14. Jahrgang Samstag, 15. September 1934 Nr. 21« Einzelpreis 70 HMer («iMchlltBllch 5 Halter Porta) UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg XII.. fochova 42. tehfon saun. Administration telefon saun. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. fln Dokument des Deuftchnallonaler Hungerkries gegen aufrechte Arbeiter Betriebsterrors Unlängst haben wir In ein Wespennest gestochen mit der Feststellung, daß die Krisennot im deutschen Gebiete vielfach dazu auögenüht wird, sozialistische.Arbeiter in die Reihen des FafeiSmuS zu pressen. Die Unternehmerpresse schrie auf. Natürlich waren eS wieder„mar- ristische Verdächtigungen" und»Denunziationen".,. Die Schande deb scharfmacherischen deutschen Bürgertums wird aber trotzdem an den Lag kom>...». Wir sind heute durch einen Mitarbeiter in die Lage veisetzt worden, sozusagen den parteiamtlichen Ursprung des völkischen Seelenkauses in den Betrieben nachweisen zu können, und zwar durch folgendes Dokument der deutsch nationalen Schande: Deutsche Rationalpariel Streng vertraulich! Prag, im Mai 1032 Sehr geehrter Herr Parteifreund! Tie Wirtschaftskrise verschärft sich immer mehr, die Arbeitslosigkeit breitet sich immer mehr aus. In dieser schweren Zelt hält rS der Partei- »orftand und der parlamentarische Klub der deutschen Nationalpartei für seine Pflicht, alle Unternehmer, hie Mitglieder unserer Partei find, darauf aufmertsanl zu machen, daß auch eine große Anzahl unserer Parteimitglieder arbeitslos ist»nd daß ins- testndere unsere organisierte Parteijngend zum größten Teile ohne Erwerb und Verdienst dasteht. Alle politischen Parteien, ohne Ausnahme, verlangen den ihren Mitgliedern, daß sie sich gegenseitig fördern ond nnterftützrn. Auch die Deutsche Rationalpartei muß im Interesse ihrer Entwicklung«nd im Bewußtsein ihrer. Aufgaben dir gleiche Forderung erheben. ES muß auch bei unS soweit kommen, daß jedes Parteimitglied die Ueberzeugung haben kann, daß eS in ter Partei als Gleicher unter Gleichen gilt«nd daß. ihm im Falle unverschuldeter Rot auch gerne geholfen wird. ES ist leider eine Tatsache, daß dies bisher in unserer Partei nicht restlos zu erreichen war» obgleich seit.Jahre» von der Parteileitung«nd de» Parlamentariern bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen wurde. ES kommt immer noch vor, daß fre i w e.rd e« d e. Stellen ohne zwingende Gründ« an Leut« vergeben «erden, di« notorisch anderen Parteien angehören«nd für diese energisch tätig sind, daS heißt doch de» Gegner am eigenen Busen nähren. ES scheint, als ob vielen unsere» Unternehmern und ihren maßgebenden Stellvertreter» gar icht bekannt wäre, daß in der Deutschen RationlparteieineArbeitnehmer- gr w er k s ch a f t«nd eine Jugendorganisation lGrenzlandjugend) besteht. Wir wollen eine radikale völkische Partei sein» alle Stände «nd Schichten des deutsche» Volkes in diese« Staate umfassen «nd mit gleicher Liebe betreuen. Was mutz sich aber der Arbeiter und Jugendliche, de»»ine ideale Le- benSauffasiung noch bewegt«nd zu uns führt, denkt«, wenn er in dem wirtschaftliche» Vorgehen unserer eigene» Unternehmer nicht- von diese» Ideale» »erwirklicht findet? Er muß an unS allen, an unserer ganze» Sendung als Partei irre«erden. Derartig« Widersprüche müssen de» Bestand der Partei geführten. Die Tatsache besteht und ist nicht wegzuleugnen: Senn«S nicht gelingt, unsere Partei a« f d i e b r ei t e n M a s sie n zu gründen und«inen Großteil unserer Jugend zu gewinnen, so ist alle Arbeit der Parteileitung und ter Parlamentarier vergebens. Die Schichten des vielfach begnem gewordenen Bürgertums schaffe« eS allein «icht mehr..Dies« Aufgabe übersteigt ihr« phpsische««Nd moralische« prüfte. Aber mithelfe« soll und mußeS«nd darf selbst kein Hindernis für die erwachende völkische Brwegung bilde». Da» ist daS wenigste, wa» wir i« Gefühl der Verantwortlichkeit fürdie deutschnationale Politik in- diesem Staate perlangen können und müssen."’•'.< " Um diese Mißstände«ach Möglichkeit zu behebe«, erlaubt sich der Parteiverstand«nd der parla, «en la rische Klub der Deutschen Nationalparteifol- crndr Vorschläge zn unterbreite«: 1. Bevor eine freiwrrdrnd« Stell« eines Beamten, Angestellten oder Arbeiter» frei wird, soll jeder drutschnationale Unternehmer oder dessen' verantwortliche Stellvertreter die»-der nächsten Ortsgruppe unserer Arbeitneh- mergewerkschaft»nd unserer Jugendorganisation auf geeignete Weise, aber' rechtzeitig mitteilen, damit aus den Reihen dieser Organisationen BesetzungSvorschläge gemacht .werden können. ' 2. Diese BesetzungSvorschläge sind in Erwägung zu ziehe»«nd tunlichst zu brrückfichtt- gen, d. h. unter.2 odermrbryM j, len Bewerbern soll jener di« freigewordene Stell« ' erhalten, welcher Mitglied unserer Partei, insbesondere der Arbeitnehmergewerkschaft»der her Jugendorganisation ist. A. Der Kampf um die Erhaltung de» den»- scheu Arbeitsplätze», der fast vollständige Fon- fall von StaätSstrlle», wird eine Ueberprü- fung der gegenwärtige« Arbeit». Verhältnisse notwendig machen. ES ist nur recht«nd billig, wenn frriwrrdrnde Poften mit Volksgenossen, die uns auch gesinnungsmäßig verbünde» find, beseht wrrdey. .... 4. Müssen an» allgemein wirtschaftlichen Gründen Entlassungen rrfolgrtt, s o s in» u n. sere organisierten Parteimitglieder al» letzte z« entlasset», und al» erste wieder aufzuneh- men. Wir bitten Sie, sehr geehrter Parteifreund, diese» Schreiben zwar streng vertraulich zu behandeln, Keine Anleihe ffUr Oesterreich fordert Leon Blum im„Populaire" (Pari».) Leon Blum erklärt heute in dem sozialistischen„Populaire", dass sich die Sozialisten mit aller Entschiedenheit dagegen stellen werden, daß Frankreich Oesterreich eine Anleihe gelvähre oder garantiere, solange in Oesterreich die Unterdrückung der demokratischen Freiheiten und der Arbeiterrechte andauern werde. Da» Blatt erinnert daran, daß die letzte französische Anleihe an Oesterreich im französischen Parlamente nur dadurch verwirklicht, wurde, daß die Sozialisten für sie stimmten, di« damals ausdrücklich den Vorbehalt.machten, daß in Oesterreich die Verfassung erhalten und die Republik geschützt werde..Aus der letzten Genfer Kundgebung Schuschniggs leitet Leon. Blum ab, datz der jetzige Kanzler die Haltung gegenüber den Sozialisten nicht zu ändern gedenkt. Suvlch fährt nach Berlin? Der Berliner Berichterst«.'ter ler HavaS- AgeNtür verzeichnet die in den Berliner diplomatischen Kreisen kursierende Nachricht, datz der italienische UntcrstaatSsekretär im Aussenministe- rium S u v i ch Ende September in Berlin eintreffen wird, fiw' er mit dem Außenminister und änderen. deutschen Staatsmännern' über aktuelle italienisch-deutsche Fragen Besprechungen' haben *wird. ober»m so ernster in Erwägung z« ziehen. Wir bitten Sie weiters, uns darüber mündlich oder schriftlich Ihre geschätzte Wohlmelnung zukommen zu lassen, die selbstverständlich ebenfalls al» streng ver- tranlich behandelt werden wird. Mit deutschem Parteigruß: Der Parteivorftand«nd der Parlamentär. Klub der D. R. P. Vermittlung übernimmt Arieitnehmer-Gewerk- schäft in der Deutschen Rationalpartei, Ortsgruppe Titschen a. E. „Die Schichten deö vielfach bequem gewordenen BürgerrumS schaffen cs allein nicht mehr." Ein Eingeständnis, das uniso wertvoller ist, als cs direkt vom ParlamentSklub der Deutschen Nationalpartei, abgelegt wurde. Nachdem also die physischen und moralischen(sehr wahr!) Kräfte des bequem gewordenen Bürgertums nicht zurei» Len, die breiten Massen zu gewinnen, greift die völkische Unternchmerpartei wieder zn einem probaten Mittel oer MassengcwiNnung, zurHun- g c r p e i ts ch e. Will der Volksgenosse Arbeiter eine eigene politische Meinung haben, will er seine Interessen in der freien Gewerkschaft vertreten, dann mag er verhungern! De» Vorzug auf die freien Arbeitsstellen haben nach dieser Bürgermoral nicht die sozial Bedürftigsten, sondern die Käuflichen. Maa die Nat^onalvartei auch einacstcllt sein, die fämöse„Arbettneyiner-Gewerkschaft", welche dieses Dokument mit unterzeichnet hat, existiert von der Gnade einer langmütigen Demokratie noch weiter. Mögen sich quch die Firmenschilder ändern, die Metlwde des Seelenkauses bleibt. Auch die marktschrmrisch als„Volksbewegung" ausge- rufene Hcimaifront kann auf diese Methode der Masscngewinnnng nicht verzichten. DaS bequem gewordene Bürgertum schasftS nicht mehr. Der Hunger nach Brot und Arbeit ist überall der stärkste Bundesgenosse des Fascismus. Die Arbeiterschaft wird aber auch zu dieser Hacke noch einen Stiel finden I Wir werden die neueren Methoden des BctriebsterrorS noch in das volle Licht der Oeffcntlichkcit rücken. Und für jede Erpressung, die im Namen der„Volk S- gemeinschaft" verübt wird an hungernden deutschen ArbeitSincnsÄicn. wird noch Vergeltung geübt werden nach dem Grundsatz:„Aug um Äug, Zahn um Zah n". Roch ist nicht aller Tage Abend! 7000 Mann Bundes truppen in Bereitschaft (Rrw Aork.) Die Bundesregierung hält 7000 Mann Bundcötruppcn in Bereitschaft, um sie im Bedarfsfall nach Rhode Island zu schicken. Die Mittelpunkte der Streikunruhen Woon- socket und SayleSville stehen unter strengster militärischer Bewachung. Die Nationalversammlung des Staates Rhode Island gestattete dem Gouverneur Green, aus eigener Machtvollkommenheit die S. ch l i e- tz u.n g der Spinnereien vorzunehmrn und die Zahl der Polizisten heraufzuschen. Sie lehnte eS jedoch ab, die Bundesregierung um militärische Unterstützung zu ersuchen. In der Stadt Providence im Staate Rhode .Jssand, wurden über 100 Kommunisten verhaftet. Der Gouverneur von Rhode Island erklärte, es handle sich nicht um einen Textilstreik, sondern um eine kommunistiskb Erhebung. Der Schlichtungsausschuß hat seine Bemühungen um einen Schiedsspruch im Textilarbeiterstreik nach zweitägigen Bemühungen aufgege» ben. ' die erste Spinnerei gibt nach Eine Spinnerei int Staate Mafsachussets vereinbarte ein S o n d e icabko mm« n mit der GewerkschastSorstanisätion, in.der sie allen. Forderungen der Arbeiter rntsprochest hat. Sie anerkannte die Fünftagewoche mit 30 Arbeitsstunden bei erhöhten Löhnen. Vertrage wieder ein„Fetzen Papier“? Die polnische Rakete im Völkerbund Schon vor Beginn der Völkerbundtagung hat Polen seine Aktion zur Erweiterung des Minderheitenschutzes angckündigt. Datz Polen an den' Minderheiten, die cs erwiesenermaßen schlecht behandelt, nichts gelegen ist, wutzte man. Welche Absichten sich hinter der Aktion verbargen, war leicht zu erraten. Datz aber Polens Auhenminister nicht einfach seinen Antrag cinbringcn und begründen, sondern auch den offenen Bruch der Verträge anmclden würde, war Nicht vorauszuschcn und läht auf noch tiefere Hintergründe der neuen Politil Polens gegen den Völkerbund schlichen. Die Vorgeschichte und die völkerrechtliche Unterlage des Streites sind die: In den Pariser Friedenövcrträgc» wurden gewissen Staaten besondere Schuhbestimmungcn für die nationalen, rassischen und religiösen Minderheiten aufctlegt. Es handelte sich dabei im Wese» um die R a ch f o l g e st a a t e n der Haböburgermonarchic, in deren Gebieten überall nationale Minderheiten siedeln und denen man als jungen Staatswesen, die vielfach aus nationalen Revolutionen hervorgegangen waren, nur eine geringe Rechtssicherheit, dafür umsomehr politische Rachcmotive zutraute. Die Staaten wurden verpflichtet, den Minderheiten Mindestrechte zu garantieren und diese Verpflichtung stellt einen integrierenden Bestand- teilder Friedensverträge dar. Wer sie bricht, verletzt auchdie F r i c d e n S v e r t r ä g c. Der Völkerbund, der die Verletzung zulichc, würde jede weitere Verletzung des Versailler Vertrages im voraus sanktionieren. Für die BölkerbundSsatzuiig stellt die ein* seitige Verpflichtung einzelner Staaten zum Minderheitenschutz eine der schwächsten Stellen dar. Sic ist von Haus aus gewissermassen eine Bestimmung„contra bouoö moreS", gegen die guten Sitten, denn)ic setzt für die kleinen Staaten anderes Recht als für die Grossmächte. Sie wurde besonders belastend dadurch, dass eine Grossmacht, nämlich Italien, feine nationalen Minderheiten in schamloser Weise vergewaltigt, Slowenen und Deutsche gewaltsam entnatio- nalisicrt und zugleich in Genf darüber zu Gericht sitzt, wie die Tschechoslowakei oder Rumänien ihre Minderheiten. behandeln. Darum erklärt die Kleine Entente auch jetzt, dah Einseitigkeit der Verträge ungerecht sei. Sie ist es und die Erweiterung des Minderheitenschutzes wäre nur zu begrüben. Die Vorgangsweise Polens soll aber gar nicht der Erweiterung dienen. Polen wartet ja gar nicht ab, was der Völkerbund zn seinem Antrag sagt. Polen wäre von einer Erweiterung und Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes sicher uuaugenehin berührt. Polen tvill den Minderheitenschutz überhaupt sprengen und zerreißt darum wie einen„Fetzen Papier" den Vertrag, für den sich die an der Erhaltung von Versailles interessierten Staaten einsetzen, auch wenn sie ihn nicht für gerecht halten. Ein altes Motiv für die Haltung Polens ist sein Ehrgeiz, als Großmacht zu gelten. Dieter Ehrgeiz war cs ja, der Polens Abkehr von Frankreich forderte und es in Deutschlands Arme trieb, weil Frankreich Warschau nicht in die Verhandlungen über den Viererpakt einbczogen hatte. Ein jüngeres Motiv der polnischen Politik ist der E i n t r i t t R u h l a n d S in den Völkerbund. Polen mißhandelt seine ukrainische und seine weißrussische Minderheit'seit 15 Jah- xcn. Beide hatten in Genf keine» mächtigen'Anwalt. Nun besteht die Gefahr, daß Russland die Minderheitcnpolitik Polens zur Diskussion stellen könnte. Polen will dem. auswciche» und kündigt dqrum den Vertrag im selben Augenblick, da es gegen Russland scheinheilige Anklagen wegen der Unterdrückung der russischen Bevöllerung erhebt. Man würde aber die letzten Motive deS rabiaten Vorgehens der Polen in Genf verkennen, wenn man die Warschauer Politik ohne Zusammenhang mit den Absichten der Berli- Seite 2 1■ 1 5fr. 310 Snntolnß. 15. September 1931 Merparlamentarische Konferenz ohne Italiener (Venedig.) Im Hinblick auf die Haltung, welche die jugoslawische Presse in der letzten Zeit gegenüber Italien cinnimnü, erhielt die italienisch« Delegation, die an der interparlamentarischen Konferenz in Belgrad teilnehmen sollte, in Venedig den Befehl, die Reise zu unterbrechen. ncr Politik betrachtete. Minister Beck ist, seit Hitler den Völkerbund verlassen hat und Mussolini dem Kollegen untreu geworden ist, der Exponent der deutschen Politik in Genf. Er ist Hitlers Vorreiter. ES ist bezeichnend, daß Bcrlinsich mit einigen Vorbehalten s y m- p a t h i s ch zu der polnischen Attacke einstellt. Hitler opfert den Schutz der deutschen Minderheiten in Polen(denn der deutsch-polnische Gegen- seitigkcitsvertrag betrifft nur Oberschlesien, nicht Posen und den Korridor), weil ihm die von Polen angekündigte Verletzung dcS Versailler Vertrages und der Völkerbundsatzung wichtiger ist als der Schuh deutscher Menschen in Polen. Wenn Polen nicht cinlenkt und die Westmächte den Völkerbund in dem Augenblick, da er durch Rußland gestärkt werden soll, nicht in seiner Geltung und seinem Ansehen aufs neue schädigen wollen, dann muh Polens Politik folgerichtig zum Austritt aus dem Völkerbund führen. Auf dieses Ziel steuert Hitler offensichtlich los. Eben haben Berlin und Warschau zü gleicher Zeit erklärt, daß sic auch den O st p a k t a b I e h n e n. Beide wollen freie Hand gegenüber Rußland haben, denn beide rechnen für 1935 mit dem russisch-japanischen Krieg und der Möglichkeit, Rußland während dcS Krieges oder kurz nach einer eventuellen Niederlage in Ostasicn anzugreifen. Der Ostpakt würde ihnen völkerrechtlich die Hände binden. Aber Polen empfindet auch die Bindung durch die Völkerbundsatzung als lästig. Es will sie möglichst rasch abstreifen, entweder indem es den Völkerbund zur Auerkcnnung• eines flagranten Vertragsbruchs zlvingt und so seiner moralischen Autorität beraubt, oder indem cs, wie vor ihm Deutschland und Japan, den Völkerbund verläßt. Die Allianz B e r l i n—W arschau —T okio nimmt immer deutlicher greifbare Formen an. Tie Staaten, die den nächsten Weltkrieg cntscsseln wollen, deren ausschweifendes Eroberungsprogramm ohne den. neuen Weltkrieg keine Aussicht auf Verwirklichung hat, verlassen der Reihe nach den Völkerbund, nachdem sie ihm vorher die größtmöglichsten Schwierigkeiten bereitet haben. Man muß aber Pilsudski vielleicht dankbar sein für die brutale Geste, mit der er seine Karten aufdcckt. Je früher und je'deutlicher offenbar wird, wo chi'e kriegerischen Herren in Warschau und. Berkin^tsmauSwöllcn? umso bester werden sich die übrigen Mächte zu schützen wiffen. Zu den gestrigen Vorgängen in der Bölker- bundversammlung schreibt uns Genoste Friedrich 2 t a m p f e r: Ter Standpunkt, den Sir John Simon gegenüber der politischen„Kündigung" des Minder- hcitenschuves eingenommen hat, ist derselbe, den alle deutschen Regierungen nach Hitler einnehmen werden. AIS die Entente der Republik Polen Gebiete übergab, in denen Deutsche wohnen, legte sie ihr auch die Verpflichtung auf, die Minderheitsrechte dieser zu achten. Dies« Verpflichtung kann nicht gelöst werden, ohne daß zugleich auch, die territorialen Bestimmungen von Versailles in Frage gestellt werden. Die Deutschen in Polen haben von den Schutzbestimmungen des FriedenSvcrtrageS wiederholt nützlichen Gebrauch gemacht. Manches Ungemach ist durch sie erspart worden, denn schon die Aussicht auf ein peinliches Verfahren in Genf wurde für die Warschauer Regierung oft genug zum Anlaß, den Eifer untergeordneter Behörden zu zügeln. Nicht zuletzt, um deu Deutscheu in PoDie„Deutsche Presse", die unsere wahren Darstellungen der deutschen Verhältnisse immer als Greuelpropaganda und unzulästige Einmischung in reichsdeutsche Angelegenheiten bezeichnet, scheut sich natürlich nicht, sich ständig in österreichische Dinge zu mengen. Denn sie ist nicht grundsätzlich gegen Henker und Ver- fassungSbrecher, sondern nur gegen jene, die nicht christlichsozial und katholisch sind. Es war daher nur folgerichtig, daß sie alle Greuel, die die Hcimwehr- und Polizeibesticn in den Febcrtagen gegen die österreichischen Arbeiter begingen, verteidigte und lobte und daß sie die Unterlegenen seither mit Schmutz bewirft. Sie nimmt cs dabei mit der Wahrheit und dem Anstand ebeusolvcnig genau wie bei anderen Fragen; ihre Redakteure haben vielen anderen voraus, daß jemanden zu haben-meinen, der ihnen die Sünden vergibt und also verleumden, lügen und denunzieren sie ohne Hemmung. In ihrer Ausgabe vom 14. September, unternimmt die„Deutsche Presse" einen Generalangriff gegen die österreichische Cmigralion, der sie— man staune über die Neuigkeit!— nachsagt, daß sic Schuschnigg und seine Kumpane nicht liebt. Bekanntlich erscheint in Brünn die„Arbeiter- Zeitung", in der allwöchentlich die Meinung der österreichischen Arbeiter über die katholische Regierung zu finden(st. Auch die„Deutsche Preffe" scheint zu empfinden, daß es doch sehr läppisch wäre, diese Tatsache zu„enthüllen". Aber sie sucht kranipfhast nach einer Möglichkeit, die der österreichischen Henker-Regierung feindlich gesinnten Kräfte im Ausland lahmzulcgen. So erfindet sie denn Begebenheiten, die sie dann«enthüllt", um dadurch die Gefährlichkeit der österreichischen Emigration für unser Land„nachzuweisen". Sie veröffentlicht eine in Wien hergestellte Weisung an die Schutzbundfunktionäre, deren Urheberschaft sie den Führern der österreichischen Emigration zuschriebt. Freilich steht ,ihr leih' anderer„Beweis" zur Verfügung dw'die Behauptung, der Stil sei der gleiche(!) wie jener der Schuhbundfunktionäre„im sicheren Emigrantenasyl". Es ist möglich, daß die Weisungen echt sind; die Behauptung der„Deutschen Presse" aber, sie seien Gcheimweisungen, ist schon erlogen. Die Führer der illegalen Arbeit in Oesterreich sind nämlich nicht so dumm, ihre Geheim-' Weisungen an die anderen Funktionäre schwarz auf weiß weiterzugeben. Für die Echtheit des von der„Deutschen Presse" wicdcrgcgcbenen ersten Schriftstückes zeugt Wohl diese Stelle aus ihm: .Perachtet von den arbeitenden Masten, deren Kampfeswille trotz Terror und Galgen un< len bester helfen zu können ging die deutsche Republik^ in den Völkerbund. Die Hitlerrcgierun-, die Oesterreich und Danzig«erspielt hat, die eben dabei ist auch di« Saar zu verspielen, diese nationale Regierung der nationalen Katastrophen,«ar sichtlich bereit, auch noch die deutschen Minderheitsrecht« in die Konkursmasse ihrer Aussenpolitik zu werfen. Man must Sir John Dank dafür wissen, dass er sich schlitzend vor deutsche Rechte stellte, die von einer deutschen Bankrottregierung leichtfertig prrisge- gebrn worden sind. gebrochen blieb, zerfleischt durch den korrupten Kampf untereinander, nur von den Bajonetten getragen, ganz auf die Hilfe ausländischer Imperialisten und Pfaffen angewiesen, so steht die jetzige Regierung da, kläglich und jämmerlich, wie die einzelnen Gestalten selbst, aber von oben bis unten von Blut triefend. Solche„Gehcimweisungen" pfeifen nicht nur in Wien die Spatzen von den Dächern; so ungefähr, Ivie die österreichische Regierung hier geschildert wird, sieht sie-auch der zivilisierte Teil der europäischen Völker. Es liegt ja nicht an den österreichischen Arbeitern, daß solche Schriftstücke erscheinen, sondern an den katholischen Lenkern, denen man als ehrlicher Mensch nichts anderes nachsagen kann als eben in diesen„Geheimweisungen" gesagt wird. Aber die„Deutsche Presse" kann sogar mit „Weisungen für einen neuen Bürgerkrieg" aufwarten, die angeblich mittels Flugblat- t e S(l) verbreitet wurden. Da wird genau mitgeteilt, wie sich die Besatzung eines Hauses verteidigen müsse. Man kann Tausend acgen Eins wetten, daß die Wiener Arbeiter ihre Bürger» kricnscrfahrunqcn nicht mittels Flugzcttcl verbreiten, wenn sie auch keineswegs gewillt sind, die in den Febcrtagen gesammelten Erkenntnisse ungenützt zu lassen. Den Vogel schießt aber die„Deutsche Preffe" mit der„Meldung" ab, ein Führer der roten Emigration wolle sich an der Grenze bei Frain eine Billa kaufen und sie als Armee-Oberkommando cinrichten. Wenn die katholischen Schriftleiter so genau unterrichtet sind, dann können sie doch wobl auch einen Namen nennen. Wir fordern sie jedenfalls dazu auf und versprechen ihnen, daß sie in der Villa als Sommergäste willkommen sein werden— wenn bis dabin ein „ALK" im Ausland überhaupt noch nötig sein sollte. Selbstverständlich faselt die„Deutsche Presse" auch von Geheimsihungen der Revolutionären Sozialisten, die angeblich in Brünn, Bud- weis und Bratislava stattgefunden haben. Aber die österreichischen Sozjalistcp halten— bekreuzigt .euch,, ibr Herren! ihre Sitzungen, in jCw st er- reich ab. Jetzt noch geheim, bald aber wieder öffentlich. Die„Deutsche Preffe" hat sich mit ihren Denunziationen nicht übel blamiert. Sie möge aber, wenn sie der Beruhiäuna Oesterreichs dienen will, ihre Erziehungsversuche nicht an den'illegalen österreichischen Sozialisten und an der österreichischen Emigration, sondern an der katholischen Regierung erproben. Sic bat die Verfassung gebrochen, s i e hat die Arbeiterbewegung in die Illegalität und deren Führer ins Exil gedrängt, sie hat Verbrechen Über Verbrechen begangen. Ihr kann keine Niederträchtigkeit ausländischer Gesinnungsfreunde helfen. Diese machen sich mit -ihrem Gehaben nicht nur mitschuldig, sondern auch lächerlich. Hasko des englischen Fascismus Dir Mosleys Riesenblamage im Hybe-Park. Am vergangenen Sonntag hat in London die mit riesigem Tam-Tam bereits seit Wochen angekündigte Versammlung der englischen F a- feisten, Marke Mosley, stattgefunden, die nach dem Willen ihrer mit bombastischen Ankündigungen nicht sparenden Manager„die gewaltigste Willenskundgebung des erwachten Englands" werden sÄlte. Es wurde allerdings nur die gewaltigste Blamage, die der Politik des an Niederlagen ja reichen englischen Hitlerkopisten bisher zugestoßcn ist. Während offenbar tendenziöse Meldungen ausländischer Agenturen, die auch in die hiesige Preffe Eingang gefunden haben» von 100.009 Personen zu berichten wußten, die sich angeblich im Hyde-Park versammelt hatten, kann man aus den Mitteilungen der englischen Preffe aller Parteirichtungen ganz andere Dinge erfahren. Danach hatten sich im Hyde-Park ganze 25.000 Menschen eingefunden» von denen zu allem Ueberflutz nur ein verschwindend geringer Bruchteil Fascisten» die überwiegende Mehrheil aber antifascistische Demonstranten waren. Die „Schwarzhemdcn" waren dreitausend Mann start aufmarschiert, die zu ihrem Schutze heicheiziticrtcu Polizisten hingegen versammelten sich in doppelter Stärke. Diese 6000 Mann genügten indes noch nicht, um die Fascisten vor der Wut des wirklich „erwachten" England zu schützen, so daß Reservepolizei hinzugezogen werden mußte. Als Sir Oswald Mosley seine Rede beginnen wollte, brach ein fürchterlicher Lärm aus. Die erregten Maffen nahmen eine drohende Haltung ein und versuchten» die Rednertribüne zu stürmen. Nur unter größten Anstrengungen gelang es der Polizei, die Menge davon abzuhaltcn, „ganze Arbeit" zu machen. Mosleys Rede war sehr kurz und ging unter ständigen Niedcrrufen auf den Fascismus vor sich, so daß sie nur den Uni- stehcndcn bruchstückweffe verständlich war. Die „Schwarzhemdcn" waren in ausgesprochener Panikstimmung und machten bei jeder Steigerung des Tumults Miene, Hals über Kopf die Flucht zu ergreifen. Gegen Schluß der Kundgebung war aus der Manifestation der Fascisten eine Demonstration gegen die Fascisten geworden, wie sie grandioser nicht gedacht werden kann. Der Ab- marsch der Niedergeschrienen vollzog sich unter der schirmenden Hand stärkster Polizeiabteilungrn. Welcher Anstrengungen es bedurfte» um die Fa- scisten vor der berechtigten Empörung der Londoner-Bevölkerungzu schützen,-bewies die Tatsache, daß selbst Windmühlenflugzeuge aufgebote» waren, um die Rettungsaktion für. die Schwarzhemden aus der Luft her zu dirigieren. Die Londoner Blätter find sich darüber einig, daß die Mosley-„Bewegung" mit dieser vernichtenden Niederlage einen Stoß erhalten hat, von dem sie sich so bald nicht erholen wird. Bezeichnend für die Stimmung des englischen Volkes ist, daß gewiffe Konjunkturblätter, die dem.„englischen Hitler" bisher die Stange gehalten, hatten, sich aus taktischen Gründen mehr und mehr von Mosley distanzieren. Jedenfalls sind die Chancen des englischen FasciSmuS zux Zeit auf den Nullpunkt gesunken. Nadi dem ncnkcrlob die Dcniiiizlatton Eine Niedertracht der„Deutschen Presse“— Das Ende: eine Blamage 51 yy. FRITZ ROSENFELD: oz ma dxJutta HN ROMAN ZWISCHEN TRAUM UNO TAO - Sie sehnten sich nach der Steppe und den Hügeln ihrer Heimat, wo ihre Weiber ihrer harrten und ihre Kinder, ihre warmen Hütten und ihre Zelte, die sie Jahr um Jahr weiter in die Wildnis vorschoben, zu friedlichem Werk. Ihre Trommeln donnerten, ihre Waffen klirrten, als sie Abschied nahmen von Pal. Er stand auf einem Hügel, sein Rappe erschien vor dem Himmel wie ein Schatten. Nur eine Waffe trug Pal, das Schwert, das er von Ala Eddin erhalten, um zu töten, und mit dem er Roecu Eddin getötet, Ala Eddins Sohn. Das Heer zog in die Nacht hinaus, warf kaum mehr einen Blick zu seinem Führer, der zurückblieb. Die Tataren sahen nur di« sieben Hügel von Kasan und den großen Strom, ihre Heimat. Wenige wandten sich um und hoben den Speer zum Gruß. Pal hob die Hand und dankt«: die letzten Freunde gingen. Die Nacht verbrachte er im Freien, die gefallene Burg der Affassinen starrte er an, im Mond lag sie da wie ein gespenstiges gezackte» Lier. Am Morgen wusch er sich an einer Quell«, tränkte seinen Rappen und machte sich auf den Weg. XIV. Die rauchenden Trümmer von Ulleika gossen ein fahle» Rot über den Himmel, Brandgeruch ,.lag in der Luft und ein großes. Schweigen senkte sich Über da» Tal, al» Pal langsam dävonritt. -. Die Affassinen waren nicht mehr, der Fürst der Berg« war nicht, mehr, aber wär der Garten? Baumgestalten, phantastisch im hellen Licht de» Morgens säumten den Weg. Vogelgeschrei begleitete Pal. Tiere zeigten sich am Waldrand. Pal ließ sie grasen: nun ruhte das Schwert, und kein Pfeil zischte mehr in der Luft. Die Tiere sahen ihn aus großen Augen an. Ein seltsames Wesen, sagten diese Augen, zieht durch den Wald. Es sendet nicht Schmerz auf den fliegenden Federn, es bringt nicht Tod durch das schwirrende Eisen. Ein seltsames Wesen. Wenn die Einsamkeit um ihn zu singen begann, wenn das Schweigen klang unter einem Uebermaß der Sehnsucht, die es erfüllte, griff Pal an den Hals: das Amulett betrachtete er» den kleinen Glücksgott Tung-Lis, und dachte an den Ehinesen, der bei dem Fest im Garten erschlagen worden. Weich lag daS Haar Axjuttas um den kleinen chinesischen Hund. Gut war es und Ruhe senkte es ins Blut, das Amulett an der Brust zu wiffen. Der Rappen trabte. geduldig seinen Weg. Pak spornte ihn nicht an. Er suchte mit den Augen den Wald ab, er spähte nach den Gipfeln der Berge, und nach großen Toren. Nach dem goldenen, das glühte, und nach dem schwarzen, das keiner wiedersah... Die Berge stiegenvar von Z u sti m in u n g s k u n d- gedungen begleitet, die noch lange andau- ertcn, als Sir Simon schon geendet hatte. Der französische Außenminister Barthou sprach ebenfalls zu der gestrigen Erklärung Becks und sagte u. a.: Ich erachte es für meine Pflicht, mich den Ausführungen Sir John Simons anzuschließcn. Frankreich will nicht die Möglichkeit einer Aenderung des Minderheitenschutzes verbieten und das Prinzip einer solchen Möglichkeit ist direkt im Vertrag enthalten. Aber Frankreich glaubt nicht, daß irgendeine Macht daS Recht habe, ihrerseits einseitig irgendwelche Aenderung vorzunehmrn oder gar Verträge außer der festgesetzten Prozedur und ohne Verhandlungen mit den BertragSunterzrichnrrn zu kündigen. Frankreich lehnt es ab, der Erklärung des polnischen Außenministers«ine solche Interpretation zu geben. Ein ähnliches Beispiel, das irgend ein anderer Staat befolgen wollte, würde nicht nur die Autorität der Verträge in Gefahr stürzen, sondern daS Mandat selbst, mit dein der Völkerbund betraut ist. Frankreich ist Freund und Verbündeter Polens und könne nicht glauben, daß die Intervention des Ministers Beck solche Folgen haben sollte. Die Rede BarthouS hatte auf die Versammlung eine mächtige Wirkung, wie sich dies in den steigernden Zustimmungskundgcbungen zeigte. Als letzter sprach zur polnischen Erklärung auch der italienische Vertreter Baron Alois«. Er erklärte, daß, wenn man die Intervention deS polnischen Außenministers allein beurteilen würde, sie eine einseitige Ablehnung internationaler Verpflichtungen bedeutete. Dann würde der Antrag, eine Frage, der Revision Iverden. Italien, sagte Aloisi, hat als erstes auf die Idee der„AnPassung der Verträge an die Forderungen der Z e i t" als bestes Mittel zur Erhaltung deS Friedens auftnerkfan« geinacht. Aber Italien hat immer gleichzeitig betont, daß diese Anpassung i n legaler Weise dnrchgefiihrt werden niüsse. Gültige Verpflichtungen müssen bis zu dein Augenblick, wo sie durch andere erseht werden, respektiert werden. Menn mann glaube, daß eS am Platze sei, daS Prinzip der Revision bei dem gegebenen Problem zur Anwendung zu bringen, dann mutz ein solches Prinzip auch für die übrigen Fragen in Erwägung gezogen werden, die durch Vorschriften geregelt sind, die dir Friedenskonferenz festgesetzt hat und rS könnt« noch in höherem Platze scheinen, datz diese Bestimmungen den Forderungen der gegenwärtigen Lage nicht entsprechen. Auch die Erklärung deö italienischen Dele- gierten tvnrde mit Zustimmung anfgenommei«. Sämtliche drei Kundgebungen der Vertreter der Großmächte haben bei den Anwesenden einen t i e f c n E i n d r u ck Hervorgernfen. ES ist sicher, daß der polnische Antrag«md die polnische Geste in der sechsten Kommission der Völkerbundver- sainnilung sehr offen durchberaten werden wird. Tatsächlich Ivird cs sich aber um daS Prinzip der Rcvisiion der internationalen Verträge handeln. Viele Delegierte werden dieses Problem unter dein Gcsichtslvinkcl der Folgen lösen, die die Lösung dieser besonderen MindcrhcitSfragc für die Erledigung anderer politischer Fragen, eventuell viel wichtigerer, haben könnte. Paris war nicht unterrichtet! (Paris.) Die polnische Geste in Genf bildet andauernd den Gegenstand deS Hauptinteresses und der Kommentare sowohl in der Presse wie in der französischen polilischcn Ocsfcntlichkeit. Mehr als das Wesen und die Berechtigung der Sache selbst, die einem ziemlichen Teil der Oeffentlichkeit verständlich ist, ivird di«Art beurteilt und fast allgemein verurteilt) lvie Polen einseitig seine internationale Verpflichtung gekündigt und die Autorität des Völkerbundes bedroht hat. Am meisten vielleicht hat Frankreich der Umstand berührt, datz die französische Regierung, welche immer ihren polnischen Verbündeten über wichtige politische Absichten im Vorhinein verständigte, diesmal von Polen über die Sache nicht im Vorhinein unterrichtet wurde. Kommuniques der Kleinen Entente Das Genfer Sekretariat des Ständigen Rates der Kleinen Entente gab Freitag abends über die beiden stattgefundenen Sitzungen ein Kommuniqnö aus, in dem folgende Feststellungen getroffen werden: 1. In der Frage deS Eintrittes RutzlandS in den Völkerbund befchlotz der Ständige Rat der Kleinen Entente, datz die drei Staaten für Rußland stimmen«erde». 2. Den O st p a k t hält der Ständige Rat für eine Stärkung der Garantie zur Wahrung deS Friedens und wünscht dessen baldige Verwirklichung. 3. In Angelegenheit der Minderheitenverträge hält die Kleine Entente den bereit- gut bekannten Standpunkt ausrecht, den sie während der Aussprachen in den vergangenen Jahren mehreremale zu Präzisieren Gelegenheit hatte. 4. In Angelegenheit deS mitteleuropäischen Problem- spricht sich der Ständige Rat neuerlich fürdie v o l l k o m m e n e U n a b hängig k e i 1 aller Staaten deS DonaubeckenS, für deren Annäherung auf wirtschaftlicher Grundlage und für deren Zu- sammenarbeit mit allen interessierten Staaten auS. Den Völkerbund hält der Ständige Rat nötigenfalls für die geeignetste Garantie der Wahrung deS Friedens und der durch die Verträge geschaffenen Ordnung. 5. Der Ständige Rat der Kleinen Entente, deren Politik auf der Geltendmachung freundschaftlicher Beziehungen zu allen Staate«« ohne Unterschied beruht, konstatiert mit Genugtuung eine Annäherung Frankreichs u n d I t a l i e n S, die iinstande ist, zwischen der Kleinen Entente und Italien eine allseitige Annäherung herbeizuführen. Denei bei Litwinow Der Text der Einladung zur Debatte (Gen f.) Minister Dr. Benes trat Freitag in seiner Funktion als RatSvorsttzender in direkte Verbindung mit den Vertretern der Sowjetregierung. Er ' fuhr nachmittags nach dem Bad E v i a n, wo er ! mit dem VolkSkommiffär Li t w i n o w zu- ! fammentraf und mit ihm den Text der Einladung der Sowjetunion in de« Völkerbund besprach. Abends traten bei Minister Dr. Benrö einige Staatsmänner und Diplomaten. zusammen, die über den endgültigen Tert der ertvähnten Einladung verhandelten. Wenn daS Ergebnis der Beratungen günstig sein wird, wird die Frage der Einladung RutzlandS in einigen Tagen erledigt sein. Die Angelegenheit könnte dann spätestens anfangs nächster Woche in der VölkerbundSvrrsammlung 'zur Verhandlung gelange». Dr. Wachter erschossen? Der Führer deS mißglückten Juli-PutfcheS (L i n z.) In nationälfoziakistischen Kreisen sind, wie das„LinzerVolksblatt" meldet, Nachrichten aus Deutschland eingelangt, wornach der Urheber des Juliputsches, der Wiener Rechtsanwalt' Dr. Otto Wächter, nicht mehr unter den Lebende«« weilen soll. Man erzählt, daß Dr. Wächter, der nach früheren Meldungen schon vor etwa 14 Tagen ii« daö bayrische Konzentrationslager Dachau eingeliefert worden war, dieser Tage vor eilt Gericht gestellt und von diesein zum T o d e v e r u r t e i l t worden sei'. Das Todestirteil sei lvährend einer Autofahrt von München nach Dachai« vollstreckt word/n, worauf man einen„Autounfall" vorgetäuscht habe. Eine Bestätigting dieser Nachricht liegt, allerdings noch, nicht vor.. 106 Millionen Exportüberschuß Im August 1934 Daö Statistische Staatsamt veröffentlicht die Statistik über den Außenhandel der Tschcwoslo- wakei i>n August 1034. Demnach ist der tim- fang des Außenhandels gegenüber dem-uli zivar etwas zurückgcgangcn, dagegen ist ein in dieser Höhe seit mehreren Jahren nicht mehr verzeichnetes Altivum von 106 Millionen KC zu verzeichnen. Es ergibt sich folgendes Bild: Aug. 1084 Juli 1VZ4 Ang. 1888 In Millionen KC Einfuhr: 400,6 568,0 425.6 Ausfuhr: 596,0 616,6 444,0 Die Handelsbilanz des reinen Warenverkehrs (ohne Edelinctalle für Münzzwecke) war somit im August 1034 mit 106,2 Millionen aktiv. Dieser hohe Ucbersckiuß geht wohl zunächst aus den Rückgang der Einfuhr zurück, doch hat sich die Fertigtvarenauöfuhr«nit 438,0 ungefähr auf dem Niveau der vorhergehenden Monate gehalten. Für die ersten acht Monate 1034 ergibt sich folgende Uebersicht: Einfuhr:,,, Ausfuhr:... in Millionen XL 1984 1033 4105,6 3621,1 4360,0 8575,9 In den ersten acht Monaten 1034 ist also ein Aktivnm von 255,3 Millionen zu verzeichnen; in derselben Zeit des Vorjahres betrug das Altivum nur 45,2 Millionen. Verhaftungen In Westböhmen Sthwalben aus dem Dritten Reldt Erst jetzt wird bekannt, daß am 11. September die Staatspolizei in Eger bei der Zollrevision zwei Frauen verhaftete, die mit Eiscnbahn^ügcn aus dem Deutschen Reich gekonnncn waren. Druckschriften, Bilder und anderes Material würden in ihrem Gepäck gefunden und beschlagnahmt, nach denen sich ein strafbarer Tatbestand nach dem Schuhgesch ergeben kann. Eine der Frauen ist Magda Seidel aus Fischern. Die andere Verhaftete heißt Hedwig Langer und ist aus Mähr.-Schönberg. Sic stand mit Magda Seidel in gar keiner Verbindung. Beide wurden ins Kreiögcricht Eger eingeliefert. Angeblich wird gegen sic das Strafverfahren wegen Verbrechens nach 8 2 des Schuhgcsches(Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik) und wegen des Vergehens nach 8 17/1, Absatz 2, des Schutzgesetzes(Beziehungen zu staatsfeindlichen Faktoren) eingclcitet werden. Mittwoch nachinittags wurden zwei sunge Leute aus Budapest verhaftet und dem Egerer Kreisgericht eingeliefert, und zwar Eugen Luf- f e r t und Rcißcnberger. Sie waren offenbar beim Parteitag in Nürnberg. Nach den Mitgliedskarten scheinen sic der Hitlerjugend an« zngehören. Eine Menge Schriften, Hak-»kreuze, Abzeichen und Uniformstückc wurden bei ihnen gefunden und beschlagnahmt. Minka verärgert Die slowakische Voltchinrtr! wird auch in de» historische» Ländern kandidieren? Nach der volksparteilichen Tagung in Leito- mischl, an welcher auch Hlinka teilnahm, wurde von neuem die Möglichkeit der Bildung eines Blocks dec beiden klerikalen Parteien erörtert. Nunmehr dringt durch, daß die Ve«chrüdc- rungöstimmung doch nicht ganz so nngetrübt ist, wie eö die unter dem Einfluß des Avg. S t a ä« k stehenden Blätter darstellen. Vor allein hat auf Hlinka die Red: des mährischen Landcöansschuß- beisitzcrs D r o b n h sehr unangenehin gewirkt. Hlinka hat dies auch nicht verhehlt, sondern Drobnh ganz offen erklärt, daß eö besser gewesen wäre, wenn dieser nicht nach Lcitoinischl gekommen tvärc. Hlinka fügte der Drohung hinzu, die slowakische VolkSpyrtei werde mit ihrem Programm bei den nächsten Wahlen auch in Böhmön und Mähren-Schlesien kandidieren. AuS dem Senat. Das Subkomitee des ver- kehrstechnischcn Ausschusses zur Beratung des RegicrungögesetzentwurfeS über das Fahren mit Motorsahrzeilgen hält ain Dienstag, dei« 18. September, uin 10 Uhr eine Sitzung ab. Ctttei SamStag. 15. September 1934 Nr. 218 Photoinphlerverbot Im MMbvtmllnde (Prag.) Amtlich wird mitgeteilt, dah mit sSftrtiger Wirkung bis zum 25. September d. I. (während der Zeit der heurigen Manöver) im Bereiche der Bezirksbehörden in Deutsch-Brod, Hum- polec, Pelhkimov, LeteL nad Sazavou, Beneöov, Caflab, Riöany, Ceskh Brod, Äolin, Kutnä Horä, Chotibol-,«edlöany, Jilovk und Tabor jedwedes Photographieren(Filmen) ohne schriftliche Bewilligung der Militärkommandanten mit Ausnahme des Betriebes eines photographischen Gewerbes in geschlossenen Atelier- verboten ist. Danziger Hrbeiterbemeoung immer Im Hufftieg Da in Deutschland durch die totale Gleichschaltung die legale Tätigkeit der Arbciterbcloö- gung unmöglich geworden ist, gewinnt die politische Entwicklung in jenen kleinen, vom Nationalsozialismus aus völkerrechtlichen Gründen noch nicht überrannten Gebieten wie Saargebiet oder Danzig als Stimmungsbarometer erhöhte Bedeutung. Aus Rücksicht auf den Völkerbund konnte der Nationalsozialismus in Danzig die gegnerischen Parteien nicht restlos wie in Deutschland gleichschalten oder politisch vernichten. In Danzig kann man heute neben dem nationalsozialistischen Kampfblatt auf dem Hauptplah der Stadt die „Volksstimme", das sozialdemokratische Organ, kaufen. Zwar wurden die Gewerkschaften als Sektionen des ADGB glcichgcschaltct, aber die freigewerkschaftliche Bewegung ist als„Allgemeiner Arbeiterverband" wieder auferstanden und mutzte entgegen der Verfügung des Danziger Polizeipräsidenten zugclassen tverdcn. Die NSDAP Danzigs hat, so weit es ihr möglich war, alle Gesche des Deutschen Reiches für Danzig übernommen. Auch die Organisationen sind in Danzig dieselben: die Danziger SA und SS unterstehen den entsprechenden Organisationen des Reiches; seit dem 1. August 1933 ist in Danzig die Arbeitsdienstpflicht mit eigener Uni- sornt eingeführt. Das Danziger Presscgcsch legt der oppositionellen Presse die schwersten Fesseln auf. Es enthält unter anderem die Bestimmung, datz sogar die„Verbreitung wahrer Nachrichten" strafbar ist, lvenn sie den Interessen des Staates widersprechen/ Ebenso wird derjenige mit drei Monaten Gefängnis bedroht,„dessen Verhalten den öffentlichen Frieden stören kann". Es genügt, datz auf der Straße sich Arbeiter mit„Rot Front" begrützen, um sie auf Grund dieser Bestimmung zu verurteilen I Die Kommunistische Partei, die von 72 Mandaten 5 gegenüber 16 Mandaten der SP erhielt (Zentrum autzerdem 10), ist verboten und«leitet illegal. Bedauerlicherweise ist die Agitation der KP immer noch in der Hauptsache gegen die SP gerichtet. Auch die SP Danzig kann keine öffentlichen Versammlungen abhalten, dafür lvird aber in Mitgliederversammlungen an der politischen Aufklärung der Arbeiter eifrig gearbeitet. Die Auflage der„Volksstimme", die vor der Machtergreifung Hitlers etwa 10.000 Exemplare betragen hatte, sank bis zum Sommer 1933 auf nur 3500 Exemplare. Die Druckereigenossenschaft ivurde durch Verbote in den Konkurs getrieben. Gegenwärtig wird die„Volksstimme" in einem kleinen Hause nicht allzuweit vom Danziger „Braunen Haus" gedruckt und vertrieben. Immer steht vor dem Schaufenster eine lautlose, eifrig lesende Arbeitcrmenge. Die Auflage der Zeitung hat schon die Zahl von 12.000 Exemplaren wieder überstiegen. Ein aufschluhreiches Symptom für'die Wandlung der Stimmung in der Danziger Bevölkerung. so Prozent Golddeckung In Frankreich < Paris.) Der Wochcnauswcis der Bank van Frankreich verzeichnet eine lveitere Zunahme der Goldvorräte um 02 Millionen Franken. .Hiedurch erreichen die Aoldvarräte eine Gesamthohe von 32.099 Millionen Franken. Der Papiergeldumlauf ist zu 80.5 Prozent durch Gold gedeckt. Der Ps ychotechnlsche Kongreß Der Zwischenfall, der sich Donnerstag durch die Rede des deutschen Delegierten A r n h o l d ereignet hat, lvurde gestern in der Weise liquidiert, datz der Kongreß-Vorsihtnde, Prof. Serüc- kh erklärte, datz die Deutschen versichert hätten, datz sic auf diesem Kongreß keinerlei politische Ziele verfolgen. Prof. Lahy habe sich nicht im Namen einer Gruppe gegen Arnhold gewendet, sondern im Namen und Sinne aller wissenschaftlich arbeitenden Kongrctzmitglitder. Hierauf lomitcn gestern die Sitzungen ihren ungestörten Verlauf nehmen. Unter den zahlreichen Referaten sei das des Dr. P c ch o l d erwähnt, welcher Statistiken aus dem von ihm geleiteten psychotechnischen Laboratorium der Witkowitzer Eisenwerke brachte. Nachmittags hatte Prof. D p i e l r e i n (Moskau) den Vorsitz bei der Gruppe(Sektion für diverse Probleme). Brunswick sprach über das Thema»Bedeutung der Sehgrößenkon- stanz für Eignungsprüfungen an Feinmechanikern, Malern, Zeichnern, Photographen und Verkäufern." Toacsneultfkcitcn 92 Mann der Besatzung und nur sechs Fahrgäste im erste« Rettungsboot der„Morro Castle"! (New Jork.) Im weiteren Verlaufe der Untersuchung der Katastrophe auf der„Morro Castle" belasteten zlvii weitere Offiziere de» Schnelldampfers„Präsident Cleveland" den Kapitän dieses Schiffes ebenfalls schwer. Auch dii warfen ihm eine verspätet« Anwendung der Rettungsboote vor. Ein Matrose des„Präsident Cleveland" sägte aus, datz das Schiff 4Ü Minuten bi- zu einer Stunde in der Rahe der„Morro Castle" gelegen habe, aber in dieser Zeit kein Rettungsboot Herabgelaffen worden fei. Als schließlich endlich ein Bpot abgefahren sei, habe seine Besatzung nicht einmal den Versuch gemacht, die brennende„M o r r o C a st l e" zu b e st e i g e n, obwohl sich zu dieser Zeit mehrere Personen auf dem in Brand stehenden Dampferdeck befunden hätten. Ein New Dorker Polizist, der sich als Fährgast auf-er„Morro Castle" befand^ sagt aus, et habe seine Pistole auf einen Mann, offenbar ein Mitglied der Besatzung des Unglücksschiffe-, gerichtet, als der Mann habe in ein Rettungsboot springen wollen. Er, der Polizist, habe dabei auSgerufen:„Sie sind Sine Leiche, falls Sie abspringen I" Weiter sagte er auS: Als seine Frau in ein Rettungsboot hinabge- laflen werde« sollte, habe da» Rettungsboot ihre Aufnahmeverweigert. Seine Frau sei darüber gestorben. Der Stewart de- Rauchzimmer-, der den Brand entdeckte, erklärte, er habe, nachdem sich ein Fahrgast bei ihm wegen der RauchgeruchcS beschwert habe, in einem Schranke im Schreibzimmer Ranch bemerkt. Ein anderer Polizist, der ebenfalls als Fahrgast auf der„Morro Castle" war, fand es unerklärlich, weshalb die Rettungsdampfer nicht die„Morro Castle" umkreisten, obwohl sich zur Zeit etwa 150 Personen im Wasser befanden. Die Untersuchung crgqb, datz sich in dem ersten der fünf Rettungsboot« der „Morro Castle" 92 Mann der Besatzung und nur sechs Fahrgäste befanden. Die iibriggcbliebenen Leichentcilt des Kapitäns der„Morro Castle" sollen chemisch untersucht werden, um festzustellen, ob der Tod seine Ursache in einer Vergiftung hat. Der zlveite Radiotelegraphist des Dampfers „Morro Castle" Alagna, der im Zusammenhang mit der Katastrophe verhaftet worden«ar, wurde auf freien Fuß gesetzt. Ortsbewohner sabotieren Brandlöschung in einem karpathorusfifchen Dorf! (Ujhorod.)(Tsch. P.-B.) Donner-tag abends brach in der Gemeinde Slim cd i Vysnie im Bezirk Sobrance ein Grotzfeuer aus, bei dem vier Wohnhäuser und zwei Wirtschaftsgebäude in Asche gelegt wurden. Da ein heftiger Wind wehte, bestand die Gefahr, daß sich der Brand über die ganze Gemeinde au-breiten lvürde. ES ivurden daher zwei Kompagnien de» 36. und 20. Infanterieregimentes, die in der Nähe der Gemeinde anläßlich der Herbstmanöver stationiert sind, zur Hilfeleistung angefordert. Mit ihrer Hilfe wurde eine weitere Ausbreitung des Brandes verhindert. Die Ortsbewohner sahen dem Brande untätig zu und sabotierten schließlich sogar die Rettung»« arbeiten. Ein Soldat erlitt eine Rauchvergiftung, ein Ortsbewohner wurde leichtverletzt. Der Brand war aUem Anscheine nach gelegt worden. Opfer de» Beruf» Ein verhängnisvoller Unfall, dem leider zwei Menschenleben»um Opfer fielen, ereignet« fich Freitag nachmittag» gegen 4 Uhr im Städtischen Elbwafferwerk in Auffi,. B«i dem Versuch, in einen Brunnenschacht zu steigen, wurde der Maschinist, Genoss« Gustav T o tz a«.« r ohnmächtig und stürzte ad. Der technische Leiter des Wer. ke», unser Grnoffe Otto Seid et, der Totzauer zu Hilfe eilen wollte, stürzte ebenfalls in den Schacht. Beide Männer ertranken. Arbeitskollegen, die fich mit GaSmaSken ausrüsteten, konnten ihren Kameraden keine Hilf««ehr bringen. Die herbei» gerufene Feuerwehr kennte nur«och die Leichen berge». Vre««e»tze Gchiffg imgtatiamafcmal (Chriftöbal.)(Reuter.) Bei der Ankunft de» deutschen Frachtschiffes„C a s s.e l" im Panamakanal wurde festgestellt, daß deffen Ladung von Naphtha und Kohle in Brand geraten war. DaS Schiff befindet sich auf einer Fahrt von Peru nach Liverpool. ES ist die» bereit- das viert« Schiff, da» in der letzten Zeit mit Feuer an Bord im Panamakanal eingetroffen Ist. Bor dem deutschen Schiff waren die- da» japanische.Schiff ..Venicomaru", da» amerikanische Schiff„Santa Äita" und da« britisch« Schiff„Bradburn", robesopfO» btt Alps» ’(Bozen.) Der Grödener Alpinist und Skifahrer M a t h i a» R o g g l e r, der mit einer Touristin aus Bayern von der Regensburger Hütte au» eine Tour auf die Kleine Fermeda in der Rosengartengruppe unternommen hatte, verlor beim Anstieg durch Au-brechen eine» Griffes Plötzlich den Halt, stürzte etwa 50 Meter ab und ritz seine Begleiterin, deren Name noch nicht bekannt ist, mit in-ie Tiefe. Beide konnten nur noch al« zerschmetterte Leichen geborgen werden. (München.) Einem Funkspruch der„Deutschen Bergwacht" zufolge ist es den gegen da« Schüsselkar angesetzten Rettungsmannschaften gelungen, im unteren Wanddrittel der von der Dreizinkenscharte da» Schüsselkar herabziehenden Wand in der Schlucht kurz hintereinander die sieben vermißten Bergsteiger tot aufzufinden. MOtSiftrsphSle« etbhbt« t» Algier Während der ganzen letzten Woche war die abgelegene Gegend von C a r n o t(Algier) von ständigen Erdbeben heimgesucht. Zahlreiche Ortschafteil wurden durch da» Erdbeben vollkom^ men vernichtet. Die Bevölkerung ist obdachlos und es herrscht vollkommene Disziplinlosigkeit. Die Behörden sind bestrebt,, in aller Eile Holzbaracken für die Bevölkerung Herrichten zu lassen. In den letzten 48 Stünden haben sich wieder sechs größere Erdstöße ereignet, die unter der Bevölkerung neuerlich Schrecken verbreitet haben. Echo» wieder»I»»„sichere" Kred«--sil«eth»ds (Cleveland.)(HavaS.) Frau Dr. Aliee Mae Donald kündigte auf dem JahreSkon- gretz der amerikanischen Chemischen Gesellschaft an, datz cs ihr mit ihren Mitarbeitern gelungen sei, de» Mechanismus der Entwicklung der bösartigen KrebSneubildungcn zu entdecken und datz es innerhalb rund fünf Kahren möglich sein tuird, eine Heilmethode auSzuarbciten. Zufolge Frau Dr. Mae Donald hat es den Anschein, daß gewisse Substanzen, sogenannte E n z y m e, die vor altem von den Nieren und Nebennieren produziert werden, die KrcbSgewebe attackieren und nach allem eine Abwehr-Reaktion des Organismus gegen den Krebs bilden. Diese Enzyme können nach Ansicht der amerikanischen Aerztin durch Einimpfung gewisser Stimulantien aktiviert werden. Frau Mac Donald erklärt, daß die Sterblichkeit infolge von Krebserkrankungen in den letzten drei Jahren um mehr als 15 Prozent gestiegen ist, was wahrscheinlich durch da» Einwirken der chemischen Konservierungsmittel, die bei der Fabrikation von Nahrungsmittelkonserven verwendet werden, bewirkt werde. Auch die amerikanische Aerztin scheint also auf dem Standpunkt zu stehen, daß die Krebsgeschwülste nicht auf Bakterien zurückzuführen sind. Emil Ludwig und die Slawe». Bor zwanzig Jahren, am 6. September 1914, schrieb Emil Ludwig— die erste seiner zahlreichen Kon- junkturen wahrnehmend— in einem Feuilleton „ES ist gerecht" des„Berliner Tage- blatte»" folgende Sätze: „Rur nach einer Seite hin ist dieser Krieg von innerer Bedeutung, historisch notwendig und mit dem vollen Hatz zu führen, den rassige Menschen rassigen Menschen zollen. Die Slawen o d e r w i r, das ist die Frage, und wenn sie auch diesmal noch lange nicht entschieden werden kann, sö wird sie doch für ein halbe» Jahrhundert entschieden. Da gibt es aber viele und vorzügliche deutsche Geister, die langst durch ihre Propaganda oder durch ihr eigenes Werk sich diesen Slawen leidenschaftlich hingegeben haben und die Durchtränkung unserer Kultur mit der„slawischen Seele" herbeisehnten. Diese haben es jetzt^schwer. denn sie fühlen für die, denen der Krieg am meisten gilt, und die ihn wahrhaftig entfesselt haben. E» ist gerecht, datz man sie gewähren lätzt, und mag sie bedauern. Ich nehme aber di« Stunde Watz»,«n an« dem Herzen laut zu sage«, datz ich fie hasse, jene slawische Seele... Ich glaube nicht, datz irgendein deutscher Denker und Dichter im Ernst französische Kultur zu Falle bringen möchte öder gar englische,... Schlagt sie tot, ihr tverdet dennoch Verwandte blewen. Mit dem Russen aber—" Diese» Dokument wurde von F r a n z P f e m- fert der Vergessenheit entrissen. E» ist in seiner Zeitschrift„Die Aktion" in Nr. 18/19 de» 5. Jahrgang»(1918) auf Seite 235 abgedtuckt. Aufbewahrt für alle Zeiten. Erst heute kann man den Wert dieser Sammlung deutscher Geiste»- schände ganz ermessen. Vor zwanzig Jahren also haßte man die slawische Seele! Später hatte man „GesprächemitMasärhk"(nach denen mit M u s s o l i n i). Da liest sich'». ander», lieber» Jahr werden e»«Gespräche mit H i t- l e r" sein.(Nit Stalin waren e» bereit» welche.) Wir aber wollen uns ein gute» Gedacht, nös bewahren. Jpliu» Epstein. Anschläge gegen dir Republik. Der Strafsenat des Kreisgerichtcs in Ujhorod fällte gestern über die Mitglieder der Levente-Organisation da» Urteil. Bon den führenden Mitgliedern einer Terrorgrupp«) die wegen de» Verbrechen» von Anschlägen gegen die Republik angeklagt waren, ivurde Ladislav Simkanik zu zwei Zähren Kerker und die übrigtn Angeklagte» zu je einem Jahre Ozeanflieger Levine lebensmüde Der Amerikaner Charles Levine, der im Juni 1927 als Passagier mit Chamberlin über den Atlantik flog, wurde neben geöffneten Gashähnen bewußtlos aufgefunden. Jedoch konnte er wieder ins Leben zurückgerufen werden. Kerker unbedingt verurteilt. Nur einer der Angeklagten, Haragonik, wurde wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Angcstelltengesrtz und Werkmeister. Der Allgemeine Angestellten-Verband Prag tritt mit: Jeder' Werkmeister hat nun nach dem neuen Gesetz über das ArbeitövcrhältniS der Privatbeamten, Handelsgehilfen und anderer Dienstnehmer in ähnlicher Stellung Anspruch auf Urlaub. Es ist lediglich die Arbeit, die besondere Fähigkeiten vorauSsctzt, für die Beurteilung der Einreihung in das Gesetz maßgebend, nicht der Titel und die Art der Lohnzahlung. Das betrifft auch den Dicnswertrag und die Kündigungsfrist. Niemand laffe sich znr Schmälerung seiner Rechte gegen das Gesetz herbei. Auskünfte beim Verband. Hlngerichtet... Wie der amtliche Preu- ßische Pressedienst mitteilt, ist am 14. September in Hagen der von dem Schwurgericht in Hagen in Westphalen im Dezember 1933 wegen Mordes rechtskräftig zum Tode verurteilte Franz S ch i d z i ck aus Iserlohn hingerichtet worden. Laut Urteil sei am 18. Jänner 1938 von kom- m u n i st i s ch e n Funktionären die Durchführung einer bewaffneten Aktion gegen die Nationalsozialisten beschlossen und die Ausführung im einzelnen festgelegt worden. Schidzick habe aus dem Hinterhalt heraus den SA-Truppführer B e r n s a u niedergcschvffcn. 4. Sudetendeutscher Wanderfützrerlehrganz. Mit Ende August beschloß der Verband für DjH. seinen 4. sudetendeutschen Wanderführerlehrgang, der auch'Heuer im Rahmen der staatlichen Lehrgänge für körperliche Erziehung abgehalten wurde. Die Teilnehmerzahl des Kurses war außerordentlich stark. Die 48 Teilnehmer stammten aus allen Gebieicn der Republik. Die schönen Räume der neuen Jugendherberge„Skihütte Christiania", machten den Aufenthalt äußerst angenehm. Mitten im Grünen m der Höhe von 1040 Metern am Kcilberghange gelegen, erscheint diese» Heim für Lehrgänge solcher Art besonders geeignet. Alle Vorträge konnten Im Freien abgehalten werden. Die Morgengymnastik, die tägliche Stunde Volkstanz und das Singen wurden in der würzigen Gcbirgsluft zu einem besonderen Vergnüge». Eine Tageswanderung führte die Teilnehmer über Gottesgab auf den Pleßberg, eine Halbtagswanderung wurde auf den nahen Fichtelberg unternommen. Die Abende waren froher Geselligkeit, sowie belehrenden und unterhaltenden Borträgen gewidmet. An allen Vormittagen wurden Vorträge gehalten. In allen, die diese schöne Woche erleben durften, wird das stille Gelöbnis dauernd nachklingen, das am Samstag beim Sonnenaufgang auf dem Kcilberge von jedem Teilnehmer geleistet wurde: seine Kraft gern und allezeit in den Dienst de» Wanderns und der JugendherbergSarbcit zu stellen. Wetterbericht. Vom nördlichen Eismeer breitet sich eine neue Kältewelle südwärts aus. In Mittelrußland war eS am Freitag um 10 Grad kühler als tags vorher. Im Zusammenhang damit nimmt die Bewölkung auch in Polen zu. Bei un» ist eS vorwiegend heiter und die Tagestemperaturen sind noch übernormal. Beim Vordringen der kühleren Luft wird daS Wetter bei uns voraussichtlich vorübergehend etwa» unsicher werden, ohne daß e» jedoch zu einer durchgreifenden Verschlechterung kommt. Nach kurzer Unterbrechung dürfte sich der Einfluß des mächtigen DruckhochS über Skandinabien wieder verstärken.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Halb heiter, nur mäßig warm, Winddrehung gegen Norden.— Wetteraussichten für Sonntag: Noch etwas kühler, sonst Wetter ohne durchgreifende Aenderung. Vom Rundfunk ■mpfeMaiMwartaa aus«len Pragrammeai Sonntag Prag, Sender L.: 6.80: Bhmnasttk. 7: Konzert aus Karlsbad. 9.15: Konzert des Prager Ouartäts. 16: Militärkonzert. 17.55: Deutsche Sendung: Ist Mr. Brown zu verurteilen? Schwalik. 18.55: Deutsche Presse. 21.10: SonntagSaktualitäten. 22.25: Deutsche Bresse und Sport.— Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: Landwirtschaft. 14.45: Arbeiterfunk: Dr. Otto Friedländer-Prag: Masse und Führung. 15: Populäre Arien.— Brünn: 17.45: Schallplatten. 17.55: Deutsche Sendung: Dr. Epstein: Autoritäre Demokratie. 18.10: Ingredienz K,'Hörspiel.— Mätzr.-Ostranr 10.45: Liroer- tonzert- «r. M geltt 5 Santstag, 15. September 103»- Werdenden Erpreffungen BartöliS Vorzügen. Bor- nka sagte diese Art, seinen»Lebensunterhalt" zu verdienen, zu und so tat er sich mit Bartoli zu einer»fruchtbringenden" Teilhaberschaft zusam» men. In dieser»güten alten Zeit" ging das Geschäft glänzend; die beiden Banditen loiinte» sich allen Luxus erlauben, den man sich auf Korsika mit Geld, dem Geld der anderen, überhaupt leisten kann. Aber diese herrliche Zeit dauerte nicht lange. Die Opfer wurden des ständigen Zahlens müde, um so mehr, als sich auch noch einige andere Banditen auf dieses äußerst einträgliche Geschäft warfen: die Beschwerden drangen zu den Ohr^n der Behörden in Paris, und dort beschloß man, diesen Zuständen ein Ende zu machen. Im Jahre 1VSS ging eine wahre Expedition Nach Korsika ab. Wochen- und monatelang machten Truppen und Gendarmen unter dem Merbefehl eines General« Jqgd auf Banditen, und der Erfolg blieb nicht aus. Bald war der verwegen« Bprnka der einzige Bandit, den unternehmungslustige Reiseagenturen zahlungsfähigen Touristen„in Freiheit dressiert" vorführen konnten. Aber auch um Bornka zogen sich die Netze der Gendarmerie immer enger zusammen. Einen Schlupfwinkel nach drin anderen mutzte er den Verfolgern überlassen. Mit dem Wohlleben war ti vorbei. Eine Geliebte, die ihn auch im Unglück nicht verlietz, versorgte den Banditen mit Lebensmitteln. Aber dir Zufuhr erfolgte recht unregelmätzig und war für beide Teile mit grotzen Gefahren verbunden. EIn- mal fiel es der Gendarmerie auf, daß das junge Mädchen sich täglich mit einem grotzen Korb am Arm auf einen einsamen Friedhof begab, um dort andachtsvoll vor einem Grabgewölbe zu verweile». Man überraschte sie einmal, fand aber in ihrem Korb nur Holzscheite und entdeckte keine Spur von Bormia. Seitdem aber hörten die Besuche des Mädchens auf dem Friedhof auf, nud erst später erfuhr die Gendarmerie, dass sich der Bandit doch In dem Grabgewölbe befunden hatte: er hatte vorsorglich einen Sarg geöffnet und geleert, in dem er sich beim Hcranuahen der Beamten verbergen konnte. Auf die Dauer lvar der an„bessere Verhältnisse" gewöhnte Bandit der elvigcn Hetze, bei der er mitunter acht Tage lang fasten mutzte und monatelang kein Dach über dem Kopfe hatte, überdrüssig. Er versuchte noch, sich Mittel zur Flucht ins Ausland zu verschaffen, indem er einer Pariser Zeitung seine. Memoiren zum Preis von 100.000 Franken anbot. Als die Zeitung das Angebot ablehntc, obwohl Bornöa mit den: Preis bis auf 60.000 Franken hcrunterging, da war alles zu Ende. Durch Vermittlung zweier.Priester bot Bornöa seinen Todfeinden, den Gendarmen, die Nebergabe an. In Lumpen gekleidet, ohne das Gotvehr, das ihn all die Jahre nicht verlassen hatte, hielt er den Beamten an einem vereinbarten Orte die Hände entgegen, die Handschellen schnappten um seine Gelenke zusammen, und heute sitzt er mit seinen frohen und bitteren Erinnerungen im Gefängnis von Ajaccio, in Erwartung des Gerichtsverfahrens, indem e.r sich nicht nur wegen seiner Erpressungen, sondern.auch wegen verschiedener Morde zu verantworten haben wird. Em süsft« Land. In Kottbu« erscheint eilte nationalsozialistische Wochenschrift unter dem Ntel»Da« Kampfblatt". In diesem Blättchen wird in wenigen geilen ein ganzer Gesetzentwurf formuliert, wie er nach dem Herzen der Nationalsozialisten wäre: „Ein Deutscher, der sich in intimen Verkehr «ft einer Nichtarierin einlätzt, wird wegen Rassenschande mit Zuchthaus bis zu 16 Jahren bestraft. E» wird gleichzeitig über ihn die bürgerliche Degradierung ausgesprochen. Sein Vermögen wird vom Staate konfisziert. Die Abkömmlinge au» einer solchen Verbindung der Schande werden nicht als deutsche Staatsbürger anerkannt. Im Rückfall wird der Rastenschänder sterilisiert." „Paris Soir", dem wir dieses Zitat aus dem Kottbuser Blatt entnehmen, faßt seine Kritik in drei Worte zusammen:„Ein sützeS Landl" Unglück im Schacht. Das Oberbergamt Bre»- lau teilt mit: Auf den Delbrück-Schächten in Hindenburg(Oberschlesien) hat sich am Freitag.morgens ein schwerer Gebirgsschlag ereignet. Davon sind 16 Mann betroffen worden, von denen aber nur drei das Krankenhaus aufsuchen mutzten. Auch bei ihnen besteht keine Lebensgefahr. Z w e i M a n n werden n o ch v e r, mißt. Anscheinend sind sie in einem zu Bruch gegangenen Teile überrascht worden. Ein dritter, der auch verschüttet war, konnte bereits unverletzt geborgen werden. Die Bergungsarbeiten haben sofort eingesetzt und sind noch in vollem Gange. Di« beide« Curie im Pantheon. Die sterblichen Ueberreste des Ehepaares Peter und Marie lluric, die bekanntlich durch ihre Radiumforschun- gen berühmt wurden, sollen im Oktober in feierlicher Weise im Pantheon beigesetzt werden. Frau Curie starb heuer im Frühjahr. Bisher ruht im Pantheon eine einzige Frau, Frau Ber- thelot, die Gattin des berühmten Chemikers Mareelin Btrthelot, die am gleichen Tage starb wie ihr Mann und auf Beschluß der französischen Regierung an der Seite ihres Gatten bestattet wurde. Auf japanisch. Aus Manila wird gemeldet: Als am Dienstag in der Nähe von Bala- b a e ein amerikanischer Gendarmeriesergeant und zwei philippinische Gendarmen den japanischen Dampfer„Hahun Maru" innerhalb der HoheitS- arenze untersuchen wollten, wurden sie von der 24 Mann starken Besatzung des Jischdampfers angegriffen, verletzt, ausgeraubt und überBord geworfen. Alle drei konnten sich jedoch retten. Zwei amerikanische Küstenwachtschiffe habe» die Verfolgung des Dampfer« ausgenommen, der wahrscheinlich versuchen wird, seinen Heimathafen Takqo auf germosa zu erreichen. Sechs Spion« hingerichtet. Das Mukde» n e r Gericht verurteilte sechs chinesische Angeklagte wegen Spionage zugunsten einer fremden Macht zum Tode durch Erschießen. Bei einer Explosion in einer Sagemühle bei Leiria(England) wurden drei Arbeitergetötet und zwölf schwer verletzt. DaS Gebäude ist völlig zerstört. ES steht noch nicht fest, ob unter den Trümmern nicht noch weitereOpfer liegen. Ein Ochsenkarren wurde von dem Luftdruck der Explosion über eine sechs Meter hohe Mauer gesetzt und 40 M e- ter weit davon geschleudert. Di« spinal« Kindrrlähmung in RordschlrSwig hat ihren Höhepunkt noch nicht überschritten. Im Kreis Rudersleben sind in den letzten Tagen 60 Krankheitsverdächtige festgestellt worden. Bon den 04 ländlichen Schulen deS Kreises sind 77 geschloffen, dazu alle städtischen Schulen. Mätzen Anordnungen meiner Sohnes fit es zu verdanken, daß wir stet« die verhältnismäßige Ruhelage Wiederherstellten. Durch wiederholte» Tauchen warf er unter Wasser Fallen und Segel ko», brach den Mast ab, band da» Zelt lol, ritz die Wolldecken und Kisten heran» und entlastete dadurch da» Boot nach Möglichkeit.. Wer immer kleiner wurde die über Wasser schwimmende Kuppe de» Hecks. Nachdem diese mehrmals von den Wellen ganz unter Wasser gedrückt worden war, beschlossen wir, das Boot im Stich zu lasten und un» den Wellen anzuvertrauen, aber möglichst zusammen zu bleiben. Wir nahmen Wschied voneinander, dann schwammen wir mit den Wellen in Richtung Mönne. Jedoch nach ganz kurzer Zeit merkte ich schon, datz meine Kräfte für eine vielleicht mehrstündige Schwimmtour nicht auSrei» chen würden, und verständigte meinen Sohn hiervon. Der schrie: /.=:->Z«eück»mn Boots"...... Wer wo war dieser? Wir schwammen gegen die Wellen, zurück und entdeckten nach länuerem Suchen in der Finsternis einen dunklen Punkt, der sich al» da« noch schwimmende Heck, erwies. Meine Frau und ich klammerten uns wieder an, Ivährend Heinz un» unterstützte. Nach längerer Zeit lietzen Sturm und Regen nach." Die Lichter von Stettin wurden sichtbar, und der Mond trat hervor. Unsere Lage wurde immer gefährlicher. Wir wußten, daß wir un» nicht mehr lange an dem Boot würden halten können, denn e» sank immer tiefer; Da meine Frgu durch da» Luftkiflen vor dem ttntergehen geschützt war, riet ihr mein Sohn, den Lichtern ent- gegenzuschwimmen, um in größerer Nähe de» Ufers um Hilfe jA rufen. Er blie» ihr noch mit aller Kraft da» Kiffen auf— dann blieben wir allein zurück. Ein Motorboot bemerkt die Ertrinkenden nicht Eine endlose Zeit verging. Endlich hörten wir in Richtung Mönne. da» Rattern eines Motor» und sahen auch die Lichter eines Bootes. Mer alle unsere Hilferufe blieben unbeantwortet. Durch Tauchen stellte Heinz fest, das; sich unser Boot auf dem See- grunde verfangen hatte. Wir trieben nicht mehr und konnten somit nicht hoffen, ohne fremde Hilfe an Land zu kommen. Plöblich vernahmen tvir Ruderschlägc. Aus ihrem Schall stellte Heinz die Richtuyg fest. Mit dem Ruf„Peilung auf den Mond" gelang es ibm, das Ruderboot tatsächlich heranzndirigieren. Wir waren gerettet, lieber vier Stunden hatten wir uns im Wasser befunden. Zu gleicher Zeit mit uns wurde auch meine Frau in ein Boot gezogen. Ohne unseren Sohn wären wir nicht mit dem Leben davongekomnien." H. I. F. Zwei Jugendliche in Lebensgefahr DG. Zwei Von den seinerzeit von. Holland nach Hitler-Deutschland ausgeliefcrten jungen Antifaskisten, der Hamburger Bobzi.cn. und der Dresdener Liebermann schwebe» in Lebensgefahr. Die Anklageschrift, die der Reichsanwali dc» Reichsgerichts gegen die beiden eingereicht hat, beschuldigt beide der Vergehen: Fiihrertätigkcit für den Aufbau verbotener Organisationen, Hochverrat, Landesverrat usw., auf die nach den Paragraphen der jetzt in Deutschland geltenden„Gesetze" die.Todesstrafe steht. Die Verhandlung und Aburteilung der beiden durch das Reichsgericht stand bevor, im letzten Augenblick wurde das Verfahren an das„Volksgcricht" abgetreten, das wahrscheinlich nicht milder urteilen wird als das Reichsgericht. Das Leben der beiden jungen Menschen, die kein anderes„Verbrechen" begangen haben als ihrer Gesinnung und llebcrzeugung treu zu bleiben, ist in größter Gefahr und die ganze öffentliche Meinung der Welt»ms; zur Rettung dcö'Lebens von Bobzien nnd Liebermann mobilisiert werden. Bierstündiger Kampf mit den Welle« Bootskatastrophe bei Stettin— Der Sohn rettet Bater und Mutter In dem amtlich beglaubigten Bericht eineS DaflersportklubS zu Stettin heißt«»: Nach einem starken Gewitter mit heftigen Etunnböen hörte ich um etwa 10 Uhr nacht» Hilferufe vom Dammschen See her. Mit vier anderen Klubkameraden bestieg ich danach ein Ruderboot, um Hilfe zu leisten. Anfang» war da» Wasser noch bewegt, der Himmel bedeckt, In der Nähe von Gallunort bemerkten wir ein Blinklicht und hielten darauf zu. Inzwischen ging der Mond auf, und wir hörten dgnn einen Ruf:„Peilung auf den Mondi"— Wir folgten dieser Aiuvcisung und entdeckten die Verunglückten im Wasser treibend. Herr Freudhammer senior saß im Reifiitz auf dem kieloben treibenden Boot, von dem jedoch nur eine kleine Kuppe de» Heck» über Wasser war. Herr Freudhammer jun. hielt sich schwimmend zur Unterstützung seine» Vater» neben dem Boot. Zuerst nahmen wir den sehr erschöpften alten Herrn in unser Büot, darauf Herrn Freudhammer jun." Da Herr Freudhammer jun. sofort mittejlte, daß seine-Mutter noch im Wasser treibe, machte« wir un» nach dieser auf die Suche. Kurz darauf wurden" wir von dem Ruderboot eine» anderen LportklubS benachrichtigt, daß Frau Freudhammer bereit» von ihnen gefunden und an Bord g«om- men sei'... Ein Faltboot ktntert im Orkan DaS*”it das dramatische Schlutzkapitel in dem RettungSwcrk des Heinz Freudhammer. Lassen wir seinen 67 Jahre alten Bater erzählen: „Wir waren nach der Insel am Köp Werder gefahren, wo ftir badeten und in unserem Zelt ein Gewitter abwarteten. Der Wind war nach NW umgesprungen, hatte etwa Windstärke 8. Al» dann über der Buchheide schwere Gewitterwollen standen, beschlossen wir, den günstigen Wind aurzunutzen und die Rückfahrt anzutreten. Nach 18 Uhr segelten wir von der Insel ab. Im ersten Boot, einem Faltboot mit 2.5 Quadratmeter Segelfläche, saßen meine Frau und ich, im zweiten, einem außergewöhnlich leichten Einerkajak, sah unser Sohn Heinz. Nach einer Viertelstunde stieg eine Wolkenwand in NW hoch, so daß wir mit starkem Regen rechnen mußten. Wir machten deshalb die Spritzdecken dicht, und ich zog noch den Oelmantel meines Sohnes Aber den Trainingsanzug. Kurz danach fiel eine starke Böe in die Segel, die Ich sofort flattern ließ. Aber bevor ich das Boot ganz gegen den Wind stellen konnte, brach eine zweite Böe mit solcher Stärke über un» herein, daß das Boot in ihr trotz flatternder Segel kenterte. Zum Glück öffneten sich die Druckknöpfe der Spritzdecke leicht, und so kamen meine Frau und auch ich verhältnismäßig schnell wieder an hie Oebrrfläche. Zugleich setzte ein starke« Gewitter mit wolkenbriichartigem Regen und Hagel ein, und der orkanartige Sturm wühlte da» Wasser zu hohen Wellen auf. Da» Land verloren, wir vollkommen au» den, Augen. ,• Mein Sohn hätte jm Kajak ohne jede Gefahr für sich da» Ufer erreichen können. Zu einem Ret- tungSberstzch war sein leichte» Doot jedoch untauglich, e»> mutzte bei jeder unvorsichtigen Bewegung Umschlagen. Da Heinz befürchtete, daß wir un» allein q:r» der Spritzdecke und au» der Takelage unter Wasser nicht würden befreien können, sprang er kurz nach unserem Kentern au« seinem Kajak und eilte schwimmend zu unserer Hilfe herbei. . Bit tat Beinen fesselt Da meine Frau nicht schwimmen kann, hätte sie, wie auf allen früheren Fahrten, über dem Badtanzug ein Luftkissen auf den Rücken geschnallt, da» sie vor dem Untergehen schützte. Al» sie an der Oberfläche auftauchte, packte Heinz sie sofort, hielt sie in den hohen Wellen und zog ihr den Bademantel au». Da» Faltboot wurde währenddessen von dm Wellen hin und her gedreht. Die unter dem Verdeck eingeschloffene Luft hielt da» Gummiboot über Wasser: bei jeder Drehung entwich jedoch mehr Luft, so daß e» abzusacken drohte. Diese Gefahr erkennend, ließ Heinz meine Frau ft», und nachdem er mir den schweren Oelmantel au»gezogen hatte, versuchten wir beide, da» Boot kieloben zu halten. Nachdem da» gelungm war, schwamm Heinz wieder zu meiner Frau, die inzwischen von den Wellen weiter abgetrieben war, zog ihr den hinderlichen wollen« Troyer über dm Kopf, die Schuhe au» und brachte sie an« Boot. Ich war inzwfichen in großer Not: di« hohen Wellen, beständig über den Kopf gehend, hatten mich mindesten» zehn Meter vom Faltboot abgetrieben; die. Trainingshose war mir von den Hüsten gerutscht und saß zwischen Knien und Knöcheln fest; ich war dadurch an den Beinen gefesselt und konnte mich kaum über Wasser halten. Außerdem war ich durch das Wafferschluckcn stark benommen und konnte nur noch stöhnen. Gerade noch im letzten Augenblick bekam mich mein Sohn, zu packen. Er hielt mich über Wasser, daß ich wieder Luft bekam, zog mir die Hose ab, befreite mich noch von der Training»jacke und den Schuhen und brachte mich an das Boot. Das trieb noch kielob«, meine Frau hing am Ruderblatt. Mit Hilfe meine» Sohne» kam ich auf den Boottrumpf in Reifiitz und konnte mich erholen. Da» rettende Boot tezstmt z» sink« E» begann ein verzweifelter, stundenlanger Kampf, das Boot kielob« zu halt« und dar Entweichen der unter dem Achterdeck eingeschloffenen Luft zu verbinde«. Immer wieder schleuderten die Wellen da» Boot au» seiner Lage, wobei stet» Lust aurströmte, und nur der Tatkraft und den sachge- Korfikas letzter Bandit stellt stch der Polizei Der letzte der gefürchteten korsischen Banditen, Francois Bornca, hat sich dieser Tage der französischen Polizei gestellt. Damit hat die Räu- berromantik Korsikas ihr Ende genommen. Fran» eoi» Bornka, ein ehemaliger Gendarm, gehörte zu der Bande des„großen" korsischen Banditen Bartoli. Der erst Neunundzwanzigjährige war nicht, wie so viele ander« Flüchtlinge, wegen einer Vendetta in die Macht«, den undurchdringlichen Bergwald Korsika», gegangen. Sein Schicksal spielte sich in wesentlich nüchternen Forme»» ab. Während er noch als Gendarm in Toulon stationiert war, geriet er in schlechte Gesellschaft und wurde schließlich au» der Gendarmerie ausge» stoße». Er kehrte nach Korsika zurück und hörte dort vpn dem gefürchteten Bartoli, der mit Hilf« eine» Verfahren», das hem amerikanischen„Rak- kett" gleicht, herrlich und in Freuden lebte, Bartoli zwang einfach die in„seinem Gebiete" ansässigen Grundbesitzer oder Fuhrunternehmer, seinen„Schutz" gegen, klingende Münze anzunehmen. Da«r seinen Forderungen mit dem Gewehr in der Hand Nachdruck verlieh, blieb den Opfern nicht» ander«» übrig, al« entweder die ge- forderten Summen, die in viele taustnde Frank« gingen, zu bezahlen, oder aber die Gegend zu verlass«», wa» einige angesichts der immer höher Datum müiien Sie neu eine Hochleistung!- Lempe verlangen, eine Ösram-^-Lamee. Den neuen Osram-fö-Lampen ist die Lieht• leistung durch Stempelaufdruek attestiert. Die neuen Osrani-Q-Lampen mit Spar. dreht gehen billiges Lieht. Bei Glühlampen hemmt es nur auf,geringen sparsamen Ström• verbrauch für die Dekalumen— DLm— an, nicht auf den Einkaufspreis, da der Betrieb der Lampe meist{einmal so viel kostet wie die Anschaffung der Lampe. Verlangen Sie immer Qsram-^fr-Lampen. Xichtahwodic minderwertige/ Glühlampen' vergeuden Jhr Geld! «Sekte 6. „Sozialdemokrat" Nr. 216. SamStag, 18. September 1934 hilfl-Elementar Versicherungs- Aktiengesellschaft in Wien Direktion für die Ö. 8. R. In Prag General-Agentschaft Reichenberg empfiehlt sich zum Abschluß von Feuer- Unfall-,Haftplicht-,Einbruch-, Auto-,Transport-, Pferde- und Viehversicherungen zu Kulanten Preisen. rrrs Bargarantiemittel in der CSR.56 Millionen. Büros: Prag, Ndrodnf ff, 17. Reichenberg, Scbützeng. Nr. 21 Brünn, Theatergasse Nr. 6. BÖHMISCHE UNION-BANK (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) Zentral« In Prag WMOim K 200.000.000*— Pnimfgadi Kl MI.HI.0H*- F1UALEN: Asch, Aussig. Rodenbach, BBhmlsch-Budwel«, Bratislava, Braunau I. B., Brllnn, Brüx, Frelwaldau, Fry- delt, Oablonx a. N., Oraslllz, Hohenelbe, Iglau, Jlgerndorf, Karlsbad, Könlälnhof a. E. Leltmeritz, Marlenbad. Mlhr,- Oatrau, MShr.-Sehünberg, Neu-Tltscheln, Olmülz, Pardubitz, Pilsen,Prostäjov, Relohonberg, Rumburg, Saaz, Tep- lltz-ScMnau, Trautenau, Troppau, Warnsdorf, Zwittan. EXPOSITUREN: Prag-Lieben und Prag-Weinberge. Zuckar- Abteilungen: Prag. Bratislava, OfinMi, Troppau. PRAGER ZEITIIG Routine ein bemerkenswerter Son- neuen iiv.sivmib».■vasv» V"»-L- U 4. V C l l| ll il 9 l C l,«DClUCUl für die Pari s e r Groste Over Serie BI.— Donnerstag Halb 8 Uhr: nm 11 Wiiri 1RB7 int* i S.» da«:« fr n sie ^cnn aerade diele Over iit schon durch icwsmar ooroeprasreu zzoic; ui u zic i a. 6rau xrma I crfnfJfiÄM.°bürend f- n ufifniifA H H„aber auch als Geschäftsfrau nicht mit Wev G Abra in der Darstellern mangelt eS vielfach an Ain Ivcnigstcn noch dem Schauspie- Kladno-Fahrt. Abfahrtszeiten a in S a m s t n g. 1. Partie: 18.12 vom Masarhl-Bhnf. Wer mit diesem Zuge fahren kann, nimmt nachm. an der Besichtigung der Poldi-Hütte teil. 2. Partie: Treffen 16 Uhr am Masaryk-Bahnhof. Ab fahrt 16.86 Uhr. Nachzügler und Stop-Fahrer kommen ins„Lidovy d u m" inKladno. Wer erst Sonntag mittags fährt, meldet sich beim Genossen Schönfelder an.— Fahrpreis: Rückfahrkarte 10.80 KL. U e b e r n a ch t n n g: Privatquartier. — Zehnergruppenführer! Die Besprechung am Montag wird auf ein späteres Datum verlegt. Mitteilungen aus dem Publikum. Unangenehme Kopfschmerzen können durch einfaches Bestreichen von Schläfen und Stirn mit Alpa-Franzbranntwcin gelindert werden. Einreibungen mit Alpa lindern auch rheumatische schmerzen und erfrischen bei Ermüdung. Einige tropfen Alpa in ein Glas Wasser und Sie haben rin gutes Mundwasser. 1 100 Die neue OSram-D-Lampe. Die rastlos vor- wärtsstrcbcnde Glühlampentcchnik hat einen neue» Rekord zu* verzeid-nen— die neue- Osram-T- Lampe in höchster Bollendung. Osram gelang es, die Lichtausbeute bei der neuen D-Lampc gegenüber der bisherigen Glühlampe der OSram-EinhcitSreihe bis zu 20% zu steigern. Mit der Einführung'der neuen Osram-D-Lampcn wird gleichzeitig dazu übergcgan- gcn, eine Verbesserung der Kennzeichen der Lampen vorzunehmen und sie nack; ihrer Lichtleistnng zu staffeln. Jede Osram-T-Lampe bekommt ein Deka- lumen-Aitest(TLm) auf Sockel nnd Verpackung neben dem Wattverbrauch aufgestcmpelt. Je geringer der Wattverbrauch für ein Tekälumen, desto wirtschaftlicher ist die Lampe. 2677 vcrcinsnadirlditen Allgemeiner Augestellteu-Berbaud Prag Amtsstunden: Mittwoch 7 bis 8 Uhr abends Närodni tr. 4, Telephon 81851. Vermittelt Personal füralleBranchen. Sektion der Jung-Angestellten: Versammlung Donnerstag, den 20. September. 8 Uhr abends im Hein», Narodui,— Tagcsordnun g: Forderung nach gesetzlichem Schutz der Volontäre, Praktikanten und Lehrlinge, Bcrufsbildungskurse, Gesell- schaftSabcnde, Bücherei, Begünstigungen. Gcrlchlssaal Wildwest in einer Kantine Gäste niedergeschlagen und beschossen— weil kein Tropfbter trinken wollten. Prag, 14. Scptentbcr. Die Kantinenwirtin Marie Vytasil, die ihr Geschäft auf dem Baugelände des entstehenden Flugplatzes in Li u z i n i betreibt, ist eine ziemlich gesetzte Dame, hat aber trotzdem einen 27jährigcn Freund' in der Gestalt des sechsmal vorbestraften Josef R u Zijs k a. Frau Vyta- MU mässigen Skrupeln behaftet. Als am 23. Juli d. I, eine vierköpsige Gesellschaft in der Kantine der Vy- tasil erschien und Bier bestellte, merkte einer dieser Gäste, Joses Kräsa, dast die Wirtin Tropfbier uud Bierreste ans vier Gläsern zu einem„frischen Trunk" zusammengost. Kräsa verwahrte sich gegen solchen„Dienst am Kunden" nnd erreichte tatsächlich, dah man den Gästen richtiges Bier vorsctzte. Die Gäste tranken aus, zahlten und wollten gehen. In diesem Moment aber trat der junge Freund der Wirtin unerwartet in Aktion. Ohne dast irgendein Wortwechsel stattgcfunden hätte, warf er zunächst ein Bicrglas durch die Glasscheibe» der Küchentür gegen die Abgehenden. Die Splitter verletzten Josef Kräsa und seinen Kollegen Langmeier im Gesicht. Aber das war nur das Vorspiel. Gleich daralif landete ein weiteres Bierglas mit voller Wucht an der Schläfe Joses Kräsas, so dah dieser betvuhtlos zusammen brach. Hierauf zertrümmerte der Apache einen Milch- t o p f am Kopf Langmeiers und auch Langmeier fiel betäubt zu Boden. Die noch unversehrten zwei restlichen Mitglieder der Gesellschaft flüchteten eilig ins Freie. Ruisikka hatte aber seiner Angriffslust noch nicht Genüge getan. Er holte einen Revolver und feuerte den Flüchtenden mehrere Schüssenach. Heute stand dieser Josef R u Z i JI a, ein Apache übelster Sorte, mit sechs zum Teil schweren Vorstrafen' vor dem Senat K n a u t e unter Anklage der schweren Körperverletzung. Er wurde zu vier Monaten schwerenundver- schärften Kerkers verurteilt. rb. dauer Kostümerien und Kriminalschauer, bestätigt sich nun, da wir ihn nach laitgem Warten zu Gesicht bekommen. Der Regisseur Basil D e a n hat mit Eifer nnd.Ernst versiicht, die Stimntungen und Gestalten, die Lhrik und Ironie der Kcnncdhschen Erzählung ins bewegte Bild zu übertragen:, die Gröhe nnd Freiheit der Schweizer Bergwclt, die Ver- spieltheit und Besessenheit des KünstlerlebcnS, die Gezwungenheit der englischen Bürgerwelt, dcy Fan« bcr, die Komik und die Unbegreiflichkeit der Jnng- inädchcnliebe. Dah ihm alles gelungen ist, was er versucht hat, läht sich nicht behaupten. Zwischen Naturauf- nahincn von seltener. Schönheit und dramatischen Szenen von einfacher Eindringlichkeit erscheinen Krastheiten, Stockungen nnd kitschige Phantasien. Mit der Kraft zum Aufbau groher und psychologisch erfahter Szenen(wie der beiden Konzerte) paart sich eine auffällige Kurzatmigkeit und eine verwirrende Neigung, Nebensächliches zu betonen, die bei Noinan-Verfilmungen doppelt gefährlich ist. Der Eindruck dieses Films ist also nicht einheitlich. Aber klar ist, dahier in der Fülle des hohlen Kitsches und der leeren verfall ist. Auch den Geschlossenheit., ler A h e r n e in der Rolle dcS jungen Komponisten Lewis. Dastir aber fehlen ihm die Nuancen. Während Victoria H o o p e r ihre halb kindliche Nymphengestalt in einzelnen Augenblicken erschütternd echt und ergreifend befangen, in anderen wieder hilflos verkrampft erscheinen läht. Ant überzeugendsten wirken die Darsteller zweier Nebenrollen: Lyn H a r d i n g als alter Komponist und der ehemalige Berliner Fritz Schulz als spicstig-glück- licher Liebhaber und Gatte.—eiS— Lvs der Partei Bezirksorganisatton Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Kladno-Fahrt, am S o n n t a g, den 16. September 18. Bestandsfest der Lokalorganisatto» 3 Uhr Nachmittag im Gasthaus„Zur Post" Kröte- hlav. Abfahrtszeiten: Bahn: ab Masaryk- Bahnhof 13 Uhr 12 Min., 14 Uhr 02 Min. Fahrpreis Sonntagrücksahrkarte Kö 10.80. Autobus ab Standplatz Lützowowa(beim Masa- ryk-Bahnhos) 12, 13, und 14 Uhr. Fahrpreis 11 KL. (Sonntagsrückfahrkarten verlangen) oder ab Endstation der Elektrischen Nr. 23 nad Sarkou 25 Min. später. Fahrpreis zirka 0 Kc.(Bis Kroöchlavy Gemeindeamt). Wir fordern unsere Mitglieder nochmals auf, die Veranstaltuug unserer Kladuoer Genossen durch zahlreiche Teilnahme zu unterstiihen. Parteiordner: Wir fahren mit dem Autobus um 13 Uhr. Jene Genossen, welche mit der S. I. oder allein fahren, müssen nm 2 Uhr nachmittags in der Post gestellt sein. Bar Film Die treue Nymphe Die schon lange gehegte Vermutung, dah dieser nach Margaret Kennedys Roman verfertigte eng- t tische Film sehenswerter ist als der Reigen der Lon- dic».per„r „Ton Carlo- komponiert, wo er am ll. März 1867 zur ersten Aufführung getaugte. Ter„Don Carlos" ist das fünfte mufiksramatische Werk, bei dem Verdi ein Drama des dcuiichcn Dichters Schiller zum Tertvorwurf uahin; schon früher komponierte er nach Schillcrschcn Tramen die Oper»„G i o v a n n a d'A reo",„I Masnad icri"(„Tie Ränbcr"), „Luisa Miller"(„Kabale uud Liebe") und „2 i m o n B o c c a n e g r a"(„Fiesco"). Der„Ton Carlos", das zeitlich unmittelbar der„Aida" vorausgchcnde Opcruwcrk Verdis, hatte wenig Erfolg: In Paris brachte er cS trotz glänz- vcllstcr Aui'fiihruug auf nur 43 Wiederholungen und auch in Loudon, wo das Werk unmittelbar nachher jm Lovcnt-Garden-Theatcr aufgcführt wurde, war sein Erfolg trotz der Mitwirkung einer Lucca nur gering. Erft in der italienischen Stadt Bologna, wo die Over zum erstenmal italienisch aufgcführt wurde, sand sie Aucrlcnnung. Aber ein durchschlagender Erfolg wie die bekannten anderen Opern Verdis ist sie nicht geworden. Tem Meister hat sie insofern eine bciondere Ehrung eingetragen, als sie Ansah dazu gab. dah seine Büste im Foyer der Pariser Grasten Over zur Aufstellung gelangte. Die Wiedererweckung des„Ton Carlos" dankt man der in den letzten Jahren ausgckonunencn V c r d i-R c n a i s s a n c c. die auch seinen vergessenen Opern„Simon Boccancgra" und„Tie Macht des Schicksals" zu neuem Leben verhalf. Ten„Ton Carlos" der Lpernbühne wiedergegeben zu haben, ist zweifellos^ ein verdienstvolles Beginnen. F‘‘~ ihr Textbuch erfolgsicher, tvährend sie musikalisch bester und echtester Verdi ist, der Verdi der melodischen Invention und des starken musikdramatischcn Ausdrucks, der Verdi der Geiangsover und der farbenkundigen Instrumentation. Jm Stil steht der „Don Carlos" dem„Othello" Verdis näher als seiner „Aida", trotzdem er zeitlich viele Jahre vor der letztgenannten Oper entstanden ist. Die Musik mancher Szenen des„Ton Carlos", wie etwa jener zwischen Philipp I I. und dem Grossinquisitor mit dem vorangehenden Monolog des Königs oder des grohen Finales im Mittclakt, gehören zum Bedeutendsten und Packendsten, das Verdi überhaupt geschrieben hat. Tie Kompliziertheit der„Ton Carlos"-Partitur. von der ein berühmter Kritiker seinerzeit behauptet hat, dah an ihr viel mehr Tchweih klebe als an allen früheren Opern Verdis zusammengenommen/ die Tatsache ferner, dah ein Italiener beim Anhören der Over bei ihrer Pariser Uraufführung ausgerufcn baden soll„Tas ist ja Zukunftsmusik!", läht cS erklärlich erscheinen, dah daS Werk seinerzeit im Vergleich mit den bis dahin bekannten Opern Verdis einfach nicht verstanden wurde. Heute, wo wir den Verdi des„Othello" und des„Falstaff" schätzen und würdigen gelernt haben, ist auch erst der eigentliche Wert des„Don Carlos" ersaht worden. •. Die Aufführung, die der Oper zuteil wurde, durfte sich sehen und hören lassen. Wenn der Erfolg beim Publikum trotzdem nicht den Erwartungen entsprach, tragen undramatische und ermüdende Längen des Werkes wohl die Hauptschuld. Mordes Jiiszenicrung, die sich auf Bühnenbilder Prof. P i r ch a n S stützte, war durchaus gelungen: nicht nur stimmungsvoll, sondern auch stimmungsfördernd im Sinne des dramatischen Geschehens. Vrof. Szölls musikalische Leitung zeichnete sich durch Leidenschaft uud rhythmischen Schwung aus. hätte aber dvnamisch mitunter zurückhaltender sein können. Aufopferungsvoll spielte das O r ch e st e r. wahrend die Chöre noch disziplinierter und klanglich, abgetönter hätten sein können. Unter den Solisten ragte Theodor Scheid! als Philipp ll. hervor, in Maske, Haltung uud gesanglicher Interpretation ein mit sich selbst unzufriedener, unglücklicher König von «rast and Wissen Don Carlos Ter„Ton Carlos" ist das zweite franzö- DicnStag zum 30. Male„Strnfjenmusik"— volkstümlich. Da zahlreiche Abonnenten ihre Vorstellung an diesem Tage Umtauschen wollten, hat die Direktion das Abonnement aufgehoben und es findet eine Vorstellung zu ganz kleinen Preisen statt. -Preise: Alle Galericsihe XL 5, alle Parkett-, Balkonsitze Kü 10, alle Fauteuilsitze Kc 15, Parterre- und 1. Ranglogen(für fünf Personen) I