Donnerstag, 27. September 1984 14. Jahrgang Nr. 22« 1ENTRA10RGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Etaslmis 701Mar (einichlUBHch 5 HaMtDAorto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion uno Verwaltung mag xh.. fochova a. W9ONSV7. Administration teufon sw«. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Wie Henlein die Arbeiter Hinauswurf der Arbeitslosen aus der Deutschen Arbeitergewerkschaft Gablonz behandelt Wir haben bereits am Dienstag ausführlich über die Schwierigkeiten der Deutschen Arbeiter« gcwerlschaft mit dem Sih in Gablonz geschrieben, einer Organisation, welche von der Sudetendeutschen Heimatfront als die Einbruchsstelle in die deutsche Arbeiterbewegung der Tschechoslowakei gedacht ivar. Dieser erste groß angelegte Versuch drS Herrn Konrad Henlein, einen Teil der Arbeiterschaft in sein Lager hineinznzirhen, ist vollkomm« mißlungen und endet mit einem vollkommeneir Zusammenbruch. Die deutsche Arbeitcrgewcrkschast ist nicht imstande, irgendeine Unterstützung zu bezahlen. Die in ihr organisierten Arbeiter können keine Streiks führen, weil sie keine Streikunterstützung bekommen, aber was das ärgste ist, die Arbeitslosen, die jahrelang eingczahlt haben, um im Falle der Arbeitslosigkeit eine Unterstützung zu erhalten, bc- lommen nun keine Arbeitslosenunterstützung. Da die staatliche Arbeitslosenunterstützung gebunden ist a» die Auszahlung der gewerkschaftlichen, bekommen die Arbeiter, welche der Deutschen Ar» beitergewcrkschaft mit dem Sihe in Gablonz vertrant haben, auchkeinestaatlicheUnter- st L tz u n g. Wir haben in unserem ersten Artikel an Hand eines Rundschreibens der Deutschen Arbeitcrge- werkschast gezeigt, daß diese Organisation ihren finanziellen Zusammenbruch selbst cingesteht. Wir sind nun in der Lage, heute ein. zweites Rundschreiben der Deutschen Arbeitergc- wcrlschaft D. A. G., Sitz Gablonz a. N., mitzuteilen, das von Gablonz, 17. September 1034, datiert und an alle Mitglieder des Haupiaus- schusscö der Kontrollkommission und Geschäftsführer der D. A. G." gerichtet ist. Aus diesem Rundschreiben werden zunächst die finanziellen Beziehungen zwischen der Kreditanstalt der Deutschen und der Deutschen Arbeitergewerkschaft ersichtlich. Wir haben am Dienstag der Vermutung Ausdruck gegeben, daß der Kredit, den die Kreditanstalt der Deutschen der Deutschen Arbciicrgewerkschaft gewährt hat, eine Million KL beträgt. In Wirklichkeit beträgt aber diese r K r e d i t d r e i M i l l i u n e n. In dem Rundschreiben heißt es nämlich(mit allen sprachlichen Fehlern, die man bei Deutschnationalen gewöhnt ist): Dank des Entgegenkommens der K. d. D., die uns bisher einen Gesamtkredit, rund 3 Mill. AL zur Verfügung stellte» war rS dem Verbände in den ersten Wochen«ach der Bewilligung des StaatSbritragrS möglich feinen Verpflichtungen hinsichtlich der Auszahlung der ArSeitSlosenunter- stützung nachzukommen. Ta nun der Kredit erschöpft ist, ist an eine weitere Auszahlung von Arbeitslosenunterstützung nicht zu denken. Dazu konimcn noch andere Gründe, die eS der D. A. G. unmöglich machen, den Arbeitslosen etwas zu geben. Als diese Gründe werden in dem Rundschreiben bezeichnet: Die bestehenden Mängelim Beitrag s- c i nzug c, die nicht nur alle aufgestellten Berechnungen zunichte machten, sondern b.greiflicher- i weise auch das klaglose Funktionieren der gesamten VcrbandSapparaieS und darüber hinaus die regelmäßige, Auszahlung der Unterstützungen in empfindlicher Weise behinderte. DaS gegenwärtige Mißverhält- nis in der Gesamtzahl.der Mitglieder und der Zähl der Arbe.itslose'n des VerbandcS, das sich aus den gegebenen Vcr- hältmjsen entwickelt und zu. einem Unerträglichen Zustand geführt.hat. ES ist auf. die, Dauer für jede Gewerkschaft unhaltbar, wenn, so, wie es gegenwärtig in unserem Verbände der Fall, allein zur Deckung der gewerkschaftlichen Arbeitslvsen- unterstühung mehr als die gesonnten Mitgliedsbeiträge notwendig sind. Daraus geht also hervor, daß die Mitglieder nicht zahlen wollen und daß infolgedessen der Berbandsapparat überhaupt nicht mehr funktioniert. Dec Verband wollte nun mit Gewalt die Zahl der Arbeitslosen dadurch herabdrückcn, daß er in dem von uns bereits zitierten Rundschreiben das Verhältnis zwischen Arbeitslosen und Nichtunter- stühten auf 1:4 herabdrückcn wollte. Ist schon das eine eigenartige Methode zur Lösung der Frage der Arbeitslosigkeit, so hat auch diese Methode nicht genügt. Es wird dies in dem neuesten Rundschreiben folgendermaßen begründet: Für die Aussteuerung der laufenden Arbcils- losenfälle aber wären weitere rund 10 Mill. Ke notwendig, die wieder nur auf dem Wege einer neuen Kreditbeschaffung oder durch eine entsprechende Vorschußleistung des Staates aufgebracht werden könnte. Wie bereits angeführt, ist wenigstens vorläufig mit einer Erhöhung des Kredites nicht zu rechnen. DieKredit an st alkder Deutsch en will also weitere Millionen nicht mehrzur Verfügung stellen, da sie um die bereits auSgezahlten drei Millionen Angst hat und die D. A. G. sieht sich nun zu radikalen Maßnahmen bereit. Sie sieht sich genötigt, für die Zeit vom 17. September l. I. bis 30. November l. I. jede Auszahlung vo« Arbeitslosen- imterftStzung rinzuftrllrn. Aber das ist noch nicht alles. Der Kern der Lösung der ArbeitSloscnfrage durch die völkische Gewerkschaft ist: Durch unsere heutigen Darlegungen I setzen wir unsere arbeitslosen Mitglieder I davon in Kenntnis, daß sie in den nächst« I zweieinhalb Monaten mit keiner Unter- I stiitzung zu rechnen und sich daher auS nr- I eigenstem Interesse sofort bei der Ernäh- I rungSaktion anzumelden haben, um dann 1 nach innerer Festigung des Verbandes in -I denselben wieder zurückzukehren. Eine An- I Meldung in die ErnährungSaktion bedingt I allerdings den vorherig« Austritt aus dem I Verbände, da nur solche Arbeitslose An- I sprach auf die EmährungSaktion besitzen, I die keiner gewerkschaftlich« Organisation I angeftören. Sobald der Verband jedoch durch g Erreichung eines staatlichen Vorschusses und I eine eigene innere Festigung smveit sein I wird, eine klaglose Auszahlung der ArbeitS- I losenunterftützung garantiere» zu könn«, \ kann jederzeit der emeute Beitritt der nun- I mehr ausscheidmd« Mitglieder wieder er» > folg«. Die D«tsche Arbeitergewertschaft, Sitz Gablonz, schmeißt also die arbeitslosen Mitglieder einsach hinaus. Um die Arbeitszeitverkürzung (Genf.) Im Internationalen Arbeitsamt in Genf fand Mittwoch vormittag die erste Sitzung des neuen Vcrlvaltungsratcs statt, in tvelchem die Tchcchoslowakei durch den Delegierten der Regierung Dr. Leo Winter vertreten ist. Für die Arbeitgeber wurde Dr. Banök und für die Arbeiterschaft N e'm e L ek nach Genf entsandt.' Der VcrwaltungSrat des Internationalen "Arbeitsamtes hat zu prüfen, welche Folgen die auf dec internationalen Arbeitskonfercnz angenommene Resolution' über die 4 0stün- d i g e Ar b c i t s z e i t haben wird. Nach vie- ' fcv Resolution sollder Verwaltungsrat des Jnter- Dic noch in Arbeit stehenden Mitglieder können allerdings weiter beim Verband bleiben und es werden deswegen alle Zahlstellen aufgc- fordert, g«au darauf zu acht«, daß die noch in Arbeit stehenden Mitglieder dem Verbände auch weiterhin restlos die Treue halten und daß die Abfuhr der MitgliedSbciträge allmonatlich in der pünktlichsten Weise erfolgt. I Dic arbeitslosen Mitglieder werden aus dem Verband hinausgcworfcn und die Arbeitenden können weiter zahlen, solange bis sie arbeitslos werden. Dann werden auch sie hinauSgcworfen. Der Arbeiter zahlt also GewerkschaftSbciträgc, damit er im Falle der Arbeitslosigkeit eine llnierstützung erhält. Sobald er aber arbeitslos wird, wird er hinausgeworfen, so daß er also niemals eine Arbeitslosenunterstützung bekommt. Das Ganze aber nennt man völkische Gewerkschaftsbewegung! , Der Zusammenbruch der Deutschen Arbeitergewerkschaft, Sitz Gablonz, ist aber auch eine Niederlage der Strategen, welche in der H a u p t- lcitung der Sudeten deutsch en Heimat f r o n t beschäftigt sind. In der Weisung Nr. 40 dec Sudetcndcutschen Heimatfront, die wir faksimiliert in unserer Ausgabe vom 4. August 1034 veröffentlicht haben, die Eger, 10. Juli 1934, datiert war und an alle Kreis-, Bczirks- und Ortsleiter ergangen ist, heißt es: Auf Grund dieser uns zugekommmen Nachricht« scheint der Bestand der Deutschen Arbritrr- gewettschast endgültig gesichert z« sein... Ergänzende Mitteilungen werden in Kürze folg«. Unterschrieben>var dieses Rundschreiben der S. H. F.»Mit deutschem Gruß: Für die Haupt- stelle der S. H. F. Dr. K ö l l n e r e. h." Die Arbeiter, die bei der Sudetcndcutschen Heimatfront organisiert und Mitglieder der Deutschen Arbeitergewerkschaft sind, werden über diesen deutschen Gruß sehr erfreut sein und sind neugierig auf die ergänzenden Mitteilungen der S. H. F.,»die in Kürze erfolgen werden". I Die gesamte deutsche Arbeiterschaft in der Tschechoslowakei hat nun ein schlagendes, unwiderlegliches Beispiel erhalten, wie die Sudctendcutschc Heimatfront und wie die sogenannten völkischen Kreise sich zur Not der Arbeitslosen stellen. Sie machen den Arbeitern Versprechungen, locken sie in ihre Organisationen und wenn der Arbeiter arbeitslos lvird, wird er aus jenen Organisationen, die ihm Unterstützung zugesagt haben und die zur Leistung dieser Unterstützungen statutarisch verpflichtet sind, erbarmungslos hinausgeworfen. Aus diesem Verhalten der Sudctendeutschcn Heimatfront und der Deutschen Arbcitergcwerk- schaft werden die Arbeiter die Lehre ziehen. nationalen ArbcitsaintcS darüber entscheiden, ob und in lvclcher Form das Problem der 40stündi- gcn Arbeitszeit in das Arbeitsprogramm der nächsten Session der Arbcitskonfcren'z im Jahre 1935 aufgenommcn werden soll. Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes prüft verschiedene Anregungen, die auf eine praktische Lösung des Problems der Arbeitszeitkürzung abzielen. Unter diesen Anregungen steht auch die auf der letzten Arbeitskonfercnz vertretene Idee zur Debatte, ein all g c m c ines llebe reinkommen Uber ei ne g ru nd- s ähl i ch e Kürz u n oder Ar b'ei t s z: it zu treffen, wobei die Geltendmachung dieser Grundsätze sukzessive in den verschiedenen Zweigen der volkswirtschaftlichen Unternehmungen erfolgen würde.- Vie ewig Gestrigen Der Eintritt SowjetrußlandS in den Völkerbund hat eine völlig veränderte Situation in der Weltpolitik und auch in der internationalen Arbeiterpolitik geschaffen. Die bisherige Plattform des kommunistischen Kampfes gegen die Sozialdemokratie ist zertrümmert, alle Begründungen für eine weitere Spaltung der Arbeiterbewegung sind hinfällig geworden. Der Geschäftsführer der französischen Bonrgcoisicrepublik, Bar- thou, ist heute der beste Freund SowjetrußlandS. Rußland macht Koalition Spolitik mit ausgesprochen lapitalistischen Mächten. Wie soll man da dem kommunistischen Arbeiter weiter cinrcdcn, daß ausgerechnet Fritz Adler und Vandervelde geschworene Feinde der Sowjetunion sind, daß die sozialdemokratische Koalitionspolitik, die auf einer Linie mit der russischen Außenpolitik läuft, mit allen Mitteln bekämpft werden müsse? Die kommunistischen Führer versuchen in dieser verzweifelten Lage ein AblenknngSmanöver. Sie machen in letzter Zeit den viclverlästertcn „Sozialfascisten" alle 14 Tage ein Einheitsfront-Angebot. Zuletzt haben sie uns sogar einen »Angriffspakt gegen Henlein" vorgcschlagen. Der Sinn unserer kürzlich veröffentlichten Antwort war der, daß die Kommunisten vor allem ihre Spaltungspolitik zu revidieren haben. Die kommunistische Presie ist mit dieser Antwort begreiflicherweise unzufrieden. Das macht weiter nichts. An die Adresse der kommunistischen Arbeiter seien aber bei dieser Gelegenheit noch einige Worte gesagt. Was versteht ihr Arbeiter unter einem„Angriffspakt gegen Henlein"? Daß Sozialdemokraten und Kommunisten gcmcinsanl gegen die Hcn- lei»front marschieren sollen. Wie stellte sich die kommunistische Parteiführung die praktische Anwendung dieses„Angriffspaktes" vor? Es sollten gemeinsame Aktionen, Versammlungen, Kundgebungen, Demonstrationen veranstaltet werden. Weiter wurde uns vorgcschlagen: „Bei den gemeinsamen Aktionen gegen den HenleinfasciSinnS werden die gegenseitigenAn- griffe zwischen der komnnmistischen und sozialdemokratischen Partei eingestellt und das ganze Feuer des Kampfes wird gegen deu HenleinfasciSinnS gerichtet." Die kommunistische Führung gesteht damit selbst ein, daß die gegenseitigen Angrisfe zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten nicht im Interesse einer erfolgreichen Bekämpfung des FascismnS liegen. Nun aber fragen wir: Warum sollen diese gegenseitige» Angriffe nur alle heiligen Zeiten einmal unterbrochen werden, wenn gerade eine gemeinsame Versammlung gegen die Henleinfront gemacht wird? Warum sollen diese Angriffe nicht überhaupt und gänzlich aufhörcn? In der täglichen Praxis sollte also trotz des famosen PaltangcboteS der Brnderlampf weitcrgehcn. Die kommunistischen Gelverlschastcn lvürdc» wci- ter den freien Gewerkschaften die Mitglieder abtreiben, die kommunistischen Gcmeindevertreter könnten nach Ivie vor jeden sozialdemokratischen Vorsteher für die ArbcitSlosennot vcrantlvortlich machen, kein Atusvercin und leine GesangSriege wäre auch fernerhin vor kommunistischer Zcrset- zungsarbeit sicher. So könnte man etwa den Gegnern imponieren und die Massen mitreißen, wenn im Werktag die Spaltung lveitergcht und nur alle Vierteljahr bei Henlein-Versammlungen eine Einheitsfront vorgetäuscht wird? Wir sagen vorgctänscht, weil die unerläßliche Bürgschaft einer gemeinsamen Front die g e i st i g e Ern h e i't ist. Es genügt nicht, einen sogenannten„Angriffspakt gegen Henlein" zu verlangen? W o f ü r, für welche Losungen, für welche unmittelbaren Ziele wollen die Kommunisten den gemeinsamen Kampf aufnehmen? Daß derzeit keine Konjunktur für die Wcitertreibung der Weltrevolution besteht, beweist am besten die vorsichtige Defcnsivpolitik Rußlands. Wofür also gemeinsamer Kampf? Di« Kommunisten nüflen einmal offen erklären, ob sie bereit sind, die demokratische StaatSform gegen die fasristischeir Angriffe zu verteidigen. Ob sie Üerejt sind, an dem Ausbau der politischen zur sozialen Demokratie mitzuwirken. Oder woUen sie den Ständephrasen Henleins die Forderung nach einem bolschewistischen Rätestaat entgegensetzen? So verrückt war unseres Wissens bisher noch kein kommunistischer Redner. So verrückt Seite 2 Donnerstag, 27. September 1V31 Nr. 22« SHF, B. d. L. und Bafa kann auch die kommunistische Parteileitung nicht sein. Mit Anti-Parolenistheutckein Auskommen mehr. Wer gegen den FaseiS« muS erfolgreich kämpfen will, muh vor allem fein pofitivcöWollc» betonen. Hier ist eS an den Kommunisten, Farbe vi bekennen. Bejahen sie die S o z i a l p o I i t i k, dann dürfen sie nicht nur kritisieren, sondern müssen auch die sozialistischen Leistlingen auf diesem Gebiete anerkennen. Bejahen sie die Gc Werkschafts« arbeit, dann ist es hoch an der Zeit, den Laden der verschiedenen»roten" Splittergewcrkschaften schleunigst zuzumachen. Bejahen sie einträchtiges proletarisches Kulturschaffen, dann must der Krieg gegen unsere Turn-, Gesangs- und Wandcrvereine endlich aufhörcn. Denn das müssen sich die Kommunisten endlich mit aller Offenheit sagen lassen, daß sie mit ihren sogenannten Gewerkschaften, mit ihren auS Konkurrenzneid gegründeten Turnvereinen, mit ihrer Presse Schiffbruch erlitten haben, lind die kommunistischen Parteiorganisationen? Sie mütz- ten sich eigentlich mit aller Kraft für die Erhaltung der Demokratie cknseben, denn nur in der Demokratie können sie hie und da ihr Dasein durch Stimmen zählung beiveiscn. Wenn eS auf die kommunistischen Beitragszahler ankäme, wäre diese Bewegung hierzulande schon längst liquidiert. Das Sterben ihrer Sekretariate zeugt davon. Dieselben Leute aber, die selbst nicht die geringsten OrganisationS- und SolidaritätSpflichten erfüllen, die alles verwirtschaftet haben, was sie von der alten Bclvegung absplittertcn, möchten sich immer wieder als politische und strategische Lehrmeister der sozialdemokratischen Massen aufspielen. Ein aussichtsloses Beginnen. Wir Sozialdemokraten haben unseren Kampf den neuen Verhältnissen in der Welt angepaßt. Wir stehen heute in einer Front mit Sowjetrustland. Die Kommunisten aber sind— nach dem Wort Krei- bichs auf dem Karlsbader Spaltungsparteitage— die„ewig Gestrigen" geblieben. Sie haben nichts, rein gar nichts zugelernt. Ihr steriler Hast gegen die Sozialdemokraten lästt sie sogar die austenpolitischen Interessen RustlandS mistachten, treibt sie in eine Front mit den fascistischen Feinden der Sowjetunion. Nicht eine schlecht gekleisterte Einheitsfront, sondern eine neue Einheitsbewegung, die geistigpolitische Einheit des Proletariats.müssen errungen werden. Wollen die Kommunisten diese Einheit, dann müssen sie vor allem ihre organisatorische und agitatorische Praxis liquidieren, dann müsien sie sich bekennen zur Gewerkschaftsund Genossenschaftseinheit, zur Einheit der proletarischen Kulturorganisationen. Man kann nicht gleichzeitig mit bürgerlichen Staaten Bündnisse schließen und den Bruderkrieg in der Arbeiterbewegung fortführen. Die überraschende Vertagung des kommunistischen Weltkongresses ist ein sichtbares Zeichen', daß der' Widerspruch zwischen der Politik der russischen und der westeuropäischen Kommunisten durch keine Thesen, sondern nur durch eine radikale Umkehr zu überbrücken ist. Wieviele Kommunisten dieser Umkehr noch fähig sind, mag die nächste Entwicklung erweisen, die unerbittlich über die ewig Gestrigen Hinwegschreiten wird. GEDENKET bei allen AhIIsim der Arbeiter/ürsorge! Herr Henlein hat in den letzten Wochen beim Lesen der sozialdemokratischen Presse einen Wutanfall um den anderen bekommen; vor kurzem riß ihm sozusagen öffentlich die Geduld. Die „Rundschau" vom 28. September, ist fast ausschließlich eine Ablagerungsstätte der wüstesten und lächerlichsten Schimpfereien gegen die deutschen Sozialdemokraten. Zunächst behauptet die„Rundschau", die Sozialdemokraten hätten ein Verbot der Henlein» kundgebunq in Karlsbad„erzielen" wollen. Sie hat für diese Behauptung natürlich nicht den geringsten Beweis. Fest steht nur, daß die Sozialdemokraten die Absicht hatten, durch einen eigenen Massenaufmarsch die Verlogenheit des hen» lcinschkn Totalitätsanspruchs aufzuzeigen. Es ist schade, dast eS zu dem Verbot der beiden Kundgebungen kam: die Oeffentlichteit hätte gesehen, dast die kühne Behauptung Henleins, das ganze sudetlndcutsche Volk stehe in seinem Lager und er allein sei berechtigt, in seinem Namen zu reden und zu handeln, nichts als ein elendes Geflunker ist. Noch lustiger ist aber die Entdeckung Henleins, die Sozialdemokratie habe sich mit dem Kapitalismus ausgcsöhnt, was durch die feiten- grohcn Inserate der Firma B a k a bewiesen werde. Tatsächlich führt die„Rundschau" einen demagogischen Kampf um die«Selbständigkeit" der kleinen Schubmachermeister, obwohl es eine solche Selbständigkeit schon längst nicht mehr gibt. Genau wie die„Rundschau" haben die Nationalsozialisten in Deutschland vor der Machtübernahme um die Kleingewerbetreibenden geworben: in ihrem Agitationsbedürfnis schreckten sie vor keinem Versprechen und keiner Liebedienerei zurück. Freilich— die„Rundschau" hat kein Baka- Jnserat; daran ist aber nicht sie, sondern Baka schuld. Wenn sie aber schon aus ihrer Not eine Tugend macht, so soll sie doch nicht glauben, daß ihre Heuchelei verfängt. Während sie ihre Spiegelfechterei für di« Interesse» des Kleingewerbes betreibt, veröffentlichen fast alle Tagblätter de» sudetendeutschen Bürgertums, dir dem Henlein so di« Maner machen, dass man fie als feine Parteiorgane ansprrchrn kann, ein Bata-Inserat um da- andere. Aber Henlrin lässt sich in feiner Freundschaft zu dieser— um in seiner Redeweise zu sprechen: von Bata gekanften— Presse nicht im geringsten beirren; im Gegenteil, die Bundesgrnossenschaft zwischen ihm und den vürgerschmöckm wird immer enger. Die Leute, die den öligen Phrasen der „Rundschau" glauben und»sicht.sichen Her sehen wollen, was sich sonst um Henlein mcd seine Bewegung abspielt, bemerken nichts von dieser Moral mit doppeltem Boden. Die Kleingewerbetreibenden lesen die Trostsprüche be* offiziellen HenleinÜlatteü gerne, während die inoffiziellen Henleinorgane unter seinem verständnisvolle» Zwinkern die Jnseratengelder von Herrn Bata einkassieren. Dabei besteht zwischen uns und dem Durchschnitt der Bürgerpresse immerhin der grundsätzliche Unterschied, daß unser redaktioneller Teil von denc Jnseratengeschäft unberührt bleibt.(Wir haben im redaktionellen Teil auch Stimmen der Gewerbetreibenden veröffentlicht) tvährend die journalistischen Hilfsorgane des Kleingewerbe-Retters Henlein auch ihren redak- j tionellen Teil an zahlungskräftige Kunden— die natürlich nicht im Kreise der kleinen Schuster und anderen Gewerbetreibenden zu finden sind— bedenkenlos zu verkaufen pflegen.(Die„Rundschau" selbst, die doch-der Bolkserncuerung dienen will, hat z. B. ein« erkleckliche Anzahl von Bier inseraten. Es ist also anzunehmen, daß sie dem Alkoholkapsial dient.) Natürlich steht die Jnseratenplantage der„Rundschau" auch nur den zahlungskräftigen Kunden zur Verfügung. Sie ist keineswegs geneigt, auch nur e i n e m der armen Schuster, für die zu kämpfen sie vorgibt, etwa ein Gratis inserat zu gewähren. Sie kassiert von allen— genau so, wie die henleinfreundlichcn Bürgerblätter von Bata kassieren. Noch übler aber wird die henleinsche Demagogie bei der Behandlung eine» angeblichen M a r» g a r i n e g e s e tz c s, für das die deutschen Sozialdemokraten verantwortlich sein sollen. Ein jo kluger Mann wie Henlein braucht natürlich nicht zu wissen, dast die Aufteilung des Margarinekontingents nicht durch ein Gesetz, sondern durch eine Verordnung erfolgte. Und er w i l l nicht wissen, daß es gerade dieSozialdemokra- t e n waren und sind, die gegen die Wirkungen dieser Verordnung ununterbrochen ankämpfen. Wenn aber schon die„Rundschau" Verantwortliche sucht: worum hält sie sich denn nicht an die deutschen Landbltndler, die doch auch in der Regierung sitzen und deutsche Belange nicht minder zu vertreten verpflichtet sind al» die deutschen Sozialdemokraten. Neber fie spricht Henlein nicht, weil fie Bunde», genossen find. Eine Hand wäscht di, andere. Für ein gutes Parteigeschüft wird ihnen von! In der letzten Zeit pflegen die Hausbesitzer den Mietern Vereinbarungen zur Unterschrift vorzulegen, nach welchen besondere Kündigungsfristen zwischen Mieter und Hausbesitzer vereinbart werden. In vielen Fällen enthalten diese von den Haus- besitzervereinen ausgefertigten Fornmlarien auch noch andere Bestimmungen, so insbesondere verschiedene Verpflichtungen bezüglich der Hausordnung, der Benützung de» vermieteten BestandSobjckteS, der Aftervermietung, Zinszahlung ete. Bevor der Mieter eine solche Vereinbarung unterschreibt, must er sich mit Rechtskundigen beraten. Andernfalls kann er schwer hineinfallen. Der Grund, der die Hausbesitzer zu dem neuen Vorgehen veranlaßt, liegt in der neuen Aufkündlgün'g" Und' AüSzlcchdrdnUng'VÜM-8.' Mai 1084, Slg. Rr. 119, di, mit 1. Oktober-1984 in Kraft tritt. Währmd nach der früher,» Aufkündi- gungS- und AnSziehordnung an» dem Jahr, 1924 bri monatlicher Zinszahlung halbmonatliche Kündigung(am 1. und IS. eine» jeden Monate») znläffig «ar, wenn nicht zwischrn Mieter und Hausbesitzer eine besondere Kündigungsfrist vereinbart«ar, gilt at 1. Oktober 1934 nur die dreimonatliche Kündigungsfrist. Mieter, die den Mieterschutz geniessen, werden selbstverständlich an der Erhaltung ihrer Wohnung oder Betriebsstätte ein bedeutendes Interesse haben. Bisher konnte diesen Mietern, wenn zwischen ihnen und den Hausbesitzern nicht ausdrücklich etwas anderes abgemacht wurde und die Zinszahlung monatlich den BolkSgemeinsihaftlern selbst ein„Verrat" an der Station nachgesrhen. Nicht nur die„Rundschau" macht es so:«wch der Herr Sandner sagt in seinen Versammlungen kein Wort davon, dast der B. d. L. für die Mar» garineverordnung mitverantwortlich ist— d e S- h a l b vor allen», weil er zum Unterschied bon den deutschen Sozialdemokraten noch keine sichtbare Anstrengung unternommen hat, die ungünstigen Wirkungen der Verordnung auf den deutschen Arbeitsmarkt abzuwehren, lvic er ja auch bekanntlich niibtS unternommen hat, die Verordnung zu verhindern. Wenn der B. d. L. etwa behaupten will, dast diese Feststellung„unsachlich" ist, so möge er sich bei seinem Henlein bedanken. WcShalb sollten wir dem B. d. L. schenken, was uns Henlein vorwirft? ES ist an den Landbündlcrn, nachzuwciscn, daß Henlein mit der auf die Margarincverordnung gestützten anti« marxistischen Agitation stinkendste Demagogie betreibt. Der B. d. L. hat sa Einfluss auf Henlein— er bringe ihm, um fich selbst zu schütz«:, bei, dass alle Berlcnnibungen, die Henlein gegen die Arbeit der deutschen Sozialdemokrat«« in der Re- girrung nuSstrcut, auch die Landbvndler selbst treffen. Man bekommt, wenn man diese Nettigkeiten der henleinsche»„Rundschau" näher betrachtet, einen Begriff davon, wie die um Henlein versammelte„junge sudetendeutsche Generation" die Politik erneuern und veredeln will: sie wühlt im Miste der Demagogie und übertrifft dabei selbst ihren Meister Goebbels. Es ist nicht anzunehmen, daß ihr die Kleingewerbetreibenden auf den Leim gehen werden. Weder sie noch alle anderen Sudetendeutschen, die für politische Sauberkeit und für politischen Charakter Sinn haben. erfolgt«, im gerichtlichen KündigungSverfahren nach dem Mieterschutzgesetze zweimal im Monate halb- nwnatlich aufgekündigt tverden. DaS wird mit der neuen Auszieh- und AufkündigungSordnung ander». Diesen Mietern, auch wenn Gründe nach dem Mieterschutzgesetz zur gerichtlichen Aufkündigung vorliegen, kann nurmehr einvierteljährig aufgekündigt werden. Die Termine sind der 1. Jänner, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober eines jeden Jahres, und zwar immer bis 14. der genannten Monate. DaS ist natürlich gegenüber dem früheren gesetzlichen Zustand ein wesentlicher Unterschied und bedeutet ta der Praxis für diese Mieter einen nicht z« unterschätzenden sozialen Schutz vor allzu rascher Küudi- SN»g> Ein geschützter Mieter wird daher»ine neu« Vereinbarung über eine kürzere Kündigungsfrist— und darum handelt»S fich den HauSbrfitzrrn vorwiegend— ablehnen. Anders verhält eS sich bei den Ncumictern. Diese haben im Hinblicke auf das ziemliche bedeutende Anbot an Wohnungen und Betriebsstätten kein besonderes Interesse daran, sich auf ein« lange Kündigungsfrist zu binden. Gewöhnlich haben diese Neumieter bei Abschluß der Miete die Kündigungsfrist berejts vereinbart. Aber den Hausbesitzern geht«S im Wesen> nicht um diese Neumieter, mit denen eine kürzere Kündigungsfrist als die gesetzliche vereinbart werden soll,— häufig ist«S ja da» Gegenteil, da die Hausbesitzer langfristige Verträge mit den Neumietern anstreben, um sich ihrerseits vor weiteren Senkungen des ZinseS zu schützen. ES geht Die neue Aufkttndigungs- und Auszieh-Ordnung 6 BRUNO ADLER: Zu Hause ist c» das alte Leben. NichtS- tuerifch und nichts denkend treibt Polda sich auf dem großen Ringplatz mit dem Brunnen und der barock gewulsteten Dreifaltigkeitssäule, in der Unteren Stadt, die sie Kandia nennen, beim Bräuhaus und dem alten Schloß herum, ost bummelt er mit seiner Gesellschaft auf den Hügel, wo das Katharinenkirchlein steht, und bei gutem Wetter geht er hinauf in den Bresinawald oder zu den dunklen, schwermütigen Höllcnteichen. Wenn er ein paar Kreuzer hat, spielt er mit seinen Freunden Schafkopf oder Tarock, und weiß er sich die Zeit sonst nicht zu vertreiben, so schaut er nach den Mädchen aus, die von auswärts in die Stadt kommen, und schließt sich gern einer an, die e» sich gefallen läßt. Einmal war er auch wieder in Saar. Aber Anna Benesch hat ihm deutlich zu verstehen gegeben, daß es aus sei. Er werde ihr etwas antun, wenn sie ihn betrüge, bat er ihr damals geschworen, und wenn sie ihn oreißig Jahre dafür einsperren! Laß sie laufen, sagen die Freunde. Aber die verstehen, davon nichts. Er kann nicht. Einmal.hinterbringt ihm einer, daß sie wieder mit einem andern gehe. Er ist außer sich. Er wird ihr wirklich etwa» antun I Tagelang läuft er in den Wäldern herum. Dafür die teure schlvarze Schürze— dafür! Er will ihr schreiben, aber wie und wa»? Worte und Wendungen fallen ihm »in, die er gehört und gelesen hat, bittere und großartig klingende Sätze. Es muß etwas sein, wa», ihr imponiert, etwas, was ihr Mitgefühl und ihre Reue«weckt... Allein wird er damit nicht fertig. Auch brächte er keinen langen Brief zustande, feine Schreibkünste sind sehr gering, und außerdem kann er nur in deutscher Sprache schreiben. Wenn jetzt doch der Tschertvenka hier wäre, der hat für ihn damals von Znaim aus so schön an Anna geschrieben. Aber der dumme Kerl muß irgendlvo in Deutschland herumrennen, weil dort das Proletariat eine Diaöbt ist, ausgerechnet auf ihn haben sie gewartet. Wenn sie ihn nur ein- »sperrten mit seinen sozialistischen Flausen! Ganz recht geschähe ihm! Aber der Skala wird ihm helfen. DaS ist ein gescheiter Bursche. Lange beraten die beiden und noch länger dauert eS, bi» der Brief geschrieben ist. Sechs Seiten! Da» hat die Anna noch nicht erlebt! Beim Borlesen ist dem Polda zumute, al» sei er ein edler, beklagenswerter Liebender, ein Dulder, ein Rächer, ein Held. Er ist tief bewegt. Die Augen werden ihm naß. „Teure Freundin! Ich fühle mich bewogen, Ihnen mitzuteilen, daß ich mich Ihretwegen assentieren ließ. Ich bin schon vierzehn Tage beim Militär, und jeden Augenblick erinnere ich mich an Sie. Hätte ich mich doch nicht assentieren lassen! Jeden Moment will ich mich erschießen und habe das Gewehr schon vorbereitet, wenn ich daran denke, daß ich drei Jahre dienen muß und gequält werden soll, und das alles Ihretwegen. Liebe Anna! Sie wissen, daß es in Prag schön ist. Andere Soldaten von der Infanterie gehen abends in der Stadt spazieren, nur ich armer Dragoner muß mich mit den Pferden plagen! Bier Tage ist eS her, daß ich vom Roß gestürzt bin, und eS ist ein Wunder, daß ich mir dabei nicht den Fuß gebrochen habe. Liebe Anna! Wie haben sich die Zeiten geändert! Ich habe mir immer vorgestellt, daß wir im Frühjahr einander für immer angehören werden, und wie ander» ist es gekommen! Aber ich schwöre bei meinem Schwerte, daß einer von uns eS mit dem Tode bezahlen wird! Es muß nicht gleich sein, es kann geschehen, bis ich meinen Urlaub antrete. Liebe Anna! WaS diese Dinge betrifft, wir hatten uns doch so gern, niemals habe ich Dir weh getan, und doch wolltest Du mich nicht einmal anschauen, als ich zum letztenmal bei Euch war. Ich habe immer gedacht, daß ich ein braves, anständiges Mädchen habe, statt dessen habe ich ein», wie e» sich in den Prager Straßen rumtreibt und unS Soldaten verführt. Und ein solches sind Sie. Kaum waren vierzehn Tage vergangen, haben Sie schon einen Ofentnecht erwischt. Darum sind Sie ins Dorf gegangen, weil Ihnen in der Stadt niemand auch nur einen Fußtritt versetzen würde! Auch ich habe nicht gewußt, wa» Sie für eine sind. Ich habe gedacht, daß ich ein braves und anständiges Mädchen habe, und statt dessen eine . solche, die für alle zu haben ist. Meüie Rache über Sie, die Sie mich so weit gebracht haben, bis hierher zum Militär! Sie werden unter meinem scharfen Schwerte fallen, und dieser Ihr Geliebter zählt auch die Tage, bis ich zurückkomme. DaS wird kommen, wie di« Schwalbe im Frühjahr kommt. Da» hätte ich mir freilich nicht gedacht, was für ein Ende es mit Ihnen nehmen werde! Ich leide hier beim Militär— und das alles um Ihretwillen, wo wir doch schon in etwa vier Monaten hättet: ein Paar sein können. Und statt dessen muß ich jetzt drei Jahre dienen. Liebe Anna, es toird bald ein Ende nehmen, Alles auf der Welt hat ein Ende, unsere Liebe hat auch ein Ende genommen. So ist eS auch bei diesem Brief, den ich Dir jetzt schreibe, Jetzt schlägt eS ztvölf Uhr Mitternacht. Bei Tage habe ich keine Zeit, abends mutz ich Pferde striegeln, so schreibe ich Ihnen in der Nacht, statt zu schlafen. Ich Iveine, während ich dieien Brief schreibe und indem ich ihn jetzt schlietze. Ach, der Morgen kommt wieder mit der Plage bei den Pferdem Wenn ich daran denke, wie ich noch in Zivil war, und wie ich Sie geliebt Habel Dafür sind Zeugen die Wälder, die Felder, die Bäume, wo wir uns so geliebt hatten. Erinnern Sie sich nur daran, wie Sie in Polna waren, tvas ich alles für Sie getan habe, und auch nach Saar, wie ich zur Bah» arbeiten ging, nur damit ich Sie dyrt sah. Und jetzt hat sich das alles umgekehrt mit den Füßen nach oben. Drei Stunden sind noch bis zum Morgen, ich nmß meinen Brief schließen. Ich würde Ihnen mehr schreiben, aber ich höre schon Alarm blasen. Leben Sie mit Gott! Ihr Geliebter Leopold HclSner. U. C. K. Vojska Dragoner-Regiment, Nr. 4, Prag, Karolinenthal, Lieben, Wysotschan, Leopold Dragoner, 4. Eskadron." Und darunter hatte er einen Säbel gezeichnet und dazugeschrieben:„Das scharfe Schwert:" Anna Benesch ist weder gerührt noch entflammt. Sie übergibt den Brief der Gendarmerie und die Folge ist, daß gegen den Absender eine Untersuchung wegen öffentlicher Gewalttätigkeit eingeleitet wird. Da» spricht sich bald herum, und seither hält man ihn für einen gefährlichen Patron, für einen reitzenden Wolf im Schafspelz. Es ist Herbst geworden. Das verschwundene Mädchen hat man vergessen, niemand hat ein In« teresse daran, an Unaufklärbares zu erinnern. Der Oktober ist fast zu Ende, als der Heger Chalupa einen seltsamen Fund im Herrschaftswald macht. Eine halbe Stunde nördlich von Polna, ein paar Schritte seitwärts vom Fußweg nach Ober-WjeSnitz, schimmert ihm aus dem MooS etwas Weißes enigegen. Ein Stein, denU er. Was fiir ein merkwürdig glatter Stein! Er beugt sich zur Erde, klopft mit seiner Gartensäge auf das Weiße, es ist hart, e» klingt hohl. Aha, ein Kuhknocheu! Und er kiiiet nieder, um den Knochen anznfassen. Als sei er glühend, fährt die Hand zurück. An dem Knochen hängen Haare, ein Zopf! ES ist ein Frauenschädel. (Fortsetzung folgt.) k. SM Donnerstag, TI. September 1934 Seite h Goranncklauscl vorläufig verlas Konkretere mitteleuropäische Pläne im Vordergrund (Genf, EPV.) Bisher ist eS noch nicht abzusehen, welche- Ergebnis die mehrtägigen Beratungen über Oesterreich bringen werden, an denen stch in Genf die Vertreter Oesterreich-, Italien-, Frankreich-, England- und der Staaten der Kleinen Entente beteiligen. Am Mittwoch erwägte man die Annahme einer Erklärung, in welcher die drei Großmächte Frankreich, England, Italien und vielleicht auch einige andere Staaten die Notwendigkeit der Unabhängigkeit Oesterreich- betonen würden. Neber konkretere mitteleuropäische Pläne hat man die Berhandlunge» vorläufig abgebrochen. Ueter die österreichische Frage berieten am Mittwoch der französische Delegierte Masiigli mit Minister Dr. Bene-, ferner Minister Dr. Bene- mit dem Minister Titulr-eu und den Gesandten Fotiö. Vorniittag- hatte der italienische Delegierte Baron Aloist eine Zusammenkunft mit dem französischen Außenminister Barthou. A itn die geschützten Mieter, die dem Hausbesitzer lästig sind und die man mit Hilfe kürzester Kündi- gMng-fristen au» dem Hause heraus haben will. Deshalb darf kein Altmieter derartige Ab» «Ochnngen unterschreibe« und sich damit der^ketz- llchan Kündigungsfrist begeben. Es must bemerkt Werden, dah die gesetzliche Kündigungsfrist kein zwingendes Recht ist und durch Parteienvereinbarungen abgeändert werden kann. Alt- und Neumieter werden gut daran tun, sich vur der Unterschriftenleistung auf diesen von den Hausbesitzern übergebenen Farmularien womöglich bei de« Geschäftsstellen der Mietervereine zu erkundig«, um keine Fehler zu begehen. Hitlers Hausjude Herr Samuel macht Interviews In der Zeitung unserer französischen Genosien, dem.Populaire", lesen wir die folgende seltsame Geschichte: »Soeben hat»L'Jntransigeant" zwei große Interview- veröffentlicht, die von Rudolf Heß und von Hitler selbst einem gewissen Lucien Semei, einem angeblichen Journalisten, gegeben worden sind. Diese Interviews, die den»Friedenswillen" Hitler» preisen, waren von Photographien begleitet, die die Widmung enthalten: »Herrn Lucien LeumaS". Dieser Lucien LeumaS heißt in Wirklichkeit Lucien Samuel. Er ist ein elsässischer Jude, der seinen Namen dadurch verändert hat, daß er dessen Buchstaben in umgekehrter Reihenfolge stellte. Und damit da» in Frankreich nicht gleich allzuklar erkennbar ist, hat er das Interview nicht»LeumaS", sondern nur »Lemas" gezeichnet. Durch diese Verwandlung de» Samuel in LemaS wurde die Camouflage erst vollkommen. Dieser kleine Vorgang, den wir zu den Akten der zeitgenössischen journalistischen Sitten beisteuern, provoziert zwei Feststellungen: Zunächst, daß e» Hitler nicht verschmäht, sich eine- Juden für die Zwecke seines Propagandafeldzuges in Frankreich zu bedienen, dem er sogar sein Bild mit Unterschrift dediziert. Zweitens aber es ist doch seltsam, daß dieser Herr Samuel- LemaS, obwohl er nicht etwa ständiger Berichterstatter irgendeiner wichtigen Zeitung ist, zwei Interview» in Berlin bekommen konnte, mit der Verpflichtung, sie in Frankreich unterzubringen. Herr Samuel verfügt scheinbar über wirklich ausgezeichnete Beziehungen. Man sollte ihn sich merken." Heuer Konflikt zwischen Katalonien and Madrid (Madrid.) In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen die auwnome Regierung Katalonien» ihrer Zentralregierung in Madrid Widerstand entgegensetzt. Die Madrider Morgenpreffe veröffentlicht ein Schreiben des Präsidenten der katalanischen Regierung an den spanischen Ministerpräsidenten, da» einer direften Auflehnung gleichkommt., Die Zentralregierung hatte die katalanische Regierung ersucht, die Gewissensfreiheit und die Unverletzbarkeit der dortigen Richter zu achten, und dem Präsidenten Kataloniens, der gleichzeitig die Rolle de- Vertreters des spanischen Staate» in Katalonien spielt, beauftragt, dem obersten Richter mitzuteilen, daß die letzten Anordnungen de» katalanischen Justizministers jeder rechtlichen Grundlage entbehrten. Daraufhin schrieb der katalanische Präsident dem spanischen Ministerpräsidenten, er müsse den Ausdruck»Ich verfüge, dah", den der spanische Ministerpräsident angewandt habe, energisch zurückweisen, da darin eine Unterordnung seiner Person unter die spanische Regierung zum Ausdruck käme, die er ablehnen müsse. Im übrigen bedauere er, den erwähnten Auftrag nicht ausführen zu können. Zweite Saarabstimmung nach dem Fall M Hitler-Regimes? (Paris.) Im Hotel»Lutetia" fand Dienstag eine Sitzung de» internationalen Ausschusses für die Hilfeleistung der Opfer de» Hitler-Regimestatt. Der New Yorker Advokat Thompson berichtete über die Ergebnisse der Enqueten, die die internationale ÜntersuchungSkommission im Saargebiet unternommen habe. Er erklärte u. a., daß die Saarbevölkerung, namentlich die katholische, die für den statu» q u o stimmen werde, den Wunsch ausgesprochen habe, daß, falls sich das Plebiszit für den statu» quo ausspreche, im Saarland einneueSPle» b i s z i t organisiert werde, sobald stch die politische Lage in Deutschland ändere. . Um 61« Saarpolizei Während der Schweizer Bundesrat nicht wünscht, daß Schweizer Bürger sich für die Polizeimannschaften de» Saargebietes anwerben lassen, langte beim Generalsekretariat des Völkerbunde» seitens der belgischen Regierung die Antwort ein, daß sie auf ihrem Gebiete die Anwerbung für die Polizeimannschaften im Saargebiete erleichtern werde. Ferner erheben auch Italien und Litauen keine Einwendungen dagegen, daß ihre Bürger Mitglieder der Polizeimannschaften im Saoraebiete werden. Ein zweites Albanien Die Pariser Blätter befassen sich mit der Verlangsamung, welche die Erörterung der Garantie der Unabhängigkeit Oesterreichs erfahren hat. »Echo de Pari»" erklärt, Rom fordere »carte blanche" für Mitteleuropa und fügt hinzu, Oesterreich würde hiedurch zu einem zloeiten Albanien werden, mit dem Unterschied, daß die Folgen dieser Polftik in Mitteleuropa gefährlicher wären al» in Tirana. Barthou werde in der österreicksischen Frage weder einen Vertrag, noch eine Erklärung akzeptieren, welche Die unsoziale Einstellung verschiedener Organe der staatlichen Forstverwaltung gegenüber der notleidenden Bevölkerung findet nun auch in der tschechischen Öffentlichkeit gebührende Beachtung. Die Erschießung des abeitSlosen jungen Maurers K u i c t a beim Schwämmesuchen im staatlichen Revier DuSnit hat in der Bevölkerung dieser Gegend helle Empörung geweckt. Das Be- gräbnis des unschuldig erschossenen wies einen Massenbesuch auf. Eine unter dem Druck dieser Stimmung erschienene Erklärung der.staatlichen Forstverwaltung suchte den Tod KukeraS auf einen unglücklichen Zufall zurückzuführen. Angeblich wollte ihm der Heger Nikl die Tasche mit den Schwämmen entreißen und dabei entlud sich sein Gewehr von selbst. In dieser Erklärung wird Nikl noch als ein„ungewöhnlich pflichtbeivußter Angestellter" bezeichnet. Diese Darstellung steht in.kraffe>n Widerspruch mit den Angaben der Braut de» toten Kukera, welche Zeugin de» Vorfalles war. Die gerichtliche Untersuchung wird hoffentlich für die notwendige Klarstellung sorgen. Wenn aber die staatliche Forstverwaltung selbst bei einem so traurigen Anlaß keine Systemänderung in Aussicht stellt, sondern nur Worte der Beschönigung findet, dann ist es nicht Wunder zu nehmen, daß die untergeordneten Organe weiterhin ihrer anttsozialen Einstellung freien Lauf lassen. Wie das soziale Verständnis mancher dieser Herren auSsieht, darüber berichtet nun das Vormittagsblatt deS„Prävo Lidu" folgende»: Die staatliche Forstvertvaltnng in OberleutenS- dorf gab in den letzten fünf Wochen für zehn Kronen Bewilligungen zum Sammeln von Pilzen au». Diese Karten wurden nur von den OrtSarmen gekauft, welche ein paar Groschen für die gesammelten Pilze zu bekommen hofften. Anfang» gab e» nur wenig Schwämme; erst im September und besonder» jetzt in der zweiten Hälfte sind e» viel«. Die Menschen Vie Eisenbahnräuber vernichtet? (Mukden.) Halbamtlich wird mitgeteilt, daß mandschurische und japanische Truppen an der östlichen Linie der Chinesischen Ostbahn die chinesischen Banden, die in den letzten Monaten zahlreiche Ueberfälle auf die Bahn durchführten, angegriffen und nach schtverem Kampfe völlig vernichtet haben. Die Chinesen verloren nach diesen Meldungen 200 Mann an Toten und Verwundeten, während sich die Verluste der verbündeten Truppen auf drei Offiziere und 89 Mann an Toten und Verwundeten belaufen. Russisches Militärflugzeug in Mandschuku» beschlagnahmt Wie Reuter au- Charbin meldet, wurde ein russisches Militärflugzeug von inandschurischen Truppen beschlagnahmt. DaS Flugzeug>var mit Maschinengewehren bestückt und führte Bomben und ein Rundfunkgerät mit sich. Das Flugzeug landete bei Nacht in der Nähe der Grenzstation Mandschurin. Der Grund der Landung ist unbekannt. Die Besatzung wurde verhaftet. Die mandschurische Presse teilt mit, dah das Bombenftugzeua wegen Militärspionaae auf geeignet wäre, Frankreich von Großbritannien und von der Kleinen Entente zu trennen. Einer Information des»L'Oeuvre" zufolge, hat die italienische Diplomatie dargctan, dah sie die Möglichkeit einer Hegemonie"wlienö in Oesterreich auf Kosten der Nachbarstaaten unangetastet beibehalten wolle- Der sozialistische»P o P u l a i r e" verteidigt den Standpunkt de» Völkerbundes und die Forderung einer Kollcktivgarantie. Das Blatt sagt weiter, man müsse die Angelegenheit so ordnen, dah kein Land in der Intervention für Oesterreich die Initiative ergreifen könne. Man müsse Italien in gleicher Weise wie Jugoslawien jedwedes Kontrollrecht außerhalb deS i Wirkungskreises des Völkerbundes nehmen. haben aber nichts davon, weil die Wälderverwaltung das Betreten der Wälder vom 18. September an verboten hat. Auch jenen, die Bewilligungen gekauft haben. Wer im Wald betreten wird, verliert nicht nur seine Karte, sondern muß auch 8 Ki Strafe zahlen. Vielleicht geschieht da» alles, damit die Herren von der staatlichen Forstdirektion und ihre Gäste nicht bei ihren Unterhaltungen gestört werden, denn für diese Herrschaften beginnt nun die schönste Zeit: die Jagd! In der OberlentenSdorfer Gegend sind zahllose Arbeitslose und die Bergleute, welche noch Arbeit haben, Verfahren kaum drei Schichten wöchentlich. Das Schtväinmesuchen war für manchen der halbe LebenSunterhalb. Ais die Wälder W a l d st e i n» scher Besitz tvaren, verfiel niemand auf den Gedanken, arme Menschen für daS Betreten der Wälder zahlen zu lassen. Freilich hatte Waldstein damals nur drei Beainte im Verwaltungsbureau. Dafür werden wir heute langsam für jeden Strich Wald einen Ministerialrat oder wenigstens einen Sektion Srat haben! Eine derartige Wirtschaft muß aber passiv sein, während sie früher Gewinn gebracht hat. Hier ist eine Gegend mit überwiegend deutscher Bevölkerung. Aber die Tschechen haben ebensoviel Anlaß zur lln- znfriedenheit wie die Deutschen. Wer soll aber Abhilfe schaffen? DaS ist die Hauptfrage. Ueber diese Dinge wird in der kommenden Budgetdebatte doch ein deutliches Wort gesprochen werden müssen. Die Beschwerden werden nicht aufhören, ehe die Leitung der staatlichen Güter nicht einem Verwalt ungsrat unterstellt wird, in welchem auch die Vertreter der nichtagrarischen Bevölkerung mitzureden haben. Wenn es einen Eisenbahnrat und «inen Strahenrat gibt, warum sollte nicht auch ein staatlicher Forstrat den demokratischen Interessen der Bevölkerung Geltung verschaffen? mandschurischem Gebiete beschlagnahnit worden sei; es sei wegen Benzinmangel notgelandet. Der stellvertretende sowjetrussische Generalkonsul in Charbin hat bei der mandschurischen Behörde Vorstellungen erhoben und um die Freigabe des Flugzeuges und Enthaftung der sowjetrussischen Flieger gebeten; Spionage komme nicht in Frage. Aufnahme Afghanistans gesichert (Genf.) Die politische Kommission der Böl- kerbundversammlung verhandelte Mittwoch über die Aufnahme A f g h a n i st a n s als Mitglied in den Völkerbund. Ein besonderer Ausschuß, der mit der Prüfung der zur Aufnahme nötigen Voraussetzungen betraut worden war, äußerte sich über die Angelegenheit g ü n st i g. Auch die in der politischen Kommission abgegebenen Erklärungen einiger Delegierter waren für Afghanistan durchwegs günstig. Mit größtem Nachdruck wurde bei diesen Kundgebungen auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Völkerbund zu einer Universal- Friedensinstitution auszubauen, in der alle Staaten der Welt vertreten sein sollen. Es besteht daher kein Zweifel darüber, daß Afghanistan in der nächsten Sitzung als Mitglied in den Völkerbund ausgenommen werden wird. „Gedächtnisschwäche" Rintelens (Wien.) Im Befinden des ehemaligen österreichischen Gesandten Dr. R i n t e l e n, der seit dem mißlungenen Juliputsch im Gefängnis des Straflandesgerichtes mit einer sich selbst zugefügten schweren Lungenverletzung darniederliegt, hat sich, wie die Abendblätter melden, wohl eine Besserung insofern ergeben, als die Lähmungserscheinungen der linken Körperhälfte erheblich zurückgegangen sind, wenn sie auch noch nicht vollkommen behoben erscheinen. Trotzdem tonnte Rintclen vom Untersuchungsrichter bisher nur zweimal kurz verhört tvcrden, weil die Gerichtsärzte mit Rücksicht auf die Schußverlchung der Lunge jede weitere Einvernahme als untunlich bezeichnet haben, weil größere Anstrengungen und seelische Aufregungen bei der permanenten Herzschwäche verhängnisvoll wirken könnten. AIS Folge der Schußverletzung und ihrer Nachwirkung zeigt fick' in den letzten Tagen bei Rintclen auch Gedächtnisschwäche mit Erinnerungslosigkeit. Aus Grund dieser Beobachtungen wird zu entscheiden sein, ob der Geisteszustand Rintelens durch GerichtSpsy- chiater untersucht werden soll. Diese plötzliche„Gedächtnisschwäche" Rintelens muß für die maßgebenden Regierungskreise wie ein Geschenk vom Himmel kommen. Man stelle sich nur vor, tvaü alles hernuSkommen könnte, wenn Rintelcn, der doch in alle Geheimnisse der bürgerlichen NachkriegSpotitik Oesterreichs und namentlich in die Geschichte des 25. Juli genau eingeweiht ist, im Gerichtssaal einmal die Hemdärmel auskrempeln und rücksichtslos seine jetzigen Gegner prciSgebcn würde. Das könnte eine schöne Schlammastik werden! Vas jugoslawische Königspaar In Sofia (Sofia.) Das jugoslawische KönigSpaar ist Mittwoch nachmittag in Begleitung des Außenminister Jcvtiä in Sofia cingetroffen. Auf dem Bahnhof lourden die Gäste von König Boris und der Königin, von sämtlichen Regierungsmitgliedern, Vertretern der Armee u. a. begrüßt. Um 8 Uhr abends tvurde im KönigSpalaiS ein Bankett veranstaltet, an dem außer den beiden Kö- uigspaaren der jugoslalvische Außenminister Iev» t i 6, der bulgarische Ministerpräsident G e o t• g i c w, Außenminister B a t o l o w, der jugoslalvische Gesandte in Sofia und der bulgarische Gesandte in Belgrad teilnahmen. Abschaffung des Oberhauses in Dänemark (Kopenhagen.) Wie der„Sozialdemokraten" mitteilt, hat die dänische Regierung beschlossen, dem Parlament nach seinem Wiederzusammentritt die Abschaffung des Oberhauses(Landsting) vorzuschlagen. Der Gesetzentwurf soll sich im wesentlichen mit dem im Jahre 1920 von sozialdemokratischer und demokratischer Seite gemachten Vorschlag decken. Staat deS Landsting soll ein permanentes Revisionskomitee aus administrativen, juristischen und technischen Sachverständigen eingesetzt werden, da- die Aufgabe haben soll, jeden Gesetzentwurf kritisch zu überprüfen, ehe er dem Rigsdag zur Beschlußfassung vorgclcgt wird, wird. Abstecher Papens nach Ungarn (Budapest.) Wie die Blätter melden, wird der Wiener deutsche Gesandte von Papen demnächst zu kurzem Aufenthalt nach Ungarn kommen. Er wird Gast deS Abgeordneten M e c- s e r sein. Während seines Aufenthaltes in Ungarn wird Papen auch mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös zusammentrcffen. General Johnson zurückgetreten (Hydepark- New Bork.) Der Leiter der Nira, General Johnson, ist zurückgetreten. Präsident Roosevelt hat sein Rücktrittsgesuch mit Wirkung ab 15. Oktober angenommen. In seinem Schreibe» weist General Johnson darauf hin, daß die Nira neu organisiert werde und daß er fühle, daß sein eigener Posten überflüssig werde. Polnische Tanks bei rumänischen Manövern In Bukarest sind polnische Tankabteilungen eingetroffen, die zwei Wochen in Rumänien verweilen und an den gemeinsameu Manövern mit der rumänischen Armee teilnehme» werden. Am Montag wurden die Tanks in Antvesenheit des Ministers für Verkehrswesen Franasoviei und de» Chefs des Generalstabs Geiieral Antoneöcu vor- geführt.,''. J., 628.282 Rundfunkhörer Die Zahl der zahlenden tschechoslotvakischen R undfunt Hörer beträgt zum 31. August 624.264, wozu noch 4018 nichtzahlende Hörer hinzukommen. JnSgesanrt gab eS also zu diesem Termin 628.282 Rundfunkkonzessionen. Gegenüber dem Stand von Ende Juli bedeutet dies eine Zunahme um 1462 Hörern. Die staatliche forstverwaltung Helle empörens über die Verfolgung der Schwömmesucher gegen dieArmen Nach der Erschießung eines Arbeitslosen Im Staatswald bei Kladno ein unsinniges Verbot InOberleutensdorf—„Aerger als unter Waidstein** Seite 4 DonnerStag. 27. September 1934' Nr. 228 rrd ab der G Um der i, ar mn ftir Der Schwammerlfesem Den Höhepunkt der heurigen Schwämme- saison im Trebitscher Gebiet bildeten die letzten Tage der verflossenen Woche, wo auS Opatov, dem Mittelpunkt des Schwämmegebietes, nach OlkiZly, an einem Tage 10 0 Meterzentner Schwämme znr Bahn, mit der Bestimmung Prag, gebracht wurden. In T r o p p a u und in der Umgebung wurden in den letzten Tagen für ein Kilogramm Schwämme 1 bis 1.5 0 KL gezahlt. Nunmehr werden auch in dieser Gegend die Schwämme seltener. Sorge um ihre, teillveise sehr beträchtlichen Forde- runge» an das Unternehmen. Sollten sich die pessimistischen Annahmen des Personals und der kleinen Lieferanten erfüllen, so würde das bedeuten, daß bereits das zweite große ZirknSunternehmen in Prag Schiffbruch.erleidet und abgewrackt wird, wie ein gestrandetes Schiff. Bor zwei Jahren traf das gleiche Schicksal den seinerzeit berühmten Zirkus K l udskh. Der Zusammenbruch dieses Unternehmens erfolgte gleichfalls in Prag und bedeutete eine Katastrophe für eine hnndertköpfige Angestelltenschaft. Wie schwierig die-Liquidation eines solchen Großunter- nehniens ist, zeigte sich danials, als auf einmal die Mittel nicht nur zur Lohnauszahlung an das Personal fehlten, sondern anch die verschiedenen Tiere dem Hunger preisgegeben waren, da kein Geld aufzutreiben tvar, um Futter einzukaufen. Bor fünf Jahren passierten die beiden Zirkusunternehmen kurz nacheinander Prag und überboten einander an lautester Propaganda, die schließlich zu einem erbitterten Wettkampf darüber auSartete, welches der beiden Unternehmen das größere sei. Cs kam zu gegenseitigen Herausforderun- gen zu Wettkämpfen um den Rang des„größten JirknSunter nehmens der Welt". Inzwischen ist der eine der Konkurrenten, der Zirkus„Klud s k p", auf der Strecke geblieben. Und allem Anscheine nach ist nun der Zirkus„G l e i ch" in einer Situation, die zu den schlimmsten Erwartungen berechtigt. Vie Belgrader Wirtschafts beratunsen (Belgrad.) Die Tagung des Wirtschaftsra- tes der Kleinen Entente beschränkte sich am Dienstag auf die Beratungen der Kdmmission. die das Problem des W a r e n a u s t a u s ch es zu prüfen hat, und auf die Beratungen der Kommission, der die Ueberprüfung der Ergebnisse der Arbeiten der nationalen Sektionen während der zlveiten Tagung der Wirtschaftsrates der Kleinen Entente obliegen. Das Plenum des Wirtschaftsrates wird erst wieder zusammentreten, sobald die Kommissionen ihre Tätigkeit beendet haben. Wie in Delcgiertenkreisen verlautet, dürfte die Schlußsitzung der gegenwärtigen Tagung des WirlschaslsrateS der Kleinen Entente kaum vor dem 1. Oktober stattfinden. Sttegertod (Paris.) Unweit von Bordeaux stürzte ein Militär-Wasserflugzeug ab. Die z w e i F l i e- g e r, beide Unteroffiziere, wurden getötet. (London.) An der Meeresküste, 5 Kilometer von Holyhead, wurde am Dienstag abends die Tragfläche eines Flugzeuges gefunden. DaS Flug- schiffahrtsministerinm bemüht sich, die Herkunft der Maschine auf Gnmd der auf der Tragfläche verzeichneten Skizzen und Buchstaben zu erkennen. nick: allzu »erdet» riet nickt ge- en Beweg- rter Siras- genommen. Der CtepiUnl de» englischen Riesendampfera (London.) Der neue Riesendampfer der Eunard Linie lvnrde am Mittwoch Nachmittag in Clyde Bank bei Glasgows durch die Königin von England auf den Namen„Q u e c n M a r y" getauft. Bor dem Taufakt hielt der König von England eine kurze Ansprache» in der er darauf hinwies, daß sich die englische Regierung in der Hoffnung auf eine baldige Besserung des Welthandels dazu entschlossen habe, den Riesendampfer, deffcn Bau lange Zeit unterbrochen war, zu Ende zu bauen. Er erlvarte, daß der neue Dampfer zur Bertiefung der Beziehungen zwischen Großbritannien und den stammverwandten Ber- Zirkus„Gleich" i« Prag festgefahren Selt abgebrochen,«beeise rnegenPsKnbnng der«raktoren verhindert Wo ift der Chef?— Sm»irb Mit den Angestellten? Die Kultnrdentschen. Die„Deutsche Land, post" bringt unter der Merke„Spreu und Kör. ncr" eine Betrachtung iiber den Eintritt der So- wjctunion in den Völkerbund und schließt sol- gcndermaßen: „Wenn die Sowjetunion in ihren Grenzen europäische Kultur und Gesittung duldete, dann könnte man«in Ange zudrücken und hoffen, daß im freundschaftlichen Berkehr mit Nachbarstaaten sogar noch lernte, sie zu fördern. Aber nicht einmal diese Voraussetzung ist gegeben" Soeben ist ein Buch erschienen, das iiber Kultur lind Gesittung im Dritten Reich berichtet. Cs schildert das Grauen der Konzentrationslager und ist ein einziger Beweis dafür, daß die Mei- nulig eines angesehenen englischen Blattes, Deutschland stehe außerhalb der europäischen Klllturgeniciilschoft und sei zu mittelalterlichen Zuständen zuruckgekchrt, vollkoniincn richtig ist. Aber die Haltung der„Landpost" zu den deut« scheu Fragen läßt darauf schließen, daß sie, wenn von der Kultur und Gesittung im Dritten Reich die Rede ist, beide Augen zudrückt. Sic macht sogar gemeinsame Sache mit den Henlcinlcuten, die den Hitlerterror offen verteidigen. Wenn die „Deutsche Landpost" Lust hat, Kultur und Gc> sittung zu fördern, so kümmere sie sich um die Zustände in dem uns west näheren Deutschland. Die östlichsten Bewohner der Sowjetunion haben mit der Kultur viel stärkere Bcriihrtmgen als die braunen Horden und ihre Häuptlinge. Deren Abstand von der.Kultur ist ungefähr so groß wie der Abstand der bürgerlichen Presse von der Wahrhaftigkeit. Aus der Ermordung des Lind- bergh-Kindes machen sie ein journalistisches Gc- schäft. Die qualvolle Criliordung tausender deut- scher Männer und Frauen um ihrer Gesinnung oder Rasse willen registrieren-sie nicht einmal. Aber sie spielen sich immer wieder als die An- walte von Kultur und Gesittung auf. (Pardubitz.) Dienstag früh warf sich in selbstmörderischer Absicht zwischen'Wildenschwert und Brandys n. Or. ein Liebespaar unter einem Lastzug und wurde auf der Stelle getötet. Es sind dieü der 30jährige Textilarbeiter Alois, Fasan s k h aus Lhotka bei Ceskä Trebova und die 22jährige Kellnerin Elisabeth N o v ä k aus Aussig. Fasanskh, der verheiratet war, unterhielt mit der Noväl ein Liebesverhältnis. Auf dein Geleise lvurden 20 Briefe der beiden gefunden. „Ein weiterer Schritt gegen die Diktatur des Finanzgrositapitals". Der„B eitle v" gibt an leitender Stelle seiner Zufriedenheit über die kürzlick verordnete Anmeldepflicht für ausländische Valuten und Wertpapiere Ausdruck und richtet dabei neue Angriffe gegen die nationaldemokratischen Banilreise.„Solange die Nationalbaut", schreibt das Blatt,«sich in allem und jedem nur nach dem Willen des ,,G raven s" richtete,>vo der nationaldemokratische Mammut-, Finanz- und Jndustrielonzern(d. h. die Z i v n o- b n n t 1) ihren Sitz hat, hat sic sich an diese Selbstverständlichkeit(d. h. an die Konskription der erwähnten Wertpapiere) nicht heraugetraut. Sie hat es zwar nicht gestattet, auch nur einen Tausender auszuführen, aber die Augen geschlossen, um nicht zu sehen, daß die Kapitalisten Milliarden über die Grenze ausführten. Nach der Devalvation ist die Kostskribierung der ausländischen Werte ein weiterer Schritt gegen die Diktatur des FinanzgroßkapitalS bei uns. Wie die Devalvation, so geschieht auch die Konskribie- rung gegen dessen Willen."— Der„Benlov" zitiert dann die Schätzung einer Prager Börsenzeitung, Ivornach der Nationalbank an abzuliefern- den Valuten rund eine halbe Milliarde sofort zufließen und lvcitere drei Milliarden KL in Wertpapieren angcmeldet lverden dürften, und spöttelt dann über den„Patriotismus" dieser Kreise, die zwar in der Presse über die Unantast- bMcit der tschechoslowakischen Währung und den Ruhm der KL begeisterte Artikel loslassen, aber gleichzeitig im Ausland oder in ausländischen Baluten Milliardenbeträge verstecken. In der heutigen Zeit sei dies eine schtvcre Sünde am Volk. Minister für öffentliche Arbeiten Dr. Czech , richtete an den englischen Minister für öffentliche Arbeiten W. Ormsby-Gore anläßlich der Grubenkatastrovhe in Gresforth ein Beileidstelegramm. darüber derickler. daß am des Verbandes der lsche- und Bezirke geragr hat, . Haushoch in die Lust geschleudert... '(London.) Am Ventilationsschacht rafsford-Grube, bei dem am Diens tag ein Arbeiter den Tod gefunden hatte, erfolgte am Mittlvoch früh 0.30 llhr eine neue Explosion. Holz und Beton wurden haushoch in die Luft geschleudert und eine riesige Wolke schwarzen Rauches quoll aus dem Schacht hervor. Glücklicherweise wurde diesmal niemand verletzt. Alle Führer von Lastkraftwagen des Werkes sind herbeigerufen worden, um neue Erdmassen an Ort und Stelle zu besorgen, damit der Schacht von neuem verschlossen werden kann. die Regelung Selbstverwaltunssflnanzen Tsckeckikide Seldstoerwalruag gegen Erhödung der Umlagen Wir haben bereics Montag eine Beratung choslovatisckeu Städte welche den Referentenentwurf bezüglich der Regelung der Selbstverwaltungsfinanzen abgelehnt hat. Tic genannte Körperschaft erklärt, es sei unmöglich. ohne Anhörung der SelvstverivaltungS- organisationeu eine so wichtige Frage zu lösen. WaS die Erhöhung des Limites anbetrifft, so steht der Verband auf dem Standpunkt, daß dies nicht die geeignete Methode für die Verbesserung der Selbstverwalinngsfinanzen sei. Während bei der Steuerreform die Grundsteuer und die besondere Erwerbsteuer nicht valorisiert worden sind, ist der Ertrag der allgemeinen Erwerbsteuer gestiegen und außerdem sind in einer Reihe von Gemeinden neue Gemeindeabgaben erhoben lvorden. Dadurch ist der Mittelstand zweimal stark belastet lvorden, so daß eine weitere Belastung unerträglich lväre. Man kann auch nickt gleich alle Abgaben in den höchsten Sätzen einheben, weil dadurch die Vcrbrauchskraft der städtischen Schichten sinken lvürde. Schon heute gehen die Erträgnisse dieser Abgaben zurück, wie cs der Rückgang der Abgabe von Fleisch und der Getränkcabgabe zeigt. Die Verschuldung der Selbstverwaltung muß aus anderut Mitteln durchgesührt lverden als auS von den Ländern verwalteten Fonds, einigten Staaten und darüber hinaus zur Förderung des Friedens beitragen werde. Nach der Taufe leitete die Königin durch einen Druck auf drei elektrische Kontakte den Stapellanf des Riesenschiffes ein, der unter dem Fubel der etwa 250.000 Zuschauer glatt vonstat- ten ging. Der Stapellauf lvurdc mit bewunderungS- lvürdiger Präzision ohne irgendlvelche Schwierigkeiten durchgeführt. Der Dampfer glitt auf das Waffer fast in einer Minute und erreichte fast augenblicklich die Gleichgewichtslage. Es zeigte sich, daß die Berechnungen der Ingenieure, auf die sich das ganze technische Manöver stützte, absolut genau lvaren. 15 Remorqueure schleppten die „Queen Matti" in das Bassin der Werft. Der Dampfer wird bis 18. Oktober im Bassin verbleiben. Bei der heutigen Feier erklärte der Präsident der Cunard White Star Gesellschaft, daß er ehestens mit dem Bau eines neuen Dampfers vom gleichen Typ wie die„Oueeit Mary" beginnen werde.■ Tagcsneulglfcltcn Die Tote« des Klara-Schachts lK a t t o w i tz.) Das Brandunglvck auf der Kohlenhalde des„Klara"-Schachtes in Ruda, das sich am Samstag ereignete, hat z w r i w e i- irre Todes opfer gefordert, so daß die Zahl der Toten sich auf acht beläuft. In den Befinden von weiteren nenn Schwerverletzten ist noch keine Arnderung eingetreten, so daß mit einer weiteren Erhöhung der Zahl der Toten gerechnet werden muß. Die von dem Bergbau und den Gerichtsbehörden eingrleitete Untersuchung über die Ursache des Unglücks ist noch nicht geschloffen. Auf dem Juvalidenplatz, wo vor mehr als zwei Wocke» der Zirkus„Gleich" mit großem Pomp seinen Einzug gehalten bat, sieht es derzeit sonder- bar aus. Nack der letzte» SoimtagSvorsteilung wurde das oiennanige Zirkuszelt abgebrochen und alles zur Abreise terrig gemacht. Zur Abreise kam eS aber nicht und deine noch siebt der Wagenpark des Zirkus müßig aut dein Jnvalidenplatz, wie eine mittelalterliche Wagenburg nackt verlorener Schlacht. Was ist geschehen? Genaues feskzustellcn. ist derzeit noch nicht mög- lick>. Sicher ist, daß kurz vor der Abfahrt Exekuwren 'erschienen und die Traktoren beschlagnahmten, so daß der Abiransvort der Wagen unmöglich gemacht wurde. Steuerschulden? Rückständige Abgaben? Unbezahlte Lieiernngen und Arbeitslöhne? Vielleicht j von jedem erivas. Wir haben ja schon darüber berichtet, ivie der Zirkus„Gleich" unmittelbar nach sei- I nein„triumphalen" Einzug die Löhne an die Hilfsarbeiter in Gestalt von— Eintrittskarten auszahlte. Wenn die Tirektion ihren sonstigen Verpflichtungen in ähnlicher Weise nachgekonunen ist, dürste an Exe- kutionstiteln kein Mangel sein. Besonders sonderbar wirkt der Umstand, daß der Herr Tirektor derzeit unauffindbar ist. Diese Tatsache trug noch zur Erhöhung der allgemeinen Beunruhigung bei. Vor allem ist eS das ZirkuSper- sonal, das begreiflicherweise angesichts der völlig ungeklärten Sachlage begründete Befürchtungen um seine Existenz hegt und der nächsten Zukunft mit Entsetzen entgegensiekt. Neben diesen Hunderten, die vor dem absoluten'Nichts stehen, sind zahlreiche kleine Gewerbetreibende in schwerer Offene Anfrage an Konrad Henlein In der„Persönlichen Weisung", die Sie am 8. September 1901 ausgegeben haben, verlangen Sie von jedem einzelnen Ihrer Parteimitglied r absolute Sauberkeit, Anständigkeit und Edrlickkeit. Nun gibt es seit einiger Zeit in Mäbr.- Neusladi einen Herrn Ernst Tinkl, Schriftleiter der„Nordböhmischen Rundschau", der dieses Blatt ganz in den Dienst Ihrer Part Sie auck' im Neuitädter Bezirk avhält. Dieser Herr Tinkl tvar langer Zeit noch bei der Dentscke angestellt und mußte aus destin rade sauber gründen die' airzeige geg weil sein P, hn ein-rr Rußland verkauft die Ostchina-Bahn Eine Karte der Ostchinesischcn Bahn, die — nach der nunmehr zlvischen Japan und Rußland erzielten Einigung— von Mand- juria zis Pogranitschnaja für einen Kaufpreis von 170 Millionen Uen in das Eigentum Japans übergehen soll. Irrtümlich erschoffen. Ein hoher französischer B e a m t e r in Französisch- Marokko, Masntadaut, der im Automobil durch Spanien reiste, wurde von eitlem unbekannten jungen Mann erschoffen. Durch die polizeiliche Untersuchung lvnrde festgestellt, daß es sich um einen Irrtum handle und daß das Atiettiat gegeit eine andere Person verübt werden sollte. Der angebliche Mörder DufreSneS. Der junge Mann, der in Barcelona unter dem Verdacht, vor einem Jahre den Pariser Stadtrai Dufresne ermordet zu haben, verhaftet lvurde. wurde in Barcelona von Pariser Polizeiinspek- toreit verhört und lvird in kürzester Zeit von den spanischen Behörden beit Pariser Behörden ausgeliefert werden. Der Verhaftete behauptet stän dig, nicht schuldig zu sein und aus Rache von seinen ehemaligen Kameraden an- gezeigt lvorden. zu sein. Zum Verteidiger wählte er einen der populärsten Pariser Advokaten, Legrande. Polen neuerlich Lieger im Freiballon-Wettflug. Der internationalen Leitung der Ballonwettrennen um den Gordon Bennett-Pokal sind am Mittwoch die letzten Meldungen Wer die Landmig der noch nicht registrierten Ballone, die die längsten Flugstrecken zurücklegten, zugegangen. Den Sieg errang der polnische Ballon Kosciuszko", der von Hauptmann Hynek und Pomaski geführt wurde und nach Zurücklegung einer Strecke von 1800 Kilo-, meiern etwa 83 Kilometer südöstlich der Stadt W o« ronesch landete. Der Ballon hielt sich 6t Stunden und 68 Minute» in der Luft. Hauptmann Hynek war auch der Sieger im vorangegangenen Wettrennen um den Gordon Bennett-Pokal. Auch die zweite und dritte Stelle lvurde von polnischen Ballons besetzt. Vierter wurde der belgische Ballon „Belgica". Briefmarken von« 28. September. Bei. dem Postamte Praha 10— Hrad werden am 28. September d. I., dem Jahrestage der Entstehung der tschechoslowakischen Armee für diesen besonderen Zweck anSgegebene G e d e n l m a r i e n mit einer besonderen OrtS- und Tages-Stampiglie abgestempelt lverden. Die Stampiglie wird mit Go> d- färbe(nicht rot, wie ursprünglich gemeldet wurde) das Datum des 28. September wiedergeben. Nach diesem Tage wird eine Abstempelung dieser Gedenkmarken für philatelistiscke Zwecke mit dieser Ge- legenheitSstampiglie beim Philatelistenschalter des Prager Postamtes I bis einschließlich den 12. Oktober d. I. erfolgen. Es handelt sich um die, erste Abstempelung mit Goldfarbe in der Tschechoslowakei überhaupt. 5 Wahrscheinliches Wetter von heute: Im ganzen schön und tagsüber ziemlich warm. In Böhmen stel- lenweise unbedeutende Bewölkungszunahme und etwas auffrischender Südlvestwind. Im Karpathengebiete starke nächtliche Abkühlung und in den Morgenstunden Talnebel.—, Wefleranssichten für morgen: In« Westen unsicher. Jn> übrigen Gebiete Fortdauer des im allgetneinen schönen Wetters.\' Vom Rundfunk ■mpfehlenswartas au* d«n Prag rammen* Freitag. Prag: Sender L.: 0.30 Gymnastik. 7.00 Karlsbader Konzert. 0.15 Smetana-Kompositionen auf Schallplatten. 17.45 Schallplatte«. 18.66 Deutsche Sendung: Konzert des Kollisch-QuartetteS aus Wien. 18.55 Deutsche Presse. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 14.30 Deutsche Sendung: VolkSliederchorkön- zert.— Brünn: 0.16 Schallplatten. 11.00 Orchesterkonzert. 17.45 Schallplatten: Tschaikowski. 17.65 Deutsche Sendung: Kleist: Der zerbrochene Krug. — Pretzbnrg: 17.45 Violinkonzert. 21.86 Russische populäre Romanzen.— Kascha«: 21.00 Orchesterkonzert.■- Der Vortrag des Genoffen Florian Berg mann,, der gestern in der deutschen Arbeitersendung beim Prager Rundfunk über das Thema „Das A r b e i t e r r e ch t der Privat- a n g esi e l l t e n" gehalteu werden sollte, mußte über Wunsch des Radiojournals zunächst verschoben werden.. Abgeordneter Genosse Heinrich Müller in der Prager Ärveitersendnng: Samstag, den 29. S e tzte m b e r, 18.35,: Festansprache"zum 25jährigen- Bestandsjubiläum.— Hörgemeiuschaften bilden. Lautsprecher einrichten l *. 22® Donnerstag,. 27. September 1934 Seite 8 Immer mehr Indizien gegen Hauptmann ofloivnkischen Außenhandel In dein Geschäftsbericht, der am Montag in der Sitzung des DanlratcS der Tschechoslowakischen Nationalbank erstattet.wurde, lvird in bezug auf den Außenhandel' diese NststessuN^si Unsacht: .•- Im Export ist eine fortschreitende Strukturwandlung in der Richtung zu beobachten, daß der Anteil der Ausfuhr auf den freien Märkten un d im fernenAuSland steigt, während im Verkehr mit den Staaten mit reglementierter Einfuhr die AuSfuhrfchwicrigkeiten wciterbeftehen. Die Strukturwandlung, die hie? für den tfchcchoslovakifchcn Außenhandel festgestellt wird, hat die vollständige Veränderung der Struktur des gesamten Welthandels zur Voraussetzung gehabt. Roch vor fünf Jahren konnte man im Welthandel überwiegend nur freie Märkte vorfinden; Amnestie in Italien Anläßlich der Geburt der Prinzessin Maria Pia. des ersten Kindes des Kronprinzen, hat der König von Italien eine allgemeine Amnestie erlassen. Danach werden alle Geldstrafen und die Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren niedergeschlagen, Strafen von längerer Tauer um zwei Jahre gekürzt. Die Amnestie schließt vor allem auch das Verbrechen der unerlaubten Auswanderung und Ablegung der Staatsangehörigkeit ein. Ausgeschlossen von dem Gnadenalt sind Spionage, Verbrechen gegen das keimende Leben, Mord, Raub und betrügerischer Bankerott. Die Amnestie erstreckt sich auch auf Militärpersonen. Eine neue Eisenbahnbrücke in der Slowakei Auf der im Baue begriffenen Bahn Cer« näSkäla-Margecany wird am September in Anwesenheit des Eisenbahn- Eh» Chorwerk über Wien. Im Verlage der Zentralstelle für das Bildungeivesen ist vor einiger Zeit ein Gcdichte-Zyklu» über Wien von Josef Hofbauer erschienen. Tie Gedichte behandeln das Werden der Wiener Arbeiterbewegung, ihre schöpferische Tätigkeit, ihren Kanwf und Untergang und ihre Sammlung zu neuem Ringen. Der Zyklus ist als Chorwerk eingerichtet. Das kleine Heftchen l»Wien") enthält genaue Angaben Uber die Einrichtung des Chors und feine musikalische Ergänzung. Tie Titelseiten schmücken zwei ausgezeichnet» Holzschnitte des Genossen Trapp.— AuS kkrik"GObichten spricht die tiefe Liebe zu Wien und seiner sozialistischen Bewegung. Beim Vortrag im Chor wirken sie zweifellos noch viel stärker als beim bloßen Lesen. Die sozialistische Festkultur kann der chorischen Werke nicht entbehren. Seit der Vernichtung der Arbeiterbewegung in Deutschland und Oesterreich ist keine Schrift erschienen, die für die Ausgestaltung der sozialistischen Kulturarbeit von Bedeutung wäre. DaS Chorwerk über Wien wird darum von allen in der sozialistischen Fcstgestaltung tätigen Genossen auf daS freudigste begrüßt und benutzt werden, insbesondere aber von unseren Jugendgruppen. ES ist zum Preise von S Xc durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII.. Slezfkä 13. zu beziehen. K. Ohne einen Heller Geld»in Schloß gekauft. Der Schöffcnsenat in Steyr verurteilte den 3!.,jährigen Eduard Reichert aus Michovice, einen tschechoslowakischen Staatsangehörigen, zu zweieinhalb Jahren schweren Kerker. Reichert hat in Oesterreich zahlreiche Betrügereici» begangen, namentlich mit Realitäten und Grundstücken. Er kaufte Schloß und Großgrundbesitz R a m i n g h o s in Oberösterreich im Werte von 400.000 Schilling, ohne einen Heller Geld zu besitzen. Dann stellte er sich den ÖrtSbehörden als neuer Schloßherr vor und lockte vcrsöncdencn Persone»» Anleihen heraus. Als er mit den herausgelockten Geldern flüchten wollte, fiel er den Behörden in die Hände. des Arbeiterführers, der bis zur letzten Stunde nicht an sich, immer nur an die Bewegung, der er bis zum Tode diente, denkt. Verbrecherinnen, im Leben Gestrauchelte, nehmen in der Zelle, in die Paula Wallisch gesperrt wurde, an ihrem große»» Leid teil, und während draußen vor den Türen die rohe Soldateska ihrer vollständigen Vcrkoinnienheit Ausdruck verleiht und geiniitslos von der Hinrichtung des Arbeiterführers redet, da dcinonstriercn die im Leben Gefallenen für ihre Zellengenossin Wallisch, schlagen in wilder Ver- zwciflung die Fenster des Kerkers ein. verfluchen die grausamen Christenmörder, die diesem herrlichen Weibe den Mann töten. Welcher Abscheu entwickelt sich da in jedem einzelnen gegen die Offiziere der Dollfußsöldner und welche Dankbarkeit empfindet mai» für die armen, hundertfach vom Leben geschändeten Frauen, die da neben Paula Wallisch das Strohlager im Gefängnis teilen nnißtcn, aber trotz ihrer Fehler immerhin noch Menschen geblieben sind. Der Vortrag, den Paula Wallisch am Montag abend in Prag gehalten hat, böte Stoff für einen spannenden und ivirkungsvollen Roman. Den Roman eines Revolutionärs und seines»nu- tige Weines. Er tvürdc für den Sozialismus mehr werben, als es wissenschaftliche Werke unserer Größten vcrinöge». Ein Roman- zweier Menschen, die für die Idee, z»» der sie sich bekennen, zu leben und z>» sterbe»» gewillt sind. Denn Paula Wallisch ist dein Manne, der für daö rote Banner fiel, ebenbürtige Gattin, llncndlich viel hat. sie gelitten, aber ihr Lebensmut ist dennoch»licht gebrochen»vorden, sie»vill trotz alledem. — wie sic am Schluß ihres Vortrages sagte— auch dabei sein, tvcnn die Endschlacht geschlagen werden wird.. Richt- über»ine» guten Titel! Tic»S u- detendeutsche Tageszeitung" hat allerhand schönc Rubriken. Manchmal passiert es ihr, daß ii» eine Rubrik etwas hii»cingerät. was in eine andere gehört. Dieser Tage hat das so auSgeschen: Allerlei Nützliches. Die spinale Kinderlähmung. Sollte sic vielleicht in Hitlerdeutschland Arsenal der bakteriologischen Waffen gehören? In diesem Falle würden die Henlein- deutschen sie ja ohne Zweifel als nützlich ansprechen. Die rettenden Seidenstrümpfe. Zivci amerikairische Sportangler haben ihr Leven den Sciden- strüiirpfen eines suiigen Mädchens zu verdanken, lknd das kam so: Dr. Hopkins und Mr. Bradshalv aus Illinois halten sich in einem Kanu zu.einem Fischzug auf den Pudash-Sce in Kanada begeben. Als sie in beträchtlicher Entsernung von» lifer waren, schlug ihr Boot un», und die beiden Angler "konnten sichnurmit Mühe über Wasser halten. Eine junge'Dälne, Miß Folkard, bemerkte vom Scetifcr den Unglücksfall. Sie fand einen alten Kahn, In dem sich ein zerbrochenes Ruder befand, und eilte den Ertrinkende»» zu Hilfe. Aber ihre Kräfte reichten nicht aus, um die beiden Ertrinkenden in das Boot zu ziehen. Kurz entschlossen zog sie ihre Seidenstrümpfe aus, band sie znsain- men und befestigte mit diesem Teil Mr. Bradshalv an der Spitze des DooteS. Dann gelang cö ihr, Dr. Hopkins in ihr Boot zu helfen und mit seiner Hilfe den ohninächtig gelvordenei» Bradshalv eben, falls in Sicherheit zu bringen. Ein FrirdenSmnseu'n im Haag. Neber Anregung deS hervorragenden Juristen L i in b u r g, Mitglied der holländischen Delegation ii» Gens und über Vorschlag va>» der MandcrS, der im Jahre 1030 eine Friedens- und VölkerbnndauS- stellung veranstaltet hatte, wurde im Haag eine Kommissioi» gebildet, welche für die Gründung eines ständigen Friedens- und BölkerbundsmufeumS im Haag Sorge tragen lvird. DaS Museun» soll den Namen deS berühmten holländischen Rechtögclehrtcn und Philosophen Grotius, den Schöpfer deS internationalen Rechts, tragen. Der Brand der„Morro Castle". Vom Untersuchungsausschuß für den Brand an Bord der„Morro Castle" wurde am Dienstag Arthur Pender vernommen, der in der Unglücksnacht die Wache hatte. Pender vertrat die Ansicht, daß der Brand durch eine Bomben- e r p l o s t o n zum Ausbruch gekommen sei. Er habe eine laute durchdringende Explosion aus der Richtung des Schreibzimmers oder des Kajüt- ganges vernommen. Als er sich dorthin begab, habe er einen junge»» Mann im grauen Anzug bemerkt, den er nie zuvor gesehe»» habe und der auch kei«Mitglied d e x Besä tz»» n g gewesen sei. Weiter habe er gesehen, daß ein Mitglied der Besatzung einen'Schrank öffnete, auS dem Flamme»» herausschlugen. .Segelboot mit fünf Fischern gesunken. Dienstag, kurz nack 15 Uhr ereignete sich, erst jetzt bekannt wird, anf der Ostsee bei Darf Wittenberg eil» sehr schlvercs Bootsungliv Ein mit fünf Fischern besetztes Segelboot wurde ungefähr 40 Meter vo»»i Strande von einem heftigen Sturm überrascht. Daö Boot lvurdc von einer Welle, die bis an die Mastspitze hochschlng, zum Kentern gebracht. Alle fünf Insassen sanden den Tod. Infolge der Stärke des Sturmes tvaren Rettungsversuche voin Strande aus unmöglich, oblvohl das Unglück beobachtet lvordcn war. Ein zlveiteS Vorweg sei cö gesagt; der Abend im DTF.- Heiln in Zijkov»var ein Erlebnis. Paula Wallisch ist feine Rednerin von Format, sie schindet keine Wirkung, sie erzielt sie durch ihre natürliche Begabung, eigenes Erleben ohne Pathtos und ohne jedes Beiwerk zu schildern, so daß jeder, der sie hört, auch Ivciß, daß sie nur die Wahrheit wiedcr- gibt. Ihre Schlichtheit imponiert, ihr Leid macht sie sympathisch. So wurde der Vortrag ein Bc- lcnntnis ihrer Seele, die, so stark sic auch sein mag, selbst die Schwächen offenbarte. An die 000 Genossinnen u»»d Genossen blickte»» geradezu andächtig z»i der mutigen Gefährtin dcö Kämpfers Koloman Wallisch cinpor und imnicr und immer lviedcr dankte ihr das Auditorium init starkem Beifall für das,»vaS sie und ihr heldenhafter Mann in den Stunden schwerer Bedrängnis für die Arbeiterklasse getan haben. Erschütternd ist die Erzähl»n»g über die Entbehrungen und die physischen Leiden der Brücker Schutzbündler, die nach dem Abzug'a»»ö der Stadt durch Schnee»»nd Regen, mangelhaft bekleidet, hungernd und. vollständig erinattet. ihren Häschern zu entgehe»» versuchten. Nerveitspanucnd die Darstellung über die i Verfolgung Wallischö durch die Hciinatwehr und ' tief empörend die Darstellung über die Verhaftung, die Behandlung und daö Verhör der Gefangenen in Leoben. Wenn inan hört, wie uuinenschltch die beiden wehrlosen Menschen von den Dollsußschergen nach der Einlieferung ii» daö Gefängnis behandelt wurden und ihre mutige Haltung vor der mordlustigen Heimwehrgesellschaft keuncnlcrnt, dani» erst erfaßt n»an die Größe und Bedeutung dieser Revolutionäre. Aufwühlend erzählte Paula Wallisch die Ereignisse am Tage der Ermordung v 28. Ministers der zweite Bauabschnitt, u. zw. von Talgärt nach der„DobSinskcr Eiögrotte", dem öffentlichen Verkehr übergeben. Die Bahn Cervenü Skäla-Margecani, die nach ihrem völligen Ausbau 03 Kilometer lang sein wird, ist der wichtigste Teil der künftige»» Transversal» bahn durch das Zentrum der Slotvakei. Sie verbindet das Tal deS oberen Hron mit dem Hnilec-Tal zwischen der Niederen Tatra und den» Slowakischen Erzgebirge. Durch sie wird neben der Kaschau-Oder- berger Bahi» eine zweite durchgehende Verbindung des Westens mit dem Osten der Slowakei Bahn gcschaffep. Der dem Verkehr zu übergebende Abschnitt ist 15 Kilometer lang. Die tltzihn hat einen ausgespro- chenen Gebirgscharakter. ES gibt hier drei Tunnels. Boot, daS sich zur gleiche»» Zeit in der Nähe der j von denen der Bogentunnel, der nach dem Senator Unglücksstelle befand und mit vier Personen besetzt S t o d o'l a benannt ist, mit einer Länge von tvar. konnte vo>» einem anderen Boot ins Schlepp- 1233 Metern einer der längsten Tunnel in der Re- tau genommen und schließlich an der Küste des Publik ist. Nun wird der Bau aus Mitteln der Korridors an Strand gesetzt werden. Arbeitsanleihe in weiteren Abschnitten fortgesetzt. die Hemmungen für die Zölle waren nicht von so schwerer Art. Seit 1029 ist aber eine wachsende Anzahl van Ländern ans den verschiedensten Gründen daran grga::„en, die bis dahin lm Handelsverkehr zivischrn den Staaten geltende Meistbegünstigung zu beseitige»» und dafür eine Fülle von rinsiihr- heinmendcn Maßnahmen zu ergreifen, ko daß di» sogenannten freien Märkte in» Welthandel zu immer selteneren Inseln gewordei» sind. Auf diese wenigen freien Märkte, die nicht durch Einfuhrbeschränkungen, Einfuhrverbote oder durch Devisenmatznahmcn mit den gleiche»» Wirkungen abgesperrt sind, stürzt sich dje Erportin- dustrie aller Staaten, so daß aus ihnen dir Konkurrenzkämpfe immer stärker werden. Eö ist für die tschechoslowakische Exportindustric ein günstiges Zeichen, daß die Erzeugnisse einzelner ihre»: Zlveige in der internationalen Konkurrenzfähigkeit bestehen können. ES lvird so durch die freien Märkte wenig- stenS zum Teil ein A»»Sgleich geschaffen sür den Verlust, den unser Export durch dir Abriegelung der Einfuhr der übrigen Staaten erleidet. Da aber trotz der katastrophalen Folgen für die Wirtschaft aller Länder noch immer überall in der Welt»veitere Maßnahmen zur Zerstörung des Welthandels getroffen werden, erscheint diese Cha»»ce, die unserer Warcnaussuhr gegebe»»»st, in der Zukunft gefährdet. Eine beinerkcnölverte Erscheinung ist die Tendenz des Steigens des Anteils der tschechoslowakische»» Ausfuhr nach den» fernen Ausland, also nach Asien. Australien oder den amerikanischen Staaten. Ist sic auch nicht einheitlich für alle unsere Handelspartner fcstzustcllcn, so ist sic doch unverkennbar'un Außenhandel bei einer Reihe für uns wichtigen Länder. ES sind vor alle»» Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, China, von den europäischen Staaten England, Dänemark, die Türkei und Hamburg, daö als NmschlagShafen für llcbersee eine wichtige Stellung in unserem Export innehat, mit denen der Tschechoslowakei in den letzten Monaten die Passivität ihrer Handelsbilanz stark vermindern oder gar in»ine Aktivität nmwandeln, oder wie bei, China, Dänemark, England nnd der Türkei die vorhandene Aktivität beträchtlich erhöhen könnte. Es ist die vordringlichste Aufgabe unserer Handelspolitik und der Zweck des in Bildung begriffenen E x• portinstitutcs, diese hervortretenden Tendenzen zu stärken und darüber hinaus beizutragen, die Zerstörung deS Welthandels aufzuhalten. Denn z»i einer nachhaltigen Steigerung der Produktion, zu einem»nehr als nur vorübergehenden Aufschwung der Wirtschaft»insercs Landes gehört neben der Hebung der Massenlaufkraft im Innern auch ein fortschreitender AuS- und Aufbau des— im ganzen noch immer auf tiefem Niveau stagnierenden— Welthandels. Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 27. September 1834. Rr. 226 Den Rekruten zum Einrücken M 39 o. ff 2321 PRAGER ZEITUNG Der Film .Er im Name: V Unterschrift:. « (Finnland) (Finnland) (Finnland) (Finnland) M. Järvinen M. Järvinen M. Järvinen M. Järvinen Meter. Meter. Dieter. Meter. Meter. Meter. Meter. Meter. Meter. i Abonnements- Bestellschein« Zwei neue Weltrekorde im Radfahren. Bei de« Rad-Wettkämsifen in Bordeaux erzielte Michard (Frankreich) iiber einen Kilometer eine Zeit von 1:10.4 Min. und Fancher(Frankreich) über SW Meter mit stehendem Start eine solche von 33.8 Sek. Beide Zeiten bedeuten neue Weltrekorde. 74.24 74.61 76.10 76.66 für den....... Passiven haben«ine solche Höhe erreicht, da« an eine W e i t e r f ü h r n n g dieser Sportarena unmöglich zn denken ist. Hervorgernfen »nirde das Hobe Passivum dnrchdieNazi, welche für ihre Versammlungen und sonstigen Bcranstal- tnngen bisher nicht einen Pfennig bezahlten... So sieht die„Ankurbelung durch den reiier" Berlins, Goebbels, in der Praxis aus. 1033: 1933: 1933: 1934: 61.45 Meter. 62.82 62.58 64.85 64.81 66.10 ,■ 1 den. Der Knabe>var mit einem andere» auf einem Tretroller um dic^Wctte gefahren. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Film zeigt, auch. ohne die Hilfe außerordentlicher Bildkunst so fesselnd, daß man es bedauert, das Kinobillett nicht mit einer Fahrkarte vertauschen zu können.—eis— (Schweden) (Finnland) (Schweden) (Finnland) (Finnland) (Schweden) 66.62 Meter. Ämter dem südslawische« Himmel Technisch ließe sich gegen den ungeschickten Bildschnitt und die unplastischen Naturaufnahmen in diesem(vorerst nur in einer Sonderausführung gezeigten) Bildbericht von Jugoslawien mancherlei einwenden. lind auch inhaltlich läßt die Arbeit(für die der Regisseur Djordjevik verantwortlich zeichnet) manche Wünsche unerfüllt: denn sie zeigt Denkmalsweihen und Paraden, wo wir etwas über die wirtschaftliche, geistige und soziale Entwicklung des Landes in der Nachkriegszeit zu erfahren hofften, und sie unterlässt es, als Höhepunkt der Naturschön- hciten die wilden Wasser und Gipfel von Montenegrortorcn, die jeder anständige, gleichgeschaltete Verleger in die erste Reihe stellen muhte, und die heute so verfemt sind, dah kaum der Lumpeusammler dergleichen ohne Risiko an- kaufen darf, waren darunter. In Nazi-Deutschland gibt cS keine Firma, die für solche Eventualitäten Versicherungen abschließt... Und so iverdcn die armen Verleger im riesigen Konzentrationslager des totalen Staates wohl so manchen heutigen Schlager ihrer VerlagStatlg- keit mit bangen, sorgenden Blicken betrachten. Kein Lloyds gibt ihnen die Sicherheit einer gediegenen Kalkulation. Sie müssen Va banque spielen, ob sie wollen oder nicht. Aber sie sind ja schließlich nicht die einzigen, die es tun—! verlanget überall Itolhnflnrier! Berliner Sportpalast wird versteigert «eebbefß»«zahlt nicht! Der Berliner Sportpalast, welcher schon früher seine jeweiligen Besitzer mit Verlusten verbun- war, steht'nun vor der Versteigerring. Die Für den Ausgang bequeme Schuhe aus festem, schwarzem Boxleder. Sehr dauerhafte Gummisohle. Mit Lufa-Ein- lagen angenehmeres Gehen und Verhinderung von Fuss-Schweiss.— „Herkules" starke Baumwollsocken Kc 2.50 „Star"» gemusterte Baumwollsocken XL3.- ' /iiWjW Tobbogan Um Mißverständnisse zu vermeiden, wird man diesen französischen Film, der weder das einst mit dem Kleistpreis bedachte Kriegsstück des(inzwischen zmn Nazi gewordenen) Gerhard Menzel noch den Wintersport mit dem Tobbogan-Schlitten zmn Gegenstand hat, unter dem Titel„Der Roman eines berühmten Boxers" aufführen. Denn dieser Film erzählt vom letzten Kampfe eines altgewordenen Schwcrgclvichrlers, nnd diese Hanptgestalt wird von dem chetnaligcn französischen Champion Georges Carpeniicr dargcstcllt. Es väile nahegelegen, nnier diesen Vorans- setzimgen eine äußerliche Sensation mit einem kunstlosen Star znstandcznbringc». Um so überraschender ist eS. daß— unter der Regie des wenig bekannten Henri D e c o i n— beinahe ein filmisches Meisterwerk entstanden ist. Eine einfache und di»noch dramatische Handlung, die um Wahrscheinlichkeit bemüht ist, eine Regie, die— trotz altmodischer Photographiertechnik— einen echten Einblick in die gaunerische nnd gransame, aber von Illusionen umflossenen Welt des Berufssports geben will,, nnd eine Darstelllmg, die schlicht und könnerisch menschliche Wirkimgen erstrebt nnd erreicht. Georges Carpen tier sicht nicht mir mensch-! kicher aus als die meisten berühmten Boxhelden,—I er ist als Darsteller eines Boxer-SchicksalS so fern von aller oEitelkeit nnd so ehrlich um Gestaltung eines liebenden nnd hoffenden nnd schließlich nm Sieg nnd Glück betrogenen ManneS bemüht, daß man von seiner Leistung nur mit Anerkennung sprechen kann. Ohne irgendwann zn übertreibe», aber auch ohne einen Augenblick der Anteillosigkeit, macht er die Figur lebendig, die er darzustellen hat: den abgetanen Champion, der mit Zeitungen handelt, der ein Mädchen vor der Brutalität eines Verkommenen rettet, der diesem Mädchen zuliebe noch einmal einen Kampf tvagt nnd nach der Niederlage allein in die Armut znrückkehrt, während die Geliebte bei dem reichgewordenen Manager dcS Kampfes zurückbleibt. Die Regie DccoinS hat dieses Spiel ohne happy end(das durch die intereffante Erscheinung der Arleite Marchal bereichert wird) in eine lyrischrealistische Atmosphäre gestellt, die an Reni! ClairS „Unter den Dächern von Paris" erinnert,— nnd bei der Darstellung des großen Boxkampfes erreicht sic mit einer Fülle von Einzelstudien nnd drämati- fchen Akzenten eine Jniensität, wie sie mit so ehrlichen nnd wirklichkeitsnahen Mitteln selten im Film gelungen ist..—eis— Konst und Wissen „Studio 1934" beginnt die neue Spielzeit am Donnerstag, den 11. Oktober, im Charlotte Masaryk- Saal dec Unitaria, Karlova 8, an der KarlSbrückc. Vollständig neues Programm. Die Texte stammen von Hedda Zinner nnd Albin Stübs, die Mnsik von Rolf Jacoby nnd Ferry Gyulai. Neber Elronora Düse ein Lebensbild ans Briefen nnd Gesprächen, Rezensionen, Büchern. Mit 25 der schönsten Photographien, liest Fritz Walter Nielsen, Mitglied des„Studio 1934", am 3. Oktober, abends nm 8.15 Uhr im kleinen Saale der Urania. Spielpkan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag 7%: Man» n, neuinszenieri. Ersatzvorstellung vom 18. September. Werbcvorstcllnng der Serie A 2.— Freitig 7j4: Don Carlos, Werbevorstellung der Serie D 2.— Samstag 7^: A d m i r a l B o b b y, Erstaufführung. A 2. Spiel plan de« Kleinen Bühne. Donnerstag%8: SeusationSprozeß. Erstaufführung.— Freitag 8: Märchen im Grandhotel.— SamStag 8‘,4: Märchen i m Grandhotel. Abonniere ab.. 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GoMalftemotrat“ Verwaltung Prag XU., Fochova tr. 62, zmn Preise von 16 Xi monatlich, und sende Viesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. filme In Frager LWitsplelhiiiisera Adria:„Helden der Eismeere—d i e T f ch e l j u s k i n l e u t e." R.— Alfa;„Carioca." A.— Beriinek:„Bella Donna." E.— Fc'nixr „Die treue Nymphe." E.— Gamnont: „Frasquita. D.— Hollywood:„FraSquita." D.— Hvkzda:„Heide nderEiSmeerc— Tschel- j u s k i n l e u t e." R.— Kinnna, B.-Th.: Jouru., Lustspiel, Reportage, halb 2 bis 6.— Koruna:„Die geheimnisvolle Miß Baskcrvillc." E.— Metro; „Geschichten ans dem Wicnerwald." D.— Olym- pic:„Ein braver Junge." A.— Passage: Maskerade." D.— Radio:„Bella Donna." E.—«kaut: „Der todbringende Robot." E.— Svktozor:„Maskerade." D.— Alma:„Ein Dankeeals Hofrat." E.—»eseda:„Was ist die Welt?"— Ex- preß Nr. 13."— Carlton:„Csibi, der Fratz." D.— Favorit:„Die Stimme der Liebe."— Lido:„Csibi, der Fratz." D.— Louvre:„Bella Donna." E.— Maccöka:„Eine Frau, die weiß, was sie will." Tsch. — Roxy:„Bella Donna." E.— Sport-Smichov: „Der Triumph eines großen Diplomaten." Tas Prager KrankenhauSElend. Amtlich!' wird onrgcteilr: Ter Mangel an Betten für Jnfck-: rionskrankdcilen in Prag gestalicic sich hauptsächlich durch das iaiiomnäßige Anwachsen gewißer Krankheiten> Scharlach. Tivbtheriris) so aktuell, daß das Ministerium für önenliches Gesundheitswesen und körverliche Erziehui^ sich emschlossen hat, sür heute eine Beratung der zuständigen Faktoren einzuberufen) nm diese Frage dnrchzuberatcn. An dieser Beratung nahmen teil: Für den slaallichen GesundheitSral ilnivcriiiätSprofessor MiiTr. Hynek und AiliDr. B r d l i k, die Direktoren der Krankenhäuser, llniver- sitäisprosesior BUITr. Langer nnd MllDr. W c b e r, die Direktoren Tr. Dosk ak, Dr. W a g- n e r, Tr. R a s z, für das Stadtphysikai Dr. H r d- l i L k a und Tr. P r o s e 1, sür den Magistrat der Stad: Prag Rat Bene s, für das staatliche Gc- sundheitsinstitnt Direktor Tr. Vacek, sür daS Landesamt Dr. S i in o n nnd für die Zentraljozial- vcrfichernng der leitende Arzt Tr. Bresky.— Der heutige Tland der IsolationSbetten wurde als ii n n c n ii gend befunden- Es wurden nachstehende Fragen eingehend dnrchbcraten: Präventivmaßnahmen, Anmeldung der Kranken, die Intervention von Amtsärzten, die Nachforschung nach der Herkunft der Ansteckung, namentlich in den Schulen, die Impfung gegen Tiphtheriiis mit dem Namonov- Serum nnd die Festsetzung der Jsolierungszeit.— Tie Ergebnisse, die bei dieser Beratung erzielt wurden, werden der Ocsfentlichkeit nach einer desi- niriven Beschlußfassung bekanntgegeben werde». Tiere aus dem Zirkus Gleich nach Troja. Ter Prager Zoo hat aus den Tierbeständen des Zirkus Gleich eine Leopardensamilie. bestehend aus vier Stücken, ein Dromedar, ein Lama und einige Affen nnd verschiedene Vögel, im ganzen nm 10.000 XL angetaust. Diese Summe ivurdc nicht der Zirkusverwaltung, sondern dem Hauptgläu- .bigcr des Zirkus, der Speditionsgesellschaft„Interkontinentale" anSgezahlt. Die angetansten Tiere sind in Troja bereits zn sehen. Ans dem Erlös eines weiteren Verlaufs der Tiere sollen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um dem Zir- lns die Abreise von Prag nach Rnmänicn zn ermöglichen, wo Gleich bereits Verhandlnngen wegen Gastspielen ansgenommen hat. Neberfahren. Dienstag vormiltags wurde in der Nationalstraße der 15jährige Lehrling Karl Vitäk von einem Persouenauio, das der Chauffeur Ferdinand Boublik'lenkte,'überfahren. Er erliit Knochenbrüche. Unfall durch Roller. Dienstag nachmittags wurde der 13jährige B. Gajdos ans Bkewnow auf der Straße hinter dem Stadion mit zahlreichen Verletzungen im Gesicht und an einer Hand aufgefun- Wa» im Wild-WestgM« — nicht geschieht Schiedsrichter insultiert— Ausschluß aus dem Verband Bei dem Meisterschaftsspiel Viktoria VIII— NovomLstfly SK. in Prag wurden ans dem Platz des ersteren der Schiedsrichter und Funktionäre des Gastvereines verprügelt und teilweise verletzt. Die Angelegenheit kam am Dienstag in einer Sitzung des Mittelböhmischen Gaues der CsRF. zur Sprache und dieser drakonische Beschluß gefaßt: Die vom Schiedsrichter ausgeschlosfenen Spieler des PlatzvereineS wurden mit Sperren von v i e r M o n a t e n bis zn einem Jahr bestraft und Viktoria VIH als Verein aus dem Verzeichnis der CsAF. gestrichen.