14. Jahrgang Freitag, 21. September 1934 Nr. 221 EintlpraltTOlMlBr (•imcMMHch S HdlwMol IENTRALORGAH PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. MD AKTION UNO VHWAUUNG NM XN.,«OCHORM4R. XtffOMW. UWMNNTUTIONMIiroil jxrc HERAUSGEBERI SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Ein Landesleiter der SHF klagt Henlein Die Karlsbader Kundgebungen verboten I Henlein hatte zu einem„Tag der Volksgemeinschaft" aufgerufen, der am 7. Oktober in Karlsbad stattfinde» sollte. Die deutsche Sozialdemokratie hat eine Gegrnkundgebung angesagt. Run hat die Karlsbader Polizridirrktion wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung die Veranstaltung beider Kundgebungen untersagt. Keine Gemeindewahl In Mhmlsch*Lelpa! Dir für den 14. Oktober- in Bbhmisch-Lripa geplant gewesenen Gemeindewahlen finden nicht statt. Die Wahlvorbereitungen der Parteien waren bereits in vollem Gange und gestern sollten die Kandidatenlisten überreicht werden. Offenbar hängt die Entscheidung der Landröbehörde mit dem Beschlüsse zusammen, bis zum Herbst 1935 überhaupt keine Wahlen stattfinden zu lassen. Bekannt- lich find die Bezirks-«nd LandrSwahlen auch ver- fchobr» worden. Handelsvertragsverhandlungen , mit Frankreich (Pari S.) Nach zweitägigen Verhandlungen in Angelegenheit der franzästfch-tfchechoflo- wakifchen HandelSvertragSverhandlnngen trat Donnerstag Nachmittag die erste Plenarsitzung der beiden Delegationen zusammen. Die Verhandlungen wurden auf Ersuchen "der Prager Regierung ausgenommen, welche konstatierte, daß sich im ersten Trimester deS Jahres 1934 die Ausfuhrbilanz durch die Steigerung der französischen Einfuhr, namentlich von Wollwaren, nach der Tschechoslowakei zu Ungunsten der letzteren geändert hat. Die Pariser zuständigen Stellen bemerken, daß diese Einfuhrwaren von der tschechoslowakischen Industrie verarbeitet und dann auSgeführt werden, so daß st« in der tschechoslowakischen Ausfuhrbilanz in der Rubrik der Einnahmen stehe«. Trotzdem erwarten aber die Pariser kompetenten Stellen, daß die tschechoslowakisch« Delegation trachten wird, hauptsächlich für tschechoslowakische TetziNen, Leder Schuhe, Papier, Holz und Stahl Kompensationen zu erlangen. Kleine Wirtschaftsentente (Belgrad.) Donnerstag begannen hier die Vorberatungen der einzelnen Koinmissioncn der Kleinen Wirtschaftsentente. Um 11 Uhr vormittags traten die Delegierten und Experten für die Fragen der Donauschiffahrt und der industriellen Zusammenarbeit, sowie für den Abschluß einer Konvention zur Vermeidung der Doppelbesteuerung zusammen. Nachmittag begann auch die Kommission für die Vereinheitlichung des Post- sparlassenvcrkchrs ihre Beratungen, (New N pt I.) Di« Unruhen im Zusammenhang mit dem Textilarbeiterstreik habe» am Mittwoch im ganzen Lande 13 Todesopfer gefordert.■ Im Lauf« des Mittwoch abends ist rö in den verschiedenen Streikgebiete» wiederum zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen de» Streikenden«nd der Polizei gekommen. In Waterville (Maine) wurde«in Polizist bei einem Handgemenge mit Streikenden verletzt. An Philadelphia Sing die Polizei mit Knüppeln vor, um An- sammluitgen der Streikenden-« zerstreuen. Der Belagerungszustand in-Georgia wurde verlän- vle SHF wascht schmutzige Wüsche Kameradschaft und Treue bei Henlein Wir haben kürzlich über eine Klage der Angestellten der SHF., Hilde I a n l u gegen Konrad Henlein berichtet und ferner festgestcllt, daß eine ganze Reihe von Prozessen vom gewesenen Landcslciter T r o p s ch u g gegen Henlein noch angestrengt werden dürften. Am 8. September wurde nun, lvie uns seht berichtet wird, vor dem Bezirks- als Arbeitsgericht in Mährisch-Schönberg über eine Klage verhandelt, die Tropschug gegen Konrad Henlein und Rudolf S a n d n e r wegen Nichteinhaltung der Kündigungsfrist(Tropschug verlangt die Auszahlung von zwei Monatsgehältern) und Nichtanerkennung der Kündigung angestrengt hatte. Tropschug arbeitete seit Ende 1933 für die SHF unentgeltlich und schuf eigentlich die organisatorischen Grundlagen in Nordmährcn und Schlesien. Ab 1. April erhielt er ein Gehalt. Im Juni erschien dann plötzlich Herr Skomo- r o v s k y, gebürtig aus Polen, und sollte, so hieß es wenigstens, mit Tropschug gemeinsam arbeiten, da dieser allein die Arbeit nicht mehr bewältigen könne. Bald aber stellte sich heraus, daß Skomorovsky von der Maffia in der SHF, dem KamcradschaftSbund, zum Landesleiter und damit zur Verdächtigung TropschugS bestimmt war. Am 21. Juni erhielt Tropschug die Kündigung und. wurde auf der Stelle entlassen. Man bedeutete' ihm, daß man gegen ihn mit allen Mitteln vorgehen werde, wenn er sich zur Wehr sehe. Diese Mittel bestanden dann darin, daß man ihn nach mekanntem Hitlcrmustcr diffamierte und beschuldigte» er habe sich geldliche Unkorrektheiten zuschulden kommen lassen. Diese Beschuldigung hinderte aber die Ehrenmänner von der SHF nicht, ihm im Kündigungsschreiben bekanntzugebcn, einer ehrenamtlichen Tätigkeit stehe weiter nichts im Wege. Bei der oben erwähnten Verhandlung gab nun der Rcchtöfreund der' Henlein und Sandner eine Erklärung ab, die außerordentlich bezeichnend ist für den Geist, der in den Reihen der SHF herrscht. Tropschug habe der SHF seine Dienste angcboten und sei von ihr als Landeüstellenleitcr angenommen worden. Er schloß somit mit der ge- Die VI. politische Kommission der Völker- bundversammlung verhandelte heute über den bekannten Antrag der polnischen Regierung auf Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes. Der ständige Vertreter Polens, Raczhnsti, erklärte: Falls das'System des Minderheitenschutzes ein gert. In Little Falles(Rew Aork) wurde die Polizei von Streikenden umringt. Die Beamten gingen mit Tränengasbomben gegen die Menge vor. Wie der Führer der streikenden Textilarbeiter Gorma» mitteilt, sind etwa 100.000 Arbeiter der der Textilindustrie verwandten Industrie» aufgefordert worden, am Montag in den Streik zu treten. Wie man zu wissen glaubt, soll Präsident Roosevelt die Absicht haben, in den Arbeitskampf selbst einzugreifen: allerdings dürfte zunächst daS Arbeitsamt mit der Berriiiigung der Angelegenheit beauftragt werden.. nannten poltischcn Partei, keineswegs aber mit dell Beklagten Henlein und Sandner einen! Dienstvertrag. Die Beklagten sind sonach nicht passiv legitimiert. Die Beklagten sind Funktionäre der Partei. Die politische Partei ist l weder ein Verein noch sonst ein Rechtssubjekt. Mit diesen juristischen Mätzchen versuchen die Herren einen Angestellten, dem sie viel zu verdanken haben, um seine Rechte zu bringen. Damit nicht genug, lassen sie durch ihren Rcchtsfreund noch erklären, Tropschug habe auch dann keinerlei Ansprüche gegen sie, wen» sie passiv legitimiert wären, weil Tropschug„Untreue im Dienst" begangen habe und die Mitglieder gegen Skomorovsky in ungünstigem Sinn beeinflußt bezw. falsche Auskünfte gegeben habe. Die Untreue soll darin bestehen, daß Tropschug bei Anschaffung eines Kanzleitisches Kä 50.— für sich verwendet habe, ferner Kö 30.— an Mitgliedsbeiträgen kassiert und nicht abgcführt habe, weiters, daß er seinen Dienst vcrnälässigt und dringende Angelegenheiten unerledigt gelassen habe. Die Entlassung sei sonach aus gelvichtigen Gründen erfolgt nnd begründe die Nichteinhaltung der Kündigungsfrist. Die Beweise für aUe diese Behauptungen behielt sich der Verteidiger vor. Der Vertreter TropschugS bestritt fast alle Behauptungen der Beklagte» und. gab bekannt, daß die Verbreiter dec ehrenrührigen Nachrichten bereits gerichtlich belangt worden seien. Man kann sich daher auf weitere amüsante Verhandlungen gefaßt machen. Die Verhandlung wurde zwecks Zeugeneinvernahme auf den 25. September, 3 Uhr nachmittag vertagt. Mit Ballenlettcrn schrieb die„Rundschau" des Herrn Henlein unter dem zweispaltigen Titel: „K a m e r a d c n wollen wir fein l Kameradschaft I ist Dienst an etwas Höherem, das über uns allen steht. Sie ist der Dienst am Nächsten um dieses Höheren willen; sie ist Verpflichtung und Schutz zugleich. Und ihr erstes Gebot ist— Treue!" Herr Tropschug kann nun ein Lied davon singen, was Kameradschaft in Wahrheit bei' der SHF bedeutet, wie der Schutz auösieht, den sie gewährt, und wie ihr erstes Gebot, die Treue, beschaffen ist. Fortschritt ist, dann wird man es nicht bloß auf einige Staaten beschränken können, was dem Prinzip der Gleichberechtigung aller Staaten widersprechen würde. Gesandter FetiL erklärte, daß die Kleine Entente früher schon ihren Standpunkt zum ,Problem der Verallgemeinerung der Minderheiten- schuhvcrpflichtungcn dargelcgt habe. Die Kleine Entente wünscht die Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes, sie beabsichtigt jedoch, hiebet auch weiterhin die gültigen Verpflichtungen treu zu respektieren. Demgegenüber behält sie sich das Recht vor, sich an die kompetenten Organe zu wenden, daß sie die Uebcrgriffe beseitigen, zu denen es bei der Geltendmachung des Minderhci- tcnschutzsystcms kommt. Der holländische Delegierte Patijn sprach sich im Prinzip für die Verallgemeinerung aus, fügte jedoch hinzu, daß er sich dem kürzlichen Protest der drei Großmächte, Frankreich, England und Italien, gegen die Absicht der polnischen Regierung, die Minderhcitenschutzverpflichtungen zu verletzen, anschließe. Der schweizerische Hauptdelegierte Motta äußerte die gleiche Meinung. Nach Kundgebungen der Vertreter Schwedens und Kanadas, die bestimmte Vorbehalte zum polnischen Antrag machten, wurde die weitere Debatte auf morgen vertagt. | Katholischer Blöde? In die verhältnismäßige Ruhe der inner- staatlichen Politik hat in letzter Zeit dec Versuch, dcnAnsatzzurBildungcineSkatho- l i s ch e n B l o ck s zu schaffen, einige Bewegung gebracht. Ein politischer Block der katholisch-kleri- kalen Parteien— eigentlich müßte der Bestand eines solchen nichts Verblüffendes bedeuten. Alle vier bestehenden klerikalen Parteien werden von Geistlichen geführt und man sollte glauben, daß über alle trennenden nationalen Gegensätze hin- weg daS religiöse Zusammengehörigkeitsgefühl nnd das was man„katholische Sache" nennt, sie längst programmatisch und organisatorisch auf einer Linie hätte vereinigen nüissen. Allerdings ist fraglich, ob das im politischen Interesse des KlerikaliSmus gelegen wäre, denn sowohl die deutschen Christlichfozialcn wie die tschechischen, die slowakischen und die magyarischen Klerikalen müßten dann darauf verzichten, den Nationalismus als Köder bei ihrer Agitation zu verwenden, waS sie gewiß allo als einen recht fühlbaren Mangel ihrer Worbokraft empfinde» würden. Es ist heute so, daß die klerikalen Parteien durch. wegS auf dein extremen Flügel der nationalen Politik stehen. Dio deutschen Christlichsozialcn betreiben, obwohl sie zur Zeit ihrer RcgiorungS. tätigkcit bewiese» haben, daß sie auch anders können, eine bis an Unlauterkeit grenzende und auf das Einfangen der ehemaligen Mitglieder der aufgelösten nationalsozialisüschon Partei be- rechnete übernationale Demagogie, von der tsche. chischcn Partei Srameks weis; man, daß sie nicht gerade an nationaler Schwäche leidet, die slowa- kische Partei Hlinkas hat vierzehn Jahre hin. durch von der schärfsten oppositionellen Stellung- nähme gegen die Prager Zentralregierung und von der radikal erhobenen Forderung nach der Autonomie der Slowakei gelebt und über die Haltung der magyarischen Christlichsozialen braucht man schließlich zur Aufklärung der Trieb- federn ihrer Politik keine nähere Aufklärung zu geben. DaS ist freilich kein erhebendes Bild für den gläubigen Katholiken, wenn er sicht, daß die klerikalen Parteien die Wortführer und Preis- fechter eines übersteigerten Nationalismus sind und das mag wohl der Grund gewesen sein, das; die deutschen Christlichsozialcn inohr als cinma! deutlich zu erkennen gaben, die Bildung eines katholischen Blocks sei ein Ziel ihrer Sehnsucht. Sie hasten damit wenig Glück, sie fanden da- für nicht einmal bei der tschechischen Volkspar- tei Sramcks Bereitwilligkeit. Nun hat kürzlich H l i n k a, der Führer der slowakischen Klerika- len, einer Einladung folgend, auf dem Leito- mischler tschechischen Katholikentag das Wort er- griffen und in dein was er sagte, glaubte man eine vollständige Abschwörung der bisherigen Ziele feiner Partei und damit auch die Hörstel- lung der Vorbedingung zur Vereinigung der tschechischen und slowakischen Volkspartci erblicken zu können. Den Tschechen, gegen die er seit seinem vor vierzehn Jahren erfolgten Abgang aus der Regierungskoalition in der Slowakei eine, milde gesagt, höchst unfreundliche Stimmung zu schü- rcn bemüht war, hat Hlinka in Leitomischcl in reicher Fülle Brudergrüße gespendet und er, der wenig Hehl daraus gemacht hat, daß ihm der un- garisiho Staat näher stehe als die Tschechoslowa- kische Republik, beuteuerte nicht nur seine unbe- dingte Loyalität gegenüber der Tschechoslowakei in ihren gcgemvärtigen Grenzen, er versicherte auch, daß seine Partei diese Grenzen mit allen Mitteln verteidigen würde. Bei der seinerzestigen Feier in Pribina, die im tschechischen Volke gegen Hlinka viel Unwillen hcrvorricf, war sein poli- tischcs Konzept noch ein ganz anderes. Die Leito- mischler Rede war ein Herumwcrfen des Kurses unr hundcrtachtzig Grade. ES war dies wenigstens der Eindruck, den Hlinkas Liebeserklärungen in der Oeffentlichkeit hervorriefen und schon sahen manche darin nicht nur den Beginn einer Versöhnung zwischen Tsche- chen und Slowaken, sondern auch den ersten be- vlnlhser Mittwoch in USA 13 Todesotter Oes Streiks 7 Eingreifen Roosevelts? Kleine Entente denen Vertragsverletzungen rtir VcralHtemclnerunii des Mlndcrlteltcnsdiiitzes (Gen f.) Die Frage der Verallgemeinerung deS Minderheitenschutzes bildet heute daS Hauptinteresse in Genf und man erwartet mit Spannung, zn welchen Schlüssen die politische Kommission gelangen wird. Große Aufmerksamkeit erweckt auch die Nachricht, derznfolge die ungarische Delegation einen eigene» Sonderantrag betreffend den Minderheitenschutz in den an Ungarn grenzenden Staaten zu unterbreiten beabsichtigt. Sette 2 Freitag, 21. September 1834 Nr. 221 Der Fall Prlnce (Paris.) Dir Afsärc Prince steht noch immer im Vordergrund des Interesse». Einen Rekord journalistischer Bereitschast stellte Donnerstag das ?lbendblatt„Paris Soir" auf, das den ganzen Text— 180 Maschinenseiten— des Polizeirapportes Guillaumes über die Untersuchung des rätselhaften Todes Prinees wörtlich veröffentlichte und nicht nur den übrigen französischen Blättern, sondern auch den Agenturen und sogar der parlamentarischen UntersuchungSkommisiion, die bisher die Kopien der Texte für ihre Mitglieder noch nicht beendet hat, zuvorlam. Zahlreiche Blätter der Linken und der Rechten sind der Ansicht, daß der Fall Prinee zu politischen Zwecken mißbraucht wird. deutungsvollen Schritt zur Bildung eines katho- lischen Blocks. Bald aber zeigte eS sich, daß die schwungvolle und begeistert aufgenommene Fest, rede Hiinkas einen bitteren Rest übrig gelassen batte. Man lam da erst darauf, daß das Haupt- Hindernis einer Einigung, die Forderung Hlin. las nach Autonomie der Slowakei, über deren „Wie" er sich bisher eigentlich noch niemals klar geäußert hat, weiter bestehe. Von einer Verzichtleistung auf diese Fordcrun war weder in seiner Festrede etwas zu hören, noch konnte man eine solche aus den späteren Aeußerungen der Presse der slowakischen Volkspartei ableiten. Dagegen ist noch in deutlicher Erinnerung, daß Herr Hlinka vor etlichen Jahren sich sogar den bür- gcrlilb-nationalen Sudetendeutschen anbicderte und vor solchem Publikum in Böhmen für die slowakische wie auch die sudetendeutsche Selbswer- waltung eintrat. Die Slowakei für die Slowaken— das stellt er sich vorläufig so vor, daß die tschechische Volkspartei ihre Organisationen in der Slowakei zugunsten seiner Partei auflöse und ihm allein das Feld überlasse. Die Partei des Ministers Sramek hat vor Jahren schon in der Slowakei sich einen Flügel unter der Führung MikuraS angegliedert, der gegenüber den die Politik Hlinkas befolgenden slowakischen Kleri- kalen für das zentralistische Programm der Par- tei SramekS eintritt. Es besteht der Eindruck, daß es Hlinka darum zu tun ist, diese Konkurrenz loSzuwcrden, um so der alleinige Repräsentant des katholisch gesinnten Teiles der slowakischen Bevölkerung zu werden und daß er nach der bekannten Art Henleins sich tarnt und Loyalitätsbutter auf das den Tschechen dargereichte Brot dick ausstreicht, um dabei leine eigenen Parteizwecke zu fördern. Da Herr Eramek nicht daran denkt, diesen Ver- zicht Hlinka zum Opfer zu bringen, kann man annehmen, daß die tschechisch-slowakische Streit- axt noch keineswegs begraben ist und die Hoffnungen jener, denen schon der Mund wässerte, es werde jetzt der„antimarxistische" Kampf wir- kungsvoller geführt oder auch die Deutschen von der Mitregierung im Staate verdrängt werden können, müssen vorläufig zurückgeschraubt werden. Daß solche Hoffnungen aber im Zusam- menhange mit dem Gedanken der Schaffung eines katholischen Blocks überhaupt entstehen konnten, erweist, was unter diesem Wort ver- standen wird und welchen Zwecken er zu dienen hätte. Was wohl im Auge zu behalten sein wird. Vie Schuhmachermeister und Balte Zwei Zuschriften Zum Kampf darum, ob das Reparieren »on Schuhen nur von kleinen Meistern durchgeführt werden soll oder ob auch Fabriksbetriebe — vor allem Bata— Reparaturwerkstätten errichten können, erhielten wir zwei Zuschriften. Die erste, eine längere Darstellung, stainmt vom Verband der Gewerbetreibenden un^Kaufleute mit demSitze in Aussig(Sekretariat Saaz), die zweite ist uns vom Reichsverband der deutschen Schuhmachergenossenschaften in der 2. S. R. (Sitz Rumburg) eingesandt worden. In der ersten Zuschrift heißt es u a.: Die Volksabstimmung ist ein in der Tsche« choslowakei vorgesehener politischer Akt, der bisher noch nicht angewendet wurde und die Wirtschaft hat mit der Politik„bekanntlich" nichts zu tun. Wenn aber die Millionengewinne der Baka« A.-G. auch nur teilweise bedroht sind, dann wird der Verkaufsapparat rasch zu einem politischen Propaganda-dlpparat umgeluandelt und mit einer Betriebsamkeit, die eines Goebbels würdig wäre, und mit einem Pathos, hinter dem di«. Profit- intereffen schlecht verhüllt sind, wird Lärm geschlagen:„Protestierti" Getreu ihrem Grundsatz „Dienst am Kunden" wendet sich die Bata-A.«G. nun an die Kunden und bittet um Gegendienste ihrerseits. Und die llrsache des ganzen LärmS: die unerfreuliche" Tatsache, daß neben der Baka- A.-G. mit ihren Millionengewinnen noch vielleicht 80.000 Schuster existieren, die Hungereinkommen haben und denen auch noch diese Hungercinnah- men genommen werden sollen. Um diesen 80.000 Menschen, die von der übermächtigen Kapitalskraft der Bata-A.-G. bedroht sind, die sich vor allem auf Kosten ihrer Kunden keine solche Propaganda und Reklame leisten können, em wenn auch sehr, sehr bescheidenes Dasein zu sichern, plant die Regierung die Herausgabe eine» Gesetzes. da» den Betrieb von sogenannten Fabriksreparaturwerkstätten untersagt. Dagegen werden also Petitionen überreicht und sollen Millionen Unterschriften gesammelt werden. Dabei will das Schuhmachergewerbe Bakas Erzeugungstätigkeit, auf die er sich beruft, gar nicht einschränken, sondern verlangt lediglich, daß die Annahme und Ausführung von Schuhreparaturen durch die Industrie unterbleibe. Und das mit Recht: die Entwicklung der Großindustrie gerade im Schuhgewerbe hat es mit sich gebracht, daß das Schuhmachergewerbe, einige Spezialarbeiter ausgenommen, auf Reparaturen angewiesen ist. Auch diesen Erwerbszweig will die Industrie dein Schuhmachergewerbe in immer Wei, teren Umfange abnehmen. In sozialpolitischer Hinsicht bestehen gewaltige Einwendungen gegen die Werkstätten der Firma Baka. Selbst für die Gewerbevi Hörden dürste eü kein Geheimnis sein, daß die achtjiündige Arbeitszeit in diesen Werkstätten nicht eingehalten wird, also gerade in der heutigen Zeit der schwersten Wirtschaftskrise durch diese Ueberarbeit den Handwerkern Arbeit und Brot entzogen lvird. In gewerberechtlicher Beziehung ist der Standpunkt der Firma Bata unhaltbar, wenn sich auch die Firma Bata darauf beruft, daß es „noch nie da war, daß demjenigen, der Schuhe erzeugt, die Reparatur von Schuhen verboten wird". Die Fassung des 8 88a der Gewerbeordnung zeigt deutlich, daß Bata Unrecht hat: In habern von Handelsgewerben ist die Entgegennahme von Schuh- und Kleiderrrparature» verboten. Dasselbe gilt auch für die Verkaufsstellen der Großbetriebe, denn auch der Betrieb einer derartigen Verkaufsstelle ist eigentlich ein Handelsgewerbe und da» Gesetz will diesem legalen Zustand nur eine korrekte Interpretation geben. Baka beruft sich darauf, daß in den Reparaturwerkstätten 20.000 Menschen beschäftigt werden. ES würde uns interesiieren, wieso er zu dieser Zahl kommt. Wenn viel, dürften in den Bata- Betrieben ettva 1500 Personen mit Reparaturen beschäftigt sein, in den Hilfsindustrien etwa weitere 1500, insgesamt also 8000 Personen. Da diese letzteren 1500 Personen auch dann beschäftigt sein werden, wenn statt Bata die Schuhmacher das Leder beziehen, handelt e» sich um 1500 Personen. Dagegen stehen die Interessen von zehntausenden Schuhmachern, die einen berechtigten Anspruch darauf haben, auch in diesem Staate zu leben und nicht zu verhungern und mit Fug und Recht verlangen können, daß der ohnedies schmale Gelvinn au» der Reparatur von Schuhen nicht dem Millionenunternehmen Bata», sondern ihnen zugute kommt. In der zweiten Zuschrift wird u. a. gesagt: Nach jahrelangem Kampfe, den da», dem Abgrund naheliegende Schuhmachergewerbe führt, erwägt die Regierung ein Verbot, daß Niederlagen von Schuhfabriken keine Reparaturwerkstätten mehr betreiben dürfen. Durch diese Maßnahme soll da» dem Tode geweihte Schuhmacherhandwert vor dem Untergang gerettet werden. Die Firma Bata läuft nun Sturm gegen diese geplante, vernünftige Maßnahme und bietet alle ihr zu Gebote stehenden Machtmittel auf. um gegen un» Stimmung zu machen und die Verivirklichung der Gesetzesvorlage in letzter Stunde, wie schon so oft, zu verhindern. Als Hauptargument wird eine bevorstehende Verteuerung der Reparaturen angeführt, falls Bata diesen Kampf verliert. Wir widerlegen diese Beschuldigung und erklären, daß wir jederzeit, bei Verwendung der gleichen Materialien imstande sind, zu gleichen Preisen Reparaturen zu liefern. Al» zweite» Argument gegen un», bringt Baka seine Sorge um die zu gewärtigenden Arbeitslosen in» Treffen, wa» gleichfalls nicht zutrifft. Bei besserer Beschäftigung ist eS un» möglich, alle arbeitslosen Schuhmachergehil» fen dec Arbeit zuzuführen und ihnen ein Menschen. lvürdigeS Dasein zu sichern, da wir fast alle Arbeiten mit der Hand, ohne maschinelle Hilfe durchführen. Wir dürfen wohl annehmen, daß die gesamte Arbeiterschaft davon überzeugt ist, daß wir proletarischen Gewerbetreibenden den schwersten Existenzkampf führen, wo das Recht auf unserer Seite ist und bitten alle Arbeiter und Arbeiterinnen um ihre Unterstützung im Abwehrtamps gegen das Großkapital. Für du Asylrecht In der Tschechoslowakei Das„Närodni osvobozcnt", da» Blatt der Legionäre, setzt sich seit einiger Zeit nachdrücklich für die Wahrung des Asylrechtes in der Tschechoslowakei ein und tritt dagegen auf, daß von untergeordneten Organen da» Asylrecht politischer Emigranten in letzter Zeit verletzt worden sei. Da» Blatt führt verschiedene Fälle der Verletzung de» Asylrechts an: Der reichsdeutsche Emigrant E. K. trat von Brünn zu Fuß die Reise nach Sowjet« ruhland an. Die Liga' für Menschenrechte stellte ihm einen kleinen Betrag zur Verfügung. In Kaschau wurde der Emigrant verhaftet und, ob« ivohl er einen von der Brünner Polizeidirektion Der Außenminister der Sowjetunion, Litwinow, ist der Vertreter der USSR.im Völkerbund und wird wahrscheinlich zum Ratspräsidenten gewählt werden. ausgestellten JnterimSpaß besaß, au» der Tschechoslowakei auSgewiesen und nach zehntägiger Hast a>: die polnische Grenze gestellt. Dort wurde er neuerlich verhaftet und in die Tschechoslowakei zurückgeschickt. An der tschechoslowakischen Grenze wiederholte sich dasselbe Spiel.. E. K. wurde neuerlich aus Polen abgeschoben, an die tschechoslowakische Grenze überstellt und hier wegen verbotener Rückkehr zu drei Wochen Arrests verurteilt. Jetzt hat er um gnadenweise Erteilung der Auf« enthaltsbelvilligung angesucht. Der ungarische Emigrant Dr. B. H. wurde aus Wien ausgewiesen und kam ohne Patz nach Pretzburg. Hier wurde er verhaftet, weil er ohne Patz die Grenze überschritten hatte und an die ungarische Grenze abgeschoben. Die österreichischen Emigranten A. F. und E. S. kamen nach Rapotin in Mähren und suchten bei der Gendarmeriestation um Aufenthaltsbewilligung an. Sie wiesen sich mit einem Heimatschein aus. Beide wurden festgenommen und befinden sich seither in Haft.— Der österreichische Emigrant R. W. wurde in Olmütz verhaftet und in Haft belasten, weil er keine Dokumente hatte.— In Leitmeritz wurde der ehemalige reichsdeutsche Abgeordnete P. in Haft genommen, weil er sich mit einem falschen Patz auswie». Seine Frau wurde an die deutsche Grenze abgeschoben. Im Gerichtsgefängnis der gleichen Stadt befinden sich die reichsdeutschen Emigranten H. M. und K. S., denen gedroht wird, datz sie nach Verbühung der Strafe nach Deutschland ausgc- wiesen werden. Gegen diese Verteidigung des Asylrechtes durch das Legionärsorgan hat sich nun der„Ben« tov" gewandt und das„När. Osv." von gestern beschäftigt sich deshalb nochmals mit den Ucber- griffen einzelner Behörden gegenüber den Emigranten. Die Ansichten über' die Emigration, die da» agrarische Blatt vorträgt, sind nach Ansicht des„När. Osv." nicht demokratisch. Bon jemandem zu behaupten, er könnte bei uns Spionage betreiben, ist gegen alle demokratischen Auffassungen von den Menschenrechten. Wenn die Emigranten sich tatsächlich gegen die Gesetze der Republik vergehen, ist es selbstverständlich, datz sie ausgewiesen werden. Aber man darf politische Flüchtlinge nicht auSlveisen, weil sie keinen Patz haben. Da» ist unmenschlich und verlverflich. 1 BRUNO ADLER: li^= UN TATSACNINROMAN Copyright 18 1 by Michal Kacha Verlag. Prag XIX| 17. Sttli 1808 Auf dem flachen Rücken einer der Anhöhen, die in welligem Zug die Länder Böhmen und Mähren mehr miteinander verbinden als voneinander abgrcnzen, schläft das alte Städiche» Jglan in der Sonnnersonne. Noch weitläusiger als sonst ist der Marktplatz an diesem stillen Sonntagnachinittag. Kein Mensch ist zu sehen. Vor den Gasthöfen stehen ein paar ländliche Gespanne. Klatschend kämpfen die Pferdeschweife gegen die Fliegen. Altersgrau und vornehm verschlossen sichern die Fassaden der Bürgerhäuser die Ruhe sonntäglicher Siesta. Das Arbeitsvolk der Stadt und der Umgebung— die Leute aus den Tuchwerken von Löw Beer, aus den Wirkwaren-, Schuh- und Lederfabriken— feiert zur selben Zeit sein Sommerfest. lleberall im Land haben die Sozi, wie man die Anhänger der Sozialdemokratischen Partei halb spöttisch, halb ängstlich nennt, diesen 17. Juli deS Jahres 1808 zu ihrem Festtag gemach!, und überall verläuft er ähulich. Geschloffen sind die Männer, Frauen und Kinder aus der Stadt und den nahen Dörfern in den Wetter- Höfler Wald marschiert, mit roten Nelken geschmückt, rote Fahnen vor ihnen her; auch daeinfache Waldgasthaus ist rot dekoriert, Bänder mit Aufschriften— Heraus mit dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht! Fort mit dem 8 14! Hoch die Solidarität des internationalen Proletariats!— find zwischen hoh. Tragstangen gespannt. E» sieht nicht Übel au»; die grüne Lichtung im roten Schmuck und der blaue Himmel drüber. Ein Genosse hat in unbeholfenen Worten die Teilnehmer und den Festredner, einen Doktor aus Brünn, der nächsten Großstadt, begrüßt,' die Arbeitersänger haben ein Kampflied vorgetragen, dann hat man den Platz freigemacht, damit der Arbeiterturnverein und die Radfahrer ihr» Künste zeigen konnten, und nachher zog alles zu ein paar dürftigen Bretterhäuschen.„Japanisch» Wurfbude" heißt eine»,„Panoptikum" und „Glückshafen" die anderen, und ein Ringelspiel 'wartete auf die Kinder. ES gab eine Pause, in der man Lotterielose kaufte, die Buden besichtigte, die Kinder Karussell fahren ließ und Bier oder Sodawasser trank, und dann begann die Festrede. Der Redner steht hinter einem primitiven, mit rotem Stoff bespannten Pult auf einer Bodenerhöhung. Um ihn gruppieren sich die Zuhörer im FeiertagSgelvand, die Frauen in lebhaften Farben. Man ist hier inmitten einer deutschen Sprachinsel, die eingesessen« Bevölkerung ist rein deutsch, aber das Jndustrieproletariat enthält viele»«gezogene Tschechen und mährische Slowaken. Während die bürgerlichen Städter JglauS jedes tschechische Wort als verrat am angestammten Volkstum verpönen, scheint die Arbeiterschaft das Sprachenproblem zu ignorieren. Fast jede» hier ist mit der zweiten Sprache einigermatzen vertraut, und der Doktor aus Brünn überseht nicht darum manche Worte in» Tschechische, um von allen verstanden, zu werden, sondern um damit anzudeuten, datz eS für ihn Und seine Partei keinen Unterschied zwischen Deutschen und Tschechen gibt. Er spricht von der politischen Lage. Dieses Oesterreich, sagte er, hat nur zum Schein eine Verfassung. So oft sie den Machthabern unbequem wird, hebt man sie mit dem 8 14 auf, und so wird der alte Absolutismus wieder hergestellt. Die alte österreichische Regie- rungSlunst, aber auch die tradionelle bürgerlich« Politik, beide charakterlos und nur auf die Unterdrückung der aufstrebenden Arbeiterklasse gerichtet, haben Bankrott gemacht und den Staat an den Abgrund getrieben. Die nationalen Bourgeoisien machen Scha- chergeschäfte und heißen da» Politik. Statt da» Selbstbrwutztsein der Einzelvölter. da» mit dem kulturellen Aufstieg wächst, zu befriedigen, mißbrauchen sie es, um die Nationen gegeneinander aufzuwiegeln. Damit verschulden sie die schauerlichen Ausbrüche des Chauvinismus, die in Böhmen, Mähren und Galizien«n der Tagesordnung sind. Nationale Volkstage führen zu Exzessen, Ministerkrifen zu Plünderung«», friedliche Feste zu Schießereien und Brandlegungen. So Hetzen die feudalen Mächte Volk wider Volk, und di» Vertreter de» Kapital» und der Kirche säen Zwietracht und Hatz zwischen Rassen und Konfessionen. Laßt euch nicht dumm machen, Genossen, ruft der Redner au». Laßt euch nicht gegen eure Klaffengenossen anderer Nationalität aufhetzen! Die nationale Hehsuppe. Genossen, laßt nur ruhig jene auölöffeln, die sie eingebrockt haben. Ihr habt e» nicht nüitg, euch daran den Magen zu verderben und für die Folgen zu bützen, während die Köche au» den Finstern auf euch herunterspucken und sich ein» lachen, weil die Massen noch jo blöd sind und auf jeden Köder anbeitzen. Und um die wahre Gesinnung der Parteien zu entlarven, liest er au» ihren Zeitungen vor. Triumphierend meldet die deutschradikale„Ostdeutsche Rundschau", datz die sozialdemokratischen Kandidaten bei den GehilfenanSschntzwahlen in Brünn gegen die vereinigte Liste der Deutschnationalen und der Jungtschechen unterlegen sind. Dieselben völkischen Führer, die sonst nur von der„minderwertigen tschechischen Nation", von dem„schmutzigen jungtschechischen Gesindel" sprechen, schrecken vor keiner Ehrlosigkeit, vor keinem verrat zurück, wenn e» gegen die Klasse der Werktätigen geht. Nicht besser sind die Christlich- '.'zialen. Alle ihre volküfrenndlichen Versprechungen sind vergessen, seit sie in Wien und in Nte- derösterreich an der Krippe sitzen. Wa» ist das für ein Christentum, da» e» mit den Reichen und Großen hält? Nicht besser kann der Redner sich seinen Zuhörern verständlich machen, als, indem er ihnen erzählt, wie ihr geistlicher Oberhirte, der Olmtther Erzbischof Kohn, sein Christentum auffaßt: wie er es verstanden hat, von der verkrachten Chropiner Zuckerfabrik sein Geld auf Heller und Pfennig zurückzubekommen, wodurch tausend kleine Bauern um ihren Jahresverdienst betrogen wurden; wie er sein Dienstpersonal auS- beutet und schindet, soa daß sich schon der dritte da» Leben genommen hat; und wie er erst kürzlich wieder sechSunddreißig arme Frauen wegen Holzdiebstahl» anklagen und verurteilen ließ, weil sie in den unermeßlichen Wäldern deS Erzbistum» wertloses Reisig aufgelesen haben... Wa» bedeutet es aber, daß jetzt wieder einmal von allen diesen Parteien, den Latifundien« besitzern, den Deutschradikalen und den Thrist- lichsozialen, das Volk gegen die Juden aufgehetzt wird? Jeder aufgeklärte Arbeiter verstehi, was die Kapitalisten damit bezwecken: sie wollen die Juden zum Blitzableiter für die soziale Empörung der Massen machen. Sie wollen die Aufmerksamkeit von der agrarischen, feudalen und kirchlichen Ausbeutung auf die jüdische ab« lenken. Richt etwa gegen die jüdischen Großindustriellen und Grotzkapitalisten, nicht gegen die Barone Rothschild und Guttmann geht eS dabei, di« stehen ja selber den Thristlichsozialen näher al» etwa den Proletariern ihres eigenen Glaubensbekenntnisses; sondern gegen die kleinen jüdischen Gewerbetreibenden geht es, ihnen wird da» ganze Unglück in die Schuhe geschoben, damit die wahren Unheilstifter ungeschoren bleiben. Kein klaffenbewußter Arbeiter wird sich davon den Kopf verdrehen'lassen, er Weitz: sein Feind ist der Ausbeuter, ob er christlich oder jüdisch ist, und sein Freund der entrechtete, auSgebeutet« Genoss«, welcher Raffe er auch angehöre».. (Fortsetzung folgt.) Rr. SSI Herr Sandneri Sie hatten das Bedürfnis, mir in der .Rundschau" die Frage zu stellen, ob ich als Vertreter der jungen sozialdeniolratischen Generation und Redakteur des Zentralorgans meiner Partei den in der sozialdemokratischen Presse über die Versammlung in Haida erschienenen Bericht billige. Nach Ihrer Meinung»verkehrt er alles Tatsächliche bewußt ins Gegenteil und arbeitet mit ungeheuerlichen Entstellungen". Ihre Neugierde kann ich rasch befriedigen: ich unterschreibe jedes W o r t, das in dem Bericht steht, denn keines ist unwahr. Was hunderte Arbeiter selbst erlebten, werden Sie nicht abzuleugnen vermögen. ES ist allerdings ziemlich müßig, mit Ihnen eine Unterhaltung über Wahrheit und Unwahrheit zu führen. War doch die Versammlung in Haida der stärkste Beweis dafür, daß Ihre Fähigkeit, Schmutziges vom Reinen zu unterscheiden durch Ihren Aufenthalt unter Ihren jetzigen.Kameraden" beträchtlich vermindert wurde. Sie haben in Haida— und in Trautenau— über die sozialdemokratischen Führer in jenem Kaschemmenton gesprochen, der Ihren jetzigen Freunden an Goebbels so gefällt. Ihre Behauptung, die »Parteibonzen" hätten die Sache des Sudetendeutschtums ständig mit den Angelegenheiten ihrer eigenen Geldbörse verwechselt, hat Ihnen wohl den Beifall Ihrer Herde eingcbracht, aber Sie haben die Aufforderung, Beweise zu erbringen, in keinem einzigen Falle befolgt. Meinen Sie, man müsse, nm im Namen der jungen Generation reden zu dürfen, so schimpflich die Gesinnung wechseln wie Sie und dann, um seine Vergangenheit vergessen zu machen, die früheren Genossen mit Kot bewerfen? Sie, der Sie ohne Bedenken und ohne den Schatten eines Beweises ehrliche Männer verleumden, weil Sie der geistigen Waffen im Kampfe gegen sie ermangeln, haben überhaupt das Recht verwirkt, von politischer Moral zu reden. Sie berufen sich auf die Gefolgschaft der jungen sudetendeutschen Generation. Aber das Vertrauen einer irregeführten Jugend, die nach der fascistischen Führerideologie und Geisteshaltung zu erziehen Sie ebenfalls eifrig bemüht sind, gibt Ihnen nicht das Recht, meinen Anspruch auf die Vertretung jenes Teils der jungen sudetendeutschen Generation stresiig zu machen, die die Gesinnungslumperei ebenso verachtet wie die lcise- treterische Demut vor hakcnlrcuzlcrischcn Mörderhäuptlingen. Warum machen Sie sich Sorgen um mein« »Abhängigkeit" vom sozialdemokratischen Parteivorstand? Meinen Sie, Sie könnten durch diesen albernen Dreh erreichen, daß man Ihre Abhängigkeit vom»Führer" Henlein übersieht? Bon demselben Mann, der in geheimen. Rundschreiben' an sein« cGetreuen im. Vollgefühl., seiner.Dikta«, torenlvürde mitteilt, er habe nur Männer seiner 'Wahl und seines Vertrauens um sich versammelt? S i e müssen tanzen wie Ihr Führer pfeift— sonst kriegen Sie den Laufpaß und die gutbezahlte Bonzenstelle, die Ihnen der Gesinnungswechsel einbrachte, ist unwiderruflich verloren. Aber wenn Sie sich so wciterentwickeln, wie die Versammlungen in Haida und Trautenau zeigten, werden Sie des Vertrauens Ihres»Führers" sicherlich immer würdig bleiben. Ueber mich brauchen Sie keine weiteren Auskünfte; aber es war notwendig, jenen Teil der Oeffentlichkeit mit Ihnen bekanntzuinachen, der nicht auf wendige Unverfrorenheit, sondern auf Anstand und Charakter im politischen Leben Wert legt. DaS war der einzige Grund, der mich bewog, Ihnen zu antworten. Karl Kern. IhlittiMlMslMihv der tschechoslowakischen Wehrmacht (Bent a. d. Bäzava.)(Eigenbericht.) Die Herbstmanöver der republikanischen Wehrmacht, die größten seit ihrem Bestand, finden unter den Augen zahlreicher Gäste, militärischer und ziviler, statt. Die besondere Bedeutung, die den Herbstübungen znkommt, drückt sich in der Gegenwart einer Reihe Minister und Parlamentarier(unter ihnen die Genossen Soukup, Hummelhans und für unser« Partei Müller) in der Anwesenheit der französischen Generalstabschefs und der gesamten hohen Generalität de» MRO aus. Die Manöver werden nicht nur«ine verhält- nismäßig große Zahl von Truppen und operativen Einheiten in Aktion sehen, sondern vor allem auch durch den streng feldmäßi gen Charal«.b beweisen, daß man das Manöver nicht als Spielerei. sondern als ernste Prüfung dec Wehrfähigkeit der Republik auffaßt. Tatsächlich sind alle strategische» Annahmen, die taktische Durchführung und der so wichtige BerpflegSdienst feldmäßig und dem Ernstfall möglichst angepaht. Die 'Truppe wird aus Feldküchen und Feldbäckereien verpflegt, der Nachschub ist auf die im Operationsbereich liegenden Straßen und Bahnen beschränkt, außerdem werden Lebensmittel und Futter im RequisitionSberfahren aufgebracht. Der Schauplatz der Manöver Ist das südo st böhmische Hochland. Es ist ein Gebiet ohne große Städte und Bahnlinien, von vielen kleinen, meist schmalen, aber ost tiefen Tälern zerschnitten, von Kuppen überhöht, die 400 bi» 800 Meter Seehöhe erreichen und sich über den Talsohlen etwa 100 bi» 180 Meter erheben. Einzelne Höhen steigen aber bi» über 700 Meter an und beherrschen weithin die Gegend. L» Seite.3 gibt viel Wald, der aber in kleinen Parzellen zwischen Wiesen und Feldern verstreut ist. Es ist ein für große Operationen schwierige» Gelände, da» aber für taktische Experimente sehr geeignet ist und Ueberraschungen ermöglicht. Die Operationen der roten(mährischen) Armee(General K a d l e c) gehen etwa aus der Linie Deutsch-Brod-Jglau aus. Die blaue(böhmische)^ Armee(General Voiruba) operiert aus dem Raum Beneschau—Votier. Die Armeen sind also in den Ausgangsstellungen sehr weit voneinander entfernt. Im Laufe des 20. September näherten die Vorposten beider Armeen sich dem strittigen Gelände südlich der mittleren Sckzava zwischen Ledet, Zrut und der Bahnlinie Jglau—Cereker—Mczimosti. Die Manöverleitung gab in Bruö a. S. den hier untergebrachten Presseberichterstattern Donnerstag Gelegenheit, das Terrain kcnnenzulernen und die Technik der modernen AufklärungS- und Vorpostengefcchte kennenzulernen. Vormittags wurden die Berichterstatter zum Empfang des französischen Generals G a m c l i n und des Ministers für nationale Verteidigung B r a d ä ö in LedeL zugezogen. Rege Gefechtstätigkeit war Donnerstag noch nicht zu verzeichne», sondern es handelte sich um Ein großes Geschrei, als ob sie ein Mittel erfunden hätten, das ganze deutsche BoU glücklich zu machen, erheben die deutschen Nationalsozialisten über die Entlassung vieler Unglücklichen. die seit dem Beginn dec Hitlerherrschaft in den Konzentrationslagern festgehaltcn worden sind. Daß daS Lager Oranienburg, eines von Dutzenden, sogar gänzlich aufgehoben worden ist, verkünden sie täglich dreimal durch das Radio. Was bedeutet die Entlassung so vieler Marxisten und Juden aus der Nazihölle? EsmußPlatzge- fchaffenwerdenfürdie rebellierenden SA- Leute. Das Gerede von der weitherzigen Amnestie, die Hitler gewährt habe, ist Schwindel, wie 09 Prozent von alledem, was die Verkünder der nationalsozialistischen HcilSlehren kundtun. Auf manchen Gebieten wird die niederträchtigste Spit- zekarbeit sogar noch raffinierter gestaltet. Voll- kommen glaubwürdig wird berichtet, daß man in der Abwesenheit mißliebiger Personen in deren Wohnungen ganz kleine Mikrophone eingebaut hat, die das Abhören eines jeden Wortes, das in solchen Wohnungen gesprochen wird, ermöglicht. Technisch ist diese Einrichtung garnichts neues, sie hat schon im letzten Weltkriege raffinierteren Spionen in Hotelzimmern erhebliche Dienste geleistet. Mehr als schändlich ist jedoch die Anwendung solcher^ Methoden zur Bespitzelung eigener Voltsgenossin, die pölitisch ÄS' nicht zuverlässig angesehen werden. Daß die Juden unter gar leinen Umständen als zuverlässige Staatsbürger angesehen werden, wird jeden Tag von neuem demonstriert. Auf dem nationalsozialistischen Parteitag in Nürnberg hat Hitler sich fast nur in Gesellschaft des wüstesten Judenverleumders Streicher gezeigt, der unaufhörlich ganz offen zu Judenpogromen ermuntert. Adolf Hitler aber hat ihn al» den unermüdlichsten Kämpfer gegen das Judentum gepriesen. Uebrigens hat dieser Streicher jetzt einen Konkurrenten bekommen in dem Apotheker Wilhelm Michael in Altona. Dieser Hitler-Mann läßt an Deutlichkeit inbezug auf seine Wünsche eben so wenig übrig wie Streicher. Dafür eine Probe aus einer von ihm herausgegebenen Schrift: ,Bor 180 herrschte noch der gute alte Zustand, der heute auch wieder kommen mutz: Jeder deutsche Junge konnte erreichen, datz ein des Wege» kommender Jude vor ihm den Hut abzog, indem er einfach sagte: ,Fud, mach More»'." In Berlin sind von 200.000 SA-Leuten Dreiviertel entlassen worden, so daß nach der Abg. Ivanka verläßt die Nationaldemokratie. Der siowakische Abgeordnete der national- demokratischen Partei Dr. Milan Ivanka hat auf sein Mandat verzichtet. Die Nationaldemokraten verlieren damit ihren stärksten Mann in der Slowakei und erleiden einen schtvcren Schlag, da Dr. Ivanka seinen Schritt au» politischen Gründen, zum Zeichen seiner Ablehnung der na- tionaldemokratischen Politik, tat. Ivanka ist der viert« Abgeordnete, der die nationaldemokratische Partei verläßt. Tschechische Sozialdemokraten gegen Selbstverwaltungsgesetz Wie das„Prävo Lidu" berichtet, hat am Mittwoch eine gemeinsame Sitzung des Parteivorstandes der tschechischen Sozialdemokratie mit den Vorständen der beiden parlamentarischen Klub» stattgefundcn, in der u. a. der Bürgermeister von Pilsen, Genosse P i k, über die vorbereiteten Vorlagen über die Sanierung der Selbst- perwaltungSfinanzen referierte und»die antidemokratischen Tendenzen dieser Vorlage ablehnte". DaS Blatt bringt auch eine Notiz unter dem Titel»Angriff der Bürokratie auf die Selbstverwaltung", Ivo e» darlegt, daß die uational- demokrätische hohe Bürokratie Ihren Einfluß aus den Inhalt der Vorlagen geltend gemacht bat. Der SanierungssondS, aus dem der Staat Kredite Geplänkel der Vorhut auf beiden Seiten. Kavallerie. Infanterie, Maschinengewehrabteilungen und die leicht beweglichen Panzerautomobile Ivurden vorgeschoben. Die Gegner tasteten einander ab, um die schtvachen Stellen der Front und die voraussichtliche Stoßrichtung zu'erkunden. In den Nachmittagsstunden wurde ganz vereilizelt auch Artillerie eingesetzt. Auf dem Südflügel hörte man beiderseits Maschinengewehrfeuer. Lebhast Ivar gegen Abend auch die Flicgeraufklärung, wobei sich manövermäßige Luftkämpfe enttvickeltcn. Man kann damit rechnen, datz in der Nacht beide Armeen die Frontlinien beziehen werden, in denen sie sich zu schlagen gedenken. DaS Aussehen der Soldaten ist gut, die Bevölkerung nimmt das Militär überall freudig und mit großer Herzlichkeit auf. Der Stabsches der Manöverleitung Oberst F a s s e t t i hielt an die Pressevertreter eine in demokratischen Geist gehaltene Ansprache, in der er als die Aufgabe der modernen Armee die Verteidigung des Landes und die Sicherung der Ruhe und des Friedens für alle Staatsbürger bezeichnete. Er zitierte ein Wort von Maurice Bac- rc's, datz die Soldaten heute nicht mehr für den Ruhm, sondern fiir die Scholle und die Zukunft Ihrer Kinder kämpfen. »Reinigung" immer noch 80.000 übrig geblieben sind, also 49.099 zu viel, wenn man ein lebendiges Exemplar für ein Museum oder eine Menagerie ausbewahren wollte.— Allmählich werden imnier mehr Einzelresul- late von der Abstimmung am 19. August bekannt. Erst diese Nachweise im Kleinen lassen erkennen, in wie unerhörter Weise von den Nationalsoziali- itcn im Großen geschwindelt worden ist. Bekanntlick waren für den»Führer" rund 38 Millionen Stimmen abgegeben worden, während die Opposition auf rund 8 Millionen(gegen 2.5 Millionen bei der vorletzten Abstimmung) gestiegen war. Ter deutschen Presse war verboten worden, Ver- glcichSzifsern. nebeneinander zu stellen, eS durften also die Abstimmungsergebnisse vom 12. November 1983 nicht mit denen vom 19. August 1934 verglichen werden. In den Ländern Baden* und Württemberg hatten sich die Nein-Stimmen verdreifacht. In einzelnen Orten war daS Verhältnis noch viel drastischer. In Forst in der Lausitz(unweit von Berlin) wurden angeblich 26.634 Stimmen abgegeben, obwohl nur 26.193 Berechtigte nachgewiesen werden können. 441 Stimmen haben die Naziwahlvorsteher zugunsten Hitlers also mehr gezählt. Daß solche Rechenkunststücke zahlreich vorgekommen sind, kann nicht ver- wundern, wird doch aus Bayern berichtet, daß durch die Dörfer LautsprechautoS gefahren sind, um zu verkünden,„datz auch der abstimmen könne, der nicht im Besitze einer Wahlkarte oder eines Stimmscheine« sei. Er solle sich ins Wahllokal begeben und auf Ehrenwort wählen." Ein Ehrenwort bedeutet bei den Nazis nichts, wie man aus zahlreichen Beispielen, die selbst höchste Führer geliefert haben, weiß.— Die Behauptung, daß Hitler jetzt schon kaum eine Mehrheit im Dritten Reich werde erlangen können, wenn eine absolut freie und wirklich geheime Abstimmung möglich wäre, ist bestimmt richtig. Eine geheime und freie Wahl können die Terroristen also garnicht zulassen, sie müssen ihre BergewaltigungSpolitik fortsehen.»Vierzehn Tage Pressefreiheit würden genügen, um gräßliche Dinge, von denen daS Ausland keine Ahnung hat, an den Tag zu bringen und die Regierung zu stürzen." Das sagt der„Coriera d'Jtalia". Zu den Bemerkungen des italienischen Blattes sei übrigens nur gesagt, daß die Verhältnisse in dem Italien Mussolinis nicht wesentlich anders sein dürften, als im Deutschland Hitlers. Robert Böhmer. für die Selbstvertraltung garantieren würde,>oll aus Quellen gespeist werden, welche nach der sozialen Seite hin unannehmbar sind und ebenso ist die Delegierung bürokratischer Aufsichtspersonen tr- die Gemeinden für die Selbstverwaltung unwürdig. Die Selbstverwaltung würde dadurch der Bürokratie vollkommen ausgeliefert werden. Henlein durchschaut In Oesterreich Die«Prager Presse" schreibt über da» Verbot der Henleinschen„Rundschau" in Oesterreich: DaS Verbot der„Rundschau" Henleins, wenige Wochen nach dem Wiener Kanzlermord, ist auS mehr als einem Grunde interessant. Es ist ein Beweis, daß man in Oesterreich über Henleins „Rundschau" und seine Ziele voll im Bilde ist. Erfahrung ist eben der beste Lehrmeister. Jedenfalls sind die politischen Ereignisse mehr als paradox: in Oesterreich sieht man in dem Blatt Henleins nationalsozialisti» s ch e Konterbande, in der Tschechoflowakei Die i in erster Reihe ein Kampf gegen die deutschen Sozialdemokraten. Man findet auf dieser Linie auch das„Deutsche Volksblatt" in Kopwtau, da- Henlein und der SHF brillante Sekundanten- und Reklamedienste leistet. Es glaubt die Tatsache in Abrede stellen zu können, daß HenlemS Be- tvegung im deutschen Gebiet Unruhe hervorgerufen hat und stellt die Behauptung auf, daß diese Unruhe vom»Konkurrenzneid" der deutsche» Sozialdemokraten hervorgerusen ist. Die deutschen Sozialdemokraten brauchen keinen Antvalt. Doch ist , es evident, daß man mit solchen Redensarten' ine IVertuschungSpolitik treibt, um den^lick > vom richtigen Ziel abzulenken. Ununterbrochene . Angriffe gegen eine Partei, die l o y a l am Staate (mitarbeitet und im Koalitionsverband mit tfche« t choslowakischen Parteien das Banner der Demo« . lratie hochhält, sind ein Dokument dafür, daß man in bestimmten Redaltionsstuben nicht mehr den Tag erwarten kann, wo die loyalen deutschen Parteien von der SHF aufgesogen sein werden und wo Henleür den Tag für gekommen sehen wird, alle Rücksichten auf die Takril fallen zu lassen. Spanien vor entscheidenden Tagen (Madrid.) Der ehemalige sozialistische Deputierte Gabriel Moron wurde wegen Aufbewahrung von Explosivstoffen verhaftet. „Echo de Paris" und„Daily Telegraph" berichten auö Madrid, dass die Lage in Spanien äußerst gespannt sei. ES herrschen Befürchtungen vor einem sozialistische» Umsturz. Hohe Beamte und auch zahlreiche Generale sind mit den Sozialisten eines Sinne» und auch unter den Soldaten habe die sozialistische Propaganda stark an Boden gewonnen. Zwei Todesurteile und zwei lebenslängliche Kerkerstrafen (Wien.) In Leoben wurden am Donnerstag die beiden Angeklagten Stromberger und Kal- cker wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zum Tode verurteilt. Sie waren beschuldigt, die Urheber de» Sprengstoffanschlages auf Kaplan Eibe in Kahenberg zn sein, der tödlich verletzt wurde. Da das Verfahren vor dem Schwurgericht durchgeführt worden war, wird die im Gesetz vorgesehene Berufungsfrist abgewartet. Vor dem Wiener Militärgericht hatten sich heute zum zweiten Male die beiden Wachebeamten G r y l k a und N i k i s ch zu verantworten. In der heute wiederaufgenommenen Verhandlung klagte der Staatsanwalt die beiden Wachebeamten wegen entfernter Teilnahme am Hochverrat an, deren sie sich schuldig gemacht hätten, weil sie bei der Besetzung der„Rawag" für die Putschisten Wache standen. Die beiden Angeklagten wurden zu lebenslänglich em Kerker verurteilt. Nit dem FascIsmus gibt es keinen Frieden I Da» Ende eines Bersöhnungsversuchs Die Innsbrucker„Volkszeitung" konnte nach den Febertagen als„Unabhängiges Organ für die Interessen der Arbeiter und Angestellten Tirols" weitererscheinen. Die Redaktion hatte eine gewisse Bewegungsfreiheit, weil die Behörden daran interessiert waren, daS Ueberlaufen der Arbeiter zu den in Tirol besonders starken Nazis zu verhindern. Othmar Popp versuchte, diese Situation zugunsten der Arbeiter auSzunützen und durch die Schreibweise seines Blattes die fascistische Regierung zu einer versöhnlichen Politik gegenüber den Arbeitern zu bewegen. Diesen Versuche» standen die Arbeiter sehr skeptisch gegenüber, die nicht mit Unrecht in der Haltung Popps ein Paktieren mit dem FasciSmuS erblickten. Denn jede Anerkennung des fascistischen Rcgierungsprinzips ist ein Verrat an den LebcnSinteressen der Arbeiter. Das gilt objektiv auch für Othmar Popp, dem der ehrliche subjektive Glaube an die Zweckmäßigkeit seines BersuchS nicht ohne weiteres abzusprccken ist. Othmar Popp hat die neuerliche und grundlose Verhaftung des früheren Innsbrucker Schutzbundkommandanten Kuprian in seiner Zeitung kritisch besprochen. DaS Blatt wurde daraufhin konfisziert. Popp hat, gemeinsam mit einer R"ihe von Beisitzern der Innsbrucker Arbeiterkammer, mit der Amtsniederlegung geantwortet und den Bundeskanzler angerufen. Popp hat das Mandat des Chefredaktuers der „Volkszeitung" nicht von den Innsbrucker Arbeitern, sondern durch die Gnade der fascistischen Behörden erhalten, die sich nach der Niederschlagung der Nazis offenbar stark genug fühlen, in Tirol daS gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft nachzuholen, was sie in den anderen Bundesländern schon bewerkstelligt haben. So wird denn der Streit mit der Einsetzung eines den Fascisien glaubt man eine„demokratische Wochenzeitung" vor sich zu haben, die dem deutschen Nationalsozialismus meilenweit fernsteht und die politischen .Kräfte zur loyalen Mitarbeit zusammenzufassen verspricht. genehmeren Chefredakteurs enden. Der FakeiS- mns kann bei Strafe seines Unterganges keine wirkliche Versöhnung mit den Arbeitern herbeiführen. Darum kann es auch für die Arbeiter kein« Versöhnung mit dem FasciSmuS, sonoern ! nur den entschiedensten Kampf gegen ihn geben. Vom Standpunkt einer kurzsichtigen Kirch- Das ist die Lehre,, aus dem Versuche Othmar turmpolitik aus ist allerdings der Kampf Henlein» Popps.* Hitlers Wahl* und Spitzelmaschinen i Sette 4 Freitag. 21. September 1934 «ar ’S'! >'') 18 gebnisse der amtlichen Untersuchung mitzuteilen Diese Untersuchung ergab folgendes:„Der län- gerdienende ZugSführer AloS Svoboda wurde in stark trunkenem Zustande am 19. August um 23 Uhr 30 Min. bei der Rückkehr in die Kaserne von seinem BataillonSkommandantcn angetroffen und erhielt den Befehl, sofort in die Kaserne zu gehen Kurz nach der Rückkehr in die Kaserne beging Svoboda Selbstmord durch Erschießen. Da<Äo- boda keinerlei schriftliche Dokumente hinterlieh, konnte nicht festgestellt werden, ob er die Tat aus Furcht vor der bevorstehenden Bestrafung begangen hat. ES ist unwahr, daß Svoboda vom Oberleutnant Slavik schikaniert wurde. Wahr ist bloß, daß Svoboda seinerzeit vom Oberleutnant Slavik wegen Betrunkenheit zum Rapport befohlen wurde Bei diesem Anlaß äußerte sich Svoboda, er werde Selbstmord verüben. Endlich ist noch festzustel« len, daß die Pilsener Gendarmerie lediglich deshalb ersucht wurde nachzuforschcn, ob Svobodad Tat nicht auf ein Liebesverhältnis zurückzufüh« rcn sei, weil sich Svoboda kurz vor seiner unüberlegten Tat vor Zeugen hören ließ, es sei ihm vor seiner Einrückung von seinen Eltern ein Mädchen aufgedrängt worden, von dem er nichts wissen wollte. Das Mädchen sei deshalb in einen Teich gesprungen." Erfolgreiche Gewerkschaftsarbeit. Wie wir dem„Glückauf" entnehmen, hat die Union der Bergarbeiter seit Jahresfrist 1400 neue Mitglieder geworben. Das ist ein schlagender Beweis dafür, daß die Bergarbeiter die erfolgreiche Arbeit dieses Verbandes zu würdigen wissen. 20sährigeS Jubiläum der tschechoslowakischen Wehrmacht. Das 20jährige GründungSjubiläum der tschechoslowakischen Wehrmacht wird am 28. September in Prag, Altstädter Ring, feierlich begangen werden. Die Feier, die um 10 Uhr beginnt. steht unter dem Protektorate des Ministers für Nationalverteidigung B r a d a k. ES werden daran das Militär der Prager Garnison, eine Ehrenrotte des Jnf.-Reg. 1 Mistr Jan Hus mit der Regimentsfahne, Legionäre und verschiedene Korporationen teiliiehmen. Reise durch da» Sibirische EiSmeer. Der Eisbrecher„Lidtka" hat in 83 Tagen in ununterbrochener Fahrt die Strecke Wladiwostock— Murmansk durch das Sibirische Eismeer zurückgelegt. Diese Reise des Schiffes steht in der Geschichte der Aktisschiffghrt bisher einzig und allein da. Ein polnische» Schulschiff auf einer Reise um die Welt. Das polnische Schulschiff„Dar Po- morza", an dessen Bord sich 61 Schüler der Marineschule befinden, hat am 17. d. M. den Hafen von Gdingen verlassen, um eine Reise um die Welt anzntreten, die ungefähr ein Jahr lang dauern wird. Dav polnische Schulschiff wird auf dieser Reise Kopenhagen, Haiti, den.Panamakanal, Honolulu, japanische und chinesische Häfen, Singapore, Südafrika und die Azoren besuchen. Flugzeug rast in eine Truppe. Ein mandschurische» Militärflugzeug raste bei Flug- manövern auf dem Flugplatz in Keschan in eine Formation marschierender mandschurischer Soldaten. Hiebei wurden vier Soldaten auf der Stelle getötet und f ü n f v c r w u n d e t. Die Maschine ging vollkommen in Trümmer. Der Militärpilot und sein Begleiter, ein M i- litärfnnker, wurden schwer verwundet. Millionär au» Dummheit. Als der englische Großfilm„Heinrich Vlll." gedreht werden sollte, verhandelte die Produktionsgesellschaft mit den verschiedensten in Betracht kommenden Schauspielern wegen der Uebernahme der Hauptrolle. Es konnte aber lange keine Einigung erzielt werden, da die Gesellschaft nur ein ganz geringes Honorar zahlen und im übrigen den Künstler an dem Reinerfolg beteiligen wollte. Endlich aber fand man doch einen, der so wenig geschäftstüchtig war, die Rolle auch ohne eine Stargage zu spielen. Dieser Mann war Mr. Charles Laughton. Er sollte seine „Dummheit" nicht bereuen. Man weiß, mit welcher hohen schauspielerische» Kunst er sich seiner Aufgabe entledigte und weiß auch, welchen ungeahnten Erfolg der Film in der ganzen Welt hatte. Laughton. schon vorher zwar ein anerkannter Schauspieler, genoß mit einem Schlage Weltruf und rückte in die vorderste Reihe der Filmgrößen. Aber der finanzielle Erfolg seiner „Dumncheit" übertraf noch fast den ideellen. Noch immer tvird der Film gespielt. Noch immer laufen neue Abrechnungen in England ein. Aber schon jetzt kann man sagen, daß Charles Laughton das größte Filmhonorar erhielt, das jemals gezahlt Pantt dnrch eine« Löwe« Angstvolle Stunde« einer amerikanische« Stadt (Rem Port.) In der Stadt Richmond (Virginia) brach Mittwoch nachmittags bei einem Werbeumzug eines Zirkus durch die Stadt ein Junglöwe aus seinem Käfig aus. Tausende von Zuschauern wurden von Schrecken ergriffen und stoben in wilder Flucht davon, in dem allgemeinen Drunter und Drüber wurde der Löwe zunächst durch de» großen Lärm eingeschüchtert. Bald- holte er sich aber von seiner Angst und fiel zwei Pferde an, dir er s ch w e r verletzte. Polizisten versuchten nun, die Bestie zu erschießen, sic verletzten sie aber nur an der Tatze. Die Schmerzen ließen nun den Löwen mit Wutgeörüll durch die Straßen rasen, wobei er Hunderte von Fußgängern vor sich hertrieb. Schließlich floh der Löwe in ein Haus, dessen Bewohner aus Furcht aus den Frn- stent spränge n. Endlich gelang es, den Löwen zu erschießen, lvobci jedoch eine Person durst eiue verirrte Kugel verletzt wurde. Tagcsnculgkcitcn Der Oberpolizeiinspektor als Schmuggler-Häuptling (Paris.) Die Blätter berichten über einen in 2 i l I e aufgedeckten Skandal. Mittwoch gegeit abends wurde dort der Oberpolizciinspektor M a- r i a n i verhaftet, der neben seiner Funktion als Polizcioffizier das Haupt einer Gruppe von Schmugglern war, die mit Rauschgiften, falschen Stempeln zur Steuerzahlung u. a. m. Geschäfte betrieb. Unter den weiteren sechs verhafteten Mitgliedern der Bande solleit sich ein wei- t.erer Po l i z i st und der Sohn eines Großindustriellen sowie zwei Verwandte des Polizeiinspektors befinden. Zwei Personen gelang es zu flüchten. Dampfer vollkommen aus. Die an Bord befind- licheik Frauen, in der Mehrzahl Chinesinnen, blieben tt n b e h e l l i g t. Der Frauen- und Ulnderhandel «Wien.) Die Verhandlungen der i n t e r- itationalen kriminalpolizeilichen K o m m i s s i o n galten hauptsächlich dem Frauen- und Kinderhandel. Es wurde vorgeschlagen, alle Mitglieder der Regierungen mögen ihren Regierungen empfehlen, den von der Bölkcrbund- kommission für Frauen- und Kinderhandel vorgelegten Entivurf einer Konvention über die strenge Bestrafung von Personen, die eine großjährige Person weiblichen Geschlechtes zum Zwecke der Ausübung der Unzucht im Auslande verführen, verschleppen oder verschicken, zu unterzeichnen und anzutvenden. Weiter tvnrde über den internationalen Austausch der Strafregister verhandelt. (München.) Nachdem erst vor kurzem sie- Bergstciger in Schüsselkar vermißt und dann ben tot aufgesunden worden Ivaren, werden nunmehr in den Bayrischen Bergen wiederum fünf Bergsteiger vermißt. Wie die„Deutsche Bergwacht" zu melden tveiß, handelt es sich dabei um den berühmten Kunsünaler Wilhelm A r w e i l e r und seiner'Begleiterin, Frl. Bernhardine G e i g l, die am vergangenen Sonntag nach Garmisch-Partenkirchen gefahren sind» um sich än den Baadersee zu begeben,.ferner um Doktor Erich G u t t e n t a g aus München, der im Allgäu vom Heilbronner Weg über da» Nebelhorn nach Womit sich Krebs beschäftigt Der nach Deutschland geflüchtete frühere nationalsozialistische Abgeordnete Krebs ist jetzt, nach tschechischen Blättermeldungen, im Dienst des Berliner Propagandannnisteriums beschäftigt, wo ihm die Leitung der Propagandakurse übertragen nmrde, die sich mit der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei befassen. Krebs gehört zu den intimen Mitarbeitern des Ministers Goebbels. Er habe ein umfassendes Memorandum über die deutsche Frage in der Tschechoslowakei ausgearbeitet,. das der Reichöregierung als Unterlage dienen soll. Neber Anregung Krebs' sei in Dresden eine Propagandaschule für Nationalsozialisten errichtet- worden,, die aus der Tschechosloivakei".ach Deutschland geflüchtet sind. In dieser Schule werden, wie die betreffenden Blätter melden, auch Propägaloren für das tschechoslowakische Gebiet ausgebildet. Die national gemischten Gegenden von Nordböhmen und Nordmähren sei'en in einzelne Abschnitte eingeteilt, denen die Propagandazentrale erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden soll. Diesem Zweck sollen auch Filme und Schallplatten dienen, die von reichsdeutschen nationalsozialistischen Führern besprochen tverden sollen. Auch die Püblikationstätigkeit soll gesteigert werden. * ' Auch Herrmann in Deutschland. Wie die „Leipaer Zeitung" berichtet, hat sich der ehenmlige Rejchsgeschäftöführer der ehemaligen Deutschen Nationalpartei, Otto Herrmann in B.-Leipa nach. Deutschland getvandt. Herrmann stand unter Polizeiaufsicht, die aber in den letzten Tagen gemildert, worden war. OberShorf wandern wollte, und endlich um einen Herrn und eine D a in e, deren Namen bis zur Stunde noch nicht ermittelt werden konnten. Die beiden hatten am 9. September l. I. ihre Fahrräder in Mittenwald uutergestellt und wollten Bergfahrten in? Gebiete der Meilerhütte unternehmen. Am.17. September 1934 wollten die beiden wiederum in Mittenlvald eintreffen. Bon ihnen fehlt jedoch jedlvede Nachricht. Der seit dem 13. August vermißte Josef Salmeir aus Müncheu ist am Donnerstag in Mittelkar an der Höllentalspitze tot aufgefunden worden. (Shanghai.) Chinesische Seeräuber überfielen Mittwoch einen zlvischen Tientsin und Schangfangk verkehrenden chinesischen Dampfer, e n t f tt h r t e n 8 6 ch i n e s i s ch e P a s' a- g'rere als Geiseln und plünderten den ffin neues Opfer der Gangster-Feme! (New Aork.) In einem Klub im Stadtteil BrooNyn hat sich ein neuer aufsehenerregender Fall von Gangster-Feme ereignet. Taö von den Gangstern ausgesprochene Todesurteil wurde an dem jungen Spieler Fred Boeei vollstreckt, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war. Boeei spielte des Nachts in dem Klub Karten, als plötzlich zwei bewaffnete Männer in die Älnb- räume eindrangen. Einer der Eindringlinge rief Boeei zu:„Wenn dn beten willst, beeile dich!", worauf dieser niedcrkniete. Plötzlich erhob er sich jedoch und versuchte, eine Telephonzelle zu erreichen, um die Polizei zu benachrichtigen. Das „Hinrichtungskommando" war aber viel schneller als er. Kurz vor der Telephonzelle, kaum einige Zentimeter von ihr entfernt, brach Boeei von vier Kugeln tödlich getroffen zusammen. Sonderbare Frauen (Johannesburg.-) In einem an die südafri- tanische Association für die olympischen Spiele gerichteten Bericht erklärte Sims, der Manager der südafrikanischen Mannschaft, die sich im August d.-J"an"den Athletischen Spielen in L o n do» beteiligte, daß viele ausländische hervorragende Athletinnen, die sich an den Londoner Spielen beteiligten, rasiert waren, eine tiefe Stimme hatten und wie Männer auS- lahen..Auch die Leistungen der Vertreter der fremden Länder seien so hervorragend gewesen, daß von allen Seiten Bemerkungen zu hören gewesen seien, daß diese Athletinnen keine Frauen feien. Deutsche Poesie über einen dentschen Mann. Die fascistijche Zeitschrift„Die junge Front", die seit Jahr und Tag, van der Zensnr unbehelligt, Hitlerpolitik in der Tschechoslowakei treibt, druckt „Dem großen Feld marsch all Hinden- bürg zum ehrenden Gedenken" folgendes Poem von Stefan George(einem der geistigen Väter der Hftlerci) mit T r a u e r r a n d ab. Die Orthographie stammt von George, der seine Lyrik durch Kleinschreiben der Anfangsbuchstaben ^»interessanter machte, worauf ihm durch Jahrzehnte viele Trottel hereingefallen sind: Wo zeigt der mann sich der vertritt? DaS wort Das einzig gilt fürs spätere geeicht? Spotthafte könige mit bühnenfronen— Sachwalter,— Händler— schreibet:— pfiff und zahl Attch in verbriefter ordnung grenzen: tanmel— Daun drohnde wirrsal... da entstieg gestüzt Auf seinen stock farblosem vorortShauS Der fahlsten unsrer städte ein vergestner Schmuckloser greis... der fand den rat der stunde lind rettete was die gebärdig lauten Schließlich zum abgrtindSrand gebracht: Das reich... Es sah dann, nachdcin cs auf so merkwürdige Weise gerettet war, dieser Art Dichtung verflucht ähnlich, in der p e r v e r s e n F o r m wie in dem Gehalt. Denn«spotthastc Könige mit Büh. nenkronen— Nürnberg I— Sachwalter, Händler, Schreiber, Pfiff und Zahl", dazu aber eini- ges mehr, was nicht in Georges Pathos paßt, wie Brandstifter, Mörder, Folterknechte, Hurentreiber, Strichjungen, das hat es niemals und nirgends in dem Maße gegeben wie im Dritten Reich. Im übrigen dürsten Militär- und Litera- turkritikcr sich einig darüber sein, daß Hindenburgs Fcldherrnschast ungefähr auf der Höhe der lyrischen Kunst Stefan Georges stand. Die bei- den Männer haben auch gemein, daß sie b c i d c zum Popanz erhoben wurden. So bleibt nicht einmal der Wunsch übrig, daß Hindenburg lieber hätte dichten und Stefan George Kriegführen sollen. Es wäre nämlich auf denselben Effekt herausgckonnnen und der Trauer- r a n d für die deutsche Dichtung und das deutsche Volk stünde wiederum zu Recht da! Ein Soldatenselbstmord. In unserer Ausgabe vom 28. August brachten wir die Nachricht vom Selbstmord des Zugführers des dritten Radfahrerregiments in Leviee Alois Svoboda und verlangten, daß dieser Fall gewissenhaft unter sucht werde, weil von den Hinterbliebenen des Selbstmörders die Mutmaßung ausgesprochen wurde, Schikanierungen der Vorgesetzten wäre« die Ursache des Selbstmordes gewesen. Das Kommando der 3. Division ersucht uns nun, die Er- Mkl W W ill Den BWWkll AD Der Maler Arwetter unter den Bermitzten Professor Schmidt, der Führer der Tscheljuskin-Expedition, auf der Eisscholle. wurde. Er ist mit einem Schlage Millionär geworden und dürfte in Zukunft nur noch auf Beteiligung spielen. Die Herren aber, die so„geschäftstüchtig" waren, die Rolle abzulehnen, werden seinem Beispiel folgen. Zug und Autobus. In der Nähe der Station Ambato in E c u a d o r, erfaßte ein Persononzug einen Autobus tmd zertrümmerte ihn vollständig. Sieben Passagiere des Autobusses wurden getötet und sieben weitere ernstlich verletzt. Arizona in Unruhe. In Phönix(Arizona) sind die Streitigkeiten ztvischen den weißen Farniern einerseits und den japanischen und Hindnsarmern andererseits, anl Donnerstag erneut zum Ausbruch gekommen. Auf japanischen Farmen gingen d r e i Dynamitbomben los. Sie zerstörten auch den Bewässerungsdamm, wodurch eine starke Ueber- schwemmung verursacht wurde., Tschechische Gelehrte in Persien. Zu den Tau- s e n d j a h rf e i e r n des Dichters Fihdu s!, des Verfassers des Heldenepos„Schahname"(Königsbücher) reist Professor I. R y p k a als Delegierter der Karls-Universität nach Persien. Auster ihm wurden von der persischen Negierung noch Prof. Dr. B. H r o z n tt und der Ueberseher der Werke Firdusis in die tschechische Sprache Regierungsrai Dr. Jaromir B o r e c k tj eingeladen. Die Feiern dauern drei Wochen und werden mit noch, nicht dagewesenem Glanz begangen werden. Sie werden mit dem Kongreß der Orientalisten, der speziell- dem Dichter und seinen Werken gewidmet sein wird, eröffnet. Professor Dr. Rypka wird über-einige rhythmische Probleme sprechen. Die Delegierten wer-' den an der persischen Greuze offiziell empfangen werden und reisen dann in-die Hauptstadt ab,-worauf ein Besuch Mescheds und die Teilnahme an der Manifestation in TuS vorgesehen ist, wo in Anwesenheit des Schah, das Fivdusi-Denknial enthüllt lverden wird. Ferner ist der Besuch des Grabes Omar ChajjaniS, dessen Vierzeiler auch, dank der Uebersehung Dr. I. StyberS und Jar. Boreckhs, in der tschechischen Sprache bekannt sind, vorgesehen. Die Delegierten werden auch den Festspielen und an den Vorführungen der'bisherigen Sportarten usw. teilnehmen.. Die Feiern in Persien tragen-einen ganzstaatlichen Charakter. Die erste Mittelschülerferienkolonie in Hohenelbe. In der Zeit vom 1. Juli bis 26. August, wurden in den Erziehungsheimen in Hohenelbe zwei Mittelschülerferienkolonien mit 23 und 24 Jungen ün- tergebracht. Die Schüler die vielfach unterernährt, schwach, nervös, einlrafen, wurden ausnahmslos frisch, und leistungsfähig^ Der durchschnittliche G.e- wichtözuwachs betrug in der ersten Kolonie 2,2 Kilogramm, in der zweiten 2 Kilogramm. Der kleiitste Zuwachs war 1% Kilogramm, der größte 5(fünf) l Kilogramm in vier Woche». Die Gesamtkosten der beiden Kolonien betragen 15.002 Ke. Hievon trügen die Zöglinge 2350 Kö. Die Mittelfchülerfür- sotge trägt also 13.552 XL. Verlängerung der Gültigkeit der Sonntags- rücksahrkartcn. Die Sonntagsrückfahrkarten werden in der Zeit zwischen dem W eu z els f e i e ria.g und dem nachfolgenden Sonntag für die. Hinfahrt von Donnerstag, den 27. Septentber, bis- Sonytäg, den 30. Septentber und siir die Rückfahrt- von Donnerstag, den 27. September, bis Montag, beit'1-. Oktober, Gültigkeit haben. Die Rückfahrt muß bis spätestens Montag, den 1. Oktober mit dein-Zuge angetreten werden, der die Zielstation um 12 Uhr mittags verläßt. Vom Rundfunk empfohlen» erte» mut den Programmen:: SamStag: Prag, Sender L.: 6: Gymnastik, 10.05: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatte«, 15.51: Jazz« orchesterkonzert, 18.10: Bendls Kinderlieder, 18.15: Deutsche Sendung: Der Wilderer-Toni, Hörspiel von Schausberger, 18.55: Deutsche Presse, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14: Die Jungen sprechen, 14.20: Deutsche Sendung: Dr. Nettl: Wandernde Melodie».— Brünn 11: Schallplatte«, 17.45: Deutsche Sendung: Äonzertstunde: 5 r ndel-Bäch.— Mährisch-Ostrau 22.20: Orchesterkonzert.— Preßburg 20.05: Operette aus dem Studio.—Kascha» 18.05: Kammermusik. 136 konzessionierte Amateursender. Von Len' sich in der Tschechoslowakei befindlichen 136 konzessionierten Sendeamateurstätionen befinden sich 73 in Böhmen, 48 in Mähren und Schlesieti,.-11 in der Slowakei und. eine in KarpathoruUand.... / Freitag, 21. September 1934 gum 15-jährigen Jubiläum ihrer Tätigkeit in unserem Staat hinein in die die ent« der Die soziale Bilanz der»Heilsarmee" WsKulent! Äeie Veeeinigaa- soaiakstiseäer ÜLaäemiLerj . gell ch t, Lhtuefifche Stadt eingeäfchert (Hsingkiilg.) Banditen verübten am Mittwoch einen Uebcrfall auf die Stadt Laotaokou. Sie-zündeten die Stadt an allen Enden an, plünderten sämtliche Häuser und raubten-zehn Personen. 60 Häuser sind vollkommen niedergebrannt. Die Banditen konnten ungehindert entkommen. Regerkönig will fein Bein verspeisen. Mit einer seltsamen Klage hatte sich das Gericht von Boma in Bclgisch-Kongo zu befassen. Der Häuptling eines Ncgerstammes, der einen schweren Unglücksfall erlitten hatte, war in das dortige Krankenhaus eingeliefert worden, wo sich die behandelnden Äcrzte gezwungen sahen, ihm ein Bein abzunehmen. Nach der Operation verlangte der Patient, man solle ihm das ainputierte Bein sofort auShändigen. Der Chefarzt aber kannte seine Pappenheimer; er schlug ihm di« Bitte rundweg ab, indem er sich darauf berief, daß der Kannibalismus in Bclgisch-Kongo verboten sei. Die schwarze Majestät hatte nämlich nichts weiter im Sinn, als der Ueberlieferung getreu das abgenommene Bein zu verspeisen. Wegen der Weigerung der Aerzte geriet nun der Häuptling in fürchterliche Wut. Er bestellte sich sofort einen tüchtigen Anwalt, der die Leitung der Klinik auf Herausgabe des unrechtmäßig zurückgehaltenen Körperteils verklagte. Das Gerichte mußte sich an den Tatbestand halten und gab dem Negerkönig recht. Ob sich das Bein nach seiner Rückgabe noch in einem Zustand befunden hat, in dem er als Leckerbissen angesprochen werden konnte, wird leider nicht berichtet. die wer.... tän" der„Heimstätte" bezieht mit seiner Frau nebst RgturalwohNung, Beheizung, Licht usw. über 3000 Kä pro Monat l ES wäre gut. wenn nicht nur die weitere Oeffentlichkeit, sondern auch die sozialen Stellen sich über die wahre Tätigkeit der Heilsarmee klär würden. Bg. Ein„Toter" prügelt seine Frau. In einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Manchester lebte ein Mann, der folgende, seltsame Bestimmung in sein Testament aufnehmen ließ:„Ich verbiete eS, mir Blumen auf.mein Grab zu legen. Mein Leichenzug soll auS fröhlichen Menschen bestehen. Meine Frau soll in weißem Kleid erscheinen, sie oll lachen und sich lachend umdrehen, wenn die Erde auf meinen Sarg gefallen ist. Abends soll sie im schönsten Lokal des Dorfes tanzen und sich einen-neuen Ehegatten aussuchen." Um zu erproben, ob seine Frau sich wirklich so Verhalten würde, erreichte eS der seltsame Heilige mit vieler List und Tücke, daß man ihn für tot hielt und an seiner Stelle einen anderen begrub. Seine Frau erschien natürlich in schwarzem Gewand zur vermeintlichen Beerdigung. Blumen türmten sich auf„seinem" Grabe. Als der Pfarrer gerade dabei war, die Vorzüge des„Dahingeschiedenen" zu preisen» löste der sich aus der Tranergesellschaft, ritz sich den falschen Bart ab, gab sich zu erkennen und prügelte in aller Oeffentlichkeit und ohne jedes Erfühl der Scham seine Frau, weil sie nicht getan hatte, was er wollte. Wahrscheinliches Wetter heute: In den böhmischen Ländern veränderlich, strichweise Schauer, auffrischender Südwest- bis Westwind, nur mäßig warm. Im Karpathengebiet unsichere- Wetter, strichweise Gewitter, ziemlich warm.— Wetteraus- sichten für morgen: Wetterlage mssicher. ««« Witz in schroffem Gegensatz zu ihrer Mitgliederzahl stehen. Wenn Vie Führer dieser Institution dieses Vermögen wirklich nur aus Almosen zu- ämmengerafst haben, so gebührt ihrer Geschäftstüchtigkeit alle Anerkennung, was aber die „soziale Sendung" dieser Leute betrifft, so sind zu deren Würdigung einige objektive Festteilungen am Platze. Als Heimstätte der Heilsarmee" 'ür ledige Männer figuriert ein alte», schmutziges Gebäude unweit des Bethlehemsplatzes in der Altstadt. In dieser prachwollen„Heimstätte" finden männliche Schlafgäste Nachtquartier. ES gibt große Schlafsäle(das Bett per 6 Xi pro Nacht), die im Winter nicht geheizt wer» den und Z i m m e r zu 2 bis 5 Betten zum Preise von 7 XL. Wie eS mit der S a u b e r« leit bestellt ist, davon kann sich jeder Interessierte durchAugenschein.überzeugens»m-fM Dit didse Preise eine Monatsmiete von 150 bis 210 XL bedeuten, kann man sicherlich nicht behaupten, daß dieses„humanitäre" christlich? Unternehmen ein schlechtes Geschäft macht. Für diesen Betrag sind sehr anständige Zimmer zu haben. Aber man rechnet eben mit der Notlage von Menschen, die mühsam Tag für Tag ihre paar Kronen Schlafgeld verdienen müssen. Für die Miete wird den Schlafgästen ein mehr als fragwürdiges Quartier geboten, das sie zudem tagsüber nicht benützen dürfen. Die Einnahmen aus dieser.Heimstätte" dürften sich auf etwa 80.000 XL monatlich belaufen!— Ein Kapitel für sich ist die Speifehalle der Heil-arme«. ES gibt soziale Institutionen(Rotes Kreuz, Sozialinstitut der Hauptstadt Prag u. a.). welche „würdigen" Hilfsbedürftigen Anweisungen auf „Mittagessen" bei der Heilsarmee ausstellen. Diese Mittagessen waren seit jeher berüchtigt. In Affe« al« Mordzeugen Der verscharrte Leierkastenmann— Seine Stete entlarven die Täter AuS Kalkutta in Indien wird berichtet, daß in der Nähe einer Ortschaft in Bengalien vor einiger Zeit ein Leierkastenmann überfallen, erschlagen und beraubt worden ist. Al» die drei Affen, die der Straßenmusikant mit sich führte, wenn er von Ort zu Ort zog, damit sie die Zuschauer belustigten, die Mörder ihres Herrn heranstürmen sahen, ergriffen sie die Flucht und retteten sich auf eine hohe Palme, von wo au» sie nun Zeugen der gräßlichen Tat wurden. Wl« die Verbrecher den Leichnam beraubt hatten, nähmen sie ihn auf, trugen ihn ein Stück Wege» in'dal Dickicht des Waldes und scharrten ihn dort ein. Dann suchten sie das Weite. Nach langer Zeit trauten sich die Affen wieder von ihrem luftigen Zufluchtsort herunter. Sie spürten die Stelle auf, wo man ihren Herrn begraben hatte. Da aber alles Jammern und. Klagen Annabell» Die schöne französische Filmschauspielerin(bekannt auS den Filmen„Die Schlacht", „Marie",„Der Bruder aus Amerika",„Fräulein Jofette",„Sonnenstrahlen") wird demnächst in dem Film„Moskauer Nächte" (Merkurfilm) zu sehen sein. Streiks und Aussperrungen im August Laut Mitteilung de» Statistischen Staatsamtes es im August 1084 16 Streik»(im Juli 17), ttvMIt und Sozialpolitik Rund eine halbe Milliarde Steuerrückstände Aus dem Staatsrechnungsabschluß für dass'. Jahr 1033 ergibt sich, daß die Steuerrückstände/- auch in dem vergangenen Jahre weiter angetpach-? sen sind. Die Rückstände betrugen: direkte Stenern 2174 Millionen XL, Ilmsahsteuern.1576 Millionen XL, Verbrauchssteuern 158 Millionen XL„. Gebühren 024 Millionen XL, SclbstverwaltungS- umlagen 1500 Millionen XL. Das ergibt inSge«- samt einen Rückstand an Steuern von 4820 Millionen XL. Im Jahre vorher erreichte der Steuerrückstand die Höhe von 4780 Millionen XL. Man muß dabei berücksichtigen, daß ein Teil der von den Steuerpflichtigen zurückgehaltenen- Steuerbeträge von den Konsumenten bereits an siebezahlt^ worden ist. ES ist bekannt, daß die Umsatzsteuern- nicht von den Industriellen oder den Händlern getragen werden, sondem daß sie auf die Verbraucher abgewälzt worden sind, die sie beim. Kauf von Waren bezahlen müssen. Daraus ergibt-sich die. Tatsache, daß gewaltige Beträge, die für den. Staat bestimmt und auch für ihn- bezahlt sind, von den Industriellen, den Händlern und den- Agrariern dem Staate borenthalten werden. ES- sind sozusagen zinslose Darlehen, die sich diese Schichten auf Kosten des Staates selbst gewähren. Bei der fühlbaren Kamalität der Staats-- finanzen müßte darauf hingewirkt werden, daß mindestens die Steuerrückstände nicht noch weiter, wachsen. Rechnet man zu diesen Steuerrückständen- noch die Rückstände an Umlagen und Gebühren«- so erreichen die dem Staate vorenthaltencn Abgaben die Höhe von 6412 Millionen XL.— Die. finanziellen Schwierigkeiten wären für ein« ganze Zeit behoben, wenn wenigstens die Hälfte dieser Rückstände eingetricben werden könnten.; nichts half, denn es kam niemand an dieser abgelegenen Stelle vorbei, machten sich die drei Tiere auf den Heimweg. Die Ortschaft, au» der der Leierkastenmann stammte, liegt fast zwanzig Kilometer von dem Ort des Verbrechens entfernt. Zu Hause angekommen, zerrten sie ihr« Herrin, die DunfleS ahnen mochte, an den Armen und Kleidern aus der Hütte und Netzen der Frau keine Ruhe, bis sie ihnen folgte. So wurde das furchtbare Verbrechen schon wenige Stunden, nachdem es begangen worden war, entdeckt. Ein gctfMte» Experiment Die Polizeibehörden nahmen sich der Sache sofort an und stellten eifrige Nachforschungen an. Schon wenige Tag« später wurden zwei Individuen verhaftet, di«,der Tat dringend.verdächtig waren. Nachweisen konnte. man ihnen diesen grauenhaften Mord an dem armen Mann'allerdings nicht. Da kam der die Untersuchung leitende Kommissär auf einen originellen Gedanken: Wie, wenn man die Verdächtigten mit den Affen konfrontierte und nun da» Verhalten der Tiere dabei beobachtete? Diese Konfrontatton fänd al»« bald statt. Sie führte zu einem vollen Erfolg. Kaum hatten die Affen die Burschen zu Gesicht bekoipmen,.da stürzten sie auch schon mit lautem Geheul auf sie zu und kratzten und bissen wie besessen. Die Beamt«, di« al» Zeugen den Vorgang sahen, hatten große Mühe, die wütenden Tiere von den beiden Täte«, die damit entlarvt und de» Mordes überführt waren, loszureißen. Die beiden Burschen haben Mietzlich ein umfassende» Geständnis abgelegt Zunahme an neuen Kraftfahrzeugen Nach der Erhebung, die das Statistisch«- Staatsamt monatlich vornimmt, wurden bei den" Evidenzbehörden in der Tschechoslowakei im August 1084— 1048 neue Krafttvagen und 472 neue Motorräder(mit und ohne Beiwagen) eingetra«- gen. Als neue Kraftfahrzeuge werden die unmit«- tclbar aus Fabriken oder aus FabrikS-, bzw. Ber« kaustlagem gelieferten betrachtet. Bon der angeführten Gesamtzahl an neuen Wagen waren 007 Personenwagen, 44 Lastwagen und 7 Autobusse. Davon waren tschechoslowakischer Erzeugung 060(02.5 Prozent). ausländischer Erzeugung 70(7-5 Prozent); Personenwagen tschechoflowakischer Erzeugung 025(92.8 Prozent), ausländischer Erzeugung 72(7.2 Prozent); Lastwagentschechoslowakische«,, Erzeugung 37(84.1 Prozent), ausländischer- Erzeugung,-> 7(15.0 Prozent); Autobusse durchwegs tschechoflowakischer Erzeugung 7(100 Prozent). Bon den tschechoslowakischen Marken erreich«* ten die Marken: 1. Prag« 253(im Juli 818), davon Personenwagen 241, Lastwagen 8, Autobusse 4; 2. Tatra 231(im Juli 242), davon Personenwagen 219, Lastwagen 10, Autobusse 2; 3. Skoda 168(im Juli 221), davon Personen« wagen 158, Lastwagen 10; Aero 128(im Juli 136), durchwegs Personenwagen. In den vergangenen Tagen hielt die „H e i l s a r m c e" in Prag einen Jubi- l ä u m S k o n g r e ß ab, im Zeichen de» Idjähri« gen Wirkens dieser sonderbaren Sekte auf- dem Gebiete unserer Republik. Nebst einem Massenzulauf verschiedener„Offiziere" und„Soldaten" auS dem ganzen Staatsgebiet beglückte auch ein Delegierter des Londoner„General« stabes" Prag mit feiner Anwesenheit. Es wurden Versammlungen abgehalten, eS wurde fleißig gebetet, gesungen, musiziert und— vor allem— öffentlich geschnorrt und man konnte im Straßenbild allerlei Typen dieser merkwürdigen „Streiter C h r i st i" wahrnehmen. Ueber Geschmack ist nicht zu streiten und es würde uns Ivenig interessieren, wenn Leute, die das Verlangen nach Ausübung eines exotischen Kultus verspüren, sich in. Uniformen stecken, einander mit„Allelujah!" oder„M o t t segne dich!" begrüßen, auf offener Straße musizieren und andere Dinge treiben. Daß diese Form religiösen Lebens bei uns Ivenig Anklang findet, bezeugt die Tatsache, daß die Mitgliederzahl dieser Sekte im Laufe der 15 Jahre nach den statistischen Ausweisen wenig über 300 gestiegen ist. Was uns aber interessiert, ist etwas anderes. Diese Sekte beruft sich nämlich ständig auf ihre „soziale Sendung" und betreibt auch in den deutschen Grenzgebieten unter diesem Schlagwort eine schwunghafte Propaganda. Die Heilsarmee besitzt derzeit in Prag fünf Häuser(nicht zu««den von dem Besitz in der Provinz), allein Millionenwerte repräsentieren und ES die , IMWWWWW Unseres Wissens etwa 2.50 bis 3 XL. Für diesen Preis liefern aber private Unternehmungen ohne alle Berufung auf christliche Nächstenliebe ein richtiges, sättigendes Mittagessen—I Bon der christlichen Nächstenliebe, die die Heilsarmee al» Dienstgeber an den Tag legt, zeugen dicke Aktenfaszikel beim Arbeitsgericht, wo bereits zahlreiche Angestellte dieser Sekte, vor allem-aus der„Heim, stätte", ihr Recht verfechten muhten und müssen. Daß die tüchtige Leitung dieser Heimstätte notleidende Menschen für zwanzig bis fünfundzwanzig XL Wochen» lohn oder bloss gegen Verpflegung zu anstrengenden Dienstleistungen preßt, ist richtsaktenmäßig erwiesen. Daß eine stündigeArbeitSzeitin diesem Milieu sticht existiert und die gesetzlichen Bor- schriftenüber die Sozialversicherung in den Augen der Funktionäre Erfindungen des Teufels sind, bedarf keiner Erwähnung. Arbeitsgerichtliche Prozesse solcher Art pflegt die Heilsarmee in härtester und skrupellosester Art zu führen. Wir erinnern uns eines Prozesses, in welchem das„Kommando" sich dadurch hcraus- zudrehen suchte, daß es erklärte, der„Kapitän", der die klagenden Angestellten ausgenommen chatte, habe„auf eigene Fan st" gehandelt und das Kommando sei daher durch solche Verträge nicht verpflichtet. Zur Abrundung des Bildes mag noch beigefügt fein, daß gegen gewisse Funktionäre der Heilsarmee Strafanzeige wegen Verführung zur falschen Zeugen- aussageundzum Meineid erstattet wurde. Und das alles, weil arbeitende Menschen ihr gesetzlich verbürgtes Recht geltend machten! Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der „sozialen" Bilanz der Heilsarmee. Tatsachen, von denen sich jedermann durch eigenen Augenschein oder durch Besuch der arbeitsgerichtlichen Ver- handlungen'überzeugen kann. Uns sind noch andere Dinge zu Ohren gekommen, die vorläufig noch nicht spruchreif sind. Nur eines mag noch erwähnt sein, die gewissenhaft durchgeführte Um» frage unseres Sozialrcportcrs hat n i cb t c i n e n einzigen Fall unentgeltlich geleisteter Armenhilfe bei dieser vorbildlichen christlichen Gemeinschaft feststellen können. ES erscheint daher durchaus glaubhaft, wenn erzählt wird, daß für da» Armenvudget— sage und schreibe— dreihundert XL monatlich ausgeworfen sind, „keinesfalls überschritten den dür fen". Der dienstführende„Kapi- letzter Zeit aber hat die„christliche Nächstenliebe' der Heilsarmeeleute ein besonderes Rezept deckt, um die Hilfsbedürftigen auf Kosten Sozialinstitutionen abzuschneiden. Da»„Mittagessen" besteht neuerding» an» einem Teller Suppe mit Brot und einem Topf Kassie mit Brot! wäre interessant zu erfahren, welchen Betrag Heilsarmee für diese köstlichen Mahlzeiten den- sozialen Hilfsstellen vergütet bekommt. WWWWW M«MM AnflHM der Arbeit erfOrsorgel aab_..WM davon 17(15) Einzel- und 1(2) Gruppens!reitt,' in 19(86) Betrieben. In den betroffenen Betrieben-- waren 5005(4800) Arbeitnehmer, von denen 3086.- (8875) streikten und 16(62) infolge Streik» feierten. Die Streikenden versäumten 29.694(15.875) Arbeitstage und verloren an Lohn 580.080 (280.240) XL. Die infolge Streiks Feiernden versäumten 85(502) Arbeit-'lag« und hatten einen Lohnentgang von 2108(7*-58) Xi. Insgesamt' bertrugalsodocBerlustanAr- beitsz«itbeidenStreikö.20.770.. (15.067) ArbeitStageund derLohn« en tgang 583.178(207.102) Xi. Nach den Gewerbe!lassen entfallen neun Streiks auf,die Baugewerbe(10.825 versäumte Ar«" beitstage), je zwei Streiks auf den Bergbau(2775) und die Holzindustrie(8208), je ein Streik auf die- Metallverarbeitung(75), die Erzeugung von Kautschukwaren(1525). die Textilindustrie(2161), die. Bekleidungsindustrie(09) und die Nahrungsmittelindustrie(11). Nach den Forderungen wurde bei fünf- Streiks die Richtkürzung der Löhne(18.550) und bei vier Streiks eine Lohnerhöhung(8313) verlangt. Bei fünf Streik« waren andere Lohnforderungen (7756) und bei vier Streiks sind die Forderungen bisher nicht bekannt(75). Da« Ergebnis der Streiks für die Arbeitnehmer war in drei Fällen ein voller Erfolg-(2824), in drei«in Teilerfolg(18.511), in sieben ein-Mißerfolg(6108) und in fünf Fällen ist es bisher nicht bekannt(2256), Nach den Ländern enttallen auf Böhmen sieben Streiks(6644),.auf Mähren-Schlesien vier. Streiks(4478), auf die Slowakei fünf Streiks. < 17.475) und auf Karpathorußland zwei Streik» (1097). Aussperrungen gab cs im August eine, und zwar einen Gruppenfall in Böhmen, von dem zehn Bauunternehmungen betroffen wurden. In diesen Unternehmungen waren 208 Arbeitnehmer, von- den« 200 auSgesperrt wurden. Di« AuSgesperrten versäum«-- ten 1600 Arbeitstage und hatten einen Lohnberlust von 88.400 XL. Die AuSgesperrten verlangten eine- Nichtkürzung der Löhne und erzielten«inen Test«. erfolg. Seite 6 ,,Sozialdemokrat" Freitag, 21. September 1934. Nr. Ml PRAGER ZEITUNG Vcrclnsnadiriditcn PRAG I Dr. I. Gregor(Wien), Regisseur K. geplant. Vorträgen über Theater und Tonfilm bisher Burgthcatcr-Direktor Nöbbeling ihrer einen Aus dar Maßgebende. Die Charaktcrzüge des Individuums aber sind die äußeren Erscheinungsformen der Stellungnahme. Was aber ist die menschliche Ang st? Ähre Er- icheinungrfornie», das Maß ihrer Intensität, ihre charattcristischc Färbung sind gclviß sehr verschieden. Mit cineni gelvissen Maß von Angstgefühlen ist jeder Mensch belastet, dessen Dasein nicht vollständig nnd exakt den Bedingungen des Lebens«»gepaßt ist. Und wer könnte das von sich behaupten? Die Angst ist der Maßstab, tvie einer zu seiner Aufgabe steht. Adler hat dafür eine sehr einprägsainc Formel: dar Angstgefühl ist eine spezielle Form der M i n- de r tv e r t i g k e i t S c in v s i n d u n g e n. Wenn ein Mensch seine Aufgabe nicht meistern kann, entsteht der Chok—. Verdichtet sich diese Spczsalforin des Minderivertigkeitsgcfühls zu einer gesteigerten Aktivität, so drängt sie das Angstgefühl zurück(Verbrechen!) Je tveniger die Aktivität, desto stärker und be herrschender dar Angstgefühl. Adler skizzierte sodann verschiedene klinische(r scheinungSsormen von Angstgefühlen und verstand se.',: geschickt, die anfgezcigte» einzelnen Spielarten neurotischer Pspchologie zur Erhärtung seiner Thesen heranznziehen. Eine LösungS- und HeilungSmöglichkeit sicht er in der stärkeren, ziclbcwnßieren Erziehung znm Ge- mcinschasisgesUhl. Daß wir nicht genug Gemeinschaftsgefühl zu enttvickeln verstehen, beweisen die sozialen Mißstände unserer Zeit. ES dürste, verlangt Adler, kein Kind die Schule verlassen, ehe man in ihm genügend GemeinschastS- gcfsihlc einwickelt hat. Tic Erzielung der notwendigen.Höchstmaßes an GcmeinschaftSgesinnung, so schloß der Redner mit leisem Sarkasmus, würde, die Enstvicklung so mancher unentwirrbar scheinenden Rätsels, aber auch— das Ende der Individual- vstichologie bedeute». An den geistig vollendet durchdachten Vortrag Adlers schloß sich eine Fragestellung des Publikums. Neben ernsthaft Lernbegierigen beeinträchtigten Törinnen das Niveau durch kindisch-snobistische Fragestellungen. Weiterhin gab er einen merktvürdigcn Zwischenfall. Als Adler, der scharf zwischen Gruppen» Egoismus(Gangstertum!) nnd Gemeinschaftsgefühle unterschieden hatte, gefragt wurde, welcher Gruppe.Hitler zuzuzählen sei und Adler, sachlich-objektiv, den„Führer" dem Grupvcn- EgoisinuS zuzählte, wurde von einem Urania-Angestellten ein Zettel auf die Bühne gebracht, auf dem Adler erstens aufgefordcrt wurde, sich in leine politischen Gespräche elnzulasscn(l), zweitens dringend gebeten wurde, den Abend möglichst schnell zu beenden! Woher kam wohl dieses seltsame Ultimatum?! Aus den Reihen des Publikums offenbar nicht—! Uranla-KIno, Klimnitshä 4. Fernsprecher 61628, Vorträge Die Angst und ihre lleberwindung Der Begründer der Jndividualpsychologie spricht in der„Urania". Im überfüllten Urania-Saal sprach am Mittwoch abends Dr. Alfred Adler(Wien), der „Vater der Individna 1 psh cho 1 ogie", über das nervlich-seelische Problem der Ang st. Es wurde ein überaus gescheiter Vortrag, bestehend in der Souveränität der Formulierungen, anfs höchste suggestiv im Rhetorische», obwohl cS spannungslos, fast plaudernd geboten wurde, nnd, nicht in den Schlußfolgerungen, aber im Detail, von jener überzeugten Einseitigkeit, die stets den Begründer einer Lehre kennzeichnet. . Adler ging zu Anfang, weise einschränkend, von der Relativität unserer Erkenntnisse aus. Wir können Strukturen seststellen und definieren, wir haben die Möglichkeit einer annähernd zutreffenden Kombination. aber eö geht über unsere Kraft, die Funktionen des Körpers und der Seele, wie sie sich, revolutionär ausbauend aus Millioneu menschlicher Einzelschritte gebildet haben, gleichsam wieder in ihre Bestandteile aufzulöscn. Nach dieser Einleitung sprang Adler mit beiden Füßen mitten hinein in die Thesen seiner Indivi- dualpsychologie. Es kommt, so betonte er, nicht so sehr auf die Kräfte an als auf das Ziel, das wir uns setzen. Neben dem Ziel ist die Stellungnahme fügung stehen. Wanderbund„Kosmos" der Urania; Regel, mäßige Wanderfahrten jeden Donnerstag, Treffpunkt im Klubzimmer der Urania. Urania»Radiobund: Mit Basteldebatten, Klub» und Vortragsabenden. Modern eingerichtete Bastelwerkstätte. Kostenlose Ausknnftsstelle für Mitglieder. Das Programm der Mafarhk- Volkshochschule der Urania, die mit i h r e n z a h l r e i» dien Bildungs-, praktischen und Sp r a ch k u r s e n im vorigen Jahre einen Höch st st and von mehreren tausend Besuchern erreicht hat, wird in einigen Tagen veröffentlicht. Zu den beliebten Dozenten nnd Lektoren dieser Anstalt, die fast alle ihre Kurse, Seminare und Arbeitsgemeinschaften vom vorigen Jahre fortsehen, ist eine Reihe von namhaften Fachleuten neu gewonnen und bannt die Gewähr geschaffen, daß möglichst weite Kreise der Oeffcntlichkeit von dieser volkstümlichen Bildungsstätte erfaßt Ivcrdcn. Tic Jung- Urania, die im vorigen Jahre bereits eifrig gearbeitet hat, wird zu einer Jugend-.Kunst- u n d K u l t u r g e m e i n d e(„J.K.G.") ausgestaltet, deren Aufgabe es sein soll, mit Hilfe der leitenden Persönlichkeiten sämtlicher deutschen Lehranstalten die lebendigen Kräfte der deutschen Jugend zu gemeinsamer kultureller und körperlicher Erziehung nnd Arbeit zu führen. K i n d e r n a ch- mittage mit M ä r ch e n f i l m e n und Vorlesungen, eine physikalisch- chemische Bastelstunde, eine Sprechbühne für Mittelschüler, Schulkino-Vorstellungen, neuartige Mario netten-Auffüh- rnngen, dazu Vorstellungen der I n g e n d b ü h n e und eine Jugend- K o n z e r t g e m e i n d e mit ständigen Ber- anstaltnngen bilden die einzelnen Abteilungen. Die Mitglieder der Jung-Urania haben zu drei Kulturfilmen freien Eintritt. An der neugcgründcten„Jugend-Gemeinde des Theaters" lvird die llrania in Gemeinschaft mit dem Deutschen Theater und den deutschen Schulanstaltcn Mitarbeiten. Weiter beabsichtigen tvir, unseren Mitgliedern Zutritt zu einer Anzahl von geschlossenen Vorstellungen, welche die L e i- tnng des Deutschen Theaters veranstaltet, zn bieten. Die Tätigkeit der Urania als Programmstrlle für die deutschen Rundfunksendungen ivird in dauerndem Bemühen ausgestalt« Die Urania-Zeitung wird von nun an regelmäßig zweimal im Monate erscheinen und allen Mitgliedern der llrania— wie bisher— kostenlos gcliefert. Die Urailia gibt wie bisher die Zeitschrst „B i l d d i e n st und S ch u l f n n k" heraus; bei der einzigen inländischen Radiozeitung „Europas! u n d e",„Deutscher Rundfunk der Tschechoslotvakei" führt sie die Redaktion des tschechoslowakischen Teiles. Seit ihrem Bestand hat die llrania ihr wesentliches Ziel darin gesehen, durch ihre Kunst- und Bildnngsbestrebungcn eine über den Parteiströmun- gen stehende dcntsche Kulturzentrale fiir ave zu werden. welche über ihre schulmäßige Bildung hinaus geistige Interessen haben. Um diesem demokratischen Bestreben immer mehr gerecht zu werden, hat sie die Ncueinführnng getroffen, daß eine Reihe der obgenannten Veranstaltnngen als Sonderabende zu Einheitspreisen angeseht werden. Grund» sätzlich gelten sonst, je nach der Veranstaltung, drei ständige P r e i s st u f en(I—III), die. äußerst niedrig gehalten sind. Unsere Mitglieder erhalten auf ihre.Haupttacte(Mitgliedsbeitrag für das ganze Jahr Kd 18.—) 1.) 20 b i s 30 Prozent Erniäßigung bei allen Ver- anstaltnngen der Urania; 2.) kostenlose Lieferung derUrania- Zeitung; 8.) ermäßigte Karten zu zahlreichen Veranstaltungen der Prager Konzertdirek» rionen; 4.) Ermäßigung beim Einkauf von Waren bei bestimmten Firmen; 6.) freien Eintritt zn einer Kultur film- Veranstaltung; 0.) besonders ermäßigte Preise zu den Kursen der Masaryk-Volkshochschule. Familienmitglieder» Anschlußkarten(zu I< L 8.—) be- rechtigen gleichfalls zu Ermä- ß i„g u n g e n in der obgenannten Höhe für alle Veranstaltun- g e n der Urania. So kann nnd soll jeder, dem die Kultur seines Volkes am Herzen liegt und der gerade in einer Zeit der Bedrohung alles Geistigen seine Verbundenheit mit Kunst und Wissenschaft fühlt, Mitglied der Urania werden. Als u n s e r Mitglied, als n ns e°r Freund und Mitarbeiter haben Sie die Möglichkeit, die wertvoll st en und interessante st en kulturellen Veranstaltungen des Jahres unter den geringsten materiellen Opfer n»z u erleben. Werden Siesofort Mitglied der Urania.(Anmeldungen im Urania-Haus, Kli- mentskä 4, Telephon 61623, 62441), damit Sie schon für die ersten Veranstaltungen von Ihrer Mitglieder-Begünstigung Gebrauch machen können! Werben Sie in den geistiginteressierten Kreisen Prags Mitglieder für die deutsch-kulturelle Arbeit der Urania! Dr. OSkar Frankl. Erstes Konzert: Kolisch-Ouartett 27. d. M.— Urania-Mitglieder bis zn 80 Prozent Ermäßigung! In den nächsten Tagen eröffnet das VolkS- bildungshaus„llrania" in Prag das»A c b e i t s» j a h r 1084/85." Mehr als je sehnt sich heute der einzelne nach volksbildender Erziehung, nach geistiger Arbeit fiir sich und die Gesamtheit, nach Besinnung auf das Wesentliche. Unser Programm war von jeher ein Spiegelbild europäischen Geisteslebens, cs diente aber auch nach Kräften der Pflege des Heimatgedankens. Um diese ewigen Pole: Volt und Geist wird sich auch das diesjährige Programm bewegen. 67.600 Personen(also um 4000 mehr alS im letzten Jahre) besuchten im Arbeiisjahr 1088/84 unsere 72 Einzclvorträge, 18 künstlerischen Abende, 57 Kurse und Reihen des modernen Bildungsinstituts und der Masaryt-Volkshochschule, 86 Iugendver- anstaltungen, 10 Urania-Klästikervorsiellungeii, 16 Knnstwandernngen und wissenschaftlich« Führungen, 108 Kulturfilm-Vorführnngcn. lv Schulkino-Vor- steviingen, 2 Ausstellungen. 34 Debatten» und Klubabende des Urania-Radiobnndcs, 04 Wandcrnngen des Wanderbilndes„Kosmos" wurden durchgcführt. Diese erhöhte Tätigkeit wird nuninchr auf allen Gebieten ausgestaltet, der gemein n»big e, von jedem Privatinteresse freie Charakter unserer Arbeit soll sowohl durch neuerlich ermäßigte Eintrittspreise wie durch B e g ü n st i g u n- gen betont werden, die vor allem unseren Mitgliedern, darüber hinaliS der Jugend, einzelnen Organisationen. Arbeitslosen und Militärpersoncn zugute kommen. Neben unseren bewährten Mitarbeitern auS Prag und den deutschen Städten dcS Staates, die wir hier nicht erst namentlich anführcn müssen, sind eine Reihe bedeutender ausländischer Vortragender gewonnen worden. An Vorträgen, musikalischen und szenischen Veranstaltungen der Urania sind vorläufig in Aussicht genommen: Literatur und Theater:„D i e Weltliteratur in Einzeldarstellutige n". Ferner Vorträge von: Kari» Michaelis, Thoma- Mann, H. G. Wells, Ernst Zahn, Lion Feuchtwan» ger, Konrad Falke. Hilaire Bevor, Bertrand Russell u. a.— Regelmäßig stattfindende literarischmusikalische Morgenfeiern mit Rezitationen und Darstellungen aus den Werken junger deutscher Dichter unseres Landes. In neuen Gruppen- und Einzelveranstaltungen will die Urania als Mittlerin zwischen deutschem und tschechischem Geistesleben des Staates wirke». Hier tverden namhafte tschechische Autoren zu Worte kommen. Abende sudetendeutscher Autoren(in Gemeinschaft mit dem Schuhverband deutscher Schriftsteller in der Tschechoslowakei) durchgeführt, und zwar werden zunächst: Hans Multerer, Dr. Josef Mühlberger, Friedrich Jaksch u. a. sprechen. DiSkussionS- a b e n d e, wie sie in den vergangenen Jahren mit Erfolg durchgcführt wurden, werden von nun an regelmäßige literarische wie andere aktuelle Fragen behandeln. Erstes Diskussionsthema: Die Gegenüberstellung„Stadt und Land". In einer besonderen szenischen Form, welche die technischen Möglichkeiten der Urania-Bühne verwerten wird, gelangen Querschnitte und Reportagen zur Aufführung. Zunächst sind die Abende:„DaS unbekannte Prag",„Alt-Wien im Couplet",„Paris 1880",„Sturm und Drang", „DaS Gesicht deS heutigen Rußland"' und„Kurzdramen" Zu wurden. (Wien), Prof. Kutscher(München), Prof. Nüchtern (Wien), Dr. I. Gregor(Wien), Regisseur K. Lamäk(Prag) usw. eingeladen. Musik-Abteilung: Die Urania will in diesem Winter versuchen, sich in Form einer Konzert« gemeinde ein ständiges und einheitliches Publikum zu schaffen. Kraftwagen-Zusammenstoß. In der Nacht auf gestern fuhr der Chauffeur Franz Gold- I ch in i d i von: Riegerkai beim Naiiviialtheater vorüber gcgei: die Närodni, wobei er.nii einem von der Legionenbrücke kommende Auto so heftig zusaunnenstieß. daß sein Wagen aus dcu Gehsteig vor dem Kaffeehaus„Slavia" geschleudert wurde «ud umstürzte. Auch der zweite, von dem Auto- fnhrwerksbcsitzcr Wenzel B o i i k gelenkte Wagen wurde so stark beschädigt, daß er abgeschlcppt werden mußte. Die in beiden AutoS sitzenden Passagiere tvurdcn bloß unerheblich verletzt und konnten sich nach polizeiärztlicher Behandlung nacki Hanse begeben. Ter angerichtetc Sachschadc ist erheblich. Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 3. September, um 8 Uhr bei dxr End« ation der 7er Elektrischen in P o d- baba. Wanderung: Ziegen- rücken. Stilles Tal. Führer: P l o y.— InformationenundAn» Meldungen jeden Freitag in der Geschäftsstelle in Prag H, Närodni tr. 4, 2. Stock, in der Zeit von 6 bis halb 8 Uhr. Telephon 48860.— Anmeldungen für die Prager Urania werden von unserer Geschäftsstelle durchgeführt. S o n n t a g, den 28. September l. I., wandern wir nach Prühoniee. Treffpunkt 8 Uhr früh an der E n d sta» t i o n der Linie 11 in Siras- niee. Frei Heil! Ab ftrtlta«: Heute Abend bei mir Mit Kennt, gun», Hitrtlner ult». E e. zu a» b e d t e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich AL 16.—, vierteljährig AL 48.—, halbjährig AL 06.—, ganzjährig AL 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zcitnngsfrankatur wurde von der Poft» und TelegrapheNdirektion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1080 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlag»- und ZeitungS-A.»G., Prag. Kunst und Wissen Märchen im Grandhotel Ticie„Lnstspiclovcreitc" verdankte bei nesirigen Eritnnsführnng in der Kleinen Bühne schönen Erfolg ganz eigenartigen Umständen, der Grundlage Zeines S a v o i r sch e n Stückes haben Alfred G r ü n w ä l d und Tr. Fritz Löhner- Be d a ein klug errechnetes mixtum compositum her- genelli, das aus ehrlicher monarchistischer Gesinnung nnd ans dem tveniger überzeugenden Versuch besteht, sich über solchen faulen Zauber selber lustig zu machen. Ta aber die genannten Herren sichtlich bessere Monarchisten als Theaterleute sind, so ergibt sich das Groteske, daß man ihre ronalistifchen Gefühle dort am lächerlichsten findet, wo sic ernst genommen zn werde» hosfen; und dieser Fehlschlag rettet nicht nur den Unsinn, sondern macht ihn zur amüsanten Parodie, gerade weil ihre streckenweise Unfrcitvilligkeit nicht so ohne weiteres durchschaut tverden kann. Dazu kommt, daß Witz nnd.Hmnoc jedenfalls ursprünglich vorhanden sind und daß Paul Abraham, der Komponist, sich ausgezeichnet auf den Gcichmack des Publikums versteht, das nichts als unterhalten sein will. Ter Erfolg hätte vermutlich noch größer sein können, tvcnn der Regisseur Otto De Wald sein (auch nicht ohne weiteres verständliches) Gastspiel so angelegt hätte, daß alle Darsteller ähnlich dem Herrn Götz, der seine Aufgabe nieisterlich löste, ihre Nollen weniger ernst genommen hätte»; daß die entmachtete und„stiere" Infantin sich in einen vermeintlichen Zimmerkellner verliebt und daß diese ganze Geschichte in einem Hollywooder Nahmen gestellt ist. das kann man noch hinnehmen; aber beispielsweise totcrnst vortragen zu lassen, daß die großfürstliche Bagage in einem Rivicra-Grandhotel die Zeche schuldig bleiben muß, tocil sie eben unter einem viel- fgchcn Millionen-Monatsbndget nicht leben kann, das IN doch zu starker Tobak. Hat eben den Vorteil, daß so diese verschleierte Wiener Monarchistenbtlaiiz keinen Hund hintcrm republikanischen Ofen hervorlocken kann und selber zum herrlichsten Beweis für die Fragwürdigkeit jedes„aristokratischen" Gedankenganges wird. Herr Dewald soll also von Herrn Götz lernen, der das aller viel besser gemacht hätte. Sein Zimmerkellner ist eine virtuose Leistung schauspielerischer Erhabenheit über den größten Unsinn durch Intelligenz, Humor, Selbstironic und Charme; dieser Prachtkerl, der sich über den ganzen G'schnas lustig macht und demchch ein leibhaftigerer Mensch bleibt als alle die anderen, ist zum Totlachen; nnd belvun- dernswcrt, wie er zum einzig möglich Ernsten seiner Ausgabe, nämlich zum Ausdruck einer tiefen Liebesempfindung. dennoch innncr wieder ernst zurückzukehren versteht. Es ist nicht seine Schuld, wenn zum Schluß das heilere Happy end ungewollt zur Farce wird. Neben* Herrn Götz bestrickt Frau Käthe W a l t e r, obzivar iie leider allzu ernst die Infantin svielt. durch den ungemeinen Reiz ihrer Schönheit, ihrer Eleganz nnd ihrer unter solchen Umständen strahlenden Stimmittel. Frl. Kunze dagegen scheint mir nur wenige ausreichend gute Augenblicke zu haben; eine Art gespreizter Natürlichkeit nnd übri- grns bedauerliche Unverständlichkeit bei Singen beeinträchtigt stark die ntögliche Wirkung. In den übrigen Rollen waren die Herren Dörner, Dudek, G r n n b e r g, V o l k e r und Stadler und Fran LoBertram sichtlich um Mitersolg bemüht. An ihm partizipiert anch Herr K o t u l an als geschmackvoller Bühnenbildner nnd Herr Fritz Rie- ger als verläßlicher mnsikali'chcr Leiter. L. G. Programm der„Urania“ 1931t 135 Das zweite Jahr Im neuen Haus— 19. Jahr des Bestehens Aus diesem Gesichtspunkt sind zwei große Reihen, welche unter Leitung von Ilniversitätsprofessor Dr. G. Bccking stehen, vorgesehen:„DaS deutsche in u s i k a l i f ch e Prag"(ein Querschnitt), der etwa 8 Konzcrtabcnde umfaßt, und ein ZyklnS: „M u s i k und B o l k". Ferner ein Zyklus: „Alte M u s i f auf alten Instrn» in e n t e n"(gemeinsam mit dem Bund deutscher Gitarren- und Lantenspieler), weiter„Aus Schönbergs Lebenswcrt"(zn seinem 60. Geburtstag) nnd ein Abend„Strawinsky—Milhand". Dazu kommen regelmäßige Einführungen zu besonderen musikalischen und dramatischen Aufführungen in Prag..,, Kunstgeschichte: Wir wollen unsere große Gemeinde durch möglichst^ Vielfalt mit Themen und Vortragende» immer mehr erweitern. Die wesentlichen Fragen der bildenden Kunst werden in ihren verschiedenen Stilrichtungen von dem jeweils be» j rufenen Fachmann dargestellt. Neben den ständigen Kursen der Masaryk-Volks« Hochschule sollen in großen Vortragsreihen u. a. sprechens Ilniversitätsprofessor Swoboda, Hofrat ilniversitätsprofessor Hans Tietze(Wien):„DaS Jngcnd- und Altcrswerk in der bildenden Kunst", Th. Th. Heine, Corbusier(Paris), van der Velde (Düsseldorf), Bruno Taut, Josef Strzygowski, Wilhelm Slechow(Göttingen), Dagobert Frey(Wien), Tr. Hans Demel(Wien).— Eine aktuelle Vortragsreihe tvird sich mit dem Thema„Moderner Städtebau" beschäftigen, mit Fragen der Äohnungüarchi» tcktnr, der Gartenkunst nstv. Geistesgeschichte der Nationen: Vorträge von Geheimrat llniversitätsprofeffor Dr. H. Driesch (Leipzig), Prof. Dr. Prziwara S. I.(München). Straf Kayscrling(Darmstadt), Prof. Lewy-Brühl (Paris), Prof. H. Haßfeld((Heidelberg), Prof. Gropius(Paris) u. a. Ausgehend von den großen philosophischen Problemen, mit denen sich der„Internationale Prager Philosophen-Kongreß" beschäftigt hat, sind mehrere Vorträge mit Diskussionen angesetzt, deren erste„Die Logistik" und„Die philosophischen Grundlagen der Demokratie"(das Werk Humes, MasarykS usw.) behandeln werden.— Auf dem Gebiete der Charakterologie, Psychologie und Erziehungslehre sollen nach dem Vortrage Prof. Dr. Alfred Adlers („Neber die Angst") in der nächsten Zeit noch Eugenie Schwarzwald(Wien), Dr. Urbantschitsch (Wien), Rafael Schcrmann(Paris), Prof. Pötzel (Wien), Anna Freud(Wien), Dr. Neutra, Dr. Stekel, Dr. Plewer(Wien), Ludwig Kläger(Zürich) u. a. sprechen. Naturwiffenschaften, Technik und Medizin: In Vorbereitung sind einige Vortragsreihen, so über „Vorbeugung der Krebskrankheiten",„Gefäßerkrankungen deS modernen Berufsmenschen" u. a. Wichtige technische Fragen der Gegenwart werden u. a. von Prof. Dr. Werner Heisenberg, Dr. Franz Maidl, Wien, Prof/ Dr. Erwin Schrödinger, Oxford, behandelt. Unter dem Titel:„DaS Antlitz der Erd e" werden Geologen und Forschungsreisende über ihre neuesten Expeditionen in ferne Länder in Wort und Bild berichten. Auf dem Gebiete der Volkswirtschaft halten neben hervorragenden heimischen Männern der Wirtschaft in der nächsten Zeit Direktor Alfred O. Mendl, Wien, Reg.-Rat Dr. Anton Sattler-Dorn- bacher, Wien, Prof. Fleiner, Zürich. Pros. Dr. Johannes Sauter, Wien, Vorträge. Wir bisher werden Führungen nnd Knnftwan» d,rnngen in Museen, Ausstellungen, zu den schönsten historischen Baudenkmälern Alt-Prags und anderer Städte zur Pflege des Heimatgedankens veranstaltet. Kulturfilm und Kulturfilmverlrih: Reben den an jedem Mittwochnachmittag und Montagabend regelmäßig stattfindenden Aufführungen im Urania-Kino werden unsere Filme vor allem mi die Bildungsausschüsse und unsere Zweigstellen sowie Schwesterorganisationen im Rahmen unseres V o r t r a g s d i e n st e s zur Ber-