IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Etezitereis 70 Heiter (ein»chli^JMkh S Heller Mo| ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«2. telefon 53077. Administration telefon 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Dienstag, 9. Oktober 1934 Nr. 236 Barcelona, ein zweites Wien Katalanische Regierung kapituliert nach schweren Kämpfen Neues Auf flammen des Widerstandes Manuel Azaha Der Süden greift ein Fever genommen. Der Befehlshaber der Regie- rungstruppen in Katalonien, General Batet, ließ in Barcelona sämtliche öffentlichen Gebäude und den Rundfunk besetzen. In Gero na wurden beim Einzug der Regierungstruppen ein Major und ein Hauptmann getötet. Wie aus Barcelona berichtet wird, hat der Präsident in Katalanien, Companys, nach seiner Verhaftung erklärt, er übernehme die ganze Verantwortung für das, was innerhalb der Generalidad vor sich gegangen sei. Der Bürgermeister von Barcelona, der ebenfalls verhaftet wurde, hat seinerseits die Verantwortung für alles, was im Rathaus vor sich ging, übernommen. Die Zahl der Verhaftungen in Barcelona allein überschreitet 500. Mit der Verwaltung der Generalidad ist ein Oberst und mit der Leitung der Stadtverwaltung ein Major betraut worden. Im Laufe der Rächt kam es in ,, Barcelona in den Straßen zu einigen Schießereien. Die Militärgerichte, vor denen sich die Aufständischen aus Barcelona zu verantworten haben werden, werden am Dienstag zu funktionieren beginnen. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß jemand von den Führern des Aufstandes zum Tode verurteilt würde, weil befürchtet wird, das er in den Augen der Menge zu einem Märtyrer werden könnte und daß weitere Unruhen in Katalonien ausbrechen würden. Monarchisten an die Fronti Madrid.(Tsch. P.-B.) Die Regierung forderte zirka 8000 Offiziere, welche zu Beginn des republikanischen Regimes wegen ihrer royalistischen Gesinnung zwang-weise pensioniert wnr- den, auf, insgesamt um die Wiederaufnahme in den aktiven Dienst anzusuchen. Der monarchistische General Sanjurjo, der vor kurzem seine Gefängnisstrafe als Führer des spanischen Aufstandes im Jahre 1932 abgevüßt hat und sich gegenwärtig in Portugal aufhält, erklärte dem Renter-Korrespondenten, er habe der Regierung Lerroux seine Hilfe zur Unterdrückung der Revolution in Spanien angeboten. Vie Rache der Sieger Madrid.(Tsch. P.-B.) Die spanische Regierung hat eine Verordnung erlassen, derzufolge sämtliche Fabriken, Behörden und Geschäfte morgen früh den normalen Betrieb aufzunehmen haben. Angestellte, welche sich morgen früh'zur Arbeit nicht einfinden, werden von den Behörden ihrer Posten enthoben und. sämtliche' mit ihnen abgeschlossene Arbeitsverträge-werden ebenfalls für aufgehoben erklärt werden. An die Stelle der Entlassenen werden mit sofortiger Gültigkeit neue Arbeiter und Angestellte berufen werden, die sich Am Montag nachmittag wurde von der Madrider Zentralregierang ein kurzer Bericht über die Lage in Spanien durch Rundfunk be- kanatgcgeben. Danach sollte in der Hauptstadt wie in den übrigen Rrvolufioasgebiete« der Halbinsel Ruhe herrsche«. Nnr in vereinzelte« Provinzorte« sollte cs noch z« kleineren bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Revolutionären gekommen sein, wobei in Bilbao em Todesopfer«ad eine Reihe von Ber- letztea z« beklagen waren. Am Abend des Montag ist jedoch die Lage in Spanien wiederum sehr heikel geworden. Der Allgemeine Gewerkschaftsverband unterstützt die von den Sozialisten hervorgernsene Streik- b e w c g u ng. Diese hat in Sevilla und in ganz Andalusien stark an Ausbreitung gewonnen. Die Regiernng ist dadurch m neue Schwierigkeiten geraten. Allgemein wird behauptet, daß die Sozia- lrste« für die Nacht auf Dienstag eine neue Aktion planen. Der Generalstreik auf dm Bahnen soll Dienstag früh beginnen, doch sucht ihm die Regiernng dadurch zu begegnen, daß sie sämtliche Eisenbahner, die Milstärreservisten sind, zum Militärdienst einbernfm hat. Die Streikbewegung dehnt stch, wie es scheint, nach Süden aus, während im Norde«, besonders in der Provinz Asturien, die Anfstän- dischm in die Berge abgedrängt wurde«, wo sie vc« Regierungsflngzengen beschoffm werden. Am Montag Abend meldet Reuter: Die zuletzt aus der« st«rischen Pro- .E?"^^b«den Berichte lauten ungewöhnlich pessimistisch. Die Streikenden sollen angeblich überaus, gut bewaffnet und sogar im Bcsive von Kanonen sein. ! Ferrol gekommenm Kreuzer Die spanische Revolution, die durch dm Anschluß der katalanischm Republik an die revolutionäre Bewegung Samstag einen so hoffnungsvollen Verlauf zu nehmen schien, ist durch die rasche Niederwerfung Kataloniens in ihrer entscheidendm Position geschwächt worden, so daß seit Sonntag abmds kaum Hoffnungm auf einen Sieg der Arbeiter mehr bestehm. Der Sieg d e r Ko«terrevolntion in Bareelo«a ist mit denselben Mitteln erzielt worden wie der Sieg der österreichischen Fascisten über den Schutzbund. Das Beispiel Dollfuß' und F e Y s hat Schule gemacht. Rur haben die Konterrevolutionäre aus den Wiener Ereignissm gelernt, daß man noch rascher und rabiater zngreifen muß, wenn man jede Krise vermeiden will. Der General Batet, der Barcelona niedergeworfm hat, ist sofort ohne weitere Vorbereitungen zum Artillerieangriff übergegangen und hat sogleich Mö r s e r eingesetzt. E Sonntag,}^5 Uhr früh, richtete der Kommandant der spanischen Regierungstruppm in Barcelona, General Batet» ein Ultimatum an Companys, der mit seinen Kollegen im Palais der»Generalidad", der Provinzregierung, versammelt war. Als sich die Aufständischen nicht ergabm, eröffnete Batet sofort eine Kanonade gegm das Regierungsgcbäude und andere wichtige Punkte der inneren Stadt. Die Freiwilligen konnten sich gegen das Artilleriefeuer nicht halten. Schon um sieben Uhr ließ Companys sein« Kapitulation-nbietm. Sein erster Parlamentär wurde getötet. Batet nahm dann die Kapitulation an, bedrohte aber jeden weiteren Widerstand mit schärfften Mitteln, da inzwischen derBelagerungsz«. st a n d über Katalonien verhängt wordm war. Es setztm Verhaftungen ein. Rund 500 Führer des Aufstandes sollen in Bar- celona verhaftet worden sein. Die Zahl der Toten und Verwundeten wird sehr verschieden hoch angegeben. Rach Mclduugm«am 8. Oktober werden 350 Tote und gegen 1200 Verwundete gezählt. Azana soll«ach einer Meldung verhaftet wordm sei«, einer späteren Nachricht zufolge hat er aber bereits die ftanzösifche Grenze Lberschrittm. Im übrigen Spanien wurdm die Kämpfe fortgesetzt. In Astn- r i e n scheinen die Bergarbeiter erbitterten Widerstand zu leisten, obwohl auch dort Artillerie und von der Küste her Kriegsschiffe eingesetzt wurdm. In M a d r i d flamm- tm den ganzm Sonntag über kleinere Kämpf« ans. Sozialisten beschossen dabei die Billa des Ministerpräsidenten Lerroux. Ebenso wie in Wien nach der Kapitulation einzelner Positionen der Arbeiter der Widerstand aufs neue aufflammte» ist auch Barcelona, wenige Stunden nach der Unterwerfung, von neuem zum Kampf ausgestanden. Sonntag nachmittags und abends wütete noch einmal vier Stundm lang der Bürgerkrieg in dm Straßen, neuerdings hat der Einsatz der Artillerie die tapferen Rebellm zum Schweigm gebracht. Auf der Insel Malaga und in der Stadt Granada habm die Sozialistm gemeinsam mit dm Syndikalisten dm Generalstreik proklamiert;' dortselbst wüten Straßmkämpfe. Die Situation ist von Stunde zu Stunde immer heikler, dmn die Revolutionsbewrgung hat sich nunmehr auch auf wichtige Zentren Andalusiens ausgebreitet» wo die Syndikalistm großen Ein fluß ausüben. Die Revolutionäre wenden»un mehr Guerilla-Methoden an. In den Hafm von Taragma wurden 2000 Soldaten beordert; in Gijon wurdm 2500 Mann ansgeschifft. Spät abends meldet das Tschechoflowakische Preßbüro: I» den spätm Rachmittagsstunden des Montag hat sich die Lage in Madrid wieder ver schlechtert. Schlagarttg setzte an verschißenen Punkten der Hauptstadt ein heftiges Gewehr- und Pistolenfmer ein» deren Auswirkungen noch nicht bekannt geworden sind. Die Ueberfälle richten sich vor allen Dingm auf die Polizei-«nd Militär patrouillen und verkehrswichtigen Gebäude. Die telephonischen Verbindungen jn einigen Stadtteilen sind«nterbrochm. Nachrichten von außerhalb über die Lage im übrigen Spanim hereinzubekommen, ist fast unmöglich. Die Bevöl kerung ist einzig und allein auf die von der Zen tralregierung von Zeit zu Zeit durch Rundfunk bekanntgegevenm kurzen Lageberichte angewiesen, die im Gegmsatz zu dm in Umlauf befindlichen Gerüchtm beruhigend lautm. Katalonien nach dem Kampf Madrid.(Tsch. P.-B.) Rach einer Mit teilung des spanischen Kriegsministeriums wur dm in Gijon die Aufständischen, die sich auf dem Berg Santa Catalina zurückgezogen hatten, im Laufe des Sonntag nachmittags von dem ns :„Libettad" unter'an dem'letzten Streik nicht beteiligt haben. Spanische Reaktion Die jüngste Geschichte Spaniens bietet das typische Bild der Entwicklung aller bürgerlichen Revolutionen: in der ersten Phase geht die Bourgeoisie mit dem Proletariat gemeinsam vor, um den Feudalismus, die Monarchie, die Adeligen zu stürzen und deren Vorrechte zu beseitigen, der bürgerlichen Entwicklung den Weg zu bahnen. In der zweiten Phase aber stehen auf den: so geschaffenen Boden der bürgetlichen Gesellschaft die beiden feindlichen Klassen einander gegenüber, die Interessen des Bürgertums und des Proletariates gehen auseinander, der Kampf zwischen ihnen beginnt, er endet ost mit der Niederlage des radikalen Flügels der bürgerlichen Revolu- tion, eben des Proletariates, das erst Zest zu sei- ner Entwicklung braucht, um der Macht der bürgerlichen Klasse die Waage zu halten und so die Republik seinen Lebensinteressen dienstbar zu machen. Die junge spanische Republik, die durch die Revolution des Jahres 1931 geschaffen wurde, hatte von vornherein mit großen Schwierigkeiten zu rechnen. Sie war nicht imstande, in der kurzen Zeit eine Lösung des schwierigen spanischen Na- tionalitätenproblems zu finden und insbesondere den Gegensatz zwischen den Spaniern und Katalaniern aus dem Wege zu räumen. Daß die reaktionäre Regierung Lerroux die national-revolutionäre Regierung in Barce- Iona besiegt und gefangen genommen hat, ist sicherlich keine Lösung der katalanischen Nationalitätenfrage. Dieses Problem wird Spanien noch weiter beschäftigen und zu einer Lösung drängen. Verhängnisvoll scheint auch für Spanien die Frage der Bodenreform gewesen zu sein, die nicht in jener radikalen Weise erfolgte, welche die spanischen Bauern zu treuer. Anhängern der Revolution gemacht hätte, die zu- sammen mit den Arbeitern die Errungenschaften der Rcholutiön von 1931 verteidigt hätten. Schließlich hat sich auch das Wahlrecht, da» die Republik den Frauen gegeben hat, gegen die Sozialisten ausgewirkt, weil die Frauen, die in Spanien jahrhundertelang unter dem Einflüsse des Klerus gestanden sind, genau so wie dir Männer in den wirtschaftlich zurückgebliebenen Gegenden Spaniens, in welchen die moderne In- dustrie und der Handel noch nicht Fuß fassen konnten, die reakttonären Parteien gewählt haben. So ist ein Parlament zustande gekommen, welches einen starken reaktionären Einschlag er- hieü und so ist auch die Regierung immer mehr und mehr in die Hände der Rechten geraten. Spa- mens Arbester aber haben sich die Früchte dec Revolution nicht gutwillig aus den Händen rei- ßen lassen wollen. Sie haben den Generalstteik proklamiert und sich mit der Waffe in der Hand dem Militär entgegengestellt, über das die reaktionäre Regierung gebot. Die spanischen Arbeiter haben diesen Kampf mit Heldenmut durchgefochten. Noch ist die Flamme der Erhebung nicht überall in die Asche getteten worden. Noch flackert der Widerstand an allen Ecken und Ende» auf. Gewiß, Spaniens Arbester haben eine Schlacht verloren, aber der Feldzug ist nicht zu Ende. Ebenso wie in allen anderen Ländern kann ein spanischer Fascismus die großen wirtschast- lichen und sozialen Probleme der Zeit nicht lösen. er wird an ihnen scheitern früher oder später Die Entschlossenheit, mit der Spaniens Arbeiter den Kanrpf durchgefochten haben, läßt auf ihre Opferbereitschaft und Begeisterung schließen, die ihren Fahnen über alle schweren Hindernisse der Gegenwart hinweg zum Siege verhelfen wird! Vie Opfer Den letzten Nachrichten über die Opfer des Aufstandes zufolge wird damit gerechnet, daß etwa 500 Personen getötet und 2000 verletzt wurden. Setter Dienstag, 9. Oktober 1934 Nr. 236 Proletarischer Sport und Einheitsfront Kongreß der SASI entlarvt die Abschluß der Beratungen Noch während auf dem Kongreß der SASI über die Beziehungen zur Kommunistischen Sport- Internationale beraten wurde, erschien in bürgerlichen Blättern die Mitteilung, daß eine Boxer- mannschast, die ausdrücklich als Mannschaft der kommunistischen Sport- Internationale bezeichnet wurde, im Prager Winterstadion gegen eine bürgerliche Mannschaft antteten wird. Der Kongreß beauftragte daher am Sonntag das Präsidium, vor den Verhandlungen mit Moskau erst gründliche Aufklärungen über die sportlichen Wettkämpfe der Sowjetsportler mit den bürgerlichen Verbänden zu verlangen. In dem Schreiben, das bom Präsidium der SASI an das Sekretariat der Roten Sportinternationale gerichtet wurde, hell es: „Sie schlagen«nS vor, daß wir gemeinsam „gegen die Fascisicrung und Militarisierung der Maffen durch den bürgerlichen Sport" kämpfen, ferner, daß wir mrS gemeinsam als„einen machtvollen Faktor dem bürgerlichen Sport entgegenstellen" solle«. ES ist zumindest eigenartig, daß Die uns ein solches Anbot schicken und zur gleichen Zett eine Mannschaft zu eben jenen bürger- lichcn Sportverbänden entsenden, die wir angeblich gemeinsam bekämpfen sollen. Im Auftrage d«S VH. Kongresses der SASI«erlangen wir eine sofottigr Aufklärung der Angelegenheit, denn für uns war es bisher eine Selbstverständlichkett, daß sich klaffenbewußte proletarisch« Sportverbände nicht dazu hergeben dürfen, den bürgerlichen Sporwer- bänden Reklamedienste zu leisten." Die Auffasiung des Kongreffes über die Frage selbst wurde in folgender Entschließung niedergelegt: Voraussetzungen der Einheitsfront „Das Exekutivkomitee der Roten Sport- Internationale hat eich mit einem Schreiben vom LL. September an die SASI gewandt und. die Einleitung von Verhandlungen zwischen beiden Organisationen angeregt. Der VII. Kongreß der SASI hat die Krage der Zusammenarbeit der beiden proletarischen Sportorganisationen mit Ernst und Gewissenhaftigkeit geprüft und wird für sei nen Teil alles tun. was möglich ist, um sie zu einer befriedigenden Lösung zu führen. Der VII. Kongreß der SASI verweist auf den Beschluß der Züricher Bürositzung vom Jänner d. J. Dieser Beschluß gibt den, der SASI angeschlossenen Landesverbänden bereits die Möglichkeit unter gewissen Voraus- Setzungen mit den russischen Sportorganisationen einen Sportverkehr zu pflegen. Der VII. Kongreß der SASI beauftragt «ein Präsidium, mit dem Exekutivkomitee der R. 8. /. in Verhandlungen einzutreten, unter welchen Bedingungen ein Sportverkehr zwischen den beiden internationalen Arbeitersportorganisationen möglich wäre. Als selbstverständliche Voraussetzung eines solchen Sportverkehrs erachtet der VII. Kongreß der SASI die prinzipielle Ablehnung jedes Sportverkehres mit den bürgerlichen Sportverbänden. Die Verhandlungen mit der R. 8.1. erfolgen selbstverständlich im engsten Einvernehmen mit der 8. A. I. und dem I. G. B.“ kommunistische Doppelzüngigkeit Wie wunderlich sich diese Dinge in den Köpfen der Kommunisten ausmalen, geht daraus hervor, daß eine Delegation der Reichenberger kommunistischen Turner und der sogenannten Arbciter-Radfahrer- Oppositton zu Verhandlungen nach Karlsbad kam. Sie wurde natürlich weggeschickt. Ded Kongreß beschloß weiter eine Protest- kundgebung gegendie Unterdrückung der Arbeitersportbewegung im Saarland und in Danzig. Der kämpfenden Arbeiterschaft in Spanien wurden die Sympathien des Kongreffes ausgedrückt. Die wetteren Verhandlungen am Sonntag beschäftigten sich zunächst mit den technischen Aufgaben und den internattonalen Beziehungen. In seinem Referate zu diesem Punkte behandelte Bühren die Werbearbeit«, vor allem in der Jugend und bei den Frauen, den Kampf gegen die fascifttschen Organisationen, neue Formen der Körperkultur und die Frage eines Sportabzeichens. Olympiade Antwerpen 1937 Aus den Referaten, die zu diesem Punkte die Belgier Devlieger und Grandry erstatteten, geht hervor, daß die Belgier alles unternehmen wollen, um die Olympiade zu einer machwollen Kundgebung des proletarischen Massensports zu gestatten, zu einer Manifestatton, die die' engste Zusammenarbeit mit der SAJ und dem JGB zeigen soll. In den Sttaßen Antwerpens werden gewalttge Maffen belgischer, holländischer und französischer Arbeiter mobilisiert werden. Die Referenten sind der Ueber- zeugung, daß die Arbeiter-Olympiade die bürger- Bündnis Kramäf—Stfibrnv Die Blockbildung auf der tschechischen Rechten geht dem erwarteten Ende entgegen. Bon der großen„Nationalen Opposition" ist dabei nur das Fusionsgeschäft der Nationaldemokraten mit der Stribrnh-Liga übriggeblieben, nachdem dir tschechischen Gewerbetreibenden ihre Beteiligung abgelehnt hatten. Die erklärt.fascifttschen Gruppen in G a j d a s Umgebung konnten noch nie länger als für vierzehn Tage unter einen Hut gebracht werden und alle.Fronten", welche in dieser dunklen Zone des politischen Lebens entstanden, zerstoben nach kurzer Zeit, weil entweder Gajda ausgeschloffen wurde oder die anderen arrsschloß. S t k t b r n h und H o d a k. welcher bei den Nätionäldemokrgten die Linie ängibt,' sind am stärksten an einer Einigung interessiert, weil das Wenige, das sie noch haben, ihnen verloren zu gehen droht. Die Opposition hat den Nationaldemokraten nicht gut getan. Nachdem sie wegen der Devalvation die Regierung verlassen hatten, haben sie polittsch Schlag auf Schlag erlitten. Die Partei, welche gemeinsam mit sechs anderen Gruppen in den letzten Wahlkampf gezogen ist, hat nicht einmal ihre Abgeordneten beisammen halten können. Zuletzt sind der Vertreter der gelben Gewerkschaften Abg. H u d e c und der Führer des slowakischen Flügel» Dr. I v a n k a abgefallen. Illusionen über die Zukunft der zerrütteten Partei können sich K r a m a t und HodaL nicht machen. Um die Liga ist es nicht besser bestellt. Bor liche Olympiade in Antwerpen übertreffen wird, daß sie aber auch unter den jetzigen schwierigen Veriält- niffen bestehen wird gegenüber den Olympiaden von Frankfurt und Wien. Die Stadt Antwerpen wird ein großes Stadion, verschiedene kleinere Sportanlagen, eine Radrennbahn, Hvei Schwimmbassins, eine sehr große Halle für leichtathletische Uebungen und einen großen Festsaal zur Verfügung stellen, außerdem sämllicheS Material für die Bauten und die Ausschmückung der Stadt. Zur Finanzierung der Olympiade soll ein Beitrag von einem belgischen Francs(ungefähr 1 Kö) eingehoben werden. Außerdem soll eine Nattonallotterie veranstaltet werden. Die Finanzen der SASI Infolge des Ausscheidens großer Länder mußte die Finanzgebarung der SASI auf eine neue Grundlage gestellt werden. Nach eingehender Beratung wurde infolgedessen beschlossen, eine Erhöhung des bisherigen MitgliedSbeitrage» um 60 Prozent, also von 8 auf 12 Heller pro Jahr und Mitglied durchzuführen. Neuwahl des Büros Aus den gleichen finanziellen Erwägungen heraus kam der Kongreß zu dem Beschluß, eine Verkleinerung der Leitung der SASI vorzunehmen. Es wurde ein Büro gewählt, bestehend aus Dr. Julius Deutsch(Präsident), S i l a b a- Prag(Sekretär), Bühren(techn. Leiter), Heinrich Müller(Pressedienst) und bis zur Olympiade Devlieger-Belgien. Bei wich- ttgen Fragen wird die Länderkonferenz einberufen. Die übrigen Wahlen erfolgten vorschlagsgemäß. Als nächster Tagungsort der SASI wurde Antwerpen in Aussicht genommen. Nach Erledigung der Anträge fanden die von kameradschaftlichem Geiste getragenen Beratungen in den Nachmittagsstunden ihren Abschluß. wenigen Tagen ist, ipit dem Leiter der Stkibrnh- Blätter Dr. K a h ä n e k an der Spitze, eine Reihe von Redakteuren zu den Agrariern übergcgangen. Die Organisationen haben außerhalb Prags nirgends festen Fuß gefaßt. Stkibrnh steht jetzt auch vor dem wirtschaftlichen Zusammewbruch. Sein einziges Aktivum ist diMluflage seiner Zeitungen: Eben da», was den Nationaldemokraten fehlt. Unter solchen Verhältniffen soll sich die Einigung zwischen Kramät und Stkibrnh vollziehen. Das Vorbild der politischen Peripherie kann dabei nur gewinnen, verlieren wird dabei unter allen Umständen Dr. Kramäk, auf welchen nach einer besseren Vergangenheit der Schatten eines Stkibrnh fällt. Das Geschäft vollzieht sich unter der Devise: Stkkbrnäs Presse für die Nationaldemokraten, nationäldemokrätische» Geld für Stkibrnh, Diese Methode einer gegenseitigen Sanierung lag ja beiden Partnern nahe. Stribrnhs Virtuosität bei Ueberweisungen von einem Konto auf das andere kennt man aus den Prozessen, die ihn mehr als arg ramponierten, zur Genüge. Die Hintermänner der Danken- und Jndustriellenpartei wiederum versuchen nicht zum erstenmal, zwei verkrachte Unternehmen durch eine Fusion zu einem prosperierenden zu machen. Vom Erfolg scheinen sie nicht überzeugt zu sein. Die neue polittsche Handelsgesellschaft will eS— wie verlautet— vorläufig einmal mit einer Wahlgemeinschaft versuchen. Wenn diese so auSgeht, wie die bisherigen der Nationaldemokratie oder da» zerfallene Bündnis Gajda-Stribrnh, dann ist schade um das Geld, welches Preiß und Hodail heute investieren. Gemeindewahlen in Haselbach Trotz Untern eh merdruck rote Mehrhett Bei der Gemeindewahl, die Sonntag in Haselbachim Bezirk Falkenau stattfand, konnte unsere Partei ttotz der ungeheueren Agitation der SHF und trotz dem ungeheueren Druck, unter dem sich die Arbeiter des dortigen MeierhofeS der Montanwerke gestellt sahen, ihre Position behaupten. Die SHF hat neben den früheren Stimmen der Nazi noch einige(im ganzen 28) von den anderen Parteien erhalten. Daß wir ein Mandat weniger haben als im Jahre 1931, ist darauf zurückzuführen, daß der Berwatter des genannten Meierhofes mit auf der SHF-Liste kandidierte. Welchen Einfluß diese Kandidatur hatte und unter welchem Druck die Arbeiter standen, beweist die Tatsache, daß auch die tschechischen Arbeiter, die am Meierhof beschäfttgt sind, die Henleinliste wählten, so daß auch unsere tschechischen Genossen 16 Stimmen verloren haben. Die rote Mehrheit, die seit dem Jahre 1919 in dieser Gemeinde besteht, konnte aber nicht beseitigt werden. Nachstehend das Resultat: 1934 1931 St. M. St. M. Deutsche Sozialdemokraten 178 6 195 7 Tschech. Sozialdemokraten 64 2 80 2 SHF 164 5 136 4 Freisoziale.... 61 2 72 2 467 483 Die deutsche Sozialdemokratie hat also 38.1 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt gegen 40 Prozent im Jahre 1931. Man konnte uns also mit aller Agitation nur knappe zwei Prozent Stimmen abnehmen. „Sudetendeutscher Helmatbund** Wie die„Lidove Noviny" melden, entfaltet der vom ehemaligen Abgeordneten Krebs geführte„Sudetendeutsche Heimatbund" in Deutschland in letzter Zett eine rege Tätigkeit. Der „Dresdner Anzeiger" veröffentlichte dieser Tage eine Kundgebung der obigen Organisation, es mögen sich alle Sudetendeutschen, welche in Deutschland leben, in diese Organisation melden. Durch Vereinigung in der Organisation sollen sie „ihre Raffenbrüder in den sudetendeutschen Provinzen in ihrem Kampfe für Raffe und deutsche Kultur moralisch unterstützen". Die Zugehörigkeit zum Heimatbund soll„Ehrenpflicht" jedes in Deutschland lebenden Sudetendeutschen sein. Hoffentlich werden diejenigen in Deutschland lebenden Sudetendeutschen, die nur ein bißchen in- nern Zusammenhang noch mit dem Staat haben, der ihre Heimat ist, sich von dieser irredentistischen, nur dem Hakenkreuz dienenden Organisation fern hakten. Reorganisterung der tschechisch- klerikal-» Presse. Wie„L. N." mittcilen können, werden im Zuge der Neugestaltung der Preffe der tschechischen Vollspartei die Blätter„L i d" und„P r a jj s k h Vekernik" ausgelassen. Das bisherige Hauptblatt„Lidove L i st y" wird von nun an nur sechs Seiten haben und aufhören, sich Zentralorgan der Partei zu nennen. Damit würde sich auch in dieser Richtung die seit einiger Zeit beobachtete Erscheinung bestätigen, daß di« mährische« Organe der Partei, die Dr. Sramek am nächsten stehen, in vielen Dingen eine Haltung einnehmen, welche den Ansichten des vom Abg. Stasek geführten böhmischen Flügels widerspricht. 16 BRUNO ADLER: Dabei vernahm er einen scharfen gedehnten Pfiff. Hilsner war es bestimmt nicht. Dagegen könnte eS derselbe Fremde gewesen sein, der einige Mädchen angesprochen und erschreckt hat. Und nochmals erllärt die Mutter Hruza: sie wisse nicht das geringste anzuführen, waS auf die Spur des Mörders weist. Agnes habe mit niemand Feindschaft gehabt, zu Hause herrschte Eintracht, die Geschwister liebten einander. Etwas habe sie allerdings bisher anzuführen vergessen: In der vorigen Woche habe ihre Tochter einmal erwähnt, daß vor dem HauS der Prchal ein Jude gestanden und sie ganz sonderbar angesehen habe. WaS für ein Jude das war, das habe sie nicht gesagt. Gesprochen hätten die beiden miteinander nicht.„Den Leopold HilSner aber kannte sie, denn sie erzählte einmal von ihm, daß er ein ausgelernter Schuster sei und daß er nichts mache." An diesem Tag, dem S. April, verhaftet man in Kuttenberg einen Vagabunden, den dreißigmal vorbestraften Mallovsky, für dessen Täterschaft verschiedene Anzeichen sprechen. Nicht nur die Juden atmen erleichtert auf; auch dem Richter ist vor der Bewegung, die die Stadt erfaßt hat, angst und bange. Unerdeflen ist die Frist abgelaufen, in der die Aerzte ihr Gutachten abzustatten haben. Bom 6. April datiert, bezeichnet eS die Schnittwunde am Hals al» Hauptursache de» Tode». Der Schnitt sei wahrscheinlich mit einem starken Messer auS- geführt worden. Die Familie HilSner ist in Polna ihres Leben» nicht sicher. Da sich auch die Glaubens genossen hüten, für sie etwas zu tun, wird sie von der Behörde auSgewiesen. Marie Hilsner, ihre verkrüppelt« Schwester und der jüngere Sobn Blut abzapfen, im Kerker geschmachtet. Jetzt erkennt er die Chance, die sich seiner Rehabilitierung, seinem Blatt und seinen polittfchen Interpacken ihren Kram zusammen und lassen sich indessen bietet. Jetzt mobilisiert er die Wiener. Ernst die Gemeinde Groß-Meseritsch abschieben, wo sie die Heimatzuständigkeit besitzen. Gern werden sie dort nicht ausgenommen, aber sie haben ein Recht auf Obdach, und weil sie bei Juden keine Unterkunft finden, müssen sie anderswo Ouartier nehmen. Die christliche Wirtin wird jedoch mtt Drohbriefen so lange bearbeitet, bis sie Furcht bekommt und die unbeliebte Gesellschaft auf die Straße setzt. Nun muß die Gemeinde sich ihrer annehmen Der Raum, in dem man sie unterbringt, ist so klein, daß sie eine Truhe und einen Küchenschrank bei dem Tempeldiener einstellen, und der bewährt die Klamotten in der sogenannten Alten Synagoge auf. „Wo ist das Blut?"' Anfang» sind es nur die kleinen Zeitungen de» flachen Lande» und ein paar klerikale und chauvi- nisttsche Prager Winkelblatter, die sich um den Polnaer Mädchenmmord kümmern. Sie ergehen sich ausführlich in der Beschreibung der Tat und geben de» VolkeSstimme, die radikale» Einschreiten gegen die Pest der Religionsverbrechen fordert, reichlich Raum und Nachdruck. Zur Aufmunterung der Dörfer und Landstädte mag das genügen; den Fall in seiner ganzen Bedeutung aufzurollen, wird aber erst von Wien aus, der Hauptstadt und! dem Sitz des österreichisch-ungarischen ReichSrats, I gelingen. Das bedeutet frellich, daß man sich mit den Deutschen einlaffen muß, mit den völlischen Tschechenfreffern noch dazu, aber das gemeinsame Interesse ist diesmal stärker al» der nationale Gegensatz. Ein kleiner Prager Journalist stürzt sich gierig auf den Fall. Er ist kein Konjunkturjäger, schon vor Jahren hat er für seine Ueberzeugung, daß die Juden in Böhmen und Mähren den christ- lichen Jungfrauen bei jeder paffenden Gelegenheit Schneider, an den er sich wendet, ist zwar ein Führer der völlischen Gruppe, er selber ein tschechischer Nationalist. Mer ebenso wie die Radikalen in Wien, obwohl antiklerikal und Bahnbrecher der „Los von Rom"-Bewegung, mit den Christlichsozialen einen parlamentarischen Block bilden, werden sie auch mit den verhaßten Tschechen gehen, wenn die Sache der Antisemitismus e» verlangt. Und wer wäre besser geeignet, den Fall zu übernehmen, als dieser Sckmeider, der unermüdlich« Kämpfer gegen die Judokratie. Sein« Feinde sind zwar zahlreich, sie nennen ihn, der eS vom kleinen Agitator zum wohlhabenden Mann und polittfchen Machtfaktor gebracht hat, noch immer den Mechaniker, sie verübeln ihm, daß er Unterschriftsstempel und Stimmzettel gefälscht hat und der Verleitung zu falscher Zeugenaussage überführt wurde, aber sie konnten nicht verhindern, daß sein Einfluß und seine Volkstümlichkeit dennoch wuchsen. Schneider hat al» erster die glückliche Formel gefunden, zwischen Menschen und Juden zu unterscheiden. Er ist der richtige Mann. Sehr geehrter Herr! In Polna wurde ein 19jährige» Mädchen, Agne» Hruza, von einem Juden ermordet. Nachdem dort ein jüdischer Richter ist, so macht er jetzt schon Versuche, di« ganze Geschichte tot- zuschweigen. Der jüdische Mörder wurde gesehen von Frau Bomela, Gemahlin des Gemeindevorstehers, und war da» ein gewisser Leopold HilSner, 22jähriger Jude. Der Jude hat die Frau ergriffen, und nachdem er gesehen hat, daß das nicht dieselbe ist, auf di« er.wartete, hat er sie losgelassen und gleich darauf wurde ermordet die ledige Aneschka Hruza. Der Jude wurde infolge Drängens aller Leute verhaftet, aber von dem jüdischen Richter bald losgelassen. BUte bei dem Justizminister gleich einzuschreiten, damit eine unparteiische Gerichtskommission mit der Sache betraut werde, sonst ist der jüdische Richter imstande, alle Spuren des Mörders zu vertilgen und ihm zu helfen; wir haben schon sehr viel« Beispiele seiner schreienden Parteilichkeit. Ich habe das in der„Ceflt Zäjmh" veröffentlicht, die Nummer wurde aber wie gewöhnlich konfisziert, deshalb habe ich keinen Weg als nur mich an Ihnen zu wenden und zu bitten um energisches Einschreiten. Gefahr im Verzüge. Mtt Gruß Ihr ergebenster Jaromir Husek. Schneider ist der richtige Mann. Ob die Behauptungen dieses Briefes zutreffen, ist vorcrst nebensächlich. Justizminister ist Ignaz Edler von Ruber, mtt ihm wird Schneider leicht fertig werden. Es gab doch da' unlängst einen Skandal, über den ganz Wien gellatscht hat. Gegen den Sohn eines adligen Großindustriellen schlvebtc eine Anklage, und zwar, selbstverständlich, da eS sich um geadelle Juden handelte, wegen eines Stttlichkeitsvergehens. Eines Tages aber wurde das Verfahren glatt niedergeschlagen. Man nannte in den Kaffeehäusern die Summe, die das den reichen Vater gekostet haben soll. Schneider weiß natürlich genau Bescheid, und dieses Wissen bringt er mit dem Brief seines Kollegen Husek und den Beschimpfungen des Gerichts vor den Minister. Nach dieser Unterredung veröffentlicht er das Schreiben im„Deutschen VolkSblatt", und zu seiner Genugtuung darf er berichten, daß die inzwischen erfolgte Verhaftung des HilSner aus seine Intervention bei Ruber zurückzuführen sei. Zugleich übernimmt das Blatt eine Darstellung der rituellen Bluttat aus der Prager„Politik", hebt durch Fettdruck hervor, daß die Wunde der Ermordeten von einem Ohr bis zum andern reichte, und bemerkt:„ES handelt sich wohl wieder um den sogenannten Schächtschnitt. D. Red." (Fortsetzung folgt) Nr. 236 Seite 8 Dienstag, 9. Oktober 1934 Die franzöriteben Wahlen Nur geringe Verschiebungen Sozialisten gewinnen 30Prozent Stimmen Die SHF in Nöten Eine Versammlungs* Niederlage Sandners In Haselbach Paris. Obzwar noch ein großer Teil der Wahlergebnisse ausstehend ist, kann jetzt schon mit einem zufriedenstellenden Resultat für di« Sozialisten gerechnet werden. Trotz aller Anstrengungen der Regierungsparteien haben sich die Sozialisten nicht nur behauptet, sondern sie verzeichnen sogar einen ansehnlichen Stimmengewinn gegenüber den Bezirks-Wahlen im Jahre 1928. Maa zählte Montag früh um vier Uhr für die Sozialisten bereits 58 Mandate bei einer Gesamtzahl von 63 in der abgelaufenen Periode, für dir Kommunisten 11, bei vorher 12 Mandaten und den Neosozialisten 15, bei vorher 14 Mandaten. Wenn die Resultate, die zur Zeit noch ausstehend sind und die Stichwahlen, die in vielen Bezirken vorgenommen werden müssen, auch nur einen bescheidenen Erfolg für die Sozialisten bringen, dann wird daS Ergebnis trotz allem Geschrei der Bürgerlichen, einen Sieg der Arbeiterschaft über ihre Gegner darstellen. Aber auch dann, wenn aus der Zahl der Mandate ein großer Sieg der Sozialisten nicht zu ersehen wäre, blieb« immer noch die Tatsache des Stimmenzuwachses bestehe«, über den„Le Populaire" schreibt:„Sieg!. Im Jahre 1928 erhielte« wir 40.000 Stimmen und jetzt 54.000, das ist um 30 Prozent mehr." Ein« amtliche Uebersicht, die 1800 Ergebnisse umfaßt, also bis auf 18 Mandate vollständig ist, gibt folgendes Bild: Abtretend« Getvählte Engere Kandidaten Kandidaten Wahlen Aeuzerste Rechte 70 65 Völkische Demokraten Christlichsoziale 21 28 5 Rep. Demokraten 218 227 41 Republikanische Linke 221 220 42 Unabhängige Radikale 129 122 29 Ra""'nie 399 400 101 Rep. Sozialisten 47 48 25 Neosozialen 14 15 11 Sozialisten 83 58 48 Kommunisten 12 11 8 Es fehlen noch 18 Mandate aus den Geüiras gegenden und aus Korsika. Erste Fühlungnahme Paris. Der Allgemeine Arbeits-Verband (GGT) beendete Montag die Session seiner Exekutive. Vor Schluss der Tagung empfing die Exekutive eine zahlreiche Delegation des kommunistisch gefärbten Arbeitsverbandes und trat mit ihr in die« r st e n Verhandlungen ein. ES ist die erste Fühlungnahme dieser, beiden Arbeitsverbände feiblwrttm Jahre 1921 erfolgten Spaltung. Türkische Granaten gegen französische Zerstörer Istanbul. In der Bucht von Smyrna eröffnete türkische Küstenartillerie ein Geschützfeuer auf zwei französische Torpedobootzerstörer, die nach einem Besuch in Griechenland nach Smyrna unterwegs waren und dabei in der verbotenen Zone die Grenze der Territorialgewässer überschritten hatten. Nach Pariser Meldungen betrachtet man dort den Zwischenfall lediglich als einen.bedeutungslosen, wenn auch unangenehmen Vorfall", der die Folge eines einfachen Missverständnisses sei. Die türkische Regierung sandte den französischen Behörden inzwischen eine höfliche Entschuldigung, in welcher sie den Zwischenfall ausklärt. Andererseits hat der französische Admiral die Erklärung abgegeben, er habe im Nebel die telegraphischen Instruktionen überhört, dass die französischen Schiffe die Bucht von Smyrna nicht angreifen sollen. Damit ist der Zwischenfall beigelegt. In Haselbach fand am vergangenen Frestag eine Versammlung der SHF statt, in der der Herr S a n d n e r Gelegenheit nehmen wollte, die Haselbacher zur SHF zu bekehren. Das schien ihm mit Rücksicht auf die sonntägigen Gemeinde- Wahlen sehr notwendig. Der Sandner-Bersamm- lung war schon am 23. September eine Versammlung vorausgegangen, die aber sehr schlecht besucht war. SandnerS Besuch sollte die Stimmung verbessern. Die Haselbacher Arbeiter wollten sich den Sandner anhören und kamen wirklich in Massen zur Versammlung. Als die aus dem ganzen Bezirk herbeigeholten Sandner-Ordner den Zustrom sahen, wollten sie den Saal sperren. Da durchbrachen die Arbeiter die Ordnerkette der SHF und besetzten den Versammlungsraum. Es blieb für die Henleinleute nur ein kleines Eckchen frei. Die sozialdemokratische Dreiviertelmehrheit erzwang die Wahl eines Arbester-Präsidiums. Den Rednern beider Parteien wurde dann je eine Stunde Redezeit gewährt. Zuerst sprach Sandner. Er war durch den unfreundlichen Empfang, der ihm bereitet wurde, sichtlich bedrückt. Müder als sonst sagte er sein Sprüchlein her, aber da er gewohnt ist, fast immer zwei Stunden zu reden, hatte er den»Stoff" nach Ablauf seiner Redezeit noch nicht restlos verarbeitet. So musste er denn zur Einhaltung der demokratischen Spielregeln gezwungen werden. Genosse Abg. Katz hielt eine vernichtende Abrechnung mit dem Ueberläufer. An der Hand von Zitaten aus Henlein-Blättern wies er den fascistischen Inhalt der Henleinbewegung nach. Er sprach auch über die Volksgemeinschaft, die nach der Auffassung SandnerS durch die WehrloS- machung der Arbeiter hergestellt werden soll. Nach einer Ansprache des Jugendgenossen, Frank hielt Sandner sein Schlusswort. Er! wurde geduldig angehört, als er aber behauptete, dass die reichsdeutschen und die österreichischen Ar- beiter vor dem revolutionären Kampf jämmerlich davongelaufen seien, brach eine solche Empörung los, dass er schliessen musste. Daraufhin forderte er seine Anhänger auf, mit ihm den Saal zu verlassen. Aber die Arbeiter zwangen den„Führer" und seinen Anhang, im Saale zu bleiben und die Abrechnung anzuhören, die Genosse Katz noch einmal hielt. Unter begeisterten Hoch-Rufen auf die Sozialdemokratie ging die Versammlung zu Ende. keglerungsvertreter rettet Sandner Die Dachauer Arbeiter wollten sich schon am vergangenen Sonntag mit Sandner auseinandersetzen. Aber als die SHF erfahren hatte, dass die Sozialdemokraten in die Versammlung kommen wollen, sagte sie schnell ab. Die Arbeiter hielten dann am Sonntag vormittags eine eigene Versammlung ab. Im Vertrauen darauf, dass sie nicht mehr Lust haben werden, sich noch einmal wegen einer Smidner-Bersammlung zu bemühen, sagten die Henleinleute rasch eine neue Versammlung für den vergangenen Samstag an. Aber sie hatten sich verrechnet. Die Arbeiter waren da und hatten in der Versammlung sogar dieMehrheit. Als Gegenredner war Genosse I a k s ch erschienen. Der Regierungsvertreter tat aber Sandner den Gefallen, die Versammlung vorzeitig zu schliessen. Die Arbeiter, von Sandner provoziert, machten des öfteren Zwischenrufe. Ms Sandner etwa eine Stunde geredet hatte, löste der Regierungsvertreter wegen solcher Zwischenrufe die Versammlung auf. So wurde Sandner vor einer neuerlichen Abrechnung bewahrt. Danneberg, Braunthal und Genossin Proft frelgelassen Wie».(Tsch. P. B.) Aus dem Jnquisiten- spital des Wiener Landesgerichtes wurde der ehemalige Finanzreferent der Stadt Wien und Sekretär der sozialdemokratischen Partei Dr. Robert Danneberg entlassen. Gleichzeitig wurde Gabriele Proft, Vorstandsmitglied der ehemaligen sozialdemokratischen Partei Oesterreichs, aus der Untersuchungshaft des Landesgerichtes entlassen. Aus Wöllersdorf wurde der ehemalige Chefredakteur der„Kleinen Blattes" Dr. Julius B r a u n t h a l enllasjen. Von den bekannteren'Führern der äufge-' lösten sozialdemokratischen Partei befinden sich noch Oskar Helmer, General Körner, Paul Richter in der Untersuchungshaft des Wiener Landesgerichtes, während in Wöllersdorf noch über 300 ehemalig« Sozialdemokraten angehalten werden, darunter Stadtrat Speiser, der ehemalige Bürgermeister von Wiener-Neustadt O f e n b ö ck und der ehemalige Bürgermeister von Hirtenberg S t»k a. Der ehemalige Bürgernreister und Landeshauptmann von Wien, Seitz, befindet sich auch weiterhin im Sanatorium in der Auersberg- stratze. Beschäftigtenziffer in England steigt London,(Reuter.) Rach einem Bericht des Arbeitsministerium waren am 24. September in Grossbritannien 10,233.000 gegen Arbeitslosigkeit versicherte Personen beschäftigt, d. s. um 63.000 mehr als im August d. I. und um 8,502.000 mehr als im September des Vorjahres. I Strelkdefehl an die amerikanischen Seeleute Rew Aork. Den Mannschaften amerikanischer Schiffe, die von den Häfen des Atlantischen Ozeans und dem Golf von Mexika aus ihre Fahrten unternehmen, ist durch ihre Organisation der Befehl zum Streik erteilt worden. Der Streik sollte am Montag 9 Uhr amerikanischer Zeit beginnen. Die Streikursache ist in Lohnstreitigkeiten, Ar- beitszeitforderungen, ferner in der Forderung nach Verstärkung der Besatzungen um ein Drittel ynd Freiheit in der Organisierung^u.suchen. Es wird ein Minimällohn' von 75 Dollars gefordert. Streik auf Kuba Havanna. Der allgemeine Streik, der seit einigen Tagen drohte, ist um Mitternacht auf Montag in ganz Kuba wirklich ausgebrochen. In Havanna wird nur teiltveise gestreikt. Dort sind im Laufe der letzten Nacht mindestens 30 Bomben zur Explosion gebracht worden, die aber kein Menschenleben erforderten. Bei den Zusammenstössen, die sich im Zusammenhang mit den Streik der LinkS-Extremisten entwickelten, wurden vier Personen getötet und 10 Personen verletzt. SS Kirchen In Mexiko aufgehoben Mexiko. Im Amtsblatt wird die Einziehung weiterer 58 Kirchen veröffentlicht. Die Einziehungen erstrecken sich auf verschiedene Staaten, hauptsächlich aber auf Cuiapa. Catalanita Zwei Länder find an daS europäische Gleis- netz nicht angeschlossen: R u ss l a n d und Spanien. Ein Symbol! Während im Osten der Versuch gemacht wird, in selbstgewählter, hermetischer Abgeschlossenheit eine neue Welt aufzubauen, suchte Spanien bis vor wenigen Jahren eine vergangene Welt zu erhalten. In Spanien regierten bis zum Sturze Mfonsos Adel und Geistlichkeit, die feudale Herrlichkeit des Mittelalters lebte in verzerrter Form fort. Schneller als viele im Lande selbst es erwarteten, kam ihr Ende, aber auch der Sieg war nicht von Dauer. Inmitten der spanischen Rückentwicklung schien Katalanien eine JnseldesFort- s,ch r i t t» zu bleiben. Katalanien, ein Land mit eigener an den melodischen Tonfall des Proven- yalischen anklingender Sprache, eigener Geschichre, eigenen Sitten und einer Bevölkern cktz, deren Le« bensstil eher an die lichte Leichtigkeit de» französischen Südens, denn an die schwere und fanatische Strenge Spanien» gemahnt, ist zugleich der Sch der bedeutendsten Industrien des Lander. Seme Regierung repräsentierte den modernen und scharf antiklerikalen Charakter KatalanienS. Solange noch an ihrer Spitz« OÄerst Maria stand, eure ungemein sympathische Mischung von chevale- resrem Offizier und Revolutionär aus humani« l"?Em Idealismus, verstärkte sich das Schwerge- katalanischen Regierung bei den Zentral, msianzen fa Madrid automatisch. In der Bevöl kerung war da» Ansehen der„Generalidad", wie die Regierung nach altem Brauche hiess, beträchtlich. Eine sonnige Schule für die Grohstadtkinder am Meeresstrand, ein grosszügiges genossenschaftliche» Krankenhaus, in dem den Angehörigen der Kranken für billige» Geld Mitunterkunst gewährt wurde, die Errichtung Hunderter von Schulen, die nach den neuesten hygienischen und pädagogischen MesichtSpunüen von einem Stab junger Architekten erbaut wurden, eine vorbildliche Ausbildungs- stätte für das Handwerk aller Art und vieles andere zeugt« von dem Neuordnungswillen des katalanischen Volkes, der in dem letzten Jahrzehnt und vor allem unter Führung der Genc» ralidad und ihres einfallsreichen Kultusministers des Dichters Ventura y Gasfolein immer stärkeres Tempo einschlug. ES ist betrüblich zu denken, dass alles das vielleicht der Vergangenheit angehören soll und dass das lebenssprühende Barcelona, di« Weltstadt am Mittelmeer, den Schwung seiner selbständigen Leistungskraft einbüssen soll. Im neuen Spanien, dem Land der Gegen, sätze, in dem das mittelalterliche Schauspiel der Stierkämpfe m der nächsten Nachbarschaft der Wolkenkratzer von zehn bis fünfzehn Stockwerken Höhe, stattfindet, soll das Rad der Geschichte wieder einmal zurückgedreht werden. Pfaffen, Feudalherren und bürgerliche Reaftionäre haben sich zusammengefunden, um der Welt dieses unerfreuliche Schauspiel zu Lieten. Für» erste scheint ihre Absicht gelungen zu sein. Der spanische Süden, ebenso romantisch wie abergläubisch und zurückgeblieben, hat versagt. Versagt haben die Hoffnungen, dass es der Arbeiterschaft gelingen möge, nicht nur daS freidenkende Bürgertum, sondern auch Kreis« jene» Mili- tärs auf ihre Seite zu bringen, das noch vor wenigen Jahren der Monarchie nahezu kampflos die Gefolgschaft aufkündigte. KatalanienS Staatspräsident Companys appellierte mit Erfolg an die Massen der Bevölkerung. Aber sein Appell an das Militär blieb vergeblich und so öffneten sich die Tore der Generalidad dem General und seinen Bajonetten. Schwer zu glauben, dass damit das Kapitel des katalanischen Freiheitskampfes endgültig abgeschlossen sein sollte. Die geringe Stärke der sozialistischen Partei und das ungeregelte Vorgehen der mehr durch ihre sinnlosen Attentate als durch eine klare und kraftvoll geführte Politik bekanntgewordenen Syndikalisten, hat sicherlich manches dazu beigetragen, dass die Regierung KatalanienS sich nicht aus einen genügend breiten organisatorischen Unterbau polittsch zu stützen vermochte. Aber ihr Elan war gross.„D'abord l'Humanitö, alors la Catalanitt"„zuerst oi: Menschlichkeit, dann da» Katalanentum", war die Devise ihrer führenden Männer. Das Katalanentum liegt am Boden. Zu hoffen ist, dass seine Menschlichkeit vom siegreichen Gegner die gleiche Achtung findet, die der spanische General P a t e t dem gefangenen Staatspräsidenten Companys mit den Worten bekundete:„Ich ehre Besonnenheit ebenso wie ihren Mut." O. F. Verhaftung einet Landjugendführen Noch hat sich die Aufregung über die Ber- haftung des Redakteurs der„Laudständische» Monatshefte", Schmidt, uicht gelegt und schon gibt eS eise neue Sensatiou: am 5. Oktober wurde in Oberplan der Kreisführer de» Bundes der Landjugend, Winkler,«ach einer Haussuchung von der Gendarmerie verhaftet»ud dem Kreisgericht in Pilse» überstellt. Auch bei audereu Funktionären des Bunde» der Landjugend wurden Haussuchungen durchg--- führt, über deren Ergebnis allerdings«och nicht t bekannt wurde. Ein Schandurteil Genosse Ascheri— sieben Sehre Kerker Bor einigen Wochen ist der Vertrauensmann unserer Lokalorganisation Fichtenbach, Bezirk Taus, Genosse FranzAscherl, beim Beerenpflücken im Grenzwald von bayerischen SA-Leuten verhaftet worden. Man hat ihn beschuldigt, daß er von seinem Grenzort aus die illegale Arbeit gegen daS Hitlerregime unterstützt habe. Ascherl ist nach Nürnberg eingelirfert worden. Run kommt die unfaßbare Nachricht, daß Ascherl vom einem Gerichte des Dritten Reiches zu siebenJahrenGe- f ä n g n i S verurteilt worden ist. Sieben Jahre Gefängnis wegen der Beschuldigung, daß von Ascherls Wohnung aus illegale sozialdemokratische Zeitungen den Weg nach Deutschland gefunden haben sollen. Dabei konnte diese Anklage nur auf Spitzelberichten beruhen. Wie könnten sonst reichsdeutsche Behörden die po- litische Tätigkeit eines tschechoslowakischen Staatsbürgers, die»rauf dem Bode« dieser Republik entfaltete, kontrollieren? Das empörend harte Urteil ist für unsere Grenzievöl- grrung ein Beweis für die heuttgen Rechtsverhältnisse in Deutschland. Vie Politik der tschechischen Sozialdemokratie Wir haben bereits in unserem Sonntagsblatt über die Referate, welche in der Parteikonferenz der tschechsschen Sozialdemokratte, die am Samstag in Prag stattgefunden hat, gehalten wurden, berichtet. Wir tragen noch die wichtigsten poli- ttschen Stellen aus der dort gefassten Entschliessung nach. In der Einleitung dieser Entschliessung wird zunächst der europäischen Entwicklung in den letzten Jahren gedacht und dann mit Bezug darauf gesagt: »Diese Weltplage und auch die ausserordentlichen Verhältnisse in unserer Republik haben die Tattik der tschechoslowakischen Sozialdemokratie bestimmt, welche dem Wohle der arbeitenden Klasse und dem Interesse der Demokratie sowohl wie der republikanischen Verfassungsmässigkeit entspricht. In all ihrer Tätigkeit sowie in der Staat»- politik hat die Partei sich vor allem auf den Schutz der arbeitenden Klasse, der Arbeiter, der Gagisten, der Kleinlandwirte, der Kleinproduzenten und der Gewerbetreibenden konzentriert. Die auswärtige Gefahr von feiten der Reaktion und der imperialistischen Revisionisten haben die Part-i dazu veranlasst, welche nicht nur die Stütze unserer Freiheit des Staate» al» Ganze» sowie auch unserer demokratischen Verfassungsmässigkeit ist. Die Parteivertretung quütiert dies« Taktik sowie die Politik der Partei mtt Anerkennung und stimmt mtt ihr überein, einer Politik, der es in gemeinsamer Arbett mit den sozialistsschen Parteien und mit den ehrlichen demokratischen Elementen gelungen ist, in unserer Republik all« extremen und abenteuerlichen Bestrebungen zu verhindern, welche bei der Zerfahrenheit unseres inneren Leben» unseren jungen Staat bedrohen und unabsehbare Schäden verursachen könnten. Die Parteivertretung konstatiert: Es ist unser grosser moralischer Erfolg vor der ganzen Welt, dass wir im Weltenzentrum und in unmittelbarer Nähe wilder innerer Kämpfe in den schwersten Zeiten durch die gefährlichsten Klippen hindurchgegangen sind und dass die Tschechoslowakische Republik in ihrem demokratischem Regime sich vor schweren inneren Erschütterungen bewahrt hat, die zumindest eine Schwächung gegenüber den revisionistischen und reattionären Bestrebungen einer entfesselten voreingenommenen Nachbarschaft bedeutet hätten." Zum Schluss der Resolution wird auf die Notwendigkeit der Lösung des Problems der Wirt« sckaftskrise und die Linderung der Not der Menschen durch stärker eingreifende Massnahmen hingewiesen. Ersatz für die verkrachte Henlelngewerkschaft Wie der„Bund", das Organ des Verbände» der Bauarbeiter, meldet, soll an Stelle der verkrachten Gewerkschaft der Herren Fahrner und Henlein ein neue» Gebilde aufgezogen werden, welche» sich»Erste neutrale Bereinigung der industriellen, geistigen, gewerblichen und landwirtschaftlichen Arbeit— Nepublik-Gemeinbürgschast" nennt und deren Sitz in Teplitz-Schönau haben soll. Der Leiter dieser Vereinigung soll— Herr Rudolf Babor werden, der schon bei allen möglichen Gewerksckaften herumzigeunert hat und der mit Simon Stark in Falkenau in Beübindung stehen soll. Seite t Dienstag, 9. Oktober 1934 Nr. 23« Eifersuchtstragödie bei Weiskirchlitz Auf, der Straße Weiskirchlitz—Wistritz wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag dre 27jahrigc Arbeiterin Marie Reif aus Pihan- kcn von ihrem Geliebten, dem gleichaltrigen Friedrich Wellschmidt aus Wistritz ermordet. Wir erfahren hiezu folgendes: Ein Bursche aus Soborten kam in der Nacht von. Samstag auf Sonntag von seinem Mädchen, das in Wistritz wohnt und ging die dunkle, nicht sehr stark frequentierte Straße gegen Weiskirchlitz. Auf der Brücke hörte er plötzlich die Hilferufe einer Frau und Schimpfworte eines Mannes. Nach kurzer Zeit lief jemand bei ihm vorbei und verschwand in der Richtung gegen Wistritz im Dunkeln. Der junge Mann aus Soborten begab sich mit einem mittlerweile dazugckommenen Radfahrer auf die Suche. Sie fanden auf der Erde eine in einer Blutlache liegende Frau, die drei tiefe Schnittwunden am Halse aufwies. Die Gendarmerie von Zuckmantel und Weiskirchlitz nahm sofort die Nachforschungen auf und kam gerade noch zurecht, den im sogenannten Ledigenheim in Wistritz wohnhaften Wellschmidt, der sich mrt einem Rasiermesser töten wollte, zu verhaften. Die Blutspuren und das Wesen des Festgenommenen deuteten darauf hin, daß er den Mord begangen haben müsse. Die Ursache? Die beiden Leute hatten sich gern und wollten heiraten. Ende September wurde aber Friedrich entlassen; dann fehlte das Geld. Er hatte sich schon von seinem Bruder einen Betrag schicken lassen. Der junge Mann begann zu grübeln, es quälte ihn die Eifersucht und schließ- Tagcsnculgkcttcn Fünf Bergarbeiter im brennende« Schacht Paris. In den Gruben von Cagnac bei Albi nordöstlich von Toulouse ist in 200 Meter Tiefe ein Brand im Hauptschacht entstanden, durch den fünf Bergleute eingeschlossen wurden. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsarbeiten ist es bisher nichtgelungen, die Eingeschlofsenen zu bergen, lieber die Ursache des Brandes besteht noch keine Klarheit. 50 Pferde soUen bei dem Brande u m- gekommen sein. Totschlag im Preßburger Hafen Preßburg. Auf dem im Hafen von Preßburg vor Anker liegenden ru m ä Nischen§>a m p- f e r„Cosia" kam es Montag früh zwischen dem A ü f sehe r der Besatzung, J'o ä n'S ä v a, und dem 25jährigen Matrosen Karol Ia- s i k zu einem Streit, in dessen Verlaufe Sava den Matrosen Jasik mit einer Latte so schwer auf den Kopf schlug, daß dieser besinnungslos liegen blieb. Jasik wurde sofort auf die Klinik Doktor Kostlivh überführt, wo er nach einer' halben Stunde verschied. Sava wurde verhaftet und der Staatsanwaltschaft in Preßburg wegen des Verbrechens des Totschlages übergeben. Schreckliches Arbeiter-Unglück Stendal(Provinz Sachsen). Hier stürzte aus bisher nicht geklärter Ursache eine M o«- tagehalle ein. Bon den beim Bau beschäftigten Arbeitern wurden hierbei sechs getötet und 15 verletzt. Dir Ermittlung über den Grund des Unfalls wurde sofort eingcleitet. 80 Verlorene? Hongkong. Die Rettungsboote des britischen Kreuzers„Suffolk" konnten am Montag vormittags an den am Patras-Riff ungefähr 200 Meilen von Hongkong gescheiterten Dampfers«City of Cambridge" nicht herankommen, da der Seegang zu stark war. Das Wrack befindet sich in einer äußerst gefährlichen Lage. Ein Bergungsdampfer, der am Sonntag von Hongkong zur Hilfeleistung ausgelaufen war, mußte' wegen schweren Sturmes wieder in den Hafen zurückkehren. Nach einer späteren Meldung droht der Dampfer jeden Augenblick zu versinken. Der heftige Seegang macht alle Versuche der Rettungsboote des„Suffolk", sich dem Dampfer zu nähern und die 80 Mann zählende Besatzung zu retten, unmöglich. Doppeltod auf dem Motorrad Prag. Beim Hotel Sychrov bei Horni Poccr- nice hielt Sonntag abends auf der Landstraße ein Lastauto an, weil ihm das Benzin ausgcgan- gen Ivar. In diesem Augenblick stieß ein mit einem Mann und einer Frau besetztes Motorrad so heftig auf das Lastauto, daß beideJnsassen des Motorrades auf der Stelle g e t ö t« t wurden. In dem Mann wurde der Schlosser Karl Peter aus Kbely festgcstellt. Die Identität der Frau, die auf dem Soziussitz saß, konnte noch nicht festgestellt werden, da sie keine Papiere bei sich trug. Die Leichen wurden von der Rettungsstation in die Leichenkammer des Friedhofes von Chvalh geschafft. Der Fall wird von der Gendarmerie untersucht. Man glaubt, daß die beiden Motorfahrer von den Lichtern eines ihnen engegenkommenden lich kam er auf die furchtbare Idee„Schluß" zu machen. Er hatte gehört, daß das Mädchen nach Teplitz tanzen gegangen war. Er ging ihr nach, begleitete sie nach Hause und vor Wistritz brachte er ihr die tödlichen Wunden bei. Am Sonntag erschien die Fahndungsabteilung der Gendarmerie unter Führung des Stabskapitän Herczig und des Bezirkskommandanten Klesl und die Gerichtskommission am Tatort. Die Bluttat hat innerhalb der Bevölkerung große Aufregung hervorgerufen. Eine zweite Liebestragödie Aus Starkstadt wird uns berichtet: Der Gastwirtssohn Richard Ring! aus Oberdrewitsch unterhielt schon durch längere Zeit mit der Adoptivtochter des Gastwirtes Johann Friede aus Wüstrei ein Liebesverhältnis. Der Pflegevater des Mädchens war gegen das Verhältnis mit Ringl. Die Nacht von Freitag aus Samstag verbrachten die beiden jungen Leute gemeinsam und kamen zu dem Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. Samstag früh um 3 Uhr schoß Ringl zuerst auf das Mädchen, um sich dann selbst zu töten. Er gab auf das Mädchen zwei Schüsse ab und als sie zusammenbrach, erlitt er einen Nervenzusammenbruch, lief in die Ortschaft, weckte einen Tischler, mit dem er zum Tatorte zurückkehrte, wo das Mädchen mit schweren Verletzungen lag. Während die Ortsbewohner alles vorbereiteten, um die Verunglückte in das Krankenhaus zu transportieren, erschoß sich Ringl. Automobils geblendet wurden und dadurch die Herrschaft über ihr Fahrzeug verloren. Chemnitz. Auf der Staatsstraße Schwarzenberg —Grünhain ereignete sich am Sonntag abends ein schweres Automobilunglück. Beim Einbiegen in die Kurve vor Grünhain fuhr ein mit sechs Personen besetzter Kraftwagen über den Abhang und überschlug sich, wobei zwei Personen auf der Stelle tot waren, eine weitere am Abend ihren Verletzungen erlag und zwei Insassen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus Äerführt werden mutzten. Sonntag morgens fuhr zwischen Dresden- Reustadt und Klotzsche auf den Personenzug 667 eine Schiebelokomotive beim Anhalten am Einfahrisignal auf. Hiebei erlitten elf Reisende leichtere Verletzungen. Drei Wagen wurden beschädigt. Der Zug hatte 27 Minuten Verspätung. In Lüttich stieß ein mit Fußballern besetztes Automobil mit einem anderen Auwmobil zusammen, wobei, 15 Fußballspieler.^ darunter einige schwer, verletzt wurden. Bier Meilen südlich von der kanadischen Stadt Borden entgleiste ein Lastzug, wobei eine Person getötet und zwölf schwer verletzt wurden. In der Nähe von St. Brieuc an der Nordküste Frankreichs ist ein kleiner Motorschlepper im Sturm untergegangen, wobei die vierköpfige Be- satzuugertrank. Motorzug gegen Auto Gestern früh um 8 Uhr 25 Minuten stieß der in der Richtung Aussig verkehrende Motorzug Nr. 4306 bei der ungeschützten Stelle des Lud- wigschachtes in der Nähe von Kutterschitz mit einem Lastenauto zusammen, auf dem sich 20 Meterzentner Kohle befanden und das einem Frächter namens Franz Schubert aus der Raudnitzer Gegend gehört. Durch den Anprall wurde der rückwärtige Teil des Wagens vollständig zertrümmert, der Chauffeur aber blieb glücklicherweise unverletzt. Der Anprall zerschlug zwei Fenster des Waggons, deren Glassplitter zwei Frauen leicht verletztet«, die aber nach der ersten ärztlichen Hilfeleistung ihre Fahrt fortsetzen konnten. Als Ursache dieses Zusammenstoßes dürfte die fehlende Fernsicht infolge des herrschenden Nebels und die Tatsache, dptz die Warnungssignale überhört wurden, festzustellen sein. Nach Wcgräu- mung der Trümmer konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen. Massenmord Tschangtschwn. Rach einer Meldung aus Tsitsikar hat eine schwer bewaffnete chinesische Bande einen japanischen Autobus, der mit Kolonisten besetzt war, überfallen und nach heftigem Kampfe fünf Japaner und sechs Koreanergetötet. Die Banditen haben außerdem drei mandschurischeStaatsange- hörige mit Frauen und Kindern in die Berge entführt. Auf dem Softoter Boulevard Slivnica, in der Nähe der Polizeidirektioo bemerkten Passanten, wie Kinder mit Bomben spielten. Herbeieilende Polizisten nahmen den Kindern die gefährlichen Spielzeuge, die zum Glück nicht explodiert waren, weg. Die Kinder gaben an, die Bomben unter einer der zahlreichen B r ü ck e n über dem den erwähnten Boulevard durchfließenden kleinen Fluß Bladaja gefunden zu hab«,. Rach Die Hinter-Listige«. Ein deutschböhmischec sozialdemokratischer Arbeiter erhielt von der Leitung eines Frankfurter Vereins Zuschriften, die mit„Heil Hitler!" schlossen. Der Genosse verbat sich das. Darauf erhielt er einen langen Brief, dessen Original wir Folgendes wörtlich und buch st üblich entnehmen:„Man braucht eine gewisse Zeit um über Ihren Brief hinweg zu kommen. Wir können Ihnen versichern, daß wir einen solchen Brief noch niemals erhallen haben. Derselbe ist nur aus der vollständigen Unkenntnis der Vorgänge möglich. Wenn sich in unserem Volke die Erkenntnis nun endlich durchgerungen hat, daß uns die früheren Regierungen mit dem angehangenen Lumpenpack nur in den Dreck hin- eingerftten haben und man zur Reinigung von den verwerflichen Elementen geschritten ist, so sollte sich jeder ehrlich denkende darüber freuen. Denn im Gegensatz zu den früheren Jahren, wo man über Gaunerei, Korruption, Mort etc. im Staat als Selbstverständlichkeit hinwegging, haben wir heute ein O r d n u n g s st a at, der jedes Verbrechen und jede Störung der Ordnung durchgreifend beseitigt und indem es wie» dereineFreude zu leben ist. Wenn Ihnen dort Ammenmärchen aufgetischt worden find, dann müßten Ihnen doch eigentlich die von der Regierung von Zell zu Zell durchgeführte Volksbefragung mit 90% vollständigein- wandfreienJa-Stimmendie Augen öffnen. Wir find geren bereit Sie durch Lüera- tur über die tatsächlichen Verhältnisse in Deutschland zu unterrichten. Wir sehen und hören um uns, und durch unsere zahlreichen und weitverzweigten Beziehungen haben wir auch einen Ueberblick, daß ein wirtschaftlicherAuf- stigh überall zu verzeichnen ist und diewahreKultur und Wissenschaft gepflegt wird, im Gegensatz zu den bisher uns zwangsmäßig aufgetischten Kitsch.... Bezüglich des 30. Jun i, so war es eine große herroische Tat von Hitler, daß er seine p e r s ö n- lichenJnteressen und Freunde hinten a n s e tz t e und die des Volkes vorgehen ließ. Er hat die Verräter gemeinster Art, deren tun man nur mü Abendteuern und Verbrechern vergleichen kann, im Moment der Tat unschädlich gemacht... Die Gemeinheit dieser hinter- listigen Gesellen kommt darin zu erhöhten Ausdruck, daß dieselben sich des französischen Eingriffs vorher vergewisserten... Wir hoffen Ihnen mll diesen Zeilen einen Wink zu geben sich doch einmal zu vergewisseren, ob Sie nicht falsch unterrichtet find und sind gerne berell mit Zeitungen etc. kostenfreien Einblick in die Wirklichkeit zu geben.^ Es ist uns vor allem wichtig, daß Sie ein richtiges Bild von Deutschland erhalten. Hierzu bieten wie gerne jede Hand und bitten um Ihre Rück- äußerung." Wir nehmen aber an, daß unser Genosse diesen Brief hinten ansetzte... Die Elektrotechniker tagen. In Prag wurde am Montag der Kongreß der Internationalen elektrotechnischen Kommission eröffnet. Der Kongreß, der sich die Einführung eines Anfachen und verständlichen Verständigungssystems zwischen den Abnehmern und Erzeugern elektrischer Maschinen und Apparate und die internationale Vereinheitlichung der elektrischen Kennzeichen und der elektrischen Normen zum Ziele gesteckt hat, wird bis Ende der Woche dauern. Die feierliche Eröffnung der Kongreßarbeiten, an der auch die Prager diplomatischen Vertreter der auf dem Kongreß vertretenen Staaten sowie Repräsentanten der wissenschaftlichen Kreise tellnahmen, erfolgte durch den Vorsitzenden des tschechoslowakischen Nationalausschusses der internationalen elektrotechnischen Komnkission Prof. Jng. List, der in seiner Begrüßungsansprache u. a. sagte, die tschechoslowakischen Elektrotechniker seien bestrebt, ihren ausländischen Kollegen den Aufenthalt in Prag so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie hoffen, daß sich die ausländsschen Delegierten pon dem demokratischen Geiste des tschechoslowakischen Volkes überzeugen, das sich nicht nach Eroberungen sehne, sondern in Ruhe leben und mit allen Nationen in Frieden- zusammenarbeiten wolle. Namens des durch die Regierungsberatungen unabkömmlichen Ministers Dr. Czcch begrüßte sodann den Kongreß der Sektionschef des Ministeriums für öffentliche Arbeiten Jng. Koläkek Die staatlichen Mnsikprstfungen für Privatlehrer werden in Brünn Ende November stattfinden. Anmeldungen nimmt die Direktion der Prüfungskommission in Brünn, Petrov 9, bis zum 10. November 1934 entgegen. längerem Suchen entdeckte die Polizei an der angegebenen Stelle einen Sack mit drei leichten Maschinengewehren, fünf Bomben, 550 Revolvergeschossen und 214 Bombenzündern. Da dort auch 537 Abzeichen der revolutionären mazedonischen Organi- sation gefunden wurden, nimmt man an, daß der gesamte Fund dieser Organisation gehört. Aus'der Arbclter-Turn- und Sportbewegung Kleinaugezd Bundesmeister 1934-35 Kleinaugezd—Zuckmantel 3:2(1:1) Das Endspiel um die Bundesmeisterschaft bestritten diesmal zwei Vereine des V. Kreises, nachdem der Meister des Vl. Kreises, Falkenau, von Kleinaugezd in der Zwischenrunde ausgeschalict wurde. Durch einen glücklichen Sieg gegen einen gleichwertigen Gegner errang Kleinaugezd das ers e Mal die höchste Würde im Arbeiter-Fußballipor,; durch spielerisches Können. Fleiß und Disziplin ist diese Mannschaft auf diese Höhe gelangt, so daß man von einem in jeder Beziehung mit Recht erreichten Erfolg der besten Mannschaft sprechen kam!. Der Spielverlauf war sehr interessant. Klein- augezd fand sich viel schneller und inszenierte in der ersten Hälfte der ersten Halbzeit einige prächtige Angriffe, die auch zu einem Erfolg führten, der aber vom Schiedsrichter nicht anerkannt wurde. Dann kam Zuckmantel in Schwung und die Verteidigung Kl. hatte viel Arbeit, um die zahlreichen Angriffe abzuwehren. Z. erzielte in dieser Zeit einen Treffer, den Kleinaugezd aber kurz darauf wieder aufholen konnte. Mit 1:1 geht es in die Halbzeit. Rach der Pause beginnt Z. mit wuchtigen Angriffen, slls Z. mit einem schönen Schuß des Mittelstürmers wiederum die Führung erlangt, sieht es für Kl. bös aus. Kl. strengt sich jetzt mächtig an und nach einen: schönen Angriff und einer verunglückten Abwehr des Z.-Tormannes kann Kl. durch seinen Mittelstürmer wiederum gleichziehen. Bald darauf gelangt Kl. zum siegbringenden Treffer. Bei der Mwehr eines Angriffes fällt der Mittelhalf von Z. im Strafraum mit der Schulter auf den Ball und der Schiedsrichter gibt Elfmeterstoß. Dieser wird von Kl. sicher und unhaltbar verwandelt. Die restliche Spielzeit bringt keiner Partei, trotz größter Anstrengungen, einen Erfolg, so daß Keinaugezd als Sieger und Bundesmeister den Platz verläßt.— Das Spiel fand in Aussig imStadion statt.—man— Westböhmens Arbeitersportler in voller Tätigkeit Sonntag gab es in W e st b ö h m e n außer den zahlreichen Fußballspielen, welche teilweise hefttgen Charakter hatten, auch Schachwettkämpfe und Bezirks-Gerätewettkämpfe. Einen Schachwetttampi auf 18 Brettern zwischen dem ersten(Karlsbad, und dem fünften Bezirk(Elbogen und Falkenau» gewann der erste Bezirk mit 10:8 Punkten. Dir Ausscheidungskämpfe für die Kreis-Gerätemannschaftskämpfe gewannen Turner Reu- dek gegen Turner Altrohlau mit 190:179 Punkten. A Neudek wurde dadurch Bezirksmeister des ersten Bc- zirkes. Bezirksmesster der Turnerinnen wurde dir Gerätemannschast Altrohlau. Im Fußball steht noch immer Meier- Höfen mit sechs Punkten und drei Spielen an der Spitze. Es folgen Eger und Reichenau mit-je sechs Punkten und vier fielen.— Resultate: FFK. Falkenau gegen Eibenberg 5:2, Drahowitz gegen Reichenau 1:8, Theuffau gegen Eger 1:8, .Fischern gegen Graslitz 1:1, Karlsbad gegen Fleißen 9:2, Chodau gegen Franzensbad 4:3. Kampf um einen Schmuggler Kaschau. Der bekannte Schmuggler Ladislav E h i k aus der Gemeinde Göncz-Ruszka, der bereits seit längerer Zeit von, unserer Gendarmerie und Finanztvache gesucht wird, kam am 4. d. M. abends insgeheim aus Ungarn nach I a- n o k(Slowakei) zu seinem Bruder und besuchte mit ihm ein Gasthaus. Dort befand sich außerdienstlich der Respizient der Finanzwache Hav- l i k e k. Ortseinwohner teilten dem Gendarmerie- wqchtmeister B l a Z c j in Janok in dessen Wohnung mit, daß der gesuchte Ehik im Gasthaus sei. Blazej schaute erst durch das Fenster in das Gast- lokal und wurde hiebei von Ehik bemerkt. Dieser stürzte sich sofort hinter der Tür auf den Gendarmen und schoß aus seinem Revolver auf ihn, wodurch Blajej unterhalb des rechten Schulterblattes verletzt wurde. Der Gendarmerie- Wachtmeister Blazej stach hierauf in Selbstwehr Ehik mit seinem Bajonette. Dem Bedrohten kam der Respizient Havlicek zu Hilfe, der aber von Ehik durch einen Schuß in die Wade des rechten Beines verletzt wurde. Blazej verfolgte trotz'einer Verwundung Ehik. Ehik gab noch einmal gegen seinen Verfolger einen Schuß ab, traf aber nicht. Blazej mußte dann aber infolge seiner Entkräftigung von der Verfolgung ablassen und so gelang es dem Schmuggler, über die ungarische Grenze zu entkommen. Die beiden Verletzten, Havliöck und Blajcj. wurden in das staatliche Krankenhaus nach Kaschau gebracht. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen» Mittwoch Prag: Sender L.: 6.15 Gymnastik. 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.00 Schallplatten. 12.10 Opern» Duette auf Schallplatten. 12.35 Konzert des Jazzorchesters. 13.45 Deuffcher Arbeitsmarkt. 15.55 Blasorchesterkknzert. 18.20 Deutsche Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 18.30 Franz Rehwald-Reichenberg: Die wirtschaftlichen Hintergründe der politischen Spannung im kernen Osten. 18.50 Sozialinformationen. 18.55 Deutsche Presse. 20.00 Uebertragung aus dem Smetana- Saal: Tschechische Philharmonie. 22.15 Tanzmusik. — Sender Str.: 14.15 Junge sprechen. 15.00 Deutsche Sendung: Oberlehrer Scholz: Herbstfreuden. 18.40 Schallplatten.— Brünn: 13.25 Schallplatten. 16.45 Kindertheater. 18.25 Deuffche Sendung: Bernhauer: Vogelzug.— Mähr.-Ostra«: 17.30 Chansons auf Schallplatte».— Kaschau: 17.40 Slowakische Volkslieder. Wer Wen mit Men mit einem Nnniem Waffenfunde in Sofia Nr. 236 Dienstag, 8. Oktober 1934 Seite 5 Ei» betrügerischer Gesandter Kaunas. In dem Korruptionsprozesse gegen den frjcheren litauischen Gesandten in Berlin(zuletzt Gesandter in London), Sid- zikausk a s, wurde am Sonntag das Urteil gefällt. Es lautet auf sechs Monate Gefängnis mit dreijähriger Bewährungsfrist. Sidzikaus- kas war beschuldigt, Gelder in der Höhe von 8 8.0 0 0 Mark, die er für die Ernennung von Ausländern zu litauischen Ehrenkonsuln erhalten hatte, nicht ihrer Bestimmung zugeführt zu haben. Zwei Mädchen überführen Budapest. Der Autotaxi-Unternehmer aus Lukenec in der Slowakei Adalbert L ö w y, der Sonntag abends mit drei Passagieren von Luke- nec in Budapest eingetroffen war, hat auf der Straße zwischen Budapest und Ujpest zwei Mädchen im Alter von 13 und 6 Jahren tödlich überfahren. Löwy wurde zur Polizeihauptmannschaft Ujpest stellig gemacht. Er gab an, er habe alle Vorschriften eingehalten, habe aber in der Finsternis die beiden Ueberfahrenen nicht bemerkt. Die Augenzeugen bestätigen diese Aussagen. Montag nachmittag wurde eine Fachkommission an Ort und Stelle entsandt, um die Richtigkeit der Angaben Löwhs zu kontrollieren. Ei« Masaryk-Denkrnal in Boskowitz Sonntag fand in Boskowitz die feierliche Enthüllung eines Denkmals des Präsidenten der Republik T. G. Masaryk statt, die in eine machtvolle Manifestation der Liebe und Verehrung dieses Gebietes für den Präsidenten der Republik auSklang. Ein Umzug durch die Stadt hielt auf dem Platz vor dem Bezirksamt, wo sich das Denkmal befindet. Die Festrede hielt Oberst Randak aus Olmutz. Dann übergab der Schöpfer des Denkmals, der Legionär Professor L. Schmidt, es der Fürsorge der Stadt Boskowitz. Von der Versammlang wurde ein Huldigungstelegramm an den Präsidenten der Republik nach Lany gesandt. Als letzter Redner sprach der Bürgermeister der Stadt Brünn, Tomes. Gleichfalls am Sonntag fand in B a s t(politischer Bezirk Prag-Land) die feierliche Enthüllung eines Denkmals für Antonin S v e h l a statt. Erzbischof Fgnaz Rieder ist nach längerer Krankheit Montag in Wieim 77. Lebensjahr gestorben. Selbstmord deS Berlegers Fritz Wreede? Aus Berlin wird gemeldet: Der Berliner Verleger Fritz Wreede, der Mitinhaber des TheaterverlageL Felix Mach Erben, wurde fest Mittwoch voriger Woche vermißt, bis er Sonniag Nachmittag am Ufer des PichelseeS tot a u f« gefunden wurde. Der Tote wies eine Schußwunde an der rechten Schläfe auf. Der Verleger, der länger? Zest hindurch unter starken Gemütsdepressionen zu leiden hatte— so wird eben aus Berlin gemeldet— hat„zweifelsohne Selbstmord" begangen; er babe sich den Schuß vermutlich auf der Frey-Brücke in Spandau beigebracht und sich dann ins Wasser ge-, stürzt. Das Wahlrecht. Das Wahlrecht in der Sowjetunion bestimmt bekanntlich, daß nur Menschen, die eine für die Gesellschaft nützliche Arbett leisten, wählen dürfen. Leute, die ftemde Personen zu Gewinnzwecken angestellt haben und solche, die von arbeitslosem Einkommen leben, sowie die Exponenten des zaristischen Regierungssystems sind vom Wahlrecht ausgeschlossen.— Es tut der.Deutschen Presse" weh. daß es in der Sowjetunion keine Gleichheit im Wahlrecht gibt. Sie ist nämlich dafiir, daß vie Gleichheit nach dem System Dollfuß eingerichtet wird: die Wahlen werden überhaupt abgeschafft und die Nichtstuer diktieren über die Arbeitenden. Uns dünkt, die .Deutsche Presse", die nicht müde wird, dem Kleriko-FascismuS Hossiannah zu fingen, hat jedes moralische Recht verwirft, über die Gerechtigkeit irgendeines Wahlsystems zu urteilen. Der Alkoholismus im Rückgang. Das e n g- l i s ch e Innenministerium veröffentlicht eine Statistik. Darnach sind in den Jahren 1825 bis 1929 jährlich durchschnittlich 68.500 Menschen wegen Trunkenheit bestraft worden. Im Jahre 1932 waren es nur noch 33.800. Im Einklang damit steht der Rückgang der Roheitsdelikte. Es wurden wegen Roheit gegen Kinder bestraft: im Durchschnitt der Jahre 1925—1929: 1127 Personen, 1931: 891 Personen, 1932: 725 Personen. Nach englischen Zeitschriften sind in Groß- Britannien im Jahre 1933 224.845 Millionen Pfund Sterling für belauschende Getränke(Bier, Wein, Branntwein usw.) ausgegeben worden. Das sind 3.3 Prozent weniger als im Jahre 1932. Diese Summe nach dem heutigen Pfund- Sterling-Kurg umgerechnet ergibt auf den Kopf der Bevölkerung einen Alkoholverbrauch von rund 600 Kd. Handelsplatz der Wikinger anSgegrabm. Das Kopenhagener Rationalmuseum hat auf einem alten Burgplatz cmf Seeland, in der Nähe von Slagelse, Ausgrabungen anstellen lassen, die ,u der Entdeckung ^jE„^Merfiedlung führten. Diese Siedlung, die eme. nurvehnung von etwa zweieinhalb Hettar hat e‘" on Wall umschloffen. Etwa 20 Herd- ft, S' ien freigelegt werden. Man mmutt an. «m einen Handelsplatz handelt, der Junten Bu?av^" ZL^e De Fund- in dem stellt^*' b-7^r'gens den Namen Trälleborg SL'LE>_größte frühgeschichtliche Siedlung dar di« brSher in Dänemark ft-igelegt werden konnw. Einer, der 67 Brandlegungen eingesteht Ein Pyromane— der Schrecken des Böhmerwalds In der Nähe von Winterberg wurde dieser Tage der Slowake Alexander verhaftet, der als gefährlicher Brandstifter lange Zett der Schrecken des Böhmerwalds war. Er hielt es auf keinem Platze lange aus und schlug sich von Bauer zu Bauer durch. Wie viele Dienstgeber er hatte, läßt sich auch nicht annähernd feststellen. Das Zeugnis für ihn lautete nicht schlecht. Alexander ist arbeitsam, schafft für zwei, spricht nicht und gehorcht auf das Wort. Seine Dienstgeber waren damit zufrieden und es störte sie höchstens, daß Alexander oftmals schon nach zwei Tagen seinen Platz verließ und davonging, wie er gekommen war— ohne Gepäck und nur in der Arbeitskleidung des Knechtes. Niemand, der ihm auf seinen Wegen begegnete, erkannte, daß Alexander schon wieder auf Wanderschaft war. Das war auch der Grund, weshalb er lange Zeit ungestört seiner leidenschaftlichen Freude an Bränden huldigen konnte. Seine«Tätigkeit" geht bis auf das Jahr 1930 zurück und ist in ihrer Häufung so einzigartig, daß sie sich nur aus der abnormalen seelischen Veranlagung Alexanders erklären läßt. Sobald er einen Brand gelegt hatte, begab er sich 100 bis 200 Meter von dem brennenden Objekt hinweg und sah mit glänzenden Augen dem Spiel des Feuers zu. Am liebsten beobachtete er die vernichtende Wirkung der Flammen von einer Anhöhe aus. Bei einem der letzten Brände sagte er zu einem Schuljungen:»Das brennt, was? DaSistschönl Horch, wie die Glocken läuten und die Leute laufen! Diese Funken! Und so habe ich schon ost angezündetl" Der Junge erinnerte sich später an diese Worte und erzählte davon. So kam es der Gendarmerie zu Ohren. Die Zahl der Brandlegungen, die Alexander auf dem Gewissen hat, läßt sich schwerlich ganz genau ermitteln. Bisher hat er 67 Fälle eingestanden. Der von ihm angerichtete Schaden wird minimal auf sechs Millionen KL geschätzt. Zu diesem Sachschaden kommen allerdings noch große moralische Schäden für viele Menschen. Die Brände brachten viele gute und ehrliche Menschen um das wertvollst«, das sie besitzen, um den guten Ruf. Viele wurden verhört und einige Fälle endeten in Untersuchungshaft. Auch wenn die Verdächtigten schließlich wegen Mangel an Beweisen freigelasien werden mußten, schloß sich die Bevölkerung nach ihrer Rückkehr gegen sie ab, weil in der Entlaffung aus der Hast noch kein Beweis für die Unschuld erblickt wurde. So stürzte die krankhafte Leidenschaft eines verblödeten Knechtes viele Menschen ins Unglück. Um so größer ist die Befriedigung der Bevölkerung- des mittel- und südböhmischen Gebietes, in dem sich Alexander Herumtrieb, über die Verhaftung dieses Brandstifters. Nun kann wieder in die Dörfer Ruhe einkehren. Die Bevölkerung erblickt darin einen großen Gewinn, auch wenn Alexander für seine Untaten straflos ausgehen dürste— weil er einer Irrenanstalt überstellt werden dürste. 29 Kannibalen hingerichtet Menschenfrefser-Gelage in Belgisch-Kongo Chartum(Sudan). Den aus Chartum eintreffenden Nachrichten zufolge soll die weiße uns Eingeborenen-Bevöllerung in der Umgebung von Wambu in Belgisch-Kongo durch die ständigen Angriffe der Kannibalen, die die Siedlungen überfallen und die erschlagenen Ansiedler auffressen, in Angst und Spannung gehalten werden. Diese Angriffe beginnen ein sehr ernstes Problem für die belgischen Behörden zu werden. In den letzten Tagen trafen Meldungen ein, daß die belgische Kolonial polizei sich neuerdings mit der Organisierung von Mitteln gegen die starken Kannibalen-Trupps beschäftigte, die in den Wäldern von Wambu ihre Anwesenheit durch Reste von Menschenfresser-Gelagen ankündigten. Die Polizei organisierte eine große Strafexpedition, die im Urwalde 29 Kannibalen vom Stamme der Zape-Zapu und Ariben gefangen nahm, welche in Körben Reste menschlicher Körper fortschaffen wollten. Die Kannibalen wurden kurzerhand zum Tode verurteill und durch den Strang hingerichtet. Lloyd George, der frühere englische Ministerpräsident und Führer der Liberalen Partei, hat sich aus dem politischen Leben zurückgezogen. Er empfing am vergangenen Donnerstag auf seinem Landgut 300 Bauern aus seiner Umgebung, denen er die Bortelle der Kunst- Bemisturig auseinandersetzte. Lloyd George erklärte, im Augenblick alle seine Energie seinem Gute und dem Schreiben eines Buches zu widmen. Er beginne um sechs Uhr früh zu arbeiten, lese zunächst Dokumente und schreibe dann Artikel. Den Rest des Tages verbringe er bei seinen Erdäpfeln und Schweinen. Im Kanal erstickt. Im Betriebe der Papierfabrik Tannroda bei Weimar hat sich am Sonntag ein schwerer Unglücksfall ereignet. Bei der Kontrolle einer Abwässerableitung in einem Schacht tour»« ein' BetricbSangehöriaer Kirchner durch Gase bewußtlos. Da am Sonntag der Betrieb ruhte, konnte der Unglücksfall nicht sofort bemerkt werden, so daß Kirchner erstickte. Bei den späteren Rettungsversuch:» ist em Betriebsmeister in Unkenntnis der Gestrhr in dem Schacht ebenfalls erstickt. Zwei weitere hilfsbereite Einwohner von Tannroda liege» schwer erkrankt darnied«. Bei einem besteht Lebensgefahr. Infolge deS Genusses von verdorbenen Kamelfleisch erkrankten im Dorfe Beba in Aegypten zahlreiche Dorfbewohner. Bisher sind acht Personen an den Folgen dieser Fleischvergiftung gestorben, während 180 Dorfeinwohner i»S Krankenhaus gebracht werden mußten. Teer in Flammen. In der Nacht zum Montag war in einer Asphalt- und Dachpappen-Fabrik beim Hamburg-Lehrter Güterbahnhof in Berlin beim Kochen von Steinkohlenteer Teer über- und in die Feuerftelle gelaufen. Bevor noch die Schaumlöscher in Tätigkeit gesetzt werden konnten, schlugen zehn Meter hohe Stichflammen zum Dach empor. Im selben Augenblick stand der ganze Dachstuhl in Flammen. Panikartig verließen die Arbei- ter das brennende Gebäude. Als die Feuerwehr erschien, fand sie ein einziges Flammenmeer vor, da der Teer inzwischen wie ein brennender Strom nach allen Seiten des Raumes au-einandergefloffen war und viele hundert Rollen fertiger Dachpappen erfaßt und entzündet hat. Infolge der Löscharbeiten mußte der Güterbahnbetrieb zeitweise unterbrochen werden. Da die nächste Wasserstelle mehrere hundert Meter entfernt lag. konnten sich die Flammen auch auf das anschließende Gelände einer F a s- saden-Putzfabrik weiter auSbreiten. Auch der lange Dachstuhl dieser Fabrik wurde vernichtet. Erst nach fast dreistündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr die Gewalt der Flammen brechen. Der Schade« beträgt sicherlich mehrere hunderttausend Mark. Elf Rennpferde verbrannt. In den Pferdeställen des Rennplätze- in BineenneS brach ein Feuer aus. Elf Rennpferde kamen bei dem Brand ums Leben. Die Polizei untersucht die Angelegenheit. Wetterbericht. Der Lufwruck nimmt über dem Binnenland« rasch ab, ist jedoch noch immer bedeutend übernormal. Bei schwachem Winde herrscht in unseren Gegenden schönes Wetter und nur im Kar- pathengebiet behauptet sich stviHveise stärkere Bewölkung. Die Wetteraussichten sind noch immer ziemlich günstig. Erst später kann vmn Ozean wieder kühlere Lust Vordringen und teilweise auch Mitteleuropa erfassen. Wahrscheinliches Wetter von heute: Bis auf Morgennebel im ganzen schön, im Westen des Staates etwas wärmer, auf den Bergen auffrischender Mnd. Shäter stellenweise Bewölkungszunahme. Im übrigen Gebiet stärkere nächtliche Abkühlung, untertags mäßig togtm._ Wetteraussichten für Mittwoch: Iw Westen des Staates etwas unsicher, sonst wenig verändert. Reichsfachschaft der Schweinskerle '* Erklärung des noch Möglichen Der New Docker Rechtsanwalt William O. Thompson, bis vor kurzem Mitglied des leitenden NRA-AuSschusses, berichtet über seinen Besuch inBerlin, wo es ihm trotz sechsfachem Versuch nicht gelang, die Erlaubnis zu einem Besuch bei Thälmann zu erlangen. Wir wissen, daß der gewesene Kommunistenfuhrer demnächst vor jenes„Vollsgericht" kommen soll, das aus drei studierten Richtern und zwei SA-Häuptlingen besteht und ganz einfach ein Rachetribunal ohne die niindesten Rechtsgarantien ist. Thompson hat dort eine Weile zugehört und ist entsetzt über eine derartige Justizverhöhnung von dannen gegangen. Als er dem Auslandspressechef Dr. Hanf- st ä n g l gegenüber auf die Protesterklärung Oxforder Professoren gegen die Rechtszustände in dem Deutschland von heute verwies, schrie dieser Hanfstängl:„Verflucht diese Oxforder Profeflo- ren! Ich werde ihnen einige unserer Schweins- kerle auf den HalS schicke«, damit sie ihnen ihr Oxford niederbrennen." Damit hat Dr. Hanfftängl gewiß die richtige Bezeichnung für die einfachen Hitleristen gefunden, denen die Detailarbeit zugewiesen ist, während die Führer große Kulturreden halten, Interviews voll Friedensliebe und Liebe zu Frankreich und dec ganzen Welt geben, Empfänge und Feste veranstalten, wenn sie nicht gerade durch Massenmord an Freunden abgehalten sind. Das Wirken der Schweinskerle hat man soeben wieder schaudernd aus der neuen Sammlung von Häftlingserlebnissen in den deutschen Konzentra« Eine Liste In einer seiner vielen Nürnberger Reden hat Adolf Hitler gesagt:»Im neuen Staat erhält jeder Arbeiter das, was ihm mit Recht z u ft e h t l" Was ihm im»Dritten Reich" aber»zusteht", beweist folgendes: Weit mehr als 40 Menschen sind in den letzten 18 Monaten in Deutschland hingerichtet worden. 37 zumTod« verurteilteAnti- fafeisten warten in den ZuchthauSzellen des »neuen Staates" auf die Erlösung durch Henkershand. Hier Listen-Auszug: Die Arbeiter Winkler und Bartel, die im Mai 1933 vom Ehemnitzer Schwurgericht zum Tode verurteill worden sind, der Arbeiter Wolf, den das braun- schweiger Sondergericht zum Tode verurtellt hat, der Arbeiter Reitinger, ein Opfer des! Schwurgerichts Frankfurt a. M., die Arbeiter Marquardt und Beck, zwei Chemnitzer, die Arbeiter Kasparik und Schmied, Ebenfalls aus Chemnitz, ttonSlagern(»KonzenttationSlager", Verlag: Graphia, Karlsbad) erfahren. Man fragt sich immer wieder: Wie ist es möglich, daß junge Deuffche, Angehörige dieses großen Bolles ohne Analphabeten, voll von Intelligenz und Geschick, zu solchen Bestten werden? Vergessen wir bei dem Versuch der Erklärung nicht das alle Beispiel von dem Meister, der die Lehrlinge prügelt, weil er als Lehrling geprügelt worden ist. Diese Schweinskerle haben die energischeste Beeinflussung ihres Lebens in der braunen oder schwarzen Armee erfahren. Diese Truppen sind nicht nur äußerlich der kaiserlichen Armee nachgebildet— ihre aus jener stammenden Unteroffiziere und Offiziere haben sie auch vollkommen noch jenem Muster ausgebildet. Zu den wesentlichsten Einrichtungen der Vorkriegsarmee gehörte aber auch der»heilige Geist"! Man lese doch die Reichstagsdebatten aus der Vorkriegszeit über den Militäretat nach. Da findet man immer wieder Reden August Bebels und anderer Sozialisten über die systematischen brutalen Mißhandlungen der Rekruten, und zwar gerghe durch,dse bereits längerdieyWden Sillda-,. ten. Die jungen Rekruten, dir aus Ungeschick und mangelnder Uebung die Uebungen nicht vorschriftsmäßig ferttgbrachten. mußten nachexerzieren, die»alten Diener" konnten ihre Rendezvous oder Bierstunden nicht rechtzeittg erreichen und ihre Wut wurde auf die Rekruten abgelenkt. In der Nacht erschienen dann vermummt« Gestalten mit Knüppeln, Peitschen, bei der Marine mit Tauenden und nun wurde auf die Rekruten grausam eingeschlagen. Den Kopf drückte man ihnen in die Kiffen, damit man das Schreien nicht höre— gerade so wie jetzt im Durchgangslager Reichenbach in Sachsen, wo die Nazifrauen ein Kiffen spendeten, damit die Bürger das fiircht- bare Schmerzensgeschrei der Verhafteten nicht mehr hören. So wurde den Reftuten der Zivilgeist aus- geprügelt. So war und ist in der SA und SS und so gehen die Schweinskerle mit den ihnen ausgelieferten Marxisten und sonstigen»Staatsfeinden" um. So konnte der Saufführer der»Arbeitsfront" Dr. Ley letzthin sagen, daß alle Funktionäre des Dritten Reiches die gleiche Schule und die gleiche Haltung haben— die des unbedingt gehorchenden Kadavers Die sozusagen komplizierteren sadistischen Verbrechen, besonders der höheren Braun- und Schwarzhemden find nur Steigerungen der einfachen, alltäglichen Mißhandlung Wehrloser und waren ebenso wie dar homosexuelle Treiben auch schon bei den Himmelstößen und manchen Offizieren der kaiserlichen Armee üblich: es sind Aus- sttahlungen desselben»heiligen Geistes".' der Arbeiter Morgen, dem Henker über- anttvortet durch das Schwurgericht Prenzlau, der Arbeiter Letzner, den die Magdeburger Blutjustiz auf dem Gewissen hat, die Jungarbeiter Szczodry und Forlz, verurtellt vom Schwurgericht Berlin III, der A r b e i t e r Trampenau aus Harburg, der Arbeiter Pischen, Hamburg, der Arbeiter Purl, ebenfalls Hamburg, die Arbeiter Fischer, Deitmer und Hel- big, Dortmund, die Arbeiter Schutte und Scheer, Hamburg, der Arbeiter Hahn, Breslau, der Arbeiter Grickschatz, Königsberg, die Arbeiter Epstein und Ziegler, Berlin, die Arbeit e r Mattern, Broede und Klause, Berlin, zehn Arbeitet aus Anhalt-Dessau, die das Schwurgericht am 24. November 1933 zum Tode verurteilt hat. Diese Liste sagt alles! Sie zeigt der Well, was, nach Adolf Hitler,»jedem Arbeiter" im neuen Staat mit Recht zusteht! Seite 8 „Sozialdemokrat" Dienstag, 9. Oktober 1934. Nr. 23« PRAGER ZEITPWe Neuer Vizebürgermeister in Prag. An Stelle des verstorbenen dritten Primator-Stcllvertreters Professors Svoboda(fier.) ist in der gestrigen Sitzung Pfarrer Alois Ty l i n 1I(fier.) mit den Stimmen seiner Wahlgruppe zum dritten Vizebürgermeister gewählt worden./ Svehla-Kai in Prag. Die gestrige Sitzung der Stadtvertretung hat über Antrag des Stadtrates, der vom Stadtrat Prof. R i p e k vertreten wurde, ohne Debatte beschlossen, den Peters-Kai, zwischen der Stefanik- und Hlavka-Brücke in Svehla-Kai (Svehlovo näbtesi) umzubenennen. . Prager äffentliche Beratungsstellen der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Wochentags 11 bis 12 Uhr, Zimmer Nr. 5, deutsche Dermatologische Klinik, Prag IL, 499, Allgemeines Krankenhaus. Wochentags(äusser Freitag) 6 bis 7 Uhr, Hautabteilung der Poliklinik, Prag l., Hastalskä 43. Hier zur selben Zeit auch separierte Studenten-Beratungsstelle. Mittwoch, 4'bis 3 Uhr, 2. deutsche Kinderklinik(Lan- desfjndclanstalt), Prag II., u Karlova 2, Beratungsstelle für angeborene, ansteckende Krankheiten der Säuglings. Mittwoch, von 4 bis 5 Uhr, 1. deutsche Kinderklinik, Prag II., 1359, Karlovo näm., Beratungsstelle für angeborene, ansteckende Krankheiten der Kinder jenseis des Säuglingsalters. Freie Auskünfte durch die Geschäftsstelle' der Gesellschaft: Prag-Smichov, 1472, Tichä 10. Weiße Aermel für Verkehrspolizisten. Als Ergänzung der weissen Handschuhe wurde nun ein Teil der Prager Verkehrsschutzmannschaft mit weissen Aermeln ausgerüstet, ähnlich wie es bei den Ver- kehrsschutzleuten einiger Grossstädte bereits der Fall ist. Die Sichtbarkeit der Zeichen, welche der Verkehrsschutzmann den Autos und Passanten mit seiner Hand gibt, wird auch bei nicht besonders günstigen Sichtverhältnissen(Regen, Schnee, Nebel, Dämmerung) vollauf zufriedenstellend sein. Mit der Zeit werden mit diesem„Verkehrs-Aermel" alle Verkehrsschutzleute ausgerüstet werden. Vom Schlachtfeld der Arbeit. Sonntag nachmittags siel beim Zugverschieben der Eisenbahner Joses B o i e k am Masarykbahnhof von einer Lokomotive. Er wurde schwer verletzt. Im Krankenhaus wurden ihm beide Bein« amputiert. GerlcMssnai Sie wollte nicht abtreiben— und wurde zur Kindesmörderin. Prag. Das Schwurgericht hatte am Montag über eine Kindesmörderin abzuurteilen— es ist der fünfte Fall von Kindesmord in dieser Schwurgerichtsperiode. Angeklagt war vor dem Schwurgerichtshof des OGR- Dr. Toman die 21jährige Hausgehilfin Emilie Tusla, die im. Hause ihrer Dienstgeber in Riöan im April d. I. ein. uneheliches Kind zur Welt gebracht, es gleich nach der Gebürt mit einem Bänd erwürgt und in den Abfatlkiibel gttvorfen hat. Der: Fäll gleicht in seinem Sachverhalt seinen Vor- gänaern in allen Einzelheiten, denn solche Prozene sind, von einer schrecklichen Gleichartigkeit. Auch die Verhandlung nahm den üblichen Verlauf und endete mit dem stereotypen Urteil: drei Jahre schweren Kerkers.. Eine Besonderheit zeigt dieser Fall lediglich in seiner Vorgeschichte. Als die Angeklagte ihre Schwangerschaft. merkte und ihrem Geliebten davon Mitteilung machte, bot er ihr Geld an, nm bei einer Abtreiberin Hilfe zu suchen. Aber die Angeklagte lehnte ab. Sie hatte wohl gehört, dass die Schwangerschafts- unterbrechuna schwer gestraft wird und hatte demgemäss einen hohen Respekt vor dem Paragraph 144, aber nur. um der weit schwereren Anklage des Ki n- desmordparagraphen zu verfallen. Denn in der Ratlosigkeit und Verzweiflung der überraschenden Geburt brachte sie das Kind um. Ihr Geliebter hat sich inzwischen gut verheiratet Nach Verkündigung des Urteils erlitt die Angeklagte-,• die bis dahin still und untertvürfig alles über sich hatte ergehen lassen, eine Berzweiflungsan- wandlung, wie man sie gewöhnlich mit dem Sammelnamen„hysterischer Anfall" zu bezeichnen pflegt. Sie reckte sich plötzlich von der Anklagebank auf. erhob die geballten Fäuste und schrie:„Ich werde mich räch en!". rb. Ein viertägiger Sensationsprozeß vor dem Prager Schwurgericht wird Dienstag unter Vorsitz des OGR. Dr. Notz o-tm y eröffnet werden. Angeklagt ist das Ehepaar Jaroslav und Marie Vhl«etalek der Ermordung des Vaters der Frau, dessen Leiche dann xin.Jahr lang in der Küche der Angeklagten verborgen Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab«.« 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Goaialftetnofrat" Verwaltung Prag XH., Fochova tk. 62, zum Preise von 16 Kä monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:-<<•• Letzte Post: Unterschrift:..»»»»« wurde. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Doktor S t i b r a l- _ Diese Mordtragödie spielte sich auf der Prager Kleinseite ab und hat seinerzeit das allergrösste Aufsehen erregt. Demgemäss sind denn auch die ausgegebenen 350 Eintrittskarten sofort vergriffen gewesen und die Polizei hat sich veranlasst gesehen, für die Verhandlungstage ganz besondere Massregeln zu treffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. rb. Kunst und Wissen Das Kleine Cafe Da ein Teil des Publikums zweifellos Bedürfnis nach neuen Operetten hat und weil solche von Wert vermutlich nicht existieren, darf man es dem Deutschen Theater nicht Lbelnehmen, dass es jetzt das „Kleine Cafe" gebracht hat, das ein grosser Schmarrn ist, im Libretto wahrscheinlich sehr frei nach Tristan Bernard, musikalisch nicht übel, aber doch ganz kon- venttonell und nicht einmal stimmungsmähig ge nügend versorgt von Ralph Benatzky. Die Handlung will Nutzen ziehen aus dem„Weissen Rössl"-Erfolg — auch hier ein liebenswürdig geriebener Kellner, der sein Glück macht, nur dass aus dem Leopold in Wolfgang ein Franz in Wien geworden ist, und dass er sich nicht in die Wirtin, sondern in die Wirtstochter verliebt; der Niann macht eine Riesenerbschast, auf der dann die ganze weitere Entwicklung aufgebaut ist. Die Sttmmung muh wieder jene Wiener Lied« und Gemütsduselei schaffen, die jedem Wiener oder Wienliebhaber schon auf die Nerven ging, noch ehe es in Wien''ungemütlich wurde; im„Kleinen Cafe" erreicht das Geblödel seinen Höhepunkt mit einer Art Hohen Liedes auf die Wiener Mehlspeisen. Zum Glück wirkt unser Komiker-Trifolium wirklich urwienerisch; das rettet den Abend; denn sonst ist es weder der Inszenierung(Mordo) noch dem Kapellmeister(Rieger) noch dem Grossteil der nicht vorwiegend zum Humor verpflichteten Darsteller gelungen, auch nur die geringste Wien-Illusion hervorzuzaubern. Daneben leidet aber die Aufführung vor allem an dem vollkommenen Mangel im Gesanglichen, in welchem Belange durchschnittlich nicht einmal provinzielle Ansprüche erfüllt werden. Hierin liegt auch der Hauptgrund, warum Herr Dörner, natürlich im Dialekt zuhause und im Drastischen sehr wirksam, mit seiner„Bombenrolle" nicht die erwartete Wirkung auslöst; man vermisst bei ihm äusser Stinune und einigem Gesangskönnen auch den dennoch möglichen Gesangs a u s d r u ck. Auch Fräulein Kunze hatte keinen sehr glücklichen Abend und Frau Carpentier blieb ziemlich im Hintergrund. Aus ihm trat eigentlich nur Herr Dudek hervor, der überaus witzig und kräftig und doch nicht ohne wirkungsvolle Reserviertheit einen gerissenen Strizzi charakterisierte, sehr gut sekundiert von Herrn Stadler. In Episoden überzeugend Frau Sommer und die Herren Volker, Grünberg und Siedler. Nicht zu begreifen war. warum man eine Frau Vera M a n d i c hinzugenommen hatte; Talent wurde spärlich. Können noch spärlicher gezeigt und die Erscheinung wurde jedenfalls in dieser Aufgabe vom Publikum sogar hörbar abgelehnt; sollte ! man hier wieder einmal aus gesellschaftlicher Untugend eine künstlerische Not gemacht haben? Der Wahrheit entsprechend ist noch zu verzeichnen, dass das Publikum sich stellenweise sehr gut zu amüsieren schien und dass sich insbesondere nach dem zweiten Akt alle Mitwirkenden für viel Beifall bedanken konnten. L. G. Die Arbeitslosigkeit der Bühnenangchörigen in Frankreich. Die Vereinigung der Bühnenangchörigen in Frankreich, die 6000 Mitglieder hat, von denen nahezu 5000 arbeitslos find, weist in einer Eingabe an das Ministerium der schönen Künste darauf hin, dass die grosse Arbeitslosigkeit der Bühnenangehörigen nicht nur mit der allgemeinen Wirtschaftskrise zu erklären ist. Sie sei das Ergebnis der zunehmenden Mechanisierung durch Kino, Grammophon, Radio ufw. Auch eine allgemeine Verbesserung der Wirtschaftslage würde an der grossen Arbeitslosigkeit der Bühnenangehörigen nicht viel ändern. Die Vereinigung schlägt deshalb vor, mit Unterstützung des Ministeriums der schönen Künste, die Entwicklung der Provinztheater zu fördern. Daneben sollten in den Städten überall Vereinigungen von Theaterfreunden gegründet werden, um das Interesse der Bevölkerung an guten und preiswerten künstlerischen Darbietungen zu wecken und zu fördern. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag%8 Uhr:DieRachtvordemUltimo, 8 1.— Mittwoch halb 8 Uhr: Daskleine C a f e, B 2.— Donnerstag halb 8 Uhr: D i e Entführung aus dem Serail, C 2. — Freitag halb 8: Die O acht vordem Ultimo, D 1.— Samstag 3 Uhr: Admiral Bobby, halb 8 Uhr: Rigoletto, Gastspiel Willy Domgraf-Fahbender, D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8 Uhr: Sensations p ro z ess.— Mittwoch, 8 Uhr: Nobelpreis.— Donnerstag, 8 Uhr: Mädchen im Grandhotel.— Freitag, 8 Uhr: Sensationsprozess.— Samstags halb 8 Uhr: Revue:Hoch klingt das Lied v o m braven Mann, Uraufführung. Ans der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Dienstag, den 9. Oktober, acht Uhr, Gruppenabende: SJ Zentrum: Bunter Abend.— SJ Holleschowitz: Der 28. Oktober 1918.— SJ Weinberge: Lagerabend.— SJ Smichov: Die Schlacht bei Lipan. Vereinsnadiriditen Sänger, Achtung! Die für Dienstag anberaumte erst« Singprobe entfällt wegen der für diesen Tag festgesetzten Parteiversammlung. Sport• Spiel• Körperpflege Sowjetboxer siegen Sowjetrußland—Tschechoslowakei 9:7 Punkte. Am Sonntag abends fand im Prager Winterstadion der erste Box-Länderkampf S o w jet- russ l a n d-— Tschechoslowakei vor überraschenderweise nicht ausverkauftem Hause statt. Sportlich zeigte diese Begegnung in erster Linie, dass die Russen disziplinierte, technisch gut durchgebildete und herzhafte Kämpfer sind. Ein grosse» Handicap bildete für sie die Unkeruttni» her bürgerlichen Regeln,- die auch gegen sie ausgenutzt wurden. Von fünf als Unentschieden verlautbarten Begegnungen waren nur zwei richtig. alle übrigen waren Fehlentscheidungen! Ein Skandal war im zweiten Kzmpf die Disqualifika- tton des Russen! Die Leitung gab bekannt, dass die Entscheidung am nächsten(!) Tag richttggestellt werden wird! Die tschechischen Boxer waren in Punkto Ruhe, Technik und Schlagkraft nicht so gut wie ihre Gegner, nur H r u b e s im Weltergewicht war ein ebenbürtiger und fairer Kämpfer. Alle übrigen erwiesen sich nach der vorsichtig geführten ersten Runde als wilde Schläger und Halter. Alle Kämpfe gingen über drei Runden und brachten folgende Ergebnisse: Fliegengewicht: Takajew(R.) gegen Fiala(Tsch.) unentschieden. Bantamgewicht: Serow(R.) gegen Sa- sinek(Tsch.). In der 3. Runde wurde der Russe wegen angeblichen Ohrenbiss disqualifiziert. Federgewicht: Celovalnikow(R.) gegen Dvokak(Tsch.). Der Russe buchte zwei Runden klar für sich, trotzdem wurde ein Unentschieden verkündet. Leichtgewicht: Ogurenkow(R.) gegen Chundela(sch.); ebenfalls ein ungerechtes Unentschieden. Weltergewicht: Timofin(R.) gegenHru- bes(Tsch.). Das Unentschieden ein gerechter Ausgang zweier vorbildlich guter Kämpfer. Mittelgewicht: St^anow(R.) gegen Pospisil(Tsch.); der Russe siegte überlegen nach Punkten. Halbschwergewicht: Michajlow(R.) gegen Nejtek(Tsch.). Der Russe siegte in der ersten Runde nach 20 Sekunden mit einem harten Kinn- haken durch k. o. Schwergewicht: Postow(R.) gegen Dur- dis(Tsch.). Der Tscheche mutzte zweimal bis fünf bzw. neun zu Boden, war ein wilder Schläger, der keine Wirkung erzielte— trotzdem gabs ein Unent- i lchieden! Das Treffen endete demnach knapp mit dem Siege der Russen von 9:7 Punkten. E. Sport der DT3 Kejzlar-Memorial. Dieser traditionelle Langstreckenbewerb im Laufen und Gehen wurde am Sonntag bei Prag ausgetragen. Am Start erschienen 50 Wettkämpfer. Die Veranstaltung war gut organisiert und für die tschechische Arbeiter-Leichtathletik ein neuer Erfolg. Das Laufen über 10.000 Meter gewann K o l i n(DTJ Radottn) in 35:07.4 Min. vor Kotovsky.(DTJ Pilsen) 35:31.7 Min. und Mares(DTJ Pankrac) 35:37.7 Min. In der Kategorie der Alten(über 35 Jahre) siegte M i f- fek(Tynec n. L.) in 41:47.4 Min. Das Gehen über 10.000 Meter gewann R y s l i n k(DTJ Weinberge) in neuer Bestzeit von 48:49.8 Min. vor seinen Vereinsgenossen Krejkik 49:47.3 Min. Die Frauen liefen eine Strecke über 1200 Meter und ging als Siegerin Jelinkovä(DTJ. Bonokdaly) Parteigenossin! Parteigenosse! Bist Du schon Mitglied der Ktnderfreunde? wenn nicht, dann tritt bei. in 3:37.8 Mip. hervor. Die Sieger der einzelnen Kategorien erhielten Wanderpokale; die Nächstplacierten Diplome und Plaketten. Kreiskauipf Prag—Pilsen in Turnspielen. In Vilsen ttugen der 1.(Prag) und 3. Kreis(Pilsen) einen Wettkampf im Wolleyball Hazena und Tischtennis aus. Das letzte Kreistreffen gewannen die Prager leichter als diesmal. Im Hazena siegte Pilsen knapp nach Kampf mit 6:5, im Wolleyball feierten die Prager mit 4:1 einen leichten Sieg und das Tischtennismatch gewannen ebenfalls die Prager, aber knapp mit 6:5. Somit endete dieser Kreiskampf mit 2:1 für Prag. DFC. Prag gegen Eechoslovan Kosir 5:3(3:0). I Vor der Pause befriedigendes Spiel der Deutschen. 1 welche nach der Pause beim Stande 4:0 sich ihres 1 Sieges sicher fühlen und dem Gegner Gelegenheir I geben, drei Tore zu erzielen. Der DFC.-Sturm 1 kann aber immer noch nicht Tore schiessen, obwohl 1 et diesmal reichliche Gelegenheit hatte. Sparta gegen SK. Kladno 6:0(1:0). Das Endspiel um den Charity-Cup schloss mit einem] hohen Siege der Sparta. Die Kladnoer boten ein« 1 schwache Leistung, obwohl sie bis auf den Tormamr 1 komplett antraten. Die Strapazen der Tournee 1 machten sich bemerkbar. Zwei Ligaspiele wurden am Sonntag durchge- I führt. Die Prager S l a v i a verlor in P r o ss-1 n i tz gegen den SK.«inen Punkt, da das Treffen I 2:2(0:1) endete.— In Brünn schlug Z i d e- 1 r.ice mit 4:1(2:0) den SK. Pilsen und hat! dadurch die klare Führung in der Tabelle. Oesterreichs Fußballteam konnte sich in dem am I Sonntag in Budapest ausgetragenen Europacup-1 Spiel gegen Ungarn wieder nicht durchsetzen. I Nach einer unentschiedenen Halbzeit(1:1) gewan- r nen die Ungarn mit 3:1. DFB.-Division. In den am Sonntag ausge-I tragenen Spielen hätte es in B r ü n n beinahe für I den DSV. Saaz eine unangenehme Ueberraschungs gegeben. DSV. Brünn zeigte sich diesmal nicht als I Torelieferam, sondern liess die Saazer bis zur! Pause mit 3:0 im Nachteil, den die Saazer nach-1 her mit einem Bestschiessen fast der gesamten Mann« I schäft aufholen und mit vier Toren den Sieg errin-1 gen können.— In B odenbach gewann SpBg. 1 über den DSV. Troppau mit 6:2(1:2) und ini Gablonz machte der BSK. seine vorwvchigel Saazer Niederlage durch einen 4:2(3:2)-Sieg überl den Karlsbader FK. wett. Aus den tschrchischru Divisionen. Mittel-! böhmen: Viktoria Zizkov gegen Sparta KladnoI 6:0(0:0), Sparta Kost! gegen Cechie VIII 2:01 (1:0), Nuselsky SK. gegen SK. Raudnitz 2:1(0:0),I SK. Liffa gegen SK. Liben 3:2.— Böhm n-I Land: SK. Nachod gegen SK. Rqkonitz 6:1(6:0),! Jungbunzlauer SK. gegen Olympia'Pilsen 2:1 (1:1), SK. Königgrätz gegen SK. Petrin-Pilsen I 3:1(1:0), SK. Königinhof gegen SK. Horowitz 5:0| (2:0), SK. Pardubitz gegen SK. Kopisty 7:3, SK.^ Rokihan gegen CSK. Budweis 2:2(2:1).— M i' H-Z ren-Schlesien: Mor. Slavia gegen Polonial Karwin 4:0, Bata Zlin gegen Schles.-Ostrau?:0J SK. P re rau gegen Han. Slavia 2:1.— Slowa«I kei: CSK. Prehburg geg. Nitra 2:2, Ligetti Press«! bürg gegen ZTK. Zvolen 5:1, VAS Pressburg gegen FC. Vrutky 4:2. Sonstige Fnßballergebniffe. Kol in: Hunga-I ria Budapest gegen AFK. 4:2(1:1).— Pilsen:! Viktoria gegen CAFC. 3:0(2:0).— Brüx: Tep«j litzer FK. gegen DSK. 5:3(4:2).— Komotau:l DFK. gegen Reichenberger FK. 1:1(1:0).— R«id chenberg: Warnsdorfer FK. gegen DSV. 7:3 !2:2).— Trautenau: DSK. Gablonz gege« D Sonntag in P a r i s ausgetragen wurde, gewann de^ Belgier Merchens in 2:39:59.6 Std. vor den Finnen^ Suuknutt. Filme in Prager Lichtspielhäusern bis einschließlich Donnerstag, den 11. Oktober\ Adria:„Vergessene Männer".— Alfa:„Deis ist mein Herz". E.— Avion:„Klein Dorit". D.—* Fenix:„Musik des Herzen". Tsch.— Flora:„Die falschen Zwillinge". D.— Gaumont:„Der letztes Mann". Tsch.— Hollywood:„Musik des Herzen". — Hvkzda:„Vergessen« Männer".— Kinema, B' Th.: Journale. Groteske, Report. Ab halb 2 bis 7i — Kotva:„Jud Süss". E.— Lucerna:„Jud Süss"« E.— Metro:„Der letzte Mann". Tsch.— Olyw« pic:„Helden der Eismeere—diß Tscheljuskinleute". R.— Passage:„Ma-4 kerade". D.— Radio:„Der heldenhafte Kapitals Korkoran". Tsch.—■ Skant:„Toboggan". Fk- — Svitozor:„Der letzte Mann". Tsch.— Carlton- „Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch.— Fa< vorit:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch — Lido:„Bella Donna". E.— Roxy:„Der heldew hafte Kapitän Korkoran". Tsch.— U Bejvodu) .Zwei Herzen in Zärtlichkeit vereint". D.— Bal dek:„Die falschen Zwillinge". D. Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganis ation Prag Heute, Dienstag, 8 Uhr abends im Gewerkschaftshause Prag, Perötyn Parteimitglied erversammlung Tagesordnung: Die politische Lage und unsere nächsten Ausgabe» Redner: Gen. Senator Dr. Carl Heller Kein Mitglied der Organisation fehle! Bezugsbedingung en: Bei Zustellung ms Hau? oder be: Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährig Kd 48— halbjährig Kc 96.—, ganzjährig Kc 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Be: öfters Ernschalttmgen Prer»nachlass— Rückstellung von Manuftripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post, und Telegraphendrrektton mit Erlass Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. 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