BrnMs 70* Heller (»jwicMUMich 5 Haitor Porto) IEHTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT NUT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xhuochowmr. t&efom sw. aormpmomnom«lefori sjom. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR-. DR. BMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Donnerstag, 11. Oktober 1934 Nr. 238 Peter Kelemen— ein mazedonischer Komitattchi? Immer noch Unklarheit über den toten Urheber der Tragödie von Marseille Zwei Mitschuldige verschwunden? Während das Havas-Büro noch Dienstag nachtS eine Meldung ausgegeben hatte, ans der geschloffen werden mußte, daß der gelynchte Mar. seiller Attentäter, PeterKelemen, obzwar schwer verletzt, noch lebe, wurde gestern bekannt, daß er, nachdem man ihn auS den Hände» der wütenden Menge befreit hatte, nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Er wurde von der Polizei in das Gebäude der Sicherheitspolizei gebracht, wo er von Polizeiärzten untersucht wurde. Schon nach kurzer Zeit starb er an den Berletzungen. Er war«. a. auch von mehreren Schüffen und Säbelhieben getroffen worden. Man fand bei dem Toten überraschenderweise einen tschechoslowakischen Paß der vom tschechoslowakischen Konsulat in Agram am 30. Mai 1934 unter Nr. 79 ausgestellt und von den jugoslawischen Behörden vidiert worden war. Den Angaben im Patz nach sollte er sogar in Prag heimatszuständig sein. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab zweifellos, daß dec Paß gefälscht ist. Der Paß trägt die Unterschrift des Konsulatsbeamten Dr. Brtnik, der aber schon seit Ende Jan- ner 1934 nicht mehr in Agram, sondern in der Prager Zentrale Dienst machte. DaS Paßbüchel mit der Nummer 185.744 wurde niemals dem Generalkonsulat^ in Agram, sondern einer ganz anderen tschechoslowakischen Vertretungsbehörde zugeteilt. Die Nummer 479 ist»war beim Agramer Konsulat, doch betrifft sie den Paß eines wirklichen tschechoslowakischen Staatsangehörigen, der inzwischen in Prag durch die Polizeibehörden idenfizrert wurde. Nach dem falschen Paß hat der Attentäter am 26. September die jugoslawische Grenze bei Marburg überschritten und ist über Oesterreich und die Schweiz nach Frankreich gefam^en, wo er am 28. September die Grenze Überschrift. Die Polizei forscht nun nach, wo er sich sefther aufgehalten hat. Der Tote trug neue Kinder und neue Schuhe, die in einem großen Pariser Kaufhaus gekauft wurden. Die Untersuchung der Leiche führte zu einer intereffanten Entdeckung.. Am linken Arm hatte Kelemen eine Tätowierung die eine Krone von 5 bis 6 Zentimeter Durchmesser darstellt und von einem Totenkopfe mit zwei gekreuzten Knochen umgeben war und außerdem einige Äuchstabenabkürzungen aufwies. Es handelt sich bei den Buchstabenabkürzungen um die Worte:„Freiheit oder Tod". Ein jugoslawi- scher Journalist erklärte, daß diese Tätowierungen das Zeichen der mazedonischenKomitatschi sei. Der Revolver, mit dem Petrov Kelemen den Anschlag verübt hat, ist ein 20schüffiger automatischer Revolver neuester Konstruktion. In einer Tasche des Rockes des Mörders fand man außerdem mehrere Patronenstreifen, so daß er über ungefähr 100 Schuß Munition verfügte. Entgegen den privaten Berichten, die von zwei oder mehr Genoffen Kelemens sprechen, glaubt das französische Ministerium des Innern, daß der Mörder allein war. Minister des Innern Sarraut äußerte sich Journalisten gegenüber in diesem Sinne. Er bestäftgte, daß die ganze Szene durch Zufall gefilmt wurde und daß sie noch heute der Marseiller Polizei vorgeführt werden wird. Ein Rätsel bleibt es aber, wo und wie stch der Mörder, der vor einigen Tagen iw Frankreich eingetroffen war und kaum französisch sprach, einen Revolver ganz neuen Typs verschaffen konnte. Der Mörder disponierte wahrscheinlich über einen größeren Geldbetrag. Oer Bruder Kelemens verhaftet B e l g r a d» 10. Oktober.(Havas.) Der Bruder des Attentäters, der Belgrader Dentist«elemeu, wurde verhaftet. Die Polizei in Air en Provence hat fest- gestellt; daß der Urheber des Attentates Kelemen zwei Rächte in einem Hotel im Air en Provence in Gesellschaft zweier Männer, verbracht hat. Einer dieser Männer trug sich als S i l v e st e r C h a l n y(?) tschechoslowakischer Staatsangehöriger, Kaufmann, auf dem Wege nach Paris befindlich, ein. Der zweite trug sich alö E» o n K r a m e r, geboren im Jahre 1910 in Fiume, ebenfalls Kaufmann, auf der Reise nach Paris, ei«. Beide sind seit Dienstag abends verschwunden. Die Nachforschungen der Polizei nach ihnen waren bisher ergebnislos. Paris. Die Pariser Polizei hat festgestellt, daß die neuen Kleider Kelemens in den ersten Oktobertagen im Großkaufhaus„La Belle Jar- diniere" gekauft und an die Adreffe Kelemens in ein Hotel geschickt wurden, dessen Besitzer nun in der Photographie des Mörders einen seiner ehemaligen Mieter erkannte. Eo erklärt«, daß Kelemen am 30. September mit zwei Gefährten im Hotel eintraf, aber nur mit einem von ihnen dort wohnte. Die Anmeldungsscheine füllte für sie der dritte Kamerad aus. Den ersten Schein füllte er auf den Namen S u ck aus. Suck scheint mit Kelemen identisch zu sein. Der zweite Anmel dungsschein lautete auf den Namen Vla- d i s l a v Benes. Der dritte der Männe: wohnte nicht im gleichen Hotel, doch stellte di Polizei seinen Aufenthalt in einem anderen Hotel unter dem Namen N i k o m i r fest. Nikomi'' war der Polizei als verdächtiger Jugoslawe bezeichnet worden und die Polizei wurde ersucht, ihr' während des Aufenthaltes des Königs Alexande» in Paris zu beobachten. Es wurde festgestellt, daß Rikomir im vorigen Jahre in Marseille zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Alexanders Heimfahrt Marseille. Die sterblichen Ueberreste König Alexanders wurden gestern einbalsamiert und im Beisein der Königin Marie eingesargt. Der Sarg wurde sodann vor die Präfektur getragen, wo eine militärische Abteilung die Ehrenbezeigung leistete. Hierauf wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, der sich auf dem gleichen Wege, den tags vorher der Königszug genommen hatte, über dem Platz der Belgier zum Hafen bewegte. In dem ersten Wagen hinter dem Sarge hatten der Präsident der französischen Republik Lebrun, der jugofiawische Außenminister I e v t i c und der Vorsitzende der französischen Kammer, B o u i j- s o n, Platz genommen: In den folgenden Wagen fuhren der jugofiawische Gesandte in Paris Spalajkovik und die Staatsminister H e r» r l o t und T a r d i e u, sowie französische und jugofiawische militärische Würdenträger. Der jugoslawische Kreuzer„D u b r o v« n i k" näherte sich dem Kai, und der Sarg, der mit Bändern in den jugoflawischen und französischem Farben geschmückt war, wurde auf den Katafalk gehoben. Eine Militärabteilung erwies die letzte Ehrenbezeigung und hierauf trugen sechs jugoslawische und sechs französische Offiziere den Sarg aus das jugoslawische Kriegsschiff unter den Klängen der jugoslawischen Hymne und der Marseillaise. Um 16 Uhr trat der Kreuzer„Dubrovnik" die Rückfahrt yach Split an, auf der er von zwei französischen Kreuzern begleitet wird. Auf einem dieser Kreuzer fährt der französische Minister der Kriegsmarine P i e t r i mit, der zusammen mit dem Kriegsminister Marschafi P e t a i n die ffanzösische Regierung bei dem Begräbnisse des Königs vertreten wird. Bis in die jugoslawischen Gewässer wird«ine Division französischer Torpedobootzerstörer' die Ehrenbeglettung bilden. In Belgrad wurde ein Sonderausschuß mit den Vorbereitungen für das Nationalbegräbnis des Königs betraut. Hoch zwei Tote Die Zahl der Todesopfer des Anschlages in Marseille beläuft sich bisher auf vier. Außer dem König Alexander und Außenminister Barthou ist im Laufe der Nacht der städtischeWach- m a n n G a l l y, der von dem Mörder durch zwei Revolverschüsse getroffen wurde, seinen Berletzungen erlegen. Er war Vater dreier Kinder. Als viertes Opfer ist am Mittwoch eine Fr a u, die bei dem Attentat v^letzt worden war, ihren Verletzungen erlegen. Die Nachrichten über den Tod desGeneralsGeorges, des Admirals Berthelot, bzw. des Hofmarschalls Dimitriviä haben sich nicht bewahrheitet. Der Zustand des verwundeten Generals Berthelot nach einer Operatton war allerdings sehr ernst, doch befindet er sich bereits autzerLebensgefahr. Außer ihm wurden noch drei Zuschauer, darunter ein Kinooperateur, vier Frauen und ein vierzehnjähriger Junge so verletzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Zwei weitere Verletzte, darunter ein Polizeiinspektor, befinden sich in häuslicher Pflege. Die Mehrzahl von ihnen wurde bei der unmittelbar nach dem Attentat entstandenen Panik verletzt. Der sodeteiieutsclie Moses Alles ist schon dagewesen. Bor rund dreitausend Jahren versammelte Moses das jüdische Volk zu einer„Massenkundgebung" auf dem Berge Sinai und gab ihm dort seine Gesetzestafeln. Uter Blitz und Donner soll Moses sein„Programm" verkündet haben und die Vermutung, daß dieser Theaterdonner vom lieben Gott selbst beigesteuert worden sei, hat zur Verbreitung der Moses'schen Offenbarungen nicht wenig beigetragen. Findige Reklameagenten der Heimatfront hätten sich— obwohl sie sonst jüdische Vorbilder ablehnen— gerne an dieses biblische Beispiel gehalten. Diesmal sollte der Berg Sinai in die Nähe von Gablonz verlegt werden. Henlein-Moses wollte dort sein auserwähltes Volk für nächsten Sonntag zusammenrufen und die Gesetzestafeln der sudetendeutschen Politik enthüllen. Mit Blitz und Donner gegen die bösen Marxisten. Für Lautverstärkung hätte schon der reichsdeutsche Rundfunk gesorgt. Dieser schöne Propagandaplan muß nun un- verwirklicht bleiben. Die Henlein-Parade in Gablonz und die für Sonntag ebenfalls angesetzten sozialistischen Kundgebungen sind gestern untersagt worden. Wir sind keine Freunde von behördlichen Verboten, aber in diesem Falle war die Befürchtung, daß es zu Zwischenfällen kommen könnte, nicht ganz unbegründet. Denn die Arbeiterschaft des Jsergebirges leidet seit Jahren so fürchterlich unter der Krise, daß sie die Draufgabe von fascisttschen Provokationen schlecht vertragen kann. Worum ging«s in Gablonz? Henlein wollte dort, so wird uns von seinen Trabanten versichert, sein lang vermißtes Programm entwickeln. Eine löbliche Absicht, verbunden mit weniger löblichen Nebenabsichten. Die außerordentliche Gnade, daß Herr Henlein nach einjähriger politischer Führerbetätigung der Oeffentlichkeit endlich sagt, was'er will, sollte von der demokratischen Regierung unseres Staates mit der Bewilligung einer fascistischen Parade erkauft werden. Eine partei- amtliche Kundgebung der Heimatfront aus den letzten Tagen sagte darüber sehr auffchlußreich: „Es geHt nicht an, daß man monatelang an der Politik der Südetendeutschen Hermatfront das Fehlen eines„klaren Programms" bemängelt und es dann zuläßt, daß die Verkündung dieses Programms vom polittschen Gegner durch die Einschränkung der Versammlungsfreiheit verhindert wird. Es geht nicht an, Konrad Henlein beständig und unbegründeterweis e mangelnden Einfluß auf seine Anhänger vorzuwerfen, es ihm aber gleichzeittg unmöglich zu machen, fichvon Angesicht zu Angesicht mit seinen Anhängern auszusprechen. Es geht nicht an, das Fehlen eines polittschen Programms der SHF als eine Gefahr für die Sicherheit des Staates und der Demokratte zu bezeichnen, gleichzeittg aber die Verkündung des Programms mit dem Argument der Ruhe- und Ordnungsftörung zu vereiteln." So müssen sich alle Demokraten nun mit den bitteren Konsequenzen des Verbotes abfinden, die da die Pressestelle der Heimatftont vorausblickend geschildert hat. Henlein wird aus Trutz sein Programm verschweigen, solange ihm nicht einer der Berge unserer Grenzhöhen als Rednertribüne zur Beifügung gestellt wird. Denn er ist ein Demokrat von ganz besonderer Art. Es fällt ihm nicht ein, das Programm seiner Bewegung unter demokrattscher Kontrolle zu erarbetten, es zuerst den Mitgliedern zur Stellungnahme vorzulegen und es von gewählten Funktionären verbindlich beschließen zu lassen. Dieser demokrati- che Vorgang würde aller Voraussicht nach die Stimmungen und Strömungen offenbaren, die in seiner Pattei lebendig sind. Davon datt aber die Oeffenüichkeit nichts erfahren. Henlein will seine Mitarbeiter mit der Mitverantwortung für das Programm nicht belasten. Der„Führer" braucht eine bunt zusammengewürfelte Volksversammlung als Folie, er kann keinen Einwand, keine Kttttk seiner Ansichten vertragen. Die gei- tige Leere und innere Zwiespältigkeit seiner Bewegung müssen durch organisiertes Heilgebrüll verdeckt werden. Gerade diese Form der Pro- grämmgebung, die in keiner halbwegs demokratischen Partei denkbar wäre, enthüllt das urfasci« tische Wesen der Heimatfront. Henleln-KiindgebunG in Gablonz verboten Verbot auch der sozialistischen Versammlung Die SHF hatte für de« 7. und 14. Oktober zwei große Kundgebungen vorbereitet. Die erste sollte in K a r l s b a d, die zweite in Gablonz stattfindeu. Die Karlsbader Kundgc- buag wurde zusammen mit der vou de« Sozialdemokraten angcsagten Gcgenversammlnng verboten. Heulein verkündete daraufhin, daß er den G a b l o« z e r Aufmarsch znr Bekanntgabe seines Programms benütze» werde. Die nordböhmische» Arbeiter, die den e i g e»t l i ch e» Sin« des Henleiuaufmarsches genau so erkannt hatte« wie die westböhmische«, habe» ebenfalls eine Gegenkundgebung angesetzt,«m der Oeffeutlichkrit z« zeige«, daß a«ßer den gleichgeschalttte« A«hü«ger« der«ach politischer Totalität sttebende« Henlei«fto«t«och starke demokratische Kräfte im sude- teadeutsche« Gebitte vorhanden fi«d. Nu» hat die öttliche Polizeibehörde a«ch die Gablonzer Kundgebung der SHF»ad dir Gegenkundgebung der Arbeiter(es hatten die deutsche« und tschechischen Sozialdemokraten uud die tschechischen Nationalsozialisten gemeinsam znr Gegenversammlnng ausgernfe«)«ater Hinweis ans die angebliche Gefährdung der Ruhe«nd Ordanag Verbote». Seite 2 Donnerstag, 11. Oktober 1834 Nr. 238 Die„Demokratie" in der Henleinfront— das ist wahrlich ein besonderes Kapitel...„ich habe mir die Mitarbeiter gesucht, die i ch für meine Aufgabe brauche", erklärte Henlein in seiner Botschaft an die Mitglieder der SHF vom 5. September. Und nm den katastrophalen Eni» druck der selbstherrlichen Töne dieses Rundschreiben- abzuschwächen, schrieb der bekannte Kame- radschassbund-Demokrat Dr. B r a n d in der vor- letzten Nummer der Rundschau: „Man wirft der GHF aus sehr durchsichtigen Gründen gern ihre antidemokratisch« Einstellung vor und glaubt, sie räume ihrer Anhängerschaft überhaupt keinen Einfluß ein, sondern„diktiere" von oben. Am besten widerlegt chber werden diese Behauptungen durch folgende Feststellungen t Bei der Reichstagung in Aussig wurden die vorgelegten Satzungen einstimmig genehmigt und der Hauptleitung die Srmächtl» gung erteilt, diese Satzungen abzuändern und zu ergänzen. Diese Aenderun- gen und Ergänzungen wurden nun durchgrführt. In den nächsten Tagen gehen— obzwar dies auf Grund des Aussiger Beschlusses gar nicht nötig wäre— diese ergänzten und abgeänderten Satzungen an alte OrtS-, Bezirks- und Kreisleitungen zur Abstimmung. Und in diesen Satzungen sind auch Bestimmungen über die„Führerwahl" enthalten, die ein für allemal dem Spuk von„Diktatur" ein Ende bereiten werden." Allen Respekt vor dieser„veredelten" Demokratie in der Heimatfront. Zuerst ernennt Henlein seine Mitarbeiter. Dann ruft er sie zu einer Reichstagung in Aussig zusammen und läßt sich Bollmachten geben. Dann übt er die Vollmachten aus und läßt sogar hinterher abstimmen. Ader beileibe nicht die Mitglieder, sondern nur die von oben ernannten Leitungen. Die Mitglieder selbst haben überhaupt nichts dreinzureden. Der Vergleich mit den Methoden Hitlers liegt sehr nahe, Diese Heimatfront mit ihrem total fascifti- schen inneren Aufbau wird nun wieder eimerweise Krokodilstränen vergießen, daß ihr in Gablonz ihre demokratischen Rechte verkürzt wurden. Diese Heimatfront wird— nach der Ankündigung Henleins im„A-Zet"— demnächst^Freundschaftsverhältnis zum Bund der Landwirte konkretisieren. Auf diese Konkretisierung kann die ganze Oesfentlichkeit gespannt sein. Soll das wohl heißen, daß die deutsche Agrarpartei unter dem Einfluß Henleins noch mehr fascisiert werden soll als bisher? Soll der Heimatfront noch größere Agitationsfreiheit unter der landständischen Jugend gewährt werden? Nach den bisherigen Erfahrungen kann die angekündigte Konkretisierung der Freundschaft zwischen Landstand und Heimatfront nur dem sudetendeutschen Fascismus nützen. Vyn einem demokratischen Einfluß in der SHF ist nicht die leiseste Spur zu sehen. Das Wahlergebnis von Has elbach beweist, daß die Mitglieder der aufgelösten völkischen Parteien. Herrn Henlein restlos Vertrauen schenken. Es zeigt aber auch, daß alle Hoffnungen auf eine ernste Schwächung der deutschen Sozialdemokratie durch das Treiben der Heimatfront auf Sand gebaut sind. Nicht unsere, sondern seine eigene Haut trägt der Landbund durch seine Patronanz über die Henlein- Bewegung zu Markte, Den Herrn Hacker und Toni Köhler bleibe es unbenommen, ihre politische Laufbahn als Tempeldiemer des sudetendeutschen Moses zu beenden. Dem Landbund selbst wird eines Tages das Gnadenbrot der Hei-’ matsront denn doch zu sauer werden! DreigliedrigerRegentrchaftsrat für den minderjährigen König Peter Belgrad. Die Agentur Avala kündigt in eurer amtlichen Verlautbarung an, daß der älteste Sohn des ermordeten Königs Alexander als Peter H. am 11. Oktober d. I. den Thron Jugoslawiens besteigt- In seinem Testament, das noch in der Rächt eröffnet wurde, hat der Verstorbene während der Minderjährigkeit des Königs Peter zu Regenten eingesetzt: den Prinzen Paul Karageorgediä, den Senator und ehemaligen Minister Dr. Stankoviä«nd den Ban des Savebonats Dr. P eroviL. Für den Fall ihrer Verhinderung sind als Ersatzmänner der Kommandant von Belgrad General T o m i 6, Senator Banjan. n und Senator Z e tz bestimmt worden. Der von sämtlichen Ministern unterzeichnete Ministerrat hat eine Proklamation erlassen, in der es heißt: „Gemäß Artikel 36 der Verfassung besteigt sein erstgeborener Sohn, König Peter II, den Thron des Königreiches Jugoslawien. Die königliche Regierung, das Heer und die Flotte, haben König Peter II. bereits den Treueid geschworen. Die königliche Regierung übernimmt in Ueberein- stimmung mit Artikel 54 der Verfassung die Regierung bis zum 11. Oktober, um die Ablegung des Treueides gemäß Artikel 59 und 42 der Verfassung vorzubereiten. Die letzten Worte, die der König sprach, zeugen von der unermeßlichen Vaterlandsliebe des sterbenden Königs. Der König sagte:„Wacht immer über Jugoslawien." Die königliche Regierung ruft die ganze jugoslawische Nation auf, in Treue und Würde über diese Erbschaft zu wachen." Prinz Paul ist ein Sohn des Prinzen Arsen, eines Bruders König Peter I., also ei» Vetter des ermordeten Königs. Er steht im 42. Lebensjahre und war bisher Ehrenadjutant des Königs. Er ist seit 1923 mit der griechischen Prinzessin Olga vermählt. Senator Stank o v i ä ist Kroate und spielte im Agramer Rationalrat, der die Vereinigung Kroatiens und Jugoslawiens beschloß, eine große Rolle. Er ist Arzt und Universitätsprofeffor in Agram und war bis vor kurzem Unterrichtsminister im Kabinett Srskoviö. Ban P e r o v i t stammt aus Zara, wo er seinerzeit den Sokolverband und andere nationale Organisationen gründete. Rach dem Kriege war er Staatsanwalt in Split, später Präfekt in Dubrovnik und Split sowie Vertreter des Innenministers, Im Jahre 1931 wurde er zum Ban des Savegebietes ernannt. Trauerkundgebung der Ministerpräsidenten Prag. lTsch. P. B) I» der außerordentlichen Trauerfitzung des Ministerrates, welcher für MU- wach, den 10. Oktober, vormittags im Hinblick anf das tragische Ereignis einberufen worden war, welches Dienstag nachmittags in Marsrille eingetrete« ist und bei welchem der Herrscher Jugoslawiens, Seine Majestät König Alexander I. und der Außenminister Frankreichs, Louis Larthou, einem schrecklichen Brr- breche« zu« Opfer gefall« find, gab Ministerpräsident Ja« Malypetr dem tiefen Schmerz» und dem innigsten Beileide der Tschechoflowakei durch folgende Trauerkundgebung Ausdruck: „Wie ei« Blitzschlag traf die ganze gebildete Welt die Nachricht, daß Seine Majestät der König von Jugossawien Alexander«ach seiner Landung an den Gestaden de» befreundeten Frankreich durch einig, Schöffe eines rohen Mörders getötet wurde. In dem Augenblick, in welchem das französische Bokk mit Begeisterung den edlen und heldenhaften Herrscher begrüßte, der gekommen war,»m zu einer Heitere« Annäherung der Völler und Staate« zwecks Befestigung dr» Friedens beiz«trag«y, rrh»b sich erp« verbrecherische Ha«d, um das dcm'Dirnste sür das Boll und der Arbeit für da» Wohl und dir Entfaltung des Staates geweihte Lebe» zu vernichten. Die Regierung der Tschechoslowakischen Republik «nd mit ihr das gesamte voll betrauern tief und schmerzlich mit der Familie Seiner Majestät«nd"mit dem ganzen jugoslawischen Bolle de« Verlust, welchen sie durch dir Ermordung Seiner Majestät erlitten haben. Tas tschechoslowakische Volk wird die tiefe und opferwillige Freundschaft de» edlen Herrschers de» Brudervolkes niemals vergeffen. Unsere beide« Staate« werden sei« ruhmvolles Andenken als Be> wei»«nd BermächMi» der treuen«nd ewigen Bruderschaft bewahren und werde« sei« Werk der Einigung und deS Friedens einträchtig fortsetze«. Dem schwere» Schicksalsschlage, welchen davereinigte jugoslawische Königreich getroffen hat, hat sich ei« weitere» über alle Maßen trauriges Ereignis zugesellt, nämlich der Tod des Dlinister» für auswärtige Angelegenheiten der französischen Republik, LoniS Bartha«, welcher dm bei dem Attentate gegen den jugoslawischen König erlittmm Berlitz»«- gen erlegm ist. In ernster Zeit wurde dem internationalen Lebe» durch ein verbrrchm ei» Staatsmann ml- riffen, welcher unermüdlich und erfolgreich für die Sicherung des europäischen Friedm» arbeitete. Seine ausgezeichneten Fähigkeiten trat« insbesondere bei keine» Reism nach dm brfrmndetm Staat« hervor- Währmd seines Aufmthalte» in Prag in dm Tag« des 26. bi» 28. April d. I. überzeugt« wir uns von seiner tiefen«ad herzlich« Freundschaft gegenüber meserrm Bolle, an die wir nie vergess« «erd«. Die Regierung der Tschechoflowakischen Republik trauert um dies« Verlust in gleiche« Schmerze wir! die französisch« Schwesterrepublik«nd wird bei dem gemeinsamen Streben nach Ruhe und Fried« in' Ei,ropa mit dergleichen und dankbaren Anerkennung TvnröK Werkt- Mnnken. vße Iraner aus Anlaß de» Todes König Alexander» wurde für die Mitglieder der Regierung und die staatlichen Funktionäre für d r e i T a g e, beginnend am 10. d. M., und für den Tag des Begräbnisses festgesetzt, für- die Truppen.bis 10. November!. I Am Tage des Begräbnisses veranstaltet da- Militär in Prag und in den sonstigen Garnisonsorten Trauerkundgebungen. An den Staatstheatern werden bis einschließlich Freitag, den 12. d. M.. keine Vorstellung« stattfinden. Ueber den Widerruf aller Theatervorstellungen, Konzerte. Kinos, Unterhaltungen ustv. am Tage der Begräbnisses wird entschied« werden, bis die Einzelheit« des Begräbnisses bekannt fein werden. Es wurde angeordnet, daß an allen staatlichen j Gebäuden im ganzen Staate bis einschließlich des 1 Tages deS Begräbnisses. 21 Uhr, die Flagg« auf j Halbmast gesetzt oder Trauerfahnen gehißt werden t und die Erwartung ausgesprochen, daß sämtliche i öffentlich-rechtlichen und autonomen Verbände an» ihr« Gebäuden die Staatsflagge auf Halbmast 1 setzen oder Trauerfahnen flaggen. Am Tage des Begräbnisses werden an allen I Schulen Kundgebungen stattfinden und der Unter-» richt wird sodann geschloffen werden. Ebenso wer-» den am Tage des Begräbnisses des Ministers Bar-» thou die Schüler über die Bedeutung und die Ar- i beiten BarthouS, vor allem zur Befestigung des Frie-» denS, belehrt werd«. 1 Auf der jugoslawischen Gesandtschaft in Prag» kondolierten Mittwoch vormittags u. a. die gesamte« Regierung mit dem Ministerpräsident« an der» Spitz« sowie die Vorsitzenden des Abgeordnetenhau-L s«S und des Senats. In Vertretung des Präsiden-» ren Masaryk erschien Kanzler Dr. Samal und Gene-» räl Blaha. Der Präsident der Republik hat an die jugo-I slawische Königin und an den jugossawischen Mini-I sterpräsidenten Uzunovic Beileidstelegramme gerich-ß tet. Auch die Regierung und Außenminister Dr.» Benes haben an die kompetent« jugoslawischen! Stellen Beileidstelegramme gesendet. Auch die anderen«ropäischen Staatsoberhäupter bzw. Regierungen haben in offiziellen Kundgebungen ihrer TrauerAusdruck gegeben. Die jugo-I slawische Regierung hat«ine Nafionaltrauer in der! Dauer eines halben Jahre» festgesetzt. Eine kürzere! Hoftrauer wurde arst englischen Hof, in Bulgarien! usw. angeordnet.- Dr. BeneS über Barthfx Außenminister Dr. Benes sandte! dem französischen Ministerpräsidenten! Doumergue folgendes Beileidstelegramm:! „Das abscheuliche Attentat, dessen Opfer auch! der französische Minister des Aeußern geworden! ist. hat mich tief ergriffen. Alle, die sich nach dem!. Frieden sehnen, haben ihre Hoffnungen mit den« Bestreben Louis Barthous zur Befriedung Euro-t Pas verbunden. Seine Ergebenheit an die Idee des Friedens garantiert ihm einen Ehrenplatz in dem Geschichte. Ich verliere in ihm einen persönlichen Freund, mit dem ich immer in absoluter Har-1 monie zusarnmengearbeitet hab«. Aus der Tiefet meines Herzens schließe ich mich der großen Trauer an, die die französische Nation betroffen, bat, und bitte Sie, die Versicherung meines Bei-, leids und meiner Sympathie entgegenzunehmen.» Eine bange Nacht In Belgrad Die Nachricht von der Ermordung des Königs traf in Belgrad in den Abendstunden des Dienstag ein, wurde aber nicht gleich veröffentlicht., Trotzdem sickerten— auf dem Wege über die aus-^ ländischen Rundfunkmeldungen— Gerüchte durch und'pekbieu^ken'sich tvie ein Laufsester durch die Stadt. Gleichzeitig wurden die Telephon- und Telegraphenleitungen mit dem Auslande und mit; der Provinz unterbrochen. Da niemand Genaues über den Anschlag wußte, herrschte in der Bevül-j kerung drückende Unsicherheit. Alle Kinos unterbrachen ihre Vorstellungen und alle Gaststätten wurden geschloffen. Die Straß« wurden sofort durch die gesamte Gendarmerie besetzt und die öffentlichen Gebäude durch Gendarmerie gesichert. Die Königin-Witwe In Marseille Die Königin-Witwe Marie traf MittwmR um 5 Uhr früh mittels Sonderzuges in Mara 18 BRUNO ADLER: IfAMPF um POLNA llvt== EIN TATSACHINROMAN Er hat daher an seine Mutter geschrieben und sie um einen Gulden gebeten zur Aufbesserung der Verpflegung. Seit der Auffindung der Leiche sind noch leine drei Wochen vergangen. In Polna herrscht Hochbetrieb. Aus verschiedenen Orten der böhmisch- mährischen Landbezirke meldet man ab und zu Exzesse gegen die jüdische Bevölkerung. In Eipel. einem kleinen Weberort, werden die Arbeiter unruhig und bedrohen die jüdischen Fabrikanten. Die Spczialberichte des„Deutschen Volksblatts", von der Provinzpreffe aller Sprachen unbedenklich übernommen, dringen durch das ganze Reich. Kn Wien lächelt man über die Hinterwäldler und beneidet das„Bolksblatt" um das gute Geschäft; in Prag schüttelt man, peinlich berührt; den Kopf; aber für die ganze riesige Monarchie ist Plssna das Losungswort in einem sonderbaren Kampf, in welchem jeder einen andern Gewinn sucht. Zuständig für die gerichtliche Erledigung des Kapitalverbrechens ist das Kreisgericht Kutten- verg. Dort ist der Adjunkt Baudysch, ein kluger und unvoreingenommener Jurist, mit der Untersuchung betraut. Aufmerksam verfolgt er di« Zeitungsmeldungen und das Anwachsen der Pogromstimmung im Lande. Die Gerüchte über das fehlende Blut, so stellt er fest, finden weder in der Tatbestandsaufnahme noch im Sektionsprotokoll j noch in den gerichtsärztlichen Gutachten irgendein; Stütze. Baudysch glaubt an ein Sexualdelikt, Er will die Untersuchung in diese Richtung lenken«nd zugleich den Blutwahn zerstören. Br. 188/99/87. An das k. k. Bezirksgericht Polna. Im Hinblicke darauf, daß sich in den Tagesblättern fortgesetzt die Anschauung erhält, daß bei der Sezierung der Leiche der Agnes Hruza so wenig Blut in dem sezierten Körper und in der Umgebung des Fundortes gefunden wurde, so daß dieser Umstand... die Meinung erweckt, als ob das Blut vom Täter aufgefangen, weggetragen oder versteckt worden wäre— welche Meinung augenfällig nur zur Beunruhigung der breiten Volksschichten beiträgt— mögen die Sachverständigen Dr. Michalek und Dr. Prokesch....in Fortsetzung des Sezierungsprotokolles befragt werden, ob tatsächlich auffallend wenig Blut gefunden wurde. Die Sachverständigen mögen über diesen Umstand ein gründlich motiviertes Gutachten abgeben. Ferner... möge der Kommandant des Gendarmeriepostens vorgeladen und ihm Nachstehendes zu bedenken gegeben werden: Es ist der Verdacht nicht unbegründet, daß der Mord an Agnes Hruza das Resultat einer sexuellen Perversität eines bisher unbekannten Täters ist. Menschen, die mit der„Sadismus" genannten sexuellen Perversität behaftet sind, fühlen eine geschlechtliche Erregung beim Mißhandeln des Weibes(Stechen), andere wiederum haben dieselbe Empfindung beim Anblicke einer Leiche oder beim Wühlen in den Eingeweide« und ähnliches. Derartige Menschen hegen Abscheu vor dem Weibe und pflegen nie mit demselben geschlechtlichen Umgang. Die Gendarmerie möge, allerdings auf vorsichtige Weise, Nachforschungen pflegen, ob es in Polna oder Umgebung nicht einen Menschen gibt, auf welchen vielleicht ähnliche Kennzeichen paffen. Es ist ost vom Hörensagen unter dem Volke bekannt, daß der oder jener ein Sonderling ist, daß er kein Weib ansieht, und ähnliche der- artige Gerüchte mögen nicht unbeachtet bleiben. Die Mitteilung möge dann von der Gendarmerie direkt hieher erstattet werden. Diese Aufforderung und die Mitteilung des Inhaltes dieser Schrift geschehe gegenüber dem Gendarmeriepostenkommandanten mündlich. K. k. Kreisgericht in Kuttenberg, Abt. XI, am 17. April 1899. Die Gerichtsärzte ergänzen daraufhin ihr Gutachten und behaupten: Die Leiche war fast völlig ausgeblutrt. Aus der Schnittwunde am Hals mußte das Blut in einem mächtigen Strome ausgefloflen sein, in der Luft gerinnen und, da es nicht verdunsten oder aufgesogen werden konnte, einen großen Blutkuchen bilden. Durch den mäßigen Regen, welchem der Leichnam zwei Tage lang ausgesetzt war, kann der Blutkuchen nicht gänzlich verloren gegangen sein. Da der Mord wahrscheinlich in der Vertiefung nahe dem Weg geschah, hätte sich das austretende Blut in der Grube sammeln müssen. Die vorgefundenen Blutspuren entsprechen jedoch durchaus nicht der bei solcher Todesart zu erwartenden Menge, zumal die Kleidungsstücke und der Erdboden nur wenig benetzt waren. Dem Bezirksrichter Reichenbach bleibt es erspart, die Widersprüche zwischen diesen und den früheren Feststellungen der Sachverständigen miteinander zu versöhnen. Ganz plötzlich tritt er einen längeren Urlaub an. Befriedigt nimmt Polnq zur Kenntnis, daß ihm die höchste Justizbehörde das Vertrauen entzogen hat, und stolz bucht das „Deutsche Bolksblatt" den Erfolg: Schneiders Eingreifen beim Minister hat geholfen. So muß es jedem Judenknecht ergehen, der versucht, Kare Tatbestände zu verdunkeln. Im Laufe dieser Woche nimmt die polizeiliche Untersuchung eine andere Richtung. Auf das Polizeikommissariat der Prager Vorstadt Lieben kommt eines Nachts ein Mann gerannt, tobend und in Todesangst: der Mörder von Polna fei hinter ihm her. Im Wahn, verfolgt zu werden, ist der Mann aus dem Fenster deS Häuschens, in dem er wohnt, aufs Dach gestiegen und heruiftergesprungen. Man nimmt ihn in Hast und stellt fest, daß er, ein Kürschner namens Janda, sich drei Wochen lang in dek Polnaer Gegend aufgehalten hat und kurz nach Ostern nach Prag zurückgekommen ist. Hier sprach er von nichts als von dem Mord im Bresinawalde;. täglich sei er zur Fundstätte spazieren gegangen, er habe die Leiche gesehen, ja er wisse auch, wer es gewesen sei, der dem Mädchen den Hals durchschnitten hat. Keine Nacht kann er schlafen, seine» Freund quält er, er möge ihn erschießen, eifrig verfolgt er in den Zeitungen alle neuen Nach-s richten aus Polna. Man interniert ihn als irrsjnnsverdächtig. Seine Kleider werden untersucht. Auf einer Hose und einem Ueberzieher finden sich viele Blut« flecke, auf einem gewaschenen Hemd eine Mengt kleiner Blutspriher. Der Polizeikommissär Oli? verhört ihn. Janda gibt eine genaue Darstellung der Tat.„Um sechs Uhr ist es passiert," sagt«r ungefragt und fügt gleich hinzu:„Ich war aber schon um fünf auf dem Ringplatz."— Die Blutflecke auf den Kleidern?— Das sei kein Blut! Wenn es aber doch Blut sei, so habe ihn der Verbrecher damit bespritzt, um den Verdacht auf ih» zu lenken. Uebrigens wisse er wohl, daß er verrückt sei, aber er sei eben verrückt geworden, well man ihn beschuldige, den Mord begangen z» haben.— Wer ihn denn beschuldigt habe?— Das kann er nicht sagen; aber er hat mit der Sachs gewiß nichts zu tun, sondern ein Verwandter vöfi ihm, den er auch mit Namen nennt, der hat es getan. Fertig gebracht hätte er es freilich, fift seine enormen Körperkräfte sei es ein Kinderspiele das Mädchen irgendwo im Walde umzubringeii und dann an die Fundstätte zu schleppen I— Wi4 er darauf komme, daß sie nicht dort, wo man fw fand, getötet worden sei?— So denke er sich dal halt. Ueberhaupt könne er sich das alles ganz genau vorstellen; einmal habe er den Roman„Dis Bestie im Menschen" von Zola gelesen, da sei ei» Mensch geschildert, der von der Leidenschaft, eineis nackten Frauenkörper zu sehen, ganz toll und besessen wurde, und auch das könne er sich gut vorstellen...(Fortsetzung folgt.) Nr. 238 T Donnerstag, 11. Oktober 1934 Sette 3 feflfe ein und begab sich sofort zur Präfettur, wo bfe Leiche des Königs aufgebahrt ist. Sie war Während der Fahrt vom Präfekten von Resancon in schonender Weise von der Ermordung ihres .Gatten verständigt worden. Während der Weiterreise fiel sie einige Male in Ohnmacht. In Lons le Saulnier mußte der Zug eine halbe Stunde halten, bis ein herbeigerufener Arzt ihr Beistand gewährte. In Lyon stieg die Gattin des Ministers Herriot zu und begleitete die Königin nach Marseille an die Bahre ihres Gatten. Peter II. Der neue, elfjährige König Jugoslawiens Der elfjährige Kronprinz Peter, der fest kurzem als Zögling der Sandroyd-Schule in Surrey bei London weilte, wurde erst Mittwoch früh von bem tragischen Ableben seines Vaters verständig Seit dem Eintreffen der Todesnachricht stand die Schule unter polizeilicher Bewachung, um eventuelle Anschläge zu verhindern. Der Prinz begab sich sofort nach London zu seiner Großmutter, der Königin-Witwe von Rumänien, die dort zu Besuch weilte. Am Nachmittag fuhren beide in Begleitung des jugoslawischen Gesandten Dr. Djuric nach Paris, wo sie mst der Königin Marie von Jugoslawien zusammentreffen werden... LVoriä-Bahnbof, von dem aus die Abreise erfolgte, hatte die'Polizei außerordentliche Vorsichtsmaßregeln getroffen. Zahlreiche Polizeibeamte in Uniform und Zivil überivachten die Bahnsteige. Vor dem Bahnhof hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Kronprinz Peter hätte in der Sandroyd-Schule noch zwei Jahre als Zögling verbringen sollen. Als der Schuldirektor durch einen telephonische^ Anruf von dem Mord verständigt wurde, nahm de? Prinz gerade an Schulspielen teil. Es wurde beschlossen, ihm die große Aenderung, die in seinem Leben eingetreten ist, erst am Mittwoch vormittag bekanntzugeben. Prinz Peter ging daher völlig ahnungslos zu Bett- NationalbegrSbnif Barthous am Samstag Das Rationalbegräbnis Barthous' wird Samsla- nachmittags stattfinden. Die sterdliche« Ueberreste Barthous' werden ad heute im sogenannten Uhrensaal des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten ausgestellt werden. Samstag vormittags wird der Sarg auf den Platz vor dem Jnvalidendom überführt werden. Die einzige Rede wird vom Ministerpräsident Doumergue gehalten werden. Dann wird der Sarg auf den Friedhof Pöre-Lachaisc überführt werde«. Um die Nachfolge Bis zur endgültigen Lösung der Nachfolgerschaft wird der Vorsitzende der Regierung Doumergue das Ressort des Außenministeriums verwalten. Aus Pietät zu dem Verstorbenen wird vor dessen nationalen Begräbnis, das am Samstag erfolgt, keine Entscheidung über seine Nachfolge getroffen werden. Man nimmt jedoch an, daß der definitive Nachfolger Barthous entweder Ministerpräsident Doumergue oder Staatsminister Herriot werden könnten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Wahl» des Nachfolgers Barthous eine weitere Aenderung in der f r a n z ö s i s ch e n R e g i e r u n g zur Folge haben wird. Barthous letzte Augenblicke Im Laufe der Nacht wurde auch. die. Leiche des Außenministers Barthou nach der Präfektur gebracht, wo sie an der Sette König Alexanders auf einem Katafalk aufgebahrt wurde. Außenminister Barthou war vor einigen Jahren Witwer geworden, und sein Haushalt wurde von seiner Schwiegertochter geführt. Ueber die letzten Augenblicke des französischen Außenministers Barthou wird noch bekannt, daß er sich gleich nach der Einlieferung in das Krankenhaus erkundigte, wie es dem König von Jugoflawien ergangen ist. Man verheimlichte ihm natürlich den wahren Stand und Barthou gab seiner großen Freude Ausdruck, daß dem König nichts geschehen sei. Barthou ist offenbar unter großen Schmerzen gestorben. Seine letzten Worte waren:»Ich leide Schmerzen, ich dürste." Ausländerhetze als Folge des Attentats Der Deputierte Ta i t t i n g e r teilte mit, daß er die Regierung darüber dringend interpellieren werde, welche Sanktionen sie gegenüber denjenigen zu ergreifen gedenke, welche auch nur die moralische Verantwortung für die Marseiller Anschläge tragen. Auch andere Pariser Blätter dringen auf durchgreifende Reformen der Staatspolizei und insbesonders auf eine strenge Kontrolle aller Ausländer und auf die sofortige Ausweisung aller unerwünschten Individuen in Frankreich. Der Präfekt von Marseille erklärte Mittwoch früh dem Berichterstatter des Reuterbureaus, daß ganz außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen, für die es kein Beispiel gäbe, getroffen worden wären, um das Leben des Königs zu sichern. Woher kam der Mörder? Die folgende Information ist uns zugekommen als noch die Meinung vorherrschte, Kclemann sei Kroate. Sie behalten aber ihre Bedeutung auch unter der Voraussetzung, daß es sich um einen Terroristen anderer Richtung handelt. Die einzige genaue Angabe,, die bisher über den, Mörder von König Alexander und von Barthou gemacht werden konnte, ist die, daß es sich um einen kroatischenTerroristen handele. Bei dieser Feststellung darf man aber nicht stehen bleiben. Es ist nötig, sich zu erinnern, welche Rollen diese kroatischen Terroristen gespielt haben, und, wie man sieht, noch spielen. Es wäre auch verfehlt, aus der Tatsache, daß der Täter ein Jugoslawe ist, zu folgern, daß die Mottve der Tat allein auf dem Gebiete der jugoslawischen Innenpolitik zu suchen sind. Wie steht es um die kroatischen Terroristen? Man hat in diesem Jahre schon sehr viel von ihnen gehört! Schon einmal hatten sie ein Attentat auf König Alexander versucht! Am 16. Dezember 1833 hatten die Terroristen O r e b und Genossen im Auftrage der kroatischen Terroristenorganisation U st a s e ein Attentat auf König Alexander vorbereitet, bei dem ein Polizist getötet und einer verwundet wurde. Sie veranstalten militärische Uebungen an der jugoftawischen Grenze und halten untereinander enge Verbindung. Ihre Führer sind die Kroaten P a v e l i c und P e r c e c, die auch Pässe und Waffen für die Terroristen besorgen. Die Seele der Bewegung ist der Kroatenführer ^0 8 r a n k, der auch die Organisation „Mlade Jugoslawe" gegründet hat. Dort werden die einzelnen Terroristen mit falschen Dokumenten ausgerüstet. So besaß der Terrorist Wilhelm ® k r^nchten ungarischen Patz auf den falschen Namen Wilkin Guttmann, der Terrorist Podgorolec hatte ebenfalls eine falsche Reiselegitimation. Eine zeitlang hatten Pavelic und Percic ihren Sitz in Wien, von wo aus sie die Tätigkeit ihrer Organisatton in Ungarn, Italien usw. dirigierten. Ihr Protektor war dort General Sarkotic, der immer noch in der Vorstellung lebt, daß Kroatien eines Tages wieder den Habsburgern zufallen müsse. Er ist im übrigen M i t-. glied der Vaterländischen Front und Mitarbeiter der „R e i ch s p o st", die bekanntlich in der letzten Zeit noch heftige Angriffe gegen Jugoslawien richtete. Nach der Machtübernahme durch die Na- tionalsozialisten verlegten Pavelic und Percic ihr Feld mehr nach Berlin, wo sie zum Außenpolitischen Amt der NSDAP und seinem Letter Rosenberg in Verbindung traten. Hier zeigt man all diesen Terroristen-Organisattonen -— in Fortsetzung der im Kriege angewandten Ttttik(Iren, Flamen, Inder)— ein großes Interesse, mögen es ukrainische Terroristen sein oder russische Weißgardisten. Berlin weiß sic alle in seine politische Berechnung einzubeziehen. Das ist doppelt wertvoll, weil es gleichzeitig der eigenen Tarnung dient. Der falsche ungarische Namen des Attentäters, der falsche Paß, alles deutet auf die bekannten Methoden dieser Terroristen. Dabei erhebt sich die Frage, ob es in erster Linie auf König Alexander oder auf Barthou abgesehen war. Gali etwa Barthou her Anschlag in erster Linie? Und verband sein Mörder damit gleichzeitig a u ß e r- d e m noch die Tat, die-in seiner eigenen politischen Linie als kroattscher Terrorist lag? Noch kann man es nicht sagen. Aber die Welt kann über diesen ungeheuerlichen Anschlag nicht so ohne weiteres hinweggehen. Das Dunkel muß durchleuchtet werden. Noch immer blutiger Kampf Klerikale Im Bunde mit Fasdsten gegen die revolutionäre Arbeiterschaft in Spanien Madrid.(Tsch. P.-B.) I« Madrid wurden am Dienstag abends einige Aufständische festgenomme«, die aus dem Hinterhalt auf Polizeipatrouillen feuerten. Im Laufe des Dienstag wurdem insgesamt 270 Verhaftungen in Madrid vorgenommen und zahlreiche Waffenlager beschlagnahmt. In Cordoba und Bilbao kam es zu kleinerem Feuergefech- t e n zwischen Aufständischen und Polizisten, wobei die Polizeistreifen vondenDä- cher» aus beschossen wurdem. Das Ergebnis sind mehrere Tote und Verwundete. In San Sebastian find zwar die Geschäfte wieder geöffnet und die Straßenbahnen haben ihren Betrieb wieder ausgenommen, doch fand in einem Arbeiterviertel noch ein heftiges Feuergefecht mit aufständischen Streikenden statt, das sechs Todesopfer forderte. In Alicante verhaftete man den dortigen sozialistischen Bürgermeister, in Valencia desgleichen einige sozialistische Stadträte. Mittwoch wurde das erste Urtell vor dem Kriegsgericht gefällt. Der Aufständische Garcia Martin wurde wegen bewaffnete« Angriffes auf die Bollzugsgewalt zu zwölf Jahre« schweren Kerkers verurteilt. Wie aus Barcelona gemeldet wird, wurde der verhaftete A z a ü a an Bord des Kreuzers „Uruguay" gebracht. Die Madrider Regierung ordnete die sofortige Ueberführung des verhafteten Azaüa nach Madrid an, wo er vor Gericht gestellt werden wird. Während die sozialistischen Arbettersyndikate versuchen, den Generalstr e i k mit allen Mitteln weiterzuf ü h r e n, hat fich hier rin Ausschuß a n t i Marxist i s ch e r Arbeiterverbände gebildet, dem vor allem die Arbeiterorganisationen der katholischen Bolksaktion und die erst in letzter Zeit ins Leven gerufenen Arbeiterverbände der Fasei st en gehöre«. Indiiien gegen Fey! Bor einigen Tagen ist in Oesterreich eine kleine Schrift unter dem Titel„Beiträge zur Vorgeschichte und Geschichte der Julirevolte" erschienen. Die dort veröffentlichten Mitteilungen stützen sich auf amtliche Quellen; die Verantwortung für den Inhalt der Broschüre hat Herr Schuschnigg dem Bundeskommissariat für Heimatdienst übertragen, in dessen Verlag sie erschien. Die Welt hat von dem mit großen Eifer angekündigten„B r a u n b u ch" der österreichischen Regierung erwartet, daß es die nationalsozialistischen Machenschaften enthüllen werde. Mer die österreichische Regierung hat sich auf die Wiedergabe einiger Beiträge zur Geschichte der Julirevolte beschränkt, soweit diese Beiträge die Regierung oder einzelne Regierungsmitglieder nicht selbst belasten. Aber gerade das, was verschwiegen wird, ist das bedeutende an dieser Broschüre. Es ist so viel, daß es sich zwischen die Zeilen drängt und immer wieder deutlich erkennbar wird. Was über die Vorgeschichte der Julirevolt« gesagt wird, ist eine einzige Anklage gegen die Negierung Dollfuß. Sie, He die sozialdemokratischen Arbeiter...niederkartätschte, weil sie für das Recht und die Verfassung kämpften, hat noch nach der Kette von nationalsozialistischen Attentaten immer wieder erkennen lassen, wie gerne sie sich mit den Nazi-Banditen versöhnen möchte. Sie gab diese Bereitschaft bis zum Ueberdruß der Hitlerregierung kund, deren Verlogenheit und Doppelzüngigkeit sie in der eindringlichsten Weise belegt. Eine solche Haltung mußte die Nationalsozialisten ermuntern. Di: VersohnungSbereitschaft des Dollfuß ist so wett gegangen, daß er sich von Hitler eine Zusammenkunft mit dem von der österreichischen Regierung gemaßregelten Landesleiter Habicht aufschwatzen ließ. Dollfuß hat sich vor den Leuten, die zu bekämpfen er vorgab, ununterbrochen gedemütigt; er hat mit ihnen verhandelt und gepackelt, um sich im Kampfe gegen die Sozialdemokraten den Rük- ken freizuhalten. Die Schuld für das Großzüchten des hakenkrenzlrrischen Banditentums fällt in vollem Maße auf Dollfuß. ES scheinen allerdings andere Mttgsieder des österreichischen Kabinetts mit den Nationalsozialisten noch gewisse Sondcrgeschäfte gemacht zu haben. Das geht aus der Darstellung der Juli-Ereignisse schlüssig hervor. Da. erfährt man, oaß die Polizei schon von einem für den 24. Juli geplanten Putsch gewußt hat. Es wird gewissenhaft verryerkt, daß ein Polizeikommissär diese Meldung in die Akten eingetragen, hat. Der Putsch hat nach dem vorliegenden„Braunbuch" nicht stattgefündcn, weil der angesagte Ministerrat an diesem Tage nicht stattgefunden hat, also die Aussicht, die ganze Regierung gefangenzusehen, nicht zu verwirklichen war. »Die Zahl der Personen, die von der Absage wissen konnten, ist so groß, daß weitere Erhebungen in dieser Richtung keine Aussicht auf Erfolg bieten"— wird behauptet. Wie wenig stichhaltig eine solche Darstellung ist, liegt auf der Hand. Wenn aber die Polizei schon am 24. Juli von einem Putfchplan gewußt hat, so hätte sie natürlich müssen für den 25. Juli alles vorgekehrt haben. Aber die Anzeige gelangte nicht einmal der Regierung zur Kenntnis. Die Anzeige über die Putschvorbereitungen für den. 25., Juli, die merkwürdigerweise noch einmal nötig geworden war, gelangte auf den tollsten Umwegen zur Kenntnis erst einzelner Regierungsmitglieder und dann her gesamten Regierung.■ Es geht aus den Angaben des„Braunbuchs" hervor, daß der Fey schon um 10.30 Uhr offiziell von dem Komplott erfahken hat. Er wurde dann noch einmal von seinem Adjutanten, dem Gcndarmeriemajor W r a b e l,„unterrichtet". Dieser Wrabel spielt überhaupt eine merkwürdige Rolle; aber er ist heute noch der ■ Vertrauensmann Feys. Jnteressanterweifc hat der frühere Polizei-Revierinspettor Döbler, der dem Wrabel und über diesen dem Fey den geplanten Putsch„verriet"-— von dem sie ja ohnehin schon wußten—, am 29. Juli— „unter nicht ganz geklärten Umständen", wie das„Brannbuch" bemerkt'— Selbstmord verübt hat. Diesxr wichtige Zeuge kann znr Freude des Fey nicht mehr reden. Als Fey und die ganze Polizeidirektion vott dem geplanten Anschlag schon wußten, ja, als schon festgestellt war, daß in der Turnhalle in der Siebensterngasse etwas vorgeht, begnügte man sich mit der Entsendung— zweier Beobachter. Das war noch um 11.45 Uhr! Erst um 12 Uhr gab der Fey die erhaltenen Meldungen an Dollfuß weiter. Da bestand schon die Gewißheit, daß die Aktion in vollem Gange ist. Um 12.10 Uhr berichtete der Fey dem Dollfuß, daß der Wrabel einen Kriminalbeamten in hie Siebensterngasse enffendet habe. Dann wird bemerkt:„Staatssekretär Zehner erhielt nun vom Bundeskanzler den Auftrag, sich sofort in das Landesvcrteidi- gungsministerium zu begeben und das Bundesheer bereitzustellen." Es geht in der Zeit des Telephons manchmal recht gemütlich zu, insbesondere dann, wenn gewisse Putsche bevorstehen l Dieser Wrabel hat die Polizeidirektion überhaupt erst auf dem'Umweg über"den Feh'unterrichtet Trotzdem berichtet das Braunbuch, daß er über einen Kriminalbeamten verfügt hat. Es war jener, der auszukundschaften hatte, ob die Aktion in Ordnung gehe. Noch um 12.40 Uhr begnügte man sich, den Polizeirat Penn mit Kriminalbeamten in die Siebensterngasse zu- entsenden und einen Teil der Bereitschaft irr der Marokkanerkaserne zur Verstärkung des Wachzimmers in der Hofburg zu entsenden. Wenn es auch richtig ist, daß in der Polizeidirektion Nazis saßen: rS wurde von den maßgebenden Leuten in der Regierung, insbesondere aber von Fey nicht einmal veranlaßt, daß die Polizei bereitgestellt wird! So konnte und muhte der Ueberfall gelingen. Die Vorgänge in Wien erscheinen auch bei der Gegenüberstellung der polizeilichen Maßnahmen und Vorbereitungen in der Provinz in einem eigentümlichen Licht, In dem weit entfernten Kärnten war z. B. die Polizei über alle Ein- zelhetten des geplanten Putsches unterrichtet und hat die Abwehraktion, die in Wien erst nach dem Gelingen des Ueberfalls nach dem Geständnis des Braunbuchs„allmählich" in Fluß kam, sofort begonnen. Begreiflich! In Kärnten war nicht Fey der Mittelsmann. Die ganze vorliegende Veröffentlichung trägt den Stempel der Unwahrhaftigkeit. Sie verschweigt die entscheidenden Teile der Putsch-Vorgeschichte, insbesondere aber die wiederholten Versuche des Dollfuß, die österreichische „Unabhängigkeit" unter gewissen Bedingungen an die Nazis zu verschachern. Sie verschweigt aber insbesondere, welche Rolle Fey in den Tagen gespielt hat, die dem Putsch unmittelbar vorausgingen. Sie stellt auch die Rolle des Fey während des Putsches im dunkelsten Lichte dar. Man erfährt, daß es dem Fey gelungen sei, in einem unbewachten Augenblick den Rebellen durch eine Tür zu entwischen. Eine so wertvolle Geisel hätten die Nazis in der verzweifelten Situation, in der sie sich nach 5 Uhr nachmittags befanden, Wohl keinen Augenblick aus den Augen gelassen, geschweige denn, daß sie sie hätten entwischen lassen. Für dieses„Entweichen" gibt es einen anderen Grund: die Ueberlegung der eingeschlossenen Nazis, daß dieser wertvolle Bundesgenosse in-der seiner Eigenschaft als Mitglied der Regierung znr LebenSrtttung der Eingeschlossenen einiges brittagen könnte. Er hatte es ihnen versprochen; er hat seine Zusage dann verraten. Die österreichische Regierung, die durch die vorliegende Veröffentlichung alle Schuld für die blutigen Ereignisse im Juli auf die Nazis wälzen möchte, ist selbst mit der Blutschuld für die Feber- iage belaste' Seite 4 Donnerstag, 11. Oktober 1934 Nr. 238 Militärverschwörung in Portugal Paris. Die Blätter melden aus Lissabon, daß die Polizei einer Militärverschwörung auf die Spur gekommen sei, durch die die portugiesische Regierung gestürzt werden sollte. Als Haupt- rädelsführer tvird ein dem Präsidenten der Republik eng befreundeter General genannt. Ministerpräsident Salazar hat sofort den Kriegs- und Marineminister zu einer Besprechung gebeten und der Polizeileitung sowie den Kriegshäfen und Flotteneinheiten und sämtlichen Garnisonen Anweisung gegeben, für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Mehrere Offiziere aus Lissabon, Oporto und anderen Städten sollen ihre Garnisonen gewechselt haben. MehrereBer- haftungen sind vorgenommen worden. Neue Zuspitzung im Fernen Osten Moskau. Amtlich wird jetzt derrussisch- japanische Notenwechsel über die Lage an der chinesischen Oftbahn veröffentlicht. In der japanischen Rote vom 4. September wird darauf hingewiesen, daß die Verhaftungen der sowjetrussischen Staatsangehörigen auf Grund der mandschurischen* Gesetze erfolgt seien und daß die japanische Regierung der souveränen mandschurischen Regierung keine Anweisungen erteilen könne. Weiter wird der Vorwurf einer japanischen Pressekampagne gegen Rußland als nicht den Tatsachen entsprechend zu- rijckgewiesen und schließlich werden unter Bezugnahme auf die zahlreichen Eisenbahnüberfälle der letzten Zeit die Verhaftungen sowjetrussischer Staatsangehöriger als gerechtfertigt bezeichnet en der russischen Antwortnote vom 5. Oktober stellt die Sowjetregierung einleitend fest, daß unter dem Bandenwesen am meisten die Sowjetangehörigen zu leiden haben. Die rußlandfeindliche Haltung Japans werde durch die Erklärung des japanischen Kriegsministerimns bewiesen. Die- Sowjetregierung legt abschließend Japan die völlige Verantwortung für die neue politische Lage an der chinesischen Ostbahn auf, das alle Verletzungen der sowjetruffischen Rechte sanktioniert habe. Die sotojetruffische Note schließt mit der Feststellung, daß die japanische Regierung durch die Verhaftung der sowjetruffischen Bürger das internationale Recht verletzt habe. BOhmifdie Landesnertretuno Prag. Die Mittwochsitzung der böhmischen Landcsvertretung wurde vom Landespräsidenten mit einem stehend angehörten N a ch r u f für König Alexander und Außenminister B a r« t h o u eingeleitet. Die Landesvertretung unterbrach dann zum Zeichen der Trauer die Sitzung. Nach der Wiederaufnahme der Beratungen begann die Budget-Generaldebatte, in welcher für den deutschen sozialdemokratischen Klub Genosse Dr. Strauß sprach. Seine Rede war vor allem den politischen Fragen gewidmet, während die Stellung des Klubs zu den brennenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen im Bereiche der LandeSverwal- tung durch einen zweiten Redner in der Generaldebatte vertreten werden wird. Den Ausführungen des Genoffen Strauß entnehmen wir: Der Rückgang der Landeseinnahmen hat zu einer Einschränkung der Ausgaben geführt, während infolge der Krise die Aufgaben der Selbstverwaltung ge st legen find. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, dir im deutschen Gebiet besonders ftark ist, ist eine Angelegenheit beider Nationen. Die Selbswerwaltung hätte dabei viel mehr leisten können, wenn man im Jähre 1927 ihre Einnahms- qnellen nicht verstopft hätte. Wenn wir uns heute nicht aktiv an der Verwaltung des Landes wie der Regierung beteiligten, hätten dies die arbeitenden Schichten des deutschen Bolles schwer zu büßen. Aus diesem Gefühl der Verantwortung heraus stimmen wir für das Budget. Die deutschen Sozialdemokraten sind in diesem Land mit die Träger der regierenden Demokratie und sie werden sie in guten und bösen Tagen schützen. Der Bestand des Staates kann nur gesichert werden, wenn er sich auf die schaffenden Stände stützt, das find in erster Linie die Arbeiter und Bauern, und auf alle Nationen, das find vor allem Tschechoslowake««nd Deutsche. Es ist die große Aufgabe der sudetendeutschen Poli- tller, dem gesamten deutschen Bolle in der Republik beizubringen, daß seine Jntereffen am besten innerhalb her demokratischen Verfassung gewahrt sind. Die deuts chbürgerlich en Politiker haben dies nicht begriffen und in einem wichtigen Augenblick versagt. Dieser Borwurf trifft auch den BundderLandwirte, der dem antidemokratischen Führerprinzip bedenkliche Kon- zeffionen gemacht hat. Die deutsche Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die der Demokratie treu geblieben ist und sie wird trotz der heftigsten Angriffe hei dieser Politik verbleiben. Bon der tschechoslowakischen Demokratie verlangen wir. daß sie unsere Bestrebungen anerkenne und den schaffenden Schichten des deutschen Volles Gerechtigkeit Widerfahren laste. Die Demokratie hat in diesen schweren Jahren der Krise den Arbestern nicht alles gegeben, worauf diese Anspruch haben. Wir verlangen daher, daß dje Demokratie sich der arbeitenden Klaffen annehme, um io mehr, je schwerer die Zeiten werden. In der weiteren Debatte befaßte sich Genoffe Machäkek(tsch. Soz.-Dem.) eingehend mit dem Gesetzentwurf über die Selbstverwaltungs- finanzen, welchen er aus mehrfachen Gründen ablehnte. Er beantragte die sofortige Einberufung der Rechtskommission des Landes, welche sich mit der Reform der Finanzen und der Organisation der Selbstverwaltung, zu beschäftigen hätte und ferner die Abhaltung einer besonderen Tagung derLandesver- tretung zu demselben Zwecke. Um den Kurs der Volkspartei Es soll weiter verhandelt werden Im Vollzugsausschuß der tschechoslowakischen Vollspartei wurden in den beiden letzten Tagen die Differenzen zwischen Srämek und Stasek betreffend daS Verhältnis zur slowakischen Bolkspartei Hlinkas ausgetragen. Bezüglich des Ergebnisses ist man vorläufig auf ein offizielles Kommuniques angewiesen, wornach Srämek neuerdings zum Vorsitzenden der Partei und Stasek, sowie Dr. Hruban und Miöura zu Stellvertretern gewählt wurden. Weiter heißt es darin: „Der Vollzugsausschuß nahm einmütig den Bericht über die bisherigen Verhandlungen seiner Vertreter mit den Vertretern der slowakischen Bollspartei Hlinkas zur Kenntnis und beschloß einmütig, weiter für die politische Vereinheitlichung aller Parteien des tschechoslowakischen Staatsvolles mit christlichem Programm zu arbeiten, und trug dem Präsidium auf, iu diesen durch die P a r l a m e n t s f e r i e n unterbrochenen Verhandlungen unter den früheren Voraussetzungen fortzufahren.“ Ein Sieg Staseks, der den Zusammenschluß mit Hlinka forcierte, scheint es also n i ch t zu sein, zumal die Verhandlungen Hlinkas mit der Volkspartei, die im Anschluß an die Beratungen in Leitomischl während der Parlamentsfericn stattgefunden haben, durch Vie besondere Stilisierung Wohl mit Absicht ganz ignoriert werden. Was sagen übrigens die Mannen des Herrn Mayr-Harting dazu, daß man ihnen durch den ausdrücklichen Hinlveis, daß bei einem eventuellen Zusammenschluß nur das Staatsvolk in Betracht komme, wieder einmal so unhöflich den Stuhl vor die Tür setzt? Schlamperei oder Absicht? Es ist nunmehr ein Jahr verflossen, seit die Hakenkreuzler aufgelöst und die Tätigkeit der deutschnatwnalen Partei in der Tschechoslowakei eingestellt wurden. Auf Grund des Gesetzes 201/33 haben daher die Angehörigen dieser Parteien alle' öffentlichen Funktionen verloren, die sie durch Wahl, Ernennung oder auf andere Weise in den Körperschaften der lokalen oder Jnteressen- Selbstverwaltung, sowie in wie immer gearteten anderen öffentlichen Institutionen erworben haben. Leider steht diese kläre und eindeutige Bestimmung des Gesetzes zum großen Teil nur auf dem Papier. Wohl wurden die Nazi aus den Gemeindevertretungen entfernt, aber weiter hat es der Amtsschimmel noch nicht gebracht. In den Bezirksvertretungen, Bezirksausschüssen, Orts- und Bezirksschulräten, sowie in den Betriebsausschüssen und Spariaffenverwaltungen fitzen die früheren Hakenkreuzler und Deutschnationalen noch heute, als ob das Parteiengesetz gar nicht erlassen worden wäre. Lediglich dort, wo die Nazi selbst ihre Mandate niederlegten, find sie nicht mehr in den Körperschaften vertreten, aber neue Männer sind für sie noch nicht ernannt worden. Die Ursache dieser beinahe unverständlichen Erscheinung liegt darin, daß nach 8 10, Absatz 2 des Parteiengesetzes, über den Verlust der Funktion in den genannten Körperschaften die zuständige oberste staatliche Aufsichtsbehörde entscheidet. Das ist immer ein Ministerium, entweder allein oder im Einvernehmen mit dem Ministerium les Innern. Die unteren Verwaltungsbehörden, vor allem die Bezirksbehörden, haben zumeist ihre Pflicht schon, vor vielen Monaten getan, wber die Zentralbehörden lassen nichts von sich hören. Warum? Man kann doch nicht gut annehmen, daß die obersten Aemter des demokratischen Staates.die fascistischen und staatsfeindlichen Parteien begünstigen wollen, Rei^eSBeraiomien wieder eingenommen Im Subkomiree des sozialpolitischen Ausschusses des Abgeordnetenhauses wurde am Mittwoch in Anwesenheit von Vertretern der politischen Parteien und der Ministerien die Regierungsvorlage über den Regreß verhandelt. Dr. S u ch y gab eine ausführliche Darstellung über den bisherigen Leidensweg der Vorlage und informierte die Mitglieder des Subkomitees Mer die verschiedenen Einwände, die von feiten der Parteien wie einzelner Gruppen gegen die Vorlage erhoben wurden. Er erklärte, daß durch diese Einwendungen die Konstruktion der Vorlage nicht berührt werde, und empfahl daher, an die Spezi a l- d e b a t t e über die einzelnen Paragraphen zu chreften. In diesem Sinne lourden die ersten drei Paragraphen behandell. Da der Paragraph 4 den eigentlichen Kern der Vorlage enthalt, wurde sodann die Sitzung auf nächsten Mittwoch vertagt, um den Mitgliedern die Möglichkeü zum gründlichen Studium der vorgebrachten schriftlich fixierten Einwendungen zu geben. Tagcsnangkdlcn 22 Bergarbeiter getötet! Paris. Zu dem Explosionsunglück in deu Schwefelkiesgruben von St. Pierre La Palude bei Lyon wird gemeldet, daß 22 Bergarbeiter, die durch das ausgebrochene Feuer abgeschnitten worden waren, den Tod fanden. * Unglück im Kattowitzer Revier Kattowitz. Auf der Hildebrand- Grube in Antonienhütte wurden am Mittwoch fünf Bergleute durch plötzlich niederbrechendr Koh- lcnmassen verschüttet. Als die Rettungskolonnen sich zu den Berschütteten durchgearbeitet hatten, war einBergmann bereits t o t, die anderen vier hatten schwere Berletzunge« erlitten. 58 bulgarische Kommunisten zum Tode verurteilt... Rach dem Berichte des bulgarischen Justizministeriums wurden in der letzten Zeit in verschiedenen Prozessen gegen kommunistische Agitatoren und Konspiratoren insgesamt 8 8 Todesurteile ausgesprochen. Mit Ausnahme von sieben Todesurteilen, die in der vergangenen Woche in Plovdiv gefällt wurden, sind alle übri- gen bereits von allen Gerichtsinstanzen bestätigt und vollstreckbar. Einige der Verurteilten richteten an den Zaren Gnadengesuche. In der mazedonischen Stadt Svet Brac und Umgebung wurde ein neues illegales, kommunistisches Agiiations- und Konspirationsratz aufgedcckt. In das Gefängnis von Gorni Dzumaj wurden 26 Personen, die sich aus Arbeitern, Lehrern und Mittelschülern zusammensetzen, eingeliefert. In Haskov in Südbnlgarien wurde eben die Untersuchung gegen eine große Zahl illegaler kommunistischer Agitatoren beendet, von denen 84 in Gewahrsam genommen wurden. Gattenmord bei Neuhaus? In Deutsch-Moliken bei Neuhaus wurde am Dienstag in ihrer Wohnung Frau AnnaSchöberl tot aufgefunden. Der Vorfall wurde von der Gendarmerie untersucht, wobei am Halse der Toten Spuren, die auf Würgen zu deuten scheinen, festgestellt wurden. Die über 70 Jahre alten Eheleute Schöberl l-bten nicht im besten Einvernehmen und Streitereien und Raufereien Ware« an der. Tagesordnung. Auch am Dienstag vernahmen die Nachbarn einen St reit des Ehepaares und ein verzweifeltes S ch r e i e n der Schöberl, doch legten sie dem kein Gewicht bei, da sie die Streittgkesien der alten Eheleute bereits gewohnt waren. JakobSchö« berlleugnet jede Schuld und behauptet, daß seine Gattin gefallen sei imd dadurch ihren Tod verschuldete. Das furchtbare Verbrechen der Violetta Nozier Paris. Mittwoch begann vor dem Pariser Geschworenengericht die Berhcmdlung gegen dje 19jährige Violetta Nozier, deren Fall vor einem Jahre die gesaipje ftanzösische Oeffentlichkeit in Erregung versetzt hatte. Das Mädchen wird an- geklagt, im Laufe des vergangenen Jahres zweimal den Versuch unternommen zu haben, ihre Eltern zu vergiften. Bei dem zweiten Versuch kam ihr Vater, ein Lokomottvführer, ums Leben. Die Mutter genas erst nach langwieriger Krankheft. Wie die Anklage mitteilt, wollte sich Violetta durch die Beseitigung ihrer Eltern in den Besitz von 180.000 Franken setzen. Das junge Mädchen führte ein Doppelleben; im Quartier Latin ging sie als Prostituierte chrem Erwerb nach. Die Angellagte bestreitet, in Mordabsicht gehandelt zu hüben. Wie die Anllage aus- ührt, mengte das Mädchen am Abend dem K a f« ' e e ihrer Eltern Gift bei und begab sich dann zu einer Tanzunterhaltung; nach chrer Rückkehr öffnete sie den G a s h a h n, um auf diese Weise einen Selb st mord ihrer Eltern bot^u s täuschen. Sodann rief sie die Nachbarn herbei. Als die Angelegenheit verdächttg zu werden begann, floh Violetta und wurde nach einigen Tagen in einem Halbwelt-Cafe stellig gemacht. Nach ftanzösischen Gerichtsbrauch schloß sich die Mutter der Anklage mit der Begründung an, daß ie das Andenken ihres verstorbenen Gatten reinwaschen wolle, den Violetta beschuldigt hatte, daß er sie von Fugend an mißbraucht hwbe. Die Mutter will auch den Mitschuldigen ihrer Tochter bekanntgeben. Gwck im Unglüek Panama. Ministerpräsident Ga- lilo S o l i s von Panama, der seft Sonntag nachmittags vermißt würde, ist von einem amerikanischen Heeresflugzeug auf der Insel Rey im Golf von Panama gefunden worden. Das Flugzeug, in dem er gemeinsam mit zwei Deputier- ten nach einem entfernten Gebiet einen Besuch hatte unternehmen wollen, ist auf der Insel an einen Baumgipfel gestoßen und abgestürzt. Ti« Insassen haben, abgesehen von einigen Hautabschürfungen, keine Verletzungen erlitten. ARBEITER JAHRBUCH 1935 SOEBEN ERSCHIENEN I 208 SEITEN TEXT TS SEITEN KUNSTDRUCK Kl IO.- Ueberfall auf streikende Aerzte Mexiko. Wie die„Prensa" aus Colima meldet, Merfiel die Bevölkerung in der Nacht zum Dienstag in den Sprechzimmern einige Aerzte uno Zahnärzte, die seit mehreren Tagen wegen Steuererhöhungen streikten. Die Leute zerstörten sämtliche Einrichtungen und konnten nur mft Mühe von der Polizei in Schach gehalten werden. Die Aerzteschaft protestierte beim Staatspräsidenten auf das schärfste gegen diesen Anschlag, der radikalen Agitatoren zugeschoben wird. Demokrattsche Führer und andere. Der tragische Tod des 72jährigen LouisBarthou, des ebenso klugen wie energischen Vorkämpfers der europäischen Ideale Frankreichs und des Weltfriedens, lenkt das Augenmerk auch auf die Gesamtpersönlichkeit dieses Man- nes und mancher seiner Kollegen. Barthou. Rechtsanwalt wie so viele französische Polftiker seft Jahrzehnten unermüdlich in den verschie- densten Ressorts tätig, ist daneben doch ein bedeutender Kunstfreund und Schriftsteller gewesen. Er hat Bücher auch über Fragen geschrieben, die mft Außenpolftik sehr wenig zu tun haben, z. B. über Musikgeschichte, er ist ein glühender Wagnerianer gewesen. Das ist durchaus kein Einzelfall. Gerade in den klassischen demokratischen Staaten sind die Polftiker immer auch Träger der nationalen Kultur gewesen. Barthous Kollege H e r r i o t ist nicht nur ein ausgezeichneter Kommunalfachmann, sondern wie Barthou ein Musikkenner, und er hat ein Werk über Beethoven geschrieben. Ppiylevö war ein bedeutender Mathematiker. Wäre in Deutsch, land die Demokratte zu der Zeft durchgedrungen, als das deutsche Bürgertum freiheitlich und im Aufstieg war, auch sie hätte mft Männern wie Mommsen, Virchow, Bamberger glänzen können. Doch würde der eine R a t h e- n a u immerhin drei Dutzend völkische Führer aufwiegen, so wie der eine M a s a r y k BesWi- gungtzenug dafür ist, daß die w ah ren Führe r, die g e i st i g e n Menschen in der Demokra. tie zu Bedeutung gelangen. Bon B r i a n d bis B e n e i, von Renner bis Vandervelde, von Kurt EiSner bis Paderewski hat die Demokratie eine bunte Reihe bedeutender Köpfe in allen Ländern aufzuweisen, während daS diktatorische Staatsprinzip mft den Alfred Rosenberg und Josef Goeb- b e l.s aufwartet, von schlimmerem nicht zu reden. Tod zwischen Puffern. Dienstag nachmittag- geriet in der Kunftfettfabrft in U z ht o r o d der 57jährige FabrikarbeiterKramer- meyer zwischen die Puffer zweier Waggons, die in der Fabrik verschoben wurden, und erlag kurze Zeft darauf der erlittenen tödlichen Verletzung. 200 Kücheneinrichtungen verbrannt. In den Fabrftsräumen einer Möbeltischlerei bei Essen, entstand Mittwoch auf ungeklärte Wesse ein Brand, der in den reichen Holzvorräten und den halbfertigen Erzeugnissen reiche Nahrung fand. In zwei Stunden war das große Gebäude mit rund 200 fertigen Kücheneinrichtungen ausgebrannt. Vom Rundfunk Empfehle««» erte» tau de» Programmen» Srettagt Prag, Sender L.: 6.18: Gymnastik, 10.08: Deutsche Nachrichten, 11.30: Schulfunk, 12.10: Optrnmusik auf Schallplatten, 13.88: Arbeitsmarkt, 15.58: Bunte Folge des Ensembles der Gr. Operette, 16.48: Kurs sschechsscher Sprach« für deussche Hörer, 18.20: Deussche Sendung: Schimesschek: Sportvorschau, 18.48: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 19.10: Sssmmungsbilder auf Schällplatten, 19.30: Uebertragung aus dem Prager Nationaltheater: Dvorak: Dimitrij. Sender S.: 14.28: Schallplatten, 15.08: Deussche Sendung: Viertelstunde der Frau, 18.40: Deutsche Presse.— Brünn 11.00: Schallplatten, 12.88: Orchesterkonzert, 17.00: Konzert des mährischen Quartettes, 18.20: Deutsche Sendung: Der Maidenstein, Hörspiel.— Kascha« 15.88: Militärkonzert, 17.00: Kammermusft. Nr. 238 Donnerstag, 11. Oktober 1934 Sekst-5 en a uf ■,n Ä an aß ti ‘.ti ri ,r< » ie< a« ch '-j l» I« Ich ch ip a> ich >d »o el «: ick tl ■n >ch »s ei ich :ß ei ch :t gl B ns< rck öl' w tu iq Ä S q ch q e ock tch <« »ck tti ,ch «« ri tf ili ch itf 'S rt ich ( ich llt 4» -a :«l :v d s ä ch ch -S -i r» ft ch >ch )» ch ch tf Ihre Zähne anzüsehen ist wirklich eine Freude! — strahlend weiß, fest und Blank! Und das alles durch regelmäßige Pflege mit Kalodont, Diese kräftig schäumende Zahncreme entfernt dn Nu alle Unreinheiten— besonders auch zwischen den Zähnen, und gibt reinen, frischen Atem. Durch Kalodont bleiben Ihre Zähne gesund, denn es enthält als einzige Zahncreme in der Tschechoslowakei das wirksame Mittel gegen den gefährlichen Zahnstein: Sulforizin-Oleat nach Dr. Bräunlich. Mordprozeß Vylefälek Der zweite Verhandlungstag— Vier Mörderinnen als Belastungszeugen Günstige Leumundszeugen für Jaroslav Vylekälek Dank vom Dritten Reiche. UngezLhste deutWe Kriegsgefangene denken mit größter Datckbarkeit an die Schwedin Elsa Brand- st r o e m, die trotz größter Widerstände ein inter- ncstwnales Hilfswerk für die Kriegsgefangenen in Sibirien organisiert hatte. Der damals 23jähri- gen Frau gelang es, die durch Hunger und Krankheit Bedrohten vor dem Aeutzersten zu schützen und vielen das Leben zu retten. Nach dem Kriege errichtete Elsa Brandstroem aus eigenen Mitteln ein Heim für die Kinder ehemaliger deutscher Kriegsgefangener. Dann kam das Dritte Reich, das Kinderheim wurde beschlagnahmt und seinem Zwecke nicht wieder zugeführt. Elsa Brandstroems Namen mußte verschwinden. Das geht so weit, daß das„Berliner Tageblatt", welches unter dem Titel„Der sibirische Engel" einen Roman über ihre Tätigkeit ankündigt, nicht sagen darf, wie die Frau heißt, deren Wirken der Roman verherrlicht. Warum? Der Grund ist bezeichnend für die sittliche Fäulnis des Dritten Reiches. Elsa Brandstroem hat es gewagt, einen Menschen zu heiraten, der nach den Ansichten des National- sozialismus nicht rasserein ist. Diese Sünde wird durch die Rettung tausender Deutscher nicht ausgewogen. Elsa Brandstroem ist verfemt.- Wohin will er? In allen gleichgeschalteten Saar-Kinos lief bis vor kurzem ein Ufa-Film mit dem Titel:„Ein Mann will nach Deutschland". Die Plakate, die zum Besuch der Ufa-Kinos einluden, waren aber überall mit der Ergänzung versehen:„Er kommt ins Konzentrationslager; alle anderen sind für den status quo!"— Der Beisatz wurde so peinlich populär, daß sich die„Ufa" gezwungen sah, den Filmtitel zu än- dem. Der Mann hat es sich anders überlegt, er will jetzt nur noch„in seine Heimat". („Die Wahrheit") Vollstreckungsanfichnb in Notstandsgebieten erweitert. Die Dienstag erschienene Gesetzsammlung enthätt eine Regierungsverordnung, wonach der Bollstreckungsaufschub in Notstandsgebieten für Landwirte und Arbeitslose noch in folgenden politischen Bezirken gilt: Brandeis, B.-Brod. Casläü, Dux, Kuttenberg, Horovice, K o m o t a u, Eule, K a a d e n, Kladno, Kolin, Kralup, Kralovice, Lann, Melnik, Brüx, Plan, Podersam, Prag' Prag-Land, Piibram, Rakonice, Roudnic«, Ricanh, Schlau und Saaz; ferner in den Gerichtsbezirken Leitmeritz, Lobositz und Staab, in Mähren in den polittschen Bezirken G ö d i n g, Ung.» Hradisch, Auspitz, Kremsier, Gaya, Groß-Mese rits ch, RikolSburg, N e u- stadtl, Proßnitz, Prerau und Trebiö; in der Slowakei und Karpathorußland in Bartfeld, Bratislava- Land, Lucenee, Malacky, Streda, Dunajskä, Säch- sisch-Bereg, JrSava und Mukaöevo-Land. Bon der Demokratischen Flsichtlingsfsirsor-e. In der am 4. Ottober stattgefundenen Generalver- sammlung der Demokratischen Flüchtlingsfürsorge it'urbe der Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes entgegengenommen. Aus dem Bericht entnehmen wir, daß die Demokratische Flüchtlingsfürsorge 400.000 Kc in der vergangenen Geschäftsperiode aufgebracht hat, wofür sie mehr als 76.000 Mittags- und Abendessen verausgabte. Für da» von der Demokratischen Flüchtlingsfürsorge eingerichtete Kollektiv sind insgesamt 86.000 Kc aufgebracht worden, wovon auf das Kollektiv Msec 33.000 Kö entfallen. Für Fahrgelder wurden 20.000 Kc verbraucht. Im gaitzen wurden 683 Flüchtlinge unterstützt, durchschnittlich etwa 140. Zur Zeit unterstützt die Demokratische Flüchtlingsfürsorge noch 66 Flüchtlinge. GeschäftSstunden der Demokrattschen FlüchilingSfürsorge sind Montags. Donnerstags und SamStags von 10.30 bis 13 Uhr. Ueberweisungen auf Postsparkaffenkonto Nr. 31.041 bei der Böhmischen Escompte-Bank und Creditanstalt. Prag. Das Beweisverfahren in dem Mordprozeß gegen das Ehepaar Vylekälek ist ein erbitterter und spannender Kampf zwischen Anklage und Verteidigung. Die Angeklagten haben sich nach man- cherlei Aendernngen ihrer Aussagen schließlich auf Aussagen festgelegt, die nichts anders bedeuten, als Gatte und Gattin sich gegenseitig aufs schwerste belasten. Marie Pylekalek beharrt ans ihrer Aussage, daß sie am Vormittag des 22. Dlärz 1933 mit ihrem Vater in Streit geraten sei und dieser ihr die Lippe blutig geschlagen habe. Sie sei zu ihrem Mann in die Remise der Straßenbahn gefahren und habe sich über die Mißhandlung beschwert. Ihr Gatte habe dann am Abend ihrem Vater Vorwürfe gemacht und im Verlauf der folgenden Auseinandersetzungen erschlagen. Sie hcche dann aus Liebe zu ihrem Mann den Leichnam in der Mauernische hinter dem Küchenherd verborgen. Jaroslav Vylekälek bleibt dabei, von der ganzen Sache überhaupt nichts zu wissen. Seine Frau habe auch ihm vorgespiegelt, ihr Vater habe in Kolin eine neue Ehe geschloffen. Später habe sie ihm erzählt, ihr Vater sitze wegen Anlaufes gestohlener Sachen in Pankraz und endlich daß der .alte Tyl dort gestorben sei. Auf diese Todesnachricht hin habe Jaroslav Byletälck, der mit seinem Schwiegervater stets im besten Einvernehmenlebte, in der Gefängniskanzlei wegen der Begräbniffes Vorgesprächen, aber den Bescheid erhalten, daß in Pankraz kein Sttäsling gestorben sei, bei dem die Angaben zuträfen. Seine Frau habe ihm aber seine Bedenken ausgeredet. Allerlei Zengen sagten zunächst über Nebenumstände ans. Stammgäste aus dem Gasthaus„Zur Traube", wo der ermordete Tyl zu verkehren pflegte, schildern ihn als heiteren, gutherzigen Menschen, berichten über die Mvstisikation durch die bekannten Karten und Briefe u. dgl. Sie sagten auch, daß das Verhältnis zwischen Schwiegervater und Sc^viegersohn das denkbar beste gewesen sei. Kommiffär Dr. Borkovec von der Prager Poli- zeidirektion. der nach der Anzeige der Marie Bhle- ralek die ersten Erhebungen durchgeführt hat, erklärte zunächst, daß die Anzeigerin mit einer Selbstbezichtigung begonnen habt, wobei sie erklärte, daß nichts daran liege, wer noch an dem Mord beteiligt sei. Erst etwas später nannte sie ihren Mann als Mittäter. Jaroslav Vylekälek habe spontan und ohne Nötigung zugegeben, den alten Tylmit der Hackeerschlagen zu haben, welches Geständnis er allerdings im weiteren Verlauf völlig widerrief. Vylekälek erklärt das damit, daß man auf der Polizei auf ihn einen Druck auSgeiibt habe. Als ihm dgr Vorsitzende vorhielt, daß er fein Geständnis auch vor dem Untersuchungsrichter wiederholt habe,. geriet Jaroslav Vylekälek in Verlegenhett und sagte schließlich. er habe nicht gevmßt, daß er dem Untersuchungsrichter gegenüberstehe. Nach einer weiteren Reihe von Nebenzeugen trat Barbara Tyl, die doppelt geschiedene Fran des Ermordeten als Zeugin auf. Es ist bemerkenswert, daß die Angeklagte wegen Mißhandlung dieser Zeugin— ihrer Stiefmutter—. vor dem biesigen Kreisgericht verutteilt worden ist. Die Zeugin erklärt, daß ihre Ehe mit dem ermordeten Tyl hauptsächlich durch Zutun seiner Tochter, der Marie Vylekälek, getrübt wurde. Tyl sei ein guter Mensch gewesen und war allzu nachfichttg gegen seine Tochter, die ihn bestahl und äußerst grob u nd unk rn d l i ch gegen» h n wa r. Die Vylekälek hat Übrigens auch sonst verschiedene Diebstahlsdelikte auf dem Gewisse« und ihre Strafkarte ist reich besetzt. Als die Angeklagte ihrer Stiefmutter vorspiegelte. daß Tyl in Pankraz sitze,' schrieb diese einen Brief ins Gefängnis, wo er vermeintlich faß. Der Brief kam als unbestellbar zurück. Als die Zeugin -daraufhin Verdacht schöpfte und beim Polizeikommissariat vorsprach, schickte man sie nach Hause und .fand keinen Grund einzuschreiten. Auch eine Detektivkanzlei, deren Dienste sie in Anspruch nahm, konnte nichts Verdächtiger erheben. Alles das zu einer Zer t, woderalteTylbe- reits lä ng st inder Mauernische hinter dem Küchenherd begraben war! Und wieder eine Reche von Nebenzeugen.— Arbeitskollegen des Vylekälek schildern diesen als braven, ruhigen und anständigen Kameraden, deffen Verhaftung ungläubiges Entsetzen hervorrief. Dramatisch gestaltete sich der Abschluß der heutigen Aeugenverhörs. wobei dar verhaftete Präsident der katalanischen Republik. vier Zellengenoffinneu— durchweg- inzwischen verurteilte Mörderinnen— darüber berichteten, was ihnen die Marie Vylekälek in vertraulichem Gespräch anvertraut hat. Diese Zeuginnen erregten Aufsehen.■ Erst kürzlich sahen wir sie, eine nach der anderen, auf der Anklagebank. In der damaligen Zeit aber saßen sie mit der Vylekälek in gemeinsamer Untersuchungshaft. Unter ihnen ist auch Boz en.a Kindl, die unlängst wegen Ermordung ihres Vaters- Ausgedingers zu zwanzig Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde und deren Prozeß in vielen Einzelheiten dem vorliegenden gleicht. Auch in jenem Prozeß war ein Ehepaar angeklagt. den Vater der Frau gemeinsam aus finanziellen Gründen mit Axt und Strick aus der Welt gefchafft zu haben. Ferner trat Anna I a k u b auf, im Frühling dieses Jahres zum Tode verurteilt und später begnadigt zu zwanzig Jahren schweren Kerkers. Weiters Marie K o r b e l a. erst vor wenigen Tagen zu fünfzehn Jahren ver- urteilt wegen Ermordung ihres kleinen Kindes, und endlich die Kindesmörderin Marie Holzbach, ver- j urteilt zu drei Jahren schweren Kerkers. Mit diesen vier Zeuginnen saß die Vylekälek in Untersuchungshaft. Ihren Zengengenoffinnen hat sie, nach deren Aussagen, so eingehend über die Ermordung ihres BaterS berichtet, daß sich die Zeuginnen sofott dem Untersuchungsrichter vorführen ließen und das Gehötte eingehend zu Protokoll gaben. Alle Aussagen deckten sich in dem einen Punkt, daß sich die Marie Vylekälek in rüder Weise zur Tötung ihres Vaters bekannt hat, den sie dabei als „widerwärtigen, hinkenden alten Kerl" bezeichnete. Ihre Mitteilungen waren freilich nicht allen Zeuginnen gegenüber gleich ausführlich. Der einen sprach sie nur von der Axt, der anderen auch von dem erdrosselnden Strick. Die Marie Vylekälek habe sich ferner geäußert, daß„die ganze F a m i l i-e d a ran glaub^nmüsse" und daß „Jarousek(ihr Mann) keiner anderen gehören dürfe." Um diese Aussagen entspann sich ein lebhaftes Wortgefecht zwischen Anklage und Verteidigung. Die Angeklagte selbst erklärte die Aussagen der Zeuginnen größtenteils für Lüge. Im übrigen habe sie ihneu erzählen können, was ibr eben einfiel, denn„solche Weiber seien doch keine Amtspersonen". Ein Kapitel für sich bildet die Tatsache, daß die ErsparnissedeS altenTylim Betrage von 20.000 Kc, die die Marie Vylekälek bekanntlich durch einen fingietten Brief an die Be- wahrerin des Sparbuches herausgelockt hat, binnen zwei Monaten verschleudert wurden. Jarosiab Vylekälek erklärt,- keine Ahnung von der Herkunft des Geldes gehabt zu haben. Er habe den Versicherungen seiner Frau geglaubt, daß es sich um ihr mütterliches Erbteil handle. Nachmittags wurde die Verhandlung auf heute vertagt. rb. Jahrgang 1023 Der Jahrgang 1923 trat Heuer in die Bürger- und die Mittelschulen ein. In neun Jahren, wenn's nicht ärger kommt, wird er sich zum ersten Male der Affentkommiffion zu stellen haben, während die Abrüstungskonferenz möglicherweise zur gleichen Zeit die Einsetzung eines Subkomitees zum Studium der Aechtung des Krieges beschließen wird. Als der Jahrgang 1923 das kleine Einmaleins erlernte, waren Inflation und Deflation schon vorbei. Er erlernte das Rechnen bereits in unserer(noch nicht devalvierten) Währung: 1 RM— 8 KL und wer sie hat, kann sechzehnmal zum Eismann gehen. In unseren Kindestagen hieß eine Zwei-Hellermimze noch Kreuzer, ein Zehn-Hellerstück Fünserl, ein Zwanzig-Heller- stück Sechser! und für ein Fünfer! bekamen wir eine ganze Tüte Zuckerln und für zwei Kreuzer eine Semmel. Dann gab es plötzlich keine Semmeln mehr. Und Brot, das damals so schlecht war, gab es^rur auf Karten. Mehl und Zucker, Butter und Seife, was man braucht, für' alles gab es Karten. Ohne Karten bekam man nichts und mit Karten auch nicht mehr. Und wenn wir die Mutter um Effen baten, weinte sie ost. Denn sie hatte keines. Daitn wuyde sie krank. Nicke Stunden anstellen—„Anstellen"? Jahrgang 1923 weiß gar nicht, was das ist— im strengen 28intet 1916 und dann erst nichts bekommen, das hielt nicht jeder Lus. Was wir an uns hatten, war„Ersatz": aus Brenneffel- und Papierzcug unsere Kleider, aus j^otz und Pappendeckel unsere Schuhsohlen. Das Wort„Friedensware" hatte einen Wohlklang, den keine Symphonie von Beethoven aufwiegen konnte. Wir gingen auch wandern, doch hieß das damals„hamstern". Wenn man dabei viel Glück hatte, bekam man für sehk° viel Geld etwas Bauernbrot, etwas«^geschöpfte Milch, wenn es hoch kam, ein Stückchen Butter. Die Bauern verlangten horrende Preise und machten große Gnaden. Das Hamstern war verboten. Wurde man von Gendarmen erwischt, mußte man alles wieder herausgeben und überdies noch Strafe zahlen oder man wurde eingesperrt. Die Zestung aber schrieb:„Durchhalten 1" Der Herr Lehrer sagte uns auch täglich, wir müssen durchhallen. Wir wußten nicht, was das eigentlich bedeutet, aber so viel begriffen auch wir Knirpse, daß„durchhalten" weiterhungern hieß. Unser Lehrer war ein Bauernsohn. Ihm fiel das Durchhalten nicht schwer. Er sah gut aus. Aber die Lehrerin der B-Klasse sah schlecht aus. Das Durchhallen hatte sie krank gemacht. Einmal spie sie Blut auf die Stiege. Da lag eine hellrote, schaumige Lacke und der Herr Direllor stand mit finsterem Gesicht daneben und brüllte uns an. Acht Tage später war das Begräbnis. Der Herr Direllor hielt eine Rede. Dann war ein halber Tag schulfrei. Aber wir freuten uns nicht. Wir waren sehr still damals. Biele Mitschüler trugen schwarze Armbinden. Der Vater oder der Bruder waren gefallen. Es wurden ihrer immer mehr. Wir waren über fünfzig in der Klasse. Es fehlten aber stets sehr viele. Nicht wenige stank und ein guter Teil hatte nichts anzuziehen. Ende 1918 kamen die ersten Heimkehrer. Auch amerikanische Konserven. Es gab wieder etwas mehr zu essen und sehr viel Hoffnung. Ueberall waren Fahnen ausgesteckt. Aber nirgends mehr sah man das kaiserlich-königliche Schwarz- Gelb. Die Bürgerhäuser waren schwarz-rot-gold beflaggt, die Arbeiter zogen mit roten Fahnen durch die Straßen. Niemand, den wir sahen, weinte dem Kaiser eine Träne nach. Niemand, den wir sahen,, war besonders traurig, daß der Krieg nicht gewonnen, jeder war froh, daß er zu Ende, daß die Zeit der schrecklichen Not und des furchtbaren Mordens vorbei war. Das war aber doch noch nicht ganz vorbei. Am 4. März 1919 erschossen die tschechischen Soldaten in unserer Stadt 24 Menschen. Ein Mitschüler war darunter. Dann wurde Standrecht und Belagerungszustand verhängt. Wir Neun- und Zehnjährigen wußten bereits, was das ist. Die„große Zeit" war eine gute politische Schule. Daß die Menschen zum Teil unbegabt genug sind, auch in der besten Schul« nichts zu lernen, zum Teil vergeßlich genug, auch das Schrecklichste zu vergessen, das ist ihr Unglück. Als der Jahrgang 1923 seine ersten Beobachtungen im Leben machte, war das alles schon vorbei. Seit zwölf Jahren treten junge Menschen, zumindest als Wähler, ins politische Leben ein, die den Krieg noch nicht an der Front mitgemacht haben. Aber die vom„Jahrgang 1902" waren, wenngleich keine Frontkämpfer, so doch Kriegsteilnehmer. Und auch wir vom Jahrgang 1909 mutzten erfahren und begreifen, daß der Krieg Hunger und Elend, Not und Seuchen und tausendfachen, millionenfachen Tod bringt. Aber die späteren? Jahrgang 1917? Jahrgang 1923? Sie werden vom Weltkrieg nichts wissen als ein paar Jahreszahlen, Feldherrennamen, und daß die Sitten verfallen sind und nach seiner Beendigung die Frauen das Wahlrecht erhallen haben. und daß das deutsche(tschechische, ungarische, französische usw.) Volk alles daransehen müsse, sich den gebührenden„Platz an der Sonne" zu erobern. Für den Jahrgang 1923 wird der Weltstieg bloß Unterrichtsstoff sein— ob er die Prüfung bestehen wird? Woran will man den Jahrgang 1923 erinnern? Die Brüder, die gefallen sind, hat er nie gekannt, nie um sie getrauert 1 Das unsagbare Kriegselend, das selchst das europäische Krisenelend unserer Tage weit in den Schatten stellt, hat er nicht selbst erfahren. Soll es ihm deshalb unvorstellbar sein^ Unvorstellbar, bis es durch die Gewissenlosigkeit der Herrschenden und die sträfliche Vergeßlichkeit der Beherrschten und durch seine eigene Phantasielosigkeit wiederum zu furchtbarer Wirklichkeit wird? Zu einer Wirklichkeit, die an Furchtbarkeit alles, was die Teilnehmer des letzten Krieges gerade noch überleben konnten, weit übettreffen wird. Denn der nächste Weltkrieg, den eine entmenschte Menschheit berells in aller Sachlichkeit bespricht, dessen ostasiatische Ouvertüre nur deshalb um den rauschenden Beifall kant, weil sie noch immer kein ganz befriedigendes Anziehen der Rüstungspapiere brachte, dieser Krieg wird keine Grenzen zwischen Hinterland mtd Front mehr kennen und noch das letzte Kellerloch zum„Feld der Ehre" machen. Soll es möglich sein, daß eine Generation, deren Väter Gut und Blut auf Kriegsschauplätzen und an Kriegsanleihe verloren haben, einem neuen Mordkommandr folgen muß? Die Beantwortung dieser Frage ist von unk allen nicht völlig unabhängig! Otto Iltis. Teile 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 11. Oktober 1934. Nr. 238 PHAGE» ZEITBMft (R) schlug Siotek in der ersten Runde k. o.— Schwergewicht: Poftow(R) gewann gegen Macura in der zweiten Runde durch technischen k. o. Selbstmordversuch oder Unfall? Am Dienstag gegen 8 Uhr abends bemerkte ein Sicherheitswachmann, daß aus dem Zuckerwarengeschäfte des Artur R o n a i in der Politika-Passage in Prag-Neuftadt Gasgeruch dringe. Da das Geschäft bereits geschlos- sen war, drang der Wachmann in Begleitung eines Angestellten des nebenan liegenden Geschäftes in die Verkaufsräume des Ronai ein, wo sie den Genannten, bewußtlos auf dem Boden liegend, fanden. Der Hahn eines Gaskochers war geöffnet. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob es sich um einen Selbstmordversuch oder unglücklichen Zufall handelt. Sturz aus der Elektrischen. Dienstag mittags fuhr ein von dem Fahrer Nr. 505 gelenkter Motor- wagen der elektrischen Straßenbahnlinie Nr. 14 durch die Palackeho in Nusle, als der Chauffeur Karl Husnik mit seinem Auto noch rasch vor der Elektrischen die Fahrbahn überqueren wollte. Der Motorführer mußte deshalb so jäh bremsen, daß die auf der rückwärtigen Plattform stehende. Näherin Leontine Socha auf das Pflaster stürzte und ins Krankenhaus geschafft werden mutzte, wo«ine Gehirnerschütterung und mehrere Knochenbrüche festgestellt wurden. Eine Störung der Karanh- Wasserleitung. Am Dienstag entstand eine Störung der Karany-Wasser- leitung. Es handelt sich um die Druckwafferleitung aus Karanh auf die Flora, die Prag mit dem Karanher Wasser versorgt. Noch am gleichen Tage wurde in den späten Nachtstunden mit den Ausbes- serungsarbeiten begonnen, die Mittwoch abends beendet sein sollten. Vorläufig ist die Wasserversorgung keineswegs bedroht. Die zuständigen Behörden wurden durch das Wasserwerksamt sofort von der Störung benachrichtigt. * Armin Berg im Urania-Kino. Im Rahmen eines Filmprogramms, das mit Richard Wagner beginnt und mit Harry Liedtke endet, gibt der»Wiener Komiker" Armin Berg ein Gastspiel, das— nach dem Gelächter am ersten Wend zu urteilen— die besten Erfolgschancen hat. Er unterhält das Publikum mit gesprochenen und gesungenen Harmlosigkeiten, mit Witzen von einst und Witzen von heute, — wobei er der Grobheit ebenso aus dem Wege geht wie der satirischen Kühnheit(auch wenn er eine Wiener. Radioparodie und einen Hieb aufs Dritte Reich bringt). Ein über sich selbst vergnügter Plauderer, der ohne viel Lärm(und ohne viel Probleme) Heiterkeit zu verbreiten versteht.—eis— vortragc „Der Mensch" Die Welt im Blickfeld repräsentativer katholischer Philosophie Erich Przywara, Jesuitenpater und Uni- versüätsprofessor in München, ist einer der markantesten Vertreter der neuen katholischen Philosophie. Ein in jesuitischer Schule durchgebildeter Dialektiker, in dem der Drang zur meisternden Form mit der Lust am Predigerhaft Bildlichen ständig im Kampfe liegt. Ein faszinierendes Talent, das auch sprachlich höchsten ästhetischen Wertungen standhält. Indessen, bei allem Reiz des Technischen, mutz man doch sagen, datz das Thematische bewußt dürftig wegkommt. Die Philosophie Przywaras ist von jener fanatischen Konsequenz katholisch-philosophischer Weltbetrachtung, die selbst in der scheinbar mildesten Formulierung die Aggressivität einer wunderbar fein nuancierten Propaganda erkennen läßt. Dabei operiert der katholische Dogmatiker, der sich immer wieder auf Thomas von Aquin und Augustinus beruft, manchmal mit Thesen, die mit objektiver Weltbetrachtung nichts mehr gemein haben. Fünf Menschenthpen definiert der katholische Philosoph, und alle sind sie ihm nur. experimentelles Torso, der Hintergrund gleichsam, aus dem er sein spezifisch religiöses Weltbild heraustreten läßt. Da ist— sehr verzeichnet und allzu fremd gesehen— der Goethesche Mensch, die klassisch-statische Persönlichkeit, der dynamische Mensch, der Nietzsche- Mensch,„ein Seil am Abgrund, ein Üebergang und ein Untergang", der energatische Idealist(Schiller) und der Friedrich Hebbels-Typ des verzweifelnden Realismus. Zitate aus Hebbel-Gedichten sowie aus der„Aesthetischen Erziehung des Menschengeschlechtes", ungemein llug ausgewählt, scheinen den virtuos gegebenen Thesen die bestechend sachliche Unterlage des Dokumentarischen zu geben. War Ptzhwara bis hierher mehr referierender Dozent, so wird er jetzt beschwörender Bekenner. „Diese fünf Typen sind auch iy der Summation nicht der Mensch." Es fällt der sehr bedenkliche Satz:„Diese fünf Menschentypen sind dieErkran- kungsformen des wirklichen Menschen." Und er verlangt, Prediger, nicht mehr Philosoph, das Privileg des dienend-gläubigen Menschen, der sich Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab.......» 1984 daS täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „<3osialGetnotrat" Verwaltung Prag Xll., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 X£ monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:,. Letzte Post:. ,,,,,,,,,,, Unterschrift:......... opfernden Kreatur, einmündend in den„unendlichen Gott". Diese Philosophie tiefster, endgültiger Resignation muß zwangsläufig zum Ignorieren des wirklichen. Lebens führen, sie wischt die Wehen der theologischen Krise mit einer Handbewegung fort, indem sie der Primat des Glaubens, die süße Schmerzlichkeit des„verhüllten Gottes" über alle Vernunft setzt. Aus diesen: Stoizismus weltabgewandter Askese heraus läßt sich schließlich alles verstehen, verzeihen, entschuldigen... Der Mensch des Jesuitenpaters Przywara ist der Mensch der Vergangenheit, auch die geschmeidigste Konservierungskunst berühmter jesuitischer Tradition wird ihm nicht die Züge der menschlichen Zukunft einprägen. Aber vielleicht erklärt sich aus der bewußten Weltferne solch' weisheitsvoller Askese„im Dienst des Unendlichen" jener Stoizismus, der diesen kultivierten, gewiß ehrlich gläubigen Menschen selbst das Deutschland Adolf Hitlers ertragen läßt... Pierre. Kunst und Wissen Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Donnerstag halb acht Uhr: Die Entführung aus dem Serail, C 2. — Freitag halb 8: Die l^achtvor dem Ultimo, D 1.— Samstag 8 Uhr: Admiral Bobby, halb 8 Uhr: Rigoletto, Gastspiel Willy Domgraf-Faßbender, D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8 Uhr: Märchen im Grandhotel.— Freitag 8 Uhr: Sensationsprozeß.— Samstag, halb 8 Uhr: Revue: Hoch klingt das Lied vom braven Mann, Uraufführung. Bezirksverein Arbeiterfürsorge Prag Freitag, den 12. Oktober, um halb 8 Uhr abends in der Rärodni trida 4 Ausschußsitzung Beratung und Beschlußfassung über das Winterprogramm. Spart• Spiel• Körperpflege Arbeiter-Schroimm-Meeting in Teplitz-Schönau Im Rahmen der Feier der 15jährigen Bestandes der DTF Teplitz-Schönau veranstaltete dessen Schwimmsektion am Sonntag, den 7. d.,«in Meeting, an dem auch Atussport- l e r aus Töplitz, Aussig und Schreckenstein teilnahmen. Die guten Resultate im Schwimmen, Springen und Wasserball waren das Ergebnis eines intensiven Trainings und bewiesen, daß auch der Ar- beiterwaffersport sich im Aufstieg befindet. Die Organisation war gut. Die wichtigsten Ergebnisse: 40 Meter Freistil(Schüler): Watowitz(Atus Teplitz) 27.8 Sek.(Drei Vorläufe.)— 40 Meter Freistil(Schülerinnen): Albel(Atus Aussig) 40.6 Sek.— 8X20 Meter(2 Schüler und 1 Schülerin): Atus Teplitz 43.8 Sek.— 100 Meter Brust(Knaben): Bauer(Atus Teplitz) 1:26.6. Petrbok(DTJ Prag) 1:27 Min.— 40 Meter Rücken(Knaben): Petrbok(Prag) 29.3 Sek.— 40 Meter Rücken (Mädchen): Kvikinskä(DTJ Prag) 35.1, Sturm (Schreckenstein) 38.8 Sek.— 40 Meter Freistil (Knaben): Petrbok(Prag) 25.4, Kabor.(Aussig) 26 Sek.— 100 Meter Brust(Männer): Scholta (Aussig) 1:25, Bauer(Teplitz). 1:31.5 Min.— 100 Meter Freistil(Männer):. Jarka I(Prag) 1:10.4, Schusser(Aussig) 1:10.8 Min.— 60 Meter Rücken(Männer): Janda(Prag) 48, Fibiker(Teplitz) 51 Sek.— 40 Meter Rücken(Frauen): Kvi- cinskä(Prag) 34.6, Süsser(Teplitz) 40.4 Sek.— 3 X 60 Meter Lagenstaffel(Männer): DTJ Prag 2:23.2. Atus Teplitz 2:30.4, DTJ Teplitz 2:36.4 Min.— 3X40 Meter Brust(Frauen): Prag 2:02.5, Aussig 2:02.8, Teplitz 2:04.4 Min.— 4X 40 Meter Brust(Männer): Prag 2:08.8, DTJ Teplitz 2:12, Schreckenstein 2:16.8 Min.— 100 Meter Brust(Frauen): Smejkalova(Prag) 1:52.2 Min.— 8X20 Meter Tauchen: DTJ Teplitz 44.4 Sek.— 4X40 Meter Freistil(Männer): Prag 1:36.2, Atus Aussig 1:38, DTJ Teplitz 1:46.2 Min.— Springen: Jirout(DTJ Teplitz) 34. Bo- dewitz(Atus)' 31.5 Punkte.— Wasserball: Atus Aussig gegen Atus Teplitz 7:1, Prag II gegen Atus Schreckenstein 5:1, Prag I gegen DTJ Teplitz 5:3. Weiterer Sieg der Sowjetboxer Nach dem sonntägigen Prager Länderkampf traten die Sowjetboxer am Dienstag in K l a d n o gegen eine kombinierte Mannschaft der bürgerlichen Klubs BC Jahelka(Kladno) und Heros Slany an. Die Begegnung endet« für die Russen mit dem Siege von 12:4 Punkten.— Die Ergebnisse: Fliegengewicht: Tokajew(R) gegen Stanc unentschieden.— Bantamgewicht: Serow(R) wurde wiederum disqualifiziert im Kampfe mit Jelen.— Federgewicht: Celovalnikow(R) gegen Novak unentschieden.— Leichtgewicht: Ogurenkow(R) gewann gegen Podrabsky nach Punkten.— Weltergewicht: Timosin(R) siegte über Kriz nach Punkten.— Mittelgewicht: Stepanow(R) gegen Soukup unentschieden.— Halbschwergewicht: Michajlow DTJ. Zizkov gegen DTJ Bysokany 48:4V. Am Sonntag, den 7.,-veranstaltete die DTJ Zijkov einen Propagandatag, in dessen Rahmen ein leichtathleti- scher Klubkampf des Platzvereines mit der DTJ By- socany stattfand. Von den erzielten Einzeleraebnis- sen seien angeführt: 60 Meter: Schuster(Z) 7.5 Sek.; Weitsprung: Goth(V) 6.41 Meter; Speer: Schuster 45.65 Meter; Dreisprung: Goth 12.71 Meter; Diskus: Schöps(B) 83.91 Meter. Der erste Wettkampf der sowjetrusfischen Leichtathleten mit— Bürgerlichen. Entgegen unserer gestrigen Meldung treten die russischen Leichtathleten schoninPrag erstmals an. Dieser Kampf findet Samstag auf dem Letnastadion statt und als Veranstalter zeichnet der tschechisch-bürgerliche Leichtathletikverband. Die Expedition der Sowjetleichtathleten besteht aus drei Frauen und sieben Männern und soll heute Donnerstag in Prag eintreffen. Gleichzeitig mit ihr kommen auch die Fußballer(17 Spieler). DFC. Budweis vor der Auflösung? Die Situation dieser deutschen Fußballklubs ist derzeit so, daß er wahrscheinlich in nächster Zeit liquidiert werden wird, da seine Schulden schon die Höhe von 16.000 XL erreicht haben. Um den Spielplatz des DFC. bewirbt sich der Ortsverein AC. Stadion. Bürgerliche Eisschnelläufer in Moskau. Die bekannten norwegischen Eisschnelläufer M. Staks- rud, Europameister, und Engnestangen, ehemaliger Weltmeister, sind in Moskau eingetroffen. Die beiden wurden als Trainer angestellt, nehmen aber auch an den Eisschnellaufmeisterschaften der UdSSR tefl. Ans der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. f Freitag im Ligaheim: M. WW» M 7 Uhr: Besprechung der Zehner- ■ schaftsführer.— 8 Uhr: Probe i U für den Internationalen Jugendtag. Alle Mitwirkenden müssen unbedingt kommen. Literatur Die Geschichte der österreichischen Konterrevolution DaS Buch eines österreichischen Genossen Unter dem Titel„Oesterreich 193 4" ist soeben im Europa-Verlag in Zürich ein Buch erschienen, dessen Autor sich unter dem Pseudonym Pertinax verbirgt, der aber, wie man aus dem Buch ersieht, ein österreichischer Genosse ist, welcher die österreichische Politik seit Jahren aktiv mitgemacht hat. Das Buch ist schon deswegen bemerkenswert, weil es das erste größere Werk ist, in welchem der Versuch gemacht wird, die österreichische Entwicklung in den letzten Jahren vor den blutigen Feber- Ereignissen zu verstehen, zu deuten und aus ihrer Geschichte zu lernen. In dem einführenden Kapitel legt der Autor die Lage Oesterreichs und seiner Arbeiterflasse nach demZerfallderMonarchie dar. Er zeigt uns, wie stark die österreichische Arbeiterklasse dadurch geworden war, daß sie ihre Einheit bewahrt hatte, und welche großen Werke in Staat und Gemeinde die Sozialdemokrafie geschaffen hat, welch bewunderungswürdige Organssafion die österreichische, insbesondere aber die Wiener Sozialdemokratie gewesen ist. Den Hauptteil des Werkes aber bildet die Darstellung der Geschichte Oesterreichs vom 15. Julr 1927, dem Tage des Brandes des Justizpalastes in Wien, bis zum 25. Juli 1934, dem Tage des nationalsozialistischen Putsche? und der Ermordung von Dollfuß. Alle hie spannenden, dramafischen Ereignisse dieser sieben Jahre gehen noch einmal an uns vorüber. Wir erleben die Waffensuche im Arsenal im Frühjahr 1927 mit, die den ersten entscheidenden Schritt der österreichischen Konterrevolution gegen die Arbeiter bedeutete, es wird uns die Geschichte des Mordes in Schattendorf erzählt, dessen Folge die Revolte vom 15. Juli 1927 war, wobei dieser Tag in seinen Auswirkungen gewürdigt wird. Dann wird der Wiener-Neustädter Heimwehraufmarsch vom 7. Oktober 1928 geschildert, die Verfassungskämpfe des Jahres 1930, der glänzende Wahlsieg der Sozialdemokratie vom 9. November 1930, der Pfriemer-Putsch vom 13. September 1931, der Regierungsantritt des Kanzlers Dollfuß im April 1932, die Affäre mit den Waffen in Hirtenberg vom Jänner 1933/ die Ausschaltung des Nationalrates im März 1933, die Begegnung von Dollfuß mit Mussolini in Riccione im August 1933, die heldenmütigen Kämpfe der Schutzbündler im Feber 1934 und endlich der vorläufige Abschluß der österreichischen Entwicklung, der Putsch der Nationalsozialisten und die Ermordung des Bundeskanzlers am 25. Juli 1934. Mer der Autor bemüht sich nicht nur den Gang der Ereignisse vor dem Leser aufzurollen, er übt auch Kritik an der Politik der ofterreichi- schen Sozialdemokratie und untersucht die Frage, warum der FasciSmus gesiegt hat. Kein Wort der Kritik richtet sich gegen diejenigen, die gekämpft und ausgeharrt haben. Mer aus der Geschichte zu lernen, ist„die wichtigste Aufgabe der Ueberlebenden, die sich zu neuen Kämpfen rüsten". Die Ursachen des Erfolgs des österreichischen Fascis- mus sieht der Verfasser in dem Sieg des deutschen Dienstag- de« 16. Oktober 1984 20 Ah, im großen Saal des OdborovH düm, Prag I.,! Persthn Nr. 11 internationaler 3ngen&tag Burschen und Mädels, junge Kameraden! Auch Ihr wollt Arbeit und Brot, eine sichere j Existenz, ein besseres Leben. Kommt darum I zu unserer Kundgebung. Es sprechen die V Kampfgenossen der Jugend Trude Fanta, Bitäsek, Housar. Im Programm wirken mit: Sozialistische Jugend- Reridak, Kolektiv> Sednn, Sirena, Reckov, Truvaki. 18. Oktober ist Tag der Sagend!! Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Kampf-1 gemeinschaft der arbeitenden Jugend in Prag, i Fascismus, in der Hinausschiebung des Kampfes 1 durch die österreichische Sozialdemokratie, die immer| wieder einen Ausweg suchte, in der Zermürbung der I Arbeiterschaft durch die Wirtschaftskrise und durch die| Diktatur, und in der Tatsache, daß der staatliche 1 Exekutivapparat in den Händen der Regierung I funktionierte. lieber alle diese Fragen ist seit dem Feber 1984| vielgeschrieben und diskutiert worden. Sicherlich wer-« den andere Auwren zu anderen Schlüffen gelangen, es I wird Sozialisten geben, welche mehr den o b j e k-» t i v e n Tatsachen, vor denen die österreichische So-1 zialdemokratie gestanden war, die Hauptursache m V der Entwicklung in Oesterreich zuschreiben werdens und es wftd Sozialisten geben, welche im Interesse] zukünftiger Kämpfe die Polifik der österreichischen» Sozialdemokratie von 1927 bis 1934 kritisieren» werden. Einig aber wird man sich darin sein, daß» die heldenmüfigen Kämpfe der österreichischen So-V zialdemokraten vom Feber 1934 ein großer morali-l scher und politischer Gewinn für die Sache des So-« zialismus und für die Zukunft der Sozialdemokratie« geworden sind.„Der Feber-Kampf gegen den» AustrofasciSmus", sagt der Verfasser,„ist der erste» große Widerstand, den die Arbeiterflasse dem FasciS-» muS entgegengesetzt hat. Von den Wiener FÄber-H Kämpfen gelten die unsterblichen Worte, die Marx? den Kommunekämpfern weihte: Sie sind eingeschreint» in das große Herz der Arbeiterflasse." E. st. Mme In Prager Lichtspielhäusern biS einschließlich Donnerstag, den 11. Oktober Adria:„Vergessene Männer".— Alfa:„Dein ist mein Herz". E.— Avion:„Klein Dorit". D.— Fenixr„Musik des Herzen". Tsch.— Flora:„Die falschen Zwillinge". D.— Gaumont:„Der letzte Mann". Tsch.— Hollywood:„Musik des Herzen". — Hvkzda:„Vergessend Männer".— Kinema, B.» Th.: Journale, Groteske, Report. M halb 2 bis 7. — Kotva:„Jud Süß". E.— Lacerna: ,Zud Süß". E.— Metro:„Der letzte Mann". Tsch.— Olympier„Helden der Eismeere— die Tscheljuskinleute". R.— Passage:„Maskerade". D.— Radio:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch.— Skant:„Tobogga n". Fr. — Svötozor:„Der letzte Mann". Tsch.— Carlton: .Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch.— Favorit:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch. — Lido:„Bella Donna". E.— Roxy:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran". Tsch.— U Bejvodu: „Zwei Herzen in Zärtlichkeit vereint". D.— Bälde!:„Die falschen Zwillinge". D. Dor Tatsachenroman Kampf um Polna von Bruno Adler, der gegenwärtig in unserem Blatte abgedruckt wird, ist auch in Buchform erschienen. Er kann gebunden zum Preise von 38 KC und broschiert zum Preise von 28 XL von der Zentralstelle für das Bildnngswefen, Prag XII., Slezska 13, bezogen werden. Kolporteure erhalten Rabatt „Blumen-Zauberdung", das Blütenwunder Blumen an allen Fenstern! Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer! Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühe« bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- dung", ein erprobtes, billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachstehend angegebene« Adresse und legen Sie den Bettag von XL 5.60 ia Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Unzufriedene", Prag XII., Fochova ti. 62. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendttektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1980 bewilligt. Druckerei:„Orbis", Druck«, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.