Einzelpreis 70 Kelter (eintchließlieh 5 Heller Porto) IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag uu fochova«2. telbon 53077. Administration-Telefon 53074. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Freitag, 5. Oktober 1934 Nr. 233 Lttrunz des Vollzugsausschusses der Partei Der Vollzugsausschuß der Partei befaßte sich am Donnerstag nachmittags im Parlament mit der politischen und wirtschaftlichen Situation. Der Sitzung war vormittags eine Beratung der Kreisselretäre über organisatorische Fragen vorangegangen. _ Äm Vollzugsausschuß referierten die Genossen Dr. Heller und Taub über die Vorsprache einer Parteiabordnung beim Ministexprä- fidcnten. Daran knüpfte sich eine rege Aussprache, an der sich die Genossen Hackenberg, Z i s ch k a, Dr. Wiener, G r ü« z n c r, Kern, falsch und Genossin K i r p a l beteiligten. Einmütig wurde dabei die Auffassung vertreten, daß Partei und Gewerkschaften alle ihre Kräfte den gigantischen Rotstandsproblemen unserer Krisengebiere zuwenden müssen. Zur Bewältigung der kommenden schweren Aufgaben ist die ganze Partei zu äußerster politisch-organisatorischer Aktivität aufzubieten und der Vollzugsausschuß einigte sich dahin, daß zu diesem Zweck vor allem in den wichtigsten- Zentren Vertrauen s Männerkonferenzen als Einleitung zu anschließenden größeren Beratungen zu veranstalten sind. Geheimorsanisation entlarvt Welsunsen aus Deutschland Im Vorjahre wurde gleichzeitig mit der Auflösung der D.R.S.A.P. dir Türmitzer Ortsgruppe des„Jungvölkischen Bundes" aufgelöst. Der Führer der aufgelösten Gruppe wurde unter Polizeiaufsicht gestellt. Behördliche Erhebungen der letzte» Zeit ergaben, daß anstelle der aufgelösten Organisation eine geheime neue Organisation geschaffen wurde, die von Deutschland aus Weisungen erhielt. Diese Weisungen gingen von dem Führer der Gruppe, Josef Weitz, aus, der eS verstanden hatte, sich der Polizeiaufsicht zu entziehen und nach Deutschland zu fliehen, wo er einem Arbeitslager angehört. Die Türmitzer Grheimorganisation wurde aufgelöst, der Hauptorganisntor verhaftet und nach Prag gebracht. Wie weiter verlautet, wurden Korrespondenzen beschlagnahmt und mehrere Haussuchungen vorgenommen. bleue österreichische Garnisonen an der tschechoslowakischen Grenze Wien. Wie die Abendblätter melden, wird das Landesverteidigungsministerium in der nächsten Zrjt neue Militärgarnisonen im Grenzgebiet errichten. In erster Linie werden solche Garnisonen an der Rordwestgrenze Riederösterreichs (d. h. an der tschechoslowakischen Grenze!) errichtet werden. Oesterreich-Pakt zwischen Deutschland und Hallen? Paris. Zu den Meldungen, daß Deutschland bestrebt sei, bessere diplomatische Beziehungen mit Italien anzuknüpfen, erklärt„Petit Parisi e n", es bestehe, falls tatsächlich bestimmte neue Vorschläge existieren würden, welche Deutschland Italien unterbreiten wolle, keine Hoffnung, daß sie von Italien günstig ausgenommen würden, Auch die englische Presse spricht, wie aus London gemeldet wird, von einem deutschen M a n ö v e r, welches darin beruhe, einige Tatsachen zu ersinnen oder zu verdrehen und auf diese Weise Mißtrauen zwischen Paris und Rom zu säen. Dagegen teilt der römische Berichterstatter des„Temps" mit, daß das brennendste Problem zwischen den beiden Staaten, O e st.e r r e i ch. auf, gutem Wege zu sein scheine und daß ein Abkommen erzielt werden wird. Italien verlange von Deutschland, daß es Oesterreich auf eine lange Reibe von Jahren dieRuhe verbürge. MC Lage m unseren Randgebieten Kierofascistiscue Hoffnungen Vertreter der Partei beim Ministerpräsidenten Prag. Eine Abordnung der Partei sprach am Donnerstag beim Ministerpräfiden- ten Malhpetr vor, um den Regierungschef über die soziale««nd politische» Verhältnisse in den deutsche» Randgebiete» z« informieren. I» eingehender Aussprache wurde auf den außerordentliche» Ernst der Lage hingewiesk v und insbesondere im Hinblick ans den bevorstehenden Krisenwinter eine Steigerung der staatlichen Fürsorgetätig- keitfürdie Arbeitslosen verlangt. Der Ministerpräsident erklärte in Beanl Wartung der aufgeworfene« Fragen, über die traurigen Brrhältmffe in unsere« industrielle« Notstandsgebieten unterrichtet zu sein. Er stellte eine ernste Prüfung der vorgebrachte» Wünsche in Aussicht, wobei er namentlich seine positive Einstellung zu der produktive» Arbeitslosenfürsorge betonte. Das in dieser Vorjprache aufgeworfene Krisenproblem in de» Grenzgebieten wird«n- sererseits auch bei de« kommende« Koalitionsberatungeu mit allem Nachdruck in de» Vordergrund gerückt werden. Die sich ständig verschlimmernde AebeitSlosentragödie erfordert nicht nur die Aufmerksamkeit, sonder« auch die tätige Bereitschaft der Gesamtregiernng. Wettere Verhaftungen von Heimatfrontlern Was säst der Bund der Landwirte zu diesen seinen politischen Freunden? In der letzten Zeit mehren sich, wie die„Li- dove Roviny" berichten, an der schlesisch-deutschen Grenze die Besuche reichsdeutscher Staatsbürger, welche ihren Aufenthalt mit geschäftlichen Angelegenheiten motivieren. Viele von ihnen aber verfolgen andere Ziele, nicht in letzter Linie leisten sie Spionage. Mit einem von diesen Reichsdeutschen kam in letzter Zeit in Troppau der fünfundzwanzigjährige arbeitslose Lackierergehilfe Josef W e i s er aus Troppau zusammen. Er wurde beobachtet und nach Feststellung ver- dächtiger Umstände verhaftet. Bei der Hausdurchsuchung tmrrden-bei ihm Belege über seine Z u- gehürigkeit zur Sudetendeutschen Heimatfront gefunden und Material, welches den Verdacht begründet, daß sich Weiser strafbarer Handlungen gemäß den Paragraphen 2 und 14 des Gesetzes zum Schutze der Republik hat zuschulden kommen lassen. Gleichzeitig mit Weiser, welcher in die Untersuchungshaft des Kreisgerichtes in Troppau eingeliefert wurde, wurden der steunundzwanzigjährige Mechaniker Eugen Weißhuhn und der dreiundzwanzigjährige Bauzeichner Ludwig Barus- s el, beide aus Troppau, verhaftet. Ebenfalls verhaftet wurde der Kassier der Hen- l einfront Karl E ß l e r und das Mitglied der Heimatfront Josef E r- telsberger, gleichfalls beide aus Troppau. Im Zusammenhang damit wurden Hausdurchsuchungen auch beim Kreissekretär der Heimatfront, Otto Gebauer aus Troppau vorgenommen, wonach Gebauer gleichfalls verhaftet wurde. Es wurde festgestellt, daß Gebauer mit einem tschechoslowakischen Staatsbürger deutscher Rationalität in Verbindung stand, der heuer nach Deutschland entflohen und. dort in die Dienste einer irredentisti- schen Organisation getreten ist, deren Tätigkeit gegen die§SR gerichtet ist. Gebauer war Mitglied der aufgelösten Partei der deutschen Nationalsozia l i st e n. Wegen Verdachts von Strafhandlungen nach dem Paragraphen 2 und 17 des Schutzgesetzes wurde Gebauer in die Haft des Kreisgerichtes überführt. Was sagt der Bund der Land- wirte zu d e r T ä t i g k e i t seiner politischen Freunde? Spins muff Ordnung macken Das„Prävo Lidu" kommt gestern auf die Notiz der„Deutschen Landpost" zu sprechen, in welcher der Minister Spina seine Beziehungen zur Sudetendeutschen Heimatfront zu entschul- ? Sache der Landbündler, sondern Sache, der Heimatfront selbst seien.„Wir haben jedoch", so sagt das Zentralorgan der tschechischen Sozialdemokratie,„von den eigenartigen Beziehungen der Koalitionspartei der deutschen Agrarier zu Henlein geschrieben und das läßt sich nicht durch irgend einen Hinweis duf die Heimatfront abtun. Wir haben schon gestern nach dem„Sozialdemokrat" verinerkt, daß der neue Kalender des Sudetendeutschen Landstandes voll von Bewunderung für das Regime des Dritten Reiches ist. Solche Vorfälle, da die Koalitionspartei der deutschen Agrarier auf zwei Stühlen sitzt, kann man heute und täglich verzeichnen. D r. Spina mutz seine Partei in Ordn u n g geben. Das gibt es nicht, daß die Teilnahme an der Regierung zum Mantel wird, hinter dem sich hakenkreuzlerische Bestrebungen und Intrigen verbergen. Der„mächtige Fürsprecher** Henleins Auch die„Nova Doba", das Pilsener Blatt der tschechischen Sozialdemokratie, beschäftigt sich in einem Leitartikel mit Henlein und betont, es habe schon einige Male darauf hingewiesen, daß es sich bei der Heimatfront nur um einen Ersatz der Hakenkreuzpartei handelt und daß es zwischen den Hakenkreuzlern und Henlein nur den einen Unterschied gibt, daß Henlein„mit der Maske der Loyalität und mit dem Täuschungsmanöver der Konzentration des deutschen politischen Lagers hervortritt". Was Henlein aber noch von den Hakenkreuzlern unterscheidet, ist, daß er„einen mächtigen Fürsprecher in der Regierung" hat.„Der deutsche Minister Spina durfte sich nicht trauen und wollte es auch sicher nicht, sich für die Linderung des Schicksals der deutschen Hakenkreuzpartei einzusetzen, aber er zeigt alle, Bereitwilligkeit, sofern es sich um Henlein handelt... Die Verhältnisse im nördlichen und nordwestlichen Böhmen sind unhaltbar... Henlein dringt in die breitesten Kreise unter dem Schutze vorgetäuschter Legalität und Loyalität und hauptsächlich unter dem Schutze seines mächtigen Protektors ein." „Und wieder fällt eine marxistische Feste" — so schreit es jubelnd mit fetten Lettern aus der Presse unserer deutschen Christlichsozialen genau wie damals als in den Straßen Wiens die Kartätschen der Kanonenchristen Arbeiterwohn- häuser zerschossen und Menschenleiber zerfetzten. Wieder sucht der Klerofasrismus ein Land—> diesmal ist es Spanien— in seine gierigen Klauen zu fassen und schon die Vorstellung, sein erstes werde sein, die spanische Arbeiterbewegung in Strömen Blutes zu ersticken, läßt den in den Redaktionen der klerikalen Zeitungen sitzenden gesalbten Herren das Wasser im Munde zusammenlaufen. Worin erblickt denn die christlichsoziale Presse das neuerliche Fallen einer„marxistischen Feste"? Die Regierung Samper ist zurückgetreten' die wahrhaftig mit dem Marxismus nicht das geringste gemein hatte. Ihr kann man nicht nachsagen, daß sie sehr geschickt gewesen ist, noch weniger aber, daß sie es an Verfolgungen und Drangsalierungen der Sozialisten hat fehlen lassen. Die sozialistische Partei steht hart vor der Auflösung, alle Gewerkschaftshäuser sind ge? sperrt, etwa zehn Gewerkschaftsführer und eine Anzahl Cortesabgcordneter sind in'Hast; aufgelöst sind die niarxistischen Jugendverbände, der „Et Socialista" wird regelmäßig beschlagnahmt, über Spanien ist der Alarmzustand verhängt. In dem Rücktritt einer Regierung, die solches zu- Wege gebracht hat, wird man Wohl den Fall einer marxistischen Feste kaum erblicken können. Was die Klerikalen über den'Fall Sampers aufjauchzen läßt, das ist, daß diese Regierung doch nicht bereit war, sich ausschließlich dem Willen der katholischen Reaktion dienstfertig zu erweisen. Nun hoffen sie, daß Gil Nobles, der Führer des spanischen Klerofasrismus, obwohl diesmal noch nicht er, sondern Lerroux die Kabineüsbildung vollzogen hat, bald zu einer ausschlaggebenden Stellung in der Führung des Staates gelangen werde. Schon sehen die Klerikalen die Zustände, wie sie vor der Errichtung der Republik in Spanien bestanden haben, wieder hergestellt und anklagend stellen sie fest, unter der Republik sei der Jesuftenorden vertrieben, es seien kirchliche Anstalten enteignet und verweltlicht, ja sogar daS Ordenswesen unter strengste Kontrolle gestellt worden. Die Republik und auch der nur kurz andauernde Einfluß der sozialistischen Arbeiterbe- wegung hat an der wirtschaftlichen Lage des Landes und seiner Bewohner nicht allzu viel zu ändern vermocht, aber gerade das, was als Anklage gegen das republikanische System erhoben wird, die Brechung der Alleinherrschaft des Klerikalismus, die Beseitigung des bis ins Mark faulen und korrupten Monarchisnrus und die Befreiung von dem ungeheueren parasitären Heere der ungezählten Ordensbrüder, die gleich einem gefräßigen Heuschreckenschwarm das Land kahl fraßen, muß ihr als-eines ihrer Hauptverdienste angerechnet werden. Vor der Errichtung der Republik in Spanien zu Ieben,.bedeutete nicht nur fiir den Sozialisten,, sondern für jeden frei denkenden Menschen Schrecken und Oual. Gefängnis, Verbannung, Fememord—: das waren die Perspektiven, die jedem stündlich vor Augen standen. Noch im Jahre 1923 ergab die Betrachtung ein Bild Spaniens, das in der.Tat nahezu übergangslos an die Zeit der finstersten mittelalterlichen Reaktion anknüpfte. Begreiflich, daß schon die Hoffnung, es werde bald' wieder so weit sein, auch unsere Klerofascisten zu Ausbrüchen der Freude veranlaßt. Vorläufig besteht das „Fallen der marxistischen Feste" lediglich darin, daß in das neue Ministerium Lerroux auch drei klerikale Fascisten ausgenommen worden sind. So weit ist es jedenfalls noch nicht, daß zum Zwecke der Versklavung der spanischen Arbeiterklasse ein spanischer Dollfuß, wie er von unseren auch- Zum Schluß betont das Blatt, daß die Zukunft des Staates nicht vom Kampf zwischen Tschechen und Deutschen, sondern von der„demokratischen Verständigung der demokratischen Tschechoslowaken und demokratischen Deutschen Abhängt... Wir fürchten, daß durch die bisherige Gleichgültigkeit der Henleinschen Bewegung gegenüber eine schwere Sünde an der Demokratie digcn sucht und in der gesagt wurde, daß die i in diesem Staate und an der Zukunft unserer Beschuldigungen gegen die Heimatfront nicht! ganzen Staatspolitik begangen wird" Seite 2 Freitag, 5. Oktober 1934 Nr. 233 Llquiaicrung des B.d. L? Macdonald wieder aktiv? London. Ministerpräsident Macdonald kehrte in Begleitung seiner Tochter Isabella nach seinem langen Ferienaufenthalte in Kanada nach Eng« land zurück und landete Donnerstag früh in Liverpool. Von dort begab er sich unverzüglich nach London. Die Berichterstatter melden, daß Macdonald äußerst frisch aussieht. Er wird am Freitag von einem Augenspezialisten untersucht werden. demokratischen deutschen Christlichsozialen aufs innigste herbeigesehnt wird, die Zügel der unumschränkten Macht ergreife.. Die Gefahr für die junge spanische Republik und fir die Arbeiterklasse, von der klerikal- monarchistischen Reaktion abgewürgt zu werden, ist natürlich durch die Einsetzung des neuen Mini- steriums Lerroux nicht kleiner geworden. Schon die von den Mordchristen als schwächlich bezeich. nete bisherige Regierung Samper hat alle Mit- tel angewendet, um eine Situation zu schaffen, die es ihr ermöglichen sollte, gegen die geeinigte Arbeiterschaft vorgehen zu können. Es ist wahr, daß das Land im Revolutionsfieber schauert und daß die Arbeiter. gewarnt durch die Vorgänge in Deutschland und Oesterreich, entschlossen sind, sich von der katholisch-monarchistischen Reaktion nicht ohne Widerstand abschlachten zu lassen. Doch ist es eine fette Lüge, daß„auch der Marxis- mus Spaniens zum Bürgerkrieg rüste". Darauf laufen vielmehr alle über Betreibung der kätho- lischen Volksaktion, das ist der klerikalen Fasci- sten, inszenierten Aktionen der Staatsmacht hinaus, die einen neuen„Reichstagsbrand" nach Goeringschem Muster zu arrangieren sucht. Was- fen und Munition werden jetzt vpn der Polizei in großen Mengen„gefunden", ebenso werden Laboratorien zur Bombenerzeugung entdeckt und sogar ein vollständiger, bis ins Detail ausgearbeiteter Revolutionsplan„fiel" ihr in die Hände. Obwohl nicht erwiesen erscheint, daß die beschlagnahmten Waffen für die Marxisten, da- gegen nachgewiesen wurde, daß die größten davon für die klerikal-monarchistischen Kreise bestimmt waren, hat die Regierung nicht gegen diese, sondern gegen die sozialistische Arbeiterschaft ihre Schläge gerichtet. Jnsoferne haben die Klerikalen recht, daß in Spanien ein neuer Umsturz„sich vorbereitet", das heißt, das Zsil der Klerofascisten ist und die revolutionäre Unruhe, von der daS Land infolge der, infamen klerikalen Hetze erfüllt ist, wird sich unter der neuen halbfaseistischen Regierung noch steigern. Spanien ist zur Zeit ein Revolutionsherd, der jeden Augenblick explodieren kann und dies nur, weil die Mächte, die zwei Jahrhunderte schrankenlos zum Unheil des Volkes geherrscht und das Land bankerott gewirtschaftet haben, das alle Herrentum wieder in Macht und Würde einsetzen wollen, was die Vernichtung aller Errungenschaften der Arbefterbewegung zur Voraus- setzung hat. Daß unsere Christlichsozialen bei diesem Abwehrkampf gegen die Unterdrückung der or- ganisierten Arbeiter und der mit ihnen sympa- thifierenden Linksrepublikaner mit ganzen Her- zen auf Seite der Reaktion stehen, verdient zur Kennzeichnung dieser Demokraten mü dem doppelten Boden festgehalten zu werden. 1 Wir haben vor einiger Zeit ein Rundschreiben der Henleinfront veröffentlicht, das die zwischen dem Sudetendeutschen Landstand und der SHF getroffenen Abmachungen enthielt. Die Uebereinftimmung zwischen diesen beiden politischen Gruppierungen war auch bis zur Veröffentlichung dieses Dokuments kein Geheimnis. Aber es war der erste B e w e i s für das Zusammenspiel zweier politischer Gruppen, deren eine in der Regierung unserer Demokratie vertreten ist, während die andere alle Nationalsozialisten um ihre Fahnen sammelt. Es ist bemerkenswert, daß sich besonders die landftändische Jugend um die Annäherung an die Henleinfront bemüht und daß diese Jugend in der Verfolgung ihres Zieles auch vor einer Gefährdung oder Vernichtung des Bundes der Landwirte keineswegs zurückschreckt. Ein Beweis dafür sind die Betrachtungen, die in der politischen Jahresschau des„Deutschen Landvolls- kalenders" über die Henleinfront angestellt werden: „Die SHF baut sich unter Anerkennung des Staates auf ständischer Grundlage auf, bedeutet also eine Fortsetzung der langjährigen Arbeit des Bundes der Landwirte, der sich als StandeSpartei dasselbe Ziel setzte. Die deutschen Sozialdemokraten ließen zwar die ganze Zeit hindurch nichtunversucht, die neue Bewegung als staatsfeindlich zu vernadern und sie als getarnten Ersatz für die aufgelöste DNSAP hinzustellen, ihr Endziel, daß auch die SHF aufgelöst werde, haben sie jedoch bis zur Stunde nicht erreicht, und zwar deswegen nicht, well der Bund der Landwirte seine schützende Hand über die neue Bewegung hält, von der sich besonders die junge Landvolksgeneratioa «ine ersprießliche Zusammenarbeit zum Wohle des sudetendeutschen Volkes erhofft." Daraus geht also hervor, daß die Tätigkeit der SHF nicht etwa eine Ergänzung, sondern eine Fortsetzung der Arbeit des Bundes der Landwirte sein soll, besten langjährige Arbeit damit überflüssig geworden ist. In das Streben nach völliger Totalität hat Henlein natürlich auch das Aufgabengebiet des Bundes der Landwirte einbezogen. Das ging aus dem von UNS veröffentlichten Rundschreiben hervor, wird aber ebensosehr durch die Ausführungen des Dok- tor Hetz in der politischen Jahresschau des Land- volkskalenderS bestätigt. Die Jungen im Sudetendeutschen Landsiand scheinen allerdings das Gefühl zu haben, daß diesem Streben in der eigenen Partei noch einige Widerstände begegenen könnten. So haben sie denn ei» Programm zur Eroberung der Partei aufgestellt, das sie nicht einmal geheimhallen- Im„Deutschen Landvollskalen- der" schließt sich an die politische Javresschau em Aufsatz an. in dem dem„Freisinn" in der Land- volkSbewegung der Kampf angesagt und über den Gegensatz zwischen jung und all folgendes gesagt wird: „Der Bund der Landwirte schuf.... eine straffe Organisation und stellte«in de« ZeiwerhLltniffen an gepaßtes Programm auf. Anfänglich vermochte er stch jedoch dem literalen Geist so wenig los- zusage» wie di« Deutsche Agrarpartei.(Die Bor. gängerin deS Bunde- der Landwirte. Die Redaktion.) Später gelang ihm'das ater, wobei freilich zu bedenke« ist, daß niemand a»S feiner Haut heraus kann. Die in den alte» Anschauungen ausgewachsene» Anhänger der Partei suchen immer wiederliberaleJdeenznr Geltung zu bringe». Der Kampf, den die Jungen gegen die Alten führte«, von Feinde» de- LaadstandeS mit Behagen beobachtet und glossiert, wird auf diese Weise verständlich. Die Jugend wird siegen, eben weil eS dir Jugend ist, die ja nicht ewig jung bleibt, sonder«» über kurz oder lang da- Schicksal de- LandstandeS in di« Handnehmen muß." Gustav Hacker ist immerhin schon Vorsitzender des Bundes der Landwirte und Wortführer des Sudetendeutschen Landstandes. Die Träume der Jungen scheinen in der deutschen Agrarpartei viel schneller zu reifen, als seibst Herr Dr. Hetz noch vor einigen Monaten gehofft hat. Der Kampf„gegen den Liberalismus", den die landständische Jugend führen will, ist in Wirklichkell ein Kampf gegen die Bejaherder Demokratie in den Reihen des B u'n deS der Landwirte und der Kanwf für die völlige Durchsetzung des! Sudetendeutschen Landstandes mit der Ideologie der SHF. Die spricht genau so über den Liberalismus wie Herr Dr. Hetz; ihre Wurzeln hat diefr antiliberalistische Redeweise in der Propaganda des Herrn Goebbels. Uns dünkt, daß die„Deuffche Landpoft" es nicht notwendig hätte,„Ein für allemal" hochmütige Antworten auf die Feststellungen von Tatsachen zu erteilen. Sie hätte vielmehr die Pflicht, diese Tatsachen zu untersuchen; und die für den Sudetendcutschcn Landstand Verantwortlichen hätten die Aufgabe, diese Tatsachen aus der Well zuschaffen. Wie kann man eine Partei ernst nehme«, deren eigene Jugend ihre Liquidierung ankündigt? Wie kann man an die politische Konsequeuz der Landstands-Politiker glauben, wenn sie gestatten, daß ihre Jugendbewegung und ihr Schrift, tum von Nationalsozialisten betreut wird, die au- ihrer wahren Gesinnung noch viel weniger ein Hehl machen als die mit ihnen befreundeten Totengräber des BdL aus der SHF? In wessen Namen spricht eigentlich Herr Spina? Im Name» jenes Volksteils, der dem BdL zum Zwecke der Tellnahme an einer demokratischen Parteienregirrung seine Stimme gab oder im Name» derer, die die Demokratie unter Zuhilfenahme nationalsozialistischer Schlagworte bekämpfen? Wirkliche politische Konsequenz dürste mtt'llaren Entscheidungen nicht zögern. Der Nationalsozialismus wird nicht dadurch sympathischer und duldimgSwürdiger, daß er sich in einer an der tschechoslowakischen Regierung beteiligten Partei breitmacht. Parlament in vierzehn Tagen Vorlase des Budgets In der ersten Sitzung Wie die ParlamentSkorrespondeuz meldet, sachten gemäß dem Beschluß des Parlament-Präsidiums dir Borsitzenden der beide« Häuser der Nationalversammlung Dr. Stank! und Dr. Soukup de» Ministerpräsidenten M a l y p e t r auf u»rd besprachen mit ihm die Politische Lage sowie die Dispositionen betreffen- die Einberufung der beiden- Kammern der Rationalversamm' lang. Nach diese« Dispositionen wird die Früh- jahrStagung der Kammern in den nächsten Tagen geschloffen und die beiden Häuser werden um den 20. Oktober znr Herbsttagung einberufe« werden. Da der 20. Oktober ein Samstag ist, so dürfte die erste Sitzung wohl schon entweder ein Der Betriebsterror Ein unglaublicher Fall Der Karlsbader„Bollswille" schreibt: Auf der Anna-Zeche in GrünlaS, die einen gewissen Dr. Hans Weinkauf als Besitzer.hat, scheinen sich.in der letzten Zeit seltsame Dinge abzüspielen, auf die wir me Oeffent- lichkeit und besonders die amtlichen Stellen aufmerksam machen wollen. Die Belegschaft dieses Betriebes in der Stärke von 60 bis 70 Mann ging vor zirka 14 Tagen daran, einen BetriebSauSschuß aufzustellen, welcher die Aufgabe gehabt hätte, die Rechte der Arbesterschaft zu sichern und zu vertreten. Als die- Dr. Weinkauf und sein Ingenieur erfuhren, wurden die drei nominierten Betriebräte sofort entlassen. Ueber Einschreiten deS RevierbergamteS in Karlsbad versprach dieser Ingenieur, di« Entlassungen wieder zurückzunehmen und die Gekündigten wieder einzustellen, sowie die Rechte der Arbeiterschaft anzuerkennen. Kaum aber hatte der bis zwei Tage früher oder erst am Dtzenstag der darauffolgenden Woche, d. i. am 23., erfolgen. Wie wir hereüs früher meldeten, besteht die Absicht, schon in dieser ersten Sitzung das Budget vorzulegen, dessen Entwurf am Donnerstag bereits einer Sitzung der politischen Minister unterbreitet worden ist. Ein Achtmllllarden-Budget Der Gesamtbetrag des Budgets soll nach iwoffiziellen Meldungen acht Milliarden XL nicht überschreiten, also gegenüber dem Vorjahr um etwa 400 Millionen höher sein. Die Aufteilung auf die einzelnen Ressorts steht jedoch noch nicht endgültig fest. Vertreter des Revierbergamtes den Schacht vev» lassen, als die getroffenen Vereinbarungen verworfen und die drei aufgestellten Betriebsräte neuerlich gekündigt wurden. Die Herren gäbe« dann durch Anschlag bekannt, daß sich jeder Beschäftigte, der sich mit dem Borgehe« der Betriebsleitung einverstanden erklärt, auf einer Liste, welch« in der Werkskanzlei anflaz, unterschreiben soll«. Die Belegschaft konnte an diesem Tage eine halbe Stunde vor Arbeitsschluß zutage fahren, und hier versuchte dieser famose Ingenieur, Katz mit Namen, das Vorgehen der Betriebsleitung zu rechtfertigen. Die Belegschaft lehnte dieses provokatorische Ansinnen, wie nicht anders zu erwarten war, einmütig ab. Und jetzt scheinen diese Herren aufs Ganze gehen zu wollen. Wie wir in Erfahrung brachten, wollen sie nun die alte Belegschaft rntlaffen nnd Neuaufnahme» vornehmen; den neuen Arbeitern wäre dann das Recht genommen,«ine Vertretung zu wählen, da ja laut Gesetz jeder erst eine gewisse Zett beschäftigt sein muß, um wählen zu können oder um wählbar zu sein." Copyright 198« by Michal Kacha Varia«, Png XIX HilSner lacht nur.„Ihr seid ja alle verrückt!" Da versucht es der Freund auf andere Art. „Ich geh jetzt in die Totenkammer, mir die Hruza anschauen. Kommst du mit?" Polda schüttelt den Kopf. Auch das noch, zu einer Toten, einer Erschlagenen soll er! „So, du willst nicht. Dann weiÄen freilich alle Leute erst recht sagen, daß du es gewesen bist... daß du der Mörder bist." Und er fichr ihn mit einem unschönen Lächeln an. HilSner seufzt und sagt:„Also komm!" Sie schleichen sich nach der Friedhofskirche. Dort beobachtet Skala den andern genau. Aber nichts Seltsames oder Auffallendes ist an ihm zu bemerken. Er wirft einen furchtsamen und neugierigen Blick auf den Leichnam und beeilt sich, wieder hinauszukommen. „Früher hat sie mir besser gefallen," sagt er roh, wie um seine Ueberlegenheit zu beweisen. „Schade..." Am nächsten Morgen wird er auf die Anzeige des Klenovec hin vor den Bezirksrichter geladen. Da' er sieht, daß die Affäre sich nicht von selbst erledigt, kriegt er es mit der Angst. Er glaubt am besten zu fahren, wenn er jede Frage, die ihm mit der Geschichte in Verbindung bringen will, einfach verneint. Die Ermordete, erklärt er, habe er nicht gekannt, dann muß er aber zugeben, daß er,..wenn er sie sah, Wohl wußte, wer sie war. Im Bresinawald sei es weder am Mittwoch noch am Donnerstag gewe- fo- Diesmal war ihm aufgetragen worden, in seinem dunklen Feiertagsanzug zu erscheinen, um nochmals mit der Bomela konfrontiert zu werden. Die Aussage, die sie zu Protokoll gibt, ist im wesentlichen dieselbe wie gestern: „Ich habe den Leopold HilSner nie gesehen, ich kenne ihn überhaupt nicht, und ich kann in ihm keinesfalls den Menschen wiedererkennen, der am Mittwoch Abend beim Bresinawald mit dem Stock in der Hand an mich herangetreten ist." Der Richter hält eS erst gar nicht für notwendig, mit Hilsner ein Protokoll aufzunehmen. Er schickt ihn nach Hause. Sich allein auf der Straße zu zeigen, kann Hilsner nicht wagen. Ein Wachmann mutz ihn begleiten. Bor dem Tor des Gerichtsgebäudes auf dem Ringplatz erwartet ihn eine zusammengeströmte Menge. Die Leute stützen Schmährufe aus, als sie sehen müssen, daß der krumme Hund, der Mörder, der Blutsauger fteigelassen worden ist. Die Stadt ist besessen. Gestern schon sind bei einigen Juden die Scheibe» eingeschlagen worden. Heute sitzen sie in der Judenstadt hinter geschlossenen Fensterläden in ihren Wohnungen und Geschäften; der FeftgotteSdienst kann nicht abgehalten werden. Allerlei Fremde sind zu sehen, Leute aus Nachbarorten, sogar ein Prager, ein Herr vcm der Zeitung, soll angekommen sein. Jede Stunde läßt neue wilde Gerüchte entstehen. Am Ort des Leichenfundes hat ein Pol- naer Handwerker ein Paar Riemen entdeckt, die unter Moos und Reisig versteckt waren. Bald nachher finden sich auch mehrere Scherben. Klar, datz es sich um die Gebetriemen handelt, wie sie hie Juden bei der Verrichtung ihrer Morgenandacht verwenden, und um das Gefäß, in welchem das ausströmende Blut des Opfers aufgefangen wurde... In der ungeheuren Bewegung, die solche und ähnliche Entdeckungen Hervorrufen, gcht die gerichtliche Feststellung, daß ein plumper provokatorischer Schwindel vorliege, unter. An diesem Tag wird Agnes Hruza beigesetzt. Wer irgend abkommen kann, ist dabei. Eine mächtige Welle von Mitgefühl strömt der Mutter und dem Bruder entgegen. Aber die beiden tragen wie immer ihr mürrisches und gedrücktes Wesen zur Schau. Einige böse Mäuler, die schon seit Samstag mit dem Verdacht hausieren gehen, der Johann habe mit der Sache mehr zu tun als der Polda, man solle sich den Burschen nur genauer ansehen, er habe doch immer eine Wut auf die Schwester gehabt und ihr Erbteil nicht auszahlen wollen, und das Stück von der Maurerschürze gebe auch zu denken, und seine Roheit bei der Leiche sprech« Bände, diese Nörgler und Wichtigtuer, die sicherlich von den Juden dafür bezahlt bekommen, behaupten im Wirtshaus nach der Bestattung, der Johann habe die rechte Hand imnier in der Tasche behalten, und als er beim Beten beide Hände falten muhte, habe er den Hut so angefatzt, daß man ihm nicht auf die Finger sehen konnte. Auch zum Gruß, sagen sie, gebe er nur die Linke, gewih sei die andere zerkratzt. Und um den Hals trage er ein Tuch, das man sonst auch noch nie bei ihm gesehen habe.... Aber die bestochenen Schwätzer werden rasch zum Schweigen gebracht. Die Volksstimme verlangt, datz etwas geschehe. Man kann doch den Hilsner, den Verbrecher, nicht einfach laufen lassen! Also begeben sich Klenovec und Sedlak noch einmal in die Wohnung, stöbern sie gründlich bis in jeden Winkel durch und untersuchen die alten Kleider, die die Mutter zusammengeschnorrt hat. Den hellen Anzug wollen sie finden, den die Vomela an dem Menschen im Wald gesehen hat. Eine graue Hose ist wohl da, ein abgetragenes Stück mit ein paar rostbraunen Flecken, aber dafür interessieren sie sich nicht. Polda selbst gibt nur alberne Antworten. Sein Freund Vesely ist bei ihm, und ihm will er zeigen, datz er sich von den Herren nicht imponie ren lässt. Wo der helle Anzug sei, ftagt man ih» zum x-tenmal. Der hängt in der Lust, erwidert er frech. Da wird eS dem Postenführer, den die Erfolglosigkeit ohnedies nervös macht, zu bunt. Soll er sich von dem Judenbuben auch noch Un- verschämtheiten gefallen lassen? Der hat es nötig, mit einer Amtsperson, einer höheren Behörde, Witze zu machen! Wo es doch trotz feinem Leugnen erwiesen ist, dass er am Mittwoch in der Bresina war. Und er verhaftet ihn. „Jetzt werden sie alle einsperren, die nicht arbeiten," sagt HilSner zu Vesüy und lässt sich abführen. DaS Signal ist gegeben. Die Polnaer sehe» in der Verhaftung den erbrachten Schuldbeweis. Am Abend rotten sich ein paar hundert zusammen. Mtt Stöckey und Beilen gehen sie gegen die stoischen Geschäfte vor. Sie schlagen kaputt, was nicht niet- und nagelfest ist. Die wenigen noch unversehrten Fenster der Synagoge und der jüdischen Wohnungen gehen in Trümmer, und in das Splittern von Glas und Holz klingt das Geschrei der Männer und Weiber und das Lied von.„Blitz und Hölle". Die Ortspolizei ist weder stark genug noch bereit, energisch einzugreifen. Der Ge» richtsvorsteher ruft telephonisch die Gendarmerft von Deutsch-Brod, der nächsten böhmischen Stadt» zu Hilfe. Nach ein paar Stunden ebbt die Erregmptz ab. Im Wirtshaus von Bitek geht es lustig zu. Das andere, das sonst die Juden besuchen, hat längst Tür und Fenster fest verschlossen. Am folgenden Morgen sieht es aus, als fei die Ruhe wiederhergestellt. Die auswärtigen Gendarmen haben die lautesten Schreier fester« nommen. Das Gericht wird sie zweifellos ganz gehörig verknaxen— man weiß doch, welche« Einstuß die Juden bei den Aemtern hchbep (Fortsetzung kolgt.) «r. 28» Freitag, 8. Oktober 1834 Sekte 3 LpSte Erkenntnis Ein Christlichsozialer gegen die Gleichschaltung mit Schuschnigg-Fey-Dtarhemberg. Während die„Deutsche Presse" sich tzanz als das offizielle Organ der österreichischen Kanonenchristen fühlt und jede Schandtat der Schuschnigg, Fey und Starhemberg blindlings und unbesehen verteidigt, scheinen einige andere Christlichsoziale endlich kapiert zu haben, daß bei der wunderbaren Niederringung des österreichischen Marxismus durch Mussolini und seinen Starhemberg, beim Aufbau des Ständestaates durch die Herren Dollfuß. Schuschnigg und Mandel, bei der Austilgung der christlichsozialen B" wegung durch den Putschisten Fey nicht alles so läuft, wie man es erträumt hat. Jrn Jägerndor- fer„B o l k", das noch kürzlich die Heiligsprechung des blutigen Miniaturkanzlers Dollfuß befürwortet hatte, widmet Dr. Felix Luschka der christlichsozialen Partei Oesterreichs und der u e g e r-Tradition" einen bewegten Nachruf, der mit folgenden Worten schließt: Die sudetendeutsche christlichsoziale VollS- vartci ist dnrch die unfreiwillige Selbstkaltstellung der isterret» chischenB ruderpartei nicht im geringsten berührt. Sie übernimmt höchstens dir gesteigerte Pflicht, di« ehrenvolle Traditio« des demokratischen Lueger-Programms, da allein, um so getreuer zu Mahren. Volk und Heimat in unserem Staate werden ihr dafür gewiss wohlverstandene« Dank wisse«. Gegen Anschläge der Gegner aber will st«, durch da« öfterrei» chische Beispiel rechtzeitig gewarnt, auf der Wacht sei«. Will sie es w i r k l i ch? Das ist die Frage Sie müßte dann bald und gründlich von der Verherrlichung des österreichischen Henkerregimes rb- rücken und ebenso von dem albernen AntimarxiS- mus, mit dem Seipel und Dollfuß die Demokratie in Oesterreich und mit ihr die eigene Bewegung erschlagen haben, um den Staat an ein paar Bandenführer und Kapitalisten auszuliefern. Das Schicksal* der Studenten Im Dritten Reich Zu den jüngsten Terrormaßnahmen des deutschen Fascismus gehört auch die Verfolgung der studentischen Organisationen und die rabiate Gleichschaltung des studentischen Nachwuchses. Dieselben Herrchen, die vor anderthalb Jahren die Bücherverbrennungen durchgeführt haben, die vor drei und vier Jahren die erfolgreichsten Schrittmacher Hitlers und die aktivsten Bazillenträger der Seuche des Nationalsozialismus waren, werden jetzt an die Kandare genommen. Besonder« der jüngste Nachwuchs an den Hochschulen wird scharf hergenommen. Ein Jahr ArbeitSdienst- pflicht, Kasernierung in gemeinsamen Häusern, Tragen der vorgeschriebencn Uniform der Arbeitshäftlinge— das ist das Ende der berühmten deutschen Studentenfreiheit, die von der Republik nicht angetastet worden war. Im„Pariser Tageblatt" schreibt Georg Bernhard über die Ursachen des Kampfes gegen die Studenten: „Seit langem schon gärt es. wie man weiß, in der Studentenschaft Deutschlands. Mit dem 30. Juni ist in die Hörsäle der Geist der offenen Rebellion eingezogen. Zwischen den Hochschullehrern und den Schülern besteht ein geistiges Einvernehmen, das stch nicht sichtbar hervortraut, das sich aber an tausend Kleinigkeiten bemerkbar macht. Nach alter deutscher Hoch- schulfitte trampeln oder scharren die Studenten plötzlich bei Worten des Lehrers, die dem Unbefangenen gar keinen Anlaß zu Kundgebungen zu bieten scheinen. Aber man hat sich eben in den Hörsälen auch schon daran» gewöhnt, in einer Zeichensprache zu reden, die nur dem Eingeweihten verständlich ist. An den süddeutschen' Universitäten scheint sich dieser Widerspruchsgeist am stärksten geregt zu haben. So siark, daß Herr Julius Streicher, der Nürnberger Obersadist, vor einigen Wochen bereits sich bemüßigt fühlte, die Aufmerksamkeit der hohen Nazistellen auf die dort bestehenden Zustände besonders hinzulenken. Er hat damit einen radikalen Erfolg gehabt.. Denn in den neuen Vorschriften geht man mit den Studenten aufs Ganze." Georg Bernhard hat Recht, wenn er weiter sagt, daß Lehrer und Studenten, das ernten, was sie gefäet haben, daß sie den verdienten Lohn erhalten und daß die Erkenntnis zu spät kommt. Nicht zu spät brauchte die Lehre fürdiehiesigenStudentenzu kom men. Die Nachläufer Henleins und S t t i* b r nys, SanNicoloS und D o m i n S könnten noch Nutzen ziehen aus den Erfahrungen ihrer reichsdeutschen Kommilitonen. Aber die Hoffnung, daß sie es tun, ist gering. Der FasciS- muS ist eine Krankheit, die anscheinend erst der fürchten lernt, der sie durchmacht. Warnung vor Ansteckung hilft da wenig I keine Hltlerfreunde? Die von uns wiederholt zitierte Zeitschrift „DiejungeFront", eines der vom Käme« radschaftsbund beeinflußten, wenn nicht völlig beherrschten Henlein-Organe gibt sich immer schamloser als Organ der Hitlerpropaganda. In einem Artikel über Oesterreich der Nr. S dieser Zeitschrift kann man u. a. lesen: scharfe Abkehr Deutschlands von den Putschisten, die sofortige Absetzung HMchts und die Vechastung aller au« Oesterreich Geflüchteten zeigt eindeutig ja was denn? Daß man im Dritten Reich nur erfolgreiche Putschisten liebt und besiegte fallen läßt? Daß die Nibelungentreue nur bis zum Tor des Landesgerichts vorhält? Daß Hitler seine Leute geopfert hat, aber ihnen die Treue nicht hielt, als der Anschlag fehlschlug? Nein, in den Augen der Herren vom KB. und der Jungen Front beweisen diese Fakten eindeutig, daß von dieser Seite(Deutschland, Anm. d. Red.) der Putsch nie geplant war, vielmehr von— von wem also? Bon gewissen nationalen Kreisen.,.. Und wie steht es nun? Es ist ein Irrtum zu meinen, Oesterreich sei von der Reigerung bezwungen. Oesterreich ist auch heute noch deutsch(im Original fett ge- Wir haben unlängst das Rundschreiben wiedergegeben, in dem Henlein gegen die Nörgler und Gerüchtemacher wie der leibhaftige Goebbels loszieht. Die Leute, gegen die sich Henleins Zorn richtet, sind jene von ihm übernommenen Nazis, die— anscheinend durch keinen 30. Juni zu belehren— nicht ohne weiteres ihre sozialistischen Wünsche aufgcben wollen. Sie haben sich in der Zeitschrift„Aufbruch" ein Organ geschaffen, in dem sie gegen den Kameradschaftsbund und die Henleinsche Führerclique mehr minder offen kämpfen. Was diese Konkurrenten des Führers Henlein von dem Kameradschafsbund halten, geht aus einem ironischen Artikel hervor, den- auch die »Deutsche Zeitung" mit dem ausdrücklichen Hinweis, sie widmeihndemKB, nachdruckt. Wir zitieren einige markante.Stellen aus dem Artikel des„Aufbruch"(die Worte sind ironischerweise einem KB-Mann in den Mund gelegt): Ich btt rin geistiger Mensch. Deshalb kehneich allefozialistischen Bestrebungen ab. Sozialismus ist etwas Materielles, daher Ungeistiges. Ich schwöreaufmeiustaatS- theore tische« Lehrbuch. In diesem ist alle« wunderbar einfach gelöst. Daß es sich im praktischen Leben nicht bewährt, kann mich nicht hindern, daran zu glauben. Mich können Tatsachen des praktischen Leben« prinzipiell nicht überzeugen, mich belehre« bloß theoretische Borträgr eines Professors am grünen Tisch. druckt) vielleicht innerlicher, glühender denn je... Die jüngste Nachricht, v. Papen fühle sich der österreichischen Aufgabe nicht gewachsen Und leg« seine Miffion nieder, scheint mehr von dem heimlichen Wunsch diktiert, diesen fähigen Politiker loszuwerden... Oe st erreich ist deutsch... und Deutsches kann Deutschem nicht F e i n d s^i n, soll es sich selbst nicht betrügen. Bei dieser Auffasiung von nationaler Pflicht kann natürlich auchHenleindemHitlernicht Feind sein, will er sich selbst nicht betrügen. Er verbirgt es nur, denn er ist augenscheinlich ein ebenso fähiger Politiker wie Papen. Aber innerlich sind sie eben alle drüben,„vielleicht innerlicher, glühender denn je". Ich glaube, daß ein Mann des praktischen Leims zur Staatsführung unfähig ist, well ihm eine gründliche theoretische Schulung mangelt. Es ist ein unverzeihliches Verbrechen solcher Lmte. die Regierung nicht einem Gelehrtm zu übergeben, der den Staat wahr und groß bereits in seinen Büchern ausgebaut hat. Ich bejahe dir Volksgemeinschaft. Ader kein Meuschkannvonmirverlange«, daß ich mich mit dem ungebildete» Volke aneinenTischsetze; mit diesm Leuten kann man ja nicht diskutieren. Im polftischm Leben trachte ich, möglichst «nsichtbarzubleibe». Dm««en» ich vor aller Oeffmtlichkeit tätig bin, mutz ich doch dir Verantwortung für mein« Taten tragen. Ich bevorzuge da« feine diplomatische Spiel hinter den Kulissen. Meine Gegner behaupten ganz zu Unrecht, daß ich ein hinterlistiger Intrigant bin. Mit meinesgleichen verbindm mich mge Fäden. ES ist natürlich sehr«»angenehm, wenn dieS bekannt wird. ES ist jedoch unwahr, daß ich mit meinm Gesinnungsgenosse« einen Geheim» bnndvon Artdrr Freimaurer bilde. Ein herzlicher Ton tiefen Vertrauens zum Führer beherrscht, wie man sieht, daS Leben und den Kampf der SHF. Zu bestaunen bleiben nur die Merffchen, die so hirnlos sind, den Führerschwindel nicht zu durchschauen und sich bald von diesen bald von jenen Kreaturen Hitlers mißbrauchen zu lasten. HadsdurserentschSdlsuns im BerhandlungSstadinm Wie«. Aus einem inspirierten Kommentar deS„Weltblattes" geht hervor, daß bereits offizielle Verhandlungen über die Rückgabe des beschlagnahmten HabSburgervermögenS eingeleitet worden sind. Das Blatt erklärt allerdings, daß es sich um eine überaus komplizierte Angelegenheit handle; um eine„gerechte" Auseinandersetzung herbeizuführen, müffe erst die juristische Frage geklärt, die Verantwortlichkeit geprüft und zahlreiche umfangreiche Nachrechnungen borgenommen werden. Das Blatt behauptet zum Schluß, es bestehe nunmehr kein Zweifel, daß es sich bei der Aufhebung der Habsburgergesetze um eine r e i n innere Angelegenheit Oesterreichs handle. Auch Oskar sakrosankt Wie». Das„Neue Wiener Journal" wurde heute wegen seines Leitartikels, in dem der Sohn des verstorbenen Präsidenten Hindenburg angegriffen wurde, konfisziert. Nach Papen Rust... Budapest. Reichsminister Rust trifft am 7. Oktober zum Besuch des ungarischen Kultus- und Unterrichtsministers Homan in Budapest ein. Reichsminister Rust wird mehrere Tage in Budapest verbringen, um die kulturellen Einrichtungen Ungarns kennen zu lernen. Schleppende Gct eideablleferung In SowjetruBland Moskau. Auf Veranlassung der Parteileitung und der Regierung sind am Donnerstag wieder 41 Leiter von Staatsgütern und Bauernkollektiven ihrer Posten enthoben worden, da die Getreideablieferungen mit großen Verzögerungen durchgeführt werden. Nach nunmehr vorliegenden Meldungen haben die Staatsgüter und Bauernkollektiven bisher nur 32 von 100 des gesamten Ge- treideplaneS erfüllt. Konflikt In Danzig In Warschauer politischen Kreisen herrscht großes Jntereffe für einen Konflikt zwischen dem Vorsitzenden des Danziger Senats, Dr. Rausch- n i n g und dem Leiter der NSDAP in Danzig, Förster, ausgebrochen ist. Beide haben Hitler zur Entscheidung angerufen. Am Sonntag ist Förster nach Berlin gereist, am Dienstag ist Rauschning verreist. Gerüchte besagen, daß Raufchning für ein« Politik der Mäßigung«str- tritt, während Förster radikalere Methoden wünscht. Schwere Innerpolltische Krise In Griechenland Athen. Die Verhandlungen, die die Regierung zwecks Sicherung der Wiederwahl des Staatspräsidenten Z a i m i s mit der Opposition unter BenizeoleS eingeleitet hatte, sind ergebnislos abgebrochen worden. Das hat zu einer schweren Zuspitzung der innerpolitischen Lage geführt. Am Mittwoch hat die Abgeordnetenkammer angeblich das(von der Regierung gewünschte) Wahlgesetz angenommen, das den Haupt- gegenstand der Differenzen gebildet hatte. Diese Abstimmung ist jedoch nach einer Erklärung, die die Führer der Opposition dem Staatspräsidenten abgaben, als illegal und nichtig anzusehen, während der Ministerpräsident darauf beharrt, daß sie legal erfolgt sei. Bon Regierungsseite wird die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen in Aussicht gestellt, falls der noch in Aussicht genommene letzte Versuch einer Einigung scheitern sollte. Aus der offiziösen Erklärung, daß die Regierung bereits alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung getroffen habe,, geht hervor, daß die Regierung Gegeümaßnahmen der Opposition erwartet und auch vor GeyMlt- matznahmen nicht zurückschrecken will, falls die Opposition nicht nachgibt. Der Staatsbeitrag zur Arbeitslos e nunter st ütznng verlängert. Durch Verlautbarung des Ministrriunrs für soziale Fürsorge wurde die Auszahlung des StaatSbeitragrs nach Artikel HI des Gesetzes 74/1930 bis zum 31. Dezember 1934 verlängert. Präsident Masaryk wurde am Donnerstag in Lana von der Fox-Filmgesellschaft für die Wochenschau geftlmt, und zwar bei einer der üblichen Ausfahrten, die Masaryk in Begleitung 'eines Sohnes regelmäßig in die Wälder der Umgebung unternimmt. Es wurden auch Großauf- nahinen deS Präsidenten sowie das Antreten der Wache bei der Rückkehr ins Schloß gedreht. Masaryk jun. sprach auf Ersuchen des Präsidenten in tschechischer, deutscher, französischer und englischer Sprache in den Tonfilm Worte des Dankes für die vielen Beweise der Liebe und Anhänglichkeit zum Präsidenten, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sein Vater sich in der allernächsten Zeit wieder vollständig von seiner Erkrankung erholt haben werde. Saarkatholiken für Status quo Offene Erklärung Ihres Führers Paris.(Tsch. P.-B.) Mittwoch abends sand in Pari- eine große Versammlung über die Saarfrage statt, die von der gemeinsamen sozialistischen und kommunistischen Front veranstaltet wurde. Neben französischen Rednern der sozialistische» und der kommunistischen Partei sprach auch der Führer der Saar-Sozialisten, Braun. Große Aufmerksamkeit erregte namentlich die Erklärung deS Führers der deutschen Katholiken im Saarlande, PrinzenHohenlohe- Langenburg, der bekanntgab. daß die deuffchen Katholiken im Saarland« nicht für Hitler-Deutschland, sondern fürdenstatusqno stimmen werden Kabinett Lerroux mit Einschluß der Katholiken Madrid. Am Donnerstag abends wurde die endgülttge Liste deS neuen Kabinetts Lerroux bekanntgegebe«, die vom Dtaatspräfiden- Lerroux ten bereits genehmigt wurde. Lerroux ist bekanntlich der Führer der radikalen Partei, der auch schon in. den oorbergegangenrn Kabinetten der Radikalen dir Politik der jeweiligen Regierung entscheidend beeinflußt hat. Der bisherige Ministerpräsident Samper übernimmt das Außen- Ministerium. Das neue Kabinett hat infolge des Eintrittes der„C e d a", d. h. der katholischen Volksaktion, die bisher in Opposition stand, eine Mehr heit im Parlament hinter sich. Zweifellos wird der neu« Kurs gegen die sozialistisch-kommunistisch« Linke und gegen den katalanischen Separatismus gerichtet sein. Rach einer offiziösen Auslassung ist die neue Regierung entschlossen,„den Grundsatz der Staatsautorität mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten und dem Zustand der Un, sicherheit und dem revolutionären Zustand in Spanien sowie den Urbrrgriffe« des Separatismus ein Ende zu bereiten". Im Kabinett Lerroux ist im letzten Augenblick noch eine Aenderung gegenüber der vorläufigen Liste vorgenommen worden. Zum Minister für öffentliche Arbeiten wurde ein Agrarier berufen. Die Agrarier haben sowit zwei, die Radikalen neben dem Ministerpräsidenten nur sieben Vertreter in der Regierung. Angst vor Straßendemonstrationen Für Donnerstag hatte die Regierung in Madrid große Vorbereitungen getroffen, um eventuelle Streiks und Demonstrationen der Linksparteien, die sich mit dem beabsichtigten Rechtskurs keinesfalls zufrieden geben dürften, zu verhindern. Bis zum späten Abend sind aber keinerlei Demonstrationen oder Streiks bekannt geworden. In Barcelona wurden zahlreiche Anarchisten in Präventivhaft genommen. voch Generalstreikparole Die Agence Havas meldet bei Blattschlutz aus Madrid, daß gerade in dem Augenblick, als dir amtliche Meldung von der Bildung der neuen Regierung Lerroux verlautbart wurde, der B e- fehl zumGeneralstreik erteilt worden ist. Per Zwiespalt In der SHF Fronde gegen den Kameradschaftsbund Seite 4 Freitag, 5. Oktober 1934 Nr. 233 Tschechische Gemeinden gegen Selbstverwaltunssflnanzvorlase Die böhmische Landeszentrale der Gemeinden, Städte und Bezirke hat sich unter Vorsitz des"Bürgermeisters von Böhm.-Brod, Genossen Machacet, mit der beabsichtigten Vorlage eines Gesetzentwurfes zwecks Regelung der Selbstverwaltungsfinanzen befaßt, wobei der Referent Genosse Pliml folgenden Standpunkt vertrat: Die tieue Vorlage ist vom Standpunkt der Selbstverwaltung auf das entschiedenste zurückzuweisen. Gerade die arbeitenden Volksschichten, die schon bischer die größten Opfer gebracht haben, vertragen keine weiteren Lasten. Die Steuergrundlage, welche früher eine reiche Einnahmsquelle war, ist heute ein verstümmeltes Steuertorso, welches zum Ruin der Selbswerwältung beiträgt. Verlangt wird die Schaffung voit Kanzleien zur Revision der Gemeinde- und Bezirkswirtschaft, abgclehnt wird die Dotierung des Entschuldungsfonds aus der Margarinesteuer. Beantragt wird vielmehr diese Dotierung aus der Umsatzsteuer, aus dem Straßenfonds, aus neuen Umlagep auf die besondere Erwerbsteuer in der Höhe von 50 Prozent. Um die deutschen Emigranten Unter diesem Titel beschäftigen sich„Lidove Noviny" mit den Beschwerden, daß deutsche Emigranten von tschechoslowakischen Behörden nach Deutschland ausgewiesen wurden, was bekanntlich einen Protest der Liga für Menschenrechte und einen Aufruf von Schriftstellern verursacht hat, in welch letzterem die Wahrung des Asylrechtes für die deutschen Emigranten verlangt wurde. Das Blatt hat sich über die Angelegenheit km Ministerium des Auswärtigen informiert, wo ihm gesagt wurde, daß dem Ministerium nicht ein konkreter Vorfall bekannt ist, wonach ein politischer Emigrant in seinen Heimatsstaat abgeschoben wurde. Es wurde ausdrücklich befohlen, daß so etwas nicht zu geschehen habe. Insbesondere die deutschen Flüchtlinge dürfen nicht nach Deutschland abgeschoben werden. Allerdings beharrt das Ministerium darauf, daß die Emigranten bei uns keine politische Tätigkeit entfalten und nur wenn sie sich in unsere innerpolitischen Angelegenheiten einmischen— Werden sie— allerdings nicht in ihr Heimatland ■— abgeschoben. Das Ministerium des Innern wird in den nächsten Tagen einen Runderlaß herausgeben, wonach die politischen Behörden darüber werden belehrt werden, wie mit den Emigranten umgcgangen werden soll. Tendenziöse Berichterstattung, In mehreren deutschen Provinzblättern/ wurde im Zusammenhang mit der Kritifierung der Aufteilung der Margarinekontingente die Nachricht verbreitet, daß die angeblich in Neratowitz befindliche Margarinefabrik des GEC-Verbandes ein größeres Margarinekontingent zugewiesen erhielt. Diese Mitteilungen beruhen nicht auf Wahrheit, da der GEC-Verband keine Margarine- fabrikbc sitzt und sich deshalb auch um keine Zuteilung beworben hat. Alle- an diese Berichte geknüpften Kombinationen sind demnach unrichtig. Bezeichnenderweise haben die betreffenden Zeitungen einer zugesandten Richtigstellung nicht freiwillig Raum gegeben und werden dazu tvahrschein- lich erst auf Grund einer preßherichtlichen Berichtigung zu bringen sein. Die Gewerkschaften für die Arbeitslager. Die„Gewerkschaftliche Rundschau", das Organ der Zentralgewerkschaftskommission des Deutschen Gcwerkschaftsbundes, gibt in seiner letzten Ausgabe den Bericht über das staatliche Arbeitslager in Theresienstadt wieder und bemerkt dann: „Air würden es sehr begrüßen, wenn derartige Versuche fortgesetzt würden. Führen wir die jungen Menschen zur Arbeit zurück, so geben wir ihrem Leben wieder ein Ziel. Der freiwillige Arbeitsdienst enthält gesunde Gedanken. In England, Schweden, der Schweiz, überall werden unter Förderung demokratischer Regierungen Arbeitslager unterhalten. Warum sollten wir uns dessen entziehen, da es hierzulande 160.000 jugendliche Arbeitslose gibt?" Gleichschaltung der sudetendeutschen katholischen Jugend. In der„Deutschen Preffe" schreibt ein gewisser Dr. Scholz über das Verhältnis der katholischen Jugend zum Deutschen Turnverband. Er stellt fest:„Aus dem heißen Bemühen heraus, die Volksgemeinschaft verwirklichen zu helfen, unterstützen Staffelstein, Quickborn und Jugendbund die Einigungsbestrebun- gcn des Deutschen Turnverbandes." Dann sagt Dr. Scholz dem Deutschen.Turnverband den Mißerfolg seiner Bemühungen um die katholische Jugend voraus, wenn der Turnverband nicht die christliche Weltanschauung in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit stelle. Die Katholiken b e- grüßen also den Totalitätsanspruch des Deutschen Turnvcrbandes auf dem Gebiete der Erziehung, ja, einige Gruppen der katholischen Jugend unterstützen diese Gleichschaltung unmittelbar. Wir zweifeln nicht daran, daß der Deutsche Turnverband die Bedenken des Dr. Scholz zu zerstreuen bemüht sein wird. Wenn der für den Turnvcrvand maßgebende Henlein auf politischem Gebiete allen alles verspricht— weshalb sollte da 8er Deutsche Turnverband andere Grundsätze beachten? Es ist immerhin bemer- kcnswert, daß unsere Katholiken bereit sind, sich mit jeglicher Gleichschaltung abzufinden, wenn sie unter dem Decknamen„Volksgemeinschaft" dem Ziele dient, die Arbeiterbewegung vernichten. Bahnstation Neubau zu wenig Wasser vorhanden war, um der Flammen Herr zu werden. Der Wagen brannte vollständig aus und die vom Bähnpersonal aus dem Wagen gezerrten Pakete — zum großen Teil mit wertvollem Inhalt— waren dtzrch Feuer, Wasser oder das Ausschlagen auf den Boden unbrauchbar geworden. Mit dreiviertel Stunden Verspätung konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen, nachdem die Reste des Wagens in der Station Neubau zurückgelassen worden waren. Dr. Zäcek gestorben. In Brünn starb Donnerstag im Alter von 85 Jahren der ehemalige Rei chsrats- und Landtags-, abgeordne/te Advokat Dr. IanZacek. Im Jahre 188o wurde er Reichsratsabgeordneter und im Jahre 1887 Abgeordneter des mährischen Landtages, wo er im Jahre 1900 zum Präsidenten des Klubs der tschechischen Abgeordneten gewählt wurde. Er war auch Vorsitzender des Vollzugsausschusses"der Nationalpartei in Mähren. Dem Kabinette Bienerth, welches vom Jahre 1908 bis 1911 dauerte, gehörte Dr. Zäcek als L a n d s m a n n m i n i st e r an. Nachdem Umstürze lebte er in Zurückgezogenheit. 125 Verfasser„schreiben" ein Buch. Ein eigenartiges und wertvolles Geschenk wurde vor einiger Zeit dem Inhaber des großen Stockholmer Verlages, Albert Bonnier, zu seinem 75. Geburtstage überreicht. Es handelt sich um ein nur in einem Exemplar hergestelltes Buch, das von 125 Schriftstellern im wahren Sinne des Wortes geschrieben worden ist. Jeder Verfasser mußte seinen Beitrag mit der Hand auf ein geliefertes Papier derselben Größe und Beschaffenheit schreiben. Dann wurden die einzelnen Beiträge vereinigt und zu einem kostbaren Ganz- lederband gebunden. Unter den Verfassern befinden sich unter anderen: Sven Hedin, Heidenstam und Selma Lagcrlöf. Trichinose im nahen Bayer« Gin Todesopfer, dreißig Erkrankte— Ei« Selbstmord bei Marktredwitz Marktredwitz(Bayern). In den letzten Tagen erkrankten inLorenzreuth bei Marktredwitz— ganz nahe der tschechoslowakischen Grenze.— 30 Personen an Trichinose. Eine 36jährige Frau ist bereits im Krankenhaus gestorben.« Vor einiger Zeit" hatte der Metzger- m e i st er Erhard Werner ein Schwein geschlachtet, ohne es durch den Fleischbeschauer einer amtlichen Kontrolle unterziehen zu lassen. weil er anscheinend die Fleischbeschaugebühren und die Schlachtsteuer s p aren wollte. Kurz daraus stellten sich im Ortebei.etwa. 30 Personen.Krankheitserscheinungen ein. Als die Untersuchungen eickks polizeilichen uüd ärztlichen Ausschusses. an Ort und Stelle ergaben, daß die Erkrankungen auf den Genuß trichinhaltigen Fleisches aus dem Laden Werners zurückzuführen sind, e r h ä n g t e sich der M e tz g e r m e i st e r in einem Schuppen seines. Anwesens. Tagcsnculgkcltcn Meistergeiger Marteau gestorben Aus Hof in Bayern kommt die Meldung, daß bei Lichtenberg in Oberfranken(an der thüringisch-bayrischen Grenze) der berühmte Geiger Professor Henry Marteau als Sechzigjähriger an einer Lungenentzündung verstarb. Mit Henry Marteau verliert die Kunstinternationale einen ihrer Besten. Henry Marteau war in der ganzen Welt als Meister der Violine sowohl im Konzertsaal wie auch als Lehrer hochberühmt. Sein Vortrag klassischer Violinwerke, vor allem Beethovens und Bachs, galt mit Recht als beispielhaft, die Ruhe seiner Bogenführung, der Adel seines Tons, die Klarheit seines Vortrags galten ebenso musterhaft wie seine Lehrmethode, durch die er vielen Hunderten seine Kunst übermittelte. Henry Marteau war gebürtiger Franzose, genoß aber seine grundlegende musikalische Ausbildung in Deutschland und begann seine Lehrtätigkeit in der Schweiz als Leiter der Meisterklasse am Genfer Konservatorium. Von dort führte ihn seine professorale Tätigkeit über Berlin, Leipzig und Dresden nach Prag, wo er viele Jahre hindurch an der Deutschen Musikakademie als hochverehrter Lehrer und übrigens auch als R e k t o r wirkte. Henry Marteaus Sonatenabende waren künstlerisches Ereignis in allen Teilen der Welt. Auch die sudetendeutsche Provinz hatte wiederholt Gelegenheit, den Meister am Pult zu begrüßen. Im übrigen hat sich Marteau auch als Komponist(vor allem kleinere» Biolmwerke) bekannt gemacht. Gattenmörder— drei Tage Arrest Chrudim. Donnerstag w«de das Urteil gegen Rudolf Vacek verkünVet, der seine geschiedene Frau erschossen hatte. Vacek wurde von dem Verbrechen des Mordes freigesprochen. Die Geschworenen beantworteten die erste Hauptfrage mit zehn Stimmen Nein. Der Staatsanwalt meldete keine Nich- tigkeitsbeschwerdean und Vacek wurde bloß wegen Uebertretung des Waffenpatentes zu drei Tagen Arrest bedingt verurteilt. Die Liste der Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe bei Krakau* hat sich auf 13 erhöht, da noch zwei Schwerverletzte im Krankenhaus gestorben sind. Die' Gesamtzahl der Schwer- und Leichtverletzten beträgt 56. Als Schuldige an der Katastrophe wurden der Fahrdienstleiterder Station Krzeszo- wice und ein Blockwärter verhaftet. Der Untersuchungsausschuß hat festgestellt, daß der Schnellzug Wien—Warschau auf dem Streckenabschnitt gelassen ivurde, ohne daß die Strecke als frei zurückgemcldet worden war. Die Mache einer verlassenen Brant hat Mittwoch nachts eine furchtbare Katastrophe: über die Gemeinde L o d a e st i in Bessarabien! b^raufveschworen. Während ein Bursche namens Georg Spoiala seine Hochzeit mit einem Mädchen, der Gemeinde feierte, legte seine verlassene Gc- liebte an vier Ecken des Hauses, in dem. die Hochzeitsfeierlichkeiten stattfanden, Feuer an. Gerade als die Festlichkeiten ihren Höhepunkt erreicht hatten, fanden sich die Hoch-, z e i t s g ä st e plötzlich von F l a m-■ men e i n g e k r e i st. Die Gäste konnten mit I Mühe und Not ihr nacktes Leben retten. Das 1 Feuer wütete weiter Und erfaßte schließlich die, Häuser der Nachbarschaft. Etwa 30 Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Nur mit großer Mühe konnte man des furchtbaren Brandes Herr| werden und den Rest der Ortschaft retten. Ein Arbeiter schreibt den Kommunisten. Ein sozialdemokratischer Arbeiter schrieb dem Herausgeber des„Klassenkainpf", des„Einheitsfrontorgans" der Kommunisten, den folgenden Brief: „Werter Herl:. Mir würde die Zeitschrift„Klas. senkampf" zugesendet, ich habe diese Zeftschrift aber nicht bestellt und auch keinem anderen gesagt, daß mir dieselbe zugeschickt werden soll. Ich werde daher die mir zugesandten Exemplare nicht bezahlen, ebenso wie auch alle nach dieser Zuschrift an mich geschickten Zeitungen nicht bezähü werden. Meine wetteren Mitteilungen können Sie ohneweiteres in dieser Zeitung veröffentlichen, da Sie doch besonders gern mit der Meinung von Sozialdemokraten ihre Blätter füllen, um so Verwirrung unter der sozialdemokratischen Arbeiterschaft anzurichten, um• auf diese Weise Ihre Reihen, welche durch den täglichen„revolutionären" Kampf immer schwächer, werden, aufzufüllen. Mein: Ansichten über die Tätigkeit der K. P., in deren Auftrag Sie diese Zeitung herausgcben, werden Sie auch durch die. Schreiberei des„Klasscnkampf" nicht zu ändern vermögen. Denn ich war sieben Jahre Mitglied-der K. P. und auch lange Zeit als Funktionär tätig. Ich ging deshalb aus dieser Partei heraus, weil es mir als Arbeiter unmöglich ist in einer Partei zu sein, in der es nicht zulässig ist, daß die Mft- glieder an den von der Parteileitung herausgegebenen Parolen und Richtlinien Kritik üben oder ihre Meinung dazu äußern. Dies, obzwar doch alle Zeitschriften der K. P. alle anders gesinnten Menschen, insbesondere die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften zu dieser Kritik' an ihren Vertrauensmännern und Leitungen auffordern, um auf diese Weise für sich Anhänger zu finden. Ich kann Ihnen versichern, daß jeder Halbwegs denkende Arbeiter diese Taktik der K. P. verwirft, da sie das gegenseitige Vertrauen der Arbeiter untergräbt und damit jede gedeihliche Arbeit im Interesse der gesamten Arbeiterschaft unmöglich macht. Mit proletarischem Gruß: Josef Mül- l e r, Hombok 68."—-®cr Brief wurde selbstverständlich vom„Klassenkampf" n i ch t veröffentlicht. Eine deutsche Schule für die Rothauer Kinder in der Fremde. Wir lesen im.„Völkswille": Nach dem schmählichen Verrat, den sudetendeuffche Kapitalisten an sudetendeutschen Arbeitern begangen haben, mußten mehrere Röthäuer Arbeiterfamilien ihre Heimat verlassen und nach Lesko w e tz bei Friede! übersiedeln. Ihre Kinder fanden aber dort keine deutsche Schule. Den Bemühungen der Sozialdemokraten ist es nun gelungen, die Errichtung einer dreiklassigen deutschen MinderheitSschule in Leskowetz zu erreichen, di« nunmehr eröffnet wurde. Den angeblich völkisch so geschlechtslosen Sozialdemokraten ist es also zu danken, wenn die Rothauer Kinder, die in fremder Umgebung eine neue Heimat fanden, ihrem Volke erhalte» bleiben. Brand eines Postwagens des Karlsbader Personenzugrs. In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag geriet der bis zur Decke mit Paketen angefüllte' Postwagen des Personenzuges Nr. 508, der um 12.43 Uhr von Karlsbad abgcht, in Brand. Kurz vor der Station Neubau wurde das Feuer von einem Passagier bemerkt und der Zug durch die Notbremse zum Stehen gebracht. Man versuchte zwar das Feuer zu löschen, doch mußte dieser Versuch scheitekn, weil auch in der Vom Rundfunk Empfehlenswertes»es den Programmen! Samstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. 11: Schallplatte», 11.05: Konzert des Prager Salon-Orchester, 15.55: Koi^ert, 16.40: Rundfunt für die reifere Jugend, 18.05:'Deutsche Sendung: Jugendstunde, 20.10: Konzert des Jazzorchesters 22.15: Schallplatte». Sender S.: 13.40: Klavierkonzert, 15: Deutsche Sendung: Lieder von Schumann, Brahms und Reger.— Brünn 12.35: Orchesterkonzert, 17.50: Deutsche Sendung: In Auerbachs Keller.— Mährisch-Ostrau 17.05: Halbe Stunde Volkslieder, 18.40: Kleiner spielt Saxophon. — Prestburg 20.45: Operette aus dem Studio: Offenbach.— Ein KurS für Rundfunk- und Fernmeldetechnik an der Deutschen Staätsgewerbeschule m Reschen? berg, wird zuerst einen gedrängten znsämmenfassenden Ueberblick der theoretischen Grundlagen geben. Unter anderem wird besprochen: Der Schwingungskreis, die Antennenanlage, der Detettorempfang, Radioröhren und ihre Eigenschaften, das Audion, Nieder- und Hochfrequenzverstärkung, Tvpen der derzeitigen Empfangsgeräte und Lauffprecherarten. Wenn nun der Einblick in die elektrischen und akustischen Vorgänge und Zusammenhänge mit Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse gewonnen ist, dann werden die jetzt gangbaren Einzelteile und die verschiedenen Empfänger und Verstärker in bezug auf Aufbau und Eigenschaften behandelt. Ferner folgen Anleitungen über das Lesen der Schaltung, über Nachprüfung, Instandsetzung und Verbesserung des Apparates, sowie, über Störungssuche und Störungsbeseitigung, von der ja zum großen Teile die Weiterverbreitnng des Rundfunks in stark gestörten Stadtteilen abhängt. Schließlich werden die jetzt in den Handel gebrachten Meß- und Prüfgeräte, wie sie sich vornehmlich für den Funktechniker und Installateur eignen,' erklärt und Angäben über ihre richtige Benützung, den Verwendungsbc- reich und die Fehlergrenzen gemacht. 272 Grad Kälte im Laboratorium In diesen Gasbehältern' wird Twrch Verflüssigung von Helium eine Temperatur von Minus 271,8 Grad erzielt, die der im Weltraum herrschenden Temperatur von Minus 273 Grad sehr nahe kommt. Die Behälter haben-einen doppelwandigen luftleeren Mantel, dessen Wände innen versilbert sind, um. eine Erwärmung des Inneren durch Zustrahlung von außen zu vermeiden. Nr. 233 Freitag, 5. Oktober 1834 Seit« 5 Zwei Schluck— zwei Tote. Unter schweren Vergiftungserscheinungen wurden in daS Stettiner Krankenhaus der Rentner Battige und der Künstler Rudat eingeliefert. Beide hatten in einer Gchankwirtschaft von einer Flüssigkeit aus einer mitgebrachten Flasche einen tüchtigen Schluck zu sich genommen und waren einige Zeit später leblos umgefallen. Kurze Zeit nach ihrer Einlieferung, die ein sofort hinzugezogener Arzt veranlaßt hatte, sind beide, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben, gestorben. Die Untersuchungen über die rätselhafte Angelegenheit sind im Gange. Nachspiel des Falles Obregon. Die Ermordung des Präsidenten Obregon— am 17. Juli 1928— beschäftigt jetzt erneut die amerikanische Oeffentlichkeit. Am Mittwoch begann dort nämlich ein Prozeß gegen zwei Angeklagte, die beschuldigt werden, an der Verschwörung zur Ermordung Obregons teilgenommen zu haben, einen Pater namens Jimenez und einen gewissen Manuel Trejo Morales.(Der eigentliche Mörder Obregons, Leon Toeal, ist schon am 9. Feber 1929 hingerichtet worden). Afrikaner in südfranzösischen Garnisonen. Dem Pariser„M a t i n" zufolge wird binnen kurzem die Armee des Mutterlandes durch afrikanische Truppen verstärkt werden, und zwar für die Jahre, in welchen die Militärverwaltung Mangel an neuen Rekruten haben wird. Die Kolonial- truppen werden zum größten Teil in Südfrankreich stationiert werden. Er siebzehn, sie vierzehn. Auf der Bahnstrecke Stuttgart—Ulm wurden am Mittwoch mittag- die Leichen eines aus Uengen stammenden 17jäh- rigen Burschen und eine» 14jährigen Mädchen- gesunden, die sich von dem Zuge hatten überfahren lassen. Die Gründe zur Tat sind noch unbekannt. Nazideutfche Frechheiten. Man würde es nicht für möglich halten, welcher Unverschämtheit die gleichgeschaltete deutsche Filmindustrie fähig ist. Im braunen„Filmkurier", dem offiziellen Organe der deutschen Lichtspieltheater, wird in auffallendstem Drucke und in großer Aufmachung auf der ersten Seite stolz vermerkt, daß in Wrexham in England zu Ehren und zugunsten der Opfer des großen Grubenunglük- kes der deutsche Film„Kameradschaft" vorgeführt wird. Auf diesen Film sind die Filmbeamten des Herrn Goebbels also sehr stolz, aber wehe einem deutschen Kinobesucher, der nach ihm Verlangen tragen sollte I In Deutschland wurde nämlich„Kameradschaft" als pazifistischer Film verboten und der Regisseur Pabst aus dem Lande gejagt. Das hindert aber die Nationalsozialisten nicht, sich mit diesem Film, den sie im Inland verfemt haben, zu brüsten, wenn er im Auslande— mit Recht — Erfolg hat. Eine feiste Gesellschaft! „Die Freizeit deS Lehrers mutz aufhlren",. erklärte der nationalsozialistische Berliner Stadtschulrat Meinhausen. Wie gründlich das im Dritten Reich« durchgeführt wird, können alle Lehrer dem Berichte über„Schule, Lehrer, Erziehung in Deutschland 1988/34" entnehmen, den di« eben erschienene Septembernummer der„Reuen Erziehung" enthält. Aus dem weiteren Inhalt seien noch genannt:„BüreaukratismuS und Schule" von Dr. Lothar Spielmann. Ein zusammenfastender Bericht schildert den Verlauf der Aussiger Sommerschule. Au- der Feder Paul Fürstenau- stammt die soziale Studie „D e r M i t t e l s ch u l l e h r e r". So reiht sich auch diese Nummer allen bisher erschienenen Folgen der„Neuen Erziehung" würdig an. Diese Zeitschrift gehört in die Hand eine- jeden fortschrittlichen Lehrer-. Der JahresbezuglpreiS beträgt 18 Kf. Bestellungen sind zu richten an die Verwaltung, Aussig, Kleischerstraße.113/1. Frau über Bord. Auf der Unterelbe stießen in der Nähe von Wittenbergen der Dampfer „Steinhöst" und der Motorsegler„Amanda" zusammen. Dabei wurde der Motorsegler so stark beschädigt, daß er finkend auf den Strand gesetzt werden mußte. Die Gattin des Schiffers Döllinger vom Motorsegler„Amanda" stürzte bei dem Anprall der Fahrzeuge über Bord und ertrank. Die deutschen Musikstaatsprüfangen für den Privatunterricht finden vom 12. November an im Gebäude der Deutschen Musikakademie, Prag ll.,■ Vladislavovä 28, statt. Anmeldeformulare gegen Einsendung der Einschreibegebühr von Kl 20.— erhältlich. Ende der Einreichungsfrist: 20. Oktober. Das Wetter. Ein Ausläufer der Tiefdruck- depreffion über den britischen Inseln, welcher auf das Binnenland eindringt, dürste bei uns veränderliches und windiges Wetter bei allmählicher Abkühlung ver- anlaffen. In Frankreich wurden Donnerstag nachmittag- stellenweise nur 14.1 Grad gemesten.— Wetteraussichten für heute: Veränderlich, zeitweise ziemlich bewölkt und strichweise Regenschauer, mäßig warm, im allgemeinen jedoch bereits etwas kühler, Südwrst- bis Westwind.— Wettervorhersage für Samstag: Unbeständig, kühler, Westwind. Der Teufel Der Herr der Hölle hatte tatsächlich eine Jn- spektionsreise nach jenem großen Reich unternommen, das sein Fuß seit langem nicht mehr betreten. „Nun, Söhnchen, wie war es?" fragte di« Großmutter den Heimgekehrten,„ist es wirklich wahr, was hier unten erzählt wird, daß dort dir gesegneten Zustände des Mittelalters wiedergekehri find?" „Bester, weit bester", jubelte der Gottseibeiun-, „um künftig« gelernte Arbeitskräfte brauchen wir nicht mehr in Sorge zu sein. Aber das schönste ist: Ich habe nicht mehr nöttg, meinen Pferdefuß zu verbergen. Ueberall, wo ich angehumpett kam, riefen die Leute:„Vivat, der Herr Propagandaminister l" Mucki im„Reuen Vorwärts" Der Produktionsindex 1834 Die Entwicklung der industriellen Produktion in der Tschechoslowakei in den ersten sieben bzw. acht Monaten des laufenden Jahres läßt sich bei einem Vergleich des für jeden Monat ermittelten Produktionsindexes verfolgen.(19 29----100). Der für.Juli bzw. August genannte Produktionsindex kann nur als vorläufig gelten; kleinere Berichtigungen sind möglich. Der Index betrug: JLnn. Feber März April Mai Juni Juli Aua. Bergbau....- 65.8 63.9 60.9 60.2 60.6 56.1 58.6 60.9 Metallindustrie..» 38.1 39.4 49.2 53.8 54.9 51.8 47.9 49.5 Glasindustrie..., 51.3 48.8 47.4 48.5 51.6 52.7 53.3 — Porzellanindustrie.. 37.0 40.6 42.9 41.9 41.1 37.9 37.0 85.6 Chemische Industrie.« 93.5 79.2 85.0 87.0 89.1 86.7 85.1 — Holzindustrie.... 45.1 46.9 48.2 49.4 52.2 52.8 53.8 — Papierindustrie... 72.2 70.4 81.4 84.5 87.8 76.8 78.8 77.1 Textilindustrie... 70.3 75.5 83.9 84.8’ 84.1 80.9 77.6 77.0 Bekleidungsindustrie.. 72.5 74.9 77.2 77.6 72.2 77.2 79.4 — Gesamtindex.... 59.1 61.2 66.4 70.3 70.8 68.6 67.2 — Es weist demnach dieMehrzahlder verschiedenen Zweige unserer Fertigwarenindustrie gegenüber zu Beginn des Jahres einen höheren Produktionsindex auf, am g ü n st i g st e n stellt er sich für die Metallindustrie. Bemerkenswert ist. daß die Monate Mai-Juni in der Metallindustrie, der Porzellanindustrie, der chemischen Industrie, der Papierindustrie und der Textilindustrie in der aufsteigenden Erzeugung den Umbruch gebracht haben. Eine anhaltende, allmählrcheBesserung ist in der Produktion der Glasindustrie, der Holzindustrie und in der Bekleidungsindustrie festzustellen. Der Äcsamtindex der industriellen Produktion in der Tschechoslowakei ist zwar gegenüber dem Höchststand in'diesem Jahre 70.8 im Mai auf 67.2 im Juli zurückgegangen; er liegt aber damit immer noch erheblich über dem Index vom Jänner 1934, wo er 59.1 betrug. kW MticKdicn Partclgcschiclitc Und ein Stückchen Heimatgeschichte! Der Genoste Hermann König aus Mährisch-Trübau hat sie geschrieben. Seine Musestunden nützte er zu sorgfältigem Studium und dann zu einer liebevollen Darstellung der„Geschichte der Arbeiterbewegung vonMähtisch-Trübau". König selber sagt in einem Vorwort, seine Schrift sei nicht zur Beröfientlichung bestimmt. Wenn er versucht habe,«ine Art Heimatgeschichte mit sozialem Inhalt zu schreiben, so habe er damit eine Dankesschuld abstatten wollen an die Bewegung, an der er seit mehr al- einem Vierteljahrhundert teilnimmt, aber auch an die geliebte Landschaft, deren Straßen,! Siedlungen und stille Weiler er in langen Arbeit-- jähren mit manchem lieben Weggenosten durchwandert... Gedruckt kann dieses Geschicht-werk nicht werden, weil die Partei nicht die Mittel hat, Werke herau-zugeben, deren Leserkreis nur ein eng umgrenzter sein kann. Aber eine Zierde de- Parteiarchiv- soll dieser stattliche, mit so viel Sorgfalt geschriebene Band werden. Genosse König greift weit zurück in die Vergangenheit, um die Vorgeschichte der Arbeiterbewegung skizzieren zu können■— bis zur Besiedelung de- SchönhengstgaueS durch deutsche bäuerliche Einwanderer, Die Entwicklung' Und den'Verfall de- Bauerntum- zeigt er, denn et erzählt damit auch die Geschichte der Ahnen de- Proletariats. Au- den: Bevölkerung-Überschuß der Bauernbevölkerung und aus den zugrundegegangenen Handwerkern entstand das Proletariat. Sehr ausführlich wird die Entwicklung de- Tuchmachergewerbe» in Mährisch- Trübau und sein Niedergang geschildert: wie daalte Handwerk vor der Uebermacht der Maschine zurückweichen mutzte. Noch im Jahre 1880 gab es in Mährisch-Trübau gegen hundert selbständige Meister. Ende der Achtziger Jahre starb die alte Zunft. Die letzten Zunftmeister verkauften die Waffen, Geräte, Truhen und Humpen, einst der Stolz der Zunft, an einen wandernden Hausierer, um sie nur lo-zu- werden. Und gaben die Zunftbücher noch drauf... Aber so rasch starb die Handarbeit nicht! Noch 1890 gab es im Bezirke Mährisch-Trübau ungefähr 8000 Handweber mtt 2800 mithelfenden Familienmitgliedern! Die Hattdarbeü war ja so billig! Da eilte eS nicht mit der Einführung der Maschinen. Aber die Erzeugung der feinen Waren ging dabei verloren, und die armen„selbstäudigen" Meister und die armen Gehilfen und ihre Familien verelendeten immer mehr. Selbstverständlich war die sechzehnstündige Arbeitszeit, waren gelegentliche„Durchmärsche", bei denen zwanzig und vierundzwanzig Stunden gearbeitet wurde. Die Verelendeten versanken immer ttefer im MkoholismuS, so sehr, daß in nicht wenigen Familien kein Mittagessen mehr gekocht wurde: man löfielte aus ausgehöhlten Broten Branntwein! Im Mährisch-Trübauer Kreuzbergviertel, daS von den Aermsten bewohnt war, bildeten sich Banden, die in den Dörfern Lebensmitteln stahlen.— Bis doch die Fabriken kamen. Angelockt wurden die Unternehmer durch die„Bescheidenheit" der mährischen Arbeiter. Man brauchte ihnen keine hohen Löhne zu zahlen... Wer al» erster sozialistische Anschauungen nach Mährisch-Trübau brachte, weitz man nicht. Reben Brünn war aber Mährisch-Trübau sicher eine der ersten Städte, in denen sich die Arbeiter zu rühren begannen. DaS berichtet Andrea» Scheu, der große österreichische Agitator und Arbeiterdichter, in seinen Lebenserinnerungen„Umfturzkeime", daß er schon im Jahre 1869 in dieser Stadt gesprochen hat. Zur Gründung einer Organisation kam es freilich damals noch nicht.— Andrea- Scheu:st übrigens später nochmals nach Mährisch-Trübau gekommen; diesmal unfreiwillig. Auf der Reise nach Deutschland— er wollte über Hamburg nach England auswandern— wurde er in Brüsau, wo er Freunde besuchte, verhaftet und nach Mährisch- Trübau gebracht, wo er wegen verbotenen Waffen- tragenS—• man fand bei ihm ein große- Taschen« mcsser— acht Tage bekam. Er verbrachte sie in einem gemütlichen Gefängnis. Um ihm täglich etwas Bewegung im Freien zu verschaffen, machte der Gefängniswärter Krautwurst— er hieß wirklich so— mit ihm auSgiebige Spaziergänge, die in Gastwirtschaften beim Kegelspiel endeten... Im Jahre 1872 waren zwei organisierte Textil, rrbeiter auS Wien nach Mährisch-Trübau gekommen und hatten dort bei der Firma Reichart Arbeit bekommen. Sie organisierten den ersten Streik, gegen den zwar polnisches Militär aufgeboten wurde, der aber doch mit einem Erfolg der Arbeiter endete. Sie erkämpften den Zwölfstundentag. 1878 schufen sich die Arbeiter die erste Organisation, den Fachverein der Manufattiirarbeiter, und im selben Jahre gründeten sie auch einen Konsumverein, ein Jahr später eine Arbeiter-Krankenkaffe. 1874 wurde daerste Arbeiterfest veranstaltet, zu dem die Brünner Genoffen mit einer roten Fahne kamen, die allgemein angestaunt wurde. Der Richtungsstreit zwischen Radikalen und Gemäßigten richtete auch in Mährisch-Trübau Viel- Verwirrung an. Unter den behördlichen Verfolgungen hatten beide zu leiden. Die Radikalen fanden Trost, indem sie von befreienden Sprengstoffattentaten träumten. Ihr Führer war der Smntweber Prasser aus UndangS, der einmal in Ketten vor Gericht geschleppt wurde. Er ist 1880, der vielen Verfolgungen- müde- nach Amerika auSgewandert, wo. -er es zu ansehnlichem ÄLöhlstand, bracht«. Bespitzelungen, Haussuchungen,' Verhaftungen'— das war in Mährisch-Trübau so wie überall in Oesterreich. Seltsam ist, daß sich Radikale und Gemäßigte, so sehr sie einander bekriegten, doch freundschaftlich zusammenfanden in einem just damals, am 29. Aug. 1880, gegründeten.Leseverein", der im Jahre 1889 in den Arbeiterbildungsverein umgewandelt wurde. Mit berechttgtem Stolz sagt Genoffe König von ihm: „Er war der Vater aller kulturellen, politischen und gewerkschaftlichen Organisationen im Mährisch- Trübauer Bezirke! Im Leseverein wurde eiftig gelernt. Grauköpfe, die schwer ihr Analphabetentum ertrugen, lernten Lesen und Schreiben. Dankbar ge- denkt Genoffe König des Oberlehrers L o p p o ch, der unter den Arbeitern ein wirklicher Volkslehrer wurde. Damals war die Scheidung zwischen Arbeitern und Bürgertum noch nicht annähernd so schroff wie heute. Damals gab es wirklich noch ein freiheit- liches Bürgertum. Die Bildungsbestrebungen der Arbeiter wurden von manchen Bürgern unterstützt, die Arbeiter wieder stießen als willkommene Bundesgenossen zu den Bürgern in manchem politischen Kampf. Al» im Jahre 1888 der„Deutsche Schulverein"«in Fest veranstaltete, trugen die/Sänger destzArbeiter-Lesebereincs zwei Chöre vor, und im selben Jahre nahmen sozialdemokratische Arbeiter und die' deutschnationalen Bürger gemeinsam Stellung gegen die klerikalen Schulderschlechterungs« Pläne. Als aber im selben Jahre der tschechische Genoffe Hybesch in Mährisch-Trübau sprach, versuchten Herbsttag Der Wind hat sich aufgemacht und schüttelt im Morgengrauen an den geöffneten Flügeln der Fenster. Das ist nicht mehr des Sommers warmes Wehen. Das ist schon ein anderer, ein rauherer Ton. Der Tag, geboren aus einer mond- und sternenlosen Nacht, bringt helle Luft, die nach kommendem Regen schmeckt. Zum ersten Male stellt man die weißen Schuhe kritisch in den Schrank und denkt: vorbei. In der Haustür überkommt einem leises Frösteln. Nnterm Gummimantel frieren die noch unbedeckten Arme. Der spitze Sonnenstrahl, der sich aus grauer Wolke drängt, hat seinen goldenen Manz verloren. Fahl blinkt sein Gelb. Die Menschen gehen mit zusammengezogenen Gesichtern. So muffen Maulwürfe aussehen, bevor sie sich in die Erde graben zum Winterschlaf. Die Straßen liegen tot, ohne Licht, und ihr Getriebe wirkt mechanisch. Die Brücken sind leer. Schon haben ihre Stqmmgäst«, die Bettler, sie verlassen. Hier, wo es bereits scharf und unerbitt- 10 Milliarden Francs für Notstandsarbeiten Paris. Im Rahmen des großen ArbeitSbe- schasfungslrogrammeS wurde am Mittwoch im Bessein des Ministerpräsidenten Doumergue und zahlreicher Persönlichkeiten des öfsentlichen Lebens der Bau eines großen Frachtenbahnhofes für Paris begonnen, der 1340 Millionen Francs kosten und 12 Millionen Arbeitstage sichern wird. Für das umfangreiche Arbeitsbeschaffungsprogramm ist ein Kredit von insgesamt 10 Milliarden vorgesehen, der folgendermaßen verteilt wird: 2725 Millionen für die E i s e n b a h n e n, 3500 Millionen iür A s s a n i e r u n g s a r b e i- t e n in Paris, fiir die Verbesserung der Ausfallstraßen aus Paris und für die Erweiterung des Untergrundbahnnehes. Weitere 330 Mill, sind für Arbeiten bestimmt, die die Gemeinden und Bezirke mit Unterstützung des Staates auöführen werden. ihn die Deutschbürgerlichen niederzubrüllen I— Die erste Maifeier im Jahre 1890, die den Bürgern so großen Schreck einjagte, hat dann die Scheidung.- sehr beschleunigt. Im Jahre vorher schon wurde den Arbeitern klar, daß sie eine unabhängige Kraft brauchten. Sie ermöglichten einem Genössen Lindner, sich al- Schuhmacher selbständig zu machen. Am ersten Mai war di« ArbeitSruhe ganz allgemein. Vorsorglil) waren zwei Kompagnien Jn> fanterie nach Mährisch-Trübau beordert worden. Der Richtungsstreit ging selffamerweisc auch nach dem Hainfelder Parteitage, gn dem auch eia Genoffe aus Mährisch-Trübau teilFenommcn hatte,' noch weiter, bis inS Jahr 1891. Da erst siegten die Gedanken Viktor- Adler-, der übrigen- in diesem Jahre zum ersten Male nach Mährisch-Trübau kam. Die späteren Maifeiern verliefen nicht so, wie die erste. Oft weigerten sich die Unternehmer, den Arbeitern frei zu geben. Wiederholt gab es am ersten Mai große Demonstrationen. Mehr und mehr trat nun an die Spitze der Mährisch-Trübauer Arbeiterbewegung der Genoffe I. I a r m e r, der jahrzehntelang ihr Vertrauensmann blieb und sie führte'- unter den schwierigsten Verhältnissen. Als er nirgends mehr Arbeit bekam, vermochte er seinen Le- f- benSunterhalt nur noch zu ftisten durch den Verkauft von— Heiligenbildern! Da- Geld zum Ankauf deS ersten Bilderpakets schossen die Genoffen zusammen. Geschichte der Arbeiterbewegung— das ist Ge-• schichte unzähliger kleiner Heldentaten und großer Kämpfe. Von den Leiden und Röten, den stillen Helden, den aufopfernden Werbern, den zähen Kämpfern eine- eng umgrenzten Gebiete- erzählt Genoffe- König. Er erzählt vom Werden einer Klaffe, und für den Lesenden weitet sich das Bild zu dem großen umfassenden deS mühsamen SichaufwärtSkämp- fenS des Proletariats, allüberall,. Wahlkämpfe und., Wshlrechtrkämpfe und gewerkschaftliche. Kämpfe löfx^s,» einander in oft unheimlich rascher Folge ab. Die opferreichsten waren die gewerkschaftlichen. Im November 1901 war endlich auch in Mährisch-Trübau eine Ortsgruppe der Union der Textilarbeiter gegründet worden. 102 Mitglieder traten ihr bei. Ein Jahr später hatte sie 1078 Mitglieder, im Jahre 1905 bereit 1800. 1905 hatte sie die schwersten Kämpfe zu bestehen: eine«.vierundzwanzigwöchent-. lichen Streit! 650 Arbetter der Firma Reihart forderten eine Krone Lohnerhöhung, die verweigert wurde. 650 Kronen wöchentlich hätte daS Unternehmen opfern müssen! Der Streik ging verloren. Aber daS Unternehmen hatte den Großteil seiner Kunden verloren. Es hatte zwar die Arbeiter, aber auch sich selber niedergerungen.— Dreihundert Arbeiter wanderten aus der Heimat, die ihnen nicht genug Brot g