14. Jahrgang Nr. 225 Mittwoch, 26. September 1934 ElnzBlprels 70 IMbt («Inichll.Blich S tMtor JmH ' IENTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECNOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«. Telefon sw7. Administration telefon swi. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR■ WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Italien sabotiert den Garantiepakt Uber Oesterreichs Unabhängigkeit (G r n f.) Die Verhandlungen betreffend Oesterreich und die niitteleuropäische Reorganisation sind Dienstag auf einem taten Punkte angrlangt. Die italienische Delegation hat nicht die Absicht, bei dem Schutz der Unabhängigkeit Oesterreichs durch den Völkerbund mit diesem zusammenzn arbeiten. Masaryks Gesundheitszustand gebessert (Län Y.) Der Gesundheitszustand des Prä. sidenten der Republik hat stch in den letzte» 14 Tage» wiederum gebessert» die Energie hat er- lieblich zugenammen, das Sehvermögen des lin. ken Auges regelt sich, die BewegungSfähigkeit der Finget der rechten Hand kehrt allmählich wieder. Der Umstand» daß bereit- seit vier Wochen kein« neuen Störungen entstanden find und di« vorher entstandenen Störungen sich bessern» ist«ine Quelle sür eine günstige Prognose und ein Leichen einer großen Widerstandsfähigkeit des Organismus. Die ungünstigr» Nachrichten» welche in den letzten Tagen Über den Gesundheitszustand des Präsidenten der Republik in der Oefsentlichkeit aufgetaucht sind» habe» keine Unterlage. Der Gesamtzustand ist und war immer ei» guter. L ä n y, den 28. September 1034. Dr. Ad. M a i x n e r. Prof. Dr. Josef Pe l n ä k. Eingestelltes Hochverrats verfahren (Wien» EPB.) Am Montag wurde aus der Untersuchungshaft des Landesgerichtes das Vorstandsmitglied der aufgelösten sozialdemokratischen Partei Helene P 0 dstranecky entlassen, die seinerzeit im Zusammenhang mit den Feberereignissen verhaftet worden Ivar, Die Berhaftung erfolgte wegen Hochverrates, doch wurde das Verfahren gegen sie eingestellt, bzw. auf die Anklage wegen Unterlassung dec Anzeige hochverräterischer Handlunen nach§ 61 beschränkt. 109 Lehrer entlassen DaS„Kärntner Tagblatt" veröffentlicht eine Liste jener Lehrpersonen, welche wegen politischer Verfehlungen vom Lehrdicnste unter Einstellung ihrer Bezüge enthoben wurden. Die Liste umfasst 109 Lehrkräfte der allgemeinen öffentlichen Volks- und Hauptschulen. Es sind dies meistens jüngere Leute. Unter den gemahregelten Lehrpersonen befinden sich auch vier Lehrerinnen. Vom Dritten Keich enttäuscht... (Wien.) Am Montag Hat sich bei Thiersee der österreichischen. Zollwache der aus Deutschland geflüchtet« tschechoslowakische Deserteur Franz D v 0 l ä k, angeblich in Olmütz am 17. Feber 1907 geboren, freiwillig gestellt. Dvoiäk gibt an, am 29. November 1929 vom tschechoslowakischen Infanterie-Regiment Nr. 40 geflüchtet zu sein. Nach seinem freiwilligen Eintritt in die SA sei er dem Stabe des Stabsführers Röhm zugeteilt, später aber strafweise in die österreichische Legion eingereiht und im Lager Bad Aibling unter besondere Aufsicht gestellt worden. Der Flüchtling hatiich jn SA-Uniform gemeldet. Er wurde nach Innsbruck eingeliefert, wo er vernommen wird, Afghanistan In den Völkerbund (Genf.) Dienstag morgens ging im Generalsekretariate des Völkerbundes das formelle Ansuchen Afghanist a n S um Aufnahme in den Völkerbund ein. DaS Ansuchen wurde noch am Nachmittag vom Rate geprüft. Ohne Debatte wurde beschlossen, daS Ansuchen dem politischen Ausschuss zur Prüfung zu übergeben» wie dies die vorgeschriebene Prozedur verlangt. Zeine Schweizer für die Abstlmmungspollzel (Genf.). Der schweizerische Bundesrat hat beschlossen daS, politische Departement möge dem Sekretariat des Völkerbundes mitteilen, dass die Schweiz im Interesse ihrer Bevölkerung es n i ch t für angezeigt erachten würde, dass Schweizer in di« Hilfspolizei im Saargebiet während der Zeit, in der das Plebiszit stättfinden wird, rekrutiert werden. Die Bundesregierung stützt/sich bei dieser Entschliessung in gewissem Mässe auf die-Neutralität der Schweiz. Der Genfer Korrespondent der„Times" sagt in einem Bericht, daS höchste, was man er» hoffen könne, sei, daß die Berhandlnngrn dir gün- stillsten Borbrdingnngrn für die Aussprache schaffen würden, die bei B a r t h 0« s Besuch in Rom stättfinden werde. Den Hauptgegenstand dieser Verhandlungen bildete ein von Frankreich vorgeschlagener Plan, der folgende Vorschläge macht: 1. Daß alle Oesterreich benachbarten Staate« und Mitglieder des Völkerbundes sich der- pflichten» sich in die inneren Angelegenheiten Oesterreichs nicht einzumischen; (Gen f.) In her heutigen Nachmittags- sitznn» des Bölkerbundrates w«rde«. a. dir Forderung der Schweiz nach Ersatz der Kriegsschäde«, die schweizerische Staats» hürgrr erlitten haben, einer Erörterung unterzogen. Di« Schweiz schätzt diese Schäden auf 50 Millionen Franken. Der Schweizer Vertreter Motta schilderte die Entwicklung dieser Frage und hob den Misserfolg der Schweiz bei der auf dipomatischem Wege versuchten Lösung hervor. Am Schlüsse seiner Rede sprach Motta den Wunsch aus, dass der Rat den Ständigen Gerichtshof im Haag ersuchen möge, sich über die Angelegenheit auszusprechen. Für England antwortete Lordgeheimsiegel- bewahrer Eden, der erklärte, dass die Forderungen der Schweiz an Deutschland, England, Frankreich und Italien nicht nach Art. 11 des Völkerbundpaktes behandelt werden können» weil nach diesem Artikel ernste Konflikte und keineswegs Geldforderungen zu lösen sind, die auf Ereignisse vor der Schaffung des Völkerbundes gegründet werden. Die britische Regierung stelle sich entschieden gegen die Anträge der. Die Stadt Freudenthal in Schlesien, die ihre ganze Wirtschaft auf der Textilindustrie'.aufgebaut hat und in den letzten Jahren infolge der katastrophalen Lage der Textilindustrie unter dem Rückgang der Umlagen und dem ständigen Steigen der Arbeitslosenziffer unsäglich gelitten hat, war. all die Jahre daher beispielgebend für die Arbeitslosenfürsorge in den Gemeinden und Hal auch für den kommenden Winter unter dem Einfluss der Sozialdemokraten vorgesorgt» damit"den Arbeitslosen, die ärgsten Qualen erspart bleiben. Der ArbeitSlosenfttrsorgeausschutz der Stadt hat unter der. Leitung des Genossen Fischer ei» Programm ausgearbeitet» das nicht nur bewundernswert in dieser Zeit der allgemeinen Finanznot der Gemeinden ist, sondern auch für. die Arbeitslosen eine wirksame Hilfe bedeutet, die der Erwähnung in der Oefsentlichkeit wert ist. Diese WinterhilfS- aktion umfasst: 1. Eine Lebensmittelkartenrn- bnße in der Höhe ven 30.000 liö. S. Eine Milchaktien in alle« Schalen und dem Kinbergart«, die ven Anfanq Nivrmber bis zu« Schulschluß andauert und 409 Kinder« eine Zwischenmahlzeit ven Milch und Semmel bringe« wird. Für diese Aktie« sind 35.000 AL vergesehe«. 3. 100.000 Kilvgramm Karteffelu werde« an die Arbeitslose» abgegeben. 2. daß im Falle von Angriffen gegen dir Unabhängigkeit Oesterreichs der Bölkerbundsrat unverzüglich verständigt würde; 3. daß der Bölkerbnndörat den ausdrücklichen Beschluß fassen wird, die zwei vorhergehenden Bestimmungen zu rrspektirren» und sofort dir im BölkerbundSpakte enthaltenen Sanktionen zur Geltung bringen werde. Anr DienStag fanden in Genf zahlreiche private Besprechungen über das österreichische Problem statt. So besuchte der englische Delegiert« Eden den Minister Dr. B e n e ö» der selbst wiederum mit Minister Titulesru und deig Gesandten F 0 t i L konferierte. Schweiz. Die Frage gehöre überhaupt nicht in pe« Bölkerbundsrat. Auch Minister B ä r t h 0 u erklärte für Frankreich, er halte das Ersuchen der Schweiz nicht.für berechtigt, und stellte sich sehr eut- schieden hinter die Ausführungen des englischen Delegierten Eden. Zwischen der Schweiz und Frankreich bestehe keinerlei Konflikt, demnach habe der Rat keine Ursache zu einer Lösung. Als Vertreter eines auSgeplünderte» Staates, der anderthalb Millionen seiner Kinder verloren habe und dessen Verluste in die Milliarden gehen, wundert er sich, dass jemand von Frankreich 100 Millionen Francs Ersatz verlangt. Frankreich habe mit einer grossmütigen Geste auf die Reparationen verzichtet. Als Freund des Friedens verlange es, dass niemand unpassende und gefährliche Fragen äufwerfe. Der italienische Delegierte Baron A l 0 i s i lehnte in einer kurzen Rede das Ersuchen der Schweizer Regierung ab. Nach längerer Debatte wurde zum Berichterstatter für dieses Ersuchen der Vertreter Argentiniens ernannt. Die Angelegenheit wird später verhandelt werden. 4. Eine Kohlenaklko«, durch die rund 900 Arbeitslosrnfamilien mit je 200 Kilogramm Kohle bedacht werd« und für welche di« Gemeind« 40.000 AL ausgibt.. 5. MietzinSbeihilse« an brsoudrrs notleidend« Arbeitswsmfamilien. 6. Beihilfen für die Licht strömt» st r«. 7. Eine Schuhakt i,«n, die sär 500 Ar- beitslose in Betracht kommt und die mit einer «leider- und Wäschesammlung im Stadtgebiet, verbunden ist und ebenfalls für dir Arbeitslose» durchgesührt wird. 8. Lebensmittelkarten für bedürftig««nd kinderreiche Familie« zu Weinachtrn. Der Aufwand für dieses Winterhilfswerk, der, abgesehen von einem Teil der sachlichen Leistungen», die durch Sammlungen möglich gemacht werden, weit mehr als 160.000 AL betragen dürft«, sind durch die Gemeinde längst sichergestellt Wörden,. so dass der Verwirklichung der Winter- hilfsaktion keine Hindernisse mehr im Wege stehen, Die Fürsorgearbeit der Stadt. Freudenthal widerlegt ssMagend die für viele Gemeinden so bequeme Behauptung: es sei unter den bestehenden Finanzverhältnissen nicht mehr möglich, für die Arbeitslosen Hilfe zu schaffen. Das muh ein Ansporn für unser« in den Gemeinden tätigen Genossen sein, damit überall dort, wo Menschen Not leiden, auch Hilfe geschaffen wird. vadenttcnc Kritiker „So darf es nicht weitergehen", donnert die „Deutsche Presse"- in einem Leitartikel über die staatliche Finanzgebarung des Jahres 1933 und stellt fest, dass sie„ein vernichtendes Bild der Unfähigkeit des heutigen Regimes" bietet. Wir haben also einen der üblichen Versuche vor unS, die Wirkungen der Weltwirtschaftskrise dem„Regime" anzulasten, das zu diesem Zwecke selbswerständ- lich zu einem sozialistischen gestempelt wird. Dass die Christlichsozialen daS begreiflicherweise recht ungünstige GebcrnngSergebniS des schwersten KrisenjahreS für AgitationSzwecke auszuschlachten suchen, ist an sich nicht überraschend. Wir haben eine gewissenhafte und verantioortungSbewusste Kritik von dieser Seite keineswegs erwartet. Aber die ungewöhnliche Hemmungslosigkeit der Methode, an der gemessen etwa die Besprechung des Rechnungsabschlusses in der gewiss nicht für daS Regime eingenommenen„Bohemia" geradezu ein Muster staatspolitischer Besonnenheit ist, fordert doch einige Benurlungen heraus. Die„Deutsche Presse" stellt ein paar will- kürzlich herauSgegriffene AbgangSposten zusammen, nm dann triumphierend festzustellen, dass sie in ihrer Summe nicht daS Gesamtdefizit ergeben. Da kann sie freilich pharisäisch fragen: „Wohin ist dieses ungeheure Geld gekommen?" Aber mit Verlaub: dieses ungeheure Geld ist nicht vergeudet worden, denn eS ist der Staatskasse gar nicht zugeflossen. Die Ausgaben auf dem Voranschlag betrugen 8886 Millionen, während im Budget 8634 Millionen vorgesehen waren. Da an dieser Neberschreitung die Arbeitslosenfürsorge allein mit ISO Millionen partizipiert, wogegen doch die Christlichsozialen, wenigstens vor der breiten Oefsentlichkeit, nichts einwenden können, so darf nian wobl sagen, dass kein Voranschlag deS Bürgerblocks sosorg- fältig ein gehalten wurde Ivie dieser. Die Wahrheit ist eben, dass von einer verschwenderischen Ausgabenwirtschaft nicht im Entferntesten die Rede sein kann, sondern dass daS Defizit durch Mindereinnahmen verschuldet wurde, die bei den staatlichen- Unternehmungen allein 746 Millionen betragen, von dem Rückgang der Steuern nicht zu reden, den die „Deutsche Presse" doch unmöglich der Unfähigkeit des Regimes zuschreiben kann, da sie ihm umgekehrt die rücksichtslose Anspannung der Steuerschraube zum Vorwurf macht. - Die„Deutsche Presse" stellt sich entsetzt über das Anwachsen der Staatsschuld, als hätte sonst kein Staat auf der Welt Anleihen ausgenommen, und fügt hinzu:„Bon der kurzfristigen Eingehung neuer Schulden(schönes Deutsch!), den sogenannten Kassenscheim!», die unter dem Regime eine enorme Summe erreicht haben, wollen wir gar nicht sprechen." Dürfen Sie gar nicht sprechen, verehrte Herren, da die schwebende Schuld im Ausweise der Staatsschuld enthalten ist. Das ist genau so ein Jongleur- k u n st st ü ck, wie die Klage der„Deutschen Presse", dass ein Teil der Arbeitsanleihe für bereits präliminkerte Investitionen verwendet worden ist, als hätte nicht schon das Budget die Dek- kung eines JnvestitionSaufwandeS von 347 Millionen durch Anleihen vorgesehen! Erwähnen wir noch kurz, dass das Defizit des Jahres 1933 geringer war als jenes des Jahres 1931, dass im Jahre 1933 die Gebarung der Eisenbahnen doch um 5? Millionen, der Post um 72 Millionen, der Staatsforste um 24 Millionen verbessert wurde, so dürfen wir sagen, dass die Finanzpolitik der Tschechoslowakei, die ja keineswegs nach sozialistischen Grundsätzen geleitet wird, sicherlich auch von unserem Standpunkte manche Kritik verdient, dass aber das christlichsoziale Kritisieren angesichts unleugbar gewaltiger Anstrengungen, den Staatshaushalt aufrecht zu erhalten, nichts anderes ist als l e i ch t f e r- tigesund dabei g e fäh rl i ch es G e- re d e. Denn es kommt ja nicht so sehr auf das Spiel mit den Ziffern an wie auf die politischen.Folgerungen. Und da muss man die Christlichsozialen doch fragen:„Ist es ehrlich, auf der eine» Seite über die Kürzung der Stäatsbeamteirbezüge zu jammern und gleichzeitig über Steuerdruck zu Wettern? Ist es ehrlich, die unzureichenden Leistungen des Staates zu kritisieren und ihn gleichzeitig der Verschwendung zu zeihen? Ist die an hgkenkrenzlerischen Mustern geschulte Neberwäl- zung der Folgen"einer beispiellosen Wirtschafts- Schweiz verlangt Kriegsschäden-Ersatz Scharfe Zurückweisung durch die GroSmichte Freudenthal als Beispiel Musteraültlee Arbeitslosenhilfe Sette» Mittwoch, 26. September 1634 Nr. 228 Und del uns? (Chicago.) Bier große Fleifchkonservierungü- firmcn, d. s. die Finna Swift, Armour, Tudahy und Wilson,'.teilen mit, daß sie die Stundenlöhne um 8 Prozent zu erhöhen beabsichtigen, was jährlich einen Betrag von etwa 10 Millionen Dollar ausmacht. Diese Lohnerhöhung wird 100.000 Arbeiter betreffen. katastrophe auf das„Regime" vereinbar mit dem — freilich nur für die Tschechoslowakei abgelegten— christlichsozialcn Bekenntnisse zur Demokratie?" Aber nem. es ist kein ehrliches Spiel— es ist eben— Antimarxismus. Zwar wird auch die agrarische JubventionSpolitik in einem Nebensatz bemängelt. Aber die Subventionen für landwirtschaftliche Zwecke sind doch zum großen, wenn nicht überwiegenden Teile Sache der Länder nud LandcSkulturräic— ivarum haben dann die Christlichsozialcn in der böhmischen Finanzkommission f ü r den LandcSvoranschlag gestimmt? Es"ist A n t! m a r x i S m u S in Reinkultur, der die Christlichsozialen dazu verleitet, sogar mit den Sünden ihrer Vergangenheit als Verdiensten zu protzen. Wie, die Christlichsozialen wagen eS, sich der Kassenüberschüsse deS Bürgerblocks zu rühmen, die ihm dank der Hochkonjunktur zugeftosscn sind? Sie beschwören die Erinnerung herauf, wie der Bürgerblock den Kapitalisten überreiche Steuergeschenke machte, während durch seine Zollpolitik, durch seine Politik der Konsumbclastung der Zusammenbruch der Massenkaufkraft vorbereitet wurde? Sie Preisen die Aktivität eines Staatshaushaltes, der nicht 800, sondern 10 bis 20 Millionen für Arbeitslose verausgabte? Sie erinnern daran, daß die Staatskasse Milliarden thesaurierte, während die Finanzen der Selbstverwaltung bewußt zugrunde gerichtet wurden! Sie schämen sich nicht, ein Loblied auf das Kassenergebnis einer sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Unfruchtbarkeit zu singen, die an den heutigen Krisennöten in so hohem Maße mitschuldig ist? Aber einfach eine antimarxistisch« Unverschämrheit ist eS, wenn die „Deutsche Presse" erzählt, die Sozialisten hätten „in den Jahren, da sie in den Gemeinden und Bezirken unbeschränkt herrschen konnten, bewiesen, daß sie mit ihrer„Großzügigkeit" auch das geordnetste Gemeinwesen in Unordnung und unerträgliche Schulden hineinregieren können". Die Sozialisten zogen im Jahr« 101V in Gemeinden ein, die durch Kriegswirtschaft und Kriegselend zerrüttet, von den bisher regierenden Spießer- klüngel vernachlässigt waren und standen dochei vor ungeheuren kommunalpolitischen Aufgaben, die der fortdauernde Notstand ihnen stellte. Wie sie die Aufgabe bewältigt haben, darüber wollen wir mit der„Deutschen Presse"' nicht streiten, denn dafür zeugen die Bauren, Anlagen und Kommunikationen, die sie geschaffen haben. Unwenn die Gemeinden in den fünf Krisenjahren, in die sie. mit der Fessel des GemeindefinanzgcsctzcS behaftet, eintraten, nicht völlig zusammengebrochen sind, so danken sie dies nicht zuletzt der aufopfernden Arbeit der sozialdemokratischen Gemeindevertreter. Wir sind dec„Deutsche Presse" von Herzen dankbar, daß sie mit diesem Ausbruch des Hasses ihre wahren Absichten so deutlich enthüllt hat. Was sollen ihr richtige Ziffern, was wahre Tatsachen! TS gilt der Hetze gegen die Sozialdemokratie! Aber die Wahrheit wird am Ende stärker sein, als die ducässichtige Demagogie! Vie kmiauna der österreichischen Sozialisten Wir lesen in der„Arbeiter-Zeitung": „Es war ein« wichtige Aufgabe, die Gefahr der Zersplitterung zu überwinden: die verschiedenen neuen Gruppen zu einer einheitlichen, neuen sozialistischen Organisation zusammenzuführen und die Kampffähigen und Kampfwilligen unter den Kämpfern der alten Partei mit den neuen Organisationen zusammenzubringen. Diese Aufgabe ist gelöst. Bon der bei weitem stärksten unter den neuen Gruppen, der der Revolutionären Sozialisten, einberufen, hat eine Wiener Konferenz getagt, an der 70 Delegierte, von verschiedenen Gruppen in allen BczirkcnWienS gewählt, tcilgenommen haben. Sie hat alle kampffähigen und kämpfwilligen Kräfte zu der neuen Wiener Sozialistischen Organisation zu» sammrngeschlossen. Alle Gruppen, die noch abseits stehen, werden sich dieser neuen Organisation anschließen müssen, wenn sie nicht in unfruchtbarer Eigenbrötelei verkümmern wollen. Pie Diener Sozialisten haben nun wieder eine einheitliche Sozialistische Organisation. Sie wird mit den sozialistischen Organisationen der Bundesländer zusammen, in denen die Zersplitterung niemals so groß gewesen ist wie in Wien, die neue Sozialistische Partei begründen, die das große Erbe der alten Partei antreten und erneuern wird." Das Aktionsprogramm In dem von der Wiener Einigungskonferenz beschlossenen Aktionsprogramm heißt e» u. a.: Aller demokratischen Rechte beraubt, müsse die Arbeiterklasse ihren Kampf um den Sturz der faseistischen Diktatur, um die Eroberung der Staatsmacht durch das Proletariat führen. Sobald die faseistische Diktatur gestürzt sei, müsse eine Diktatur der Arbeiter und Bauern den Widerstand der. Ausbeuterklassen— der Kapitalisten, der(Nrohgrundbesitzer und ihres Trossevan Pfaffen, Bürokraten und Generalen— brechen, um das Herrenland anf die landwirtschaftlichen Ar» heiter, anf vaiiernsthne und Kleinpächter zn verteilen, dir großen Unternehmungen in der Industrie, im Ferstmrsen, im Handel, im Verkehrs» wesen und im Bankwesen zu sezialifirren und damit di« Grundlagen einer sezialistischen Gesell- schastserdnung zu schaffen. Erst wenn diese geschichtliche Funktion der Diktatur erfüllt sein wird, werde die„volle Freiheit deS einzelnen in einer sich selbst verwaltenden Gemeinschaft", als di« sozialistische Demokratie, möglich sein. Die Prinzipienerklärung erklärt weiter, daß die Partei alle Formen deS FaseiSmuS in unversöhnlicher Feindschaft bekämpfe: den Nationalsozialismus ebenso wie den KlerikofasciSmuS und wie die monarchistische Reaktion. Vie deutschen Volks- und Bürgerschulen Böhmens Im Schuljahre 1934-35 Nachstehend veröffentlichen wir eine Statistik über den Besuch der deutschen BolkS- und Bürgerschulen Böhmen- im heurigen Schuljahre. Stand im Schuljahre Unterschied% Zahl der Volksschulen ,,,,,,,, Zahl der Bürgerschulen 1088/84 2028 277 1084/85 2227 278 —1 +1 im ganzen.. 2605 2505 0 Anzahl der Schüler an Volksschulen..,. 288.600 280.620 —8070—8.4 .Anzahl der Schüler an Bürgerschulen... 58.121 56.842 —1270—2.2 im ganzen.. • 206.820 287.471 —0840—8.15 Anzahl der Klaffen an Volksschulen.,,. 6182 6102 —82—0.5 Anzahl der Klassen an Bürgerschulen... 1806 1870 —17—1.2 ...im ganzen..... !, 7528 .7481.. —40—0.6 Durchschnitt!. Schülerzahl an einer Volksschule 107 108 —4 Durchschnitt!. Schülerzahl an einer Bürgersch Ulf 200 204 —5 im ganze».. • 118 114.7 —8.8 Durchschnittliche Schülerzahl in einer Klasse an Volksschulen 86.0 87.8 —1.1 Durchschnittliche Schülerzahl in einer Klasse a» • Bürgerschulen 41.8 41.2 —0.1 im ganzen.. • 80.2 88.4 —0.8 Die man dieser Statistik entnimmt, ist also die Anzahl der Schüler an den deutschen BolkS« und Bürgerschulen um 3.1b Prozent gesunken. Dagegen ist die Anzahl der Schulen gleich geblieben, die Anzahl der Klassen ist jedoch gleichfalls gesunken, und zwar um 0.6 Prozent. Die durchschnittliche Schüleranzahl an einer Schule ist vom vorigen zum heurigen Schuljahr von 118 auf 114.7, die durchschnittliche Schüleranzahl in einer Klaffe von 3V.2 auf 38.4 zurückgegangen. Goldstandard-Linder für gegenseitige Zusammenarbeit (Genf.) Die sechs auf dem Goldstandard ve» harrenden Länder, d. i. Belgien, Frankreich, Jta lien, Luxemburg, Holland und die Schweiz, vev öffentlichen ein Kommunique über gemeinsam^ Beratungen in Genf, in dem neuerlich ihre Entschlossenheit betont wird, die Goldwährung unbedingt aufrecht zu erhalten weil die- eine der wichtigsten Vorbedingungen fü die.wirtschaftliche und finanzielle Wiedcrgesun^ düng der Welt sei. Als hauptsächlichstes Ziel müsse die Erweiterungdes internationalen Warenaustausches gesteckt werden. Eine eigene Kommiffion von Vertretern der genannten Regierungen soll die Erweiterung des internationalen Warenaustausches und den Ausbau des Reiseverkehrs und des Transportwesens zwischen den Goldstandardländern studieren. Andere Staaten würden sich hoffentlich diesem Schritt möglichst bald anschliehen. Henleins Hoffnungen und das Noldauwasser In der„Sudetcndeutschen Tageszeitung" vom 28.„Herbstmond" hat der innige Wunsch aller sudetendeutschen Fascisten und Antimarxisten in einem Leitartikel seinen Niederschlag gefunden. ES heißt dort u. a.: „Die Blockbildungen im tschechisch-bürgerlichen Lager sind ohne Zweifel nicht bloß von wahltaktischen. sonder» auch von grundsätzlichen Beweggründen bestimmt. Die nächsten Wahlen, von denen man zwar sagt, daß sie nicht vor einem Jahr siaitfindcn(aber cs ist gefährlich, in der Politik auf so lange Zeit Prophezeiungen zu machen)—, diese Wahlen also werden sich im Zeichen der Auseinandersetzungen zwischen Marxismus und Antimarxirmus abspielcn. Alle Anzeichen der Innenpolitik deuten darauf hin, daß eine bedeutende Verschiebung der Wählermassen erfolgt und daß das Prager Parlament nach Neuwahlen eine ganz andere Zusammensetzung aufweisen wird als jetzt. Die Blockbildungen im tschechisch-bürgerlichen Lager sind die ersten Ansätze zu einer Konzentration des" tschechischen Nationalismus und Antim axiS- m u r und einer Neuentwicklung der Innenpolitik nach den Neuwahlen. Es mag sein, daß noch viel Wasser die Moldau kinuntcrfließt, bevor eS zu bestimmten Ergebnissen dieser Neuentloicklung kommt. Aber die Unirisse der antimarxistischen Sammlung stehen trotzdem scharf und deutlich am Horizont. Die sudetendeutschen nationalen Parteien werden gut tun, die M ö g l I ch k e i t e n, die sich ihnen bieten, schon jetzt ins Auge zu fassen. Sie werden sonst eines schönen Tages wieder von-den . Ereignissen überrascht werden. Oder ist.es der Ehrgeiz der sudetendeutschen Politik.. da- Buch der verpaßten Gelegenheiten um ein neues Blatt zu vermehren?" Wie herrlich wär'? für Henlein, wenn er. Arm in Arm mit dem Herrn Brany, die Sozialdemokraten zu Paaren treiben könnte. Uln diese Gelegenheit nicht zu verpaffen, nähme er sogar die Konzentration de« tschechischen Nationalismus in Kauf. In dem Wasser, da» selbst nach der Meinung der„Sudetendeutschen Tageszeitung" bis „zu bestimmten Ergebnissen dieser Neuentwicklung" die Moldau hinunterfließen wird, werden, dünkt un», die Hoffnungen der sudetendeutsche« Antimarxisten ersaufen. Dieses Moldauwaffer wird zudem in der nächsten Zeit eiskalt werden.. 8 „Neuigkeiten? Allerhand! Hast du in Ober-WjeSnitz noch nichts davon gehört? Ach so, du bist nicht durchs Dorf gegangen. Also laß dir erzählen!" Ein Mädchen aus diesem Ort, Marie Klima, Tochter eines kleinen Händlers und Magd beim Gemeindevorsteher Stohanzl, ist am vorigen Sonntag in aller Frühe fortgegangen, um die Neun-Uhr-Meffe in Pollm zu hören, und seither nicht wieder gesehen worden. Gestern, am Mittwoch, hat die Stohanzl, was di« Borstehersfrau ist, die Anzeige beim Gendarmerie-Postenführer gemacht. Kein Mensch hat eine Ahnung, was dem Mädel passiert sein könnte. Rur der Burda, der Altbursche in der Mühle Bor, hat sie am Sonntagvormittag nach der Meffe gesehen, wie sie vom Ringplatz kam und durch« Obere Tor ging; wahrscheinlich nach Saborna, dort hat sie nämlich einen Burschen, Richard Zumpl heißt er, und dorthin ist sie gewöhnlich am Sonntag gegangen. „Und was sagt der Zumpl?" „Er weiß von nichts.... Ich kenn die Klima auch. Ganz hübsch wäre sie, wenn nicht die oberen Zähne etwa» vorstehen wüvdren. Aber sonst—«in strammes Frauenzimmer, sag ich dir. Und wie roll hinter jeder Hose her. Da braucht man nicht viel Geschichten zu machen." „Hast du vielleicht auch mit ihr...?" „Werd' mich hüten! Mit dem Burschen in Saborna will ich nichts zu tun Hachen! Das ist ein roher Kerl. Wer wetz, was er mit der Mari« gemacht hat. Der Burda sagt, daß st« ganz ver rückt nach ihm war. Nur zu pfeifen hat er brauchen. Was er verlangt hat, hat sie getan." HilSner kann das nicht verstehen. Wenn ihm seine Anna jeden Wunsch erfüllen würde, warum sollte er ihr etwa» antun? Der andere unterbricht ihn: „Vielleicht hat er sie verkauft." „Was heißt verkauft?" „In ein Puff mein' ich. Hast du noch nie davon gehört? Da» gibt'» doch! Aber so dumm ist die Marie nicht. Ich denk wa» Viel Schlimmeres. und er flüstert dem andern etwas zu. HilSner sieht sich ganz erschrocken im Wald um. Aber weit und breit keine Seele, di« zuhören könnte. Nur in den Kronen der. Bäume rauscht e», das trockene Laub raschelt, und Summen im Gras und in der Luft. Der Junge aus Polna kommt in» Erzählen. Er hat in Zeitungen und Büchern allerlei gelesen und weiß von seltsamen Verbrechen, von unbegreiflichen und mörderische« Verirrungen der Liebe. Die gruselige Stille de« Walde« behagt ihm, seine Geschichten werden immer schauerlicher. Um nicht lächerlich zu erscheinen, verrät Hilsner mit keinem Wort seine furchtbar«" Angst. Diese Angst.vor Blut und Gewalt ist da« einzige, dessen er sich schämt, er möchte sie überwinden, doch«» gelingt ihm nicht. Der andere findet kein Ende seiner entsetzlichen Mords- und Räubergeschichten. Hilsner leidet Qualen. Schliefffich besinnt er sich darauf, daß er es ellig hab«. Aber der Freund läßt nicht locker. Er ist im besten Zug. „Polda," sagt er und dämpft die Stimme, „wir sind doch alte Freund«! Mir kannst du e» sagen. Ist da» richtig, daß ihr Juden Christenblut braucht für eure Mazzen zu Ostern? Man hört doch immer davon, daß christliche Mädchen im Frühjahr von Juden geschlachtet werden..." Hilsner ist aufgestanden, um weiterzugehen, hat sein Bündel schon ausgenommen und möchte nichts al» fort. Er ficht den Weg entlang, den er gehen wird. „Ich hab da» auch gehört. Lauter Unsinn! Ich kenn keinen Juden, der christliche« Blut ißt. Hör mir auf mit dem dummen Zeug!" Und er lacht gequält, sagt rasch Adieu und geht davon. Niemand nimmt von seiner Rückkehr Notiz. Di««Mutter schimpft wie immer, well er so lang herumgebummelt und nichts mitgebracht hat, Moritz, der kleinere Bruder, hänselt und ärgert ihn wie immer, und die verkrüppelte alt« Tante Henriette sitzt stöhnend wie immer beim Kaffeetopf. Unter seinen Kameraden, ein paar arbeitsscheuen tschechischen Burschen, und unter den Jungen au» den jüdischen Häusem bespricht man eifrig den Fall deS vermißten Mädchen». Auch in d«.n Gast« häusem, beim vitek, wo di« böhmischen Kleinbürger, wie bei Basch, wo die Juden verehren, wird geflüstert und verdächtigt. Der Zumpl hat etwa» mit ihr angestellt, hetzt e» bei den Jungen. Rein, der Stehltk wird e« gewesm sein, der Hausierer, ihn hat der Gendarm Sonntag im Herrschaftswald gesehen. Andere wissen, daß die Klima mit dem Mann ihrer Schwester, dem Mil» feit, ewig Krach hatte; er habe das Mädel oft geschlagen, sie stritten sich wegm einer Erbschaft, und dem Menschen sei alles zuzutrauen. Auch die alten Klimas sollen schlecht zu ihr gewesen sein. In dieser weltabgeschiedenen Gegend passiert eS nicht selten, daß ein Mädchen verschwindet, die Bevölkerung ist beunruhigt, und so kann Klenovee, der Gendarmeriegewaltige de» Orte», nicht umhin, ein« Amtshandlung vorzunehmen. Er hält bet nächster Gelegenheit den Zumpl aus Saborna an und fragt ihn aus.„Lassen Sie mich in Ruhe," sagt der,„ich bin am Sonntag zu Hause gewesen. Ich weiß von nichts." Gegen Milfcit, den Schwager der vermißten, vorzugehen, versucht er gar nicht erst. Womit sollte er denn feinen verdacht gegen einen angesehenen Mann begründen? Stohanzl, der Gemeindevorsteher von Ober« WjeSnitz, und seine Frau, bei denen Marie Kkima da« Vieh zu versorgen hatte, glaube» nicht an«in Verbrechen.„Sie ist halt in die Welt gegangen wie viele andre," sagen sie.„Wahrscheinlich ins Oesterreichische zum Schnitt. Die Marianka hat eben ein unmhige» Blut, fragt nur die Burschen. Keinen hat sie in Ruhe gelassen. Uebrigen« war sie oft wie verdreht. Neulich erst, als die Kuh gekalbt hat, gibt ihr die Frau ein Trinkgeld, dreißig Kreuzer, und statt Vergelt'« Gott! sagt da« Mädel doch: Grüß Gott! Schief gelacht haben wir un» all« darüber!" Und die Frau Gemeindevorsteher setzt hinzu:„Alle sind sie undankbar, die Menscher! Achtundzwanzig Gulden hat st« bei un« gehabt im Jahr..." 3« der Heimat Polda zieht es zu seiner Freundin. Am ersten Sonntag nach seiner Heimkehr besucht er sie. In Saar sagt man ihm, daß beim Bau der Lokalstrecke Arbeitet eingestellt würden. Di«-Bezahlung ist nicht schlecht, die Anna in der Nähe, zu Hause ist sowieso nichts lo», also läßt er sich anstellen. Eg ist ein Hetzer Spätsommer und eine schwere ungewohnte Arbeit. Am Abend fühlt et sich völlig zerschlagen. Aber zum Trost hat er die Anna und seinen Freund Franz Skala, auch«inen Schustergesellen. Da» Mädchen scheint sich frellich nicht mehr viel au» ihrem alten Freund zu machen, wiewohl er ihr zum Namenstag die schwarze Schürze mit den bunten Blumen geschenkt hat. Aber was man so manchmal von ihr behauptet, daß sie eS mit jedem treibt,, der ihr in die Näh« kommt, la» glaubt devPolda nicht. Eines Tage» trifft ihn«in großer Stein, der die Böschung de» Bahndammes herunterrollt. Er stürzt mit der Karre auf den spitzen Schotter und verletzt sich an Hand und Mund. Jetzt hat er genug. Nur noch den nächsten Samstag wartet er ab, dann sagt er der Anna Lebewohl. Sein Freund Skala begleitet ihn nach Polna. Unterweg» sind st« lustig, sie haben ein.hjßchen Geld st» der Lasche, sooft sie einem Weibsbild begegnen, gibt«»«inen kleine» Spaß. ßFortjetzung folgte Mittwoch, 28. Septem»« 1934 9Uüt 8 Die Lehren der Manöver Die Herbstmanöver der tschechoslowakischen Wehrmacht sollten nicht nur die militärische Lei- stmigSfähigleit der Führung und der Truppe er« weisen, sondern auch die Blicke einer bretteren Oesfentlichkeit auf die Probleme lenlen, die man im Ministerium für Nationalverteidigung und im Generalstab für wichtig und schicksalsschwer hält. Darum hat man in größerem Umfange als jemals die Presse zugezogen und der Oesfentlichkeit Anblick in das Leben und Treiben der manövrieren« den Armee, aber auch in die Problematik des modernen Heerwesens gegeben. Das Urteil, das mehrtägige Berührung mit der ganzen Sphäre ergibt, kann nicht erschöpfend sein und wird viel« leicht in manchem Punkt trügen, zudem die Organisation der Berichterstattung manches zu wünschen übrig ließ. DaS Ministerium hat eS mit den Journalisten gut gemeint und sie wahrhaft betreut. ES wäre aber ohne Zweifel zweckdienlicher, wenn sie nicht als ein Korps für sich untergcbracht und in großer Zahl herumgeführt würden, sondern wenn man sie in kleinen Gruppen zu zwei und drei unmittelbar den operierenden Einheiten zuteilte und sie daS Manöver weniger vom Standpunkt deS Schiedsrichters und der Leitung, als vom Standort der marschierenden und operierenden Truppe aus miterleben ließe. Sie könnten sich dann besser von allen Anforderungen und Aufgaben der modernen Armee überzeugen. Aber auch die Art der Organisation, die man gewählt hatte, gewährte interessante Einblicke. Dm technische Problem Als der Weltkrieg zu Ende ging, standen die Gegner einander in festen Stellungen gegenüber und suchten durch ungeheuren Materialaufwand die Widerstandskraft des Feindes n> brechen. Damals konnte man glauben, der zukünftige Krieg werde überhaupt nur noch technische Probleme stellen und nicht mehr sein, als das Ringen zweier in gewaltigen Festungen verschanzter JngenieurkorpS. Das ist, wie wir noch zeigen werden, ein falsches Bild gewesen. Trotzdem spielt natürlich in jedem kommenden Krieg die Technik eine ungeheure Rolle. Der Krieg ist seiner Romantik und deS Charakters von Heldenkämpfcn ein für allemal entkleidet. Was eS heute geben kann, ist ein Masfentötenin den grausamsten Formen, ein Ringen der menschlichen Intelligenz mit der Urbermacht erbarmungslos funktionierender Maschinen. Diesen Krieg hinauSzu» schieben und wenn irgendmöglich zu vermeiden, wäre Aufgabe jeder Politik, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der Menschheit bewußt ist. Aber wir haben gestern gezeigt, daß es nicht mehr in unserer Hand liegt, den Krieg aufzuhalten. So wenig R u ß l a n d sich gegen den japanischen und deutschen Imperialismus anders sichern kann al« durch den Ausbau der Roten Armee, so wenig können sich die europäischenDemo- k r a t i e n gegen Hitler anders sichern, alö durch die Bereitstellung einer Abwehrkraft, die Hitler davon abhält, den Krieg zu beginnen. Um dem technischen und chemischen Kampfmaterial deS Gegners nicht wehrlos ausgeliefert zu fein, muß man wohl oder übel dieses Material auch für die eigene Armee bereitstellen. Die tschechoslowakische Armee verfügt über technische Kampfmittel moderner Konstruktion wie Tanks, Panzerautos, leichte Kampfwagen zur Fliegerabwehr und selbstverständlich über eine Luftflotte. Sie verfügt ferner über motorisierte Transportmittel bei einem Teil des TrainS, der Artillerie und endlich der Infanterie. Die Manö« ver haben die Ueberlegenheit der völlig motorisiert«n Einheiten über die nur teilweise mit Motor- kraft auSgestatteten Divisionen g e z e i gt. Die Armeeleitung betreibt die Moto- risierung großer Teile der Armee und sie vertritt hier eine ohne Zweifel berechtigte Forderung, die freilich in Einklang mit der finanziellen Lei« stungsfähigkeit der Bevötterung gebracht wer« den muß. Dringend ist vor allem die Motorisierung der Kavallerie. Dieser Waffe, die man für überlebt hielt, kommt ja heute wieder eine große Bedeutung zu. Sie spielt nicht nur in der Aufklärung nach wie vor eine Rolle, sie dient auch dazu, als eine schnell beweglich« Truppe Umgehungen, Operationen auf den rückwärtigen Verbindungen des Gegners, Entlastungen eigener exponierter Truppenteile durchzuführen. Die deutsche Reichswehr, der man im Vertrag von Versailles 42 Kavallerieregimenter zuge- stand, weil man diese Waffe für untauglich hielt, hat zuerst die neue Kavallerietaktik entwickelt und die anderen Armeen müssen-ihr folgen. Aber gerade bei der Kavallerie klafft zwischen der Marschleistung der berittenen Truppe und des fahrenden TrainS oder der zugehörigen Artillerie eine zu große Distanz. Die Marschleistung der Reiterei sind acht Stundenkilometer und mehr. Der Train bringt e« auf 8 Gtunden-Kilometer. In derselben Zeit, da die Reiterei 00 bis 120 Kilometer zurücklegen kann.vermag der Train ihr nur auf 60 Kilometer zu folgen. Daher betreibt man die Ausstattung aller Kavalleriebrigaden mit motorisierten Trains M 2 und S Tonnenwagen. Aber auch bei der I n f a n t e r i e erweisen sich die motorisierten Einheiten— also die Truppenkörper, di« über genug Lastwagen zum Transport der Mannschaft, der Waffen und deS Trains verfügen— den marschierenden und auf Bahnbeförderung angewiesenen stark überlegen. Bei bw» Kralowitzer Manöver» hat«an die Prag« Division in einem Tag über eine Entfernung von rund, 68 Kilometer heranführen und sofort einsetzen können. Gegenüber einer Tagesleistung von 30 bis 40 Kilometer der Infanterie(die ober nicht auf längere Zeit zu erzielen ist, weil solche Märsche die Truppe in kurzer Zeit völlig erschöpfen) haben motorisierte Divisionen Leistungen von 180 bis 180 Tageskilometern zu verzeichn«». In diesem Zusammenhang ist«S wichtig, auf die riesenhafte Rüstung Deutschlands gerade auf dem Gebiet der Motorisierung zu verweisen. DaS Reichsverkehrsamt gibt keinem Fahrzeug ein Zertifikat, dessen Verwendbarkeit für militärische Zwecke nicht nachgewiesen ist! Seit Jahr und Tag werden in Deutschland nur Automobile erzeugt, di« kriegsdienstfähig sind. DaS bedeutet, daß Deutschland im Kriegsfall mit einem Schlag ein« Unzahl motorisierter Divisionen aufstellen kann. DaS Problem der Motorisierung erscheint demnach auch als das aktuellste der tschechoslowakischen Armee. Organisationsfragen Die tschechoslowakische Armee war bisher nur in Divisionen(zu zwei Infanterie» und einer Artilleriebrigadc) cingeteilt. Die nächst höhere Kommandostelle war das Landes» Militärkommando, daS etwa den früheren Armee-Inspektionen entspricht. ES fragt sich nun, ob man Armeekorps einführen soll, die zwei bis drei Infanterie-Divisionen, eine Kavalleriebrigade und gewisse technische Einheiten umfassen würden. DaS Korps war von den napoleonischen Kriegen bis 1018 die übliche lln- tereinteilung der Armee. Im Stellungskrieg von 1015 bis 1018 unterstellte man den Armeen fast nur noch Divisionen ohne Korpseinteilung. Je mehr aber der Bewegungskrieg wieder aktuell wird, desto dringender erweist sich im Interesse der einheitlichen Führung und der Durchsetzung deS operativen Willens nach unten die Zusammenfassung der Divisionen in Korpaverbänden. Bei den Manöver» haben auf der einen Seite drei, auf der andern zwei Divisionen gewissermaßen im KorpSverband gefochten. ES scheint, daß sich die KorpSeinheit zu drei Divisionen und einer Kavallerie-Brigade als günstiger erweist, weil sie größere Gelegenheit zur Bildung von Reserven und zu wirklichen Operationen gibt. Aber auch diese Neu-Organisation wird ein« finanzielle Frage sein. Ole Ausbildung Die Truppe hat sich bei den Manövern nach übereinstimmenden Urteilen alS g u t a u S- gebildet«rwiefen. Der geringe Marodenstand -zeigt, daß der Soldat zweckentsprechend verpflegt, daß die Anstrengungen erträglich äüfgeteilt waren. DaS Zusammenspiel der Truppengattungen llappte, die einzelnen Abteilungen erwiesen Initiative. Trotzdem fordert man jetzt die z w«i j ä h- rige Dien st zeit. Wir glauben, nach den Manövern noch mehr alS früher, daß sie vom militärischen Gesichtspunkt aus unnötig ist, ja daß sie— wie«in Offizier vor einigen Monaten in der Presse darlegte—- dem Geist der Trupp« schaden kann, weil der Rekrut die zwei Jahre als lästig, di« 14 Monate al» erträglich, vielleicht al» erwünscht« Abwechslung ansteht. Di« zweijährige Dienstzeit war gut für die Heere, in denen eS auf Herdendrill uich Paradeleistungen, auf die Erziehung zum Kadavergehorsam ankam. Die moderne Armee braucht den sportlich tüchtigen, intelligenten, zu eigenem Denken und Handeln fähigen Soldaten, den man nicht durch Drill, sondern durch Hebung der allgemeinen Volksbildung, durch Besserung der sozialen Verhältnisse, durch Förderung des Sports, und zwar vor allem des freien, die Persönlichkeit entwickelnden Sports erhält. Di« Reichswehrgenerale wissen, warum st« die SA, eine nach altem Stil gedrillte Landsknechtstruppe, ablehnen und immer Wert auf das gute»Material" der Arbeitersportorganisationen gelegt haben. WaS nötig wäre, sind vielleicht Waffen» Übungen von längerer Dauer und in größerer Zahl, da gewisse Partien der Ausbildung heute bald überholt sind, da der Reservist technisch aus der Höhe sein muß. Die zweijährige Dienstzeit ist eine Forderung, für die vom militärischen Gesichtspunkt wenig Stichhaltiges anzuführen ist. Die strategischen Fragen Die Manöver stellten einen Bewegungskrieg dar, der vielleicht vielen überholt und vorsintflutlich erscheint. Die Militärkritik ist aber seit langem der Meinung, daß der Bewegungskrieg wieder aktuell wird. Der Stellungskrieg hatte zwei Ursachen: die schwere Beweglichkeit der ungeheuren Truppenmassen de» modernen Heeres, die zu ihren Operationen Wochen brauchten, so daß die Bewegung einfror, ehe sie sich entwickelt hatte. Die Motorisierung ändert das. Sic führt dazu, daß in großen Räumen große Massen mit Marschleistungen bis zu 200 Tageskilometern bewegt werden können. Die zweite Ursache war die Ueberlegenheit der Berteidigungümittel über die Angriffswaffen. Erst als neue Angriffswaffen— z. B. von den Deutschen das Gas, von der Entente der Tank— erfunden wurden, gab eö wieder große Operationen, wie 1917 Karfreit (12. Isonzoschlacht) 1018 den Durchbruch der Franzosen bei BillerS CotteretS oder der Engländer bei AmienS. Die Vervollkommnung der Tanks, der Panzerautos, der Flugwaffe, die trotz völkerrechtlichem Verbot natürlich jederzeit drohende Vergasung oder bakteriologische Verseuchung eines StellungSsystcmS wird den B e w e- g'ungskrieg erzwingen, allerdings einen sozusagen dreidimensionalen, da die Luftwaffe neben der Breite und Tiefe der Front eine Rolle spielen wird. Für die Tschechoslowakei sind, operativ gesehen, die Aussichten in einem Kriege nicht gut.Wir müssen mit dem Zweifrontenkrieg rechnen, wir haben eine furchtbar lange Grenze. ES ist llar, daß hier d a S Problem schlechthin liegt, daS eS zu lösen gilt und das nicht mit der Motorisierung allein, schon gar nicht aber mit der zweijährigen Dienstzeit gelüst werden kann. Da» wir brauchen, ist ei» völlig neue», unsere« be« sondren Verhältnissen ange« paßte» SystemdeS Grenzschutzes und eS ist unabweiölich, daß diese Frage nur gelöst werden kann im Zusammenhang mit dem größeren Problem der demokratischen Erziehung der Armee und deS Offizierskorps und der Er» 'ziehung zur Wehrhaftigkeit im ganzen Volk. Da» Volk muß wissen, worum eS geht, eS muß wissen, was es zu schützen hat, eS muß den Wert deS Staates erkennen. DaS wird der Fall sein, wenn dieser Staat sich als soziale Demokratie erweist, die dem Boll Arbeit, Brot und Freiheit der kulturellen Entwicklung sichert. Ist diese Voraussetzung gegeben, dann wird eS nicht schwer halten, aus unserem Grenzland jene unangreifbare Festung zu machen, die nicht durch Beton und Eisen, sondern durch den Geist einer freien und wehrhaften Nation gesichert ist. Wenn Minister B r a d ä t von dein französischem und dem deutschen System in der Kriegskunst gesprochen hat, so dürfen wir ein drittes nicht vergessen: daS heute in Rußland, daö aber auch von den Tschechen im Laufe ihrer Geschichte selbst zweimal verwirklichte System, mit dem die Hussiten siegten, das die L e g i o n e n schuf, daS allein diesen Staat im Ernstfall wird erhal« ten können, daS Sy st em deS wirklichen VolkshcereS. E. F. kln„Bohemla"-Artlkel der von Unwahrheiten strotzt In einem Artikel»Die Selbstverwaltung der Stadt Brüx— Wo bleibt die Demokratie?" berichtete Samstag die»demokratische"»Bohe- mia" über eine Versammlung, welche von einigen Hausbesitzern, Gewerbetreibenden und Landwirten deutschnationaler und hakenkreuzlerischer Provenienz unter der Patronanz des christlichsozialen Patronatsreferenten der Stadt Brüx, de» Herrn LandcsauSschußbeisitzers und GerichtSratcS Dr. Ritter und unter lebhaftester Agitation de» Hitler-Hcnlein-OrgancS, der»Brüxcr Zeitung", für den 10. September angeblich zu dem Zwecke einberufen wurde, um den RegierungSlommisiär zur Strecke zu bringen. Die Versammlung fand statt, wurde aber nicht, wie die»B o h e m i a" wahrheitswidrig behauptet, »vorzeitig aufgelöst", sondern sie wurde vom Vorsitzenden, dem Landwirt und Hausbesitzer Max Ullrich vorzeitig und unter belvußter Verletzung der mit den Sozialdemokraten bezüglich der ruhigen Abwicklung der Versammlung getroffenen Vereinbarung geschlossen. DaS ist die erste grobe Unwahrheit de» »Bohemia"-Berichtes. Die»Bohemia" behauptet weiter:»Die Sozialdemokraten»hatten es aber darauf abgesehen, den vorzeitigen Schluß der Versammlung herbeizuführen". DasgeradeGegenteil i st r i ch t i g. Die Sozialdemokraten hatten nämlich mit dem Bersammlungspräsidium vereinbart, daß drei ihrer Redner mit je drewiertelstündiger Redezeit nach den angekündigten Referaten des christlichsozialen Dr. Ritter und des deutschnationalen Schneidermeister» Löppen zu Worte kom men. Und gerade das war für die tapferen Ein» bcrufer der alleinige Grund» die Versammlung bereits nach dem ersten Referate zu schließen, weil sie mit Recht befürchteten, daß ihnen durch die sozialdemokratischen Redner bewiesen worden wäre, daß die bürgerlichen Parteien und vor allem die Christlichsozialen, das Allein- Verschulden an dem Verluste der jetzt mit KrokooilS- tränen beweinten Selbstverwaltung trifft, und daß sie und vor allem der Herr Dr. Ritter alles daran gesetzt hatten, damit unbedingt ein Regierungskommissär und ja keine Berwaltungskommisiion eingesetzt werde. Die Sozialdemokraten hatten also gar keinen Grund, die Versammlung zu stören, sondern freuten sich auf die verdiente Abrechnung mit den Bürgerlichen, um die breitere Oesfentlichkeit über alles aufzuklären. ES ist also, eine weitere Unwahrheit, daß die Sozialdemokraten»den weiteren Ablauf der Ver-; sammlung hinderten". Entgegen der Vereinbarung und entgegen allen Grundsätzen des Anstandes hat Dr. Ritter sogleich, nachdem er seine Rede, heruntergelesen hatte, eine Resolution verlesen und sie durch den Vorsitzenden zur Vermeidung der gefürchteten Debatte sofort zur Abstiininung bringen lassen., Der in großer Zahl anwesenden Arbeiter bemächtigte sich begreiflicherweise ob dieses Wort-; brucheS, dessen Absicht sie sofort erkannten, eine ziemliche Erregung, die sich jedoch lediglich in J Pfui-Rufen Luft machte. Bon einer Störung der Versammlung kann um so weniger die Rede sein» Ä al» die Vorlesung deS Dr. Ritters ohne jeden el Zwischenruf in vollständiger Ruhe ertragen wurde j und nachher überhaupt kein Redner mehr durch die vorzeitige Schließung der Versammlung zu Worte kommen konnte. Bon»Reaktion" und »autoritärem Regime" selbstperständlich der bür- j ?'erlichen Parteien hätten die sozialdemo« J ratischen Redner gesprochen, wenn man n ihnen nicht durch Wortbruch daS Reden unmöglich gemacht hätte. AuSgeschoben ist aber, nicht aufgehoben, denn die bürgerlichen Parteien werden sehr bald Gelegenheit haben, alles das zu hören, was man ihnen gewaltsam unterschlagen hat. Wir hoffen» daß die»Bohemia" dann einen wahrheitsgetreuen Bericht bringen wird— sofern ihr die» möglich ist. Die Ausaangssltuatlon bei den Harbstmanövern Oer ZuaammeiiatoS erfolgte switchen Kralowits and Pacov. Samstag nachte sog sich die rote Armee vor 4er Vebenaacht über die Seltvka zurück. Seite 4 Mittwoch. 28. Septtmller 1934 9a. 28* Werteren «ovo« In den Straße» Londons sah man dieser Tage einen künstlichen Menschen, einen sogenannten Robot, der von seinen, Konstrukteur spazieren geführt wurde. Der stärkste Straßenverkehr beirrte ihn nicht. Mit wahrhaft„stählernen Nerven" überquerte er die Straßen im dichtesten BerkehrSgewimmek Wir klmpfen uns durch! Sozialdemokratische Werbeerfolge Vor einigen Tagen konnten wir mit Genugtuung vermerken, daß die„Union der Bergarbeiter" im Zuge einer Werbeaktion 1400 neue Mitglieder gewonnen hat. Dieser Gewinn ist unter den ungünstigen Verhältnissen erzielt worden und legt neues Zeugnis ab, von der ungebroche-, nen Werbekraft der freien Gewerkschaften, die auch in geheimen kommunistischen Rundschreiben neidvoll anerkannt werden muß. Ein anderes Beispiel zäher erfolgreicher Kleinarbeit wird aus Nordbühmen gemeldet. Unser Rcichenberger Bruderblatt hat in einem von Krise, Spaltung und Nazipropaganda schwer hcimgcsnchtcn Gebiete durch eine in aller Stille durchgcführte Werbeaktion in kurzer Frist 208 neue Bezieher gelvonnen. Daneben läuft im Rcichenberger Gebiet eine mit großem Rummel verbundene Pressewerbung der K o m m u n i st e n. Der„Freigeist" weist darauf hin, daß nach den vorliegenden Ausweisen die Kommunisten ihren Wcrbcplan bei den Tagesabnehmern zu 99 Prozent und bei den Wochen- abpchmern zu 93 Prozent— nicht erfüllt haben. Nach eigenen Geständnissen eroberten oie Kommunisten in ihrer ehemaligen nordböhmischen Hochburg mit einem großangelegten„Werbesturm" insgesamt neun Tages- und 32 Wochenabnehmer ihrer Presse. Tort große Worte— hier stille Taten. Wir kämpfen uns mit zusammengebiffenen Zähnen durch. Die Kommunisten gehen im Sturm-Schritt — zurück. Die Finanzen der Selbstverwaltung Wachsender tschechischer Widerstand gegen die neue» Vorlagen. Wir haben bereits darüber berichtet, daß sich die tschechischen Sozialdemokraten gegen die von der Bürokratie auSgcarbciteten neuen Vorlagen auf Regelung der Selbstverwaltungsfinanzen ausgesprochen haben. Montag hat nun eine Sitzung des Vorstandes tschechischer Städte und Gemeinden stattgcfundcn, in der alle Mitglieder des Vorstandes erklärten, daß die Vorlagen für die Selbstverwaltung unannehmbar sind, und zwar sowohl in den Grundsätzen als auch in der Frage der Entschuldung der Selbstverwaltung. Um diese Ablenung besonders zu betonen, wird ein außerordentlicher Kongreß der tschechischen Gemeinden und Städte stattfinden, in welchem gegen die Vorlage protestiert werden wird. Auch das„Prävo Lidu" seht seine Kampagne gegen die Vorlagen fort. ES tritt auch gegen die beabsichtigte Festsetzung des Limits der Umlagen ein» bei dem ständigen Rückgang der Steuer, bei einer Herabsetzung der Steuergrundlage sinkt der Ertrag der Umlagen, so daß eine Erhöhung, des'Limites ein Schlag ins Wasser wäre und eine Belastung der Mittelschichten, welche diese nicht mehr ertragen. Auch der geplante Hilfsfonds ist unzweckmäßig, die Zuweisung des Staates aus dem Ertragnis der Kunstfettabgabe ist eine höchst problematische Sache. Die sogenannte Entschuldung der Selbstverwaltung ist nichts anderes als eine Sicherung der Kapitalien der Gläubiger. Aus dem Sparausschuß. Der Ausschuß der parlamentarischen Spar- und Kontrollkommission setzte am Dienstag unter dem Vorsitze des amtierenden Borsihenden-Stellvertreters Senator K l o u d a seine Arbeiten fort. Nach den Vorarbeiten betreffend das Budget befaßte sich der Ausschuß nunmehr mit der Kontrolle der einzelnen Belange auf dem Gebiete der öffentlichen Verwaltung. Mit der Vergebung und endgültigen Berechnung der Straßenarbeiten besaßt sich der Ausschuß systematisch seit April d. I. Unter den in Untersuchung befindlichen Fällen befindet" sich auch ein kürzlich in der Preffe veröffentlichter Fall. Mit der Vergebung und Durchführung der Reparaturen in den Gebäuden des Abgeordnetenhauses befaßt sich der SparauSschuß seit seiner ersten Sitzung nach den Ferien, lieber das Ergebnis dieser Arbeiten wird im Sinne des Gesetzes dem Plenum der Kommission ein zusammenhängender Bericht erstattet werden. Massenkundgebungen der Schweizer Arbeiterschaft Am vergangenen Sonntag wurde in der ganzen Schwdiz der von der Sozialdemokratischen Partei, den Freien Gewerkschaften und der Föderative der Staatsangestelltcn veranstaltete„Tag der Arbeit" begangen. Die Hauptkundgebung fand in Zürich statt, wo nach einem Demonstrationszug durch die Stadt, an dem sich Formationen des Satus, der Arbeiterjugend und der Industrie- und Staatsbetriebe beteiligten, eine von 25.000 Teilnehmern besuchte Maffcnver- sammlung auf dem Landsgemeindeplah abgehalten wurde, bei der die sozialdemokratischen Nationalräte K ä g i und Grimm Ansprachen hielten. Sie wandten sich gegen die geplante Entstaatlichung der Bundesbahnen und die drohende Hev- absetzung der Fiirsorgeleistungen und setzten sich unter dem Beifall der Versammelten für den von der Sozialdemokratie vorgeschlagenen Wirtschaftsplan der„Krisenintiative" ein. Die Kundgebungen verliefen überall im Lande trotz kommunistischer Störungsversuche in vollster Ordnung. Nur in Basel kam . es ngch Schluß der dortigen Kundgebung zu einer kommunistischen Sonderdemonstration, die das Einschreiten der Polizei zur Folge hatte. Tagcsncuigkcltai 40 Kinder bei einem Filmbrand verletzt Amsterdam. Bei der Vorführung eines katholischen Misiionsfilmes in einer Kinder- vorstellung geriet am Montag abends in Hilversum der Film plötzlich in Brand. Das Feuer verbreitete sich sehr schnell. Bon den 130 anwesenden Kindern im Alter von sieben bis 14 Jahren lvurden etlva 40 verletzt, darunter 13 chwcr. Auch der die Vorstellung leitende Pater erlitt bedenkliche Verletzungen. Die Filmvorstellung sand hr dem Gebäude der katholischen Arbeitervcreinigung St. Clemcns- Parochie statt, das ftir eine Filmvorstellung äußer st ungeeignet war. Das Haus war größtenteils aus Holz gebaut und hatte außer einer Haupttür nur zwei kleine Seite n aus g ä» g e. Unglücklicher Weise hatte man den Borführungsapparat vor der Haupttür aufgestellt,, so daß das Feuer dort den Ausgang versperrte. Da die beiden SeitenauSgänge verschlossen waren, entstand unter den Kindern eine urchtbave Panik. Der Umstand, daß das Feuer sich mit rasender Schnelligkeit ausbreitete und bereits die Kleider mehrerer Kinder erfaßt hatte, erhöhte noch das Entsetzen der Kleinen. Einige Kinderschlugen in ihrer Ber- zweiflungdie Bleifen st er ein und zwängten sich mit vieler Mühe hindurch, wobei ie ernsthafte Schnittwunden erlitten. Glücklicherweise Ulten sofort Bewohner der umliegenden Häuser zu Hilfe; es gelang ihnen mit Hilfe von Balken die Notausgänge zu zertrümmern und auf diese Weise den Kindern einen Ausiveg ins Freie zu bahnen. Biele Kinder brachen vor dem Gebäude zusammen und mußten in Krankenhäuser gebracht werden. Das Gebäude brannte trotz eifriger Wsch- tätigkcit der FcucrwehrbiS aufdie Grundmauern nieder. Die Polizei hat eine strenge Untersuchung eingcleitet. Die Erprefferbriefe von Hauptmann geschrieben? New Aork. Montag wurde der Inhalt der 15 Erprefferbriefe veröffentlicht, durch welche die Kinderräuber von Oberst Lindbergh das Lösegeld zu verlangen trachteten. AuS Kreisen der New Jerseyer Behörden wird dazu bemerkt, daß aus Grund dieser Dokumente die Anklage wegen Erpressung, die gegen den verhafteten Hauptmann erhoben Ivcrden wird,, auf Entführung und Mord erlveitert werden kann.Die Erpresserbriefe sind von d'b r H a n d H a u p t in a n n s geschrieben, außerdem sind die Formender Buchstaben für einen deutsch erzogenen Mann vollkommen typisch. Deshalb werden die Briefe für die Anklage eines der wichtigsten Dokumente sein. Die Staatsanwaltschaft wartet noch die Ergebniffe der gestern eingeleiteten Untersuchung iu Bronr, ab. Oberst Lindbergh ist mittels Flugzeuges e i n g e t r o f f e n, um vor dem Untersuchungsrichter seine Zeugenaussage zu machen und bei der Feststellung der Identität Hauptmanns zugegen zu sein. Lindbergh soll auch beweisen, daß Hauptmann unweit des Friedhofes Wache stand, als der Bevollmächtigte Lindberghs, Dr. London, über die Friedhofsmauer die 50.000 Dollar Lösegeld reichte. Hauptmann wurde dem Gerichtshöfe in Morrisiana eingeliefert, von welchem gegen ihn die Anklage erhoben werden wird. Da der Staatsanwalt■ auch noch das Ergebnis aller Belastungszeugen abwartet, wird die Verhandlung nach einer Beratung des GcrichtSsenatS um eine Woche verschoben werde«. Fünf Todesurteile gegen betrügerische Sowjetbeamte Wie aus Moskau gemeldet wird, hat das Gericht in Tjumen fünf Beamte einer Getreideaufkaufstelle lvegcn Sabotage und Vergeudung der neuen Ernte zum Tode durch Erschießen verurteilt. Die Beamten waren beschuldigt, mit Hilfe staatlicher Mittel bei den Bauern Getreide angckauft und es dann in größeren Mengen auf freien Märkten zu billigeren Preisen verkauft und den-Verdienst in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Ei« neues Todesopfer des Unglüeksfchachtes London. Der Schacht ,„® rcsford" bei Wrexham hat am Dienstag ein neues Opfer gefordert. Am Ventilationsstollen hat sich eine Explosion ereignet, durch die. große Eisenträger, wie Strohhalme geknickt wurden. Ein Arbeiter wurde mctcrwcit durch die Luft geschleudert und erlitt einen Schädelbruch, an deffen Folgen er starb. Allem Anschein nach ist es erforderlich, den küzlich zugemauerten Unglücksschacht erneut abzuriegeln. Henkers Loh». In unseren Auszügen aus dein aufwühlenden Konzentrationslager. Buch des Graphia-Vellagcs stellten wir einen SS- Mann Namens Sporer, genannt„Iwan d' c r S ch r e ck l i ch e" vor. Diese Bestie in Menschengestalt hat int Konzentrationslager Dachau mit den'Gefangenen die widerlichsten Schweine- reion getrieben und einige Menschen zuschanden oder zu Tode geprügelt. Wie wir nun aus München erfahren, bat diesen Kerl der verdiente Lohn schon erreicht. Nach den Mitteilungen unseres Gewährsmannes befindet sich Sporer unter dc.n Toten des 30. Funi. Er hat also den Triumph der Bestialität am eigenen Leibe kcn- nengelernt. So wird es noch manchem fascisti- schen Henkersknecht ergehen! „CP8 551". Dienstag wurde in feierlicher Weise einer der drei Schleppkähne, die von der Werft in Prag- Libcä für die tschecho- slowatischc Schiffahrtsaktiengesellschast. gebaut wurden, ins Waffer gelassen. Nach einer Begrü- ßrmgSansprackie des Direktors der Werft„Prags" Jng. Klatovskh, gab Oberdirektor Fischer mit einer Sirene das Zeichen, daß der Schleppkahn ins Waffer gelassen werde. Der Kahn trägt die Bezeichnung„CPS 551", ist 76 Meter lang 10% Meter breit und kann bei einem Tiefgang von 1.9 Meter 1000 Tonnen Waren aufnehmcn. Der Kahn wnvde auf Grund neuer technischer Erfahrungen bei Beobachtung aller Schiffahrtsvorschriften mit heimischen Kräften und aus heimischen Materialien hergestellt.' Kapitän Warms, der den so tragisch ninö Leben gekommenen Wilmott bei der Katastrophe des Dampfers«Morro Castle" vertrat, erklärte vor dem Untersuchungsausschuß, daß nach den Worten Wilmotts, Alagna, der der Sabotage verdächtigt ist, eine Flasche Schwefelsäure bei sich hatte. Wilmott befürchtete, daß Alagnc die Säure äpf ihn aüSschütten werde, und hatte deshalb die Tür ständig'verschlossen. WarmS habe Alagna die Säure abgenommen. Warins stellt in seiner Aiiösage die Behauptung AlagnaS kategorisch in Abrede, daß im Augenblick des Unglücks auf der Kommandobrücke des Dampfers ein Chaos geherrscht habe. Banknotenfälfcher. Die Agramer Polizei verhaftete zwei Kaufleute, sowie einen Zinkogra- phtn, die in einer im Zentrum der Stadt gelegenen Wohnung ein gut ausgestatteteS..Atelier für die Fälschung jugoslavischer Tausend-Dinar» 95 Millionen Menschen in den Konsumvereinen Nach einer internationalen Statistik gibt eS auf der ganzen Welt 72.269 Konsumgenoffen- 'chaften mit 94,880.858 Mitgliedern. 44.500 Konsumgenossenschaften hatten 1933 einen Handelsumsatz von 56.610 Millionen Schweizer Franken, daS sind zirka.550 Milliarden KL. Bon den Konsumgcnoffcnschnften fallen auf Europa ohne Rußland 28.369 mit 18,387.950 Mitgliedern, auf Sowjctrnßland 45.765 mit 75,897.000 Mitgliedern. Amerika zählt 2100 Genossenschaften mjt 387.548 Mitgliedern. Von den übrigen europäischen Staaten stehen an der Spitze England mit 6,559.000 Mitglieder, gefolgt von Deutschland mit 3,773.000, Frankreich 2,280.000 der Tschechoslowakei mit 810.000, Ungarn mit 806.000, Italien mit 693.000, Schlvedcn mit 466.000, Finnland mit 457.000, Belgien mit 434.000, Polen mit 306.000, Dänemark mit 340.000 Mitgliedern usw. Das sind überwältigende Zahlen, welche die riesengroße Bedentung der Konsumvereine in internationalem Maßstab klar dartun. Das sollten sich insbesondere jene Verbraucher vor Ange» halten, die den Weg zur gcnoffenschaftlichcn Wa- rcnvcrteilung und Warenerzeugung leider noch — nicht gefunden haben. noten- eingerichtet hatten. Nach den amtlichen Erhebungen ivaren die notlvendigen Klischeö bereits fertiggestellt und schon in den nächsten Tagen sollte mit dein Druck der falschen Banknoten im Gesamtbeträge von 10 Millionen Dinar begonnen tverden. Die Verhafteten legten ein volles Geständnis ab. Die beiden Kaufleute gaben an, daß sie sich zur Geldfälschung infolge ihrer materiellen Not entschlossen haben. Nichtigstellmm. In unserem Leitartikel„Unmögliche Grenzpolitil" war davon die Rede, daß die Arbeitslosen im oberen Bühmerwalde ein Kilo gedörrter Schwamme um 3 KL verkaufen. Das war ein Schreibfehler. Für ein Kilo gedörrter Schwämme werden dort 13 bis 15 KL bezahlt. Ist das noch wenig genug! Blutiger Kampf um ein StadtratSmandat. In der Nacht auf Dienstag kam es in einer M a r- f e i l l e r Vorstadt zwischen Kleberkolon- nen zweier gegeneinander stehender Kanditen'für den Stadtrat zu einem Scharmützel. Z w e i Personen wurden getötet, vier verletzt, davon zwei schwer. Essen bei der HeilSarniee. Bor drei Tage» kaufte eine Arbeitslose bei der Prager Heilsarmee eine Suppe für 80 Heller. Während des Essens fand sie in der Suppe den Kopf einer Maus. Das städtische Physikat hat die notwendigen Schritte eingeleitet und die Anzeige erstattet. Rund um die Republik. Kommenden Samstag und Sonntag findet der erste Jahrgang des großen Flugwcttbewerbes„Nationaler Nundflug durch die Tschechoslowakische Republik", der vom Aeroklub veranstaltet wird, statt. An dem Nundflug nehnicii 31 Flugzeuge teil. Der Flug ist auf drei Etappe» verteilt; wovon die erste 771 Kilonieter lang ist»»b eine Regelmäßigkeitsprüfung' dar, stellt. Sie führt von Prag über Königgrätz—Pardubitz—Olmütz—Zlkn— Pieökany und Bratislava- Brünn—Pribvslav zurück nach Prag. Vorgeschrie- bene Landungsstellen sind Zlin, Bratislava und Brünn. Die ganze Strecke soll binnen 18 Stunden inklusive alle Haltestellen durchflogen werden. Ain Sonntag ist der-Start zur zweite» Etappe, die von Prag über Pilsen nach Karlsbad führt. Auf dieser Etappe wird der B e n z i n v e r b a u ch lim Verhältnis zur Besatzung) auf der angeführten Strecke, welche 170 Kilometer mißt, gewertet. Die Strecke Karlsbad—Prag bildet die letzte Etappe, lvelche einer Schnelligkeitsprüfung Vorbehalten ist. AuSflugSzüge. Die Staatsbahndirektion in Prag fertigt am 28. Septeniber zum Preise vou 60 KL einen AuSflugSzug zu den Prachower Felsen bei Jiitn ab. Abfahrt von Prag um 6 Uhr früh, Rückkehr um 21.30 Uhr.— Ausflugszug in die Hohe Tatra in den Tagen vom 1. bis 7. Oktober zum Preise von 495 KL. Anmeldungen nimmt das Referat der AuSflugSzüge im Bazar neben dem Wilson-Bahnhoi entgegen. DaS Wetter. Nach Borübcrzug eines Anslän- ferS der baltischen Depression, deren Einfluß sich bei uns am Dienstag namentlich durch bedeutendes Auffrischen des Westwindes in den böhmischen Ländern äußerte, breitet sich nmr nach Mitteleuropa, wenigstens vorübergehend, höherer Luftdruck aus Frankreich aus. Eine dauerhafte Besserung kann jedoch noch nicht erwartet werden, da die Tätigkeit der Druckstürungen über den Ozcan noch nicht nachläßt.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Noch immer ettvaS unbeständig, jedoch meist wieder geringere Belvölkung, etwas kühler, abflaucnder Westwind. Nur im Nordosten in höheren Lagen ganz vereinzelt Regenschauer. Vom Rundfunk SatpfaMaaswartaB au» dan Programmen! Freitag. Prag: Sender L.: 6.80 Gymnastik. 7.00 Karlsbader Konzert. 9.15 Smetana-Kompositionen auf Schallplatten. 17.45 Schallplatte». 18.55 Deutsche Sendung: Konzert des Kollisch-OuartetteS aus Wien. 18.55 Deutsche Presse. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 14.80 Deutsche Sendung: Volksliederchorkoii- zert.— Brünn: 9.15 Schallplatte». 11.00 Orchester, konzert. 17.45 Schallplatte»: Tschaikowski. 1T50 Deutsche Sendung: Kleist: Der zerbrochene Krug — Prehburg: 17.45 Violinkonzert. 21.85 Russisch« populäre Romanzen.— Kascha»; 21.00 Orchester- koqzert..;- Mittwoch, 26; September 1934 •m Sordo«.»»««»t-«ettbe»erb „ Warschau.(Pat.) Die größte Entfernung erreichte bisher im Äordon-Bennet-Wettbewerb um den Bordon-Bennet-Pokal der polnische Ballon»Polo- nia". der Montag um 16 Uhr zirka860 Kilometer nordwestlich von Helsingfor» niederging. An Sowjet« rußland sind Montag im ganzen fünf Ballone gelandet, davon drei an unbekannten Stellen in der Nähe von Leningrad. An Gdowo bei Leningrad landete der amerikanische Ballon.Buffalo". Der Ballon .Polonia" legte 1260 Kilometer zurück, d. i, die arößte Entfernung in diesem Wettbewerb. Dieser tzallon, der mit Oberstleutnant Wawszak und Kapitän Janusz als Führer am Gordon-Bennet-Flug teilnahm, ging— nach einer anderen Meldung— am Dienstag um 16 Uhr beim Orte Lohilahti im Saima» Teengebiet in Finnland aufdemWaffer nieder Die beiden Insassen konnten sich schw 1 m- n>end auf eine Insel retten. Bor der Landung trieb der Ballon, wie die beiden Luftschisfer vermuten. Ilber Sowjctrußland, und zwar wahrscheinlich über Leningrad. Da die Ballonhülle riß, muhten sich die Insassen zum Niedergehrn entschlichen. (Eine Fra« auf 7584 Meter-Vhe Srinagar(Britisch-Ostindien). Die Mitglieder der internationalen Karakorum-Expedition, Frau Dyrenfurth, HannS Ertl und Hocker, trafen auf dem Rückweg in Srinagar ein, gefolgt von Professor Dyrenfurth und den alleren ExpeditionSteilnehmern. Die Llngekommenen berichteten, daß Frau Dyrenfurth den Höhenrekord für Frauen geschlagen habe und eine Höhe von 7534 Metern erreichte. Dasselbe schlechte Wetter, daS der Ranga Parbat-Exveditjon zum Verhängnis wurde, hat auch der Expedition Dyrenfurth Schwierigkeiten bereitet. Frau Dyrenfurth und die Mitglieder der Expedition, Ertl und Hocker, hatten ein Hochlager in einer Höhe von 6716 Metern erreicht, als da» Wetter umschlug. Die Bergsteiger waren gezwungen, eine Woche im Lager zu bleiben. Dann ging der Brennstoff au» und man versuchte, mit Proviantkisten Feuer zu machen, doch gelang«S nicht, da» Holz zum Brennen zu bringen. Die vier Gipfel de» Queen Mary-BergeS wurden von den Mitgliedern der Expedition erstiegen. Sie haben eine Höhe von 7861, 7534, 7487 und 7868 Meter erreicht. Der Fall de» verhafteten Polizciinspektor» Mariani in Lille, der an der Spitze einer Bande von Betrügern stanv, beschäftigt über hundert Polizisten und Detektive. Die Untersuchungen erstrecken sich hauptsächlich auf Nordfrankreich und auch auf die in Paris weit verztveigte Tätigkeit der Bande. Zu den bisher fcstgestellten Betrügereien aller Art gesellt sich auch noch das Verbrechen von E r p r e s s u n g. Zahlreiche Zeugen sagten aus, daß der Inspektor und die Mitglieder seiner Bande Lösegelder erpreßten, indem sie Eltern drohten, daß ihre Kinder werden entführt werden. Wieder einmal der letzte Radrtzkyvetrran! Einige Blatter melden: Den 166. Geburtstag feiert in Dien der letzte Soldat der Radetzky-Armee, der tschechische Schuster Josef Bojanovsky. Er wurde in einem Dorf bei Groß-Meseritsch geboren. Al» Soldat machte erdenFeltzzugRadetzky» nach Italien mit und wurde 1886 in der Schlacht bei Solferino schwer verwundet. Bojanovsky ist trotz seine» hohen Altergesund und guter Laune. E» ist eine der Meldungen, die so wenig auSster- ben wie die Radetzkyveteranen. Der letzte Feldzug Radetzkys in Italien fand 1846 statt. Da wäre der gute Bojanovsky also mit 18 Jahren Soldat und im Felde gewesen. Die Schlacht bei Solferino fand 1886 statt. Radetzky war damals bereits ein Jahr tot. Mit dem für Oesterreich unglücklich verlaufenen Feldzug hatte er so wenig zu tun, wie vermutlich der Veteran Bojanovsky mit ihm, Radetzky, zu tun hatte. Die gute Laune des Hundertjährigen erklärt sich wohl mich daraus, daß er den Reportern so« schöne Geschichten erzählen kann, ohne datz sie etwas merken... Der Unermüdliche Pieeerd. Pressemeldungen au» Warschau zufolge erhielten polnische Werkstätten Auftrag zum Bau«ine» neuen Stratosphärenballon» für Professor Piccard, Der Ballon wird einen Durchmesser von 66 Meter aufweisen. Ueberftandrner Schrecken. Eine au» ihrem Käfig entkommene Riesenschlange, die die Einwohner von Hasttng»(England) eine Woche lang in Schrecken gebalten hatte, wurde am Montag an der Küste in tiefem Schlaf liegend gefunden und eingefangen. Die Schlange ist drei M«ter lang und wiegt einen halb e n Zentner. Ein verheerender Orkan und Welkenbruch suchte in den letzten Tagen die südlichen und westlichen mexikanischen Gebiete heim. In einem Südbezirk wurden grob« Schäden auf den Feldern angerichtet und die Bewässerungsanlagen vernichtet. In Guada- lahara wurde eine Frau getötet. Künstliche» Radin«? Frau Jolliot-Eurie hat, wie au» Paimpol lNordfrankreich) gemeldet, wird, die in französischen Zeitungen verbreitete Meldung, «» sei ihr gelungen- künstliche» Radium herzustellen, dahin richtig gestellt, daß e» sich um eine vöm praktischen Standpunkt noch unbrauchbare Entdeckung handle. Sie habe die Möglichkeit gefunden, neue radioaktive Elemente durch Bestrahlung inaktiver Elemente mit Alfa-Strahlen zu schaffen. In England und Amerika versuchte man die Herstellung von Radium auf andere Weise und r» sei dort schon gelungen, gröbere radioaktive Körper zustande zu bringen, ater in Frankreich fehle e» an den für diese Versuche notwendigen Apparaten. Ein Pfarrer vor de« Altar niederzestechen. In Krzeszowiee(Polen) wurde in der Kirche auf den Pfarrer Moraik, al» er sich gerade zmn Altar begab, um die Messe zu zelebrieren, ein Anschlag verübt. Sette»' Weiße Zähne: Chlorodont Den Bater-Ausgedütger abgeschlachtet Die eigene Tochter al» bestialische Mörderin— Schwiegersohn al» Helfer Dreitägiger Prozeß vor dem Prager Schwurgericht Prag. Das Prager Kreisgericht steht im Zeichen eines Sensationsprozesses. Im großen Schwur« gcrichtssaal tagt da» Geschworenengericht vor dichtgefülltem Auditorium zu dreitägiger Verhandlung über eine doppelte Mordanklage und auf der Anklagebank sitzt ein Ehepaar wegen gemeinsam vollbrachter Bluttat. ES ist kein gewöhnlicher Mord, der da verhandelt wird. DaS Opfer ist der leibliche Vater der Frau und der Schwiegervater de» Manne». Den Vorsitz führt OGR. Dr. S tz k o r ä. die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. S v o b o d a. Diese enthüllt ein düsteres Bild unvorstellbarer. Unmenschlichkeit. Angeklagt sind der LSjährlge Häusler und Arbeiter Anton Kindl und seine 28jährige Frau Bojen«. Und die Hauptschuld liegt auf der Frau, die «it eigenen.Händen den Vater abgeschlachtet hat., Ihr Mann hat bei der Ermordung tätig mitgewirkt. Während aber die Frau nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis abgelegt hat, das sie freilich bei der Vcrhandung wieder abzuschwächen versucht, leugnet Anton Kindl hartnäckig die Schuld, so datz der Proztb, wenigstens zum Teil, ein Jndi- zienprozeh ist und die Angeklagten durch das Beweismaterial überführt werden müssen. Da» Märtyrin« eine» Ausgedingers. Die angeklagte Bojena Kindl lebte mit ihrem Gatten(es war ihre zweite Ehe), in dem Häuschen ihre» Vaters im Dorfe Eervenh Ujezd bei Unh o f ch t. Dar Zusammenleben verlief zunächst leidlich, doch kam es auch in der ersten Zeit schon zu kleineren Zusammenstöben zwischen dem 88jährigen Vater Franz Sindeläk und dem Ehepaar, hauptsächlich deshalb, weil da» au» erster Ehe stammende Kind, ein Mädchen namenS Vönceslava. die der Liebling deS alten Sindeläk war, sowohl von ihrem Stiefvater als auch von der eigenen Mütter sehr schlecht behandelt wurde und Sindeläk sich seiner Enkelin annahm. Wenn diese Frau schon ihr eigenes Kind schlecht behandelte, wie muhte e» da erst dem alten Vater ergehen, wenn er der Behandlung seiner liebevollen Kinder bedingungslos ausgeliefert war! Trotzdem lieh sich der alte Sindeläk herbei, sein Häuschen dem Ehepaar abzutreten. Er bedang sich dafür lebenslängliche Wohnung und Verpflegung aus, nebst einer einmaligen Abfindung von 2666 KL. Kaum war der Ausgedingevertrag unterschrieben und da» Häuschen übergeben, hatte er auch schon, wie zu erwarten wär, die•.«>..(ip-n Hölle auf Erden. Er hatte seinen letzten Wert verloren und war nur» mehr ein lästiger Ballast, dessen man sich so schnell al» möglich zu entledigen suchte. Schimpfereien und Raufereien waren an der Tagesordnung. In welcher Art der Ausgedinger mißhandelt wurde, davon legen die GcrichtSakten de» Bezirksgerichtes Unhoscht Zeugnis ab. Der Ausgedinger war genötigt, gegen seinen Schwiegersohn Anzeige zu erstatten, weit dieser ihn gewürgt und mehrfach gegen da» Bettgestell geworfen hatte. Im Feber fand in dieser Sache die erste Verhandlung statt, die vertagt wurde und am 2. März fortgesetzt werden sollte. Zu dieser Verhandlung kam e» aber nicht mehr, denn inzwischen vollendete sich datragische Schicksal de» gequälten Ausgedinger». Den letzten Anstoh zu dem furchtbaren Ende aber gab di« Absicht de» Au»gedinger», ein« neu« Eh« einzugehrn, wodurch sein« Tochter und deren Mann ein« Schmälerung de» Erbteile» befürchteten. Franz Sindeläk hatte eine ernsthafte Bekanntschaft mit einer Witwe angeknüpft und beabsichtigt«, sie zu heiraten. Die- schlug dem Faß den Boden aus. In der Nacht vom 17. Feber kam e» zur Katastrophe. Die Anklage entwirft folgende» Bild von dem grauenhaften Hergang:. Die angeklagten Eheleute verabredeten sich, den Ausgedinger am Abend des 17. Feber aus der Welt zu schaffen. Sindeläk war ausgcgangen und kam erst gegen 11 Ühr nacht» .zurück. Er wurde erwartet..'.l, Beim Betreten des Hause» trat ihm sein Schwiegersohn, der angeklagte Anton Kindl entgegen und provozierte einen Wortwechsel, in dessen Verlauf er alsbald zu Tätlichkeiten überging. Er warf den Sindeläk zu Boden und die eigene Tochter warf dem Vater ein« Schling« um den Hal» und begann ihn zu drosseln. Es entspann sich ein ftirchtbarer Kampf. Der Ueber- fallene kämpfte verzweifelt um sein Leben. Zahlreiche Kratzwunden nnd ein tiefer Bih an der Hand der Bojena Kindl zeugen von erbitterter Gegenwehr. Die gellenden Hilferufe des Gewürgten veranlassten einen Vorübergehenden, mit dem Stock an die HauS- türe zu klopfen. Streit und Zank waren ja in diesem HanS an der Tagesordnung und der Nachbar beruhigte sich, als nach seinem Pochen Ruhe eintrat. Aber diese Ruhe hatte eine andere Ursache... Durch daS Klopfen an der HauStüre aufgeschreckt, batte die Tochter eine Axt ergriffen und de« Vater durch einen Hieb mit dem Axthel« auf den Schädel betäubt. Den Bewusstlosen würgte dann Anton Kindl vollend» ab. Am nächsten Morgen alarmierte dä» Ehepaar einen Nachbarn mit der Nachricht: „Unser Alter hat sich aufgehängt." Tatsächlich fand der Nachbar den alten Sindeläk in dein Schupfen hängend auf. Er bemerkte aber, als er den Toten abschnitt(den„Kindern" war das merkwürdigerweise vörher nicht eingefallen), daß dessen Haar ganz nah war und der Strick nicht eng nm den Hals der Leiche lag. Daraus ergibt sich, datz der angebliche Selbstmörder kurz vorher gewaschen worden war. Daß er sich nicht selbst gewaschen haben konnte, ergab, sich au» der schweren Wunde auf feinet» Scheitel.'Der Strick lag aber deshalb nicht eng um den Hals, weil—., eint bereit» erstarrt« Leiche in die Schling« gehängt worden war, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Diese Auslegung der Gerichtsärzte bestätigte später da» Geständnis der Angeklagten, die erklärt«, sie habe sich vor der Leiche de» Vater» gefürchtet und den Ermordeten mit Hilfe ihres Mannes in dem Schupfen aufgehängt. Die Bojena Kindl ist, wie erwähnt, im wesentlichen geständig. Ihr Gatte bestreitet dagegen jede Teilnahme an dem Mord und gibt bloss zu. bei der „Wegschaffung" der Leich«, d. h. bei Vortäuschung des Selbstmorde» mitgewirkt zu haben. Die beute einvernommenen Zeugen bestätigten vollkommen die AuSfvhrungen der Anklage. In den späten Nach- mittagSstunden wurde die Verhandlung aus morgen vertagt. rb. Ein gewisser Piskorek, der sichtlich geistergestört ist, versetzte dem Psarrer meuchlings einen Messerstich in den Rücken. Moraik liegt in Agonie. Gcdenkmarken-Abstempelnng. Beim Postamt« „Praha 16-Hrad" werden am 28. September 1634, d. i. am Gedenk-Tage der Gründung der ersten Formationen der tschechoslowakischen Auslandsarmee, die zu diesem Zwecke hcrmiSgegebenen Gedenkmarken mit einem besonderen GelegenheitS-Ort» und Datumstempel in roter Farbe mit dem Datum vom 28. September 1984 abgestempelt werden. Nach diesem Tage wird die Abstempelung zu philatelistischen Zwecken bei den Philatelistenschaltern de» Postamte» 1 in Prag, bi» einschließlich zum 26. Oktober d. I. fortgesetzt»verden.— Auswärtige Interessenten können abgestempelte Briefmarkenserien durch Vermittlung de» nächsten Postamtes bestellen. Am 11.«,d 12. Lebensjahr nm sichersten vor de« Lade. Die Zahlen über die Sterblichkeit und da» Alter und Geschlecht der Verstorbenen in der Tschechoslowakei gestatten einige interessante Schlüffe. Bon 160.000 männlichcir Einwohnern sterben die meisten im ersten Lebensjahr, und zwar nicht weniger als 14.382, bei den Frauen„nur" 11,808. Diese Sterblichkeit geht dann rasch zurück, bi» sie beim männlichen Geschlecht im 12. Lebensjahr das-Minimum von 128 Sterbefällen(unter 100.000 Gleichaltrigen), beim tveiblichen Geschlecht im 11. Lebensjahr das Minimum von 132 Sterbefällen erreicht. Die LebenSwahrscheinlichkeit, d. i. die Wahrscheinlichkeit, datz man da» nächste Lebensjahr erlebt, ist bei beiden Geschlechtern in beiden erwähnten Lebensjahren di« größte. Sie beträgt beim männlichen Geschlecht 98.847 Prozent, beim weiblichen Geschlecht 99.843 Prozent, von 100.000 Männern werden 7 hundertjährig, von 100.000 Frauen 10. ,(«Prager Presse?.). Eine Ente— aber wa» für eine? Ein Wilderer schob in der Nähe von Teschen eine, Ente, welche zwei Köpfe hatte. Man bot ihm für die Trophäe 2800 KL, der Mann will sie aber nicht verkaufen.— So berichtet eine Prager Abendzeitung. Hoffentlich hat sie keine Zeitungsente geschossen. HINIM MU UM Wandernde Maschinen— hungernde Menschen Die Abwrackung nnserer Textilindustrie. In der letzten Nummer des„Textilarbeiters" finden wir eine interessante längere Darstellung über die Auswanderung unserer Textilindustrie in diejenigen Länder, welche bisher ihren Bedarf an Textilwaren nicht selbst gedeckt haben, insbesondere nach dem Südosten. Als Beispiel dafür loird Ungarn gewählt, das einmal unser wichtigste» Absatzgebiet war, dessen Markt wir aber zum Teil auS eigener Schuld, zum Teil infolge der zollpolitischen Abriegelung des ungarischen Marktes wahrscheinlich dauernd verloren haben. Die ungarische Textilindustrie besatz im Jahre 1913 123 Betriebe, 1932 jedoch 289. Sie beschäftigte am 1. Oktober 1913 16.062 und am 1. Oktober 1932 39.871 Arbeiter. Der Wert der von ihr erzeugten Waren stieg in derselben Zeit Von 98,402.000 auf 287,217.000 Pengö. Die Baumwollindustrie Ungarns deckte im Jahre 1928 erst 44.18 Prozent des inländischen Garn- Verbrauches, während der Rest von 55.88 Prozent auf die Einfuhr ausländischer Garne entfiel. Im Jahre 1933 aber war die ungarische Baumwollindustrie schon in der Lage, 91.41 Prozent deS inländischen Garnverbrauches selbst herzustellen, während der von der Einfuhr gedeckte Bedarf nur hinein in die 3reü Uereimguag' 64MüaftsiUcfwr(Uademikrl noch 8.89 Prozent betrug, obwohl von 1928 bi» 1933 der Garnverbrauch von 94.996 Meterzentnern auf 288.182 Meterzentner gestiegen ist. Aehnlich hat sich die ungarische Wollindustrie ent-“ wickelt, die 1927 47.87 Prozent deS inländischen WollgariwerbraucheS erzeugte, 1933 aber schon 80.53 Prozent deckte, so datz der Anteil der Ein-' fuhr von 52,13 Prozent auf 19.47 Prozent sank.• Noch drastischer wird dieser Aufstieg der ungarischen Textilindustrie durch die Entwicklung der■■ Produktion von Baumwollwaren illustriert. 1925 vermochte die ungarische Baumwollindustrie nur 47.84 Prozent deS gesamten AnlandSverbrauche» zu decken, 1933 aber schon 100 Prozent. Der An« teil der Einfuhr am JnlandSverbrauch sank daher von 52.16 Prozent auf 0 Prozent im Jahre 1933. Ungarn ist aber, soweit die Textilindustrie in Betracht kommt, keineswegs ein Einzclfall, sondern nur ein typisches Beispiel für den Aufschwung der Textilindustrie in einer Reihe von anderen mittel- und südosteuropäischen Ländern, deren Textilindustrie bis zum Ausbruch des Weltkrieges fast keine Bedeutung hatte. Die Folge dieser Entwicklung ist. daß in den letzten Jahren unsere Textilindustrie viele Millionen Kilogramm gebrauchter Textilmaschinen abmontiert und ins Ausland verkauft hat, so datz man geradezu von einer Abwrackung unserer Textilindustrie sprechen kann. Der Ausfuhrüberschuß im Außen-' handel Die günstigste Erscheinung in der Entwicklung deS tschechoslowakischen Außenhandels der ersten acht Monate des Jahres 1934 ist die gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres wesentlich erhöhte Ausfuhr von. Fertigwaren. Diese Ausfuhrsteigerung hat dazu beigetragen, datz da« Passivum, mit dem im vorigen Jahr der Außenhandel abschlotz. sich in ein Aktivum verwandelt hat. Bom Jänner bis August 1934 sind für rund 2H0 Millionen KL mehr Waren aus der Tsche« : choslvibakci‘ anSgeführl,. als' eingeführt worden.■>'' Allerdings geht dieser hohe Ileberscbuß nicht mir-''- auf die Ausfuhrsteigerung zurück. Er wurde viel»'• mehr in dieser Höhe nur erreicht durch die gleichzeitige Drosselung der Einfuhr. Eine Uebersicht über den tschechoslowakischen Außenhandel läßt erkennen, daß die Tschechoslowakei mit der Mehrzahl ihrer Handelspartner den Handel zu ihrem Vorteil tätigt. Nach einer Tabelle, die dem letzten Bulletin der Tschechosiowa« .kischen Nationalbank entnommen ist, war von.. I Jänner bis Juli 1934(der August ist noch nicht. erfaßt) der Außenhandel mit folgenden Ländern. aktiv. Zum Vergleich führen wir daS Ergebnis. vom Jänner bis Juli 1933 mit an. Jänner—Juli Jänner—Juki 1984 in tausend 1933 KL Ehina.■ 45.650 20.908 Dänemark., » 9.555 1.189 Jugoslawien. • • 31.944 29.205 Kanada.. W • 28.786 passiv 26.495 Ungarn., ■ 22.010 1.284 Deutschland, ■ • 107.156 passiv 148.802 Niederlande t • • 22.850 87.529 Oesterreich■ • • 222.826 216.875 Rumänien 26.463 67.890 Vereinigte Staaten 61.924 89.472 Schweden« ■ 18.570 21.763 Schweiz,, ■ 48.872 42.692 Triest., • 8.241 passiv 34.221 Türkei,. 99.695 8.416 Großbritannien 46.285 18.484 Mit allen vorstehenden Ländern, mit AuS nähme von Kanada, Deutschland und Triest' ist demnach bereit» im vorigen Jahre der Handelsverkehr aktiv gewesen. Ganz auffällig ist unser Ausfuhrüberschuß nach Oesterreich, nach Deutschland und nach der Türkei. Unter den Staaten, mit denen unser Außenhandel in der Zeit vom Jänner bis Juli 1934 weiterhin passiv blieb, befinden sich: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Britisch-Jndicn,. Bulgarien, Aegypten, Frankreich. Hamburg, Italien, Polen, Sowjetrußland und Spanien. Das höchste Passivum hat sich im Handelsverkehr mit Frankreich herausgebildet. ES ist in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auf 110,447.000 KL angestiegen, während eS. im vorigen Jahre in< der gleichen Zeit nur 34,213.000 betragen hat. Diese ungünstige Entwicklung geht a«( die Kontingentierung der Warenein fuhr in Frankreich zurück, von der insbesondere die tschechoslotvakischey: Ausfuhrerzeugnisse betroffen worden sind. So erfreulich der Ausfuhrüberschuß im gan«' zen ist, jo nachdrücklich muß doch darauf auf-: merksam gemacht werden, daß die Voraussetzung.. zu seiner Erhaltung. und weiteren Entwicklung., da» Aufhören der Einfuhrdrossclung ist.; Seite 8 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 26. September 1834. Nr. 228 PRAGER ZEITUNG n Abonnements- Bestellschein. O 8 Derlanget überall ■ ■ ■ ■ * I ■ Unterschrift: Genaue Adresse:, Letzte Post:.. - Zweite 3:1, Tscho- i i i ■•■ ■*• Name:...,, Es muß bei Gelegenheit der hiesigen AuMH-i Gleichzeitig wurde auch ein Spiel am di« nntg solcher Schundwerke aus dem Dritten Reich Europa-Meisterschaft zwischen Bel- Wieder einmal«ine Frage an unsere Verleiher und! g i e n und England ausgetragen, das die'M« Kinobesitzer gestellt werden: Ist Ihnen bekannt, daß gischen Genossen mit 5:2 gewannen. Nach dem Beider verjagte Fritz Lang, den die Ufa nachzuahmen\ sagen der belgischen Ländermannschaft in Oslo stnd bemüht ist, in Paris einen Liliom-Film gedreht bat, i diese Erfolge um so erfreulicher. Das nächste der ficherlich(weil er fern von der Ufa und den Europa• Meisterschaftsspiel trägt England gegen Drehbüchern der Harbou entstand) künstlerisch nicht' Frankreich ans. tiefer steht als seine letzten Ufa-Utopien? Ist Ihnen weiter bekannt, daß cs— auch abgesehen vom amerikanischen Film— ausländische Filmwerke gibt, die nicht aus dem Dritten' Reich stammen, die da für aber Erfolg hatten: Werke wie die„Eskimos" von van Dhk«. der(in Venedig preisgekrönte) „Mann von Aran" des Engländer Flaherty. der Russenfilm„Okraina", der englische Film vom„un sichtbaren Menschen", der französische Film„Paque- bot Tenacith"— um nur ein paar Beispiele zu nennen? Warum sind diese Filme hier nicht er schienen und auch nicht als kommende Filme m^e- kündigt? Genügt es noch nicht, daß— nach Verlautbarung eines hiesigen Filmfunktionärs— der Besuch in den Prager KinoS in letzter Zeit um die Hälfte zurückgegangen ist? Soll sich auch der letzte Kinobesucher erst wehren, bis man aufhören wird, uns mit Ufa-Schund zu beehren?—eis— Mit Bedauern verurteilt Ein Richter hat mit einem Gattenmörder Mitleid Das Schwurgericht von Old Balch, dem berühmten Londoner Gericht, hat ein Urteil in einem Gattrnmord-Prozeß gefällt, das in diesem Lande, in dem auf Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin bei den Menschen so viel Wert gelegt wird, großes Aufsehen erregen muhte, aber trotzdem von der weitesten Ocffentlichkeit mit Beifall aufgenommen wurde. Es handelt sich um die Verurteilung eines gewissen Sidney Haggerty, eines Komponisten, der seine Frau erwürgt hatte. Der Angeklagte war in jeder Beziehung geständig, wurde aber trotzdem nur zu zwölf Monaten Gefängnis vrmrteilt. Nach Verlesung des Urteils erhob sich der Richter Und erklärte wörtlich folgendes: „Ihre Wut und Ahr« Heftigbeit Haden den Tod einer Ara« verursacht, die Ihnen körperlich unterlegen war, die Ihre Gattin gewesen ist, und die Sie nach den Gesetzen und den Anschauungen unseres Landes hätten beschützen müssen. Das ist ein Verbrechen, das bestraft werden muhte. Aber wenn mich das Gesetz auchgezwungen hat, auf eine Strafe zu erkennen, lers (tun die Möglichkeit zu bieten, die Finanzen des Tritten Reiches durch den Besuch ihres letzten Großfilms(und diverser kleinerer Filme) zu stärken. Diesen Gang in die Fremde hätte sie nicht nötig, wenn ihr die Erfindung geglückt wäre, von der besagter Großfilm handelt,— die Erfindung, auf elektrischem Wege Gold aus Blei zu machen, die für Hitlers ersatzwütige Anhänger zweifellos ein schöner Wunschtraum ist. Aber er bleibt unerfüllt(wie alle ihre Wunschträume, mit Ausnahme der sadistischen) — und auch der Ersatz, den uns die Ufa für die in Deutschland erschlagene und mis Deutschland vertriebene Filmkunst bieten will, fällt so armselig anS, daß ihn nur Blinde oder Unzurechnungsfähige für vollwertig halten können. Die Ufa hat mit diesem lüroßfilm„Gold" versucht, an die ntopistischen Filmschöpfungen deS von ihr verjagten Fritz Lang anzuknüpfen. aber ihr Ersatz-Regisseur Karl Hartl hat sich in dieser nachgeahmten Phantasie bis znr Blödsinnigkeit verhaspelt. Er hat sich bemüht, die kolossale Mache mit jener fascistischcn Ideologie vom heldischen Werkführer und vom bösen Spekulanten zu erfüllen, die der Regisseur Kurt Bernhardt in l seinem„Tunnel"-Film wenigstens zu äußerer Wirksamkeit gebracht hat— aber je mehr„Idee" er in ui;ii|i die Phantasie hineingestopft hat, desto lächerlicher I Geschäft" ist die Phmitasie und desto deutlicher die krampfige i’’’ Verlogenheit geworden. Herr Albers, der einst ein brauchbarer Naturbursche war und hier den über-, menschlichen Goldmacher schauspielerisch ersetzen soll, lvird von seinem Instinkt dahin geführt, aus der Heldengestalt einen Besessenen zu machen— aber mit dem elegant schmunzelnde», verstummten Opernsänger Michael Bohnen als Gegenspieler und einer Null als Partnerin(eS ist lvieder einmal Brigitte Helm) gelingt ihm nicht einmal das. Das Gold, daS in der Alchimistenküche der Ufa-Hexer entstehen sollte, ilt Blech geworden— und es ist keine Ueber- treibnng, wenn man behauptet, daß der andere Ufa-Film„Liebe im Schnee", der eine klare Ver- blödungSattacke mit Schnadahüpferln und Jodlern ist, künstlerisch höher steht als der„Großfilm voller Leidenschaften". Allerdings ist auch diese„Liebe im Schnee" eine Schändlichkeit, denn hier wird ein hoffnungsvoller junger Darsteller wie Wolfgang Liebensteiner dazu mißbraucht, Willy Fritsch zu kopieren, und verdiente Leute wie Leo Slezak und Ida Wüst müssen Clownerien treiben, die Ekel erregen. ?"»Uf S b ed i n g un g en: Bei Zustevungln, Haus oder bei-Bezug durch die Post monatlich iidl6,—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd VS.—, ganzjährig KS 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die äeitungSfrankatur wurde von der Post« und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 1S.SV9/VH/1VS0 bewilligt. Druckerei:.^vrbis", Drucke, Verlags» unb ZeitwVS-A.-G., Prag.• •er Film Ufa-Sold Die Firma des Herrn Hugenberg, die in Hit- Diensten steht, beehrt sich, dem Prager Publi- Falsche Eintrittskarten wurden beim Länder« I spiel Tschechoslowakei—Oesterreich festgestellt, als i mehrere Personen ein und denselben Platz besehen wollten. Die Druckerei, die diese falschen Karten druckte, wurde schon ermittelt. Bier Tage im Wasser. Vier solvjetrussische ! Sportler— Jasnilow, Kusnezow, Mersljak und Pupen— schwammen in der Wolga von Bsäraiolv nach Volska und legten diese 134 Kilometer lange Strecke in vier Tagen zurück. Die reine Schwimmzeit betrug beim Sieger JaSnilow 24 Stunden; 2. Kusnezow 25 Stunden, Mersljak und Pupen je 39 Stunden. Das Schwimmen wurde bei regnerischem und stürmischem Wetter sowie bei einer Wassertemperatur von 16 bis 17 Grad Celsius durchgeführt. Am ersten Tage wurden zirka 49 Kilo- ! Meter geschwommen, am zweiten 29 und am dritten und vierten Tage je 25 Kilometer. Begleitet wurden die Langstreckenschwimmer von Motorbooten mit Aerzten und Köchen. Abonniere ab....., r.» 1984 dal täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Goaialftemotrat" Verwaltung Prag XH„ Fochova tr. 62, zmn Preise von 16 Kd monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt deS Erlagscheines ein. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, 8 Ithr: B u n b u r y, Bankbeamte und freier Verkauf.— Donnerstag halb 8 Uhr: SensationSvrozeß. Erstauss'ihrnng.— Freitag 8: Märchcn im Grandhotel.— Samstag SU: Märchen im Grandhotel. Das Sportfest in Dorchester, das irn Rabmen der Gewerkschafts-Gedenkfeier stattfand, war ebenfalls eine schöne und imposante internationale Kundgebung. Im Stadion sprachen vor den versammelten Sportlern die Genossen Julius Deutsch, Elvin und Waelden, Vorsitzen-):r deS ZentralratcS der englischen Gewerkschaften. Nach dem erfolgten Aufmarsch der Leichtathleten und Sportler erschienen die Genossen Arthur Henderson, LandSbury, Th. ClhneS. Bowen und Z i m m e r in: Stadion und wurden stürmisch begrüßt. Auch bie Delegierten des Gewerkschaftskongresses, der in Weymouth tagte, waren anwesend. Die Turnerinnen deS Prager Verbandes führten in Nationaltracht Tänze auf, welche große Beachtung fanden. DaS Fußballturnier der Länderteamsj weist folgende Ergebnisse auf:' Schweiz gegen England 8:9, Belgien gegen Schweiz 8:9, Belgien gegen England 4:2 England gegen Schweiz 4:1. so stehe ich andererseits nicht an, Ihnen zu ver-> sichern, daß ich das Urteil bedauere." Wie ist es nun zu diesen Worten des eng-' lischen Richters gekommen» die sich doch fast wie die Verteidigung eines Verbrechers anhören? Im Laufe der Verhandlung stellte sich heraus, daß Sidney Haggerty, der Mörder, eine echte Künstlernatur von großer Feinfühligkeit gewesen sein muß, tvährend seine Gattin eine wahre San« tippe war, die dem Manne jahrein, jahraus das Leben zur Hölle machte. Haggerty schwieg und duldete. Aber eines Täges, vor Monaten war«s gewesen, da stieg Plötzlich dieser ganze, in viele« Jahren aufgespeicherte Haß in ihm ans, und er stürzte sich auf diese Frau, die wieder einmal angefangcn hatte, ihm ungerechte Borwürfe zu machen. Er wollte sie zum Schweigen bringen, als er aber die Kehle löslich, war das Unglück geschehen. Auf alle diese Umstände habe« seine Richter nun im weitesten Umfang Rücksicht genommen und es ihm an Beweise» ihrer menschlichen Anteilnahme nicht fehlen lassen. Unter den Richtern, die ihn verurteilten, befanden sich auch drei Frauen. Auch diese Geschworenen haben fitr eine milde Strafe gestimmt. I| Man weiß, daß nach der Einführung d«S FasciS» muS in Italien dem Ausland als eine der ersten Ruhmestaten des neuen Regimes verkündet wurde, daß nunmehr die Züge pünktlich fahren. Man bat darüber gelacht, aber die Sache halte trotzdem ihre Bedeutung und viele Demokraten ließen sich davon einfangen, weil sie darin einen Zug zur Ordnung erblickten. Unsere TtaatSbabnen batten es nach der lleber- windung vieler Schwierigkeiten erreicht, daß die Züge vor etwa drei Jahren doch endlich ziemlich, pünktlich zu fahren begannen. Diese erfreuliche Erscheinung hat indessen nicht allzu lange angehalien. AuS eigener Erfahrung vermögen wir von einem einzigen Tage zu bcrickiten, wo sich bei vier Züge», darunter drei Schnellzügen, teilweise ganz bedeutende Verspätungen] ergaben. So kam Sonntag, den 23. September, der von L verberg kommende Schnellzug Nr. 27 statt um 29.58 erst um 21.12 Uhr. also mit 14 Minuten Verspärung, an. Am selben Tage wies der von Eger! kommende Schnellzug Nr. 14 nicht weniger als 24| Minuten Verspätung auf. Gan; schlimm stand cs l aber mit dem beschleunigten SonntagSzug Nr. 1732,| der, von Bodenbach kommend, Prag um 22.39 Ubr' erreichen soll. Auf der Anschlagtafel war überhaupt! keine Zugsverspätung gemeldet, so daß zahlreiche| Leute ihre Angehörigen erwarteten und von Minute> zu Minute hofften, daß der Zug doch endlich kommen. werde. Doch cs wurde 11 II br und noch immer war kein Zug da, bis eine Anfrage bei einem der dienst-■ badenden Babnangestelltcn ergab, daß 39 Minuten I Verspätung gemeldet seien. Aus eine Anfrage, warum 1 man dies nicht wenigstens auf die Tafel anschreibe,! kam ein unzufriedenes Murren, wormif um 23.95 I Ubr die Verspätung von 39 Minuten angeschrieben! wurde— zu einer Zeit, wo die Verspätung schon i 35 Minuten betrug und 5 Minuten nach der Zen, wo der Zug selbst mit der gemeldcien Verspätung schon hätte in der Halle sein müssen. Endlich kam der Zug um 23.17 Uhr, also mit 47 Minuten Verspätung au, während der nichibcschlcunigte reguläre Zug 23.18 Uhr ankoiumcn soll! Dabei hatte man! Gelegenheit, auch die Abfahrt des Schnellzuges R 14 zu beobachten, bziv. nicht zu beobachten, da der Zug, der Prag 23.12 Ubr verlassen soll, um 23.29 Uhr immer noch in der Halle stand. Kein Mensch wird sich darüber aufhalten, wenn in' dein komplizierten Bahngetriebe einmal eine Zugsverspätnng vorkommt. Aber was empört und viele wohlgemeinte Propagandaaktionen der StaatS- babnen ihres Effektes beraubt, das ist die Regelmäßigkeit, mit tvelckicr sich gegenwärtig wieder einmal viele Züge verspäten, ohne daß man es der Mühe I wert fände, diesen Erscheinungen nachzugehen und auf Abhilfe zu dringen. Was nützen alle theoretischen Beschleunigungen der Fahrzeiten, wenn sie in der Praris nicht eingehalten werden? Schließlich sind doch die verantwortlichen Beamten dazu da, einen Fabrplan auszuarbeitcn, der dann eben eingehalten werden kann. Hai man mit eingleisigen Strecken und Zngskrcuzungen zu rechnen, so muß eben der Fahrplan so erstellt werden, daß di« einzelnen Zeiten aufeinander abgestimmt sind. Und hat schon einmal ein Zug eine Verspätung, so ist es wohl vernünftiger, es dabei zu belassen und nicht durch alle möglichen Umstellungen bei den Kreuzungen noch eine Reihe anderer Züge in Mitleidenschaft zu ziehen. Sehr oft werden, besonders in Nord- und Nord- weslböhmen, durch die Zugsvcrspätungen auch die Arbeiter geschädigt, die dann zu spät zur Arbeit kommen. Alle Beschlverdcn in dieser Hinsicht waren fruchtlos. Ank Beschwerde», die wegen Zugsverspätungen an die Stuatsbahndirektion in Königgrätz gerichtet werden, findet man cs nicht einmal der Mühe lvcrt, zu anttvorien. Tie Herren sollten sich einmal-anhören, was das reisende Publikum über diese Art des Vorgehens zu sagen weiß. Es wäre im Jnterisc des Staates und des Ansehens der Demokratie sehr von nötcn, wenn man diesen Zuständen eine entsprechende Aufmerksamkeit widmen und an den koiypctentcn Stellen für Abhilfe sorgen wollte. filme In Prager LfdifspielhRusem Adria:„Helden der Eismeere— bie Tscheljuskinleut e."R.— Alfa:„Carioca." A.— Beränek:„Bella Donna." E-— Fenix: „Die treue Nymphe." E.— Gaumont: „Frasquita. D.— Hollywood:„FraSqrckta." D.— Hvkzda:„HcldenderEiSmcere— Tschcl- j u s k i n l c u t e." R.— Kinema, B.-Ttz-r Journ., Lustspiel, Reportage, halb 2 bis 6.— Koruna:„Die geheimnisvolle Miß Baskerbille." E.— Metro: „Geschichten aus dem Wienertvald." D.—- Olym- pir:„Ein braver Junge." A.— Passage: Maskerade." D.— Radio:„Bella Donna." E.— Maut: „Der todbringende Robot." E.— Svktozor:„Maskerade." D.— Alma:„Ein Aankee als Hofrat." E.— Befeda:„Was ist die Welt?"— Expreß Rr. 18."— Carlton:„Csibi, der Fratz." D.— Favorit:„Die Stimme der Liebe."— Lido:„Csibi, der Fratz." D.— Louvre:„Bella Donna." E.— MaeeSka:„Eine Frau, die weiß, was sie will!" Tsch. — Rory:„Bella Donna." E.— Sport.Smichov: „Der Triumph eines großen Diplomaten." Kunst und Wissen „Ter Zigeunerbaron" gab bot.allem Gelegenheit, das schon nach dem„Vogelhäydler" hier gefällte llrtcil zu erhärten, daß.dap Prager Deutsche Theater in Herrn Erich Preger einen Operettentcnor von ungewöhnlich'hohen Qualitäten gewonnen hat; dieser Künstler'erzielt mit seiner schönen nnd großen, gefühlsgetrageuen und dabei vorbildlich geschulten Stimme unmittelbare Wirkungen, scheint bereits— und- mit vollem Recht— Liebling des Publikums zu sc.'... und.erweckt den Wunsch, ihn einmal in der Oper zu.hören; wer den Barinkay so singt wie er. der muß wohl auch ein strahlender Don Josä, ein überzeugender Cavara- dossi, ja vielleicht sogar ein sieghafter Lohengrin Vcrclnsnadiriditcn Bon den österreichischen„Naturfreunden". Nach der Auflösung des österreichischen Touristenvereines„Die Naturfreunde", Sitz Wien, versuchte man durch die Bildung einer neuen Betvegung den bisherigen Besitz zu erhalten und die für den Fremdenverkehr wichitigen Objekte, Schuhhäuser und äh- liche Einrichtungen wieder ihrer Bestimmung zuzuführen. Nach langen Bemühungen wurden die Satzungen, die fast in dem bisherigen Umfang belassen wurden, neu überreicht und mit 23. Juni bewilligt. Zum treuhändigen Verlvalter und Proponenten des neuen Touristenvereines„Bergfreunde" wurde Ne- gierungsrat Wilhelm Jähnel bestimmt. Nun wurde der Versuch unternowmen, die Organisation der ehemaligen„Naturfreunde" wieder flott zu machen und die Mitglieder in den von Fascisten geleiteten Verein zu locken, was aber mißlungen ist.- Die Fascistenregiernng hat nun die.Mrgfreunde", die von den Arbeitertouristen boykottiert werden, dadurch zu retten versucht, daß sie den Herausgeber der Bergsteiger-Zeitung, RegierungSrat Ludwig Siuek, der unter den Touristen großes Ansehen genießt, zum Präsidenten des gleichgeschalteten Vereines ernaimte. Er war bereit, dieses Amt unter folgenden Bedingungen zu übernehmen: 1. Vollständig freie Hand. 2. Mitarbeit der alten Funktionäre. Beides wurde ihm zugebilligt. Am Montag, den 3. September, kam RegierungSrat Sinck in die Zentrale und stellte der bisherigen Verwaltung den Vizepräsidenten Happisch als seinen Stellvertreter vor, der in seiner Abwesenheit vollständiges Verfügungsrecht besitze. Diese Maßnahme erregte großen Unwillen bei der trcuhändigen Verwaltung. Wenige Stunden darauf erfolgten mehrere Verhaftungen der herangezogenen Mitarbeiter, die 28 bis 86 Stunden verhört wurden. Außerdem fanden Hausdurchsuchungen statt, denen weitere Verhaftungen folgten. Bis auf zwei Verhaftete, die 14 Tage erhielten, sind alle wieder auf freien Fuß. Man forschte nach Verbindungen, die darauf hinzielen, die ehemaligen Mitglieder vom Beitritt abzuhalten. RegierungSrat Sinck, der auch von der Arbeiterkammer Unterstützung fand, gab nun verbittert und entrüstet über das Intrigenspiel des Regierungsrates Jähnel sofort seine Demission, die aber hc- hen OrtS nicht angenommen wurde, so daß jetzt ein vollständig chaotischer Zustand herrscht. Eine ! Klassifizierung des Negierungsrates Jähnel ist faßt unmöglich, die schärfsten Ausdrucke sind zu milde, dabei habe» ihn seine eigenen Leute mit Schimpf und Schande aus der Grazer Messe hinausgeworfen. So demonstrieren die Hahnenschwänz- ler selbst, daß für anständige Menschen in einem gleichgeschalteten Verein kein Platz ist. » Ratkor. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mitt-! • Spiel• Kümerrtleie •*«-»*« m Werbevorstcllung der Serie D 2.— Samsiag 7%: i Seriensvicle der ersten Klasse ergaben folgende AdmiralBobby, Erstausführung. A 2. Ergebnisse: Kleische gegen Aussig-Nord 8:3, Auffig- ! Ost gegen Glashütte 2:9, Türmitz gegen Krochwitz 1:9, Trmice gegen Karbitz 4:2. Klasse: Schönfeld gegen Hottowic cha« gegen Kosten 8:2, Wolfschlinge gegen Kleische II 2:9.— Freundschaftsspiel: Prosctitz gegen Pred- litz 4:1. Bürgerlicher Profi— Sowjetinstrukteur. Der bekannte französische Leichtathlet FulcS Ladou» m e g u e, welcher seinerzeit durch seine gutbezahlten Starts zmn Profi erklärt wurde und daraufhin in Paris einen„Arbeiter"-Sportklub seines Namens gründete, soll vom solvjetrussischen Sportverband als Instrukteur für Leichtathletik augestellt worden sein. Ladoumegue wurde am Freitag bei seiner Ankunft in Moskau vom Vorsitzenden des Hohen Rates für Körperkultur begrüßt. Der französische Profisportler nimmt auch an den Leichtathletik- Meisterschaften der Sowjetunion teil, die am SamS- rag ihren Anfang nahmen. Ladoumegue gewann die 1599 Meter in 4:92.8 vor Denisow in 4:93.2 Min. lieber 2999 Meter siegte S. Znamenkis in 5:31.8 vor G. Znamenkis 5:34.4 und Purje(Finnland) 5:38.1 Min. Den 5999-Meterlauf gewann S. Znamenkis in 8:49.2 Min. Purje gab nach zwei Kilometern auf. Nächster Mitropa-Cup— wieder vier Klubs. Vergangenen Samstag fand in Wien eine Mitropacup-Konferenz statt, in der festgestellt wurde, wieviel Personen im ganzen den Spielen beigewohnt haben und welch„große" Arbeit der Herr Sekretär gehabt hat. Schriftstücke, Telephongespräche und Sitzrmgen gaben in Ziffern kund, welch mühselige„Arbeit", da in: Interesse des Sports(?) geleistet wurde. Weiter befaßte man sich damit, ob wiederum im nächsten Jahr vier Vereine eines jeden Landes spielen sollen. Das ergab eine lange Debatte, die so bis gegen I Mitternacht währte, dann„einigte" man fich, es doch beim alten zu lassen... Schon wegen dem besseren Demokratie Ist nicht Schlamperei!! sein. Herr Preger pnd gleichermaßen Fräulein K o n e tz n i, die vor allem durch riesenhaft leuch- ~ tende Töne in der Höhe imponierte, fanden immer wieder großen Beifall. Neben ihnen konnte sich ^Elisabeth Wanka mit kleiner und zunächst i keinerlei Bedeutung verratenden Stimme nicht durch- I setzen. Glücklicher war Fräulein Anny Kunze als Arsena, während wiederum Herr Göllnitz noch mehr im Hintergrund blieb, als es die Blässe des Ottokar ohnehin erzwingt. Kapellmeister Rieger bemühte sich ehrlich, dem herrlichen Werk ^ungefähr das gebührende Niveau zu geben; nicht immer mit Erfolg und dies vermutlich nicht durch seine Schuld, sondern infolge der Unzulänglichkeit der Wiedcrbolungsproben. Und da muß nun gesagt werden— gerade in Anerkennung des erfreulichen Umstandes, daß man sich in dieser Spielzeit der I klassischen tpcretie anscheinend mebr zuwenden will — daß man ihr vollen Dienst nur leisten kann, i wenn man sie durchaus mit dem Respekt behandelt, i der eben Meisterwerken zukommt. L. G.