IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK EhnelpTBlB 70 HBltar (•IniehllaBllch 5 Haller-Porto) ; ERSCHEINT MIT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH BRÜH, mdaktion und Verwaltung mag xii., fochova ir. Telefon smn. ammmmmgon nupoN sm. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14^Iahrgang Samstag, 22. September 1934 Nr. 222 Auferstehung der österreichischen Arbeiterbewegung Eine Illegale Konferenz In Niederösterreich— Einmütige Beschlüsse Dank an die Emigration und an die Bruderpartelen Aus Wien wird un» gemeldet: In einer niederösterreichifchen Gemeinde fand dieser Tage eine von Delegierten aller Organisationszweige der früheren österreichischen Ardeiter- bewegung, Vertretern der österreichischen Emigration und deS Schutzbundes beschickte Konferenz statt, an der sich insgesamt siebzig Genosirn und Genossinnen beteiligten. ES war dieS die erste ordentlich rinberufene und beschickte Konferenz seit dem 12. Feber. Sie tagte in voller Einmütigkeit und ihre Beschlüsse lege» Zeugnis von der Konsolidierung der illegalen sozialistischen Bewegung in Oesterreich ab. In einer einstimmig angenommenen Erklärung schlossen sich die vertretenen Gruppen zur„B e r»i n i g t e n f o» z i a l i st i s ch e n P a r t e i O e st erreich»" zusammen. In dem Aufruf, der von der Konferenz beschlossen wurde, heißt eS n. a.:„Unsere Partei ist der einzige Erbe und Nachfolger der österreichische» Sozialdemokratie und gleichzeitig eine verjüngte revolutionäre Bewegung. Diese Bewegung steht in unversöhnlicher Feindschaft gegen alle Formen deS FaseiSmnS und gegen diemonarchi» st i s ch e R eak flo tt. Sie kämpft— in dem vollen Bewußtsein, daß der FaseiSmuS nur dnrch revolutionäre Mittel,, im Kampf um die gesamte Macht überwunden werden kann— für die wirtschaftlichen und sozialen Jntereffr» der Arbeiterklasse, für dir Erneuerung d e S K o äl i t iönS. u n d Strei kre ch teS und für die Freiheit der Neberzeugung." In der nächsten Zeit fall ein Parteitag ein» Sentfen werden, der über«in A k t i o n S» Programm beschließen wird, in welchem.die Methoden deS illegalen Kampfes gegen den Fa» feiSmuS festgelrgt wrrdrn sollen. Mit aller Klarheit wird in dem Aktionsprogramm festgeftellt werden, daß sich die neue Partei auf de» Boden d«S' KlaffenkampfeS stellt und zur Sozialistische n Arbeiter-Jnternatio- H'ä°'l e^ bekennt... Die nächste AuSgabe der Brünner„Arbeiterzeitung" erscheint mit dem Untertitel:„Organ der sozialistischen Organisationm Oesterreichs".. Die Konferenz hat den Beweis erbracht, daß die österreichische Arbeiterklasse mit ungebrochener Kraft an die Arbeit geht, um den FaseiSmuS zu schlagen. Sie wurde mit dem Dank für die Hilfe der internationale» Bruderparteien und besonders der beiden sozialdemokratischen Parteien in der Tschechoslowakei und den: Dank an die emigrierten österreichischen Genossen geschlossen. Streik von40.000Seeleuten angekündigt (Rew Bor k.) Der Verband der Seeleute kündigt für den 8. Oktober den Streik in allen Atlantikhäfe» und den Häfen deS Golfs von Mexiko an. Mit Ausnahme der Eastrrn- und Black- Diamond Line werden alle amerikanischen SchiffS- linien von dem AuSstand betroffen werden. Der Verband rechnet mit einem Streik von 40.000 Seeleute». Umbau der schwedischen Regierung? (Stockholm.) Ministerpräsident Hansson erklärte in einem Jnterwiev mit einem Redakteur des„Sozialdemokraten", in der er die Gründe für den Sieg der Sozialisten bei den kürzlichen Wahlen darlegtc, das; die.schwedische sozialdemokratische Partei zwar mit'den übrigen Parteien zusammen zu arbeiten beabsichtigte, nichtsdestoweniger erfordert nach Ansicht des Ministerpräsidenten Hansson die gegenwärtige Lage nicht die derzeit bestehende RegiernngSkoalitiou, sondern eine Regierung, die bloss ans Vertretern einer Partei bestünde.' Russenverhaftungen In Charbln (Moskau.) Die Towsetrussischc Telegrapheu- Agentur meldet aus Eharbin, dass dort neue Perhaftungen von sowjetrussische» Staatsbürgern an der Ostchinabah» vorgenommen wurden und daß bei anderen Haussuchungen stattfanden, In den letzteren Tagen würden 12 Angestellte und Arbeiter in verschiedenen Stationen der. Ostchinesischcu Bahn verhaftet. 123 sozialistische Sekretäre verhaftet (Madrid.) HavaS. Die polizeilichen Durchsuchungen im Madrider Volkshaus sind abgeschlossen. Heute wurden, keine neuen Waffen gefunden, doch verhaftete die Polizei vier weitere Sekretäre der Gewerkschaftssyndikate. Die Gesamtzahl der verhafteten Sekretäre beträgt 123. Bund Christdeutscher Jungscharen aufgelöst (Berlin.) Auf Grund einer Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von. Volk und Staat ist der Bund„Christdeutscher Jungscharen" für das Gebiet des deutschen Staates aufgelöst und verboten worden. Schacht entlSSt Generalsekretär (Berlin.) Wie die Deutsche Arbeitsfront mitteilt, Hat Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht die Entlassung des Generalsekretärs des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages, Dr. Schild, angeordnet. Hunderte Todesopfer eines Taifuns Schulkinder lebendig begraben— Zehntausende HUuser zerstört Verwüstete Städte (Loki o.) Lin von schweren Regenfäll len begleiteter Taifun raste am Freitag vormittags mit einer Stundengeschwindigkeit von 45 Meilen quer durch Zentral-Japan. Er nahm sri- nen Anfang bei Osaka und-ging über Kioti in daö Japanische Meer. ES entstand eine Spring flut, durch die 50.000 Häuferzerstört wurden. Mehrere Städte wurden verwüstet. Der Weg, den der Taifun genommen hatte, bietet den Anblick eines Trümmerfeldes. Aus- gerissen« Bäume und Telegraphenmaste und Trümmer zerstörter Häuser liegen wirr durcheinander. In Osaka sind zahlreiche Häuser, darunter mehr alö 40 S ch»l e n, e i n g r st ü r z t. Militär wurde sofort»»gefordert, um sich an dem Rettutigswerk zu beteiligen. Die Zahl der Toten beläuft sich bisher auf viele Hunderte. In Osaka ist ferner ein berühmter Tempel zerstört worden, dabei sind 1b Personen verletzt worden. I» Kiota wurden ein Amtögeväude und mehr alS zehn Schulhäuser vernichtet. Etwa 1000 Schulkinder wurden unter den Trümmern begraben, von denen etwa 500 sofort nach dem Unglück wieder befreit werden konnten. Der Eisenbahnverkehr zwischen Tokio, Osaka und Shimonoseki ist unterbrochen. Bei den zahlreichen Zugsunfällen sindetwa 100 Todesopfer zu beklagen. Auch der Telegraphen- und Telephonverkehr im Unglücksgebiet ist unterbrochen. Man ist der Ansicht, daß eS sich bei dem Taifun um den schwersten handelt, der während - der letzten 30 Jahr« Japan heimgesucht hat. Während die Schäden auf dem Festlande ungeheuer groß sind, sind die Verlust« der Schiffahrt verhältnismäßig gering, da von einer meteo- rologischen Station,rechtzeitig WarnungSzeichen abgegeben«erden konnten. 943 Tötet3738Verwundete (T o k i o.) Rach dem letzten Bericht deS japanischen Innenministeriums hat die Taifun katastrophe in 18 Städten des Landes insgesamt St3 Todesopfer gefordert; 3738 Personen wur den. verletzt, 503 werden noch vermißt. Allein in der Präfektur Osaka zählte man 7S7 Tote und 3058 Verletztes während 488 Personen, vermißt werden. Rach eenem Funksprnch aus Takamatsu fürchtet man dort, daß dort 2300 Boote von der Insel Schikoku gesunken sind. 225 Kinder tot (Osata.) von dem.furchtbaren Taifun» »»glück, daS weite Strecken Mitteljapans. ver wüstet hat, werden weiter« erschütternde Einzel heiten.bekannt. Danach sind 47 Schule» einge- st'ürzt, 225 Kinder wurden ge 1 öt e t,«äh rend 820 mehr oder weniger schwere Ver letzungen erlitten', und drei, noch vermißt werden. In 188 vollständig zerstörten. und 260 stark, beschädigten Häusern, fand man. vll.Tote und>298 Verwundete auf. 20 Häuser' würde» .durch die Springflüt vvllständkg fortgerissen. Vor dem Ende des Textllarbelterstrelks Bereitwilligkeit zu Verhandlungen '(Washington.) Man ist hier der Ansicht, daß da» Ende de» Textilstreikrs unmittelbar bevorstehe, nachdem die Streikleitung die Wiederaufnahme der Arbeit auf Grund d«S Berichte» deS SchlichtungSauSschuffrS alS möglich bezeichnet hat und die Unternehmer gleichfalls ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen angedrutet haben. Der SchlichtungSanSschuß empfiehlt ■ in seinem Berichte, der von Roosevelt gebilligt worden ist, die Schaffung einer unparteiischen dreiköpfige« Trrtilarbeitertehörde(Textile Labonr Relation» Board), dir di« Aufgabe Hat,.die Streifigkeiten in der Textilindustrie zu schlichten. Außerdem empfiehlt der Bericht eine Untersuchung durch da». ArVeitenministerium und die BundMandelSkommifsipn über, die Frage, ob die Textilindustrie dieselbe oder rin« größere Zahl von Angestellten zu höheren Löhnen brschäf- tigenkönne. Der Ausschuß hofft, daß die Terfilarbeitergewrrkschaft ans Grund dieser Empfehlungen den Tertilstrrik abbrechen werde. Gleichzeitig rrsu'cht der SchliibtunaSauSschuß die Ar-' ' beitgeber,'die Ausständige« ohne Unterschied.wieittr-einznstrllen.' Ein verbotenes Buch Es zeigt auf der Titelseite das Bild Adolf Hitlers. Der Inhalt handelt von jüngster deutscher Geschichte. Es berichtet von den Loistun- gen der'nationalsozialistischen Revolution, ja von ihrem entscheidenden Inhalt. Ein Auch also, das Anhänger und Gegner Hitlers gleichermassen interessieren mutz. Und doch verboten? Von kunts- wegen nicht. Keine Behörde kann daran Anstoss nehmen, weil eS nur Tatsachenberichte enthält, ohne ein Schimpfwort gegen die neudeutschen Machthaber, ohne politischen Kommentar. Es ist im Karlsbader Verlag Graphia erschienen und trägt die Ueberschrist:„Adolf Hitler, Deine-Opfer klagen an". Dann folgen Ortsnamen, die im heutigen Deutschland einen schrecklichen Klang haben: Sonnenburg, Hohn- stein, Papenburg, Lichtenburg, Dachau, Oranienburg. Dazu der Untertitel:„E i n A p p e l l a n daö Gewissen der Welt." Ein Buch, daö in allen Kultursprachett den Weg in die Welt finden wird. Und doch werden es bei uns nttr die sozialistisch orientierten Sude- tendeutschen und die wenigen freiheitlich gesinnten Eingänger unseres Volkes in die Hand be- kommen. Unser hitlerbegeistertes Bürgertum wird einfach nicht wagen, es aufzublättern. KrafteigenenVerzichts, aus Feigheit, der grauenvollen Wahrheit über das Wüten des braunen CäsarenregimeS ins Gesicht zu schauen, unter dem Druck eines bösen Gewissens, das sich mitschttldig fühlt an den begangenen Verbrechen des Nationalsozialismus werden sich unsere völ- tischen Kreise ein Loseverbot gegenüber diesem Buche auforlegen. Sie können, sie dürfen es nicht lesen, sonst würdeit sie selbst in den Spiegel ihrer moralischen Verderbtheit unb ihrer mit Loyalität drapierten Henkergesinnung schauen. Dennhier geht es int tief st en Grunde unr sittliche Eittschei- düngendes Einzelnen. Die grosse Mehrheit der Deutschen im Reiche wird bei der weltgeschichtlichen Aburteilung des Hitlerismus für sich noch den schwachen Entschuldigungsgrund anführen können, dass sie den vollen Umfang der Barbarei nicht zu überblicken vermochte, die über ein Sechzigmillionenvolk hereiitgebrochen ist, das . einsttnals— in fernen Zeiten— als Volk der Dichter und Denker bezeichnet wttrde. Für die Ausländsdeutschen besteht dieser Milderungs- gründ nicht. Sie haben bis nun, ob sie Politisch diesem oder jenem Lager zugehören, alle Ouel- len der Wahrheitsfindung offen. Und jedes Bekenntnis zum deutschen Kulturkreis ist zugleich Berpflichtung zur Stellung, nähme, zur sittlichen Entscheidttng, ob dieses unvorstellbare Ausmass von Bestialität, von Ruchlosigkeit, von schurkischer Niedertracht, ja von Entmenschtheit schlechthin fürder den Namen und den Ruf des deutschen Volkes besttdeln darf, ohne dass sich unter den in demokratischer Freiheit lebenden Deutschen ein millionenhäfter Aufschrei des Protests und der Verwünschttng erhebt. ES bedarf starker Nerven und eiites harten Willens, dieses Buch zu Ende ztt lesen. D i e ganze Kriegsliteratur verblasst vor den Bildern des Ekels und des Grauens, ausgebreitet in den Berichten Gefolterter, Geschändeter, Zerbrochener, die dttrch die Hölle der deutschen Konzentrationslager gingen. Was sind Worte? Eine Sprache, mit‘80.000 Vokabeln ist zu arm, die unsagbaren Qualen., auszudrücken, welche-die Insassen, der Konzentrationslager'er» ‘ dulden) müssen. Menschliches Fühlen sträubt sich ! dagegen, die Wirklichkeit nachzpempfinden, die i diesen Schilderungen zugrunde liegt." i Sie sind aber nur Bruchstticke der Völlen, der unfassbaren Wahrheit. Dio'Verleger höben , damit gerechnet, das; sie den vollendetsten Lügen- und Täuschungsapparat, aller Zeiten zum Gegner haben. Die Zusammenstellung des BucheS -verurteilt jeden Ableugnungsversuch des Berli» ner Propagandaiuinisteriuuts zur Aussichtslosig» leit'. Alle Ankläger, soweit sie ausserhalb Deutsch. ß. Sette 2 Nr.. 222 Snmftng, 22. Septembsr 1034 veendlgung desVhereslenstödter Arbeitslagers Gestern wurde Im Beisein des Ministers für soziale Fürsorge, Genossen Dr. M r i tz n r r, das erste staatliche Arbeitslager in Theresienstadt feierlich abgeschlossen. Wir werden über di« austerordentlich guten Ergebnisse dieses Bersuchslagers und über die Schlutzfeier morgen eingehend berichten. „Pragai Magyar Hirlap" eingestellt. DaS Landesamt in Prag hat mit Bescheid vom 21. September 1934 nach 8 34, Abs. 3, deS Gesches zum Schube der Republik vom 19. März 1934, die Einstellung des Erscheinens der Zeitschrift „Pragai Magyar Hirlap" in Prag auf die Dauer von drei Monaten angeordnct. lands leben, zeichnen mit vollem Namen, belegen ihre Angaben mit Dokumenten, sie führen die Namen der Schinder und ihrer Opfer in langer Reihenfolge an. Die A n k l ä g.e r leben u.»ter uns. Sie können jederzeit ihre der- stümmelten Körper entblößen, falls sich im gan- zen Lande ein Zweifler finden sollte, dem die vor- gelegten Beweise nicht genügen. Da ist unter ihnen Fritz Ecker, zuletzt Parteisekretär in der oberpfälzischen Stadt Weiden, mit einer Böhmerwäldleri» verheiratet, den Arbeitern dieses Grenzgebietes schon vor den Tagen des braunen Schreckens wohlbekannt. Es gelang ihm, nach der Machtergreifung Hitlers sich in unsere Grenzstadt Tachau in Sicherheit zu bringen. Da konnte er cS aber nicht ertragen, daß seine Kameraden verhaftet und gefoltert würden, während er in Freiheit lebe und kehrte freiwillig nach Weiden zurück. Don dort weg wurde er verhaftet und auf neun Mo- nate in das Konzentrationslager Dachau gebracht. In Dachau ist er nach seiner Einlieferung gleich den anderen Leidcnsgenosscn so unmenschlich geschlagen worden, daß nachher handgroße Stücke faulenden Fleisches aus seinem Gesäß herauSgeichnittcn werden mußten. Wer wagt es, seine Glaubwürdigkeit anzuzweifcln? Da ist W c n z o l R u b n c r, tschechoslowakischer Staatsbürger, zuletzt als Porzellanmaler in Schirdning in Oberfranken beschäftigt. Gleich vielen anderen wurde er in den Tagen der„nationalen Erhebung" verhaftet. Bei der Einvernahme wurde er gefragt, ob er sich bei einer su- dctendeutschcn Bereinigung betätigt habe. Rub- ner bekannte männlich, daß er seit zwanzig Iah- ren Sozialdemokrat sei und daß er seine Ucber» zeugung nicht wie ein Hemd wechseln könne^Dar- auf schnarrte der verhörende StandabtenfuhVer: „Gut, dann kommen ste eben’'nach Dacha u." Rubner wurde zweimal fürchterlich geschlagen. Er war Zeuge von Mißhandlungen, die mit dem Tode der Opfer endeten. Er erklärt, leine Angaben jederzeit eidlich bestätigen zu können. Da ist der Zahntechniker Ta b a s ch n i k aus Pirna in Sachsen, ein Reichsbannermann, der politisch nie hervortrat. Er schildert seine Oualcn int Konzentrationslager Königstein. Da er Jude war, sollte er zu Tode gequält wer- den. Tagelang wurde er geprügelt, wie ein Tier gehetzt, ohne Nahrung zu erhalten. Dann wollte man ihn zwingen, gepfeffertes Brot zu essen, um seine Durstqualen zu erhöhen. Tabaschnik übergab sich, wurde gezwungen, das Uebergebene wieder aufzuleckcn. Er versuchte Selbstmord durch Ausschneiden der Pulsadern zu verüben. Man verband ihn und zwang das menschliche Wrack, weiter schwerste Arbeiten zu verrichten. Langsam sollte er zu Tode gepeinigt werden. Nur die Tatsache, daß Tabaschnik staatenlos und Bc- sitzcr eines NansenpasscS war, rettete ihm das Leben. Eine Intervention aus Völkerbundkreisen erzwang seine Entlassung. Frau und Kind erkannten ihn nach fünftägiger Folter nichtmehr. Die Narben seines zer-' schundcnen Körpers zeugen für seine Worte. So könnte man die Beweisführung end- los fortsetzen. Auszüge aus dem Buche werden cs wirksamer tun. Wer die Nervcnkraft hat, cs ganz dnrchzulcscn, wird über den Versuch der Kirche lächeln, ihre Gläubigen mit den Posau- nett deS jüngsten Gerichts zu schrecken. Keine Phantasie hat bisher solche Schrecken, solche Grausamkeit(Versiertheit kann ntan nicht sagen, denn daS wäre eine Beleidigung für Hyäyen und Schakale) zu ersinnen vermocht. Zwei politische Folgerungen drängen sich nach, dem Lesen dieser welthistorischen Anklage- schrift gegen daS braune Folterregime auf. Die eine: wer es zu verteidigen wagt, ist ein Lum- penhund, ein verhinderter Folterknecht, ein Aus- würfling der Menschheit. Für solche Verbrechen kann man keine wie immer lautende Beschönigung gelten lassen. MordbleibtMord. Aus Wien wird uns gemeldet: Wie es um den VersöhnungSrummel des Herrn von Schuschnigg in Wahrheit aussieht, das zeigt ein Vorkommnis, das sich Dienstag im „Vorwärtshaus" in der Rcchteit Wicnzeilc, dem HauS der ehemaligen„Arbeitcrzeiiung", abgespielt hat. Bekanntlich ist daS gestohlene Bor- wärtshauS das Hauptquartier des„linken Verbinders" der klerikalen Fascisten, des Herrn Vizc- bürgermeisterS Winter, der eben setzt in seinem „Arbeiter-Sonntag" versichert, daß die„Versöhnung" auf dem Marsche sei. Dienstag fuhren nämlsch’ schwerbewaffnete" Heitttwehrrn im Auto bor dem VörtvärlshauS 7'ituf" ünv besetzten die Druckerei und die Rcdaktiönsräüme des„Arbeiter-Sonntag" und deS ebenfalls gestohlenen „Kleine Blatt".’ Sie’schrien dabei:„Raus mit dem Bolschewisten Wintert Der Winter kriegt Geld auS Moskau! Die marxistische Schreiberei muß aufhöre» I" Die erschrockenen Herren von der Winterfront riefen nun schleunigst„Ostmärtische Sturmscharen" zu Hilfe, die, als sie, hörten, daß ihre Konkurrenz wieder einmal auf eigene Faust elne Aktion unternommen hätten, sofort ebenfalls in Autos angefahren kamen, Maschinengewehre in Äufftellung brachten und den Heimwehren zu- riefen:„Wenn ihr nicht rausgeht, dann schießen wir euch zusammen". Die Situation wurde recht Wer sich mit Mördern und Schindern identifiziert, ist deS Verbrechens der Beihilfe schuldig. Da» güt für die gesamte deutschvölkisch« Schrift- leiterpreffe diese» Lande». Sie hat genug über „Greuelpropaganda" gezetert, nun möge sie Farbe bekennen. S i n d d a S„Gr e u e l m ä r- chen", dann versuche sie die Widerlegung! Will sie diese gellende Anklage totschweigcn, dann bekennt sie sich zur moralischen Mittäterschaft. Dann verdient sie einge- reiht zu werden unter die schlimmsten Feinde deS deutschen Volkes. Auch Herr Henlein wird um die Ant- wort nicht herumkommen/'ob er die national, sozialistischen Verbrechen billigt oder verurteilt Seine„Rundschau" ist in Oesterreich wegen ihrer Kritik am Austrofaseisntus verboten worden. Damst ist seine These erledigt, daß sich die Sude- tendeutfchen nicht in die Verhältnisse deutscher Staaten einmischen dürfen. Drückt sich Henlein auch nach diesem Buch um eine klare Stellung» ttahme zum braunen Hunnentum, dann ist der Nachweis erbracht, daß er nur der s u d e t ende u t s ch c Statthalter HitlerSist. Die zweite Erwägung: wehe den Nachbarn Deutschlands, wenn sie gegen einen milttärischen Ueberfall der Braunen Horden nicht hinreichend gewappnet sind! Diese Schlächtergesellen, die mitten im Frieden ihre eigenen Volksgenossen schlechter behandeln als die Kannibalen ihr menschliches Jagdwild, sic wären imstande, Europa nach einem"milttärischen Siege des Hakenkreuzes in ein GebeitthauS zu verwandeln! bedrohlich, bis schließlich am Abend eine Intervention vom Bundeskanzleramt kam und die Heim« wehren abgezogen wurden. Die Polizei hatte sich den ganzen Tag wohllveiSlich nicht blicken lasten. Dieses Intermezzo zeigt nicht nur, wie eS um den„Bcrsöhnungswillcn" in Wien bestellt ist, sondern auch, Ivie die SicherheitSverhäliniste in Oesterreich aussehcn. Eine Bande rauft mit der anderen um den Vortritt. Es ist interestattt, daß aber nicht nur von fetten der Heimwehren das Kesseltreiben gegen Winter inszeniert wird, sondern auch von anderer, der Regierung, sehr nahe-, stehender Seite. So erklärte der Bürgermeister Schmitz über seinen Vizebürgermeister Winter vor Vertrauensmännern der„Vaterländischen Front": Die Sache mit Winter wird bald ein böses Ende nehmen. Der Mann ist ja ein Bolschewik!" Ja, selbst der alte Kunschak, der Führer der christlichsozialen Arbeiter, dem Winter mit seiner„Kül- lurfront" empfindliche Konkurrenz betreibt, ließ sich in einer der letzten Nummer seiner„Christ- lichsozialcn Arbeiterzeitung"- vernehmen:„Die Wintcrei muß ein Ende nehmen". Wie man hört, wird für Winter jetzt nur noch ein möglichst geräuschloser Abgang gesucht. Der Rattenfänger dürfte also bald seinen Lohn bekommen. Dh Krlessspiel Im Säzfcva-Krelc Zruii.(Eigenbericht.) Nach den kleinen Vorhutkämpfen am Donnerstag sind die„blaue" und die„rote" Armee Freitag fast an der ganzen Front in Gefechtsfühlung gekommen. Die— freilich noch bewegliche, nicht’ zur festen Stellung erstarrte—„Front" beginnt südlich der Sazava, etwa Halbwegs zwischen ZruL und LedeL, läuft über Kralovice entlang der großen Straße, die von Kuttenberg nach Süden führt, über K k i v s o n d o v, E e ch t i e e, H o k e p n i l bis in die Gegend südlich P a c o v. Hier ist wohl die empfindlichste Stelle der Position zu suchen, da eine Ueberflügelung im Süden aussichtsreicher ist als im Norden, wo nördlich der Sazava andere Armeen(natürlich nur theoretisch) angenommen sind. Die Blauen stoßen sowohl bei Pacov als auch bei Kralovice heftig vor, konnten aber bisher die Roten nicht von den beherrschten Hügelstellungcn im Zentrum verdrängen. So harmlos und spielerisch das Treiben anmutet, ermißt ein Beobachter, besten Phantasie über den Augenblick hinausreicht, doch die Schrecken des modernen Krieges, wenn er das Kriegsspiel aus der Nähe steht. Welch furchtbares Bild wüttte sich uns bieten, wenn alle die Mäschi- nengcwchre, die an allen Kreuzwegen, an ben Dorfeingängen, an Waldrändern, gut maskiert in Stellung sind, plötzlich nicht nur bellten’,’ sondern ihre todbringenden Geschosse über die Ivcitcn Felder schickten, in denen eS wenig Schutz gegen diese Waffe gibt? Welches Schauspiel der Ber- wüstung würden wir erleben, wenn die 15 Zentimeter-Haubitzen, die jetzt>durch den Abschuß einer Kartusche 15 bis 20 scharfe Schüsse markieren (denn auch die Kartuschen kosten Geld und müssen sparsam gebraucht werden), mit ihren Granaten auf meilenweit« Entfernungen Tod und Verderben aussenden, die Erde zerwühlen, die Wälder zerfetzen, mit einem Treffer viele Menschenleben vernichten würde! Dann könnten nicht die Reiterpatrouillen so ruhig ihres Weges ziehen und malerische Gruppen bilden, dann läge über dem ganzen heiteren Lagerleben der furchtbare Ernst des Todes. Hoffen wir, daß unseren Soldaten diese Wandlung vom Manöver zur tödlichen Wirklich« kett erspart bleibe! Die Truppen hatten in den letzten Tagen große Marschleistungen zu absolvieren. Man steht sie aber überall in guter Haltung, die Hebungen machen ihnen bei dem angenehmen Wetter, das tveder zu tvarm, noch zu kalt ist, sichtlich Spaß und der Bewegungskrieg im vielgestaltigen Gelände interessiert sie, wenn der Vorgesetzte es versteht, durch menschliche Behandlung des Soldaten, durch vorbildliche Pflichterfüllung ihr Verträüen zu erwerben. Die Mannschaft erhält im Manöver um 30 Heller mehr Löhnung pro Tag, die Fleischration ist von 20 auf 25 Dekagramm erhöht, außerdem erhält jeder Mann eine Zubuße für den Brotsack: Wurst, Speck oder Käse. Sonntag, wenn abge- blascn ist, dürfen sic obendrein als. zweite Fleischration die mitgeführte Konserve verzehren.-- Es sollen insgesamt i 50.000- Mann am Manöver beteiligt sein(5 Divisionen). Sie sind auf rund 25 bis 30 Kilometer.Frontbreite entwickelt und vorläufig noch stark in die Tiefe gegliedert, Für Samstag werden die großen Angriffe erwartet.'','* Helmwehren besetzen das Vorwärtsgebäude und werden von Ostmärkischen Sturmscharen wieder hinausgeworfen!—' Ein Kapitel Versöhnungspolitik Die Zuhörer pflichten ihm lebhaft bei. Ihre Weltanschauung ist ihnen nicht überliefert,. sie haben sie sich selbst erworben, aber sie erfüllt sie wirklich, und die Grundbegriffe Klastenkampf und Solidarität sind ihnen nicht nur theoretisch geläufig. Mit Eeifer gehe» die Männer in die Bil» dungövereine und im Wahlkampf des vorigen Jahres haben sie sich ebenso bewährt. Vergeblich lockten Presse und Kanzel mit der Gründung nationaler und christlicher Arbeiterparteien. Vierzehn sozialdemokratische Abgeordnete brächten die Wähler der fünften Kurie in den Reichsrat. Seither verfolgen die Proletarier, die sich jeder einzelne als Vorkämpfer für das demnächst anbrechende goldene Zeitalter des ZukunftSstaateS fühlen, die parlamentarischen Vorgänge genau. Auch die Leute hier, im Walde hören aufmerksam an, was ihr Genosse vom Kampf gegen Badeni, den polnischen Grafen mit der starken Hand, und gegen seinen Nachfolger, den streberischen Herrn von Gautsch, erzählt, und wie er die Tätigkeit des neuen Herrn, deS Grafen Thutt und seines Ministeriums NichtS-Thun beschreibt; wie man, hilflos gegenüber dem renitenten Parlament, mit dem 8 14 weitertvurstelt, luie man zur Antwort auf die Judenpogrome in Galizien die Gewerkschaften dort auflöst, wie man reaktionär und absolutistisch und gedankenlos die Völker der Monarchie immer tiefer ins Elend hineinführt. Der Redner zeigt nach dem„Panoptikum" hin: In jeder Jahrmarktsbude ist die Dame zu sehen, di« ohne Unterleib leben, und der Mann, der ohne Hände malen kann. Aber was ist da» gegen unsere StaatSlcüker— schaut hinüber nach Wien! Dort seht ihr, wie man ohne Kopf regieren kann! Der Redner wischt sich den Scheiß von der Stirn. Er fühlt, daß die Aufmerksamkeit der Zuhörer nachlätzt. Die Zustimmungsrufe werden seltener, das Lachen, das jedem Scherz- und Kraftwort folgt, wird matter. Die Alten sind müde, die Jungen wollen tanzen. Schon ziehen sich viele zu den langen, über Fässer liegenden Brettern zurück, die als Bank und Tisch zugleich dienen. Dort, abseits von der Versammlung, steht auch einer, der nur durch einen Zufall hergeraten ist. Ein junger Mensch in einem schäbigen grünen Anzug mit ausgefransten Hosen und qerriffcnen Schuhen, rötlichblonde Bartstoppeln im Gesicht, einen grifflosen Pfesferstock in der Hand. Er paßt- schlecht in das immerhin feiertägliche Bild. Jeder, dem er sich zufällig oder absichtlich nähert, rückt unfreundlich von ihm ab. Er merkt es, aber was kümmert ihn das? So ist er eS gewöhnt. Was tvill er eigentlich hier? Zu Hause, in Polna, gibt es heut doch dasselbe Vergnügen. Dort, im Bresinatvald, sind genug von seinen Freunden dabei, dort brauchte er sein Bier nicht selbst zu bezahlen. Eigentlich wollte er ja schon am Mittag hinüber, in drei Stutiden wäre er daheim gewesen, aber in dieser Hitze-auf. der staubigen Landstraße.., So gehts ihm immer. Schön, den-gestrigen Tag hat er verlören, weil er am Samstag nicht bei den Juden betteln konnte, und heute muß er ausgerechnet dem Kusy in den Weg laufen, der ihn über seine Wanderschaft ausfragt und hunderterlei von seinem Wanderkameraden, dem Wilhelm Tscherwenka, hören will, und unter lauter Erzählen hat er den Kusy bis hierher in den Wald begleitet. Statt zur Kathi Ma- chatschek zu gehen, der er noch ettvaS von Tscher- wenka«»»richten soll- Am Bormittag hat er einen halben Gulden bei Bitrovsky. Lauer und Löwenthal zusammengcschnorrt. Der Vorsteher- der Un- terstützungSkaffe, der Herr Mehl, hat ihm allein zlvangiz Kreuzer gegeben, auch zu effen hat er etwas bekommen, Geld wär ihm freilich lieber ge- wesen, er möchte nicht mit leeren Taschen nach Hause kommen. Wenn wenigstens der Kusy, der ihn mitgeschleppt hat, daS Bier gezahlt hätte! Von hier ist der Weg nach Polna noch ein tüchtiges Stück länger, aber schließlich muß er ja doch heute noch hin, denn wo könnte er in Jglau übernachten? Die VerpflegSstation nimmt ihn ein zlveites Mal nicht auf, er hat sich ja auch schon beim Verwalter, Herrn Hieronymus Siegel, abgemeldet; Reiseziel Polna steht in dem Begleitschein des Arbeitsbuches. Wenn nur der Weg nicht gar so weit wäre— auch möchte er nicht gery am späten Abend ankommen— immer ist ihn» unbehaglich zumute, wenn er unterwegs ist und an zu Hause denkt— ist er aber wieder daheim, findet er'S gar nicht so schlimm. Ob ihm vielleicht die Machatschek oder die alte Tschrrwenka Nachtquartier geben?— Schlimmstenfalls wird er halt ein paar Kreuzer springen lasten und im Stall deS Schwarzen Adler schlafen. Die Hand in der Tasche überzählt er die Barschaft. Zur Not reicht es. Jetzt scheint aber der Genosse Doktor doch endlich Schluß zu machen. Noch, einmal faßt'er die klingenden Parolen zusammen. Sie münden in die Forderung nach dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimelt Wahlrecht. Der Stimmzettel ist die Waffe, mit der sich die Arbeiterschaft eine strahlende Zukunft erkämpfen wird. Und ein schwungvoll auSgemalte» Bild der befreiten Menschheit hebt die Gemüter der Jglauer Arbeiter in die Höhen des Ideals. Mährend ein paar hundert Stimmen begeistert in da» Hoch auf die iitternationale, völkerbefreiende Sozialdemokratie einstimmen— Hoch! Hoch! Hoch!—, drückt sich Leopold HilSner aus Polna sacht beiseite, um die Straße zu gewinnen. Dem armseligen Juden wird fast körperlich schlecht, wenn er die Gostm so schreien hört. Wie er an dem Platze vorbeikommt, wo die Kinder in Säcken um die Wette hüpfen, beeilt er sich unwill kürlich. Er kennt seine Feinde. Aber er entrinnt ihnen auch diesmal nicht.„Stinkender Jud!" Er nimmt davon keine Notiz und macht, daß er fortkommt. Hört auch nicht, wie eine Frau den Buben zurechtweist: „Ob du gleich sttll bist! Wenn das der Doktor hört! Er ist doch selber..."» Leopold Hilsner geht zur Stadt zurück, schmächtig und nach einer Seite geneigt,^ in den verschwitzten Kleidern, die Schultern ungleich gc- hoben. Die Füße sind einwärts gerichtet und schieben sich in ungleichem Schritt weiter. Davon er- hält der Gang etwas Wiegendes, bei eiliger Bewegung gerät er in eine fast schaukelnde Bewegung. Die Arme, mit ungewöhnlich großen, kräftigen Händen, schlenkern im Tatte mit. Sonderbar dieser Blick aus den matt««;,. ein wenig vorstehenden Augen: scheu, werbend' und frech zugleich— der Blick eine» Bettlers. Im ganzen also ein Bursche, dem das sonst wohlfeile Mitgefühl für die Abenteuer der Landstraße nicht entgegenfliegt, ein trauriger Stromer, auf den ei die Hunde und die Kinder abgesehen haben. Er döst durch den Staub vor sich hin. Da» Pro—le—tariat ein schwieriges Wort...., wie oft mag der Doktor, das heute ausgesprochen haben?... In Polna, im Arbeiterbildungsver« ein, haben sie auch ost darüber geredet, der Willy Tscherwenka, mit dem er eben- ein paar Wochen lang auf der Walz gewesen ist, ist auch so ein Politischer. Me müssen sich organisieren, sagt er, dann werden die Armen die Mehrheit haben und den Reichen alle» wegnehmen, die Fabriken, die Güter und die Häuser. So ein Unsinn! Als ob sich die Reichen das gefallen lassen werden! Als ob die Gendarmen und die Soldaten es mit den Arbeitern gegen die Großen halten werden! Darauf antwortete der Tscherwenka etwas von„Pro- letariem im Waffenrock". Lauter solche Redensarten haben sie. Dumme» Zeug! Der Soldat tut, wa» der. Herr Offizier lommandiert. Sie schießen auf die Arbeiter und die Juden, und Schluß ist. (Fortsetzung folgt.) rUfc’rn SamStar, 22. September 1934 Leite 3 WWWente 6e§ Lrsuens In dem Graphia-Bnch über die deutsche« Konzentrationslager(Preis 33 XL), dessen Bedeutung al« zeitgeschichtliche« Dokument wir an anderer Stelle würdigen, schreibt ein der Hölle von Dachau Entronnener über die erlittenen seelischen Qualen:„In Ehren ergraute Familienvater, alte Frontsoldaten, Menschen von hoher Gesittung, Männer, die jahrzehntelang für Menschenrechte nnd ihre Weltanschauung ihr Bestes gaben, müssen sich vor junge«, verrohten Burschen entkleideu, werden über einen Tisch gelegt nnd dann erbarmungslos geschlagen. SO, 100 nnd noch mehr Hiebe ans da« nackte Fleisch! Wer eine solche im Konzentrationslager Dachim alltägliche Szene nicht mitcrlebt und erduldet hat, der kaun schwer die seelische Bedrückuug ermessen, die Gefangene oft der B c r z w e i f- lang und dem Wahnsinn nahe brachte. Biele mir persönlich bekannte Mitgefaugenesind in wenige« Tagen ergraut. M Prozedur Derselbe Berichterstatter, cs ist der Genosse Fritz Ecker aus Weiden in der Oberpfalz, schildert seine„Vernehmung" in Dachau, wie folgt: „Im Keller zog ErbmülIer die Pistole, entsicherte sie und hielt sie mir, den Finger am Abzug, vor die Stirn. Er befahl mir, mich auü- zukleiden. Bier andere SS-Leute, darunter Franz Liebwein und B r u m m e r, standen schlagbereit, Ochsenziemer und Gummiknüppel durch die Luft schwingend vor mir. Ich mutzte mich über einen Tisch legen. Mein Kopf wurde in eine Decke gewickelt und meine Kehle von einem SS-Mann auf die Tischkante gedrückt. Dann schlugen drei SS-Leute mit aller Kraft auf mich ein, bis mir das Blut von Rücken und Gcfätz rann. 64 Schläge habe ich gezählt. Danach wurde ich mit einem Eimer Wasser begossen und ich hörte Erbsmüller sagen: „Roch eine Lektion, der Kerl spürt ja nix, der schreit net." Und wieder wurde auf mich Ungeschlagen. Oberschenkel nnd Waden waren mit blutenden Striemen bedeckt und ich war nahe daran, in SchmerzenSgcbrüll auszubrechcn, als der Befehl kam: „A u f h ö r e n, e S reicht!* Einer schlug trotzdem noch mehrmals über meine Oberschenkel, bevor ich loskam. Man befahl mir:„Anziehen! Rasch, rasch! Andere warten schon darauf!" Während ich mich anzog, wurde ich weiter geschlagen. In Eile und Erregung hatte ich die Weste falsch zugeknöpft. Ich muhte sie aufknöpfen und nochmal zuknöpfcn und wurde auch dabei ständig von. zwei SS-Leuten mit Stock und Gummiknüppel geschlagen." Gemütsmenschen Ecker schildert weiter:„Zur selben Zeit, da ich in Dachau(»ach den erlittenen Misshandlungen. Die Red.) schwer verletzt darniederlag, wurde im Lager eine Zeitungsnotiz der„Bayrischen Ostwacht" mit der Nachricht bekannt, dass man meiner Frau in Weiden die Fenster ihrer Wohnung eingeworfen hat." „Iwan, Her Schreckliche" Drei braune Bestien überragten in Dachau alle übrigen Schindergesellen. Der eine war ein degenerierter junger Grafenspross, namens D a- Tat m i, der zweite heisst Hans Steinbren- n e r und lvurde von den Gefangenen„Iwan der Schreckliche" genannt. Diesen Titel musste,Steinbrenner später an einen Metzgergehilfcn namens Sporer abtrcten. Sporer hat mehrere Gefangene zu Tode gequält. Für seine krankhafte Veranlagung ist bezeichnend, dass er die auScrlvählten Opfer in einen Abort schleppte, sie dort abwechselnd schlug und wieder zwang, sich mit Men« schenket zu beschmieren oder die Klosettbecken sauber zu lecken. Wie es dabei zuging, erzählt der Bericht: „Der SS-Mann Dalarmi verlos beim Morgenappell der Grsangrnen zwei Name«. Sporer fahr gleich wie ein Rasender aus die beiden Gefangene« lo« und ohrfeigte sie in Gegenwart aller übrig«. E« war« zwei ne« Eingrlirserte. Sporer zeigte de» Selben eine schwere Lrdrrpeitsche nnd schrie: „Jhrzwrir, wennihrnn elf «hr«och lebet, habt ihr Glück!" Bei der Dorwach« wurde Halt gemacht, Sporer Holt« rin« Eimer und rin« Schrubber. Mit brat Schrubberstiel schlug er zurrst den einen der Gr- fangen« kräftig aus de» kahlgrfchorrnen Hinterkopf. Merkwürdigerweise machte dieser Gefangene«ach dem unverhofft« Schlag keinerlei Schmerzensbewegung. Das war grg« 7 Uhr. D« ganz« Bormittag peinigte Sporer die brid« Unglücklich« in dem klein« Abortraum bestialisch. Grg« 9 Uhr sah ich d« eine« völlig durchnäßt, al» er au» der Aborttür in» Freie trat. Er fiel ermattet hi« nnd blieb regungslos liegen. Ach dachte schon, er sei«et, doch sch« stürmte Spo- rrr au» der Tür und sprang mit beiden Füße« direkt ans de« Daliegende«, der nicht schrie, sende« nur stöhnte. Dan« schlug er dm sich mühsam Erhebend« mit der Le- derpritsche wahllos üb« d« Kopf. Ich«eint«, dem Mißhandelt« müsse da» Rückgrat gebroch« sein, al» Iw« auj ihn spran«. Rur die Angst vor dem Peiniger muß dem Ges«, gcnrn dir letzte Kraft zum Aufstrhcn gegeben haben. Um elf Uhr Vormittag hatte der Schinderknecht seine Henkerarbeit vollendet, e i n G e f a n- grnerlag bewußlo« im Abort. Ich konnte gerade noch einen Blick auf den Liegrad« tun, als Sporer heraussprang und mich anfchrir: „Was willst du denn da?" Ich gebrauchte die AuS- rede, daß ich geglaubt habe, e« fei rin benützter Abort und lvurde von Sporer mit den Worten „Druck di" abgefrrtigt. Er sperrte dann die Tür zu und stellte sich davor. Dann kam der Lagerarzt Dr. Me i r n r r mit dem SS-Sanitäter Luga«er. Bride warfen eine» Blick auf die von Sporer geöffnete Tür und ging« wieder. Auch der SS-Mann Dalarmi besah sich den Gemarterten. Sporer aber zündete sich eine Zigarette an und tanzte auf einem Bei» nachder auS dem Lautsprecher er- tönendenRundfunkmusik. Dann erzählte er Dalarmi den Hergang der Tat. „So hat» ihn hindraht" sagte Sporer und zeigte mit Gebärden, wir der Mißhandelt« hingetaumelt war. Der Misshandelte starb später im„Bunker", ein Ministrant In der Todeszelle Bunker, so nennt man in den deutschen Konzentrationslagern gemauerte Särge, Arrestzellen ohne Licht und Luft, lvo die Gefangenen langsam zu Tode gequält werden. Das Buch schildert, wie in Dachau die kommunistischen Abgeordneten S t« n z e r und Dressek, der Nürnberger Advokat Dr. Nofelder, der Arzt Dr. K a tz, ferner die Gefangenen Altmann und Willi Franz, sowie der Arbeiter Bürk au» Memmingen dahingemordct wurden. Auch vor gefangenen Jugendlichen machten die braunen Mordgesellen nicht halt. Genosse Ecker berichtet:„Im Lager Dachan Ivar nwnatclang ein sechzehnjähriger Bub in Haft, Rudolf Na- dolsky, der bcün katholischen Gottesdienst als M i nist r a n t mitwirkte. Er kam nach Dachau, weil er a n Hitler einen Brief geschrieben und darin die antikatholische Politik kritisiert hatte. Diesen Sechzehnjährigen— er„feierte" seinen 17. Geburtstag im Lager— ohrfeigte die SS Hitlers genau so, wie sie Siebzigjährige geohrfeigt hat. Auch dieser Jüngling war zur Zeit meiner Entlassung imBun- ker vers ch wunde n." »In SS-Mann amüsiert sich Wenzel Rubner erzählt aus Dachau folgenden Vorfall: „Im Juni(1933) wurde die SS-Kantine frisch getüncht. Von Häftlingen natürlich. Als der Aufstrich getrocknet lvar, zeigte sich an der Mauer dicht unter der Decke ein S o w j e t st e r n. Vor dem Essenfassen wurde» wir alle auf die Wiese kommandiert und der Truppführer Wien» Hardt schrie uns an: „Wenn sich bis morgen früh dec, der den Sowjetstern angeschmiert hat, nicht freiwillig meldet, macht die Kiesgrube morgen Abend von sieben bis zehn Uhr Strafarbeit. Bis es herauskommt, wird jeden Abend ein anderes Kommando drankommen." Strafarbeit! Wir alle wussten, was das heisst! Hunger, Misshandlungen, Arbeit bis zum Umsinken. Dass sich jemand melden würde, glaubten wir nicht. Aber es sprang doch einer für unS ein— ein Unschuldiger» wie wir später erfahren sollten. Der Kommunist Ignaz Wage«führ beschuldigte sich der Tat und nahm die unmenschliche Strafe auf sich. Die meisten Kommunisten im Lager waren schlechte Kameraden, Wagenführ gehörte zu den Ausnahmen. Hier zeigte er sich als Held. Die SS-Schinder schlugen ihn halbtot und brüsteten sich selbst damit, sie hätten ihm S a l z- wasser in die offenen Wunden gegossxn. „Wenn der nicht stirbl," sagten die Sanitäter, die ihn ins Revier geschafft hatten,„dann hat er eine Vicchsnatur!" # Der Bericht schildert weiter, wie selbst diese heldenmütige Aufopferung die Gefangenen nicht von der angedrohten Strafe retten konnte. Sie wurden zur Strafarbeit in strömendem Regen getrieben, misshandelt bis zur Bewusstlosigkeit. Rubner erzählt dann, wie der Fall aufgeklärt wurde: „Am nächsten Tag kam ei» SS-Mann von München vom Urlaub zurück. LS er erfuhr» was vorgegangen war, er zählte er grinsend, er selbst hätte dm Sowjetstern angepinselt, um Kameraden von der Polizei mal zu zeigen, wie man so ein Ding malt. Häftlinge haben dieses Geständnis mit angehürt und haben es uns erzählt. Der SS-Mann wurde nach dem Polizeipräsidium München geschafft." Bauern In Dachan Au» dem Bericht Wenzel Rubner«: „Mitten in der Zeit der Heuernte kamen etwa zehn Bauern aus der Dachauer Gegend an und wurden in die Arbeitskolonncn eingereiht. Sie klagten uns ihr Leid, cs ginge ihnen schlecht. Auch sie hatten sich vom Dritten Reich allerlei Gutes versprochen und die meisten waren treue Hakenkreuzwähler gewesen. Nun mussten ne fürs Lager Dachau regelmässig Kartoffeln liefern, so berichteten sie. Al» sie aber nach längerer Zeit auch Bezahlung forderten, wurden sie„zum Ausgleich der Rechnung" in» Kon- zcntrationslagcr gesperrt. Zu Hause die Frauen kamen mit der Heuernte nicht zurecht, mussten sich Arbeitskräfte nehmen und so kam«ine kuriose Art der Arbeitsbeschaffung zustande." Unter Landsleuten Unvorstellbar für zivilisierte Menschen ist, dass sich die SS-Leute mit Vorliebe ihre Opfer aus dem Heimatsorte aussuchten, also Menschen, mit denen sic jahrelang zusammen gelebt hatten. Der. SS-Mann L i e b w e i n aus Weiden hat cs besonders auf seine engeren Hei- matSgenoffen abgesehen. Eines seiner Opfer war der Provisionsreisendc I u st i n WilmerS- dürfet, ebenfalls ans Weiden. Nach der„Vernehmung" wurde WilmcrSdörfer mit starkem Fieber ins Revier(Krankcnabteilnng) gebracht und musste operiert werden. Ecker schildert das weitere Schicksal dieses unglücklichen Menschen:„Er war zwei Monate im Revier. Auf dem Krankenblatt war als Krankheit angegeben „Grippe und Abszess". Kaum einigermassen genesen, wurde er zu Arbeiten beim Neubau für eine Bäckerei eingestellt. Schon am zweiten Arbeitstage fiel er dem SS-Mann Liebwein wieder in die Hände. Liebwein und der Scharführer Frank aus Würzburg mißhandelten den WilmerSdörfer von früh sieben Uhr bis elf Uhr Mittag ununterbrochen. Sobald WilmcrSdörfer bewusstlos geschlagen war, legten sie ihn unter den Hydranten und liehen daS Wasser auf ihn Niederläufen. Dann-wurden die Misshandlungen fortgesetzt. Wiederholt bat WilmerSdörfer kniend: „Herr Sch a r f ü h r c r, bitte erschiessen sie mich!" Ich habe am Mittag desselben Tages Wil- mersdörserS Körper gesehen. Grauenhaft! Dir OprrationSwunde war durch Schläge mit dem Seitengewehr wieder aufgeschlagen. Der Körper war braun nnd blau, voller Striemen, von den Händen hingen Hautfehen, die beiden Gcsichtshälften waren blau und stark geschwollen, ebenso die Ohren Um einen Juden- Imsen Ist nicht schadet MaxTabaschnik wurde im Lager K ö n i g st e i n gefoltert. Nicht nur körperlich hat man ihn so zugerichtet, dass er nach wenigen Tagen im Krankenhause landete, sondern auch seelisch gequält. Hier ein Bruchstück aus seinem haarsträubenden Bericht: „Bei mir. fand man ein Familienbild, auf dem auch mein ältester, mit 14 Jahren verstorbener Sohn zu sehen war. Ein SA- Mann fragte mich:„Ist das deine Familie?" —„Ja!" „So, also zwei Söhne hast du?" Ich antwortete, der eine sei verstorben. „Na, ist es denn schade um ihn? Um einen Judenjungen ist eS niemals schade!" „Was, du machst wohl«in dumme» Gesicht? Du meinst wohl, daS stimmt nicht? Um dich wäre eS auch nicht schade, wenn du krepierst! Jetzt sagst du sofort nach, wa» ich dir vorsage: ,,E» ist nicht schad«, daß mein Junge tot ist» dran um«inen Judenbub ist e» niemal» schade!" Ich schwieg znerst, wurde aber durch Drohungen gezwungen, die schändlichen Worte zu wiederholen." Mr«Omaner** von lonnanbura Aus dem Bericht WilliHarderS über die Folterstätte dieses Konzentrationslagers genügen zwei Sähe:„Alles, was an sadistischen Quälereien denkbar ist, wurde im„Ostkeller" probiert. Gefangene mussten dort ihre Geschlechtsteile auf einer Tischkante fephalten und die Bestien schlugen darauf!" AnthdreuehMFoiaa- aanda RomanPraschker berichtet über das Martyriuni, welches der später ermordete Schrift- »lUAUil— dikXaudfrtia. Iit ihr Wdscheschatz I Ihn will ile nicht gefährden, indem sie eine gewöhnliche Seife nimmt. Darum verwendet sie eine Seife, für deren stets gleichbleibend vorzügliche Qualität ein Name bürgt, der —- wie der Name Schicht— jedem Kind geläufig ist als Ausdruck für gut und verläßlich. Mit Schicht-Seife, Marke Hirsch, waschen- das istwirk- lieh hygienisch und wahrhaft schonend gewaschen. SCHICHT SEIFE steiler ErichMühsam in den Lagern Sonnenburg und Brandenburg durchliti. Eine Stelle ist besonders für das Ausland aufschlussreich:„In Sonnenburg Ivar Mühsam furchtbaren Misshandlungen ausgesetzt. Dort wurden ihm die gähne a u s g e s ch l a g e n. Eine schwedische Zeitung berichtete darüber. Kurze Zeit danach wurde ihm ein künstlichcsGebih angefertigt. Ein deutscher Prrssephotograph vor- traitierte ihn mit weit geöffnetem Mnnde. Man wollte des„Greuelmärchcn" durch das Bild widerlegen, auf dem das Gebiss als künstliches nicht zu erkennen war." Deutsche Freuen OttoMeinl erzählt, wie im Durchgangslager Reichenbach(Vogtland) d-c Gegner des HitlerregimeS gequält worden sind. Die Folterstätte befand sich im ehemaligen sozialdemokratischen V o l k S h a n s c. ES lag am Markte und die Schreie der Gepeinigten waren ip der ganzen Nachbarschaft zu hören, Unruhe nnd Empörung entstand. Da griff die nationalsozialistische Frauenorganisation des Ortes ein. Und zwar auf folgende Weise: „Eine gewisse Aendernng ermöglichte eine Spende der Nationalsozialistischen Frauenschaft von Reichenbach. Diese Frauen des. Dritten Reiche» haben e i n„A b d ä m p f. k i f f e n" g e st i f t e t, ein dickeS Feder- kiffen, etwa 50 bi» 60 Zentimeter int Quadrat. In dieses Kiffen wurde da» Gesicht des jeweiligen Opfer» während der Foltermtg gepreßt und so sein Schreien und Wimmern erstickt." Otto Meinl belegt seinen Bericht mit einer ausführlichen Liste der Misshandelten und ihrer Quäler. »In Krnusritter AuS FrihKleine'S Bericht über daS Konzentrationslager Lichtenburg: Unmenschlich war der Zugsführer vom dritten Zug. Sein Name ist mir entfallen. Er stannnte aus Halle a. Saale nnd trtig das Eiseritc Kreuz 1. Klasse. Der sprang wie ein Akrobat den Gefangenen immer gleich mit beiden Beiitcit ins Kreuz. Jeder brach dabei zusammen. Eines Tages wurde nun ein Gefangener cingelicfert, der im Kriege mit diesem Zugsführer zusammen bei einer Kraftfahrerformation gewesen war. Der wtlssre genau, dass der jetzige Zugsführer überhaupt keine Kriegsauszeichnung erhalten hatte. Diese Feststellung sprach sich bis zur Lagcrleitung durch und eines Tages war dieser Ritter des E. K. l. spurlos verschwunden. Auf Burg Hohnstein Otto Urban war in der Lage, in dem berüchtigten Konzentrationslager auf Burg H o h n st e i n in der sächsischen Schweiz daS Treiben der braunen Kerkermeister auS der Nähe zu beobachten. Er war soztisagen K a m in e r- diener des Lagerleiters SA-Obersturinbanit- führers I e h n i s ch e n. So hat er die SA- Bonzen in täglichem Umgänge kennen gelernt und erzählt davon, wie folgt: „Der Konnnandant der Burg Hohnstein führte mit feinen SA-Kameraden ein Privatleben sonderet Art. Oft kam ich des Morgens in deren gemeinsames Wohnzimmer und fand Wein, Bier und Sektgläser zerschlagen im Zimmer Herumliegen. Tas Tischtuch in der einen, und geleerte Flasch« in der anderen Ecke des Zimmers; in den Sette 4 Sämling. 22. September 1934 Sesseln gebrauchte Präservative und zurück, gelassene Damenschlüpfer hinter dem Sofa. Dazwischen Kot und Urin der Hunde Tina, Senta und Nero neben kleinen Blutlacken, blutigen Ehrrndolchen und obszönen erotischen Photographien! Das war das„Wohnzimmer" l Wenn ich in das Schlafzimmer trat, um di« Stiefel zum putzen zu holen, sah ich Alkohol, leichen, die sich übergeben hatten und in voller Uniform im Bett lagen. Bett und Fußboden, alles war verunreinigt. Wir vom„Stabsschwung"(so viel wie„Putzfleck", die Red.) hatten dann die Pflicht, sie aiiSzuziehen und den Dreck wegzumachen." Sind das noch Menschen? Otto Urban schildert weiter: „In Hohnstein blieben erotische Exzesse nicht auf die Wohnung der Lagerleitung beschränkt. Viele Gefangene könnten darüber erzählen. Kranen. Ekel und Schamgefühl hindern sie meist daran. An einem Tage Mitte Februar war eS, als TagcsnaUgkcttcn Nach amerikanischemBeifpiel Nächtliche Erpressung im Luschrtzer Schloß (Brüx.) In der donnerstägigen Schwurgerichtsverhandlung bei»» Brüxer Kreisgericht ivurde der 35jährigc stellungslose Kellner Luowig Belohoubekdes Raubes, des Diebstahles, der öffentlichen Gewalttätigkeit durch Erpressung und der llebertretung des Waffenpatentes schuldig erkannt und zu einer schiveren Äerlerstrafe in der Tauer von z w ö l f 2 a h r e n verurteilt. Belohoubek war in der Nacht zum 3. Oktober v.$. in das Schlafzimmer der Schloßherrin Eleonore Silva T a r o u k a im Schloß Luschig, Bezirk Äaaden, eingedrungen und hatte der zu Tode erschrockenen Frau gedroht, ihre Rinder würde daü gleiche Schicksal ereilen ivie das Kind Lindberghs, wenn sie nicht ihren Schmuck und alles Geld Herausgabe. Frau Tarouka muhte dem Einbrecher eine Geldtasche mit 330V KL üb.'rgeben und einen E i d ablegen, daß sie innerhalb acht Tagen noch 2 0.0 0 0 KL postlagernd nach Brünn auf den Namen Josef Jatubec schik- len werde. 2m November v. I. wurde al- Täter Belo- houbek In Komotgu verhaftet. Obwohl er seine Tat in Abrede stellte, konnte doch erwiesen werden, dah er sich zur kritischen Zeit im Ort« de» fand. Er wurde mit Frau Tarouka konfrontiert und von dieser mit voller Bestimmtheit als Täter erkannt.— Belohoubet war bereits mehrmals vorbestraft. Er lvurde n. a. einmal wegen Raubes zu zehn fahren schweren Kerkers verurteilt. Eine Spur der Lindbergh-Kind-Entführung (New Aork.) Unter dem Verdachte, an der Entführung des Kindes Lindberghs teilgenommin zu haben, wurden, hier am Donnerstag der 35jäh- rige Richard Hauptmann und seine Frau verhaftet. Die Verhaftung ist das Ergebnis einer peinlichst genauen Arbeit der Polizei. Diese hat seit mebr als zwei Jahren auf einem großen Stadtplan von New?)ork jede Stelle, wo die zur Bezahlung des Lösegeldes ausgegebenen Noten auftauchten, genau eingezeichnet. Dabei wurde festgestellt, dah die Noten wiederholt an denselben Straßenkreuzun- gen auftanchten. Hierdurch hatte die Polizei die Nummer des Krafswagens ermittelt, der dem Verhak» ieten gehörte. Neber«ine Woche beobachteten oann Teieltlve den Festgenommenen, der auch unter ihren Augen Noten aus dem Lösegeld in den Verkehr brachte. Erst jetzt griff die Polizei zu und nahm den Verdächtigen fest. Die Polizei glaubt, daß seine Verhaftung zur Aufklärung des ganzen Verbrechens führen werde. AehnlicheS Holz wie es zur Herstellung der Leiter, die beim Einbruch in das Saus Lindberghs verwendet wurde, soll bei dem Verhafteten gefunden worden sein. 13.7 6 0 Dollar, die in der Garage gefunden wurden, waren unter dem Fußboden und in den Wände» versteckt lvorden. Der Verhaftete ist bisher als der Mann wiedererkannt worden, der mit der liebermittlung deSLösegeldrS seinerzeit zu tun hatte. Richard Hauptmann hat folgendes eingestanden: 1. Zwei Banknoten, eine Zehn« und eine Awantig-Dollar-Bgnknote ausgegeben zu haben, in welchen Banknoten erkannt wurden, die aus dem Lüsegelde des Kindes Lindberghs stammen. 2. Als Tischler in der Nachbarschaft der Wohnung Lindberghs in Hopewell im Staate New Jersel, beschäftigt gewesen zu sein. 3. In Deutschland gegen Ehrenwort aus dem Gefängnis entlassen wprden zu sein und als Lchwarzfahrergeflstchte t zu sein, nm der Rückkehr ins Gefängnis quS dem Wege zu gehen. Er bestreitet aber, die Leute, die ihn bestimmt wiederzuerkennen glaubten, zu kennen. Seinen Geldbesitz erklärte er damit, daß er aus Furcht vor einer Inflation Gold Zertifikat« ru sammeln begonnen habe, deren Besitz seit dem letzten Jahre verboten ist. ich den Nachmittagskaffee servierte. Dabei hat der SA-Sturmführer H a i n i ck e r seinen SA- Kameraden, den Tntppstihrern Schupp und K ü ch l e r ausführlich dargestellt, wie er zwei Gefangenene zur Vernehmung bestellt und sie dabei gezwungen hat, sich gegenseitig zu masturbieren. Danach muhten die Gefangenen die Ejakulation des anderen vom Boden auflecken. Häinicker beendete unter den FreudenauSbrüchen seiner SA-Kameraden di« Darstellung mit den Worten: „Das»ar ein Spaß, wir st« es gefressen haben!" G Das sind nur Bruchstücke aus einem 254 Seiten starken Buch. Nur Einzelheiten, wahllos herausgegriffen, aus dem grauenvollen Gesamtbild, das wiederum nur ein Ausschnitt der blutigen Wirklichkeit deS Dritten Reiches ist. Noch schmachten Zehntausende in den deutschen Konzentrationslagern. Noch immer werden in Deutschland zahllose Menschen ohne Schuld, ohne Urteil eingekerkert, gefoltert, gemordet. DaS Verbrechen regiert, dje Gemeinheit diktiert, edelstes Menschentum wird in den Staub getreten. Tie Polizei gibt als weiteres belastendes Moment an, daß Hauptmann einige Zeit als Zimmermann in der Nähe des Hauses von Lindbergh in Nein Jersey gearbeitet habe und daß der Kraft« w a g e n, in dem er Mittwoch früh verhaftet worden war, in New Jersey gestohlen worden sei. Der Diebstahl soll einen Tag vor der Entführung des Kindes Lindberghs erfolgt sein. 8lnblttg| als Lausflreckeuflieger (Paris.) Eine Privatagentur berichtet aus New Dort, dah der erste amerikanisch« Transozeanslieger Lindbergh die Erlaubnis zu einem Langstreckenslug mit einem Flugzeug erhalten habe, das mit einem speziellen Motor von 145 HP auögestattet ist und eine Stundengeschwindjg- keit von 210 Kilometer entwickelt. Lindbergh wird versuchen, den von den beiden Franzosen CodoS und Rossi gehaltenen Landstreckenflugrekord zu überbieten. Bankräuber erbeute» 42.000 Dollar iRew Kork.) Drei mit Revolvern bewaffnete Banditen drangen am Freitag in die Zweigstelle der Eorne-Erchanqo-Banl im Osten New Jorks ein, schlugen die Angestellten mit Knüppeln bewuhtloS und zlvangen den Bankleiter, ihnen einen Geldbeutel mit etwa 12.000 Dollars Bargeld auszuhändigen. Di« Räuber entkamen mit einem Kraftwagen. Der Tank ist los... (London.) Bei den gegenwärtig in der Nähe von Slvindon stattfindenden Jelddienstttbungen Pilot und Beobachter tot (Prag, Tsch. P.-B.) Gestern um S Uhr kam es zu einer schwere« Havarie des Militärflugzeuges Type„Apb-32" unweit von Poluvsir östlich von Rajerkt Tepltre in der Slowakei. DaS Flugzeug arbeitete mit der Infanterie in der Umgebung von Rajee zusammen und hei der Rückkehr vo>r der Uebung kam eS bei schlechtem Wetter allzu nahe zur Erde, verfing sich wahrscheinlich mit einem Flügel an Bäume» und stürzte in den Wald. Die Besatzung, Kapitän der verunglückte am Donnerstag ein lü-Tonnen-Tank der ersten ciiglischen Tankbrigade, Aus noch nicht aufgeklärter Ursache geriet der Benztnvprrat der Kriegsmaschine in Brand und brachte seine Geschütz- und Maschinengewehrmunition zur Explosiv n. Die Mannschaft konnte sich rechtzeitig dlirch Abspringen retten. Der führerlose Tank, aus dem zehn Meter hohe Flammen emporschossen, rollte unter fortwährenden Explosionen und Detonationen einen Hügel abwärts. Ein auf seinem Wege befindlicher anderer Tank wurde von seinem Führer zur Seite ge» rissen und zerbrach dabei einen Telegraphenmast. Der Tank blieb schließlich in einer Heck« hängen und brannte völlig au». Der„Sozialistischen Aktion" ins Stammbuch. Wir finden in einer Ausgabe der schon ein- gegangenen jung-demokratischen Zeitschrift „Junge Menschen" die folgende treffende Charak- terisierung jenes Jntellektuellen-TypL, der u. a. in der'„Sozialistischen Aktion" sein Unwesen treibt:„ES ist wieder eistmal Zeit, Geistige und Intellektuelle zu unterscheiden. Geistige dienen, äuS innerem Zwang, sittlichen Ideen; Intellektuelle handeln, je nach Bedarf, mit allen Ideen. Geistige sind gütig, klug, heiter, energisch; In- tellektuelle: verfeinert-brutol, gewiegt, finster oder blendend, rabiat. Geistige, getrieben vom Gefühl der Vcrasttwortung für alle, stürzen sich in die Politik Und harren ziih darin auS; Intel- lektuelle, bloß einem Kitzel nqchgebend, schlid- dern höchstens für ein paar Wochen hinein. Gei- stige machen Revolution; Intellektuelle machen Konversation. Kurz: Geistige sind Erlöser; Intel- lektuelle sind— nichts." Der Hauptmann des„Dritten Reiches". Herr Richard Hauptmann, ein vorbestrafter Straheuräubrr aus Sachsen, seit mehr al» zehn Jahren illegaler Gast in U. S. A., ist jetzt unter aufsehenerregenden Umständen verhaftet worden. Der Mann ist überführt, am Gangsterraub des L i n d b e r g h- B a b y s, der seinerzeit in ganz Amerika riesiges Aufsehen erregte, führend beteiligt gewesen zu sein. Den Gazetten des deutschen Propagandamixers ist der Tatbestand außerordentlich peinlich und so sind sie diskret genug, den kriminellen Sachsen in das schamhaft-unbestimmbgre Gewand eines„A u S- l ä n d e r S" zu hüllen. Uns scheint die Zurückhaltung der braunen Preßgrammophone ganz unangebracht. Wer lvikk bestreiten,, daß das erstaunliche Vorstrafenregister des BabYkillerS ihn dazu prädestiniert, im Reiche der Ley und Baldur von Schirach eine bedeutende Rolle zu spielen? Warum, so fragen wir uns baß erstaunt, verleugnet Hitler-Deutschland seinen treuesten und begabte st en Sohn?! ES ist die Tragik dieses smarten Verbrechers, der mit Gerhart Hauptmann wahrscheinlich nicht nur den Namen, sondern auch die gleichgeschaltete Gesinnung gemein hat, daß er in einem Lande leben mußte, daS seine Eigenart nicht recht zu würdigen Infanterie Beobachter-Flieger Bohumil Hlaue n k» vom GebirgSregiment Rr. s und Zugsführer.Pilot Karel Stränerky vom Fliegerregiment 3 kamen dabei«mS Leben. Die Detailwerden von einer militärischen Kommisfion untersucht. Ein zweite» Flugzeug, da» an der gleichen Uebung teilnahm, war wegen ungünstiger Witterung»n einer Notlandung bei-Rajee gezwungen, landete aber ohne Unfall. wußte. In Berlin hätte er eS gewiß zum Stan- dartenführer gebracht. Die schauerliche Chronik deS„Dritten Reiches" lveitz von so manchem Mörder und Berufsverbrecher zu berichten, der im Zeichen des„nationalen Aufbruchs" geradezu beispiellose Karriere machen konnte. Wir wissen nicht, obö stimmt,was vielfach behauptet wird, daß nämlich jener sächsische Hauptmann deS Gangstertums in enger Gesinnungs-Verbindung zum amerikanischen Nationalsozialismus gestanden hat, der sich ja bekanntlich gern derartiger Kreaturen bedient. Aber eines wisien wir mit aller Bestimmtheit: Dieser Babyräuber ist Fleisch vom faulen Fleische jener Hyäne gewesen, die vor anderthalb Jahre» ein großes, begabtes Volk zu einem verlorenen Haufen von Gemiedenen und Verachteten in der gesamten gesitteten Welt gemacht haben. Und von diesem Standpunkt aus gesehen, erscheint es eigentlich recht und billig, daß sich Herr Luther, der Gesandte deS Reiches in Washington, dieses neudcutschcn Hauptmann annimmt! Vielleicht ist er ein politischer Verbrecher? Schlimmer jedenfalls, als diejenigen, die heute, als Tyrannen und Sklavenhalter, frei in Deutschland herumlaufen, ist er sicher nicht—. Die AtuS- JnviläumSaktion. Morgen, den 23., finden in allen Teilen des Organisationsgebietes des Atus Stafeitenläufc statt. 140 Ein- qclstafetten werden gelaufen, die sich an 35 Zen- tralpunktcn treffen. 7000 Läufer, 2000 Funktionäre und Samariter, gegen 500 Radfahrer sind dabei beteiligt. Viele Tausende werden als Zuschauer anwesend sein. In den Zentralpunktcn werden kurze Ansprachen gehalten. Zurückgekehrt. Wie die„Deutsche Berg- tvacht" mitteilt, sind zlvei von den fünf in den bayrischen Alpen vermißten Bergsteigern wohlbehalten zurückgekehrt. Es sind die» die LVjährige Bernhardinc G e i g l und der gleichaltrige Kunstmaler Wilhelm A r w e i l e r aus Krefeld. Zugseutgleismrg bei Zwittau. Donnerstag um 21 Uhr erfaßte ein Güterzug bei der Einfahrt in die Station Ztvittau einen anderen im Verschieben begriffenen Güterzug. Dabei entgleisten 17 Güterwagen und verrammelten die Strecke, die mehrere Stunden unpassierbar tvar. Bei den lokalen Personenzügen wurde bei Ztvittau umgestiegen. Verletzt tvurdc niemand. Aus Böhm.- Trübau und aus Brünn tvurden Hilfszüge abge- kertigt. Die Ursache des Unfalls Wird untersucht. Armer Junge! Der ztvölfjährige Schüler Stanislav Toth aus Ccjkovice wurde in daS'Lan- üeskrankenhauc- nach Brünn übergeführt, starb aber noch vor feiner Behandlung. Nach Aussage seines Vaters kletterte sein Kind auf einen elektrischen L e i t u n g S m a st, kam mit dem Draht in Berührung und wurde zu Boden geschleudert. Werkmeister sind Angestellte. Biele Firmen haben ihre Werkmeister nicht zur PcnsionSversiche- rung angemeldet, auf Grund falscher Informationen oder aus Ersparungsgründen. Maßgebend für den Angestelltencharakter ist nicht die Art der Lohnauszahlung, sondern einzig allein die vorwiegende Selbständigkeit und Führung bei der Arbeit. Die Vernachlässigung der Anmeldung bei '»er Pensionsanstalt brachte bis jetzt die Werkmeister um die Einrechnung der nichtvetsicherien Dienstjahre(!) und auch um die mögliche frühzeitige Rente. Dem Dienstgeber aber droht die vollständige Haftung für die nichterreichte Rente. - Jeder Werkmeister schütze sich und seine Familie vor dem Elend im Alter. Forderungen nach Einhaltung der Gesetze dürfen von feiten der Firmen nicht mit EinschüchtcrungSversuchen beantwortet werden, lveil auch diese strafbar sind. Informationen beim Allgemeinen Angestcllten-Ber- band Reichenberg und allen Ortsgruppen. Vom Rundfunk «mpfehlenamerte» tu de» Programme»» Sonntag »rag, Sender L.: 3.30: Gymnastik. 7: Konzert aus Karlsbad. 0.15: Cello-Quartett. 11: KlMer- konzert. 12.15: Bergarbeiter-Blaskapelle. 17.55: Deutsche Sendung: Arlecchino, theatralisches Caprie- elo. 18.55: Deutsche Presse. 10.05: Arien und Lieder. 22.20: Schallplatte». 22.25: Deutsche Bresse und Sport.— Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: LandwirtschaftSfunk. 14.45: Arbeiter- sendung: Fritz RosenfeL: Demokratie und Lue« ratur. 15.30: Frauenstunde.— Brtirm: 0.15: Lieder von Foerster. 14.20: Deutsche landwirtschaftliche Reportage, 20: Die Welt singt, musikalische Hörfolge- her amerikanisch« Rlesenstrelk sowie Nucnirae(er Nattonoinaroe sind«ul een Straßen Mei«e Streikenden auttcstciu Wird das Gewissen dar Welt den Aufschrei der Gemarterten hären? Militärflugzeug in der Slowakei verunglückt Nr. 222 Samttag* 22. September 193/ Stift 5 MM We eines mit WOng MWen Mord und Mordversuch (Pressburg.) Donnerstag nachmittags er» schien auf der Polizeiwachstube Na valcch in Preßburg ein Mann» zog einen Revolver aus der Tasche und rief:„Zwei habe ich getötet I"— Der diensthabende Revierinspektor nahm ihm den Revolver ab und stellte in dem Manne den^8jährigen ledigen Arbeiter Gregor Kolek auS Preßburg fest. Inzwischen lvarcn der 80jährige verheiratete städtische Chauffeur Ernst S ch a v e I mit zwei Schußwunden unter dem Herzen und der 28jährige ledige städtische Arbeiter Gustav Trautenberger mit einem Schuß in die rechte Schulter auf die Klinik des Professors Dr. Kostlivy gebracht lvorden. Die Untersuchung ergab, daß Kolek um 10 Uhr abends im Stadthofe zur Arbeit angetrcten war. Als er den Hof betrat, zog er einen Revolver und schoß zlveimal auf S ch a v e I und ver wundete diesen so schwer, daß erkurzdarauf im Krankenhause starb. Als Schavel zusammengcstürzt war, richtete Kolek die Waffe gegen Traute nberger, den er ebenfalls durch einen Schuß verlebte. Kolek bekannte sich zur Tat und gab weiter an, daß er auch die Absicht hatte, desi Aufseher Horenh zu erschießen, der jedoch nicht zugegen war. Als Motiv seiner Mordtat gibt Kolek an, daß Schavel, Trautenberger und Horeny ihn b e r m Verwalter des Hofes verklagt hätten, so daß dieser ihn entlassen wollte. Nach dem ärztlichen Befund hat Kolek vor der Tat größere Mengen Alkohol genoffen, war jedoch im Aügenbick der Tat nicht vollkommen unzurechnungsfähig. Kolek wurde in Hast genommen. Riesenbetrug mit Falschgeld in Deutschland Berlin.) Am 14. September 1934 wurden bei verschiedenen Postämtern des Deutschen Reiches Sparkarten in Höhe von 4000 bis 5000 Mk. ausgegeben. Die Geldbeträge wurden mit falschen Tausendmarkscheinen eingezahlt. Die Fälschung war so gut, daß die falschen Scheine von den Postangestellten als echt angenommen wurden. Die Täter verstanden es, die eingezahlten Beträge am gleichen Tage von Postscheckkonten, die unter falschen Namen errichtet wurden, wieder abzuheben. Im Landeökriininalpolizciamt Berlin gelang es, auf die Spur der Täter zu kommen, die nach Chemnih führte. Mutter und drei Kinder ertrunken (Rom.) lieber der Gemeinde Laterza im Bezirk Otranto ging ein heftiger Sturm nieder. Eine 45jährige Bäuerin suchte mit ihren drei Kindern unter einer Brücke Schuh, als diese von der heftigen Strömung plötzlich fortgerissen wurde, tvobei die Bäuerin mit ihren drei Kindern ins Meer geschleift tvurdc, Ivo alle vier Personen ums Leben kamen. Zirkusdirektor Stosch-Sarrasani gestorben (Rio de Janeiro.) Der weltbekannte Zirkusdirektor Hans Stosch-Sarrasani ist am Freitag im Deutschen Krankenhaus von Sao Paolo gestorben. FLnf-ehniShriser Brandstifter (Jglau.) In der Gemeinde Misching brannten zwei Güter nieder. Der Schaden wird auf 200.000 Kä geschätzt und ist nur teiltveise durch Versicherung gedeckt. Die Gendarmerie forschte als Brandstifter einen 15jährigen aus der Slowakei stammenden Hirten aus, der auf einem der durch den Brand vernichteten Güter diente. Der Hirt steckte die Scheune in Brand, weil ihm der Gutsherr seine Furche Kartoffeln nicht auSge- ackert hatte, so daß er sie selbst auSgraben mußte, und weil er ihm keine Schuhe gekauft habe. wiesen wurden. ES handelt sich größtenteils um junge Leute im Alter von 20 bis 30 Jahren, von denen einige an 200 dieser Diebstähle und Wohnungseinbrüche beteiligt waren. Bis jetzt konnte eine Dicbeöbeute im Werte von rund 20.000 Mark wieder herbeigeschafft werden. Drohende Fettnot und Fettverteuerung Die ausländische» Notierungen für Schweinefett sind in den letzten Wochen gewaltig gestiegen. Noch vor wenigen Wochen notierte amerikanisches Schweineschmalz mit 11 Dollar; der heutige Tagespreis beträgt 25 Dollar. Tas dänische Schmalz kostete im Frühsommcr 63 dänische Kronen, heute über 110 dänische Kronen; holländisches Schmalz notierte mit 21 holländischen Gulden, jetzt über 30 holländische Gulden; ungarisches Schmalz war mit Kt 6.25 grenzfrei Produktionöland zu haben und ist heute nicht mehr unter KC 8-25 erhältlich. Die Ursachen für diese starken Preissteigerungen liegen zum großen Teil an der Futternot, einer Folge der Dürre. In Amerika wurden Millionen Schweine niedergeschossen und die übrig gebliebenen sind mager, weil zu wenig Futtermittel vorhanden sind, um sie aufzusüttern. Infolge mangelnder Devisen kann Deutschland heute nur in jenen Ländern Schtveinefetr kaufen, mit denen es Kompensationsgeschäfte macht. Deutschland kommt deshalb in unseren Nachbarländern, Ungarn und Jugoslawien, als großer Käufer in Betracht und kaust dort, bei stark steigenden Preisen, die Produktion auf. Jene Mengen, die wir nun aus diesen Ländern beziehen, müssen ebenfalls zu den erhöhten Preisen abgenommcn werden. Auch mit Dänemark hat Deutschland solche KompensatiouS- geschäsie. Die Fcttpreise in den Baltanländern sind stark in die Höhe gegangen, so daß cs mit Rücksicht auf den niederen Lebensstandard der breiten Ber- brauchcrniaffen bei uns sehr schwer ist, von dort zu beziehen. Die gebundene Wirtschaft verhindert nun die Einfuhr von zusätzlichen! Schweinefett aus jenen Ländern, die am preiswertesten liefern. Das Viehsyndikat gibt wohl genügend große Mengen Fett zur Einfuhr frei, aber das entscheidende Wort, woher diese Fette bezogen werden müssen, spricht das Bank- Berlorenc Jugend. Nach zwölfwöchigen ununter brochenen Ermittlungöarbeiten nahm die Berliner Kriminalpolizei nach und nach über 60 Einbrecher und Hehler, darunter mehrere Frauen, fest, denen bis heute etwa 130 zum Teil bis in das Jahr 1932 zurückliegende GeschäftSeinbriiche aller Art nachge- amt. Während noch zu Beginn der Fettbcwirischaf- Bis30%mehr£idit< für!t einem bitteren Lachen. Die Gesellschaft war still, etwas enttäuscht. Ein Herr sagte laut:»DaS war ein sehr origineller Gedanke!" Heinrich wars seine Zigarette auf den Boden, trat sie aus, ging an die Brüstung des Daches und sprqng in die Nacht. Er hatte ein unendlich bc- sreiteS, neues Gefühl und war zerschellt, ehe«: einen literarischen Ausdruck dafür gefunden hatte. Die Gesellschaft schrie grell aus. Die Zeitvn- gen brachten einige interessante, sehr lesenswert Mchrufe. ,Seite 6 „Sozialdemokrat" Lamstna. 22. September 1934. Nr. 222 dazu benützt, diesen Film als den„ersten tschechischslowakischen" anzukündigen. Man wird zugeben, daß der Regisseur Svatopluk I n n e in a n n keine leichte Aufgabe hatte, als er die so gebaute Geschichte zu einem wirkungsvollen Leinwandspiel niachen sollte. Er hatte die Wahl, die schon halb verlorene Sache durch sehenswerte Darsteller oder durch hörenswerte Musik zu retten(dieselbe Wahl, die Willy Forst bei seinem„Maskerade"- Film hatte, wo er sich klugerweise für beide Ret- tungSmöglichkeiten entschied). Aber der Spielleiter Jnnemann leidet an Genügsamkeit: er holte sich nicht etwa das böhmische Streichquartett oder den Geiger Knbelik, sondern begnügt sich mit mittelguter Musik und weniger als mittelmäßigen Schauspielern. Wenn er den gepflegten, aber— im Tonfilm wenigstens— nicht strahlenden Tenor Stefan Hoza vor einem Wasserfall.singen läßt, dann fordert er den Vergleich mit der Stimnie KiepuraS heraus, und wenn er eine schauspielerisch unbeholfene Anfängerin wie Bedkicha Seidlovä zur Hauptdarstellerin macht, dann zwingt er uns zu der Frage, ob nicht die Regisseure daran schuld sind, daß der tschechische Filni keine jugendlichen Kräfte im ernsten Fach zu haben scheint— da sie die hoffnungsvollen Debüts von Schauspielerinnen wie Jannila Lhotovä, Jikina Steimarovä und Hanka Bitovä unbeachtet gelassen haben. Die übrigen Mitwirkenden, unter denen Otto Rubik und Franta Paul die eifrigsten sind, hinterlassen keine tieferen Eindrücke.—eis— Sport»Spiel» Körperpflege Die Höchstleistung— ein Götze Ueber die heute in der bürgerlichen Sport- bewegung vorherrschende R e k o r d w u t hat der Vorsitzende des Internationalen Olympischen Komitees. Baillet-Latour, treffende, aber wohl wenig Beachtung findende Worte geäußert: „Die Höchstleistung ist einer der Götzen unserer Zivilisation. Es ist höch ste Zeit, uns zu bemühen, den Spielen ihren erzieherischen Charakter zu bewahren, auch wenn Rekorde geopfert werden und auf die Teilnahmealler verzichtet werden müßte, die mehr von der Sucht zu siegen, als von der Liebe zum Sport angezogen werden." Leichtathletik-Wettkampf Atu» Prag-ege« DT3 Rusle H e u t e S a m s t a g, halb 4 Uhr nachmittags, findet auf dem Sportplatz der DTJ Nu sie ein leichtathletischer Wettkampf der beiden Bcreine statt, welcher aus folgenden Disziplinen besteht: 60. 806, 1800 Nieter, Schlvcdenstafette, Hoch-, Weit- und Dreisprung, Äugel, Diskus und Speer. Sapau» Sport schafft Weltrekorde In O s a k a fand der zweite L ä n d e r k a n p s der Leichtathleten Amerikas und Japans statt, den diesmal die Japaner mit 77.8:76.5 Punkten gewannen. OsHimä stellte hiebei im Dreisprung mit 18.82 Meter einen, neuen Weltrekord auf. Auf den zlveiten Platz kam Harada, welcher„nur" 15.75 Meter sprang. Der Japaner N e g a m i erzielte über 800 Meter Freistil die ausgezeichnete Zeit von 0:57.2 Min. Sie ist um 4 Sek. besser als die vor kurzem von seinem Landsmann Makino erreichte und um mehr als 10 Sek. als der offizielle Weltrekord. So was nennt sich Sport! Bei einem Fußballspiel in Altstadt bei llng.-Hradisch ereignete sich nach einem Bericht der„Morgenzeitung"(M.- Ostrau) u. a. folgendes: „Als nach dem Seitenwechsel der Verteidiger der Hejiiucr den Altstädter Stürmer zu Boden warf, entstand ein Chaos. Es gab O h r f e i- g e n. die für das Publikum das Zeichen bildeten, auf den Spielplatz zu stürmen und sich an der Rauferei zu beteiligen. Die HejLiner Spieler wurden insultiert und so gründlich verprügelt, daß sie, ohne den Pfiff abznwarten, in das Wirtshaus flohen. Sie wurden jedoch verfolgt und nur mit Mühe gelang cs, die Menge von einem Ueberfallaufdas Gasthaus abzuhalten. Dem Verteidiger Valkik wurde die Hand gebrochen und durch einen starken Stockhieb der Daumen abgeschla- gen. Sein Kamerad Moravcc erhielt gefährliche Schläfe»Verletzungen und«in dritter Spieler, Rudolf Ondrucha, erhielt sehr starke Fußtritte, so daß er mit mehrfachen Rippenbrüchen liegen blieb. Die drei Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht." Ein schöner„Schlacht-Bericht", der den Vorfällen in dem sogenannten Wild-Westgau würdig zur Seite gestellt werden kann! Tormann stirbt beim achten Tore. Bei einem am letzten Sonntag in Kle i n«S teu r owi.) bei Auspitz ausgetragenen Fußballspiel zwischem dem Ortsverein und dem SK. Mikulov ereignete sich ein tragischer Vorfall: Der Tormann der Gäste brach nach Erhalt des achten Tores von einem Herzschlag getroffen tot zusammen. Roch keine Zusage Amerikas für Berlin. Der amerikanische Vertreter des Olympischen Komitees, Avery B r u n d a g e. welcher derzeit i n D e u t s ch- land herumfährt, um sich zu überzeugen, wie«S mit der„Freiheit und Unabhängigkeit" im deutschen sportlichen Leben aussieht, gab dem um die Berliner Olympiade besorgten Herrn Dr. Diem gegenüber noch keine bestimmte Zusage der Beteiligung Amerikas.— denn er habe sich noch nicht genügend „überzeugt"... Eine halbe Million Ki Defizit weisen die ersten leichtathletischen Europa- Meister- schäften, die vor kurzem in Turin durchgeführr wurden) auf. Mitteilungen au» dem Publikum Bei Müdigkeit reiben wir Stirn und Schläfen mit Alpa-Franzbranntwein ein und massieren die abgespannten Muskeln. Alpa, das bewährte und seit vielen Jahren gebrauchte Hausmittel. 100 Stilvolle Beleuchtung der Wohnräume. Die moderne Technik hat uns eine Fülle von Möglichkeiten an die Hand gegeben, um unser Heim nicht nur zweckmäßig auSzustatten, sondern auch. durch Benützung unerschöpflicher Lichtspender zu erhellen. Nun nmg die Strahlenflut elektrischer Lampen zwar für Arbeitsstätten wirklich ideal sein und dort als vorteilhaft empfunden werden, in Wohnräumen ist dies jedoch nicht immer der Fall. Hier wirkt das kalte, elektrische Licht eher etwas nüchtern, ein Umstand, der kaum geeignet scheint, die rechte Stimmung aufkommen zu lassen. Wie anders dagegen der milde Glanz ruhig brennender Apollo-Kerzen Man sieht sie deshalb auch schon häufiger auf dem Abendtisch, seitdem bei uns immer mehr die Sitte Eingang findet, während der Erholungsstunden Kerzenlicht zu brennen. Von einem Schimmer der Romantik umflossen, fühlen wir uns im magischen Lichtkreis lebendiger Kerzcnflammen wundersam geborgen. Unsere gequälten Nerven aber können sich entspannen»nd unsere Angen finden die ihnen dringend nötige Erholungspause. Ans der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Wochcnprogranun: Montag, den 24. September im Partciheim: Kreisleitung.— Dienstag, den 25. September, 8 Uhr, Grnvvenabende: S. I. Zentrum: Entwicklung der tschechoslowakischen Parteien.— S. I. Holleschowitz: Heimabend.— S. I. Weinberge: Werbendend.— S. I. Smichov: Die Lage in England. Vereinsnadirlditen Ortsgruppe Prag. Sonnrag,. den 28. September, um 8 Uhr bei der Endstation der 7er Elektrischen in P o d- baba. Wanderung: Ziegen- rücken. Stilles Tal. Führer: Plov-— Jnformationenund Anmeldungen jeden Freitag in der Geschäftsstelle in.Prag II. Nürodni tr. 4, 2. Stock, in der Zeit von 6 bis halb 8 Uhr. Telephon 48860.— A n m« I- düngen für die Prager Urania werden von unserer Geschäftsstelle durchgcführt. Allgemeiner Angestelltenverband, Prag H, Ri- rodni 4, 3. St. AmtSstunde n: Mittwoch von 6 bis 8 Uhr abends.— Tschechisch in kleinen Gruppen. In vier Abteilungen bereits angefangen. Anmeldungen noch möglich,— Die Sektion der Iung-Ängcstellten hat ein weitgehendes Arbeits- und GeselligkeitSprogramm sestgelegt. Jede Woche Klubabende.— Informationen.— Am So nn t a g. den 28. September, Ausflug nach P r a n i. Abmarsch 0 Uhr früh von der Endstation HodwiLky.— Radio-Vortrag am Mittwoch, den 26. September, von 18.35 bis 18.55 Uhr spricht Ber- bandsobmann Kollege Bergmann über„Arbeitsrecht der Angestellten". Hörgemeinschaften in der Gcc und im Heim in der Närodni trida. Achtung! Militärdienstzeit. Die PensiouSanstalt hat die Frist für die Anmeldung und Beibringung der Dokumente bis 81. Dezember 1084 verlängert. ▲ Sonntag, den 28. September l. I., wandern wir nach Prühonice. Treffpunkt 8 Uhr früh an der E n d st a- t.i o» der Linie 11 in Straö- PRAG nice. Frei Heil! Kinderfreunde Prag. Dienstag, den 28. September, abends 6 Uhr in der Redaktion des „Sozialdemokrat" wichtige Ausschußsitzung. filme In frnner Lldilsplelhausern Adria:„H clocn der Eismeere— die T s ch e l j u s k i n l e u t c." R.— Alfa:„Carioca." A.— Beränek:„Bella Donna." E-— Fenix: „Die treu.« Nymphe." E.— Gaumont: „Frasquita. D.— Hollywood:„FraSquita." D.— Hvkzda:„Helden derCismeere— T sch e l- juskinleut e." R.— Kinrma, B.-Th.: Joürn., Lustspiel, Reportage, halb 2 bis 6.— Koruna:„Die geheimnisvolle Miß Baskcrville." E.— Metro: „Geschichten aus dem Wicnertoald." D.— Olympier„Ein braver Junge." A.— Passage: Maskerade." D.— Radio:„Bella Donna." E.— Sinnt: „Der todbringende Robot." E.— Svktozorr„Maskerade." D.— Alma:„Ein 9«»Iee als Hof- r a t." E.— vesedar„Was ist die Welt?"— Ex- preß Nr. 18."— Carlton:„Csibi, der Fratz." D-— Favorit:„Die Stimme der Liebe."— Lido:„Csibi, der Fratz." D.— Louvrer„Bella Donna." E.— Maceöka:„Eine Frau, die weiß, was sie will." Tsch. — Noxy:„Bella Donna." E.— Sport.Smichov: „Der Triumph eines großen Diplomaten." Sanatorium Ziffer Gräfenberfl. aanilPhrlp gettffneL 2428 Talaphon 4.\ aaaaaaaaaaaaaaaataaaatHaaaaaaaH PRAGER 1EITBMG „Goldene Herzen" für die deutsche Jugendfürsorge. Die im Frühjahre eingcleiteteAktion„Goldene Herzen" hat unter der deutschen Bevölkerung rollen Erfolg gezeitigt. Der Ertrag aus dem Verlaufe der beliebten kleinen Abzeichen kommt den Zwecken deutscher Jugendfürsorge zugute- In Prag Und die„Goldenen Herzen" in der Kanzlei der Deutschen Hauptstclle für Kinderschuh und Jugend- 'ürsorge, Prag l., Male näm. 11(Del. 815-1-4) zum Preise von 1 Ki pro Stück erhältlich. (iertcMssaal Wieder eine Anklage wegen Amtsmißbrauches und diesmal ein Freispruch Prag, 20. September. Vorgestern wurde, wie berichiet, ein Postangcstclltcr wegen Mißbrauch der Amtsgewalt verurteilt, weil er im Dienste ein Päckchen Zichorie im Werte von 4.80 KL eingesteckt hatte. Der Gerichtshof verhängte über ihn eine unbedingte Strafe von drei Monaten schweren Kerkers. Dieses strenge Urteil erregte beträchtliche Aufmerksamkeit. Heute wurde eine weitereAnklage wegen mißbrauchter AmtSgeivalt vor dem Schwurgericht verhandelt. Auch dicSnial war es ein Postangcstellter, der^ 30jährige Adjunkt Karl B.. der auf dem Postamt Masarykbahnhof mit S o r t i e r en v o n A isla n d s b r i e f e n beschäftigt war. Besonders w» lirrte er die Post nach Sowjetrußland. Ein Kollege bemerkte, wie er heimlich mehrmals Briefe öffnete und wieder schloß. Wie stets in solchen Fällen lockte man den Verdächtigen in die übliche Falle, indem man ibm zwei nach Rußland bestimmte Briefe, von denen.jeher eine Banknote enthielt, zuschob. Ter Verdacht bestätigte sich. Als die fingierten Briefe die Sortierungsstelle passiert hatten und man sie öffnete, waren sie leer. Die Nummern der Banknoten waren vorher notiert worden. Eine sofortige Taschenvisite bei dem Angeklagten förderte tatsächlich die in die Briefe gelegten Roten zutage, womit der Schuldbeweis voll erbracht ist. Der Angeklagte, dec den denkbar besten Leumund und eine vorzügliche Beschreibung als Beamter besitzt versuchte gar nicht zu'leugnen. Es ist seine erste Entgleisung getvescn. Als Grund führte er Notlage an. Sein Gehalt von 1000 KL erlaubte ihm nicht, seine alte Mutter, an der er sehr hängt, hinreichend zu unterstützen und auch sonst gab eS Unglück in der Familie. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten frei. Er hat übrigens fünf Monate in Untersuchungshaft verbracht. rb. Untat, eines Armenhäusler» Das Armenhiru« angtizündät, weil er übersiedeln sollte. Fünf Jahre schweren Kerkers. (Prag) Der 43jährige Karl Svarz, der gestern unter Anklage der schweren Brand« st i f t u n g vor dem hiesigen Schwurgericht stand, ist ein einbeiniger Invalide und bewohnte das Armenhaus des Dorfes U j e z d bei Beino. Tas Leben scheint diesen Invaliden besonders arg angepackt zu haben. Jedenfalls ist er heute soweit, daß ihn, alles vollkommen egal ist und das Leben seiner Mitmenschen ebensowenig wert, wie seine eigene jämmerliche Existenz. Karl Svarc war angeklagt und geständig, in der Nacht vom 27. Juli d. I. das Armenhaus seiner Heimalsgcmeindc, in welchem außer ihm noch die dreiköpfige Familie des Armenpflegers I i S k r a wohnte, angezündet zu haben. Es ist ein reiner Zufall, daß daS Feuer sogleich entdeckt und gelöscht wurde, so daß nur ein geringfügiger Sachschaden entstand. Andernfalls hätten dem zielbewußt gelegten Brand drei Menschenleben zum Opfer fallen können und außerdem waren die durchwegs schindelgedeckten Nachbarhäuser schwer bedroht. Her Angeklagte gibt zu, das Feuer aus Gründen persönlicher Rachsucht gelegt zu haben, und zwar deshalb, weil man beschlossen hatte, daß er sein Zimmer der Familie Jiskra abtreten solle, weil es größer und luftiger War als der 8iaum, den diese. Familie bewohnte. Svare wollte von diesem Tausch nichts wissen. Es gab Streitigkeiten und Zusammenstöße und schließlich entschloß sich Svare, das Armenhaus niederzubrennen. Vorher äußerte er sich mehrfach, er werde „etwas«».stellen, woran die Dorfleute noch bis ins fünfte Glied denken sollten." Da Svare Korbflechterarbeiten verrichtete, lag unter seinem Fenster ein Mächtiger Haufen dürrer Weidenruten. Diese» Haufen.begoß er in der kritischen Nacht, mit Petroleum und Teer und richtete außerdem im Innern des Hauses mehrere Brandherde aus dürrem Holz, Ruten und anderem Zunder her, di« er gleichfalls mit Petroleum, Teer und Schwefelstücken präparierte. Unter anderen legte er einen solchen Brandherd auch unter der h ö l z e r n e n Stiege, so daß das Entkommen der bedrohten Hausbewohner schwer bedroht wär, zumal das Fenster des Zimmers, in welchem die Familie Jiskra wohnte, vergittert war— übrigens eine sprechende Illustration zu der Einrichtung dieses Dorfarmenhauses. Svare ging bei den Vorbereitungen so raffiniert vor, daß er sogar Löcher in den Dachboden bohrte, um durch die entstehende Zugluft das Feuer schneller zu entfachen. Tann zündete er das Armenhaus von außen und innen an. Es ist, wie erwähnt, nur einem glücklichen Zufall zu danken, daß das ausbrechende Feuer zeitig bemerkt und gelöscht wurde. Ein weiterer glücklicher Zufall war es, daß in dieser Nacht absolute Windstille'herrschte. Sonst hätte der Brand mit WindeS- cile um sich.gegriffen und nicht nur die verhaßten HmiSnachbarn des Angeklagten— seine Schicksalsgenossen(I)— einem schrecklichen Tod geweiht, sondern auch die benachbarten hölzernen Kleinhäuslerhütten schwer bedroht.— Wie fruchtbar muß daS Leben diesem verkriippclten Menschen zngesetzt haben, daß er sich zu einer so unmenschlichen Rache entschließen konnte! Bei der heutigen Verhandlung zeigte der Angeklagte keinerlei Reue, sondern erklärte kaltblütig, man solle ihn seinetwegen zehn Jahre einspe- r e n— ihm sei es egal. Er tat nichts, um die Gc- schtvorenen günstig zu stimmen und wurde denn auch mit allen zwölf Stimme n schuldig erkannt. Der Schwurgerichtshof unter Vorsitz des OGR. Tr. Toman verurteilte den Angeklagten unter Anwendung äußerster Milde zu fünf Jahren schweren und verschärften Kerkers. rb. Kinn and Wissen Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag 7>-4: 2 ch l o ß W e t t e r st e i n, neu inszeniert.— Sonntag 7%: D o n C a r l o s, A 2, — Montan 7U:Ziqeuncrbaron, Volkstümliche Vorstellung. Abonnement aufgehoben.— Dienstag 7(4: 2 ch l o ß W c t t e r st e i n, Werbevorstellung der Serie AI.— Mittwoch 7%: Othello. Werbcvorstellung der Serie B 2.— Donnerstag 7%: Mano n, ueuinszeniert. Ersatzvorstellung vom 18. September. Werbevorstellung der Serie A 2.— Freitig 7%: Don Carlos, Werbevorstellung der Serie D 2.— Samstag 7%: AdmiralBobby, Erstaufführung. A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8:Märchen im Grandbotel.— Sonntag 8: Märchen! mGrandhotel.— Montag: geschlossen.— Dienstag 8: Märchen i m G r a n d h o. t e l.— Mittwoch 8: Bunbury, Bankbeamte und freier Verkauf.— Donnerstag 7%: Sensation svrozeß, Erstaufführung.— Freitag 8: Märchen i m Graudhotel.— Samstag 8: Märchen im Grandhotel. »er Film Tscheljuskin Ein dreifaches Glück gewährt dieser Film von der Fahrt des Eisbrechers„Tscheljuskin": er zeigt Wirklichkeit, er zeigt denkwürdige Ereignisse— und er zeigt sie ohne Pathos und Pose. Einer der kühnsten Polarforscher, der deutsche Professor Alfred Wegener, der dann im Grönlandeis umgekommen ist, hat einmal gesagt: Die Forscher sollen nicht auf ihre Abenteuer stolz sein, denn sie sind meistens nur Folgen rnangelhafter Vorbereitung. Der Russcnsilm von den Tscheljuskin-Leuten ist dem Geist verwandt, aus dem diese Worte gesprochen wurden. Den» er betont nicht das sensationelle Abenteuer, sondern die auzuerkenncnde Leistung, er feiert kein romantisches Heldentimt, sondern die gelungene Rettungsaktion, die ein ganzes Volk zu jubelnder Begeisterung hinreißt. Was der Regisseur P o s e l s k y aus den Aufnahmen des Kameramannes Schafran aufgebaut hat, ist eine vorbildliche Reportage einer großen Episode geworden. Wie der„Tscheljuskin" sich zäh in die immer undurchdringlicher werdende Eiswüste frißt, wie bis zuletzt die Wissenschaftler, die Techniker und die Hilfskräfte bei ihrer Arbeit bleiben, wie das sinkende Schiff mit ruhiger Entschlossenheit geräumt wird, wie die Hoffnung die Verlassenen im heulenden Polarsturm aufrechthält, wie das Flugzeug kommt, das die Frauen aus dem Lager heiin- holt, wie dann von allen Seiten die Retter nahen— und wie die Heimkehrer von Station zu Station mit wachsendem Jubel begrüßt werden, unl schließlich an der Mauer des Kreml zunl Mittelpunkt einer begeisterten Massenfeier zu werden,— das ist in seiner großartigen Wirtlichkeit interessanter und überwältigender als alles, was man in Ateliers aufbauen und mit Schauspielergesten fingieren kann. Denn hier sind Zlatur und Technik, Gesichter und Stimmungen aus dem Leben auf die Leinwand gebracht— und so, mit den echtesten Mitteln des Filins, ist ein Bild-Epos von heroischer Arbeit und schicksalbczwingender Gemeinschaft entstanden. —«iS— Musik de» Herzens Wenn man diesen neuesten heimischen Film sieht, kann man sich vorstellen, wie er entstanden ist. Ein Manuskript-Autor(der laut Progranint K u j a l heißt) war auf die Idee gekommen, den verstorbenen Violinmeister S e f L i k in einem Film auftreten zu lassen. Und so erfand er eine arme Schülerin des Meisters und ließ sie von einem Maler geliebt werden, dessen Vater Geigenbauer ist und der jungen Violinistin opferwillig das teure Studium ermöglicht. Um einen dramatischen Konflikt herbeizuführen, wurde ein Anlaß zur Eifersucht beuütigr: ein junger Amerikaner, der auch bei SefLik studiert, mußte also zum hilfreichen Freund der hübschen Kollegin werden und dem alten Geigenbauer das vorgestreckte Geld zurückerstatten, was den Maler von der Treulosigkeit der Geliebten vollends überzeugt. Aber ebenso schnell, wie er erschienen ivar, mußte der Amerikaner auch wieder verschwinden, denn eine lange Freundschaft mit ihm hätte das in Aussicht genommene happy end ernstlich gefährdet. Nur uni die vorschriftsmäßige Verzögerung herbeizuführen, mußte eine nene Episode erfunden tverden: die Geigerin wurde also von einem Tenor als Kon- zcrtpartnerin engagiert(die Eifersucht seiner bisherigen Gefährtin schuf neue Spannung)— und erst nach einer Reihe von Podium-Triinnphcn und einem Schuß im Konzertsaal fanden sich schließlich wieder die beiden, die sich schon bei Beginn des Films gefunden hätten. Der letzte Einfall war schließlich der, dem Film mit Liebe, Eifersucht und Musik den Schein der epochalen Neuheit zu gebe«: die Möglichkeit, als Tenor den slowakischen Opernsänger Stefan Hoza auftreten zu lassen, wurde P« z ü g 3'b e d t n g u n g e n: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 06—. ganzjährig KL 102.—, 5nferate werden laut Tarif billiast berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retonrmarken.— Die ZettungSfrankatur wurde von der Post- und. '.• Telegraphendirektion mit Erlaß 5lr.13.800/VH/1030 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Leitpngs-A.-G., Prag.