14.-ahrgang Nr. 217 Sonntag, 16. September 1934 Bedingungen an Die historischen Urkunden Fascistische Tendenzen der NIRA ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xn„ fochova u. tufon saon. Administration Telefon 53076. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR> DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Elnzalpnit 70 RsKsr (•inichli.Mlch StMtoRotoi tionoTen Minderheiten bekümmert, smdern sie gern opfert, wenn nur Polen dafür die Politik Hitler- gegen de» Bölkerbund und siegen Rußland nntrrstiit.it. «HTBAtORSAH Kü DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK (Pari-.) Der Genfer Berichterstatter des„Petit Parisicn" meldet, daß zwischen den So- wjeldelkgierte» und den Bertretern der Hauptmächte über die Ausnahme Sowjetrußlands in den Bölkerbund das Einvernehmen hergrstellt sei. Der Präsident deö Bölkerbundrates Doktor Vene« und daS Mitglied der französischen Delegation Mafligli trafen wie bereits gemeldet, Freitag nachmittags mit Litwinow in Meffery zusammen und einigte» sich mit ihm über den Aufnahmetext. Sowjetrntzland verpflichtet sich ausdrücklich, sich a l l e n Beding« n g c n des BölkerbundvertrageSzu unterwerfen. Um 22^, Uhr trat bei Minister Dr. Brneö eine Beratung der Bertreter der Großmächte, des Borsttzende» der politischen Kommission Madariaga und deS Vertreters des Präsidenten des Völkerbundes zusammen. Bei der Beratung, die sich bis über Mitternacht hinzog, wurde der EinladungS- text definitiv vereinbart und Samstag wurde mit den Unterschriften des Dokuments begonnen, mit dem Rußland in den Völkerbund eingrladen werden wird. Die Zweidrittelmehrheit ist voll gesichert, da 34 Staate» bereits zugestimmt haben, so daß man erwartet, daß Montag längstens Dirnötag die Sowsetdelrgation in Genf eintrifft. In diesem Falle würde Minister Barthou Mittwoch nach Paris reisen, aber noch Ende der nächsten Woche»ach Genf gn- rückkehre», um sich mit der österreichischen Frage zu vefasien. Roch Samstag abends berief Dr. B e» e ö dr» BölkerbnndSrat zu einer geheimen Sitzung zusammen, in der dann mit zehn Stimme» bei Enthaltung Argentiniens, Portugals und Panamas, die Zuteilung eines ständigen RatSfitzeS für Sowjetrußland beschlossen wurde. An das Volkskommissariat für AcußcrcS in Moskau wurde von Genf aus folgendes Telegramm gerichtet: „Die unterzeichneten Delegierten aüf der IS. Bökkcrbnndsversammlung: der Südafrikanischen Union, Albaniens, Australiens, Österreichs, Englands, Bulgariens, Kanadas, Chiles, Chinas, Spaniens, Estlands, Abessiniens, Frankreichs, Griechenlands, Haitis, Ungarns, Indiens, des Irak, Italiens, Lettlands, Litauens, Mexikos, Neu-Seelands, Persiens, Polens, Rumäniens, der Türkei, Uru- . guatzS, Jugoslawiens und der Tschechoslowakei ka d c n, indem sic in Erwägung ziehen, daß die Mission der Aufrechterhaltung und Organisierung des Friedens, die eine wesentliche Aufgabe des Völkerbundes darstellt, die Zusammenarbeit aller Etaaten erfordert, die Soivjetunion ein, in den Völkerbund einzutrcten und ihm ihre wertvolle Mitarbeit zu widmen. Dieses Telegramm wurde dem Vorsitzenden der Bölterbuiidsversamm- lüng bekanntgegebcn. Es folgen die Unterschriften. Minister Dr. Benes, dec die Genfer Vorverhandlungen mit der Sowjetunion führte, richtete an den Volkskommissär Littvinow folgendes Schreiben: „Herr Volkskommissar, ich habe die Ehre, Ihnen die Abschrift des Tclcgrammes zu senden, durch das hie Mächte, deren Delegierte das Telegramm unterzeichnet haben, die Sowjetunion zuni Eintritt in den Völkerbund eingeladen haben. Das erwähnte Telegramm wurde nach Moskau an das Volkskommissariat für Acußercs gerichtet. Wollen Eie, Herr Volkskommissär den Ausdruck meiner Hochachtung cntgegcünchmen. Eduard Benes. Die Regierung der Sowjetunion antwortete auf das Telegramm der dreißig Delegationen aus der Völ kerbundsversammlung: „Die Sowjetregierung erhielt die von der Mehrzahl der Bölterbundmikglieder unterzeichnete Einladung, in der sie unter Hervorhebung, daß die Organisierung des Friedens, eine Mission des Völkerbundes ist, und daß diese Mission die universale Zusammenarbeit aller Staaten erfordert — Rußland einladen, in den Völkerbund einzutrcten und ihni seine Mitarbeit zu widmen. Die Eowjetregicrung erhielt ferner die Mitteilung der Regierungen Dänemarks, Finnlands, Norloegens und Schwedens über ihre wohlwollende Stellungnahme zum Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund. Die Sotvjetregierung machte aus der Organisierung und der Festigung des Friedens die Hauch t a u f g a b e ihrer?l u fe e n p o l i- t i k und schenkte stets den Anregungen der internationalen Zusammenarbeit im Interesse des Friedens Gehör; in der Ansicht, daß diese Einladung, die von der großen Mehrheit der Bölter- bundsmitglieder kommt, einen tatsächlichen Friedenswunsch• des Völkerbundes und dessen Anerkennung der Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit SSSR darstellt, w ü n s ch.t d i c S o lv j et- regie r u n g die Einladung zu beantworten Und Miiglir-d d^-s B chb U..U.H a s Der amerikanische Riesenstreik hat jetzt ungefähr 400.000 Textilarbeiter erfaßt. Es solle» neu eingrrifrn 3000 Wollsortierer und mit einer begrenzten Aktion die T r a n- P o r t- arbriter, die von der Textilgewerkschaft ersucht werden, die Einsuhr von Baumwolle in die Staate» zu verhindern. Die Unternehmer mobilisieren gemeinsam mit den Gouverneuren immer neue Bataillone der gelben Nationalgar de. Im allgemeine» war der SamStag ruhiger, aber in einzelnen Staate» kam es neuerlich zu blutigen Zusammenstößen. I» Co» nord(Nord Carolina) griffe» die Gelben mit Tränengas und Bajonett an. Auch in Maryland und Georgia kam eS zu blutigen Zwifchenfälloir. Der Leiter der NIRA, General Johnson hat— die erste offizielle Kundgebung im Streik— in überaus schärfer und völlig einseitiger Weife gegen den Streik ausgesprochen, den er al- politischen Kampf bezeichnet. Man habe in der Textilindustrie zuerst den Code eingeführt und nun rebelliere» sie. Johnson vergißt allerdings, daß die Unternehmer der Südstaate» den Code nicht einhalten und daß gerade deshalb gestreikt wirdk DaS bedeutsamste Moment in Johnson- Kundgebung ist seine Ankündigung, daß er «ine„Reorganisation der Arbeiterschaft ans der Grundlage von Industrie- Gewerkschaften"— eS können nur Korporationen nach italienischem Muster gemeint sein— durchführen werde. Er wandte sich heftig gegen die Gewerkschaften englischen Stil- und polemisierte auch gegen die Zusammensetzung der Gewerkschaften. Sie feien im Schlepptau dr- Sozialistenführers Rorman Thoma-. Johnson- Drohung beweist, daß di« RJRA ernstlich mit deut Gedanken spielt, die Arbeiter in Zwang-korporationen einzugliedern. Bezeichnend ist, daß Präsident Roosevelt seine Zeit damit verbringt» von einer Jacht ans, einen Segelrekord zu verfolgen. Während der Präsident dem Vergnügen lebt, macht daS Land sein« schwerste soziale Krise durch.„■..... Wie in später Abendstunde gemeldet wird, f o r d e r n dir G e w e r k s ch a f t e n.den Rücktritt Johnson S, den sie de- Wortbruch- und völliger staatsmännischer Unfähigkeit bezichtigen. Aufnahme endlich Rußland nimmt alle flvsiciMin Johnson droht den Streikenden 400.000 Arbeiter lm Ausstand— Neue Zusammenstöße / Wahlerfolg der australischen Arbeiterpartei (Melbo«rn e.) Bei den allgemeinen' Wahle» in da- anstralische Föderalpnrlamenk erhielt die Bereinigte australische Partei, deren Führer Ministerpräsident Lion ist» bi-her bloß 28 Mandate. I» dem aufgelösten Parlament hatte sie 38 Mandate von insgesamt 7!>. Auch wenn ihr noch die 8 Mandate zusalle» würde»,! über die noch nicht entschiede» ist» würde sie nicht die absolute Majorität haben. Ma» nimmt an, daß eine KoalitionSregirrung der vereinigte»! australischen Partei mit der agrarischen Partei! gebildet werden wird. Im aufgelösten Parlament! waren 38 Mitglieder der vereinigte» anstrali» schen Partei,. 16 Agrarier, 16 Arbeiter»! abgeordnete n»d 2 Wilde. DaS neue Parlament wird bloß 74 Abgeordnete statt 75 zähle». Außer 28 Mitgliedern der vereinigte», australischen Partei wurden bi-her 14 Agrarier i und 24 Arveiterabgeordnete gewählt.... Pilsudskis Säbelhieb Beifall in Berlin l Die französische Presse beschäftigte sich SamStag ausführlich mit dem Vorgehen Polens, das in Frankreich, wo man auf die Einhaltung verbriefter Verträge nicht erst seit BersailleS, aber seit BersailleS selbstverständlich besonders peinlich bedacht ist, sehr übel anfgenommen wurde. Fas! alle Blätter kritisiere!» Polen scharf, sind befriedigt"über da- Einvernehmen, da- in den Erklärungen England-, Frankreich- und Italien- zum Ausdruck kam und spreche» vereinzelt die Hoffnung au-, Polen werde von seiner Drohung Abstand nehmen. Jik manchen Blätter» wird Minister Beck persönlich angegriffen>md al- unfähiger Diplomat bezeichnet. Rur die fafristischen Blätter ermahnen die Regierung, die Freundschaft Polennicht wegen Rußland- preiSzugebrn. Die Berliner amtliche Korrespondenz des AnßenamteS nimmt zn dem Schritt Polens beifällig Stellung: er sei erklärlich nnd berechtigt. Polen habe einen kräftigen Schlag gegen den Bölkerbund geführt und ihm aufs neue dessen„Ohnmacht und Unfähigkeit" bescheinigt. ES ist sehr bezeichnend, daß man sich in z rl werde n, indem eö in ihm eine ihr lvür« dige Stellung einnimmt und sich verpflichtet, die internationalen Verb in dlicbkei, teil und Entscheidungen cinzuhalten. welche die Mitglicdstaaen im Sinne des Art. 1 des Völker- bundpaktcs verpflichten.. Die Sowjetregierung Hal mit Genugtuung befunden, daß die Frage der Ergänzung des Paktes in dem Sinne, daß er mit dem Briand-Äcllogg-Pakt harmonisiert werde nnd daß ein internationaler Krieg vollkommen beseitigt werde, vom Völkerbund in Erwägung gezogen worden ist/ Da die Artikel zwölf und dreizehn des Paktes der Staaten den Weg offen lassen, Konflikte durch ein Arbitrage- u. Gerichtsverfahren zu erledigen, erachtet cs die Sotvjetrcgicrung als notwendig, deutlich zu erklären, daß ihrer An sicht nach solche Methoden auf Konflikte betreffend Fragen, die vor dem Eintritt Rußlands in den Bölkerbund entstanden sind, nicht geltend gemacht werden sollten. Die Sotvjetregierung erlaubt sich, die Hoff-_^.^DDDn nung auszusprechen, daß diese Erklärung von t Berlin nicht einen Augenblick lang nm die n a- allen Staaten des Völkerbundes im Geiste auf-' richtigen Willens zur internationalen Zusammen arbeit und zur Sicherung des Friedens für alle Staaten angenommen tverden tvird. Uigennebel um Österreich Schuschnigg, Mussolini und die UnabhMnglglcelt Ein Teil der Presse Ivar hocherstaunt dar- I über, daß der Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg in Genf keineAnllagerede gehalten und sein angeblich so reichhaltiges Material gegen ■ die Umtriebe Deutschlands dem Völkerbund nicht | vorgclcgt hat. Wir waren davon nicht im gering- . sten überrascht nnd wir glauben auch zu wissen, warum Herr Schuschnigg den Urhebern, Finan- zierS, Waffenlicfcranten und Dirigenten des JuliputschcS nicht zu nahegctrcten ist lind in einer einzigen Wendung auf die Waffen» und Muni- , tionslieferungen zu sprechen kam, wobei er sich beeilte, in Bausch und Bogen auch den Febcrauf- stand einzubeziehen, die Erhebung des Schutzbundes gegen die Fcy-Dollfuß-Diktatur mit dem künstlich inszenierten Nazipuisch in eine Linie zu rücken nnd eine gehässige Anklage gegen die Kleine Entente einzuflcchten. Wenn nämlich Herr Schuschnigg die Hintergründe des 28. Juli aufdecken wollte, so könnte er nicht umhin, der Welt, die cs längst ahnt und einmal wissen wird, einiges über die Rolle seiner Pol i- z e i, seiner engsten Mitarbeiter und vor allein deS Gcneralsraatskommis- i s ä r S f ü r S i ch c r h e i t s w e s e n, Majors und Theresicnritterö Emil Feh zu erzählen. Biel umstritten nnd seinen Kollegen längst ein unheimlicher Hausgenosse, gehört Emil Feh noch immer dem Kabinett an und cs scheint, daß eben das, tvaö zu seiner Ausschiffung ans der Regierung führen sollte, seine größte Stärke ist. Weil gegen ihn soviel belastendes Material vorlicgt, daß in jedem Rechtsstaat die Voruntersuchung cingclcitet und wegen Flucht-, KollissionS- und neuer Putschgcfahr die Untersuchungshaft verhängt werden würde, weil daS nicht nur in Wien, sondern a u ch i n B e r l i n b e k a n n t ist, kann man dcni Feh, aber auch dem Goebbels nichts tun. DaS Kabinett Schuschnigg ist noch mehr als es das Kabinett Dollfuß war, der Gefangene seinernationalso- z i a I i st i s ch e n Gegner und jeder Kredit, den man ihm gewähren wird, ist zugleich ein Kredit an die Nazi, die einer Negierung gegenüber, in der Feh sitzt, die mit Rintelen Schwcige-Gcschäfte macht, die kleine Putschisten hängen, große entwischen läßt, alle Trümpfe in der Hand halten. Nur die Beseitigung der Heimwehrdiktatur könnte eine innerpolitische Stabilität in Oesterreich begründen, bei der man den Staat als kreditwürdig anschen könnte. Das ahnt Schuschnigg ja auch und darum hatte er in Genf die Stirn, daS Vorhandensein eines Diktaturregimes in Oesterreich einfach a b z u l e u g n c n. Und was uns staunen macht, ist eben nicht die Tatsache, daß Schuschnigg keine Anklagerede gegen Hitler hielt, denn wir wissen, warum er eS unterließ, sondern die bedauerliche Tatsache, daß ein Forum von Diplomaten sich von Herrn Schuschnigg erzählen läßt, daß die österreichische Diktatur keine Diktatur sei. Die innerpolitische SitLiation Oesterreichs wird von der Regierung Schuschnigg und ihren Propagandastellen mit einem Lügennebel umgeben, aber das Ausland wagt leider nicht, diesen Nebel zu durchstoßen. Da es den meisten Staaten angenehm wäre, wenn das, was Schuschnigg erzählte, wirklich wahr wäre, deshalb glauben sie eS. Weil d i e Wa h rh e i t, die ganz wo anders liegt als bei Schuschnigg, Llnangenchm, unbequem und außerhalb der trügerischen Konzeption ist, die für die Oesterreich-Politik des VölkcrbmLdes maßgebend bleibt, deshalb wagt inan cs nicht, diese Wahrheit aufzudccken. Die sozialistische Presse ist heute die einzige Stimme, die über Oesterreich ohne Vorurteil schreibt. Sie tut es in Paris und Brüssel nicht anders als hier | und in London. Wir können vielleicht nichts daran ändern, daß sich der Völkerbund in der österreichischen Frage bewußt oder unwissentlich ins Garn locken läßt, aber wir müssen die Wahrheit schon deshalb aussprechen, weil wir nicht mitschuldig an den Katastrophen werden wo.llen, die im Gefolge dieser Politik unausbleiblich sind. Italien schlägt in Genf.— daö ist die andere Seite der Medaille, die Schuschnigg präsentiert— einen Pakt über die Unab-. fifette 2 Sonntag. IS. September 1034 Nr. 217 der österreichischen Diktatur Eine aufsehenerregende Veröffentlichung über den fascistlschen Terror In Oesierrekh Polen und die Minderheiten ' Die Polen beginnen ihre Genfer Drohungen bereit- in die Tat umzusetzen. Rach einer amtlichen litauischen Meldung haben sie im Wilna« Gebiet zehn litauische Schufen geschlossen und eine» Lyzealdirektor grundlos entlassen. hängigkeit Oesterreichs vor. Wenn. Deutschland zustimmt, soll er perfekt werden. Schon das ist eine AugenauSwischerei. Ob nun Deutschland zustimmt oder nicht, seine Politik gegen Oesterreich wird immer von and-ren Gesichtspunkten geleitet werden. Ein Pakt über die Unabhängigkeit Oesterreichs könnte in Wahrheit nur ohne Deutschland, ja gegen Deutschland geschlossen werden. Die Einbeziehung Deutschlands macht ihn zu einer wertlosen Urkunde. Aber die Unabhängigkeit Oesterreichs besteht auch läng st nichtmehr. Sie ist seit Jahr und Tag an Italien verschachert und die römischen Protokolle, die zweifellos existierenden Geheimverträge und militärischen Abmachungen Italiens mit Oesterreich legen die Abhängigkeit völkerrechtlich fest. Die Voraussetzung eines Unabhängigkeitsvertrages über Oesterreich tväre, daß Italien auf alles verzichtet. was eS seit Jahren an Positionen in Oesterreich errungen hat. Daß Italien den Pakt vorschlägt und als Garant schützen will, ist die «reine Komödie. Hier wird nicht einfach der Bock zum Gärtner gemacht, sondern dieser weise Schritt erfolgt in einem Moment, da jedermann sehen kann, daß der Bock den Garten bereits verwüstet und nichts übrig gelassen hat als die mehr minder appetitlichen Spuren seiner Wirksamkeit, im konkreten Falle: Stand- und Militärgerichte, Galgen, zerschossene Häuser, eine Exekutive, die zur Hälfte aus Hochverrätern besteht, ein fascistisches HilfSkorpS, das sich zu 90 Prozent aus Zuchthäuslern ergänzt, und ein Volk, das zu drei Vierteln die jetzige Regierung wie die Pest haßt. Wenn Oesterreichs Unabhängigkeit gesichert werden sollte, dann müßte der italienische Bock aus dem Garten entfernt werden. Andernfalls bedeutet der in Genf vorgeschlagene Pakt nur, daß die KleineEntente die italienische Herrschaft überOe st erreich noch feierlich anerkennen, garantieren und eventuell mit Waffengewalt verteidigen soll. Insbesondere für die Tschechoslowakei wäre der Pakt ein Ivahrhaft leoninischer Vertrag, denn als Anrainer des waffenstarrenden nationalsozialistischen Irrenhauses könnten tvir uns unter Einsatz unserer Existenz dafür schlagen, daß Oesterreich— italienisch bleibt. Es gibt nur einen Weg, der zur Sicherung und Unabhängigkeit Oesterreichs führt: 'innerpolitisch die Wiederher st ellung eines demokratischen Rechts st aa- t e S, der imstande wäre, mit einer Exekutive, die halb so groß wäre wie die Schuschniggs und nicht ein Viertel soviel kosten würde, die Sicherheit und die Verfassung zu garantieren; außenpolitisch die engste wirtschaftliche, politische und militärische B e r b i n du ng Oesterreichs mit der Kleinen Entente, ein Donaubund ohne Zuziehung irgendeiner Großmacht. Nur so wäre die seit 1918 vorhandene mitteleuropäische Gleichgewichtsstörung zu beseitigen und Oesterreich Teil einer Föderation, die stark genug ist, sich gegen Italien oder Deutschland, im Bunde mit Frankreich auch gegen beide zu behaupten. Jede andere Lüning schafft neue, überaus gefährliche Konflikte. Dem OND wird aus Genf berichtet: An dem Tage, da Bundeskanzler Dr. Schuschnigg in der Völkerbundversannnlung das Wort ergriff und den feinnervigen, kultivierten Europäer mimte, wurde in Genf eine aufsehenerregende Veröffentlichung über die wirklichen Berhältnisie in Oesterreich verbreitet. In Brüssel im Verlage Eglantine ist in französischer, englischer und deutscher Sprache ein„Schwarzbuch der österreichischen Diktatur" erschienen. Das Buch führt den Untertitel„Recht und Gesetz unterDr. Schuschnigg— Tatsachen, nichtSalsTatsachen". Emile Bänder» velde hat das Borlvort geschrieben. DaS Schwarzbuch enthält eine Prägnannte Saminlung der wichtigsten Maßnahmen der austrosaseistischen Diktatur auf dem Gebiete der Rechtspflege, auf wirtschaftlichem Gebiete, einige kennzeichnende Beispiele der schamlosen Unterdrückung der politischen Gegner und markante Beispiele der terroristischen Uebergriffe der Stützen des fascistischen Regimes. Da erfährt man, wie durch ununterbrochene Reformen des Strafgesetzes und der Strafprozeßordnung die wichtigsten Grundlagen des Rechtsstaates abgeschafft wurden, wie die Unabhängigkeit der Richter, die Oeffent- lichleit des Gerichtsverfahrens, die SchwurgerichtS- barkeit zerstört wurde. Mit Entsetzen vernimmt man von den Maßnahmen des austrofaseistischen Regimes zur Unterdrückung der Gesinnungsfreiheit, von dem schändlichen wirtschaftlichen Druck, der in dem Lande der schwersten Masten« arbeitSlosigkeit auf all denen lastet, die einer selbständigen Gesinnung verdächtig sind. Im dritten Abschnitt wird das Schicksal der Besiegten geschildert. Welch unbeschreibliche Fülle menschlichen sildmisckei Landesbudoet Dienstag rinanzkommlsslon Für Dienstag ist die Budgetkommission des Landes Böhmen einberufen, um zu dem vom Lan- deSauSschuh vorbereiteten Voranschlag für 1935 Stellung zu nehmen. Die Gesamteinnahmen einschließlich der Landesabgaben wurden mit 551,452.000.— Kö sestgelegt; sie sind gegenüber dem Jahre 1934 fast um 20 Millionen niedriger, da der Ertrag deriLandesabgaben uni acht Millionen und der Ertrag der Biersteuer um 8.5 Millionen niedriger präliminiert wurden. Zur Erzielung der veranschlagten Einnahmen sollen die Landeszuschläge zu den direkten Steuern in der bisherigen höchstzulässigen Höhe eingehoben werden. Ihr Gesamtertrag wird mit 238 Millionen veranschlagt. Die laufenden A u s- gaben sind mit 551,448.000 flö eingesetzt. Da der Annuitätendienst nicht herabgesetzt werden kann. Ivar es notwendig, den Rückgang der Landeseinnahmen durch eine Herab setzungdeS Bedarfes der eigentlichen Wirtschaft des Landes auszugleichen. Diese Herabsetzung mußte umso durchgreifender durchgeführt werden, da einige Verpflichtungen des Landes, vor allem die Ausgaben für die öffentlichen Krankenhäuser, Unglücks! Und gar erst die Terror» und Mordfälle! In diesem letzten Abschnitt wird nur ein Teil der einwandfrei verbürgten Tatsachen berichtet— und doch hat der Leser den Eindruck, daß der AustrofäseiSmuS um nicht- bester ist al- der Hitler-Fasei-muS, mit dem er scheinbar in so heftigem Kampfe liegt. Emile Bandervelde leitet' da- 184 Setten starke Buch, da» von der Kommission zür Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen herauSgegeben wurde, mit einem sehr wirksamen Vorwort ein, das die Solidarität der Kulturwelt mit den Opfern de- österreichischen FaseiSmuü betont; das Vorwort Banderveldcs schließt: »Die Herren werde« in Gens nicht die einzigen sein» die ihr« Stimme erheben können. (Die gegenwärtigen Machthaber Oesterreichs. ORD.) Da- Schwarzbuch wird Leser finden. Man wird ihm die Kenntnis der Uebeltaien entnehm«, die ihnen zur Last fallen. Und wir sind überzeugt, dass dieser Ausruf van Tausenden von Männern, Frauen und Kinder« an das Weltgewiffen nicht taube Ohren finden wird. Die zivilisierte Welt erwartet die völlige Amnestie aller Feberkämp» fer. Sie fordert di« Befreiung aller Sozialdemokrat en, di« sich in den Gefängnissen oder Konzentrationslagern befind«,." Die erschütternde!, Tatsachen, die das „Schwarzbuch der österreichischen Diktatur" enthält, sind eine neue Anklage gegen die austrofasei» stische Regierung. Der Schrei, der au» den österreichischen Kerkern und Konzentrationslagern kommt, darf nicht ungehört verhallen! denen das Land die uneinbringlichen Berpfleg»- kosten ersehen muß, ständig steigen. Die Forderungen der Krankenhäuser auS diesem Titel sind von 1928 biS 1983 von rund 37 auf rund 65 Millionen gestiegen; nach der Entwicklung im ersten Vierteljahre dürfte dieser Betrag etiva 72 Millionen erreichen. Insgesamt mußte man die laufenden Ausgaben um rund 81 Millionen herabsehen. Dabei werden die Zuschüsse an die bedürftigen Bezirke und Gemeinden nach Paragraph 11 des Gesetzes 169/80 in derselben unverkürzten Höhe, von, 84,984.000 K8 veranschlagt, da sie sich zum'grötzten Teil auf-die-Zuteilung aus dein Ertrag düt Umsatz» und Luxussteuer stützen, die im Gesetz ohne Rücksicht auf den schtvankenden wirklichen Ertrag mit einer festen Summe fixiert ist. DaS Programm der Investitionen, das auf die außerordentliche Bedeckung, bezw. auf den Anleiheweg angewiesen ist, ist mit 72,850.000 Kronen veranschlagt(im Vorjahre 69,143.100 Kö). Es handelt sich hier hauptsächlich um verschiedene Bauten, Landesanstalten, die zu Ende geführt werden, aber auch um dringende Bauten. (PomologischeS Institut, die Korrektionsanstalt in Ruzyn!, Irrenanstalt ete.) 52 M FRITZ ROSENFELD: _ luuk(bqutta EIN BOMAN ZWISCHEN TRAUM UNO TAO Da flammte es auf in Pal. Da litt es ihn nicht mehr, ruhiger Späher zu sein in der großen Stille, da saß er wieder auf und jagte durch die Bäume. Sträucher standen im Tal. Zedern überragten sie, hohe Zypressen., Reste von Palästen suchte er. Hatte auch hier ein Strafgericht stattgefunden? Kein Stein war in diesem Tal. Nur grüner, satter Boden. Tiere vielleicht, Kleintier der Erde, das mühsam kriecht oder heimtückisch über das Gras schnellt. Immer wieder ritt er durch da- Tal. Immer wieder sah er zu den Bergen auf. Es waren die Berge, es war der Garten. Dann zog er fein Schwert, hieb auf die Büsche«in. Bersteckten sich die Menschen, um ihn zu narren? Hatte man ihm einen Trank gegeben, der blind machte für die Paläste und Brunnen? Die Zweige bogen sich, die Aeste krachten, neigten sich, reckten sich wieder auf. Kein Men» schenlant, keine Stimme. Da rief Pal, laut rief er, brüllend rief er durch das Tal. Namen, die er kannte, Namen, die ihm einfielen. Hoch ragte er auf seinem Pferd und rief. Echo rollte von den Bergen, fiel ins Tal zurück. Das Amulett rieb<»n seiner Brust. Da hielt er still, einen Augenblick. Dann aber schrie er: Axjutta! Axjutta!" Mit hundert Stimmen schrie er durch das Tal:„Axjutta! Axjutta!" Schweigen. DaS Echo rollt, bricht sich, verebbt. Ax—jut—ta—... Nein, hier sind nicht mehr Menschenhände am Werk. Hier rasen die Dschinn, hier toben die Dämonen, hier treibt ein Teufel sein Spiel. „Axjutta! Axjutta!" Einen Strauch sah er, er hatte nicht Menschenhöhe. Da fiel Jv ihm ein. Und er schrie: „Jv! Jv! Jv!" „Jv," rollte es von den Bergen zurück, dreifach, spitz und kurz. Und dann wieder Schweigen. Da setzte sich Pal an den Rand des großen Wegs, an die Straße der Toten. Wieviel« Tausende hatten diese Straße gesehen. Wieviel« waren über dies« Straße in das dunkle Land gegangen, dessen schwarzes Tor sich für niemanden mehr öffnet! »Er sah und sann. Dann griff er an die Stirn, fuhr mit der Hand über die Augen, über die Wangen hinunter, über den Hal», über die Brust.' „Habe ich dies alle» geträumt? War der Garten Traum oder waren e» die Assassinen, mit denen ich über die Erde ritt,- mit denen ich plauderte und tütete, und die ich geschlagen habe, tausende an einem Tag? Sind fie alle für einen Traum gestorben? Habe ich mein« Qual nut geträumt, meine Sehnsucht Tung-Li, Schagin, Jv und Ala Eddin? Meine Flucht, meine Jagd um die Erde, die Winter in der Ebene und die Sonnenglut auf der Steppe? Da» Blut, da» ich vergossen, und da» Blut, da» mich wild machte? Und Axjutta, Axjutta? Habe ich meine eigene Sklaverei geträumt, die Unterwerfung unter den Fürsten der Berge, die Unterwerfung unter einen Traum?" Nein: da» Amulett war hier, da» Haar AxjuttaS war hier. Die Hand konnte es fassen. Die Augen konnten es sehen. Schatten warf es auf den Boden. Träume werfen keine Schätzten..^ Lange sann Pal. Er wagte nicht aufzusehen. Die Berge könnten tanzen, da» Meer heranrollen durch das Tal. Die Tiere vor ihm Parade halten, war doch alles nur Traum, nur Sehnsucht, nur Traum... Dann sprang er auf: Ich will nicht, ich lasse mich nicht narren, ich werde sie finden. Ich habe sie in meinen Armen gehalten. Paläste können versinken, Brunnen vertrocknen. Die Stunde, in der ich Axjutta hielt, kann nicht erlöschen... Was ich gesehen, kann Gaukelspiel sein. Was ich gehört, kann LÄuschung sein. Wa» ich gefühlt in den tiefsten Tiefen meiner Seele» war nicht Traum... Er sprang auf da» Pferd, ritt kreuz und quer durch den Garten. Nochmal» zum Eingang, nochmals zum Ausgang, nochmal» durch die Büsche» zwischen den Bäumen hindurch, ob nicht irgendwo die Spur eine» Leben» wäre. Dann schlug er die groß« Straße«in, die Straße der Toten. Der einzige Mensch auf Erden, der die Straße der Toten gegangen war und sie wiedersah., Der Rappe jagte dahin. Lang war die Straße der Toten» lang wie ein Menschenleben, beschattet und steinig. Pal ließ die Zügel locker. Der Rapp« jagte. Nun mochte» der Rappe ihn führen. Er wußte keinen Weg mehr. Er wußte nur, daß er Axjutta finden mußte. Wieder nahm ihn der' Wald auf. Das Tal versank hinter ihm, der Weg ging bergan. In großen Kehren stieg er den Rücken eine» Berges hinauf. Je höher Pal kam, um so deutlicher sah er die große, breite, weiße Straße, die da» Tal durchquerte. Die Kameraden: Schagin und Zog», der Perser» der Syrier, die Tausend und Tausend. Gepreßt und betrogen von Ala Eddin, und gefallen. Der spanische Dicht« llnamuno» der von der spanischen Regienmg zum Rektor aufLebenözeitan der Universität Salamanca ernannt wurde. Richtlinien für di« kommende Saat. DaS Landwirtschaftsministerium erläßt an die Landwirte die Aufforderung, sich in der Getreidewirtschaft von jeder schädlichen Ueberproduk- tion zu enthalten. Bor allem soll die Anbaufläche für Getreide im kommenden Wirtschaftsjahre keinesfalls«rtoeitert werden. Die Saatfläche für Roggen soll möglichst herabgesetzt werden, namentlich in den Gebieten, wo hauptsächlich Weizen und Roggen gebaut wird. DaS Ministerium empfiehlt gleichzeitig den Landwirten dringend, dort, wo die natürlichen BorauSsetzungen gegeben sind, den Anbau van RapS, Flachs, Mohn, Sonnenblumen, Sojabohnen ufw., in der Slowakei und Karpathorußland auch Mais, und außerdem den erhöhten Anbau von Futtermitteln, da alljährlich noch immer taufende Waggons von Futtermitteln, Oelsamen und Textilrohstoffen eingeführt werden, obwohl der bisher für Getreide bestimmte Boden zum Teil durch die erwähnten Ersahfrüchte gut auSgenützt werden könnte. lieber die obdachlosen Demokraten schreibt Georg Mannheimer in der Prager„Wahrheit" u. a. folgendes: „Sie sind von den meisten deutschbürgerlichen Parteien nach der Aufrichtung des Dritten Reiches teils verschämt, teils unverschämt desavouiert, von der eigenen Partei u■ d Presse aufs tief st e enttäuscht worden und wissen heute nicht, wo sie eigentlich hingehören. DaS ist eine Tatsache, die für gewisse Ohren aufreizend genug llingen mag, die von offizieller deutschdemokratischer Seite immer in Abrede gestellt wurde und vermutlich auch diesmal im Brustton der Ueberzeu- gung abgeleugnet werden wird—, aber, die jedem wirklichen Demokraten dafür um so heißer und schmerzlicher in die Seele brennt." Zur Kenntnis genommen, Herr Dr. Bacher, Herr K o st k a und Tante„Bohemia" samt „Prager Tagblatt"?! Fester umkrampfte PalS Hand den Schwertknauf: O, daß Ala Eddin aus seinem Grab stiege und sich ihm hier zum Zweikampf stelltet Er sah, daß der Weg näher und näher an die steinerne Gabel führte, die das Tal beherrschte, durch' die man so gern auf den Mond schießen wollte. Schon stand der Mond, farblos noch und weiß, zwischen den Hörnern, wie eine runde, helle Wolke war er. Nun ging der Weg wieder talwärts. Schneller lief der Rappe, der Weg wurde breiter, vor Pal lagen keine Berge mehr, nur Hügel mit sanften grünen Kuppen und großen Lichtungen. Und dann traf Pal den ersten Menschen auf seinem Weg. In ein braun-weißeS Fell gekleidet, ohne Schwert, ohne Waffen, ein Hirte, der die Schafe heimtrieb. Der Abend sank bereits. Pal hielt das Pferd an. Wie das Tal hieße? Ob viele Menschen hier wohnten? Ob es viele Städte gäbe? Nur«in paar Hirten wohnten hier mit ihren Herden, friedliche Menschen. Berstreut im Wald stehen ihre Hütten, ihre Zelte. Wenn sie einen Speer tragen, so ist e» nur, um. sich gegen die Wölfe zu wehren, und die Füchse zu erlegen. Gegen Menschen richten sie ihre Waffen nicht. ' Pal ritt weiter. Die grünen Mäntel der Hügel waren weiß und gelb gefleckt: dort weideten die Rinder, dort suchten die Schafe ihre Nahrung. Ganz fern sang eine Flöte. Sie betäubte nicht; fie war mild wie die Sonne de» Abends. Langsam trabte Pal» Pferd. Sein« Augen schloffen sich. Er sah seine Kindheit wieder: auch er hatte einst di« Hand im warmen Fell der Schafe gefühlt und mit kleinen Kälbern gespielt, die tapsig und unbeholfen waren. Auch er hatte eine Flöt« gehabt, bi» man sie ihm au» der Hand geschlagen und eine Lanz« gegeben hatte, gegen die Bären. Und dann: ein Schwert, gegen die Menschen. (Fortsetzung folgt.) fc 217 Sette 8 Vor der Budgetberatung In der abgelaufenen Woche wurde die politische Herbstsaison mit einer Sitzung des Mini« Verrats eröffnet. Daran schlossen sich Beratungen der verschiedenen MinisterkomitöS über die bren« nendsten wirtschaftlichen und staatsfinanziellen Fragen und eine Erörterung der für die nächste Zeit gestellten Aufgaben. Parallel damit gingen die einleitenden Beratungen über das Budget für 1985, die durch einen ausführlichen Bericht des UnanzministerS eingeleitet wurden. Bon nächster Woche an wird das Finanzministerium die Budgets der einzelnen Refforts mit den Reffortvertretern durchberaten und gegen Ende des Monats Wer das Ergebnis dieser Verhandlungen berichten. Sus Grund dieses Berichtes werden dann die Ministerkomitks in die abschließenden Beratungen eintreten und den Budgetentwurf für den Mini- sterrat und das Parlament vorbereiten. Im Fuge dieser Verhandlungen werden auch die grundlegenden Forderungen der einzelnen Koalitionsgruppen, sowohl in wirtschaftlicher, als auch in finanz- und sozialpolitischer Beziehung angemeldet werden. Die sozialistischen Parteien werden natürlich daS Problem der Wirtschaftskrise und ter Arbeitslosigkeit in den Vordergrund stellen. Angesichts der Tatsache, datz die Arbeitslosenziffer sich um die Zahl von ca. 600.000 zu konsolidieren scheint, ist die Frage der Ankurbelung der Wirtschaft und der Arbeitsbeschaffung äußerst wichtig. In diesem Zusammenhang wird wieder daS Problem derLsrbeitSzeitverkür« zung in den Vordergrund gestellt werden muffen, zumal die bisherigen Verhandlungen zwifcken den Arbeitegebern und den Gewerkschaften zu keinem konkreten Ergebnis geführt haben. Es wird also ein Eingreifen der Regierungsstellen notwendig sein, um diese Verhandlungen endlich einmal auf eine reale Basis zu stellen und ent- scheidungSreif zu machen. Von agrarischer Seite ist wieder ein Vorstoß in der Richtung der Entschuldung der Landwirte zu erwarten. Dieses Problem ist natürlich finanziell wie wirtschaftlich außerordentlich weitreichend, da dann auch die anderen Gruppen der Bevölkerung ihr« diesbezüglichen Wünsche zur Geltung bringen werden. Die Wirtschaftsminister werden in der kommenden Woche gewiffe Vorlagen durchzuberaten haben, welche mit dem Budget im Zusammenhang stehen.(Militärtaxe, Krisenabgabe etc.). Die Unterlagen für diese Verhandlungen sind von den zuständigen ReffprtS bereits fertiggestellt. Jnnerpolitifch steht augenblicklich die Frage einer Blockbildung im klerikalen Lager im Vordergrund. An eingeweihten Kreisen wird die ganze Angelegenheit allerdings mit großer Skepsis betrachtet. Die deutschen Klerikalen werden ja von vornherein in die diesbezüglichen Erwägungen von keiner Seite einbezogen, während die Beziehungen zwischen der tschechischen und slowakischen VolkSpartei immer noch durch gewiffe Prestigefragen hinsichtlich der MiLura-Gruppe und durch übertriebene Autonomieforderungen getrübt sind. Außenpolitisch haben sich in der letzten Woche erneut Schwierigkeiten hinsichtlich des Eintrittes Rußlands in den Völkerbund und des Ost- paktcs ergeben. Der Eintritt Rußlands dürfte nach den letzten Besprechungen zwischen Litwinow und BeneS Wohl doch programmäßig realisiert werden. Hinsichtlich deS Ostpaktes ergibt sich angesichts de» deutschen und polnischen Widerstandes die Fraae. ob der Ostpakt nicht eventuell ohne die Teilnahme dieser beiden Staaten verwirklicht werden soll. Allerdings wäre eine derartige Lösung keineswegs ideal zu nennen. Innerhalb des deutschbürgerlichen Lagers ist die angestrebte Bereinigung aller antidemokratischen und antisozialistischen Elemente unter Henleins Flagge Wohl noch in weiter Ferne. Außer den deutschen Christlichsozialen, die sich von vornherein nicht beteiligen, suchen sich die übrigen Parteien immer noch um. eine klare Stellungnahme herumzudrük- len und'die Entscheidung noch möglichst lange hinauszuschieben. Der Haß gegen die Sozialdemokratie, der unstreitig allen diesen Gruppen und Grüppchen im bürgerlichen Lager eigen ist, kann nicht, ja nicht einmal einer bürgerlichen Einheitsfront auf die Dauer ein Programm ersehen. Südslawisch-Italienische Verstimmung Die italienische Regier««- hat ßeschlyffen, z« der interparlamentarischen Handels, konferenz» dieinBrlgrad stattfindet, leinen Dele-ierte« zu entsenden. Die jugoslawi- sche Presse führt diese BrüSkienmg darauf znrück» daß in dem Blatt»Stern e" kürzlich ein Artikel »Antwort an die Helden von Eaporetto" erschie- mh ist, in dem die Italiener eine Ehrenkränkung erilickten, obwohl er nur eine GeschichtSfSlschung richtigstellte. Bei Caporetto(Karfreit) wurde, wie erinnerlich, im Oktober 1017 die italienische Jsonzofront durchbrochen, waS sich zu einer gigan. tischen Niederlage zweier italienischer Armeen und in deren fluchtartigem Rückzug an die Pia.' «»»wirkte. Di« serbische Presse stellt sest, daß Italien selbst überaus empfindlich sei, aber die Südslawen dauernd beleidige und. provoziere. Sonntag, 16. September 1034 Oesterreichs »Unabhängigkeit“ Dreierpakt wird noch erweitert (Wien.) Die Verhandlungen zwischen der österreichischen und der italienischen Regierung über die Erweiterung de» Dreier- pakteS von Rom werden voraussichtlich im Laufe de» Monat» Oktober in Rom wieder auf. genommen werden. Die ungarische Delegation dürfte zunächst an diesen Besprechungen nicht teilnehmen, da e» sich hauptsächlich darum Han. delt, auf Grund der bisherigen Erfahrungen mit den Kreditbegünstigungen und Präferenzen im italienisch-österreichischen Handelsverkehr gewisse Verbesserungen herbeizuführen. es geht wieder losl (Wien.) Samstag nachmittag» wurde auf dem Geleise der Wiener Straßenbahn zwischen den Stationen FriedcnSbrücke und Heiligenstadt eine Höllenmaschine gefunden, die von einer her« beigcrufcnen Kommission von Fachmännern rechtzeitig, ohne Schaden verursacht zu haben, beseitigt wurde. Der Verkehr wurde für eine längere Zeit unterbrochen und die Umgebung von der Polizei abgesperrt. Die Polizei hat einen verdächtigen Mann verhaftet, der mit dem Funde der Höllenmaschine in Verbindung steht. Im Wiener Winterhafen hat die Polizei im unteren Deck eines Schnelldampfers einen großen Vorrat von kommunistischem Agitationsmaterial und einige Waffen aufgefunden und beschlagnahmt. Die Besatzung des Dampfers wurde verhaftet. Im Wiener Wald unweit von Mödling haben Freitag Nationalsozialisten eine illegale Versammlung abgehalten. Hierauf zogen sie in ZugS- formation nach Mödling. Die Polizei erfuhr rechtzeitig von dieser Aktion und erreichte in Automobilen den Zug. Ein großer Teil der Nationalsozialisten, die an dieser Manifestation teilgenommen hatten, wurde verhaftet. Frankreich—Jugoslawien—Italien Der französische Außenminister B a r t h o u wird Rom wahrscheinlich erst nach dem 20. Oktober besuchen«nd vorher den Besuch de» König» Alexander in Pari» abwarten. GS handelt sich hier ofsenstchtlich um ein Zugeständni» an Jugoslawien, da» sich nicht mit Unrecht durch die bevorstehende Entente Frankreich» mit Italien dem ebenso skrupellosen wie beutehungrige« römischen Imperialismus auSgeliefert sieht. Wie Hitler Europa will densfeindliche Gesinnungen und Bestrebungen heute in Deutschland gehätschelt werden. Den braunen Burschen istS blutiger Ernst; eS wäre gefährlich, lvollte sie das friedenswillige Europa als barmlose Spaßmacher abtun. ist dann ein Zugang zur Adria durch di« Okkupation Istriens geschaffen; der KriegShafcn Pola wäre eine lvillkommene und notwendige Zugabe, hingegen bekämen die Jugoslawen als Zuckerl Fiume zurück, das ihnen von den Italienern geraubt wurde. Selbstverständlich gingen Oesterreich und die Tschechoslowakei in diesem Deutschland auf und die polnische Grenze verliefe nahe Warschaus. Die Karte beweist, Ivelch verbrecherische, frie- bracht werden. Gegen 13 Uhr war«S der Wehe gelungen, da» Feuer einzukrelsen. In dem von dem Feuer betroffenen Gebäude befindet sich die Direktion der Versicherungsanstalt Viktoria. Außerdem hatte die Sowjethan- del» Mission in Verlin eine» großen Teil von Räumlichkeiten im Vordertrakt de» Gebäude» gemietet. Wieder mal GroBfeuer In Goerlng* Nähe Heute Wahlen In Schweden mit dem„verbündeten" Polen auf einfache Weise bereinigt ist. Pilsudskt darf sich an der Ukraina schadlos halten. Holland, Belgien, Luxemburg und ein Teil Dänemark» werden geschluckt, ebenso die deutschsprachigen Teile der Schweiz. Ist» Süden , PlanwirtschastSpolitil, die Schweden als das erste ' europäische Land aus der Krise herauögeführt hat, weitergeführt werden soll oder ob wieder die kapitalistischen Parteien, die das Land in die Krise fiihrten, ans Ruder kommen sollen, das ist der Sinn der schwedischen Herbstwahlen. P. M. Die hier wiedergegebene Karte ist zuerst in der in Berlin hinauSgegebenen kriegshetzerischen Broschüre„Großdeutschlands Schicksalsstunde" erschienen und wurde dann von den verschiedensten nationalsozialistischen Provinzzeitungen über nommen. Die Provinzzeitungen brachten sie ungefähr zur selben Zeit, da Hitler vor den Diplomaten seinen Friedenswillen beteuerte. Ohne den Willen des Führer» geschieht bekanntlich in Deutschland nichts. Es wäre verwunderlich, wenn die Zeitungen Dinge bringen könnten,, die der Meinung des Führer» widersprechen: die Zensur ließe sie nicht durch. Aber die deutschen Zensoren wissen eben, was Hitler gefällt; sie kennen die wahren Absichten der NSDAP besser als die Herren Diplomaten. So wird denn alle» FriedenSge« winsel des„Führers" durch die in der deutschen Presse erfolgte Reproduktion dieser Karte des „künftigen" Groß-Deutschland widerlegt. Man kann hier sehen, wie die Korridorfraae An diesem SamStag und Sonntag finden in Schweden die Wahlen zu den Landtagen (mit Ausnahme von Stockholm-Land) statt. Der Umstand, daß diese Landtagswahlen seit dem Bestand der sozialdemokratischen Negierung Hansson di« ersten von größerem. Umfang sind, hebt ihre politische Bedeutung weit über das Maß früherer Landtagswahlen hinaus. Dies machte sich auch in dem kurzen aber heftigen Wahlkampf voll bemerkbar. Es ist heute schon klar, daß vom Ausgang dieser Wahlen, die von der Regierung al» ein Votum über ihre gesamte Politik betrachtet werden, die kommende politische Gestaltung Schwedens in großem Maße abhängt. Die schwe» oische Regierung, die rein sozialdemokratisch zusammengesetzt wurde, ist eine Minderheitsregierung, allerdings eine Minderheitsregierung, die das außerordentliche moralische Plus für sich in Anspruch nehmen kann, daß hinter ihr zwar nicht die Mehrheit der Kammermandate, wohl aber die sozialistische Stimmenmehrheit des Volkes steht. Der Wahlkampf wurde vollständig im Zeichen der RcgierungSpolitik der beiden letzten Jahre geführt. Die sozialdemokratische Regierung Hansson hat als Mindcrheitsregierung die Stimmenhilfe der Bauernpartei und eines Teiles der Freisinnigen Partei bei ihrem un Wahlkampf von 1032 versprochenen Krisenhilfsplan sür Industrie und Landwirtschaft genossen. Im Wahlkampf selbst war sie allein auf die Kräfte der sozialdemokratischen Partei angewiesen. Man kann sagen, daß praktisch allen Parteien, ob rechts, ob links den Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie geführt haben. Links sind eö die sogenannten MoSkaukom- nmnisten und die früheren„Kilbom-Kommuni- sten", die sich jetzt„Sozialistische Partei" nennen, eine Act S. A. P., rechts die konservative Rechtspartei(Högerpartei), die aus den Liberalen und den Freisinnigen kurz vor den Wahlen neuge» ! bildete„Neue Volkspartei", die während des 'Wahlkampfes völlig unter der Führung ihres regierungsfeindlichen Flügels stand und schließlich die Bauernpartei, die zwar im Wahlkampf agitatorisch die Regierung unterstützte, jedoch örtlich Listcnverbindungen sowohl mit der„Neuen VolkSpartei" wie auch sogar mit der Rechtspartei '- An der äußersten Rechten der Wahlsront stehen die unterschiedlichen offen deklarierten Naziparteic»(Furugerd, Lindholm) und schließlich der sogenannte SNOllF. die von den Rechten abgespaltcne„Schwedische Nationalpar- . tei und nationaler Jügendverband", eine rein fascistische mit den Nazis liebäugelnde Gesellschaft, die in Listenverbindung mit den Konservativen steht. Wie sind nun die Wahlaussichten der So- (V e r l k n.) In dem großen Versicherung».' zialdemokrati«? Sowohl nach den objektiven n ie gebäude der Victoria-Versicherung in der Linden- auch den subjektiven Voraussetzungen ausgezeich- straßr, unweit vom Halleschen Tor,»rach SamS- netel Objektiv spricht für einen sozialdemokrati- tag Mittag rin gewaltiger Dachstuhlbrand au»,; scheu Wahlsieg die Tatsache, daß in den beiden der sich sehr schnell iiber die ganze Längender! Jahren der sozialdemokratischen Regierung - Schweden einen ganz außerordentlichen konjunkturellen Aufschwung genommen hat, den stärksten von allen Pfundländern, weiter, daß gerade in die Zeit der Wahlvorbereitung sowohl der 30. Juni in Berlin wie der 25. Juli in Wien, fielen, die beide einen sehr starken Eindruck auf die schwedische Ocffentlichkcit gemacht haben. Subjektiv spricht für die Regierung der große Erfolg des KrisenhilfSplaneö. Die Konjunktur allein, so bedeutend iie auch ist, hätte niemals jene außcror- Hauptfront, etwa 70 Meter«nd in einer Tiefe von 15 Metern««»dehnte. Zur Bekämpfung de» FeuerS wurden zunächst fünf Züge der Feuer- wehr alarmiert, zu denen alSbald noch ein sechster kam. Die Bemühungen der Wehr, de» Brand ein» zudämmen, waren in der ersten Viertelstunde ziemlich erfolglos, da sich bi» dahin da» Feuer an dem trockenen Gebälk und den auf den Dach boden lagernden Aktenmaterial so wett dnrchge- fressen hatte, daß die Helle» Flammen au» dem, Dach herauöschlugrn. Sech» Feuerwehrleute er-; deutlich starke Abnahme der Arbeitslosigkeit mit litte» mehr oder weniger schwere Rauchver-, sich gebracht, die sich in den ersten sieben Monaten g i f t u n, e n und mußwn in» Krankenhaus^ge- des Jahres 1934 vollzogen hat. Seit Jänner ist . bic Arbeitslosigkeit in Schweden um rund 50 Prozent gefallen, wobei gleichzeitig die übrigen Ar- . beitslosen in ein festes Netz von Notstandsarbeiten i und llnterstUtzungsmaßnahmen einbezogcn lv»r- | den. Auch die landwirtschaftliche Produktion hat sich glänzend erholt. Eö ist interessant, daß im Wahlkampf auch die bürgerlichen Parteien nicht umhin konnten» diese Tatsachen anzuerkcnucn, ja, daß sie den ganzen Wahlkampf darauf aufbauen, daß angesichts der guten Lage der schwedischen Wirtschaft eine Fortsetzung der Hilfsmaßnahmen der sozialistischen Negierung nicht mehr notwendig sei. Darüber hinaus hat sich der Wahlkampf zu ! Vie deutschen Schulden (Vradford.) Die gemeinsame Bertreterkon- ferenz der Leinen- und Baumwolltextil-Expors« industrie, sowie der KoHlenindustrie hat Richtlinien durchberaten, deren Genehmigung sie hinsichtlich der kommerziellen Schulden Deutschlands beantragen wird. Die Gesamtsumme, welche deutsche 'Abnehmer für au» England eingeführte Kohle, ! Baumwolle und Leinen schulden, wird auf mindestens eine Million Pfund Sterling(rund 120 Demonstrationsverbot In Spanien (Madrid.) Die Regierung Samper hat_•,•...,.....„-.j,- beschlossen, nicht»urückzutreten und sich am 1.-««« P c Ä'!; ne"‘8»«««!> IW'IM« Oktober wieder dem Parlament vorzustellen. Von Planw.rychaftSpol>t,k und der kap.tal.st,schen heute ab sind sämtliche öffentlichen«ersammlnn. Prwatmü.atwe zugesp.ht Ob diese soz'alist.iche gen«nd Umzüge verboten. Blätter, die»««et-«t« h„« An sammlungen anffovdern sollten, werden gericht lich belangt werden. Hach bewährten Mustern Die Madrider Polizei hat im sozialdemokra tischen Volköhau» große„Waffensunde" gemacht. Bomben, Maschinenpistolen«nd Handgranaten sollen beschlagnahmt worden sein. Man hat aber «och nicht gehört, daß sich die Regierung Samper für dir Waffen der Monarchisten interessiert hätte. -. 4 Rüstungsindustrie darf nicht kompromittiert werden Proteste in Washington Wie Reuter aus W ash in g t o n berichtet, haben bereits fünf auswärtige Regierungen Millionen KL) geschätzt. gegen die Verhandlungen vor dem amerikanischen i In Newcastle hat der Grubcnbesitzerverband Rüstungs-Untersuchungsausschuß protestiert. In- von Nord-England eine Resolution beschlossen, in folgedeffen hat die amerikanische Regierung für\ welcher die britische Regierung aufgefordert wird, die Berichterstattung über die Verhandlungen vor sofortige Maßnahmen zu treffen, um in der ge- dem RüstungS-Untersuchung-auSschuß zum Teil genwärtigen Situation hinsichtlich des Handels die Ze»für verhängt. mit Deutschland Abhilfe zu schaffen, Bwau ^d f Stuttgart Seite 4 Gainktag, 16. September 1934 n• 4, Abschluß des Psycho* techniker-Kongresses Der psychotechuische Kongreß wurde SaniStag nachmitiag beschwjicn. Es wurden folgende Resolutionen angcnoininc»: 1, In den verschiedenen Sraa- rcn werden die Psychotechniker an der Festlegung der noch nicht geklärten wissenschaftlichen Begriffe arbeiten und sich über die Ergebnisse ihrer Arbeit mit Hilfe des inicrnatioualcn Psychotechnikerkomiteeü verständigen. 2. Die Vorschriften, welche das Ber- kchrswcscn und die Eignungsprüfungen für im Ver- kchrswcsen Tätigen betreffen, sollen in sämtlichen Staaten in gleicher Weise vor sich gehen. 8. Das Studium an Kindern soll vertieft, erweitert und auch auf möglichst gleichartige Methoden gebracht werden. 4. Die internationale Psychotechnikervereinigung gibt ihre Einstimmung zur Gründung eines nationalen Ausschusses zur Behandlung der in der Tschechoslowakei vorliegenden psychotcchnischen Fragen, ö. Techniker, Mediziner und Industrielle können und sollen im Bedarfsfall von den Psychotechnikern zu Rate gezogen werden.— Prof. Piero» dankte allen, die sich um die gedeihliche Arbeit dcS Kongresses verdient gemacht hatten. Prof. Lahy dankte speziell dem Präsidenten des Zentralinstitutü für Psychotech- nit in Prag, Iug. Zimmler, und überreichte ihm im Namen des ganzen zlongrcsscs eine Plakette. Tic Referate des letzten Tages fanden besonders grobes Interesse. Prof. S p i e l r e i n(Moskau) sprach über Eignungsprüfungen in der Eowjet- union. Er legte dar. dab das Biologische nicht mit den« sozial Bedingten vermengt lverden dürfe. Die psnchotcchnischen Untersuchungen in der Sowjetunion haben ergeben, dab nian Menschen, welche unter ungleichen.sozialen Bedingungen ausgewachsen sind, nicht niit denselben Tests(Prüfverfahren) prüfen darf. Erst als mal» diese Forderung erfüllt hatte, ergab eö sich, dab Völkerslämme, welche man früher als geistig minderwertig betrachtet hatte, dieselbe Intelligenz besitzen, wie andere Völkcrstämme, was sich auf Grund jenen Stämmen angepabten Tests ergab. Ta man in der Sowjeunion bestrebt ist, allen Menschen die Bildnngsgüter zu vermitteln und'hre soziale Lage möglichst günstig zu gestalten, wurden bei den jährlich wiederholten Eignungsprüfungen tie Unterschiede in den Ergebnissen der Jntelligcnzprü- fungcn an Menschen verschiedener Völkerstäinnie, verschiedener sozialer Herkunft und verschiedenen Geschlechts immer geringer, bis sie sich äuSglichen. In der Diskussion wurde darauf hingcwiesen, dab Prof. Svielrein einen prinzipiellen Unterschied ztvischen der Psnchotechnik der Sowjetunion und jener der übrigen Staaten aufgedcckt hat.— In einer anderen Abteilung des.Kongresses wurden verschiedene Probleme der Abitnrientenberatung besprochen.— Ium Schluß des KougresscS wurden einige neue Delegierte für die nächsten internationalen Psychotcchniker-Kon- gresse bestimmt. Ter 7X. Psuchotechuiker-Kongreß soll, falls es die politischen Berhälinisse erlauben, in Wien, andernfalls in New Dorf oder London stattfinden. Ein feines matt Bor kurzem zitierte„Pöledni list" das Pariser„Journal"; die Tschechoslowakei, so habe das„Journal" geschrieben, sei viel zu freundlich, wenn eS w viele Flüchtlinge aufnchme; das berge eine Gefahr in sich. Die Redaktion eines anderen Prager Blattes faitd an der Quelle, nämlich iin „Journal", nichts dergleichen und unterzog sich daraufhin der Mühe, sich bei der Chcfrcdattion des Pariser Blattes selber nach dem„zitierten" Artikel zu erkundigen. Tie Antwort lief prompt ein und lautete, dab im„Journal" nicht die Spur eines solchen Artikels oder einer Warnung vor den Emigranten erschienen sei. Tablean t Und setzt weiß jedermann über den„Polcdni list" Bescheid. Illegaler GewerlschaftSkampk. Die Internationale Transportarbeiterföderation gibt illegale Zeitungen für die italienischen und österreichischen Genossen heraus. Die erste Nummer dieser Zeitungen ist soeben erschienen. Die österreichische Ausgabe heißt„DaS Signal", die italienische „l'Jntcrnazionale". Vom Rundfunk ■mptahtaMwertas au« den Programmen i Montag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. 12.10: Schallplatte«:: Donizetti. 12.30: Konzert dcS Salonorchesters. 17.53: Schallplatien. 18.20: Deutsche Sendung: Der Hochschulstudent in Prag, Zwiegespräch. 18.35: Deutsche Press«. 22.15: Tanzmusik-Neuheiten. 22.43: Deutsche Nachrichten.— Sender S.: 14.30: Dr. Swoboda: Wien im Walzer. 13: Deutsche Presse.— Brünn: 17.55: Deutsche Sendung: Senator Tichy: Gewerbliche Sozialpolitik. 18.15: Dozent Steinermayer: Bücherstunde. 18.30: Lieder aus fremden Tonfilmen. 10.25: Violinkom- positionen. 20.20: Klavierkonzert.— Mähr.-Ostrau: 18.20: Deutsche Arbeitersendung: Dr. Fritz HaaS: Der Arbeitslosenschutz bei Exekutionen und Konkursen. 10.25:.Ostrauer Schrammeln.— Prehturg: 15.15: Konzert des Sendeorchesters.— Kascha»: 20.20: Orchesterkonzert. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. 11.05: Deutscher Schulfunk. 12.10: Schallplatte». 15.15: Orchcstcrkonzert. 18.20: Deutsche Sendung: Benda: Wirtschaftliches Relief. 18.30: Bock, Mitglied des Deutschen Theaters in Prag iingt Koloratur-Arie». 20: Klavierkonzert. 22.15: Konzert des Jazzorchcstcrs.— Sender S.: 14.10: Blasmusik. 14,23: Deutsche Sendung: Dr. Anspitzer: Der Weg zur Konsnmbelcbnng. 14.40: Opern-Arien. 15: Deutsche Presse.— Brünn: 17.55: Chansons. 18.20: Deutsche Arbeitersendung: Soziale Jn- sonnationen. Frieb: Jugend und Ideale.— Prrh bürg: 20: Konzert des russischen Balalaika-Orche- fters.— Kaschanr 20: Wawhornquartett. Ein Sozialdemokrat Präsident der Vöikerbundversammluns Die Völkcrbundvcrsanunlung hat Genossen Sandler, den A u-ß c n m i n i st c r S ch w e-- d e n s, zum Präsidenten gewählt. Die bürgerliche Presse— auch bei uns, und sogar das Tschechoslowakische Prcßbüro— bemühen sich sichtlich, die Tatsache dieses sozialdemokratischen Vorsitzenden der Völker- bundtagung zu v c r s ch l e i e r n. Um so lauter und stolzer lvollen wir davon reden, zumal es dieser Tagung in Genf, eben unter einem sozialdemokratischen Vorsitzenden, Vorbehalten blieb, die Aufnahme Sowjetruh- I a n d s zu sichern. lieber die Person des Genossen Sandler geben folgende Daten Auskunft: Sandler lvurde am 2V. Jänner 1884 geboren. Nach ausgezeichneten Studien erhielt er den Grad eines Doktors der Wissenschaften, Seit jeher gehörte er der sozialistischen Partei an. Er ivnrdc zum Direktor der 2 t a t i st i k ernannt und zum Präsidenten der M u s i k a k a d e m i c, so dab er den Kontakt ausrechtcrhictt, zu gleicher Zeit mit dem wirtschastticheu und dem kulturellen Leben. Aber auch in politischer Hinsicht muhten seine hoben Qualitäten ihn einen nützlichen Weg schreiten lassen. Er wurde zum Mitglied der beide» sozialdemokratischen Regierungen gewählt, die von Brautiug präsidiert wurden. Bei dessen Tode wurde Sandler zum Präsidenten des Ministerrates gewählt. Er spezialisierte sich, in Verbindung mit Genossen ttiidcn, einem ivcltberühmte» Juristen, in Fragen des F riedcus und der A b r ü st u n g. I Seit 1027 ist er regelmätziger Abgesandter Schwe- dcnS an den BölkerbundSversanunlungen und bei der Abrüstungskonferenz. Sandler ist einer der prominentesten Redner der sozialdemokratischen Partei Schwedens und hat sich innenpolitisch besonders verdient gemacht durch Neuorganisation der Volksschulen im sozialistischen Sinne. Die sozialdemokratische Partei in Schweden besitzt im'Parlamcnt die Mehrheit und führt daö Ruder der Regierung zugleich mit der Bauernpartei und einem Teil der Volkspartei. Tagcsnciilglrcltcii Der Absturz der fieben Bergsteiger (Wien.) Bei den verunglückten sieben Touristen handelt eS sich um drei Partien, darunter drei Frauen, die sich auf dem Wege zum Schiissel- kar bei einen: ansprechenden Unwetter zu einer Gruppe znsammcngeschlossen hatten und die Nacht vom Sonntag auf Montag an einer Felswand am sogenannten„Steinernen Wasser" zubringen wollten. Plötzlich brach ein Wolken- b r u ch los und alle sieben wurden in die Tiefe gerissen. Sie sind teils an E r s ch ö p f u n g, teils an den Folgen der durch den Sturz erlittenen Verletzungen gestorben. Der Tod dürfte bei allen schon Montag cingetrcten sein, Die.Leichen konnten n o ch n i ch t g e b o r g e n werden, aber man hofft, datz es im Laufe des heutigen Tages der eingesetzten Bergungsaktion gelingen wird. Das Schüsscltar, eine der gefährlichsten Spitzen des Wetterstcinmassivs, das sich öjtlick von der Zugspitze gegen Mittcnlvald ausdehnt, liegt in der Mitte der österreichisch-bayrischen Grenze. Ein Fallschirmspringer landet auf einem LömenkSfig (London.) Ein gefährliches Abenteuer hatte am Freitag der 24jährige Fallschirmspringer Ben Turner zu bestehen. Er sprang in der Nähe von Lcatherhead in Surrcy mit seinem Fallschirm aus dem Flugzeug, um als erster auf dem neuen Flugplatz Surbitone zu landen. Während dcS Absprunges drehte sich jedoch plötzlich der Wind und der Fallschirm verfing sich in den Bäumen dcS Zoologischen Gartens von Chesington, während Turner selbst direkt auf dem Löwenkäfig landete. Die im Käfig befindlichen ztvei afritanischenLöwen wurden wüt e n d und versuchten, Turner durch Hochspringen zu erreichen, um ihn von dem hohen Gitter inö Innere des Käfigs zu ziehen. Mehrere Aufseher dcS Zoologischen Gartens und die inzwischen alarmierte Feuerwehr versuchten, die wildgcivordenen Tiere dnrch Wasscrspritzcn von ihrem Opfer abzulenlen. Diese Versuche blieben jedoch vergeblich. Erst dem schnell herbeigerufc- nen Löwenbändiger gelang es, die beiden Raubtiere'zu beruhigen, worauf Turner geborgen werden konnte. EchloffergehUfe als Bauführer verschuldet tödliche» Unglück In T e p l ließ ein Schlossermcister Bauarbeiten durchführen und um sich die Kosten für eine fachliche Leitung bei diesen Arbeiten zu ersparen, stellte er seines Sohn, einen Schlossergehilfen,, als Bauführer au. Die Folge dieser Mißachtung der. gesetzlichen Vorschriften stellte sich Dienstag, den 11. September, ein, als ein Pfeiler abgetragen werden sollte. Der Pfeiler wurde von: ersten Stockwerk des in Frage kommenden Gebäudes umgcworfen, nachdem er nach der Innenseite unterminiert worden war) und fiel in das Gebäude hinein, tvobci der4m Hause beschäftigte Arbeiter Müller erschlagen wurde. Gegen den leichtfertigen Bauherrn wurde vom Bau- arbeiterverbandc dieAnzeige erstattet. Urble Erinnerungen erweckt der gestern gemeldete Tod dcS Wiener Geschäftsmannes D r. I o s c f K r a» h. Vielen Zeitgenossen wird sein Namen unbekannt, den Menschen, die den Krieg erlebt haben, aber in umso deutlicherer Erinnerung sein. Krantz, der ursprünglich Advokat war, ging zur Industrie über und ivnrdc ein führender Mann der österreichischen Spirituscrzengung. Jin letzten Kricgsjahr machte man ihm den Prozest, weil er Unsummen an schlechtem Bier verdient haben sollte, daS er an die Armee geliefert hatte. Er wurde in erster Instanz verurteilt, in zweiter frei- gesprochen. Der Prozest rief damals grostcS Aussehen hervor, weil er tiefen Einblick in die verbrecherische Wirtschaft der Schieber und Kriegsgewinncr öffnete. Kaiser Karl, reformlüstern und gutgewillt auch auf diesem wie auch manchem anderen Gebiet, wollte die alte Schlamperei, bei der die Kriegsgewinncr Riesenvermögen anhäustcn, nicht länger dulden. Er drängte auf gerichtliche Verfolgung der Schäd- lingc. Der Krantz-Prozest sollte eine erste Abrechnung werden. Der Kaiser hatte aber, wie in allen seinen oft gutgemeinten Untcriichnicii, auch in diesem eine unglückliche Hand. Der Pro- zcst deckte wohl die schandbare Wirtschaft der Kriegsgewinncr auf und nährte die berechtigte Erbitterung des Volkes, aber da er mit einem Freispruch endete, offenbarte er nur die Ohnmacht der alten Herrenschicht und des sterbenden Staates gegenüber den Nutzniestern des BlutvcrgicstcnS. Krantz war ein höchst gcbildc- ter Raffke. Er befass Kunstsammlungen, förderte literarische Talente und sammelte in seinem Haus einen Kreis von mehr oder minder bc- gabten Künstlern. Seine Adoptivtochter ist die Schriftstellerin G i n a K a u s. 1932, in der Krise, der auch die Kricgsgewinne nicht mehr heilig waren, machte Krantz bankrott. Wie lange wird das S y st c m, das ihn als einen unter Viele» hervorbrachte, seinen Repräsentanten endlich in den Tod folgen? Historische Funde in Wenussen. Bei der Durchführung der Kanalisierung in der Gemeinde Wenussen bei Kosnlup, wurden auf dem obe« reu Torfplatz etwa 30 Zentimeter unterhalb der Sohle des StrahengrabcnS, menschliche Skelette sowie lirncnteile ausgcgrabcn. Um über diese Funde genaue Auskunft zu erhalten, hat die Gemeinde ein Gutachten des staatlichen archäologischen Instituts in Prag verlangt, welches nach eingehender Prüfung feststellte, daß cs sich uni Ueber- rcste eines Slawengrabes aus dem 11. Jahrhundert handelt. Ein Teil des so alten Fundes wurde dem Museum in Pilsen übermittelt, tvährend der Niest in Wenussen von der Gemeinde selbst aufbc- wahrt wird. Der christliche Kurs. Im Wiener Gemeindedienste wurden dieser Tage gegen 10 0 Angestellte zum 1. Oktober gekündigt. Äußerem wurde 60 Hausbesorgern verschiedener Wiener Gemelndewohnhäuser die Kündigung gegeben. Rnsstschr Segelflieger. Bei dem zehnten Meeting der sowjetrussischen Segelflieger in, der Krim erweckte allgemeine Aufmerksamkeit ein Flug des Segelflugzeuges„G—0", das mit Hilfe des lokalen Windes eine Höhe von 1500 Metern erreichte, sodann auf 500 Meter niederging, worauf cs sich sandigem Gebiet näherte, wo es sich wieder bis zur Höhe von 1000 Metern erhob, von einer Wölke in östlicher Richtniig davongc- tragen wurde, eine GebirgSzone überflog und in einer Entfernung von 20 Kilometern vom Startplatz landete. Ein so schlviexiger Flug-wurde in den letzten zehn Jahren bloß zweimal vollführt. Ferner weckte ein ungewöhnliches Interesse ein . fünfsitzigcs Segelflugzeug des jungen Konstruk- tcnrs Groschew, der zum erstenmal mit. fünf Passagieren fast eine halbe Stunde in der Luft blieb.- Der tolle Sommer. Das ungewöhnlich warme Wetter, das seit einer Woche in London herrschte, endete am Samstag kurz vor 15 Uhr mit einem furchtbaren Gewitter. S t u rz rege n, die de» Sturm begleiteten, richteten beträchtlichen Schaden an. Aus vielen Vororten werden U e b e r s ch w e m m u n- gen gemeldet. Viele Häuser und Straßen stehen unter Wasser. Mehrere Untergrundbahnliuicn mußten den Verkehr unterbrechen. Auch der Stra- ßenbahnverkchr mußte eine Zeitlang eingestellt lverden. Bei einem Fußballwcttspiel in St. Albans wurde ein Zuschauer vom Blitz getroffen, der aber nur seinen Strohhut versengte. In Hnmp- stcad fielen Hagelkörner in der Größe von Haselnüssen, die eine Anzahl von Fensterscheiben zertrümmerten. Vom Schlachtfeld brr Arbeit. Der Maurer Jan Ada in aus Otöany int Gebiete von Taiicc kiel in Stara Rise von dem Gerüst eines Neubaues. Er erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, ernste Per- lehnngen am Kopf und au den Füßen. In hoffnungslosem Z u st a n d e wurde er in das Krankenhaus von Trcbitsch überführt.— In Hcr- maunsstadt war der 20jährige beschäftigungslose Arbeiter Fr. Je n i k mit O b st p f l ü ck c n beschäftigt. Dabei rutschte er an eincnf Ast aus. fiel auf einen Zaun und blieb daran hängen, indem er s!ä> eine Zaunstange durch de» Schenkel stieß. Er wurde ms Krankenhaus gebracht. Die Freie Schule für politische Wiffenschafteu in Prag beginnt die Eiiischreibuiigen für das Herbstscincster am 23. Septcniber im Büro der Schul«, Prag I., Lvocuh trb 3(Karolinum). Auto-Katastrophe. In der Nacht stieß ein Automobil zwischen den französischen Gemeinden Picer- mel und Canipenese in voller Fahrt an einen Baum und wurde zertrünnnert. Von den vier Insassen wurde der Perser Dr. Amid Mehdi und der Rumäne Dr. Lucien Taeb auf der Stelle getütet. Ter Apotheker Juguet und seine Frauen wurden schwer verletzt. Die Katastrophe erfolgte infolge Platzens einer Pneumatik. Raturschuhgebict im Fernen Osten. Die fernöstliche Zweigstelle der Akademie der Wissenschaften der UTTR hat in der Taiga des fernöstlichen Gebietes ein großes Naturschutzgebiet errichtet. In dem Bannforst Hausen Zebras, Tiger,aPären, Füchse usw. In dem neuen Naturschutzgebiet werden auch Versuche zur Akklimatisierung von Aprikosen und Pfir- sichbäunicn, Weinstöcken und zur künstlichen Anpflanzung der heilkräftigen Pflanze Genseng vorgenommen werden. Die wissenschaftliche Leitung des Naturschutzgebietes steht unter der Leitung des Akademiemitgliedes Komarow. Der Schriftsteller Hanns Saßmann, der bekannte Autor einiger Habsburger-Stücke, wurde nach den Meldungen der Wiener Blätter in Berlin verhaftet. Die Verhaftung soll erfolgt sein, weil Saß- mann in einem Schreiben an einen Freund in Kufstein, das in die Hände der Polizei gefallen war, die Verhältnisse in Deutschland kritisiert hatte. Dauerflugrekord. Das Sowjetflugzeug neuer Konstruktion„RD", versehen mit einem sowjct- russischen Benzinniotor, hat einen neuen Weltrekord im Dauerflug ausgestellt. Es startete am 12. September morgens auf dem Moskauer Flugplatz mit den Fliegern Groniow, Filin und SMrin an Bord und blieb durch 7 5 S t n n d e n unnnterbrochcn in der Luft, wobei es ohne Zwischenlandung eine Strecke von 1 3.0 00 Kilometer in K u r v e n l i n i e n zurücklegte. Samstag um 12 Uhr mittags landete das Flugzeug in Charkow. Der bisherige Danerflugrekord betrug 72 Stunden. Wahrscheinliches Wetter Sonntag: Andaucrn des schönen Wetters, in den böhmischen Ländern etwas wärmer, Südostwind.— WetterauSsichtcn für Montag: Jin Westen des Staates Wetter etwas unsicher, sonst schön.> Die offiziellen Landungszeiten der Teilnehmer des Europa-RnndflugeS in Warschau waren Freitag folgende: Gcdgowd 14.20, Passewald 14.20, Bayer 14.48, Osterkanip 15, Seidc- mann 15.02, Hubrich 15.00, Skrzypinski 15.10, Änderte 15.41, Zaiek 15.42, AnibruS 15.54, Hirth 15.57, Francois 16.46, Sanzin 16.47. Bajan 16.50, Plonczynsti 17.23, Buczynski 17.37, Francke landete uni-17.11 in Wilna, wo er übernachtete. Dudzinsti und Balcer wurden wegen Motorstörungen in Lemberg zurückgehalten, Ivo auch der Deutsche Junck verblieb. Diese drei Flieger starteten Samstag früh zum Weiterflug. Der englische Flieger Maspherson, der für Polen an dem Wettbewerb teilnimmt, blieb ebenfalls in Lemberg wohin seine Maschine mit-beschädigtcm Untergestell gebracht wurde. Wlodarkiewicz befand sich bis zuni Eintreffen der letzten Nachrichten bei seineni beschädigten Flugzeug an der Notlandungsstelle bei Tarnow und arbeitet noch immer an der Reparatur seines Motors. Aller Wahrscheinlichkeit werden Macpherson und Wlodarkiewicz eliminiert werden. Nach privaten Berechnungen der Presse wird.die Gesamtklassifikatlon der Teilnehmer an dem Europa- Rundstng folgendermaßen ansfallen: Bajan 1861 Punkte, Plonczynski.1821, Seidemann 1800, Amb tu 5 1785, Francke 1770, Junck 1775, Passewald 1760, Dudzinsti 1740, Änderte 1724, Gedgowd 1719, Zaiek 1710, Buczynski 1718, Hirth 1717, Skrzypinski 1606, Balcer 1991, Oster- kamp 1684, Bayer 1678. Hubrich 1612, Francois 1345 und Sanzin' 1285 Punkte. «fcMT Sonntag. 18. September 1934 Krieg de« Infektionskrankheiten! Schnuller, vorgekostete» Essen im Löffel, abgebisfene NahrungSmittü usw.)! Gebt euren Kleinkinoern nicht» Unrechte» und nicht» Schwerverdaulicke» zu essen denn ibr schädigt sie dadurch und damit ihre Widerstandskraft. 6. Vorsicht bei kranken oder krankheitrverdäch» tigen Tieren!. 7. Schützt rechtzeitig jede kleinste Wund« vor Verunreinigung oder laßt sie schützen. Sie kann die Eintrittspforte für Bakterien und damit der Ausgangspunkt für Erkrankungen und späterer Arbeitsunfähigkeit fein. 8. Meldet der Behörde alle Zustände, die mit der Gesundheitsfürsorge und Krankheitsverhütung in Widerspruch stehen. 9. Wenn ihr erkrankt, dann: a) laßt euch rechtzeitig beim Arzt behandeln, b) befolget genau die Anordnungen der Aerzte. 10. Saht euch und eure Kinder rechtzeitig impfen!(Diphtherieschuhimpfung l) Die Infektionskrankheiten fordern alljährlich auch heute noch zahlreiche Opfer und ihre Bekämpfung kostet Millionen und Millionen Kronen(Behandlung, Transportkosten, Anstaltspflege usw.) Die Prophylaxe beträgt nur einen Bruchteil dieser Ausgaben. Die Differenz könnte für produktive Arbeitslosenfürsorge verwendet werden. Die systematisch aufgcbaute Prophylaxe ist ein Segen überall dort, wo sie durchgeführt und befolgt wird. Vergeht nicht, dah unter der Leitung ärztlicher Jacharbeiter eure Mitarbeit und eure Gefolgschaft hiebei unentbehrlich ist in eurem Interesse, in dem eurer Familienangehörigen und in dem eurer Mitmenschen! Dr. T. Die gelbe Teufelin Mvrderi« in ML««erklelder» Jagd»ach einer 27jShrtsen am de« Halde« Erdball war und ihre Vermutung wurde zur Gewißheit, als sie in der Personenbeschreibung der Verschwundenen die ehemalige Schülerin Emilie Bea- kran und spätere Frau Rhaw erkannten. Schwefelsäure im Flugzeug. Eine wahre Treibjagd wurde nun gegen die „gelbe Teufelin" in Szene gesetzt, doch konnte auch nicht eine Spur der Attentäterin entdeckt werden. Als man lange Zeit hindurch von ihr nichts mehr hörte, tvurde die Sache ad acta ge legt. Man vermutete, daß Frau Rhaw Selbst» nwvd begangen habe. Im yahrc 1980 erfuhr man aber wieder von ihrer Existenz. Es war. in Florida. Eine reiche Dame der amerikanischen Gesellschaft, MrS. Bagwcr, wollte in ihrem Sportflugzeug zu einem Flug starten, als man im letzten Augenblick eine verblüffende Feststellung machte. Auf der Maschine war ein offenes Gefäß mit Schwefelsäure derartig ausgestellt, daß sein Inhalt nach dem Start sich auf die Flügelbespannüttg der Maschine ergießen und diese durchfresscn muhte. Wäre der teuflische Anschlag gelungen, dann hatte es wahr» cheinlich einen verhängnisvollen Absturz gegeben, der Frau Bagwcr das Leben gelastet HÄ te. Bei ihrer Vernehmung gab Mrs. Bagwcr an, daß sie kurze Zeit vorher auf dem Flugplatz eine Bettlerin abgewiesen hatte, die sie um ein Almosen anging. Sie beschrieb die zudringlich? Person— und der Polizeioffizier war sofort im Bilde. Das konnte nur die verschwundene Emilie Rhaw sein. In Australien erkannt. Zwei Jahre spater hörte man wieder von ihr. Damals wurde auf der Landstraße ein Tramp ermordet aufgefunden. Man hatte ihn vorher in Gesellschaft einer Frau gesehen, die durch ihren gelblichen Teint aufgefallen war... Inzwischen hatte es Edwin Rhatv, der ehemalige Gatte der„gelben Teufelin" in Amerika zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht. Bor einiger Zeit faßte er den Entschluß, nach Australien auszuwandern und sich in Sidney niederzulassen. Dort wurde ihm eines Tages eine Großschlächterei zum Kauf angcbotcn. Als Edwin Rhaw bei einer Besichtigung des Unternehmens durch die Halle schritt, fiel ihn: das Gesicht eines Arbeiters auf. Er wandte sich an den Aufseher mit der Frage, wer der junge Arbeiter sei. „Er ist seit einem Jahr bei uns beschäftigt," lautete die Antwort. Rhaw hatte in dem„Arbeiter" sofort seine frühere Frau erkannt und auch diese erkannte ihn wieder. Ms er von seinem Rundgang wieder zurückkam und an der Stelle vorbeiging, an der die „gelbe Tcufelin" stand, stürzte diese auf ihn los und wollte ihn mit einer Eisenstange niederschlagen. Rhaw aber war schon auf eine Ueberraschung gefaßt getvesen und wich geschickt aus. Im nächsten Augenblick Ivar die Angreiferin unschädlich gemacht. Auf der Polizei legte sie dann ein lückenloses Geständnis ab. Ehetragödie einer Syphilitikerin Die kranke Fra« schießt den Gatten an, weil er sich von ihr ttennen wollet Nicht alle ansteckenden Krankheiten werden zleich leicht übertragen. Die Uebertragbarkeit hängt nicht nur von der Widerstandskraft und Emp- sindlichkeit des Körpers ab, sondern auch von der Lebensart mancher Menschen und von der Bösartigkeit(Virulenz) der betreffenden Bakterien. Am besten gedeihen die Bakterien dort, wo kein oder wenig Licht hineinkommt, wo Feuchtigkeit. Schmutz und schlechte Luft vorherrschen. Licht, frische Luft, Reinlichkeit und Körperabhärtung sind ihre schlimm st en Feinde. Die Erkrankung erfolgt also bosonder» leicht: 1. Bei Menschen, die schwach oder geschwächt sind oder deren Widerstandskraft anderweitig in An spruch genommen ist: a) Bei Kindern und alten üuten; b) in der WiedererholungSzeit nach eben überstandenen erschöpfenden Krankheiten(Rekonvaleszenz): c) bei Unterernährung, schlechten Woh- nungSverhältniflen, Not, schwerer, die Jähigkeitcn und Kraft übersteigender Arbeit mit ungenügender ErholungSzeit, seelischen Aufregungen usw.; d) bei schlechten Witterungsverhältnissen(Regenzeit, kaltes, feuchte» Wetter, Zugluft, wenig Sonne) usw. 2. Bei Menschen, die die ErholungSzeit schleckt auSnützen, die ein ausschweifendes Leben führen, die nachlässig und unsauber sind, bei Schwächung durch Llkoholmißbrauch usw. ö. Dort, wo besonders viel und besonder» virulente Bakterien auf den Körper einstürmen und keine Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die Uebertragung der Bakterien geschieht: 1. Direkt vom kranken zum gesunden Menschen: Enger Verkehr, Küssen, Berühren, Anhusten, Anniesen usw.' 2. Indirekt: a) durch bakterientragende oder kranke Tiere(Insekten, Säugetiere, Vögel); b) durch bakterientragende Gegenstände: Eßbesteck«, Trinkgesäße, Kleider. Wäsch«. Betten, Möbel, Nahrungsund Genußmittel, Bücher, Wohnungen. Luft. Staub, Schmutz, Klosetts usw. Manche Menschen sind so widerstandsfähig, daß sie überhaupt nicht erkranken. Sie tragen aber nach einer Infektion, die an ihnen wirkungslos haftenden Bakterien mit sich herum(Bazillenträger) und können sie auf andere übertragen, die nun erkranken können, wenn sie nicht soviel Widerstandskraft(d. h. Schutzstoffe) besitzen wie jene. Auch nach dem glück« lichen Ueberstehen einer Infektionskrankheit kommt e» innerhalb einer bestimmten Zeit oder dauernd z keiner Erkrankung derselben Art mehr, da die wäh? rend der Erkrankung mobilisierten, also wachsamen Schuhstoff« genügen, um die betreffenden Bakterien, gegen welche die Schutzstoffe gebildet wurden, wirkungslos und den menschlichen Körper unempfindlich (immun) gegen sie zu machen.(Die Schutzstoffe schützen immer nur gegen die Bakterien, gegen die sie gebildet wurden und gegen andere nicht!) Diese selben Bakterien, gegen welche der Gesunde immun ist, können nun genau so wie die der oben genannten Bazillenträger bei anderen nicht immunen Menschen die Erkrankung ihrer Art verursachen. Alle Krankheittzverdächtigen, Kränken und Rekonvaleszenten nach Infektionskrankheiten'müssen'daher' al- möglich« oder wirkliche Bazillenausstreuer im Interesse ihrer Mitmenschen durch eine gewisse Zeit, während welcher die Bakterien noch lebenskräftig find von ihrer Umgebung abgesondert(isoliert) werden. Bei allen von ihnen benützten Gegenständen, die gleichfalls bazillenhältig sein können, müssen die Bazillen durch Kochen Waschen, Ausdampfen, Vergasen, Verbrennen, Verätzen usw. vernichtet werden(Desinfektion). Aber nicht ave Bazillenträger sind zu erfassen und zu isolieren, da manche oft nicht die geringsten KrankheitSerscheinungen zeigen. ES, kann dadurch zur MassenauSbreitung der Infektionskrankheit«« kommen, zu Epidemien. Hier hilft nur. ein»: sich selbst schützen, einer Erkrankung vorbeugen, sie verhüten(Prophylaxe)! Mir rate« deshalb! Schützt euch und alle anderen durch folgende Maßnahmen: 1. Erhöht und schützt eure Widerstandskraft und Abhärtung: a) durch richtige Verwertung der AuSruhezeit: Aufenthalt in frischer Luft und Sonne Ruhe Wanderungen, geregelten Sport usw.; vernünftige, niöht aufreibende Vergnügungen, welche Erholung bringen! Keine unnützen Aufregungen! b) Durch richtige Anlage des Verdienstes: Kräftige Nahrung, entsprechende Kleidung, gesunde Wohnung usw.; c) durch Vermeidung ausschweifender Lebensweise(mangelnde Nachtruhe und Mißbrauch von Alkohol und Nikotin!); d) durch Sauberkeit und Reinhaltung: Häufige» Waschen, Baden, Mundspülen, Zähneputzen usw.. besonder» nach der Arbeit, nach der Rückkehr au» der Schule und vor dem Essen usw.; e) durch rechtzeitige Besorgung von Hilfe bei unverschuldeter Not und Arbeitslosigkeit(Arbeit oder Unterstützung!); f) durch eine den Fähigkeiten und Kräften entsprechende Berufswahl. 2. Effet keine verunreinigten Nahrungsmittel, kauft nicht in unsauberen, finsteren Geschäften und geht nicht in Geschäfte, wo unsaubere Personen bedienen und kauft nicht dort, wo Nahrungsmittel unsauber verlauft werben! Obst soll vor dem Essen immer in reinem Wasser gewaschen werden! Vorsicht bei Genuß von unbekanntem Wasser und Achtung', vor dem unreinem Wasser! 8. Laßt eure-Ander nicht von anderen küssen und umarmen usw. und tut es auch selbst nicht, wenn ihr krank seib l, t. Hütet euch vor jedem nahen Verkehr mit Personen, die krank, krankheitsverdächtig, unsauber oder nachlässig sind und besonders vor solchen, die den Geschlechtsverkehr berufsmäßig anSüben! Seid vorsichtig beim Gebrauch fremder unsauberer Klosett». Laßt euch von niemandem anhusten, anniescn usw. und stellt jeden zur Rede, der sich so oder ander- rücksichtSlo» benimmt. 6. Gebraucht nicht ohne vorhergehende Reinigung Gegenstände, die andere schon vor euch gebraucht haben: Eßbestecke, Trinkgefäße, Kleider, Betten, Wohnungen, Zahnbürsten, Rasiermesser usw. Nehmt nichts in den Mund, was andere vor euch schon im Munde hatten(Zigaretten, Zigarren, Pferchen. Pfeifen, Musikinstrumente usw.), laßt«» aber auch nicht euren Kindern geben(angefeuchtete Nicht weniger als zehn Jahre waren die Behörden hinter der 27jährigen Massenmörderin Emilie Beakran her, die in Sidney(Australien) trotz einer ungewöhnlichen Verkleidung erkannt und von den. Behörden festgenommen werden konnte. Die Geschichte dieser Frau, die wegen ihrer eigenartigen Gesichtsfarbe„die gelbe Teufelin" genannte wurde, liest sich wie ein Schauerroman. Al» Emilie Beakran auf die Bahn des Verbrechens geriet, ging sie noch in Ehikago zur Schule. Sie zählte damals 17 Jahre. Eine ihrer Lehrerinnen war mit ihrem Benehmen in der Schule unzufrieden und stellte sie vor der ganzen Kstrsse zur Rede. In der folgenden Nacht wurde die Lehrerin das Opfer eines Attentats. ES war Emilie Beakran, die nachts in die Wohnung der Lehrerin eingedrungen war und ihr Schwefelsäure ins Gesicht schüttete. Die Person der Täterin wurde bald festgestellt, und Emilie aus der Schule ausgeschlossen. Das Attentat der Siebzehnjährigen hatte damals in Ehikago großes Aufsehen erregt und es gab in der Oeffentlichkeit zwei Parteien, die sich teil» für die Schülerin, test» für die Lehrerin einsetzten. Einer, der für Emilie besonders leidenschaftlich Partei ergriffen hatte und die ganze Schuld auf die Lehrerin schob, war der Farmer Edwin Rhaw. Der weibliche MatuSka. Einige Wochen später erfuhr man, daß Emilie Edwin Rhaws Frau geworden war. Aber ihr ritterlicher Beschützer muhte schon nach kurzer Zeit erkennen, daß er eine wahre Teufelin geheiratet hätte. Drei Monat« nach der Eheschließung käm es zwischen den jungen Leuten zu einer heftigen Auseinandersetzung. In der Nacht erhob sich Emilie von ihrem Lager, packte ihre Sachen zusammen und zündete dann über dem schlafenden Ehemann das Haus an. Nur durch einen wunderbaren Zufall konnte Rhaw im letzten Augenblick gerettet werden. Seine Frau war spurlos verschwunden. Einige Monate später tauchte sie in der Hauptstadt von Haiti, in Port au Prince, auf. Sofort machte sie sich an einen Ingenieur heran, der einen Bahnbau in der Nähe der Stadt leitete. Der Ingenieur wies sie in wenig höflicher Form zurück, worauf die Frau, die natürlich unter einem völlig anderen Namen auftrat, unter wütenden Drohungen fortging. Kurze Zeit darauf ereignete sich auf der Strecke, die unter der Aufsicht des Ingenieurs stand, ein furchtbare» Unglück. Ein mit Arbeitern vollbesetzter Zug entgleist« und nicht weniger als 87 Menschen kamen dabei umS Leben. Die Behörden zweifelten nicht daran, daß di« Attentäterin die abgewiesene Frau gewesen »um Prager Rundfunk Vier Sänger mit künstlerisch weittragenden Namen(Marianne Mayer, Grete Lang in Prof. L o n g i n und Dr. E h ni) luden am Samstag im Quartett zu.Frohem Wandern". Lag» am Straschnitzer Sender, an unglücklicher Postierung oder am unvorteilhaften Zusammenklang der Trimmen... man konnte jedenfalls de» Wandern» nicht recht froh werden. Die Uebertragung litt— wie so oft bei Straschnitz— an unangenehmen Verwischungen der Harmonie, besonder» in höheren Klanglagen. Mitten in Mendel»sohn».Abschied vom Walde" erzwangen Gewitterdrohungen Abschied vom Sender. Da» bedeutete leider den Verlust de» von Genossen Dr. Franzel angesagten Kulturrelief». An der Abendsendung führte un» Josef Mühlberger zum.Heinzl-Boter". Burschen und Mädchen au» WeckelSdorf und sonst allerlei seltsame Leut' fanden sich beim Gastwirt mit dem Titelnamen.zun Hutz'n zusammen. Fröhliche und derbe Späße, Lieder und Anekdoten füllten ein halbstündige- Heimatspiel mit mundartlicher Umgangssprache.— Da» Orchester der Brünner Sendestation bereitete mit .Brünner Komponisten al» Meister der Suite", mit Korngold» Suite„Biel Lärm um nicht»", Mraczek»„Orientalischen Skizzen" und Janakek» Blütenfolge, Opu» 8, einen ganz auler» lesenen musikalischen Genuß. Richt ganz ohne Ueberraschung hörte man am Montag von Univ.-Prof. Dr. Fürth, daß die in zahlreichen Presseartikeln und vielen„wissenschaftlichen" Vorträgen al» modernste uulu furchtbarste< Vernichtungswaffe geschilderten„Todesstrahlen" ihr« Entdeckung weniger der geheimen Forschungsarbeit in L'aboratorien auf unzugänglichen Berggipfeln al» vielmehr einer in der Gier nach möglichst vollkommenen Methoden de» Menschenmorde» überhitzten Prag, 16. September. Der heute vor dem Senat Toman verhandelte Prozeß gegen die 3l jährige Marie N. zählt zu den düstersten und tragischesten Fällen, die vor dem hiesigen Gericht verhandelt wurden. Die Anklage lautete auf da» Verbrechen der vorsätzlichen schwerenKörperver- l e tz u n g. Die Angeklagte hat ihren Gatten im Mai dieses'Jahres durch drei Revolverschüsse schwer ber-j letzt. Dem ganzen Hergang nach hätte sie eigentlich vor dem Schwurgericht erscheinen müssen, denn e» handelt sich um einen Mordversuch. Vor diesem Schicksal rettete sie nur das Gutachten de» Waffensachverständigen, der erklärte, daß die Schußwaffe nicht geeignet gewesen sei, den Tod eines Menschen herbeizuführen. Ein„Versuch mit untauglichen Mitteln" ist aber nach unserem Strafrecht st r a f f r e i. Rur durch diesen Umstand fiel die Anklage wegen versuchten Mordes und Marie N. stand statt vor den Geschworenen vor einem gewöhnlichen Dreirichter- scnat, angeklagt der schweren Körperbeschädigung. Marie N. hatte sich im Vorjahr mit ihrem bisherigen Gatten, einem Schuhmacher in Wrschowitz, verheiratet. Die Bekanntschaft ging auf ein Heiratsinserat zurück und die Ehe ließ sich anfänglich recht glücklich an. Eines Tages aber bemerkte der Ehemann einige verdächtige rote Flecke auk dem Unterarm seiner Frau und diese gestand ihm schließlich, daß sie von ihrem ersten Map», von dem sie sich später scheiden ließ, mij Syphilis infiziert worden sei«Sie brachte zwar ärztliche Zeugnisse bei. daß sie ausgeheilt und nunmehr vollkommen Phantasie verdanken. Hoffentlich bewahren die trostreichen Aufklärungen de» Vortragenden ihre Berechtigung für lange Zeit!— Schwester Wilhelmine Wolf schilderte anschließend das Wirken der Cha- ritas-Landkrankenpflegerinnen im Dienste der Kran- kenfürsorge in kleinen Gemeinden.— Ein heftiges Gewitter schloß Teplitz von der Dienstagsendung aus Am Mittwoch bescherte un» Straschnitz mit einer überaus netten Kinderstunde„T i e r e s e h e n d i ch' an". Autor und Spielleiter: Viktor Sordan Allerhand lustige Tiergeschichten und köstlich belehrende Vierbeinigkeiten von Reimann, Morgenstern und Lohß fügten sich zu einer unterhaltsamen Halbstunde, an der S o r d a n, Paul Demel und K i n- der verdienstvoll mitwirkten. Ein besondere» Lob gebührt der allerliebsten und hochbegabten kleinen Erzählerin der„Geschichte vom Schwein"!— In den „Aktuellen zehn Minuten" de» Abends macht« Jng. Han» Grund seinen nicht auf Abstinenz eingeschworenen Hörern den Mund wenig, durch einen Borbcricht von: Weinlesefest am heutigen Sonntag im Elbetal, in dessen Mittelpunkt das gepriesene Ezernosek mit besonderen Festlichkeiten stehen wird. Anläßlich der bevorstehenden 25. BestandeSfeier de» Atu» gab Verbandssekretär Genosse Ullmann (Aussig) einen Rückblick üb'er die Geschichte der Arbeiterturnbewegung die im steten Kampfe gegen Unterdrückung durch da» Bürgertum und staatliche Behörden ihre Pflicht erfüllt hat im Dienste proletarischen Kulturlebens. Umfassend sind die Vorbereitungen aus eine würdige und kraftvoll werbende Feier de» 26. BestandcSjahreS. In den„Sozialinformationen" entkräftete Dr. Gleisberg das bei vielen arbeitenden Menschen vorhandene Mißtrauen gegen Erfindungen, die„Arbeitslosigkeit bringen". Nicht die Erfindungen, nicht die Maschine» sind Feinde der arbeitenden Menschen; nur ihre falsche Anwendung bedroht den Arbeitsplatz der Proletarier. Außerdem gibt es tech- gesund sei, aber ihr Mann hatte von diesem Augenblick an einen unüberwindlichen Abscheu von ihr, der das Eheleben völlig zerrüttete und schließlich dazu führte, daß er sich von ihr trennte. Zu diesen beruhigenden ärztlichen Zeugnissen steht übrigens die aktenmäßig belegte Tatsache im Widerspruch, daß die Angeklagte vom Gesundheitsamt des. Prager Magistrates., wegen vorzeitiger Unterbrechung derLueSbe- Handlung verfolgt wurde. Ob sie ausgeheilt ist oder nicht, mag dahingestellt sein— sicher ist so viel, daß sich ihr Gatte von ihr abwandte und Marie N. unter dieser Trennung sehr gelitten hat. Eines Tages im Mai d. I. guartierte sich die Angeklagte in einem Logis ein, das gerade gegenüber der Werkstatt ihres Mannes gelegen ist. Al» dieser am nächsten Morgen die Rolläden aufzog, trat sie ihm entgegen und feuerte drei Schüsse gegen ihn ab. Ein Schuß ging fehl, der zweite verursachte nur einen Hautriß, der dritte aber traf den Ucbcrfallenen in de» Rücken. Das Projektil blieb aber in der Rückenmuskulatur stecken. ES war eine schwere Verletzung, von der der Angeschosscne bis heute nicht ganz ausgeheilt ist. Bon der Anklage wegen versuchten Mordes rettet die Angeklagte, wie erlvähnt, das Gutachten, nach welchem die verwendete Waffe nicht geeignet ist, tödliche Verletzungen zu verursachen. Der Tatbestand ist vollkommen eindeutig und der Gerichtshof verurteilte demgemäß die Marie N. zu zehn Monaten Kerkers, und zwar u n b e d i n gt. rb. nische Erfindungen anderer Art, die neue Arbeitsmöglichkeiten bieten; als besonders sichtbares Beispiel führte der Vortragende das Radio an. Einen zweifellos sehr instruktiven, im allgemeinen aber wohl doch nur für Fachleute mit entsprechend technischer Erfahrung verständlichen Vortrag hielt am Freitag Doz. Dr. Jng. L a b u S über „Bildtelegraphie und Fernsehen". Unter erstem versteht man die Uebertragung stehender Bilder, unter Fernsehen ist die Uebertragung sich bewegender Bilder zu verstehen. Ohne den Versuch zu wagen, die Aufklärungen über die Wirkungsweise der vhotoelektrischen Zellen und der verschiedenen technischen Einzelheiten hier wiederzugeben, bcschetde ich mich mit dem Hinweise, daß das Problem darinnen ruht, Lichtimpulse in elektrische Impulse umzuwandeln. ES besteht gar kein Zweifel, daß die Technik auch diese Rätsel in absehbarer Zeit so vollkommen lösen wird, daß... Na, man wird ja sehen! Formschön und vornehm in überzeugender Sachlichkeit war des Genossen Karl Kern aktueller Zehnminutenbericht über die neue Wandlung des Völkerbundes, der nach Eintritt Sowjetrußlands>ls starkes Instrument des Friedens angesehen werden darf im Sinne des Wortes Dr. BeneöS. daß„der Krieg kein unüberwindbares Schicksal", sein muß. Die Staaten mit fascistischen Rcgierungsformen werden erkennen müssen, daß die Feinde der Barbarei zur Tat bereit sind. Die Freiheit der Arbeite^« bcwegung ist immer ein Unterpfand des Frieden». Die in der Innenpolitik schlummernden Hoffnungen der Antidemokraten'schwinden nach dem Zusammenbruche dcS fascistischen Systems von Tag zu Tag; sie werden sich ebensowenig erfüllen wie ihre Erwartungen auf Auflösung der Koalition und baldige Neuwahlen. Daß der Völkerbund seine neue Wirksamkeit unter dem Vorsitze eines Sozialdemokraten beginnt, ist ein gute» Omen für die Zukunft. Ernst Thöner, Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 16. September 1934. Nr. 317 PRAGER ZEITPWC Ein halbes Dutzend Autounfälle an einem Tag. , Am Donnerstag ereignete sich in Prag eine ganze Serie von Antonnfällen. Gegen 10 Uhr nachts stand auf der PodL- bradstrnhe in HloubLtin ein Brünner Lastwagen, der Benzin tankte. Zn dieser Zeit näherte sich "der Tankstelle ein vom Chauffeur Jaros laus Erbe» gelenkter leichter Lastwagen, der so stark an den Brünner Wagen anfuhr, dah er etlva zehn Meter zurückgeschleudert wurde, Ivo er an ein Pcrsoncnautomobil stieg. Bei diesem Zusammenstotz wurde Erben und der Kaufmann Josef Hrdy verlebt. Hrdy erlitt einen Beinbruch und eine schwere Kopsverletzung. Um 1 Uhr nachtö starb er im Krankenhaus auf der Bulovka. Nach Aussagen von Zeugen kam es zu diesem Unfall dadurch, dah Erben nur einen Reflektor benützte und datz das Brünner Lastauto hinten kein Licht hatte. In der KarlSstratze am ZiZkov wurde die Hausgehilfin M. O r t m a» n von einem Motorrad. auf dem Handlungsgehilfe Johann Dobro- v o l n y fuhr, überfahren. Tie erlitt eine Gehirn- erscknitterung und Ritzwunden. Den Unfall verschuldete ein Passant, dem Dobrovolny auSweichen wollte, wobei er die Ortmann erfatzte. -Jn der Podibradgasse wurde vor sieben Uhr abends beim Ueberqueren der Ttratze der drei- j ä h r i g e Lohn des ZiZkover Arbeiters Jan Je k a l> c k von einem Motorrad, das der Automonteur Georg Kubes lenkte, überfahren. Der Knabe erlitt eine leichte Gehirnerschütterung und wurde in das Kinderspital eingeliefert. In der Bilohorsla in Btewnolv wurde von einem Lastauto, das der Chauffeur Franz Rado u s e k lenkte, der fünfjährige Borlikel aus Brcwnow beim Ueberqueren der Ttratze überfahren. Der Knabe erlitt vier Ritzwunden am Kopf und zahlreiche kleinere Verletzungen im Gesicht, an den Händen und Fützen. Die erste Pflege wurde ihm im Kinderspital zuteil, wo er auch belassen wurde. In Ttkeschowitz spielten vor dem Hause 672 gestern abends einige Schülerinnen. Eines der Mädcken, die zehnjährige Johanne K a r ch verliest die Gruppe und lief in die Fahrbahn, wo sie von einem Personenauto ersaht wurde. Glück- licherlveise erlitt sie nur leichtere Verletzungen und konnte in häusliche Pflege übergeben werden. Auf dem früheren Sokolstadion trainierte gestern nachmittag der Besitzer einer Autorcpara- tucwerkstätte Jaroslav L l i c l aus Wrschowih. Bei der Fahrt erlitt er einen Unfall und erlitt einen Beinbruch, eine Gehirnerschütterung und Hitzwunden. Er wurde in das Krankenhaus auf der Bulovka eingeliefert. Bestohlenes ErrkntionSgrricht. Das Prager BezirlSexetutionsgericht tvurde in der Nacht aus Tamsiag von sehr gewandten Einbrechern auf- gesmbt. Als der diensthabende Beamte in den Raum trat, wo die Depositen anfbewahrt werden, konstatierte er zu seiner Ueberraschnng, datz die feuerfeste Kassa in fachmännischer Art von der Seite angebohrt worden war. Die Polizei und die Beamten des Gerichts wurden alarmiert und es wurde festgestellt, datz den Einbrechern 431.30 KL, 5l Pfandscheine, goldene und silberne Uhren und Tchmuckgegeiistände in die Hände gefallen sind. Die Diebe haben sich im Gebäude einschliehen lassen. Tie drangen dann mittels Sperrhakens in den Raum ein, schlossen die Tür von auhen und nahmen dann den Weg Uber den Hof, wahrscheinlich durch das Nachbarhaus, in dem sich die Gaststätte Havlikek befindet. Für die im Exekutionsgericht gestohlenen Sachen trägt das Gericht die Haftung. Statistik der A-B-C-Schiihen. An den 284 tschechischen Volts- und Bürgerschulen Prags wurden in diesem Schuljahr 72.916 Kinder eingeschrieben, um 1102 weniger als im Vorjahr. Während die Bürgerschulen einen Zuwachs von 1129 Kindern zu verzeichnen haben, haben die Volksschulen 2231 Schüler und Schülerinnen weniger. An den staatlichen deutschen Minderheitenschulen in Prag wurden 796 Volksschü- ler lim Vorjahr 1013) und 448(377) Bürgerschüler eingeschrieben. Die Gesamtschülerzahl an den staatlichen Minderheitenschulen mit deut- Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab, 1934 das täglich erscheinende Zcntralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei ;,<5oaialftemoVrat" Verwaltung Prag XII., Fochova ff. 62, zum Preise von 16 KL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name; Genaue Adresse: ,,,,,,,( l,. letzte Post:• Unterschrift:.. scher llnterrichtSsprache in Prag beträgt im laufenden Schuljahr 1421 gegen 1390 im vorigen Jahre. Die Berfteigerung der unanbringlichen Post- frndungen findet am Montag, den 8. Oktober 1984, nm halb 9 Uhr in der Auktionshalle des LeihamteS in Prag 11., ll Pujkovny 10, statt. Hoffenden Frauen, jungen Müttern und Frauen nach niehrmaliger Tchlvangerschaft verhilft das natürliche„Franz-Jofef"-Bittcrwasser— meistens schon in kleinen Mengen— zn geregelter Magen- und Darmtätigkeit. Aerztlich bestens empfohlen. ticrlchtssaal Vernichtete kleine Leben 1. Der tödliche InhakationSapparat in der Kinderklinik Prag, 14. September. Der Zufall fügte eS, datz heute vor dem Senat Werner zwei Anklagen wegen fahrlässiger Tötung verhandelt wurden, denen der Tod eines Kleinkindes zugrunde liegt. Besonders aufsehenerregend ist der erste Fall, denn er spielt nirgends anders als in der hiesigen Kinderklinik, also einem Ort, wo man dergleichen tragische Vorfälle am wenigsten vermuten sollte. Angeklagt tvar die 25jährige Pflegerin Stephanie K., Zögling der bei der Kinderklinik errichteten Pflegerin neu schule. Am lN. Dezember v. I., sollte die Angeklagte dem sechs Monate alten Kind Wenzel Kopeckh Inhalationen verabreichen. Tie stellte den Inhalationsapparat bereit, wurde aber im gleichen Augenblick abbernfen, weil auf dem Bettchen des Kindes eben die„P rofes- s o r e» v i s i t e" begann, an der die Zöglinge des Pflegerinnenknrses pslichtgemäst teilnehmen müsse». Sie eilte daher davon und liest den geheizten Apparat neben dem Kinde stehen. Als sie nach beendeter Visite znrückkehrte, fand sie das Zimmer voll Dampf nnd Ranch und das furchtbar schreiende Kind im Todeskampf. Der Apparat war umgestürzt nnd hatte das Kind in schrecklichster Weise verbrannt. Es erlag bald darauf den schweren Brandwunden. Die Angeklagte erschien zur heutigen Verhandlung nicht, denn sie ist irgendwo in der Slowakei beschäftigt. Aus den Protokollen geht hervor, das; sie erst kurz vorher von der Oberschwester mit der Bedienung des Apparates vertraut gemacht worden war, dah aber von der Kursleitung Wert darauf gelegt wurde, die Kurszöglinge„möglichst selbständig" arbeiten zu lassen. Die Verhandlung wurde in Abwesenheit der Angeklagten abgewickelt und endete mit deren Verurteilung zu z w e i Monaten st r e n g e n Arrestes, bedingt auf zwei Jahre. 2. Ein Kind von der Wiischemauge zerdrückt. Einfacher und vollkommen in das Gebiet des unglücklichen Zufalls gehörig erscheint der zweite Fall. Die Büglerin B o e n a P. pflegte ihr 16 Monate altes Kind an ihre Arbeitsstätte mitzunehmen, weil sie keine Möglichkeit hatte, das Kleine anderweitig zu versorgen. TaS Kind spielte zwischen den Arbeitsgeräten— Bügelmaschinen und Wäschemangel:. Am 13. März d. I. wollte es ein böser Zufall, das; die Walze einer elektrischen Wäschemange den Kops deS Kindes erfatzte nnd gegen die Wand pretzte, so dast die schwache Hirnschale zersprang. Die Verantwortung der armen Mutier tvar ebenso einfach als einleuchtend. Sie hatte einen solchen schrecklichen Zufall in keiner Weise vorauSseheu können. Sie hat ihr Kind ja gerade deshalb an die Arbeitsstätte mitgenommen, um es unter den Augen zu haben. Der Gerichtshof fand denn auch keine Schuld an der Angeklagten und fällte einen Freispru ch, da, ein fahrlässiges Verschulden nicht nachznweisen sei und es sich offenkundig um eine tragische Zufallsfügung handle. rb. Kunst und Wissen Beginn der Arbeitervorstellungen: 30. September Erste Arbeitervorstrllun«„Der Bogekhändler", Operette, am Sonntag,, den 80. September, um 2 llhr nach- ' mittags(wegen der langen Dauer des Stückes ausnahmsweise ztvei Uhr) im Neuen Deutschen Theater. Karten ab Dienstag(Mittwoch. 19.. geschlossen) täglich von 8 bis 2 und 4 bis 6 llhr bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Die Preise sind ermästigt, und zwar Sitzplätze: Mitglieder-Abonnenten 12 bis 8. Mitglieder ohne Abonnement 18 bis 8, Angehörige von Mitgliedern. Getverkschaften(nur beim Vorverkauf für Mitglieder im Vereinsheim) 14 bis 4, Nicht,nit- glieder beim allgemeinen- Vorverkauf bei Optiker Deutsch 16 bis 4 KL; auch Logen entsprechend er- mätzigt. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theater«. Sonntag halb 8 Uhr: Die Entführung aus dem Serail, neuinszeniert, AI.— Montag halb 8 Uhr: Wo war ich heute Nacht? Gastspiel Werbezirk, Abonnement ausgehoben. — Dienstag halb 8 Uhr: S t r a st e n m u s i k, Abonnement aufgehoben.— Mittwoch halb 8 Uhr: Der Vogelhändler, Werbevorstellung der Serie BI.— Donnerstag halb 8 Uhr: DonCar- lo s, Werbevorstellung der Serie C 2.— Freitag halb 8 Uhr: Die Entführung aus dem S e r a i l, D 2.— Samstag halb 8 Uhr: S ch l o st W e t t e r st e i n, Werbevorstellung der Serie D 1, neuinszeniert anlästlich des 70. Geburtstages Wedekinds. Wecheuspielplan der Kleine« Bühne. Sonntag 8 Uhr: B u n b u r r y.— Montag: geschlossen.—Diens- tag 8 Uhr: HeddaGabler.— Mittwoch 8 Uhr: TrostundTobby.— Donnerstag halb 8 Uhr: Märchen im Grandhofe l, Erstaufführung.— Freitag 8 Uhr: Märchen im G r a n d h o t e l.— SamStag 8 Uhr: Märchen im Grandhotel. Spart• Mel• Körperpflege Hü—Hot! Der Amtsschimmel trabt— gegen den Sport. Im böhmischen LandeSamt hat sich die hohe Bürokratie ein Stückchen geleistet, da« nicht nur Staunen, sondern auch gerechtes Mitleid mit jenem erheischt, tvelcher diese Fleistaufgabe machte. Der mittelböhmische Gau des tschechischen bürgerlichen FustballverbandeS erhielt nämlich vom Landesamt eine Verständigung, datiert vom 16. Juni 1984, 81. 8548, datz Fustballspiele nach einem Dekret der k. k. Hofkanzlei vom 6. Jänner 1836(!) alä öffentlicheVor- führungen einer Lizenz bedürfen, wie sie die Unterhaltungsunternehmen auf den Rummelplätzen usw. haben müssen. Man weist wirklich nicht, hat dieser Bürokrat im Landesamt die Zeit verschlafen oder ist er ein so grotzer Sportfeind, dah er diesen hundertjährigen Moder im Archiv auskranite und entstaubte, damit das Sportzeitalter des 20, Jahrhunderts verschwinde? Fuhballsport— und nicht nur dieser allein— wird den Vergnügungen eine« Rummelplatzes gleichgestellt! Protestieren? Das wäre eine schwache Antwort auf diese Provokation. Der Mann weih wahrscheinlich gar nicht, was er da ungerichtet hat und welche Folgen das haben kann. Hoffentlich findet sich aber doch jemand im Landesamt, welcher den ausgebrochenen Amtsschimmel von den Sport- vlätzen in seinen Stall zurückbringt. Dann bliebe dieses bürokratische Schildbürgerstückchen eine Episode, die ein freies Lachen verdient hat. Der Ltafettenlarrf der Prager DTI wird heute Sonntag um zwei Uhr nachmittags durchgeführt. Der Start erfolgt beim Ingenieurhaus„Sia". Sanytrova ul. Der Lauf führt durch die PatiZska, über den Altstädter Ring, Dlouha, Soukenicka auf den PeterSkai zum Sportplatz auf der Hetzinsel, wo sich das Ziel befindet.— An dem Stafettenlauf nimmt auch eine Mannschaft des Prager A t u s teil. DFE. Prag gegen DSB. Saaz 3:2(0:2). In dem gestrigen Spiel auf Prager Boden nahm der DFC. für seine letzte Niederlage Revanche. Es tvar aber ein schwer errungener Sieg. Vor der Pause waren die Saazer die besseren, sowohl im Aufbau, Schiehen und Schnelligkeit. Nach der Pause trat der vorher konfus arbeitende DFC-Angriff mit zwei frischen Spielern an und von da an ging es besser, so dast noch ein Sieg errungen werden tonnte. Von den Säazern wurde Hanke knapp vor Schluß ausgeschlossen. Ob aber dem DFC. beim heutigen Spiel ein ebensolcher glücklicher Erfolg befch'eden sein wird, must abgewartet werden. Für DFC. erzielte alle Tore Fischer, während für Saaz Hanke und Hoffmann skorten. Slavia verliert einen Punkt. In dem gestern auSgetragenen Ligaspiel konnte die Slavia gegen Bohemians nur ein Unentschieden von 1:1 (1:1) erzielen. Der ausfallend schwach arbeitende Slavia-Tturm konnte sich gegen die harte Hintermannschaft der Wrschowitzer nicht durchsetzen. Nach der Pause änderte sich bei gleichwertigem Spiel nichts an dem schon feststehenden Ergebnis. Slavia hatte auch Pech: Die Absage eines Spielers zwang sie zur Einstellung eines anderen, der schon das Vorspiel mitgemacht hatte nnd zudem verlor sie Puk nach der Pause durch Verletzung. SK. Litrn schlug im Divisionsspiel Meteor VIII mit 5:8(4:2). Austria Wien siegte gestern im Meisterschaftsspiel über Liberias mit 4:8(1:1). Der tschechoslowakische Anteil von der Fußball- Weltmeisterschaft soll in nächster Zeit zur Auszahlung gelangen. Die CsAF. wird ungefähr eine V i e r t e l m i l l i o n KL erhalten, doch dürfte davon nicht viel übrig bleiben, da die Spesen der Reise und des dreiwöchigen Aufenthaltes in Italien s e h r h o ch gewesen sind. Außerdem haben Sparta nnd Slavia an die CsAF das Verlangen gestellt, dast ihnen je 18.000 KL für die Beistellung der Spieler ausbezahlt werden. Neuer Weltrekord im Schwimmer. Der Japaner M a k i n o stellte Aber 800 Meter Freistil mit 10:07.2 Min. einen neuen Weltrekord auf. Die letzte Bestleistung hielt der Franzose Taris mit 10:16.6 Min. Amerika—Japan 84:75. Die Expedition der amerikanischen Leichtathleten trug in Tokio einen Länderkampf aus, welchen sie mit einem PluS von nenn Punkten gewann. Die beste Leistung war der schon bereits gemeldete Weltrekord Metcalfes über 200 Meter in 20.2 Sek. Per Vilm Eine Frau, die«eiß, was sie will Dieser gleichgeschaltete Barrandov-Film war in seiner tschechischen Fassung schon vor einigen Wochen zu sehen, und die deutsche Version, die jetzt im Urania-Kino läuft, macht den Eindruck dieser Film-Operette nicht günstiger, sondern nur deutlicher. In dieser deutschen Fassung fehlen nämlich noch die Witze, die man dem tschechischen Publikum zu servieren gewagt hat, die aber im Herrschaftsbereich des Herrn Goebbels auch dann nicht mehr geduldet werden, wenn sie verblüffend harmlos sind. (Denn es steht ia immerhin ein Wirtschaftsführer mit dem Titel Generaldirektor im Mittelpunkt der Handlung.) Die Hauptrolle spielt in der deutschen Fassung tz i l D a g o v e r. die nichts anderes als Eleganz' zeigt üstd stimmlich hinter MarkLta Krau- sovä beträchtlich zurückbleibt. Und die Rolle der Töchter, die Trude Grotzlicht auf tschechisch nett und lebendig dargestellt hat. tvird auf deutsch von dein Nazi-Fräulein Maria Delling gespielt, deren Hltlerbcgelsteriina man verstehen kann, weil sie cs ohne das Eingreifen diktatorischen Terrors nicht einmal bis zur Statistin auf einer schlecht geleiteten Dilettantenbühne gemracht hätte. Die neue Leitung des Urania-Kinos, die niii der Aufführung der deutschen Fassung des Anne- bella-Films„Marie" und mit der Bevorzugung heimischer Filme guten Willen bekundet hat, halte's vermeiden sollen, sich mit der Aufführung dieser Richtigkeit und mit der Veranstaltung eines(ini Hinblick auf ihre Gleichschaltung und auf ihre letzten Leistungen) höchst"deplacierten Dagover-Rnmmels zu befassen. Daß• sie vor Beginn des FilmS Schall platten der Fritzi Massary spielen läßt, ans denen diese aus dem Dritten Reich Vertriebene dieselben ChansonS mit pointierender VortragSkunst singt, die Lil Dagover nachher verhunzt, zeigt ja, datz sie siil> über den Wert ihrer Darbietung selbst im klaren ist Und über die Ufa-Wochenschauen, die sie vorführt, braucht mau sie wohl auch nicht zu belehren. —cis— Die rechter dee Lrafikanti« Ans einem Bühnen-Lustspiel, in dem Vater und Sohn verwechselt werden und GcneralStöchter ihr Glück mit Grafensöhnen machen, ist ein Goebbels film geworden, in dem sich die inzwischen verstorbene. Hansi Niese zusammen mit Adele Sandrock dazu missbrauchen lätzt, für das Filmliebes- paar Käthe v. Nag h und Willi Fritsch die Slns- sage zu bilden. Es ist ein Film, den man nicht-n kritisieren braucht. Wenn man vor ihm warnt, genügt es. Mitteilungen aus dem Publikum. Stuhlverstopfung. Schon die Altmeister der Heilmittellehre haben anerkannt, datz sich das natur, liche„Franz-Josef"-Bitterwasser als ein durchaus zuverlässiges TarmrelniglingSmitiel bewährt. l Literatur Die deutsche Krise. Im Septemberheft(Nr. 11) der„Zeitschrift für Sozialismus"(Verlagsanstalt „Graphia". Karlsbad) werden die Probleme der deutschen Krise, die nach dem 80. Juni in ein akutes Stadium getreten sind, eingehend und zusammenfassend untersucht. In einer längeren Abhandlung legt Rich. Kern die drei Wurzeln der Krise bloß: Die Krise der Wirtschaft, die Krise der Auhenpoli- tik, die Erschütterung der Massenbasis der Diktatur. In dem Artikel von A. S ch i f r i n„Der Ritz in der Diktatur" wird namentlich der letzte Punkt nochmals eingehend untersucht. Den Abschluß bildet ein Aufsatz von M. S e t> d e w i tz„Hitlers Konterrevolution", in dem die Aufgaben der revolutionären Arbeiterbewegung in der gegenwärtigen Situation umrissen werden. Für die Beurteilung der Aufgaben und Aussichten der deutschen revolutionären Ent- wicklung liefern die drei einander ergänzenden Aussätze ungemein reichhaltiges Material. Die„Zeitschrift für Sozialismus", die wissenschaftliche Monatsschrift der deutschen Sozialdemokratie, die in der Verlagsanstalt„Graphia". Karlsbad, erscheint, ist durch jebe gröbere Buchhandlung oder durch die Post zu beziehen. NIim In Prager LlditspIelhRusern Bis einschließlich Donnerstag, dm 29. September. Urania-Kino, Klimentskä 4:„Eine Frau, die weih, was sie will."— Adria:„Der Heldenhafte Kapitän Korkoran." Tsch.— Alfa:„Carioca." Dolores del Rio. E.— Avion:„Der ungebetene Gast." und wer zahlt heute noch?" SamStag um halb 11 Uhr nachts amerikanischer GroteSken-Abend.— Bercknek:„Eine Frau, die Weitz, IvaS sie will." Tsch. — Ftnix:„Die treue Nymphe." E.— Flora:„Der Räuber Dick Turpin." E.— Gaumont.„Fras- quita." D.— Hollywood:„FraSquita." D.— Hvtzda:„Die geheimnisvolle Mih BaSkerville." E. — JuliS:„Die Töchter der Frau Trafikantin." D. — Kinema, B.-Th.: Journale, Lustspiel, Report. Ab halb 2 bis 6.— Koruna:„Die geheimnisvolle Mih BaSkerville." E.— Kotva:„Die Versuchung der Fran Antonie." Tsch.— Lncerna:„Die Versuchung der Frau Antonie." Tsch.— Metro:„Geschichten aus dem Wienerwald." D.— Passage:„Maskerade" D,— Praha:„Die Töchter der Fran Trafikantin," D.— Radio:„Liebe auf den zweiten Blick." D.— Staut:„Der Rächer Dick Turpin." E.— Svistozor: „Maskerade." D.— Belvedere:„Ein feiner Herr." Tsch.— Carlton:„Eine Frau, die weih, was sie will." Tsch.— Favorit:„Eine Frau, die weih, was sie will." Tsch.— Illusion:„»Liebe auf den zweiten Blick." E.— Lido:„Zpldatenleben— ein lustiger Leben." Tsch. KURÄNSTAn^’REI(HEHBERG HmlkaL 411 tat. Heilmethoden— fchnlUntiM MlBiaa Preise.— Chefarzt Dr. J. Neugebauer. AueuQnttoi Karanztalt oder dnreb K Selka, 1 Varlingen Sla In Jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER A CI«.. PILSEN Selchwaren der Fe.HEQNER* Oe.,PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN! M BezugSbedi n g ung e n: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch-die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.— ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlah.—Rückstellung von Manuskripten erfolgt mir bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeltungSfrankalur wurde von der Post« und Telegraphendirektion mit Erlah Nr. 13.800/VII/1980 betvilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und ZcitungS-A.-G.. Prag.