ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung nag xii.,focho«iml tel&om sxn. ADMMWWKMiHRxrsm, HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ehtzotprefs 7threfler (•«MchllaMch 5 H«Her Sorte) 14. Jahrgang Freitag, 12. Oktober 1934 Nr. 239 Regentsciiaflsrat vereidigt „Alexander der Einiger* Belgrad. Donnerstag um elf Uhr traten der Senat und die Skupschtina zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in welcher die Dokumente über den Tod des König Alexander, über die Thronbesteigung des Königs Peter II. und über die testamentarischen Verfügungen des verstorbenen Königs betreffend die Ernennung der Regentschaft verlesen wurden. Senatspräsident Tomasik hielt dem verstorbenen König einen Nachruf» worauf die Senatoren und Abgeordneten den Treueid ablegten. Hierauf betrat der Regentschafts- r a t, begrüßt von begeisterten Ovationen, den Saal. Die drei Regenten legten den Eid ab, d a ß siedemherrschenden König treu seinunddieEinheitund Unabhängigkeit des Staates wahren werden. Die Ovationen für die Regenten wiederholten sich beim Verlassen des Saales und setzten sich auf der Straße seitens der dort angesammelten Menschenmassen in noch größerem Maßstabe fort. Sodann beschloß die Sitzung über Antrag des Präsidenten dem verswrbenen König den historischen Namen„Viteski Kralj Aleksander I.— Ujedinitelj"(„Der ritterliche König Alexander I. — Der,Einiger") zu geben. Nach der Eidesleistung gab die Regierung Uzunovit dem Regentschaftsrat verfassungsgemäß die Demission. Der Regentschaftsrat ersuchte aber die Regierung, in ihrer bisherigen Zusammensetzung im Amte zu bleiben. „Dubrovnik“ im Sturm Nach einer Funkmeldung ist der Zerstörer „Dubrovnik", der die Leiche des Königs in die Heimat führt, im Mittelmeer in einen heftigen Sturm geraten. Zur Einholung der Leiche des Königs Alexander begibt sich Freitag eine Regierungsabordnung nach Split. Der Sonderzug mit den sterblichen Ueberresten wird nach Belgrad über Agram geleitet. Die einzelnen Stationen wird der Zug langsam durchfahren, um der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, dem toten König die letzte Ehre zu erweisen. Die Aufbahrung der Leiche des Königs wird im Thronsaal des alten Konaks erfolgen. Italienisches Ehrengeleit Rom. Ein leichter italienischer Kreuzer und eine Eskadre Torpedobootzerstörer werden den jugoslawischen Kreuzer„Dubrovnik", an dessen Bord die sterblichen Ueberreste König Alexanders in die Heimat überführt werden, während seiner Fahrt durch die italienischen Küstengewässer begleiten., Polizist Gally nicht tot Paris. Amtlich wird die gestrige Meldung über den Tod des Polizisten Gally dementiert. Gally liegt im Krankenhaus, sein Zustand ist allerdings dauernd ernst. Malypetr, Bradat und Därer nach Belgrad Prag Amtlich wird mitgeteilt: An dem Begräbnis Seiner Majestät des Königs Alexander I. werden in Vertretung des Präsidenten der Republik der Vorsitzende der Regierung Fan M a l y- p e t r und weiter für die Regierung der Republik auch Minister für Nationalverteidigung Bohumir B r a d a c und Justizminister Dr. Ivan D i r e r teilnehmen. Von der tschechoslowakischen Armee werden an dem Begräbnisse der Generalinspektor der Armee General Jan S y r o v h, der Chef des Gcncralstabes Armeegeneral K r e j t f, eine 26- gliedrige Militärdeputation, eine Ehrenkompagnie des 48.„Jugoslawischen" Infanterieregimentes und eine Fliegerabteilung teilnehmen. Dr. Benes nach Paris «n bem Begräbnis des französischen Außen- Barthou wird für die Regierung der Republik Minister des Aeutzeren Dr. Benes teünehureru Zwei Komplicen verhaltet Ein dritter wieder entkommen Ein zweites Attentat in Paris war vorbereitet Paris. Die fieberhafte Suche nach de« Komplicen des Mörders hat bereits die ersten Erfolge gezeitigt: In der Grenzstadt Annemaffr.im Departement Haute-Savoie verhaftete die Polizei zwei Männer, di» Donnerstag früh ans Bad Thonon am Genfer See dort eingetroffen waren. Beim Verhör wurde festgestellt, daß sie Mitglieder einer terroristische« Organisation und nicht die einzigen Komplizen des Mörders waren. Die Verhafteten erklärten, daß es im Falle des Mißlingens des Marseiller Attentates ihr« Aufgabe gewesen wär«, in Paris«in neues Attentat zu verübe«. Bei ihnen wurden Pässe gefunden, von denen der eine auf den Namen Ladislav B e n es, geboren im Fahre 1903 in Zara, der zweste auf den Namen JaroslavNovak, geboren im Jahre 1900 in Görz, lautet. Ueber das Verhör dieser Komplize» Kelemens erfährt der Pariser Korrespondent des EPB von polizeilichen Stelle«, daß beide gegen Abend nach längerem Leugnen zugegeben haben, daß ihre Namen sowie ihre tschechoslowakischen Pässe falsch find. Sie überschritten am 26. September die italienische Grenze in Como. Am gleichen Tage betraten fie schweizerischen Boden. Der Tag, an welchem fie franzöfisches Gebiet betraten, ist in ihren Pässen nicht vermerkt. Der angebliche Benes gestand, daß er wirklich R» s i heiße und jPg»slawischer Staatsbürger sei. Noväk weigert fich, seine« richtigen Namen zu nenne». Beide gestanden, daß fie vor dem Attentat in Paris waren und dort mit dem Mörder zusam- mrntrafen. Sie lehnen jedoch jede direkte und indirekte Teilnahme an dem Attentat ab. Ihr Verhör gestaltet sich ziemlich schwierig, da fie nicht franzöfisch sprechen können, nur einer von ihnen spricht etwas deutsch. Beide werden noch heute nach Paris gebracht werden. Der Mörder Kelemen hat zwar das Attentat ansgeführt, war aber, wie es scheint, nicht das Haupt der Verschwörung. Rach dem Stempel in seinem Paß traf Kelemen am 28. September auf franzöfischrm Gebiet ein. Am 30. September wurde er in Marseille gesehen, wo er wahrscheinlich das Terrain besichtigte. Am 1. Oktober quartierte er sich unter dem Namen S u ck in dem Pariser Hotel„Regina" in der Htrgße Baza grau ein, wo er gleichzeitig mit dem angeblichen Bladislav Benes, recte RafiL, wohnte. Eine dritte Verhaftung eines Verdächtigen erfolgte Mittwoch abends auf dem Bahnhof in Fointainrbleau. Der Verdächtige war gerade im Begriff, den Zug nach Evian le Bains zu besteigen. Bei seiner Durchsuchung wurde ein Reisepaß lautend auf den Namen Malny(dir ersten Meldungen sprachen von„Silvester C h a l m y s" bzw.„Ralis") gefunden. Dem Manne gelang es jedoch plötzlich, sichden Gendarmen zuentreißen und im Dunkel der Nacht zu verschwinden. Seine Verfolgung wurde unverzüglich aufgenommen und es wird auch weiterhin nach ihm geforscht, bisher jedoch ohne jeden Erfolg, da die Wälder in der Umgebung Fontainebleaus sehr ausgedehnt sind. Auf Malny(auch als C h o l nY, S a l n y oder Malis bezeichnet), war die Pariser Polizei von einem Äaufteur aufmerksam gemacht worden, der ihn am Dienstag in einem Taxi nach Fontainebleau gebracht hatte. Auf Grund dieser Anzeige wurde Malny um Mitternacht im Wartesaal des BahnhofeS von Fontainebleau verhaftet, doch gelang es ihm, wie oben gemeldet, sich loszureißen und in die nahen Wälder zu entkommen. Den letzten Meldungen zufolge ist ihm jedoch die Gendarmerie auf den Fersen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er, der fließend französisch spricht, das Haupt der Verschwörer ist. Der Paß des Mannes wurde beim Betreten Frankreichs am 28. September in Vallorbe vidiert. Malay kam gleichzeitig mit Kelemen am 7. Oktober nach Aix-en-Provence, unweit Marseille. Zur gleichen Zeit kam dort auch ein anderer jnnger Mann an, der sich im Hotel als Egon K r a e m e r, Kaufmann aus Fiume, eintrug. Kelemen gab sich im Hotel als Bruder dieses Kraemer aus. Salny hatte in Fontainebleau eine Zusammenkunft mit dem Quartierkameraden Kelemens in Paris, Benes,«ud mit N o v äk, die offenbar Mitglieder der Pariser Verschwörergruppe waren. Noväk und Benes fuhren von Fontainebleau nach Evian, wo sie die französisch-schweizerische Grenze überschreiten wollten, aber bekanntlich von der Polizei in Thonon angehalten wurden. Ein gewißer Sthkomir N a I i s, ein Mazedonier, der fließend französisch spricht, ist nun im Vorjahr in Marseille wegen Diebstahl zu vier Monaten verurteilt und zu Beginn des heurigen Jahres aus Frankreich ausgewiesen worden. Er dürfte mit dem entflohenen Komplicen Kelemens identisch sein. Der Besitzer des Hotels in Aix hat auf Grund des Lichtbildes.Kelemen erkannt. Kelemen hatte sich in Air aeweiacrt, die Wohnungsanzeige ouszuWeu- Der falsche Paß Prag. Die durch die bisherige Tatsache., daß der Paß des Marseiller Attentäters Peter Kelemen ein Fälsiftkat war, wurde nunmehr durch die eingehende Prüfung dieses Passes bestätigt. Es wurde festgestellt, daß die auf dem Paß verwendete Stampiglie nicht dem Einheitsthp der von allen tschechoflowakischen BertretungSbehörden, demnach auch vom Generalkonsulat in Agram verwendeten Stampiglien entspricht, sondern bedeutend kleiner ist und in ihrer Ausführung von den echten Stampiglien abweicht. Auf der zweiten Seite des Passes ist die Rubrik der Staatszugehörigkeit mit einer Stampiglie ähnlich jener versehen, wie fie die Bertretungsbehörde in Agram verwendet, doch fehlt im Worte„kefloflovenflä" der Buchstabe„l" und schließlich ist das„a" kurz. Di« Oese, mit welcher auf der dritten Seit« die Photographie befestigt ist und di« die Bezeichnung„Za- mini" trägt, gleicht nicht den Oesen, mit denen die Photographien auf den tschechoflowakischen Pässen befestigt werden. Schließlich ist zwar die Unterschrift Dr. B r t n i k s der Unterschrift dieses Beamten ähnlich, doch zeigen die Schriftzüge, daß die Unterschrift im Wege der'Reproduktion auf den Paß übertragen wurde, weil sie Spuren einer feine« Rastrierung trägt. Der junge König schärfstens bewacht Paris. König Peter II. ist in Begleitung seiner Großmutter, der Königin-Mutter Maria von Rumänien, am Mittwoch abends in Paris eingetroffen. Schon bei der Landung des aus England kommenden Dampfers in Calais wären umfangreiche p o l r zeilicheSchutz- maßnahmen getroffen worden. Dasselbe geschah auch auf dem Bahnhofe in Paris. Um ganz sicher zu gehen, ließ man sogar den D-Zug, an dem ein Salon-Wagen für den jungen König angehängt worden war, 18 Kilometer von Paris entfernt in der Ortschaft Conesse halten, König Peter II. und seine Großmutter verließen im Kraftwagen zurück. blut ist ein schlechter Kitt Zur spanischen Revolution Die Verfälschung der TatsaDen gehört zum Metier des Antimarxismus und gewisser Auch- Demokraten. Schon vor den blutigen Ereignissen in Spanien war die christlichsoziale und ein Teil der übrigen Bürgerpresse bemüht, durch erfundene angebliche Greuel und Schauermärchen die Stimmung der Oeffentlichkeit zugunsten der auf die Wiederherstellung des alten Herrschastsverhältnisses der Kirche und des Monarchismus hinarbeitenden Reaktion zu stimmen. Ein entdeckter Revolutionsplan habe bewiesen, die Linke befinde sich vollständig am Gängelband« des Bolschewismus, ein Staatsstreich sei geplant, zur bestimmten Stunde sei durch Revolverschüsse und Bombenwürfe eine Panik hervorzurufen, von den Ballonen sei die bewaffnete Macht mit siedendem Oel zu begießen und alle öffentlichen Gebäude seien in die Lust zu sprengen. Nach der Machtergreifung durch die Arbeiter und Soldaten sei eine Art Bartholomäusnacht abzuhalten und die proletarische Diktatur auszurufen. Daß in Wahrheit die sich regenden Kräfte des Widerstandes ähnlich wie in Oesterreich aus dem Willen erwuchsen, die bestehende Verfassung zu schützen und zu verhindern, daß durch Wiederherstellung der Herrschaft der stüheren Mächte Elend und Jammer der Arbeiter- und Bauernbevölkerung verewigt werden sollen, fand in den von der spani- schen Regierung verbreiteten und von unseren diversen Reaktidnslakaien übernommenen Lügenberichten keinen Raum. Den darin erhobenen Behauptungen zufolge sei das ganze spanische Volk einschließlich der Arbeiterschaft des Klassenkampfes und der marxistischen Herrschaft gründlich satt und stehe hinter der von dem verkappten Fäscistenhäuptling Gil Nobles geführten Katholischen Volksaktion, welche die wahre Schätzerin der Volksinteressen repräsentiert, während der Marxismus Spanien ruiniert habe. Nicht anders war die Lügenhetze der österreichischen Kanonenchristen beschaffen, die jahrelang gegen das sozialdemokratisch verwaltete Hien, gegen die demokratische Staatsverfassung und die Arbeiterbewegung betrieben wurde. Da wie dort war das Ziel die blutige Niederwerfung der sozialistischen Arbeiterschaft, die Auslöschung ihrer Organisationen, die Beseitigung der demokratischen Staatsform und die Errichtung der Diktatur zum Wohle der Herrschaft der Kirche und des Kapitalismus. Zwar hat Gil Röbels seine Karten bisher nicht gezeigt und es, genau wie Henlein hierzulande, vorgezogen, seine wahren Pläne bis auf weiteres im Dunkeln zu lassen, aber die sozialistischen Massen und die linksradikalen Elemente waren nicht kurzsichtig genug, um zu erkennen, worum es der Reaktion gehe: um Leben und Zukunft der Arbeiterklasse und um die Verhinderung großzügiger Reformen zur Besserung der traurigen Lage der Massen der kleinen Bauern. In dem Eintritt dreier Mitglieder der Katholischen Volksaktion in die Regierung sah die gesamte Linke mit Recht den ersten entscheidenden Schritt auf dem Wege der Fascisierung des Landes durch die klerikale und monarchistische Reaktton und die herrschende ungeheuere Erregung, geschirrt durch die nur allzu begründete Besorgnis, es gehe der Republik ans Leben, brach sich in den furchtbaren Stürmen, die seit Tagen die Städte und Dörfer Spaniens durchtoben, elementar Bahn. Die revolutionären Kämpfer mögen vom Anbeginn ihren Untergang vor Augen gesehen haben, sie haben dennoch ebenso wie die österreichischen Arbeiter den ungleichen Kampf gegen die gesamte bewaffnete Macht ausgenommen, weil Verzweiflung sie trieb und sie nicht kampflos untergehen wollten. Den von offiziösen Stellen ausgehenden Berichten nach glaubt die Regierung baldigst restlos Herrin der Lage zu sein, jedenfalls hat es sich gezeigt, daß die Regierung Lerroux einen riesigen Teil der Bevölkerung gegen sich hat, der, aleich- falls wie in den Februartagen in Oesterreich nur durch Aufbietung der gesamten militärischen Streitkräfte niedergerungen werden konnte. So- ferne es einen Unterschied gibt, ist es nur der, daß die Dollfuß-Regierung Artillerie, Flammenwerfer und Minenwerfer gegen die eigenen Volksgenossen richtete, während der spanische katholische Antimarxismus auch noch durch Kriegsschiffe i Städte und. Volk bombardieren ließ, worin sich Seite 2 Freitag, 12. Oktober 1934 Nr. 239 Skandlnavlen-Reise Lord Edens London. Lordgeheimsiegellbewahrer Eden hat am Donnerstag vom Biktoriabahnhof eine Reise nach den skandinavischen Ländern angetreten. Eden wird am Freitag in Kopenhagen eintreffen und bis Samstag Abend in Dänemark bleiben. Bor der Abreise erklärte Eden Pressevertretern gegenüber:„Bei den gegenwärtigen Wirren in Europa ist es angezeigt, daß die Länder, die gemeinsame Interessen haben, gegenseitig enge Beziehungen aufrecht erhalten." der Fortschritt zeigt, den die christliche Charitas seither gemacht hat. Es ist eine durchsichtige Verdrehung, zu sagen, die Revolutionäre hätten es auf eine proletarische Diktatur nach-bolschewistischem Muster abgesehen gehabt. Die Kämpfe wurden um die Erhaltung der republikanischen Staatsform geführt, aber hinter dem Willen, sie zu verteidigen, stehen bedeutsame soziale Motive. Spanien könnte, wie dies einst der Fall war, ein Land des Wohlstandes sein, an dem alle Schichten teilnehmen. Doch durch Jahrhunderte haben Königtum und Pfaffenherrschaft Volk und Land ausgeplündert, verarmt, verelendet. Die spanische Revolution vor drei Jab- ren ist aus der unaussprechlichen Not der Arbettec- und Bauernmassen ebenso wie aus der allgemeinen Empörung über» die unter der Monarchie herrschende Korruptions- und Diebswirtschaft, emporgeschossen. Der siegreichen Revolution war es nicht möglich, wie die Massen gehofft hatten, Not und Elend in Kürze aus der Welt zu schaffen. Wenn sie ein Vorwurf trifft, so der, daß sie das dringendste Problem, die Bodenreform, nicht mit jener Energie zu lösen versuchte, wie es angesichts der furchtbaren Notlage des spanischen Bauernstandes notwendig gewesen wäre. Die im Winter des Vorjahres durchgeführten Wahlen signalifierten bereits deutlich die Mißstimmung großer Teile der bäuerlichen Bevölkerung über die Verzettelung der Reform, die endlich ihren Bodenhunger stillen sollte, die aber noch immer auf sich warten ließ. Gewiß hat es dafür ernste Hemmnisse gegeben, aber der Eindruck bleibt, daß die Unterschätzung der sozialen Triebkräfte es war, die dem jungen, republikanischen Spanien zum Verhängnis geworden ist. Die dank der überlegenen und von der vorläufig Halbfascistischen Regierung skrupellos verwendeten militärischen Machtmittel siegreiche Re- altion kann nun ihr Werk beginnen. Sie mag über die Herstellung der äußerlichen Ordnung triumphieren, sie hat dem Lande durch die Hin- metzelung tausender Volksangehöriger keineswegs die zu- einew gesündön Entwicklung notwendige Ruhe und Sicherheit gegeben. Genau wie in dem katholisch gemachten Oesterreich sind Ströme Blutes der eigenen Bürger vergossen worden, um ein Regime des Unrechts und der Unterdrückung zu errichten. Die geschichtliche Erfahrung lehrt, daß vergossenes Blut von Volksgenossen sich früher oder später immer rächt. Mit Kanonen und Maschinengewehren wird weder das nationale noch das soziale Problem gelöst. Die Zeit wird lehren, daß Spanien jetzt erst recht ein Herd der Unruhe sein wird. Aus dem vergossenen Blut, das jetzt an so vielen Orten in Spaniens Erde versickert, werden dereinst und wohl in nicht zu ferner Zeit für die um Recht, Verfassung und ein menschenwürdiges Leben gefallenen Kämpfer die Rächir erstehen. Henderson erkrankt terkunden, gleichzeitig ist der„Internationale Helfer" durch Herausgabe von Sonderheften für technische und pädagogische Fragen deS sozialistischen Erziehungswesens zu erweitern. Die Frage einer Herausgabe einer Internationalen Kinderzeitung ist zu realisieren. mit einer Erziehung zur soziale Revolution und de« historisch gegebene« verbunden sein. London- Der 71jährige Präsident der Abrüstungskonferenz, Arthur Henderson, ist erkrankt. Er muß das Bett hüten. Bereits auf der Tagung der Arbeiterpartei in Southport ließ der Gesundheitszustand Hendersons zu wünschen übrig. Handln Außenminister? Als künftiger französischer Außenminister wird an informierten Stellen der hervorragende Anhänger der Mitte P. E. F l a n d i n, Minister für öffentliche Arbeiten im Kabinett Doumergue, bezeichnet. Flandin war früher Finanzminister und dann Handelsminister, in welcher Eigenschaft er vor zwei, Jahren Pragbesuchte^, Im verflossenen Monat vertrat Flandin die französische Regierung bei den großen Feierlichkeiten für den Enedecker Kanadas Jacques Cartier in Kanada. Das Amt des Außenministers hatte Flandin bisher noch nicht inne. Ole aktuellen politischen Probleme der sozialistischen Erziehungsbewegung: Die Führertagung in Zürich bestätigt die grundsätzliche Aufgabe der sozialistischen internationalen ErziehnngSbewegnng, das Heranwachsende Geschlecht und anS der geschichtlichen Aufgabe heraus, insbesondere dir Kinder der Arbeiterklasse(Arbeiter-, Bauern- und Angeftelltenkinder) für die gesellschaftliche Aufgabe tauglich zu machen, die diese Generation im Kampf und Aufbau zu erfüllen haben werden nnd beschließt daher folgende Thesen: 1. Die Sozialistische ErziehnngSbewrgung ist allgemein« ErzirhungS und Kindrrbewegung; als erstere hat fie die Aufgabe: Die Grundsätze und Formen abzuleiten, die sich auS der sozialistische« Zielsetzung in der jeweiligen, besonderen Situation der Arbeiterklasse ergeben. Diese Kenntnisse zu propagieren«nd sich für ihr« Anwendung im öffentliche« und private« Leben einznsetzen. AIS autonome Kinderbewegung(z. B. Falkenbewegung) ist die ErziehungSbewrgnng, di« di« Kinder dnrch Gewöhnung und Strllnng von Aufgaben zur Selbstbrfteiung»nd Entfaltung einer modernen aktive« Kollektivität»nd z« einer sozialistischen Haltung und Gestnnnng führen will. Sir ist daher weder nur eine Fürsorgebewegung, noch hat sie Ersatz für Schule und Familie zu fein. Paris, Innenminister Albert Sarraut hatte Donnerstag gegen Abend eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Doumergue, wobei er seine Demission gab. Der Ministerpräsident wird dies« Demission am Montag in der Ministerratssitzung mitteilen. Weiters wird gemeldet, daß der Vorstand der staatlichen Sicherheitspolizei B e r t h o i n und der Marseiller Präfekt Iou- hia-n wa-w-d ihrer Funktionen entkleidet werden, weil: sie nicht die notwendigen Dispositionen zur Garantierung der Sicherheit des Lebens des Königs von Jugoslawien ynd seiner Suite ergriffen haben. Die Stellung Sarrauts als Minister des Innern wurde durch das Marseiller Attentat und die einmütigen Beschwerden über ungenügende Sicherheitsmaßnahmen der Polizei erschüttert und seine Stellung erwies sich als unhaltbar, als nachgewiesen wurde, daß das Attentat nicht das Werk eines fanatsschen Einzelnen war, wie Minister Sarraut erklärt hatte, sondern daß der Mörder Genossen hatte und das Attentat nicht nur in Marseille, sondern auch in Paris vorbereitet war. Tagungen der Sozialistischen Erziehungs-Internationale 2. Die Sozialistische Erziehung dient dem Neal einer soziale» Demokratie, das fie a«S der Abhängigkeit der Einzelexistenz im modernen Gesellschaftsleben auS dem höheren Grad der Vergesellschaftung der technischen Mittel im Arbeitsprozeß und auS der Zielsetzung der sozialistischen Gesellschaft alS einer planvoll gegliederten Bedarfsgemeinschaft ableitet. Diese soziale Drmokratte ist für fie die Mobilisterung aller jftäfte der arbeitenden Massen für die bewußt« sozialistische GesellfchastSgestaltung, fie ist nicht politische Form im klaffengegliederten Staat. Dieser Unterschied ist bei der lleberfetzung von politischen- Formen in pädagogische Praktiken wie in der Ge- samthaltnng zu berücksichtigen. 3. Die Ereignisse in den fascistischen Ländern, dir allgemeine Erschütterung deS bürgerlichen RechtS- bewnßtseins verlangt von uns eine Erziehung, besonders der Roffalken und älteren Falken zu einer gesellschaftlichen RechtSgefinnung auf revolutionärer Basis und sicheren Rechtsgewöhnung in unseren Gruppen. Wir wollen für die soziale Revolution, nicht aber für die gesellschaftliche Anarchie erziehen. 4. Friedenswille und Erziehung zu diesem Ideal werden nach wie vor bejaht, wie daS Nachahmen von militärischen Formen nnd Gewaltanbetereien bekämpft werden. Doch die Erziehung zum Friedenswillen muh gleichzeittg aktiven Bereitschaft, eine deren Durchführung mit und notwendigen Mittel« Diese Erziehnng wirft sich weniger in spezifischen Praktiken, alS in der Gesamthaltnng deS Helfers, im Grnppenleben, in der Festgestaltung nnd in der Gewährnng des Falken an eine machtbewußt mutige, auch vor Entbehrungen, Opfern und Härten nicht zurückweichende, disziplinierte Leben-Haltung auS. 5. Stärker alS bisher müsse« die großen politischen«nd wirtschaftlichen Ereignisse von Dauerbeden» tung nnd von unmittelbarer Auswirkung für die Erziehung zum Klaffenkampf lebendig gemacht werden und die internationale Verbundenheit, durch stän. dige, praktische Maßnahmen bewußt gemacht werden. Demission des Innenministers Sarraut Die verantwortlichen Beamten suspendiert Am 29. September und 2. Oktober tagte in Zürich die Exekutive der Sozialistischen Erziehungs-Internationale. Zunächst wurden die Berichte erstattet. ES besteht Uebereinstnnmung darüber, daß die Sozialistische Erziehungs-Internationale bereit ist, an der Schaffung einer umfassenden, sozialistischen Kulturinternattonale mitzuwirken. Die Verbindung mit der tschechischen Skautbewegung ist infolge des Lagers anläßlich der Olympiade in Prag enger geworden. Für den Sommer 1938 sind kleinere gemeinsame Lager geplant. Der Verkehr mit den polnischen angeschlossenen Organisattonen ist intensiver geworden. Die Polen enffälten eine lebhafte Tätigkett. ES ist der Versuch gemacht worden, den»Inter* nätionalen Helfer" in jiddischer Sprache herauszugeben. Nr. 1 ist jedoch von der polnischen Regierung beschlagnahmt worden. Di« französische Bewegung entwickelt sich außerordentlich gut. Zu den drei belgischen Bewegungen(U. I. O., A. I. C. und die Antwerpener Kinderbewegung) gibt eS gute Beziehungen, ebenso zu der holländischen Falkenbewegung. Mit der englischen Woodcraft-Bewegung besteht engere Verbindung. Es besteht Interesse für die Sozialistische Erziehungs-Internationale bei dem Na- tionale Coucel of Labour Colleges. Bon Schweden wird beruhtet, daß die Bewegung der Ungar Cernas die Teilnahme am internattonalen Lager in Aussicht stellt. Mit der ungarischen und rumänischen Bewegung, die außerordentliche polttssche Schwierigkeiten haben, besteht Verbindung. Die. Schweizer Bewegung hat gute Fottschritte gemacht. Die Sitzung befaßte sich dann mit der Vorbereitung der Führertagung. Die getroffenen Maßnahmen werden gebilligt und dtt borgelegten Thesen zur Vorlage an die Führertagung genehmigt. Außerdem wurde beschlossen: Die Empfehlungen der Führertagung(Thesen zu Punft 1, 2 und 3 der Tagesordnung) werden einstimmig zu Beschlüssen erhoben. Gleichzeittg mit der Tagung der Exekuttve der S. E. I. fand im Kinderfreundeheim Mösli bei Zürich die zweite internattonale Führertagung statt. Vom 30. September bis 2. Oktober waren 43 lei« tende Erziehungsfunktionäre aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Holland, Oesterreich, Polen, Schweiz und der Tschechoslowakei als Gäste der Schweizer Kinderfteunde in dem herrlichen Heime in MöSli zu einer vom besten internationalen Geist getragenen Arbeitsgemeinschaft vereint. Die nachfolgenden Thesen zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung sind daS Ergebnis einer ernsten, sachlichen und von ttefem Willen sozialistischer Ueberzeugung erfüllten Beratung. - Die Führertagung faßte den'Beschluß, im Juli und August 1938 eine Internationale Falkenrepublik bei Paris durchzuführen. Die Falkenrepublik ist grundsätzlich für Junkfalken (11jährige), Rote Falken(12 bis 14jährige), und ältere Falken über 14 bis 16 Jahre einzurichten, unter Berücksichtigung der notwendigen, pädagogischen und organisatorischen Unterschiedlichkeiten. Mü der Falkenrepublik soll eine internationale Führertagung und eine ErziehungSkundgebung verbunden werden. Es wurde u. a. beschlossen: Die Durchführung einheitlicher Bezeichnungen für die Kinderbewegung, und zwar nach Altersstufen getrennt. Mit dem„Internationalen Helfer" ist ein« > Pressestelle für sozialistische- Erziehung-Wesen zu 19 BRUNO ADLER: Ein Zeuge gibt an, die Mutter deS Janda habe ein mtt Blut getränkte- Tuch gewaschen. ES stellt sich ferner heraus, daß Janda auch im vorigen Jahr, und zwar um die Zett, als die Klima verschwand, in Polna gewesen ist. Gegen den von ihm verdächtigten Verwandten liegen ebenfalls gewichtige Verdachtsmomente vor. Der Prager Kommissär fährt nach Kuttenberg, von dort mit dem Staatsanwalt und dem Untersuchungsrichter nach Polna. Hausdurchsuchungen und Vernehmungen ergeben, wie einige Blätter berichten, einen fast geschlossenen Beweis. Die Prager Polizeidirektion wird ersucht, den Verdächtigten dem Kreisgericht Kuttenberg auSzulie- fern, und das„Prager Tagblatt" schreibt: „Als Ergebnis einer langwierigen, in aller Sille geführten Untersuchung steht mtt nahezu völliger Gewißheit fest, daß nicht HilSner der Mörder war, sondern Janda auS Lieben. Mindestens ist er an dem Mord beteiligt. Damit sind auch die abscheulichen Verdächtigungen, von gewissenlosen Hetzern genährt, widerlegt." RitttalmBrtet Aber dir! Aber Hilsner bleibt in Haft. Neue Zeugen ! melden sich, die ihn belasten, bereits deponierte Aussagen werden zu seinen Ungunsten abgeändert, andere machen unaufgefordert Mitteilungen, die dem verhafteten Janda dienlich sind. Vor dem neuen BernehmungSrichter Pilar begründet der Wachtmeister Klenovec die Verhaftung HilSnerS: Der Kerl sei verdächttg, well er oft im Bresina- wald spaziere« ging und well er neben dem Hause der Prchal wohnte; überdies habe er sich bei einer Hausdurchsuchung dumme Witze erlaubt. Nochmals erscheint Marie Gobotka, die vor vierzehn Tagen erklärt hat, daß sie Hilsner an jenem Un- glücksmittwoch abend vor sechs, die Sonne stand noch am Himmel, in vierzig Schritt Entfernung vom Wald her zur Stadt gehen sah. Diese Aussage war günstig für den Verhafteten. Denn gerade um die bezeichnete Zett muhte die Agnes oben am Wald angekommen sein. Hllsner hätte also, wenn er der Täter war, innerhalb weniger Minuten das Verbrechen begehen, die Leiche sorgsam und umsichtig mtt Bäumchen bedecken, die Kleider wett umherstreuen und den Weg zur Stadt antreten müssen. Also berichtigt die Sobotka ihre Bekundung: Es sei damals nur noch schwaches Licht, demnach sechs Uhr schon vorbeigewesen, und Hilsner sei gelaufen. Die Entfernung, aus der sie ihn gesehen habe, verkürzt sie jetzt auf dreißig Schritte. Eine Frau Hajek hat auch etwas auSzusagen. Einmal habe sie den Hil-ner getroffen, alS er mit seinem Freund Skala spazieren ging. Der Jude hat sofott eine anzügliche Bemerkung gemacht, hat sie um den Hals gefaßt und gefragt, ob sie mtt ihm gehen wolle. Sie wollte natürlich nicht, und er machte sich davon. Wie die Sache mtt der Hruza bekannt wurde, habe sie gleich zu ihrem Mann gesagt, so einem wie dem Hilsner sei alles zuzutrauen. UebrigenS, setzte sie hinzu, habe sie ihn auch im vorigen Jahr einmal im Wald getroffen, etwa eine Woche, nachdem die Marie Klima verschwunden war. Klenovec bringt den Vesely an. Der habe ihm von einem Messer erzählt, daS HilSner besessen habe; nach der Beschreibung scheint eS ein Schächtmesser gewesen zu sein. Vor dem Richter erklärt Vesely, daS Messer sei 30 Zentimeter lang gewesen und habe keine Spitze gehabt,«cher es habe nicht wie rin Schächt«, sondern wie ein Küchenmesser ausgesehen. Nach ein paar Tagen kommt er wieder u. bezeichnet es als ein kleines Schächt messer; Polda habe e- in der Brusttasche getragen, die Spitze sei lang und glänzend sichtbar gewesen. Das Messer wird zum Stadtgespräch. Ein anderer Zeuge, Pari!, hat eS ebenfalls in Hilsners Rocktasche gesehen, 40 Zentimeter lang, sehr scharf, mit stumpfer Spitze, in einer lederenen Scheide. Und nun erscheint der Fuhrmann Cink. Cink kann die Juden sett jeher nicht leiden, jetzt wird er es ihnen zeigen, nichts will er verschweigen, was er an jenem Mittwoch erlebt hat. Er hat damals vor dem Haus der Frau Pojmann eine Fuhre Stroh abgeladen. Das Pojmannsche Haus liegt in der kleinen Gaffe, die voM Oberen Tor zum Mühlbach und den Brückeln hinunterführt und in den Weg nach der Bresina mündet. Es war zehn Minuten nach fünf, da kam einer.wie im Sprung" gelaufen. Das war doch der Polda, er kennt ihn ja ganz genau, und ihm auf den Fersen zwei Burschen. Wer die beiden waren, weiß er nicht— entschieden Juden. Einer von ihnen, etwa zwanzig Jahre alt, hatte ein volles Gesicht mit Bartstoppeln, großen Augen und aufgeworfenen Lippen, und wenn er auf seinen X- Beinen lief, wackelte er und schleppte einen Fuß nach, ein richtiger Satansbraten. Gerade als er bei Cink vorbeikam, steckte er etwas in die innere Rocktasche, eS war länglich und schmal und in Papier«ingewickell. Der andere Jude war Keiner und schofel angezogen. Ihn hat er von hinten gesehen. Die drei galoppierten also kurz nach fünf in großen Sprüngen zu den Brückeln hinunter. DaS ist endlich einmal eine Enthüllung, die sich lohnt. Cink ist der Held des Tages. Aber schon am Tag darauf überttumpft ihn die Näherin Pepi Bytlaill, die eine interessante Begegnung mit Hilsner hatte. Sie traf ihn am Abend vor dem Mord auf dem Ringplatz u. brachte ihm aus Wien einen Gruß von der Halil mit, mit der er einmal etwas gehabt hat. Daraufhin erzählte er ihr sogleich, jetzt habe er eine andre, eine Bessere, eine in Wjesnitschka. Dann hat er sie gefragt. ob sie sich fürchte. Nein? Er fürchte sich auch nicht, und dabei hat er aus der Rocktasche ein langes, schmale- Messer in einem Lederfutteral ge« zogen und ihr gezeigt. Sie hat es beim Licht der, nächsten Laterne genau gesehen. Aber was ist das alles gegen den glücklichen^ Zufall, dem Philomena Broz und ihre Tochter Frieda den stärksten Beweis gegen Hilsner verdanken! Am Ostermontag, als Hllsner zum erstenmal verhört worden war, saßen sie an dem Fenster ihrer Wohnung, die neben der Synagoge; liegt, und hörten, wie die Juden, aus dem Tem« pel kommend, sich aufgeregt unterhielten. Da-! Fenster war zwar geschlossen, aber man weiß ja»! wie sie schreien, wenn sie unter sich sind. Sie Landen um Hilsner herum, Steiner, Aufrecht, Basch, Fried, Bodansky, Müller und noch andre, und re»> beten aufeinander ein. Gar nichts kann ihm ge-; schehen, wenn er sich nicht selber verrät, versichert«; Aufrecht. Zeugen sind keine da, und wir— allei für einen und einer für alle. Andre machten dem, Kantor Steiner Vorwürfe, weil er vor dem Richter; nicht bestätigt habe, daß HllSner am 29. März um sechs Uhr beim Gottesdienst im Tempel gewesen sei. Einer erklärte, man habe den Schnitt nicht genau nach der Vorschrift ausgeführt, die Hruza sei daher.trefe". Oskar Fried beruhigte alle:; Was kann ihm geschehen? Nichts kann ihm geschehen. Er wird nicht sprechen, und Zeugen haben sie keine. Dem Richter Pllar kommen diese beiden, maßlos aufgeregten und überreizten Zeuginnen nicht geheuer vor. Er läßt die von ihnen genannten Juden kommen. An der ganzen Erzähl lung sei nicht ein wahres Wort, behaupteten sie. Und der Kantor Steiner erschüttert die AussaK der Frauen bedenflich, indem er nachweist, daß seine Einvernahme erst einige Tage nach Osterch erfolgt sei. (Fortsetzung folgt.) «r. 23k» Freitag, 12. Oktober 1934 Sekte S auch Ueber 2000 Verhaftete Gömbös’ Besuch In Warschau äbtt sein. KC19. Lchlüffcl entschieden wird, kann dies« Frage mit Erfolg gelöst werden. Wiirttembergischer Landesbischof in Pension geschickt SO8 SEITEN TEXT HG SEITEN KUNSTDRUCK „Jagd“*Rendezvous auS Tode Barthous in der polnischen Presse eine kurze Notiz, daß Minister deS Auswärtigen B e ck der französischen Gesandtschaft in Warschau eine» Kondolenzbesuch nicht abstatten konnte, weil er über Auftrag des Staatspräsidenten an einer Jagd in den Staatsforsten bei Lemberg teilnahm. Mehr nicht. Und doch wird durch diese Notiz bestätigt, daß kurze Zeit vor den Schüssen in Marseille eine Jagd an den Südostgrenze» Polens stattfand, an der in Begleitung des polnischen Außenministers mehrere polnische Politiker teil- nahmen. Solche Jagdzusammenkünfte fanden auch zu Zeiten der seligen österreich-ungarischen Monarchie statt, wenn man auf unauffällige Weise politische Besprechungen abhalten wollte, die in der Abgeschiedenheit besser als in den Berhand- lungssälen des Außenministeriums durchgeführt werden konnten. Ehrengast bei der großen politischen Jagd war«. a. der preußische Ministerpräsident Herrmann G o e r i n g, der in Begleitung einiger Landsleute gekommen war, die in der auswärtigen Politik der nationalsozialistischen Partei und damit auch Deutschlands selbst bestimmend sind. Obzwar die verschiedenen Besprechungen mit der allergrößten Vertraulichkeit und Vorsicht geführt wurden, kann kein Zweifel bestehen, daß sie sich auf der Linie des deutsch-polnischen Vorstoßes nach dem O st e».bewegten. Außenminister Beck hat vor kurzem den Presseleuten im Äntzang an seine Erklärungen über die Minderheitenfrage mitgeteilt, daß Europa bald noch größere Ueberraschungen erleben werde. Die Zusammenkunft Becks mit Goering deutet darauf hin, daß man diese Aeußerung ernst nehmen muß. Genosse Speiser freigelassen Wien. Am Mittwoch und Donnerstag wurden neuerlich einige sozialdemokratische Führer aus dem Anhaltelagcr in Wollersdorf entlassen, darunter der ehemalige Wiener Stadtrat Speiser. ARBEITERJAHRBUCH tenter Stelle mitgeteilt, daß dies« Nachricht ganz grundlos ist. Tatsache ist, daß mit den Gewerkschaften schon seit längerer Zeit über gewisse administrative Maßnahmen verhandelt wird. Es handelt sich hier aber vor allem darum, daß das Finanzministerium und dar Oberste Kontrollamt von den Gewerkschaften Stuttgart. In einem Aufruf an die würt- tembergische Pfarrcrschaft teist der geistliche Kommissar der evangelischen Landeskirche Württembergs mit.^daß die Landessynode den Antrag aus Pensionierung des LandeSbischofes Dr. Wurm angenommen habe. Auf Grund dieses Beschlusses habe er als Beauftragter des ReichsbischofeS für Württemberg die Pensionierung vollzogen. Barthou am Qual d’Orsay aufgebahrt Paris. Der Sarg mit den sterblichen Ueber- resten deS Außenministers Barthou ist seit Donnerstag vormittags im Uhrensaal im Gebäude des Außenministeriums aufgebahrt. Hohe Beamte der Außenministeriums halten am Sarge die Ehrenwache. Seit den. frühen Nachmittagsstunden pilgert eine große Menschenmenge an dem Sarge vorbei. Der Sarg wird bis Samstag mittags öffentlich aufgebahrt bleiben. Prag. Die böhmische Landesvertretung hielt Donnerstag nur eine Bormittagssitzung ab, da am Nachmittag die Eröffnung des neuen pomologi- schen Instituts deS Landes in Ruzyne vorgenommen wurde. In der fortgesetzten Budgetdebatte sprach Genosse krefcl Wir bringen heute einen Auszug aus jenem Teil der Rede, in welchem er sich mit der Not der Arbeitslosen und den sich hieraus ergebenden Aufgaben der Verwaltungsbehörden befaßte: Die Klagen darüber, daß bei der Durchführung der UnterstützungSaktton für die Arbeitslose« dem Gesetze und dem Willen der gesetzgebende» Körperschaften nicht in vollem Maße entsprochen wird, kommen aus alle» Bezirken." Der Vorwurf trifft viele BezlriKbehörden, welche der Aufsicht der Lan- deSbehörde unterstehen. Einem Arbeiter— in der Gemeind« Langenau —, der in den Wald ging, um dort Holz zu sammeln, wurde die Ernährungskarte mit der Begründung entzogen, daß er arbeite! In andern Bezirken wurde Arbeitslosen nur deshalb, weil sie«ine baufällige Hütt« besitzen, die ihnen keinen Heller Er- ttag einbringt, die Unterstützung mit dem Bemerken genommen, daß sie Vermögen besäßen! Solcher Beispiele könnte man unzählige anführen. Sie beweisen, daß viele Behörden im Lande und in de« Bezirken ihre Agenda ohne Klarheit «ad ohne daS notwendige soziale Empfinden auS- üben. Die Kontrolle, welche die.Landesbehörde über die ErnährungSaktton durchführt, ist streng, hart und oft sogar grausam. Nicht allen Schichten gegenüber verfährt man in gleicher Weise. ES wäre zu wünschen, daß die Subventionen an die Landwirtschaft mit derselben Präzision kontrolliert werden würden. kontrolliert die Unternehmer, «eiche Landesaufträge erhalten I Unsere Leute werden nicht mehr in ihrer Gesamtheit in die Fabriken zurückkommen. Wir wären wirklich nicht ernst zu nehmen als Verwaltungskörperschaft, wenn wir nicht dieser Tatsache unsere gesamt« Aufmerksamkeit schenken würden. Darum muß di» ArbettSlosenfrag« im Mit- telpunkte deS gesamten Handelns unserer Vermal. Henlein die unbedingte Klarstellung darüberbildtzt. wiesichHen- lein zu diesen drei Grundmaxi-^ men unserer Partei verhält." Wie die Führer der land ständischen Jugend! selbst zu diesen drei Grundmaximen der Land-! bündler stehen, das weiß man jetzt aus dem§ „Deutschen Jugendland", den„Landständischen! Monatsheften" und dem„Deutschen Landvolkskalender". Es handelt sich also darum, daß der! Bund der Landwirte nickst nur sein Verhältnis zur Henleinbewegung klärt, sondern auch zu jenen wenigen Intellektuellen, die sich im Auftrage des Kameradschaftsbundes der landbündlerischen Jugendbewegung bemächttgt haben, um sie Henlein zuzuführen. Der Most gärt — er gärt aber in den Kellern Henleins! Bor einiger Zeit hat ein den Landbündlern nahestehendes Organ gemeint, es wäre an der Zett,, daß auch im deussche» Lager die Arbeiter mit den Bauern so zusammenarbetten wie im ttchechifchen. Die grundlegende Voraussetzung der Zusammenarbeit ist im tschechischen Lager das unbedingte Bekenntnis z u r Demokratie. Im deutschen kann es nicht anders sein. Es liegt unS daran, daß anch die deutschen demo- kratischen Bauern weiterhin an der Regierung mtt- arbeiten. Sie werden das nur können, wenn sie sich— auch aus„Koalitionsanstand"— von den verkappten Fasttsten in ihrem eigenen Lager ttennen. Warschau. Der auf einen späteren Zeitpunkt ... verschobene Besuch des ungarischen Ministerprä- eine Erhöhung ihrer Beiträge zu den Arbeitslosen- j sidenten Gömbös in Warschau wird wahrscheinlich fonds verlangen. Diese Frage wurde aber schon zu! am 21. Oktober stattfinden. Die Jnitiattve für die einer Zeit aufgeworfen, als nodj Genosse Dr. Czech Verschiebung des Besuches ging von der ungari- im Fürsorgeministerium war, und ist seither in\ schen Regierung aus und fand die Zustimmung Schwebe.! der polnischen Regierung. Oviedo von Resierunss- truppen besetzt Madrid. Das Kriegsministerium hat Donnerstag um 17 Uhr 45 mitgeteilt, daß die Regierungstruppen in Oviedo eingezogen sind. Flugzeuge haben die Positionen der Aufständischen zwischen Oviedo und Mieres unter heftiges Bombardement genommen. Wie aus Barcelona mitgeteilt wird, hat der ehemalige Ministerpräsident A z a n a vor dem Militäruntersuchungsrichter erklärt, daß er dem katalanischen staatlichen Umsturz vollkommen fern stand und daß er dies durch verschiedene Briefe und Dokumente beweisen werde. Die Behörden in Barcelona setzen die Verhaftungen unter den Aufständischen fort. u><.„ n„„„,. 8 Nach einer Reutermeldung leisten die spani» wie^möglich»tftgatorisch^werd«»' Rur sö" dätz^icht! schen Aufständischen den Regierungstruppen in nach der Parteirichtung, sondern nach dem soziale»! der Provinz Asturien weiterhin Wider- " stand, sollen jedoch schwere Verluste erlitten haben. In Madrid herrscht schon Ruhe, doch wurde noch keine Anordnung über die Beendigung deS Generalstreikes ausgegeben. Aus verschiedenen Orten Spaniens werden einige Zusammenstöße gemeldet. Die Zahl der sett Beginn des Ausstandes in Spanien verhafteten Personen hat bereits 2000 überschritten. keine weitere Novellierung Nach einer amtlichen Meldung wurde auch ,!der politische Direktor und Chefredakteur des Blat- OeS«enter Systems) tes ,,E I Socialista" verhaftet. In Sevilla In der TageSpreffe tauchten Nachrichten auf, wurden neun Mitglieder des sozialistischen Par- als ob eine Neuregelung deS Genter Systems in' terauSschusseS von Andalusien in Haft genommen, der Richtung geplant sei, daß die Unterstützungs- Das.Kriegsgericht verurteilte den Oberstsätze herabgesetzt werden. Hiezu wird von kompe-1 leutnant R i ch a r d, den Führer der Ausstän- —“■“ dischen, zu lebenslänglicher Zwangsarbeit. 1935 SOEBEN ERSCHIENEN! Beck— Goering Wie uns ein Mitarbetter unseres Blattes Krakau meldet, fand sich am Tage nach dem Ein Wort an den Bund der Landwirte Verwaltungsbehörden ohne soziales Empfinden Die Arbeitslosigkeit muB Im Mittelpunkt des Denkens und Handelns aller stehen Die„Deutsche L„ndpost", die unsere letzten Hin-' weise auf das Treiben der landständischen Jugend: vor einigen Tagen beantwortete, wirst uns nichts! weniger als die Uebertretung der Grenzen vor, die der„Koalitionsan st and" den gegen-; 1 fettigen Polemiken vorschreibe. Das Treiben der' sozialdemokratischen Presse stelle jede Möglichkett/ des Zusammenarbeitens in Frage und sei offen-!' sichtlich darauf gerichtet, die deutschen Landbündler I aus der Regierung hinauszuekeln. Man arbeite gegen die deutschen Landbündler mtt Unwahrheiten und Unrichtigkeiten. Uns ist an einer Klärung des Verhältnisses zur zweiten deutschen Koalitionspartei viel gelegen. Wir nehmen deshalb die Antwort der„Deutschen Landpost" gerne zum Anlaß, über unsere Veröffentlichungen noch einiges zu sagen. Dies erscheint uns um so notwendiger, als die„Deussche Landpost" auch in der Erwiderung an uns nicht das geringste zur Beseitigung der Zwieschlächtig- keit beigetragen hat, die in der letzten Zeit das Wesensmerkmal der landbündlerischen Politik ge-■ worden ist. Wir hatten festgestellt, daß Herr Minister Spina die Willensäußerung des Bundes der Landwirte dem Herrn Gustav Hacker überläßt. Die„Deutsche Landpost" fragt uns, ob wir nicht wüßten, daß Herr Minister Spina in der letzten Zeit„sehr ost und parteioffiziell und auch im weiteren Kreise programmatische Erklärungen über die Stellung der Partei zu Staat, Republik und Demokratie und gegen die Feinde von Republik, Staat und Demokratie" abgegeben hat. Herr Spina sei der Führer des Sudetendeutschen Landstandes, während Hacker jedoch nur der stellvertretende Führer des Bundes derLandwirte sei. Gewiß— Herr Spina hat in der letzten Zett wiederholt sehr eindringlich die Aufgaben der Demokratie im Kampfe gegen ihre Feinde dargestellt. Wir haben davon immer Kenntnis genommen und hatten das auch nicht vergessen, als wir unsere Hinweis auf die fascistische Tätigkeit der landständischen Jugend schrieben. Aber die Behauptung, Herr Spina habe in der letzten Zett als Führer einer Koalitionspartei ein klares Wort gesagt(das dann natürlich auch gegen seine antidemokratischen Parteigenossen gerichtet gewesen wäre), kann von der«Deutschen Ländpost" im Ernste nicht erhoben werden. Tenn Herr Spina ist, schon wenn er wollte, gar nicht berechtigt, für den Bund der Landwirte zu reden. Wir haben ja schon vor Monaten auf die Groteske aufmerksam gemacht, die darin besteht," daß Herr Spina zwar Führer des Sudetendeutschen Landstandes ist, der bewußt darauf verzichtet, als Partei angesehen zu werden, daß er aber der Leitung des Bunde« der Landwirte, jener Partei also, die e r in der Regierung vertritt, gar nickt angehört. Mr sie spricht, da der Parteivorsitzende Leonhard Kaiser erkrankt ist, gegenwärtig Herr Gustav Hacker. Die„Deusscke Landpost" sollte auck nicht den Versuch unternehmen, das Problem Spina- Hacker dadurch aus der Well zu schaffen, daß es auf die Ueberordnung Spinas über Hacker hinweist. Es bleibt die Tatsache bestehen, daß Herr Hacker die demokratischen Bekenntnisse des Herrn! Führers Spina ständig Lügen straft. Gustav Sackers politische Tätigkeit kann auch nicht durch die Ausrede, es handle sich dabei um Aeußerungen „gärender Jugend" ins Harmlose umgedeutet werdend Gustav Hacker ist stellvertretender Führer des Bundes der Landwirte, hat also eine hohe Partei funktion. Und wenn die Ansichten eines: solchen Parteifunktionärs in Widerspruch zu den' demokratischen Grundauffaffungen der Partei und zu den Prinzipien unserer Demokratte überhaupt stehen, dann muß er abberufen werden. Dies vor allem ist ein Gebot des„Koalitionsanstandes". Wir wünschten, daß das, was Herr Spina über die Demokratie sagt, ernst genommen wird. Wie\ aber können es die Koalitionsparteien ernst nehmen, wenn sich ein Flügel desBundes derLandtyirte darüber lustig macht? Herr Minister Spina redet— wann aber wird der Parteimann Spina dafür sorgen, daß seine Reden auch für die Hacker und Hetz verbindlich werden? Wie wenig Herr Spina seine schützende Hand über getarnte Fascisten halte, geht nach der „Deutschen Landpost" daraus hervor, daß sie selbst erst vor kurzem ausführlich auf die gefähr« ' liche Tätigkeit des Krebs aufmerksam gemacht habe. Sie hat gewiß recht daran getan, die Umtriebe des K r e b s zu enthüllen und vor ihnen zu warnen. Aber sie liefere doch endlich den Beweis, daß sie mü derselben Klarheit jemals von Henlein und seinem Freund Hacker ein Bekenntnis zur Demokratie gefordert hat. Die Henlein- Hacker-Leute: das find die getarnten Fascisten, die wir meinen! Die„Deutsche Landpost" meint, man müsse die Haltung der Jugend verstehen; es sei Most da, der„in einer vernünftigen polttischen Kellerwirt- imaft auSg^ren" müsse. Auch die Sozialdemokrat ten hätten ihre Jugendprobleme. Die Landbündler mögen sich über das Jugendproblem bei den Sozialdemokraten nicht den Kopf zerbrechen. Unsere Jugend be- kennt sich zu i r e r Partei und das Organ unserer Jugendbewegung, die ,/Tozia- tungSkörperschasten stehe«— und nicht zuletzt deS Landes— und jeder Auftrag, der an irgendeine« Unternehmer vergeben wird, muß verbunden fei» mtt dem Willen, daß durch ihn die soziale Rot gemildert werde. Er muß verbunden sein mit dem Willen, durch diesen Austrag die Arbeitsmöglichkeiten zu vergrößern und eS muh auch von diesen Stellen aus alles versucht werden, um die Arbeit auf möglichst viel« Menschen zu verteilen. Wir werden ja noch bei Behandlung der einzelnen Kapitel des Voranschlages hören, daß einzelne Unternehmer, wenn sie vom Lande Aufträge bekommen, sich nicht im geringsten! an den Willen dieser Körperschaften halten. Es kommt zu einem scharfen Wortwechsel zwischen dem Genossen K r e j k i und Dr. K i S l i n- ger(DAWG), welcher die Industriellen in Schutz zu.nehmen versucht. Genosse K r e j k i antwortet auf die Zwischenrufe mit der Nennung ganz konkreter Falle, worauf'sich Dr. K i slkn g e r nicht anders zu helfen weiß, als durch einen Protest gegen die Anführung von Namen. Schafft die obligatorische Arbeitsvermittlung I Genosse Krejöi kommt auf die Arbeitslosen-! frage noch in Verbindung mit der Arbeitsvermittlung zurück: Den ArbettSvermitttungSanstalte« müßte daS Land Instruktionen erteilen, daß eS ihr« Aufgabe ist, darauf zu achten, daß jeder, der de» Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung hat, sie tatsächlich bekommt. Die Konttolle der Unterstützungen kann nicht allein der Zweck der Arbeitsvermittlung. Es ist ja nicht unbekannt, daß in sehr vielen Fällen Unternehmer und auch Bauern den Kampf gegen eine bestimmte Richtung in diesem Staate mit dem Entzug« deS Arbeitsplatzes führen. Wenn der Arbeitsuchende nach der Meinung des Unternehmers «in Marxist sein könnt«, so wird ihm der Arbeitsplatz verweigert. Dieser Tatsache des Kampfes mit dem Entzug des Arbeitsplatzes muß unserer Auffassung nach auch von feiten der gesetzgebenden Körperschaften entgegengetreten werden. Wenn wir nicht zurückfallen sollen in Knechtschaft und Recht- losigkett, dann muß die Arbeitsvermittlung so schnell listische Jugend", ist ein ensschiedener Verfechter der Demokratie. Die landbündlerffche Jugendbewegung bekennt sich jedoch»u Henlein und, wie wir an Hand von Zitaten aus dem„Deutschen Jugendland" nachgewiesen haben, zu Hitler. Die.Landständischen Monatshefte"(Re- dakteur Schmidt, derzeit im Kreisgericht Püsen) sind die führende Zeitschrift jenes Sudetendeutschen Landstandes, dessen Führer Herr Minister S p i n a ist und Herr Dr. Hetz hat den„Deutschen Landvolkskalender" im Auftrage des Sudetendeutschen Landstandes redigiert. Es handett sich dabei also tatsächlich um Partei-(bzw. land- stands-) offizielle Enuntiationen und wir haben es nickt nötig, ihnen erst den Sinn von solchen .beizulegen". Die„Deussche Landpost" schreibt: „Unsere Jugend weiß ganz gut. daß die Partei in Fragen des Staates, der Republik und der Demokratte kein Kompromiß versteht und wenn man sie von sozialdemokrattscher Seite der Heinlein-Anhängerschaft beschuldigt, so möge man zur Kenntnis nehmen, daß auch für unsere Jugend die Voraussetzung für ein Nebeneinanderleben mit Seite 4 Freitag, 12: Oktober 1934 Nr. 239 Wie Arbeiterseider verwendet werden Em weiterer Beitrag zur Naturgeschichte „nationaler" Gewerkschaften Die Büchdruckerei„Gutenberg" in Dux, Inhaber Adolf Müller, ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten und hat ihren Gläubigern einen 45pro- zentigen Ausgleich angeboten. Die Zahlungen sollen in vier Raten, beginnend am 1. Oktober 1933, endend am 1. Juni 1936, geleistet werden. Die Aktiven betragen 1,407.415.80 Kc, die Passiven 1,388.892.60 Kc, so daß ein Aktivsaldo von 18.523.20 Kc verbleibt. Das Ausgleichsverfahren würde die Oeffent- lichkeit nicht weiter interessieren, wenn es sich bei dem Unternehmen nicht um die Druckerei handeln würde, in der bis zum Verbot der Partei, die nationalsozialistischen Erzeugnisse, unter anderen! auch der„Tag" das Licht der Welt erblickten. Als\ die Druckerei in Zahlungsschwierigkeiten geriet, erhielt sie von dem Gewerkschaftsverband der Arbeiter in Aussig ein Gesamtdarlehen in Höhe von nicht weniger als 741.234.05 KL, während der Deutsche Arbeiterbund in Dux, seiner Bedeutung entsprechend, mst nur 1768.30 Kc beizuspringen vermochte. Natürlich wurde das Geld nicht der Buchdruckerei„Gutenberg" zu Liebe verpumpt, man sprang der Firma vielmehr bei, um sie vor dem Schaden zu bewahren, den sie durch den Druck der nationalsozialistischen Erzeugnisse erlitten hatte. Die uneinbringlichen Forderungen in Höhe von 247.104.25 Kc setzten sich nämlich ausschließlich aus Druckkostenoorschüssen zusammen, die die Firma„Gutenberg" der nationalsozialistischen Partei gegeben hat, darunter 22.986.80 Kc an den NSP-Verlag in Aussig und 169.035.70 KL an den Verlag des„Tag" in Dux. Der Gewerkschaftsverband der Arbeiter in Aussig, bekannt unter dem Namen Fahrner-Ver- band, hat sich vor kurzem außerstande erklärt, noch weitere Unterstützungszahlungen an seine Mitglieder zu leisten. Warum? Das erfahren wir aus dem Ausgleichsverfahren der Druckerei„Gutenberg" in Dux. Die aufgcsammelten Arbeitergroschen sind durch den Vorstand des Verbandes! in leichtsinniger Weise verschleudert worden, und zwar zu ausgesprochen parteipolitischen Zwecken. Im Reiche des verehrten Herrn Hitler figurieren' derartige Vergehen unter dem Namen Korruption und hätten den Verantwortlichen schwerste Zuchthausstrafen,-'zum mindestens einige Jahre Konzentrationslager eingetragen, wenn in ähnlicher Weise von den früheren Gewerkschaftsführern mit den Geldern der Arbeiter verfahren worden wäre. Was geschieht mit den Verantwortlichen des Fahr- ner-Verbandes? z St Bürokratius Vor einiger Feit hatte das böhmische Ländesamt einen Erlaß herausgegeben, wornach unter Berufung auf ein kaiserliches Hofdekret vom Jahre 1836 Fußball- und turnerische Wettkämpfe der Lizenzpflicht unterliegen sollten. Das betreffende Hofdekret hatte die Lizenzpflicht für Seiltänzer, Komödianten, wandernde Sänger und Musiker im Sinn und regelte die polizeiliche Aufsicht über die Produktionen dieser Leute. 98 Jahre später hatte ein offenbar ganz verknöcherter Bürokrat die Stirn, dieses Hofdekret auszugraben und gegen unsere Fußballer und Turner anzuwenden. In Vertretung der Sportvereinigung der Abgeordneten der Nationalversammlung intervenierte der tschechische Genosse Pik beim Innenminister Dr. Cerny, der nun dieser Tage dem Genossen Pik mitteilte, daß der Erlaß des Landesamtes widerrufen werden wird. Hoffentlich hat das Innenministerium dem schuldtragenden Beamten gehörig den Standpunkt klar gemacht. Der betreffende Herr scheint ja gleich etliche Jahrzehnte in seinem Büro friedlich verschlafen zu haben! Oder hat er bloß die Arbeiterturnvereine sekkieren und ihnen seine Macht zeigen wollen? In beiden Fällen wäre eine Disziplinierung dringend am Platz! Bas mährisch-schlesische Straßennetz soll weiter ausgebaut werden. Es wurde ein umfangreicher Arbeitsplan für den Bau und die Rekonstruktion von Kommunikationen insbesondere mit der Slowakei ausgearbeitet, der bald verwirklicht werden soll. Vor allem sollen bereits bestehende Straßen an der mährisch-slowakischen Grenze rekonstruiert werden. Für diese Arbeiten werden 90 Millionen KL bereitgestellt werden. Der Jahresbedarf dürfte 18 Millionen KL betragen. Ein Teil des vorgesehenen Programms wurde bereits im heurigen Jahre mit einem Kostenaufwand von ungefähr 30 Millionen Kronen durchgeführt. Insgesamt sollen 232 Straßen mit einem Aufwand von mehr als 100 Millionen KL rekonstruiert resp. gebaut werden. TagcsnciiigifcMcn 25 Leiche« an» der brennende« Grnde geborgen Paris. Aus der brennenden Grube St. Pierre la Palud bei Lyon sind jetzt insgesamt 25 Leichen geborgen worden. Sieben Bergarbeiter konnten noch nicht gefunden werden. Die Ingenieure haben am Donnerstag morgens festgestellt, daß das Feüer immer mehr abnimmt. Wenn auch kaum noch Aussicht besteht, die fehlenden Grubenarbeiter lebend zu retten, so hat man die Hoffnung doch noch nicht ganz aufgegeben, daß es ihnen möglicherweise gelungen ist, in einen tiefer gelegenen Stollen zu flüchten. Zwei Frauen und vier Kinder verbrannt Halifax. In einem Hause erfolgte eine heftige Explosion. Das Gebäude stürzte ein und die Trümmer gerieten in Brand. Zwei Frauen und vi'-r Kinder kamen dabei ums Leben. Die Untersuchung ergab, daß der Hausbesitzer, der abwesend war, im Hauskeller den Rest einer größeren Dynamitmenge aufbewahrt hatte, die er vor zwei Jahren zu Sprengungen gekauft hatte. Slowakisches Dorf in Flammen Ujhorod. Am Mittwoch abends brach in der Ortschaft B e z o v c e im Bezirke Sobrance in der Ostslowakei ein Brand aus, der bei dem heischenden Winde bald große Ausmaße annahm. Es wurden 4 Wohngebäude, 41 Scheunen, 4 Speicher, 140 Heuschober, 90 Strohschober vernichtet. In den Flammen kamen viele Stück Hausvieh und Geflügel um. Zur Löschung des Brandes trafen binnen kurzem sieben Feuerwehren mit Motor- Feuerspritzen ein. In dem Orte herrschte jedoch ein absoluter Wassermangel, so daß, als alle Brunnen erschöpft waren, die Feuerwehren nicht voll eingreifen konnten. Einige Personen erlitten beim Löschen Brandverletzungen. Der Wind wehte glücklicherweise in der Richtung von der Ortschaft, sonst wäre der ganze Ort, dessen Gebäude mit Schindeln gedeckt sind, eingeäschert worden. Es wurden insgesamt 67 Landwirte, die durchwegs nicht versichert sind, durch den Brand geschädigt. Wie der Brand entstand, konnte bisher nicht festgestellt werden. Pomologisches Landesinstitut in Ruzyne eröffnet,, Prag. Donnerstag nachmittags würde' der' Neubau des pomologischen Landesinstitutes in Ruzyne bei Prag feierlich eröffnet. Die Gäste wurden namens des Landesausschuffes vom Landespräsidenten Dr. S o b o t k a begrüßt.„ Das Land Böhmen hat für das Institut 30 Hektar seiner Grundstücke im Werte von 2 Millionen Kc gewidqiet und einen weiteren Aufwand im Betrage von 8,300.000 Kc für die Gebäude und die Einrichtung des Institutes bewilligt- In dem Institut soll die gesamte praktische und wissenschaftliche Arbeit im Bereiche des Gartenbaues, der Baumschulen und in der Obstverwertung konzentrier werden. Das Institut wird auch als P r ü f u n g s a n st a l t für alle Zweige des Gartenbaues fungieren und wird ein pomologischer LandeSgarten sein, in dem alle Abarten der Bäume und Gesträucher, die für unser Land geeignet find, gepflegt werden sollen. Es wird auch eine Muster- und Versuchsstation für die Obstindustrie darftellen. Namens des Landesausschusses sprach noch Beisitzer Direktor K y p r, für das Institut Direktor Dozent Dr. S m o l a k. Derzeitig explodiert Schweres Unglück auf dem Innsbrucker Schießplatz Auf einem militärischen Schießplatz in der Nähe von Innsbruck ereignete sich am Donnerstag ein schweres Unglück, das drei Todesopfer ge« fordert hat. Eine militärische Kommission war damit beschäftigt, Sprengmittel, die bei illegalen politischen Organisationen beschlagnahmt worden waren, zu vernichten. Aus bisher noch ungeklärter Ursache explodierte dabei eine Sprengladung vorzeitig. Der militärische Sprengstoffsachverständige Inspektor Hoelzl und der militärische Referent Helt wurden auf der Stelle getötet. Ein Kanonier erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurze Zeit später starb. Zwei andere Kanoniere kamen mit leichten Verletzungen davon. Die amerikanischen Menschenrauber Eine Frau entführt, Louisville(Centucky). Die Gattin des Vize- \ Präsidenten eines großen industriellen Nnternch- ! mens in Louisville(Centucky) wurde am ! Mittwoch von einem mit einem Revolver bewaffneten Menschenräuber entführt. Der Verbrecher hatte zuvor das Dienstmädchen gefesselt > und geknebelt und dann auf die Frau eingeschlagen, so daß sie blutete. Die kleineToch- Bier Flieger in der Wüste oermitzt London. Nach einer Reutermeldung aus Bagdad hat man die größten Befürchtungen um das Schicksal von vier Fliegern, einen Engländer und d r e i I n d e r, die mit ihren drei Flugzeugen in der Wüste zwischen Bagdad und Basra gelandet sein dürften und wahrscheinlich seit Montag vormittag keineNahrungs- mittel und kein Wasser mehr haben. Zwangiz britische Flugzeuge nehmen jetzt an den Nachforschungen teil, darunter sechs, die ausdrücklich zu diesem Zweck aus dem 800 Kiwmeter entfernt liegenden Mossul gekommen sind. Die verschollenen Flugzeuge befanden sich mit einem vierten, das in Baska angekommen ist, auf einem Uebungs- flug von Indien nach England. Die vermißten Flieger sind inzwischen nach einer späteren Meldung in der Wüste an der Grenze vom Jrrak und Redsohd, 350 Kilometer südwestlich von Basra, von britischen Militärflugzeugen aufgefunden worden. Luxus gestattet. Die Antivolkstribunen des Dritten Reichs predigen den Beherrschten spartanische Einfachheit, geben aber selber so viel für „Repräsentation" und privaten Luxus aus, daß mit der Zeit auch dies der Langmut des Volkes- ein Ende machen wird. Unüberbietbar aber der Zynismus, mit dem die regierenden Nazi nun schon selber zugeben, daß sie an luxuriöser Lebensentfaltung nichts auszusetzen haben, sofern sich diese eben nur bei den b e a m t e t e n Obernazis zeigt. Da wurde jetzt in B r e s l a u der Oberbürgermeister davongejagt und ein neuer installiert. Bei der Einführung des neuen Mannes hielt der bekannte schlesische Gauleiter Brückner eine Rede, in der— nach dein offiziellen, in der Breslauer Nazipresse veröffentlichten Berichte— auch folgende Stelle vorkam.„Die luxuriöse Durchführung der Dr. Rabitzki (das ist der davongejagte Oberbürgermeister) zur Verfügung gestelllen Dienstwohnung hätte noch nichtdie Abberufung gerechtfertigt, sondern erst die Tatsache, daß er das Vertrauen der politischen Dienststellen der Be- wegung nicht mehr besaß..." Woraus unzweideutig hervorgeht, daß den großen Nazi-Herren Luxus durchaus erlaubt ist und daß keiner von diesen sich um das Vertrauen seiner Gottsöber- sten bringt, wenn er ein luxuriöses Leben führt. Auch eine Nachfrage danach, woher solch ein Nazi-Stadtoberhaupt die M i t t e I zur„luxuriö- sen Durchführung" der Dienstwohnung nimmt, gibt es amtlicherseits in Nazideutschland anschei- nevd.nicht,.ohzwqx doch die Hjtler seinerzeit an- geblich ausgezogen sind,, um dem Luxus und der Äotrüptioti den Garaus zu machen. Auch das scheint uns ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Charakteristik der fest dem Frühjahr 1933 in Deutschland angeblich ausgebrochenen wahren und reinen„Bolksherrschast" zutsein. In Bres- lau wie in allen Großstädten des Reiches hungern Millionen Menschen. Authentische Berichte melden, daß die deutschen Frauen wieder Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften stehen und daß sie einander in den deutschen Städten Mar- garineschlachten liefern so wie einst in der„großen Zeit". Das hindert aber die Herren der größeren Zeit nicht, Luxus in den eigenen Reihen zu dulden. Und nun treiben sie ihren Zynismus eben schon so west, daß sie das in ihren Zeitun» gen schamlos zugeben. Auch das wird seine Konsequenzen haben.- Ein 104jührigrr Zeremonienmeister. Herzog Borea Olmo, Präfekt des italienischen Königs- Palais und des Königs Oberster Zeremonienmeister, feierte am Donnerstag seinen 104. Geburtstag. Er ist am 11. Oktober 1831 in Genua geboren und steht bereits seit 62 Jahren im Dienste des königlichen Hofes. Panik im Zirkus. Als am Mittwoch abends in Kattowitz nach Schluß der letzten Vorstellung des Zirkus Sianievicz die Zuschauer zu den Ausgängen drängten, brach ein Teil der Tribüne zusammen. Unter der Menge entstand eine Panik. Polizeibeamte, Zirkusangestellte und mehrere beherzte Zuschauer konnten die Ruhe nach einiger Zeit wieder Herstellen. Da die Tribüne nur etwa anderthalb Meter hoch war, verlief das Einsturzunglück verhältnismäßig glimpflich. Bei dem furchtbaren Gedränge der Zuschauer wurden zwei Mädchen schwer verletzt und mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Zahlreiche Personen erlitten leichtere Verletzungen. Die Völker der Sowjetunion. Die sowjetrussische Akademie der Wissenschaften hat ein neues Verzeichnis der Völker der Sowjetunion ausge- orbeitet, durch das das Verzeichnis aus dem Jahre 1927 verbessert wird. Rack den vorläufigen Angaben bewohnen das Gebiet der Sowjetunion gegenwärtig 159 Völker. Erfolge russischer Eisbrecher. Der russische Eisbrecher„Rusanow"^meldet radiotelegraphisch, daß er drei Holz verfrachtende Dampfer aus dem Eise bef.reit hat, so daß diese jetzt ihre Häfen anlaufen können.— Die Teilnehmer der Expedition des russischen Eisbrechers„Lidtke", der den bisher unbekannten Weg von W l a d i- wostok an die murm,anische Küste zurückgclegt hat, sind in Moskau eingetroffen. Der Expeditionsleiter Duplickij erklärt, überzeugt zu sein, daß für die Fahrt durch das Eismeer die Der Entdecker eine» Serums gegen das Gelbe Fieber Der^französische Arzt Dr. Laigret hat ein Serum gegen das Gelbe Fieber gefunden, das bekanntlich weite Landstriche in den Tropen fast unbewohnbar macht. Das Serum, läßt sich ohne Schwierigkeiten herstellen und lange Zeit aufbewahren, ohne seine Wirksamkeit zu verlieren. Kampftaktik gegen das Eis angewcndet i werden müsse und es unmöglich sei, sich denj Meeresströmungen zu überlassen. Rur auf dieses Weise konnte der Eisbrecher„Lidtke" seinen Er-i folg erzielen. Gestrandet. Der englische Dampfer„H al-! dera", der 16.113 Tonnen groß und mit Fahr-i gästen und Fracht von London nach Bombay umer- Wegs ist, strandete am Mittwoch infolge Nebels im Suezkanal. Das Festlaufen des Schiffes rief! zeitweilig eine Versperrung der wichtigen Wasser-i straße hervor. Mehrere Schleppdampfer konnten! jedoch nach einiger Zeit das Schiff wieder flottmachen, das darauf seine Reise fortsetzte. Eisenbahnzug stürzt in den Fluß. In der Nähe! von Guttenberg im Staate Iowa(USA) ent-j gleistte ein Eisenbahnzug auf iener Brücke und. stürzte in den Fluß. Die Lokomotive explodierte, der Lokomotivführer, der Heizer und. drei Fahrgäste fanden den Tod. Aus den zertrümmerten drei Bahnwagen wurdest zahlreiche Verletzte geborgen. Am Abend vor der Scheidung. Der 27jährige i Bäckermeister Schwab aus Ottowitz, wohnhaft in i Fischern, der mit feiner Frau in Scheidung lebt, war i am Mittwoch am Bezirksgerichte in Karlsbad in der! Scheidungsangelegenheit borgeladen: Am Abendsüchte er sein« Frau im Hause ihrer Eltern in Dall-l Witz auf und versetzte ihr ohne vorhergegangenen! Wortwechsel plötzlich drei Messerstiche. Nachdem. Schwab einen mißlungenen Selbstmordversuch begangen hatte, stellte er sich selbst der Polizei. Die Frau wurde schwer verletzt ins Karlsbader Krankenhaus«ingeliefext. Deutsche und tschechische Werkstudentenschaft gegen Erhöhung der Kollegiengrlder. Mittwoch, den! 10. Oktober, sprachen beim Ministerium für Schul-1 wesen und Volkskultur di« Vertreter des Gewerk-! schriftlichen Studentenverbandes(Deutsche Hochschul-s gewerkschaft, Deutsch« Fach» und Mittelschulgewerkschaft und tschechische Studentengewerkschaften) in' der Frage der geplanten Erhöhung der Kollegien-j gelder an den Hoch- und Mittelschüler vor, die auf Grund der Zeitungsnachrichten unter der mittellose»: Studentenschaft begreifliche Erregung hevorgerufen hat. Die Studentenvertreter wurden von Oberrat' Hradzil.und Ministerialrat Dr. Maule empfangen.; Sie wiesen daraus hin. daß durch die geplanten Maßnahmen der Schulgelderhöhung und der Be-, schränkung der Schulgeldbefreiung auf 25 Prozent vor allem die mittellosen Studenten getroffen würden, was einem sozialen numerus clausus gleichkäme. In der Antwott betonten die Bertteter des Schulministeriums, daß die Nachrichten der Presse vorzeitig seien, daß aber über diese Anttäge an den- zuständigen Stellen verhandelt werde. Es stehe daher heute noch nicht fest, in welcher Form und in welchem Maße dje erwähnten Erhöhungen und Beschränkungen durchgeführt werden. Da diese Ausführungen die geäußetten Befürchtungen bis auf die zeitliche Hinausschiebung voll bestätigen, hat der Gewerkschaftliche Studentenverba/id beschlossen, Wei«! tere Schritte zu ergreifen und nichts unversucht zu lassen, um die Durchführung dieser unsozialen Maßnahmen zu verhüten. Wahrscheinliches Wetter von heute: Wechselnde,! zeitweise noch stärkere Bewölkung, ohne wesentliches Regen. In den böhmischen Ländern etwas wärmer, abstauender Westwind. Im Karpathengebiete Temperaturen ohne wesentliche Aenderungen, frischer Nordwestwind.— Wetteraussichten für Samstag: Andauern des herrschenden Witterungscharakters. Vom Rundfunk Empfehlenswerte* aus den Programmen: Samstag: Prag, Sender L.: 10.08: Deutsche Nachrichten, 10.50: Frauenfunk, 11.00: Schallplatte», 16.40: Rundfunk für die reifere Jugend. 17.05: Lieder russischer Komponisten, 18.05: Deutsche Sendung: Jugend, Hörspiel, 18.55: Deutsche Presse, 19.10: Blasorchesterkonzert, 22.15: Tonfilme auf Schallplatte». Sender S.: 14.30: Schallplatte», 15.00: Deutsche Sendung: Konzert, 15.30: Dr. Maras: Kulturrelicf. — Brünn 17.50: Deutsche Sendung: Liederstunde, 20.30: Walzerkönig.— Preßburg 16.40: Kindervorstellung, 21.15:'Orchesterkonzert.— Kascha» 12.35: Konzert. Die Freie Schulzeitung, das Organ des Deutschen Lehrerbundes und des deutschen Landeslehrervereines in Böhmen, begeht in diesem ter des Ehepaares war Zeugin der Untat. Monat ihre 60-Jahrfeier. Das Blatt ist aus die- Im Hause wurde ein Erpressungsbrief scm Grund in verstärktem Umfang erschienen und! gefunden, den der Täter zurückgelassen hatte. Die enthält außer den laufenden Lehrerangelegen-■ Polizei hat aber die Veröffentlichung des Jn- heiten eine Reihe besonderer wertvoller Beiträge. Halles nicht freigegeben. Nr. 239 Freitag, 12. Oktober 1934 Seite 8 Per preis im Export Die industrielle Warenproduktion konnte als Massenproduktion deshalb die gewaltige Entwick- lung nehmen, weil sie mit den billigsten Preisen ihrer Erzeugnisse alle Mauern niederstieß, die überall die Länder auf einer niederen Stufe der Produktion umgaben. Der wohlfeile Preis war das Schwert, mit dem sie siegte und mit dem sie in den von ihr eroberten Ländern massenweise die selbständige Existenz von Handwerkern vernichtete. Nicht zufällig ist das Land, das zuerst die industrielle Warenproduktion entwickelte, gleichzeitig das Land, das das Freihandelsprinzip über dem Erdball aufpflanzte. Wenn später im Kampf gegen die Schutzzölle auf England sozusagen als auf ein Beispiel der Tugend hingewiesen wurde, so hatte das eigentlich nur eine recht begrenzte Berechtigung. Denn wie die herrschenden Klassen derjenigen Länder, die in der Entwicklung der kapitalistischen Produktion hinter England nachhinkten, mit den Zöllen ihre besonderen Profitinteressen wahrnahmen, so tat dies die industrielle Bourgeoisie Englands mit der Vertretung des Freihandelsprinzips. Es gab ihr die Bahn frei für ihre Waren, und sie selbst brauchte— wenigstens damals— die erfolgreiche Konkurrenz von Waren aus anderen Ländern auf ihren Märkten kaum zu fürchten. Das Freihandelssystem blieb, ein wenig durchlöchert von der Zollgesetzgebung einer Reihe von Ländern, aber modifiziert durch die beinahe allgemein gültige Meistbegünstigungsklausel in den Handelsverträgen, die Grundlage, auf der sich der Welthandel vollzog. Das gilt auch noch für die ersten Nachkriegsjahre, obwohl die Einbuchtungen in das Freihandelssystem bereits gefährlicher wurden. Obwohl das Fortschreiten der Produktionstechnik die Kosten der Warenerzeugung senkte und damit eine Verbilligung der Preise bewirkte, versuchten doch nebenher die Industriellen, die immer wiederkehrenden Angriffe auf die Arbeiterlöhne mit der günstigeren Gestaltung der Konkurrenz- fähigkeit der Preise für die Exportwaren auf dem Weltmarkt zu begründen. Durch die weltwirtschaftlichen Strukturwandlungen, die durch den Krieg beschleunigt, auch nach dem Kriege in raschem Tempo weitergingen — es sei nur auf den Jndustrialisierungsprozeß vor allem in Südeuropa, Ostasien und Südamerika verwiesen—, ist auch im Außenhandel der Länder eine entscheidende Veränderung vor sich gegangen. Das Freihandels- und Meistbegünstigungssystem wurde abgelöst von dem handelspolitischen Vorzugssystem. Die freie Bewegung des internatilmalen. WarrgtzLkkehxL erfuhr«ue immer stärkere Einengung durch Maßnahmen, die^drm Lim Regierungen zur Förderung der einzelnen nationalen Binnenwirtschasten ergriffen wurden. Die Ausfuhrländer stießen bei ihren alten Absatzlän- dcrn auf wachsende Schwierigkeiten, da die unkontrollierte und kaum gehemmte Einfuhr sich nicht mehr mit der Entwicklung der nationalen Wirtschaft der Bezugsländer vertrug. Für stets größer werdende Gebiete des internationalen Außenhandels hat sich bereits der Zustand herausgestellt, daß die Einfuhrländer heute nicht mehr ohne weiteres die Waren kaufen, die auf den Weltmärkten am billigsten angeboten werden, sondern jene Waren, von denen sie sich neben einer Förderung ihrer Binnenwirtschaft noch Vorteile für ihre eigenen internationalen Beziehungen versprechen. Die Ausfuhrfäh'gkeit ist demnach jetzt nicht mehr in erster Linie eine Angelegenheit der billigsten Warenpreise; sie wird stärker bestimmt von der Nützlichkeit, die das Bezugsland von der Einfuhr für seine Wirtschaft erwartet. Es sei hierbei an die handelspolitischen Verhandlungen der jüngsten Zeit erinnert, bei denen sich auch die Tschechoslowakei dieser veränderten Sachlage gegenüber gesehen hat. Das war schon bei dem vor Monaten zustande gekommenen Kompensationsgeschäft mit Bulgarien der Fall, und es gilt im besonderen für die jetzt im Zuge befindlichen Wirtschaftsverhandlungen mit Oesterreich und Frankreich. In diesen Verhandlungen spielen die Warenpreise nur eine untergeordnete Nolle, im Vordergrund steht für die Einfuhrländer die Frage, ob das Hereinströmen der Warenexporte der eigenen Wirtschaft die Grenzen ihrer Bewe- gungs- und Entwicklungsmöglichkeften weiter zieht. Ist das so, so werden nicht selten sogar die teueren Waren vorgezogen, wenn das Land mit den billigeren Preisen diese Garantien nicht gibt. Die Entwicklung in dieser Richtung ist noch nicht am Ende. Vor der Hand sei nur auf zwei Schlußfolgerungen aufmerksam gemacht, die sich besonders der Arbeiterschaft aufdrängen: Die erste ist, daß die von dem Unternehmertum zur Durch- führung von Lohnkürzungen gern herangezogene Konkurrenzfähigkeit unserer Exportwarcupreise sich nicht mehr benutzen läßt. Der so begründete Lohndruck hat unter keinen Umständen Berechtigung mehr. Es gibt ja sowieso mehrere Fälle, in denen nach erfolgten Lohnkürzungen durch internationale Kartellvereinbarungen die Exportwarenpreise erhöht wurden, so daß der Unternehmer zu einer doppelten Erhöhung des Profits kam. Die zweüe Schlußfolgerung ist, daß allen Währungsexperimenten, die über niedrigere Exportpreise zu einer Belebung des Außenhandels führen sollen, mft noch größerer Vorsicht als bisher gegenübergetreten werden muß. Es liegt nahe, angesichts der oben gekennzeichneten Entwicklung durch eine starke Währungsherabsetzung die sich herausbildende Norm umgehen zu wollen. Selbst wenn das für eine kurze Spanne Zeit gelingen würde, wäre der Preis, den die Arbeiterschaft in Gestalt der Verschlechterung ihrer Lebenshaltung dafür bezahlt, zu teuer. Und zum anderen darf sicht ühvtsrheftwerden, daß alle solch« Währungsexperimente weder den Welthandel noch die Well» wirtschaft zur Gesundung bringen können. Sicher aber haben sie die Wirkung, die internationale Un-> sicherheit zu erhöhen und die Zerrüttung der Weltwirtschaft wefterzutreiben. Der dritte Verhandiungstag des Mordprozesses vgiefäich Allerlei zeugen— Der Saal muß geräumt werden— urteil Samstag Prag. Der dritte Verhandlungstag des Mordprozesses brachte die Fortsetzung des Zeugenver- h ö r s. Da der Kampf um den Schuldbeweis sich nicht nur zwischen Anklage und Verteidigung abspielt, sondern auch zwischen den beiden Angeklagten, verläuft die Verhandlung unter lebhaften Auseinandersetzungen. Während Jaroslav Vh- l ek ä l e k behauptet, überhaupt von nichts zu wissen und des Glaubens gewesen zu sein, daß sein Schwiegervater in Vankraz sitze und dort gestorben sei, beschuldigt ihn seine Frau direft des Mordes. Jaroslav Vhletälek zeigt« auch am dritten VerhandlungStage vollkommene Ruh« und Beherrschung, während Marie Vyletälek sichtlich mit ihrer Nerbenkrast zu Ende ist. Im Gegensatz zu ihrer Agilität während der ersten Tage erscheint sie nun nahezu teilnahmslos. Als erste Gruppe der Donnerstag vernommenen Zeugen traten die mit den Erhebungen betrauten Kriminalbeamte« auf. Der Chef des Sicherheitsdepartements der Polizeidirektion Regierungsrat V a ü a s e k und Kommissär Dr. Hora schilderten die Einvernahme Jaroslav Vyletäleks übereinstimmend mit den Aussagen des Mittwoch vernommenen Kommissärs Dr. Borkovee. Demnach hat der Angeklagt« zuerst jede Schuld bestritten, aber später ein Geständnis abgelegt, und zwar freiwillig und ohne Nötigung. Einer der vier Detektive, die darauf zur Verneinung kamen, fügt« hinzu,«r hab« den Eindruck gehabt, daß der Angeklagte sich durch sein Geständnis erleichtert gefühlt habe. Im Kreuzverhör habe der Angeklagte verschiedene Details verraten, di« auf sein« Teilnahme an der Mordtat Hinweisen. Dann folgte die Einvernahme der Marie KryStof und ihrer Mutter Anna Krystaf, die in besonderem Verfahren wegen Vorschubleistung verfolgt werden. Sie haben bekanntlich die Leiche des ermordeten Thl in den Keller der Tante Zeman in der Seilergaffe transportiert. Zum großen Teil entschlugen sie sich der Aussagen und was sie sonst bekundeten, bestätigte bloß die bekannten Tatsachen. Diese Krhstofs sind dunkle Gestalten. Die Marie Vhletälek hat ihnen erzählt, daß ihr Mann den alten Tyl erschlagen hab«. Sie halfen bei der Wegschaffung der Leiche und es scheint, daß sie sich Liesen anrüchigen Dienst teuer bezahlen ließen, indem sie die Vyletälek von dieser Zeit an gründlich auSbeu» teten. Eine weitere Gruppe der Zeugen stellen die nächste« Verwandte« BylrtälekS dar. Seine Mutter, seine zwei Schwestern und sein Bruder schildern die Geschichte seiner Ehe übereinstimmend. Jaroslav Vyletälek habe aus plötzlichem Entschluß geheiratet, obwohl er vielfach vor dieser Eheschließung gewarnt wurde. Verschieden« Warner hielten ihm vor, seine künftige Gattin s«t„.........■■ sä«* eine„wüste Frau", die di« eigen« Stiefmutter mißhandle. Alle dies« Verwandten wurden von der Mari« By« letälek, nachdem sie von ihrem Mann verlassen worden war, bestürmt, eine V e r s ö h n u n g z«« standezubringen, wobei sie ihnen erzählte, ihr Mann habe den alten Tyl umgebracht und sie — die Angeklagte— sei nur dann bereit z« schweig«, wenn Jaroslav wieder»eil ihr z«sammenlebe. Andernfalls werde ste ihn vernichten. Natürlich versetzten diese Enthüllungen die Verwandtschaft in größtes Entsetzen und sie nahm«« mit Jaroslav Vyletälek Rücksprache. Dieser blieb aber' völlig ruhig und erklärte ihnen, sich keiner Schuld bewußt zu sein, wobei er auf die n o t o r i- sche Verlogenheit seiner Frau verwies. Zur Uebermittlung solcher Drohungen hat sich di« Vhletälek übrigens auch der alten Krhstof bedient. Neue bemerkenswerte Tatsachen brachten zwei von der Anklage geführte Zeugen, die im gleiche« Hause wohnten wie die Angeklagte zur Zett' ihrer ersten Ehe mit dem schwer tuberkulösen und syphilitischen P r o s e k, der inzwischen verstorben ist. Diese Zeugen,«in gewisser Capek und eine Fra« Knobloch, berichteten, daß di« Angeklagte ihrem erste«, schwer kraüken Gatten bei einer häusliche« Auseinandersetzung ein Messer in den Rücken gestoßen hat. Zufällig blieb es aber bei einer leichten Verwuun düng und die Sache wurde seinerzeit totgeschwiegen. — Als letzter Zeug« wurde der Unters«« chungsrichter Dr. Sh«jb al einvernomme«, der erklärte, daß Jaroslav Vyletälek, entgegen seinen Behauptungen, habe wissen müssen, daß er bei seiner ersten gerichtlichen Einvernahme dem Untersuchungsrichter gegenWerstehe. Diese Frage ist von Bedeutung, denn der Angeklagte behauptet, er habe sein Geständnis bei der Polizei nur unter Zwang abgelegt, womit in Widerspruch, steht, daß er dieses Geständnis zunächst auch vor dem Untersuchungsrichter wiederholte und erst später widerrief. Zur Erklärung dieses Widerspruches hat Vhletälek behauptet, er habe nicht gewußt, daß er bereits vor. Gericht steh« und habe den Untersuchungsrichter für einen Pölizeibeamten gehalten. Der letzte Teil der Verhandlung ging vor l e e- rem Auditorium vor sich. Nachdem der Vorsitzende bereits einigemal« die Disziplinlosigkeft des Publikums hatte rügen mW einige mit dem Opernglas- manipulierende.Damen" zurechtweisen müssen, benahm sich ein Teil der Zuhörerschaft bei der Einvernahme des Bruders Vyletäleks derart ungebührlich, daß der Vorsitzende nut vollem Recht die Räumung des Saales anordnete. Das Publikum blieb denn bis zum Schluß des Verhandlungstages ausgeschlossen. Am Freitag gelangt nur noch ein, mW zwar telegraphisch geladener Zeuge zur Berneh-- inung. Dauy..erhalten die sachverstän digen baS Work,'worauf mit det Verlesung der notwendigen Protokolle und Aktenstücke das Beweisverfahren zum Abschluß gelangt. Die Plädoyers, das Resümee und die Urteilsverkündung werden de« Samstag ausfüllen. ich. Anatole France Zu seinem zehnten Todrsta, am 12. Oktober 1934 Nicht Ueberheblichkeit war eS, die den kleinen französischen Bibliothekar Anatole T h i b a u t bei seinem Eintritt in die Schriftstellerlaufbahn dazu veranlaßte, den Namen seines Vaters abzulegen und sich nach dem Lande, dem er angehörte, F r a n c e zu nennen; er war mit der lfterarischen Tradition Frankreichs so eng verbunden, daß er wie kein anderer Dichter seiner Epoche den Geist des französischen Schrifttums vor der Well repräsentieren konnte. Die aus überlegener Weüweis- heft erfließende krittsche Ironie, das in der Sache unversöhnliche, aber in der Form graziöse Spöttertum, der Angriffsgeist der erbarmungslosen Sattre, die in Rabelais ihren ersten großen Vertreter und in Voltaire ihren Klassiker gefunden haben, Ubtn in der Dichtung von Anatole France wieder auf; der»gallische Esprit", der Witz, der aus der Tiefe philosophischen Erkennens, aus einer abgründigen Skepsis wächst, fand in ihm seinen vollkommensten Ausdruck. Weftweisheit— Anatole France schöpfte sie aus emer gigantischen Fülle von Büchern, die ihn Zeit seines Lebens umgab. Als Sohn eines kleinen Pariser Buchhändlers wurde er am 16. April 1844 geboren; die erste Stelle, die er bekleidete, war ein Bibliothekarposten; der liebste Ort, an dem er weilte, die dumpfen, bis an die Decke mü alten, modernden Büchern und vergilbten Manuskripten angefüllten Läden der kleinen Pariser Antiquare; unter den Schätzen, die die»fliegen, den Händler" am Kai der Seine feilbieten, konnte er Stunden und Stunden wühlen. Bücher waren für ihn lebendige Geschöpfe, der Atem der Welt wehte ibn aus ihren Blättern an; sie gaben seinem Geist die Vielseitigkeit, seinem Werk die Vielfarbigkeit. Sie dienten ihm als Rüst« zeug auf seinen Reisen in das Land der Vergangenheit, in die. unendliche Weite des forschenden Menschengeistes. Die Schriftsteller der allen Griechen und Römer waren ihm ebenso vertraut, wie die zeftgenöffischen Autoren Frankreichs, Englands, Deutschlands, Italiens; die Kirchenväter studierte er mit derselben Gründlichkeit, die er an das Studium der modernen Wissenschaften, an dre Biologie, die Psychologie wendete. Daher kommen die Gestalten seiner Bücher aus allen Län- dern und allen Zeiten; es gibt kaum eine wesentlich« Epoche der Menschheftseutwicklung, die Anatole France nicht seelen- und geisteskrftisch durchleuchtet hätte. Das Aegypten der Pharaonen, das Griechenland Homers, das lebensfrohe Hellas der Hetären, die ekstatische, jenseftSsüchtige Zeit, in der der Nazarener predigt, das Gallien Julius Cäsars, die Scholastik des Mittelalters, das Neu« aufteben antiker Schönheftsfreude in der Renaissance, das Frankreich des galanten Jahrhunderts, die große Äevolution und das Zeitalter Napoleons, die Well des wachsenden Kapitalismus, das moderne Paris des besitzstolzen Bürgertums, der Lebemänner und Kokotten, das zweite Kaiserreich, seine nachttrunkenen Militärs, seine Börsenhyänen, sein herrschgieriger Klerus— sie alle spiegeln sich in den Büchern von Anatole France, sie alle sind aus dem Blickwinkel des scharfsichtigen Gesellschaftskritikers gesehen, der diese Zeitalter zum Schauplatz seiner Werke, diese Figuren zu Helden seiner Bücher macht, um an tausend und aber tausend Beispielen die verhängnisvolle, verwüstende Wirkung dreier Gewaltenmächte zu beweisen, die die Entwicklung der Menschheit immer wieder zurückwerfen und ihre Freiheit immer wieder erdrosseln: der klassengebundenen, korrupten I u st i z, der von weltlichem Machthunger geleiteten Kirche und des die Böller in den Abgrund des Mordes hetzenden Ungeist des Militarismus. Die Justiz hat Anatole France st» seiner berühmtesten Novelle, dem wundervollen»Crain- ouebille", am vernichtendsten getroffen. Der arme Teufel Crainquebille, ein Keiner Pariser Gemüsehändler, gerät mft der Polizei in Kon- flftt, weil er angeblich einen Schutzmann beschimpft hat, und zerbricht an dieser falschen Beschuldigung, denn die Wahrheit vermag sich gegen die Wucht des unaufhaltsam rollenden Justizapparates nicht durchzusetzen.»Der Mensch kann irren— die Uniform, der Säbel, sind unfehlbar." Daß ein vom Staat zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingesetzter Beamter sich irren könnte, ist eine absurde Vorstellung; daher kann»der Gedanke einer gerechten Justiz wirllich nur im Kopfe eines Anarchisten entstanden sein". Die Justiz, die»wohl darauf verzichten kann, zu wissen, aber nickt darauf verzichten, zu richten", ist ein KlaffenherrschastSinstrument, sie»hesiigt bestehende Ungerechtigkeiten". Der Kämpfer fiir die Gerechtigkeit und Wahrheft erhob auch sein Wort, als der D r e y f u S- Prozeß Frankreich erschütterte' in dem vierbändigen Zyklus»Die Romane der Gegenwart" schilderte er die soziale Atmosphäre, in der das Drama um DreyfuS abrollte, analysierte er die gesellschaftlichen Kräfte, die sich hinter den Helden der Tragödie verbergen. Endlos ist die Reihe der Kleriker, die er in seinen Romanen vorführt, von der»Bratküche der Königin Pedauque" bis zu seinem reifsten und gedankenreichsten Roman, dem»Aufruhr der Engel". Verkommene Kapuziner, deren schwacher Wille dem stärkeren Fleisch immer wieder unterliegt, schlaue, durchtriebene, egoistische Pfäfflein, die nur ihren Wanst und ihren Geldbeutel füllen wollen, scheinbar in religiöser Ekstase erglühende Scharlatane, die Gott zu einem Popanz erniedrigen, mit dem sie ihre Geschäfte treiben, ränkeschmiedende Bischöfe, Addis, die stteng alle Gebote der Kirche befolgen, aber den wahren Glauben an die Lehre, der sie dienen, längst verloren haben — es ist ein unendlicher Zug lebensvoller, mit der saftigen Drastik eines de Coster gezeichneter, mft der Meisterschaft eines modernen Seelenröntgenologen durchleuchteter Gestalten. Mit brennenden Farben malt France die Greuel, die der religiöse Fanatismus im allgemeinen und die katholische Kirche im besonderen über die Welt gebracht haben. Ihre Herrschaft umfaßte die Erde und kann heute noch bestehen, weil die»Unwissenheit" und die»Furcht" noch nicht aus den Herzen der Menschen getilgt sind. Noch ist Gott ein Schreckbild in der Hand der Priester, die das Boll dumm, willig, gefügig erhalten wollen; über die Erkenntnis wird sich durchdringen, daß»die Welt ihr eigener Urheber ist und der Geist sein eigener Gott". Der Krieg— wie ist er überhaupt noch möglich in einer Zeft, die alle Geheimnisse der Natur enträtselt, die Brücken über die Meere geschlagen, die die Welt zu einem Organismus vereinigt hat? Der Krieg«ist zugleich ein grauenhaftes und ein blödes verbrechen, heute, wo die Böller durch die Gemeinschaft von Kunst und Wissenschaft, Handel und Verkehr miteinander verbunden find. Sinnlose Europäer, die daran denken, sich gegenseitig zu erwürgen, wo doch die gleiche Zivilisation sie einhüllt und vereint." Doch die Erklärung des Unbegreiflichen ist leicht:»Der Krieg ist ein Geschäft." Man kann ihn nur verhindern, wenn man an seine Wurzel greift: die Wellordnung, der er entwächst, die ihn entfesselt, die ihn zu ihrer Erhaltung braucht. Sie muß geändert werden, soll das Gespenst des organisierten Massenmorden- für immer aus dem Gesichtskreis der Menschheit entschwinden. Nicht mit Blut und Gewalt soll sie gewandelt werden, denn aus Blut wächst nur Verzweiflung und Gewalt weckt stets nur Gegendruck. In seinem skeptischen Revolutionsroman»Die Götter dürsten" rollte Anatole France die Tragödie eines Volkes auf, das mft der Guillotine den Weg m seine Zukunft freimachen wollte.«Nicht blinde Tapferkeit wird uns die göttlichen Donnerkeile überliefern, sondern Studium und Nachdenken." Die Waffen des Geistes, die unermüdliche Aufklärung und der erbarmungslose Entlarvungskampf gegen die unter vielen Masken verborgene« Helfer des Kapitalismus werden einer glücklicheren Menschheft den Sieg erkämpfen. Um die großen Epen, deren Gedankeninhall hier kurz skizziert wurde, rantt sich eine unüberschaubare Fülle fturiler Novellen, historischer Miniaturen, Märchen, Stimmungsbildern von seltener Zattheft und lyrischer Schönheft. Sie werde» von Schwarzkünstlern. H^xenmeistern, gespenstige« Tieren bevölkert, von Keinen Philistern und heimlichen Träumern, und von vielen, vielen geradezu besessenen Bücherliebhabern. Ein Bücherdieb aus Leidenschaft ist der Held des ersten Werkes von Anatole France.«Das Verbrechen des Sylvester Bonnard", ein Bücherwurm zählt zu den wichtigsten Figuren des«Aufruhr der Engel". Hukhaftes und Groteskes vermengt sich in Traumvisionen mit der WirKichkeit, Gesichter des Gestern steigen empor, das ost nur Gleichnis für Kampf und Leid von heute ist. Ueber all diesen Bücher« funkeü der scharfgeschliffene Witz eines große« Zweiflers, der im Kern seines Herzens jedoch eia weicher Mensch gewesen, der mit seinem farbenschillernden, geistflirrenden Werk die Last der Blindheit von den Augen der Menschheft nehme« wollte und glücklich war, ihr ein wenig Trost spenden zu dürfen; jener Menschheit, deren Geschick er in den Satz erfaßte:«Sie wurden geboren, litten und starben." Im Jahre 1921 hat Anatole France de« Nobelpreis erhalten; sein achtzigster Geburtstag war ein Nationalfeiertag jenes Frankreich, das gegen die Gewallen der Finsternis für eine Welt der Freiheit, Gleichheit und Brüderlich- keft kämpft, getreu den Parolen der großen Revolution, deren Ideale in dem Werk des Dichters weiterleuchten. In Frankreich ist er auch heute noch lebendig; jenseits der Grenzen seiner Heimat jedoch beginnt sein Bild allzufrüh zu verblassen. Er ist für diese Welt und ihre Herren zur rechten Zeit gestorben; der durch Beugung des Rechtes, durch Brutalität und Ungeist ttiumphierende Fa- scismuS hätte keinen strengeren Richter, keinen erbittertem Gegner finden können als ihn. Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 12. Oktover 1934. Nr. 239 Urania-Kino, KUmenKlrs 4. Fernsprecher 61623. Ab Mm: „Abenteuer Im SUdexpretl“ Charlotte Sasa, Ludwin Diehl, Roderts. Armin Berg hersSalich im llraaia-ltia»! Tiiglich bis Sonntag tritt der vom Publikum und Presse begeistert ausgenommene Humorist bei allen Abendvorstellungen aus. Die schöne Elsa Lemke PRAG Gellaue Adresse: Letzte Post: Eifersuchtsmord Abonnements- Bestellschein. Richt aufspringens Mittwoch wollte auf dem Nämesti republiky der 66jährige Josef Bartos aus Prag I., Kaproba 40. auf«inen Motorwagen der Äektrischen aufspringen, wobei er ausglitt und unter den Beiwagen geriet. Im Krankenhaus wurden ein Rippenbruch und Riß- und Quetschwunden am ganzen Körper festgestellt. Rätselhafter Tod einer umworbene« Fr««— Die Tat des abgewtesene« Liebhaber» Der eifersüchtige Apotheker. Ethel Regnault, eine geschiedene Frau, war einem New Dorier Kaufmann verlobt. Die- Kaufmann war nun vor einigen Monaten Name:...» Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Freitag im L i g a h e. i m: 7 Uhr: Besprechung der Zehner- schaftsführer.— 8 Uhr: Probe für den Internationalen Jugendtag. Alle Mitwirkenden nrüssen unbedingt kommen. Im folgenden bringen wir eine kurze Uckersicht der derzeit in Sowjetrußland bestehenden Höchstleistungen der Männer: 100 Meter: Lulko 10.7 Sek.— 200 Meter: Lulko 22 Sek.— 400 Meter: Lulko 48.6 Sek.—. 800 Meter: Denisov 1:66.8 Min.— 1600 Meter: Denisov 4:02.1 Min.— 5000 Meter: Znamenski 14:36.5 Min.— 10.000 Meter: Znamenski 31:53.8 Mini t— Hochsprung: Rochlin 1.88J/J Meter.- Weitsprung: Lulko 7.18J4 Meter.— Stabhoch: Azolin 3.88 Meter.— Kugel: Ljachnov 14.24 ODMer.— Diskus: Sechtel 45.15 Meter.— Speer: Sechtel 64.05 Meter. Die Polizei in Chicago hat soeben die Nachforschungen in einer sehr interessanten Kriminalaffäre, di« in der amerikanischen Polizeichronik durchaus nicht zu den alltäglichen Fällen gehört, abgeschlossen. Cm Verbrecher hat sich der seltsamsten und furchtbarsten Waffe bedient, um zu seinem Ziel zu gelangen. Er liest durch einen Komplizen Pestbakterien stehlen, um damit sein Opfer zu beseitigen. Ueber den Vorfall werden folgende Einzelheiten bekannt: In einem bakteriologischen Laboratorium, welches als Privatunternehmen von zwei Spezialisten geleitet wird, war bereits vor längerer Zeit ein mysteriöser Einbruch zu verzeichnen gewesen. In einem Raum des Laboratoriums hatte, seit Jahren ein emeritierter Professor, Dr. R. Culmer, seine Wirkungsstätte. Gestohlene Bakterienkulturen. Der alte Herr— er steht im 61. Lebensjahr — war früher an einer südamerikanischen Universität als Professor tätig, wurde bereits vor langer Zeit pensioniert, hatte seither als begüterter Privatier seine Forschungsarbeiten fortgesetzt und hatte im Laboratorium einen eigenen Raum inne, wo unter entsprechender sachlicher Aufsicht zu Experimentierzwecken Kulturen allerlei Seuchenerre- ger gezüchtet wurden. Als Culmer vor etwa sechs Wochen nach längerer Abwesenheit das Laboratorium besuchte, muhte er zu seinem maßlosen Entsetzen feststellen, dah inzwischen unbekannte Täter eingedrungen waren. Eine grohe Anzahl von Bakterienkulturen, die in Glasgefäßen aufbewahrt worden waren, waren spurlos verschwunden. Unter diesen verschwundenen Bakterienkulturen befanden sich auch solche von'Pesterregern. Culmer hat sofort eine Anzeige bei der Polizei erstattet, die Erhebungen einleitete, vor allem den Laboranten und dann andere Mitglieder des Personals des Laboratoriums einem eingehenden Verhör unterzog, ohne auch nur die geringste Spur entdecken zu können. Es war anzunehmen, dah die Tat nur von einem oder mehreren Leuten begangen worden sein konnte, die sachliche- Wissen auf de« Gebiet der Bakteriologie besahen und wahrscheinlich zu verbrecherischen Zwecken es auf die Entwendung gefährlicher Seuchenerreger abgesehen hatten. Die Erhebungen verliefen vollständig im Sande und die Polizei zweifelt nunmehr daran, dah es gelingen wird, den mysteriösen Fall aufzuklären. An der Pest gestorben... In einem New Docker Spital starb vor zehn Tagen die sickenundzwanzigjährige Ethel Regnault, eine sehr hübsche, junge Frau, die seit Jahren als Sprachlehrerin tätig war. Zu dem gröhten Erstaunen und zugleich Entsetzen haben die Aerzte bei ihr Pest festgestellt,«ine Krankheit, die in Amerika sehr selten ist. Selbstverständlich war auch die Frage aufgetaucht, wie sich die Patientin die Ansteckung, die sie das Leben kostete, zugezogen haben konnte. Bei der New Dorker Polizei, in deren Scr- nitätsappartement der Fall zunächst behandelt wurde, erinnerte man sich an ein polizeiliches Zirkulartelegrämm, das aus Chicago das Verschwinden eines Glasgefähes mit Pesterregern gemeldet hatte. Obwohl zunächst nicht das geringste Indiz bestand, das zwischen dem Tod der französischen Sprachlehrerin und dem Diebstahl in Dr. Culmers Laboratorium ein Zusammenhang bestehen könnte, beschloh die New Dorker Polizei, die Erhebungen auch in dieser Richtung aufzunehmrn und namentlich Personen, aus dem näheren Kreis der Verstorbenen einem eingehenden Verhör zu unterziehen. Die Nachforschungen führten nach kurzer Zeit zu einem vollen Erfolg. Es konnte folgender Sachverhalt festgestellt werden: Unterschrift: Schnellzügen. Und wenn gerade keine Badesaison war,„arbeiteten" die beiden in großen Hotels. Das Register. Insgesamt haben Ohrenberger und seine schöne Freundin 221 derartige galante Diebstähle auf dem Kerbholz. Der angerichtete Schaden wird von Ohrenberger selbst auf mehr als 150.000 Mk. beziffert. Auch sonst war der ehemalige Kammerdiener nicht„untüchtig". So bildete er eine zeitlang den Schrecken der Konsulate. Jahrelang gab er sich als Kammerdiener des„Prinzen Ratibor" auf Schloß Grafenegg" aus und erzählte in den verschiedenen Städten, daß er sich mit dem Prinzen in„geheimer Mission" hier aufhalte. Leider sei ihm das gesamte Gepäck seines Arbeitgebers gestohlen worden und so befinde er sich in einer schrecklichen Lage. Auf diese Weise ergatterte er ganz hübsche Beträge, bis man endlich darauf kam, daß es einen„Prinzen Leo Ratibor" gar nicht gab. In Holland, Italien, ja sogar in der Türkei war Ohrenberger in solchen und ähnlichen Rollen tätig. Ist er die„schwarz« Hand"? Cs ist auch nicht ausgeschlossen, daß Andreas Ohrenberger, der„Eisenbahnspezialist", derselbe Mann ist, der lange Zeit auch osteuropäische Schnellzugsstrecken auf andere Art unsicher gemacht hat. Monate hindurch bildete die „schwarze Hand" den Schrecken vieler Reisenden. Stand ein D-Zug in einer Station und verließ ein alleinreisender Paffagier sein Abteil für wenige Minuten, so erschien prompt durchs Wagenfenster eine schwarze Hand, die nach Mänteln und Gepäcksstücken griff und binnen Sekunden mit der Beute verschwunden war. Fast täglich ereigneten sich solche Diebstähle und trotz aller Sorgfalt war es'nicht möglich, den raffinierten Dieb zu fassen. Nun vermutet man, daß Ohrenberger dieser mysteriöse Mann war; die ganze Art dieser Diebstähle wäre seiner Verwegenheit zuzutrauen. mit sem in der Person eines Apothekers, John Donald, ein Nebenbuhler erwachsen, der sich gleichfalls um die Hand der Frau Regnault bewarb. Nach längerem Zaudern entschied sie sich jedoch für den Kaufmann, ohne deshalb den gesellschaftlichen Verkehr mit dem Apotheker abzubrechen. Die Nachforschungen ergaben nun, daß der Apotheker einen Vetter in Chicago hatte, und dieser Vetter war niemand anderer als der Laborant Doktor Culmers I Der Laborant und der Apotheker wurden jetzt verhaftet und der erstere gestand, nachdem man ihm die Tat auf den Kopf zugesagt hatte, daß er die Pestbakterien entwendet und sie dem Apotheker übergeben hat. «Dieser leugnete zwar die Tat, ist jedoch durch 'das Geständnis seines Komplizen überführt. Montag und Donnerstag von 7 bis 0 Nhr abends; Kinder: Samstag nachmittags von 3 bis 5 Uhr. Wir freuen uns auf eine recht zahlreiche Beteiligung. Frei Heil! Sonntag Spaziergang ins Cinicer Wäldchen, anschließend nach Vereinbarung Besuch der leichtathletischen Wettkämpfe der DTJ Pilsen gegen Liben oder des Zoologischen Gartens in Troja. Abmarsch 8 Uhr ab Endstation dhr Linie 14 in Kobylisy.— Voranzeige. Die ordentliche Generalversammlung findet Mittwoch, den 31. Oktober 1934, statt. Wir bitten die Mitglieder sowie die befreundeten Organisationen, diesen Abend freizuhalten. Bezirksverein Arbeiterfürsorge Prag Freitag, den 12. Oktober, um halb 8 Uhr abends in der Närodni trida 4 Ausschußsitzung Beratung und Beschlußfassung über das Winterprogramm. Die Auge«... Gerade als ich an einem Mann vorbeiging, der sein Doktorat mit Auszeichnung gemacht hatte, um jetzt Zeitungen auf der Straße zu verkaufen, bemerkte ich, daß bei den zwei Eckhäusern viele Leute standen, die alle in einer Richtung schauten. Ein Unglück? Nein, die Augen lächelten. In der „Grube"(Grubengasse, Jama) spielte ein junger Mann Ziehharmonika und ein Mädchen sang dazu. Es war ganz merkwürdig, daß sie nur ihn anstarrte und sich nie umwandte. Vielleicht hat sie sich geschämt. Sie sangen ein Lied über sich selbst: «... upevuoei zpivali presmutne pisnicky, a svyma ocima prosili lidicky.. Und ihre Augen wurden verstanden, die Augen dieser jungen Sänger, die klein erschienen neben den hohen Häusern der großen Stadt. Doch die großen Ungetüme mit den vielen Augen wurden von den Brüdern dieser kleinen Sänger erbaut, und viele kleine Beamte und Verkäuferinnen arbeiten in ihnen. In dem größten Geschäftspalais an der Ecke der stolzen Straße öffneten sich einige Fenster und kleine Münzen wurden in Papier gehüllt und auf das Pflaster geworfen. Auf einmal übertönte ein schriller Laut das Lied, die Hupe eines großen Autos schrie in die Menge:„Plaaatz für den reichen Heeerrn! 11" Das Auto fuhr schnell durch die Straße, so daß die Sänger zur Seite springen mußten, um nicht überfahren zu werden. Bevor sie wieder zu spielen begannen, tauschten sie mit ihren Zuhörern einen verständnisvollen Blick. Sie waren einig mit ihren Gefühlen gegen die reichen Herrn..» Mich hat diese Szene von einem überzeugt: Bis die Menschen nicht nur mit ihren gelegentlichen Gefühlen, sondern auch mit den Köpfen und hauptsächlich mit ihren Händen einig sein werden, dann wird sich auf dieser Welt manches ändern... h—b. Ende des jüdischen Fußballverbandes in der Tschechoslowakei. In Brünn fand letzten Sonntag eine Generalversammlung des jüdischen Fußballverbandes statt, in welcher mit 6:3 Stimmen die Auflösung des Verbandes und die Eingliederung der einzelnen Klubs, in den tschechischen Verband beschlossen wurde. Die Leichtathleten deS Prager DTJ-Krrises beschließen die Saison. Als Abschluß der Leichtathletiksaison im Prager Kreis finden noch folgerte Veranstaltungen statt: Am Sonntag, den 14. findet vormittags auf dem Platz der DTJ Zizkov ein Frauenmeeting statt, das alljährlich als„Hum- melhansovä-Memorial" ausgetragen wird. Nachmittags findet in Liben der Klubkampf DTJ Pilsen I—DTJ Liberi statt.— Am 20. und 21. d. M. veranstaltet die DTJ Zizkov einen Zehnkampf für Männer um die Bereinsmeisterschaft.— Am 28. Oktober findet in Veltrusy ein Propagandalauf des 34. Bezirkes statt.— Einen Herbstlauf für Männer, Frauen und Jugendliche führt am 5. November die DTJ Tlustovousy durch. Was ist ein Tietwart? Diese Frage beantwortet der Reichsdietwart im Dritten Reich wie folgt: „Der Dietwart muß kein gelehrter Mann sein, aber er muß durch sein eigenes Beistriel so wirken, daß seine Kameraden ihm gern folgen, denn sein bester Gehilfe ist das eigene Beispiel.' Jeder Dietwart nmß eine große Liebe und Begeisterung für alles Hohe, Edle und Schöne, für unser deutsches Vaterland haben, er muß ein heldisch empfindender Mensch sein, der blutsmäßig so fest im deutschen Volkstum wurzelt, daß er aus seiner arteigenen Veranlagung heraus gar nicht anders als unverfälscht deutsch handeln kann. Er muß den Nationalsozialismus innerlich erlebt haben und in treuer Gefolgschaft zum Führer stehen."— Reif fürs Irrenhaus! Dienstes, de« 10. Oktober 1084 20 Ahr im großen Saal des Odborovh düm, Prag I., Persthn Nr. 11 3nternattonoler Äugendtag Burschen und Mädels, junge Kameraden! Auch Ihr wollt Arbeit und Brot, eine sichere Existenz, ein besseres Leben. Kommt darum zu unserer Kundgebung. Es sprechen die Kampfgenossen der Jugend Trude Fanta, Bitäsek, Housar. Im Programm wirken mit: Sozialistische Jugend, Rrridak, Sedmi, Sirena, Reckov, Trubaci. 16. Oktober ist Tag der 3«ge«d! Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Kampfgemeinschaft der arbeitenden Jugend in Prag. Einen einzigartigen Weltrekord hat der ehemalige Kmnmerdiener Andreas Ohrenberger auf- gdstellt: gemeinsam mit seiner bildhübschen Geliebten verübte er auf den internationalen Schnellzugsstrecken mehr als 200„galante" Eisenbahndiebstähle I Am letzten Sonnabend wurden Ohrenberger und sein blonder„Lockvogel" in Budapest verhaftet. Für die nächsten Jahre hat das Pärchen ausgespielt, da in nicht weniger als sieben europäischen Staaten auf Ohrenberger und die schöne Elsa Lemke für ihre Straftaten Gefängniszellen warten. Das Geständnis. . Seit Wochen lebte Ohrenberger, der sich als österreichischer Aristokrat ausgab, mit seiner Geliebten in einem der elegantesten Budapester Hotels auf größtem Fuße. Da traf ihn wie ein Blitz aüs heiterem Himmel die Verhaftung, die auf Grund eines Steckbriefes der Wiener Polizeidirektion erfolgte. Lange wollte er nicht zugeben, daß er in Wirklichkeit ein wegen Diebstahls entlassener Kammerdiener ist, den die Gerichtsbehörden von sieben Ländern wegen verschiedener Diebstähle und Betrügereien suchen. Als er dann endlich doch seine geradezu sensationellen Geständnisse abgelegt hatte, brach er schluchzend zusammen und bat— daß er sich selbst beköstigen dürfe. Er sei magenkrank. Ein bewährtes Rezept. Schon vor einigen Jahren hatte Ohrenberger Elsa Lemke, ein außergewöhnlich schönes Mädchen, kennengelernt. Gemeinsam landeten die beiden ihren ersten großen Coup: die Lemke machte in einem Abteil erster Klasse eines Luxuszuges die Bekanntschaft einer hervorragenden Persönlichkeit. Als sie allein mit dem Herrn war — ganz allein— bestahl sie ihn gründlich. Aus Furcht vor einem Skandal erstattete der Bestohlene keine Anzeige. Für das Liebespaar aber war dieser gelungene Diebstahl der Start zu einer Serie ähnlicher Taten in zahlreichen internationalen> Abonniere ab., 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Verwaltung Prag Xll., Fochova tr. 32, zum Preise von 16 XL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhält des Erlagscheines ein. Kunst und Wissen Spirtplan ließ Neuen Deutschen ThcatcrS. FreitaghäÄ 8:"D°ie'Nacht vor dem Ultimo, D 1.— Samstag 3 Uhr: Admiral Bobby, halb 8 Uhr: Rigoletto, Gastspiel Willy Domgraf-Faßbender, D 2. Spielplan der Kleine» Bühne. Freitag, 8 Uhr: SensationSprozeß.— Samstag, halb 8 Uhr: Revue: Hoch klingt das Lied vom braven Mann, Uraufführung. 221„galante" Diebstähle j— Schrecken internationaler Luxuszüge Hereingefallene Konsulate Vcrcinsnadiriditen Kinderfreunde. Montag, den 15. Oktober, abends 7 Uhr, in der Redaktion des„Sozialdemokrat" nichtige Ausschußsitzung. Ortsgruppe Prag. Sonntag, um 8 Uhr bei der Endstatwn der 23 er« Elektrischen in Vokovice. Nebusice—> Sv. Julian— Tuchomitice— Okor—> Kamyk—Stilles Tal—Podbaba. Keine Bahnfahrt, nur Straßenbahn. Führer: Gröger.— Auskünfte und Anmeldungen jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle in Prag II^ Narodni ti. 4, 2. Stock. Telephon 48369. Genossen und Genossinnen! Eure freien Abende verbringt ihr am schönsten in unserem Turnen, PRAGER ZEITUNG Kolrktiv Ä Prag Il,"'Sttpänsta ul. LL Männer: eDienstag und Freitag k von 7 bis 9 Uhr abends; Frauen: Sport• Spiel• Körperpflege Sowjetrirfsische Leichtathletik Die Tabelle der leichtathletischen Rekorde der sowjetrussischen Sportler weist ausgezeichnete Leistungen aus. In Sowjetrußland erringt die Leichtathletik immer mehr Beachtung und nach amtlichen Mitteilungen sollen 2,190.000 Sportler in dieser Sportart registriert sein; eine Zahl, welche wohl von keinem Land der Welt erreicht wird. Wieviel aher in dieser Ziffer als Nichtwettkämpfer enthalten! sind, ist nicht bekannt. Eine große Anzahl guter Trainer geben die Gewähr, daß aus diesem großen i Material Sportler mit Spitzenleistungen hervorgehen, die— wie stolz mitgeteilt wird— auch die Konkurrenz des Bourgeois-Sports nicht zu scheuen brauchen. Ans der Partei @ Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei BeM durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.—, ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werd« Umt Xftiif biUtßft berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. RüafteHung von Manuskripten erfolgt nur bei Einfenbung der Retourmarken.— Die AeitungTfrankatur wurde von der Poft- und TelegrapheMreltion mit Erlaß Nr. 18.80v/VIIil9HV bewilligt. Druckerei:.Hrbis". Druck-, Verlags- und Zeitung8-A.-G., Prag.