IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und verwaummg pra&xm,k>choma^2. temkw-ohz. ao«hnisi«ation telpor sm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TABB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. HmfrBls7QlMler (einschlieBlich 5 Heller Roste) 14. Jahrgang Mittwoch, 3. Oktober 1934 Nr. 231 Kabinett ohneTitulescu ••• I j zu wird jedoch einstweilen ab^^ehnt. Im übrigen Southport. Auf der Jahrrskonferenz Latzvurparty wurde Ferrits«her Richtlinien für die Politik einer künftigen Lndour Regierung diskutiert und ein Kompromiß darüber erzielt, daß die künftige Labonr-Regierung das Oberhaus j e g l i ch er g c setz gebender Macht entäußern wird, was— wir Reuter hinzu- fügt— für die künftige Politik Großbritanniens von ungewöhnlicher Bedeutung wäre. Mit großer Mehrheit wurde ferner eine Resolution angenommen, derzufolgr die Mitglieder der Ersatz- und Hilfsorganisationen der kommunistischen Partei nicht Mitglieder der Arbeiterpartei werden können. Der Antrag des R r w A o r k. lTsch. P. B.) Der Gewerkschaftsführer Green hat am Montag auf der Tagung der Gewerkschaften in St. Franzisko die Einführung der Dreißig-Stnndenwoche verlangt. Bon der Versammlung wurde diese Forderung mit großem Beifall begrüßt. Weiter erklärte Green, die Regierung Roosevelt habe gewiß viel für die Bekämpfung der Erwerbslosigkeit getan, sie sei aber noch nicht weit genug gegangen. Die Zahl der Arbeitslosen betrage auch heute noch immer zehn Millionen. Die großen Ausstände der letzten Zeit seien nur auf feindselige Einstellung der Arbeitgeber zurückzuführen. Man habe versucht, den Arbeitern das Recht auf kollektive Verhandlungen mit den Arbeitgebern streitig zu machen, das ihnen durch die NJRA-Gesetzgebung ausdrücklich zugebilligt worden sei. Errkutivausschufsrs auf Revision des gegenwärtigen Berzeichniffes derartiger Organisationen wurde abgelehnt. Der Parteitag nahm einstimmig eine Entschließung H e n d e r f o n s an, in welcher die Befriedigung über den Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund ausgesprochen wird. In der Resolution wird der Glaube zum Ausdruck gebracht, daß dieses historische Ereignis den Völkerbund in ungewöhnlicher Weise stärken, die Bezie-, Hungen zwischen den Nachbarstaaten bessern und bewirken werde, daß das kollektive Friedenssystenr sich wirksamer gestalten werde. Es werde hiedurch auch das Einvernehmen der Welt über eine sukzessive Abrüstung beschleunigt werden Der von Roosevelt in seiner Rundfunkrede Sonntag gemachte Vorschlag eines W a f fen- l l st a n d e s z w i s ch e n Arbeit- bern und Arbeitnehmern hat r u n g G r e e n s vor, der als Präsident des Ge-1 Werkschaftsverbandes die öffentliche Erklärung des Arbeitgeberverbandes, als Ausflucht bezeichnete. Den Abeitgebern sei zu empfehlen, erst einmal öffentlich anzukündigen, daß sie ihrerseits nun endlich sich bereit finden wollten, die Entscheidungen der eingesetzten Behörden auch zu befolgen. hat die Rundfunkrede in den Gewerkschaftskreisen Beifall gefunden. Das gcht aus einer'Acußerung Greens hervor, der erklärte, es scheine, daß der Präsident dieselbe Sprache spreche wie die Arbeiterschaft. Inzwischen hat auch der amerikanische Fabrikantenverband sich mit dem angeregten Waffenstillstand befaßt. In einer öffentlichen Erklärung wird Präsident Roosevelt von ihm aufgefordert, den Waffenstillstqnd durch eine Proklamation von sich aus anzuordnen. Voraussetzung sei für die Fabrikanten, daß während des Waffenstillstandes die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen unverändert fortbestehen. Schließ- Wieder einmal steht die Welt vor einem I nahenden Winter, der für die Millionen Arbeitsloser mehr als die Reihe der vorhergegangenen, besonders wenn harte Kälte ihn begleiten sollte, ein böser Hungerwinter werden wird. Es verträgt sich schlecht mit der Bezeichnung dieser Welt als einer zivilisierten, daß sie all dem Jammer und Elend, das die Krise über die aus dem Arbeitsprozeß Ausgestoß^nen bringt, mit steigender Gleichmut gegenüber steht und die, da ihre Beseitigung ohne eine wenigstens vorübergehende' Schmälerung des Unternehmerprofits nicht zu erreichen ist, bis zum Eintritt des erwarteten Wunders als Normalzustand angesehen wird. Furchtbar grausam handelt die heutige kapitalistische Gesellschaft an diesen„Ueberzähligen". Sie müßte wenigstens das eine tun, das Maß und die Schärfe der Wirtschaftskrise, soweit sie nicht im Wesen der kapitalistischen Ordnung begründet sind, mit allen Mitteln einzudämmen suchen. Bisher hat die unglückselige Wirtschasts- Politik der Staaten nur zu ihrer Steigerung beigetragen und das Tempo, in dem die aus den Fugen geratene Weltwirtschaft wieder eingerenkt werden soll, ist ein mehr als langsames. Der Ursachen, die den fortdauernden Zu. stand der Wirtschaftskrise verursachen sinh mehrfache und nicht eine einzelne Medizin könnte dem kranken Wirtschastskörper Heilung bringen. Aber jede könnte einigermaßen Linderung herbeiführen. Schon die Entlastung des Arbeitsmarktes von ejnem Viertel oder einem Fünftel der Beschäftigungslosen würde eine Erleichterung für die Gesamtheit und die Staatsfinanzen, einen Hoffnungsstrahl für die übrigen Erwerbslosen bedeuten und dieser Erfolg wäre im Wege der Einführung der 40-Stundenwoche zu erreichen. Aber wie die Versuche, auf einer Weltwirtschafts, konferenz über die Maßnahmen zur Beseitigung der Krise gescheitert sind, so sind bisher auch alle Bestrebungen, international die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit zu lösen, vergeblich gewesen. Im wesentlichen war es der Widerstand der Unternehmer, in manchen Fällen auch der von Regierungen, der diese wichtige und not- wendige Reform verhindert hat. Und doch ist die 40-Stundenwoche unerläßlich geworden, sie muß kommen, allerdings sollte in Rechnung gestellt werden, daß sie sich umso weniger wirksam erweisen wird, je später sie kommt. Die Einführung der 40-Stundenwoche wäre keine große revolutionäre Tat, sie wäre nur eine Anpassung an den seit dem Bestand des Achtstundentages erfolgten bedeutenden technischen Fortschritt im Arbeitsprozeß und an die Rationalisierung. Eine Gesellschaftsordnung, wenn sie nicht ihren Sinn verlieren will, hat da- für zu sorgen, nicht nur daß die für den Bedarf notwendigen Waren erzeugt werden, sondern auch die Menschen Arbeit und Nahrung finden. Hat die Vervollkommnung der Maschinen Millionen aus den Arbeitsstätten herausgestoßen, so darf eine Ordnung, die noch auf den Titel einer menschlichen Anspruch erhebt, dies nicht mit Fatalismus hinnehmen und muß alles tun, um den Segen der Entwicklung nicht bloß einer klei- nen Schichte zukommen zu lassen.- Den verbesserten Produktionsverhältnissen entspricht die achtstündige, tägliche Arbeitszeit längst nicht mehr. Nicht allein wegen der anschei- Kommunalwahlen in Sowjetrußland 90 Millionen Wahlberechtigte? Moskau.(Taß.) In der ganzen Sowjetunion haben die Vorbereitungen für di« Kampagne der Wahlen der Stadt- und Dorfsowjet- dcputicrten, die durch eine besondere Verfügung des Zentralexekutivkomitees der USER für den Zeitraum vom 4. November bis 10. Dezember anberaumt sind, begönnest. Im Laufe des Monats Dezember und anfangs Jänner werden Wahlen in die Gau-, Gebiets- und Rcpublikrätekongreffe stattfindeN, in denen die Delegierten des VII. Unionrätekongresses, der für den 15. Jänner anberaumt ist, gewählt werden. An den Wahlen wird die gesamte erwachsene, werktätige Bevölkerung der Sowjetunion nach vollendetem 18. Lebensjahr teilnchmen. Die Wählerzahl wird auf 90 Millionen Personen geschätzt. Bukarest.(OR.) König Karol genehmigte die Ministerliste, die ihm der designiert« Vorsitzende der Regierung Tataresru vorlegte. Das neue Kabinett hat folgende Zusammensetzung: Ministerpräsident und gleichzeitig Minister für die Rüstungen sowie Leiter des Ministeriums für Auswärtig« Angelegenheiten Tataresru, Minister des Innern I n c u l e tz Minister für Justiz Viktor Antonesc«, Minister für Finanzen Viktor Slavese«, Minister für Nationalverteidigung Gen. Pavel Angelescu, Minister für Landwirtschaft S a s s u, Minister für Verkehrswesen Franasovici, Minister für Kultur Lapedatu, Minister für Unterricht Dr. Anghelesru, Minister für Gesundheitswesen E o st i n e s c u, Minister für Arbeit N i st o r. Dtaatsminister sind: Jamandi und Baler Popp. Unterstaatssekretäre find: Inner«-: Engen Titeanu und Juca, Landwirtschaft: Canrieov und Negura, Arbeit: Baler Roman, Flugwesen: Jrimeseu, Finanzen: Constantinrsru und Handel: Pro- fefior Leon. Zum Minister für Handel und Industrie wird Manolescu-Strunga ernannt«erden, der jetzt im Ausland weilt. Bis zu seinem Eintreffen wird Finanzminister Slavese« das Ministerin« für Handel und Industrie leiten. Di« nenernamltrn Minister find noch heute abends nach Swaja gereist, wo sie vor dem König den Eid auf die Verfassung ablegen werden. Das zweite Kabinett Tataresru hat bis auf zwei Ausnahmen die gleich« Zusammensetzung wie das erst« Kabinett. Spanische Regierung im Werden Madrrd.(Havas.) Lerroux hat die Aufgabe der Bildung der neuen Regierung übernommen, die sich auf die Koalition der Radikalen und der katholischen Partei stützen wird. Lerroux ist der Führer der radikalen Partei. Vor neuen Wirren? _^e. Bon den Zweigen der Bäume an dieser Vertiefung hängt in Fäden und Strähnen grober Zwirn, der aus dem Hemd der Leiche auSgezupft zu sein scheint. Die gleichen Leinlvandfäden liegen auf dem Erdboden. Eine bedeutende Blutlache unter einer kleinen Fichte, daneben ein blutiger Strick. Er ist in der Mitte zerrissen oder zerbissen, und'Frauenhaare sind an ihm sichtbar. In der Nähe liegen noch zwei Kopftücher und Bändchen von der Unterkleidung der Toten. Die Leute sind weggejagt worden, bald kommen sie aber wieder und drängen sich um den Schauplatz. Während die Polizei ihn weiter durchforscht, untersuchen die Aerzte den Leichnam. Born am Hals klafft eine große Wunde, sie zieht sich von der Mitte unten schräg zum linken Ohr hinauf. Ein scharfes Messer hat die Weichteile des Halses bis zum Rückgrat durchschnitten. Auf der rechten Seite läßt der Hals die Spur des drosselnden Stricks deutlich erkennen. Die Umstehenden sind nicht eben empfindsame Naturen. Dennoch müssen einige den Blick abwenden, so grausig sieht die Wunde aus. Zwei Männer, die als Gerichtszeugen in nächster Nähe stehen, der Zimmermaler Kasik und der Schlosser Bresina, halten den Anblick nicht aus; es wird ihnen übel. Das Publikum tauscht unterdessen flüsternd Beobachtungen und Vermutungen aus. Al^ man das Stück Leinwand findet, geht ein Raunen von Mund zu Mund; jeder ist sich klar darüber, daß das ein Teil der Maurerschürze ist, und ist nicht Johann Hruza Maurer von Beruf? Man verständigt sich durch Seitenblicke auf die stumm und böse dabeistehende Mutter und den gleichgültig dreinschauenden Bruder. Die Entdeckung der Halswunde weist aber in eine andere Richtung. Klenovec ist der erste, der es ausspricht, was vielen auf der Zunge liegt: „Die ist ja unterschnitten wie ein Stück Viehl" Und hinter ihm bestätigen eS die anderen und übertragen es in ihre Sprache: „Koscheriert ist siel" Währenddessen sucht man im Wald weiter und findet unter dem Moos einen Stock von abgeschältem Tannenholz. Er ist gesprungen und weist mehrere Blutflecke auf. Nicht weit davon, ebenfalls im Moos versteckt, wird«in« Schürze mit abgerissenen Bändern ans Licht gebracht. In anderer Richtung Suchende stoßen auf den Rock und die zwei Unterröcke, die, es ist deutlich zu erkennen, mit Gewalt vom Körper entfernt worden sind. Die Mutter Hruza ist überall zur Stelle, wo etwas gefunden wird, und mürrisch gibt sie über die Kleidungsstücke Auskunft. Ein Paar Handschuhe aus schwarzer Wolle vermißt sie noch, und ein weißes Taschentuch und einen Rosenkranz auS weißem Glas mit kleinem silbernen Kruzifix. DaS Geldtäschchen ist da. Gegen Mittag ist der gerichtliche Lokalaugenschein beendet. Man legt die Leiche vorsichtig in den Holzsarg und schafft sie in die Totenkammer auf den Friedhof von Sankt Barbara in' Polna. Der Richter ordnet an, daß die Obduktion um drei Uhr nachmittag vorgenommen werde; die Tatbestandsaufnahme wird abgeschlossen und unterschrieben. Die schrecklich« Neuigkeit geht von Haus zu Haus. Die Maurerschürze und die anderen corpora delicti werden aufgeregt besprochen. Aber mehr als für alles andere interessiert man sich für die mächtige Halswunde. Beinahe der ganze Kops ist ihr abgeschnitten würden! Und einer bemerkt mit Nachdruck:„Eigentlich mühte doch viel mehr Blut aus dieser Wunde geflossen sein, als man bei der Leiche sand..." Noch sagt eS nur einer zum anderen: Unterschnitten wie ein Stück Viehl und: Koscheriert ist sie worden I Bald sagen es alle und laut. Das Wort Ritualmord fällt und wird verständnisvoll wiederholt. Drohungen fliegen zur Judenstadt hinüber, dem dreieckigen Platz, an dem die meisten der hiesigen jüdischen Familien wohnen. Nur dort wird man den Täter suchen müssen. Die Juden bleiben vorsichtig in ihren Häusern. Der Festtagsgottesdienst'ist an diesem Passahtag so schlecht besucht, daß er nicht abgehalten werden kann. Das Sektionsprotokoll, das die Gerichtsärzte in der Totenkamrster abfassen, stellt eine tiefe SrrangulierungSfurche fest, die sich von einem Ende der Halswunde bis zur Wirbelsäule zieht. Acht Kopfwunden, linear in verschiedenen Richtungen verlaufend, sind einander so ähnlich, als seien sie mit demselben Werkzeug verursacht worden. Die Arme, stellenweise geschwollen, zeigen blutunterlaufene Flecken, an den Händen kleine Hautabschürfungen und getrocknetes Blut. DaS Hymen ist unverletzt. Zur Erstattung eines Gutachtens lassen sich die Aerzte fünf Tage bewilligen. Die Erregung in der Stadt nimmt von Stunde zu Stunde zu. In den Familien, an den Wirtshausttschen, an den Straßenecken und auf dem Ringplatz wird geklatscht und gemutmaßt. Kein Zlveifel mehr: ein Ritualmord! Die Juden, die eben ihr Osterfest feiern, haben das Blut einer christlichen Jungfrau abgezapft. Wenn sie es auch leugne», das ist doch erwiesen, daß sie ihre Oster- brote, die Mazzes, mit Ehristenblut backen. Und hat man nicht schon oft gehört, daß junge Mädchen im Frühjahr plötzlich verschwinden und niemals wiederkommen? Es gibt da, das sagen ja auch die Pfarrer, ganz geheime Vorschriften in den alten jüdischen Büchern... Fremde Juden hat man an diesen Tagen im Ort nicht gesehen; also müssen er ansässig« gewesen sein. Aber wer? Vom Rabbiner angefangen wird jeder, der zur jüdischen Gemeinde gehört, durchgenommen.- Sie leben in der Stadt so lange wie die andern. Jeden kennt man, schon seine Eltern und Großeltern kannte man ja, aber richtig nahegekommen ist man ihnen doch nie. Sie bleiben Fremde. Da sind ein paar Familien, an die sich kein Klatsch und kein Haß je heranwagte: zurückhaltende Menschen, unantastbar in ihren Geschäften und in ihrem Privatleben; niemand hat ihnen jemals di« Achtung verweigert, wenn man auch findet, daß sie es nicht nötig hätten, gar so stolz und gebildet zu tun. Sie betonen, daß sie etwas Besonderes sind. Ihre Kleider sind besser als bei andern Polnaern, ihre Wohnungen sind schön eingerichtet und von sprichwörtlicher Sauberkeit. An den Wänden hängen gemalte Bilder in goldenen Rahmen, die Vitrine bewahrt kostbaren Krimskrams aus Porzellan und Glas und Erbstücke religiösen Brauchtums. Sogar ein Schrank mir Büchern ist da; die deutschen Klassiker, zumindest Lessing, Schiller und Heine, sind ihr Stolz. Die tschechischen Dienstboten sind in der Regel ihr Lebenlang im Hause und genau vertraut mit den jüdischen Sitten und Speisegesetzen. Jdre Kinder schicken sie nicht in die öffentliche, sondern in die jüdische Schule, in welcher in deutscher Sprache unterrichtet wird; später kommen st: an das Gymnasium JglauS oder einer andern deutschen Stadt. (Fortsetzung folgt.) Nr. 231 Mittwoch, 3. Oktober 1834 Seite 8 Kampfversammlung In Mühr.-Trübau Verkürzung der Arbeitszeit Niklas sollte entführt werden Eine mlAslUckte Parallelaktion zum Ballhausputsch Bei den Aufräumungsarbeiten in der Grazer genfurt-wei verdächtige Automobilisten angebalten wurden, und zwar handelte es stch um die beiden Brüder Jng. Rudolf und Walter Ott, beide aus Wien. Die beiden Berhafteten haben sich beim Polizeiverhir in Widersprüche verwickelt, und es stellte stch dann schließlich heraus, daß sie eine dritte Person, einen angeblichen Kurt März— es handelte sich in Wirklichkeit um den Sturmführrr Grillmaher— nach Kärnten begleitet haben«nd daß der angebliche März die Aufgabe hatte, mit den beiden Begleitern und anderen Klagenfurter Nationalsozialisten den Bundespräsidenten Miklas in ihre Macht zu bekommen. den. Ferner sei ein Staatszuschuß für eine Mehr« beschäftigung von Arbeitern vorgesehen und endlich sei es wahrscheinlich, daß die Regierung sich für eine vorübergehende Beschränkung der Arbeitszeit einsetzen werde. Die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse ermögliche es, daß für einige wesentliche Wirtschaftszweig« der Krisenschutz eingestellt werde. Für die landwirtschaftliche Erzeugung aber seien Hilfsmaßnahmen noch immer erforderlich, wenn sie aber auch nicht mehr in dem gleichen Umfange durchgeführt zu werden brauchten, wie bisher. Man beabsichtigte, eine Regelung der Verschuldung sowie Konvertierung und eine Herabsetzung des Zinsfußes. Auf dem Gebiete des Außenhandels würde das Bestreben zur Erzielung von Uebereinkommen mit anderen Re- regierungen fortgesetzt. Man verfolge dabei das Ziel, die Ausfuhr zu sichern«nd zu vermehren. Kopenhagen.(Tsch. P.-B.) In Anwesenheit zahlreicher Vertreter des diplomatischen Korps und hoher Staatsbeamter wurde am Dienstag der Reichstag feierlich eröffnet. Ministerpräsident Staunings hielt die Eröffnungsrede, in der er u. a. ausführte, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse de- Landes Dänemark feit Ende des vergangenen Jahres gebessert hätten. Diese Besserung sei weniger auf die Entwicklung der Weltwirtschaft zurückzuführen, vielmehr sei sie in einer Anpassung an die bestehenden Ein- «nd AuSfuhrvrrhältniffe zu suchen. Bor allem erkenne man die Besserung auf wirtschaftlichem Gebiet in der erheblichen Verminderung der Arbeitslosenziffer. Immerhin müßten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit neu« Maßnahmen ergriffen werden. Bedeutende Summen sollen für öffentliche Arbeiten zur Verfügung gestellt wer- telte ob seiner Geiltänzerkünste den Kopf. Die Versammlung ging, trotz ihres zeitweise bewegten Verlaufes, ohne Zwischenfall zu Ende. Die hinter dem Bühnenvorhange versteckte persönliche Schutzgarde SandnerS brauchte nicht in Aktion zu treten. Auch die in Uniformen erschienenen jungen Landstand-Fascisten hatten keine Gelegenheit, ihre Arbeiterfreundlichkeit durch Taten zu beweisen. Die Presse der Heimatfront braucht diesmal nicht zu jammern, daß ihrem Redner durch„marxistischen Terror" daS Schlußwort abgeschnitten wurde. Die Mäbr.» Trübauer Arbeiteisschaft hat durch ihr mutiges und diszipliniertes Auftreten gezeigt, daß ihre geistigen Waffe« mit dem Ungeist des sudetendeutschen Fascismus fertig zu werde» verstehen. Rach den Aussage« dieser beiden Vrüder wurden zahlreiche Nationalsozialisten in Haft genommen. Grillmaher ist bis heute nicht gefaßt worden. Dunkles Oesterreich Laichen ermordeter Gefangener Wie«. Wie die„R« i. ch s p o st" berichtet, wurden am 24. Juli dS. I. in der Stadt Klagenfurt mehrere Personen verhaftet, denen im Rahmen der Putschaktion vom 25 Juli überaus wichtige Rollen zugedacht worden waren. Es handelte sich Damals darum, daß sich der berüchtigte Sturmführer der SD. Gr i l l m a h e r, der den TränengaSanschlag gegen das bekannte Wiener Warenhaus Gerngrotz und den Anschlag gegen den Juwelier Futterweit angestiftet hatte, zu gleicher Zeit, als sich der Mord an Dollfuß am Ballhausplatz vollzog, der Person deS Bundespräsidenten Miklas, der damals mit seiner Familie in Velden am Wörthersee weilte, zu bemächtigen suchte. Grillmaher ist nachher geflüchtet, während seine Mitschuldigen verhaftet werden konnte». Der Plan wurde dadurch vereitelt, daß am 24. Juli vor dem Hotel„Stadt Triest" in Kla- nach betrug also im Jahre 1933 die Produktion rund drei Fünftel jener des letzten Konjunkturjahres 1929. Sehr interessant ist auch ein Vergleich deS Produktionsindex für die einzelnen Monate des Jahres 1933 und 1934. Darnach betrug dieser Index im Jänner 1933 89.1, im Jänner 1934 gleichfalls 59.1. In allen übrigen Monaten ist jedoch der Produktionsindcx von 1934 höher als der von 1933. Die Ziffern lauten für Feber 57.4 und 61.2, für März 56.1 und 66.4, für April 57.8 und 70.0, für Mai 60.4 und 70.9, für Juni 60.0 und 68.6 und für Juli 58.8 und 67.2. Aus den Ziffern ist demnach ersichtlich, daß 1933 das schlechteste Jahr für die Wirtschaft der Tschechoslowakei gewesen ist und daß der Umfang der Produktion im Jahr«193 4. seit Feber etwas größer ist alS-im schlechte st en Jahre 193 3. Strafpredigt kür die russischen Eisenbahner Moskau.(Tsch. P. B.) Aus einer außerordentlichen Konferenz der Direktoren der sowjetrussischen Eisenbahnen betonte der Chef der politischen Abteilung des Verkehrswesens Andrejew u. a., daß ein« Verschärfung der DisziplinbeiderArbeiterschaft unbedingt notwendig sei. Zahlreiche Unglücksfälle im Laufe der vergangenen neun Monate seien bloß auf die Fahrlässigkeit der Beamten zurückzuführen, wodurch der Staat große Verluste erlitten hab«. Verschiedene Essenbahnen seien auch gar nicht in der Lage, ihren Verpflichtungen gegenüber dem Staate nachzukommen, so daß Lebensmittel, Getreide und andere notwendigen Waren verfaulen müßten. Auch die Reparaturen bei den Eisenbahnen müßten orundleaende Abänderungen erfahren. Aus einer landbQndlerlschen Gemeindeverwaltung In der Gemeinde Neudörfel bei Schreckenstein wurde der landbündlerische Gemeindevorsteher Josef Wagner von der Aussigcr Bezirksbehörde seines Amtes enthoben, nachdem die amtliche Ueber- prüfung der Gemeindekassa, di« sich in den Händen des Gemeindevorstehers befand,«inen Fehlbetrag von über 50,000 Kä ergeben hatte. Ein derartiger Fehlbetrag in einer Gemeinde mit nicht einmal 800 Einwohnern ist ungeheuerlich. Den sechs Landbünd- lern und einem bürgerlichen Außenseiter stehen in der Gemeinde fünf Sozialdemokraten gegenüber, denen die Mitarbeit in den letzten beiden Wahlperioden keineswegs leicht gemacht wurde. Nichts wurde feiten- der sozialdemokratischen Vertreter in den letzten Jahren unversucht gelassen, eine einwandfreie Ueberprüfung der Kassagebarung, aber auch die gesetzlich vorgeschriebene Rechnungslegung der letzten drei Jahre zu erzwingen, nachdem schon lange der Verdacht bestand, daß die Gemeindekasia nicht in Ordnung ist. Da aber die landbündlerische ! Mehrheit die Paschawirrschaft Wagner- stet- deckte ! und Wagner selbst die Funktionäre der Bezirksbehörde zu täuschen verstand, scheiterten alle derartigen Versuche. Die Schuld an der ungeheuerliche» Schädigung der Gemeind« trifft daher nicht allein den Vorsteher sondern die landbündlerische Mehrheit, unter deren Zustimmung es sich dieser erlauben konnte, drei Jahre keine Rechnung zu legen, unbequeme Kritiken in der Gemeindevertretung unwirksam zu machen, indem er selbstherrlich die Sitzungen als vertraulich erklärte und vor allem den Gemeinderat nicht Mitarbeiten zu lassen, weil er dort keine Mehrheit hatte. Heute liegt es klar auf der Hand, weshalb Wagner sich gegen di« Sozialdemokrat«» und vor allem gegen alle Kontrollmaßnahmen mit allen ihm zu Gebot« stehende» Mitteln zur Wehr setzte. Bemerkenswert dabei ist der Umstand, daß der landbündlerische Parteisekretär Iirschik von Aussig vor einigen Jahren in derselben Gemeind« wohnte und dort auch Funktionen in der Gemeinde bekleidete. Auch dieser Herr fand e- seinerzeit in Ordnung, daß Wagner seine Lotterwirsschaft im ständigen Kampf« gegen die Sozialdemokraten weiterführen konnte. Di« Gemeinde wird wohl kaum zu ihrem Gelde kommen, da der landwirtschaftliche Besitz deS Herrn Wagner sehr stark verschuldet ist und bei einem eventuellen Verkaufe für die Gemeinde nicht mehr viel übrig bleiben dürfte. Der sozialdemokratische Vorsteher-Stellvertreter, der gegenwärtig die Gemeindegeschäste weiterführt, wird erst jetzt Gelegenheit haben, etwa- mehr in die bisherige Geschäftsgebarung Einblick zu bekommen, nachdem ihm dies bisher von Wagner unter dem Schutze der landbündlerische» Mehrheit verweigert wurde. Tie totgesagte Sozialdemokrasse liefert dem sudetendeutschen FascismuS eine Kraftprobe nach der anderen. Sonntag wollten sich die Henlein- Leute in T a ch a u patzig machen. Unsere kampflustigen Arbeiter waren zur Stelle. Die Henlein- Leute aber wählten den besseren Teil der Tapferkeit und sagten die Versammlung im letzten Augenblicke ab. Dagegen konnten sie am Montag in Mähr.-Trübau einer Auseinandersetzung nicht auSweichen. Tie dortige Bezirksbehörde hat ein Auftreten des Herrn S a n d n e r nur unter der Bedingung bewilligt, daß die Versammlung öffentlich und mit voller Redefreiheit durchgeführt werde. Die Trübauer sozialdemokratische Arbeiterschaft machte von ihren Bürgerrechten Gebrauch und war in stattlicher Zahl vertreten. Zahlenmäßig mögen sich in der von etwa 400 Personen besuchten Versammlung Sozialdemokraten und Henleinianer die Waage gehalten haben. Den Rest bildeten Christlichsoziale und Gewerbeparteiler, die sich aber völlig passiv verhielten. Herr Sandner gab wieder seinen bekannten SchmuS zum Besten.„15 Jahre" verfehlter Patteiherrschaft haben angeblich di«„Sudetendeutschen" zugrunde gerichtet, dann kam Rettung und Erleuchtung durch Konrad Henlein. Hauptsächlich die bösen Sozialdemokraten wollen aber sein Erlöserwett vereiteln, deshalb predigt Sandner nach bttannten Vorbildern den Kampf wider den Marxismus. Im übrigen sind die Heimassrontler makellose Demokraten und wer's nicht glauben will, ist nach Sandner ein „Dummkopf",„Schafskopf", oder gar ein„Denunziant". Mit Hohngelächter quittierten die anwesenden Arbeiter und Arbeiterinnen des Redners Behauptung, daß es keinen Sinn habe. Stan- deSinteressen zu vertreten und daß im übttgen Konrad Henlein schon für soziale Gerechtigkeit sorgen werde. Große Genugtuung rief dagegen unter den Arbeitern die Selbstdemaskierung deS Herrn Sandner hervor, als er seiner Sehnsucht nach einer a n t i m a r x i st i s ch e n Regierung in der Tschechoflowakei Ausdruck gab, die dann dar Patteiengesetz gegen die deusschen Sozialdemokraten anwenden würde. Unser Gegenredner, Genosse Jaks ch, setzte dem konfusen Gerede Sandners ein geschlossenes Bild sozialistischer Zeit- und Weltbetrachtung entgegen und zeigte die tieferen Ursachen der sude- tendeutschen Tragödie auf: die Katastrophen der deusschbürgerlichen Politik und die Niedergangserscheinungen des Kapitalismus. Dann rechnete er mit der Verlogenheit der Sandner'schen Argumentation ab. Sandner hatte behauptet, von Henlein und seinen Mitarbeitern sei vorher niemand „politisch exponiett" gewesen. Er mußte sich dafür jene Nummer der„Tribüne" vor die Nase halten lassen, wo er sich als marxistischer Artikelschreiber exponiett hatte. Der Herr„Propagandaleiter" erzählte der Versammlung, in Graupen hätte eine Gegenkundgebung beider marxistischer Parteien nur 50 Mann auf die Beine gebracht. Er wußte nicht einmal, daß wir wegen Nichtbeteiligung an dieser Gegenkundgebung von der kommunistischen Presse wochenlang angegttffen wurden. Sandner sprach von 8 Jahren sozialdemokra- ssscher Regierung-Politik, von der Amsterdamer(l) II. Jnternassonale, ja, er verstieg sich sogar zu der Behauptung, im Zusammenhänge mit der Restrinksson der Krankenkassenleistungen sei auch ein Abbau der Altersrenten erfolgt. Neben anderen Berichssgungen mußt« er sich von unserem Redner belehren lasse«, daß die Bezüge von 150.000 Sozialrentnern auf- gebessett wurde« und so stand der Herr Pro- pagandaleiter vor der Wahl, vor seinen eigenen Anhänger» als pathologischer Lügner oder als unwissender Hohlkopf zu erscheinen. Genosse Jaksch stellt« auch den Unterschied zwischen den von Sandner vielgelästerten„Be- rufSpolitikern" und„marxistischen Bonzen" und dem Bonzentum der Heimatfront heraus. Hier' t stehen Menschen, die vor Antritt einer politischen, Laufbahn ihrer Gesinnung Jahr« und Jahrzehnte, > gene Leichname hervorgezogen. Die verweste« Leichname dürsten sechs Bauern auS dem stei- | rischen Grenzgebiet sein, die nach dem Naziputsch , scharenweise grsangengenommen«nd nach Graz ! in das Konzentrationslager gebracht wurde», i Als der Tat dttngend verdächtig erscheint die Heimwehrmannschaft, dir mit der Bewachung der ; Jndnstriehalle betraut war. Püchler freigelassen? Den Blättern zufolge wurde der ehemalige Abgeordnete und Bürgermeister von Wiener-Neu« ! stadt, Püchler, auS der Untersuchungshaft, in Produktionsindex der Tschechoslowakei Der„Obzor närodhospodabskh" berechnet ständig einen Produktionsindex der Tschechoslo- Argument Vorbringen. Seine gewohnten DrehS^°"^^'^?.^°°u^wn«nnoex oer wurden— je nachdem— von den Arbeitern mittler. wöbe. d-S Jahr 1929 mit 100 angenom- HeiterkeitSauSbrüchen oder Entrüstungsstürmenj HA 8?7"l93^S3^1W3?0? Dar- quittiett. Gar mancher bürgerlich« Zuhörer schüt-^ 1931 80 7, 193„ 63.6 1933 60 2 D Herzog aller Deutschen“ Für einen deutschen Herzog ziemt es sich aber, eine ebenbürtige Gemahlin zu besitzen. Auch aus anderen Gründen hält man es in der nächsten Umgebung deS„Führers" für notwendig, daß Hitler an eine Eheschließung denkt, da sein Jung- gesellentnm langsam zu bedenklichen Redereien Anlaß bietet. So ist die Wahl auf ein« Coburgerin gefallen. Selbstverständlich schwebt Hitler daS napoleonische Beispiel vor Augen. Er, der von einer tausendjährigen Herrschaft spricht, denkt beute an die Schaffung einer Dynastie Hitler«nd glaubt, daß es notwendig ist, das Blut eines! Jndnstriehalle, die bis zuletzt als Konzentrations- Mannes aus dem Volke, der er immer sei»«nd j lager für die Nazi diente, wurde von den Arbei- bleiben will, mit dem einer Pttnzessin mit fahr-- tern ein schauerlicher Funp entdeckt. In den Kel- hundertealtem Stammbaum zu vereinen. I lereien herrschte ein furchtbarer Gestank. AlS man Es ist anzunehmen, daß di« Oesfentlichkeit nachging, um die Ursache festzustellen, wurde» von diesem„freudigen" Ereignis im Dtttten von den Arbeitern, unter allerhand Unrat ver- Reich schneller untrrrichtet werden wird, als es borgen, sechs bereits in Verwesung übergegan- im Augenblick noch irgend jemand ahnt. i ... Vie Im Weltkrieg... Berlin.(Tsch. P-B.) Für Zwecke des Reichsministettums für Ernährung und des Wirt-! schaftSministeriumS veranstaltet das Statistische> Reichsamt zum Ultimo September eine Erhebung zur Ermittlung der Vorräte von Kaffee, Tee, Kakao, Reis, Gewür zen und Hülsenfrüchten bei Großhan del, Genossenschaften, Warenhäusern und Groß filialbetrieben. Die Ei Hebung soll Aufschluß brin-!. gen über den Umfang der Lagerhaltung der! der er sich seit den Feberereignissen bekund, ms Vorräte. Zjuquijttenjpital überführt. Dem„Pattser Tageblatt" wird gemeldet: In Berliner Kreisen, die enge Fühlung zur Umgebung deS„ReichssührerS" Adolf Hitler haben, verlautet, daß sich Hitler mit dem Plane trägt, in absehbarer Zeit zu heiraten,«nd zwar beabsichtigt er, eine Prinzessin z« ehelichen. Die Wahl dürfte auf«ine Angehörige des Coburger HerzogShauseS sollen, daS, wie man weiß, als erste- deutsches Fürstengeschlecht zu den Getreuen der nationalsozialistischen Bewegung gehött hat. Man ettnnett stch noch, daß Hitler schon vor der Machtergreisung einer großen Fürstenhochzeit in Coburg als Ehrengast beiwohnen durfte, obgleich eS infolge seiner Anwesenheit das englische Königshaus vorzog, keinen Vertreter nach Coburg zu senden. Der Plan, der mit dieser Eheschließung verfolgt werden soll, dürfte folgender sein: Hitler hat nach wie vor den Ehrgeiz, seine Stellung als „Reichsführer" auszutaurn»nd weiter zu ent. wickeln. Das Ziel, daS ihm vor Augen schwebt, ist die Würde eines Kaisers, oder, wie«S heute Alfred Rosenberg aus ideologischen Gründen empsirhlt, einrS Herzogs aller Deutschen". Diese Idee» die unter anderen Umständen nur lächerlich mitten würde, liegt der nationalsozialistischen Gedankenwelt sehr nahe. Schon heute läßt sich sagen, daß rin von Hitler auSgrrufenrS Volkskaisertum bei der Anhängerschaft durchaus Gefallen finden würde. Man erblickt darin und nur darin den würdigen Abschluß für den nationalsozialistischen Staatsbau, dessen Gestaltung bisher nur provisorisch durchgeführt Word« ist. j Eröffnung des schwedischen Parlaments Eine moralische Stäupung des Herrn Sandner selbstlos gedient haben, dort geht es um Leute, die ihre Lieb« für das Sudetendeutschtum erst dann entdeckten, als mit der Schaffung der Heimatfront Posten zu vergeben waren. Der Berufspolitiker Sandner schwieg dazu. Restlos entlarvt wurde in dieser Versammlung die Heimatfront als HilfStruppe des BürgertumS. Sandner hatte nur gegen die sozialdemokrattsch« Regierungspolitik gewettert, kein Wott aber gegen die Poliik des Herrn Spina gefunden. Er mußte sich von unserem Redner auf den Kopf zusagen lasten, daß die Heimatfront durch ihren Pakt mit dem Landstand auch die Mitverantwortung für die deutschagrarische Regierungspolitik übernommen hat. Hitler-„ Er will eine Prinzessin heiraten Die politische und moralische Abrechnung, die Genosse Jaksch in eineinhalbstündiger Rede vor-! nahm, war lückenlos. Herr Sandner konnte in! seinem Schlußwort weder eine Rechtfertigung seiner Verlogenheit, noch soyst ein ernstes politische?[ Sehe 4 Mittwoch, 3. Oktober 1934 Nr. 231 Die Soldaten im Maniver Beschwerden, die der UeberprQfung wert sind Wir haben in unserem Bericht über die Herbstmanövcr bereits angeführt, daß die Organisation der Berichterstattung durch das RNO insofern zu wünschen übrig ließ, als die Berichterstatter zu wenig Fühlung mit der Truppe hatten, fast ausschließlich auf offizielle Mitteilungen angewiesen waren und nicht kontrollieren konnten, ob das, was man ihnen sagte, immer stimme. Damit soll gar nicht behauptet werden, daß man die Berichterstatter absichtlich falsch informiert habe. Weit wahrscheinlicher ist cs. daß wie so oft beim Militär untergeordnete Organe das nicht ausführen, was sie ausführen sollen, und insbesondere in Punkto Verpflegung sich schwere Uebergriffe leisten. Uns sind zwei Zuschriften zugcgangen, beide von Reservisten des 28. Infanterieregimentes, die aber beide in verschiedenen Rotten standen. Da ihre Beschwerden zum Teil dieselben Uebelstände betreffen, erscheint uns durch ihre Gleichartigkeit schon ein Beweis für ihre Berechtigung erbracht. Die Soldaten beschweren sich, daß sie während des Gewaltmarsches der Prager Division von Freitag, den 21. September nachmittags 2 Uhr Zwei Helden in Ketten Koloman und Paula Walllsch nach ihrer Verhaftung bis Samstag abends 8 Uhr keine andere Verpflegung erhielten, als zweimal schwarzen Kaffee. In dem einen Fall wird berichtet, daß nach Beendigung eines Marsches über rund 7 0 Kilometer den Soldaten von den Rottmeistern befohlen wurde, binnen dreiStundenrasiert, mit geputztem Gewehr,wieder ge st eilt zu sein. Ab- gesehcn von den Anforderungen, die hier an die Leistungsfähigkeit des Soldaten gestellt werden, erscheint es auch mehr als fraglich, ob das Rasiertsein zur unbedingten Kriegstüchtigkcit gehört. Bei den Gewaltmärschen selbst empfanden es die Soldaten als unbillig, daß ihre Leistungsfähigkeit von Unteroffizieren beurteilt wurde, die kein Gepäck trugen, und von Offizieren, die zu Roß den Marsch begleiteten. Den Preßberichterstattern hatte man mitgc- teilt, baß die Soldaten im Manöver eine Zu- büße von 10 Dekagramm Wurst oderSpeck täglich erhalten. Die Soldaten vom Inf.-Reg. 28 beschweren sich, daß fie diese Zubuße nur dreimal und zwar erst aus dem weniger anstrengenden Heimmarsch erhalten haben. Was war an den vorhergehenden Manövertagen mit der Zubuße geschehen? Desgleichen erheben die Schreiber Klage darüber, daß man den Soldaten nicht wie versprochen alle Konserven überließ, die sie während des Manövers mitgetragen hatten. Eine Abteilung, die 160 Konserven mitgcführt hatte, erhielt Sonntag zum Nachtmahl zunächst nur 100, dann weil die Menge des Essens nicht zureichte, noch 18. Auch wurde der Sold nur für sieben Tage ausgezahlt, obwohl die Manöver faktisch mit allen Märschen acht Tage dauerten. Besonders empörend ist, daß man den Reservisten am letzten Tag der Waffenübung zwar bereits die Uniform abnahm und nur noch das Frühstück verabreichte, sie aber den ganzen Tag Dienst machen ließ. Sic mußten inihrenZi- vilkleidernArbeiten verrichten, die geeignet waren, die Kleidung arg zu ruinieren. So mußten sie Strohsäcke transportieren, Stroh ausräumen und neu aufschütten und Fenster, die beim Weißen der Baracken schmutzig geworden waren, reinigen. Was das für Menschen bedeutet, die oft nur einen einzigen guten Anzug haben, der hier in einem Tage ruiniert wird, braucht man nicht«irst zu betonen. Ein Reservist beschwert sich, daß ein U n- ie r le u tnant den deutschen Solda- t en bet'bot, beim Marsch durch ein Dorf Veu t s ch z u singen. Welche Wirkung ein so engherziges und dummes Verbot hat, zeigte sich sofort. Unser Berichterstatter, ein Genosse, erzählt, daß er und die übrigen sozialistischen Reservisten von den Henleinleuten sofort ausgezogen und angepöbelt wurden. Man sagte ihnen: Da habt ihr eure Demokratie! Das ist die Gleichberechtigung! Irreführ end scheinen amh die offiziellen Angaben über die Maroden zu sein..Man meldete ein paar Promille und einzelne Blätter betonten, wie günstig das gegenüber den Ziffern in der altösterreichischen Armee sei. Unsere Gewährsleute schreiben, daß von rund 610 0 M ann ihres Baons bei dem Marsch nach Kralowitz 94 umgefallen feien, daß aber die A c r z t e a ll diese Marode nnicht anerkannt hätten. Also System Halbhuberl Damit kann man zwar schöne Statistiken erzielen, aber es schadet, wie Oesterreich bewies, der Armee und dem Staat. Tas Rückgrat jeder Armee ist ihr Geist, der besonders in der demokratischen Armee ein G e i st der Gerechtigkeit und Menschlichkeit sein mutz. Darüber zu wachen, wäre vornehmste Aufgabe des Offizierskorps und des Ministeriums. Wir hoffen, daß man gewissenhaft überprüft inwieweit bei einzelnen Truppenteilen dieser Geist verletzt wurde! Selbstmord eines Naziführers Wien. Der keilende Chefingenieur des der Alpine-Montan-Gesellschaft gehörigen österreichischen Braunkohlenbergwerkes Seegraben bei Leoben, Max Slivka, hat Selbstmord durch Erschießen verübt. Slivka wurde verdächtigt, mit den Juli-Ereignissen im Zusammenhang gestanden zu haben. TagcsnculgkcNcn Schnellzng^ZusammenstoßinPolen: 10 Tote, 20 Schwerverletzte Krakau. Die Schnellzüge Wie n— Warschau und Gdinge n—K rakau sind Dienstag morgens um acht Uhr in der Station Krzeszrwire in leichtem Nebel aufeinander gefahren. Die Zahl der Todesopfer beträgt zehn, schwerverletzt wurden 20 Personen. Bier Waggons des Gdingener Eil-Zuges wurde» zertrümmert. Die Todesopfer gehören durchwegs dem Gdingener Schnellzug an. Bon den Passagieren des Wiener Eilzugcs wurden einige nur leicht verletzt.* Die Zahl der Todesopfer der furchtbaren Eisenbahnkatastrophe in Krzeszowice erreicht zehn Personen, da weitere drei verletzte Opfer der Katastrophe im Spital gestorben sind. Die Zahl der Verwundeten ist viel größer, als in den ersten offiziellen Meldungen angegeben wurde und beträgt zehn Schwerverletzte und 43 Leichtverletzte. Todessturz Gustave Lemoines des französischen Rekordfliegers Amiens. Unweit der Stadt Amiens fand gestern gegen Abend der berühmte französische Flieger und Rekordmann Gustave Lemoine den Tod. Lemoine war auf einem Probe flug auf einem Bombenflugzeug unterwegs. Als die Besatzung gezwungen war, die Maschine mittels Fallschirmen zu verlassen, sprang auch Lemoine in der Höhe von 300 Metern ab. Sein Fallschirm öffnete sich jedoch nicht und der Flieger e r s ch l ü'g sich beim Ausfallen auf den Erdboden. Einer der Mechaniker rettete sich mit seinem Fallschirm, der andere verblieb in der Maschine und wurde, als diese aus den Erdboden aufschlug, schwcrverwundet. Gustave Lemoine,.der im 32. Lebensjahre stand, hatte zahlreiche internationale Rekorde auf mit Belastung versehenen Flugzeugen unterboten. Bor allem ist sein im Vorjahre ausgestellter Höhenflugweltrekord zu nennen, der 13.W8 Meter ausmacht. Sieben Tote durch Flugzeugabsturz London. Wie zu dem Flugzeug-Unglück über dem Kanal ergänzend gemeldet wird, haben sieben Personen dabei ihr Leben eingcbiißt. Tie Leichen find so zerstümmelt, daß sie nicht identifiziert werden konnten. Bei den Toten, handelt es sich mit drei Engländer, darunter dem Flugzeugführer und eine junge Frau, drei Franzosen, darunter eine Pariserin, und um einen Amerikaner.. Die Maschine selbst ist gänzlich zerstört. Mit 17 Jahren lebensüberdrüffig Eger. In P l a n bei Maricnbad hat die 17jährige Gymnasiastin Marie Eckk, Tochter des Besitzers der dortigen„Adler"-Apotheke, dadurch Selbstmord begangen, daß sie in der Apotheke ihres Vaters einen Löffel voll Strychnin zu sich nahm. Im Krankenhaus widersetzte sie sich den Rettungsversuchen dadurch, daß sic beim Ausspülcn des Magens den G u m misch l a u ch des Instrumentes d u r ch b i ß. Sie starb unter großen Schmerzen. Die Ursache des Selbstmords ist unbekannt. Ei« Serum gegen da» gelbe Fieber Paris. Der Direktor des Pasteurinstitutes in Tunis, Nicoll, machte» in einer Sitzung der Akademie der Wissenschaften die Mitteilung, daß die Entdeckung eines Serums gegen das gelbe Fieber gelungen sei. Die ersten Versuche in Tunis wurden von Jean Laigret vom dortigen Pasteurinstitute durchgeführt. Sie erwiesen sich als so aufmunternd, daß der Gelehrte Mathis sich entschloß, auf Grrmd dieser Versuche in französisch Westafrika weiter zu arbeiten. Mehr als 3000 Menschen wurden im Verlaufe dreier Monate mit dem Serum geimpft. Auf Grund der bisher erreichten Ergebnisse ordnete der Generalgouver- neur an, daß diese Impfungen obligatorisch durchgeführt werden. Die Impfungen haben lebenslängliche Wirkung. v Todesurteile und 73 Freiheitsstrafen— 18 Hinrichtungen Sofia. Das Feldgericht in Plovdiv(Bulgarien) verurteilte infolge kommunistischer Agitation in der Militärgarnison neun Soldaten zum Tode und 73 zu Kcrkerstrafen in der Dauer von fünf bis zwölf Jahren. 41 Angeklagte wurden freigesprochcn. In der chinesischen Stadt Tung-Tschu(Provinz Schansi) wurden 18 Kommunisten wegen Hochverrates hingcrichtet. Wer nicht zeugt, fliegt hinaus. Von führenden Rasscverrückten des Hakenkreuzes ist schon seit langem der„Hegehof" gefordert worden. Dort sollen Männer von besonders guter„deutscher Erbmasse" und dito Frauen zusammengesperrt und zwecks Erzielung neugcrmanischen Nachwuchses aufeinander, losgelassen werden. Die ganze Welt war über"diese Zuchtidee teils entsetzt, teils erheitert— jetzt soll damit Ernst gemacht werden. Wie die Keichgeschaltetc Presse berichtet, wird in Althof(Thüringen) eine Siedlung„Germanenhof" errichtet, in der neunzehn „erbgesunde und erbtüchtige Familien" Eigenheime erhalten, sollen. Das„Deutsche Aerzte- blatt" berichtet über diese Zuchtbude, ohne zu erröten: „Die Bewerber und ihre Ehefrauen übernehmen die Verpflichtung, innerhalb von fünf Jahren ihren Familienstand um wenigstens zwei, innerhalb weiterer fünf Jahre um ein drittes und viertes Kind zu erhöhen. Gerechnet werden dabei nur Kinder, bei denen Erbgesund- heit festgestellt wird. Bewerber, die diese Verpflichtung nicht, erfüllen oder nicht erfüllen können, müssen das Einfamilienhmkd innerhalb einer Frist von drei Monaten wieder räumen. Hat der Bewerber die Miete entrichtet, so erwirbt er mit dem Vorhandensein von vier Kindern einen Anspruch auf die Nebertragung des Eigentums an dem von ihm bewohnten Einfamilienhaus." Es gibt einen uralten Komödienstoff: die Geschichte von der Erbschaft, die demjenigen Erbberechtigten zufällt, der innerhalb einer bestimmten Frist ein Kind zeugt. Die alten Griechen haben schon bei Aristophanes über solche Schwänke gelacht, bei Maupassant mündet eine Novelle dieser Art in handfesten Dauerehebruch, aber die Erbmasse wird gerettet. Im„Dritten Reich" werden die groteskesten Satiren zur rauhen, bürokratisch organisierten Praxis. Selbst die hitlerfromme„Rheinisch-Westfälische Zeitung" empfindet das Irrsinnige dieses„rassebiologischen Experiments" und schreibt dagegen: „Bedingungen zu stellen, deren Nichterfüllung eventuell schwere wirtschaftliche Folgen für die Betroffenen nach sich ziehen, ist bedenklich für die Ehe an sich. Di^ gemütsmäßigen Rückwirkungen einer solchen Maßnahme gar nicht gerechnet!" Wo hat der NattonalsozialiSmus sich je um Ge- mütsdingo gesorgt? Ehen sind im„Dritten Reich" lediglich Brutapparate lind dazu da, unt Nachwuchs zu produzieren, der gerinanischcr und vorteilhafter aussieht, als Hitler, Goebbels und Streicher. Und dagegen kann auch die„Rheikiisch- Westfälische" nichts sagen! Selbstmord in Karlsbad. In einem Anfall nervöser Depression erschoß sich Dienstag nachmittags der 29jährige Herbert Jordan, ein Sohn des ehemaligen Statthallcreirates Jordan und Bruder des bekannten Schauspielers.Egon Jordan. Marienbad im Wieder-AuMeg In der heurigen Saison bis Ende des Monates Septeniber wurde Marienbad von 25.038 Badegästen, d. i. um3535Personen mehr als im Jahre 1933 besucht. Von der Gc- samtfrequcnz entfallen auf: die Tschechoftowakei 7039 Personen(Böhmen 5251, Mähren und Schlesien 1284, Slovakei 458 und Karpathoruß- land 46), Deutschland 9171, Oesterreich 2370. Polen 2194, Ungarn 807, die übrigen europäischen Staaten 2940 Personen. Nach den einzelnen Erdteilen gerechnet betrug die Zahl der Besucher aus Europa 24.521, Amerika 304(hievon Vereinigte Staaten von Nordamerika 255), Asien 128(hievon Palästina 98), Afrika 82(hievon Aegypten 49) und aus Australien 3. Einen Zuwachs der Besucher weisen auf: Polen um 1671. die Tschechoslowakei um 667, Oesterreich um 590 und Ungarn um 218 Personen. Demgegenüber ist die Freguenz aus,Deutschland um 669 und aus Amerika um 32 Personen z u- rückgegangen. Mit dem heurigen Jahr ist das Sinken der Besucherzahl von Marienbad zum Stillstand gekommen. Die eingetretene Besserung übertraf numerisch die Besucherzahl des Jahres 1932. Tschechische Hotrlgesellschaft in Karlsbad. Dem Tsch. P.-B. meldet man aus Karlsbad: Dienstag fand hier die konstituierende Versammlung der Tschechischen Hotelgesellfchaft statt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, in Karlsbad ein Grandhotel zu errichten. Das Aktienkapital der Gesellschaft wird 10 Millionen KL betragen. Die Gründer sind Oldrich Dolezal, Besitzer eines Reisebüros und MUDr. Milan Mixa. Zeichnungsstelle ist die Zivnostenskä banka. Der Gesellschaft wurden bereits 46 Objekte in Karlsbad zu sehr vorteilhaftem Preis angeboten. Selbstmord im Brünner Justizpalais. Dienstag mittags erschoß sich im Brünner Justizpalais der 48jährige Bergbeamte i. R. Josef Habada aus Pikovice in Böhmen. Habada war von seiner Frau auf Zahlung von Alimenten geklagt worden.und wurde auch vom Kreisgericht in Mährisch Ostrau seinerzett zur Zahlung von Kc 250.— monatlich an seine Frau verurteilt. Heute befaßte sich das Oberste Gericht mit der von ihm eingebrachten Berufung. Als nun der Senat des Obersten Gerichtshofes die Berufung verwarf,, ging Habada auf den Gang hinaus und erschoß sich. Gedenktafel für Karl Marx auf seinem Londoner Wohnhaus. Die letzten zehn Jahre seines Lebens hat Karl Marx in einem Haus in Maitland Road, in der Londoner Borstadt Hamp- stead gewohnt. Der Londoner Grafschaftsrat hat nun den Beschluß gefaßt, an dem Haus eine Gedenktafel mit folgenden. Worten anbringen zu lassen:„Hier lebte Karl Marx, sozialistischer- Philosoph". Mafsenvergistung durch Pferdefleisch Rom.(Havas.) In der Stadt Biella in der Lombardei erkrankten 54 Personen, die Fleisch von einem verendeten Pferde genossen hatten, unter schweren Bergiftungserscheinungen. Eine der erkrankten Personen ist bereits gestorben. 20 wurden in ernstem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Es wurden 6 Personen, darunter zwei Tierärzte, verhaftet. Vom Rundiunh Ein Störschutzgesetz Im Postministerium beschäftigt man sich mit der Ausarbeitung eines Gesetzes gegen die Rundfunkstörungen. Gegen ein derartiges Gesetz, welches die Radiohörer schmerzlich vermissen und immer wieder, jedoch ohne Erfolg, verlangt haben, leisten gewisse Jndustriekreise aus Gründen, welche vonst Standpunkt der Allgemeinheit aus nicht als stichhaltig angesehen werden konnte», Widerstand. Es liegt im Interesse der hunderttausenden Radiohörer, daß die Vorbereitungen des Gesetzes nicht hinter geschloffenen Türen vor sich gehen, sondern daß auch die Verbände der Rundfunkhörer herangezogen werden, da sonst die Gefahr besteht, daß der Gesetzentwurf eine Enttäu- fchung für diei Hörerschaft bedeuten würde. Der „Freie Radiobund" hat in einer Entschließung diese Wünsche ausgesprochen und wird an der zuständigen Stelle vorstellig werden, damit der Gesetzentwurf den Organisationen der Hörer zur Acußerung vorgelegt werde. Empfehlenswertes ans den Programmen: Donnerstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatten: Tschaikowski, 12.10: Opcrnduette auf Schallplatten, 13.45: Schallplatten: Dvorak, 17.55: Deutsche Sendung: Jugendstunde, 19.15: Kurs der russischen Sprache, 19.30: Konzert des Prager Sendeorchesters, 22.15: Populäre halbe Stunde. Sender S.: 14.35: Blasorchesterkonzert, 15.05: Deutsche Sendung: Richl: Novellierung des Gesetzes über die Alters- und Jnvaliditätsversiche- rung, 18.20: Schrammel-Konzert, 19.15: Operettenmusik auf Schallplatten.— Brünn 14.05: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.55: Musik für Kinder, 17.20: Opernarieu, 17.50: Deutsche Arbeiterse n du n g: A d l e r: Das neue Privatbeamtengesetz.— Mährisch Ostrau 18.20: Deutsche Sendung: Ueletz: 500 Jrchre Hausmusik. Ä. 2Ä Mittwoch, 3. Oktober 1934 Seite 5 Jlacftt in den Jiarpafften Wir"Regen in der Nacht vor Huklivy. Ein matter Stern hängt droben überm Grenzkamm und fahler Schimmer fällt von Nord und Osten her an unsren Hang. Der Tag ging kaum. Noch stehen Abendnebel wie Kolonnen, die von den Grenzen her sich südwärts wälzen. 'Wir liegen hier, die Schatten unsrer Väter. Wir liegen dort, wo sie gelegen sind. Vorn an der Hänge Kante lagen sie, im seichten Graben, >. kaum die Brust durch zähen Lehm geschützt. Und hinter uns, die tiefen Mulden— Maschinen hockten da und hackten ihre Streifen in die Nacht. Fiel jetzt ein Schuß— wir wären es. Und das von unsren Vätern wär nicht wahr, wär nur ein Traum gewesen. Die zwanzig Jahre wären ausgelöscht, wie irgendeine Nacht. Schon steht ein neuer Wald und drängt sich zwischen Wall und Schützengraben. Sc junges Holz ist rasch gefällt. In einer Stunde wäre es zerschlagen, wie an dem Tag im Jahre vierzehn. Die Zeit ist nicht—- Sie kommt und geht und war nicht da. Auf abgeholzten Strünken träumen unsre Söhne, weil unsre Knochen tief im Lehm vergraben sind. Nur irgendeine Fichte würde wieder ragen und ihre Rinde würde reden -j von der bösen Zeit. Das plumpgeschnittne Kreuz in ihrem Stamme würde bleiben j und neue Kugelspuren würden auf den alten sein. Wir träumen nur, am dunklen Hang vor Huklivy und unsre Augen trinken die Karpathennacht. Doch unser Ohr, das schreckt vor Schauz- zeugklirren. Seid ihr umsonst gefallen— Ihr, dort in dem Lehm vor Huklivy f Kurt D ober er Aorscher-Gefahre« Parte. Der Vorstanv Les physiologischen Laboratoriutrös'an derSorbökiüe, Jacques R i s- ler, hat sich bei Arbeiten mit Mikroben angesteckt und mutzte sich einer Operation unterziehen. Es ist dies bereits diefünfteOpe» ratiön, welcher sich der Gelehrte infolge von Ansteckungen bei seinen wiffenschaftlichen Forschungen unterziehen mutzte. Russische für Japan Moskau.(Tatz.) Das sowjetrussische RoteKreuz widmete 100.000 Den zugunsten der von der Taifun-Katastrophe heimgesuchten Bevölkerung. Das japanische Rote Kreuz, dem dieses Geschenk übermittelt wurde, sandte dem sowjetrussischen Roten Kreuz ein Telegramm, in dem»unaussprechlicher Dank" für die Geldspende gesagt wird. Sprachenstreit auf Malta. Es ist wenig bekannt, daß die Ansei Malta und die umliegenden kleineren Inseln, sämtliche britischer Besitz und Festung für die englische Mittelm:rrflotte, von.einer eigenen Nation bewohnt loerden. Die Malteser sind der sichtbarste Rest des spätmittelalterlichen Völkermischungsprozesses im Mittelmeer. Nachkommen von Sarazenen und Rö- Vom Prager Rundfunk Am Beginn der Berichtswoche wetterleuchteten aus Dr. Dominik SchuSbergers uraufgeführtem Hörspiel„Der Wilderer-Toni" die aus 1001 Kalendergeschichte bekannten dramatischen Gewitter: der Jäger, der den Wilderer kriagen mutz, weil Dienst Dienst ist und Pflicht etwas Unausweichliches bleibt; seine Schwester, die den Toni liebt und Burgl heißt; und der Toni, der durchaus den Bock oben schiehen will, weil ihm halt die Leidenschaft im heißen Blute fitzt grad als wie die Liah zu der Burgl; und der eifersüchtige Nebenbuhler, der Tonis Wildererlust reizt und dann zum Jager hin verraten geht... wer kennt sie nicht, die alten Bekannten? Paul Demel, Marg. Schell, Leo Siedler, Willi Volker und andere Künstler vom Prager Theater sicherten dem unter I t t e n S Leitung stehenden Spiele vor allem durch eindrucksvolle Sprachkraft einen ganzen Erfolg. Als besondere Kostbarkeit brachte die Sonntagssendung Busonis reizendes Eapriccio„A r l e c ch i n o" in ausgezeichneter Besetzung mit B a n d l e r(Schneidermeister), Popovic(Cospicuo).Andersen (Boinbafto) Roller(Leandro), Frank» Svoboda(Colombina) und Dr. Schmerzenreich(Arlecchino). Das begleitende Orchester der Prager Sendestation stand unter Dr. Svobodas Leitung. Darsteller und Orchester erfüllten im harmonisch zusammenklingenden Kunstwerk die Forderung des Prologs,„die kleine Welt im kleinen zu spiegeln und nachgeahmt erscheinen zu lassen, was lebend wart" Der jüdische Iudenboykott im Prager Film Die zionistische„Selbstwehr" bringt im Leitartikel ihrer letzten Nummer die von uns schon so oft hervorgehobene Tatsache zur Sprache, daß die Prager Filmfirmen sich bei der Herstellung ihrer deutschsprachigen Produkte dem Diktat der haken- kreuzlerischen Berliner Filmdiktatur unterworfen haben. Und sie stellt fest(was unseren Lesern ebenfalls nicht neu ist), daß diese Gleichschaltung, die sich auch im Boykott jüdischer Filmschauspieler und Regiffeure ausdrückt, hauptsächlich das Werk jüdischer Unternehmer ist. So anerkennenswert die Offenheit ist, mit der hier ein jüdisches Blatt auf das schändliche Verhalten jüdischer Unternehmer hinweist, die um des Geschäftes willen sich zum Vollstrecker antisemitischer Kommandos machen, so hoffnungslos erscheint uns der Glaube des Leitartiklers in der „Selbstwehr", daß eS aussichtslos sei, diesen Leuten (die sich teilweise sogar zum Zionismus bekennen), mit schonender Güte noch einmal ins Gewissen zu reden,— wo der Skandal der Prager Filmgleich- fschaltung unter jüdischer Führung nun schon seit einem Jahre andauert. Der Leitartikler der„Selbstwehr" bemerkt mit Recht, das Verhalten der mit Goebbels liierten jüdischen Filmunternehmer müsse den Eindruck vom Klaffenkampf innerhalb des Judentums verstärken. Wir meinen, daß ihr Verhalten sogar aus diesem Klaffenkampf zu erklären ist und daß nichts schlagender die hakenkreuzlerischen Raffenthesen widerlegt als die Tatsache, daß Hitler nicht einmal innerhalb des Judentums die Klaffengegen- sätze hat übertünchen können, sondern sie im Gegenteil sichtbarer macht als je zuvor. Aber die bis zum Judenboykott getriebene Gleichschaltung der jüdischen Filmunternehmer Prags ist nur die würdeloseste und groteskeste Teilerscheinung jene» viel umfangreicheren Prager Filmskan- dali, auf den hinzuweisen wir nicht müde werden dürfen: sie ist nur ein Teil des Systems, das die Kinos von Prag und der Tschechoslowakei mit Goebbels-Filmen überschwemmt, die in Deutschland selbst vom Publikum boykottiert werden. Die, Herstellung gleichgeschalteter Filme am Barrandov ist ja nur die.Konzession", die. von der Berliner Film» mein, sprechen sie ein Gemisch von Italienisch und Arabisch. Nunmehr ist es der Arbeiterpartei der Inseln(dis an 200.000 Bewohner zählen) gelungen, die Anerkennung der maltesischen Volkssprache bei Gericht durchzusetzen. Die Advokaten allerdings protestieren gegen diesen demokratischen Akt und kündigen einen 24stündigen Proteststreik an. Der Schutthaufen. Ein bürgerlicher Intellektueller, der in den Sommermonaten in der steirischen Landeshauptstadt weilte, erzählte einem unserer Genoffen: Ich wollte das Grab eines in Graz verstorbenen Kriegskameraden aufsuchen. Mein Bruder, der seit mehreren Jahren dort lebt, begleitete mich. Wir kamen an vielen Gräbern vorbei und standen plötzlich vor einem — Schutthaufen. Anders konnte man es nicht be^eiHsen: ein Schutthau^en,! JA. saH. frageM meinen Brüder an.»Hier liegen. achtzig7Tote Hpf Feber-Aufstandes", klärte er mich auf..— Der Erzählung ist wohl kein Wort hinzuzufügen. Abtr der Schutthaufen auf dem'Friedhöfe wird eine beredtere Sprache gegen daS Heimwehrregime und gegen das Christentum derer um Schuschnigg und Jnnitzer führen, als es die flammendsten Grabinschriften vermöchten. Ein Jutze hat in der Mosel gebadet! In Nummer 39 des.Stürmer" wird mitgeteilt, datz ein Jude Has Verbrechen begangen habe, in der Mosel zu baden; die Redaktion nimmt wie. folgt zu dem»Fall" Stellung:»Wenn der Jude Mendel in der Pegnitz oder im Dutzendteich in Nürnberg sich so schamlos benommen hätte, wie ihr lieben Stürmerfreunde an der Mosel Zeugen wart, hätte der schamlose Bursche eine derartige Tracht Prügel bekommen, datz er auf Wochen hinaus auf jenem gewiffen Teil seiner Rückseite nicht mehr hätte sitzen können. Solltet ihr, Freunde an der Mosel, je wieder eine solche Szene erleben, dann erinnert euch, was die Nürnberger täten." Die Sterblichkeit bei den Männern größer albet den Frauen. Iw vergangenen Jahre starben in der Tschechoslowakei 108.040 Männer und 102.037 Frauen. Auf 1000 lebende Männer entfallen 14.16 Todesfälle(in Böhmen 18.93, in Mähren-Schlesien diktatur für die großzügige Aufnahme hitlerdeutscher Filme in der Tschechoslowakei gemacht wurde. Für diesen Skandal sind freilich nicht nur die jüdischen(und arischen) Filmunternehmer verantwortlich, die. hitlerdeütsche Filme über die Grenze holen und außerdem noch gleichgeschaltete Barran- dov-Machwerke Herstellen lassen. Mitschuldig sind die Kritiker, die solche Produkte als sehenswert empfehlen— und mitschuldig ist das Publikum, das sich bereit findet, die Aufführung dieser Filmgreuel durch seinen Besuch zu finanzieren. Wir wollen uns nicht die Mühe machen, den jüdischen Prozentsatz unter diesen Förderern des Goebbelsfilms nachzurechnen. Wir wollen nur darauf verweisen, daß unter ihnen Leute sind, die sich dagegen wehren, als Freunde des Fascismus angesehen zu werden, j— ja, die Wert darauf legen, als Antifascisten und Gegner der Hitler-Barbarei zu gelten. Aus„Objektivität" bemühen sich diese seltsamen Hitlergegner, in dem gleichgeschalteten Filmschund„interessante Aufnahmen" und„unterhaltsame Motive" zu entdecken— wobei man sich wahrhaftig wundern muß, wie es (wenn nicht im Hinblick auf den Inseratenteil) möglich sein sollte, sich bei Filmen zu unterhalten, für deren Zustandekommen die brutale Vernichtung von Menschenleben und Existenzen die Voraussetzung ist, — bei Filmen, deren Geist nichts mit Objektivität, aber alles mit Roheit, Niedertracht und Stumpfsinn zu tun hat,— bei Filmen, gegen die sich das deutsche Volk innerhalb deS Dritten Reicher entschieden zur Wehr setzt, so daß man ihnen in Hitlers Herrschaftsbereich mit fortgesetzten Verboten ausländischer Filmwerke den Weg bahnen muß. Daß sich in Prag freiwillige Wegbahner für diese Art Filmkunst finden, daß die zuständigen Behörden ihr Treiben nicht nur dulden, sondern durch ihre Haltung gegenüber dem amerikanischen Film auch noch erleichtern, däS erst macht das Bild des Prager Filmskandals vollständig, der beim dernokra- tischen Zeitungslob der Berliner Goebbels-Filme beginnt und bei den antisemitischen Barrandov-Jnsze- nierungen der hiesigen jüdischen Filmunternehmer endet. 12.70, in der Slowakei 18.21 und in Karpathoruß- laud 18.88), auf 1000 lebende Frauen entfallen nur 18.28 Sterbefälle(in Böhmen 12.76, in Mähren-Schlesien 12.27, in der Slowakei 14.38 und in Karpathorutzland 17.47). Nach zwanzig Jahre» Man schrieb 1914. und der Krieg hatte noch nicht begonnen. Eine Frau Trowbridge brachte in einem Londoner Vorort ihr drittes Kind zur Welt — und nach der Geburt trat eine Lähmung ein, die die unglückliche Frau zwang, die nächsten zwanzig Jahre in einem Spitalbett zu verbringen, mit der Aussicht auf eine weißgekalkte Mauer. Aber jetzt ist Frau Trowbridge auf einmal gänzlich gesund aeLMpM,^p§d man hAtsix, aus dem Spital entlassen— in eine vollkommen veränderte -Welt herein?*Gs"ist interessant, wasEstz'-Aufer- standene einem Reporter des Sunday Expreß zu sagen hatte: Ich bin zurückgelehrt in ein Wunderland. Ich glaube, ich bin der einzige Mensch, der wirklich weih, welch ein Wunder die Welt von 1934 ist. Als ich zum erstenmal wieder auf der Straße stand, hatte ich Angst. Wie rasch alles geworden ist! Noch immer kann ich nicht ohne Furcht über die Straße gehen. Es ist eine ganz neue Welt! Die Gesichter in den Straßen sind glücklicher, weit lebendiger als früher. Jedes Kind ist sonnenverbrannt. Sie sind kaum angezogen, sehen aber beffex gepflegt aus als Kinder im Jahre 1914. Die Frauen sind fast ebenso verändert. Hübscher sind sie nicht geworden. Aber sie sind jetzt so angezogen, wie sie es wirklich gern haben. Man sieht, daß 1934 keine mehr daran denkt, was die Nachbarin dazu sagen wird! Aber wo sind die würdigen älteren Damen von einst? Sie können doch nicht diese häßlichen, bemalten Kreaturen sein, die sich wie Backfische anziehen und von ihnen so jämmerlich abstechen? Noch vor 20 Jahren ging ich sehr gern ins Kino und ich habe immer davon geträumt, wieder zu gehen. Nach 20 Jahren hat die wunderbare Vollkommenheit moderner Filme mir! die Tränen in die Augen getrieben." Am« SS. Geburtstag vo« Gandhi Mahatma Gandhi, der große Vorkämpfer für Indiens Freiheit, wurde am 2. Oktober, 68 Jahre' alt. Obwohl unter seinen Landsleuten die Stimmen der Kritik an seinen Methoden und seinen Zielen nicht selten sind, ist er noch immer der meistverehrte Mann Indiens. Sandner kneift! Versammlung aus Angst vor den Sozialdemo kraten abgesagt Wir lesen in der Komotau« „Volkszeitung^. Seit längerer Zeit schon planen die Heimat- srontler in Komotau eine große öffentliche Versammlung, bei der sie aber am liebsten, unter sich bleiben möchten. Da sie nun aber wissen, datz. wir Sozialdemokraten hinkämen, um zu erfahren, was die Henlein und Konsorten zu erzählen hüben) konnten sich die Herrschaften zur Abhaltung dieser Versammlung noch immer nicht entschließen. Nun hatten wir für den 1. Oktober eine eigene öffeni- liche Versammlung, angesetzt, in der Genosse I a k s ch sprechen sollte.. Das schien den Henlein-, frontlern eine willkommene Gelegenheit, auch, ihrerseits vor die Oeffentlichkeit zu treten. Eines Tages brachte also das„Deutsche Volksblatt" eine klein« Notyz des»Inhalts, daß" eben falls- am I.Ok-t tobec-eine: öffentlich«'-VerfammluW der HekmÄ-' front in der Jahnturnhalle stattfindet. Kurzdar- auf aber dürften den getarnten Hakenkreüzlern Bedenken gekommen sein. Der Lagerkellex, wo unsere Versammlung sein sollte, ist von der Jahnturnhalle nicht weit entfernt, die Nazis sagten sich daher:„Am Ende kommen die Sozialdemokraten doch noch zu uns und dann müßten wir ihnen in unserer öffentlichen Versammlung Rede und Antwort stehen". Was also tun? Die Henleinfrontler wußten Rat: Sie verlegten ihre öffentliche Versammlung von Komotau I nach Komotau TI in die Oberdörfer Turnhalle. Nun aber kam das Schönste. Wir mußten unsere Versammlung leider'verschieben. Sie wurde nunmehr endgültig auf den 5. Oktober verlegt. Wir beschloffen aber, dafür am 1. Oktober die Henleinversammlung zu besuchen und kündigten das in der„Volkszeitung" aff. Da aber wurden die Henlein-Nazi über alle Matzen nervös. Das Heldenherz fiel ihnen prompt in die Hosen und die Burschen rannten allsogleich zur Behörde, um ihre offen tlicheVers am m- I u n g wieder abzusagen. Sie beschtänten sich nunmehr auf eine einfache Mitgliederversammlung in der Jahnturnhalle. Am Montag zeigte Prof. Karl Mehner aus Leitmeritz, der unentwegte, mit allem Idealismus eines bedingungslosen Glaubens dem Kommenden zugewandte Begründer und Leiter der freien Schulgemeinschafi,„Neue» Wege der Erziehung". Mehner fordert eine neue Schule; eine Schule die nicht mehr den Willen der jungen Menschen bricht Und sie erzieht nach dem Vorbilde des Beamtenideals—• sondern Willensstärke Menschen hervor» bringt, die Kraft haben, neue Ideale zu gestalten. Wir brauchen mehr und reicher ausgestattete Mittelschulen, die für jeden zugänglich sind, ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit; denn nur auf diesem Wege kann es möglich sein, die allgemeine Volksbildung so zu heben, daß sie wahrer Demoftatie als fruchtbarer Nährboden dient. Jedes der so einfachen, weil nur das Wesent» liche aussprechenden Worte Mehners ist wahr. Daß man dem Natürlichen als zu kühn mißtraut, haß man dem unmittelbar notwendigen als Sonderlingsschwärmerei die Förderung versagt— das ist leider ein Beweis neben vielen, daß die Demokratie noch lange nicht imstande war, die zähen Festungsmauern der Bürokratie zu durchbrechen. Dr. Richard Pflegshörl führte die Hörer in daS Musikprogramm der Woche ein und analysierte die bedeutenderen Werke in schätzenswerten Kleinskizzen. Die Dienstagsendung brachte ein wirtschaftliches Relief von Dr. H u st h; es folgte der üblichen Melodie„ES geht schon wieder befferl" Nur der auS der Wirklichkeit zu erwartende Kehrreim im vollen Chore endlich befreiter Menschen bleibt aus.— Mit ganzem Herzen hörte man dem Saazer Dichter E m i l M e r k e r zu, der aus eigenen Werken las und den Hörer umfing mit einer aus heißem Herzblute gespeisten Liebe zum Heimatboden, zur rätselvollen Landschaft der Saazer Ebene, ihren welligen Hügeln, ihren Egerufern und Hopfengärten. Eigenartig wie die Heimat des Dichters, ist seine Sprache; seltsam in ihren Wortprägungen, stiller Schähe voll... schweigsam zurückhaltend wie ein im Sonnenbrand geduldig erwartendes Stück Ackerboden, um das Einsamkeit ist. Am Mittwoch sprach Dr. Oskar Frankel über das Prager Haus der Urania und die Bildungspflege von heute. Insbesondere soll die Arbeit dar Masarykhochschule anregend und vorbildlich sein für das gesamte deutsche Siedlungsgebiet, mit dem sich die Urania immer verbunden fühlen wird. In besonderer Wertung dieser Verbundenheit wird die Urania einmal im Monat durch den Rundfunk über den Stand der deutschen Kulturströmungen Bericht geben; ab ersten Oktober alle 14 Tage eine Zeitung hinausschicken und ah 15. Oktober eine vierzehntägige Kulturkorrespondenz erscheinen lassen. Der für die Arbeitersendung angekündigte Vortrag wurde auf einen späteren Termin verschoben. Dafür kam aus dem heurigen Arbeiterjahrbuch die Erzählung„Seine erste lange Hose" zur Vorlesung, eine dem Leben nacherzählte Begebenheit vom jungen Studenten, der seiner seltsamen Hose wegen von Schülern und Lehrern verspottet, von einem pädagogisch einsichtigen und menschlich teilnehmenden Lehrer aber geschützt wird. Die stilistisch nette Darstellung hindert nicht, daß allerhand Er» innerungen an Lesebuchgeschichten aufdämmern(„Die geflickte Hose"). In den angeschloffenen Sozifllinfor« mationen machte Dri JosefSliesch aufmerksam auf die Heilfürsorge fiir Arbeitslose, die von Bezirkskomitees durchgeführt, von staatlichen Subventionen und privater Wohltätigkeit gefördert wird und den Arbeitslosen— allerdings nach einem ziem» lich umständlichen Wege von Amt zu Amt— kostenlose ärztliche Behandlung und die kostenlose Ausfol» gung von Heilmitteln gewähren soll. Das Wochenende am Freitag brachte einen auserlesenen musikalischen Genuß: das Konzert" des K o l i s ch-Quartettes, das für das Programm des Liblitzer Senders Mozaris Streichquartett in D-Dur und Beethovens Quartett Cis- Moll gewählt hatte. Man braucht i.ohl kaum zu versichern, daß man diesem hingebungsvollen Musizieren sich mit voller EmpfangSfteudigkeit hingab und— dankbar war. Der deutsche Schulfunk, der sein Programm am 11. September,.mit einem sehr nett zusammengestellten, aber etwa- stark frömmelt)» den Hörspiel vom Braunauer Ländchen eröffnet hatte, brachte am Dienstag der Berichtswoche den ersten Teil einer in Funkszenen nachgezeichneten Darstellung der Forschungsreise Stanleys in daS Innere Afrikas, jener Unternehmung, die der Aufgabe diente, den verschollenen Miffionär Livingstone z» suchen. Der von Univ.-Prof/ Dr. B r a n d t ge- fprochene Vortrag über Afrika-Forscher gab eine werwolle Einführung.- Die von Tissot verfaßten Funkszenen sind bei entsprechender Mitarbeit der Schule gewiß wertvoll für die Oberstufe unserer Schulen, Ernst Thöner, Sehe 8 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 3. Oktober 1934. Nr. 98f PRAGER ZEITCMG Zu den Pardnbitzer Rennen wird am 14. Oktober ds. I. ein Sondcrzug für 48 KL inklusive Nacht- maW abgefertigi. Anmeldungen nimmt bei Entrich- mng einer Gebühr von 20 KL das Referat der Aus- flugszüge Prag-Bazar, neben dem Wilsonbahnhof, entgegen. Vergiftet. Die Polizcikorrespondenz teilt mit: Am 19. September wurde die 18jährige Franzisko K re j c a r aus Michle mit Anzeichen einer Quecksilbervergiftung in die Klinik Nonnenbruch eingeliefert. Die Untersuchung ergab, daß das Mädchen mit einem jungen Mann ein Restaurant in der Prager Altstadt besucht hatte, wo sie ein Pulver zu sich nahm, nach dessen Genus; sich bei ihr Vergiftungserscheinungen zeigten. Am 28. September starb Franziska Krejcar. Der Unbekannte, den die Polizei sucht, gab sich als Mediziner aus, war etwa 22 Jahre alt, höherer Gestalt, hatte blonde Haare und auf der linken Seite des Gehisses einen Goldzahn. Unglück mit einem Dreirad. Montag fuhr der 31jährige Josef K o p r i n a aus Michle.mit einem Lastdreirad auf dem Quai in Prag II. an der Eisenbahnbrücke vorbei. Auf dem Tandemfitz führte er den 22jährigen Frantisek Vaca, gleichfalls aus Michle, mit. Plötzlich geriet das Gefährt, vermutlich durch den Anprall auf eine Kupplungsstange der Straßenbahn, ins Schleudern und überschlug sich, Väcä, der weit aufs Pflaster geschleudert wurde, erlitt überhaupt keine Verletzungen, Kopriva aber, der unter das Dreirad zu liegen kam, trug schwere Verletzungen davon und starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Ans Gewissenhaftigkeit in den Tod. Montag nachmittags erhängte sich in. einem Holeschowitzer Hause der 66jährige Hausbesorger T. B. Er hatte von den Mietern den Zins einkassiert und das Geld in der Küche seiner Wohnung auf den Tisch gelegt. Ein unbekannter Mann, vermutlich ein Bettler oder Gelegenheitsdieb, stahl in einem unbewachten Augenblick von der einkassierten Summe 1200 Kc. Den alten Hausschließer regte der Verlust furchtbar auf; in seiner Verzweiflung äußerte er seiner Frau gegenüber Selbstmordäbsichten, die er denn auch kurz darauf verwirklichje. Gerichtssaal Modernes Piratentum Wegen 500 Kc um ein« Wohnungseinrichtung im Werte von 30.000 KL gebracht. Prag. Wir rümpfen die Nase über die längst überstandene Zeit der Raubritter und Buschklepper. Zuweilen will es aber scheinen, daß diese Gilde bloß ihre romantischen Requisiten, Raufdegen und Pistole, vertauscht hat mit zeitgemäßeren Instrumenten, nämlich den heimtückisch gelegten Fallstricken raffinierten Verträge, die dem ahnungslosen Opfer die Kehle abschnüren, ehe es sich besten versieht...— Bor dem Senat H-r u s k a stand heute der Buch- hglter Ulrich Such och leb und der 41 jährige Ingenieur Miloslav C i h a, seines Zeichens Baumeister und Gatte der Inhaberin der- Firma„S p e d i L n i s p o l e c n o st s. r. o."(Speditionsgesellschaft m. b. H.) in Prag-Weinberge, Fochova 40, wegen des gemeinsam begangenen und verabredeten Vergebens desWuchers. Der Sachverhalt ist der folgende: Ein Privatbeamter I. C. stellte anläßlich einer vorübergehenden Uebersiedlung aufs Land,' seine Wohnungseinrichtung bei der„Speditionsgesellschaft" ein. Die Einrichtung hatte einen Wert von 30,000 Kc und die Speditionsgesellschaft selbst versicherte sie gegen Feuer auf 20.000 Kc. Nach einiger Zeit brauchte Herr§. Geld und ersuchte die„Speditionsgesellschaft" um ein Darlehen von 1.800 KL, das er durch Verpfändung der Möbel sicherstellen wollte. . Der Vertreter der Firma, Buchhalter S u ch o- ch le b, wollte aber von einem Darlehen nichts wissen, obwohl Herr E. der dringend Geld brauchte, schließlich auf- 1000 und endlich auf 800 KL herabging. (Bei einem Sicherstellungswert von 30.000 KLI) Endlich zeigte man sich„großmütig". Man war bereit. 800. KL..herzugeben, aber bloß unter der Bedingung, daß der Kreditbedürftige die Einrichtung . für 500 KL verkaufe, wogegen die Firma das Rückkaufsrecht bis zum 15. September 1933 wahren wolle. Als der Fälligkeitstag herankam, erbah sich Herr &. eine Woche Aufschub. Als er aber nach vorhergehender Entschuldigung, erst am 26. September erschien, um den Rückkauf vorzunehmen, teilte man ihm achselzuckend mit, daß er kein Recht auf seine Sachen mehr habe und diese schon verkauft feien. '■ Der schwer Geschädigte erstattete die Strafanzeige. Abonnements- Bestellschein. Abonniere eck>, 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „€>osial&emofrat" ...- Verwaltung Prag XH., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 KL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhält des Erlagscheines ein. Name;-■•■•■.•■ i■>..• Genaue Adresse: Letzte Post: Unterschrift:......,«,. Bei der heutigen Verhandlung kam zutage, daß die Wohnungseinrichtung überhaupt nicht verkauft worden war. Das Küchengeschirr wurde in der Kanzlei verteilt, die M ö b e l erhielt eine gewisse 19jährige Marie S e v L i k„geliehen" und die Kleidungsstücke nahm sich der Herr Jng.§ i h a mit in seine Villa inEernosice. Angeblich zur Aufbewahrung. Als sich das Gericht für die Leihgebühr • interessierte, die dieses Fräulein SebLik entrichtet hat, | stellte sich heraus, daß sie überhaupt nichts bezahlt ! hat. Sie hat auch keine Arbeiten für die Firma als Gegenleistung vollbracht. Wofür also die Möbel geliehen wurden^bleibt Vermutungen überlassen. Das Gericht schenkte den Entlastungszeugen der Angeklagten keinen Glauben. Diese Zeugen sind Angestellte der Firma und mußten während der Einvernahme öfters ermahnt werden, daß falsche Zeugenaussagen verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen. Da sich zudem in einem früheren Stadium des Prozesses ein Zeuge gemeldet hatte, der bei einem Darlehen auf ein Pianino schwer geschädigt worden war, erkannte der Gerichtshof beide Angeklagte für schuldig. Der Buchhalter Suchochleb wurde zu s e ch s W o ch e n, der Jng. E i h a aber zulzwei Monaten strengenArrestes verurteilt. Beide bedingt auf zwei Jahre. Gleichzeitig sprach das Gericht die Ungültigkeit des „Kaufvertrages" aus uyd verpflichtete die Angeklagten zur vollen Gutmachung des Schadens. Ferner haben sie die Anwaltskosten des Geschädigten im Betrage von 400 KL zu ersetzen. Kunst und Wissen Wettbewerb um den besten Staatshymnen-Chor Das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur schreibt einen Wettbewerb auf die Transponierung der tschechoslowakischen Staatshymne für gemischten Chor aus. Diese Transposition soll in Üezug auf die harmonische Struktur und'die Führung der Stimmen so einfach sein, daß sie als feste Grundlage zur einheitlichen Lautung für alle weiteren vokalen und instrumentalen Transponierungen dienen könne. Der erste Teil der Hymne„Kde domov müj" soll in de Tonart F-Dur, der zweite Teil„Nad Tatrou sa blyskä" in A-moll.gesetzt werden. Durch den Wettbewerb soll dem bisherigen Mangel einer einheitlichen Harmonisierung und Jnstrumentisierüng unserer Staatshymne abgeholfen werden. Diejenigen, die an dem Wettbewerb teilnehmen wollen, werden auf die Abhandlung des Professors Adolf Cmiral Meber das richtige Singen unserer Staatshymne", das in der Staatsdruckerei erschienen ist, aufmerksam gemacht. Di« Mitglieder der Jury werden hervorragende tschechoslowakische Musikkomponistcn und Musiktheoretiker sein. Es werden drei Preise ausgeschrieben, u. zw.: 1. Preis 1000 KL,.2. Preis 700 KL, 3. Preis 500 Kc. Die Eingabefrist der Konkurrenz endigt mit dem 31. Oktober 1.934 um 12 Uhr. Der Wettbewerb stt anonym. Es haben somit die Komponisten ihre Arbeiten unter einem Schlagwort an das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur, Sektion V, einzusenden. Die nächste Arbeitervorstellung Am Sonntag, den 14. Oktober, nachmittags halb 3 Uhr geht als Arbeitervorstellung statt ,,Em- sührung aus dem Serail", die zu einem späteren Termin gegeben wird, das außerordentlich erfolgreiche Repertoirstück der Kleinen Bühne „Tensationsprozeß" im Reuen Deutschen Theater in Szene. Karten bei Optiker Deutsch, Graben 2. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr:.Schloß Wetterfteiu (BI).— Donnerstag, halb 8 Uhr, Erstaufführung: „Die Nacht vor dem Ultimo"(CI).— Freitag. 7 Uhr:.Admiral Bobby"(D2).— Samstag, halb 8 Uhr:„Die Nacht vor dem Ultimo"(B 2). Spirlplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, 8 Uhr:„Märchen im Grand- Hotel". Donnerstag, 8 Uhr:„Sensation s p r o z e ß".— Freitag, 8 Uhr, Kultnrver- bandssreunde und freier Verkauf:„Hedda Gabler".— Samstag, halb 8 Uhr, Erstaufführung: „Der Nobelpreis". Der Film Absender: Dr. Goebbels Daß sieben Prager Premierenkinos zur Zeit 1 ihre Leinwände dem Inhalt jener Pandorabüchsen zur Verfügung stellen,. die von der Filmabteilung des Berliner Propagändaministeriums zu Verseu- > cyungs- und Gewinnzwecken ins allzu geduldige Ausland gesandt werden, das ist eine Tatsache, die nicht mst den Mitteln der Filmkritik gewertet, sondern nur mit entschiedener Abwehr des Publikums beantwor- j tet werden kann. Mit dem Fernbleiben derer, die sich nicht zum Mord als Politik und zum Mist als Kunst bekennen und die es nicht sür angebracht halten, sich an einer Demonstration für den Ungeist des Hakenkreuz-Regimes und an einer öffentlichen Sammlung für die Kassen des Dritten Reiches zu beteiligen. Das ist alles, was man zu der Aufführung der hitlerdeutschen Filme.Fräulein Frau" und„Der Herr der Welt" zu bemerken hat. Denn was über den Regisseur Karl Börse, den Macher des erstgenannten„Unterhaltungsfilms" zu sagen ist. ist hier schon oft und nachdrücklich ausgesprochen worden: daß dieser Boeese seit jeher das böse Prinzip, des deutschen Films verkörpert hat,—- die plumpe Routine, den krampfhaften Klamauk, den blödelnden! Singsang, die bluffende Ausmachung und den selbstgefälligen Stumpfsinn. Daß er heute zu den geschätzten Meistern der gleichgeschalteten Filmindustrie gehört, ist ebenso in Ordnung wie die Ernennung des Schundfabrikanten Harry Piel zum„Filmfachschaftsführer" im Dritten Reich. Wenn dieser Mann nicht in dem begründeten Verdacht stände, überhaupt nicht zu denken, dann könnte man aus die Vermutung I kommen, daß er sich bei der Verfertigung des Films „Der Herr der Welt" Gedanken über die Hitler- Diktatur gemacht hat,— denn da wird die Weltherrschaft mit.Wahnsinn gleichgesctzt. Aber zu gleicher Zeit wird wieder einmal der ideale Erfinder gepriesen, der mit einer Utopie die Arbeiter begeistert — und in plumper Nachahmung der„Tunnel"- und„Gold"-Filme werden phantastische Maschinen in Bewegung gesetzt, die mit ihrem Lärm die Gedankenlosigkeit der Handlung übertönen sollen,> so wie im Dritten Reich die Lauffprecher die Schande der Mörder-Regierung überbrüllen sollen. i Was den Maschinen und Lautsprechern im Dritten Reich nicht gelingt, wird auch der gespielten Ahnungslosiakeit der hiesigen Verbreiter und Emp- fehler von Goebbels-Schund nicht^gelingen. Wer Schändliches fördert, bedeckt sich mit Schande,— ob er lärmt oder schweigt.—eis— Sport• Spiel• Körperpflege DTZ-Sporttag in Vysocany Auf dem Sportplatz der DTJ Vysocany fanden am Sonntag die leichtathletischen Mannschaftskämpfe des 1. DTJ-Kreises(Prag) statt welche mit großem Erfolg beendet wurden. Am Start waren sieben Mannschaften erschienen, von welchen überraschender Weis« jene aus Kolin den Sieg errang. Die beste Leistung erzielte Goth(Vysocany) im Dreisprung mit 13.38 Meter, der damit eine neue DTJ-Bestleistung schuf. Auch der Besuch war gut: 500 Zuschauer. Die wichtigsten Einzelergebnksse: 100 Meter: Sandtner(Kolin) 11.7 Sek.—400 Meter: Cerny(Kolin) 55.9 Sek.— 1500 Meter: Karafiai (Zizkob) 4:34 Min.— 4X100 Meter: Kolin 48.5 Sek.— Kugel: Schöps(Vysocany) 11.99 Meter.— Diskus: Zitek(Kolin) 35.06 Meter.— Speer: Schuster(ZiZkov) 44.65 Meter.— Weitsprung: Goth(Vysocany) 6.48 Meter!— Hochsprung: Smrkka(Vysocany) 1.73 Meter:— Dreisprung: Goth 13.38 Meter(neue Bestleistung). In der Gesamtwertung siegte DTJ Kolin mit 230 Punkten vor Vysocany 220.5, Ziz- kov I 190. Liben 171, Zizkov II 119, Pros«k,77 und Prag VII 45 Punkten. Wolleyball-Turnier der DTJ Podol. Im Turnier der Männer traten sieben Mannschaften an und ging als Sieger die erst« Mannschaft von Podol hervor. Bei den Frauen(8 Mannschaften) und'.den Zöglingen(4) blieb ebenfalls Podol erfolgreich. Das Turnier war«in schönes Stuck Propaganda und wirs auch guten Besuch auf. HDW-Tegnns In Aussig hielt der HDW sei«« diesjährige Hauptversammlung ab. Aus den Berichten ist u. a. zu entnehmen, daß dem HDW derzeit 12.500 Mitglieder angehören, die Einnahmen und Ausgaben 300.000 KL betragen und eine neue Verbandszeitung herausgeben werden soll. Ferner wurde bekanntgegeben, daß mit dem Deutschen Turpverband ein Freundschaftsverhältnis bestehe und die Verhandlungen mit dem tschechischen Skiverband wegen Schaffung eines Staatsverbandes unter Wahrung der Selbständigkeit des HDW auf dem besten Weg« seien. Die Neuwahlen brachten geringe Aendernngen und Julius Streit(Gablonz) wiederum als Obmann.— Unter den Gästen von befreundeten Organisationen befand sich auch ein Vertreter des Skiverbandes aus dem Dritten Reich. ' Die Tyrs-Spiele wurden Sonntag in P r a g ausgetragen. Es starteten insgesamt 180 Wettkämpfer(ein Drittel davon stellte der Sokol) und 73 Soldaten. Die Veranstaltung bestand u. a. aus Leichtathletik, Schwerathletik, Radfahren, Ballspielen.- Die Ergebnisse in den einzelnen Disziplinen brachten guten Sport. Bei den Frauen waren die Hochschülerin Koubkovä und Pekarovä(Slavia Prag) erfolgreich. Erstere stellte über 100 Meter mit 12.4 Sek. den Rekord ein und letztere erzielte im Kugelstoßen mit 12.72 Meter einen neuen tsche- chostowakischen Rekord. Wieder Schiedsrichter verprügelt. Im N o r d- g a u wurde beim Spiel Trautenau—Leipa der Gablonzer Schiedsrichter Knapp« so verprügelt, daß erinsKrankenhaus überführt werden mußte — InKaaden(Rordweftgau) wurde der Schiedsrichter Steiner(Komotau) nach Schluß des Spieles Schwalbe Brüx—DFK. von den Zuschauern verprügelt.— Und zum Schluß— der Wild-Westgau! In Altrohlau gabs das Meisterschaftsspiel DFC. Graslitz—Sportbrüder. Der Holzerei vor der Pause folgte, als die Graslitzer 2:0 führten, ein S t e i n w u r f gegen den Schiedsrichter Bert! (Karlsbad). der ihn am H i n t e r k o p f traf und blutigverletzte. Der Mann brach bewußtlos zusammen und— wie das„Montagsblatt" meldet— die Spieler„kämpften" weiter, bis der aus der Ohnmacht erwachte Pfeiftr das„volkstümliche" Spiel abpfiff. Den Steinwerfer konnte man nicht erwischen, dafür hatte der Schiedsrichter eine Konterverse mit dem Gemeindewach m a n n, die nun ein« Klage wegen Amt s-. ehrenbeleidigung zur Folge hat, denn diganze Angelegenheit wurde der Egerer Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht. Für die Leitung des Westgaues eine unangenehme Sache, da sie' sie nun nicht mehr— wie so oft— bagatellisieren kann. Vcrclnsnadirlditcn Atus- Turnerinnen! Genoss« Tietze ist bereits zurückgekehrt und leitet wiederum regelmäßig das Turnen jeden Montag und Donnerstag von 7 Uhr bis 9 Uhr abends in der Turnhalle, Prag II., Skcpänskä ul. 20. .PRAG Kommt recht zahlreich, denn wir wollen neue Turnübungen einlernen. Frei Heil! SPD-Emigranten! Nächste Versmnmlung Donnerstag. den 4. Oktober, abends 7 Uhr im Gewerk- schaftshaus, Peretyn II. mit Vortrag des Genossen Max Klinger über die Außen- und weltpolitische Lage. Eintritt nur gegen Vorzeigung des neuen rcien Mitgliedsausweises. Wer noch nicht im Besitze eines solchen ist. muß ihn sich sofort versorgen. SPD Prag. Literatur Ser Sofcismus als RaWdmegmg In der Verlagsanstalt„Graphia" Karlsbad ist unter dem Titel„Der Fascismus als Massenbewegung" eine Broschüre erschienen, als deren Verfasser ein„Historicus" zeichnet. Hinter diesem Pseudonym ist ein angesehener sozialistischer Hochschullehrer zu suchen. In überaus knapper und eindrucksvoller Art gibt er eine Analyse des Fascismus, die insbesondere mit dem vielfach verbreitetem Vorurteil, als handle es sich bei dem Fascismus um eine selbständige Klaffenbewegung des Mittelstandes, aufzuräumen sucht. Historicus zeigt, daß schom in der Vorkriegszeit nationalistische und antiliberale Bewegungen im Massenausmaß vorhanden gewesen'find und sogar schon, wie etwa bei den russischen„Schwarzen Hundert", den typischen „Stoßtruppcharakter" getragen haben. Diesen Stoß- truppcharakter gewinnt die Bewegung überall dort, wo ein Staatswesen bereits zu schwach ist, um von sich aus Bürgertum und Arbeiterklasse zu binden, wo also schon nicht mehr ein Friedenszustand, aber noch kein offener Bürgerkrieg herrscht. Hier setzen Regierrmg und herrschende Schichten zum Kampf gegen die Opposition nicht die reguläre Staatsgewalt ein, sondern freiwillige Scharen aus den Maffen des Volkes. Diese Scharen kommen zwar, wie das italie- nffche urü» das deutsche Beispiel lehren, vorzugs- weise aus den Mittelschichten. Der Fascismus, dem die sich zuwenden, gewinnt sie aber nicht infolge eines ihnen natürlichen Haffes gegen die Arbeiter, sondern vor allem infolge ihrer Enttäuschung über das Versagen der sozialistischen Parteien. Freilich gewinnt er sie nur, um sie nicht minder zu enttäuschen. Während diese Enttäuschung in Italien noch nicht zu einer wesentlichen Zersetzung des fascisti- jchen Apparates führen konnte, weil der Fascismus dort zugleich die sozialfortschrittliche Aufgabe übernahm, den ökonomisch und gesellschaftlich zurückgebliebenen Süden den Lebensbedingungen des industriellen Nordens anzupassen, tritt, der Fascismus in idenkschland in cmcrauZgcsprochenen Nkc- dcrgangsperiodc des Kapitalismus ist Erscheinung und ist daher weniger lebenskräftig. Die Märzwahlen des Jahres 1933 haben gezeigt, daß sich zwar die Fabrikarbeiter, die innerhalb der Gesamtzahl von etwa 25 Millionen Arbeitnehmern nur rund elf Millionen ausmachen, fast durchwegs, und zwar sowohl Arbeitende, wie Arbeitslose fest zu den sozialistischen Parteien gehalten haben, sie zeigen aber auf der anderen Seite, daß»sicht nur die» besitzenden Kreise geschlossen für die von den Nationalsozialisten geführte Rechte stimmten, sondern daß auch das ganz überwiegende Gros der übrigen Arbeitnehmerschaft der sozialen Verführungskunst der Nazi anheimfiel. Gerade' aus diesem zwiespältigen Charakter des Nationalsozialismus: Partei der Besitzenden und Partei der betrogenen Antikapitalisten zu sein, leitet der Verfasser die Notwendigkeit einer Zersetzung der Nazigefolgschaft ab. Indem er zugleich aufweist, daß die gesamte Regierungspraxis des Dritten Reiches gegen die Annahme spricht, der Nationalsozialismus sei eine Mittelstandspartei und beabsichtige irgendwelche Mittelstandsziele zu verfolgen, macht er mit der Legende Schluß, daß das Kleinbürgertum Ursache und politischer Bestimmungsfaktor des Nationalsozialismus sei. Ebenso weist er die Auffaffung, als handle es sich hier um eine politische Aktion der„Jugend", mit guten Gründen zurück. Was also bleibt, ist eine buntschek- kige Massenbewegung, geboren aus dem Versagen der sozialiftffchen Parteien in der früheren revolu- tionären Periode nach 1918 und aus der Verzweiflungsstimmung der Krisenjahre. Historicus sieht in dem Fascismus keinen Faktor, der prinzipiell? verschieden wäre von den Willenszielen des herrschenden Großbürgertums. Unseres Erachtens läuft er allerdings Gefahr, ähnlich wie die Konnnunisten, zu sehr an eine„Agenten"- oder„Marionctten"- Rolle zu glauben. Der Fascismus sucht durchaus eine eigene politische und soziale Rolle zu spielen, nur ist er dazu nicht in der Lage, weil er die in einer formalen Demokratie vorhandenen proletarischen Gegenkräfte ausgeschaltet und die Großmacht des Kapitals, dessen Vertreter in seinen eigenen Reihen sitzen. Ungehindert hat weiterbestehen lassen und so zwangsläufig in seine Hörigkeit verfällt. Indem Historicus die Legende vom FascisiuuS als einer Kleinbürgerbewegung zerstört, zerstört et zugleich auch die Illusionen, die vom Kleinbürgertum als Bundesgenossen oder/ möglicherweise auch gerade umgekehrt von einem ihm politisch entgegen- stehenden Kroßkapital Hilfe im Kampfe gegen den Fascismus suchen. Welche Ztmschenstadien auch ein künftiger Befreiungskarnpf gegen Hitler durchlaufen mag, die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein". Diese Erkenntnis, erneut formuliert haben, ist ein besonderer Vorzug der Schrift. Daß sie im Rahmen ber sozialdemokratischen Schriftenreihe erschienen ist, gibt ihr in diesem Zusammenhang eine doppelte Bedeutung. O. F. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rctourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- urrd Lelegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei: ,F)rbis". Druck-, Verlags- ur>d Zeitungs-A.-G., Prag.