14. Zahrgang Donnerstag, 2V. September 1934 Einzelpreis 70 Helfer (•tnichllaMIch 5 Heller Porto) WÄÜWWWWt IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xh.. fochova«. telefon soff. Administration telefon smf«. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Streik in USA wächst Ab Montag weitere 100.000 Mann im Ausstand Tvannnn^in^Madrid Goering-Methoden in Spanien? Rach einer Reuter-Meldung aus Madrid habe die Polizei dort alle Maßnahme» zur Unterdrückung der für gestern Abend erwarteten revolntionüren Aktion getroffen, zu der die Sozialisten bereits seit längerer Zeit in großem Maßstabe gerüstet hätten. * Die jüngsten Meldungen aus. Madrid lassen befürchten, daß die Ncchtökreise dort mit allen Mitteln eine Handhabe suchen, um gegen die Linke radikal borzugchen. Am Montag brachte eine Madrider Zeitung, und nach ihr natürlich sämtliche RcchtSblnltcr, eine tolle Meldung über einen angeblichen Plan der„Marxisten", an einem bestimmten T-"e einen revolutionären Staatsstreich zu unternehmen, der mit nichts Geringerem als mit der Ermordung des Staatspräsidenten und sämtlicher K a b I• netts Mitglieder anhebcn sollte. Danach sollten dann die Arbeiter den ehemaligen Minister Large Caballero zum Führer ausrufen und ihn beauftragen, die Diktatur des Proletariats zu erklären. Diese Meldung macht durchaus den Eindruck, als käme der spanischen Regierung eine Art M v« dridcr Reichstagsbrand durchaus gelegen. Und die diversen Korrenspondenzbüros — so auch das T s chechoslkowakische— begehen den Fehler, solche Meldungen unbesehen zu übernehmen und zu verbreiten, ohne pflichtgemäß auch eine andere als die durchsichtige reaktionäre Quelle in Madrid zu benützen. Auf diese Weise tragen sic ihr Möglichstes dazu bei, die ohnehin unklare Lage in Spanien noch zu verdunkeln. Redeverbote und Pressestrafen (Madrid.) Die Regierung verbot, indem sic von der jüngsten Untersagung der Abhaltung aller öffentlichen Kundgebungen und politischen Versammlungen Gebrauch machte, eine Volksversammlung, in welcher der e h c- malige Ministerpräsident und Führer der radikalen Partei L e r r o u x, deren Mitglieder fast alle Minister der gegenwärtigen Regierung sind, sprechen sollte. lieber Antrag des Staatsanwaltes wurden zwei baskische Blätter beschlagnahmt und der Direktor des Linksblattcs„La Voz" wegen eines Artikels über die Aufdeckung von Waffen im ArbeitervolkSheim zu 1000 Peseten Geldstrafe verurteilt. Waffen lMadrid.) Die Polizei hat Mittwoch früh neue geheime Waffenlager in Madrid aufgedcckt. Zwei Zivilgardistcn hielten im lluiversiiätsviortel ein Lastautomobil an, und als sie fragten, was darin enthalten sei, gaben in einem anderen Automobil befindliche Personen einige R e v o l- v e r s ch ü s s c auf sie ab. Die Gardisten erwiderten das Feuer und verhafteten schließlich zwei Personen, Universitütsstudcntcn, die in extrem linken Parteien organisiert sind. Bei der Durchsuchung deS Lastautomobils fand man vier M a s ch i n e n g c w e h r c, eine Menge Gewehre, Bomben und Munition. Keine Kürzung der Staatsbeamten-Pensionen Prag. Einige Blätter brachten die Nachricht, daß eine Kürzung der Pensionen der Staats- bcamtcn vorbereitet wird. Das Tschechoslowakische Prcßbiiro ist von kompetenter Stelle zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachrichten, soweit, sic die Zeitungen verzeichnet haben, vollkommen ersuchen sind, lieber etwas Derartiges wurde an nmßgcbenden Stellen überhaupt nicht verhandelt und es hat auch niemand eine derartige Forderung erhoben. kW a s h i» g t o».) Der Vollzugsrat der amerikanischen Textilarbeiter- Gewerkschaften hat de» Strrikanoschuß ermächtigt, auch für dir übrige» angeschloffeur» Gewerkschaften der Ku n st s e i d e nindnstrie, der chemischen Rein u n g oindustrie und der W i r k w a r e n- industrie den Generalstreik zg erkläre». Der Vorsitzende deS StreiknnsschufleS Gorman erklärte» daß der S tz m p a t h i e st r e i k am M o n- t a g beginnen werde. Durch die StreikauSdeh- nung würden weitere 100.000 Arbeiter betroffen. Weitere Mcldnngeu besagen, daß immer neue Textilbetriebe stillgelrgt werde», daß aber in de» Südstaaten angeblich nur ei» Drittel der Textiler im Streik stehe». I» B e l m o n t(Rordkarolina) machten sich etwa 400 Streikende am Dienstag abends daran, eine Fabrik mit Steinen zu bewerfen. Sie wurden von Nationalgardifteik auSrinanderge- trieben, wobei einige durch Bajonett st iche verletzt wurden. In W a t e r v i l l e(Staat Maine) kam es zwischen den Streikenden und der Polizei zu heftigen Zusammenstöße». Die Streikenden warfen in einer Fabrik mit S t e i n e n di« Fenster ein. Die Polizei verwendete gegen die Streikenden Gummiknüppel und Tränengas. Nun liegen auch die Berichte über die am vergangenen Sonntag in Schweden bei den Landtagswahlen von den einzelnen Parteien erzielten Stimmzahlcn vor: Sozialdemokraten 082.000(4-108.000) Bauernpartei.. 279.000(+ 51.000) Konservative.. 372.000(— 17.000) Bolkspartei.. 207.000(— 6.000) Linkssozialistc». 58.000(+ 23.000) Moskau-Kommunisten 42.000(+ 24.000) Nationalsozialisten 8.600 Zum Vergleich lvurdc die Stimnizahl bei den letzten LandtagSwahlcn im Jahre 1930 genommen. Der Stimmengewinn der Sozialdemokraten ist noch größer, als der bei den ReichStagswahlcn im Jahre 1932, die die sozialdemokratische Regie- Sever In Lebensgefahr! . Gestern wurde vom Tschechoslowakischen Presiebüro aus Wien der Tod des Genossen S e- v e r gemeldet. Die Meldung Ivurde später widerrufen.(SeverS Frau wurde bei den Kämpfen in Ottakring schwer verletzt und erlag ihren Verwundungen. Sever selbst lvurde in Haft genommen und wurde im Gefängnis irrsinnig.) Wie ernst es mit dem Genossen Sever bestellt ist, belveist ein uns vorliegender Prjvat- bericht über einen Besuch in der Psychiatrischen Klinik, in der Sever untergebracht ist: „Ich habe heute den Sever gesehen— und habe geweint. Er ist immer noch auf der Psychiatrischen Klinik und wird wegen eines Armleidens zur physikalischen Behandlung in die entsprechende Abteilung gebracht, in dec auch ich behandelt werde. Niemals hätte ich in diesem alten, gebrochenen Mann Sever erkannt. Ein anderer Patient hat ihn jedoch erkannt. Auf einmal gabs unter den Patienten ein Zischeln und Raunen, ein Deuten auf einen alten Mann in SpitalSfleidung —„ der S e v e r",„der Sever" war zu hören. Ich begriff nicht gleich, es ist auch unfaß- AlS sie vier Demonstranten verhaftete, versuchte die Menge diese zn. befreien,'was jedoch mißglückte. Cs wurde die R a t i o n a l g a r d e einberufen. In Porterville im Siaaie Maine stürmten Streikposten die Umzäunung einer großen Textilfabrik und zerirünuncrten ciwa 100 Fabriksfcu- ster mit Steinwürfen. Fast gleichzeitig kam cS vor einer anderen Textilfabrik zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizcibcamtcn und Streikenden. Der Gouverneur hat mehrere Abteilungen Nationalgarde nach Porterville entsandt. Auch iu Partcnburg im Staate Süd-Karolina bombardierten Streikende eine Textilfabrik mit Steinen. Ueberall ging die Polizei mit Tränengasbomben und Gummiknüppeln gegen die Menge vor. In Jitlehalle im Staate New'»York trieben Polizisten und Feuerwehrleute eine fliegende Strcikkolonnc, die Arbeitswillige angegriffen hatte, mit Tränengasbomben und Wasserstrahlen zurück. Bei den schweren Unruhen in Nord- und Südkarolina haben bisher neun Personen den Tod gefunden, zahlreiche Arbeiter und Polizeibeamtc-wurden verwundet. rung in den Sattel hoben. Der sozialdemokratische Stimmeuanicil auf dem flachen Lande hat diesmal 41.5 Prozent betragen, während der Stinnncnanteil m i t den großen Städten im Fahre 1032 41.7 Prozent war. Wenn man in Rechnung stellt, daß cS in den großen Städten, wie Göteborg, Norköpping, Helsingborg, Stockholm u. a. große sozialdemokratische Mehrheiten gibt, tritt der Vormarsch der Sozialdemokratie auf dem flachen Land erst richtig in Erscheinung. Da die Provinziallandtage und die Gcmcinderäte die Abgeordneten der Ersten Kammer wählen, Ivcrdcn die sonntägigen Wahlen zum Ergebnis haben, daß in Zukunft die Sozialdemokraten in der Ersten Kammer von 150 Sitzen nicht weniger als 71 einnchmen werden. Sie haben in acht von den 24 Provinziallandlagen die absolute Mehrheit. barl Diese eingesunkene Gestalt, diese hilflos blickenden blauen Augen, aus denen auch jetzt nur Güte sieht, dieser Haufen von Elend— das soll unser Sever sei»? Stumm suchte» sich unsere Blicke, wir tasteten einander förmlich mit den Augen ab. Sprechen konnten wir nicht, ein strenger Pfleger stand daneben. Aber Ivir haben uns verstanden— alle haben wir uns verstanden. DaS war der Trost dieses trostlosen Augenblicks. Staunen, Schmerz, Tränen, zusammeiigekniffene Lippen, schlecht verhehlte Empörung, Ivaren zu sehen. Wie würdelos diese Christenregierung um uns Arbeiter buhlt und von Versöhnung sprlchtl Aber nur spricht, das tvurde uns beim Anblick unseres lieben Sever klar. Und es'ist nur einer vo» unendlich vielen, die da systematisch zu Tode gequält werden.— Nein, wir wollen keine Versöhnung mit diesen Unchristen— wir wollen Rach ei" Papen In Wien Wie». Wie das„Weltblatt" mitteilt, wird der deutsche Gesandte von Papen Ende dieser Woche von seinem Urlaub nach Wien zurückkchrcn und die Leitung seines Amtes übernehmen. Der Freiheitskampf an der Saar Am 13. Jänner 1935 sollen die Bewohner deS SaargcbietS über ihr zukünftiges staatspoli- tischcS Schicksal entscheiden. Die Bestimmungen des Versailler Friedcnsvcrtragcs lassen drei Möglichkeiten für diese Abstimmung zu: Dio .Rückgliederung des SaargcbietS an Deutschland, den Anschluß an Frankreich oder die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen staatsrechtlichen Zustandes, der Verwaltung des SaargcbietS unter der Kontrolle des Völkerbundes. Vor dem 30. Jänner 1933 stand die Entscheidung der Saar- bcvölkcrtmg außer jedem Zweifel. Sie hätte sich für Deutschland ausgesprochen, denn sie ist ein Teil des deutsche» Volkes, und sie hat die Zeit der VälkcrbnndSregierung im Saargebict stets nur als eine Episode in der Geschichte dieses Teils des Deutschen Reiches angesehen, die sie so schnell wie möglich durch die Rückgliederung des Saar- gebiets an Deutschland beenden wollte. An diesem eindeutigen Bekenntnis zu Deutschland hat sich bis heute bei der ganz überwiegenden Mehrheit der 520.000 Abstinunungs. berechtigten nichts geändert. Wenn trotzdem der Abstimmungskampf an der Saar zu einem europäischen Ereignis geworden ist, wenn heute an der Saar täglich und stündlich ein erbitterter Kampf um die Sicherung einer freien und un- abhängige» Volksabstimmung geführt wird, dann ist das ausschließlich und allein Hitlers Werk. Das Dritte Reich, das jetzt mit einem ungeheueren Aufwand an Mitteln, mit allen Schikanen des Terrors und des Gewissenszwanges die Entscheidung im Saargebict für Hitler- dcutschland erzwingen will, hat nichts gemein mit dem Deutschland der Demokratie, der Frei- heit und der Kultur, zn dem die Saarländer zu- rückkehren wollen. An den Grenzen des Saar, gebiets beginnt heute die Welt einer Diktatur, die Recht und Gesetz mit Füßen tritt, und die kein anderes Ziel kennt als die staatliche Macht, Wirtschaft und Kultnr eines 65 Millionen-Vol. kcS den reinsten Partciintcresscn dienstbar zn machen. Die Saarländer haben die grauenvolle Entwicklungsgeschichte der Hitlerdiktatur ändert- halb Jahre miterlcbt; aber nicht als rechtlose Objekte dieser Entwicklung, sondern als Menschen, die noch die Freiheit der Entschließung über ihr zukünftiges Schicksal besitzen. Sie wis. scn heute, daß die Völkerbundsvcrwaltung im Saargebict trotz aller ihrer Mängel dem Schick, sal vorzuzichen ist, das ihnen im Falle einer Rückgliederung an das Reich unter der Herr- schäft Hitlers blüht. Aus dieser Erkenntnis ist die Parole entstanden, die heute die Parole aller frei h ei't liebe»den Saarländer ist: F ü r Deutschland, aber gegen Hitlerl Keine Auslieferung des SaargcbietS an die Hit- lerdiktatur, sondern Aufrechterhaltung deS jetzigen staatsrechtlichen Zustandes, des sta- tu s g u o. Der Kampf für diese Parole wurde zuerst allein geführt von der F r e i h c i t s f r o n t an der Saar, in der die Sozialdemokratische Partei des SaargcbietS, die freien Gewerkschaften und die Arbeiter-Sport- und Kulturorganisationen zusannnengcschlossen sind. Der Hauptgegner der Freiheitsfront ist die Deutsche Front, die Sam- melorganisation aller der Verbände und Grup- gen, die kein anderes Ziel kennen, als diesen letzten Zipfel freien deutschen Landes dem bräunest Terror auszulicfern. Die Deutsche Front bezieht die Mittel und Methoden ihres Kampfes aus Hitlcrdcutschland. Sie lockt mit großen Versprechungen, sie" arbeitet mit enormen Geldmitteln, sie terrorisiert, sie boykottiert, sie beschimpft jeden Andersdenkenden als Landesverräter, kurzum, sie erweist sich als treue Dienerin und gelehrige Schülerin Hitlers und Goebbels. Hitler und seine Kumpane fürchte n die Abstimmung. Sic wissen, daß ihre Aussichten vor allem nach dem 30. Juni und nach dem 25. Oer Erfolg der schwedischen Sozialdemokraten GröBer als bei den letzten Reichstagswahlen Vormarsch auf dem flachen Land (Seite 2 Donnerstag, 20. Septemlier 1034 Rr. 220 Juli stark gesunken sind. Sie kennen die wirklichen AbstimmungSergebyisse vom 19. August in den Wahlbezirken an der Saargrenze, in denen selbst die amtlichen Veröffentlichungen 40 bis 50 Prozent Nein-Stimmen zugeben mußten. Ein Sieg der Statuö-quo-Anhänger oder auch nur die Erringung einer großen Minderheit für den status guo würde die schwer st eaußen- politische Niederlage Hitlers bedeuten und sie würde vor allem in Deutschland selbst dem Glauben an die Unbesiegbarkeit Hitlers einen entscheidenden Stoß versetzen. Es wird ihnen daher in den nächsten Monaten keine Summe zu hoch und kein Mittel zu schlecht sein, um die Entscheidung in ihren, Sinne zu be- einflussen. Auf der anderen Seite befindet sich die Frciheitsfront feit Wochen in der O f f e n s i v e. Sie entfaltet nicht nur eine starke werbende Kraft in den Kreisen der sozialdemokratischen Anhänger. sondern ihre Parole gewinnt auch an Werbe- kraft in der katholischen Bevölkerung des SaargcbietS. Die Katholiken bilden im Saarge- biet mit 72 Prozent der Bevölkerung den ent- scheidenden politischen Faktor, und für sie stand noch lange nach dem 30. Jänner 1933 die Ab- stimmung für Deutschland außer Frage. Jetzt aber, nach den, 30. Juni, nach der Ermordung führender katholischer Persönlichkeiten, nach der Unterdrückung der katholischen Jugendorganisa- tionen und unter dem Eindruck der ständigen Bedrohung der katholischen Glaubens- und Lehrfreiheit wächst die Zahl derer von Tag zu Tag, die vor einem„Ja" für Hitlerdeutschland zu, rückschrecken und die die weitere Entwicklung des Dritten Reiches nach dem 13. Jänner 1935 doch lieber unter dem wirksamen Schutz des Völker- bundes abwarten möchten. Wahrend dieser Stimmungsumschwung in der katholischen Bevölkerung auch bürgerliche Schichten erfaßt, hat die Front der Anhänger des status guo im Lager der Arbeiterschaft eine be- deutsame Verstärkung durch die Herstellung einer Einheitsfront zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten erfahren. Die Kommunisten im Saargebiet haben bei den letzten Wahlen zum Landesrat eine wesentlich höhere Stimmenzahl erzielt als die Sozialdemokraten. Ihre Haltung im Abstimmungskampf ist deshalb von erheb- licher Bedeutung. Bis zum Abschluß des Ein- heitsfrontabkonnncns haben sie die völlig unsinnige Parole eines selbständigen Räte-Saar- st a a t e S vertreten und lehnten die„separa- tistische" Parole der Freiheitsfront schroff ab.' Als jedoch der Abstimmungskampf intensiver wurde und als die Gefahr näher rückte, daß die Aufrechterhaltung einer selbständigen, aber aussichtslosen kommunistischen Parole zu einem siche- ren Sieg der Deutschen Front, zu einer Aus- lieferung des SaargcbietS an die Hitlerdiktatur führen könnte, schloffen sich die Kommunisten dem Standpunkt der Freiheits- f r o n t an und entschieden sich für den statuS guo. Erst nach diesem Kurswechsel, erst nach der Anerkennung deS sozialdemokratischen Standpunktes in der entscheidenden politischen Frage, kam kin Tatsacken-Xvman Polna— HilSner— um die Jahrhundertwende waren diese Namen jedem europäischen ZcitungSlesec geläufig. Das kleine böhmische Städtchen an der südwestlichen Grenze Mährens war durch einen Mädchenmord, der von dem jüdischen Gelegenheitsarbeiter HilSner verübt worden sein sollte, plötzlich berühmt geworden. Eine böse Berühmtheit! O. die meisten der Polnaer Bürger waren damals fast stolz auf diese Art von Berühmtheit! Nicht ettva, weil sie das Verbrechen mehr liebten als die Menschen anderswo oder weil sie besondere, überdurchschnittliche Freude an gruseligen Geschichten hatten, oder weil eS ihrer Eitelkeit schmeichelte, den Namen des sonst so wenig beachtete» Städtchens plötzlich in allen Zeitungen gedruckt zu sehen. Tag für Tag. Nein, das alles, mochte es mit eine Rolle spielen, war doch nicht entscheidend. Das aber: die Polnaer Bürger waren stolz geworden, weil in ihre Stadt, um das grausige Geschehnis bei ihrer Stadt ein die menschliche Gesellschaft in zwei Lager spaltender Kampf entbrannt war, weil der Name Polna zu einem Symbol geworden war und sie davon überzeugt waren, im richtigen Lager zu stehen, im Lager der Wahrheitverkünder— im Lager der Ritualmordgläubigen I DaS ermordete Mädchen war Christin, der des Mordes Verdächtige— bloß Verdächtige, zunächst nicht einmal ernstlich Verdächtige— war Jude. Was Wunder, daß rasch Ritualmord« gerüchte aufflackerten. Sie wurden künstlich genährt. In Wien von den damals noch sehr mächtigen christlichsozialen Führern Vergant. Ernst Schneider, Bielohlawek, in Prag von tschechischen Chauvinisten. Die Judenhetze führte deutsche und tschechische Nationalisten in eine Front. Deutsche und tschechische antisemitische Zeitungen hetzten unermüdlich gegen die Juden. Die liberalen Blätter waren, was ja seit jeher das besondere Kennzeichen der österreichischen Spielart des Liberalismus war, feige, zu feige jedenfalls, um wirklich entschlossen Front, gegen die Ritualmordhetze zu ' machen. Die k. k. Regierung duldete wohlwollend eS zu der Vereinbarung zwischen Sozialdemo, kraten und Kommunisten, den Saarkampf in gemeinsamer Front für die sozialdemokratische Parole zu führen. ES handelt sich hier also um eine AktionSgemeinschast, die sich nicht allein stützt auf die Uebereinssimmung der beiden Partner im Negativen, nämlich in der Ablehnung der Hitlerdiktatur, sondern vor allem im Post t i v e n, in der Erhaltung des gegenwärtigen staatsrechtlichen Zustandes. Wenn daher in den Diskussionen über die Saarfrage auch das bedeutungsvolle Ereignis eines Zusammengehen» zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten eine Rolle spielt, so darf nie außer acht gelassen werden» daß im Saarge- biet diese Zusammenarbeit zustandcgekommen ist auf der Grundlage der Anerkennung deS sozialdemokratischen Standpunktes durch die Kommu nisten. Leider sind die Fälle sehr selten, in denen die Kommunisten dadurch eine ernsthafte Diskussion über ein gemeinsames Zusammengehen der Arbeiterschaft ermöglichen, daß sie sich in den entscheidenden Fragen der praktischen Po- litik der Arbeiterschaft dem Standpunkt der So- zialdemokratie anschließen. Für das Saargebiet bedeutet die Einheits- front zwischen Kommunisten und Sozialdemokra- ten zweifellos eine erhebliche Stärkung der Er- folgsaussichten des Freiheitskampfes. Die Mög- lichkeit ist gegeben, daß das Saargebiet am 13. Jänner der Welt ein Beispiel gibt, daß der Faseisinus, in welcher Färbung er sich auch repräsentiert, geschlagen wird, wenn die Massen der Arbeiterschaft und darüber hinaus alle freiheitliebenden Kräfte sich zusammenfin- den im Kampf für Rechte und Menschenwürde, für Freiheit und Frieden. Bürgerliche Einheitsfront in Böhm.*Leipa Henlein an der Spitze be» antimarxistischen Block» In Böhm.-Leipa werden— möglicherweise am 14. Oktober— Gemeindewahlen stattfinden, die deswegen fällig sind, weil der Ortsteil Alt- leipa, der bisher zur politischen Gemeinde Böhm.- Leipa gehört hat, nunmehr selbständige Gemeinde geworden ist. Unter den bürgerlichen Parteien sind nun allerhand Konzentrationsbestrebungen im Gange, um der Sozialdemokratie möglichst einheitlich entgegenzutreten. Zunächst ist— bezeichnenderweise von der Partei des Herrn Spina, der bekanntlich noch immer Minister der Tschechoflo- wakrschen Republik ist— ein Wahlbündnis zwischen dem Bund der Landwirte, der Gewerbepartei und der Heimatfront, also eine Einheitsliste Spina—Stenzl—Henlein vorgeschlagen worden Dagegen gab die Arbeit»« und Wirtschaftsgemeinschaft und gaben auch die Christlichsozialen(dies alle» meldet die„Bohemia") die Anregung, Verhandlungen mit allen deutschen Parteien, auch der deutschen Sozialdemokratie, einzuleiten, um eine gemeinsame deutsche Liste aufzustellen. Nun macht aber die Presiestelle der Sudetendeutschen Heimatfront der„Bohemia" die„erfreuliche" Mitteilung, daß die Heimatfront den Gegenvorschlag einer Einheitsliste aller deutschen nichtmarxistischen Parteien machen tverde. Bezeichnend ist zunächst, daß dieser Vorschlag der Heimatfront von der„Bbhemia" als erfreulich bezeichnet wird. Die Leipaer Deutschdemokraten schlagen eine deutsche Einheitsliste vor, in die auch die Sozialdemokraten einbezogen werden sollen, das Hauptorgan derselben Partei, die„Bohemia", aber findet die einheitliche antimarxistische Liste„erfreulich", woraus hervorgeht, daß das Hauptorgan der demokratischen Partei stolz darauf ist, reaktionärer zu sein al» die Leipaer Demokraten, was diese sicherlich nicht unbeachtet lasten werden. Aber das ist nicht die Hauptsache bei der ganzen Geschichte. Interessanter ist, daß Herr Henlein den gesamten bürgerlichen Heerbann um sich sammeln und als bürgerlich-kapitalistischer St. Georg den Drachen Proletariat erlegen will. Da gibt sich der Herr Sandner so viel Mühe, auch Arbeiter für die Heimatfront zu gewinnen, aber die Kameradschafts- bündler, die in der Hauptleitung der Heimatfront sitzen und als Akademiker auf den Emporkömmling Sandner geringschätzig herabblicken, sehen ihre Politik der bürgerlichen Sammlung gegen die Sozialdemokratie durch. Die Bekämpfung der Sozialdemokraten ist die erste der ungetarnten Aufgaben des Henlein und seines Klüngels— fc lange er mit den anderen großen Aufgaben der Gleichschaltung des Sudetendeutschtums nicht herausrücken kann. Man kann nur begierig sein, ob der Plan Henlein bei den Wahlen in Leipa die bürgerlichen Parteien unter seiner Führung zu gemeinsamem Vorgehen zu bringen, gelingen wird. Daß die Landbündler und die Demokraten, vielleicht auch die Gewcrbeparteiler mit fliegenden Fahnen zu Henleins Heerbann übergehen werden, ist sehr leicht möglich. Ob aber auch die Christlichsozialen, die in ihrem Hauptorgan der Heimatfront einige Gefechte geliefert haben, mit Henlein gemeinsame Sache machen werden, bleibt abzuwarten. In den Herzen der Christlichsozialen streitet der bürger- lich-antisozialistische Sinn mit dem Parteiinter» esse, da» ihnen gebietet, einen wenn auch vielleicht kleineren Teil der obdachlos gewordenen bisherigen Wähler der deutschnationalen und nationalsozialistischen Partei zu gewinnen. Gehen sie auf Henleins Angebot ein, dann wird für jeden denkenden Mensckicn klar sein, daß die Polemiken der„Dentschen Preste" Scheingefechte waren und daß die christlichsoziale Partei ihren Daseinszweck in der Bekämpfung der Sozialdemokratie sieht. Für die Arbeiterschaft und für jeden wahrhaften Demokraten wäre die bürgerliche Einheitsfront in Leipa, wenn sie zustandekommt, ein außerordentlich werwoller Anschauungsunterricht. Sie würde das Bestehen einer antidemokratischen Koalition im Sudetendeutschtum unter Führung Henleins anzeigen. Jene Demokraten, die heute noch im Lager der bürgerlichen Parteien stehen, wurden dann erkenne», daß es nur eine wahrhaft demokratische Partei im Sudetendeutschtum gibt: die deutsche Sozialdemokratie das scheußliche Treiben der Antisemiten. Schließlich geriet die Bevölkerung nicht nur Polnas, sondern ganzer Landstriche, in einen hysterischen Taumel. In aflen Ecken flatterten Ritualmordgerüchte auf. Da und dort kam es zu antisemitischen Exzessen. Bor Gericht wagte kaum noch ein Zeuge objektiv zu sein. Die meisten konnten eS gar nicht sein. Hatten doch welche schon den Teufel Handschrift stand auch diesmal Masaryk fast allein. Studentendemonstrationen gegen ihn an der Universität, vor seiner Wohnung,— in den Zeitungen die Iviistesten Angriffe gegen ihn— aber Masaryk führte unbeirrbar den Kampf fort. DaS ist einer der Masaryk am meisten ehrenden Aussprache aus damaliger Zeit:„Ich kann in dieser Lust nicht leben!" Der WahrheitSsanatiker au» den Schornsteinen„jüdischer" Häuser reiten gesehen... I HilSner wurde zum Tode verurteilt. — Wenige nur waren e», die nicht vor Freude jauchzten, al» der Jude verurteilt war. Ein paar Männer gab eS, die die Wahrheit suchten. Einer davon war Thomas G. Masaryk, damals Professor in Prag. Masaryk war einer der heftigsten Kämpfer für die Revision deS ProzesteS. Masaryk führte damals einen wahrhaft heldenhaften Kampf, einen Kampf, der seine ganze sittliche Größe zeigte... Go wie im Kampfe gegen die Königinhofer konnte in dieser Luft der Lüge nicht leben— er mußte, mußte einfach, seinem innersten Gesetze folgend, den Kampf gegen die Lüge führen! Fast war, wie im Dreysus-Prozeh, der Mann, nm desten Kopf eS ging, nebensächlich. DreyfnS war ein keineswegs heroischer Charakter, war nicht mehr als ein uniformierter Kleinbürger. Und doch entbrannte um ihn einer der größten, der heftigsten, der folgenschwersten geistigen Kämpfe der neueren Zeit! HilSner war als Mensch wirklich wenig wert, war ein vagabundierender, bettelnder arbeitsscheuer Bursche, auch mit der alle» gehen muß, was die Demokratie In diesem Lande erhalten und damit den Deutschen in der Tschechoslowakei einen Einfluß auf die Staatsgeschäfte sichern will. Gemelndeabgaben und Landesbeltrlge Der Landesausschuß behandelte in der Sitzung am Mittwoch, den 19. September, u. a. die Richtlinien für die Zuteilung der Landesbeiträge an Gemeinden und Bezirke für das Jahr 1984, nach dem Gesetze Nr. 169 vom 7. November 1980. Bekanntlich hat der Landesausschuß am 28. Feber 1984, den Beschluß gefaßt, den Landesbeitrag nur jenen Gemeinden zu gewähren, in welchen alle Abgaben, besonders aber die Miet« zinsabgabe zu den Höchstsätzen eingeführt wurden. Dieser Beschluß, auf desten Realisierung die Bezirksämter drängten, rief in den Gemeinden große Erregung hervor, weil es in den meisten Gemeinden in der Zeit der Wirtschaftskrise unmöglich ist, alle Abgaben und noch dazu zu den Höchstsätzen einzuführen. Dieser Aufruhr in den Gemeinden scheint nun doch dem LandeSauöschuß die Ueberzeugung gebracht zu haben, daß der seinerzeitige Beschluß gemildert werden miiste und führte in der genannten Sitzung dazu, daß nunmehr für die Gewährung der Landesbeiträge an die Gemeinden für das Jahr 1934 wohl nach wie vor die Einführung der Gemeindeabgaben zu den Höchstsätzen Voraussetzung ist, aber nur im Prinzip» denn der Landesausschuß sagt in seinem neuen Beschluß: Die Bewilligung der Lan« deSbciträge nach dem Gesetze Nr. 169/1930 ist von der Einführung der Gcmeindeabgaben zu den Höchstsätzen abhängig, wenn die hiezu sachlichen Bedingungen gegeben sind und es die örtlichen Verhältniste ermöglichen. Diese Aenderung deS Wortlautes in der wichtigsten Bestimmung der Richtlinien für die Gewährung der Landesbeiträge an Gemeinden, gibt einigermaßen Sicherheit für den gesetzlichen Anspruch der notleidenden Gemeinden auf einen Beitrag von Seite des Landes zum Ausgleich des Voranschlages und schafft die Möglichkeit zu sachlicher Arbeit in der Gemeinde. Der Zusammentritt de» Wirtschaftsrate» der Kleinen Entente in Belgrad wurde für den 24. d. M. festgesetzt. Der„Prager Mittag" antwortet uns mit einer längeren Notiz, die dartun sofl, daß die Art seiner Aufmachung des Burgenlandjubels für die Habsburger kein Hilfsdienst für die Habsburger war.' Wir nehmen die' Erklärung des „Prager Mittag" in der Hoffnung zur Kenntnis, daß er künftighin im Handeln wie im Unterlasten den sonderbaren Eindruck tilgen wird, den seine Haltung zu Oesterreich in den letzten Wochen hervorrief und der auch der Anlaß unserer notwendigen Fragestellung war. Gamelln bei Samal (Prag.) Der Ghef des Generalstabes der französischen Armee, Armeegeneral Gamelin, besuchte Dienstag um 11 Uhr vormittags den Kanzler des Präsidenten der Republik Dr. Sä« mal. Er schrieb sich in das Audkenzbuch ein und ersuchte den Kanzler, dem Präsidenten der Republik seine Verehrung und Grüße zu übermitteln. etwas beschränkt. Aber auch einen Vagabunden durfte man nicht durch die Lüge, durch eine politischen Zwecken dienende Lüge vernichten lasten! Noch weniger durfte man eine gegen die Gesamtheit der Juden gerichtete tückische Lüge den ganten Gesellschaftskörper durchwuchern und zersetzen lasten! Masaryk kämpfte gegen die Ritualmord« Lüge... Er vermochte sie nicht zu töten. Dreieinhalb Jahrzehnte schlief diese tückischeste, verbrecherischeste aller Lügen. Der Sieg des Nationalsozialismus, der ein Sieg der Lüge war, schuf auch dieser Lüge freie Bahn. Der Gebildete lächelt überlegen:„Das glaubt doch niemand!" Blätter wie der Nürnberger„Stürmer" des Pathologen Streicher, eines Freundes des„Führers", werden viel gelesen und haben große Wirkung, weil sie bewußt an das Niedrige, Bestialische im Menschen sich wenden. Und diese Blätter wiederholen immer wieder das Ritualmordmärchen l Es ist noch gar nicht lange her, daß der„Stürmer" ein Bild brachte, das zwei ein Christenmädchen„schäch- tende" Juden zeigte! DaS Ritualmordmärchen wird geglaubt! WaS vor dreieinhalb Jahrzehnten möglich war, ist auch heute noch möglich! WaS damals geschah, das erzählt Bruno Adler in dem Roman„KampfnmPolna", den wir morgen abzudrucken beginnen.„Kampf um Polna" wird vom verfaffer selber ein„Tat- sachenroman" genannt. Dieser Roman ist nicht Werk dichterischer Phantasie— das Leben selber hat ihn gedichtet. Bruno Adler reihte die Tatsachen als Erzähler aneinander. Dieser Roman der Wirklichkeit, dieser Tatsachenroman wirkt aber wahrlich nicht weniger spannend als ein erfundener— und er ist unheimlich zeitgemäß. Vielleicht ist er es auch in anderem Ginne al» dem, daß wieder der Judenhaß durch die Länder rast,— wie damals. Vielleicht entzündet sich gerade im Kampfe gegen den verbrecherischen FaseiSmuS die Flamme einer edleren Menschlichkeit, so wie damals, als der tapfere Masaryk vortrat und sein Wort erhob, weil er nicht schweigen-konnte— weil er in jener dumpfen Luft der Lüge nicht atmen konnte. Ur. 220 Donnerstag, 20. Grvtemtzer 1934 Sette 8 Koälitlonspolitih der Kommunisten Versöhnung mit Mussolini! . Bon Pietro Rennt Offenbar um die Monotonie dieser ereignislosen Tage zu überwinden, hat der„Daily Telegraph" eine Nachricht veröffentlicht, die rasch eine Keife durch die Weltpresse angetreten hat. Mit riesigen Lettern teilte daS englische Blatt und nach ihm zahlreiche andere— nicht mehr und nicht weniger mit, als die Versöhnung der sozialistischen Partei mit Mussolini. Grundlage dieser „sensationellen" Nachricht war ein Ereignis, das sich vor einigen Monaten abgespielt hat, nämlich eine Unterredung zwischen Caldara und Mussolini. Die„sensationelle" Veröffentlichung des„Daily Telegraph" enthält nichts Neues, abgesehen von einigen Details, die uns zeigen, dass auch der alternde Mussolini der Demagoge bleibt, der er immer war. Danach soll Taldara, der frühere sozialistische Bürgermeister von Mailand Mussolini höflich mit den Worten:„Guten Tag Exzellenz" begrüßt haben. Mussolini habe darauf geantwortet:„ES gibt hier keine Exzellenz, nennen Sie mich Genosse. Ich bin ebenso sehr Sozialist wie Sie, mit dem einzigen Unterschied, daß Sie vom Sozialismus reden, während ich Ihre Idee auf anderen Wegen vorwärts zu treiben suche."(Zwecks Bestätigung wende man sich an die in den Gefängnissen Italiens lebendig begrabenen Genossen oder an den ersten italienischen Arbeiter» dem man begegnet.) _ Der Korrespondent des„Daily Telegraph" erzählt weiter, Caldara habe erklärt, für ihn und seine Freunde sei die Vorbedingung für die Mitarbeit in den Korporationen die Wiederherstellung der Freiheit. Darauf habe Mussolini geantwortet:„Ich werde Ihnen die kollektive, aber nicht die individuelle Freiheit geben." Wir verzichten darauf, verstehen zu wollen, was kollektive Freiheit ist, die nicht in individueller Freiheit zum Ausdruck kommt. Es gibt eine einzige Freiheit, die wir nicht wollen» das ist die Freiheit, die Arbeiter auözubeuten und vom Ertrag ihrer Arbeit zu leben. Gerade diese Freiheit aber i st die einzige, die derFascis« muS schützt und garantiert. Wesentlicher ist jener Teil der„Enthüllungen" deS„Daily Telegraph", worin der englische Journalist sich bemüht, die Annäherung Mussolinis an Caldara zu erklären. Seine Erklärung besteht in drei Punkten: für den Ausbau des Korporationsstaates gelte es, sich nicht an unwissende Leute zu wenden, wie die es sind, die aus den Reihen des FasciSmuS hervorgegangen sind, sondern an tüchtige und gutgewillte Mitarbeiter; es ist notwendig, die Massen dazu zu veranlassen, daß sie die„energischen Einschränkungen" und den neuen«Lohnabbau" akzeptieren, die durch den Zusammenbruch der Wirtschaft und die rasende Steigerung der Arbeitslosigkeit notwendig geworden sind(30.000 Arbeitslose mehr in einem Monat); ganz allgemein ist es notivendig. die Feindschaft der Massen gegen das Korporationen« system und die fascistische Verwaltung zu entwaffnen. In dieser Hinsicht ist die Untersuchung deS englischen Journalisten von großer Bedeutung und seine Schlußfolgerungen kommen der Wahrheit sehr nahe. Es ist bekannt, daß die Affäre Caldara beendet ist, daß die Mailänder Sozialisten seinen Schritt mißbilligten, daß der ehemalige Bürgermeister von Mailand selbst erklärt hat, er stehe außerhalb der aktiven Politik und wolle auch dort bleiben. Was übrig bleibt, ist eine politische Tatsache, derBersuch Mussolinis, die Sozialisten in eine Falle zu locken und zu korrumpieren, eben jene Sozialisten, die der Duce feierlich für tot und begraben erklärt, die aber in Wirklichkeit lebendiger sind als je und entschlossen bleiben, sich in keine Falle locken und sich nicht korrumpieren zu lassen. Ich glaube nicht, daß Mussolini unter den Sozialisten Schwächlinge finden wird, die sich für seine Manöver hergeben. Aber selbst ivenn es ihm gelänge, da oder dort im Schlamm zusammenbrechender Charaktere Renegaten zu finden, so wird die Partei stark genug sein, diese Manöver zu vereiteln. Mussolini hat durch seine Nachrichtenagentur Stefani offiziell die Meldung des„Daily Telegraph" dementieren lassen und damit besteigt, daß der Fall Caldara liquidier t ist. Liquidiert hat ihn die Partei, die unkäuflich und unversehrt bleibt und die entschlossener ist als je, den Kampf für die Befreiung der Werktätigen von der Unterdrückung durch den FasciSmuS bis zum Ende zu führen. Japan sucht neuen Konfliktstoff (Chardin.)(Reuter.) Eine amtliche Erklärung des mandschurischen Außenministeriums beschuldigt die Sowjetarmee, bei der Mündung deS Ussuri in den Amur mandschurische Gebiete besetzt und dort ausgedehnte Befestigungen errichtet zu haben., Die Regierung von Mandschukuo hat dem Generalkonsul der Sowjets eine Note überreicht) in welcher sie energisch gegen die Besetzung eines Gebietes protestiert, über welches ihr auf Grund deS im Jahre 1880 in Peking abgeschlos-. senen chinesisch-russischen UebereinkommenS die Oberhoheit zuerkannt ist. In den„Europäischen Heften", einer entschieden antifaseisttschen, aber nicht sozialdemokratischen Zeitschrift finden wir eine bemerkenswerte Betrachtung über den Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund, der wir die nachstehenden Stellen entnehmen: Sowjetrußlands Eintritt in den Völkerbund, feierlich vollzogen, ist mehr als eine diplomatische Annäherung der Sowjetunion an Frankreich; die Sowjetunion trägt von September 1034 an entscheidende Mitverantwortung für alles, was der Völkerbund tut und unterläßt. Denn es handelt sich in Wahrheit um einen Fall von„Koalitionspolitik" zwischen Sozialisten und Bürgertum, aber ins gigantische Internationale übersteigert— und von Kommunisten betrieben. Abgesehen von den statutarischen Bestimmungen, die in wesentlichen Fällen Einstimmigkeit vorschreiben, macht das lebendige Gewicht der nun schon einmal eingetretenen Sowjetunion völlig unzweifelhaft, daß ohne aktive oder passive Zustimmung der Russen in Genf künftig gar nichts geschehen kann: Für alles, was im Völkerbund geschieht oder unterlassen wird, ist die Verantwortung der Sowjetunion von nun an keineswegs kleiner als etwa die eines sozialdemokratischen KoalitionStcilhabcrs für die Regierung eines Einzelstaats. Ganz ohne Frage wird die Sowjetunion Zuchthausstrafen für Opfer von Lockspitzeln (Berlin.) Im Hochverrats- und Giftprozeß gegen die 17 vor dem Zweiten Senat des BolkS- gerichtes unter Anklage stehenden Kommunisten aus Döbeln(Sachsen) und Umgebung wurde Mittwoch vormittag das Urteil verkündet. Der 44jährige Hauptangeklagte Robert Wölfel erhielt unter Einbeziehung der gegen ihn vom Landgericht Freiberg i. S. verhängten Strafe insgesamt zehn Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Außerdem wurde die Sicherungsverwahrung gegen ihn angeordnet. Zehn weitere Angeklagte erhielten wegen Beteiligung an der Zyankali- und Waffenbeschaffung sowie an der Vorbereitung der Sprengstoffdiebstähle Zuchthausstrafen von drei bis eineinhalb Jahre» neben entsprechenden Ehrenstrafcn. Vier Angeklagte, darunter der kommunistische OrtSgruppcnleiter Georg Gerold, kamen mit Gefängnisstrafen von eineinhalb bis zu einem Jahr davon. Gegen den Dieb des Zyankali, Kurt Dis:kn e r, wurde das Verfahren eingestellt. Der Leiter der Schicßspartc Otto Bökel- m a n n wurde freigesprochcn, da die von ihm geleitete Schießabteilung polizeilich gemeldet war. Wenn man weiß, wie in Deutschland Prozesse geführt werden, ist man nach dem Lesen dieses amtlichen Prozeß-Berichtes überzeugt, daß cs sich hier um die Opfer eines Lockspitzels handelt. „Gegen den Dieb des Zyankali wurde"— näm- licki—„das Verfahren eingest-llt." DaS Konto Hitlers wächst. Es wird mit Blut geschrieben und mit Blut getilgt werden. „Nell Hitler I** fUr fünfzehn Jahre Kerker Reue Prozesse gegen österreichische Nationalsozialisten (Wien.) Vor dem Schnellgerichte in Baden bei Wien standen am Dienstag acht Nationalsozialisten aus Baden und Umgebung, die unter der Anklage standen, zahlreiche Boirchen- und Papierbölleranschläge durchgeführt zu haben. Dem geistigen Führer der Truppe, Billingcr, gelang es nach Deutschland zu flüchten. Der Hauptangeklagte Johann Wolf wurde zu sieben Jahren, sein Helfer Rudolf Bachheimer zu sechs Jahren, die übrigen Angeklagten zu je fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Gauführer der Bauernwehr von U n t e r k ä r n t e n, der 38jährige Gutsverwalter Theodor Schmitz, hatte sich am Dienstag vor dem Militärgericht zu verantworten, weil er am 26. Juli die Bauernwchr des Landbundes alarmiert und mit den Nationalsozialisten gemeinsame Sache gemacht hatte. Er wurde nach kurzer Verhandlung wegen Aufruhres zu 15 Jahren schweren Kerkers verurteilt. MS er den Schuldspruch mit dem Rufe«Heil Hitler!" aufnahm, wurde er zu einer Disziplinarstrafe von zwei Fasttagen und einem Tag Dunkelhaft verurteilt. Vie Rintelen befreit werden sollte Nach einer Meldung des„Prager Tagblatt" aus Wien wurden dort gestern der Besitzer des Hotels Ha mm e r a n d, dessen Frau und der Bizedi^eltor des Landesversicherungsamtes Grimme auf Grund folgende» Tatbestandes verhaftet: Im zweiten Stock deS Wiener I n q u i- sitenspitals liegt außer Rintelen noch General Wagner, den die Nationalsozialisten zum Kriegsminister in einer Regierung Rintelen auSerlehen hatten. Die Nationalsozialisten woll- insbesondre für jene Faktenbündel wesentliche Verantwortung tragen, die zur Gänze der Bestimmung durch den Völkerbuno unterliegen. Dazu gehört— zum Beispiel und vor allem— die Entwicklung Oesterreichs, dessen finanzieller und wirtschaftlicher Bestand ganz materiell von den Eingriffen, Anleihen, Kontrollmaßnahmen deS Völkerbunds abhängt: Gegen seinen Willen kann sich keine österreichische Regierung halten. Für die Bildung dieses Willens ist nun die Sowjetunion in sehr hohem Maße mitverantwortlich. Diese Umstände machen den Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund zur entscheidenden Frage über Leben und Tod der kommunistischen Internationale. Die wohlverstandenen StaatSintercsscn Sowjetrußlands haben diesen Eintritt ohne Frage empfohlen, mehr noch: nötig gemacht; anders aber liegen die Dinge für die kommnnistische Internationale. Sie hat in der europäischen Arbeiterbewegung fünfzehn Jahre im wesentlichen davon gelebt, daß die Sozialdemokratie für das Existente und für das Gewordene Mitverantwortung trug. Das ist nun vorbei; im Gegenteil: Da in keinem Großstaat mehr Sozialdemokraten mitregic- ren, ist via Sowjetrußland im Völkerbund die Mitverantivortung von Kommunisten für das Geschehen im bürgerlichen Europa nunmehr praktisch weit erheblicher als die der Sozialdemokraten. ten unter allen Umständen Rintelen und Wagner befreien. Da das Landesgericht und das zugehörige Jnquisitenfpital fünffach, und zwar durch Militär, Justizwache. Polizei, Heimwehr und Ostmärkische Sturmscharen bewacht werden, heckten die Nationalsozialisten einen abenteuerlichen Plan ans. Sie versuchten, Vic Kanäle zu durchbrechen und die im Jnqui« sitenspital befindlichen führenden Nationalsozialisten auf diesem unterirdischen Wege ins Hotel H a m m e r a n d zu bringen, dessen Besitzer für den Plan gewonnen war. Da das Hotel vom Lan- deSgcrichtsgcbäude durch das Landesver- sichcrungsamt getrennt lvird, mußten die Grundmauern ziveicr Gebäude durchgcbrocheu werden, ehe man zum Gcfangencnhaus Vordringen konnte. Die Nationalsozialisten waren auch schon bis zur Mauer deS GefangcnhaüscS vorgedrungen, als die Polizei auf die Spur des BefreiungS- plancS kam. Lebenslänglich (Wien.) DaS Militärgcricht.inLinz befaßte sich heute mit den Ereignissen in der obervstetrci- chischen Grenzgemeinde Kollerschlag, wo in der Nacht zum 27. Juli eine Gruppe österreichischer Legionäre eindrang und nach einem scharfen Schußwechsel die Zollwache besetzte. Auf dem Kampfplatz blieben drei Tote und mehrere Verletzte. Ein beteiligter Legionär, der 25jährige Maschinist Alois T r e m e l, wurde wegen Hochverrates zu lebenslänglichem Kerker verurteilt.- Bloßstellung des französischen Justizministers durch die Stavlsky-Unlersucliung (Paris.) Zwischen der parlamentarischen Untersuchungskommission für den Stavisky-Skan- dal und deni Justizminister C h ö r o n kam es Dienstag zu einem offenen Konflikt. Die Kommission hatte vor 14 Tagen beschlossen, daß der Polizeirapport deS Kommissärs Guillaume über die Untersuchung des rätselhaften Todes des Ober- gerichtsratcS Princc vorgelegt werde. Der Justizminister tvidersehte sich damals der Veröffentlichung, die Kommission beschloß aber, den Rapport zu veröffentlichen und sprach dem Justizminister das Bedauern darüber aus, daß er sich verschiedene Verzögerungen bei der Behandlung der Beschlüsse der Kommission und ihrer Uebermittlung an den Justizminister zur Einleitung deS weiteren amtlichen Verfahrens zuschulden kommen ließ. Der Rapport des Kommissärs Guillaume werde die ganze Affäre in einer neuen Beleuchtung erscheinen lassen, spreche sich aber nicht darüber aus, ob Prince ermordet wurde oder ob er Selbstmord verübt habe. Die Familie deS ObcrgerichtSratcS Prince und ihr Rechtsanwalt lehnen diesen Polizcirapport als tendenziös ab. polnisch-russische Abkommen bleiben In Kraft (Warschau.)(Pat.) Am 10. September erfolgte angesichts des zu erwartenden Beitrittes Her Sowjetunion zum Völkerbunde auf Anregung der polnischen Regierung ein Notenwechsel zwischen der polnischen und der Sowjetregierung. In den Noten wird gegenseitig festgestellt, daß auch nach Eintritt der Sowjetregierung in den Völkerbund die polnisch-solvjetrussischen Beziehungen sich weiterhin in ihrer ganzen Ausdehnung auf. die zwischen den beiden Staaten bestehenden Abkom- men, darunter den Nichtangriffspakt und die Abmachung über die Bestimmung des Angreifers gründen werden. 130.000 Bergleute vor der Entlassung England vor schweren sozialen Auseinandersetzungen. (London.) Am Dienstag wurde in Cardiff die erste Konferenz zwischen Vertretern der Zechenbesitzer und der Bergleute von Südwales abgehalten. Die Erklärungen, die später von beiden Seiten abgegeben wurden, zeigen, daß die Aussichten auf eine Beilegung der Meinungsverschiedenheiten nicht gut sind. Die Zechenbesitzer erklärten sich bereit, den Streitfall einem völlig unparteiischen Schiedsgericht zu unterbreiten, die Bergleute dagegen wollen ein Schiedsgericht aus Fachleuten, dessen Mitglieder praktische Kenntnisse der Kohlenindustrie und des Kohlenhandels hchben. Einstweilen bleibt also die Lage unverändert, was in der Presse einige Beunruhigung hervorruft, da die Kündigungen der 180.000 Bergleute am 30. d. M. fällig werden, so daß möglicherweise in 12 Tagen mit einer völligen Stillegung der Arbeit in den Kohlenbergwerken in SüdwaleS zu rechnen ist. BeneS begrüßt die Russen Verpflichtende Rede Litwinows (Genf.) In der öffentlichen Sitzung des BölkerbundrateS hielt RatSpräsident Minister Dr. Benes eine Begrüßungsrede an die neuen RatS- mitglieder. Er wendete sich zuerst an die Delegation der Sowjetunion, deren Ausnahme als Mitglied des Völkerbundes gestern vollzogen wurde und für die ein ständiger Ratssitz geschaffen worden ist und sagte:„Wir sind uns der Wichtigkeit dieses politischen Ereignisses bewußt und begrüßen gern und aufrichtig die Mitarbeit der< sowjetrussischen Delegation zur Festigung deS Friedens. Dr. Benes wendete sich dann an die Vertreter Chiles und der Türkei, die er als neue Ratsmitglieder, gleichzeitig aber auch als verdiente Mitarbeiter im Völkerbunde begrüßte. Volkskommissar Litwinow dankte dem Ratspräsidenten und sagte u. a., es sei ein gutes Zeichen, daß die erste Ratssitzung, an welcher die Sowjetvertreter teilnehmen, von Minister Dr. Benes als Präsidenten geleitet werde, über den viel zu sagen lväre, Ivenn nicht erst kürzlich anläßlich deS 50. Geburtstages dieses Staatsmannes genug gesagt worden wäre. Litwinow versicherte dann, er sei sich der Wichtigkeit der Arbeit int Rate und in der Völkerbundversammlung sowie der Verantwortung, die die Mitgliederstaaten auf sich nehnien, vollkommen bewußt. Rußland rechne damit, daß es zu allen Staaten gute Beziehungen haben werde. Die Vertreter Chiles und der Türkei dankten in einer kurzen Ansprache dem Präsidenten und versprachen dem Rate ihre loyale Mitarbeit. Völkerbundrat an der Arbeit (Genf.)(HavaS.) Der Völkerbundrat beschloß Mittwoch auf Antrag deS spanischen Delegierten De Madariaga, die Vertreter Spaniens, Australiens und Mexikos mit der Prüfung der Petition des Fürsten Pleß zu betrauen, die sich auf den Schutz der Minderheiten in Oberschlesien stützt. Dieser Ausschuß wird berechtigt sein, alle erforderlichen Gutachten anzufordern. Auf Antrag Madariagas retournierte der Rat der 6. Kommission die Frage des Waffenbargoö für die am C h a c o- Kon- flilt beteiligten Kriegsparteien. In der Debatte erklärte sich B a r t h o u für Dringlichkeit und rasche Lösung. Dieser Ansicht schlossen sich Minister Dr. Benes und der britische Delegierte Eden an. Der italienische Delegierte A l i o s i sagte, seiner Ansicht nach binde daS Embargo die Regierungen als einzelne. Die Vertreter Boliviens und Paraguays sprachen den Wunsch aus. daß der Konflikt rasch bereinigt werde. Der Vorsitzende des Dreierkomitees Majera erklärte in seinem Schlußwort, daß der Ausschuß das Dokumentenmaterial gesammelt habe, daö den: Völkerbund die Möglichkeit gebe, eine rasche Entscheidung zu treffen. In der Sitzung des Rates teilten die Vertreter Bulgariens und Griechenlands mit, daß ihre Negierungen durch ein freundschaftliches Abkommen die zwischen beiden Ländern ungelösten Fragen bereinigen wollen. Beide Parteien haben die V e r m i t t» l u n g deü Berichterstatters des Völkerbund- rateS angenommen. Schließlich wurde in einer vertraulichen Sitzung zum Kommissär des Völkerbundes für Bulgarien Cheysson ernannt. Der bulgarische Delegierte stimmte dieser Ernennung zu und erklärte, er werde gern mit dem Völkerbund zusammenarbeite». Ole Aufständischen In Havanna haben ihre Tätigkeit neu entfaltet. In mehreren Vierteln der Stadt sind in der Dienstag-Nacht nicht weniger als 3 5 B o m b e n explodiert. Soldaten mit Maschinengewehren haben auf mehreren die Straßen beherrschenden Gebäuden Posten bezogen. Seite 4 Donnerstag, 20. September 1034 «r. 220 Mord an einem Schrvammsucher Da» Verbrechen eine« Heger« Im staatlichen Revier bei Dnönikh traf vor- gestern der Heger Ritt den 20jährigen Maurer Johann K u L c r a beim Schiväinincsuchen an. Ter Heuer verlangte die Hcranögabe aller Pilze, die der Arbeiter schon gefunden hatte. Als ft u ö c r a sich weigerte, riß der Heger sein Gewehr hoch und schoß ihn nieder. Von der vollen Ladung in den Hals getroffen, stürzte der Un- glücklichc zu Boden und verblutete nach lnrzcr Seit. ?! i kl wurde verhaftet. Er leugnet, ft ii C c r a absichtlich getötet zu haben und führt alles auf einen unglücklichen Zufall zurück.?t i kl ist aber in der ganzen Gegend als brutaler Mensch bekannt, der alle Beeren- und Schwänunesucher, die er antrifft, mitleidslos verfolgt und diese armen Menschen, deren Existenz manchmal von den lvcnigcn Hellern abhängt, die sic sich durch diese?lrbeit verdiene», auch tätlich angreift. Am letzten Sonntag hatNikl einen Arbeiter mißhan- dclt und ihm die Kleider vom Leib gerissen. Diesmal hatte seine Tat aber eine Zengin. Die Braut des ermordeten KuLera sagte aus, daß der Heger bewußt gehandelt und seine Tat angekündigt hatte. K u L e r a sollte nächste Woche heiraten. Tägcsnculgkcltcn Geschändete Synagogen und Friedhöfe... Tic hohen jüdischen Feiertage dieses Monats (Neujahr und Vcrsöhnungsfcst) lvurdcn von Parteigenossen des deutschen„Führers" und Reichskanzlers Adolf Hitler zum Anlaß für besonders gemeine Judenverfolgungen genommen. Aus mehreren deutschen Städten gingen der „Deutschen Freiheit" in Saarbrücken verbürgte Berichte über die Schändung jüdischer Friedhöfe und GvtteSä-user zu. In allen Mitteilungen wird flehentlich gebeten, nichts über die Vorgänge zu veröffentlichen, da sonst mit den s ch w c r st c n Repressalien zu rechnen sei. In Schwäbisch- Gmünd drangen SA.- und SS.-Leute in die Shnagoge ein und zerstörten deren ganze Inneneinrichtung. Mit den K u l t g c g c n st ä n d c n wurde Spott und Hohn getrieben. Z c r'f c h t, zerrissen und zerstört wurden sie auf die Straße geworfen. Nach der Tat lvurdc die g a n z c jüdische Gemeinde z u s a m m e n getrieben. Einer der Banditen hielt eine Ansprache und bedrohte die gesamte Judcnschaft von Schwäbisch-Gmünd mit dem Tode, falls irgendeine Nachricht über die Vorgänge in die Presse gelange. Kein Mitglied der jüdischen Gemeinde von Schwäbisch-Gmünd hat gclvagl, irgend ctlvaS über das Ereignis verlauten zu lassen. So start lvirlt die terroristische Einschüchterung. Anständige christliche Bürger der Stadt haben aber dafür gesorgt, daß die schändliche Tat auch außerhalb der Stadt bekannt und dem Korrespondenten der„Deutschen Freiheit" mitgeteilt wurde. Ein Einbrecher auf der Flucht erschaffen Montag, den 17. d. M., in der Mittagszeit, stießen Gendarmen der Brüxcr Fahndungsstcllc bei einer Streifung durch den Osscker Wald auf den geflüchteten Einbrecher Josef K r o c aus Bruch. Als Kroc die Gendarmcriepatrouille erblickte, ergriff er die Flucht. Da er über Aufforderung nicht stehen blieb, feuerte ihm der Ge- mcindclvachmann von Bruch einen Schuß aus, feinem Dienstrevolver nach, aber Kroc kehrte sich nicht daran und lief weiter. Die Sicherheitsorgane blieben ihm auf den Fersen und als Kroc die Bczirtsstraßc von Bruch nach Ossel überquert hatte, um auf der anderen Seite in den dichten Wald zu entkommen, feuerten seine zlvei Verfolger aus einer Entfcrnnng von etwa 70 Schritten nach ihm. Kroc konnte noch einige Schritte machen und brach dann zusammen. Die Schüsse wurden nun auch von den anderen Patrouillen gehört, die nun auch an den Tatort eilten. In einer Hand hielt er ein geöffnetes Taschenmesser. Ein Herzschuß hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Kroc gehörte der bekannten Vcrbrcchcrbande Proz an und war 30 Jahre alt. Auf einer Hochtour verhungert (Garmisch.) Bei einer Klettertour auf die Südtvand der Scharnihspitze im Wettcr- steingcbirgc machte rin österreichisches Geschwistcr- paar eine schaurige Entdeckung. Auf einer kleinen Steinplatte stand, zur Wand gelehrt, ein Mann, der tot Ivar. Seine mageren Hände krampften sich nm einen Halen, im Haken hing ein Scilstück, das den Körper an der Wand hielt. Keine äußere Verletzung war an der Leiche zu sehen. Das völlig eingefallene Gesicht ließ auf einen Tod durch Erschöpfung schließen. Die Geschwister verständigten sofort die Behörden. Darauf wurde der Tote geborgen. Es handelt sich um einen M ü n- ch c n c r Studenten. Die Ursache des Todes ist bis heute unbekannt. Nach Ansicht der Aerztc! ist der Mann langsam verhungert und schließlich! an Entkräftung gestorben. Der Tod dürfte am Tage vor der Auffindung der Leiche eingetreten sein. ♦ Gletscherwd eine- Pardubitzers. (Pardubitz.) Mittwoch langte hier aus Oesterreich die?kachricht ein, daß in den österreichischen Alpen die Leiche des tschechoslowakischen Staatsangehörigen Franz K o v ä r n a aufgefunden wurde, der bei der Firma Heinrich Francks Söhne in Pardubitz als Beamter beschäftigt, lvar. Kovärna stürzte beim Besteigen eines Gletschers ab und wurde von Eisstiickcn verschüttet. Er wurde seit dem 6. d. M. vermißt. Ziehung der Klaffenlotterle (Unverbindlich.) Prag, 10. September. Bei der heiitigen Ziehung der IV. Klasse der 81. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 20,000 Ke 84179 15615 10.000 Kö 77724 69728 53526 94531 5.000 I« 32613 28274 98053 68176 71482 107316 2715 43535 88744 29572 18794 104348 65895 2.000 KL 56546 15392 73508 82264 15209 8394 70781 2616 50454 40613 107320 38453 64761 43564 83831 1449 86999 68502 53626 83081 66374 101603 106319 83278 70658 48394 43515 71005 60461 1424 105788 48878 20087. 1.200 KL 24788 54591 22626 30133 18730 19020 43370 47517 38819 70383 90816 79106 8874 7377 42251 96739 89931 39156 57832 80592 54523 25794 65839 20765 31487 1474 73248 19024 87510 3157 87224 6855 68574 96263 95027 89890 62567 81656 102225 32267 62802 44460 65498 33099 27429 28053 58282 53173 87236 25120 790 102715 90395 54627 17256 87924 98489 106407 101968 66663 72002 37052 13036 51541 21681 67293 67559 40103 24198 32128 47847 8360 54389 19293 68787 44792 95122 58821 15243 33336 26115 35993 158 1339 35785 94127 10889 79222 63775 38374 19347 74384 74143 16924 100105 81432 98955 71193 36062 64119 22882 53286 99699 65351 8636. Prager Empfang der Europa-Flieger (Prag.) Gestern vormittag lehrte das tschechoslowakische Team, die drei Flugzeuge nut dem Stabskapitän A in b r u s, mit dem Chefpiloten Änderte und mit dem Kapitän Zaöek, von seinem erfolgreichen Flug um Europa und Nordafrika nach Prag zurück. Auf dem Flugplatz in Kbelh lvurdcn die Flieger u. a. von Vertretern des Ministeriums für nationale Verteidigung, des Ministeriums für öffentliche Arbeiten und des Ministeriums für öffentliches Gesundheitswesen erwartet. Die Flieger lvurdcn um 0.25 Uhr in einer Gruppe über dem Flugplatz sichtbar, umkreisten ihn dreimal und gingen um 0.35 Uhr vor dem Hangar nieder. Sie lvurdcn vom Obersten Vicherck im Namen des Ministeriums für nationale Verteidigung, vomSektionörat Dr. Stich und Jng. Weiser für das Ministerium für öffentliche Arbeiten herzlich begrüßt. Blutige Meuterei (Charbin.) An Bord des Dampfers„Din- lou", der den Sungari-Flnß befuhr, ist unter der mandschurischen Mannschaft eine Meuterei auSgcbrocheu. Die Meuterer plünderten das Schiff, töteten fünf Japaner, zwei Koreaner und einen Chinesen und lvar- fen mehrere Reisende über Bord. Eine große Anzahl von Reisenden wurde verletzt. Dann verließen die Meuterer unter Mitnahme einer großen Menge Opium das Lustspiel„aus einem Totenhause". Die Pariser„Comocdia" bringt eine Borschau auf das Programm der reichsdeutschen Filmproduktion für die kommende Spielzeit: es sind in der Hauptsache die in ihrer Art schon sattsam bekannten Scherz, und Singspiele(„Polcnblut",„Wie- ncr Blut",„Maicnnacht")j mit denen man das Volk im Lande des Schreckens und der Schande cinschläser» und abstumpfcn will. Nur an einer Stelle bleibt der Blick des Lesers haften: der Regisseur Cscrcpy, heißt es da, hat eine eigene Produktion begründet und wird mit dem Film „Seine Exzellenz Graf Zeppelin" beginnen, dein ein zlvciter Film„Im Konzen tratio ns- lager" folgen wird. Wir wisseii nicht, ob dieses Werk des schon dem Namen nach„rein gcr- manischen" Film-Machcrö ein Lustspiel oder ein Singspiel werden wird. Aber daß cs eine Gipfelleistung der im Dritte»' Reich grassierenden Berlumpung, daß cs eine der widerlichsten Aus- gebürten des Goebbclö'schen Lügeilgeistes wird, steht schon jetzt fest. Denn wie wäre es möglich, einen Konzentrationslagcr-Filni im Dritten Reich auch nur anznkündigcn, wenn man int Propagandaministerium nicht sicher lvärc» daß kein Schimmer der höllischen Wahrheit in ihm sein wird? Als der Zarismus seine Gefangenen in Sibirien folterte, hat ein Opfer der Greuel, der Dichter Dostojewski, in seinem Buch„A u ü c i n c in T o t e n h a u s e" der Mitlvelt und der Nachwelt einen unvergänglichen Bericht gegeben, der Menschengelvissen erschüttern wird, solange es Menschen geben wird, die diesen Namen vcr- dienen. Die Greuel, die seit anderthalb Jahren in Deutschland geschehen, scheinen das Maß der dichterischen Gestaltungskraft zu übersteigen. Aber daß einer auf Geheiß der Greuelstistcr die entsetzliche Wahrheit in eine zynische Unterhaltung umgcfälscht hat, daß er aus einer Mensch, heitsschande, aus dem Blut der Berstiimnielten und Gemordeten einen Propagandafilm für die Mörder gemacht hat, das wird für die Nachwelt vielleicht das eindrucksvollste Dokument der Hit- lcrdeutschen Schmach sein. Zwei Flngzcugnttfällc ereigneten sich Dienstag in Jugoslawien. Der polnische Flieger M e d- lveck i, der auf dem Belgrader Flugplatz landen wollte, stürzte mit seinem Flugzeug ab und wurde ernstlich verletzt. Es wurde sofort eine Operation vvrgcnommen, worauf die Acrzte erklärten, daß Mcdwecli, falls keine Komplikationen eintreten Ivürden, am Leben erhalten bleibt. Ein zweiter Unfall betraf die jugoslawischen Flieger Hadjik und Princip, die sich auf dem Fluge von Nisch nach Belgrad befanden. Jiach einer Motorstörung versuchten sie eine?kollandnng vor- zunchmen. Bei der Landung stieß das Flugzeug an einen Baum, wobei einer der Flieger leichter verletzt wurde. Schrecklicher Selbstmord. Gestern früh war' sich in Donitz bei Karlsbad ein junger Mann vor die Lokomotive des PcrsonenzugeS Marien- bad—Karlsbad. Die Räder der Lokomotive trennten die Beine vom Rumpfe des Mannes und schleiften den verstümmelten Körper etwa 300 bis 400 Meter weit. Es handelt sich um den 18- jährigen, in einem Karlsbader Hotel beschäftigten^K c I l n e r Franz H e r g e r t h. DaS Motiv des Selbstmordes ist unbekannt. Ei» Renn-Unglück vor Gericht. Vor dem Senate dcö Kreisgerichics in Mährisch-Ostrau wurde nach fast einem Jahre der Strafprozeß gegen zwei Rennfahrer beendet, die bei dem V. Ostrauer Motorradrennen in voller Fahrt ins Publikum gefahren tvarcn. Der Rennfahrer Ar- Zwei große sportliche Leistungen Die Fcrnstafettrn unserer Arbeiter-Radfahrer Böhmische Stafette fünf Stunden früher am Ziel Der Aruk(Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- Bund in der Tschechosiowakei) beging die Feier des Tages der internationalen Verbundenheit am 16. September mit der Durchführung zweier großer Fernstafetten. Mehr als 400 Rad- und Motorradfahrer beförderten die Stafetten, viele Arnk-Mitglieder und Parteifreunde säumten die Straßen, welche die Stafette durchfuhr. Das Stelle» der Stafettenfahrer erfolgte vorbildlich,.so daß die Durchführung klaglos und ohne jede Zeitunterbrechung vor sich ging. Bemerkenswerter Weife kam es zu keinem einzigen Unfall, trotzdem beide Sta« eiten eine Geschwindigkeit von mehr als 88 Stundenkilometer erreichten. Die Stafette Braunau—Asch Punkt 5 Uhr früh wurde die Stafette vom Ringplatz in Brannan abgclassen. Sie nahm ihren Weg über Adersbach, Trauten«», Hohenelbe, Hochstadt, Gablonz, Rcichenberg, Zwickau, Böhm.-Kam- nitz, Letschen, Bodenbach, Teplih-Schönau, Dux, Brux, Komotau, Klöslcrle, Karlsbad, Falkenau, Eger, Asch und wurde in Roßbach auf dem Feste des dortigen AtuS-VereincS feierlich empfangen, Nach den Zeitberechnungen der einzelnen Bezirke konnte die Stafette erst uni 22.45 Uhr eintreffen. Die fabelhafte Leistung jedes einzelnen Fahrers ermöglichte cs, daß die Stafette fünf Stunden früher, also um 17.45, an ihrem Bestimmungsort eintraf. Die zurvckgclegte Fahrstrecke beträgt rund 500 Kilometer, ivas einem Stnndenmittel von fast 40 Kilometer entspricht. 800 Radfahrer und 20 Motorrad» sahrer des Aruk haben diese sehr gute sportliche Lei- jtung vollbracht. Die Stafette Zwitkau—Troppau Die zweite Fernstafette des Aruk nahm ihren AuSgaug in Zwittau und wurde über Schönhengft, Mvglitz, Sternberg nach Troppau befördert. Auch hier erzielten die Aruk-Fahrcr— cs waren dies 72 Radfahrer— eine sehr gute Leistung. 180 Kilometer wurden in 5 Stunden 15 Minuten bewältigt, und ergibt dies ein Stundenmittel von 84 Kilometer. Die Stafette wurde in Troppau auf dem am gleichen Tage dort tagenden Kreisverbandstage des Ariik-KreiseS Schlesien feierlich empfangen. Sie war uni 5.80 Uhr in Zwittau abgegangen und ist um 10.45 Uhr in Troppau eingetroffen. Der Aruk hat mit der Durchführung dieser Fernstafctten den internationalen Stafettentag sicher toürdevoll begangen und den Gedanken des internationalen Arbeitersportes haben diese 500 Aruk- Fahrer äußerst wirksam propagiert. noöt B a n t u ch kam in einer Kurve ins Gleiten, fuhr in den Graben und tötete dabei einen Knaben, während zehn Iveitere Personen, schwer verletzt wurden. Der zweite Rennfahrer Leo Marcel» dem in der Kurve die Bremsen versagten, wollte an den Ort fahren, der für Maschinen und Rennfahrer bestimmt ist. Der Weg dahin war jedoch mit Zuschauern verstellt. Da der Rennfahrer nicht mehr bremsen konnte, fuhr seine Maschine in das Publikum, wobei zehn Personen, davon fünf schwer, verletzt wurden. Vantuch Ivurde freigcsprochen, da cs sich nach Ansicht des Gerichtes um höhere Gewalt handelte; Lee Marcel wurde zu drei Monaten Gefängnis bedingt verurteilt, meldete jedoch die Nichtigkeitsbeschwerde an. Ende deS Schönwetters. Das Gebiet schönen Wetters und hoher Nnchmittagstempcraturcn weicht nunmehr langsam ostwärts zurück, liebel dem Atlantischen Ozcan nimmt der Luftdruck zu und in den westeuropäischen Ländern verstärkt sich der Zufluß kühlerer Luft vom Meere her. Dir Zone von Regenschauern und Gelvittern ist von Frankreich bis zum Rheinland vorgedrungen, wo cS gestern nachmittags um 5 bis 15 Grad kälter war als Dienstag. DaS Wetter wird nunmehr voraussichtlich veränderlichen Charakter annehmen, und zwar zunächst im Westen der Republik, während im Karpathengebiet das schöne Weiter vorläufig noch anhalten dürfte.— Für heute ist vorausgesagt: Im Westen des Staates zeitweise stärkere B e- w ö l k n n g, strichweise G e w i 11 c r oder Schauer, Winddrehung gegen Südwesten und untertags etwas kühler. Schiffskatastrophe (Schanghai.) In der Nähe von Waihaiwai kenterte ein großer ch i n c s i s ch e r M a rin e- t e n d e r, der' zweihundert chinesische Matrosen an Bord hatte. Zwanzig Matrosen sind ertrunken, sechzig werden noch bis zur Stunde vermißt. Vom Rundfunk ■mpfahlanawartaa aus«Ian Programaiani Freitag: Prag» Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.80:. Schulfunk, 11: Schallplatten, 13.80:■ Arbeitsmarkt, 18.20: Deutsche Sendung: DaS Erlebnis in der Natur, Rmidfunkdialog, 18.45: A r b e i- tersendung: Aktuelle zel.i Minuten, 18.55: Deutsche Presse, 21: Orchestcrkouzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14: Klavierkonzert, 14.25: Halbe Stunde für die Frau.— Brün»: 13.80: Arbeitsmarkt, 15.15: Orchesterkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Sportberichte.— M»hrlsch-Oftra« 18.20: Deutsche Sendung: Aus dem Leben der Künstler. — Preftburg 10.10: Unterhaltungsmusik.— Kascha« 15.15: Orchcsterkouzert Schiss. Habsburgs Auferstehung Eugen Habsburg besuchte die burgenländische Hauptstadt E i s e n st a d t. Dort nahm er ilS Vertreter seines Neffen Otto,„der kaiserlichen Majestät, die Ehrcnbürgerüriefe von 20 burgenländischen Gemeinden entgegen. Eugen ist in seiner Uniform ein lebendiges Gespenst der Vergangenheit; man wird Sorge tragen müssen, daß dein, gefährlichen Spuk ein Ende gemacht wird- Nr. 220 TonnetMag, 20. TetztemSer 1934 Seile 5 vierzehn Taste lvesten Reinistunst, Maschincnrepa- wurde mit den anstegenden A r b eiter- raturen und dergleichen mehr. Vorräte sind keine vernichtet. Das 7i"'LLS°"»»“ft 6,8 L n l'Lx Ä ii. einfallt wieder zu liefern. Die Arbeiter und Arbeiterinnen konnten sich rechtzei- PRAGER ZEITUNG Di ficrichfssaal Die romantische Flucht des mazedonischen Freiheitshelden Sofia, 16. September. Vor wenigen Tagen gelang cs, wie bereits stelltengesetzeS für die Privatangestelltea besprochen. Nachdem noch Löwit(Reichenberg) den Erfinderschuh. Müller(Reichenberg) den notwendigen Ausbau des LehrlingSrcchteS zur Sprache gebracht batten, nahmen Neuerer(Elbogen), Kohl(Friedel) und Adler(Reichenberg) zu einzelnen Berufs- und Organisationsfragen Stellung. Nach den Schlußworten des Vcrbandssekretärs Grünzner und des BerbandSobmanneS Bergmann wurde nachstehende Entschließung einstimmig angenommen: »Die aktiven BetriebSangestellten verlangen grundsätzlich einvernehmliche Lösung aller wirtschaftlichen und sozialen Fragen mit allen Privatangestellten bzw. ihren Verbänden und Spitzenorganisationen. Sie verlangen insbesondere: Sofortige ausreichende Verkürzung der Arbeitszeit, Einstellung des weiteren Gehalts- und Lohnabbaues, Beseitigung des Urberstunden» und Doppelverdiener- Unwesens, pflichtgemäße Arbeitsvermittlung, liberalere Geld« und Kreditpolitik zur Belebung der Wirtschaft. zielbcwußte Exportförderung. Sie sehen in den Geschehnissen auf dein Gebiete der Margarinekontingentierung einseitige, nationalpolitisch wirkende Maßnahmen, die tausende Angestellte und Arbeiter in den deutsche» Siedlungsgebieten um ibre Arbeitsplätze bringen würden. Gegen diese drohende Schädigung erheben sie schärfsten Einspruch Stratzenbahnkarten gestohlen. Dem Straßen- bahnkondulteur Joses Hasel. der Diens.ag nachmittags in einem 20er-Wagen der Straßenbahn Dienst machte, wurden Fahrscheine im Werte von 1300 Kö entwendet.£>ajcf hatte die Fahrkarten in einer Blechdose im Innern des Wagens aufbe- wahrt und bemerkte den Verlust erst gegen 11 Uhr nachts. Die Fahrscheine sind für den Dieb wertlos, der Schaffner, der für die Karten die Verantwortung trägt, erleidet einen erheblichen Schaden. Ueberbrückung des Nufler Tales im Brückenbau-Programm Nach einer Mitteilung des Bauamtcs wurde das Bauprogramm für den Brückenbau in den nächsten fünf Jahren sertiggcstellt. Die Hauptpunkte dieses Programms bilden der Ersahbau für die eiserne Stefan ik-Brückc und der Brückenbau über das N u sl e r Tal. Der Plan weist schließlich noch eine Reihe von lieber- und Unterführungen auf, die für die Entwicklung des Prager Verkehrs unerläßlich sind. Der Umbau der Stefanik-Brücke ist wegen der überaus großen Frequenz notwendig geworden. Die Ueberbrückung des Nuslcr Tales wird allerdings erst in Angriff genommen werden, bis außerordentliche Mittel zur Verfügung stehen werden, da ein Posten für diesen Bau leine Aufnahme im Stadtbudget finden kann. schen Nebellenführcr Ivan Michailoff, dem„gc- sährlichsten Mann des Balkans", den ihn verfolgenden bulgarischen Gendarmen zu entrinnen. Er, seine Frau und einige schwerbewaffnete Begleiter rasten in zwei Automobilen bei der Stadt Elliovo über die türkische Grenze, wohin die bulgarische» Gendarmen nicht folgen konnten. Seit über zehn Jahren macht Michailoff der bulgarischen Regierung zu schaffen, und nie konnte er trotz unausgesetzter Verfolgung gefaßt werden, denn seine Zusammenstöße mit der Polizei fielen immer zu seinem'Vorteil aus. Bulgarien hat sofort bei der türkischen Regierung die Auslieferung Michailoffs beantragt, aber es steht keineswegs fest, ob die Türken in die Auslieferung des Helden der mazedonischen'Freiheitsbewegung einwilligen. Für die Türken, denen eine Loslösung Mazedoniens von Bulgarien nicht unangenehm wäre, ist Michailoff einfach ein politischer Flüchtling. Tie Aus der Ansestelltenbewesuns In einer am IS. September in Reichen- b e r g abgehaltenen, aus dem gesamten Verbands« bereiche stark beschickten Konferenz der Fachgruppe Industrie im Allgemeinen Angestelltcn-Verband Reichenberg besprach nach BegrüßungS- und Einleitungsworten des BerbandSobmanneS Bergmann der Verbandssekretär Grünzner in längeren Ausführungen die Zwecke und Aufgaben der Fachgruppe. Ausgehend von den verschiedenen Organisationsformen der Gewerkschaftsbewegung zeigte er deren Gliederung und die sich daraus ergebenden Gesichtspunkte für die Vertretung der wirtschaftlichen und sozialen Interessen der verschiedenen Berufszweige der Pri- batangestellten auf. Ferner beschäftigte er sich eingehend mit einer Reihe grundsätzlicher Fragen der Jndustrieangestellten und nahm zu der wirtschaftlichen Entwicklung vom Standpunkte der Gewerkschaftsorganisation und der in ganz besonderem Maße von den Auswirkungen der gegenwärtigen Verhältnisse in Mitleidenschaft gezogenen Angestellten der Industrie Stellung. Die daran zu knüpfenden Forderungen an Staat und Gesellschaft begründete er und richtete an die versammelten Vertreter die Aufforderung, im Sinne der daraus bervorgeben- dcn Richtlinien und Leitgedanken zu wirken. Den beifälligst aufgenommenen Darlegungen folgte die Wahl der Fachgrnppenleitung, und zwar Obmann Adolf Pfohl(Reichenberg); Stellvertreter Pradcl(Trautenau) und Kuhn(Jägerndorf); Beisitzer: Adler(Reichenberg), Kunz(Botenwald), Neuerer(Elbogen), Sommer(Reichenberg), Walter(Bodenbach) und Prctschendörfer(Aussig); Ersatzleute: Kober(M.-Schönberg). Zollmann(Bodenbach), Wollcck(Haida), Ließner(Teplitz- Schönau) Scheithauer(Brüx). Nach durchgesühricr Wahl wurden vom Verbandsobmann Bergmann und Verbandssckretär Grünzner die schriftlich vorgelegten. Richtlinien über die nächsten Aufgaben der Fachgruppe, über die Aufgaben und Ziele der AnfklärungS- rind Bildungsarbeit sowie über die Bedeutung des neuen Ange- Mitteilungen aus dem Publikum. Der Protest der Konsumenten, die gegen die Auflassung der FabrikSrcparaturwerkstättcn protestieren, hat alle Erivartungen übertroffen. Die Bako-Werke hatten damit gerechnet, daß binnen 14 Tagen 6,000.000 Personen den Protest unterschreiben werden. Diese Erwartung wurde aber bereits am Sonntag übertroffen. Am Montag waren auf den Protestlisten 5,675.112 Unterschriften, zu denen am Montag noch ca. 500.000 weitere kamen. Die Baka-Werke beenden daher die Aktion, die 10 Tage, inklusive den heutigen, gedauert Hot. Die Unterschriften zur Petition, die die Negierung ersucht, daß sie die Fabriksreparaturen nicht verbietet, sind auf 300.000 Bogen gesammelt und werden in 1200 Bücher gebunden, welche 4 Meterzentner wiegen und übcreinandergelegt eine 36 Meter hohe Säule'darstellen. Das riesige Echo, doS die Aktion erweckte, zeigte, daß die Baka-Werke eine verbreitete Arbeitsgemeinschaft darstellen, die einen unzertrennlichen Teil des WirtschaftS- und sozialen Lebens der Republik bildet. Toran, daß sie nicht geschädigt wird, Koben zehntauscude.von Unternehmern, Arbeitern, Verkäufern, GcschäftsleMei: und Gewerbetreibender oller Branchen und vor allem Millionen von Konsumenten, die in ihr eine Waffe gegen die Teuerung, Spekulation und Arbeitslosigkeit sehen, ein Existenz» mieresse. wand gegen die Flammen vorzugehen. Außerdem mußten diese dauernd mit Wasser übergossen werden. Den Bemühungen von zwölf Wehren gelang eS schließlich, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Vernichtet wurden außer dem Holz 600 Zentner Holzwollabfall, 400 Zentner Holzwolle, ein Schuppen und der Holzwollefabrikationsraum mit zahlreichen Maschinen. Mehrere Feuerwehrmänner erlitten Brandberletzungen.— Die Textilfabrik Sonnenschein in Unter-Waltersdorf in Nicderöster» reich wurde mit den anliegenden Arbeiter- Dulgarien jedoch betrachten ihn als einen Verbrecher; sie fürchten, daß er die m Thracien lebenden Bulgaren auftviegelt. Noch den lctzicn Berichten soll Michailoff nämlick m der thrazischcn Stadt Kirklar Eli gesehen-worden sein. Seit der Begründung des neuen Regimes in Bulgarien hoben Hunderte von Gendarmen, Detektiven und Spionen unablässig nach dem gefürchteten Revolutionär gesucht, der in Wirklichkeit die Seele der mazedonischen ttnabhönaigkciisbcwegung, die den Bulgaren so viel zu schaffen macht, darstcllt. Michailoff soll angebli-b die ganze Zeit über nach alter Verschwörerart in den riesigen Wälder» Südbulgariens gelebt haben, wo ihn seine zahlreichen Anhänger verbargen und beschützte». Seine jetzt unerwartet erfolgte Flucht nach der Türkei ist wahrscheinlich durch die Unmöglichkeit, den: sich immer dichter Zusammenziehenden Netz der Verfolger noch lange zu entgehen, veranlaßt worden und muß als ein Erfolg der bnlgarischen Regierung in ibrem Kampf gegen die„Mazedonien den Mazedoniern"-Bewegung belrochtct werden. Gin 64jähriger Sittlichkeitsverbrecher Geheime Verhandlung vor dem Schwurgericht. Prag, 10. September. Tos heutige Schwurgericht tagte unter Ausschluß der Lcffentlichkeit. Angeklagt war der 64jährige Pensionist Franz Mrä- Lek des Verbrechens der Notzucht, begangen durch Geschlechtsverkehr mit einem Dlüdchen unter 14 Jahren. Es handelt sich allem Anschein nach um ein völlig verwahrlostes Kind, das die intimen Beziehungen mit dem Greis nicht geduldet, sondern geradezu herausgefordert hat. Auch dieser Umstand bilder natürlich keinen Entschnldigungsgrnnd für den Angeklagten. der überdies wegen sittlicher Verfehlungen schon mit den Sichcrheitsbchördcn zu tun hatte und, trotz seines Alters, den Ruf eines geschlechtlich zügellosen Menschen hat. Die geheime Verhandlung endete mit einem Schulvsprnch, worauf der SchwnrgerichtShof des GR. Tr. M a r c ö e k den allen Sünder zn achtzehn Monate» fchwerm und verschärften Kerkers verurteilte. rb. Die SdlintfiBktt itt be-vo er sich einige Zeit in dem Lager der österreichischen Flüchtlinge in WaraSdin aufhielt. Am 28. v. M. flüchtete Steinkellner wieder nach Rcicheiifels. Tort wurde er jetzt in einem Streit von seinem politischen Freund, dem Fleischergehilfen Max F e r st e l erschossen. T Mörder fand sich auf der i Gendarmeriestation mir der Meldung ein, daß sein Freund S e l b st m o r d verübt habe.(" wurde verhaftet. Er trug den durchschossenen und mit Blut besteckten Rock des Ermordeten Steinkellner. d'Esporah und Duhamel unter dir„Unsterv- lichen".„Ercelsior" meldet, daß die Wahl des Marschalls Frauchet d' E s p e r a n zum Mit tig durch die Fenster retten. Durch den Brand sind fast 200 Arbeiter brotlos geworden. Die Inskription an der Prager Deutschen tlniversttät dauert vom 25. September bis einschließlich 8, Oktober. Neueintretende inländische Hörer haben' sich bei dem Dekan der betreffenden Fakultät __ I persönlich zu melden und folgende Belege vorzu« llugenblick, da größere Aufträge kommen, treten weisen: Tauf- bzw. Geburtsschein, den Ausweis über ~- die Staatsbürgerschaft(Ausländer den Paß), das Reifezeugnis, eventuell Abgangszeugnis der Hoch- schule, an der sie früher inskribiert waren, eventuell ein WohwerbaltungSzeugniS, wenn das Hochschulstudium nicht an ein anderes Studium anschließt, das anSgefüllte Meldebuch und drei gleichlautend ausgefüllte Nationale.— Staatliche Stu- dienunter st ützungen und Wohnstivendien verleiht das Schulministerium in Prag mittellosen ordentlichen oder gleichgestellten außerordentlichen Hörern, die mindestens einen guten Studienerfolg aufweiken. Tie Gesuche müllen mit dem Staatsbür- gerschaftSnachweis. VermögeuSauSweiS, Studleniiber« ficht und Bestätigung über die ganze Schulgeldbefreiung belegt, bis zum 8. Oktober eingebracht Werden. und zwar für Stiidienunterstützung in der Kanzlei der»Deutschen Studentensüriorge". Prag H, Krakovska 16. für Stivendienplätze in der Direktion des Deutschen Studentenheimes, Prag H, Lützowa 28.— Tie Freie Schule für politische Wissenschaften beginnt die Einschreibungen für da? Herbstsemester am 25. d. im Bureau der Schule. Prag I. Ovocnv trb 8(Karolinum). Einzelheiten in dem in Druck erschienen Studienpro- gramm. Natürlich bedeutet eine vierzehntägige Berriebs- einstellung eine Verzögerung der Auslieferung durch viele Wochen hindurch, weil es dann schivcr fällt, die angesantmelten Aufträge rasch zu expedieren.^ Theoretisch besteht wohl die Möglichkeit, als Ersatz Preschower Salz zu beziehen, praktisch ist dies aber auch schwer möglich, denn mit dem glied der Französischen Akademie auf den durch! kurz berichtet wurde, dem berühmten mazcdon, den vor kurzem erfolgten Tod des Marichalls Bhautch freigewordeuen Sitz gesichert ist. Auch der Schriftsteller George Duhamel hat starke Hoffnungen, unter die„Unsterblichen" gewählt zu werden. Scharlach-Epidemie in Bukarest. Der Sani- lälsdienst von Bukarest ist beunruhigt durch eine große Anzahl von S cha r l a che r t r a n l u n- gen, die in den letzten Tagen gemeldet wurden, Vermutlich wird aus diesem Grunde das joevcu begonnene Schuljahr unterbrochen und die Wie dereröffnung der Schulen auf. den 1. Oktober ver legt werden. Eine schwere Brandkatastrophe ereignete sich Dienstag in der Holzwollefabrik Gebrüder Winter lich in Regcntauf bei öl e g e n S b u r g. Gegen 17 Uhr brach neben der Hobelmaschine Feuer auS. Als die Regensburger Feuerwehr eintraf, hatte das Feuer, bereits Riesencmönmße angenommen. Infolge wir danktn Ihnen! Wir danken Ihnen allen und Jedem besonders für die Verteidigung der guten Sache und guten Arbeit. Die Petition gegen die Auflassung der Reparaturwerkstätten, welche wir der Regierung überreichen, unterschriebe^ „Eozinsdemofrnt" Dimnrr-taft, 20. Trptrmlirr 1034, Nr. 220 6,000.000 Leute. Es Ist dies die entschiedene Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung unserer Republik. Es Ist dies die Stimme des Volkes. Sie stimmten fUr wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt. Sie stimmten gegen Krise und Teuerung. Wir beenden heute die Unterschrifts-Aktion. Wir danken Ihnen Im Namen 30.000 Mitarbeiter In den Verkaufsstellen, Reparatur- und Fabrikswerkstätten. Wir danken Ihnen Im Namen tausender Lieferanten und deren Angestellten. Zum ersten Male In unserem Staate haben Sie— die Konsumenten— gesprochen. Wir glauben, daß Ihre Stimme gehört und gewertet wird. Wir werden Ihnen weiter mit guter Ware und guten Reparaturen treu dienen.