14. Jahrgang Sonntag, 23. September 1934 VVNWMMM o« vkiwaieli«»uavk^oie^nrenk« Arbeiterpartei IN MR KCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ■I CI MBIT MIT AUSNAHM MB NONTAG TKGUCM MM. moaktiom und vhwmnnq m»xii.iocMMkft Tjrrjil wr. mmmmmnm HERAUSOESERi SIEOWIEB TA 8«. CHETREO AKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, M. EMU. STRAUSS, PRAG Ein zweites Ossek Entsetzliche Grubenkatastrophe In England Ueber hundert Bergarbeiter verloren (2 o tt t> 9 n.) TamStng früh ereignete sich in einer Grube in GreSforth, unweit Wrexham«ine furchtbare Explosion. Die Schachtanlagen gerieten in Brand. Kurz vorher Warrn gerade 400 Bergarbeiter«ingefahrrn. 188 Bergleute befanden sich in dem Teil der Grube, der von der Explosion betroffen wurde. Die Rettungbarbeitrn wurden durch de» Brand stark gehemmt. Unter Anwendung von Erde und Chemikalien und allen anderen erdenNichrn Mitteln»ersuchte man» der Mammen Herr zu werden. Bisher konnten 16 tote Bergleute geborgen werden. Zwei Bergleute wurden mit Lerlebungrn, fünf unverletzt zu Tage gefördert. ES besteht kaum eine Hoffnung» auf Rettung der mehr als 100 abgesperrten Bergleute. Alle verfügbaren Polizeibeamten» Aerzte, Krankenschwestern und Apotheker drS Bezirkes wurdrn an Ort und Stelle gesandt. Biele Mitglieder der Rettungsmannschaften brachen trotz ihrer SanerstoffmaSken zusammen und mußten auS dem von Schlagwettern erfüllte« Bergwerk an die frische Luft gebracht werden. Sie wurden aber in jedem Fall sofort von Freiwilligen ersetzt. DaS Bergwerk beschäftigt 1859 Arbeiter«ntrrtagS und 375 obertagS. ES wird behauptet, daß die Leitnn, d«S Bergwerkes die Frage prüft» ob eS notwendig ist» daS Bergwerk zu schließe« und abzurirgrln, um da» Erlösche« drS Feuer» zu beschleunigen. (London.) Am Laufe des Samstag nachmittag wurden aus dem brennenden Schacht des Kohlenbergwerks bei Wrexham neun Tote geborgen. Es hairdelt sich dabei aber um sieben Schächter, die in der Nähe der Schachtöffnung tot aufgefunden wurden, und um zwei Angehörige der Rettungsmannschaften, die bei der Hilfeleistung>ims Lcken kamen. Bon den Bergarbeitern, die im Aimern des Bergwerks gearbeitet hatten, konnte noch kein einziger geborgen werden, da eine undurchdringliche Feuerwand das Eindringen der Rettungsmannschaften unmöglich machte. (Wrexham.)(Reuter.) Bei der Bekämpfung des Grubenbrandes wurde bereits ein großer Fortschritt gemacht. Die Rettungsmannschaften können bereits ohne Gasmasken arbeiten, waS die Hilfsarbeiten beträchtlich erleichtert. Man schätzt die in der Grube noch befindlichen Bergarbeiter auf 100 bis 120 Mann. 15 Leichen, darunter drei Leichen von Mitgliedern der Ret- timaSmaniEchaften, wurden bereits^ geborgen. Die Intensität des Brande«'^läßt^iinmer mehr nach und eS ist möglich, daß das Feuer im Laufe der der nächsten 12 Stunden vollkommen gelöscht sein wird. Man ist der Ansicht, daß eine gewisse Anzahl von Bergarbeitern noch lebend wird geborgen werden können. Dm Befinden des Präsidenten der Republik lPra g) Wir wir an maßgebender Stelle festgestellt haben, sind die beunruhigenden Nachrichten, die dieser Tage über die Verschlechterung de« Grsundheitszustandrs de» Präsidenten der Republik verbreitet wurde«, absolut grundlos. Ende des grollen Streiks in Amerika Washington, 22. September.(Reuter.) Die Föderation der Textilarbeiter erließ Vie Aufforderung zu Beendigung deS Streike». Di« Arbeiter werden aufgefordert» am 24. September die Arbeit wieder aufzunehmen. Dtreiksührrr Gorma« veröffentlichte mit Genehmigung de» Präsidenten der amerikanischen Föderation der Arbeit» Green» sowie der übrigen Führer der einzelne« Syndikate«in Kommunique» in dem e» heißt:„Wir haben jetzt alle» erreicht, wa» wir durch diesm Streik erzielen konnte«, der gegen die Ungerechtigkeiten der RJRA gerichtet war. Wir hab« den Arbeiterstand» die Arbeiterklasse von einer schwer«, Last befreit." Die Entschließung, vom Streik abzulaffen, w«rdr»o« all«, Mitgliedern des Erekutioausschuffr» der Textilarbeiter- Föderation einstimmig gefaßt. Minderheltendebatte In Genf Kleine Enteutrminister gegen Ungar«- (Genf.) In der sechsten politischen Kommission der Völkerbundsversammlung erwiderten heute auf die Angriff« des ungarischen Delegierten Eckhardt, die sich gegen die Minderheitenpolitik der Staaten der Kleinen Entente gericht>'.t hatten, nicht bloß die Vertreter der Tschechoslowakei, Rumäniens und Jugoslaviens, sondern auch die Delegierten Frankreich» und Italiens. Der rumänische Delegierte Antoniade erklärt«, der ungarische Delegierte habe sich Rechte angeeignet, welche gemäß den MinderheitSvertri- gen nur dem Bölkerbundsrate zukommen. Es ist ersichtlich, wie der Minderheitsschuh zu anderen Zwecken, und zwar zu einer unfruchtbaren Agitation, mißbraucht werden kann. Der Vertreter Jugoslaviens, Delegierter F o t i C, sagt, es gebe kein direktes Problem zwischen Ungarn und den übrigen Staaten, sondern lediglich ein Problem zwischen den Staaten mit Minderheiten und dem Bölkerbundsrate. Nach dem rumänischen unb dem jugoslavi- schen Delegierten ergriff Minister Dr. Benes das Wort. Hinsichtlich der Möglichkeit einer Aufhebung oder Einstellung der Geltung der Minder- heitSverpslichtungen betonte Minister Dr. Benes, daß'er an dem Standpunkte der legalen Prozedur festhält. Eine andere Frage ist der Vorschlag bezüglich Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes. Redner sprach die Anschauung auS, daß diese Frage heute für alle dank der polnischen Anregung und der aus derselben sich ergebenen Aussprache geklärt ist. Irgendeine Lösung diese» Problems könne die in einigen Staaten geltenden Minderheitöverträge nicht tangieren. Die Tsche- chosloivakei verlangt in diesem Falle nicht» und hringt die Verträge, welche sie unterschrieben hat, sorgfältig zur Geltung; sie wird die» auch in der Zukunft tun. Nach Benes bedauerte der französische Ber- - trctev Massigst, daß die ungarische Delegation diese Aussprache überhaupt ausgelöst habe. Baron Aloisi swloß sich für Italien einigen Ausführungen des französischen Delegierten an. Dank an Dr. Benei (Prag.)> Die Gesellschaft für wirtschaftliche und kulturelle Annäherung mit der SSSR und da» tschechoslowakisch-russische Handelsinstitut hat an Dr. Benes eine Depesche gerichtet, in welcher sie- dem Minister für die initiative und erfolgreiche Arbeit dankt, die er anläßlich de» Eintritte» der Sowjetunion i» den Völkerbund geleistet hat. Anbiederung der Nasi an die österreichische Regierung (Wien.) Ingenieur Reinthaler, von dem verlautet, daß er zum neuen Landcsleiter der Nationalsozialisten in Oesterreich bestimmt war, erNärte einem ausländischen Journalisten, er habe es sich zur Aufgabe gemacht, die National- sozialisten mit der Regierung zu versöhnen. Ingenieur Reinthaler stellt sich aus ideellen Gründen gegen Habicht und stimmt mit dessen terroristischen Methoden nicht überein. Ferner sagte Jng. Reinthaler, daß die Nationalsozialisten bereit sind, in eine staatserhaltende Front einzutreten, die aber nicht Vaterländische Front genannt werden dürste, da diese peinliche Erinnerungen hervorruft. Bei einem Abkommen mit der Regierung dürfte es keine Sieger und Besiegten geben. Oesterreich soll nach Reinthaler ein freier und unabhängiger Staat mit dem Bewußtsein bleiben, daß es ein deutscher Staat ist. Der Anschluß bleibe zwar eiiie staatliche Ideologie,., er werde aber im Interesse des Friedens einstweilen hinauögeschoben. Die Großdeutschen hätten Reinthaler feierlich versprochen, daß sie die Nationalsozialisten in, diesen Bestrebungen unterstützen werden. Die Nationalsozialisten hätten ein organisiertes Netz von Vertrauensleuten, die ein eventuelles Abkommen durchführen würden. Reinthaler- erklärt«, er habe auch mit einigen Mitgliedern der Regierung verhandelt und Verständnis für seine Aktion gesimden. Nur die Zentralleitung der Heimwehren sei gegen jedwedes Abkommen. Starhemberg bei Gömbös (Budapest.) Der österreichische Vizekanzler Fürst Starhemberg» der sich seit einigen Tagen zum Besuch seiner. Verwandten in Ungarn aufhält, hat diese Gelegenheit auch dazu benützt, um mit dem Ministerpräsidenten Gömbös zusammenzutreffen. Die beiden Staatsmänner hüben einige Tage auf einer Staatsdomäne jenseits der Donau verbracht. Irischer Fasdslenfllhrer demissioniert (Dublin.) General O'Duffy ist am Samstag überraschend von der Leitung der Vereinigten Jrlandpärtei und der Blauhemden-Organijatlou zurückgetreten. Eine Erklärung über die Gründe -seine» Rücktritte» hat ODuffy abgelehnt. Die Lase in Spanien Der Madrider Korrespondent des„Daily Herold" berichtet im Gegensatz zu den Berichterstattern der bürgerlichen Presseagenturen, daß nicht die Sozialisten ein Blutbad unter der Regierung vorbereitet hatten, sondern daß die faszisti- schen Parteien unter der Leitung von Gil RoblcS, die sich im geheimen bewaffnet haben, daS Ziel verfolgen, die Sozialistische Partei zu vernichten und durch einen Putsch die Gewalt mi sich zu reißen. Die sozialistischen Führer haben darauf ebenfalls eine Anzahl jünger Leute bewaffnet, um den Staatsstreich-Absichten der Kleriko-Fascisten entgegentreten zu können. Die Sozialisten trachten, solange wie möglich den Frieden zu erhalten, doch im Hinblick auf die faseistische Agitation ist es die Frage, ob das noch lange der Fall sein kann. Nun die Faseisten sehen, daß die Sozialisten zur Verteidigung bereit sind, verbreiten sie allerhand unwahre Gerüchte über sozialistische Aufstandspläne. Auch die Berichte von Waffenfunden bei Sozialdemokraten werden von den bürgerlichen Blättern maßlos übertrieben. Welche stinkende Verleumdungen verbreitet werden, geht u. a. daraus hervor, daß ein monarchistisches Blat^be- richtet, die Sozialisten hätten die Waffen aus— Deutschland erhalten. Die Opposition der Deutschen Arbeitsfront IBerltn.)(Tsch. P.-B.) Wie das DNB. erfährt, ist die Entlassung Dr. Schilds, de» Generalsekretärs des Deutschen Handwerks- und Ge- werbekmnmertages, erfolgt, weil.er.versucht hatte,, die Deutsche Arbeitsfront gegen das Reichswirtschaftsministerium auszuspielen. Mr den Status quo an der Saar In einem Manifest an die Saarbevölkerung fordern zahlreiche deutsche Gelehrte, Schriftsteller und Künstler, zu einer Abstimmung auf, welche das Saargebiet vor den Schrecken des Dritten Reiches bewahren und den jetzigen Stand aufrechterhallen soll, bis das Selbstbestimmungsrecht des Volkes wiedcrhergestellt und Deutschland von Hitler befreit ist. Der Aufruf ist u. a. unterzeichnet von Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Prof. Gumbel, Leinhard Frank, Oskar Maria Graf, G. Bernhard, Ernst Toller, Anna SegherS, Th. Plivier, Carola Reher und Dr. Kurt Rosenfeld. Unmögliche Grenzpolitik Von Abg. Wenzel 3aksch Wie fragen uns immer wieder: hat die tschechische Oeffcntlichkcit, haben die maßgcbcn- den Beamten und Politiker eine Vorstellung von der sürchterlichon Arbeitslosennot in unseren deutschen Grenzgebieten? Haben sie eine Vorstellung davon, wie schwer die positive Einstellung der deutschen Arbeiterschaft Tag für Tag zu ringen hat gegen nationale Unvernunft, büro- kratische Engherzigkeit, gegen unerbtttlich fortschreitende Verelendung, die die Menschen zer- mürbt und zur Verzweiflung bringt? Hat daS staatsmännische Wort unseres Innenministers Dr. E e r n y'Geltung, der trotz feiner agra- rischen Parteizugehörigkeit erklärte, daß die Ar- beitslosigkeit ein schwerwiegendes Staats- pr ob le in ist? Die Praxis, die in letzter Zeit auf dem Gebiete der Arbeitslosen fiirsorge einrcißt, läßt uns keine befriedigende Antwort auf diese Fragen finden. Wie ist die Lago in unseren Grenzbezirken? Hier seien die Eindrücke einer Besuchsfahrt durch die NotstandSgcmeindcn des oberen Böh- merwaldeS skizziert. Die Mensch«« stehe» unter dem höllische« Druck der htcke»kre«zlerische« Agitation. Hunderte» Tausende sind früher nach Bayern hinüber in Arbeit gegangen. Da» ist aus. Bekannte Sozialdemokraten, die sich den Haß der heimischen Hakenkreuzler zugczogon haben, dürfen sich nicht mehr über die Grenze wagen, uni in den bayrischen Wäldern einige Beeren oder Schwämme zu suchen. BonreichsdcutscherSeitcwird mit allen Mitteln der Verlockunggearbeitet. Das bayrische Grenzgebiet ist in die sogenannte„O st h i! f e" einbezogen worden. Mit R e i ch S z u s ch ü s s e n werden unifangreichc öffentliche Arbeiten auSge- führt, meist sind es S t r aß o n b a u t cn st r a- tegisch er Natur. Noch klarer liegt der Propagandazweck bei den verschiedenen Hilfs- aktionen zutage. Bei der letzten„Winter- Hilfsaktion" wurden die Spenden in den inner- bayrischen Städten gesammelt, mit Lastautos in die Grenzorte geführt. Dort hat man die Ar- beitSlosen nicht nur reichlich beteilt, sondern auch kleine Landwirte beschenkt. Anders in unserem Grenzgebiet. Die Er- nährungsaktton wird in manchen Gronzbezirkcn in einer Weise durchgeführt, welche die Arbcits- losen an dem guten Willen unserer Behörden verzweifel» läßt. Hier sei der Bezirk B i s ch oste i n i tz als trauriges Beispiel angeführt. Dort gibt eS keine Industrie mehr. Die GlaSbctriebe in S t a n k a«, Münchsdorf und Karl» bachhütto find seit Fahren stillgclcgt, der an sich schwache Spatbergbau in Metzling liegt darnieder. Bischofteinitz ist ein ausgesprochener Auswandererbczirk. Zu tausenden sind früher, die Bauarbeiter nach West- und Nordböhmen, nach Bayern und Sachsen in Saisonarbeit gezogen. Seit fünf Jahren sind sie fast alle arbeitslos. In diesem Sommer haben keine zwanzig Maurer aus dem Bezirke auS- warts Arbeit gefunden. Dabei handelt cs sich im Durchschnitt nicht nm ein mÄ)r ländliches Halbproletariat. Die Mehrheit der Arbeitslosen des Bezirkes wohnt eng zusammongcdrängt in armseligen Walddörfcrn, wo sic nach der Auflassung der 24 Glashütten, die vor Jahrzehnten im Gebiete in Betrieb waren und inzwischen längst stilliegen, ohne ausreichenden Grundbesitz oder völlig besitzlos zurückgeblieben sind. Ohne Rücksicht auf diese Tatsachen werden diese AuS- wandercrgcbiete einfach mit wohlhabenden Agrargegenden auf eine Stufe gestellt und als „landwirtschaftliche Bezirke" behandelt. Im Bezirke Bischofteinitz ist die Crnäh- rungsaktion mit dem Anwachsen der Krisennot systematisch abgebaut worden. Der Bezirk erhielt: 1831: 1,131.000 K5, 1932: 1,415.000 Sette 2 Sonntag, 23. Teptemlier 1934 W, 1933: 719.000 Kc, 1934(bis 7. Oktober): 406.000 Kc. Das bedeutet eine Verringerung mn mehr als die Hälfte. Die böhmische Landesdehörde will aber das Tempo des Abbaues der Grenz- arbeiter-Fürforge noch beschleunigen. Ihrer Sparwat ist eß zuzuschreibca, daß der Bezirk Bischofteinitz ia der laufeadea Periode statt der angeforderte» 70.000 KL»ar die Hälfte bekam. Was ist nun die Folge? Die Ledtgen wurdendurchdieBankauSgc- schieden. Auch solche, die für ein uneheliches Kind zu sorgen haben(Holl Johann, Gemeinde Schwanenbrückl). Ausgeschieden wurden Arbcits- lose, die in dieser ertraglosen Waldgegend ein Häusel, ein halbes Hektar Grund besitzen. Abgc- wicsen als Saisonarbeiter werden Arbeitslose, die int Jahre 1934 ganze acht Wochen gearbeitet hatten. Schreiende Ungerechtigkeiten müssen sich in einem alten Notstandsgebiete ergeben,>venn die in den Richtlinien vorgesehene ununterbrochene Beschäftigungsdaucr buchstabengemäst verlangt wird. JnSchwanenVr ückl muß eine völlig besitzlose Witwe mit fünf Kindern verhungern, weil ihr 12(zwölf) Tage auf den vorgcschrie- bencn Arbeitsnachweis fehlen. In P l ö ß hat ein Familienvater von acht Kindern früher in Bayern bei Landwirten ge- taglöhncrt, ohne daß er in der Krankenkasse an- genieldet wurde. Er bekomnit nichts. In wie- vielen Verwaltungsfällen wiiH bei strittigen Nachweisen Dispens erteilt! Kennen die Behör- den den Arbeitslosen gegenüber solches Ent- gegen kommen nicht? Wer Familien mit acht und zehn Kindern in elenden Bretterbuden verderben sehen will, der suche die Arbeitslosen-Gcmeinde Plötz-Wenzelsdorf im Bezirke Blschof- teinitz auf. Sie liegt einige Schritte von der bayrischen Grenze entfernt. Es gehört noch zum Bilde, datz auch Kriegsinvalid en mit 60 Kc Monatsrente und vierköpfiger Familie die Ernährungskarten verweigert werden. Datz die Gendarmerie im Bezirke eifrig fahndet, ob nicht einer der Ar- beitsloscn dcni Kollegen beim Hausbau einige Dachziegel gereicht und damit durch den Weiter- bezug des Genter Systems„Staatsbetrug" begangen hat. In Ronöperg wurde ein Ar-' bcitsloscr vors Gericht zitiert, weil er einen» ebenfalls arbeitslosen Kollegen vier Tage un- entgcltlich ausgcholfcn hat(die Gcndarnierie hat in ihrer wahrheitswidrigen Relation behauptet, eS wären vier Wochen gewesen) und mutzte natürlich freigesprochen werden. Unglaublich, aber wahr ist noch, datz ländlichen Arbeitslosen, die einige Strich Kartoffel- land haben, der Staatszuschutz zum Genter Systcin eingestellt wird, weil sie angeblich „hauptberuflich" in der Landwirtschaft stehen. Wohlgcmerkt, wir verteidigen.keine Mißbräuche, die da und dort Vorkommen, wir wehren uns ober auch gegen einen einseitigen Mitzbrauch der Amtsgewalt. Wenn die Behörde» gegenüber Landwirte« mft 10 und 20 Hektar eine» Krisennotstand anerkennen, daun muß die Agrarkrise auch bei dem arbeitslose» Häusler nnerlannt werde«. Ganz traurig sieht es auch in den deutschen Grenzdörfern de- Bezirkes Taus aus. Wir waren Zeugen, wie in Fichtenbach, ,Ge- meinde Vollmau, der Vertrauensmann ganz ver- zweifelt die neuerdings zusammengestrichene Liste der ErnährungSkarten-Bezieher zurück- brachte. Hier seien einige der Brschwerdefälle angeführt. Aus der Ernährungsaktion auSge- schieden wurden: Leber! Anton, ledig, wirtschaftet mit den» Vater, der schon über siebzig Jahre alt ist. Stich Franz, ledig, der Vater auch ar- beitSlos, kein Besitz. Liebel Heinrich, elternlos, besitzlos, mutz für eine kranke Schwester sorgen. S ch i n d e l a r s ch Karl, hat die Muster zu erhalten, ledig, besitzlos. Erl Hermann, verheiratet, kein Besitz. K o l b c ck Karl und G ö r l Johann, beide verheiratet und besitzlos. Jeder Futzbreit Bodens in Fichtenwald ge- hört der Gemeinde Taus. Sie verpachtet ein Stück Feld oder Wiese nur jenen Arbeitslosen, die ihre Kinder in die tschechische Schule schicken. Die andere« Arbeitslose« lebe« von der Gnade der bayrische« Finanzer. Soweit und solange wie sie eS erlauben, datz die Leute einige Wald- früchtc nach Bayern tragen und verkaufen, gibts Heeresmlnlster BradaC Uber die Bedeutung der Wehrmacht (E. F.) Zrui a. d. Säzava. Im Laufe des Freitag hatte cs an zahlreichen Stellen der Front kleine Gefechte und Artilleriefcuer gegeben. Zu einer größeren Kampfhandlung kam eS, wie wir vorauSgcsagt haben, nur auf dem Südslügel bei P a c o v, wo beide Parteien sich den Vorteil der Ucberflügelung des Gegners sichern wollten. Beide Armeen setzten hier ihre selbständigen K a v a l- leriebrigaden ein und in den sich entwickelnden Kämpfen— die man sich natürlich nicht als malerische Reitcrkämpfc'alten Stils vorstellen darf— erzielte die zweite Armee(die rote) einen Erfolg. Die Front verlief am Abend des 21. September von K r a l o w i tz, das im Besitz der Roten war, entlang der Stratze nach Kkivsoudov, die von dem mächtigen Hügel H r a b i i t n beherrscht wird(Cote 641) weiter in der Richtung K o i e t i c c—H oiepni 1—P a c o v. Hier mutzten die.Blauen einen grotzen Defensivhaken bilden,.um.die llmgehungSversüche.der roten. Reiterei abzuwehren, die gegen die südwestlichen Verbindungen der Blauen operiert. ES standen Freitag auf beiden Seiten je zwei Divisionen(bei der 2. Armee die 7. und die 6., bei der 1.— blauen — Armee die 4. und die 5.) und beiderseits die Kavalleriebrigade im Gefecht. Nun sind, wie der amtliche Bericht feststellt, der blauen Arince Verstärkungen zugcführt worden. Es handelt sich um eine ganze Division, und zwar die 1. (Prag). Damit ändert sich das Zahlenverhältnis entscheidend zugunsten der Blauen, die im Verhältnis 3:2 gegenüber den Roten eine Uebermacht besitzen, die wahrscheinlich für den Ausgang der Manöverschlacht ausschlaggebend sein wird. General Votruba hat diese mächtige Reserve bei K e b- noch hie und da ein Stück Brot. Für einen Zentner Himbeetblätter, die auf den Hängen deS Eerchov. gepflückt und stundenwest getragen werden müssen, bekommen die Arbeitslosen von Fichtenbach zwei Mark. Im Bischosteinitzer Waldgebiet wird bei dem heurigen Schwam- merl-Segen für ein Kilo gedörrter Schwämme drei Kronen bezahlt. Für geklöppelte Spitzen geben die Händler weder Lohn, noch Lebensmittel, sondern höchstens Schnittware. So sehen die Verdienstmöglichkeiten in diesem„Agrargcbict" aus. Wird eine kleine Notstandsarbeit durchgeführt- dann kämpfen die Kleinlandwirte mft den Dorfproleten' uni den Arbeitsplatz. Bei diesen Verhältnissen, und das sei nicht leichtfertig gesagt, ist die behördliche Sparwut bei der Ernährungsaktion einfach nicht n»ehr zu ertragen. Weder von den Arbeitslosen selbst, noch vom Standpunkte einer gesunden staats politischen Einstellung der Grenzbcvölkerung. Wer glaubt, datz die NotstandS-Schilderungen aus den Grcnzbezirken übertrieben seien, der gehe einmal in die Dörfer hinaus und suche die Wohnungen der Hungerleider auf. Der sehe sich an, wie raffiniert und zielbewusst, jenseits der Grenze gearbeitet wird. Das, was i« Bischofteinitz und nicht nur im Bezirk Bischofteinitz geschieht, ist eine unmögliche Grenzpolitik. lov auf seinem linken(dem nördlichen) Flügel, gedeckt durch waldige Hügel, versammelt und hak versucht,, sie dem Gegner zu verbergen. Ohne längere Artillerievorbereitung brach die 1. Division Samstag um 11 Uhr vormittag» aus der Linie Keblo v—S t r o j e t i e e gegen die Stratze K r a l o v i c e—K r i v f o u d o v vor mit dem Ziel, den H r a b ü ä i n umfassend anzugreifen und zu stürmen. Mit seiner Eroberung würde.die Schlüsselstellung der Roten fallen. Um die Mittagsstunde»vor der Hrabüsin allerdings so stark von Maschinengewehr-Abteilungen besetzt, datz er eine nicht so leicht zu bezwingende Feuerkraft darstellte. Die Kämpfe dauerten, nunmehr vor allem auf dem Nordflügel, den ganzen Tag an und werden auch in dec Nacht fortgesetzt werocn. Minister Bradat bei den Journalisten Freitag abends fand sich der Hccr^Smini« ster B r a d a L in ZruL im Quartier der Berichterstatter ein und hielt, nachdem Direktor Svi« h o s k y ihn begrützt hatte, eine längere Ansprache, in der er die Bedeutung der Armee für die Verteidigung der Republik hcrvorhob. Er betonte nachdrücklich die friedlichen Absichten des Staates, aber auch die Notwendigkeit, da», was uns in einem geschichtlichen Augenblick gegeben wurde, zu verteidigen. Er konnte mit Rech» die Teilnahme deutscher Journalisten, für die er Worte der Anerkeimung fand, als«in Symptom dafür Huchen, daß auch di«nationalen Minderheiten Verständnis für die Notwendigkeit der Bertel di- gung derRepublik haben. Nr. 223 Zwisdienlaii an dtrJiHHawluh- llallenlsdien Grenze (Belgrad.) Am,Donnerstag abends ereignete sich, wie die Agentur Avala berichtet, an der Grenze bei Suöak ein Zwischenfall. Jugoslawische Zollbeamte, die durch mehrer« Schliffe alarmiert wurden, bemerkten an der Brücke zwischen SuSak und Fiume zwei Personen, die von der italienischen Seite auf die jugoslawisch« herüber« tarnen. ES wurde festgestellt, datz es sich um Italienische Staatsangehörige handelte, die insgeheim auf jugoslawisches Gebiet kommen wollten. Bei ihrem Verhör gaben die Flüchtlinge an, datz sie von einem italienischen Milizsoldaten bemerkt Ivorden.seien, der auf sie insgesamt vier Schüsse abfeuerte. Während der eine der beiden Flüchtlinge unverletzt blieb, wies der andere zwei Verletzungen von zwei Kugeln auf; die letzte Kugel traf ihn gerade in dem Moment, als er die auf jugoslawischer Seite befindliche Mauer berührte. Eine jugoslawische Kommission ist an Ort und Stelle cingetroffen. Tatsächlich hat man als Berichterstatter den Eindruck, datz mindestens der grötzerc und gewichtigere Teil des Offizierskorps von demokratischem Geist erfüllt ist und in der Verteidigung der Republik nicht schlechthin die Verteidigung der Grenzen des Territoriums, sondern auch den Schuh einer kulturellen Sendung und des politischen Sinns der demokratischen Republik, der bürgerlichen Freiheiten und der Möglichkeit sozialen Fortschritts erblickt. In diesem Sinne bejahen sicher alle demokratisch denkenden Deutschen, vor allem die deutschen Arbeiter' den Gedanke» dec Wehrhaftigkeit des demokratischen Staates, aus ganzem Herzen. Minister Bradac führte noch aus, dytz„d i e Armee dem ganzen Staate und nicht einer Partei gehören" müsse. Er fasse darum sein Amt so auf, datz er ein Ministerium de» ganzen Staates, nicht einfach ei» Reffort verwalte. Militärpolitisch sprach sich der Minister, nachdem er den Wert der Freundschaft mit Frankreich betont hatte, für die Beibehaltung jener Grundprinzipien in unserer Armee aus, die sie von F r a n k r e i ch übernommen habe. ES habe immer nur zwei Schulen der Kriegskunst gegeben, die französisch« und die deutsche. Jene hab« gesiegt und schon deshalb würden wir ihre Lehren vor allem beachten, wozu uns aber überdies die enge Freundschaft mst Frankreich veranlaßt. Der Minister betonte, datz er ein Anhänge« der Be r l ä n g e r u ng der D i e n st z e i t sei. (ES wäre, da eß über die Verlängerung der Dienstzeit, und zwar nicht nur vom grundsätzlichen Standpunkt der Gegner einer langen Dienstzeit au», sondern auch vom militärischen Gesichtspunkte her, verschiedene Meinungen gibt, sicher gut, wenn die Oeffentlichkeit, Presse, Parlament und Fachleute, dieses Problem, das der Minister hier angeschnitten hat, gründlich diskutierten.) Nicht unerwähnt soll bleiben, datz sich beim Empfang des HeereSministerS in ZruL wieder einmal die Ungeschicklichkeit unserer öffentlichen Fattoren in allen Fragen der Propaganda für die demokratische Idee erwie». Minister BradaL wollte keinen offiziellen Besuch machen. Er rechnete kaum mit einem Empfang. Die Gemeinde, erfreut, datz ein Minister sie besucht(sie hat allerhand Finanznöte) rückte aber doch vollzählig aus, an der Spitze die Die Manöver del Kralowitz vor dem Abschluß Warum auch nicht? Es ist doch ihr Geschäft! Wenn er Soldat wäre, mützte er auch auf den Tscher» wenka schictzen. Ueberhaupt, was geht ihn das alles an, die Proletarier und die Politik. Proletarier, das sind die vielen tausend armer Teufel in Brünn, von denen der Redner heute auch gesprochen hat. Hat er nicht unlängst selbst gesehen, wie sie haufenweise in den dunklen, feuchten Löchern hocken, schlimmer als bei der Mutter in Polna, und Schnaps saufen? Noch ärger ist es in den Kohlen- und Eiscnbezirken, in Ostrau und Witkowitz. Ein rechtes Gesindel ist da beisammen, von überall her zusammengelaufen. Nein, ihm braucht man nicht» zu erzählen, er kennt da»! Dumm sind sic, darum gehen sie in die Fabrik und in die Grube. Er würde da» nie tun, so dumm ist er nicht. Proletarier... ihn geht das nichts an. Er ist ein Jud. Aber dieser Doktor, was stellt er sich hin und erzählt den Leuten solches Zeug? Hat er das nötig? Wo sie ihm doch nicht einmal etwas dafür zahlen! In Polna gehen zwar auch ein paar Juden zu den Sozis, aber wahrscheinlich nur darum, weil die keine Antisemiten sind. Als er damals in Wien war, sollte er sich auch organisieren; er hat sich dann aber doch gedrückt. Alle besseren Leute dort schimpfen auf die Sozi. Der alte reiche Brunner in der Taborstratze sagt immer: Erst wiffen sic nicht, was sie verlangen sollen, nichts ist ihnen genug, diesen Hetzern, dann verfressen und versaufen sie alles und bringen«S„mit die Menscher" durch, und dann sollen wir mit ihnen teilen. Ausgerechnet! Haben wir darum Kreuzer anf.Kreuzer gelegt und gespart und gespart? ... Ob der Rotschild auch Kreuzer auf Kreuzer gelegt hat? Wenn er so reich wäre wie der Rothschild! Ob er dann heiraten würde? Wie die Anna Be- nesch gelaufen käme!... Er würde die Schickse aber schön davonjagen. Die Anna... heute ist doch der erste Sonntag nach dem Margarethentag— also ist heute Wallfahrt und Kirchweih in Zhor. Da wird wieder halb Polna drüben sein, soweit eS nicht beim Arbeiterfest im Bresinawald ist. Im vorigen Jahr ist er auch auf dem Jahrmarkt gewesen. Eine Hitze war wie heute. Unterwegs, beim Steg über den Dobrikauer Bach, holte er ein Mädchen ein, die Anna Benesch, er kannte sie schon früher. Er hatte zum erstenmal die grsspen Hosen an, die er von der Mutter des Herrn Hitschmann in Nachod, der Rabbinerswitwe, geschenkt bekommen hatte, fast wie neu. Und einen breiten Gürtel aus Stoff, mit einer Tasche für die Uhr. Eine Uhr besatz er zwar nicht, aber eine Kette, die direkt wie echt anssah. Dem Nesiadek hatte er sie abgehandelt. Auf dem Jahrmarkt bekam die Anna von ihm ein Lebkuchenherz..Ewig Dein" stand au» Zuckerguß daraufgeschrieben, und ein Bildchen war äufgeklebt, ein kleiner Engel, oder war e» das Christkind? Ueberall haben sie ihre Bilder, nun, ihnen ge- fällt's. Sechs Kreuzer hat da» Herz gekostet. Und ein Kracherl, dunkelrote Limonade, die prickelt und weitz schäumt. Die Anna aber war so auSge- laffen, als hätte er ihr einen sützen Schnaps gegeben. Bon fremden Burschen hat sie sich Herumzerren und quetschen lassen, er kann ja nicht tanzen mit seinen zwei linken Füßen, aus dem Lachen ist sie nicht herausgekommen. Am Abend gingen sie miteinander nach Polna zurück, jedes Wegstücks erinnert er sich. Wie sie sich an ihn gepreßt hat, so feucht war ihre Haut, er konnte es deutlich spüren, und wie sie einander von der Straße wegdrängten... ES braust ihm in den Ohren und dunkel dringt e» in die Augen. Es war ganz finster im Wald, aber er hatte keine Furcht, fast gar keine, er weitz eS noch genau. Polda nannte sie ihn, ihre kräftige Dicnstmäd- chcnhand hielt ihn fest, und dann lagen sie noch lang im niedrigen Holz und er erzählte ihr von Brünp und Wien und von der Halik, die er dort gehabt hatte. Die Anna wurde noch zärtlicher, er war glücklich. Sie hatte nur jeden zweiten Sonntagnachmittag AuSgang, und auch dann konnten sie ihn nicht immer miteinander verbringen. Manchmal mußte sie zu den Eltern, manchinal mit Freundinnen beisammen sein, um keinen verdacht zu erregen. Aber man traf die beiden zuweilen, im Bresinawald, oft sah man ibn abends vor der Tür des Hauses, wo sie diente. ES wurde Herbst, die Zeit der jüdischen Feiertage kam, und HilSner» Mutter rief Gottes Zorn auf den Sohn herab, der, statt in den Abendgottesdienst zu gehen, sich in dunklen Gassen mit der Schickse, dem christlichen Mädchen, hcrumdrückte. Am Tage des ver» söhnungSfesteS erwischte er sie, während alle», waS jüdisch war, in der Synagoge betete. Er habe sie etwas Wichtige» zu fragen. Stotternd brachte er es heraus: .. ob sie ihn... heiraten wolle... Anna schüttelte den Kopf. Warum nicht? Vielleicht weil er Jude'sei? So werde er sich taufe« lassen. I wo, gerade di« Juden habe sie gern. Er wisse schon, warum. Aber was sei ev denn eigent« »ich? Ein Bummler, ein Tagedieb! Bon wa» wolle er denn eine Frau ernähren? Er habe ja nicht einmal etwas für sich! Oho, hat er nicht die Schusterei gelernt? Na also! Freilich, in der Werkstatt sitzen und den Bauern und Juden die stinkenden Stiefel benageln, das machte ihm keinen Spaß. Er wird mit ihr,in eine große Stadt'ziehen, zum Beispiel nach Präg, dort sind seine Glaubensgenossen alle reiche Leute, und die werden ihm schon helfen. Aber aus der Religion macht er sich gar nichts, das ist alles Unsinn! Sie sollte nur einmal hören, was die Sozialisten darüber sagen!,. Die Anna will das aber nicht hören. Sie kennt die Sozialisten, die haben es mit der freien Liebe, und davon will sie nichts wiffen, wenn sie auch nicht ans Heiraten denkt. Zu Hause erzählte sie aber doch von dem Antrag, obwohl sie sich denken konnte, daß sie bei den Alten damit übel ankam. ES gab einen gehörigen Krach. So eine Schande, daß sich ein ehrliches Mädel mit so einem Judcnbuben eingelassen habe, so eine Sünde! Wenn man sich nicht so schämen würde, müßte eS der Pfarrer erfahren, damit er von der Kanzel aus allen solchen Frauenzimmern die Wahrheit sage. Aber HilSner gab keine Ruhe. Immer wieder fing er vom Heiraten an. Also sollte er selber cs bei den Eltern versuchen, sagt« die Anna schließlich. Er ging auch stantepede hin. Die Alten waren verdrießlich und wollten seinen Antrag erst gar nicht anhören. Ehe sie grob wurden, zog Polda ab. Eigentlich ärgerte er sich; aber et lachte. Nun setzten sie zu Hause dem Mädel so lange zu, bis sie ihre Stelle kündigte, Die Mutter hatte ihr schon einen neuen Dienst besorgt, in Blitzkow, einem Dorf bei Saar:' Polda blieb ihr treu. Ein paarmal, sogar mitten im Winter, lief er die vier, fünf Stunden bi« nach Saar, und sie weigerte sich nicht, solche seltene Anhänglichkeit zu belohnen. Ob sie heute wieder auf der Kirchweih von Zhor ist? Aber jetzt ist's ja doch zu spät... Am Rand der Stadt hat die Katharina Ma« chatschek, die Freundin seines Wanderkameraden Wilhelm Tscherwcnkä, ein kleine» Häu»l. Wilhelm, arbeitsloser Sattlergehilfe, hatte ihm vor fünf Wochen, anfangs Juyi, nach Polna. geschrieben: ob er nicht mit ihm'zusammen auf die Wanderschaft gehen wolle? HilSner überlegte nicht lang. Im Sommer war ja daheim noch weniger los al» sonst. Also marschierte er nach Jglau. Der Freund war noch nicht reisefertig, und Polda ging Vorau«. (Fortsetzung folgt.) Nr. 228 Sonnlag, 23. September 1834 Sette 8 Theresienstadt- ein Erfolg Beendigung des Arbeitslagers— Das(Irtell der Jugendlichen Am Freitag wurde das erste staatliche Arbeitslager in Theresienstadt zu Ende geführt. Es gab ungefähr achtzig Jugendlichen durch vier Monate Obdach. Arbeit und Brot. Am 21. Mai war es eröffnet worden. Das Arbeitslager verdankt feine Entstehung der Initiative der beiden sozialdemokratischen Jugendverbände. Ihr Wunsch war eS, die Arbeitslager als eine zweckmäßige Form der ArbeitShilf« für die arbeitslose Jugend auf eine breitere Grundlage zu stellen: die große Fahl der nichtbetreuten arbeitslosen Jugend hätte dies notwendig genmcht. Dieses Streben scheiterte zunächst an verschiedenen Widerständen. Bor allem galt es, die Voreingenommenheit zu überwinden, die in fast allen BevölkcrungSkreisen gegen die Arbeitslager bestand. Diese Voreingenommenheit war auch, bei der Jugend selbst vorhanden. So wurde denn das Arbeitslager in Theresienstadt als ein V e r s u ch aufgefaßt, von besten Gelingen die Fortführung und der Ausbau der Arbeitshilfe in der Form der Arbeitslager entscheidend abhängcn. TaS Ergebnis dieses Versuchs ermuntert alle Beteiligten zur Ausgestaltung der Aktion; ihrer Verbreiterung steht die seht beginnende schlechte Witterung entgegen, die auch die Ursache für den vorläufigen Abschluß des Theresienstädter Lagers war. Die Insassen des Arbeitslagers in Theresienstadt hatten an dem Bau eines Straßenstückes mit- zubelfen, das zur Umgehung des FestniigöneländeS und zur glatten Abwicklung des Verkehrs auf der Straße Teplitz-Schönau— Prag notwendig geworden war. Die wöchentliche Arbeitszeit der Jungen war 85 Stunden, in den lebten Wochen arbeiteten sie auf eigenes Verlangen 80 Stunden. Die Entlohnung erfolgte zu den ortsüblichen Sähen. Nach Abzug des wöchentlichen Taschengeldes von 14 Kc, der Lerpflcgungs- und Verwaltungskosten, ebenso der Kosten für di« Investitionen und Bekleidung ergab sich ein bedeutender Reinertrag. Seine Aufteilung erfolgte nach der Zahl der Ar beitsstunden; die Jugendlichen, die vom Anfang bis zum Schluß im Lager waren, bekamen 528.20 Kä ausbezahlt. Die Lagerinsassen waren bei der Unfall« und Sozialversicherung angemeldet. Die Arbeit hatte das Ministerium für öffentliche Arbeiten verschafft. Das erfreuliche finanzielle Ergebnis de- Lagers ist auf die kollektive Wirtschaft zurückzuführen, der glänzende, moralische Erfolg auf die Selbstverwaltung und freitvillige Disziplin der Lagerange- hörlgen. Die militärische Lagerleitung konnte sich auf eine lose Aufsicht beschränken. Deutsche und Tschechen verkehrten miteinander in vorbildlicher Kameradschaft, viele lernten zum ersten Male Angehörige der anderen Nation näher kennen, einige erweiterten ihre Sprachkcnntniste. An der S ch l u ß f e i e r nahmen teil: alle Lagcrangehörigen, der Minister für soziale Fürsorge, Genosse Dr. Meißner, der Lagerleiter, Stabskapitän B o u i c, Oberrot Dr. N ov ä k und Jng. Jaros, beide vom Ministerium kür soziale Fürsorge, einige Vertreter der Jugendverbände, darunter die Genossen Kern und N e u w i r t h für den Sozialistischen Jugendverband und der Genosse Raus für die tschechische sozialdemokratische Jugend. Als Genosse Dr. Meißner zum Lager kam, dankte StabSlapitän Bouse zunächst den Lagermitgliedern besonders aber dem Lagerältesten, unserem Genossen N e u j i l, dessen vorbildliche Arbeit von dem Vertrauen und der Liebe seiner Kameraden getragen wurde. Nach der Begrüßung des Ministers schloß der Lagerleiter seine Ansprache mit einem„Hoch" auf den Präsidenten und die Republik, in das die Versammelten begeistert einstimmtcn. Dann sprachen für die Lagermitglicdcr die Genossen N e u j i l(deutsch) und Zabransky (tschechisch): „Im Namen der deutschen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft übernehme ich gerne die Aufgabe, Ihnen, Herr Minister, für das große Verständnis zu danken, welches S>« durch die Einrichtung dieses Probelagers der arbeitslosen Jugend bewiesen haben. Gleichzeitig d„nken wir auch dem Stabskapitän Bouse als Leiter des Lagers und dem Rechnungskorporal Srrelka für ihre Bemühungen. Wir arbeitslosen Jungen erkennen den Wert dieser Einrichtung an, obwohl wir wissen, daß sie für die große Anzahl der arbeitslosen Jugendlichen nicht ausreickä. Wir hoffen jedoch, daß die Erfahrungen aus dieser Aktion im nächsten Jahr zu wei teren Maßnahmen führen werden und mehr Juaendlichen ArbeitSmöglichkeit geboten werden wird Wir quittieren auch mit Freude, daü das Ministerium für soziale Fürsorge 15 Prozent Jugendliche in die Arbeiten auS dcrproduk t i v e n Arbeitslosenfürsorge eins»- reiht hat. Das bedeutet bei den dort beschäftigten 60.000 Arbeitern Beschäftigung für 8000 Jugendliche. t Die Heim ft,ä j, t en ak t i.o n, weiche für den kommenden Winter vorbereitet wird und gll das, was bisher getan wurdx, überzeugt uns von dem festen Willen des Herrn Minister« für soziale Fürsorge, der arbeitslosen Jugend zu helfen. Für diese Bemühungen sind wir der R- gierung und dem Minister für soziale Fürsorge dankbar. Wir sind jung und wolle» arbeiten. Wir sehen der Zukunft mit Vertrauen entgegen, denn um die Einreihung in den regelrechten Arbeitsprozeß wollen wir uns auch selbst bemühen. Wir kehren in unsere Heiinatsorte zurück und rufen der ganzen Oeffcntlichteit un', den Mitgliedern der Regierung diesen letzten Grrß auS dem Arbeitslager zu:Begeßt uni nicht l seiner Ide» Lager« zu danken, deren Kameradschaftlichkeit und Disziplin die guten Ergebniffe bewirk» i ten. Unsere Arbeitsgemeinschaft ist nicht nur ein finanzieller, sonder» vor allem ei« moralischer Erfolg und lehrt alle Jugendlichen, das) rS dar. i auf ankommt, mit Zuversicht bei der Gestaltung der Zukunft zu helfen. Genosse Dr. Meißner faßte in Antwort die Resultate des ersten Vcrsuchslagcr«, zusammen: Wir sind unS dessen bemüht, daß die Einrichtung der Arbeitslager oas Problem der Arbeitslosigkeit unserer Jugendlichen nicht löse» kann. Wir begannen mit großer Vorsicht und Zurückhaltung. Dir ausländische» Beispiele wurden unö zur Abschreckung vorgehalte». Aber unsere Arbeitsgemeinschaft, deren Einrichtung der Initiative unserer Jugrndvrrbände zu danken ist, haben rin ganz anderes Ziel verfolgt. Sie gründeten sich auf die absolute Freiwilligkeit ihrer Mitglieder. Jede« Mitglied konnte die Arbeitsgemeinschaft zu jeder Zeit verlassen. Ein weiteres Prinzip war die vollkommene Selb st Verwaltung der Jugend. Der Staat hat Euch wohl geholfen, aber Ihr habt im Wesen alles selbst gemacht. Was Ihr selbst über dir Ber- waltung des Lagervermögens beschlossen habt, ist geschehen. ES«ar für Miete der Jugendlichen, dir auS verschiedenen Gegenden kamen und verschieden« Eharaktereigrnschaftrn haben, anfangs nicht lricht, sich in daS Kollrktiv einzufügrn. Ihr habt jedoch alle freiwillige Disziplin: geübt und so die Arbeitsgemeinschaft mit einem guten Geist erfüllt. Ihr hobt selbst gesagt, daß Ihr zufrieden seid und daS hat mich besonders gefreut. Mir flößt diese Freude viel Vertrauen für die weitere Arbeit rin. Die Militärverwaltung ist uns bei der Einrichtung dr» Lager» sehr behilflich gewesen. Wir danke» ihre« Repräsentanten. Besondere Verdienste um da» gute Gelingen diese» versuchSlagerS hat stch Herr Stabskapitän' Baute erworben, ebenso die Herren Oierrat Dr. R o v ä k und Jng. I a r o t. ES ist aber auch allen Mitgliedern Nach dem gemeinsamen Gesang der StaatS- hymncn meldete der Lagerleiter dem Minister die Auflösung des Lagers. Damit war die offizielle Schlußfeicr beendet. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft nahmen nun voneinander Abschied. Mit kurzen Worten dankte der Lagerältestc Genosse N e u Z i l im Namen der deutschen Gruppe den tschechischen Kameraden, ebenso herzlich antwortete für die tschechische Gruppe Genosse Za- b r a n s k ij. Deutsche und Tschechen haben monatelang gemeinsam gearbeitet, ohne daß eS zur geringsten Trübung ihrer Freundschaft gekommen wäre. Einer hatte vom anderen gelernt und in ihm den Kameraden und Freund erkannt. So waren die Rufe„Freiheit!" und„Zdarl" die Bekräftigung eines Bundes, zu welchem die Arbeitsgemeinschaft alle ihre Mitglieder vereinigt hat. Die Fahrtausweise werden ausgestellt, die Jugendlichen nehmen Abschied vom Lagerleiter Stäbskapitän Bouse, dann marschierten die Angehörigen der beiden sozialistischen Jugendver- bändc, eine rote Sturmfahne an der Spitze und ihre Marschlicder singend durch die Stadt zum Bahnhof. Gemeinderäte im Bratenrock» die Schulfinder mit Lampion». Man wartete in dem kühlen Abend eine Feit, die Kinder zum großen Teil barfuß und frierend. Um 8 Uhr wird gemeldet, daß der Minister erst um V Uhr kommen könne. Man wartet weiter. Kurz nach neun- erscheint der Minister, begrüßt mit einem Händedruck den Bürgermeister und begibt sich in den Saal der Restauration zu den Journalisten. Die frierenden Kinder haben ihn kaum gesehen, die Bürger sind enttäuscht. ES wäre Ausgabe der offiziellen Faktoren, die bei sollen Anlässen die Minister in nicht geringer Fahl umgeben, betreuen und— wie man glauben sollte — beraten, daß sie solche unangenehme Vorfälle vermeiden. Natürlich kann der Minister da» nicht persönlich arrangieren, aber seine Ratgeber können eS. Ein paar Worte an die Bewohner von ZruL, einen Kessel heißen Tee für die frierenden Kinder der Häusler und Arbeiter— und die Demokratie wäre den Leuten in freundlichem Licht ersöbiencn. Statt dessen mußten sie frierend, enttäuscht und verärgert von dannen ziehen.' Minister im Manöverfeld Freitag nachmittags hatte auch— ganz inoffiziell— der Senatspräsident, Genosse Dr. Soukup, Zruä besucht und sich mit einer Reihe Bürgern über die Nöte des so idyllischen, aber recht armen Ländchens an der oberen Sazava unterhalten. Samstag befanden sich zahlreiche Minister im Manöverterrain. Spione Im Laufe der Manöver wurden bisher drei Leute wegen DpionageverdachtcS verhaftet. Es scheint sichumhitlerdeutscheSpäherzü handeln. Nenleln und der Bund der Landwirte Urteil eine» tschechischen BlatteS: Ein Zustand, der nicht lange mehr zu«tragen ist. In der Zeitschrift„Novä Svoboda" vonr 21. September, findet sich ein Artikel über Henlein und den Bund der Landwirte, in welchem unS folgende Ausführungen bemerkenswert erscheinen: Das gute Verhältnis, welches der Bund der Landwirte zu Henlein haben will, kann man nicht nur damit erklären, daß er eine neue politische Fraktion unter seinen Einfluß bringen will, von der man nicht weiß, welche Rolle sie spielen wird. Das gute Verhältnis des Bundes der Landwirte zu Henlein ergibt sich aus den Sympathien zu den Gedanken: welche Henlein, wenn auch unklar, zum Ausdruck bringt. D er' SB u n b d e i Landwirte macht eine innere Krise durch. Der Flügel, der gegen Kkepek und Spina eingestellt ist, wächst... Der Bund der Landwirte ist zumTeil von einer faseistischenJdeologie a n g c- st e ck t und das ist der Grund, warum der Bund der Landwirte die Rolle des Schützers Henleins übernimmt. ES genügt zu erinnern, daß noch unlängst die Saazer„Heimat", das Organ des Bundes der Landwirte, in einem Ton schrieb, der sich vom Ton der hakcnkreuzlcrischen Presse nicht unterschied. Im Bund der Landwirte gibt eS eine Menge Leute, welche gern oppositionelle radikale Politik treiben möchten und die Gesellschaft des jungen Konrad Henlein wäre ihnen nicht unlieb. Aber auch da könnte der Bund der Landwirte aus seiner jüngsten Vergangenheit lernen. Er hatte schon einen solchen Radikalen in seinen Reihen, es war dies Josef Mayer. Lange machte Mayer seine nationale Politik auf eigene Faust; die Partei hat dadurch allerdings gelitten und so kam e» zum Ausschluß Josef Mayers aus dem Bund der Landwirte. Dabei zeigte sich, daß hinter diesem„cnfant terrible" niemand stand. Er hat sich seinen Landbund geschaffen, aber der Landbund hatte keine Anhänger. Es zeigte sich, daß der Bund der Landwirte Einfluß und Gewicht Mayers überschätzt hatte. Schätzt heute der Bund der Landlvirte Henlein richtig ein? Ter Fall Henlein ist heute insofern ernst, als sich hinter Henlein eine deutsche Regierungspartei, die deutschen Agrarier stellen. Verschiedene glatte Worte Henleins können nicht verbergen, daß seine Heimatfront eine faseisti» s ch e Organisatio n zst. Hält der Bund der Landwirte seine schützende Hand über Henlein, übernimmt er auch die Verantwortung Wer dessen politische Linie, Das ist ein Zustand, der nicht lange aufrechterhalten werden kann. M a n k a n n nicht in derRegierung sitzen und zugleich Protektor einer Bew.e« gung sein, welche in ihrem Wesen f a s c i st i s ch i st... Wir lesen ständig in der Presse, daß der Fall Henlein an der Schwelle der politischen Herbstarbeiten geklärt werdest muß. Man muß sich an den Bund der Landwirte wenden, welcher für Henlein die politische Garantie Wernommen hat. Die 14. Tagung der Landesvertrrtung für da» Land Böhmen wird am Dienstag, den v. Oktober d. I., um 15 Uhr eröffnet werden und nach Bedarf auch in den folgenden Tagen immer ab » Uhr stattfinden. Zur Verhandlung wird das Landesbudget für das Jähr 1035 gelangen. Am Donnerstag, den 11. Oktober, um 15 Uhr werden sich die Mitglieder der Landesvertretung an der Eröffnung des neuen pomologischen LandeS- institutes in Bechynö beteiligen. Segen die Erhöhung des Schulgeldes an Mittelschulen wendet sich in entschiedener Weise das„Prävo Lidu". Cs teilt"mit, daß ein Antrag vorliege, wonach das Schulgeld der Mittelschulen von bisher 200 Kö halbjährig auf 800 Kö erhöht werden und gleichzeitig die Anzahl der vom Schulgeld Befreiten mit höchstens'25 Prozent festgesetzt werden soll.„Wenn dieser Antrag Wirtlichkeit würde, bedeutete dies, daß die Mittelschulen auf ihre Tore die Aufschrift qnschlagen würden:„Armen ist der Eintritt verboten", es würde dies einen sozialen numeruS clausus bedeuten, denn die Anzahl der armen und mittellosen Schüler an Mittelschulen überschreitet weit 25 Prozent— auch nach amtlichen Angaben gibt es jetzt 70 Prozent Schüler von Mittelschulen, die arm und mittellos find... Die Demokratie bedeutet außer anderen halbvergcssencn Forderungen auch den freien Zutritt zur Bildung. Wenn nun der Antrag KrömakS verwirklicht würde, würde dies bedeuten, daß das alte Oesterreich-Ungarn ist dieser Hinsicht demokratsscher war, als wir sein tvürde», denn unter Oesterreich gab eS keine Bestimmung, wodurch die Anzahl der Schüler, die von Schulgeld befreit sind, beschränkt wurde... Es ist dies der klare Versuch, aus der Mittelschule eine Klassenschule zu machen, denn die Hälfte der Schüler würde aus den Mittelschulen hinausge- jagt werden, weil sie das Schulgeld nicht zustande brächte." Zum Schluß bemerkt das Blatt, daß dies keine Ersparnis bedeuten würde, weil dann die Bürgerschulen überfüllt würden.■ Die politische Situation Das Schwergewicht der politischen und ministeriellen Beratungen der abgelaufenen Woche lag naturgemäß auf den Vorberettun- gendesBudgets. In diesem Zusammenhänge wurden vor allem die Grundlagen, auf welchen der Voranschlag aufgcbaut werden soll, in einer allgemeinen Aussprache erörtert. Danach lvurde der Finanzminister beauftragt, mit jedem einzelnen Ressort sein Kapitel zu verhandeln und abzuschließen. Grundsätzlich ergab die allgemeine Stellungnahme, daß im ganzen und großen das Niveau deSheurigenBocan- s ch l a g e s als Basis genommen werden soll, die nicht überschritten werden würde. Doch wird sich in dem einen oder dem andern Titel eine Aenderung ergeben, indem neue Gesetze, wie die sozialpolitischen, eine Erhöhung nach sich ziehen. Auf der Ausgabenseite wird mit einem Betrag von 7,0 Milliarden gerechnet und eS wird für geivisse neue Einnahinen gesorgt werden müssen. ES wird in diesem Zusammenhang die Einführung einer Militärtaxe erwogen und von den sozialistischen Ministern wurde die Frage einer Unternehmerabgabe aufgeworfen, deren Ertrag der produktiven. Arbeitslosenfürsorge zufliehen würde. Die Verhandlungen deS Finanzministers mit den einzelnen Ressorts werden voraussichtlich bis Montag oder Dienstag dauern, worauf der Ministerrat— da eine vollkommene Verständigung nicht wahrscheinlich ist— definitiv über die Höhe des ganzen Voranschlages und gleichzeitig die Höhe jedes einzelnen Budgctkapitcls entscheiden wird. Sobald diese und auch die im Verlaufe der Verhandlungen der einzelnen Ministerien mit dem Finanzminister etwa vorgcbrachten Fragen geklärt sein werden— was gegen Ende der Woche der Fall sein dürfte— wird daS Finanzministerium die technischen Vorarbeiten treffen, damit daS Budget dem Parlament vorgclegt werden kann. Das Abgeordnetenhaus wird den Voranschlag im zweiten Drittel des Oktobers erhalten. Bon sozialistischer Seite wird anläßlich der Budgelvorbereitnngen daS Problem der Arbeitsbeschaffung und der Bereitstellung der hiefür notwendigen Mittel aufgerollt. Ebenso wird auf die Sicherung der Arbeitslosenfürsorge gedrängt, für deren Ausgestaltung in der Form der bereits eingeleileten Brotzuvußcn und, nach einem Plan, mit dem sich das Ministerium für soziale Fürsorge beschäftigt, einer Äartoffelaktion gesorgt werden soll. Die Versuche der Bildung politischer Blocks dauern weiter an. Auf der einen Seite ist es die nationale Front, die zu einem Abkommen gelangen will, ans der andern Seite der katholische Block, dessen Aussichten jedoch zieinlich geringe sind. Offen ist die Frage, ob die Gewcr- bepartei in irgendeiner Form Anschluß an die Rc- giernngSkoalition oder an die oppositionelle nationale Front, welche sich um sie beniüht, suchen lvird. Die Koalition selbst wurde weder durch Konflikte noch durch Zerwürfnisse gestört. Sie befaßt sich mit dem Wirtschaftsplan, der eine ganze Reihe Handels-, finanz- und währungspolitischer Probleme umfaßt. Im Gange ist die Ausgestaltung handelspolitischer Verträge z»m Zwecke der Wiederanknüpfung von wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Ausland. Man befaßt sich mit der Frage der Herbeiführung einer größeren Kreditmobilisierung, uni Rkittel nicht nur für den öffentlichen Dienst und die Investitionen, sondern auch für die Ankurbelung der Privatwirlichaft flüssig zu machen. In agrarischen Kreisen erwartet man für die Landwirtschaft eine Entschul« d u n g s a k t i o n, die aber, wenn diese Frage aufgerollt wird, sofort auch das Problem der Verschuldung anderer wirtschaftlicher Gruppen in den Vordergrund schieben tvürde. Außenpolitisch ist als Folge des Eintritts Rußlands in den Völkerbund ein Schritt nach vorwärts zn verzeichnen. Es ist der allgeineine Eindruck, daß nicht nur Frankreich, sondern auch die Tschechoslowakei und Außenminister Dr. Benes alles dazu getan haben. Für die Tschechoslowakei wird sich dies auch wirtschaftspolitisch gut auswirken, weil im Augenblick einer Belebung. der Wirtschaft die Erschließung neuer Absatzmöglichkeiten eine außerordentliche Wichtigkeit hat. Sehr erfreulich ist, ddß über das Befinden des Präsidenten der Republik wirklich Günstiges berichtet werden kann. Tatsächlich ist in den letzten Tagen der Gesundheitszustand des Präsidenten ein wesentlich besserer, so daß auch hier eine Beruhigung eingetreten ist. Die Vertretung der Tschechoslowakei im BerwaltungSrate des Internationalen Arbeitsamtes. Die Tschechoftowakei erhielt für die Periode 1934/37 eine Vertretung im VerwaltungSrat 4>es Internationalen Arbeitsamtes. Als Delegierter wurde der Abgeordnete und erste Minister für soziale Fürsorge Genosse Dr. Leo Winter ernannt, dessen Tätigkeit auf sozialem Gebiete auch in internationalen Kreisen bekannt und geschäht ist. Unsere Regierung wird dadurch einen außerordentlichen Einfluß auf die Tätigkeit deS Internationalen Arbeitsamtes erlangen. Es muß darin aber auch der Ausdruck der Anerkennung für die Tätigkeit gesehen werden, welche die Tschechoslowakische Republik bei der Lösung sozialer Fragen geleistet hat. Seite 4 Sonntag, 23. September 1034 9tr. 298 Zirkus Henlein Der„Prager Presse" ist das Versammlungs-Reglement in die Hand gefallen, das ein Herr Tr. N. Goldberg— wenn wir nickt irren, ist der Manu im Nebenberuf D i ch- t e r— für die„Sudetendeutsche Heimatfront" herausgegeven hat. Wie der Goebbels sich räuspert und wie er spuckt, das hat ihm der Goldberg abgcguckt; ob glücklich, wird sich erst zeigen müssen. Aber von den Parolen über die Farben, von den schreienden Plakaten bis zu den Werbeaufzügen, von den Märschen, Sprechchören bis zu den Lautsprecherwagen, die durch die Stra- ßen tollen sollen, fehlt da nichts aus der Schule des Dritten Reichs. Mit der Verlogenheit der Parolen auf Fahnen und Spruchbändern fängt's an; beispielsweise: .Um die Zukunft des Sndetendeutschtmns— Hch Herr, Du Herr!— Wir sind keine Partei— Konrad Henlein bringt dem Sudetendeutschtum die Einigkeit!" Vis dorthin wird vorTa scheu dieben gewarnt:„Bei Tumultgefahr ist das Geld in Sicherheit zu bringen!" lind aus jeden Fall ist für einen Saalschutz durch„verlätzlicheund kräftige Leute" zu sorgen. Neber die Plakate findet sich in diesem Reglement folgendes: „Der Text mutz knapp und schlagkräftig sein. Für die Versammlung sollte allgemein das fliegende Wort: Konrad Henlein spricht! zur Anwendung kommen. Als Papier« färbe empfiehlt sich N e u r ot auf schwarzem Druck. Diese Farbe wäre zumindest für dir nilchstrn Monate brizubealten." Etwa bis zur öffentlichen Durchsetzung der braunen Farbe?! Bei Friseuren, in Geschäften, Warteräumen, Auslagefenstern— überall seien diese Plakate anzubringen ganz nach dem Beispiel der großen Zirkusunternehmungen, die die Leute erst durch hemmungslose Reklame und dann, im Zirkus selbst, durch einen Riese nradau wirblig machen, damit über die Inhaltslosigkeit des Programms hinweggetäuscht werde. Das heißt: d e r H e n l e i n h a t s ck o» sein Programm. Aber sagen darf e r'S nicht! Und deswegen muß der äußerliche Krach um so lauter gestaltet werden. Die„letzte Steigerung" dieser Riesenreklame hat nach Goldberg also auszusehen: Hier gibt es drei Arten: a) den Reklamewagen, der mit guten Wrrbeftreisrn und Plakaten beklebt, gegebenenfalls mit Musik durch.die belebten Straßen fährt; b) den mit Aufschriften, Plakate» versehenen, fahnengeschmückten und mit jungen Anhängern besetzten Lastwagen, dessen Lerwrndung allerdings von der Behörde in den seltensten Fällen bewilligt werden dürfte, und e) de»(Siemens-) Lautsprecherwagen, der mit Aufschriften und Musik Leute heranlockt und für die Versammlung wirbt. Woher die„Sudetendeutsche Heimatfront" die enormen Geldmittel hat, die die Voraussetzung solcher"Propagaudamethodeu sind, gibt der Goldberg natürlich nicht an! lieber die Aufziehung der Henlein- V e r s a m m l u n g e u wird folgendes dekretiert: Dir Galerien bleiben vortrilhafterwrise für Frauen reserviert/ Bor der Versammlung ist durch Märsche und schlagwortartige Ansprachen die Aufmerksamkeit der Besucher wach- zuballen. Dem dienen auch die Spruchbänder, welche so anzubrlngen sind, daß sie nicht herabgerissen werden können. In eine Debatte zur Geschäftsordnung, wie sie von marxistischer Seite oft angezettelt wird, hat sich der Borfihende nicht einzulaffrn. Im Notfälle ist die Versammlung auf kurze Zeit zu unterbrechen. Auf keinen Fall darf rS dem Gegner gelingen, die Versammlung durch Tumulte zu sprengen oder zur Auflösung zu bringen. Dir Hanptge- f a b r liegt hier nicht während der Rede, sondern während der Debatte. Gerade wenn eS zu einer sebrndigrn Wrchsrlrede kommt, dürfen Vorsitzenden, Anhänger»nd Ordner nicht de« Kopf verlieren. Der Vorsitzende hat energisch zn sein, aber nicht den Gegner oufzureizrn. Der Debatte sollte grundsätzlich auSgewichrn werden., Mit gut geschulten Anhängern kann schon vor und während der Versammlung die Zuhörerschaft durch Iprechchöre beeindruckt werde». Sprrchchire können bis zur letzten Minute die Stimmung wachhaltrn»nd steigern. Nach Schluß der Versammlung ist entweder«in vorher bestimmte» Lied zu finge« oder an seiner Stelle oder fiachhrr ein Marsch zu spielen. Die Henleins haben also zlveifellos den festen Willen, jene Sudetendeutschen, die nicht hell genug sind, mit allen erdenklichen Mitteln einzunebeln, ihnen dasselbe Theater vorzumachen, wie es Hitler und Goebbels den Reichsdeutschen so gründlich lieferten und so einerseits über den Mangel jedes auch nur entfernt demokratischen Inhalts ihrer Bewegung hinwegzutäuschen, anderseits durch dieselben Mittel, wie man sie draußen anwendet, den Zusammenhang mit demselben Inhalt herzu stellen. Grauenhafte Bilanz der japanischen Katastrophe Reis nicht dem europäischen Geschmack. So ent- Die Umgebung von Lfaka, welches sowohl eine große Industrie al» auch eine blühende Landwirtschaft aufweist, wurde besonder- schwer betroffen. Die ReiSernte ist fast vollständig v e r u i ch t e t. In den Regierungsmagazinen wurden vier Millionen Bushels Reis vernichtet. Die Stadl Okajama mutzte um Nahrungsmittel ansuchen, da ihre 80.000 Bewohner ohne irgendwelche Vorräte dastehen, welche durch die Ueberschwemmung des Flusses Aschigawa vernichtet wurden, wobei die Dämme durchbrochen wurden. pan durch die Naturkatastrophe insgesamt 33 Flugzeuge verloren. Ä W.'. flrophe mehrere Koreaner zu plündern.' Sie wurden von Polizeiposten sofort erschossen. Die Mitglieder des diplomatischen KorpS haben der japanischen Regierung ihre tiefste Anteilnahme an dem Unglück ausgesprochen. (T o k i o.) Wie sich jetzt Überblicken lässt, ist das Gebiet, das von dem Taifun in Mitleidenschaft gezogen worden ist, bedeutend grösser, als man ursprünglich angenommen. hatte. Am schlimmsten gelitten haben Osaka, Kioto und Kobe. Die Gesamttotenziffer beläuft sich in Osaka bis jetzt auf 1030, darunter etwa 500 Schulkinder. Die Zahl der Verletzten beträgt etwa 3000 und die der Bermitzten 588. In Osaka wurden ferner 144 Schulhäuser, 3014 Privathäuser und 3212 Fabriken vollkommen zerstört. 8120 Privathäuser wurden beschädigt. In Kioto beträgt die Ziffer der Toten 207, die der Verwundeten 030. 1875 Häuser, darunter 20 Schnl- häuser wurden vernichtet, 2750 Häuser wurden beschädigt. Die Berichte ans Kobe, können noch nicht alS abgeschlossen betrachtet werden. Immerhin hört man von über 40 Bermitzten, etwa 40 Verwundeten. Die Zahl der Toten steht noch nicht fest. In Kobe wurden 1877 Häuser vernichtet und 0200 beschädigt. 847 Häuser wurden weggeschwemmt und 1234 wurden unter Wasser gesetzt. Wie die Präfektur von Kotschi mit. "/ e e SJjMnWtt» W* mit insgesamt 5 0 0! dirigieren und dort daS Glück zu versuchen. Mann B e f a tj'n n B und Fahrgästen am I or-" 20. September den Hafen verlietzen, bis jetzt nicht I 8f6 fi cr auch dort blieb der Reis unverkäuflich in ihrem Bestimmungshäfen eingelanfen. Man! ouS eben denselben Gründen wie m Asien und befürchtet, datz sie gesunken find. Rach Europa. Nun verfielen d,e RciSvcrkaufcr auf die weiterin Nachrichten ist zwischen Ragoha und! Idee, den Reis über den Stillen Ozcan nach Ost- Kioto ein Arbeiterzug beim Einsturz i asien zu schaffen(von wo der ReiS stammte), einer Brücke in den Fluten versunken. Biele weil jo dort dieses Nahrungsmittel sehr beliebt Arbeiter find u m g e k o m m e n. ist— und. siche da, die Spekulation gelang, .ben d^hkrlsien Mitteilungen hat Ja- Mittlerweile hatte sich näntlich die Situation 3 3 Flu a ich a e"v er l o r e n"~‘‘~ A i geändert, die heurige Weltweizenernte ist weit In Kobe- versuchten nach der Sturmkatn-j finger, die Preise des Weizens sind gestiegen strophe mehrere Koreaner zu plündern.'«nd der Bedarf nach dem billigeren ReiS war > wieder größer geworden. So hat der Reis eine Reise um die Welt antreten müssen— von Asien nach Europa, von da nach Amerika»nd zurück nach Asien— um verkauft zu werden. Sicherlich gab es in diesem einen Jahre, da der ReiS nickt verkauft werden konnte, in China tausende von Menschen, die nicht genug zu essen hatten, während die Schiffe mit dem unverkäuf- licken ReiS auf dem Meere.schwanimen, aber das ist ja in der Gesellschaft, in der wir leben, selbst. MW' H■ wurde eine bestimmte Menge Weizen in Ostafien ?lMAll01ttdl 11 ilttym n0tt ofi(jeW, HOM aber nur ein Teil der Nets, nicht verkauft werden konnte. Für diesen i Reis suchte man nun anderswo Absatz, man \ lud ihn also auf Schisse und brachte ihn nach teilt, find 2350 Fischerboote gekentert. Der Sach-! Europa. Dort konnte man jedoch den ReiS auS schaden in der Schiffahrt wird mit insgesamt denselben Gründeil nicht verkanfen wie in Asien drei Millionen Arn, der übrige Sachschaden mit und anßerdem entsprach>vohl der ostasiätische 500 Millionen Men veranschlagt. Reis nicht dem europäischen Geschmack. So ent- Nach Mitteilungen an» Dchimonoseki sind schloß man sich, die Rcisschiffe nach Amerika zu (Osaka.) Ganz Mittcljapan stand unter dem Einflüsse des furchtbaren Taifunuuglücks der größten Katastrophe seit dem Jahre 1023. Aber allmählich beginnt in den Städten Osakas, Kioto und Kobe das Lebe» wieder seinen normalen Gang zu gehe». Die Läden tvarcn am Samstag allgemein geöffnet und anck die Theater und Lichtspielhäuser öffneten am Samstagnachmittag wieder ihre Tore. Straßenbahnen und Autobusse Verkehren wieder regelmäßig. Allenthalben geht man mit bemerkenswerter Energie au den Wiederaufbau. Der Eisenbahnverkehr zwischen Tokio und Osaka wird am Sonntag morgens wieder aufgenommen werden, während die Strecke Osaka— Schimonoseki in zwei Tagen wieder befahrbar sein wird. Auf dem flachen Lande sind die Schäden ganz ungeheuer groß, da cs sich um ein laudwirtschaft- lick besonders wertvolles und intensiv gebautes Gebiet handelt. In' dem vom Taifun hcimgesnchten Tagcsnculghdtcn Tschechoslowake In Sachsen zum Tode verurteilt (Planen.) Das Sondergericht für Sachsen, da» zur Zeit in Planen tagt, verurteilte am SamStag den tschechoslowakischen Staatsangehörigen Wenzel Ottmar wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode. Ottmar war am 25. Juni zusammen mit zwei anderen Strafgefangenen aus dem OelS- nitzer Gerichtsgefängnis auSgebrochen, nachdem sie zuvor den Gefangenenhauptwacht- meifter Beckert niedergeschlagen hatten. Einer der Gefangenen wurde auf der Flucht erschossen, der dritte ist flüchtig. Opfer der Rauschgifte (London.) 2,n Peking ist ein Rausch- gifthändler öffentlich auf der Himmelsbrücke hin gerichtet worden. Weitere Hinrichtungen werden crtvartet. Das erste städtische Heim für die Behandlung von Opfern dcS furchtbaren Lasters in China ist in Peking bereits der Oeffentlichtcit übergeben worden. Es weist 800 Insassen auf, die unter strengster Polizeiaufsicht stehen. Die Strafe für einen Rückfall in das maßlose Laster nach der Entlassung und vollständigen Heilung ist äußerst hoch bemesse». Die Wohlfahrtsbehördc» schätzen, daß sich in Peking selbst mehr als 7 0.0 0 0 Rauschgiftopfe.r aufhaltcn. Ruhr-Epidemie in der mandschurischen Armee (Mulden.) Nach verschiedenen Meldungen aus der Piopinz Dschehol ist im mandschurischen Heer Dysenterie(rote Ruhr) ausgebrochen. Bis jetzt meldet die mandschurische Agentur Kokuzu 156 Todesopfer im Heer und in der Bevölkerung. Gräßliches Brandunglück in Deutschland (Berlin.) Auf der Kohlenhalde des„Klara- SchachteS" bei Ruda ereignete sich am Sonnabend vormittag ein entsetzliches Unglück. Wie gewöhnlich, lvar die Kohlenhalde, die noch an verschiedenen Stellen mit glühender Schlacke durchsetzt ist, von zahlreichen Arbeitslosen bevölkert, die dort Kohlen sammelten., Als von einem Grubenzug neue Kohleuab- sälle abgeladen wurden, schlugen plötzlich aus der Gebiete ist die Reiscrntc völlig vernichtet. Bier Millionen Scheffel Reis, die in den Regierungsspeichern cingelagert waren, wurden durch die Wassermassen wertlos gemacht. In einer sehr schwierigen Lage befindet sich die Stadt Okajama, deren 80.000 Einwohner ohne jede Nahrungsmittelversorgung sind, da der Fluß Aschigawa seine Deiche durchbrochen, die Steckt überflutet und von der Außenwelt abgeschnitten hat. Die in Tokio beglaubigten diplomatischen Vertreter, haben dem Außenminister Hirota anläßlich der Taifuntatastrophe das Beileid ihrer Regierungen ausgesprochen. * (Tokio.)(Reuter.) Nach einem vom Innenministerium veröffentlichten Bericht sind bei dem katastrophalen Taifun insgesamt 1861 Personen umS Leben gekommen, 5414 Personen wurden verletzt. Die Zahl der Vermißten beträgt 562. Halde in großem Umfang Flammen empor. 84 Arbeitslose» die sich in der Nähe des Grubcn- zugcS befanden, wurden von den Flämmen erfaßt. Unter gellenden Hilferufen kiesen die Unglücklichen, brennenden Fackeln gleich, ausein- audcr und bemühten sich vergeblich, sich der brennenden Kleider zu entledigen. Einige von ihnen sprangen in einen in der Nähe liegenden Grubenschacht, wodurch eS ihnen gelang, dem Flammentod zu entrinnen. Alle 34 erlitten schwere Brandwunden. Zehn von ihnen liegen bewußtlos darnieder. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücks ist eingeleitet. Eine Kobra— siebzehn Tote (London.) Einer Blättermcldung aus Bombay zufolge verursachte eine Kobra ein schweres Bootsunglück auf dem ziemlich reißenden T s ch c m b a l-Fluß unweit von Gwalier. Mitten ini Fluß stieß das Fährboot mit einem flußabwärts treibenden Strohsack zusammen. In dem Stroh befand sich eine große Kobra, die bei dem Zusammenstoß an Bord des Bootes glitt. Die Fahrgäste drängten sich erschreckt auf einer Seite des Bootes zusammen, das infolgedessen kenterte. Siebzehn Personen ertranken in den Fluten. 48.Stunden'Nonstop'Flugversuch England-Indien (London.)(Reuter.) Die britischen Meger Cobham und H e l m» r e starteten Samstag mit ihrer Maschine um 6.32 Uhl: morgens in Portsmouth zu einem Bersuchsflug nach Indien Sie wollen diesen Nonstopflug in 48 Stunden absolvieren. Bolle zwei Jahre bereiteten sich Cobham und Helmore für diesen Flug vor und unternahmen zahlreiche Versuche. Sie fliegen auf einem gewöhnlichen Sechssitzer, dessen Durch- schnittsgeschwindigkeit' 165 Stundenmeilen beträgt.‘ Die Bc n z i un ach f ü l I u n g erfolgt i n d e r L u f t. Um mit der schweren Maschine möglichst glatt starten zu können, haben die beiden Flieger verhältnismäßig wenig Betriebsstoff mitgenommen. Ettva 30 Kilometer von Portsmouth entfernt wurde daher zum erstenmalc Brennstoff von einem andere» Flugzeuge in der Luft übernommen. Die nächste Brennstofsüber- uahme wird bei M/i l t a vor sich gehen. Reis wandert um die Welt. In einem Prager Wirtschaftsblätt konnte man jüngst einen Artikel lesen, in dem folgende Geschichte stand. Als im Vorjahre die Weltweizenernte gewaltige Ueberschüsse auswies und unverkäufliche Vorräte von tausenden Tonnen vorhanden waren, sanken die Preise des Weizens derart, daß die Möglichkeit entstand, Weizen auch in Asien, nämlich in jenen Ländern, wo sonst ReiS daS Volksuahrungsmittel ist, abzusetzen. Tatsächlich verständlich, daß neben Tonnen unverkaufter Nahrungsinittel Menschen Hungers sterben. Man sieht es sonst als einen Beweis für die Anarchie des Kapitalismus an, daß Lebensmittel in Hülle und Fülle vorhanden sind, dieweil Millionen darben, aber hier k ö n n t e eS scheinen, daß trotz der kapitalistischen Warenwirtschaft alles schließ- lich in Ordnung gebracht und der ReiS nach der Irrfahrt eines Jahres doch verkauft wurde. Aber das ist eben nur der Schein. In einer planmäßig geleiteten Wirtschaft würde man'erstens zunächst allen Menschen die Nahrung sicher»; und blieb dann noch etwas übrig, würde man in Jahren guter Ernte Vorräte anlegen für die Jahre, in denen eine schlechte Ernte die Ernährung der Bevölkerung und damit deren Leben gefährdet. Eine Reise um die Welt kann der ReiS nur in einer Gesellschaft machen, in der nicht die Versorgung der Menschen, sondern daS Kapital der Reisverkäufer die Hauptrolle spielt und in welcher der Gewinn der Reishändler wichtiger ist als der Hunger von Männern, Frauen und Kindern. Hauptmann, der der Entführung des Lind- bergh-Kindes Beschuldigte, erklärte, er sei im Weltkrieg Artillerist gewesen, und wäre am.Fuße verwundet worden. Rach Amerika sei er vor-13 Jahren gekommen, wo er jedoch aufgegriffen und wieder nach Deutschland geschickt wurde. Auch sein zweiter Versuch, geheim nach Amerika zu gelangen, mißglückte. Erst als er mit einem falschen Paß nach Amerika fuhr, gelang eS ihm, hier zu bleiben. lieber die Entführung des Lindbergh-Ä indes erklärte er, daß er nicht selbst beteiligt gewesen sei, daß er es aber noch nicht wage, weitere Einzelheiten bekanntzugcbcn. Der Polizeichef des Staate» New Jersey, Oberst Schlvarzkopf, erklärte, daß Hauptmann als Zimmermann in jener Werkstatt beschäftigt gewesen sei, aus der die bei der Entführung benützte Leiter entwendet wurde. Die Staatsprüfungen für da» Lehramt der Mnfik und des Gesanges an Lehrerbildungsanstalten und für das Lehramt des Gesanges an Mittelschulen finden am 17. und 18. Dezember l. I. statt. Anmeldungen stick bis zum 15. Oktober an die Kommission Prag II.. Bladiflavovä 23, zu richten. Vom Rundfunk Empfehlernmeetea m km Programmen, Montag Prag, Sender L.: 10.05; Deuttche Nachrichten. 10.15: Schulfunk. 12.80: Konzert des Salonorche» sters. 13.80: ArbestSmarkt. 17.55: Schallplatte». 18.20: Deutsche Sendung: Prof. Metzner: Neue Wege der Erziehung. 18.40: Dr. Pflegshörl: Vorschau auf daS Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender. 18.55: Deutsche Presse. 10.50: Zitherkonzert. 21.85: Duo» für Violine und Violoncello. 22.15: Tanzmusik. 22.45: Deutsche Nachrichten: Dr. Kraus: Epilog zum Philosophenkongreß in Prag. — Sender S.: Salonquartett. 15: Deutsche Sendung: Musikalische Novellen.—■ Brünn: 17.55: Deusiche Sendung: Prof. Kreisler: Aus eigene» Werken.— Mährifch-Ostranr 18.20: Deutsche Arbeitersendung: Drapala: Wie sie reich und btrühnit wurden. 19.10: Tanzmusik.— Preß» dnrg: 19,10: Jazzorchester. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. 11.05: Deutscher Schulfunk. 12.10: Schallplatte«. 13.40: Stimmungskompositionen auf Schallplatte». 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Husch: Wirtschaftsrelief. 18.80: Dichterstunde. 18.55: Deutsche Presse. — Sender S.: 14.10: Schallplatten. 14.25: Deutsche Sendung: Herbstausflüge von Prag aus auf 2, 8 und 4 Pneus. 14.40: Opern-Arien. 15: Deutsche Presse.— Brünn: 15.15: Orchesterkonzert. 17.55: Saxophonsolo. 18.20: Deutsche Sendung: Soziale Informationen. 18.25: Deutsche Arbeitersendung: Magister Schutz: Im Faltboot am Povrad.— Prehöurg: 12.80: Orchefterkonzert. — Kaschau; 15.15: Orchesterkonzert.. HesttS.. Mrs» Elly Beinhorn als»Botschafterin" Hitlers In Mexiko heftig abgelehnt! (Mexiko City.) Die deutsche Fliegerin Elly Beinhorn erschien im Hause des deutschen Gesandten Rütt von Collenberg-Bödigheim, um sich an einem Empfang zu beteiligen. Bei dieser Gelegenheit versuchten linksgerichtete Personen, in daö HauS des deutschen Gesandten einzudringen, um gegen die deutsche Fliegerin zu demonstrieren. Sie wurden jedoch von der alarmierten Polizei an ihrem Vorhaben gehindert. Die Demonstranten verteiltem in der ganzen Stadt Flugblätter, in denen sic die Bevölkerung von Mexiko-City die Beinhorn als Agentin des Nationalsozialismus und „Botschafterin" des deutschen FasciSmus bezeichneten. Der deutsche Gesandte hat beim mexikanischen Außcnamt wegen dieser Vorfälle P r o- t e st eingelegt. Radium künstlich herstellbar? Sine Erfindung der Tochter Madame Lurie» (London.) Ein« sensationelle Meldung bringt heute„News Chronicle": Die langgesuchte Formel für die Erzeugung künstlichen RadiumS sei von dem bekaimten englischen Wissenschaftlerehepaar I o l i o t nach lebenslänglichen Forschungen nunmehr einwandfrei gefunden. Diese aufsehenerregend« Entdeckung, die anfangs nächsten MonateS auf einer großen Konferenz von 600 hervorragend«!» Gelehrt«» auö der ganzen Welt ii» London und Cambridge verkündet werden soll, bedeute eine neue großartige Aera imKriegegegenden KrebS. Taufende und aber Taufende von Opfern würden so in der Lage sein, Radium in nötigen Meng«« und äußerst billig zur Heilung erhalt«». Missis Joliot ist eine Tochter der verstorbenen weltberühmt«» Frau Curie-PariS. Aufstand in Turkestan? (London.) Der Korrespondent der„Times" meldet aus Simla, daß nach Berichten afghanischer Flüchtlinge in einer der vier Provinzen von Sowjct-Turkestan, genannt Kazakstan, ein Aufstand auSgebrochen ist. Er wurde durch Artil- lcriefeuer unterdrückt, wobei viele Häuser zerstört wurden. Eine ungewöhnlich große Zahl von Personen wurde verhaftet. Münfzig Polarfahrle« r'w- tiHti russische««apitän* (Leningrad.) Das Schiff des wissenschaftlichen Instituts für Polarforschungcn„P e r s e a" hat unter der Leitung des Kapitäns B i l d j a- j c iv seine fünfzigste Polarfahrt beendet. Während ihrer letzten Fahrten erforschte die Expedition die meteorologischen Verhältnisse in den EiS- regionen. Sie unternahm zu wissenschaftlichen Zwecken Fahrten nördlich von Spitzbergen, nördlich boil Grönland und in den nördlichen Teilen des Barents-Meeres. Insgesamt legte die„Pcr- sca" in, den Polargcwässcrn 60.000 Meilen zurück. Das Mysterium des Todes des vdergerichtsrates Prince Eine der H a u p t z e u g i n n e n, die im Polizeirapport von einem Freitode des Prince gesprochen hatte, eine ehemalige Freundin der Familie, Frau Nollin, Gattin eines Pariser Rechtsanwaltes, wurde* von dem Untersuchungsrichter zwecks Konfrontierung mit den Familienmitgliedern Princes zitiert, doch stellte sich die Zeugin vor Gericht nicht ein und ihr Gatte, der Advokat JUDr. Nolliii, übersandte an Frau Prince ein Schreiben, in dem er erklärt, seine Ehefrau hätte diese ihre erste Aussage unter der Einwirkung einer Suggestion abgegeben und daß sie sich sicherlich in ihrer diesbezüglichen Anschauung irre. Frau Nollin selbst beharrt jedoch durch Bekanntgabe in den Zeitungen auf ihrer ersten Aussage; ihre Behauptungen stehen im Widerspruch mit den Ausführungen ihres Ehegatten. Sie erklärt, sie hätte von Verwandten des LbcrgerichtsrateS gehört, wie diese unter dem ersten Eindrücke des Todes PrinceS von einem Freitode sprachen. Die Verteidiger der Familie PrinceS werden umfangreiche Dementis. dieses Polizeirapportes int Wege der Presse der Oeffent- lichkeit bekanntgeben. Unweit von Barcelona verhaftete die spanische Polizei Freitag abends einen bereits längere Zeit hindurch gesuchten jungen Mann, der des Mordes an dem Pariser Stadtrat Oskar D Uf r e n n verdächtigt wird. Der Verhaftete, der bisher leugnet, wird demnächst der französischen Polizei ausgeliefert werden. 700 Arbeiter durch Brand arbeitslos. In der Nacht zum Freitag entstand, in der Papier- und Pappe-Fabrik Mühlheim bei Riga Feuer, das die gesamte Fabrik trotz energischen Eingreifens sämtlicher Feuerwehren Rigas, auch der Hafenfeuerwehr, vernichtete. Der Brand, der erst am Freitag vormittags endgültig abgelöscht wer« Sonntag, 23. September 1034 Blick auf Osaka, über das der Taifun hinwegging Eine furchtbare Taifun-Katastrophe hat jetzt Japan heimgesucht, die schwerste Folgen nach sich zog und viele Hunderte Todesopfer forderte. Un»er Bild zeigt das Industrieviertel der besonders betroffenen Stadt Osaka, die von vielen Kanälen durchzogen ist.. den konnte, hat nach den ersten Schätzungen einen Schaden von annähernd über 100 Millionen ICC verursacht. Man vermutet Brandstiftung. Ueber 700 Arbeiter sind durch den Brand brotlos geworden. Die Skandakaffäre des verhafteten Polizei- insPektorS Mariani, der an der Spitze einer Bande von Betrügern und Schmugglern ii» L i l l e stand, erregte in der ganzen Stadt großes Aufsehen. Der Polizeiinspcltor, der aus Korsika stammt, hatte»zu Komplizen seine ebenfalls aus Korsika stammenden Bcrtvandten und Landsleute', die für ihn Betrügereien aller Art begingen. Der Inspektor geriet in die Falle, die ihm sein Vorgesetzter gestellt hatte, und wurde mit seinen fiinf Genossen verhaftet. Man behauptet, daß es sich um eine sehr ausgedehnte Affäre handelt und daß noch viele Personen soivohl in Nordfrankreich, namentlich im belgischen Grenzgebiete, als auch in Paris werden verhaftet werden. ., Flugzeugunglück in England. Das Flugzeug, dgS die, englischen Jndi«iflieger Cobhan.und Hel- More in der Nähe von Portsmouth' mit Brennstoff versorgt hat, ist auf dem Rückflug zwischen Aston» Clinton und AyleSbur»; Bocks abgestürzt und in Flammen aufgegangen. Die verkohlt-.n Leichen des Fliegers und der drei Mechaniker, die die Brcnnstoffversorgung der Jndicnflicger durchgeführt hatten, wurde»» aus den Trümmern geborgen. WeltkrirgSgrimate— fünf Tote. In einem kleinen italienischen Dorf im Ärappa-Tal nordwestlich von Treviso, fanden junge Leute in einem Dickicht eine offenbar aus der Kricgszeit stammende 21 Zentimeter-Granate. Gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern versuchten sie, das Geschoß zu öffnen. Dabei ging es unter furchtbarem Krach in die Luft. Die Umstehenden wurden zu Boden geschleudert. Fiinf Personci« wur- den durch Splitter gräßlich zugerichtet unv sanden den Tod. Fritz Thyssen besucht die Welt. Fritz ThYs- s e n hat eine große Auslandsreise angetrcten, die ihn nach Südamerika führen soll. Es verlautet, daß er erst im nächstei» Jahr zurückkehrcn will. Im Zusainmcnhaug damit, daß sich Herr Thyssen in letzter Zeit von der Nationalsozialistischen Partei mehr und mehr distanziert hat, nachdem ihm deren Wirtschaftskurs mißfiel, erscheint diese große „Fahrt" außerordentlich verdächtig. Ursprünglich einer der aktivsten Wegbereiter Hitlers im industriellen Lager und späterhin der engste Wirtschaftsberater des„Führers", ist er seit dem Frühjahr in wachsende Opposition zur NSDAP geraten. Nach den Vorgängen am 30. Juni ver lautete auch, Thyssen sei nur mit knapper Not dem Schicksal Röhms und Schleichers entronnen. Aus Kreisen-dev-.Ruhrindustrie soll Thyssest jetzt den Rat bekomme»« Haben, auf längere Zeit aus Deutschland, wo ihn» noch unangenehme Ueber» raschungen blühen können,' zu verschwinden. Die südamerikanische Röisc bildet also offenbar nur einen Vorwand, um cS Herrn Fritz Thyssen zu ermöglichen, sich ins sichere Ausland zu begeben. Chauffeur verunglückt. Der 20jährige Chauffeur Anton C h r p a a»»S Prag, der mit einem Lastauto von Brünn nach Jglau fuhr, wollte auf dem Wege nachschauen, wieviel Wasser er noch im Kühler habe. Beim Oesfnen dcS Kühlers strömte Dampf aus, wodurch Chrpa im Gesicht Brandwunden ersten und zlveiien Grades erlitt. Er wurde in ernstem Zustand ins Jglancr Krankenhaus gebracht. Offener Brief. Rn den Hem Minister Ing. Dostilek I Sie behaupteten in Ihrer Zeitschrift im Artikel„Bata A. G. unter der Steuerlupe", daß unsere Werke weniger Steuern zahlen als die Schuhmacher; Wir haben bewiesen, daß dies nicht wahr ist. Sie behaupten, daß in der Republik» kein Schuster existiert, dem das Steueramt nut KC S— als Steuergrundlage vorgeschrieben hat. Wir haben bewiesen, daß Uber 10.000 solche Schuhmacher existieren. ' Sie behaupten, daß es in der Republik 70.000 Schuhmacher gibt Wir haben bewiesen, daß es 30.682 sind. Diese und ähnliche Unwahrheiten hat Ihre Zeitschrift während der ganzen vorigen Woche, veröffentlicht Am Freitag hat sie aber auf das gröbste nicht nur unsere Firma beleidigt, sondern auch jeden einzelnen der 6 Millionen Menschen, die den Protest gegen die Auflassung der Reparaturwerkstätten unterschrieben haben. Sie behaupten, daß diese Unterschriften ein„Häuflein Karten" sind, daß sie„erzwungen wurden" usw. Versuchen Sie, das Vertrauen von 6,000.000 Menschen zu gewinnen. Wir sind stolz darauf, daß es unser Dienst an der Oeffentlichkeit, der Kundschaft und den Mitarbeitern war, die aus so vielen Millionen Menschen Freunde unserer Arbeit machte, daß in zehn Tagen 6 Millionen Bürger im Kampfe um die Erhaltung der Reparaturwerkstätten stehen. Mit dem größten Vergnügen legen wir Ihnen die Unterschriftbögen zur genauen Revision vor. Teilen Sie uns freundlichst mit, wann und wo Sie sie zu revidieren wünschen. 2707 Jan A. Bafa. FkugpostbefSrderunft nach Südamerika durch „Graf Zeppelin". Als Neuheit führt die tschechoflo- wakische Postverwaltung die Befördenmg von Postsendungen nach Brasilien, Argentinien, Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay mittels Flugdienstes des Luftschiffes„Graf Zeppelin" ein. Die Pakete, die zur Beförderung durch diesen Dienst bestimmt sind, müssen mit dem auffälligen Vermerk„Par le dirigeabie„Graf Zeppelin" bezeichnet sein. Vom Postamte Nr. 7(Masarykbahnhof) werden die Sendungen, um die es sich handelt, immer einen Tag vor dem Start des Luftschiffes, d. i. am 28. September, am 12. und 26. Oktober nach Berlin getandt. Vom Prager Rundfunk Die Berichtswoche wurde am Samstag eingeleitet durch die von Olga Koch mit ganz außergewöhnlich schöner Stimme und edelster GesaugS- kultur vorgetragenen Lieder von Schubert, Schumann, Brahms, Burgstaller usw., die dem Motto „Im Grünen" untergestellt waren. In der Abendsendung erinnerte Fr. Schneider die Rundfunkhörer an die Einweihung der Elbequelle im September des Jahres 1684. Damals bemühte sich der Bischof von Königgrätz höchstpersönlich bis auf die Kammhöhe des Riesengebirges, um mit seinen Segenssprüchen die bösen Geister aus dem kleinen Wässerchen zu vertreiben, das in seiner kristallklaren Unschuld gewiß nicht ahnte, daß es vom Bösen besessen war. Ob bei dem ExoreiSnius etwas übersehen worden war? Jedenfalls veranlaßte irgendeine Not- Wendigkeit nach 200 Jahren den Riesengebirgsverein, die Weihe wiederholen zu lassen; und heute— nach wiederum SV Jahren— muß man den hartnäckigen Unholden in 1400 Metern GebirgShöhe schon wieder mit Weihe und Messe zu Leibe rücken. Nach dieser Einkehr in ein Vergangenheit und Gegenwart verbindendes Mythos hörte man ein auserlesenes Klavierkonzert. Der heimische Virtuos«, Prof. Langer,, spielte ein Praeludium von Fidelio Finke und LisztS Polonaise in E-dur, wie immer meisterhaft gestaltend mit der souveränen Ueberlegenheit des wahren Künstlers.— Anschließend hielt Prof. Dr. K l e i n b e r g in seinem Vortrage „Formen der Geschichtsschreibung" kritisches Gericht über den Hiswriker Treischke, dessen 100. Geburtstag Anlaß gibt, sich mit dem Vorkämpfer für di« Totalität deS Staates auSeinanderzusetzen. Die fünf Bände deutscher Geschichte bewahren das Werk dieses mit glühendem Atem und bezwingender Kraft kämpfenden Agitators, der Hohn und Verachtung schleuderte gegen jeden Parlamentarismus und gegen jede Konstitution, der leidenschaftlich zum Antisemitismus aufrief und einer der hinreißendsten Lobpreiset der rohen kriegerisdien Gewalt war. Sein Werk war ebenso heroische' Dichtung wie haßerfülltes Pamphlet; es trug' wesentlich bei zur Äerpreußung der deutschen Seele, und ist mitschuldig am Unheil des deutschen Volkes.— Für die sonntägige Unterhaltung bracht« Liblitz einen von Fuchs und Wolf verfaßten Schwank „I st M r. B r o w m zu verurteilen?" Mag jeder Hörer sein ungestörtes Vergnügen daran haben, zu finden, ob sick» Mr. Brown richtig verhält I Die Wiedergabe unter SordanS Spielleitung(Mitwirkende: Padlesak, Demel, Schell, Dudek, Lewitt, Fuchs, Molnar»». a. vom Deutsche»» Theater Prag) bereitete jedenfalls eine von Spatz zu Spannung wechselnde, sehr nnterhaltsckme Halbstünde. Ein von zwei Redakteuren bestrittenes Zwiegespräch erteilte den der alma mater neuverfallenen Studenten allerlei wissenswerte Ratschläge für die ersten Atemzüge in akademischer Freiheit. Al« zuverlässige Auskunftsstelle wurde ihnen das deutsche Studentenheim in der Lützovä empfohlen. Der Verband sozialdemokratischer Hochschüler wurde— natürlich— nicht genannt. Unterstützungsbedürftige wurden an die deutsche Studentenfürsorge in der Krakovskä 16 verwiesen. Anschließend hielt Dr. Gottlieb B r u s ch a einen sehr sachlichen Vortrag über„Das freie Bereinigungsrecht und die christlichen Gewerkschaften". Er skizzierte die Entstehung und Entwicklung der Gewerkschaften, würdigte ihre Bedeutung für Wirtschaft und Kultur, betonte, daß ein christlicher Arbeiter einer sozialdemokratischen Gewerkschaft nicht angehören könne, weil sein« Weltanschauung dem entgegenstehe.'.. war aber so ehrlich, auszusprechen, daß die politische Entwicklung in Oe st erreich dem Gedanken der christlichen Gewerkschaft ebenso widerspreche wie jedem menschlichen Gerechtigkeitsgefühl, das für jede geistige Richtung voll« Freiheit verlangen müsse.— Das wirtschaftliche Relief deS Redakteurs Benda vom Dienstag verzeichnete die günstigen Auswirkungen der Devalvation, verlangte eine finanzielle Regelung der Selbstverwaltungskörper und stellte die Forderung nach einer baldigen Belebung der Inlands« konjünktur. Nachher reihte Rose Book. Prag, Mitglied deS deutschen Landestheaters in Prag, einige der berühmteste»» Koloraturarien zu einer in ungetrübten« WohUaut erstrahlende»» Perlenkette.— Kapellmeister Singer war ihr feinfühliger Begleiter auf dem Flügel; in Adams' Bravour-Barationen spielte ihr Peter Ä r ü m s e die sekundierenden Flötentöne zu. —" Der neuen Spielzeit des Prager Deutschen Theaters schickte Direktor Dr. Eger werbende Worte voraus, die' einen neue» Auftrieb in der Operetten- und Schauspielproduktion ankündigten, eine politisch völlig unbeeinflußte, tveder nach rechts noch nach links blickende Spielplangestaltung versprachen und in dem Rufe austlangen:„Abonnieren Sie, halten Sie dem deutschen Theater die Treue und erfüllen Sie dadurch eine soziale und nationale Pflicht I" In der Arbeitersendung sprach Jugendgenosse AloisPatz vom Leben unserer Arbeitslose»». Ei»« sechster Krise»»winter ante portas I Dieses Schreckenswort vervielfach: die Bedeutung der. vom Gen. Patz mitgeteilten Ele idsberichte, die sich durchaus auf statistisches Material stützen. Wenn im 5larlsbad«r Bezirke von 745 ärztlich untersuchten Schulkindern 806 schlecht ernährt, 40 Prozent blutarm sind und ein Drittel schlechte Zähne aufweist, so ist schon daraus der entsetzliche Verfall des Lebensstandards der Arbeitslosen abzuleiien. Wenn ein jugendlicher Arbeitsloser Tag für Tag von Karlsbad zu F»»ß nach Prag wandert in der Hoffnung doch einmal Beschäftigung finden zu können, so zeigt schon dieses eine Beispiel den starken Arbeitswille,« der Jugendlichen, die nach dem Verlassen der Schule oder der Lehre vor dem hoffnungslosen Nichts stehen. Ihre letzte Zuflucht ist die Straße und dort warten auf sie die verführerischen Phrasen eines unfruchtbaren Radikalismus, das Handgeld der Landsknechte, die werben für den Raubzug gege»» die Demokratie! Genosse Pah wird den Rat entgegennehmen, seiner Aussprache besonders bei den Ilinlauten«in besseres Augenmerk zuzuwenden.— In den Sozialinformationen hörte man noch eine Besprechung der Unfall- verjicherungSpflicht von Lisbeth P e s L k e. Am Donnerstag gab es rhythmische Gymnastik für Kinder, eine fröhliche Turnstunde mit Klavierbegleitung. Nachher richtete Prof. Dr. Ina. Teichmanu die Bitt« an die Lehrer, in ihrem Wirkungskreise für einen häufigeren Genuß der Milch und aller Milchspeisen zu werben. Das Ende der Berichtswoche am Freitag brachte ein Zwiegespräch zwischen Univ,» Prof. Dr. Utitz und Kunstakademieprofessor Nowak über das„Erlebnis in der Natur", ES gipfelte in der Behauptung, daß erst die Künstler u»»S gelehrt haben, die Natur zr« sehen und zu verstehen; daß sie uns zum Genuß der Natur geführt haben, daß also, im Paradoxon gesprochen, die„Natur die Werke der Kunst nachahme."— In den aktuellen zehn Minuten besprach Redakteur Gen. K r e j i i die wichtigsten politischen Ereignisse der letzten Tage. Ernst T h ö n e r. «eite• Stfnnfng, 23. September 1934.. Nr. AS WWMWWM LMMVWW Geheime Schwurgerichtsverhandlung — vertagt (Prag.) Bor dem Schwurgericht stand Samstag wiederum ein Sittlichkeilsverbrecher. In geheimer Verhandlung war der 46jährige Landwirt Josef Bleek angcktagt, die 13jährige Tochter seines Nachbars mehrfach geschlechtlich mißbraucht zu haben. Zur Urteilsfällnng kam es indessen nicht, da die Ber- dandluug zur Ergänzung des Bewcisverfahrens vertagt werden mußte. »Der Müller und sein Kind" und der verliebte Altgeselle. «Prag.) Dieser Fall riecht ein wenig nach Leihbücherei-Romantik. Tie Hauptperson ist ein Müllcrgescll namens Jenik(HänSchen), der ais Altgeselle in einer Mühle iin Böbmisch-Broder Bezirk diente. Dann ist ein MiiUertöchterlein da mit dem herzigen Namen B o Z e n k a, deren„himmelblaue Augen" das Herz des Gesellen in klammen setzten und endlich ein polternder Pater, der die Liebe Jcniks nicht gern sah und unter dessen, gediegenen Grobheiten das Herz des Liebhabers sukzessive in Stücke ging. Schließlich erklärte Fenik seiner Bo.jenka, er habe sich Gift besorgt und gedenke seinem verfehlten Leben und seiner unglücklichen Liebe mit einem Schlage ein Ende zu machen. Dieses romantische Ende blieb crfreulicherlveise ans. Dafür kam Jcnik einige ßeit später niit einem sehr prosaischen Brechdurchfall ins Spital. Nnd wieder um einiges später erschien der Müllergesell auf der Gendarmcriestation und erstattete Anzeige wegen eine- llebcrfalles durch zwei unbekannte Männer. Bei Schilderung dieser Sache, die nicht hierher gehört, liest er aber nebenbei auch durchblicken, daß er den Verdacht hege, der feindselige Müllervater und seine mißgünstige Sippschaft hätten ihm heimlich Gift ein gegeben, um sich ihn, den unwillkommenen Freier, vom Halse zu schassen. Das Geschwätz von dein angeblich beabsichtigten Selbstmord war Privatsache des Angeklagten gewesen, vermutlich bestimmt, sich in den Augen der Geliebten mit einem roniantischen Nimbus zu umgeben. Tas Geschlvätz von dem angeblich versuchten Gift- mord durch den Müllervater aber fällt unter den Paragraphen 200 St.-G.. da solche Beschuldigungen das Verbrechen der fälschlichen Bezichtigung bedeuten. Denn natürlich mar die Verdächtigung völlig aus der Lust gegriffen. So fand die zarte Herzensangelegenheit Samstag ein gerichtliches Nachspiel vor dem Senat des OGR. Dr. Kryötufek. Wenn nicht alles trügt, steuert die Sache einem hapvu end entgegen. Jedenfalls befleißigten sich die Zeugen dem angeklagten Fenik gegenüber in ihren Aussagen beträchtlicher Zurückhaltung und Schonung. Auf der anderen Seite beteuerte Jenik, er habe den „Herrn Vater" in keiner Weise verdächtigen wollen und die ganze Affäre beruhe auf einem Mihverständ- niS. Ter Angeklagte wurde schliehlich wegen Mangels an Beweisen freigesp rochen und wird sich vielleicht in Bälde des Besitzes seiner BoZenka erfreuen können, u. zw. mit väterlichem Segen nnd Einverständnis. rb.■- Kunst and wissen Musik in Farben und Formen Die Versuche, Musik in Farben auszudrücken, sind»ich» mehr neu. Erst vor lvenigen Jahre» war in Prag Gelegenheit, das Farbenklavier eines russischen Ingenieurs kennenzulernen. Bekannt ist auch, dast viele Musiker bei bestimmten Tonarten bestimmte Farbencmpfindungen haben. Sie sehe» z. B. C-Dur als weist(die Sonne, das Licht), E-Tur als rot(Feuer), A-Dur als grün(der Frühling) usw. Die Ausstellung„M n s i k in Farben und Formen", die der Prager Architekt Jng. Ho Sek gegenwärtig im. Kunstsalon Topii veranstaltet und die Frei» tag nachmittags eröffnet wurde, lehrt, dast» dieser Künstler der Farbe und Form noch einen bedeutenden Schritt weitergegangen ist in der FarbemniS- deutung der Musik. Unter„Musik- in Farben und Formen" versteht er im engertn Sinne des Wortes eine Kunst, die ans den wechselseitigen Beziehungen der einzelne» Gedanken und ihrer Begriffe.entspringt. Diese neue Kunst ist weder.eine absolute Musik, noch eine dichterische Kunst, noch Malerei, noch Bildhauerei, noch Architektur. Wollte-man in diese Kunst den Tanz, die Schauspielkunst und den Film einreihen, so würde sie zu keiner gehören, ist aber doch in allen enthalten. Praktisch- geht Arch. Hosck etwa so z» Werke bei. seiner Kunst, dast er die Eindrücke der Musik in bestimmte Farben und Formen umlvandelt. Er geht hiebei streng systematisch vor, da er für die Technik seiner Kunst: eine bestimmte Farben- nnd Formenskala verwendet, die bewuht nach Tonschritten.(Intervallen) und Klängeindrücken(Tonarten) geordnet ist; erstehen entsprechen die verschiedenen Figuren und Formen, letzteren die abgestuften Farben. Seine Darstellungstechnik ist aber keineswegs einfach, sondern sehr kunstreich, da sie sich nicht-mit primitiven Farben- und Formendarstellungen der Musik begnügt, sondern ganze Tonstücke bildlich zur Darstellung bringt,, wobei die Gesetzmäßigkeit etwa des mnsikalischen Aufbaues des Tonstückes zur Geltung kommt. Die.80 Bilder umfassende Ausstellung gibt einen, anschaulichen Begriff von der bildlichen Mnsikauffassnng des Ausstellers. Sie enthält ebenso die bildliche JütZr« pretaiion von mnsikalischen Tanzstücken wie von ernsten Tonstücken, von Werken Smetanas, Dvokäks, Bachs, Beethovens, Glucks, Chopins, Offenbachs, Turas, Rossinis, von modernen Vierteltonstücken, einzelnen Akkorden usw. Am überzeugendsten wirken ettva die Bilder Glücklicher Ballettmusik, weil in ihnen die klassische Einfachheit und Schlichtheit der Musik in Farben und Formen richtig zum Ausdruck kommt. Auch Volkslieder find in ihrer Schlichtheit und musikalischen Regelmästigkeit zu erkennen. Recht anschaulich lästt sich auch ein Bild„Ein HauStier- orchester früh auf dem Hofe" an, weil hier die primitiven Musiklautcn der Tiere(Hühncrvoll,' Enten, Gänse, Kuh, Rabe usw.) bildlich verständlich sind. Ob HosekS„Kunst der Musik in Farben und- Formen" eine Zukunft bestimmt ist, must eben die Zukunft lehren. Vorläufig wird sie. auch der gebildete Musiker und Maler nicht bewustt im Sinne deS vom Künstler Beabsichtigten verstehen. Dieser Verstehen ist natürlich um so schwerer, als diese neue"Kunst der Musik in Farben und Formen nur auf der sub- jektiven Auffassung des die Musik interpretierenden darstellenden Künstlers beruht. Für die Jnszenie- rungs- und Dekorationskunst, sowie für de» auf die Phantasie berechneten Film hat sie als hochstehende Kunst der Ornamentik vielleicht besondere Bedeutung. Den lehrreichen einführenden- B o r t r a g hei der Eröfsiniyg der Ausstellung hielt der bekannte tschechische Bierteltonkomponyt Professor Alois Häbä.. C. I. ArbeiterSorstellunsru ab SV. September. Preise ermäßigt, und zwar Mitgliedsabonnenten 124+8; Mitglieder ohne Abonnement 13—8, Angehörige von Mitgliedern, Gewerkschaften(nur bei Vorverkauf im Verein) 14—4, Nichtmitglieder im Vorverkauf bei Deutsch IS-—4 Kd.— Erste Arbeitervor- stellung„D e r V ogelhändler", Operette, Sonntag, 80. September, zwei Uhr(ausnahmsweise). Karlen von 8 bi- 2 und 4 bi». 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Musikfest 193S in Karlsbad. Samstag fand in Karlsbad die erste Sitzung des vorbereitenden Komitees sür die Durchführung des Musikfestes der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik 1085 in Karlsbad statt. Dir Sitzung wurde vom Vizebürgermeister der Stadtgemeinde Karlsbad Ulbert geleitet. Es nahmen weiter teil: Professor Dent(Cambridge) als Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik, Sekretär Jindra vom Ministerium des Aeußeren in Prag, Ministerialrat Prof. Leo Kestenberg, Pros Ernst«Steinhardt, Prof. Alois Haba, Generalmusikdirektor Manzeru. a. Grundsätzlich wurde beschlof- seu das- internationale Musikfest in der Zeit vom 2. bis 6. September 1035 abzuhalten. Eine Anregung. anläßlich des' internationalen Musikfeste» eine M u sikinstrument e n- A u s st el lu r g in. Karlsbad zu veranstalten, wurde begrübt. Im Zusammenhänge mit dem Musikfest der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik findet in Präg in der.ersten Septemberhälfte 1088 der'e r st e in t e r.n a t i o n al e K o n g r e tz f ü r Musik« erzieh»»«.statt, den die GesellschaftDr Musikerziehung, dyren Vorsitzender Minister Dr. Kamill K r o f t a ist, veranstaltet. Wochrnspirlplan des Men« Deutschen Theater». Sonntag Halb 8.Uhr: D o n T a r l o s, A2. — Montag 7*£: Zig tun er ba r o n. Volkstümlich« Vorstellung. Abonnement aufgehoben.— Dienstag 7%:© chloßW e t t e r st e i n. Werbevorstellung der Serie A 1..— Mittwoch 7%: O t h e l I o. Werbevorftellung der Serie B 2.— Donnerstag 7^: Man o n, neuinszeniert. Ersatzvorstellung vom 18. September. Werbevorftellung der Serie A 2.— Freltig 7%: Don T a r l o S, Werbevorstellung der«Serie D 2.— Samstag 7%: A d m i r a l B o bby. Erstaufführung, A 2. ... Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 8: R ä.r chenim Grandhotel.— Montag: geschlossen.— Dienstag 8: Märchen i m Grandhotel.— Mittwoch 8: B u n b u r y, Bankbeamte und freier Verkauf.— Donnerstag 714: S.e. nsationsprozest, Erstaufführung.— Freitag.8: M 8 rche.nim Grand hot e l.— Samstag 814: Märchen im G r a n d h o t«l. Dtr Film■■ Die Preisträger non Venedig Bei der internationalen Filmschau in Venedig wurde-der englische. Film»Der Mann von Aran"(Regie: F l a h e r t y) als bester Film preisgekrönt.. Als beste Filmschauspieler wurden. die Amerikaner Wallace Beery und Katherine H e p- b u r n prämiiert. Den Regie-Preis erhielten gemeinsam die tschechischen Regisseure Gustav Machaty(für»Ekstase"), Josef Rovensty (für»Der Flust"): und Karel- P l i c ka(für»Die Erde singt"). Den Manuskript-Preis erhiglt der Wiener Film»Maskerade".— So sehr es gegen die. Preisrichter spricht, dast sie die russische Film- Produktion ohne Anerkennung gelassen haben, so bemerkenswert ist e», dast sie weder einen italienischen noch einen hitlerdeubschen Film für preiswürdig erkannt- haben. !psrl- Mel»Mnwrjflcgc GPMktienBevtzAstnnßen in Orftrrrrich -* wÄKl'MinwrinhieveitW Hans G a st g e b, Sekretär des Askö, und Karl L e ch n e r. der Leiter deß internationalen Fußball» ausschusset der-SASJ, sowie'der Raturfreunde- FuNktionär Genosie.Lufthag^n von..der»Liebe- deinen-Nächsten"-Diktatur verhaftet worden. Begründet, wird, diese Verhaftung der drei Genossen mit der Fortsetzung einer verbotenen O r g a n i s a i i o n.- Gleichzeitig haben die frommen Herrschaften eine Schreibmaschine mitgeben lassen, die der SASJ gehört und sich bei Gastgeb in Aufbewahrung befand. BK. Kroiehlavy, der bekannt« tschechische Fust- balltlub,'.befindet stch in finanziellen S ch w i e ri gleiten.' Der Klub, welcher im vergangenen Jähre seinen 25jährigen Bestand feierte, lvird wahrscheinlich liquidiert werden.. Durch die letzten Mißerfolge sowie vorhergehende Spielerverluste(Aufkäufe) verlor Krokehlavy sehr an Ansehen und auch an Anhängern.- Venoffin Paula WaMsch die Gattin des»an den österreichischen faseifti- schen Henkern ermordeten Koloman Wallisch, der es gelungen ist, ihren Kerkermeistern zu entfliehen, hält sich vorübergehend in Prag auf. Grnosfln Wallisch hat sich bereit erklärt, uns über ihre Erlrbniffe zu berichten. Zu diesem Zwecke veranstalten wir gemeinsam mit unseren tschechischen Grnosflnnen am Montag, de« 2 4. September, nm halt 8 Uhr abends im Saale des Drujftevni dum-DTJ in Zijjkov, Kaplitovä(Straßenbahnlinien v und 21) eine MitgNederversammlnns zu der wir unsere Genossinnen und auch di» Parteigenoffen herzlichst einladen. Die Fraurnorganisation. Bei Hämorrhoidalleiden, Verstopfung, Darn»- rissen, Abszessen, Harndrang, Stauungsleber, Kreuzschmerzen. Brustbcklommcnheit, Herzpochen,' Schwindelanfällen bringt der Gebrauch des alterprobten „Franz-J»sef"-BitterloasserS immer angenehme Erleichterung. Acrztlich bestens empfohlen. MIttelhingen der„Urania" „Kampf um die Mandschurei". Groste Aktualität. Einzige Vorfiihrung Montag halb 0 Uhr. Kolisch-Quartett: Programm: Haydn B-Dur, Schubert A-Moll, Schönberg D-Moll.„Ein tech, Nisch und geistig in sich geschlossene» Ensemble". Karten: Nrania-Kassa, Andre, Wetzler. Donnerstag, den 27. September. M»s«rPk-Bslk»hschfch«le Professor L. Kestenberg, Ministerialrat a. D., beginnt seinen Zyklus:„Beethoven und wir", acht Abende. Zhkluskarten 85 Kö. Nichtmitglieder 40 Kt Montag, den 1. Oktober. Archivrat Dr. A. Moucha:„Der moderne Mensch im ruropäische» Schrifttum". Anschließend Aussprache nnd Buchbcratung. Beginn: Mitte Oktober. Nniv.-Doz. Dr. I. Körner:„Deutsches Schrift, tum von heute". Beginn: Mitte Oktober. Professor Hugo Steiner-Prag:„Mit offenen Augen". Zyklus von vier Abenden: 1.„Die Kunst des Illustrierens", 2. Die Freude am schönen Buch", 8. Wanderungen eines Malers durch Spanien". 4.„Die Landschaft als künstlerisches und menschliches Erlebnis". Zyklnskarten 20 Ki, Nichtmitglieder 25 Kd. Beginn: 4. Oktober. Professor Dr. R. Messer:.Kennst du da» Land".(Wanderungen durch italienische Museen nnd italienische LebcnSränme). Venedig, Mailand, Florenz. Zehn Stunden. Zyklnskarten 20 Kä und 23 Kä.— Begin« 8. Oktober. ''Bei Inskription beider kunsthistorischer Kurse insgesamt 85 K4, 40 Kä. Htawia*ftiN« 8ain. Ein Großfilm aus den tropischen Urwälder«. 1 bis 5 Ai. Einzige Vorführung heute halt 11 Uhr.. „Heute Abend bei mir". Premiere des glänzenden Lustspiels mit Jenny Ingo, Hörbiger. Theo Lingen in den Hauptrollen. Klimentskä 4, Fernsprecher 01.023. Viriinn» sie In Inder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Hrma HEGNER A Cie., PILSEN Selchwaren der Pa.HEQNER A Cle„ PILSEN SIND DIB ALLERBESTEN I Schloß Wetterstein (Deutsches Theater.) Noch dem Austakt mit»Hedda Gabler" ist diese Aufführung von Frank Wedekinds Schauspiel aus dem Jahre in’10 als zweiter, imponierender Versuch der Prager deutschen Bühne in« Bereich des modernliterarischen psychologischen Jndividnaltheaters zu werten. Und in der Betrachtung dieses Wedekind i«n Vergleich mit jenem Ibsen tritt Ivohl auch die Parallele hervor, daß wir in dem erechnisschwercn Vicrteljahrhundcrt seit„Schloß Wetterstein" und etwa„Franziska" selbst zu Wedekind unsere Distanz erhielten; daß uns die Probleme, die da nnd wie sic aufgerollt werde», nicht im Vordergrund nnscrer Gedankenwelt zn stehen scheinen; woinit aber nur gesagt werden kanir, daß sie eben nicht im Vordergrund stehen; keinesfalls nicht mehr, vielleicht sogar wiederum n o ch n i ch t. Und so betritt man also das Wedctindsche Theater zum llntcrschicd von jenem Jbsenschen durchaus nicht tvie ein Museum. Eher wie ein Panoptikum, aber so eines, in dem i gezeigt wird, wie gewisse Menschen unserer nnd einer späteren Zeit ausschcn.„Schloß Wettcrstein" dünkt auch uns Heutigen als ein Sanatorium für unheimliche Gestalten, für Sadisten nnd Pervertierte, fiir Abenteurer des Lebens und der Liebe, für Erotomanen aller Arten, denen allen, bis auf-einen, nur und gerade die„Edel-Hure" gewachsen ist. Unheimlich ist dieses Theaier, seine Figuren sind voll psychologischer Verzerrungen", im Streben nach höchster individueller Freiheit im Ehe-, Liebes- nnd Geschlechtsleben sind sie zu Kranken geworden, deren Wort- nnd Gcdanken- ErhibitioniSmus»ns schaudern macht. Aber eS zeugt von dem Geiste Wedekinds, daß er mit dichterischer- Kraft nnd mit einem Mut, der auch 1084 noch nicht, viel seinesgleichen-haben dürste, eine Welt aufreitzt-, die wir noch lange nicht hinter uns haben. Erbauung oder Erschütterung würde man freilich auf„Schloß Wctterstein" vergeblich suchen; wohl aber findet man dort aufgetane Abgründe, in die zu schauen sich lohnt nnd vor denen sich znrückzureißen zur sittlichen, zur sozialen Pflicht zu werden scheint— so wenig auch Wedekind selber hier an soziale Gedanken, rührt. Zwar schickte der Dichter seinem„Schloß Wetterstein" die Belehrung voraus, daß es ihm darin auf seine Anschauungen über die Grundlagen der Ehe und Familie ankommt; und die Unerbittlichkeit, mit denen er seine Gesichte dramatisiert, seine Gedanken- losläßt, hat nichts von ihrer Größe, nichts an DankeS» wert verloren. Aber so sehr auch'in, einer Zeit, die vielleicht mehr noch als die Wedekinds'Grauen gebärt, ohne die volle Kraft zu seiner Analyse oder gar zu-seiner Ueberwindung zu. finden, diese öffentliche Diskussion über das Schreckliche'-im Mensche« auf den Brettern, die doch die Welt-bedeuteN sollen, solche rücksichtslose Entschleierung sozusagen des Privatmenschen als nützlich; ja notwendig erscheinen mag, so sehr verspürt man dennoch gerade heute, da die Bestialität sich, nicht so sehr in der.vornehmen" Welt und ihren Sanatorien prostituiert, sondern die Straßen mit den Schreien von öffentlicher Hand Gefolterter erfüllt, eine gewiffe"Undringlichkcit dieser Schauspiel-Wirklichkeit, in der ein Manst seine Gattin in ein Verhältnis mit einem anderen Mann hetzt; nur um ihr dann den Laufpaß zu geben, dien„Ehebrecher" im Duell umzubringcn und die Witwe zu heiraten; also ein Leben, eine Gemeinschaft aufzu- bauen auf der Gemeinsamkeit der Schuld, des Verbrechens. Freilich will Wedekind diese Geschehnisse selber, die in der zweiten Generatjqn„mit einem Lustmordversuch und. mit einer Art Unlustselbstmord enden, als nebensächlich betrachtet wissen und wir hätten uns also mehr-an-des Dichters Bedanken und Gefühle über die„Ehe als Folterkammer", über das Widerspruchsvolle im-Wesen der Frau und über jene Ehe. zu halten-'die„nicht eine Bezahlung für das Vergnügen der Frau" darstrllt, sondern die dazu be- stiumst ist, zwei Menschen durch Himmel und Hölle, über.Untiefen.und Verbrechen hintveg einander zu erhalten..-. Das alles.zwingt immer wieder zum Nachdenken und wird'in der Geisterhaftigktit des Bühnengeschehens zu einem' aufrüttelndem Erlebnis. Und darum'allein schon ist eine solche Wedekind-Ausführung att ein Ereignis zu werten. Schön daß das Prager Deutsche Theater seit langen wieder sich diesem Ereignis gewachsen fühlte, mußte al» Beweis seines regiemäßigen und darstellerischen Niveau-Anstieg» gewertet werden; daß aber dieses Gesühl nicht trog, daß vielmehr ein ganz außerordentlich starker Abend züstandekam. gibt erfreulichste Hoffnung, daß mit dem nun gewonnenen Bewußtsein der Kraft diese selbst noch weiter wachse. I ul i u S G e ll n er geht Wedekind ohne jeden Mystizismus, ohne jeden verlegenen Fluchtversuch in irgendwelche Neuromantik, fast naturalistisch an— und reüssiert. Er streicht fast keinen nennenswerten Satz; er läßt die. gedankenschweren und dennoch in ihrer Häufung oft papieren wirkenden Sentenzen hart. auf. den Hörer los und dient so der Absicht deS Dichters Wedekind, mit Recht und sicher darauf bauend; daß das Wedekind'sch« Theater trotz asledchn zu seinem Recht« kommen Muß. Ueberall vermag man an den- Einzelleistungen wie am Zusammenspielchen Geist de» Regisseurs zu erkennen und dennoch darf jeder Darsteller„ausspielen". Nicht» ist konstrnier^und. gekünstelt, alles ist, gerade im Bizarren; und Unheimlichen,-im scheinbar Unerträglichen, Ptinlichen^Unsagbaren: Wtdekind.Mehr kann man von keinem Regisseur verlange». Und so darf„Schloß Wetterstcin" als Gellners bisher vorzüglichste Regietat angesehen werden. ZurDilse kommt ihm, daß er auS dem Vollen eines reich begabten Schauspiel- EnseniblcS schöpfen darf. Bis in die kleinste Episode ist alles großartiges Theater, wie man es sich nirgends besser wünschen kann. Vor allem lenste man in Herrn LeoS i edle r einen imponierenden, eleganten, stellenweise faszinierenden Schauspieler kennen, der noch über Abgründe hinweg natürlich bleibt; übrigens ein prachtvolles und vorbildlich geschultes Sprechorgan. Frau Gerda Meller als Leonie wird mit ihrer schweren Aufgabe durch hohe darstellerische Intelligenz und durch leidenschaftliche Intensität fertig; die furchtbare Klippe der halbwahnsinnigcn Erzählung wird dieser Künstlerin nicht zum Verhängnis, sondern zum gesteigerten Beweis ernstesten Könnens und Wollens. Effie ist Dolores M o n c a s i; glaubhaft von der Schwelle bis zum Grab des Dirnentums, zunächst ztvar zu monoton und auch zu laut im Ton, späterhin immer interessanter nnanrierend und in» Gegenspiel mit Volk, der für den Tschamper alle Geistigkeit einer hemmungslosen Brutalität aufbringt, zu außerordentlicher Wirkung wachsend. Diesem— man könnte sagen: Edelschwein Tschamper läuft als abscheuliche Bestie tieffter Spielart ein Luckncr voraus, mit dem Herr Volkner neuerdings beweist, daß er eine der wertvollste»» Aquisitionen für das Ensemhle bedeutet; bombensicher jede Bewegung, jede» Wort, jeder Tonfoll, jeder Zug der MaSke; eine Ivahrschein- lich unvergeßliche Episode. Aber auch alle Übrigen, die jetzt niir panschaliter genannt werden können, wie gemeißelte Figuren: M a rl ö, T a u b,P adle s a k, S ch m« r z e n r e i ch, T c a b a u e r, Tauch«n, R i ch t e r, D e'm-e l. Nochmals:«stlerbcstcs Theater. Der Erfolg wird hoffentlich nachhaltig sein. Man wird wieder red en, diskutieren über das Theater. lind das allein ist schon sehr viel. L. G.' zu ü»b.ed in« u-n a e n: Bei ZustSluna in, Hau, oder bei Bezug durch die VEmonatlich Kä 10.-7V vierteljährig Kä 48.—. halbjährig Kd 00.—, ganzjährig Kä 102.—.- Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur'bei Einsendung der.Netourmark!en.— Die Zeltungs'rankatur wurde von der Voft. und' Tclegraphendirektion mit Erlaß Nr. 18.80Ö/VII/1080 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G?, Prag