten den Boden zu entziehen, teile ich mit: ■ Die Abkürzung ,fi. B." heißt. ,K a.m.e« randschaft»bund, Bund für Volt»- und sozialpolitische Bildung", Sitz Böhm.-Leiva. Dieser„KameradschaftSbund" ist als Verein ordnungsgemäß behördlich gemeldet und bot seine Veranstaltungen immer vor der Oestentlichkeit abgehalten.. Der„Kameradschaft-Hund" ist au» der sudetendeutschen Jugendbewegung herauSgewack- sen und stellte eine Zusammenfassung der älteren Menschen dar, die rein altersmäßig der Jugend entwachsen waren und sich für da» geistige, kulturelle und wirtschaftliche Geschehen der Gegenwart interessierten. Der„KameradschaftSbund" sollte möglichst weite Kreise der geistig lebendigen und tüchtigen Jugend unsere» Stamme- erfasse» I Ein Vorläufer de»„Kameradschaft»- b u n d e»" war der„A r b e i t S k r e i• für Gesellschaftswissenschaften", R ei ch enb erg. Die Tätigkeit de»„Kameradschaftsbunde»" bestand in der wissenschaftlich theoretischen Auseinandersetzung mit den Gegenwartsfragen. Zu diesem Zwecke wurden wiederholt Borträge und öffentliche Veranstaltungen abgehalten. Größer« Veranstaltungen, zu denen breiteste Kreise de» . ganzen. Sudetendeutschtum» eingeladen wurden, fanden z. B. ist Leitmeritz statt; dann im Sommer 1982 eine größere wissenschaftliche Tagung in Luditz, eine Herbsttagung 1988 in Leitmertp und im Frühjahr 1984 ein Vortragsabend in Teplitz-Schönau über die Arbeiterlagerbewegung Seither hat der„KameradschaftSbund" keine Tätigkeit mehr entfaltet. Jedenfalls ist e» vollkommen unbegründet und unberechtigt, hier irgendwelche geheime Ding» zu wittern, denn die Tätigkeit de».Kamerad.- schaftSbunde»" spielte sich zu jeder Zeit in volle» Oestentlichkeit ab. Auch hat die Presse wiederhol! ausführlich über diese Tagungen berichtet. ES ist lächerlich, Hinter der Tätt^eit de»„KomeradschaftSbnnde»" irgendwelche jesuitische oder freimaurerische Bestrebungen . zu vermuten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf verweise«, daß die Mehrzahl der Mitglieder der Hauptleitung de» K. B. überhaupt nicht angehört hat. ES fragt sich nur, ob die Kameraden sich in dieser Weise von dem Führer blöd machen lassen. Daß der KB behördlich gemeldet war und nach außen hin eine legale Tätigkeit entfaltet hat, wird niemaiü»bezweifeln. Die Frage ist nur, leaset son st getanhat. Das wird Henlein sich hüten zu verraten. Es ist übrigens nicht ausge. schlossen, daßeressowenigweiß, wie Hitler wissen dürfte, was im Herrenklub vorging. Als Hitler in sei. ner ReichStagSrede den Herrn von AlvenS- leben al»„internationalen Hochstapler' kennzeichnete, wußte er vielleicht wirklich nicht, daß er dem Wirken dieses Hochstaplers seine Stellung als Kanzler und Führer verdankt. Mit der Führerkopie Henlein sst es ähnlich Ein Gerücht, das-schwer zu beweisen wäre, aber alle innere Wahrscheinlichkeit für sich hat und einmal bewiesen werden wird, wenn die KB-Leute sprechen werden. Dieses Gerücht besagt, daß tatsächlich im KB die Bildung der Heimatfront— nicht so sehr der Namen al» da» Faktum einer Sammlung der antidemokratischen deutschnationalen Gruppen— beschlossen worden und daß sehr sorgfältig die Frage besprochen worden sei, wen man zum Führer de« neue« Partei„machen" solle. Man kam, nachdem verschiedene andere Kandidaten auSgeschie dm waren, auf Henlein, der gewiffermaßm in der Retorte zum„Führer" gemacht wurde. Aber e» ist sehr wohl möglich, daß er da» selbst nicht weiß! Immerhin sollte er vorsichtiger sein, wenn er über die Vorgänge im KB spricht, den: er doch gar nicht angehört hat. Er fährt in seiner Messung fort: DI«„Gelehrten“ Spann und Heinrich 6. In diesem Zusammenhänge werden auch oft die Namen der Wiener Universitätsprofessoren Othmar Spann und Walter Heinrich genannt. Dabei stellt man eS so dar, al» ob diese beiden Gelehrten gewissermaßen die eigentlichen Drahtzieher unserer Bewegung wären. ES ist selbstverständlich, daß jeder Student, der in Wim an der Universität studiert, auch die Vorlesungen dieser teidm Profes- sorm, die hmte enropäische« An- ......sehe« genießen,.Hört, E» ist leichtfertig, zu behaupten, daß damit der ' Hörer unbedstigt und bi» in alle Einzelheiten seine Zustimmung zu der vorgetragenen Lehrmeinung gibt. So große» Ansehen auch Spann und Heinrich in der wissenschaftlichen Welt genießen mögen, so stelle ich hier ausdrücklich fest, daß sie mit der SHF überhaupt nicht» zu tun haben. Z« erklärm, die Gründung der SHF hänge mit diesm teidm Gelehrten zusammen oder sei a«f Betreibe» de»„Kameradschaft»»«»- de»"«folgt, ist unsinnig und grgmstand»- lo». Ich bi« gewohnt, meine Entschlüsse selbständig und auf meine eigme Verantwortung SV /y. FRITZ ROSENFELD: W* dxjutta ESN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UND TAG Städte waren gefallen und tausende Menschen waren geswrben, damit diese Krüge und Geschmeide. diese Teller aus Gold und diese Waf- fengehänge, diese Ringe und Halsketten und Armreifen und Spiegel aus aller Welt hier zusam- menströmten. Karawanen waren im Sand der Wüste verröchelt, damit diese Ballen von Seide sich hier aufstapelten und— vermoderten. Er schlug einen Ballen auf. Grüne Seide, die Mäntel ter Assaffinenführer waren aus dieser Seide. Lang lag diese Seide schon hier, die Mäuse hatten sie benagt, durchlöchert war sie, hielt man sie gegen den Himmel, sah sie fast aus wie ein Sieb. Schloß man die Augen, so erblickte man hinter diesem Gespinst die Gesichter der Toten, und die Knochen, die in der Wüste bleichten. Stieß man an eine der Truhen, so kam aus dem klirrenden Metall das Kreischen der Frauen, die man erschlagen, das Weinen der Kinder, die man aufgespießt hatte, um diese Schätze zu erobern. Nun lagen sie da, Tote in einer Burg der Toten. Fast war eS, als wären sie Leib von seinem Leib, und. zögen ihn> hinab in die große, schwere Stummheit und Starrheit, mit der sie Jahre und Jahre in diesen Truhen geruht. Die Trommel rief ihn aus seinen Gedanken. Er stieg auf den Turm, er sah das Tal mit Feuer besät, der Boden brannte um Ulleika, cs gab keine Flucht mehr. Und wie vor Alumat warteten die Tataren vor Ulleika, bis der Schrecken die Verteidiger ge lähmt hatte. Dann brachen sie ein, da» Tor stampften sie nieder, Tote fielen hinter ihnen, wie Halme hinter dem Schritt de» Schnitter». In seinen Saal floh Roceu Eddin, auf dem Thron seiner Väter wollte er sitzen, wenn der Tod ihm begegnete. Kraft hatte er wieder in dieser Stunde. Wenn all die Schätze dort unten moderten ohne Sinn in Jahrhunderten, wenn die ganze Pracht der Welt in einem feuchten Keller verfaulen konnte, und alle» Licht der kostbarsten Steine erblinden— wa» war diese» Leben dann noch wert? Mit einem Hieb schlug der Tatare, der in den Saal drang, Roccu Eddin da» Schwert au» der Hand. Gefesselt wurde er, er lachte. Den Turban rissen sie ihm vom Kopf, er lachte. Dann stand Pal vor ihm. An der Stelle, an der er das Schwert empfangen, stand er nun, da» Schwert in der Hand. Starr sah er Roeeu Eddin an. Zum ersten Make begegneten sich die Augen der Männer. Roceu Eddin hatte die Augen seine» Vater» uNb den Mick seine» Vater». „Nun zeig mir den Weg in den Garten", schrie Pak. Roeeu Eddin lachte. „Nie betrittst du den Garten, Knecht." Stille lag zwischen den Mannern. Dann hob Roeeu Eddin wieder an: „Wer einmal die Straße der Toten gegangen, sieht sie nie wieder. Du nicht und keiner deiner Krieger." Mit erhobenem Schwert stand Pal vor Roeeu Eddin: „Sag mir den Weg in den Garten!" Roceu Eddin lachte. „Du trägst, das Schwert, da» dir mesn Vater gab, Sklave. Ich bin dir nicht Rede und Ant- ivort schuldig. Einen Verräter köpft man, aber man verhandelt nicht mit ihm." „Zeig mir den Weg in den Garten, oder du stirbst in dieser Stunde". I Roeeu Eddin lachte: „Der Fürst der Affassinen fürchtet den Tod nicht, Sklave. Heb' doch dein Schwert gegen mich!" Da hatte Roccu Eddin den Mick seine» Vater»: den durchbohrenden, tödlichen, haßerfüllten, lähmenden Blick seine» Vater». Aber Pal hob da» Schwert. So hatte er e» vor zivanzig Jahren erhoben, an dieser Stelle, al» Ala Eddin vor ihm stand, lachend, mtt hüten Blicken. „So hau doch zu", schrie Roeeu Eddin.„Ich befehle e»' dir. Sklave." Ganz nahe an Pal» Kopf war der Mund Roccu Eddins. Wucht war in dieser Stimme, der Saal erdröhnte. Da» Schwert stand hoch, wie in jener Stunde vor zwanzig Jahren, und e» wollte nicht niedersinken. Die Arme waren kraftlos, die Knie schwer wie Steine. Da lachte Roccu Eddin, daß e» von den Wänden widerhavte, daß die Fackeln zu tanzen begannen. Und da schrie Pal, dass e» von den Wänden widerhallte, und da« Licht der Fackeln gespenstig zuckte: „Axjuttal" Roccu Eddin erstarrte. Jede» Bort hätte man ihm zurufen dürfen in der Stunde seine» Sterben», aber diese» Wort nicht. Und da hieb Pal zu: Axjutta, Axjutta. Axjutta, und jede» Wort war ein Schlag, und dreimal traf da» Schwert Roccu Eddin, da» Haupt spaltete e», bi» zum Rumpf drang e» ein, und ein Arm sprang, wie ein ungehorsame» Schaf einer Herde, beiseite. DaS Schwert sank. Blut troff von dem alten Affasstnenschwert. Färbte den Teppich vor Ala Eddin» Thron rot, Die Tataren schleppten die Leiche de» Scheich» fort. Als letzter aller Assassinen ging der Fürst der Berge den Weg in» Tal, den Weg in den'Fluß, den Weg in» grenzenlose Meer, in dem alle» versinkt, das einst atmete, und aus dem alle» aufersteht, das einst versunken ist... Dann ritten die Tataren in» Tal, und Ulleika krachte hinter ihnen zusammen in einem Berg aufstiebender Funken. Nur nackte Mauern blieben, geschwärzter Stein. Achtzehntausendsiebenhundertundneunzig As- saffinen gingen in diesen Tagen durch das große schwarze Tor, hinter dem Asrael wartete, der Engel deS Tode». Hassan war darunter, der letzte" Heerführer der Assassinen, und Roccu Eddin, der letzte aus dem Geschlechte der Fürsten der Berge. Nie klang mehr Affassinenschrei durch die Länder, nie jagten mehr die wehenden Mäntel über die Steppe und über die Berge, nie trug das Affasstnenschwert mehr den Tod unter die Hirten und Bauern und unter die Bewohner der Städte. Pal ritt die Reihen der Tataren ab, ries den Schreibkundigen, de« Hulagu ihm mitgegc- ben hatte, hieß ihn niedersitzen beim Schein einer Fackel und befahl ihm zu schreiben: c«An den großen Khan der Tataren zu Kasan, an Hulagu! Ich habe Deine Befehle erfüllt, die Schlösser der Affaffinen sind gefallen, ihr Heer vernichtet. In Staub und Trümmern liegen Akrod, Alumat und Ulleika, da» Schwert der Räuber und Würger bedroht nicht mehr Deine Städte und die Zelte Deiner Hirten. Das Werk, da» ich Dir gelobte, ist beendet. Nun beginnt mein Werk, Khan der Tataren: und ich erbitte eine Frist, es zu erfülle«'". Pal schloß daö Scheiben, gab es einem Reiter, der dem Heer vorauSeilte nach Kasan. Die Tataren aber sammelten die Beute und luden sie auf die Rücken zahlloser Tragtiere. Wagen mußten sie zimmern mit hohen Rädern, um all die Ballen und Truhen mit Stoffen und Schätzen über die Ebenen und die Gebirge in die Heimat zu bringen. iFortsetzung folgt.) 9r. 21t Freitag, 14. September' 1934 Seite 3 Polen kündist Minderheitenschutzvertrag (Gen f.) Unliebsame Neberraschung hat hier die Rede de- polnischen Außenministers Beck ausgelüst, der in der Generaldebatte der Lölkcrbunducrsammlung auf den bekannte» polnischen Antrag betreff- Verallgemeinerung de- Minderheitenschutzvertrages hinwies und erklärte, da bi-her alle Polnischen Bemühungen in dieser Richtung von einem Mißerfolg begleitet gewesen seien, sehe sich die polnische Regierung gezwungen, vom heutigen Tage ab die Fortsetzung der Zusammenarbeit Polen- mit den Organen de- Völkerbünde- bezüglich der Kontrolle der Durchführung de» Minderheitenschutzes in Polen auszugeben, solange der Antrag Polen- auf Verallgemeinerung der Minderhritenschudverträge nicht angenommen werde. Beck führte den Mißerfolg des polnischen Antrages auf die Befürchtung der Bölkerbundkreise zurück, inncrpolitische Angelegenheiten der Mitgliedsstaaten anzutasten. DaS gegenwärtige System der Sicherung der Minderheitenrechte durch Vermittlung des Völkerbundes(das in den FriedenSverträgen verankert istl D. Red.) sei im ganzen eine willkürliche Konstruktion, die auf politischen Paradoxen zufällig aufgebaut sei. ES sei daö ein Ausnahmeregime, das gegen die Prinzipien des Völkerbundes sowie gegen das Prinzip der Gleichheit aller Mitgliedstaaten gerichtet sei. Die Anwendung dieses Systems habe völlig enttäuscht. Es habe den Minderheiten nicht genützt, aber als Mittel für eine herabsetzende Propaganda gegen diejenigen Staaten gedient, die ihm unterworfen waren, und außerdem noch als politisch esDruck» mittel, das von Staaten angewendet wurde, die— ohne selbst durch diese Minderheiten-Vec- trägte gebunden zu sein—, das Recht für sich in Anspruch nehmen, an ihrer Kontrolle teilzunehmen. Bekanntlich ist die Verpflichtung, den nationalen und konfessionellen Minderheiten einen ge- wissen Schutz angedeihen zu lasten, in den Friedensverträgen nur den kleinen und mittleren Staaten(und Deutschland hinsichtlich Oberschlesiens), nicht aber den Großmächten auferlegt worden. Polen nimmt aber schon seit langem die Stellung einer Großmacht für sich in Anspruch und trägt daher den ihm auferlegten Minderheitenschutz als diskriminierende Verpflichtung sehr schwer. Schlechter Eindruck Die Kundgebung deS polnischen Außenministers rief in Genf, insbesondere in den Kreisen der Großmächte, eine gewisse lieber- r a s ch u n g hervor. Die Dölkerbundsversamm- lung hatte erwartet, daß die polnische. Delegation ihren Antrag verteidigen werde,.niemand aber hatte geglaubt, daß die" pdlnische Regierung die Zusammenarbeit mit den Organen des Völkerbundes in den Angelegenheiten des Minderheitenschutzes direkt einstellen Iverde. Der englische Außenminister Sir John Simon ließ sich für die Freitag nachmittag stattfindende Debatte in der BölkerbundSver- sammlung in die Rednerliste eintragen. Man erwartet, daß er auf die Erklärung des polnischen Außenministers Beck betreffend den Minderheiten- schutzdertrag antworten wird. Auch B a r t h o u will den französischen Standpunkt darlegen und eS ist nicht ausgeschlossen, daß auch der italienische' Hauptdelcgierte Baron Aloisi zu dieser Angelegenheit sprechen wird. Auch in Paris kam die polnische Ankündigung völlig«»erwartet und unvorhergesehen«nd rief in den französischen politischen Kreisen und in der Presse einen ungünstigen Eindruck hervor: ß» politischen Kreisen wird das B e» dauern über diese Politik Polens ausgesprochen, die in Wirklichkeit eine Ueberschreitung der internationalen Verpflichtungen drS Friedensvertrages bedeutet. Der polnische Schritt wird als Versuch eine- Drucke- Polen- auf die Delegierten des Völkerbünde- angesehen, um Polen entweder einen st ä n d i g e« R a t- s i tz oder andere Bor» teile zu sichern. In jedem Falle wird laber ein derartige- Vorgehen verurteilt und man ist der Ansicht, dass da- Prestige Polen- durch eine solche Politik«her Einbuße erleidet, denn gewinnt. Der„Tempi" erinnert an den Artikel 12 deS Friedensvertrages aus dem Jahre 1019, der festsetzt, daß in allen die Prozedur betreffenden Fällen der Internationale Gerichtshof im Haag entscheidet. Ungerecht, aber zu respektieren Kleine Entente Uber Minderheiten* Schutzverträge Unter dem Vorsitz Titulescus sand am Donnerstag nachmittags eine ordentliche Sitzung des Ständigen Rates der Kleinen Entente statt, in der das Vorgehen aller Delegationen in den wichtigsten Fragen, die in der Völkerbundversammlung stehen, festgelegt wurde. In Angelegenheit des polnischen Antrages auf Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes sind die drei Außenminister der Kleinen Entente darin einig, daß der.gegenwärtige Standpunkt der .Kleinxn Entente,zu'°diesem Problem der gleiche ist, den diese Staaten bereits in den vergangenen Jahren dazu eingenommen haben. Es wird die Ansicht über die Ungerechtigkeit der Minderheitenverpflichtungen gebilligt, die gewisse Staaten einhalten müssen, während andere Staaten keine solchen Verpflichtungen haben. Eine solche Diskriminierung ist nicht richtig. Nichtsdestoweniger beharren die Staaten der Kleinen Entente unerschütterlich auf der genauen Geltendmachung der bestehenden Verträge und wollen die übernommenen Verpflichtungen in jedem Falle respektieren. Oesterrelch-Pakt der Nachbarn T Ein Italienischer Vorschlag Reuter meldet au- Genf: Wie verlautet, erwägen die Großmächte auf Veranlassung Italien- einen Vorschlag, nach dem die Großmächte die Rachbarstaaten Oesterreich- zur Unterzeichnung eines Pattes einladen, in dem sie sich zur Richteinmischung in österreichische Angelegenheiten verpflichten. Deutschland würde natürlich zur Beteiligung an dem Patt eingeladen werden. Bon der deutsche» Antwort würde es abhängen, welche Maßnahmen die in Frage kommende« Staaten später ergreifen würden. Bundeskanzler Schuschnigg ist bei Sir John Simon, Barthou und Baron Aloisi gewesen. Letzterer hatte eine längere Unterredung mit Sir John Simon. zu unterzeichnende Vertrag würde auch Deutschland al- benachbarter Großmacht vorgeschlagen werden. Wenn Deutschland ablehnen sollte, würde dem Vertrag offenbar eine Klausel über die gegenseitige Hilfeleistung im Falle einer gewaltsamen Verletzung der territorialen Integrität Oesterreichs beigefügt werden. Dieser poli» tische Teil des Vertrages würde von einem wirtfchaftlichen Teile begleitet sein, dessen Basis die auf die Kleine Entente ausgedehnten römischen Protokolle bilden würden. Beratung BeneS—Schuschnigg Nach den Informationen des Pariser „O e u v r e" sollen Frankreich, England, Italien und die Kleine Entente einen Paktplan vor- bereiten, durch die die territoriale Integrität Oesterreichs und die Nichteinmischung irgendeiner Großmacht in die innere Politik Oesterreichs sichergestellt werden soll. Dieser von allen Minister Dr. Benes empfing heute den österreichischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg zu einer längeren Beratung und verhandelte mit ihm über die österreichische Frage und über das Verhältnis zwischen den beiden Staaten. Die beiden Staatsmänner besprachen auch wirtschaftliche Fragen. Die beiden Staatsmänner lvollen diese Beratungen fortsetzen. hin zu fassen uuv lasse«ich von niemanden ok- Puppe ober Werkzeug getraachen. wer glaubt, ich sei von irgendwelchen Hinter, männern geschoben, kennt«ich noch sehr schlecht. Die Führer scheinen eines gemein zu haben: das naive Kindergemüt, das sie allerhand plaudern läßt, IvaS sie fiir sich behielten, wenn sie weniger kindlich wären. ES ist natürlich nicht richtig, daß jeder Wiener Student die beiden Hcimlvehr» und Naziprofcssoren Spann und Heinrich hört, es ist nicht wahr, daß die beiden wissenschaftlichen Handlanger der Alpine- Montan europäisches Ansehen genießen und in dec wissenschaftlichen Welt so groß geachtet seien. Das glaubt der Henlein nur, weil man es ihm in»feiner" von KB-Leuten geführten Kanzlei so dargestellt hat. Spann und Heinrich sind weit mehr als durch ihre zlveifelhafte Wissenschaft durch ihre p o l i t i« schenAbenteuerbekannt geworden. Sie waren die Theoretiker der Heimwehr(einer wie seht ja amtlich feststeht zu SO Prozent aus Zuchthäuslern zusammengesetzten„Volksbewegung"). Sie arbeiteten für die von der Alpine« Montan bezahlte Hcimlvehr eine Ständeverfassung aus. Als die nazistische Heimwehr von der schwarzgelben astfiel, verrutschten auch die beiden phantasiereichen Marxtöter und Ständetheoretiker. Im letzten Jahr scheinen sie mehr für Hitler als fier Starhemberg gearbeitet zu haben. Den Kameradschaftsbund haben sie als treue Ammen mit der Milch ihrer hitlerfrommen Denkungsart gesäugt. Ob sie Henlein als P u v P e oder Werkzeug benützt haben, wird eines TageS schon anS Licht kommen. ES jetzt schon zu dementieren, ist jedenfalls verfrüht. Und bevor der Führer leugnet, Hintermänner zu haben, sollte er doch vorsichtiger nach hinten schauen. Uun nun kommt die endgültige Weisung, die Nörgler, die Schrittmacher der„zweiten Revolution" sozusagen, auszurotten: Gegen die Nörgler Alle diese Anschuldigungen, deren Anhalt« barkeit jedem Einsichtigen offenbar ist, zeigen nur, mü welchen Methoden man gegen uns arbeitet. Ich eMäre aber ausdrücklich, daß ich von nun ab gegen alle„Ge- rüchtemach e-r", die einzelne meiner Mitarbeiter in irgendeiner Weise„verdächtig" machen, schürf einschreite« werde. Ich erteile die Weisung, es möge überall dort, wo derartige Gerüchte aufi tauchen,'sofort festgeftellt werden/wohersie kommen und wer sie verbreitet. Jeder, der solche Gerüchte weitergibt, hat für die Richtigkeit seiner Angaben einzustehen. Gegen Quertreibereien und bloße Gerüchtemacherei, die ein Zeichen höchster Unkameradschaftlichleit sind, werde ich innerhalb der Bewe» gnn, die schärfsten Maßnahme« ergreifen. Sollten die Urheber dieser Gerüchte außerhalb unserer Bewegung stehen, so wird gegen sie gerichtlich vorgegangen werden. KameradenI Haltet unsere Bewegung freivonRirglernnnd Gerücht«» «achern mit ihren ost sehr dunklen Nebenzielen und laßt nicht von außenher Mißtrauen und Zwiespalt in unsere Bewegung tragen. Ich verlange auch in diesen Dingen absolute Sauberkeit, Anständigkeit und Ehrlichkeit von jedem einzelnen Mitgliede. Mit kameradschaftlichen Gruße Konrad Henlein e.h. Noch geht eS ohne Blutvergießen üb. n o ch schreitet er mit schärfsten, aber nicht mit den allerschärfsten Mitteln ein, noch werden Nörgler und Kritikaster nicht in- Konzentrationslager geschickt. Aber den S t i l hat er schon weg. Den Tonfall beherrscht er schon. Nicht« lernt sich so leicht wie dieser napoleonische Kommandoton, den einer dieser Gottgesandten vom andern abhört. Wer Ohren hat zu'hören, der hörek Wa- sich in dieser BHF ausbildet, Hst ein Fremdkörper in einem demokratischen Staatswesen. Es mag lächerlich klingen, wenn Henlein droht, poltert und befiehlt. Man vergesse nicht: 1920 Langen auch Mussolinis Aufrufe lächerlich, 1928 noch waren Hitlers Tiraden Stoff für Witzblätter. Man muß leider die S t i l» Übungen der Diktaturlehrlinge e r n st n e h m e n. Es schimmert blutig durch die papierene Phrase. Noch übt Henlein, noch schießr er mit Exerzierpatronen. Aber so wckhr er Hintermänner hat, die zu erkennen sein Hirn nicht au-reicht, so wahr er ein Werkzeug und eine Puppe ist, so wahr der KB die SHF gemacht hat, so wahr.es ist, daß dieser Schüler genau wie sein Meister ein Dilettant der Oekonomte, der Politik, der S t a a t- k u n st i st, so groß ist die Gefahr, daß er sich wie jener andere im wahrsten Sinne als t k u t t g e r Dilettant erweist und den 30. Juni, von dem er jetzt nur da- Pathos hat, einmal wahr macht! Michajlow nach der Türkei geflüchtet (Sofia.) Die Flucht des Führers der mazedonischen revolutionären Organisation Iwan Michailow nach der Türkei hat in Sofia große Sensation hervorgerufen. Michajlow floh in einem Automobil in Begleitung einiger Getreuer seiner Leibwache und seiner Frau, der bekannten Revolutionärin Karnitschewa. Michajlow hielt sich in der letzten Zeit in Sofiaverborgen. Trotzdem zwischen Bulgarien und der Türkei ein Auslieferung-Vertrag besteht, bezweifel«; die Sofioter Freunde Michailows, daß sich die bulgarische Justiz MichajlowS bemächtigen werde, der ihrer Ansicht nach au- der Türk«! nach Italien flüchten wird. Auch Polen Segen den Ostpakt London.)„Dali y Telegraph" zufolge hat der.polnische Außenminister Oberst Beck der brittschen Regiernng durch den Lordgeheimstegel- bewahrrr Eden mitgeteilt, daß Polen endgültig beschlossen habe» sich nicht an dem Ostpakt zu beteiligen. Rumänischer Ausnahmezustand verlängert (Bukarest.) Der Ministerrat hat beschlossen, den in einigen Distrikten Rumäniens nach der Ermordung deS Ministerpräsidenten Dnea eingeführten Ausnahmezustand um wettere sechs Monate zu verlängem. Geburtstagskuchen für Mayr-Harting Herr Mayr-Harting feierte jetzt seinen sechzigsten Geburtstag. Das ist eine gewiß nicht sehr belangreiche Tatsache, aber sie gibt der „Deutschen Presse" immerhin Gelegenheit, in dem GeburtStagsartikel folgenden Kahl zu servieren: „Die erste deutsch-tschechische Koalition, in der Abg. Mayr-Harting der erste deutsche Justizminister des Staates war, hätte, wen» S v e h l a an ihrer Spitze hätte bleibe» können, zweifellos die innerpolttifche Befriedung um einen großen Schritt«eitergeführt. I» der heutigen gemischtnationalen Koalition ist der Gedanke des AktiviSmuS schon deshalb arg verwüf- sert bzw. einseitig verzerrt worden,«eil die numerische Bedeutung des deutschen Elements im Kabinett durch Hinzuziehung aller sozialistischen Parteien au Kraft sehr viel eingebützt hat. Die Rückschläge, die die Lage deS Sudetendeutschtums seitdem auf allen Gebieten erfahren hat, werden hoffentlich bei den nächsten Parlamentswahlen zu einer Klärung im deutschen Lager führen." Sie haben bekanntlich schon einmal zur Klärung im sudetendeutschen Lager geführt: nn Jahre 1029 rechnete das Volk mit dem vou Mayr-Har- ting mitrepräsentierten Bürgerblock ab, der den Deutschen die BerwaltuugSreform und den Arbeitern— neben anderen sozialpolit. Rückschlägen— die Verschlechterung der Sozialversicherung beschert hat. Die„Deutsche Presse" möge doch sagen, in welchen Erfolgen— wir wären da mit dem wenigsten zufrieden— sich der Aktiviömus des Mayr-Harting eigentlich darstellt. Er hatte doch vier Jahre Gelegenheit, sich auSzulebcn. Wenns aber nur auf Svehla ankam— wie kommt dann die„Deutsche Presse" dazu, dem Mayr- Harting Lorbecrkränze zu winden? Die Bedeutung deS deutschen Elements ist durch die Rcgie- rungSteilnahme der Sozialdemokraten in der Hinsicht gestärkt worden, daß wir uns viel stärker zur Geltung bringen als eS der Ja-Sager a. D. je versucht. Gewiß: die tschechische Mehrheit ist heute in der Regierung größer als während der Ministerschaft Mayr-HartingS. Das läßt die Erfolglosiglcit seines„AktiviSmuS" nur noch stärker in Erscheinung treten und müßte eigentlich die„Deutsche Presse"— wenn sie ein objektives Organ wäre— dazu bestimmen, in der Kritik an uns etlvas zurückhaltender zu sein. Uns dünkt, daß eS nidjt sehr freundlich ist, Herrn Mayr-Harting an seinem Festtag an seine Ministerschaft zu erinnern. Sie war der fruchtloseste, leerste Abschnitt seines Wirkens als deutscher Politiker. Oer„Veter" und die Logik Das agrarische Abendblatt„Beker" machte gestern wieder einmal, um nicht aus der Uebung zu kommen, Stimmung gegen die deutsche Rundfunksendung der tschechoslowa- kischen Stationen: Die Mehrheit der deutschen Hörer schalte die Prager Sendungen nicht ein und ziehe die ausländischen Stationen vor. Bom „Beker" Verständnis für das Recht der zahlenden deutschen Hörer auf Sendungen in ihrer Sprache zu verlangen, wäre vergebliche Mühe. Er widerspricht sich aber selbst. Denn abgesehen davon, daß es dem„Beker" schwer fallen würde, auch nur glaubhaft zu machen, daß nur eine Minderheit der Hörer sich für das inländische deutsche Programm interessiert, wird es ihm vollends unmöglich sein, jcinaiid davon zu überzeugen, daß es zum Vorteil des Staates— für den der Rundfunk eine große Bedeutung hat— wäre, wenn die deutschen Hörer zum Abhören der ausländischen Sender gezwungen werden würden. Das lväre aber die selbswerständliche Folge der vom „Beker" gewünschten Auflassung der deuffchen Sendung. Wie solche Maßnahmen mit der Abwehr ausländischer Rundfunkpropaganda vereinbar sind, ist ein Rätsel, welchem der„Beker" lieber aus dem Wege geht. Vom Psychotechniker- KongreB Auf dem Prager Psychotechniker-Kongreß sprach am Donnerstag Arnold(Deutschland) für das Führerprinzip in einer Weise, welche die Antwort Lahys(Frankreich) hcrausforderte, daß hier Wissenschaft und nicht Politik zur Diskussion stehe. Der aus diesem Zlvischenfall sich ergebende allgemein politische Konflikt scheint bereits beigelegt worden zu sein. Im übrigen wurde iiber Berufsberatung von Maturanten in zahlreichen Referaten gesprochen. Besonders erwähnt seien die Referate Biegel« eisen(Krakau), welcher seststellte, daß unter nichfftudierenden Jugendlichen sich eine Anzahl befindet, welche die Jntelligenzprüfungen ebensogut ablegten als Absolventen der Mittelschulen, weiter das Referat Mayerhofer betreffend die Beruföanalyse des AerzteberufeS. Das soziale Empfinden und die Fähigkeit, den Einfluß des sozialen Milieus auf den Patienten zu beurteilen, ist für den Arzt ebenso wichtig, wie intellektuelle und spezielle fachliche Fähigkeit. Ferner das Referat von Dr. Gertrud Nevekluf, tvelche eine Auswahl der zum Medizinstudium zuzulassen, den Abiturienten nach charakteriologischen Gesichtspunkten und eine Reforin des Medizinstudiums dahingehend vorschlug, daß das gegenseitige Verhältnis zwischen Arzt und Patienten nicht durch ökonomische Gesichtspunkte beeinträchtigt werde. Seite 4 Freitag, 14. September 1934 Nr.«5 Gin Gattenmord r Sensationelle Aufklärung des Bodenbacher Mordes (Bodenva ch.) Der furchtbare Mord, der Mittwoch an der Frau des Eisenbahners Spirt verübt wurde, hat eine überraschende Aufklärung gefunden: ES handelt sich nicht um einen Raubmord, sondern um einen Gattenmord. TagcsncuiaKcKcn Der ungarische Spionagedienst in der Slowakei Verhaftung eines Gefreite» (Knschau.) In den lebten Tagen uutersuch- lcn die Militärvrganc genicinsam mit der politischen Abteilung der Kaschauer Staatspolizei, und zwar,>vie wir erfahren, mit vollem Erfolg, einen neuen Versuch des ungarischen'Spionagedienstes in Trebisrv. Der Verdacht konzentrierte sich diesmal aus de» Gefreiten Vilicm F e j i a k aus Trc- visov. Es wurde festgestellt, da» ihn sein Onkel Koloman Raayak ans Ungarn besuchte und daß dieser Onkel den FcjLak am 7. September verführte, gegen Entlohnung für den ungarischen Spionagedienst zu arbeite». Am gleichen Tage wurde jedoch Koloman Ragyak in Trcbisov verhaftet und, nachdem er sein Verbrechen voll eingestanden hatte, wurde auch der Gefreite Fej- eak in Untersuchungshaft genommen, der gleichfalls seine Tat e i n g c st a n d. Ragyak wurde in die Haft des Krcisgcrichtoö in Kascha» eingc- licfcrt und FcjLak dem Mililärprokurator in Ka- schau überstellt. Die Untersuchung wird fortge- jcht. Der verhaftete Raghak ist ei» Bruder Ludwig Ragyaks, der in der Zeit des Umsturzes ein Mitglied der Räuberbande des ungarischen Leutnants szoltöz war, der damals die tschechoslowakischen Staatsbehörden im Grenzgebiete überfiel. Mehrere Mitglieder dieser Bande wurden damals in Kascha» zu hohen Strafen verurteilt. Pilze selbst auf dem Friedhof... Aus Jglau wird uns gemeldet: Die austc r gewöhn lichcschwämmeer.ltc bestätigen»och folgende zlvei überraschende und ungewöhnliche Vorfälle. Ein Postangestcllter aus Jglau sand bei einem Waldgange bei MLöin an der böhmisch-mährischen Grenze auf einer Fläche von bloß vier Quadratmetern Waldbodens sechs Kilogramm 30 Dekagramn vollkommen gesunder Herrenpilze, von denen einige eine er st a u n l i ch e Größe hatten. Schließlich wurde auch ein Pilz auf dem Jglauer Haupt- sriedhof gefunden,>vo sonst noch nie jemand Pilze wachsen sah. Der Jglauer TageSmarkt ist mit ausgezeichneten Pilzen in allen Größen überschwemmt, die in Mengen von Hunderten Kilogramm zu.laufen sind. Mit hohen Absätzen und Regenschirm Absturz vom Watzmann (Berchtesgaden.) Die 50 Jahre alte Kreszenz A I t m a n n aus Kempten(Allgäu) unternahm. vollkommen ungenügend ausgerüstet, einen Spaziergang zur Eiskapclle und machte dann, obwohl sic Schuhe mit hohen Absätzen trug und einen Regenschirm mit sich führte, eine Kletterpartie an der Wavmann-Lsiwand. Als sie sich etwa 700 Meter über dem See befand, stürzte sie etwa 25 Meter tief ab und blieb tot liegen. Tragische» Sude eine» Wohuuuge- streite« (Kladno.) Am Donnerstag, den 13. September, um die siebente Morgenstunde überfiel aus dem Antodroschkcnstand in Motykin b. Kladno der 31jährige Bergmann Jaroslav KiiZ aus Motykin den 37jährigcn Autodroschtenbesitzcr Karl Stkpay aus Motykin und gab auf ihn fünf Schüsse aus einem Revolver ab. Darnach entfloh er aus den Friedhof der benachbarten Gemeinde Hni« dousy, wo er sich a m G r a b c seines B a t c r s erschoß. Aus dem an seine Mutter adressierten Briefe KkiZö geht hervor, daß er sich mit Selbstmordgedanken trug. KkiZ lebte mit Stöpanck wegen WohnungSangelegenhciten seit längerer Zeit in Unfrieden. Er hatte seinerzeit