Einzelpreis TOfUler (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiudochowl«. mso»si077. aoahnistrmpor Telefon sm HERAUSGEBER; SIEGFRIED TAUB. CHEFRHIAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERAmWORmCHER REDAKTEUR; DR. EMU STRAUSS, PRAG. 1 4. Jahrgang Samstag, 6. Oktober 1934 Nr. 234 Notwohr der Demokratie Spanien im Bürgerkries Generalstreik/ Zahlreiche Kämpfe in den großen Städten/ Sozialisten und Linksdemokraten einig/ Sympathie der Katalonier für den Kampf Lerroux setzt Bombengeschwader ein I« Spanien ist der seit Monaten erwartete Kampf am das Schicksal der Repnblik nun äberraschead schnell auf der ganzen Linie entbrannt. Nach dem Sturz des Kabinetts Samper hat der Radikale Lerroux eine Koalition mit der klerikal-monarchistische« Partei»ad den Agrariern gebildet. Dieses Kabinett, für besten Zustandekommen sich die Klerikalen von vornherein wichtige Konzessionen bezahlen ließen(Bermögeasrnckgabe an die Jesuiten etc.) stellt»ach Ansicht der spanischen Republikaner und Sozialisten den entscheidenden Schritt auf dem Weg der Reaktion dar. Es würde wahrscheinlich in kurzer Zeit Spanien z» einer Pfaf- fearepnblik oder znr Monarchie machen. Die Ration hat diese Gefahr instinktiv begriffe«. Nachdem bereits Präsident Z a m o r r a dem Kabinett die Bestätigung versagt hatte, proklamierten die Gewerkschaften den G ene ralstrerk, der in den Morgenstunde« des Freitag in Madrid und einer Reihe anderer Großstädte fast lückenlos begann. Im Lanfe des Streiks kam es Freitag z« zahlreichen Zusammenstöße«. Besonders heftig wütet der Kampf in A st u r i e«, gespannt ist die Lage in Katalonien. Die Regiernng behauptet— wie in solche» Fälle« jede Regiernng—„Herrin der Lage" z« sei« und de« Streik Freitag abends stark eiugedämmt zu habe«. Andere Berichte lasten erkennen, daß sich das Kabiuett Lerroux in bedrohlicher Situation befindet und nicht lauge wird durchhalte» könne». Ein klares Bild laßt sich auf Grund der vielfach einander widersprechenden Meldungen, die bis Freitag Mitternacht einliefen, uicht gewinnen. Die Polizei scheint der Bewegung nicht Herr z« werde«. Die Regierung setzt überall Militär und sogar Bombenflieger ei«. Es wird wie im Gründe in jeder Revolution alles von der Haltung des Militärs abhängen. Wenn es den Aufständischen gelingt, einen Teil der Truppen zu sich herüberznziehe«, dann hätte» sie die besten Aussichten auf Sieg. Der Generalstreik erfaßte zunächst vor allem die Berkehrsmittel der großen Städte. Untergrund- und Straßenbahn wurden stillgelegt. Die Regierung setzte dann Pioniere und anderes Militär ein und behauptet, daß sie am Adend einen Notverkehr zustande gebracht habe und daß alle Berkehrsmittel außer den Autodroschken leidlich funktionieren. Auch alle Geschäfte und Gaststätten wurden zunächst gesperrt. Es fetzte fühlbare Le- Vensmittelknappheit ein. Auf Lastautos, die unter militärischer Bedeckung stehen, führt die Regierung Lebensmittel heran, doch bilden sich vor den Geschäften Schlangen, da die Leute dauernd die Unterbrechung der Zufuhr fürchten. In den Borstädten von Madrid: T e t u a n, Atiocha, Prosperidad, in denen vorwiegend Arbeiter wohnen, nahm die Polizei viele Verhaftungen vor und suchte nach Waffen. Hiebei kam es zu schweren Kämpfen. Die Angaben über die Verluste sind unklar, doch scheint es, in Madkid im Laufe des Freitag beiderseits Tote und Dutzende Verwundete gegeben zu haben. Biele öffentliche Angestellte, Postler und Eisenbahner, schloffen sich dem Streik an. Die linksbürgerlichen Kreise sympathisieren mit der Bewegung, die Republikaner sind einig, die autonomen Provinzen stehen dem Kampf ebenfalls freundlich gegenüber.> Am heftigsten wurde in Asturien gekämpft, wo die Aufständischen verschiedentlich Polizeikasernen stürmten, RegirrungSgebäude be- '- setzten und das Militär zum Rückzug zwangen. Aus San/Seda st ian, Orviedo und Mi er es werden erbitterte Kämpfe gemeldet. 1 Gegen die in den Bergen verschanzten Demokraten !| hat die Regierung ein Bombengeschwader entsandt. In K a t a l o n i e n ist der Streik allgemein, i| die Provinz wird zum großen Teil von der republikanischen Garde beherrscht. In Balladolid , I wurde die Polizeikaserne erstürmt, in E i b e r eine Waffrnfavrik besetzt. In Cordoba, Sevilla und Barcelona fft der Streik vollständig durchgeführt worden. Die Telephonverbindungen sind im ganzen Lande unterbrochen. Die Regierung läßt die Küsten scharf bewachen, um die Waffenzufuhr an die Aufständischen zu unterbinden. Wie groß die Sympathien der LinkSkreise I für den von den Arbeitern bestrittenen Kampf sind, zeigt der Rücktritt des Präsidenten deS SteatS- gerichtshofeS A l b e r n o z, der sich außerstande erklärte, mit der Regierung zusammcnzugehen. Auch der Borsitzende der Regierung von Katalonien ist von der Regierung abgcrückt. Die Streikleitung soll die Arbeiter aufgc- fordert haben, sich ruhig zu Verhalten und lediglich den Streik konsequent durchzuführen. Zu einer bestimmten Stunde hörten dann angeblich die Kämpfe anf, die Regierung fürchtet aber, obschon sie versichert, sie sei„optimistisch", ein plötzliches Losbrechen der Arbeiter. Bei dem Umfang und der Erbitterung des Kampfes dürfte es außer Zweifel sein, daß er ü b e r d a s S ch i cksa l der spanischen Republik entscheidet. Aus ihm kann Freitag abends fand in Komotau eine große öffentliche Volksversammlung unserer Partei statt, die außerordentlich gut besucht war und einen herrlichen Verlauf nahm. Der Lagerkeller- Saal erwies sich als viel zu klein, um die Masten der Besucher aufzunehmen. Scharen von Zuhörern standen im Vorhaus und auf der Straße dicht gedrängt, weil sie in den übervollen Saal keinen Einlaß mehr fanden. Um^8 Uhr wurde die Versammlung mit einem Fanfarenruf der sozialistischen Jugend eröffnet. Dann erteilte der Vorsitzende der Bezirksorganisation, Genosse Reichl, dem Redner, Genossen Wenzel Jaksch, zu seinem Referat „Henlein in der sudetendeutschen Politik" das Wort. In seinen zweistündigen, tieffchürfenden, wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochenen Ausführungen rechnete Jaksch mit der doppelzüngigen Politik der Henleinfront ab, die zugleich ihre Freundschaft mit dem braunen Fascismns in Deuffchland nicht aufgrbrn, unserer Regierung aber demokratische Loyalität vorspiele» möchte. Zugleich zeigte Genoffe wohl nur eine Diktatur hervorgehen, eine rechte oder linke, je nach dcm Siege in dem blutigen Ringen. Samstag verschärfter Kampf? Die letzten Meldungen aus Spanien besagen, daß die Streikleitung den Arbeitern Weisung gegeben habe, nach Mitternacht vom friedlichen zum revolutionären Generalstreik Lberzugehen. Reue Unruhen werden aus Saragossa gemeldet. Einer Rrutermeldnng zufolge ist die Lage in Asturien für die Regierung andauernd bedrohlich. In den Kämpfen um M i« r e s und Erber, wo die Bergarbeiter sich in den Werken verschvnzt hatten, soll es zahlreiche Tote gegeben haben. Verhaftung eines landständischen Redakteurs Podersam.(Eigenbericht) Donnerstag abends wurde der Gendarmerie in Podersam mitgeteilt, daß in einem Auto, welches nach Podersam fahre, sich verdächtige Schriften befinden. Die Gendarmerie hielt darauf um acht Uhr abends ein Auto an, in welchem der Redakteur der„Landständischen Monatshefte" Heinrich Schmidt auS Dobrzan saß. Der Gendarmeriekommandant von Podersam durchsuchte daS Auto und auf Grund dieser Untersuchung wurde der genannte Redatteur in Haft genommen. Noch in der Nacht wurde Heinrich Schmidt dem Kreisgerichte in Pilsen ringeliefert. Jaksch an zahlreichen treffenden Beffpielen» wir die Volksgemeinschaft Henleins in der Praxis aussicht. Das Referat war eine einzige wuchtige Anklagerede gegen den getarnten RazifascismuS und gegen das sude- tendeuffche Bürgertum, das diesen FasciSmuS großzieht. Die Henleinleute selbst waren entgegen verschiedenen Gerüchten, die sie verbreitet hatten, nicht erschienen und entzogen sich so wohlweislich der Abrechnung. Dagegen waren einige Kommunisten unter Führung des Redakteurs Freund gekommen, der in der üblichen Weise sein— leider noch immer nicht ernst gemeintes— Einheitsangebot vorbrachte. Genosse Jaksch erwiderte daß die Einheitsfront vor allem einmal in der Alltagspolitik verwirklicht werden und die Ehrlichkeit des Einheitswillens erwiesen werden muffe. Die Versammlung, deren herrlicher Verlauf durch keinen Zwischenfall gestört wurde, hinterließ bei allen Teilnehmern den stärksten Eindruck. Sozialismus, Frieden und Einheit Die Probleme der englischen Arbeiterpartei Der diesjährige Parteitag der Labour« Party, der soeben in Southpoint abgehalten wird, findet nicht ohne Grund in der ganzen Welt stärkste Beachtung. Auch die wütendsten Totsager des Sozialismus können die Tatsache nicht leugnen, daß die englische Arbeiterpartei im letzten Jahre eine ununterbrochene Reihe von Wahlerfolgen errungen hat und daß die Verhandlungen, die jetzt in Southpoint über Taktik und Programm des Kampfes um die Parlamentsmehrheit stattfanden, für die Zukunft Englands entscheidend— und damit für die gesamte Weltpolitik höchst bedeutungsvoll sein können. Drei Entschließungen sind in Southpoint mit großer Mehrheit oder einstimmig angenommen worden: die strenge Abgrenzung der Labour- Party gegen die Kommunisten, die Entmachtung des reaktionären Oberhauses durch eine kommende Labour-Regierung und die Gutheißung der (von der Labour-Party schon lange geforderten) Aufnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund. .Die letzten drei Tage der Parteikonferenz wurden der großen Programmdebatte Vorbehalten, die sich an Hendersons Manifest„für Sozialismus und Frieden" knüpfen wird,— und diese Debatte, die eine Klärung über den weiteren Weg der dem Siege entgegenschreitenden Labour-Party bringen soll, darf die Äufmerksamkeit der Sozialisten aller Länder beanspruchen. Denn in Southpoint treffen sich die Vertreter der verschiedenen Richtungen des gegenwärtigen Sozialismus— und sie treffen sich im Rah- Nien einer Partei. Da sind die Führer der „Trade- Unions", der ältesten- Gewerkschaftsbewegung der Welt, die kürzlich erst bei den Feiern von Dorchester an ihr hundertjähriges Bestehen erinnern konnte und die jenseits des Marxismus auf dem Boden einer Theorie steht, die den Weg vom Kapitalismus zum Sozialismus als einen Weg friedlicher demokratischer Reformen betrachtet,— da sind die Leute von der „Sozialistischen Lig a", die den radikalen Flügel der Labour-Party bildet und deren Führer Stafford Cripps im Gegensatz zu den Gewerkschaftsführern Citrine und Clynes die Notwendigkeit eines diktatorisch zu vollstreckenden Sozialisierungsplanes verkündet,—• und als Mittler zwischen diesen Extremen eine dritte Gruppe, deren Führer zugleich die Führer der Gesamtpartei sind: Arthur Henderson und der greise George Lansbury, dessen persönliche Autorität rechts und links in gleichem Maße anerkannt wird. Es war von vornherein zu erwarten, daß keine dieser drei Gruppen auf dem Parteitag die Mehrheit für sich erringen würde. Aber der Sinn der Auseinandersetzung besteht darin, daß sie in offenem Kampfe ihrer Anschauungen und Forderungen die Linie der Gesamtpartei beeinflussen werden. Die sehr weitgehenden Anträge der„Sozialistischen Liga" werden zweifellos zum größten Teil der Wlehnung verfallen,— ccker es läßt sich nicht verkennen, daß der Beschluß, der sich gegen das Oberhaus richtet, letzten Endes auf die Forderungen der Ligisten zurückzuführen ist und daß es ohne die Agitation, die Stafford Cripps und die Liga entfaltet haben, vielleicht überhaupt nicht zu dieser Programmdebatte gekommen wäre, die nicht nur über den iPeg zur Macht, sondern auch über die Anwendung und Behauptung der Macht entscheiden soll. Daß auch LänÄbury jetzt zu denen gehört, die aus den Erfahrungen der letzten Jahre die Lehre gezogen haben, daß die Labour-Party beim nächsten Wahlsieg die Regierung ohne Koalitionsbindungen an bürgerliche Parteien übernehmen müsse und daß Hendersons allzu unrealistischer Wrüstungspazifismus von der Mehrheit nicht mehr gebilligt wird, beweist, daß sich die Prinzipien der Labour-Party seit dem Ausscheiden Macdonalds aus der Partei und seit der innerparteilichen Aktivität der Sozialistischen Liga weiterentwickelt haben. Die Gegner von rechts und links, die an die Diskussionen innerhalb der Partei die Hoffnung auf eine Spaltung knüpfen, werden durch den Verlauf der Konferenz von Southpoint enttäuscht werden. Schon vor Beginn der Tagung hat Stafford Cripps erklärt, daß die Sozialistische Liga Kampf dem nenlcln rasclsmus! Eine machtvolle Versammlung der Sozialdemokratie in Komotau Seite 2 Samstag, 6. Oktober 1934 Weder an eine Spaltung der Gesamtpartei noch an den Austritt aus ihr denke. Das Schicksal der nach rechts abgefallenen„Nationalen Arbeitspartei" Macdonalds und der nach links abgesplitter- teu„Unabhängigen" unter Maxtons Führung hat deutlich genug bewiesen,'daß die Trennung von der Labour-Party zu politischer Bedeutungslosigkeit führt. Schon heute steht fest, dgß Macdonalds und Maxtons Gruppen bei der nächsten Wahl kaum noch in Erscheinung treten werden. Die Auseinandersetzung in-Southpoint bedeutet keine Gefahr für die Labour-Party. Sie legt im Gegenteil Zeugnis von ihrer Lebendigkeit und ihrer ebenso elastischen wie stabilen Struktur ab. Die Gegner vom rechten und vom linken Flügel sind sich der Gemeinsamkeit ihres Der Genfer Korrespondent des„P o Pula i r e" hatte ein Interview mit dem dänischen Minister Borgbjerg, das für die politisch« und wirtschaftliche Entwicklung Dänemarks sehr aufschlußreich ist. Infolge der von der Regierung getroffenen Maßuahmenzugunsteuderkleinen Bauern ist ein Konflikt mit der ersten Kammer entstanden. Die Abschaffung der Ersten Kammer wird in der nächsten Zukunft zur Sprache kommen. Die Regierung wird der großen Schwierigkeiten ohne Zweifel Herr werden, um so mehr, als die große Masse des Volkes hinter ihr steht. Ebenso wie. Norwegen und Schweden ist auch Dänemark der Entwertung des englischen Pfund gefolgt. Die Lebenshaltungskosten sind seitdem gestiegen. Dagegen hat die Arbeitslosig- keitstarkabgenommen. Roch vor eineinhalb Jahren waren in dem Lande mit vier Millionen Einwohnern 200.000 Arbeitslose. Jetzt sind es noch gegen 75.000. Für die Ausführung großer öffentlicher Bauten ist eine halbeMil- liarde dänischer Kronen ausgegeben worden, wodurch zehntausende Arbeitsloser beschäftigt werden konnten. Die Regierung hat auch in große wirtschaftliche Konflikte eingegriffen. Eine Aussperrung, die die Arbeiterklasse auf das schwerste getroffen und das ganze Land in Gefahr gebracht hätte, ist durch ein Ber- Schrltt für Schritt zur Monarchie zurück I Wien.(Tsch. P.-B.) lieber-die Verhandlungen wegen Rückgabe des Habsburgervermögens weiden die Blätter: Alle jene Vermögensteile, die mehr einen gemeinnützigen Charakter tragen, sotten weiterhin dem Staate verbleiben, so insbesondere die Hosböbliothek und die Familien« Fideikommiß-Bibliotheken; die Kunstschätze dagegen^ die sogenannten Fideikommiß-Sammlun- gen, einschließlich der Hosmuseen, werden wahrscheinlich zurückgegeben werden, allerdings mit der Einschränkung, daß chr Zugang der Oeffentlichkeit ungeschmälert bleibt. Die Güter Laxenburg, Vösendorf, der Gutskomplex Orth mit Schloß Eckartsau, Eßlingen, Groß-Cnzersdorf und Rut- zendorf, die Güter Pöggstall und Mattinghofen, der Besitz Klein-Krampen, fünf Wiener Wohn- sqzialistischen Kampfzieles bewußt. Was sie unterscheidet, ist die Antwort auf das taktische Problem der Machtergreifung und Machtbehauptung. Die von rechts vertreten die These, daß man möglichst große Massen noch kleinbürgerlich denkender Volkskreise für die Partei interessieren müsse, um den Wahlsieg zu sichern,— und die von links erwidern, daß man nur mit klarster sozialistischer Zielsetzung zuverlässige Anhänger gewinnen und die Voraussetzung für eine wirklich fundierte Machtstellung schaffen könne. Wer beide sind sich darin einig, daß der Kampf um" die Taktik innerhalb der Partei entschieden werden muß, deren Einheit und Festigkeit die wichtigste Voraussetzung des Sieges ist, der für den Sozialismus und den Weltfrieden erstritten werden soll. botverhindert worden. Die Arbeitgeber mußten die Löhne a ufrechterhalte n. Der Zustand der Landwirtschaft ist nach der Devalvation sehr gebessert. Dänemark hat eine große Ausfuhr von Butter, Eiern und Käse. Dir zwei belangreichsten Absatzmärkte sind England und Deutschland. Mit England hat Dänemark einen günstigen Handelsvertrag abgeschlossen, wodurch dir Bauern mehr Produkte verkaufen können. Die Annäherung der Bauer« an die sozialistische Bewegung macht große Fortschritte. Ebenso wie in anderen skandinavischen Ländern(Schweden, Norwegen, Finnland und Island), ist das sich mehrende Zusammengehen von Arbeitern und Bauern das hervorstechendste Merkmal der Gegenwart. Diese Einheit ist für den FascismuS eine unüberwindliche Schranke. Borgbjerg macht darauf aufmerksam, daß man in anderen Ländern die skandinavischen Sozialisten als sehr gemäßigt ansieht. Das bedeutet aber nicht, daß sie tatsächlich nur auf gemäßigte Weise Sozialisten sind. Der Minister legte mit großem Nachdruck dar, daß der Klassenkampf m Skandinavien in Wirklichkeit sehr heftigist. Man führt ihn aber auf eine weniger barbarische Manier, organisierter und gebildeter als einigen anderen Ländern. Häuser und Wertpapiere im Nominale von 1 0 5 Millionen Kronen, die aber zum größten Teile enttvevtet sein dürften, ferner zwei Wiener" PalÄS, und zwak die AnKlstmer-Bästei mit der Albertina und dem habÄUrgisch-lothrm- gischen Kunftschatz sowie der Privatschmuck, werden zurückgegebeu werden. Dagegen ist nicht beabsichtigt, irgendwelches ehemalige Kron- vermögen zurückzugeben. Zu diesem gehört insbesondere die Hofburg und Schloß Schönbrunn. Im Schloß Schönbrunn wird noch diesen Blättermeldungen in kurzer Zeit der österreichische Bundespräsident seinen Wohnsitz nehmen. Ebenso ist von einer Rückgabe der Bestände der Schatzkammer, einschließlich der Kaiserkrone die Rede. Gleichzeitig mit der Rückgabe des Vermögens wird über die Aufhebung der Aufenthaltsbeschränkung für die Mitglieder des Hauses Habsburg in Oesterreich vechandelt. Barthous Romreise erst im November Sorgfältige diplomatische Vorbereitung Paris. Außenminister Barthou wird sich höchstwahrscheinlich erst anfangs des nächsten Monates, wahrscheinlich am 3. November, nach Rom begeben. Seine Reise bildet nunmehr den Gegenstand diplomatischer Borbesprechungen, hauptsächlich zwischen dem Nnter- staatSsekretär für auswärtige Angelegenheiten S u v i ch und dem französischen Botschafter Chambru«. »Petit Parisien" zufolge handelt es sich nicht bloß um die Abstattung eines Höflichkeitsbesuches» sondern um den Versuch der Herstellung eines dauernden Einve r ne h m e« s zwischen Frankreich und Italien über die Grundprobleme der gegenwärtigen Politik und einer späteren engeren Zusammenarbeit Frankreichs und Italiens auf sehr zahlreichen Gebiete«. » Deutsche Gegenminen Wie„L, Oeuvre" erfährt, beabsichtigt der deutsche Botschafter in Rom vonHassell eine Vereinbarung vorzuschlagen, derzufolge die deutsche Regierung sich verpflichten würde, falls Italien Zugeständnisse in derSaar- frage machen würde, für eine Zeit von fünf bis sechs Jahren den Statusquoin Oe ster- reich zu garantieren. Es ist möglich, daß auch P a p« n in Wien einen in gleicher Richtung sich bewegenden Vorschlag unterbreiten wird. Heftiger Wahlkampf in Frankreich Paris. Die Pariser Presse befaßt sich ausführlich mit der letzten Rundfunkrede des Ministerpräsidenten, in der er alle Franzosen aufgefordert hatte, sich gegen die drohende gemeinsame „revolutionäre" Front, d. h. gegen die sozialistisch-kommunistische Linksfront, die auch am kommenden Sonntag bei den Wahlen in die kommunalen Körperschaften zum Teil in Erscheinung treten wird, zu einigen. Wohl kandidieren die beiden Parteien im ersten Wahlgang größtenteils getrennt, doch hängt viel davon ab, wie sich die Situation bei den Stichwahlen«» 14. Oktober gestalten wird. Früher waren in solchen Fällen die Radikalen mit den Sozialisten gegangen. Nunmehr macht sich bei den Radikalen vielfach das Bestreben geltend, auch bei den Stichwahlen mit den übrigen Regierungsparteien, d. h. mit der Mitte und der gemäßigten Rechten zu gehen. Der-Parttlvorsitzende H e v^iv'tchnt'Pch für dirse Taktik äusgespkochen und"ÄÜN här aüch der Ministerpräsident Doumergue offen dafür Stellung genommen. Der sozialistische„Populaire" stellt fest, daß Doumergue damit direkt in den Wahlfeldzug eingreife. Am kommenden Sonntag werde, erklärt das Blatt, das arbeitende Volk gegen dinationale Arbeit, gegen die Reaktion, gegen den Fascismus und gegen den Kapitalismus stimmen. Gewerkschaftseinheit in Frankreich? Zwischen den sozialistischen und den kommunistischen Gewerkschaften Frankreichs haben Einigungsverhandlungen begonnen. Ihr Resultat ist Ein Beispiel demokratischer Arbeiter und Bauern in Dänemark bannen die Krise Politik 14 BRUNO ADLER: Copyright 1934 by Michal Kacha Verlag, Prag XIX Die Juden wissen sich nicht zu helfen. Der Rabbiner Dr. Goldberger sftht nut einen Weg, auf welchem sie eine Erleichterung ihrer Lage erreichen könnten. Mit den Häuptern seiner Gemeinde wendet er sich an den katholischen Amtsbruder, den Dechanten Schimek, und fleht ihn um Beistand an. Nur er könne das Volk beruhigen. Wenn er von der Kanzel oder von der Rampe vor der Kirche zu den Leuten sprechen, wenn er ihnen sagen würde, daß alle Kirchenfürsten den schrecklichen Blutaberglauben verdammen.... aber der Dechant ist dazu nicht zu haben. Er sei nicht kompetent, er habe nicht die Absicht, unter freiem Himmel zu predigen, und er halte den Moment auch nicht für den richtigen, über den Ritualmord zu sprechen. Dem Richter Reichenbach ist es klar, daß eine typische Massenpsychose im Begriff ist, un- geheuerliches Unrecht zu bewirken. Aber er braucht nur mit den Herren vom Gemeinde- Vorstand zu sprechen, um sich zu vergewissern, daß jeder Appell an die Vernunft nutzlos ist. Schlietz- ltch ist er nicht der Mann, dem entfesselten Wahn einer Stadt standzuhalten, er ist zuerst k. k. Beamter. Ein Skandal von unübersehbaren Folgen kann hier herauskommen, das ahnt er wohl, aber da kann man halt nichts machen... Also bestätigt er die Verhaftung; um sich aber einigermaßen zu saldieren, fügt er dem Haftbeschlutz die ausdrückliche Bemerkung bei, daß das Gericht unter dem Druck der öffentlichen Meüiung handle. Seit gestern vernimmt er die Leute, die er vorgeladen hat und die sich selbst gemeldet haben, um wichtige Bekundungen zu machen. Einige Mädchen beschreiben ziemlich gleichlautend den Fremden, der sich in der vorigen Woche in der Nähe des Waldes herumgetrieben hat. Die Karoline Pelikan hat ihn noch am Mittwoch nach viertel sechs, also genau.um die Zeit, als die Agnes auf dem Heimweg war, zwischen dem Marterl und dem Wald gesehen. Er kam ihr so unheimlich vor, daß sie umkehrte, um ihm nicht zu begegnen. Ein blaues„Leibl" habe er angehabt, also eine Weste mit Aermeln, und eine blaue Schürze. War das nun derselbe, der kurz vorher oder nachher die Vomela angesprochen.hat und, wie sie behauptet, einen grauen Anzug trug? Und was ist an dem Gerücht Wahres, daß Hilsner der Hruzq nachgestellt habe? Die Näherin Prchal und Marie Bernhard, die beste Freundin der Toten, haben von Agnes niemals ein Wort darüber gehört. Sie find überzeugt, daß sie den Burschen gar nicht kannte; vom Sehen vielleicht, denn er wohnte ja neben der Nähstube. Wenn aber zwsschen den beiden das geringste vorgefallen wäre, hätte sie gewiß darüber gesprochen, wie sie auch über den Fremden sprach, der sie im Walde angehalten hat. Und was sagt die Mutter dazu? „Ich kann nicht die mindesten Begebenhesten und Umstände anführen, die auf die Spur des Mörders führen. Die Agnes hatte keinen Feind." Marie Sobotka gibt zu Protokoll: An jenem Mittivoch hat sie um dreiviertel sechs, also um die Zeit, wo die Agnes gerade an der Mordstelle gewesen sein muß, den Hilsner in dunkelblauem Anzug vom Wald her zur Stadt gehen sehen- Die Sonne schien noch. Sie sah ihn zwar nur von hinten und in einer Entfernung von vierzig Schritten, erkannte ihn jedoch sofort. Woran? Das kann sie nicht näher erklären. Und wieso sie sich erinnere, daß das gerade an jenem Mittwoch gewesen sei? Sie erinnere sich eben. Das Ehepaar Dvorak will den Burschen am Mittwoch vormittag in einem grünlichen Anzug gesehen haben. Bier seiner Kameraden dagegen, die nachmittags mit ihm auf dem Katharinenberg gewesen sind, sagen übereinstimmend aus, daß er den blauen Feiertagsanzug angehabt habe. Der Zimmermaler Mirsstar wiederum behauptet, ihn zwischen vier und fünf auf dem Ringplatz in seinem gewöhnlichen grauen Anzug getroffen zu haben. Er wunderte sich noch, daß Hilsner an dem hohen Feiertag so schäbig gekleidet war. Langsam erkennt Hilsner, daß für ihn alles von einem lückenlosen Alibi abhängt. Wie hat er den verhängnisvollen Mittwoch verbracht? Es fällt ihm schwer, den genauen Ablauf eines Tages, der dahinging wie ein anderer, ohne Arbeit, ohne Mädchen, ohne besonderes Ereignis, nachttäglich herzustellen. Aber er erinnert sich doch, daß er am Vormittag auf dem Katharinenberg war, wo gerade gebaut wird; er und seine Genossen sehen innner mit Vergnügen den Arbeitern zu, unter denen sie gute Bekannte haben- Mittag war er zum Essen daheim, nachher schlenderte er wieder durch die Stadt; am Untren Tor hatte er einen Plausch mst ein paar Leuten aus der Schuhfabrik, dann ging er auf den Ringplatz, von dort den gewohnten Weg auf den Katharinenberg, um erst ein bißchen beim Bau zuzusehen, dann kamen Leixner, Sobotka, Selinger und Dworatschel und begannen eine Kartenpartie auf dey Brettern der Baustelle unter der Friedhofsmquer. Polda konnte nicht mitspielen, er hatte wieder einmal nicht einen Knopf in der Tasche. Mit der Zeit wurde ihm das Kiebitzen langweilig. Er gähnte:„Ich geh in den Wald— wer geht mit?" Keiner dachte daran, die Partie aufzugeben. Den Leixner forderte er noch extra auf, aber der erwiderte in aller Freundschaft mit einer unanständigen Einladung. Also mußte er allein abziehen. Um den Bruckhain und über Wiesenpfade und Feldraine schlenderte er stadtwärts, das Wetter war zu einem Waldspaziergang zu unfreundlich und durch das Brauhaus und über Kandia kam er allmählich wieder auf den Ringplatz; drückte sich dort Nr. 234 Oer Ps stiehlt 30.000 Mark und eine Kleinigkeit Der„Neue Vorwärts" bringt eine ganze Reihe von Korruptionsfällen des braunen Regims, die beweisen, daß alle jene Erscheinungen, die einst, wenn sie als Einzel- und Ausnahmsfälle vorkamen, von den Nazis generalisiert und zum Kampf gegen das„System" benützt wurden, heute wirklich eine Massen- und Alltagserscheinung geworden sind. Aus dem umfänglichen Material zunächst nur zwei Fälle: Pg. Preißler vom Gesamtverband der öffentlichen Betriebe Dresdens wurde fristlos entlassen, well er 3 0.000 Mark(280:000 Xi) unterschlagen hat, außerdem noch 150 Mark Weihnachtsspende für Altersrentncr. Das ist wohl das Bezeichnendste an dem Fall. Der Gauner, der sich durch den Zugriff in die Verbandskasse maßlos bereichert» muß auch noch hungernden alten Leuten die— von ihm aus gesehen— lächerlich kleine Summe von 150 Mark stehlen. Der Kreisletter im selben Verband Pg. Klein wurde ebenfalls entlassen, weil er an Preißlers Diebstähle« beteiligt war. Dabei war Klein 1829 schon wegen des Vertriebes von gefälschten Jn- validenmarken vorbestraft. Aber als Nazi wurde er natürlich rehabilitiert, erhielt eine öffentliche Anstellung und durste weiter stehlen! Denn bei den Braunen ist es ja wirklich System... noch zweifelhaft. Die sozialistischen Gewerkschäften, die unvergleichlich stärker und solider organisiert sind, wollen sich von den zahlenmäßig und innerlich schwachen Kommunisten jedenfalls keine Bedingungen vorschreiben lassen und stehen auf dem Standpunkt, daß die Verwirklichung der Einheit auf dem Boden der fteien Gewerkschaften zu erfolgen hat. Bestrafter Verrat Wien. Rach Arbeitsschluß in der Fabrik Heller im 10. Wiener Bezirk überfielen Arbeiter etwa zehn ehemalige Schutzkorpsangehörige, die erst in Arbeit ausgenommen worden waren. Die Arbeiter züchtigten die ehemaligen Heimwehrleute und verletzten zwei von ihnen schwer. Den Tätern gelang es, vor dem Eintreffen der Polizei zu entkomme«. Geänderter NIRA-Kurs** Washington.(Havas.) Der Direttor der NJRA Richberg erklärte, er werde die Kon- ttollederProdustion und:der Preise aafheben und den-*"einzelnen^Jnousttiezweigen"''"böllkommcne Freiheit lassen. Präsident Roosevelt stimmt mit der Absicht Richbergs überein. Gömbös als Freiheitskämpfer Budapest.(MTJ.) Der 6. Ostober, an welchem Tage im Jahre 1849 die Generale der ungarischen Freiheitskämpfe den Märtyrertod er- litten haben, wurde von der ungarischen Regierung zum Nationalfeiertag erklärt. Die Aemter blechen geschlossen und auch die Zeitungsbc triebe feiern.(Es handelt sich hier um eine jener freiheitlichen Gesten, mit denen der Fascist Gömbös sich gegen die Habsburger-Restauration verteidigen will.) herum, wechselte mtt einigen Leuten, wie sie eben daherkamen, ein paar Worte, und eS mochte auf sechs gehen, als er bei der Trafik von Doleschal den Selinger traf, dann, daran erinnere er sich noch sehr gut, ttaf er beim Judentor den jungen Bxetisch, den Studenten, und den Hugo Fried. Mit allen redete er ein bißchen, was, weiß er freilich nicht mehr. Aber die drei müssen sich doch dieser Begegnung auch entsinnen, und wenn er also beweist, daß er um diese Stunde nicht im Wald war, wie kann er das Mädel... Und nachher? Natürlich, da war er eben im Tempel. Mit Gewißheit kann er das allerdings nicht behaupten, aber wo sollte er sonst am Feiertag gewesen sein? Bald darauf ging er nach Hause, die Mutter und die Tante, das fällt ihm noch ein, saßen bei einem Topf Kaffee, er aß etwas, dann ging er wieder fort, aber nicht für lange, dann öffnete er dem Bruder, der spät aus der Werkstatt kam, die Tür und alle gingen zu Bett. Die Vernehmungen gehen weiter. Jeder, der aus dem Gebäude des Bezirksgerichtes kommt, genießt die Wonne allgemeiner" Aufmerksamkeit. Für ein paar Stunden oder auch länger—» je nach der Geschicklichkeit, mtt der er seine Neuigkeit an den Mann und an die Frau zu bringen ver-t steht-— beherrscht er die Stadt. Bis ihn ein anderer mit einer größeren Sensation übertrumpft. Auf diese Weise wächst jede kleine Begebenheit ins Phantastische, wie der Mangobaum vor den Augen der Behexten. Da erzählte gestern ein junges Mädchen deni Gastwirt Bitek, daß sie den Hilsner von Kind an kenne. Er sei schon alS kleiner Junge ein nichtsnutziger LauShub gewesen, und einmal habe er einen Stein nach ihr geworfen- Das Mädchen heißt— kein seltener Name— Marie Klima. Heute bereits hat Klenovec dem Richter ein neues, wichtiges Ergebnis seiner Recherchen zu melden: Hilsner habe im vorigen Jahr an einer gewissen Marie Klima ein■ Sittlichkeitsattentat versucht. ^Fortsetzung folgt) Nr. 234 Samstag, 6. Oktober 1934 Seite 3 Dem siebenten Kongreß der Sozialistischen Arbeitersport- Internationale zum Gruß Zum siebenten Male tritt die höchste Instanz den SASI im Kongreß zu ernsten Beratungen zusammen. Noch kein Kongreß hat in einer derart schwierigen Situation und unter einer derart schweren Verantwortung seine Beratungen abgehalten. Die Zeit zwischen dem Kongreß in Lüttich und dem Kongreß im, Karlsbad ist gekennzeichnet durch gewaltige politische Umwälzungen, die durch die Auflösung der Arbeitersport-Organisationen in Deutschland, Oesterreich und Lettland der SASI schwere Verluste gebracht hat, und sie vor ganz neue Situation stellt. Der Kongreß wird auch insbesondere der sportpolitischen Lage die größte Aufmerksamkeit widmen müssen. Die Kommunisten erachten die Zeit für gekommen, ihre theoretischen Einheitsfrontanbote zu stellen, während sie praktisch bis in die letzte Zeit die schärfsten Kämpfe gegen die Verbände der SASI und deren Führer trieben. Der Eintritt Rußlands in den Völkerbund hat allerdings auch die Kommunisten der demokratischen Länder vor eine neue Situation gestellt. Die SASI ist aber keineswegs gewillt, neuerliche Einheitsübungen der Kommunisten nach dem alten verwerflichen Stil mitzumachen. Die innerorganisatorische Ausgestaltung der SASI müßte den veränderten Verhältnissen angepaßt sein. Es wird die Geschäftsführung wahrscheinlich auf einen kleineren Kreis vonMenschen konzentriert werden, wobei auf der anderen Seite eine weitgehende Verstärkung der Aktivität der einzelnen Verbände anzustreben ist. Die Presse- und Propagandaarbeit der SASI ist in dieser Zeit besonders wichtig und wird eine Vervollständigung in den einzelnen Ländern und seitens des Büro erfahren. Auch der technische Zentralapparat muß eine Umgestaltung erfahren, die technische Tätigkeit aller Länder muß vorwärts gerissen werden. Außerdem haben wir viele innerorganisatorische Fragen zur Besprechung und Entscheidung, so daß die Arbeitsaufgabe der Delegierten groß und verantwortungsvoll ist. Die Arbeitersportler aller Länder, sowie die sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften sehen dieser Arbeit mit Interesse entgegen. Sie senden den Delegierten und dem Kongreß die herzlichsten Grüße und sind überzeugt, daß die Arbeitersportbewegung jedes Landes auch im politischen Kampfe um die Rechte der Arbeiter an erster Stelle kämpfen wird. •* Wintersport-Olympiade in der Tschechoslowakei 7. Kongreß der Sozialistischen Arbeiter- Sport-Internationale in Karlsbad Karlsbad.(Eigenbericht.) Dem Samstag beginnenden 7. Kongreß der SASI ging am Freitag eine Sitzung des internationalen technischen Hauptausschusses voraus, die von Genossen Bühren geleitet wurde und an der außer dem Präsidenten der Sportinternationale Julius Deutsch imd dem Sekretär S i I a b a sowie dem Vertreter des SASJ-Preffedienstes Abgeordneten Müller die Vertreter von Belgien, England, Finnland, Frankreich, Holland, Polen, Palästina, dem Saargebiet, der Schweiz, Ungarn und der beiden Verbände in der Tschechoslowakei, ferner der Radfahrer und der Naturfreunde teilnahmen. Nach einer Ehrung der Opfer des Fascis- mus erstattete Bühren den Bericht des technischen Hauptausschusses, in dem er sich hauptsächlich mit der Lage beschäftigte, die durch das Ausscheiden der Verbände in den dem Fascismus ausgelieferten Ländern geschaffen wurde, worauf er das nächste Arbeitsprogrchnm entwickelte. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete die Vorbereitung der III. Arbeiter- Olympiade, die 1937 in Antwerpen ftattfinden wird. Zu den Vorschlägen' nahmen die Vertreter fast aller Länder in eingehender Diskussion Stellung. Daß Belgien der Schauplatz der III. Arbeiter-Olympiade sein wird, fand allgemeine und begeisterte Zustimmung. Nach den gefaßten Beschlüssen hat Belgien im Einvernehmen mit dem technischen Hauptausschuß das Programm auszu- arbeiten. Dabei sind internationale Massenübungen in einheitlicher Kleidung(schwarze Hose und weißes Trikot) vorgesehen. Die Durchführung der Wintersport- Olympiade wurde dem Atus Tschechoslowakei übertragen. Dem Kongreß wird der Antrag unterbreitet, zur finanziellen Sicherstellung der Olympiade und der technischen Arbeiten in den Jahren 1935 bis 1937 Sonderbeiträge in der Höhe von einem französischen Franken bzw.. einer tschechoslowakischen Krone einzuhebrn. lieber die Neugestaltung des internationalen technischen Ausschusses referierte Bühren. Bon den geänderten Verhältnissen ausgehend, besprach er die Notwendigkeit, Aufgabe und Tätigkeit des technischen Hauptausschuffes und der Fachausschüsse sowie deren Zusammensetzung und nahm dann zu den vorliegenden Anträgen Melkung. Nach ausführlicher Diskussion wurde grundsätzlich beschlossen, den technischen Hauptausschuß derart zusammenzusetzen, haß dessen Mitglieder zugleich Vertreter /der einzelnen Sparten bilden. Zur Er- im Bezirks- SCHICHTSEIFE MllWM der sehr verlangt Ansichten der Verwaltisngsrats- durch Staatsbeamte in öffentlichen Unternehmungen Denn, wenn ich Schicht-Seife — Marke Hirsch habe, dann weiß ich im Voraus: Die Wüsche wird blütenweiß rein und bleibt wirklich geschont. Sei Schicht-Seife garantiert mir ja schon der Name für die stets gleichbleibend vorzügliche Qualität. Es ist ein Vergnügen, mit ihr zu waschen— eine Freude, die fertige Wäsche anzusehen. Sparausschuß Der Ausschuß der parlamentarischen Sparund Kontrollkommission beschäftigte sich am Freitag generell mit dem Staatsvoranschlage für das Jahr 1935, der Reorganisation des Aufsichtsdienstes des Obersten Rechnungskontrollamtes und im Beisein des Ministers für öffentliche Arbeiten Dr. C z e ch mit der Organisation des Verkaufes von Kohlen aus den staatlichen Gruben. Gegenstand der weiteren Beratung des Ausschusses bildete die Frage der Ausübung' funkt ion aller Restarts und Anstalten. Beschleunigung durchberaten werden. Anrechnung der Militärdienstzeit Im Zusammenhang damit wurden di« beteiligten Refforts aufgefordert, die Fragen der Bewer- tung des militärischen Präsenzdien- st e s der Staatsangestellten in allen Dienstverhältnissen ehestens durchzuberaten und der Regierung zur Gesamtentscheidung vorzulegen. Zugestimmt wurde endlich der Verlängerung des Abkommens mit Deutschland vom Juni 1982, betreffend die soziale Fürsorge für die tschechoslowakischen Staatsangehörigen in Deutschland, für eine weitere Periode. Zugestimmt wurde der Regie- rungskundmachüng über die Regelung der Holzgewinnung im Wirtschaftsjahr 1934/88, wodurch ebenso wie im vergangenen Wirtschaftsjahr die Produktionsquote mit 60 Prozent der Jahresproduktion entsprechend den Bestimmungen des Gesetzes über den Waldschutz festgesetzt wird. Zugestimmt wurde drei Anträgen des Finanzministeriums auf Umsatzsteuerermäßigungen im Jntereffe einiger Branchen inländischer Unternehmen. J$ J tun j,B e n. Die verblxchenden Svagen, die mit der Durchführung der Verordnung über die Aspiranten zusammenhängen, werden mit der größten schützlerische Ideologie der Herren von der Heimatfront keineswegs erstunken und erlogen sind, daß hier keine politische Verleumdung und keine Denunziation vorliegt. Da Herr Rümmler die Berichtigung nicht veröffentlicht hat, haben wir ihn beim Bezirksgerichte in Eger geklagt. Das Bezirksgericht in Eger hat unsere Berichtigungsklage mit der merkwürdigen Begründung abgewiesen, daß wir nicht die Berichtigung von Tatsachen habend sondern Urteilsbildungen und berichtigt haben. Gegen diese Entscheidung des gerichtes in Eger 1 ließen wir durch unseren Anwalt, Gen. Dr. S ch w e l b, die Beschwerde an das Kreisgericht in Eger einbringen. Dieses hat mit der Entscheidung vom 25. September 1934, die soeben herabgelangt ist, unserer Beschwerde Folge gegeben, den Beschluß des Bezirksgerichtes in Eger abgeändert und Herrn Jng. Wilhelm Rümmler als verantwortlichen Redakteur der„Rundschau" aufgetragen, die Berichtigung, mit der Feststellung, daß unsere Publikation weder erstunken noch erlogen war und wonach hier keinerlei Verleumdung oder Denunziation vorlag, binnen drei Tagen, bezw. in der nächsten Nummer der„Rundschau" unverändert und ohne alle Einfügungen, im gleichen Teile und im gleichen Drucke, wie die berichtigte Nachricht enthalten war, zu veröffentlichen. Das Kreisgericht Eger hat auch die Herrett Rümmler und Konrad Henlein verurteilt, die K o st e n des Verfahrens in erster und zweiter Instanz zu ersetzen. In den Gründen führt das Kreisgericht in Eger an, daß dem Berichtigungsbegehren stattgegeben werden mußte, da in der Berichtigung die Konstatierung der T a t s a ch e verlangt wird, daß der Inhalt des Artikels des„Sozialdemokrat" nicht erstunken und erlogen sei und daß keine politische Verleumdung oder Denunziation vorliegt. Gegen diese Entscheidung des Kreisgerichtes in Eger gibt es kein weiteres Rechtsmittel. Der Prozeß ist also rechtskräftig zu unseren Gunsten entschieden. s Arbeitslaser Fischern (Tsch. P.B.^ Montag wird Negierungskommissar Naaff, welcher derzeit die Stadtverwaltung von Fischern leitet, ein Arbeitslager im Ferienheim der Stadtgemeinde eröffnen, in welchem 30 ledigeArbeitslose untergebracht werden, die ein Staubecken im Edersgrüner Revier anlegen, das 60.000 Kubikmeter Äaffer fasten soll. Dieser Wafferzuschuß dürfte den Wasserbedarf von Fischern für ein oder zwei Monate decken und ist angesichts der ständigen Wafferkalamitä- ten während des heurigen trockenen Jahres eine Notwendigkeit für die Wafferversorgung der Stadtgemeinde Fischern. Die in den Arbeitsdienst eingestellten Arbeiter erhalten freie Station unwöchentlich 50 Kc Taschengeld. stattung der Vorschläge wurde ein« fünfgliedrige Kommission eingesetzt, worauf im Laufe des Kon- gteffes die Wahl des technischen Hauptausschuffes erfoltzen wird. Sitzung des Büros der SASI Freitag um 5 Uhr nachmittags trat unter Vorsitz des Genoffen Deutsch das Büro der SASI zu einer Sitzung zusammen, die sich mit allgemeinen Fragen und den zur Verhandlung stehenden Tagesordnungspunkten befaßte. Das Ergebnis, der Beratung wird dem Kongreß vorgelegt werden. Gemeindewahlen werden in nächster Zeit in Kes mark(21. Oktober) und in Pi sek(4. November) stattfinden. Sie stellen weitere Kraftproben im tschechischen, beziehungsweise slowakischen Lager vor. Demokratische Propaganda? Mussolinis Kundgebung zur auswärtigen und sozialen>(I) Politik, die er heute in Mailand von sich geben wird, läuft auch über die tschechoslowakischen Sender. Diese Art„demokratischer" Propaganda paßt durchaus in das System, das sich durch die Nicht- Errichtung des deutschen Senders bereits als unbelehrbar und keineswegs staatsklug gezeigt hat. Um die Konzentrations bestrebungen In der Genossen- schaftsbewegung Ein Teil der tschechischen und deutschen bürgerlichen Preste verbreitete in der letzten Woche die mehr oder weniger tendenziös ausgemacht- Nachricht, daß sich unser Gec-Verband mit der tschechischen Großeinkaufsgesellschaft, der Velko- näkupni spoleknost konsumnt druzstev, fusionieren werde, ja daß sogar ein dementsprechendes Uebereinkommen perfekt sei. Diese Dieldungen entsprechen nicht den Tatsachen. Zwischen unserem Gec-Verband und der tschechischen Großeinkaufsgesellschaft haben, so wie das ja bei genossenschaftlichen Zentralen eines Landes selbstverständlich ist, seit jeher geschäftliche Beziehungen bestanden. Mit der wachsenden Größe beider Bewegungen wurden die Beziehungen selbstverständlich■ verdichtet. Insbesondere auf dem Gebiete der zentralen genossenschaftlichen Eigenproduktion, eines der wichtigsten Tätigkeitsgebiete der Genostenschaftsbewegung, wäre die Zusammenlegung der bisher getrennten genoffenschaftlichen Kräfte nur vernünftig und zweckentsprechend. Es ist aber ein aufgelegter Un s i n n, wenn in manchen Blättern im Zusammenhänge mit den oben angeführten Nachrichten von einer„Zusammenlegung" von Genossenschaften und Verteilungsstellen geredet wird. Unsere dem Verbände deutscher Wirt/ schaftsgenossenschaften angeschloffenen Genossenschaften und der Verband selbst wurden als selbstständige und autonome Wirtschaftsgebilde errichtet und werden es bleiben, auch wenn eine gewiffe geschäftige Preste es anders wissen will. Wirtschaftsverhandlungen mit Frankreich Die tschechoslowakische Delegation, die'm Paris über där Handelsvertrag mit Frankreich verhandelte, ist Freitag von Paris weggefahren, da die fast zum Abschluß gelangten Verhandlungen nochmals vertagt wurden. Zu klären ist noch die Frage der Einfuhr tschechoslowakischer Textilien nach Frankreich. Sn PreBprozeB des„Sozialdemokrat" gegen die„Rundschau“— Der verantwortliche Redakteur der„Rundschau“ Rümmler und Konrad Henlein vom Krelsgerichte Eger verurteilt Wir haben am 11. August 1934 Auszüge aus der im Heimatschutzverlage in Graz er schienenen Broschüre antidemokratischen Charak ters veröffentlicht, die zur Schulung der SHF- Agitatoren verwendet werden und dadurch die Oef- fentlichkeit darauf aufmerksam gemacht, in welcher Weise die angeblich demokratische„Sudetendeut sche Heimatfront" erzieherisch wirkt. Wir haben insbesondere die Anschauungen des Reinald Dassel alias Walter Heinrich„G egen Par teienstaat, für Stände st aat" Wortlaut zitiert. Die„Sudetendeutsche Heimatfront", unsere Veröffentlichungen begreiflicherweise unangenehm waren, ließ durch die gesamte, ihr dienstbare Schriftleiterpreffe, einschließlich der „Bohemia" die Mitteilung verbreiten, die Be hauptungen des„Sozialdemokrat" seien unwahr. Das Hauptorgan der„Sudetendeutschen Heimat front",' die„Rundschau", veröffentlichte eine „Antwort" auf den Artikel des„Sozialdemokrat", in der sie in urwüchsiger demokratischer Weise be hauptet, die ganze Affäre sei von A bis Z erstun ken und erlogen, es liege ein Fall von politischer Verleumdung und Denunziation vor, wie er krasser nicht gedacht werden könne. Die„Sudetendeutsche Heimatfront" belästigt und überschwemmt die Redaktion unserer Partei blätter, aber auch andere tschechische und deutche Zeitungen in der letzten Zeit mit preßrechtlichen Berichtigungen und Presseklagen. Wir haben auch einige preßrechtliche Berichtigungen der Herren bekommen, haben sie aber, da sie den gesetzlichen Bestimmungen nicht entsprachen, nicht veröffent licht. Obwohl wir der Ansicht sind, daß der Kampf gegen die„Sudetendeutsche Heimatfront", den wir im Interesse der Arbeiterbewegung dieses Staates und der Demokratie führen, nicht mit den Mitteln des Preßrechtes bestritten werden kann, haben wir einmal eine Ausnahme gemacht und dem Herrn Jng. Wilhelm Rümmler, der als Verantwort licher Redakteur der„Rundschau" zeichnet, eine Berichtigung ins Haus geschickt und in dieser Be richtigung festgestellt, daß unsere Behauptungen Wer die nationalsozialistische steirisch-heimat- Dudget vom Ministerrat genehmigt Pr a g. In der Donnerstagfitzung des Ministerrats wurde der Bericht des Komitees der politischen Minister über die Ergrbniffe der Budgetberatungen zur Kenntnis genommen. Auf Grund dieser vorausgegangenen Verhandlungen wurde dem Staatsbudgetentwurf für das Jahr 1935 in den Ausgabe- und Einnahmeposten zuge- st i m m t, und zwar sowohl was die eigentliche Staatsverwaltung als auch was die Staatsbetriebe anlangt. Gleichzeitig wurde der entsprechende Beschluß für die abschließende Aufstellung des Btrdgetsentwurfes und des Entwurfes des Finanzgesetzes für das künftige Jahr gefaßt. Dr. ßeneS referiert Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten erstattete eingehend Bericht über die letzten internationalen Verhandlungen in Genf, insbesondere über die Ergebnisse der Session des Völkerbundrates. Weiters trug er ein detailliertes Referat über die auswärtige Situation vor, insbesondere über die außenpolitischen Ereignisse der letzten Zeit und über die Stellungnahme der Tschechoslowakischen RepWlik und der Kleinen Entente zu allen aus der gegeMvärtigen europäischen resp. Weltkonstellation sich ergebenden Problemen. Der Bericht des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten wurde nach durchgeführter Debatte zustimmend zurKenn tnis genommen und den Grundsätzen für das weitere Vorgehen im Hinblick auf die aktuellen internationalen Verhandlungen, die die Interessen der Tschechoslowakei und ihre Beziehungen zu den übrigen, insbesondere den Nachbarstaaten betreffen, zugestimmt. Die Aspirantenfrage Ferner wurden die Prinzipien für die Bestimmung der Minimaldienstzeit der Aspiranten, die zur Bestellung als Anwärter vorgeschrieben ist, festgesetzt. Den zuständigen Refforts wurde der Auftrag erteilt, das Verfahren im Jntereffe der Anstellung beschäftigungsloser Bewerber möglich st zu be- Wenn man uns Denunzianten nennt Die Sowjetunion zur Flottenkonferenz? Die Londoner„Morning Post" beschäftigt sich mit der Frage, ob Amerika die Zuziehung der ' Sowjetunion zur Flottenkonferenz betreibe. Zwar sei keine dementsprechend? offizielle Erklärung der Bereinigten Staaten in London eingelangt, aber die Absicht seitens der USA. bestehe. Amerika wolle damit ein Gegengewicht gegen Japan schaffen und seine Politik der Zusammenarbeit mit Rußland, die es in China mit Erfolg betreibt, auf iw Flottenkonferenz fortsetzen. Seite 4 Samstag, 6. Oktober 1934 Nr. 234 der und 20 später aufgefunden und in das Krankenhaus nach FeldAberg überführt. Die Täter hatten ihm die Aktentasche mit Gerichtsakten, das Fahrrad unbekannter Marke, eine elektrische Taschenlampe und die Amtskappe entwendet. Der Ueberfallene konnte die Täter nur annähernd beschreiben. Er sagte aus, daß es zwei Männer in Pumphosen waren, einer von größerer, der andere von kleinerer Statur. Nach den Tätern hat die Gendarmerie in Eisgrub die Nachforschungen ausgenommen. Der Senat erkannte Kocäk des Verbrechens des Raubes mit acht Stimmen für schuldig und das Gericht verurteilte ihn zu 12 Jahren verschärften schweren Kerkers mit vierteljähriger Faste. Die Untersuchungshaft wurde in die Strafe eingerechnet. Gleichzeitig wurde der Verlust des Wahlrechtes ausgesprochen. Der Verurteilte behielt sich die Einbringung einer Nichtigkeitsbeschwerde vor. Deutsche und tschechische Konfessionslose. In den letzten Tagen fanden jn Prag Beratungen dreier Organisationen von Konfessionslosen statt und zwar der tschechoslowakischen Freidenker, der Union der sozialistischen Freidenker und des Bundes proletarischer Freidenker. Die Delegierten dieser drei Organisationen einigten sich auf ein ge- meinsames Vorgehen in allen Angelegenheiten der konfessionslosen Staatsbürger und beschlossen, im Juli 1988 in Prag einen gemeinsamen Mani- festationssongreß zu veranstalten. Sozialdemokratische Frauen In christlichen Kerkern Genossin Gabriele Proft sitzt seit Feber dieses Jahres im Landesgericht in Wien in Ein- zeluntersuchungShaft. Wiederholt wurde schon von ausländischen Blättern und Kommissionen die Freilassung der Genossin Prost gefordert. Man kann gegen sie keine Anklage erheben, weil man ihr nicht die geringste Beteiligung an den Feber- Ereignissen nachweisen kann. Lediglich daß sie das Vorstandsmitglied einer bis am 12. Feber erlaubten Partei war. Das genügt ja. Die christliche Regierung, an der Spitze der Vertreter der christlich katholischen Kirche Kardinal I n n i tz e r, hat auf alle Aufforderungen hin ein taubes Ohr gehabt. Genossin Prost, Mitglied des österreichischen Nationälrates, die als Vertreterin der Frauxn vieles, sehr vieles für die arbeitenden Frauen erkämpft hat, ist tapfer, ruhig und mutig geblieben. Sieben Monate ungewisser Einzel- Ilntersuchi>ngshaft nimmt die Nerven eines starken Mannes in Anspruch; aber unsere heldenhafte Genossin Prost hat bisher die Nerven nicht verloren. Ihr Zellenfenster geht auf den sogenannten Gälgenhof hinaus; die Genossin mußte in der letzten Zeit die Hinrichtungen, die auf Befehl der Scheinchristen stattfanden, alle mit anhören. Nun leidet Genossin Prost durch diese schrecklichen Erlebnisse seelisch sehr viel und Freunde von ihr, die um ihr qualvolles Leiden wußten, wandten sich an den Anstaltsgeistlichen mit der Bitte, er möge Höch veranlassen, daß sie in eine andere Zelle komme, wo sie wenigstens die Hinrichtungen nicht mitanhören muß. Ironisch sagte der Vertreter der „christlichen Nächstenliebe" den Freunden der Genossin Prost, daß er trachten wird Abhilfe zu schaffen, indem er die Deliquenten 'n u f f o r d ern wird, sich bei der Hinrichtung ruhiger zu verhalten, damit sich die eingcsperrten Frauen nicht aufregen sollen. Diese Gemeinheit muß ich in die Welt hinausschreien! Ich fühle mich verpflichtet, alle gerecht und christlich denkenden Menschen aufzurütteln und an sie die Frag« zu stellen, ob man ein sol- cs Christentum gutheißen kann? Gibt es auf der Welt christlich-religiöse Frauen, die so etwas für in Ordnung finden? Ich glaube, jede Frau, die ja schon aus ihrem mütterlichen Instinkt heraus gegen Krieg und Bestialität eingestellt ist, mühte sich gegen solche Prutalität auflehnen. Soviel« arbeitende Frauen stehen noch unserer Bewegung fern, nicht ahnend, wie grausam und brutal auch ihre Männer und Kinder von einem sich christlich nennenden Regime behandelt werden können. Frauen! Wacht auf aus eurer Gleichgültigkeit, stellt euch in: Kampf neben eure Männer, helft mit, solch' ein Christentum zu bekämpfen und eine bessere Welt für euch und eure Kinder zu schaffen! Paula W a l l i s ch. Die Herren der Welt. Die Untersuchung, die der amerikanische Senat über die Geschäfte der Rüstungsindustrie führt, verlaust langsam im Sande. Es war nicht anders zu erwarten. Zuviele Geschäfte wären in Gefahr, wenn dieser Sumpf trockengelegt würde. Das heilige Geschäft fordert vielmehr, daß er ab und zu mit Blut nachgesättigt wird, dainit er nicht einmal aus- trockne. Der Plakatierung wert wäre der Kom» mentar, den die kapitalistische Wirtschastszeit-! zert...... 12.15 Buntes Programm des Jazzorchesters. 14.15 Soziale Informationen. 14.45 Arbeitersendung: Grete Livius: Die Fräu am Anfang und in der Krise des Kapitalismus. 17.45 Schallplatten. 17.55 Deutsche Sendung aus Mähr.-Ostrau. 18.55 Deutsche Presse. 20.05 Heitere Musik der Klassiker. 22.20 Schallplatten. 22.25 Deutsche Presse und Sport. 22.30 Konzert des Tamburizzen-Ensembles. — Sender Str.: 14.50 Deutsche Sendung: Landwirtschaft. 15.00 DaS deutsche Lied von Mozart bis Strauß— Brünn: 20.05 Heitere Musik der Klassiker.— Mähr.-Ostrau: 17.55 Deutsche Sendung: Konzert des Mähr.-Ostrauer SendeorchesterS: Franz Mähr.-Ostrau. Vor 11 Jahren, am 4. Dezember 1913 abends wurde in Nävsi bei Jablun- kov eine Briefträgerin überfallen und eines Postbeutels mit einem Inhalt von 21.000 Kä beraubt. Lange Zeit hindurch waren die Nachforschungen nach dem Täter erfolglos. Erst heuer im Frühjahr konnten drei Täter ausgeforscht werden, darunter auch der ehemalige Gendarmeriewachtmeister Josef K o c& t, der damals in Nävsi Dienst leistete und später der Polizei zugeteilt war, von wo er im Jahre 1927 aus Gesundheitsgründen pensioniert wurde. Gegen seine Mithelfer, zwei Brüder, wurde das Verfahren wegen Verjährung eingestellt. Beide führten sich einwandfrei auf und hatten den Schaden vollständig erseht. Kocäk als Haupttäter hatte sich heute vor dem Ostrauer Geschworenen-Gericht zu verantworten. Er bestritt den räuberischen Ueberfall, Dret Minute» Stur« London. Die Stadt Lanhilleth erlebte am Donnerstag einen Sturm von außerordentlicher Heftigkeit, der ganz unerwartet losbrach und nach drei Minuten am Ende war. Der plötzlich einsetzende Wirbelwind, der von wolkenbruchartigen Regengüssen begleitet war, warf Fußgängerzu Böden,' zerriß Telephon- und Telegraphenleitungen, zerschlug Fensterscheiben und richtete grvßen Schaden an den Hausdächern an. Zwei Hausdächer stürzten ein, infolge eines merkwürdigen Zufalles waren aber die Bewohner der obersten Stockwerke in beiden Fällen in Krankenhäusern, um dort liegende Angehörige zu besuchen. Ein besonderer Umstand war, daß der Sturmwind nur einige Teile der Stadt traf, während andere Stadtteile unberührt blieben. Die Einwohner behaupten, daß während des Unwetters ein kurzer Erdstoß zu verspüren war. Selbstmordversuch eine» Rekruten Prag.(Tsch. P. B.) Am Freitag um 7.15 Uhr früh sprang vom Fenster des zweiten Stockwerkes des Divisionskrankenhauses auf dem Karlovo nämesti lKarlsplatz) der Rekrut Anton Mares vonr Artillerieregiment 102 in Rokyzan, welcher sich seit dem 3. Oktober auf der Nervenabteilung wegen Anfällen hysterischen Charakters zur Beobachtung befand. Er erlitt einen Bruch beider Beine und wahrscheinlich auch einen Bruch der Wirbelsäule und innere Verletzungen. Die Verletzung | tft lebensgefährlich. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» an» den Programme«, Sonntag Prag: Sender L.: 6.45 Gymnastik. 10.00 Kon- des Sonatenzyklus. 11.00 Orchefterkonzert. So sah es in der großen nordfranzösischen Industriestadt Lille vor numnehr 20 Jahren, einen Tag nach der Besetzung durch deutsche Truppen aus. Was als kaum mehr kenntliche Fleischund Tuchfetzen auf dem Pflaster liegt, war Sekunden vorher, ehe eine Granate einschlug, noch eine Reiterpatrouille... ,Das war vor 20 Jahren, als es noch keinen Gaskrieg, keine nennenswerte Luftwaffe, keinen Bakterienkrieg gab. Wie wird es in einer umkämpften Großstadt im n ä ch st e n Krieg aussthen, der mit allen Waffen der Technik, der Chemie, der Bakteriologie geführt werden wird? Saifnn Saigon. Die Küste von A n n a m wurde kurz nacheinander von zwei Taifunen heimgesucht. Der erste Taifun richtete keinen größeren Schaden an, der zweite vernichtete jedoch zahlreiche Häuser und forderte ungefähr 60 Opfer an Menschenleben. Überfall auf e nen Gerichtsvollzieher Lundrnburg. Donnerstag zwischen 19 Uhr wurde an der Kreuzung der Straße zwi schen Eisgrub und Nikolsburg der Gerichtsvollzieher Karl K a l u ch aus Nikolsburg überfallen, als er auf dem Rade von einem Dienstwege aus Eisgrub heimfuhr. Er wurde von zweiMännern überfallen; einer, von ihnen gab auf ihn einen S ch u ß ab und verletzte ihn an der linken Hüfte. Der überfallene Gerichtsvollzieher wurde Tagcsncuigltcitcn Sensationelle Verhaftungen in der Ukraine Tallinn.(Tsch. P. B.) Wie aus Moskau gemeldet wird, wurden auf Veranlassung des obersten Staatsanwaltes der Ukrainebezirke der Sekretär der Parteiorganisation in Wasil- kow-Ginsburg, der ChefderPolizei, sowie nenn Richter und Justizbeamtc in Haft genommen. Ihre Festnahme erfolgte wegen Diebstahl, Plünderung der Lebensmittrlvorräte, Sabotage und gegenrevolutionärer Umtriebe. Zwei Richter würden ferner verhaftet, weil sie die I u st i z k a s s e völlig ausgc- plündert und Urkundenfälschung begangen haben. Ein anderer Justizangestellter, der für Geld Gefangene aus dem Gefängnis entlassen hatte, ist geflohen. obwohl er während der Untersuchung durch die Fahndungsstelle in Mähr.-Ostrau ein Geständnis apgelegt hatte. Er stellte die Tat als einen Diebstahl dar. Koiläk ist zweimal wegen Betruges vorbestraft, begangen durch Herauslockung von Gel-> dern und Kreditkäufe; es handelte sich jedoch um! bedingte Verurteilungen, so daß die Strafen ge-' strichen wurden. Gin Schmuggler von einem> Grenzer erfchoffen Ujhorod.(Tsch. P. B.) Eine Streife Grenzfinanzwache aus der Ortschaft Dedovä im Bezirke Bcrehovo überraschte in der Nähe von Dedovä an der ungarischen Grenze Schmuggler, die mit geschmuggelten Weizen aus Ungarn zurückkehrten. Als der 20jährige Josef A n g y l e t aus Ardov verhaftet wurde, fiel dieser mit dem Stocke den Respizienten Pülpan an, der in Notwehr von der Dienstwaffe Gebrauch machte. An- gylet wurde durch einen Kopfschuß auf der Stelle getötet. Cif ÄKyre später Ehemaliger Gendarmeriewachtmeister bekommt 12 Jahre für Raub dem unsere wahren Gebieter sich über unsere Ausplünderung, unser LÄben und Sterben unter- halten, Paßt famos zu dem Geschäft selbst. Ihnen das Geschäft zu legen, das hieße vielleicht doch, die Menschheit retten. Zum mindesten könnte die Nattonalisierung des Gewerbes einen Zustand beenden, den dieser Tage ArthurHender- s o n mft einem schlagenden Beispiel illustriert hat. Er verwies darauf, daß in einem englischen Park eine Kanone aufgestellt sei. Auf der einen Seite des Denkmals könne man lesen, daß die Kanone den Deutschen abgenommen wurde, auf der andern, daß eine mit England eng verbundene Firma sie erzeugt habe. Nichts dabei, werden die Kapitalisten sagen; denn ihnen ist es in i h r e r Jnternationalität wirklich einerlei, wer die Kanonen kauft, wer durch sie stirbt. Wenn nur so- viele Menschen den Krieg überleben, daß die Herren der Welt neue Erzeuger, neue Käufer und neues Kanonenfutter haben! Apothekerstreik. Die Apotheker in der ganzen Republik waren Freitag in einen zweistündigen Streik als Protest gegen den 8 156 der Regierungsverordnung 112/1934 getreten. Der Fall Mariani. Der französische Innenminister hat den Polizeiinspektor Mariani, der bekanntlich vor 14 Tagen in Lille wegen Teilnahme an zahlreichen Betrügereien verhaftet wurde, die er vielleicht selbst leitete, abgesetzt. Der DiSziplinarrat genehmigte einstimmig diese Maßnahme. „Versailles von Portugal" eingeäschert. Das historische KönigSschloß Queluz, das man das „Versailles von Portugal" genannt hat, ist am Donnerstag abends von einem Großfeuer bis auf die Grundmauern zerstört worden. Die Ursache des Brandes ist nicht bekannt. Man befürchtet, daß die große Sammlung von Edelsteinen, Gemälden und Skulpturen völlig zerstört wurde. Belgischer Dampfer gesunken. An der holländischen Küste kenterte am Donnerstag abends der belgische Dampfer„Charles Jose" aus Antwerpen etwa 4 Seemeilen westlich vom Haaks- Feuerschiff. Ein Rettungsboot mft dem Kapitän der Besatzung an Bord ist von dem deutschen Dampfer„Wildenfels" von der Hansalinie Bremen aufgefischt worden. Nähere Einzelheiten über den Unfall fehlen noch. Der Dampfer„Charles Jose" ist 551 Tonnen groß. Die Besatzung dieses Schiffes bestand aus 10 Mann. Das Schiff war manövrierunfähig geworden. Die Besatzung gab von etwa 20 Uhr bis gegen Mitternacht an- | dauernd Notsignale mit roten Leuchtraketen. Darauf liefen aus Helder ein Motor-Rettungsboot und ein Schleppdampfer zur Hllfeleistung aus. Bevor sie aber die große Entfernung zur Unfallstelle zurückgelegt hatten, war das belgische Schiff I bereits in den Wellen verschwunden, so daß sie am frühen Morgen unverrichteter Sache nach ! Helder zurückkehren mußten. Schutzhülle niedergebrannt. Das tausenden von Bergwanderern aus aller Welt bekannte ! Schutzhaus am H o ch k ö n i g im Lande Salzburg schri'ft^ospodäkstä Politikä'^ zu"den'Enthü'l.!'st- wie heute bekannt tvird, in der Nacht zum lungen über die Geschäfte der Rüstungsindustrie 6. Oktober völlig niedergebrannt. Die Ursache ist beisteuert. Es sei, meint das Blatt, gar nichts! offiziell unbekannt, wird aber vielleicht in dem besonderes an den Tag gekommen. Die E l e e- allgemeinen Zustand von„Ruhe und Ordnung" tricBoatComPany und die Arm- zu suchen sein, der das Land, in dem F e h Mini- st r o n g V i ck c r s haben dell Markt unter ein- fter fein{ann> nun einmal charakterisiert, ander aufgeteilt, den Absatz und die Produktion geregell, die Preise festgesetzt, die Konkurrenz s nach Tunlichkeit ausgeschaltet— was ist da schon, dabei! Das tun doch alle Kartelle. Mag sein.! Ebendarum wäre es gut, sie allesamt auszurot-> ten und bei der Rüstungsindustrie nicht stehen-{ zubleiben, sondern lediglich— aber bald!—i anzufangen. Die beiden Firmen haben die, Völker der Erde nach gemeinsamem Man aus-1 geplündert. Die amerikanische Diplomatte, der englische König sind zu Agenten der Kanonen- fabrikanten geworden, die Welt hat für ein paar Tage der Wahrheit ins Gesicht gesehen und ex- könnt, wer in Wahrheit der Herr über uns alle ist. Nichts dqbei— meint die kapitalistische Presse: es sei ja nicht nachgewiesen worden, daß durch diese Machinationen tatsächlich Kriege entstehen. Wenn ein Land rüste— na, da solle eben, das andere auch rüsten. Die Verstaaüichung Schubert"2^1^5 BuMer A^n^''—BreHb>tt8: 1E00 würde daran nichts ändern. Der frivole Ton, in Unterhaltender Nachmittag. «r. 384 Samstag, 6. Oktober 1934 Seite 5 Mißglückter Devisenschmuggel Dresden.(DND.) Die reichsdeutsche Zollaufsicht in Bodenbach wurde dieser Tage darauf aufmerksam gemacht, daß in einem Wagen 3. Klasse des Berlin—Prager Nachtschnellzuges ein großer Devisenschmussgel geplant sei. Ns der Prager Schnellzug, von Berlin kommend, in der Grenzstation eintraf, wurde der Wagen, gegen den der Verdacht ausgesprochen worden war, nach dem Umsteigen der Reisenden in andere Wagen aus dem Zuge entfernt und auf ein Nebengeleise gebracht und noch, in derselben Nacht einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Das Ergebnis war überraschend. Hinter der an der Wagenwand befindlichen Notbremsetafel und hinter einer Tafel im Abort waren Reichsbanknoten im Betrag von 100.000 Mark verborgen. Ein älterer Mann, der sich verdächtig nach dem Verbleib des Waggons erkundigte, wurde verhaftet. Dieser Mann, ein Angestellter einer Privatbank, gestand, das Geld während der Reise verborgen zu haben. Er hatte die Tafeln vorsichtig losgelöst, das Geld daruntergesteckt und die Tafeln alsdann wieder angeschraubt. Jenseits der Grenze hätte er es wieder in seinen Besitz genommen. Poftauto Paris—Moskau Paris. Ein französisches Automobil mit einem Motor von 11 PH absolvierte die erste Postautoverbindung auf der Strecke zwischen Paris— Moskau— Paris in acht Tagen. Der Eisenbahnbirektionsrat in Pilse« hielt Freitag unter Vorsitz des Staatsbahndirektors Jng. Wmekek seine Herbsttagung ab. In der Sitzung wurden 45 Anträge aus dem Gebiet des Verkehrs-, Bau- und des kommerziellen Dienstes behandelt. Außerdem erstattete der Vorsitzende einen sehr ausführlichen Bericht über die wichtigeren Ereignisse im Eisenbahndienst im Bereiche der Pilsener Direktion während des verflossenen Halbjahres und über die in der nächsten Zeit«intreteuden Aenderungen und Regelungen. Auf dem Gebiete des Baudienstes wurden die Investitionsbauten wegen der andauernd ungünstigen finanziellen Lage des Unternehmens nur auf. die Fortsetzung und Beendigung der bereits früher begonnenen Arbeiten beschränkt. Auch di« Erhaltungsarbeiten wurden nur auf das notwendigste Maß beschränkt. Zur Erhaltung des Eisenbahnunterbaues wurden heuer 32 Millionen Kd verausgabt. Di« Leistungen der Motorfahrzeuge stiegen um 30 Prozent. Die Frequenz der Per- fonenzüge hat sich etwas erhöht. In der Winterperiode wird ihr« Zahl im Fahrplan nicht vermehrt werden.- Im Güterverkehr ist ebenfalls eine Zunahme zu verzeichnen. Di« Ausfuhr stieg um 363» und die Einsichr um 1313 Waggons. Auch der Wagenumsatz auf den Schleppbahnen ist um über sechs Prozent gestiegen. Der WährungSdevalvation und der Frachtermäßigung für di« Holzausfuhr ist eine größere Zunahme der Holzausfuhr hauptsächlich nach Deutschland/die noch anhält, zuzuschreiben. Georg»nb Marina. Im Buckingham-Palais (London) fand eine Sitzung des„Geheimen Rates" statt; in Anwesenheit des Prinzen von Wales, des Herzogs von Connaught, des Ministerpräsidenten, des Erzbischofs von Canterbury und hervorragender Repräsentanten des britischen Reiches gab der König auf dieser Versammlung formell seine Zustimmung zu der Verehelichung des Prinzen Georg mit Prinzessin Marina. Der internationale aeronautische Kongreß wurde in Washington unter dem Vorsitze des Prinzen Bibefco eröffnet. 50 Delegierte aus 33 Staaten nehmen an diesem Kongreß teil. Die Lase in Estland Am Dienstag hat die estländische Regierung die Sitzung des Parlaments aufgelöst. Ueber die Lage in Estland gibt eine Darstellung des ,Het Volk" Aufschluß, die sich teils auf eigene Wahrnehmungen, teils auf Mitteilungen der estländischen Regierung stützt. Der estnischen Presse ist es verbotet?, über die Maßnahmen der Regierung zu berichten. Wir geben im folgenden den Bericht des„Het Voll" auszugsweise wieder: Der Ministerpräsident P ä t s, der zugleich das Staatsoberhaupt ist, ist als Demokrat bekannt- Er hat nach den vorliegenden Meldungen das Parlament nach Hause geschickt, weil die Opposition die Regierung in scharfer Form kritisiert hat. Vermutlich sind jedoch die Sozialdemokraten nicht gemeint, weil sich diese in den letzten Monaten sehr vorsichtig im Hintergründe gehallen hatten. Die Sozialisten haben die Regierungsmaßregeln zur Bekämpfung des Fascismus gutgeheißen, obwohl es ihnen sehr schwer gefallen ist, ein« Einschränkung ihrer Allivität in Kauf zu nehmen. Der Parteiapparat blieb intatt, nur öffentliche Versammlungen wurden nicht bewilligt. Auch die Kultur- und Gewerkschaftsorga- nisationen konnten ungestört arbeiten. Die Partei tröstete sich damll, daß die mehr minder auto- rlläre Regierungsform„an eine gewisse Zeit gebunden sein werde und daß es besser sei, Opfer zu bringen, als alles zu verlieren.— Die Linken in der Partei haben sich gegen diese Duldung scharf gewehrt, doch hat der gemäßigte Parteivorstand die Oberhand behalten. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß es in der gegenwärtigen Zell wahnsinnig wäre, die Massen auf die Straße zu rufen; eine derartige Parole würde nach seiner Meinung auch gar nicht befolgt werden. Die Partei rechnet auf das demokratische Bürgertum, das vom Fascismus nichts wissen will. Sie hat deswegen nicht gegen die Verlängerung des Aus- nahmszustandes protestiert; im Parlament selbst hat sie sich auf die sachliche Kritik der Regierung beschränkt. Ob diese Tallik richtig war, wird die Zukunft lehren- Der Innenminister, und der stellvertretende Erstminister haben die Presse über die Regierungsmaßregeln unterrichtet. Sie wiesen darauf hin, daß seinerzest der Staatspräsident den Wunsch geäußert habe, in der außerordentlichen Herbstsitzung mögen sich die Mitglieder des Parlaments innerhalb jener Grenzen hallen, die die Ruhe des Landes notwendig machen.'Dem Parlament fvar eine Einflußnahme auf die Arbeit der Regierung untersagt, um auf diese Weise um allgemeine Wahlen auf Grund der Verfassung herumzukommen. In der Dienstagsitzung des Parlaments hat sich, nach der Darstellung der Minister, die Mehrheit des Parlaments auf einen regierungsfeindlichen Standpunkt gestellt und dadurch das Zusammenwirken von Parlament und Regierung unmöglich gemacht. Nur die Fraktion des Bauernbundes, die russische Minderheit und die Sozial- deinokraten haben der Regierung keine Schwierigkeiten gemacht. Die Debatte ist in Wortgefechten und Gescheite untergegangen, zwei Sprecher haben den Sturz der bürgerlich-demokratischen Staatsform gefordert. Das Parlament hat nach der Meinung der Minister leüt Gefühl für seine Verantwortung gezeigt. stwmrpavende Innenausbau der neuen Osram-E-JCdmpe verhindert, do6 Sie Ihr Geld für(Seht vergeuden. Denn die neuen Osram- pen, namentlich die meistgebrouchte 40 Olm-Type, sind wirkliche Stromsparer.' Sie brauchen viel weniger Strom— bis zu 30•/» weniger— alt minderwertige Lampen gleicher tichlteietung. Kaulen Sie darum nur Osram-m-lampen, denen durch Stern- oelavfdruck die lichtleistvng und der Wpttverbrouch attestiert ist. Das Q garantiert die liehtleirtung der neuen Osram-Bi Lamee. Bemerkung der Redaktion: Die Regierung P ä t s ist eine Regierung von Fachleuten. Der Ausnahmezustand wurde im Zusammenhang mit der von der aufgelösten„ Freiheitskämpfer"- Bewegüng im März dieses Jahres hervorgerufenen Unruhen verhängt. Die Bewegung der Freiheitskänrpfer war nach fascistischem Muster aufgebaut und hat auch nach ihrer Auflösung im Parlament Anhänger gefunden. nachstehenden Ziffern geben den wertmäßigen Umfah der Jahre 1932 bis 1934— aber immer nur für die ersten sechs Monate—- wieder: gesamter Warenverkehr Einfuhr Ausfuhr Saldo 1934 1933 1932 in tausend Rubel 292.028 399.430 110.594 185.917 181,434 213.514 680.433 405.273 275.666 4-70.840—27.597—130.113 Der Absturz des russischen Außenhandels Einige Jahre lang schien es, als ob der russische Außenhandel dem Ansturm der Krise standhalten könnte. Während alle anderen Länder damals bereits ein Sinken ihrer Außenhandelsumsätze feststellen mußten, nahm der Umfang des russischen Außenhandels weiter zu. Diese günstige Entwicklung ist im Jahre 1932 zum Stillstand gekommen. Seither hat der sowjetrussische Außenhandel einen beträchtlichen Rückschlag erlitten. Die Die Handelsbilanz erscheint insofern noch günsi g für Rußland, als sie im ersten Halbjahr 1934 mit einem Ausfuhrüberschuß von über 70 Millionen Rubel abschließt. Bemerkenswert für di« Strukturwandlung, die sich im russischen Außenhandel vollzieht, ist folgendes: Der Anteil der Rohstoffe und Halbfabrikate an der Gesamteinfuhr betrug 1932 28,5%, er hat sich im ersten Halbjahr 1934 auf 48,5% erhöht. Demgegenüber ist der Anteil der Fertigwareneinfuhr von 61,6% auf 37,9% in dem gleichen Zeitraum zurückgegangen. Diese Veränderung vollzieht sich auch in der Ausfuhr: Der Anteil der Rohstoffe und Halbfabrikate ist von 58,9% im Jahre 1932 auf 70% im ersten Halbjahr 1934 gestiegen. Die Lcbensmittelausfuhr weist einen Rückgang von 24,7 auf 15,6% auf. Der Anteil der Fertig- «Warenausfuhr verminderte sich von 16,4 auf14%. Ein Ueberläuffer Von Adam Neuville. Wenn politische Katastrophen eintreten, scheiden sich Charaktere von Konjunkturrittern und mancher hat dann die Probe auf sein Wesen zu bestehen. Die Sozialdemokratie kann stolz darauf sein, daß die Zahl der Ueberläufer aus ihren Reihen nur ganz g e r i n g ist. Aber— so unwichtig der einzelne Mann über Bord ist, wir haben doch die Namen dieser Gefallenen der all- gemeinenVerachtung preisgegeben. Ganzbesonders dann, wenn die Deserteure der Arbeiterbewegung sich bei ihren neuen Herren durch eine besonders niederträchtige Art des Schreibens einzuschmeicheln suchen. Ein solcher Fall liegt vor. F. O. H. Schulz, der langjährige Chefredakteur der„Karlsruher Vollsstimme" ist aus einem Parteigenoffen ein Pg. geworden. Der Mann, der jahrelang als Nachfolger von Wilhelm Kolb einen wichtigen Vertrauensposten der deutschen Arbeiterbewegung innehatte, wirft sich vor den Gangsters, die Deutschland beherrschen, tief zu Boden. Als Sozialdemokrat würde er im Konzentrationslager sein und, wie wir aus den Berichten der Geflüchteten wissen, die Spucke seiner SS-Kettenhunde aufzulecken gezwungen werden. Als freier Pg. bemüht er sich freiwillig als Speichellecker der deutschen Henker. Jahrzehnte lang bekannte er sich zur marxistischen Sozialdemokratie. Nun wird er die viel kürzere Zeit des Hitlerjahrtausends als Marxtöter und Marxschänder verbringen. F. O. H. Schulz hat sich den Gangsters durch ein Buch„Untergang des Marxismus" vorgeftellt. Der..Völkische Beobachwr" begrüßte mit Heil den neuen Pg. Nach ihm stellt das Buch den Pg. Schulz„mit in die vorderste Reihe der Kämpfer, die einer endgültigen Vernichtung einer Wahnidee mit ganzem Herzen dienen". 3- O. H. Schulz hat gedient, aber nach der „Berntchtung" des Marxismus hatte er es wohl nötig, als frischer Märzgefallener den SA-Bor^ gesetzten seine neue Gesinnung fortgesetzt zu dokumentieren. Dem Untergang des Marxismus folgte eine EhrenschändungvonMarx von besonderes Widerwärtigkeit. Schulz teilt seinen Lesern die Entdeckung mit, daß die von Bernstein und Bebel besorgte Ausgabe des Briefwechsels zwischen Engels und Marx eine schlimme Dokumentenfälschung sei. Und warum? Weil die Herausgeber die Briefe von Marx und Engels nicht unverkürzt veröffentlicht, sondern vielerlei gestrichen haben. Also wie Hitler in„Mein Kampf", spätere Ausgabe. Wunderbare Neuigkeit! Das weiß die marxistisch orientierte Welt schon länger als F. O. H. Schulz Pg. ist. Ueber die Kürzungen dieser Ausgabe sind Kritiken erschienen, und zwar nicht von Pg.-Denunzianten, sondern von Marxisten selbst. Das verschweigt Schulz seinen Lesern. Und" er verschweigt Ihnen auch, daß wortgetreue Abdrücke von Briefen zu den großen Seltenheiten gehören. Er verfchweigt ihnen, daß fast die ganze Briefliteratur der deutschen Klassiker gekürzt erschienen ist. Und er weiß sicher nicht einmäl, daß selbst die offiziellen Nietsche- und Goethe- auSgaben, die sich als ganz komplett ausgeben, Kürzungen mit Rücksichten auf Personen oder Anschauungen enthalten, die beim Erscheinen noch notwendig schienen. Daß die Bebel und Bernstein nicht alle kräftigen Ausbrüche des Aergers von Dkarx etwa über Lassalle mitabgedruckt haben, war ganz in der Ordnung. Denn Marx hat da oft weit über das Ziel geschossen und gerade die marxistische Forschung hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß Marx und Engels gute > Hasser waren' und nicht objektive Professoren. Deswegen bestand noch lange kein Grund in für breite Kreise bestimmten Ausgaben jedes Kernwort nut abzudrucken. Auch darüber gibt es eine ganze Literatur, die ein alter Parteiredakteur kennen dürfte. Also Schulze lügt, wie es einem frisch lackierten SA-Mann ziemt. Aber das genügt nicht. Schulz will seinen Lesern auch beweisen, was für ein moralisch tiefstehender Mensch Marx war. Als Engels seine Freundin Mary Burns verlor, schrieb Marx dem Freunde ganz verzweifelt, von diesem Unglück mitgekroffen. Und in dem Brief schreibt er auch:„Hätte nicht statt Mary meine Mutter, die ohnehin jetzt voll körperlicher Gebrechen und ihr Leben gehörig ausgelebt hat? Du siehst, zu welchen sonderbaren Einfällen die Zivilifierten unter dem Druck gewisser Umstände kommen." Auch dieser Satz fehlt in der Bernstein-Bebtl- Ausgabe. Sicher schade, denn er ist charakteristisch für die echt menschliche Größe von Marx. Aber in der Ausgabe mußte eben sehr viel Werwolles weggelassen werden. Was macht nun Schulz daraus? Er erklärt, die Stelle ist weggelassen worden, denn„ein Menschheitsapostel, der feiner Mütter den Tod wünscht, um sie beerben(!) zu können, wäre wohl von der deutschen Arbeiterschaft nicht als Führer anerkannt worden", etc. Diese Bemerkung scheint allerdings die Be- bel-Bernsteinsche Kürzung voll zu rechtfertigen. Sie beweist, daß es Menschen gibt, die jeder menschlichen Regung so fern sind, daß sie selbst das Große in Gemeines verwandeln. Schulz benützt den Schmerz von Marx zu einer Fälschung. Mit keinemWortist von einem„B e- erben" die Rede.(Abgesehen, daß Marxens Mutter nichts zu vergeben hatte.) Es ist ein ganz echt menschlicher Gefühlseinfall. Die Mutter ist alt, krank, gebrechlich, sie hat ihr Leben ausgelebt. Sie ist, wie der biblische Ausdruck lautet, lebenssatt. Wie oft machen wir das mit: Junge sterben. Alte leben, wo ist da die Gerechtigkeit? Freilich, die T o d e s w ü n s ch e, die jeder Mensch gelegentlich anderen gegenüber hat, werden von den meisten Menschen verschwiegen. Sie so offen auszusprechen, ist Kennzeichen eines tief fühlenden, offenen Charakters. Wird Marx durch viele polemische Ausfälle sellsst seinen Anhängern gelegentlich zu derb, so gewinnt er durch seinen Mut, sich restlos auszusprechen, uns alle wieder zurück. Man muß schon ein ordentliches Stück Dreck sein, um aus diesem Satz trau- rigerBerzweiflung— über den Marx, kaum daß er ihn geschrieben hat, selbst erschrickt— eine Erbschleicher« zu konstruieren. Nun interessiert aber die Leser, woher Schulz eigentlich diese große Marxkenntnis her hat. Be sitzt er Marxdokumente und Schriften, die keiner kennt? Hat er aus einem von SA. besetzten Parteiarchiv geswhlene Manuskripte, mit denen er nun die legale Marxkritik beschämt? Beileibe nicht. Schulz hält sich einfach an die von dem Genossen Rjasanoff geleitete Moskauer Marx-Engels-Gesamtausgabe, an die Lassalle- Ausgabe von Gustav Mayer; kurz an die gründliche und einwandfreie textkritische Ausgabe von M a r x i st e n. Er b e st i e h l t uns und ruft: Haltet den Dieb! Ein Mann für Goebbels« Aber wenn einer fällt, so geht es bergab immer schneller. Und der neueste Schulz ist bereits Nicht mehr bei Goebbels, sondern schon bei Streicher angelangt. Das Buch heißt„Jude und Arbeite r", mit dem Untertitel„Ein Abschnitt aus der Tragödie des deutschen Volkes". Herausgegeben vom Institut(!) zum Studium der Antijudenfrage etc. Schon ein Verzeichnis der Bilder zeigt Schulz nach dem Vorbild von Lueger und Hitler: Was ein Jud' ist, bestimm' ich. Und da bestimmt er zu Juden folgende N i ch t j u d e n: Karl Liebknecht, Wilhelm K o e n e n, Arthur C r i s p i e n, Willi M ü n z e n b e r g. Zu Marxisten macht er die N i ch t m a r x i st e n Hugo P r e u ß und Magnus Hirschfeld, damit das Buch dicker wird. Und dann bringt er noch Namen, von denen weiß Gott niemand außer ihren nächsten Familienangehörigen weiß. Besonders drollig ist die von Schulz verfügte Beschneidung von Crispien. Was gäbe Goebbels dafür, so blaue Äugen zu haben und so„arisch" auSzusehen! Der Verlag rühmt vom Verfasser,„er gehörte früher selbst zur Sozialdemokratie". Besseres ist offenbar über ihn nicht zu sagen. Aber nicht, was er war, sondern was er ist, ist das Entscheidende. Schulz dient dem Hitlerbanditen- tum durch Vertat und Verleumdung. Wenn Deutschland wieder ein Rechtsstaat wird— was mancher rüstige Greis noch erleben wird— werden auch die Pg. Schulz und Konsorten mst allem, was sie sind und haben, für ihre Beihilfe zum Verbrechen einen rechtsgültigen Denkzettel erhalten. Sette 6 „Sozialdemokrat'- Samstag, 6. Oktober 1934. Nr. 234 PRAGBR ZEITUlUg Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Autobus-Havarie bei Kbel Freitag früh fuhr auf der Teplitzer Straße zwischen Vinor und Kbell der Autobus des Josef Studenh in der Richtung Prag. Im Wagen saßen außer dem Lenker acht Personen. Zur gleichen Zeit fuhr der Privatwagen des Gutsbesitzers Ottokar Zs a r a aus Radonice mit zwei Kindern Faras in die Stadt. Bei dem Versuch, dem Autobus vorzufahren, stieß das Personenauto an den schweren Wagen an, drehte sich dreimal um die eigene Achse, blieb dann aber auf der Straße stehen. Der Autobus konnte jedoch nicht so leicht gebremst werden. Er geriet ins Schleudern, fuhr gegen einen Baum und wurde vollkommen zertrüm- m e r t. Vier Personen mußten mit ziemlich schweren Verletzungen ins Krankenhaus überführt werden. Die Schuld an der Havarie dürste nicht leicht festzustellen sein, denn beide Chauffeure hielten sich an die Vorschriften und es scheint, daß der Zusammenstoß auf die nach dem Regen glatte Straßendecke zurückzuführen ist. Sonderzug nach Pardubitz. Die Staatsbahndirektton in Prag fertigt am 14. Oktober einen Son- derausstugszug nach Pardubitz zur großen Pardubitzer Steeplechase zum Preise von 48 Kd ab. Anmeldungen im Referate der Ausffugszüge neben dem Wilsonbahnhof. Gerlchtssaal Amoklauf eines Prager Apachen Ei» Toter, zwei Verletzte.— Fünf Jahre Kerker Prag. Vor dem Prager Schwurgericht stand am Freitag der 26jährige, ehemalige Galvanisateur und heutige„Mäüchenbegleiter" d. h. Zuhälter, Milon S m e r ä k unter Anklage des Totschlages, achtmal vorbestraft und, nach dem Gutachten» der Gerichtsärzte, mit Syphilis behaftet. Es ist ein Prozeß aus der Prager Unterwelt. 1 Nicht nur der Angeklagte, sondern auch die Mehrzahl der geladenen Zeugen und Zeuginnen gehören diesem schrecklichen Milieu an. Da traten Zeuginnen auf, die man, dem Aussehen nach auf vierzig Jahre einschätzen würde. Dann aber erfährt man bei Verlesung der Personalien, daß diese vorzeittg gealterten Frauen erst zwanzig bis zweiundzwanzig Jahre zählen. Es sind Vertreterinnen-der letzten Rangstufe der Prostitution,„M ädeln vom Jnvalidenplatz" Der Angeklagte Milon Smeräk hat am 23, Mai d. I. im Gasthaus„S t r a ß b u r g"' unweit des Jnvalidenplatzes eine schwere Bluttat begangen. Sein Bruder Jarosiav, der gleichfalls den Prager Apachen zuzurechnen ist, hatte die Frau eines Gastes in ordinärer Weise belästigt. Es kam aus diesem Anlaß zu einem Wortwechsel und später zu einer Rauferei, bei welcher der total besoffen-. Jaroslav Smeräl schwer verprügeÄ würde. Eines der Strichmädeln, die mit dem Angeklagten in Verbindung stand, machte diesen darauf aufmerksam, daß sein Bruder in Nöten sei. Hierauf zog der Angeklagte Milon Smeräk sein Messer und kam seinem Bruder„zu Hilfe", und zwar in einer Weise, die man geradezu als Amoklauf eines gemeingefährlichen Gewalttäters bezeichnen muß. Er stürzte in das dichtgefüllte Lokal und. stach mit dem Messer blind um sich. Ein Sttch traf den vollkommen unbeteiligten Invaliden Josef R e n d l. der eben am Schankttsch stand, in die Brust und durchschnitt die Herzader. Rendl verblutete in kurzer Zeit. Ein weiterer Gast, namens Otakar V r z a l, der gleichfalls völlig unbeteiligt an dem Raufhandel war, bekam einen Stich in-den Arm ab; eine dritte Person wurde am Kopf verletzt. Dem Wüten des Gewalttäters wurde erst dadurch Einhalt getan, daß ihn der Hortier Dillinger mit einem Stuhl niederschlug. Der Angeklagte hat bis zur letzten Minute die Schuld a uf seinen damals völlig betrunkenen Bruder Jaroslav abzuwälzen versucht. Man hat Kaffiber aufgefangen, in welchen er seinen„Schutzbefohlenen" ihre Aussagen vorschreibt. Bei der heutigen Verhandlung hielt, er es aber für klüger, ein volles Geständnis abzulegen, und zwar, wie er auf Anfrage des Staatsanwaltes offen bekannte, lediglich deshalb, lveil ein Geständnis ein wesentlicher mildernder Umstand ist. Die Zeugen und Zeuginnen hatten freilich von der geänderten Taktik des Angeklagten vielfach keine Ahnung und„entlasteten" ihn munter, obwohl diese entlastenden Aussagen-häufig in krassem Gegensatz zu. seinem freiwillig abgelegten Geständnis standen. Man hat fetten bei, einer Gerichtsverhandlung soviele Fachausdrücke des Apachenjargons vernommen, wie bei dieser. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab.....,.- 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der deuffchen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „<5o)ial&etnofrat" Verwaltung Prag xn., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 Kd monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhall des Erlagscheines ein. Name.. Genaue Adresse: Letzte Post: Unterschrift:....«» Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage mtt Einheit, worauf der Schwurgerichtshof des GR. Är. Svambera den Angeklagten zu fünf Jahren schweren und verschärften Kerkers verurteilte, rb. Kunst und wissen „Nigolrtto" mit Willi Domgraf-Faßbender von der Staatsoper in Wien, Samstag, den 13. Ottober. als Abonnementsvorstellung D 2. Keine Gutscheine! SamStag Uraufführung der Revue.Hoch klingtdasLiedvombravenM a nn". Zu den Vorstellungen der Revue keine Gutscheine! Spielplan des Neuen Deuffchen Theaters. Samstag halb 8 Uhr: NachtvordemUltimo, B 2.— Sonntag halb 3 Uhr: Der Zigeunerbaron, Erstaufführung, halb 8 Uhr: Das kleine C a fc, C 2.— Montag halb 8 Uhr: Bezauberndes Fräulein.— Dienstag halb 8 Uhr: Di e Nacht vor dem Ultimo, AI.— Mittwoch halb 8 Uhr: Das kleine C a f e, B 2.— Donnerstag halb 8 Uhr: Die Entführung aus demSerail, C2. — Freitag halb 8: Die Nachtvor dem Ultimo, DI.— Samstag 3 Uhr: Admiral Bobby, halb 8 Uhr: Rigolet to, Gastspiel Willy Domgraf-Faßbender, D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Samstag halb 8 Uhr: Der Nobelpreis, Erstaufführung.— Sonntag 3 Uhr: BUnbury, 8 Uhr: N o b elpreis. — Montag 8 Uhr: Sensationsprozeß, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8 Uhr: Sensationsprozeß.— Mittwoch 8 Uhr: Nobelpreis.— Donnerstag 8 Uhr: Märchen im Grandhotel.— Freitag 8 Uhr: Sensationsprozeß.— Smnstag halb 8 Uhr: Revue: Hoch Aingt das Lied vom braven Mann, Uraufführung.~ Der Film Der letzte Mann Die Sympathie, die sich der Regisseur Mac F r i d und der Schauspieler H u g o Haas durch ihre bisherigen Leistungen jm ffchechischen Film(und für den ffchechischen Film) erworben haben, kann die Feststellung nicht verhindern, daß sie mit dieser neuen Arbeit einen Schritt nach rückwärts machten. Sie haben die komödiantische Groteske des„Hundelebens" in einen volkstümlichen Possenstil umgebo- gen, sie haben den parodistischen Uebermut, den sie im„Bubi"-Film zeigten, erheblich gedämpft— und sie haben darauf verzichtet, ihren Film selbst zu erfinden und sich an ein altmodisches Lustspiel(von F. X. Svoboda) angelehnt, das mit bewährten Mitteln die Zähmung eines Schul» und Haustyrannen durch einen wackeren Schwiegersohn zeigt. Um dieses Lustspiel filmgerecht zu machen und dem Sttl der Frid und Haas anzunähern, mußte auf Schritt und Tritt übertrieben werden: aus dem tyrannisierten Haushalt des verknöcherten Professors ist ein Narrenhaus und aus der schließlichen Selbsterkenntnis des Despoten eine mit Rührung berieselte Farce geworden. In diesem Rahmen wird die Wahllosigkeit der Witze, die auch im„Hundeleben" und im„Bubi"-Film störend wirkte, zu einer besonderen Gefahr. Man hätte darauf verzichten sollen, Anekdoten aufzuwärmen, die(wie die Geschichte bon dem Mann, der nicht wissen will, wieviel Uhr es in zehn Minuten sein wird und der sein Telegramm ausstreicht, weil jedes Wort zuviel ist) älter sind als die Erfindung des Films. Aber ttotz aller Mängel und Entgleisungen verraten Frid und Haas auch diesmal wieder, daß sie beachtliche und erfreuliche Könner find. Wie der Regisseur durch bloße Bildverknüpfungen Pointen schafft, wie er das Treffen der alten Abiturienten zu einer spießig-derben und doch fast gespenstischen Szene macht— und wie Hugo Haas noch die geistlosesten Scherze mit stillem Humor erfüllt und in den Schlußszenen eine erstaunliche schauspielerische Leistung sichtbar macht, das ist wiederum höchst bemerkenswett. Von den Mitwirkenden verdient außer Haas nur Vladimir Borsky Erwähnung. Er kann sich zwar neben dem Hauptdarsteller nur sehr schwach zur Geltung bringen, aber er beweist immerhin, daß er über seinen früheren Schmachffttl entschieden hinausgewachsen. ist.—eis— Sport• Spiel• Körperpflege Für Kalnins Freilassung! Das Mitglied des internationalen Büros der SASJ. Genosse BrunoKalnin. befindet sich immer noch im Gefängnis der lettischen Reaktion. Die erregt nicht nur in den Reihen der Arbett teffportler tiefe Empörung, sondern die ganz« Kulturwelt verurteilt dieses Vorgehen der lettischen Gewaltregierung. Auch die lettische Oeffentlichkeit selbst ist über die Behandlung des allgemein geachteten Bruno Kalnin entrüstet. Die Sozialistische Arbeiter- Sport-Jnternationale erhob neuerlichen Protest gegen die weitere Gefangenhaltung Bruno Kalnins, dem sich auch einige Verbände angeschloffen haben. Der A t u s übermittelte ebenfalls der Prager lettischen Gesandtschaft eine neue Protesttundgebung, die folgenden Wortlaut hat:. „SSir- erfahren, tief empört, über die Behandlung, die dem ehemaligen Boffitzenden des lettischen Arbeiter-Turn- und Schutzbundes im Gefängsnis zuteil wird. Wir protestieren namens unseres Verbandes, d. i. namens 50.000 Mitgliedern, gegen diese Behandlung. Wir werden diesem Protest überall in unseren Organisattonen und darüber hinaus Ausdruck verleihen und wünschen von Ihnen, daß Sie sich für die Freilassung Kalnins einsetzen." Dienstag, den S. Oktober, 8 Uhr abends im Gewerkschastshause Prag, Perötyn. Parteimitgliederversammlung Tagesordnung: Die politische Lage«ad unsere«Schften Aufgabe« Redner: Gen. Senator Dr. Carl Heller Kein Mitglied der Organisation fehle! Die Schweizer Arbeitersportler haben auch einen Protest abgesandt, welcher sich in leidenschaftlichen Worten gegen die rechtlose Einkerkerung Kalnins wendet und seine baldige Freilassung fordert. Die polnische« Landesmeisterschafte« in Danzig Am"'gleichen Tage, wo in Warschau das Fuß- ball-Länderspiel Deutschland gegen Polln stattfand, wo beide Länder sich aus.Freundschaft" mit ihrer Nationalhymne gegenseiffg anbrüllten, fanden in Danzig die polnischen Meisteffchasten der Arbeiter- Leichtathleten statt. Aus.Freundschaft" für die polnischen Arbeiterspottler hatte man das städtische Stadion für diese Veranstaltung abgelehnt. Man wollte den Danziger Arbeitersportlern. die in großer Anzahl an dieser Veranstaltung teilnahmen, nicht die Möglichkeit geben, auf einem städtischen Platz Wettkämpfe auszutragen. De Veranstaltung fand deshalb auf dem Platze des polnischen Sportvereines statt. Das Fest war ein großer Erfolg der Danziger Arbei- tersportlrr. die unter roten Fahnen in die Kampfbahn einmarschierten. Die Danziger.Volksstimme" schreibt über dieses Fest: „Es war wie in ftüheren Zeiten, nur die Stimmung war noch frischer und angriffslustiger. Der Aufinarsch war eine der eindrucksvollsten Kundgebungen, die Danzig je gesehen hat." Nach den Punften gewertet erhielt Danzig 289 Punfte, Warschau'255 Punkte. Lodz 56 Puntte, Oberschlefien 53 Punfte. Von den Meisterschaften fielen 16 nach Warschau, acht nach Danzig, zwei nach Lodz und eine nach Oberschlesien. Die Veranstaltung hat gezeigt, daß die Danziger Arbeiterschaft wieder im Vormarsch ist. Lus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Dienstag, den 9. Ottober, acht Uhr,- G r u p p e n ab-end e: SJ Zentrum: Bunter Abend.— SJ Holleschowitz: Der 28. Oktober 1918.— SJ Weinberge: Lagerabend.— SJ Smichov:-Die Schlacht bei Lipan. Vcrcinsnadirlditcn Sänger, Achtung! Die für Dienstag anberaumte erst« Singprobe entfällt wegen der für diesen Tag festgesetzten Patteiversammlung. Allgemeiner Angestellten-Verband Prag. Amtsstunden Mittwoch, 6—8 Uhr, Narodni 4/1II. Jung-Angestellte: Sonntag Ausflug nach Pruhonitz. Treffen um 9 Uhr, Wrfchotgitzer neue katholische Kirche, elettrische Station. Bei ungünstigem Wetter Museumsbesuch Waldes.— Nächste Jungange st ellten-Versa mm. l n g:^-nnerstag, 18. Ottober. © Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 7. Ottober. Um halb 8 Uhr vor dem i>ysodaner Bahnhof. Fahtt nach Re- ratovice. Wanderung nach Melnik. Be- sichttgung der Sehenswürdigkeiten Melniks. Rückwanderung auf einem anderen Wege nach Neratovice. Fahrpreis Kd 10.—. Führer: Kapuschinski. Unsere Geschäftsstelle amtiert jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in Prag II., Närodni Nr. 4, 2. Stock. PRAG Wanderung. Sonntag, den 7. Ottober, veranstalten wir eine Wanderung durch das RadotinerTal. Treffpunkt 8 Uhr an der Endstation der Linie 18 in R a d l i c e. Frei Heil! filme in Prager Lichtspielhäusern bis einschließlich Donnerstag, de« 11. Ottober Adria:.Vergessene Männer".— Alfa:„Dein ist mein Herz". E. Avion:„Klein Dorit". D.— Fenix:„Musik des Herzen". Tsch.— Flora:„Die falschen Zwillinge". D.— Gaumont:„Der letzte Mann". Tsch.— Hollywood:„Musik des Herzen". — Hvkzda:„Vergessene Männer".— Kinema, B.» Th.: Journale. Groteske, Report. Ab halb 2 bis 7. — Kotva:„Jud Süß". E.— Lucerna:„Jud Süß". E.— Metro:„Der letzte Mann". Tsch-— Olym- pie:„Helden der Eismeere— die Tscheljuskinleute". R.— Passage:„Maskerade". D.— Radio:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch.— Skaut:„Tobogga n". Fr. — Svkwzor:„Der letzte Mann". Tsch.-— Carlton: „Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch.— Favorit:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch. — Lid«:„Bella Donna". E.— Roxy:„Der heldenhafte Käpitän Korkoran". Tsch.— U Bejvoim: „Zwek" Herzen in Zättlichkeit vereint". D.— Bal- dek:„Die falschen Zwillinge". D. Mitteilungen ans dem Publikum. Bei Müdigkeit reiben wir Sttrn und Schlafen mit Alpa-Menthol-Franzbranntwein ein und massieren die abgespannten Muskeln. Alpa, das bewährte und sett vielen Jahren gebrauchte Hausmittel. 100 Alte Möbel in modernen Wohnungen. Gewiß betträgt sich das, wenn man die rechte Wahl trifft. Ein zierlich geschnitzter Rokokoscffel, ein Sekretär, eine Vitttne, am geeigneten Platz aufgestellt, belebt den Raum und erhöht die Wohnlichkeit. Fast ist es so, als ob mtt den prächffg gelungenen Werkstücken kunstverständiger Meister geruhsame Stunden jener Zett wiederkehrten, der sie entstammen. Wir brauchen solche Augenblicke, wo der Alltagslärm verllingt, wo unsere überreizten Nerven sich entspannen und zum hatten Lebenskämpfe neue Kräfte sammeln können. Darum auch der aus Westeuropa kommende Brauch, die abendlichen Mußestunden durch Kerzenbeleuchtung gemütlicher zu gestalten. Das milde Licht der Kerzenflamme verbreitet eine Atmosphäre von Behaglichkeit und gewährt zugleich mtt seinem nicht blendenden, müden Schimmer unserem Auge die unerläßliche Erholungspause. 100 Literatur Hermann Wendel:„Jugenderinnerungen eines Metzers".(Straßburg, I-idraitt« de la Mesange — Editeur.) Hoffentlich findet dieses Buch Vie!« Leser auch außerhalb des Kreises derer, die Hermann Wendel aus seinen bisherigen Schriften kennen! Es ist ja mehr als Rückschau eines Fünfzigers auf Jugendjahre und Jugendstreiche, ist, in den ersten Kapiteln, eine von heißer Heimatliebe dittiette ungemein lebendige Schilderung der Stadt Metz zur Hohenzollernzeit und der lothttngischen Landschaft, ist dann nicht minder anschauliche Darstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse in'der mit Militär überfüllten Festung, und schließlich erst, nachdem so der Rahmen des Geschehens gezeichnet ist, lachende Buben- und Jünglingsgeschichte. Sie lehrt uns den Menschen Hermann Wendel verstehen, der als Kind eines preußischen Beamten in der französischen Stadt aufwuchs, läßt uns das Zusammenfließen zweier Kulturströme in den paar geistig regsamen, in den wenigen nicht nach der von oben befohlenen Att denkenden Menschen jener Stadt und Zeit miterleben, als deren bemerkenswettester Vertreter uns Wendel erscheint.— Wie schön, mit Wendel durch die Straßen der allen Stadt zu streifen, ihre„Originale" kennen zu lernen, das nicht Mit-, sondern Nebeneinander von Garnison und Bevölkerung, den Abstand zwischen zugewanderten Deuffchen und altansässigen Franzosen, mit. ihm di« Schule zu besuchen und uns zu freuen an seiner liebevoll-boshaften Beschreibung des Lehrkörpers, seine Ellern kennen zu lernen, vor allem die preußenfeindliche Großmutter aus Düsseldorf, mit ihm den„Sturm und Drang" der Metzer Boheme zu durchleben! Wir glauben lesend den patriottschen Metzer königlichpreußischen Hofbäckermeister, der die telegraphische» Brötchenbestellungen stolz und pietätvoll einbinden ließ, vor uns zu sehen, und ebenso den allen General Häseler, der„aussah, wie ein alles Weib, das aussieht wie ein Mann, der wie ein altes Weib aussieht." Wie schön Wendel erzählt von den krummen Wegen, auf denen er sich in der Literatur Bescheid suchte! Da ist einmal einer, der offen sagt, welche Freude ihm und seinen Kameraden die Fabeleien Karl Mays machten, der ohne Erröten erzählt, wie gern er Detektivromane las und— jetzt noch liest! Einer, der nie ein Musterknabe sein wollte, einer, der sich herzlich seiner.Knabenabenteuer zu freuen vermag, der also Wittlich noch recht jung sein'muß. — Ein farbenprächtiges, buntes Buch, und zugleich eines, aus dem man mehr über das Lothttngen während der Hohenzollern-Zeit lernt als man aus langatmigen Beschreibungen herauszulesen vermöchte, ein schönes menschliches Dokument, das uns den Genossen Hermann Wendel besonders nahe bringt, so nahe, daß man ihm die Hand drücken zu können glaubt. I. H. ■Sparen i| Anzeigen HlhelBt der M inserierenden Sl Konkurrenz helfen In Gold,(Platin, Porzellan und Kautschuk. Arbeiten kür die Herren Aerzi« schnell und billia. Anton Kopeck*, »Zahntechniker, Praha VIII. Tritt» 11. 2268 OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vietteljähttg Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. 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