14^Jahrgang Dienstag, 2. Oktober 1S34 Nr. 230 WrtscKsttsIeonferenr! Zudklendeulsmer landstand(Ur Hitler Was da Kalender enthOllt— Dr. netz als Anwalt des Dritten Reichs Belgrad. Am Montag wurde die dritte Tagung des Wirtschaftsrates der Kleine« Entente mit einer Plenarsitzung geschlossen, welche die von de« fünf Kommissionen vorbereiteten Resolutionen vorbehaltlich deren Genehmigung seitens des Ständigen Rates annahm. Der Wirtschastsrat hat sich hauptsächlich mit dem Problem des Warenaustausches beschäftigt. Er hat an erster Stelle die zu ergreifenden Maßnahmen zur Beseitigung, bezw. Milderung der Hindernisse studiert, welche den gegenseitigen Handel beeinträchtigen, sowie die gegenseitigen Mittel zur Vergrößerung des Umfanges des gegenseitigen Warenaustausches. Es wurde eine aus Mitgliedern des Wirt- schastsrates zusammengesetzte Kommission gebildet, welche die Aufgabe haben wird, die Bedingungen für eine intimere wirtschaftlich e Z«sammenarbeit zwischen den drei Ländern zu präzisieren. Auf den anderen Gebieten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist durch den Abschluß von 17 wichtige« Uebereinkommen ein ansehnlicher Fortschritt erzielt worden. Der Wirtschaftsrat hat ein Programm der zu ergreifenden Arbeiten festgelegt, deen Ergebnisse in der in Prag am 28. Jänner 1835 zu eröffnenden nächsten Session des Wirtschastsrates werden überprüft werde«. Umbildung der Regierung Tataretcu Bukarest. Ministerpräsident Tatarescn fart am Montag dem König die Demission des Kabinetts überreicht. Der König hat die Demis- sion angenommen und Tataresc« mit der Bildung der neuen Regierung betraut. Tataresc« tüudigte in der letzte« Sitzung des alten Kabinetts an, daß einige Aenderungen i» bestimmte« Ressorts eintreteu werden. Ins Rollen gebracht wurde die Kabinettsumbildung durch die Demission des Ministers für Industrie Teodorescu, der sich schon seit einiger Zeit mit Demissionsabsichten trug und nach Eröffnung der Industrieausstellung, die eben jetzt in Bukarest stattfindet, seine Mission als beendet ansah. Offiziell wird sein Rücktritt mit ge- sundhcitlichen Motiven begründet. Rücktritt des spanischen Kabinetts Von den Katholiken gestllrxt Madri d.(Tsch P-B) Die spanische Regierung hat am Montag Nachmittag ihren Rück- t*ttt beschlossen. Nach dreimonatiger Ferrenpause war das Parlament unter umfassende« Sicherheitsmaßnahmen der Polizei wieder zusammen getreten. Ministerpräsident Kämper hatte sofort das ^8»rt genommen, um seine bisherige Politik z« rechtfertige«.Der Führer der Katholischen Bolks- aktion Gil Nobles, erklärte jedoch, s e i n e P a r- tri werde die Regierung nicht rakhpi,^^rftützen. Nach einer kurzen Beratung teilt« der Ministerpräsident dem Parlament den Rücktritt der Regierung mit und begab sich zum Präsidenten der Republik, der das Rücktrittsgesuch annahm. Samper gng Staatspräsidenten den Rat, das Parlament nicht anfznlösen, sondern aws ihm eine Mehrheitsregierung auf der Grundlage der radikalen Partei mit Einschluß der Agrarier und der Katholischen BolkSaktion zu bilden. Das Parlament hat sich bis zur Lösung der Krise vertagt. 0er antimarxistische Kurs Madrid. Wegen Teilnahme an dem allgemeiner stierk m Madrid und wegen Aufreizung zum Streik wurden 20 Mitglieder der sozialistischen fugend zu einer Geldstrafe von je 5000 Pesetas verurteilt. Im Zusammenhang mit der Regierungskrise sind nach einer offiziellen Darstellung die polizeilichen Vorsichtsmaßnahmen.zur Verhinderung von marxistischen Gewalttaten" außerordentlich verstärkt worden. Herr Dr. Robert H e tz ist einer der geistigen Führer des Sudetendeutschen Landstandes. Er hat bei den.Landständischen Monatsheften", deren fascistisches Wirken wir schon wiederholt schilderten, maßgebenden Einfluß und ist ein enger Mit- arbeiter jenes Gustav Hacker, der als von Spina ernannter stellvertretender Obmann des Bundes der Landwirte auf der Henleinkundgebung in Karlsbad die"enge Verbundenheit der landständischen Jugend mit der Henleinbewegung zum Ausdruck bringen sollte?' Der Sudetendeutsche Landstand hat Dr. Hetz mit der Redaktion des„De utschen Landvolkskalenders 1935" betraut. Dieser Kalender liegt nun vor. Er enthüllt o-n Geist, von dem der Sudetendeutsche Landstand erfüllt ist und macht die Freundschaft erklärlich, die zwischen Henlein uitt» Hacker besteht. Betrachten wir uns die im„Deutschen Landvolkskalendec 1935" des Sudetendeutschen Landstandes enthaltene politische JahreSschaul Hitler und Europa Da finden wir zunächst eine sqzusage» Dillgemeine" Uebersicht, in der festgestellt wird, daß einige Staaten einen vollständigen Umbau ihrer Wirtschaft vornehmen und daß,sich in diesen Staaten hoffnungsvolle Ansätze zur Ueberwindung der WrrsschaftOnor zeigen. Wer dies«»Staaten" sind, ist etwas später zu erkennen: es ist nur einer, nämlich Deutschland. In der Besprechung der Abrüstungskonferenz bricht der Verfasser der politischen Jahresschau eine Lanze für das Dritte Reich und verzeichnet ftirnrunzelnd die Bemühungen Frankreichs,.Rußland in den Völkerbund und aufdieSeite der Gegner Deutschlands zu bringen", s Hingegen wird mit Genugtuung vermerkt, daß im Herbst 1933 der Völkerbund seine übliche Tagung abhielt,„in deren Mittelpunkt der deutsche Reichspropagandamini- ster Dr. Goebbels stand". Nicht weniger Freude bereitet dem landständischen Schreiber der Umstand, daß der bulgarische König im vergangenen Jahre Hindenburg und Hitler besuchte. ,.Jn den Trinksprüchen wurde auf die alte Waffenbrüderschaft im Weltkriege hingewiescn. Bulgarien steht auch heute noch auf Deutschlands Seite und hat den Eintritt in die Kleine Entente abgelehnt." Var„Volksfeiertasf Ständig ist dem Landstand-Demokraten bewußt, wie sehr die diftatorisch regierten Staaten den»Parteistaaten" überlegen find. So bedauert er denn, daß das„v o n Parteien b e- herrschte Spanien" nicht zur Ruhe kommt. Wie sehr aber die Völker ttziter der D i k- t a t u r glücklich sind, ist in einwandfreier Wesse durch diese Feststellung nachgewiesen:«Der 1. Mai 1934 wurde in den Staaten sehr verschieden begangen; während er sich in Deutschland zu einem Volksfeiertag(!) mit wuchtigen Kundgebungen gestaltete, kam es in Frankreich und Polen zu Sträßxnkömpfen." Wie gut ist gegen solche Zwischenfälle cm Hiilerregiine; wenn die Arbeiter am 1. Mai nicht glücklich sein wollen, werden fie dazu gezwungen! Am 2. Mai des Vorjahres hat man ihnen bekanntlich die Gewerkschaften genommen. Oesterreich und Frankreich Bei der Besprechung der österreichi- ch e n Ereignisse, hat der Verfasser wohl das Ge fühl gehabt, daß Vorsicht am Platze ist.(Auch die .Stundschau" hat vor kurzem auf dem Umweg über die Besprechung der österreichischen Dinge endlich die Frage beantwortet, wie Henlein zu Hitler stehe.) Trotz dieser Vorficht ist das Liebäugeln des Landstand-Demokraten mit der österreichischen Razibewegung nicht zu verkennen:»Gegen die immer stärker werdend^nationalsozialistische Bewegung wurden von der Regierung immer schärfere Abwehrmaßnahmen ergriffen. Trotzdem nahm der Widerstand gegen Dollfuß zu und fast täglich explodierten Papierböller als Zeichen des Protestes gegen das Regime." Freilich wird dieses Verständnis für die Nazis ausgewogen durch den Haß gegen die Sozialdemokratie:»Besonders hartnäckig war der Widerstand der Marxisten in den städtischen Riesenwohnbauten, die durch Artillerie sturmreifgemacht werden mußten. Die sozialdemokratischen Führ-r Bauer und Deutsch hatten sich rechtzeitig in die Tschechoslowakei geflüchtet." Frankr ei ch, ein für die europäische Politik entscheidendes Land, wird in nicht ganz einer Spaltender politischen Jahrcsschau gewürdigt. Die wesentlichste Feststellung des Landstand-Dcmokra- ten über Frankreich ist,»daß der französische Parlamentarismus mit seiner Partei««wirtschaft be- denklicht Krankbeitszeiche« besitzt". Bauer und Eintopfgericht Man fühlt mit dem Verfasser, wie.'S ihm eine Wohlrat ist, sich nach der Besichtigung deS demokratssch-parlamentarsschen Schmutzes dem Märchenlande Hitlers zuzuwenden. Zur Behandlung der deusschen Angelegenhesten stehen immerhin vier Spalten zur Verfügung. Di« „durchgreifenden Reformen", die dem durch die Machtübernahme Adolf Hitlers begonnenen„Umbruch" des Deusschen Reiches folgten, find aber ! auch eine freundliche Betrachtung durch den Landstand-Demokraten wert; er ist insbesondere danrit einverstanden, daß es,„um Sabotageakte z« verhindern", zu«großen Aenderungen" in allen öffentlichen Anstalten, Körperschaften und Betrieben kam. Das habe erst„den Wc?; zu den großenReformen fteigemacht", die angeblich bald darauf von der Reichsregierung begonnen wurden. L-o b e n d wird das von den deutschen Bauern verfluchte Erbhofgesetz erwähnt; dem Landstand-Demokraten ist cs sogar „eine große schöpferische Tat" und selbstverständlich finden auch alle anderen Maßnahmen der Reichsregierung auf dem Gebiete der Lündwirsschaft seinen Beifall. Er erwähn! sogar lobend die„ländicheSiedlun g", die einen der größten Versager hitlerscher Wirtschaftspolitik darstellt. Richt unwichssg scheint es dem Landstand« Demokraten, daß der Reichstagsbrand- Prozeß„in aller Ocffentlichkeit" verhandelt wurde(von der deutschen Schande, die dieser Prozeß bezeugte, will er nichts wissen) und daß die «wReichsregierung ein WintcrhllfSwerk und das MWintopfgericht in Szene setzte,„um de« darbenden Volksgenossen während des„W inters zu helfe«." Vertrauen kür Hitler Während die ganze gesittete Welt über die von Hitler inszenierten Wahl- und Bolksbefra- gungskomödien lacht, l o b t der Landstand-Demokrat das Bemühen Hitlers.„derWeltzuzei- gen, daß hinter dem deutschen Schritt(Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund) das ganze Volk st eh t". Das „Gelingen" der elenden Wahlkomödie gibt dem Verfasser der politischen Jahresschau Anlaß, zu jubeln: „Diese überwältigend.eBertrau- enskundgebung des deusschen Volkes für Hitler bewies der Welt, daß dieses deutsche Boll hinter Hitler stehe. Der neue Reichstag zählt 661 Mitglieder und seht sich natürlich ausschließ- ' lich aus Nationalsozialisten zusammen." | Natürlich! Wäre es anders,' hätte, der I Landstand-Demokrat viel weniger Freude Hintergründe der Bildung des Kabinetts Schuschnigg Wien.(Eigenbericht.) Di« angebliche„S e l b st a u f l ö s« u g" der christlichsozialen Partei, die vor wenigen Tagen von der Regierung Schuschnigg als Bettrouensvotum zum autoritären Regime ausposamrt wurde, erweist sich nun als politischer Skandal erste« Ranges, dessen Hintergründe bezeichnend für die Zustände innerhalb der Regierung sind. Wie der Wiener Korrespondent von ,^et Bolk" von einem christlichsozialen Parteiführer, der dieser Sitzung beiwohnte, erfährt, kam es dort z« erbitterten Skandalszenen, da die Mehrzahl der Delegierten sich empött gege» die geplante Auflösung aussprach und offen erklärte, der Kurs der Regierung Dollfuß sei ein Unglück für Oesterreich gewesen, man müsse jederzeit mtt dem Zusammenbruch dieses Experimentes rechnen und der Bestand der christlich- soziale« Partei könne in solch einem Augenblick von entscheidender Bedeutung sein. Als es klar wurde, daß ein Auflösungsbeschluß nicht durchzusehen fei, stand Schuschnigg auf und gab leichenblaß vor Erregung die sensationelle Erklärung ab, er müsse auf der Auflösung unbedingt bestehen, da er diese— den Heimwrhren versprochen habe. Er gestand, daß am 29. Juli in den Stunden der Regierungsbildung die Sttuation so kritisch gewesen ist, daß die Heimwrhren ihre Leute alarmiert Hatzen, um nötigenfalls mit Gewalt die Bildung einer Regierung unter christlichsozialer Leitung zu verhindern. Rur durch die bindende Ansage, daß die christlichsoziale Partei vor dem 1. Oktober aufgelöst werde, er— Schuschnigg— also als ihr Exponent anzusehen sei, konnte Schuschnigg die Heimwrhren von ihrem Borhaben abbringen und ihre Zustimmung zu der Bildung der Regierung gewinuen. Schuschnigg l'.eß dann noch deutlich durchblicken, daß man mtt einem Heimwehrputsch rechnen müsse, wenn man jetzt daS den Heimwehren gegebene Bersprechen nicht einlösen wollte. Erst unter dem Drucke dieser Erklärung gelang es Schuschnigg, die versammelte« christlichsozialen Delegierten z« einem Beschluß zu veranlassen, in dem ausdrücklich nur von einer „Einstellung der Tätigkeit" der christlichsozialeu Partei, keineswegs aber von einer Auflösung die Rede ist. Es wird im Gegenteil in dem auch amtlich publizierten Text des Beschlusses erklärt, daß die Partei als katholische Organisation fortbestehe. Demonstrativ wurde schon für den nächsten Tag eine Konferenz der christlichsozialen Abgeordneten einberufen. Es ist übrigens außeror- deittlich interessant, daß in der Kundgebung, die die christlichsoziale Partei anläßlich der Einstellung ihrer Tätigkeit erließ, als verdienswolle Parteiführer Dr. Lueger«nd Dr. Seipel genannt werden, während der Name Dollfuß überhaupt nicht erwähnt wird. Der Gewährsmann des Berichterstatters meint, daß aber ttotz dieses Kompromisses, durch das anstelle der Auflösung die Einstellung der Tätigkeit der Partei beschlossen worden ist, die Spannungen innerhalb der Regierung keineswegs aus der Welt geschaffen find. Er weist darauf hin, daß man in führenden Heimwehrkrrssen immer unverblümter davon spreche, daß wegen der außenpolitischen Verhältnisse eine svforttge Rückberufung der Habsburger sehr schwierig sei, und daß man deshalb trachten müsse für die Zwischenzeit Starhemberg zum Reichsverwrser zu machen. Man sei sich aber klar darüber, daß ein solcher Plan kaum ohne Gewalt durchzusetzen sei«nd deshalb verdichten sich die Gerüchte von einem bevorstehenden Heimwehrputsch von Tag zu Tag. XX 1177 Seite 2 DienStag, 2 Oktober 1834 Nr. 230 Henlein, Spina und die Republik Beachtenswerte Ausführungen des„PrAvo Lldu** Noch lehrreicher ist aber, was der Verfasser der politischen Jahresschau zu dem Pakte Polen- Deutschland zu sagen hat: »Die politische Bedeutung dieses Paktes liegt darin, daß sich Deutschland nach Osten hin Luft machte, um freiere Hand gegen Westen zu bekommen. Kur Pari» bildete der Pakt eine peinlicheUeberraschung und auch in Prag sah man dieser Verständigung mit Besorgnis entgegen." Bon solchen Sorgen ist aber unser Landstand- Demokrat nicht beschwert. Er turnt nach der freudigen Feststellung, daß jetzt der deutsche Einheitsstaat errichtet werde zu einer Entschuldigung der deutschen Zahlungseinstellung hinüber und spricht dann über den 30. Juni. Hitler säubert Da erfährt man, daß sich Hitler durch eine Verschwörung in der SA zu einem Strafgericht gedrängt gesehen habe und daß dieFührer der Verschwörung wenige Stunden nach ihrer Verhaftung auf Grund eines Standgerichtsurteils erschossen worden s-ien.— Nun hat selbst Hitler nie gesagt, daß er Standgerichte bemüht hat; das hat der Landsland- Demokrat zur Entschuldigung eines feigen Kameradenmorde» erfunden. Richt weniger saftig ist aber seine Lüge, Schleicher habe sich seiner Verhaftung mit der Waffe widersetzt und sei beim Kugelwechsel gefall en. Schleicher ist bekanntlich gar nicht dazu gekommen sich zur Wehr zu setzen! Die»Säuberungsallion", die Hitler nach dem 30. Juni durchgeführt hat, begründet der Landstand-Demokrat mit Zitaten aus nationalsozialistischen Blättern: »Das rasche und entschlossene Eingreifen Adolf Hitlers hat die Gefahr eines Bürgerkrieges mit seinen unabsehbaren Folgen im Keime erstickt.,. Rach der Ausräucherung des Münch enerVerschwörerneste» und der Säuberung derBewegnng von minderwertigen Elementen ist Adolf Hiller nach wie vor Herr der Lage." Was den Sudetendeutschen Landstand sichtbar befriedigt. Die Schatten der Klausener^ Schleicher und P r o b st, die am 30. Juni neben vielen anderen Nichtmitgliedern der Hunnenpartei umgekommen sind, stören ihn dabei nicht. Der»Landvolkkalender", der an dem»Dritten Reich" soviel Gutes findet, kann selbstverständlich den Borzügen unserer Demokratie nicht auf den Namen kommen; jenseits der Grenzen sieht er nur Licht, bei uns nur Schatten. Aber seine Verfasser tummeln sich lustig in den demokratischen Wässern. Sie machen mit Henlein Stände- Politik und die Partei, auf die sie sich stütze« und berufen, sitzt in der Regierung unseres demokratischen Landes! Es ist hoch an der Zeit, daß hier Ordnung gemacht wird. Es wird den Sudetendeutschen Landstand, der für den Landvolkskalender verantwortlich zeichnet, niemand daran hindern, im Dritten Reich den Inbegriff edelster Staatskunst zu sehen. Aberersollauchdie Konsequenzen aus einer solchen Gesinnung ziehen! Gibt es im Sudetendeutschm Landstand noch Leute, die den Hetz und Hacker nicht beistimme«, so mögen sie es recht bald und vernehmlich sage«. Im anderen Falle müsste man annehmen, daß selbst die RegierungSbeteiligung der politischen Gruppe im Landstand nur der Tarnung haken kreuzlerischer Bestrebungen dient. DaS„Prävo Lidu" veröffentlicht in seiner Sonntagnummer an leitender Stelle einen Auf- .satz über die„Sudetendeutsche Heimatfront", der in seiner Sachlichkeit und treffsicheren Argumentation Anrecht auf außerordentliche Beachtung hat. Wir heben aus dem Artikel nachstehende Stellen hervor: Jede staatserhaltende tschechische Partei hat heute die Pflicht, den Vorgängen unter der deutschen Bevölkerung ein ernstes Augenmerk zu widmen. Kein tschechischer Demokrat wird die politische Bewegungsfreiheit unserer deutschen Mitbürger, soweit sie sich auf dem Boden unseres demokratisch-republikanischen Systems abspielt, einschränken wollen. ES darf aber niemand im Zweifel gelassen werden, daß wir in unserer Republik auch keine getarnten fascistischen Manöver dulden Wir haben den Herren Krebs und Jung gelehrt daß die Geduld und Nachsicht unserer jungen Demokratie auch ihre Grenzen hat. Wer sie überschreitet, hat mit sehr unangenehmen Konsequenzen zu rechnen. Das möge auch Herr Henlein rechtzeitig zur Kenntnis nehmen. Herr Henlein möge die Hoffnung aufgeben, daß er unsere Wachsamkeit durch billige Loyalitätsphrasen einschläfern kann. Seine glatten Worte vermögen keinen Urteilsfähigen zu täuschen, solange der Geist und die Praxis seiner Bewegung gegen ihn zeugen. Der Geist und die Praxis der Heimatfront sind faseistische, unterscheiden sich bisher gar nicht von den Methoden der verbotenen Hakenkreuzler. Gläubigen Gemütern auf tschechischer Seite möchten Henlein und seine Anwälte einreden, daß sich die Heimatfront nur das bescheidene Ziel gesteckt hat, die Mitglieder der aufgelösten Parteien zu sammeln, sie zur Loyalität und zu einem gesunden Aktivismu» zu erziehen. Das ist eine Lüge. Wenn sich Henlein mit seiner Partei auf den Boden unserer Verfassung stellen und in das System unserer demokratischen Staatspolitik eingliedern wollte, dann müßte er seine Kampffront eindeutig gegen den Geist des Hitlerismus richten, der einen Teil unserer deutschen Landsleute noch immer gefangen hält. Dann mühte er öffentliche Abrechnung halten mit der Abenteurerpolittk des Herrn Krebs, die hunderte von jungen Leuten ins Unglück gestürzt hat und die heute noch vom Dritten Reich aus fortgesetzt wird. Henlein glaubt sich vor der tschechischen Oeffentlichkeit ein Alibi verschafft zu haben, wenn er in Rundschreiben gegen die unbesonnenen Handlungen einzelner seiner Hakenkreuz- Terroristen Stellung nimmt, die als Bombenleger und Spione mit den Strafgesetzen-i«. schwersten Konflikt geraten sind. Das genügt nicht. Entscheidend für die poluische Beurteilung seiner Tätigkeit ist, daß er bisher kein Wort gegen die hakenkreuzlerische Propaganda gefunden hat, welche noch immer über die Grenzen herüber unter unserer deutsche« Bevölkerung getrieben wird. Henlein versteckt sich in diesem heiklen Punkt hinter der Ausrede, daß er sich in die reichsdeutschen Verhältnisse nicht einmischen will. Seine Grundsätze scheinen aber sehr elastisch zu sein. Die Presse des Herrn Henlein hat sich ungescheut in die österreichischen Verhältnisse eingemischt. Sie hat die dortigen österreichischen Hakenkreuzler mü blindem Eifer verteidigt, bis die„Rundschau" eines Tages von den Wiener Behörden verboten wurde. Die viel strengere reichsdeutsche Zensur hat bisher keinen Grund zu einem solchen Verbot der Hen- leinpresse gefunden. Wie reimt sich das? Wir stellen eine weitere Frage. Henlein will das Vertrauen der tschechischen Oeffentlichkeit erschleichen, indem er sich als der aktivistische Bändiger des sudetendeutschen Jrredentismus offeriert. Dieser seltsame Bändiger schwingt seine Peitsche aber nicht im Läwenkäfig, sondern im Zuschauerraum. Henlein richtet seine Agitation ausschließlich gegen die demokratischen Parteien unserer deutschen Bevölkerung. Die Heimatfront verlangt z. B. von der deutschen Gewerbepartei die glatte Kapitulation. Die deutschen Gewerbetteibenden und Kaufleute werden durch mehr oder minder versteckte Boykottandrohung gezwungen, ihr beizutreten. Henlein verlangt auch von den deutschen Christlichsozialen Unterordnung. Mit welchem Recht? Wo hat sich bisher ein demokratischer Politiker solche größenwahnsinnige Zumutungen erlauben dürfen? Was hat das mit der aktwisti- schen Erziehung der Hakenkreuzler zu tun?... Wenn die Henleinleute täglich ihre anti- maristischen Wutausbrüche gegen die deutschen Sozialdemokraten richten und sie sogar rote Fascisten schimpfen, dann glauben wir noch lange nicht, daß sie deswegen Freunde der tschechischen Minderheiten sind. Henlein ist ein Feind jeder demokratischen Partei und jeder freien Arbeiterbewegung, daher ist er auch ein Feind der ungeheueren Mehrheit des tschechischen Volkes und unserer republikanischen Staatsordnung. An dieser Ueberzeugung wird«ns auch der Umstand nicht irre machen, daß sich die bisherige Tätigkest Henleins unter der Patronanz eines deutschen Ministers unserer demokratischen Regierung, des Herrn Spina, entwickelt hat. Wir kennen die bisherigen Ergebnisse dieses seltsamen Bündnisses. Henlein ist mit seinem Geiste bis tief in die Rechen der deutschen Agrarpartei eingedrungen mrd hat ihr chre Jugendbewegung entfremdet, aber Spina kann uns noch keinen einzigen Hakenkreuzler zeigen, den er zum Aktivisten bekehtt hat. Das ist ein sehr ungesunder Zustand. Auf die Dauer wird es nicht gehen, daß eine Regierungspartei das Patronat über eine so zweifelhafte Oppositionsbewegung übernimmt und dadurch die Grundlagen unserer parlamentarische» Arbeitsmehrheit untergräbt. Es macht einen schlechten Eindruck, wenn die deutschen Agrarier in Prag alle Vorteile einer Regierungspartei ausnühen und in bet Provinz draußen nicht den Mut z^r Verantwortung haben. Das ist Wqffer auf.die Mühlen der^Hakenkreuzler. So wird der gesunde AktiviSmüS in der deutschen Bevölkerung nicht gestärkt, sondern diskreditiert. Herr Spina wird es noch erfahren, daß es sehr gefährlich ist, auf zwei Sesseln zu sitzen. Wenn im tschechischen Lager eine engere Zusammenarbeit zwischen Ar- bcstern und Bauern möglich ist, dann mutz sie auch im deutschen Lager möglich sein. Romrelse Schuschniggs Wien. Wie die„Reichspost" meldet, wird der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg leinen angekündigten offiziellen Besuch in Rom anfangs November absolvieren. Ihr selber, der Johanna Bomela, ist vorgestern, am Mittwoch, etwas Seltsames begtgnet. Sie war in Polna und machte sich um dreiviertel 8 Uhr auf den Weg ins Dorf, wie immer natürlich über den Bach zu den Marterln und am Bresinawald entlang. Kränklich wie sie ist, mußte sie langsam gehen, und.so brauchte sie gut eine halbe«stunde, bi» sie die Steigung zum Wald hinauf und den Hohlweg hinter sich hatte. Immerhin, die Hälfte des Wege» war zurückgelegt. Da hört sie plötzlich ein Geräusch hinter sich. Sie dreht sich um und sieht, wie ein junger Mensch, ein kräftiger Bursche, aus dem Wald stürzt und auf sie zugelaufen kommt. Der Bomela ist das unangenehm, sie kennt den Kerl nicht, er ist gewiß nicht aus der Gegend. In der Hand hat er einen weißen abgeschälten Stock, wie frisch geschnitten, und er macht mst ihm so komische Bewegungen. Sie geht weiter, aber schon hat er sie eingeholt und sieht ihr frech ins Gesicht. Ganz erschrocken sagt sie Guten Abend und fragt ihn, wohin er denn wolle... aber der Mensch brummt nur etwas vom Fichtenwald und»ich gehe in die Fichten".... und schon ist er wieder zwischen den Bäumen verschwunden. Einen grauen Anzug hat er angehaht. Mehr weiß sie nicht auszusagen. Dar also ist am Mittwoch zwischen fünf und sechs Uhr geschehen. Um die gleiche Stunde hat Agnes Hruza die Stadt verlassen, um den gleichen Weg zu gehen. Wenn sie wirklich seither^ver- schwunhen ist, so muß die Untersuchung/A^tt Der Gemeindevorsteher, der unterdessen auch herumgefragt hat, bringt eine wichtige Neuigkeit nach Hause. Einige Leute aus dem Dorf haben gestern auf dem Abhang des Hohlwegs vor der Stadt Blutspuren bemerkt. Run sammelt Klenover sofort ein paar Männer, die mit ihm den Wald zwischen dem Dorf und der Stadt durchsuchen sollen. Sein Ehrgeiz und die Hoffnung, das Rätsel allein zu lösen, spornen ihn an. Aber was er findet, ist kaum der Mühe wert: am Waldrand, nicht weit vom Dorf, entdeckt er den Stumpf eines Tännchens, das erst vor ganz kurzer Zeit abgeschnitten worden sein kann. Vielleicht diente es zu dem Stock in der Hand der Fremden, der die Bomela angesprochen hat. Im Moos daneben sind Eindrücke festzustellen, wie wenn jemand eS sich hier bequem gemacht hätte. Die andern kommen ohne jedes EvgÄbnis zurück. Am andern Morgen, Karsamstag, wird die Suche mit frischen Kräften fortgesetzt. Leute aus Polna sind dabei und Dörfler auö Klein-WjeSnitz und Dobrouiov, Schuljungen, die die Aufgabe haben, das Gebüsch zu durchsuchen, wo dessen Dichte den Erwachsenen Schwierigkeiten macht. Für die Buben ist dar schöner als Jndianerspielen; sie stürzen sich mit Begeisterung in da- Jungholz. ES ist noch nicht neun Uhr morgen», al» man einen lauten Schrei hört: »Jesu» Maria! Da liegt sie!" Der Lehrer Urban erkennt die Stimme seines Schüler» Herta. Sein erster Gedanke ist, ich sich der Bub nicht einen schlechten Scherz erlaubt — es ist heute der 1. April. Aber sie liegt hier, die Leiche. Wenn man Polna nach Süden verläßt und über die»Brückeln" des Mühlbach» zu dem hohen steinernen Bildstock hinaufgeht, an dem die Bilder au» der Heiligengeschichte auf den vier Seiten de» Monuments schon längst verblichen sind, und den isiasi'da» Marterl nennt, senkt sich das Gelände 1kvf intz^Tal de» Dobrikauer Bach» und steigt neuerlich^\ an bis zur Höhe de» BresinawaldeS. iHj 1"/ Hier schneidet sich der Weg etwa vier Meter ttef in den lehmige« Boden«in. Bon Wagenspuren durchfurcht, ist er selbst bei trockenem Wetter kaum gangbar. Die Fußgänger benutzen die beiden Pfade, die oben auf den Böschungen de» Hohlweges entlang laufen, und zwar mit Borliebe den östlichen, weil er breiter, bequemer und freier ist als der andere, der am Waldrand hinführt und durch Bäume und Büsche behindert ist. Gerade wo sich der Hohlweg mit dem Wald berührt, nur ein paar Schritte von der Straße weg, im dichtesten Jungholz des Waldsaum», ist die Fundstelle. Drei Gendarmen und der Lor- Der letzte Tas des Bauarbeiterkongresses Prag.(Eigenbericht.) Der dritte Kongreßtag brachte nach Abschluß der Debatte über das sozialpolitische Referat, als 5, Punkt der Tages- ordnung die Berichte der Kommissionen. Dem Bericht der Anttagskommiffion, die eine ganz außerordentliche Arbeit zu bewälttgen hatte, schickte Verbandsobmann Genosse Zacharda eine kurze Einleitung voraus, in der er die Delegierten bat, sich bei der Abstimmung über die vorgelegten Anträge die großen Schwierigkeiten vor Augen zu halten, mit denen die Arbeit des Berbandsvorstandes, besonders hinsichtlich der Finanzagenda verknüpft ist. Im Verlaufe des nun folgenden Referates, wurden von den Berichterstattern(Genosse Slech und Müller) der Antragskommission dem Kongreß 170 bearbeitete Anträge zur Abstimmung vorgelegt. Neben 16 Anträgen des Berbandsvorstandes auf A e n d e- rung einzelner Bestimmungen des Regulativs, lagen noch 00 Anträge der Truppen und Zahlstellen zu dem gleichen Punkt vor. Der Rest entfällt auf andere Anträge verschiedener Art. Einsttmmig und mit Beifall genehmigte der Kongreß die auf dem wirtschaftspolitischen Referat des Genossen Abg. T a Y e r l e aufgebaute wirtschaftliche Resolution, die folgenden sieben Punkte als wirtschastspoki- tische Forderungen zur Linderung der Arbeitslosenelends erhebt: 1. Verkürzung der Arbeitszeit; 2. Einstellung weiterar Rationalisierungsmaßnahme«; 3. Rechtsverbindlichkeit der Kollektivverträge und gesetzliche Sicherung der Mindestlohnsätze; 4. Beschleunigte Regelung der staatlichen Ber- gabebedingungen bei Sicherung grwerkschaft- kicher Kontrolle: 5. Ausbau der Gewerbe iw- spektion und Uedertragung der Exekutivgewalt an ihre Organe; 6. Strafverfolgung der Unternehmer, die die Arbeiterschutzbestrmmun- gen umgehen; 7. Meldepflicht aller freiwerdenden Arbeitsstellen. Der Berbandstag fordert weiter den Ausbau der Alters« und JnvaliditätSversicherung und lehnt alle Maßnahmen ad» durch die die Bauarbeiter(unter Berufung auf angebliche»Saisonarbeit") ganz oder teilweise, vom Staatsbeitrag zur Arbeitslosenunterstützung ausgeschaltet werden solle«. Der Verbandstag erklärt, daß die Bauarbeiter keine Almosen und Unterstützung wollen. Sie wolle« Arbett und Brot! Die Bauarbeiter erwatten, daß die Regierung alle Maßnahmen und Anträge/mrrcki welche eine regere Bautätigkeit entfaltet werden könnte, fördert. Der Berbandstag spricht der Gemeinsame« Landeszentrale das volle Lerttauen aus und erklärt, daß er die Verwirklichung der gemeinsame« Forderungen mit allen Kräften unterstützen wird. Hierauf schrttt der Kongreß zu de« Wahle« des Berbandsvorstandes, der R e d ak« teure der Berbandszeitschristen, der Kontrollkommission und der B e• schwerdekommission. Der Wahlvorschlag wurde genehmigt. In das Verbandspräsidium wurden wiedergewählt die Genossen: Boj- tich Zacharda als Borsitzerider, Franz Mül« ler als zweiter Vorsitzender und Wenzel S l a ch mund Novak sorgen dafür, daß ihr niemand nahe kommt, bis die Gerichtskommission ekntrifft. Bald erscheint Marie Hruza, die Mutter, weinend, jeden, der sich ihr nähert, böse musternd. Sie hat einen > einfachen Sarg mitgebracht. Gleich nach ihr die Polnaer Herren, der Landesgerichtsrat Reichenbach, der Bürgermeister Sadil, der Tuchmacher Sedlak, der als Gemeinderat für die städtischen Polizeiangelegenheiten zuständig ist, und die Äe- richtSärzte Prokesch und Michalek. Sie sehen die vielen Leute im Dickicht stehen und können erst gar nicht erkennen, wo die Leiche liegt, bis die Polizisten sie auf die Stelle aufmerksam machen. Der Richter ist wütend, weil die Umgebung der Fundstätte völlig zertrampelt ist. Aber jetzt ist es zu spät, Klenovee kann das nicht mehr gutmachen. Zuerst sieht man nichts als ein Häufchen, das von vier Leinen abgeschnittenen Fichtenbäumen bedeckt ist. Schräg sind die Fichten gegeneinander daraufgestellt. Unter ihnen liegt der Leichnam, das Gesicht zum Erdboden, die Hände über dem Kopf, in einer flachen trockenen Mulde. Ueber den Kopf ist ein bunter Rock und der obere Teil des blutigen Hemdes gezerrt, der untere ist abgeschnitten oder abgerissen. Rumpf und Oberschenkel sind nackt, an den Armen hängen, wie mit Gewalt darübergezogen, zwei Leibchen und Reste der Hemdärmel. Die Beine sind mit roten Barchenthosen, gestreiften Wollstrümpfen und Schnürstiefeln bekleidet. Besonders fällt auf, daß der ganze Körper stark gekrümmt ist. Die Unterschenkel sind in einem scharfen Winkel vqp den Knien ab nach innen umgebogen. Am Kopf, der von Blut stark befleckt ist, stellen die Aerzte mehrere Wunden fest. Die dunkelrötlichen Haare kleben zusammen. Unter dem toten Körper hat sich eine kleine Blutlache gebildet, auch ein paar Steine daneben sind blutbespritzt. (Fortsetzung folgt.) Nr. 230 DienStag, 2. Oktober 1834 Seite 3 1 NIRA eine dauernde Einrichtuns Roosevelt für Waffenstillstand zwischen Kapital und Arbeit als Zentralsekretär. Als Redakteur für den „Stqvebnik" jvurde Genosse Franz Batik gewählt, für das deutsche Berbandsorgan»Der Bund" Genosse Josef T i ck. Hierauf dankte der Borsitzende Genosse Za- charda mit herzlichen Worten dem wegen Alters abtretenden Redakteur des„S t a v e b n i I", Genossen Ferdinand Stastnh für seine langjährige treue Arbeit im Dienste des Gewerkschaftsorgans. Langanhaltender Beifall der tschechischen und deutschen Genossen folgte den warmen Abschiedsworten. Um 1 Uhr nachmittags wurde der Verbandstag nach den zu neuer Arbeit im Geiste alter Solidarität aufrufenden Schlußworten mit dem Gesang der„Internationale" geschlossen. Verbandstag der Buchdrucker Prag.(Eigenbericht.) Am Sonntag, den dritten Verhandlungstag, gelangten fünf Tagesordnungspunkte zur Erledigung. Von besonderer Wichtigkeit war hievon der über die Tätigkeit der Bildung-- und der Spartenvercinr. Hierüber berichtete für den tschechischen Bildungsverein„Typografia" Obmann Pisa und für die Deutsche graphische Bildungsvereinigung Obmann Genosse S i e g l. Beide Referenten besprachen die organisatorischen Verhältnisse, die geleistete Arbeit auf dem Gebiete der beruflichen Fortbildung und die Frage der Vereinheitlichung des Bildungswesens in der Richtung, daß die neben den zwei Bildungsvereinen noch bestehenden anderen Spartenvereinigungen vor allem in bezug der Fachzeitschriften zu einer Zusammenarbeit sich bcreitfinden mögen. Dieses berechtigte Verlangen ist von fast allen Debatterednern kräftig unterstützt worden, so daß Hoffnung vorhanden ist, daß durch weitere Verhandlungen das erwähnte Ziel erreicht werden wird. Der nächste Punkt, Bericht über den Stand der Lehrlingsabteilung, den in deutscher Sprache Genosse Hollmann zur Kenntnis brachte, ließ erkennen, daß hier ganz zufriedenstellende Erfolge zu verzeichnen sind. Der tveitere Ausbau der Lehrlingsorganisation muß aber trotzdem fortgesetzt werden, wenn alle Aufgaben Erfüllung finden sollen. In den: Sinne klang der Bericht aus. Sodann erfolgte die Wahl des Berbandsobman- nes, seiner Stellvertreter, des Berbandsvorstan- des und der Kontrollkommission. Als Verbandsobmann wurde neuerlich Genosse N c m c c e k einhellig gewählt. Ebenso wurden die Redakteure der Berbandsorgane„Gutenberg",„Veleslaöin", und„Typografia" wiederum bestätigt. Montag beschäftigte sich der Verbandstag noch mit der bevorstehenden Revision des Kollektiv- Vertrages. DaS Referat erstattete Verbandsobmann Nkmekek. dem sich eine lebhafte Debatte an« schloß. Um halb 5 Uhr nachmittags wurde der vier Tage dauernde Derbandstag hierauf geschlossen. Kommunistischer Schwindel über Oesterreich Das„Rrrdt Prövo" bringt i« großer Aufmachung die Nachricht, daß sich die österreichischen Schutzbündler im Gegensatz znr Konferenz der Wiener Genossen nicht für di« Sozialistische Arbeiterinternationale, sondern für die Dritte Internationale erklärt haben. Diese Meldung ist unrichtig. Die Mehrheit der österreichischen Schutzbündler steht hinter der Gruppe der Revolutionären Sozialisten, die die Träger des eben durchgeführten Einigungswerkes sind. Eine winzige Gruppe steht unter kommunistischem Einfluß. Diese Gruppe ist nicht im Namen der Gesamtheit der Schutzbündler zu sprechen berechtigt. Dir österreichischen Schutzbündler wissen, daß die Einigkeit der Arbeiterbewegung über alles zu stellen ist und sind weit davon entfernt, dem „Rude Prävo" den Gefallen zu tun, die Einigung der österreichischen Sozialisten zu sabotieren oder gar aktiv gegen sie anzukämpfe«. Erfolgreiche Betriebs* ausschuBwahl in Komotau Am Samstag fanden in den Böhmischen Kontakt-Werken in Komotau erstmalig Betriebsausschußwahlen statt, die der freien Gewerkschaft einen vollen Erfolg brachten. Tie Zahl der Wahlberechtigten betrug 82. Abgegeben wurden 76 gültige Stimmen. Es erhielten der Internationale Metallarbeiterverband 5? Stimmen und 3 Mandate, die christliche Gewerkschaft(in der jetzt die Nazi organisiert sind, die mit der Deutschen Arbeitergewerkschast schlechte Erfahrungen gemacht haben) 18 Stimmen und 1 Mandat. Die Hauptstädte wollen einheitliche Kommu- nelpolitik machen. In Preßburg trat Montag eine Konferenz der Bürgermeister von Prag, Brünn und Preßburg zusammen, die nach einem Referat des Bürgermeisters Dr. Krno-Preßburg gemein« sqme Richtlinien für ein einheitliches Vorgehen in der Kommunalpolitik der drei Hauptstädte beschloß. Die aktuellen SelbstverwaltungSfragen sollen in den einzelnen städtischen Verwaltungskollegien beraten werden, worauf wieder eine neue gemeinsam« Beratung einberuf« werden soll. Washington. Präsident Roosevelt hielt Sonntag abends über sämtliche amerikanischen Sender seine mit Spannung erwartete Rede über di« Wirtschaftspolitik seiner Regierung. Roosevelt betonte eingangs, daß sich die gesamte wirtschaftliche Lage in den Bereinigten Staaten seit dem Frühjahr 1933 offensichtlich gebessert habe, und versichert«, daß er an dem neuen Kurs und an dem RJRA-System festhaltrn werde. Das RJRA- Dystem soll mit gewissen Aenderungr« zu einer dauernden Einrichtung erhoben werden. Mit den Arbeitnehmern werde die Regierung einen Waffen st ill st and vereinbaren, damit die praktische Durchführbarkeit einer friedlichen Zusammenarbeit von Kapital und Arbeit erprobt werden könne. Der Borsitzzende der amerikanisch« Arbeitsföderation» Green, erklärte in San Franrisro, die Kundgebung des Präsidenten Roosevelt» die einen Waffenstillstand zwischen Kapital und Arbeit fordert, sei im richtigen Zeitpunkte erfolgt und geeignet, ihre Mission vollauf zu erfül- len. JahreskonsreS der Labour Party 800 Delegierte vertreten zwei Millionen Mitglieder London. In Southport trat Montag der von 800 Delegierten beschickte Jahreskongreß der Labour Party— die zwei Millionen Mitglieder zählt— zusammen. Der Vorsitzende Smith verurteilte in seiner Eröffnungsrede in scharfer Weise den Fascismus und erklärte,'daß die englische Arbeiterpartei den Fascismus schärfstens bekämpfen werde; in England gebe es keinen Platz für halbmilitärische politische Bewegungen. Der Jahreskongreß hat mit Rücksicht darauf, daß er 18 Monate vor den Wahlen in die gesetzgebenden Körperschaften zusammentritt, besondere Bedeutung. In den letzten zwei Jahren gewann die Arbeiterpartei bei den ErgänzungS- wahlen ins Unterhaus sechs Parlaments-Mandate und die Mehrheit im Londoner Stadtrat, die sie 34 Jahre lang anstrebtt. Bei dem Kongreß werden, wie erwartet wird, die Ansichten der Mehrheit, die verfassungsmäßige und parlamentarische Methoden vertritt, und die Ansichten der Minderheit, die eine sozialistische Diktatur empfiehlt,, aufeinanderstotzen. „Die Zeiten sind bös“ Berlin. Auf dem Bückeberg in der Nähe von Hameln hatten sich Sonntag an 700.000 Bauern versammelt, um eine Rede Hitlers anzuhören. Zuerst sprach ReichSbauernführer Minister Darrs. Dann ergriff Hitler das Wort. Durch die Mißwirtschaft während der 15 Nachkriegsjahre sei Deutschland an den Rand des Verderbens gelangt. Die Nationalsozialisten hätten, als sie zur Regierung kamen, zu handeln begonnen. Die Zeiten seien sehr bös, doch müsse das Volk die Lehren begreifen, die sich auS ihnen ergeben: Es könnte nichts Schlimmeres geschehen, als wenn nichts getan würde. Es müsse gesät werden, auch wenn Hagelschlag die Ernte vernichtet. Schutzgesetz-Prozeß in Preßburg Vor dem Kreisgericht in Prehburg wurde Montag der Prozeß gegen den früheren Gauvorsteher Dr. Bazovsky, Advokaten in Luöenec, und fünf Mitangeklagte eröffnet, die des Verbrechens der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik im Sinne des 8 2 des Schutzgesetzes angeklagt sind. Nach der 154 Schreibmaschinenseiten umfassenden Anklage soll Bazovsky in einer geheimen Sitzung am' 6. August 1983 in Baiiskä Bisttica den Slowakischen Nationalrat gegründet haben, der die gewaltsame Lostrennung der Slowakei und ihre Angliederung an einen fremden Staat vorbereiten sollte, und zu diesem Zwecke auch mit dem bekannten Dr. Jehliczkain Wien, sowie mit Budapester Faktoren, so dem Chefredakteur des „Magyarsäg", in Verbindung getreten sein. Bazovsky wird vor allem seine revisionistische Propaganda in der Slowakei, die mit einem Vorstoß JehliczkaS in Genf parallel lief, und ein Zeitungsartikel über die Notwendigkeit der Revision der Friedensverträge zum Vorwurf gemacht. Bazovsky, der die Beiziehung eines Arztes verlangte, da er krank und nicht verhandlungsfähig sei, erklärte sich nichtschuldig. Er habe wohl manchmal scharfe Worte gegen die Tschechen gebraucht und ofi generalisiert; er bedauere diese Ausdrücke, entschuldigt sich aber damit, daß er daS niemals aus persönlichen Gründen getan habe, sondern auS Liebe zum Vaterland. Auf Antrag der Verteidigung wurde Bazovsky im Gerichtssaal von zwei Aerzten untersucht, die erklärten, daß sein Zustand sich im Laufe deS auf drei Wochen anberaumten Prozesses nur noch verschlimmern würde. Der Gerichtshof beschloß daraufhin, den ganzen Prozeß zu vertagen und Bazovsky in Freiheit zu setzen. Nach sechs Monaten soll er neuerdings ärztlich untersucht werden. Da der Staatsanwalt rekurrierte, bleibt Bazovsky bis zur Entscheidung durch daS Obergericht in Haft. SHF säst ihre Versammlungen ab Am Sonntag, den 30, September, sollte in T a ch a u eine öffentliche Bersammlnng der Heu• lein front stattfinden. Die war bereits bei der Be- hördc angemeldet und eS waren auch bereits große Plakate gedruckt. Die Arbeiterschaft deS Bezirkes Tachau interessierte sich lebhaft für diese Versammlung, unsere Genossen hätten sich gern einmal die Weisheiten deS Renegaten D a n d» e r, der als Redner angrkündigt war, angehört und sich mit ihm anSeinandergefetzt. Dazu schienen aber die tapferen Recken von der SHF wenig Lust z« verspüren, denn als sie erfahren hatten, daß wir sie besuchen wollen» meldeten fi« bei der Bezirksbehörde ihre Ber- sammlung wieder ab! Trotzdem «ar am Sonntag eine große Anzahl von Arbeitern in Tachau zusammengekommen, zu denen in einer improvisierten Versammlung auf dem Platze des ArbeiterturnvereineS Genosse Ernst Paul aus Prag sprach. Unser Genosse charakterisierte unter der lebhaften Zustimmung aller Anwesenden die Henleinfront mit treffenden Worten und so wurde aus der abgesagten SHF-Versammlung eine gelungene anti- fascistische Kundgebung! Vie Jubelfeier des Atus in Aussig Wir waren, sind und werde« immer bleiben eine Kraftquelle für die kämpfende Arbeiterschaft. 25 Jahre sind ein kurzer Zeitraum in unserer schnellebigen Zeit. Und doch hat sich in den ver- flossenen 25 Jahren unendlich viel zugc tragen, was für die Entwicklung der Arbeiterbewegung und der Arbeiter-Kulturorganisationen von größter Bedeutung ist. Die Gründung des Atus, der in diesen Tagen sein 25jähriges Bestehen feierte, fällt in eine Zeit, in der die Arbeiterschaft noch nicht als gleichberechfigt angesehen wurde, in dec sie von der Bürokratie systematisch verfolgt und unterdrückt, von den bürgerlichen Gegnern gehaßt wurde. Die voraufgegangenen 25 Jahre schließen auch ein den völkermordenden Weltkrieg mit seinen Opfern an Gut und Blut und die grausame Unterdrückung der Arbeiterbewegung und dcr Kultur- und Sportorganisationen in den Nachbarländern durch den Hitler« und Dollfuß-Fasci-muS. Und trotz alledem ist Grund zur Freude und Siegeszuversicht am Platze. Unser Atus hat sich trotz aller Schwierigkeiten glänzend entwickelt. Er war und ist sich seiner Aufgaben als Arbeiter-Kultur- organisation bewußt. Er verbreitet in den Reihen seiner Mitglieder eine neue proletarische Kultur, deren die klassenbewußte Arbeiterschaft zur Stärkung ihres Kampfesmutes bedarf... Der AtuS ist eine proletarische Kulturorganisation, die sich innerhalb der modernen Arbefterbewegung Achtung und Anerkennung errungen hat. DaS bewies erneut, obwohl eS dieses Beweises nicht mehr bedurft hätte, die Feier detz 25jährigen Bestehens. Dex BezttkSerziehqx, Genösse H e i tz e r, konnte in dem festlich geschmückten Völkshaussaal eine stattliche Festversammlung begrüßen, die sich zur Teilnahme von dem Ehrentag des Atus eingefunden hatte. Ein lebendes Bühnenbild grüßte dre Festteilnehmer und dann widmete die Festvcrsamm- lung eine Minute füllen Gedenkens all den Funktionären, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ihre Ehrung ist am besten gesichert durch mutige und unerschrockene Fortsetzung ihrer vorbildlichen Pionier- und Kulturarbeit. Wir haten zehntausende junger Menschen geschult! Diese Tatsache konnte Genosse U l l m a n n mit stolzer Genugtuung feststellen. Partei und Gewerkschaften, denen der Dank der Sportler gebührt, schufen das Fundament für den Ausbau der Kulturorganisationen. Die politische Freiheit der Arbeiterklasse war die Voraussetzung für die Organisierung der proletarischen Kulturbewegung. Erst nach der Erkämpfung des Achtstundentages gewann die Arbeiterschaft Zeit und physische Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung. Auch die schwierige Arbeit der Funftionäre verdient Dank. Wir danken besonders den Organisationen, in erster Linie der Partei, mit der die Sportler fühlen und denken. Mit Worten ehrenden Gedenkens gedachte der Redner der vorbildlichen Arbeit des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig, der ein Opfer fascistischer Rachesucht wurde und gab der Hoffnung Ausdruck, recht bald wieder vereint mit den deutschen Klassengenossen kämpfen zu können. Das Gelöbnis der Sportler kleidete Genoss« Ullmann in die Worte: „Wir versprech«, weiter wie bisher dem allgemein« Ziel zuzustreb«. Alles für den Kampf um d« Sozialismus." Bürgermeister Genosse Pölzl überbrachte im Auftrage und im Namen des StadtrateS, Und wohl dem größten Teile der Auffiger Bevölkerung, dem AtuS die herzlichsten Glückwünsche, einem Kind der Arbeiterschaft, einem Glied«, das sich innig verbunden fühlt mit den übrigen Organisationen. Die Aufgaben des Atus, Arbeitsmen- schen körperlich und geistig auszubilden und sie zu Willensstärken Menschen zu machen, ist gelungen. Der Arbeitstag bringt viel Widerwärtige», aber das stolze Gefühl, einer Organisation anzugehören, die für hohe Ziele kämpft, gleicht vieles auS. Wir als Frontkämpfer der Gemeinde, io führte Genosse Pölzl weiter aus, find stolz auf die Arbeiter-Sportbewegung. Wir haben alles zu ihrer Förderung getan. Auch di« Arbeiter-Sportler werden jetzt im Geg«satz zu früher gerecht behandelt. Schließlich dankte er im eigenen und im Namen der Fraftion allen Genossinnen und Genossen, die in der Selbswerwaltung sich betätigten und gab der Hoffnung Ausdruck für ein weiteres gedeih liches Arbeiten und Wirken im Dienst des Proletariats. Abgeordneter Genoss« Taub, Prag, überbrachte die Grüße unserer Partei. In seiner jugendfrischen Art kennzeichnete er das Fest als einen Jubeltag für die gesamte Arbeiterbewegung. Die Geschichte wird einstmals berichten müssen von den heroischen Kämpfen, die die Arbeitersportler führten, nicht nur gegen den Klassengegner, auch in den eigenen Reihen. Die Bewegung könnte gewaltiger sein, wenn alle mitwirkten. Die Tätigkeit in den Kulturorganisationen ist Pionierarbeit für den Sozialismus. Als die kommunistische Wühlarbeit einsetzte, bekannte der AtuS sich stolz und frei zur Sozialdemokratie. Genosse Taub erinnerte an die Tage von Karlsbad, die Olympiade in Prag, die zum Ausdruck brachten, daß der Atus gewillt ist, seine gesamte Kraft in den Dienst der internationalen Arbeiterbewegung zu stellen. Wir sind einig in der Auffassung» im Weg und im Ziel. Der Kampf um di« Jugend wurde vom Atus erfolgreich geführt. Die Aelteren waren nicht immer gewillt, ihre Kinder dem Atus anzuvcrtrauen. Heute werden Zehntausende von Kindern vom Atus betraut und zu brauchbaren Menschen erzogen. Darüber hinaus haben die Sportler mit uns den Kampf geführt gegen den Fascismus und für die Demokratie. Dem Fascismus wurde der Nimbus genommen, er ist in die Defenswe gedrängt. Auch die hiesige fascistische Bewegung, die aus der deutschen Turnerschaft hcrvorging, erforderte Abwehr und Kampf. Wir wissen heute, mit wem wir es zu ttm haben. Kleinmut ist nicht am Platze. Wir werden die schweren Zesten, die besonders wirtschaftlich bevorstehen, überwinden, wenn wir einig sind. Treue, unerschütterliche Kampfbereitschaft der Sozialdemokratte, der Arbeiter-Sportbewegung und der gesamten Arbeiterbewegung schaffen die Voraussetzungen für unseren mdgültigen Sieg. Die Festansprachen wurden mit stürmischer Begeisterung ausgenommen. Herzliche Worte der Anerkennung fand Genosse Heitzer zur Ehrung der Gründer, besonders für den Bezirksobmann Genoss« Po- La p k a. Er versichert«, daß man jederzeit ihr« Rat befolgen werde und Berücksichtigung des Dichterwortes:»Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst." Und dann wickelte sich ein Programm wahrer,/ echter, bester proletarischer Festkultur ab. Vorzügliche musikalische Darbietungen'»umrahmten die verschiedenartigen Aufführungen der Turner und das Doppelquartett der Aussiger Volkssinggemeinde, die so oft bei festlichen Veranstaltungen der Arbeiterschaft mit den Arbeiter-Sportlern gemeinsam das Programm ausfüllte, sang volkstümliche und zwei proletarische Lieder:„Tord Foleson" und»Empor zum Licht". Wuchtig und begeisternd. Die Turner und Turnerinnen der Atus- Vcreine»Vorwärts" Aussig und«Gleichheit" Lerchenfeld zeigten vorzügliche Leistungen. Einige Unebenheiten und Störungen mögen wohl dadurch bedingt sein, daß man große Massen auf die Bühne brachte. Man turnte Hebungen aus dem Jahr« 1909 und zeigte im Gegensatz dazu den heutigen fteien ungezwungenen Turnbetrieb. Kastenspringen der Turner, gymnasfisch« Uebun« gen der Frauen und Barrenturnen der Turnerinnen und Turner gestatteten einen. Einblick in den vielgestaltigen Turnbetrieb. Tanzmotive auS den letzten zehn Jahren wurden von den Turnerin»« mit graziöser Anmut vorgeführt. Alle Darbietungen wurden mit freudigem Beifall bekohlt. Den Schluß der wohlgelungenen festlichen Veranstaltung, die Solidarität, ernstes Wollen und Kampfbereitschaft auszeichnete, bildeten, Rezitationen, ein Sprech-BewegungSchor:»Rote Rebellcn" und der Fahnenschwur. Parlamentspräsidium tagt. Heute vormittags tritt das Parlamentspräsidium zu seiner ersten Sitzung nach den Ferien zusammen. Eine Erörterung der Frage des Parlament-beginnS ist, wie wir hören, noch nicht zu erwarten. Es stehen vielmehr lediglich administrative Angelegenheiten zur Verhandlung, darunter allerdings auch die umstrittenen Jnvestifionen, die in den heurigen Par- lamentSferien plötzlich vorgenommen Word« sind. Beitet Ä. 230 DienStag, 3. Oktober 1934 Bier Todesopfer— Verhaftung eines Bahnwärters Tagcsncuigkdtcn Erdbeeren im Oktober In Iglau wurden auf den Wochenmarkt aus den Wäldern bei Mirosov, unweit Pedhki- movs, drei Z w e i l i t e r k r ü g c voll Walderdbeeren gebracht.. Diese Erdbeeren waren während der letzten warmen Tage gereift. Der Verkauf der Beeren bedeutete auf dem Dkartte eine wahre Sensation. Gattentragödie Mähr.-Ostrau. Auf der Masaryk-Höhe bei Pctrkovice wurde Sonntag die Leiche des F. S le z ä k aus Mähr.-Ostrau aufgefunden, der sich dort erhängt hat. Als seine Frau von der Tat erfuhr, verübte sie Harakiri; sie ivurde in sehr ernstem Zustande in die Pflege des Krankenhauses überfuhrt. Bier Abstürze von der Hohen Wand Wir«. Der 24jährige Bäckergehilfe Stefan Wagner unternahm Sonntag eine Klcttertour auf der Hohen Wa n d, von der er abstürzte und tot liegen bliebt Auch ein 16 jähriger Fleischerlehrling aus Wien ist auf der Hohen Wand tödlich abgestürzt. ■. Später wurde die Leiche eines dritten Bergsteigers aufgefunden, der dort tödlich abgestürzt war. Es handelt sich um den 25 Jahre alten Franz Fest aus Hinter-Brühl, der vor acht Tagen eine Klettertour auf die Hohe Wand unter- nommen hatte und seither vermißt wurde. Wahrscheinlich ereignete sich der Absturz bereits vor acht Tagen, da man feststcllen konnte, daß sich die Leiche in ziemlich verwestem Zustande befand. Kaum chatte die Rettungsstelle in Stollhof die brei Leichen in die Totenkammer transportiert, als sie neuerlich alarmiert wurde. Der 17 Jahre alte Realschüler Kurt Popper aus Wiener Neustadt war Von einem Klettcrstcig abgestürzt; uni) wurde mit schweren Bertoundungen ins Krankenhaus von Wiener Neustadt gebracht.' In den Flammen umgekommen Salzburg. Sonntag brach beim sogenannten Kendlbauer Ruppert Reick in St. Johann im Pongau ein Brand aus, dem das Wohn- und Oekonomiegebäude zur Gänze zum Opfer fielen. Die Hausbewohner waren vom Feuer derart überrascht worden, daß zwei Personen, der 27jährige Sohn des Besitzers Ruppert Reich und ein bisher unbekannter Wanderbursche, der dort nächtigte, in den Flammen umkamen. Die übrigen Kinder des Bauern konnten sich nur mit dem Hemd bekleidet retten, wobei z w e i S ö h n e l e be n s- gefährlich verletzt wurden und ein anderer Sohn und eine Tochter schwebe B r a n d w u«den erlitten. Eine Löschaktion war infolgeder Höhenlage und des-Wa.sui.man-: gels nicht durchführbar. Als Brandursäche ist wahrscheinlich U n v o r s i ch t i g k e i t b e i m Sch n a p s b r e n n e n anzunehmen. Bier Todesopfer einer Schietzerei im Gnfthau« Rew Aork. Eine Verbrecherbande überfiel Sonntag früh in der Nähe von St. Jacob in Illinois ein Gasthaus, in dem vier Gäste, zwei Männer und zwei Frauen, beim Frühstück saßen. Alle vier gehorchten sofort dem Rufe»Hände hoch!" Der Gastwirt Jackson jedoch, der sich nicht ohne Widerstand berauben lassen wollte, griff zum Revolver und tötete einen der B a n d it e n. Es entspann sich ein wildes Feuergefecht,. in dessen Verlauf sich der Wirt einen Augenblick zurückzog, um seinen Revolver neu zu laden. Diese Pause benutzten die Verbrecher, um einen der wehrlosen Gäste und einen alten Mann, der ahnungslos das Haus betrat, zu erschieß e n. Jackson nahm darauf den Kampf mit frisch geladenem Revolver von neuem auf und tötete einen zweiten Banditen. Hierauf traten die. Banditen den Rückzug an und fuhren unter Mitnahme ihrer beiden toten Kameraden" in'ihrem Kraftwagen davon. Vor einem Krankenhaus in St. Jacob hielten sie einen Augen- btick an, warfen die Leichen auf das Pflaster und machten sich aus dem Staube. Bombe«-Erplofto« 1» Poris Paris.,Am Sitze der Pariser Zentrale ehemaliger russischer Frontkämpfer explodierte Sonntag emc Bombe, die glücklicherweise nur kleineren Sachschaden verursachte. Die Polizei glaubt weniger an einen politischen Anschlag als an einen R ach e a k t eines arbeitslosen Russen, der bei der Bereinigung vergeblich nm Unterstützung nachgefucht hatte. Sie scheint auch einem am Tatort aufgefundenen Zettel keine besondere Bedeutung beizumessen, auf dem in russischer Sprache stand:„Das ist nur eine Warnung. Wir haben kein Blut vergießen wollen. Das nächstemal wird es ernster. Daun werden wir alles in die Luft sprengen. Unterschrift: Die Freiwilligen der Gemeinsamen Front."- Enthüllung eines Denkmals für Oberst Svee. Samstag wurde in Prag auf dem Pohore- lec in Anwesenheit von Vertretern der Wehrmacht, der Legionäre und öffentlichen Korporationen ein Denkmal füx einen der Begründer der Legionen, Oberst Svec, enthüllt. Die Festrede hielt Minister für nationale.Berteidigung B r a d a c. Karlsbad.(Tsch. P.-B.) Bei der Bahnkreuzung mit der Staatsstraße Karlsbad— Schlackrnwrrth stieß der Personenzug, der Karlsbad um halb 9 Uhr früh verließ in einen T a t r«-Personenwagen, der dabei vollständig zertrümmert wurde. Der Vorderteil des Wagens mit dem Motor wurde etwa 150 Meter, die Karosserie mit den Insassen fast 200 Meter weit mitfortgeschleppt. Der Personenzug wurde dann zum Stehen gebracht. In dem Automobil saßen der Sägewerksbeamtc Josef Langhammer, der 27jährige Chauffeur Josef Franz, dir 22jährige Landwirtstochter Anna S ch m i r d t und die gleichfalls 22 Jahre alte Leontine F r i s ch. Langhammer und Franz waren sofort tot. Die beiden Frauen wurde« mit Schädelbasisbrüchen und vielfachen anderen schweren Verletzungen dem Krankenhause ringelie- fert, woselbst die Frisch mit dem Tode ringt, während die Anna Tchmiedt bereits auf dem Transporte ihren Verletzungen erlegen ist. An der Unfallstelle erschien dir Gendarmerie- Fahndungsabteilung Eger und Gendarmen von den umliegenden Gendarmerieposten, sowie ein« Gerichtskommiffion unter der Leitung des Karlsbader Bezirksrichters Dr. Pfamfule und des ftaatsanwaltlichen Funktionärs Leber, welche die nähere« Umstände des llnglücksfallrs erhoben. Der Bahnwärter Karl P a i s k e r wurde verhaftet. Bei seiner Bernehmmtg sagte er aus, daß das Auto noch vor dem Herannahen des Zuges die Bahnstrecke passieren wollte und er zu diesem Zwecke die Schranken öffnete. Das Auto habe jedoch gerade auf demTchie- nenstrange einen Motordefrkt erlit- Dank. Anläßlich meines 60. Geburtstages sind mir sowohl von den verschiedensten Organisationen unserer Bewegung als auch von zahlreichen Genossinnen und Genossen Glückwünsche zugekommen. Außerstande, jeden einzelnen dieser Glückwünsche zu beantworten, sage ich allen, die in diesen Tagen meiner gedachten, auf dem Wege der Parteipreffe meinen herzlichsten Dank. Marie Seliger. Tod beim Bügeln. K Am Samstag abends bügelte die 53jährige Postsekretärsgattin Marie N e k v a s i l o v ä in Ung.-Hradisch Wäsche mit einem elektrischen Bügeleisen. Plötzlich löste sich die zum Bügelessen leitende Schnur. Frau Rek- vasilyvä wollte den Fehler beheben, hüllte ihre Hand in ein H ä n d t u ck ein, das jedoch f'c ü ch t war. Da der Strom nicht ausgeschaltet war, er-' litt Frau Rekvasilovä einen starken elektrischen Schlag und fiel tot zu Boden. Reichsdeutsche Hochschüler unter Spionageverdacht. Der 23jährige Hochschülrr Friedrich Lederer aus Nürnberg wurde wegen Verdachtes des Verbrechens des Militärverrates nach dem Schutzgesetz am Sonntag in die Haft des Kreisgerichtes in P i l s e n eingeliefert. Gleichzeitig wurde gegen Lederer von der Staatsanwaltschaft die Strafanzeige erstattet. Dienstmagd und drei Kinder verbrannt. In der Nacht zum Sonntag war in der kleinen Ortschaft Leitenhanfen bei Regensburg ein Brand ausgebrochen, der ein Anwesen in Asche legte. Dabei fanden eine 29jährige Dienstmagd und ihre zwei Kinder sowie ein Kind einer anderen Familie den Tod in den Flammen. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden. Die Magd hatte versucht, ihre Kinder, von denen eins 14 Tage und das andere ein IJahr alt war, zu retten. Vorübergehend gefährdete das Feuer die ganze Ortschaft. Blutiges Gefecht mit Räubern. In der Nacht zum 20. September überfiel eine Gruppe von Chinesen bei Chuanhoschen in der Mandschurei zwei Autobusse, die von einer mandschurischen Wacktmannschaft besetzt waren. Sie waren mit Maschinengewehren bewaffnet und plünderten die Kraftwagen gus. Da die Wache heftigen Widerstand leistete, kam es zu einem regelrechten Gefecht, bei dem 8 Personen getötet und 21 verletzt wurden. Die Täter sind entkommen. Ein Däbelduell. Zwischen dem Deputierten Lackambre, Unterftaatssekretär in der Dala- dier-Regierung, und dem Pariser Advokaten R e n o u v i n, der den Deputierten geohrfcigt hatte, wurde Sonntag vormittags in St. Malo m der Normandie ein Säbclduell ausgeiragen. Renouvin wurde gleich beim ersten Gang, an der Schulter verletzt und das Duell wurde von den Aerzten unterbrochen. Die Gegner gingen jedoch unversöhnt, auseinander. Von mandschurischen Behörden mißhandelt. Aus Charbin wird gemeldet: Der sowsetruffische Konsul in der Station Mandschuria erhielt die Nachricht, daß das Licken des verhafteten Vorstandes, dieser Eisenbahnstation, des sowjetrussischen Staatsbürgers Schablinski durch Quälereien und Mißhandlungen bedroht ist. Auf das Ersuchen des Konsuls, Schablinski besuchen zu dürfen, antwortete die diplomatische Büro ablehnend, da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei. Die mandschurischen Behörden, die sich mit diesem formalen Einwand decken, versuchen die Kontrolle der Nachrichten über die unmenschliche Behandlung des verhafteten Vorstandes unmöglich zu machen. Der Konsul hat sich neuerdings an das diplomatssche Büro tcn, der nicht rasch genug behoben werden konnte, so daß der eben hcranbrausrnde Zug den Wagen erfaßte. Da das Unglück weiter keine Augenzeugen hatte, gelang es bisher nicht, nähere Umstände zu ermitteln. Die Leichen werde« am Dienstag seziert. ■■* Eine Katastrophen-Serie Brünn. Sonntag vormittags stieß ein»»- bekannter Autofahrer ans der Staatsstraße zwischen Ober-Gerfpitz und Mödritz mit eine« Dom Schneidermeister A. Erger ans Potzsdorf in Rieder-Oesterreich gelenkten Motordreirad zusammen. Der Zusammenstoß war so heftig, daß die auf dem Tandem sitzende Johanna W» t t l e r a»S Floridsdorf heraigeschleudert und so schwer verletzt wurde, daß sie auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Der schuldtragende Autofahrer fuhr unerkannt davon. * Budapest. Sonntag nachts wurde ein Vauernwagen, als er bei Pestszrntlörinc in der Nähe von Budapest einen Bahnübergang passiere» wollte, von einem Personenzug überfahre«. Bo« den vier Insassen des Wagens wurden drei auf der Stelle getötet. Der Kutscher erlitt schwere Verletzungen und wurde in bewußtlosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. -» Ess e n. Ein furchtbares Kraftwagenunglück ereignete sich am Sonntag Nachmittag in Werden. Ein Personenkraftwagen fuhr gegen einen Baum, wobei eine Explosion des Benzintanks entstand. Die vier Insassen heS Wagens, eine Frau mit ihren drei Töchtern, kamen ans grüß- liche Weise«mS Lebe». Forderung gewandt, daß sofort untersucht werde, wie mit dem verhafteten Schablinski umgegangen wird. Nichts aus de« Zug werfen! Der Sonder- Sonntagszug Nr. 2187 begegnete am Sonntag normal bei Böhmisch-Brod dem Zug 404, der von Prag Rekruten führte, die den Militärdienst antreten. Aus dem Zug Nr. 404 wurde an der erivähnten Stelle eineFlaschegeworfen, die ein Fenster des Zuges Nr. 2137 zertrümmerte und einige Personen durch Glasscherben verletzte. Auf dem Verkehrsamt Liben-Oberer Bahnhof meldete sich eine Person, äuf der Station Prag-Masaryk-Bahnhof ! zwei Personen, die ernstlich verletzt tvorden sind. Der t Vorfall wird untersucht. Gepolsterte dritte Klasse und Bahnschutzvorrich- tuugeu. Dem Bemühen entsprechend, das Reisen auf den Staatsbahnen sowie alle möglichen Gefahren. aus dem Wege zu räumen, hat die Eisenbahnverwaltung beschlossen, vorläufig bei allen neu eingesetzten Motorwagen die dritte Klaffe mit einer Polsterung auszustatten. Es kommt dies hauptsächlich für wette Strecken in Betracht; diese angenehme Neuerung soll allmählich auf alle neuen Wagen der Eisenbahn ausgedehnt werden.-—Aus der Bahnstrecke zwischen Kralüp und Ukice befindet sich eine neuartige, selbsttättge Signal- und-Schutzvorrichtung, die geeignet ist, die häufigen Unfälle auf Kreuzungen Mischen Bahn und Straße zu verhüten. Ungefähr zwei Kilometer vor der Kreuzung liegt unter den Schienen ein Kontaktapparat, der, durch di« Wucht des fahrenden Zuges in Betrieb gesetzt, auf elektrischem Wege die Bahnschranken auf der Kreuzung in Betrieb setzt und gleichzeitig akustisch: und opttsche Signale auslöst. Hat der Zug di«. Kreuzung passiert, öffnet der Apparat die Schranken. Die Vorrichtungen, die zufriedenstellend fussk- tionieren, sind auch für mehrgeleisige Uebergänge mit dichtem Verkehr in beiden Richtungen geeignet. Die Amtsstelle A der All«. PensionSanstalt in Prag macht darauf aufmerksam, daß nach dem Gesetz 117/34 der Anspruch auf Zuerkennung des Staatsbeitrags zu cken Renten nach dem Pensionsgesetz bis zum 31. Dezember 1934 geltend gemacht und mit den erforderlichen Dokumenten belegt werden muß. Das Datum 31. Dezember 1934 ist definitiv, und zwar nicht nur für die Einreichung neuer Gesuche, sondern auch für die Vorlage von Dokumenten, die schon früher eingebrachten Gesuchen nicht beigelegt wurden. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß Gesuche um den Staatsbeitrag, welche bei der Allg. Pensionsanstalt oder ihren Amtsstellen nach dem 30. Juni 1930 eingebracht wurden, vom Standpunkt des Gesetzes 117/34 als rechtzeitig eingebracht angesehen werden und nicht erneuert werden müssen. Der Deutsche Bürgrrschnklehrerbund in Böhmen hielt Freitag vormittags im Hotel»Weber" seine Haupwersammlung ab. Für den Stadtrat Karlsbad begrüßte Genosse Stadttat Schaffelhofcr, für die.Stadt Fischern Herr Fachlehrer Scherbaum die Tagung. An den Präsidenten der Republik wurde ein Huldigungsschreiben abgeschicki. Den Mittelpunkt der Beratungen bildeten die Referate des Herrn Fachlehrers Josef Hofmann-Fischern über„Dir Bürgerschule und die wirtschaftliche Lage" und des Herrn Fachlehrers Fiedler-Oberlcutensdorf über„Tie Bürgerschule und die kulturpolitische Läge"? Alle mit den beiden Referaten und den in ihnen aufgeworfenen lebenswichtigen Fragen zuiammenhängeuden Forderungen wurden in Entschließungen niedergelegt, die einstimmige Annahme sanden. Eine längere Aussprache entwickette sich über einen Antrag, Verhandlungen über eine Vereinigung mit dem Deutschen Landeslehrerverein einzuleiten, wobei leider «in angesichts der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung, deren Auswirkungen alle Berufsgruppen zu spüren bekommen, gar nicht zu Fußball vom Sonntag Fuhball-Auswahlspiel‘Situs—Etat 5. Kreis schlägt Gau Prag 2:0(0:0>), Zum ersten Male standen sich in A u s s i g die Repräsentattvmannschaften zweier Kreise der beiden Verbände A t u s und Stak gegenüber. De» Tschechen merkte man an. daß sie in solchen Spielen vor neuen Problemen stehen. Es war das erstemal, daß sie überhaupt eine Auswahlmannschaft stellten. Ge- messen an diesem Umstand muß ihre Gesamtleistung anerkannt werden. Sie führten ein gefälliges Kombinationsspiel vor, versagten jedoch vor dem Tor fast gänzlich. Auffallend schivach besetzt die beiden Außenstürmer. Vorzüglich das Hintertrio. Gegen Schluß des Spieles drängten die Gäste sehr stark, hatten auch einige aufgelegte Erfolgsmöglichkeiten, darunter einen Elstn-ter, ohne sie zählbar auszunützen. Ein Tor wäre ihnen vergönnt und vomPublikum mit Beifall ausgenommen worden, zumal die Tschechen- unserer Kreisniannsckast im Feldspiel und im Zuspiel voraus wären. Unsere Kreismannschaft enttäuschte Obzwar die Auswahl von den besten Grundsätzen aus getroffen wurde, gab es einige Versager. Die Gesamtleistung stand gewaltig hinter den Erwartungen,^ es fehlte das Verständnis für eine harmonische Zu'animenarbeii und der nötige Schwung. Am unglücklichsten operierte der Sturm. Der Beste der Linksaußen, der aber sehr wenig beschäftigt tvurde. Die anderen boten keine nennenswerte Leistung,, der Mittelstürmer fiel gänzlich aus. Am besten gefielen der Torer und der recht« Verteidiger. Die Halfreihe konnte nur vor der Pause befriedigen. Eine Ueber- legenheit einer Mannschaft gab es nicht. Tas Spiel war offen und zeitweise sehr flau.— In der zweiten Halbzeit erzielt unser Linksaußen einen herrlichen Treffer. Unheimlich scharf schießt er aus 18 Meter Dsstanz mit flachem Schuß ein. Auch- das zweite Tor hatte ihm zum Urheber. Sein scharfer Schuß wird von einem Prager Spieler ins eigene Tor gelenkt. Beide Mannschaften spielten überaus fair. Genoffe Strohdach leitete sehr umsichtig.— Vor dem Hauptspiel trafen sich die Handballmannschaften Aussig und L a d o w i tz. Beim Stande 9:4 für Aussig wurde das Spiel Abgebrochen. Ein Ladowitzer Spieler wurde wegen Unsportlichkeit vom Platze gewiesen, mit ihm ging über Aufforderung eines Spielers ein Teil der Mannschaft, so daß der Schiedsrichter abpfiff. Aussig spielte sehr hart, da» stimmt, aber das Benehmen der Ladowitzer entspricht nicht der Würde eines KreiSmeisterS. Sie haben sich als unwürdig erwiesen, in Zukunft vor ein so großes Forum ein Propagandaspiel auszutragen. Besuch schwach. Atus-Feiern und Wettspiele i« 8. Kreis Rach den zahlreich vorliegenden Berichten haben gegen hundert Vereine des 6. KreisverbandeS die Feier anläßlich des 25jährigen Bestandes des Atus durchgeführt. Radiovorträge, Festversammlungen und gute turnerische Festabende wurden veranstalttt. Mebr als zehntausend Arbeittr und Arbeiterinnen haben allein in Westböhmen an den zahlreichen Feiern teilgenommen. Viele. Vereine haben auch Wettürnen der Kinderabteilungen organisiert. Die Fußballsparte hat Sonntag den dritten Seriensonntag absolviert. An der Spitze steht ASK. Meierhöfen.mit sechs Punkten; FFK. Falkenau hat ebenfalls alle drei Spiel« gewonnen, doch wurden der Mannschaft die Punkte wegen Aufstellung eines nicht spielberechtigten Spielers aberkannt,.An ztvetter Stelle stehen ASK. Eger und Atus Unterreichenau mit je vier Punkten. Resultate: FFK Falkenau gegen Atus FranzenSbad 9:1, AtuS Theus- sau gegen Atus Graslitz 1:1, ASK. Meierhüfen geg. Unterreichenau 8:1, Atus Drahowitz gegen Atus Chodau 1:1. Sportbrüder Eibenberg gegen ASK. Altrohlau 2:2, ASK. Eger gegen Atus Karlsbad 3:1, Atus Fischern gegen Atus Fleißen 4:3. verstehender Kastengeist zutage kam, der der Schaffung einer wirklich einheitlichen, umfaffenden und schlagttäftigen Organisatton der Lehrer kaum förderlich sein dürfte. Die Neuwahl ergab die einstimmig« Wiederwahl des Herrn Bürgerschuldirekwrs Spa Hal zum Obmann, der diese Funktjon sseit nunmehr zwanzig Jahren ausübt. Wetterbericht. Im Westteil der Republik hat sich die Gewitterneigung und strichweise wie z. B. in Präg kam es am Montag zu ziemlich ergiebigen Regengüssen. Im Osten des Staates ist es noch heiter oder nur wenig bewölkt. Die allgemeine Wettercharakter dürste weiterhin unsicher bleiben. Zu einer durchgreifenden Verschlechterung dürfte es vorläufig jedoch noch nicht kommen. Der ganze Süden des Erdteils ist nämlich noch vom hohen Luftdruck beherrscht und hat schönes, warmes Wetter.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Wechselnd bewölkt und strichweise ziemlich heittr, in den Niederungen namentlich in den Morgenstunden nebelig, untertags relativ wärmer und vereinzelt Gewitter.— W e ttervorhersage für Mittwo ch: Allgemeiner Witterungscharakter noch ohne wesentliche Aen- derung.' Vom Rundfunk Empfehlenswerte« an» den Programmen. Mittwoch: Prag, Sender L.: 10.05: Deussche Nachrichten. 11: Schallplatten, 11.05: Konzert des Salonorchesters, 13.45: Deutscher Arbcitsmarkt, 16.45: Thea» ter für Kinder und Jugend, 18.20: Deutsche Sen» düng: Aktuelle zehn Minute«, 18.30: Arbeiterfunk: Ernst Paul: Sudetendeutsche Arbeiterdichter, 18.50: Sozialinformationen, 18,55: Deutsch« Presse, 19.10: Chansons von Kostal, 21.10: Orchesterkonzert. Sender S.: 14.15: Junge sprechen. 14.25: Konzert des Salonquartetts, 15.05: Datsche Sendung: Kinderstunde, 14.50: Deussche Sen« düng.— Brünn 13.25: Arbeitsmarkt, 17.50: Deutsche Sendung: Wilner: Kasperl als Welkeisender. Mährisch-Oftra« 12.35: Orchesterkonzert, 17.40: Schallplatte«: Mozart.— Kascha« 15.55: Orchc- sterkonzert. mit der kategorischen ohne ttnrerfchied Nr, 230 Dienstag, 2 Oktober 1934 Seite 5 PRAGER ZHTCMG Die^Hohe Warte" aibts nacht immer und sie nennt sich noch immer bescheiden«Illustrierte Revue für Kultur. Kunst und Literatur". Der Kultur steuert die«Hohe Warte" in-ihrer Oktobernummer einen Leitartikel bei. in dem der von uns schon öfters gewürdigte Schriftsteller Max Glaser dem Prager Philosophenkongretz einen geharnischten Nekrolog hält; die Philosophen Laben alle Ursache, sich nunmehr für sehr dumme Kerle zu halten— denn der Mar Glaser verurteilt sie fast samt und sonders. Datz niemand mehr als dieser Literat die Autorität besitzt, über die 60V Philosophen zu Gericht zu sitzen, geht schlagend aus folgendem Satze hervor: '„Wir geben all' den gelehrten Herren, die in Prag versammelt waren, den guten und wohlgemeinten Rat: Lehrt dem Lalle exaktes Denken und eueren denkenden Schüler» die Seele des Volkes erfassen." Dian könnte zwar verlangen, datz sie den Herrn Max Glaser vorher die deutsche Sprache lehren und etwa auch die Kunst des Beistriches. Aber leider sind die getadelten Herren grotzteils nicht mehr in Prag und so werden wir weiter auf Hoher Wart« die Verwechslung des Dativs und AUusatives miterleiden müssen. Ist aber Herr Max Glaser schon in der deutschen Grammatik wie kein zweiter zu Hause, so ist er vollends auf dem Gebiete der Literatur wirklich selber nicht nur eine hohe, sondern auch eine absolut verlätzlich« Warte. Da zitiert er beispielsweise an: Schlüsse seines epochemachenden Artikels den„Bett- lerÄnzengrubers" in ein paar Sätzen, deren letzter„Es kann dir ja nichts geschehnl..." lautet. Herr Max Glaser schreibt und zitiert so sicher, datz man in dem Bettler Anzengrubers" ohne weiteres den«Steinklopferhans" erkennt, obzwar der wiederum im anzengruberisch-österreichischen Dialekt zu reden pflegt. Aber Herr Max Glaser soll ruhig so weiter„zitieren", wie es ihm patzt; denn gerade für ihn gilt das Wort:«es kann D'r nix g'schehn!" I Selbst der tote Wedekind wird sich nicht zur Wehr setzen, wenn die«Hohe Warte"„Schlotz Wetterstein" als„Ekel erregende Komödie" voll„widerlicher Zoten" bezeichnet. Und überhaupt: wozu denn Wedekind, da wir doch wirkliche sudetendeutsche Dichter in Hülle und Fülle gewissermaßen brachliegen lassen? Warum spielt das Prager deutsche Theater nicht endlich ein Stück von Mar Glaser? Das gibt's nämlich— und wer wäre nicht neugierig, es kennen zu lernen?, l. g. Junge vom Auw getötet. Samstag abends fuhr der Händler Josef D a v i d e k aus Libuschin mit einem leichten Lastauto über den GeorgZplatz in Weinberge. Bei der Manesgafse lief plötzlich der achtjährige Schüler Georg Kares direkt vor das Auto und wurde vom Kotflügel erfaßt, zu Boden geworfen und vom rechten Hinterrad überfahren. Er wurde bewußtlos ins Krankenhaus gebracht, wo schwere-innere Verletzungen festgestellt ivurden, denen ec Uchr mvrgens-o rt>a g.-?Dem Chauffeur gibt an, langsam gefahren zu sein und den Knaben erst im letzten Augenblick gesehen zu haben. Er wurde in Haft genommen. Gcrlclitssaal Das eigene Kind getötet— 15 Jahre schweren Kerkers Tragödie ans der Welt deS Elends. Prag. Johanna K o r b e l, 81 Jahre alt, unbestimmten Berufes, mehrmals vorbestraft, ist ange- klagt des gemeinen Mordesam eigenen Kind. Kein Mensch würde glauben, datz sie erst 81 Jahre zählt. Sie ist häßlich, stumpf und apathisch. Und hier ist ihre LebenSgeschichte: 'Sie wurde geboren als uneheliches Kind. Vater unbekannt, Mutter kurz nach der Gebürt verschwunden/Aufgewachsen bei fremden, lieblosen Leuten als Ziehkind. Sobald sie det Schule entwachsen ist, kommt sie nach Prag zu einer Tante. Als Hausgehilfin ist fie unmöglich, weil sie sich an regelmäßige Arbeit nicht gewöhnen kann. So verdingt sie sich zu den schwersten und schmutzigsten Gelegenheitsarbeiten. Arbeitet als Kohlenträgerin, mischt den Mörtel bei Bauten u. dgl. Die Verwandten, bei denen sie wohnt, find selbst arme Leute. Mehr als arm! Sie wohnen in einer der Wohnhöhlen der äußersten Peripherie— Wohnungen kann man das ja nicht nennen— und sie schläft mit der übrigen Familie in einem kleinen, stinkenden Wohnraum. So ergibt sich ein Verhältnis mit dem Sohn ihrer Tante, Stanislav S. Sie hat zweiKinder, die aber bald nach der Geburt sterben und außerdem muß sie zwei Fehlgeburten überstehen. Zwischendurch wird sie wegen Diebstahls mehrfach bestraft. Denn sie, die Häßliche, möchte ihrem Liebhaber gefallen, mochte sich schön machen. Da aber der Arbeitslohn nicht einmal dazu reicht, sie satt zu machen, nahm sie das Geld, wo sie eS eben fand. Schließlich wurde sie zum drittenmal schwanger und gebar in der Prager. Gebäransmlt am 4. September v. I. ein Kind. Am 13. September verließ sie mit samt ihrem Kinde die Anstalt. Kurz nachher stießen Erdarbeiter in einem Feld bei S t r a s ch n i tz auf eine vergrabene Kindesleiche. Die Polizei stellte schnell genug fest, daß es sich um das Kind der Körbel handelte. Diese wurde verhaftet und erklärte beim Verhör, das Kind sei ihr am 14. September v. I. auf den Armen gestorben, als sie in Prag ziellos herumlief und sie-habe die Leiche dann auf dem Feld bei Straschnitz eingegraben. Dem Kindesvater erzählte sie, daß der Säugling im Krankenhaus gestorben und gleich begrabe» worden sei. Aber Vie Gerichtsärzte sagen etwas anderes. Nach dem Obduktionsbefund ist der Tod des Kindes durch eine Gehirnblutung herbeigeführt worden, offenbar verursacht durch Eindrük- kung deS weichen Kinde rschädels. So kam Johanna Körbel unter Mordanklage vor die Geschworenen. Wegen gemeinen Mordes, denn das Verbrechen des„K i n d e s- morde s" mit seinen gelinderen Sträfsätzen ist nur dann gegeben, wenn das Kind bei, oder unmittelbar»ach det Geburt getötet wurde. Die Angeklagte leugnet den Mord. Im übrigen war sie völlig ruhig und gleichgültig. Sie bewahrte ihre apathische Ruhe auch, als ihr das Geschworenenverdikt verkündet wurde, durch welches sie mit acht Stimmen schuldig erkannt wurde. Rach den bis zum 8. Juni d. I. gellenden Bestimmungen unseres Strafgesetzes hätte nun bloß ein Urteil erfolgen können: J o i durch den Strang". Rach den neuen Gesetzesvorschriften sind aber die Geschworenen bei) Halsdelikten zur Mitberatung über die Strafe be- rufen. Und das Ergebnis der gemeinsamen Beratung des Gerichtshofes und der Geschworenen war die Verurteilung der Angeklagten zu der zulässigen Mindeststrafe: .. Fünfzehn Jahre schweren und verschärften Den Vorsitz führte OGR. Dr. Svoboda, alt Ankläger fungierte Dr. S t b a. rb. * Und wieder ein Mordprozeß Lier Jahre Kerker-. Prag. Die Serie der Mordprozefie vor dem Prager Schwurgericht setzt sich auch an den ersten zwei Tagen dieser Woche fort. Der am Montag verhandelte Fall ist einfach genug; gleichwohl war die Verhandlung die längste dieser Schwurgerichtsperiode. Der 24jährige Ladislav Hynek aus R i öan war vor dem Schwurgericht des GR. Dr. M a r e- Lek angeklagt, den Vater seiner Geliebten. Franz Navrättl, im Dorfe Struhorov am 24. Juni d. I. erstochen zu haben. Zu Anfang dieses Jahres brach die Tochter des Ermordeten, Marie Na- vrätil den Verkehr mit Hynek wegen deffeu unordentlichen Lebenswandel ah. Hynek war verrufen als Trinker und Raufer. Er kam um 11 Uhr nachts am 24. Juni nach einer„Bierreise" zum Hause seiner ehemaligen Geliebten und forderte sie lärmend auf. zu ihm zu kommen. Als ihm der Vater des Mädchens fortwie», stieß er ihm das Meffer ins Herz, da» er nakh eigenem Eingeständnis kurz vorher gekauft und bereitgrhalten hatte. Die Verteidigung des Angeklagten beschränk sich aus Leugnung der Tötungsabsicht und Behauptung vollständiger Trunkenheit. Zur Klärung des Sachverhaltes und seiner Hintergründe waren 17 Zeugen geladen. Sie sagten verschieden aus. Den Geschworenen wurden schließlich zwei Hauptfragen vorgelegt: auf Mord und auf Totschlag. Dazu die Zu- satzfrage, ob der Täter bei Begehung der Tat volltrunken gewesen sei. Nachdem die Geschworenen in ihrer ersten Beratung einige Fehler gemacht hatten, die eine neuerliche Beratung notwendig machten, lautet« da» endgültige Verdikt lediglich auf Totschlag und das Urteil auf vier Jahre schwere» Kerkers. rb. Kunst und Wissen Erste Arbeitervorstellung Die Idee des Bildungvereines deutsch erArb ei teriuPraa. das Theater durch Einrichtung billiger und mustergültiger Aufführungen auch jenen Schichten der Prager deutschen Bevölkerung zugänglich zu machen, denen hie normalen Eintrittspreise unerschwinglich sind, har sich im Laufe der Jahre nicht nur glänzend bewährt, sondern auch mancherlei Nachahmung gefunden. Heute sind die Prager deutschen Ardeitervorstellun- gen bereits eine aus dem deutschen Kunftleben unserer Stadt nicht mehr hinwegzudenkende Notwendigkeit geworden, die der engere Kreis der Prager deutschen Arbeiter und Angestellten nicht mehr missen könnte, von der aber auch ein weiterer Kreis von Theaterfreunden reichlich profitiert. Die große Beliebtheit unserer Arbeitervorstellungen sowohl bei ihrem eigenen Stammpublikum als auch bei ihren Jnterefienten, hat sich aus den guten Erfahrungen ergeben, die dieses und jenes Publikum mit ihnen bisher immer gemacht haben; denn sie boten und bieten nach dem Grundsätze, datz für das Volk das Beste gerade gut genug ist, seit jeher Mustergültiges und Bestes. Nur so ist es zu erklären, datz sich bei den Vorstellungen des Vereines der deutschen Arbeiter in Prag immer wieder dieselben kunstliebenden und kunstfrohen Menschen einfinden, denen, gutes Theater Bedürfnis ist und die als eine besondere Theatergemeinde immer wieder unschwer zu erkennen sind. Auch die diesjährige Reihe seiner Arbeitervorstellungen hat der Prager Bildnngsverein deutscher Arbeiter mit einer mustergülligen Aufführung. eröffnet; mit Carl Zellers neubearbeiteter Operette„D e r Vogelhändler", einem Werke, dar eines der besten Muster der musikalischen Kunstgattung„Operette" ist, das sich dank seiner musikalischen Werte seinerzeit sogar neben den zeit- genöffischen Meisterwerken eines Johann Strauß ehrenvoll und erfolgreich zu behaupten wußte und das unseren Vorvätern wert und lieb war. Eine überaus glückliche Wahl hatten die Veranstalter mit dem „Vogelhändler" auch insofern getroffen, als sie sich mit ihm eines Bühnenwerkes versicherten, das sich einer wirklich ausgezeichneten künstlerischen Wiedergabe, ,rühryen darf.Sh stand denn auch die sonntägige ersteL-ssbeit^Dorstellung^aanz im Zechen einer Mn«, zenden, das überaus zahlreich erschieUeste Publikum' sichtlich erfrischenden und begeisternden' Theateraufführung. die das beste Werbemittel für alle weiteren und folgenden Arbcitervorstellungen war. E. I. Spielplan des Reue» Deutschen Theaters. Dienstag, 7 Uhr:«Lohen grin"(A2).— Mittwoch, halb 8 phr:«S ch l o tz W et t erst ei» (B1).— Donnerstag, halb 8 Uhr, Erstaufführung: „Die Nacht vor dem Ultimo"(CI).— Freitag. 7 Uhr:„AdmiralBobbh"(D 2).— Samstag, halb 8 Uhr:«Die Nacht vor dem Ultimo"(B2). Ans der Partei Sozialistische Fugend, Krri» Prag. g Dienstag, den 2. Ottpber, be- A U teiligen sich alle Gruppen am K%^/^■ Gruppenabend der SJ J M Weinherg« im DTJ-Heim in Wr der Jtalskä. Paula Wallisch erzählt. Sport• Spiel• Körperpflege Znteresiante Gäste Rumänen und Jugoslaweu in Prag Am Sonntag gab eS am Spartaplatze nach längere Zett«ine Doppelveranstaltung. Das erste Spiest bestritten Sparta und Beogradski S K. Die Prager gewannen dieses mit 4:8(1:2) zu Unrecht/ da ihre Leistungen mehr als schwach waren. Aber wie es schon so manchmal ist, erscheint dann der Schiedsrichter als der zwölfte Mann der Hausherren. SpartaS Elf hatte gegen die flinken und shstem- voller spielenden Gäste keine Chancen des Sieges. Erst ein Intermezzo vor dem Tore'der Belgrader gab dem Schiedsrichter Gelegenheit,- einen von ihnen statt des Spartaners Sedlacek(Foul am Boden Legenden Tormann) in Pension zu schicken— das gab' den Ausschlag zur Niederlage. Dieses-Intermezzo gab auch den Anlaß zu einer B o x e r e i von Spie-, lern beider Parteien und nahm sich«sehr schön" auS— Im zweiten Match, standen sich Venus Bukarest und S l a v i a gegenüber, das di» Slavia mit 9:2(6:0) sicher gewann. Die Gäste zeigten in manchen Akttonen, daß ihr Können nicht, so primitiv ist. wie das Resultat vermuten läßt. Nur'- ihre Tormänner waren sehr schwach und der. Angriff arbeitete vor dem Tore kompliziert und langsam, sonst hätte Slavia trotz ihrem neuen Tormann Jaks«(ehemals Belgrad) noch ein paar Tore mehr abbekommen. Dieser Kampf wickelte sich ruhig und- fair ab, trotzdem war auch hier der Schiedsrichter bestrebt, den Gästen zu.dienen". Bedauerliche, aber immer wiederkehrende Erscheinungen, die im, Spielverkehr mit Auslandsmannschaften keine gut« Propaganda(wie Boykottbeschluß der Wiener Vereine gegen den Prager Schiedsrichter Vogl beweist)» bedeuten. Haben die Klubs«in Al». terefie an solcherart erzielten„Siegen", dann sollte aber der Verband darauf dringen, datz die Unparteilichkeit der Schiedsrichter keine Farce wird. E. DFC. Prag in Teplitz mit 1:2(0:2) grschla- gru. Ein knapper Sieg des Teplitzer FK., obwohl ein Unentschieden gerechter gewesen wäre— aber die DFC.-Stürmer haben noch nicht die richtig« Schutzlaune.. Rach der Pause gabs ein Raufhändel zwischen lllanov II und Kovacz, die ausgeschlossen wurden. Die Spiel« in der DFB-Division brachten eine katastrophal« Niederlage des Gablonzer B S K in Saaz: DSB. Saaz gewann 10:0(8:0)l In Neichenberg schlug der RFM. den Brünner DSV. mtt 9:0(5:0) und in Troppau teilten sich DSB. und Karlsbader FK. mit einem Unentschieden von 2:2(2:0) die Puntte. Bittoria Pilsen gegen KiSpest Budapest 6:1 (3:0). Die Budapester erhielten im dritten Spiele eine hohe Niederlage; sie hatten sich zu viel zugemutet. Sonstige Fusiballergebnisie. Prag: Sportbrüder gegen Hagibor 4:2(2:0).— Brüx: DFK. Komotau gegen DSK. 4:3(1:2).— Knaben: Schwalbe Brüx gegen DFK. 3:1(1:1).— B i l in: VfB. Teplitz gegen DFK. 4:8-(2:1)^-^-»B ensen: SpBg.-Bodenbach.-gegen Sportbrüder. 8:2(0:2). B.» L e i p a: DSV. Trautenau gegen DSB. 2:1.. — Gablonz: DSK. gegen DG8. Reichenberz 1:0(0:0).— Rumburg: Warnsdorfer FK. geg. DFK. 8:0(2:0).— Budapest: Ujpest gegen Hungaria 1:1(0:1). FerencväroS gegen Phobns 6:1(4:0), Budai gegen Bocskah 8:3(3:3).— Wien: Rapid gegen Austria 8:1(1:1), Admiva gegen Fav. SK. 2:1(1:1), Vienna gegen FAC. 4:1(1:1), Hakoah gegen Sportküch 3:1(1:1), Wacker gegen Liberias 1:1(0:1).. Da» Autorennen am Masaryk-Riug bei Brünn am Sonntag war von zirka 200.000 Zuschauern besucht und ging ohne Unfall vor sich.-Das Rennen gewann Stuck auf Auto-Union in der Re- kordzett von 8:58:27.9 Std. vor Fagioli(Mercedes- Benz) 3:56:24.5, Nuvolari(Maseraü) 3:57:14.1 Std. Chiron und Caracciola gaben in der neuntem Runde auf. In der zweiten, leichten Kategorie siegte Karina auf Maserati in 3:58:49 Std. vor Burgstaller(Bugatti) 8:59:32.4 und Sofia—Schmidt (Bugatti) 8:59:44.4 Std. Dolksstnggemeinde Aussig: Die Jahreszeiten Oratorium vo« Joseph Hayd« . Samstag abends ward im Aussiger Stadftheater ein neuer schöner Beweis geliefert des Kultur- und Kunstwillens der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft im allgemeinen und der Aussiger Genoffen im hesonderen. In diesen Blättern ist wiederholt Mer Entwicklung und Leistungen der Volkssinggemeinde Auffig berichtet worden, so daß hier in dieser Hinsicht nur festgestellt werden muß, daß dieser tüchtigste und beste Vokalkörper, den unsere Bewegung besitzt, unbeirrbar, mit Begeisterung und Fleiß weiterschafft. Das künstlerische Haupwerdienst. daran hat Profeffor Leo Franz. Vor allem ihm'ist es wohl auch zu danken, datz die Auffiger Volkssinggemeinde— unterstützt vom städtischen Theaterorchester und dem Ar- beitergesangverein Turmitz— sich nunmehr an die .Lahreszeiten" wagte. ^Dieses nach der noch berühmteren„Schöpfung" bedeutendste, und dabei volkstümlichste Orawrium deS großen österreichischen MusikflaffikerS kommt dem geistigen Inhalt des ArbeüersangS insoferne entgegen, als es sich hier um ein durchaus weltliches Stück handelt, um ein viersätziges Tongemälde, in dem Haydn, der„Vater der Symphonie", Wesen und Reiz, Luft und Leid der vier Jahreszeiten in Melodien und Harmonien auf Grund der Ueberfetzuna eines leider nicht gerade geistvollen, ja nicht einmal durchaus poetischen englischen Textes zu schildern versuchte. Wie so oft gerade in der Musikgeschichte hat das Genie auch hier aus dem Wenigen und Unzulänglichen GrotzartigeS gemacht. Haydn selbst hatte da genug Hemmungen zu überwinden, um etwa da ganz banales Glicht über den Fleitz musikalisch zu adeln oder Mer den stellenweise sehr unpoetischen, weinduseligen Bemerkungen über„Fatz" und„Krug" werwollen Stimmungsgehalt abzupres- sen. Und«S spttcht eben für die grandiose erfinderische und komposttorische Gabe HahdnS, datz ihm auch mit den„Jahreszeiten" die Erfüllung dcffen gelang, was er zeitlebens als seine künstlerische Sendung ansah:„Es gibt hienieden— so schrieb der Siebzigjährige, als er di«.LahreSzeiten" vollendet hatte, an seine Freunde—„so wenige der frohe» und zufridenen Menschen, Merall verfolgt sie Kummer und Sorge, vielleicht wird weine Arbeit bisweilen die Quelle, aus welcher der Sorgenvolle auf einige Augenblicke seine Erholung schöpft." Run ganz besonders in den„Jahreszeiten" atmet Haydns Musik Frohsinn, Güte,«ine Art freudiger Andacht, liebevoller Natur- und Menschen« Betrachtung; Haydn ist fromm, aber er frömmelt nicht, ganz frei ist dieses Oratorium von jeder kirchlichen oder biblischen Tendenz, der Anruf des Allmächtigen ist da nichts anderes als di« Zuwendung zu den Wundern und Geheimniffen, zu der Gröhe und Schönhett der Natur. Nicht so tief und erschütternd zwar, wie etwa Beethovens symphonischer Schäften, aber sinnig, frohgemut, von ehrlichster, reinster. Empfindung und von beglückendem Ausdruck durch die geradezu volksliedartige Firwung und Entwicklung der Themen. Immer wieder erfrischt etwa das Chorlied vom.Mädchen, das auf Ehre hielt",j die Schlichtheit und Ursprünglichkeit des Lenz- Empfangs, die herzliche Natürlichkeit der Arie d.s pflügenden Bauern, immer wieder packt das Maestoso deS Lobgesangs, immer wieder ergreift daS -exhaheue Largo deS Sonnenchors. Gewiß gibt eS auch genug der Konttaftwirkungen, etwa zwischen der„betrunkenen Fuge" und dem ausladenden Schluß-Terzett und-Chor. Kapellmeister Franz war sichtlich darauf bedacht, durch die Herausarbeitung solcher Gegensätzlichkeiten jene gewiffe Monotonie zu bannen, von der das Werk mtt seinem im allgemeinen ruhigen Flutz eben gerade heute doch nicht ganz fie: erscheint; und zu rühmen ist vor allem, wie Franz konsequent den Oratorium-Sttl wahrt«, immer bestrebt, dem Werk zu dienen, mit äußerster innerer und äußerer Zurückhaltung vor allem das Melo- rein und sanf erklingen und ausschwingen zu lassen: berücksichttgt man die immensen Schwierigkeiten, die der Aufführung einer solchen großen Kompositton durch Arbeitersänger, bei der Zuziehung eines ganzen Orchesterapparats und durch die notwendige Fu- holung von Solostimmen im Wege stehen, so ist dieser Reproduktion der.Lahreszeiten" unbedingt dankbarste Anerkennung zu zollen, auch wenn nicht jeder große Auftchtmmg so gelingt, wie ihn der Tondichter zeichnete und die Ausführenden ihn nachzuzeichnen sicherlich ehrlich bemüht waren. Lob gebührt vor allem auch den schönflingenden Sopranen, wie denn überhaupt die Hingebung an die Aufgabe bei alle» Chorstimmen und in ihrem Zusammenwirken deutlichst zum Ausdruck kam. Selbst den zu schwach besetzten Bäffen gelang es, sich respektabel durchzusetzen. Mit größter Achtung ist aber auch die Leistung der Aussiger Theatermusiker zu nennen. Man erneuerte da die Bekanntschaft mit einem präzise arbeitenden Klangkörper, deffen Stteicher sicher und warm musizieren, deffen Hörner beispielsweise schwierige AufgMen tadellos und in einer auch für ganz große Orchester mustergültigen Weise lösen; Mrigens besitzt dieses Orchester einen Oboisten: der wegen der vorbildlichen Lösung seiner reiche» Aufgabe i» diesem Werke vielleicht besonders erwähnt zu werden verdient. Wert und Wirkung der Aufführung wurden aber auch durch«in-Solo-Terzett erhöht, das durch di« Homogenität seiner Stimmen von Anfang an für sich einnahm. Vor allem ist Herr Adolf Michalka ein vorbildlicher geschmackvoller Sänger, der seinen leichten und leicht ansprechende« lhttschen Tenor außerordentlich schön zu führen versaht. Desgleichen lernte man in Fräulein'Kläre S tu rm-Schasel ein beachtliches neues, sude- tendeutscheS Gesangstalent kennen; die Geschloffen« heit, Innigkeit und Wärme des Vortrags, mtt dem die Künstlerin beispielsweise im großen C-Dur- Rezitativ den Hörer gefangennahm, ist bei einer so jungen Sängerin besonders anzuerkennen; freilich würde man dieser sympathischen Sttmme die Möglichkeit weiterer Schulung, vor allem zur Entwicklung der noch unbefriedigenden Höhe, wünschen»—» Tenor und Sopran waren mtt dem Baß Dr. Hermann Ehms ausgezeichnet unterbaut; die Stil-- sicherheit und Musikalität dieses bekannten Sängers fiat auch in den„Jahreszeiten" neuerdings ausgezeichnet zutage. Die Aufführung fand starken, ehrlichen und reichlichft verdienten Beifall und wird die Leiter, den Dirigenten und die aktiven Mttglieder der BolkSsinggemeinde zweifellos ermutigen, auf dem von so vielen Erfolgen begleitetem Wege weiterzuschreiten. L. G. ® 8 SstS-beding» na e n: Bei Zustellung inS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—■ ganzjährig Kd 192.—.—> Inserate werden taut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Telegraphendirektton mtt Erlaß Nr. 18.800/VH/1980 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Sette 6 -.Sozialdemokrat" Dienstag. 2. Lktover 1934. Nr. 230 DRAUSSEN REGENWETTER UNWETTER Ganzgummi-Ueberschuhe. leichte Ganzgummi-Ueberschuhe. FÜR JEDE GELEGENHEIT I Unsere leichten Turnschuhe sind elastisch. 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