1 A Einzelpreis 70 Heller (•intchlielMicti 5 Heller Forts) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xil, fochova a. telefon 53077. Administration telefon am. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Samstag, 13. Oktober 1934 Nr. 240 Die Täter kamen aus Ungarn! erfülle«, dere« genauen Charakter sie nicht kannten. Genaue Weisungen sollten sie erst i« Frankreich erhalten. Wie die Pariser Blätter melde«, sind nach der Erklärung des Gesandten Fotic die beiden Halles in München festgestellt. Nach einer Havas-Meldnng gab die die Erhebungen in Annemaffe führende Polizei be- Suck eingetragen habe. die auf Interessen fremd erStaaten eine Rolle in den Verschwörungen. Nimmt man dazu, Vor- ihrer umrissenes politisches System und Programm verkörpern,, der Großösterreicher Franz Ferdinand und der Repräsentant der südslawischen Einheit i Alexander Karageorgeviä; beidemal sind die Mör- W. die I aber als Mitglieder großer Verschwörungen arbeiten und Werkzeuge in den Händen gewichtiger Hintermänner sind, über die mindestens zunächst Unklarheit herrscht; beidemale trägt eine verantwortungslose Schlamperei der Polizei zum Gelingen der Anschläge bei. Beidemale fallen mit dem Opfer, auf das es abgesehen war, zweite und dritte, sm Grunde unbeteiligte Personen. Beidemal sind die Attentate technisch großzügig vorbereitet und durchgeführt. In beiden Fällen finden die An- scklägc statt, sobald das Opfer den gefährlichen Boden einer gärenden Stadt betritt, nur daß es damals eine Stadt im Reichsgebiet war, diesmal die Stadt eines fremden Landes. Beidemale trägt ein Kriegsschiff den toten Fürsten heim, beidemale läßt der Tote im Leben seines Staates eine Lücke zurück, durch die schwere Gefahren ciuzubrechcu drohen. In beiden Fällen sind innere Schwierigkeiten der betroffenen Staaten, unausgegorene nationale Konflikte, Unterdrückung oder Aufruhr—. je nach dem Standort, von dem man es sieht, kann man es so oder so formulieren— Die Vergleiche zwischen den Attentaten in Sarajewo und Marseille sind so zwingend, daß als ihre natürliche Folge in weiten Kreisen aller europäischen Völler auch die Angst vor einem neuen Kriege platzgreist. Der Glaube an die Zwangsläufigkeit der Entwicklung wird aus der, frappanten Aehnlichkeit der äußeren.Umstände; ge- Paris. Die zwei in Thonon verhaftete« Individuen wurden am Donnerstag in der Stadt Annemaffe bis in die späten Nachtstunden nnd Freitag fest de« frühen Morgenstunden den ganze« Tag hindurch verhört. Da beide serbisch sprechen, fnngiert der jugoslawische Vertreter beim Bölkerbuudc, bevollmächtigter Minister F o t i k als Dolmetsch. Die Beiden gestanden, nach Frankreich ge kommen zn sei«,«m hier„M i s s i o n e n" z« Znalmer Arbeiter in Korneudnrg wegen Sprengftoffschmuggels verurteilt Wien.(Tsch. P. B) Bor dem Korneuburger Schnellgericht hatte sich der 277jährige Hilfsarbeiter Franz Pfeiffer aus Mitzmanns (pol. Bezirk Znaim) wegen des Verbrechens nach dem Sprengstoffgesetz zu verantworten. Aus den Darlegungen des Staatsanwaltes geht hervor, daß sich der Angellagte im Mai an Sprengstoffschmuggel aus der Tschechoslowakei nach Oesterreich beteiligt hat. Bei Pfeiffer wurden nach dem Grenzübrteritte Sprengstoffe und die Brünner »Arbeiter- Zeitung" gefunden. Rach den Ausführungen des Staatsanwaltes ist der Sprengstoffschmuggel von ehemaligen Schutzbündlern in Znaim vorbereitet worden. Pfeiffer wurde zu fünf Jahren schweren.Kerkers ver- drteilt. So soll die Einheitsfront vorbereitet werden! Die Kommunisten wollen weiter spalten. ~ Die Kommunisten hielten am 4. Oktober in T a ch a u eine Gebietskonferenz ab, in welcher auch die Frage der Einheitsfront neuerdings behandelt wurde. Es wurde beschlossen, dem Be- zirksgcwerkschastskartell ein schriftliches Einhcits- frontangebot zu machen und gleichzeitig unter der Arbeiterschaft Handzettel zu verteilen, daß ein Einheitsfrontangebot überreicht wurde und die Arbeiter auf ihre Führer einen Druck ausüben mögen, damit das kommunistische Angebot angenommen werde. Die Konferenz befaßte sich auch mit der aus der Auflösung der„Deutschen Gewerkschaft" sich ergebenden Situation und beschloß, mit den Henlein-Gewerkschaftsgruppen in Verbindung zu treten und, wenn sie schon nicht zu den Kommunisten gehen wollen, weil auch dort schlechte Aussichten auf Erhalt der Unterstützungen bestehen, ihnen zu raten, in die Freien Gewerkschaften eii^utreten und dort kommuni st i sch e Oppositionspolitik zu treiben. Gleichzeitig wurde beschloffen, kommunistische Funktionäre in Pie freien Gewerkschaften zu placieren, damit sie dort Oppositionszellen gründen. Diese Beschlüsse geben also über den»ehrlichen Willen" der Kommunisten zur Schaffung einer Einheitsfront der Arbeiter reichen Auf- p schloß! In der gleichen Konferenz, in der ein Einheitsfrontangebot beschlossen wird, soll auch die Spaltungsarbeit besser organisiert werden. So treiben die Kommunisten eine Politik, die unzweifelhaft dem Bürgertum zugute kommt. Sie wollen keine Einheit zur Stärkung der Arbeiterbewegung, sondern Spaltung, um sie weiter zu schwächen! »ein Kricgsfleber! Die Entscheidung Hegt beim Tollte selbst In Verbindung mit Hitlerdeutschlandl Der Grund der Verhaftung der iandbUndlerlschen Jusendfunktionäre Eine Meldung des tschechoflowakischen Pressebüros aus Pilsen bringt die offizielle Bestätigung der von uns schon vor Tagen gemeldeten Verhaftung des 30jährigen Redakteurs der„Sudetendeutschen landständischen Monatshefte" Schmidt aus Dobrzan und des 25jährigen Privatbeamtin und Landjugendführers Adolf »Winkler aus Stögenwald bei Kruman. Zu ihrer Verhaftung führte nach dem Tsch. P.-B. der Umstand, daß an der Grenze unweit von Warnsdorf ein reichsdeutscher Staatsangehöriger angehaltrn wurde, bei dem man Korrespondenzen fand, die„e u f B e z i e- Hungen zahlreicher Personen in der Tschechoslowakei mit fremden Faktoren im Auslande hindeute n." Durch diese Korrespondenzen wurden offenbar die beiden so schwer btlaftet, daß man zu ihrer Verhaftung schritt, da der begründete Verdacht besteht, daß sie Anschläge gegen die Republik im Sinne des 8 2 des Schutzgeset- zcs vorbereitet haben. Was, sagt der Bund der Landwirte dazu? Hätte er nicht schon endlich einmal die Pflicht, hier gründlich"Ordnung zu schaffen? geboren wurde und zum blutigen Ende reiste, so versteht man, warum alles wie gebannt zwei Jahrzehnte zurückblickt und das Schicksal des Juli 1914 als die Prophetie für unsere nächste Zukunft anspricht. So verständlich diese Psychose sein mag, so g e f ä h r l i ch ist sie. Denn nichts könnte uns wehrloser machen gegen drohende Kriegsgefahr als das Gefühl, wir könnten ihr keine Gegenkraft entgegensetzen. Nichts steigert die Kriegsgefahr so wie die Ueberzeugung, daß der Krieg ein unabwendbares Schicksal sei. So ist es aber nicht. Es liegt beidenDök- kern, den Krieg abzuwenden. 1914 sind die Staaten in den Krieg„hineingetaumelt"— wie Lloyd Georges es formuliert hat— weil die Völker den Krieg nicht kannten und sich willenlos führen ließen. Heute liegen die Dinge doch wesentlich anders. Di« Völler kennen den Krieg, sie fürchten ihn, sie sind nicht gewillt, ihn leichten Sinns aus sich zu nehmen. Der SozialismuSist eine wirkende Kraft, nicht nur in den Ländern, wo er sichtbare Macht entfaltet, auch dort», wo er scheinbar ausgetilgt ist. Denn gerade die illegale Sozialdemokratie, gerade den unberechenbaren Faktor einer unterirdisch grollenden Revolution müssen die fascisti- schen Staaten fürchten. Die politischen Systeme Italiens und Deutschlands sind vielleicht sehr gut ausgeklügelt, sehr sorgfältig mit Stützen und Versteifungen aller Art gesicherte Bauten. Aber das gilt nur für den Frieden, für die„normalen Verhältnisse" der Diktatur. In dem Augenblick, dacher Krieg auSbricht, ändern sich alle Funllionen des Apparates und der Masse. Armee und Parteigarden hören' auf, eine so gewaltige Uebermacht zu sein, denn einmal muß die Armee ja nun gegen den äußeren Feind kämpfen, zum zweiten ist die Heeresergänzung, die Kriegsproduktion auf das Boll selbst angewiesen, zum drstten besteht das Risiko der Niederlage, die den"eigenen Machtappa- rät rasch und gründlich zerstört. Dieser Gefahr sind sich die Diktatoren auch bewußt. Ihnen diese? Bewußtsein in krisenhafter Zeit noch stärker ein- znhämmern,/ ist die Aufgabe der sozialistischen Propaganda. Denkt man an 1914, so darf man aber auch nicht vergessen, daß damals auf beiden Seiten Regierungen am Werke waren, die dm Krieg De« Paß Rasic's«bergab»®£ i ma^ e’ n, lautend auf den Namen Jo- fes Prikryl aus Brünn, später gab er aber beim Verhör an, in Wirklichkeit Josef K r o s n a r zu heißen und Abgeordneter der Nationalversammlung zu sein. Gegen Krosnab wurde Heuer im Juli vom Kreisstrafgericht in Prag ein Steckbrief wegen des Verbrechens nach Paragraph 2 des Republitschutz- gesetzes erlassen. Prikryl-Krosnar, besten Identität noch festgestellt wird, wird mit den anderen beiden Verhafteten dem Kreisgericht in Mährisch- Ostrau eingeliefert werden. In der böhmischen Landesvertretung wurde Freitag die Generaldebatte über das Budget nach dem Schlußwort des Finanzreferenten Dr. Ku- b i st a beendet. Ohne Debatte wurden hieraus die Kapitel„Landesvertretung" und„Landeswirtschaft und Landeseigentum" erledigt, worauf die Beratung über die Kapitel.Landwirtschaft" und „Oeffentliche Arbeiten" begann, zu welchen Genosse H a I a sprach. Die nächste Sitzung findet Dienstag statt. Der KB löst sich auf. Das Amtsblatt enthält die Mitteilung von der Selbstauslösung des Kameradschafts-Bundes. Anscheinend hat H e n» lein in diesem Punkte dem Drängen seiner Opposition nachgegeben. Die Clique, die den BK beherrscht hat, führt jetzt allerdings die SHF und ivird trotz Auflösung des Vereines ihre segensreiche Tätigkeit fortsetzen. 20 BRUNO ADLER: Copyright 1934 by Michal Kacha Verlar. Prag XIX Auch Hilsners Bruder, der fünfzehnjährige Moritz, den sie Jtzig nennen, ein nicht gerade aufgeweckter Junge, wird in diesen Tagen verhört. Das Gericht macht auf ihn einen überwältigen- dcn Eindruck, und er strengt sich mächtig an, jede Frage ausführlich und nach Wunsch zu beantworten. Viel weiß er freilich nicht zu sagen. Am' wichtigsten ist seine Bekundung, daß Polda zwar keinen hellen Anzug besitze, wie man ihn seit langem bei ihm sucht, aber eine graue Hose sei da; möglicherweise liege sie in dem Koffer, der beim Synägogendiener Grott in Groß-Meseritsch untergestellt sei. Sofort veranlaßt Dr. Baudysch den dortigen Richter Schenk, diese Spur aufzunehmen. Die Hausdurchsuchung bei Grott und der alten Hilsner ist. ergebnislos. Aber als der Beamte nach den Hosen fragt, meint die Mutter, sie fänden sich vielleicht bei den Sachen, die in der „Allen Schule", der ausgedienten Synagoge aufbewahrt seien. Der Richter geht mit seinem Schreiber durch Seitengäßchen, damit die Juden ihn nicht kommen sehen und vorher etwas verstecken, in den baufälligen Tempel. Einer begleitet die Hilsner zu dem Beschließer, um die Schlüssel zu holen. Man sperrt auf, die Frau zeigt auf einen schwarzen Holzkoffer, hier,, unter andern alten Kleidern liegt die graue Hose. Aber es ist keine andre als die, welche Klenovec und Sedlak schon in Polna in der Hand hatten, sagt die Hilsner. Dieselbe Hose, die ihr vor drei Jahreft die Mutter des Fabrikanten Hitschmann in Nachod geschenkt hatte, und die der Polda dann aufgetragen hat. Den Richter interessiert» die zwei rostbraunen Flecke auf dem Hosenboden. Sie sind so groß wie ein Kreuzerstück und sehen verdächtig nach Blut aus. Der Fund erregt ungeheures Aussehen. Schon steht eS fest, daß die Hose blutbefleckt ist. Roch aufregender wirll es, daß dieses wichtige Corpus delicti in einer Synagoge versteckt war. Zwar hat der Bruder des Verhafteten den ersten Hinweis auf das Beweisstück gegeben, zwar hat seine Mutter es selbst der Kommission ausgefolgt; aber die Zeitungen ergehen sich in mysteriösen Betrachtungen über das Geheimnis des alten Gotteshauses. Zwar hat Frau Vomela an dem Mann, der sie am Waldrand behelligte, einen ganzen grauen Anzug und der Pfarrer Vläek einen grauen Ueberzieher gesehen, zwar bestreitet der Maler Muzikar, der Hilsner an jenem Nachmittag in seiner gewöhnlichen Hose gesehen hat, daß es diese war; über die Ueberzeugung bricht sich Bahn, daß durch den Fund die Identität Hilsners mit dem Mörder so viel wie erwiesen ist. Nicht nur das Bezirksgericht und das Kreis- gericht betreiben die Untersuchung. Die private Behörde, die der Wiener Berichterstatter Schwer mit dem Bürgermeister Sadfl und einigen Gesinnungsgenossen oganisiert hat, bereitet den Prozeß auf eigene Faust vor. Der geistige Vater dieses Komitees ist Vergani. Er, der sich nachsagen lassen muß, Gemeindegelder defraudiert, Pauschalien verpraßt und Bestechungsgelder genommen zu haben, will ,tdem evhöhteren Interesse daran, daß die volle Wahrheit zutage komme", auf solche Weise dienen. Zeugen werden ausfindig gemacht und einvernommen; KommuniqueeS werden ausgegeben, die Presse wird informiert, die parlamen- tarsschen Vertreter werden mobil gemacht. Schwer ist unermüdlich. Heute berichtet er, in der Hfls- nerschen Wohnung seien, in einem Kanal versteckt, Frauenkleider gefunden worden; die versammelte Menge habe in ihnen die Kleider der Ermordeten erkannt. Morgen weiß er, daß Poldi — so nennt ihn die gesamte Ritualmordpreffe — stets eine Menge Geld gehabt habe, genug, daß er, die Mutter, der Bruder und die Tante davon leben konnten. Verdient hat er nichts, die Juden unterstützten ihn. Wofür? Hatte er einen Anspruch auf solche Summen? Der Leser weiß Bescheid. Es ist der Blutsold. Umsonst wird keiner den Mädchen im dunklen Wald auflauern, sie abschlachten und ihnen das Blut abzapfen. Ms die Sache Hilsner durch den Zwischenfall mit dem Kürschner Janda einen unerwünschten Verlauf zu nehmen droht, macht Ernst Schneider im niederösterreichischen Landtag Krach. Nicht geneigt, die Beschlagnahme des„Deutschen Volksblatts" hingehen zu lassen, will er den konfiszierten Artikel in einer Interpellation zur Verlesung bringen, damit seine Verbreitung durch Nachdruck ermöglicht werde. Baron Gudenus, der Landmarschall, verhindert die Verlesung mit der Ausrede, er habe keine Zeit gehabt, die Interpellation zur Kenntnis zu nehmen. Ein Höllen- spektakel bricht los. Schneider tobt:„Alle Juden sind Mörder I" und läßt sich durch drei Ordnungsrufe nicht stören. Vergani, Gregorig, Bielohlawek, Strobach, Prinz Liechtenstein, der Abt Scheicher stimmen ein. Der Landmarschall muß die Sitzung unterbrechen. Unter ungeheurem Lärm leert sich langsam der Saal. Ununterbrochen gehen die Vernehmungen weiter. Hilsners Genossen, die ein vages Gerücht mit dem Verbrechen in Verbindung bringen will, weisen ihr Mibi nach; bei Selinger scheint etwas nicht zu stimmen. Ihn nennen alle, die ihn kennen, einen Gauner, der zu jeder Untat fähig sei. Aber der Richter unterläßt es, sich den Burschen näher anzusehen, und ebenslNvenig befaßt er sich mit dessen Kumpan Leixner, der sich allerlei Äußerungen hat entschlüpfen lassen, die auf die Kenntnis dunkler Zusammenhänge hindeuten. Das Kuttenberger Gericht ladt nochmals die Borstehers frau Vomela vor und konfrontiert sie mit Hilsner, dem man den abgeschälten Stock des Mörders in die Hand gibt und sich mit ihm zu bewegen aufträgt. Sie sieht ihn an, überlegt, schwankt: „Die Gestalt würde passen, die Bewegungen mit dem Körper auch, aber schwören kann ich nicht, daß es derselbe Mensch ist." Sie hat an dem Mann im Walde nur die häßlichen dunklen Augen wahrgenommen» und an den Augen allein kann man einen Menschen nicht erkennen. Ein paar Tage später läßt der Richter sie noch einmal kommen und fragt sie auf den Kopf zu, ob sic sich nicht um eine präzise Antwort nur aus Angst drücke, weil sie sich vielleicht Feinde machen würde. „Ich weiß von diesem Gerede, das ist lauter leeres Zeug. Ich habe keine Angst. Ich bin mir bewußt, wie wichtig das ist, und wenn ich könnte, würde ich eine bestimmte Aussage machen und sie beschwören." Und wiederum erllärt sie, mit voller Bestimmtheit in Hilsner jenen Menschen nicht wieder zu erkennen. Eine andere Aussage Enne sie nicht auf ihr Gewissen nehmen. Auch Frau Hruza, die Mutter, muß nochmals Rede stehen: Ob zwischen ihrem Sohn und der Agnes wirllich keine Feindschaft bestanden, ob Jcchann die Schwester nicht schlecht behandelt habe. Niemals, erklärt sie, es sei auch kein Grund dafür vorhanden gewesen. Dagegen habe sich die Tochter im März einmal beschwert, daß ein Jude ihr nachgesehen habe, den Namen dieses Juden habt sie damals zwar genannt, die Mutter hat ih» aber total/vergessen. Dessen entsinnt sie fick doch ganz genau, daß Agnes gesagt habe, der Jut« sei ein ausgelernter Schuster,' er arbeite nichts, und sie möchte nur wissen, wovon er eigentlich lebe. (Fortsetzung folgt.) Sk 240 Samstag, 13. Oktober 1934 Seil« 3 - oder dann die Verdauung. Und das wird oft vergessen. Schwere Fette, die der Magen nicht verträgt, fuhren zu mancherlei Störungen. Wer also Wert legt auf Gesundheit und Wohlbefinden, wählt ein Fett, das bekannt ist durch seineleichteVerdaulichkeit: DAS REINE PFLANZENFETT NUR ECHT MIT NAMENSZUG Querst kommt da$ ügeu-* Heldenmütiger Widerstand der spanischen Revolutionäre Blutgericht der„christlichen“ Regierung Der Mörder König Alexanders und des Außenministers Barthou, der 35jährige Peter Kelemen Vie Photographen haben das Attentat ermöglicht 1 Das Amsterdamer„Hel Volk" bringt die Erklärungen, die der Chauffeur, der das Auto des Königs in Marseille steuerte, über den Hergang des Attentates abgegeben hat. Rach Ansicht des Chauffeurs Froissae wurde das Atterr- tat durch die Zudringlichkeit der Photographen und Kameraleute ermöglicht, die in einem dichten Schwarm zu Dutzenden das Auto umgaben und den Fahrer hinderten» ein schnelleres Tempo einzuschlagen. Besonders ein Kameramann habe sich immer wiebec in die Fahrbahn gestellt und andauernd hörte man die Schnappschüsse der Kameras. Der Chauffeur erzählt, daß der Mörder sich eine Zeitlang im Schwarm der Photographen befunden nnd„Es lebe der König" gerufen habe. So sei er ganz nahe an das langsam fahrende Auto herangekommen; ganz plötzlich habe er dann eine riesige Pistole aus der Tasche gezogen und sich auf das Trittbrett des Wagens geschwungen. Wer einmal Gelegenheit hatte, die Zudringlichkeit von Berufs- und Amateurphotographen bei irgendeinem Anlaß zu beobachten, wird sich die Situation deutlich vorstellen können. Das dauernde Photographieren aller öffentliche« Auf- züge und Empfänge, aller Hochzeiten, Begräbnisse, Aufmärsche ist nachgerade wirklich ein L u f« g, der nicht nur jeher Handlung ihre Würde und Feierlichkeit nimmt(besonders auf Friedhöfen und bei Begräbnissen überhaupt furchtbar taktlos wirkt), sondern wie man sieht auch eine ernste Bedrohung der öffentlichen Sicherheit darstellt. Dabei entspringt das Filmen und Photographieren all dieser Szene keinem öffentlichen Bedürfnis, sondern nur der Sensationsgier, dir wieder von den daran interessierten Geschäftsleuten künstlich erzeugt wird. Vielleicht führt das blutige Ereignis von Marseille wenigstens zu einer Einschränkung des lästigen Unfugs durch dir Behörden! Pas Waffenarsenal des Mörders Wie dem„Matin" aus Marseille berichtet wird, war Kelemen außerordentlich schwer bewaff- ten. Man fand bei ihm eine 28.8 Zentimeter lange Mauser-Maschinenpistole, Kaliber 7,65 Millimeter, im Gewichte von 1.210 Gramm, bei der Ladestreifen von 10 bis 20 Kugeln Verwen- .dung finden, ferner eine Walter-Pistole, Läliber 7,65 Millimeter, und schließlich eine Bombe, deren Herkunft nicht festzustellen ist. Sie enthält etwa 80 Gramm Cheddit. Es ist eine Bombe, wie sie Anarchisten gewöhnlich nicht besitzen, sondern wie sie im Kriege Verwendung findet. An Patronen besaß Kelemen zwei 20schüffige Ladestreifen für die : Mauser- und sechs Ladestreifen zu neun Schuß für > die Walterpistole. Pie Fahrt der„Pubrovnlk“ Rom. Der jugoslavische Kreuzer„Dubrovnik" mit der Leiche König Alexanders an Bord und der französische Kreuzer„C o l b e r t", auf dem sich der französische Marineminister Pietri befindet, haben am Freitag die Meerenge von Messina passiert. Eine italienische Flottenabteilung, bestehend aus einem Kreuzer und einer Torpedobootflottille, fuhr den beiden Kriegsschiffen entgegen und begleitete sie durch die italienischen Gewässer. Bei Sonnenuntergang werden die italienischen Schiffe zurückkehren. Beim Passieren des Leuchtturms von San Ranieri in der Meerenge don Messina ehrte eine Salve von 21 Kanonenschüssen dem toten König. Der Kreuzer„Dubrovnik" trifft am Sonntag Um 6 Uhr morgens in Split ein, begleitet von allen Schiffen der jugoflavischen Kriegsmarine. Die englische Mittelmeerflotte, die augenblick- kich verschiedene jugoslavische Häfen besucht, wird auf der Höhe von Spalato die„Dubrovnik" erwar ten, um den Wien König die letzte Ehre zu erweisen. * Belgrad. Die Ankunft des Königs Peter und der Königinwitwe Maria erfolgt Samstag um 8 Uhr vormittags. Die Bevölkerung wird dem jungen König einen festlichen Empfang bereite«. Madrid. Rach den letzten aus Asturien vorliegenden Nachrichten haben die Truppen in dem Haupttampfzentrum Oviedo zunächst von einer Kaserne Besitz genommen und dringen nun- nrehr in die einzelnen Stadtviertel vor, wo sich noch aufständische Gruppen verbarrikadiert halten. Besonders in einer in der Nähe von Oviedo gelegenen Waffenfabrik haben sich die Revolutionäre festgesetzt und werden hier, sowie auf den noch in ihren Händen befindlichen Zugangsstraßen von Militärfliegern bombardiert. Die Kämpfe scheinen in Asturien, wo noch verschiedene Gruppen von Aufständischen heldenhaften und verzweifelten Widerstand leisten, mit außerordentlicher Heftigkeit getobt zn haben. Bei den Bombenabwürfen durch Militärflieger wurde ein Eisenbahnzng auf der Linie Oviedo—Ujo, der von Rebellen besetzt war, zerstört. Dasselbe geschah mit einer Kraftwagenkolonne, die sich aus 14 Lastwagen zusammeusetzte. Die Zahl der Opfer unter den Rebellen dürfte noch in die Hunderte gehen. JuGijon und Oviedo sind bereits die Kriegsgerichte znsammengetreten, um die Rädelsführer abzuurteilen. In Asturien gelang es nach einer Meldung des Tsch. P.-B. den Regierungstruppen erst n a ch tagelangen Kämpfen und nachdem Artillerie und F l i e g e r die Stellungen der Aufrührer„sturmreif" gemacht hatten, die staatliche Waffenfabrik Trubia einzunehmen. Hierbei sollen zahlreiche Aufständische gefangen genommen worden sein., Lebenslänglicher Kerker Das Militärgericht auf dem Dampfer„Uruguay" verurteilte 17 Zivilpersonen zu lebensläng- lichen Kerker, die angeklagt waren, beim katalanischen Afstand Zivilgardisten überfallen und beschossen zu haben. Ein Urteil über den katalanischen Präsidenten und die Mitglieder der ehemaligen katalanischen Regierung, wurde noch nicht gefällt. Riga.(DRB.) Am Spätabend des Donnerstags wurde das Haupt der griechisch-katholischen Kirche Lettlands, der 58jährige Erzbischof Johan» Pommer ermordet. Sodann versuchten die Mörder, das Haus durch Brand zu vernichten. Kurz nach Mitternacht war die Feuerwehr in den Billenvorort Rigas„Waldpark" gerufen worden, wo in den Hause, das vom Erzbischof allein bewohnt wird, ein Feuer ausgebrochen war. Rach dem Löschen des Brandes machte die Feuerwehr eine entsetzliche Entdeckung. In einem abseits gelegenen Zimmer lag gräßlich verstümmelt» mit Stroh und drei ausgehobenen Zimmertüren bedeckt, der stark angekohlte Leichnam des Erzbi-1 Rechtsfront In Frankreich Paris. Der Exekutivausschuß der radikalen Partei hat beschlossen, daß die Angehörigen der Partei bei den am Sonntag stattfindenden engeren Wahlen in die Bezirks- und Generalräte ihre Sttmmen überall fürdie Kandidaten der republikanischenPar- t e ien(das sind die Rechtsparteien) abgeben i sollen, da diese die nationalen Interessen I Auch in Saragassa wurde ein katalanischer Führer zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Wie in allen unter christlichen Regierungen leidenden Staaten gehen auch in Spanien die Kriegsgerichte mit barbarischer Härte vor. Die Regierungstruppen richten aber, verschiedenen Meldungen zufolge, meist bereits unter den kapitulierenden Aufständischen furchtbareMetzeleien an. Rach einer Havas-Meldung wurden gegen die Bergarbeiter in Asturien nicht weniger als fünf Bombe n- g e s chw aber eingesetzt. Bei den Angriffen der Flieger auf Oviedo ist auch die alte und hochberühmte Kathedrale in Brand geraten. Die Kirche wird sich für die Brandstiftung, die durch ihre Flieger angerichtet wurde, ohne Zweifel an den gefangenen Arbeitern rächen« Auch in Madrid flammen die Kämpfe noch immer auf. In den äußeren Stadtteilen soll es zahlreiche Explosionen gegeben haben. Ungebrochen ist der Aufstand noch immer im Grubenrevier Reg ato. In Le Ferrol wurde der Führer des Aufstandes, der Redakteur des sozialistischen Blattes„Mato" getötet. A z a n a, vom dem es hieß» daß er entkommen sei, scheint sich doch in Haft zu befinden. Rach einer Version soll man ihn aus der Haft entlassen haben. Der heldenmütige Widerstand der spanischen Arbeiterschaft verdient größte Bewunderung. Die Regierung hat nur durch den rücksichtslosen Einsatz aller ihrer mörderischen Gewaltmittel das Volk niederwrrfen können. Aber die P r i e st e r- schaftund dieJesuiten, in Spanien seit Jahrhunderten als Verbündete der Reaktion verhaßt, werden nun, da sie in Strömen Blutes die Freiheit ersäuft haben, erst recht den unauslöschlichen Haß der Ration gegen sich haben. Und aus diesem Haß werden eines Tages neue» sieghafte revolutionäre Leidenschaften emporschlagen. schoss. Er war durch Schlag auf den Kopf getötet worden. Es bestättgt sich die Vermutung, daß die Ursache der Ermordung des Erzbischofs dir Unstimmigkeiten und Gegensätze zwischen ihm und einigen orthodoxen Geistlichen bilden. In der lettische» Oeffentlichkeit wurde bereits längere Zeit der Verdacht ausgesprochen, daß einige Geistliche Kirchengelder veruntreut hätte«. Die Angelegenheit wurde Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung und eben dieser Tage hätte der Erzbischof Pommer vor Gericht als Kronzeuge, aussagen sollen. Es steht fest, daß noch kurz vor der Brandstiftung im Hause des Erzbischofs viel Beweismaterial entwendet wurde. Heues Bluturteil In Peutschland Halle(Tsch. P. B.) Das Mitteldeutsche Sondergericht verurteilte Freitag den Angeklagten Jänecke wegen Mordes an einem Schönebecker SA.-Mann und wegen versuchten Mordes in zwei Fällen in Tateinheit mit schweren Landfriedensbruch dreimal z u m T o d e. Auch 6er bayrische Landetbitchof abgehetzt Demonstrationen in München München. Rach dem württemvergischen Landesbischof Dr. Wurm ist nun auch der bayrische Landesbischof Dr. M e i s e r durch eine Verordnung mit soforttger Wirksamkeit aus seinem Amt abberufen worden. Veranlassung hiezu, erklärt das DNB, habe die dauernde Weigerung geboten, rechtmäßig, ergangene Geschäfte der deutsch-evangelischen Kirche durchzuführen. Die letzte Predigt des avgesehtrn Bischofs am Donnerstag abends gestaltete sich zu einer großen Demonsttatton für die Freiheit der evangelischen Kirche. Rach dem Gottesdienst fuhr der Bischof durch ein dichtes Spalier in sein Palais. Später zeigte er sich an einem Fenster und wurde neuerlich von der angesammelte» Menge stürmisch akklamiert. Die Polizei und die SS verhielten sich auf- lallenderweise untätig, obwohl sich die Demonstrationen offenkundig gegen den Rrichsbischof damit wenigstens zum Teil auch gegen das Regime selbst wendeten. Rapen zur Berichterstattung nach Berlin Wie«. Der deutsche Gesandte von Papen, der i« den letzten Tagen mit den maßgebenden Faktoren in Wien eifrig verhandelt hat, ist Freitag zur Berichterstattung«ach Berlin abgereift- 54 Millionen Mark Bonzengehälter Teuere Gewerkschastsbürokratie im Dritten Reich Auf dem Nürnberger Parteitag sagte Ley wiederum, die Gewerkschaften seien übernommen worden,„um die politischen Seuchenherde dem | Feinde zu entziehen, ohne daß den Arbeitern Schaden entstünde". Es sei im alten System so gewesen, daß sich die Gewerkschaftsfunktionäre machtvolle Positionen mit hohen Gehältern aus Lebensdauer zu schaffen gewußt hätten. Er'berichtete, daß die Arbeitsfront am 1. März 1934 einen Gesamtmitgliederbestand von 17 Millionen hatte. Nachdem er noch einige Beschimpfungen der„gierigen Gewerkschaftsfunktionäre" von-einst von sich gegeben hatte, teilte Pg. Selzner mü, daß die Gehälter aller Gewerkschaftsfunkttonäre im Dritten Reich monatlich nicht weniger als 4.5 Millionen RM., d. h. also jährlich,54 Millionen RM. ausmachen. Im viel gelästerten alten System beliefen sich die GehaMausgaben nach den letzten Ausweisen des früheren Gewerkschaftbundes auf jährlich 7.3 Millionen RM. Die Mitgliederzahl in der heutigen Arbeitsfront ist etwa doppelt so hoch als die der früheren Gewerkschaften, was natürlich nicht bedeutet, daß damit dse Verwaltungstätigkeit der Arbeitsfront auch eine Verdoppelung der besoldeten Funktionäre rechtferttgen könnte. Aber selbst wenn man dir Gehaltsausgaben entsprechend der Mitgliederzu- nahme heute mit 12 bis 13 Millionen RM. zuzugestehen bereit wäre, so zeigt doch die tatsächliche Gehaltssumme von 54 Millionen RM., welches Wohlleben sich die braunen Bonzen auf Kosten der dürftig lebenden Beitragszahler im„Staat der Arbeit", im Staat der Einfachheit erlauben dürfen. Die Vertreibung der gierigen Gewerkschaftsbonzen war also kein billiger Spaß. Ministerrat Prag. Der fteitägige ordentliche Ministerrat genehmigte die mit der Vertretung der Tsche- choslovakischen Republik beim Begräbnis des jugoslawischen Königs und des französischenÄüßen- ministers Barthou zusammenhängenden Einzelheiten und beschloß, daß am Tage des Begräbnisses des Königs Alexander I.» d. i. am Donnerstag, den 18., in Groß-Prag keine Vorstellungen in den Theatern und Kinos, keine Konzerte, Vergnügungen etc. stattzufinden haben. Ferner soll zur Erinnerung an den König eine tSiftung für jugoslawische Hörer an tschechoslo- wakischen Hochschulen erritet werden. Genehmigt wurde das Programm der Staatsfeiern für den 28. Oktober und eine Regierungsverordnung über eine teilweise Abänderung des Berzeiniffes der Luxusgegenstände. Die Frist für die Konstriptton ausländischer Zahlungsmittel und Forderungen wird bis 31. Oktober verlängert; die Nattonalbank muß allerdings die Verspätung der Anmeldung als begründet anerkennen. Edlich wurden auch die Verschiebungen in der Zuteilung der A r b e i t s- a n l e i h e auf dem Gebiete der zuständigen Selbstverwaltungskörper bewilligt. Wahlerfolge der tschechischen Genossen. Sonntag fanden im Bezirke Zbiroh, der zum Pilsner Wahlkreis gehört, in zwei Gemeinden Wahlen statt, und zwar in K a i e z und K v a ü. In Karez erhielten die Sozialdemokraten 118 Stim- men und fünf Mandate, gegenüber 73 Stimmen und drei Mandaten bei den letzten Gemeindewahlen. Das bedeutet einen Stimmengewinn von 45 Stimmen. Als stärkste Verlustträger traten. die Nationaldemokraten und Kommunisten in Erscheinung: jene verloren 45, diese 44 Stimmen. In Kvan, gewannen die tschechischen Genossen 19 neue Stimmen. Lettischer Erzbischof ermordet Keine politischen Beweggründe Seit« 4 Samstag, 13. Oktober 1934 Nr. 240 Tagcsncuighcittn Z» den Tod getrieben Eine Frau als Geisel Seit 18 Monate« wurde, wie der»Neue Vorwärts" meldet, die Frau des emigrierten so- zialistischen Bürgermeisters W o r ch von Langewiesen in T b ü r i n g e n als G e i s e l für ihre» Mim« in Haft gehalten, mit ihr ihre Tochter. Am 1. Oktober wurde Frau Worch von ihrer Tochter getrennt und inS Gefängnis von Gräfentonne gebracht. Dort hat sich die unglückliche Fran erhängt! Sie ist systematisch in den Tod getrieben worden. Das schändliche Verbrechen, eine Frau als Geisel anderthalb Jahre in Haft zu halten» ist zum Mord geworden. Die volle Verantwortung für dies neue Verbrechen fällt auf das Haupt der Machthaber des Systems! Japanisches Schiff bei Neu-Guinea angehalten Besatzung verhaftet London. Einer Meldung der„Daily Herald" aus Canberra zufolge ist auf Grund eines Befehles der australischen Bundesregierung am Donnerstag ein japanisches Fahrzeug an der Küste von Neu-Guinea innerhalb der britischen Zone aufgegriffen und angehalten worden, wobei die Besatzung von 25 Mann verhaftet wurde. Diese Maßnahme hängt mit dem vor einigen Tagen ge- meldeten Ucberfall auf die Insel Heggerston in der Torres-Straße zusammen, bei dem japanische Seeleute den Landungssteg zerstört, Häuser geplündert und Kokosplantagen in Brand gesteckt haben sollen. Das angehaltene Schiff heißt„Docikinc Maru", soll aus Formosa stammen und keine ordnungsmäßigen Papiere haben. Die Besatzung wird beschuldigt, das EinwaNderungs- und Quarantäne-Gesetz verletzt zu haben. Nach den„Times" seien viele Berichte über ein geheimnisvolles Auftreten japanischer Sampans an den Küsten von Queensland und Nordaustralien eingelaufen. Jetzt sei eS zum ersten Mal möglich, den Gründen für die Anwesenheit japanischer Schiffe in australischen Bewässern nachzugehen. Man glaubt, daß die Sampans mit starken Maschinen ausgerüstet stnd, so daß sie große Geschwindigkeiten entwickeln können. Blnttge Snfeiftenvevfamntlntm in Plymouth London. In Plymouth kam es am Donnerstag abends bei einer Faseistenversammlung, an der 10.699 Personen teilnahmen, zu Ruhestörungen. Zwei Schwarzhemden versuchten, Reden zu hallten, wurden aber unaufhörlich unterbrochen. Nach einer halben Stunde brach unter den Zuhörern eine wilde Schlägerei aus. Die Versammlung wurde bei dem allgemeinen Durcheinander geschloffen. Polizeiverstärkungen trafen bald an Ort und Stelle ein und nahmen Verhaftungen vor, von denen fünf aufrecht erhalten ivnrdcn. Ein Mann wurde schwer verletz t in ein Krankenhaus gebracht. Sine furchtbare Sekunde Rom. Die Hochwasserwelle der Flüsse im mittelitalienischen Küstengebiet an der Adria ist nunmehr verebbt. Die Schäden in den Provinzen Pescara und Chieti sind beträchtlich. Menschenleben stnd jedoch nicht zu beklagen. Die Eisenbahn-, liitien Pescara—Rom und Ancona—Bari waren zeitweise unterbrochen. Die Brücke über den Fluß Froro stürzte in dem Augenblick ein, als ein Schnellzug sie gerade paffiert hatte. Der letzte Wagen, der Speisewagen, hing einen Augenblick lang mit der lebten Achse im Leeren, ohne daß jedoch ein Unglück geschah. Die Fluren längs der Flnßtäler sind größtenteils verschlammt, die Zahl der Obdachlosen ist beträchtlich. Rcichenberger Schrei»ach— Rassriimtern! Sonntag, den 7. Oktober 1934, nachmittags, fand in Rcichenberg, laut Bericht der„R e i. chenberger Zeitung" vom 8. Oktober lAbendausgabe) der erste Familientag Kaspar statt. Zu dessen Begrüßung führte dort Herr Dr. Walter König-Beyer, der auf allen Familientagen das große Wort führt, laut ..Rcichenberger Zeitung" u. a. aus: Wir haben in unserer Heimat bis heute noch keine Gesetze für Volksaufartung, Eheberatung, noch keine N a s s e ä m t e r u. dgl. So sei es Pflicht ein es jeden einzelnen, der unsere Bestrebungen sudetendeutscher Familien- forichung als wertvoll erkennt, hiefür zu werben. Es ist unser aller Pflicht, der Familienforschung tagtäglich neue Freunde zuzufüh. ren, denn wir wollen heute die Erhaltung und Vermehrung aller gesunden und die rascheste Ausschaltung aller kranken Erbanlagen. Der Familientag sei ein Tag der Besinnung und Einkehr.— Die Sehnsucht des Herrn Dr. König- Beyer und seiner Familienforschung nach den Rasteämtern, deren Nichtvorhandensein in un- sercr Republik er so bedeuert, ist wirklich sehr aufschlußreich. Die Tatsache, daß man es im Drittln Reich bereits schon so herrlich weit gebracht hat, läßt ihn nicht mehr schlafen. Die Volksaufartung, die man seit der Machtübernahme Hit- Nordprozess Vyletdlek Heute vormittags Lokalaugenschein In der Wohnung der Vylettleks— Das Urteil der psychiatrischen Sachverständigen— Urteil erst am Dienstag Prag. Nach Eröffnung der freitägigen Ver- handlung richtete der Vorsitzende an das Publikum die Mahnung, sich im Gerichtssaal eines anständigen Benehmens zu befleißigen, insbesondere nicht die Verhandlung durch das Knistern aufge- wickelter Frühstückspakete zu stören, und überhaupt nicht den Gerichtssaal mit einem Früh- stückslokal oder einer Barietebühne zu verwechseln. Unsere schon vor Eröffnung dieser letzten großen Prozesse geäußerte Befürchtung, daß die SrnfationShyänen, vorwiegend weiblichen Geschlechts, jede- primitive Gebot menschlicher Anständigkeit hintansetzen würden, ist weitaus übertroffen worden. Es fehlten tatsächlich nicht die.Damen" mit dem Opern- gl a s, es fehlten nicht die sensationslüsternen Parasiten, die im Gerichtssaal frühstückend, sich gleichzeitig durch die krassen Verhandlungsdetails in annehme Erregung versetzen lassen. Es ist erfreulich, daß der Vorsitzende gegen solche Individuen mit aller Strenge einschreitet. Donnerstag kam es bekanntlich zur Räumung des Gerichtssaales. Dr. M e l l a n als Verteidiger Jarosiav V y- lekäleks stellte den Antrag auf Lokalaugenschein in der Kleinseitner Wohnung des Ehepaares. In der Jndizienkette spielt der Umstand eine Rolle, daß die Frau allein nicht imstande gewesen sei, den Leichnam ihres Vaters in die Nische hinter dem Küchenherd zu zwängen. Der Verteidiger will diese Meinung an Ort und Stelle widerlegen. Das Gericht gab dem Antrag statt, so daß das Gericht mitsamt dem Geschworenenkollegium sich Scynstag um 9 Uhr früh in der Kleinseitner Wohnung am Ujezd versammeln wird, worauf die Verhandlung gegen Mittag in Pankraz fortgesetzt wird. Nach Einvernahme zweier vom Verteidiger des Jarostav Vylekälek geführter Zeugen, welche verschiedene dunkleAndeutungender Marie Vylekälek bestätigten(solcher Zeugen gibt es eine Fülle), folgte das umfangreiche Gutachten der Gerichtsspychiater Prof. Dr. Bondy und Knobloch, di« das vorher verlesene Protokoll des ArzteS Dr. Lenz, der mit der Mari« Bylekäl verschiedentlich zu tun hatte, übereinstimmend ergänzen und vervollständigen. Schon das Gutachten des Dr. Lenz kennzeichnet die Vylekälek als schwere Hysterikeri» und erwähnt u. a. eine Reihe von Selb st Mordversuchen der Marie Vylekälek, die aber— und dies ist charakteristisch für Hysterikerinnen— gar nicht ernst gemeint und von vornherein auf Mißlingen angelegt waren. Sie wollt« sich in einem Bottich ertränke«, Mit Giftfarbe umbringen, sich erhängen— aber inaner so, daß der Selbstmord vereitelt werden mutzte. Obwohl sie wußte, datz sie von ihrem ersten Mann mit Syphilis infiziert war, hat sie sich doch keiner regelmätzigen Heilung unterworfen. Von ihrem ermordeten Vater sprach sie als von einem„tollen Hund". Aber hinter dem zur Schau getragenen Zynismus scheinen schwere Gewiffensqualen zu stehen. So äutzerte sie sich einmal:„W e n n ich nicht in diesen Monate»(d. h. in der Zeit, wo die Leiche ihres Vaters hinter dem Küchenherd lag) verrückt geworden bin, so halte ich es auch weiter aus, ohne ver- cücktzuwerde n." Das Gutachten führt neben den verschiedenen„Selbstmordversuchen" zahlreiche Beispiele hysterischer fixen Ideen an. Einmal kam sie z. B. mit verbundenem Kopf nach Hause und erzählte, sie habe eine schwere Kopfoperation hinter sich, wobei ihr ei» Knochensplitter aus dem Gehirn entfernt worden sei. Am nächsten Tag hatte sie diese vollkommen erfundene Erzählung bereits vergessen. Marie Vylekälek erklärte weiter, Tanz und Musik seien ihr« Leidenschaft und sie würde im Kriminal beides am ällerfchwersten vermissen. Das Gutachten stellte abschließend fest, Marie Vylekälek sei hysterisch und von herabgeminderter Vernunft, aber nicht in solchem Grade, daß daraus strafausschließende Unzurechnungsfähigkeit abzuleiten sei. Sie ist also im Ginne unseres Strafgesetzes voll verantwortlich! Zu dem gleichen Resultat gelangten die psychiatrischen Sachverständigen auch bei Jaroslav Vylekälek, als einem Menschen von verhältnismäßig hoher Intelligenz und völlig klarem Urteilsvermögen. Auch Jaroslav Vylekälek war bekanntlich Syphilitiker, hat sich aber ordentlich kuriert und kann als ausgcheilt gelten, wie auch die letzten Blutproben bestätigen. Bemerkenswert ist, daß Vylekälek den hysterischen Einfällen und Vorspiegelungen seiner Frau zunächst Glauben schenkte. Später kümmerte er sich freilich überhaupt nicht mehr darum und reagierte überhaupt nicht mehr auf ihre Selbstmord- drohrmgen u. dgl. Diese Zwischenfälle aber seien es geivesen, die ihm das Zusammenleben mit seiner Frau schließlich so verleideten, daß er sie verließ. Und gerade dieses Verlassen hat dann bekanntlich zu ihrer Anzeige geführt. Die Verhandlung wird, wie erwähnt, am Samstag mit einem Lokalaugenscheln fortgesetzt werden, so daß das Urteil erst für Dienstag zu erwarten ist. rb. Friedrich Nietzsche wurde vor 90 Jahren, am 15. Oktober 1844, in Röcken bei Lützen geboren. Seine Persönlichkeft und sein Werk sind ebenso fesselnd wie sie widerspruchsvoll sind. Auf chn berufen sich die Völkischen und zugleich ihre schärfsten Gegner. Er war ein Europäer, er war ein Hasser fast aller deutschen Rasseneigentümlichkeiten, die von den Nazis gepriesen werden, er grenzte sich, wo er nur konnte, gegen das Deutschtum energisch ab. Er haßte die ganze preußisch-lutherische Denkart, aber er hat andererseits auch die Bewunderung der„blonden Bestie" in die Welt gesetzt, mit seinem„Antichristentum" der Hit- lerbarbarei wirkungsvoll vorgearbeitet und überhaupt den deutschen Größenwahn genährt, nicht zuletzt deshalb, weil er selbst anderthalb Jahrzehnte an Größenwahn litt und in geistiger Umnachtung starb. Aus der Geistesgeschichte unserer Zeft ist er als Philosoph und Dichter nicht wegzudenken. Sein Einfluß war so groß wie. er verheerend war, denn er wird immer zu den Männern gehören, die jeder, der sie versteht, zugleich mißversteht, weil sie den Zwiespalt in sich tragen. stert« Lehnen und eine Konstruktion haben, die das Schütteln verringert. Das Publikum kann nur hoffen, datz all das stimmt. Nach der Enttäuschung über den so hochtrabend angekündigten Blauen Pfeil ist man skepftsch geworden. Der korsische Bandit Pardischi, der nach der Ermordung eines Landsmannes in die Berge entflohen war und seither die Gegend von Caldane terrorisierte, ist am Donnerstag von der ihn verfolgenden Gendarmerie erschossen worden. Die Gendarmen hatten den Banditen in einem Schafstall umstellt. Die Schüsse, die Pardischi gegen die Gendarmen richtete, verfehlten ihr Ziel. lerS im Driften Reich betreibt, kann einem Demokraten nicht erwünscht sein. Wenn sich aber die Familienforscher in Reichenberg der Ter- minölogie des Dritten Reiches in vollem Aus- maß bedienen, so dürste man wohl nicht fehlgehen, wenn man daraus schließt, daß dem Dr. König-Beyer und Konsorten der Mund übergeht von allen dem, dessen ihr Herz voll ist... Die Feier des Staatsfeiertagrs au den Schulen. Um den Schülern zu ermöglichen, sich an den öffentlichen(nichtpolitischen) Feiern des Staatsfeiertages vom 28. Oktober 1934, der auf einen Sonntag fällt, zu beteiligen, hat der Minister für Schulwesen und Volksaufklärung ganz ausnahmsweise gestattet, daß di« entsprechenden Feiern des 16. Jahrestages des Bestandes der Tschechoslowa- kischen Republik an allen Schiften zu einer geeigneten Bormittagsstunde bereits am 27. Oktober veranstaltet werden.— Die Staatsflaggen werden von der zehnten Bormittagsstundc des 27. Oktober bis 8 Uhr früh des 29. OftlBer 1934 gehißt sein. Hungerstreik ungarischer Bergarbetter. In dem 200 Meter unter der Erde gelegenen Stollen des Pecser Kohlenbergwerkes der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft sind 350 Bergleute wegen Lohnforderungen in den Hungerstreik getreten. Die Arbeiter verschiedener anderer Gruben der Pecser Umgebung sind in den Sympathiestreik getreten, sc daß sich die Zahl der Hungerstreikenden am Freitag nachmittags bis auf über 1000 erhöht hat. Die eigene Familie ausgerottet. In Abbeville(Nordfrankreich) erschoß ein Landwirt seine Frau und fünf Kinder, worauf er sein Gut anzündete und sich erhängte. Innere Anleihe der Schweiz. Der schweizerische Bundesrat beschloß, zur Deckung der schwebenden Schuld und der laufenden Bedürfnisse eine vierprozentige innere Anleihe im Gesamtbeträge von 100 Millionen schweizerischen Franken auszuschreiben. Der Emissionskurs beträgt 98.65, die Rückzahlfrist zwölf Jahre. Eine Kühlanlage explodiert. In einem vierzehnstöckigen Wolkenkratzer in Chicago ereignete sich am Freitag ein schweres Explosionsunglück, durch das zwei Personen getötet und 15 andere mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Die Explosion erfolgte in einer Kühlanlage, in der sich ■ AmoniakdäMpfe gebildet hatten. Der in dem betroffenen Gebäude beschäftigten Angestelltenschaft bemächtigte sich eine furchtbare Erregung, so daß die Reitungsarbeiten außerordentlich erschwert wurden. Brand. In der Nacht zum Freitag brach in einer Autokarosserie-Fabrik in Lyon ein Grotzfeuer aus. Der ganze Gebäudekomplex wurde«in Raub der Flammen. Die Feuerwehr konnte nur mit größter Mühe ein Ausbreiten des Brandes verhindern. Der Sachschaden wird auf über eine Million Franken geschätzt. Unwissenheit oder böser Wille? In einem auch sonst recht schnoddrigen Essay über den im Vorjahr verstorbenen Architekten Adolf Loos schreibt Franz Blei: Dann kam der Krieg und damit hatte auch das Bauen für Loos ein Ende. Er begann immer häufiger zu schreiben. Vieles davon ist voll Geistes. Oft rennt er offene Türen ein. Schließlich begann er zu malen. Und fuhr noch zwei Jahre fort zu malen. Mir ist nichts davon zu Gesicht gekommen. Man erzählt sich, daß er kurz vor seinem Tode alle seine Bemühungen auf diesem Gebiete vernichtet habe. Man erzählt sich auch, das Feucrchen hätte nicht länger als sechs Minuten gebraucht, um alle seine Studien in Asche zu verwandeln. Jedenfalls hatte Adolf Loos, was man einen heiteren Lebensabend nennt. Nicht nur Eingeweihten, sondern auch dem größeren Publikum ist bekannt, daß LooS jahrelang gelähmt, daß er durch Taubheit geplagt war und daß diesen wahrhaft düsteren Lebensabend die Wiener Polizei noch verschönte, indem sie dem verhaßten Rebellen Loos noch einen Sittlichkeitsprozeß aufhalste. Es wäre nicht uninteressant zu erfahren, ob Herr Blei sich selbst solch einen Lebensabend wünscht. Auf HgnptmannS Spuren. Im Laufe der Untersuchung über das Vorleben und die Vorstrafen Richard Hauptmanns begab sich der amerikanische Detektiv Johnson am Freitag von Dresden nach Kamenz, wo er zunächst einen Freund Hauptmanns, den 34 Jahr« alten Fritz Petzöld, vernahm. Petzold gab an, nicht mehr mit Hauptmann in Verbindung zu stehen. Er habe von ihm lediglich drei oder vier Ansichtskarten aus Amerika erhalten, auf die er jedoch nicht geantwortet habe. An den Absendeort der Karten könne er sich nicht mehr erinnern. Johnson begab sich dann in das Kamenzer Amtsgericht und nahm Einblick in die Akten über Hauptmann. Später suchte Johnson noch eine Familie Heine auf, deren Söhn« nach Amerika ausgewandert sind. Der eine, ein Schlosser, arbeitet gegenwärtig in einer Fabrik bei New Dork. In einem Briefe hat dieser mitgeteilt, datz er den Hauptmann der ihm zur Last gelegten Straftaten nicht für fähig halte. 4000 Kinder in den Wiener Komensky-Schulen. In den Völks-, Haupt-, Fach- und Mittelschulen des Vereines Komensky in Wien wurden zum 1. Oftober 1984 im ganzen 3096 Kinder, d. s. um 97 mehr als im vergangenen Jahre eingeschrieben. Diese 3096 Kinder sind auf 112 Klassen gegenüber 109 Klassen im Vorjahr aufgeteilt. Der„Blaue Pfeil" in besserer Auflage? Dieser Tage wurde von den Staatsbahnen«in neues Modell der Skoda-Werke vorgeführt, das in fünf Wagen die Type des Blauen Pfeils öhne dessen berüchtigte Fehler ersehen soll. Die neuen Wagen werden nur 56 statt 70 Sitze, eine angeblich anständige Heizung, Wasserspülung im Klosett, gepoi- Bananen gegen Glas. Auf der Grundlage eines Kompensationsvertrages sind sett Feber Bananen im Werte von 9.5 Millionen Kc gegen tschechoslowakisches Glas ausgetauscht Wort»». Das Glas geht hauptsächlich nach England und seinen Kolonien. Wetterübersicht. Der Westwind, welcher in den böhmischen Ländern am Freitag eine leichte Erwärmung gebracht hat, ist sehr feucht und erhält stärkere Bewölkung mit strichweise» leichten Regenfällen auftecht. Der Sturm am Kamm der, Sudeten hat sich noch verstärkt. Unsere Gegenden werden voraussichtlich auch weiterhin am Rande der vom norwegischen Meer gegen die baltischen Staaten wandernden Störungen verbleiben, so daß der günstige Einfluß deS Druckhochs über dem Westen bei uns vorläufig nicht zur Geltung kommen dürfte. — WahrscheinlichesWetter von Samstag: Vorwiegend bis wechselnd bewöltt, strichweise etwas Regen, West- bis Nordweftwind. Kein« wesentliche Temperaturänderung.— Wetter» aussichten für Sonntag: Andauer des herrschenden Witterungscharakters. Vom Rundfunk Das Rnndfunkprogramm Samstag und Sonntag Das Begräbnis Barthous im Rundfunk. Heute, Samstag, überträgt der tschechoslowakische Rundfunk nur Nachrichten. Um 14.50 | wird die Uebertragung der Beerdigungszeremo- ! nie» aus Paris beginnen, welche bis 17 Uhr dauern werden. Um 21 Uhr wird Liblitz aus Bukarest einen Vorttag des Ministers Titulescu über Barthou übernehmen. Auch das Programm für Sonntag wird wesentlich geändert. Aufrecht bleiben nur die ernsten Relationen. Die Station Straschnitz wird nicht senden. Empfehlenswertes aus den Programme«: Sonntag Prag: Sender L.: 6.45 Gymnastik. 8.50 Viola- Konzert. 13.45 Soziale Informationen. 17.45 Arie« aus Opern von Puccini. 17.55 Deutsche Sendung: Kotzebue:„Die deutschen Kleinstädter". 19.05 Blasorchesterkonzert. 20.50 Konzert für zwei Klaviere. 22.30 Tanzlieder tschechischer Autoren. — Sender Str.: 14.30 Deutsche Sendung: Landwirtschaft. 14.45 Arbeitersendung: Luwmg Spitzer: Reportagen. 15.00 Käthe Walter vom Deutschen Theater singt wenig bekannte Chansons von Oftenbach.— Brünn: 9.45 Slawische Arien. 11.00 Orchesterkonzert. 17.55 Deutsche Sendung: Ein Tageskreis in deutschen Volksliedern. 20.50 Beethoven: F-Dur-Sonate.— Mähr.-Ostrau: 17.55 Deutsche Sendung: Wir stellen vor! Bunter Abend. 20.06 Orchesterkonzert.—. Preßburg: 20.50 Klavierkonzert. «r 240 Samstag, 13. Oktober 1934 Seite 5 Begeisterung im Ständestaat Das„Reue Wiener Abendblatt" berichtet über einen Zivilprozeß, der nicht nur juristisch interessant ist: ein Wiener Hausbesitzer hat von seinen Mietern 120 Schillinge für die Anschaffung der behördlich vorgeschriebenen Flaggen verlangt, und als die Mieter die Zahlung verweigerten, hat er um das Flaggengeld pro- zcssiert und ist, da er in zwei Instangen verlor, bis zur dritten und höchsten In stanz gegangen, dieihmrechtgab; denn die vorgeschriebene Beflaggung des Hauses müsse als Bestandteil der„notwendigen Einrichtung" betrachtet werden, und da der für diese Zwecke bestimmt« Teil der Mietsumme bereits verbraucht war, hätten die Mieter für die neuen Flaggen einen Sonderbeitrag Zu Zahlen. Dieser Prozess zeigt die Begeisterung, die das autoritäre Regime erweckt, von derRückseite. Vorn hängen die vorgeschriebenen Flaggen,— aber hinter ihnen wohnen Leute, deren Enthusiasmus nicht einmal so weit geht, sie zu bezahlen. Bei den Mietern ist das im christlich-österreichischen Ständestaat wahrhaftig lein Wunder. Aber daß auch der Hausbesitzer, dessen Stand von der Ständeregierung so sichtbar bevorzugt wird, nicht einmal 120 Schillinge aus Dankbarkeit für die Befreiung vom Marxismus opfern will, ist so ernüchternd, das; es eine Zeitung im autoritären Staate ihren Lesern nicht einmal in der entlegenen juristischen Ecke hätte mitteilen dürfen. Um so weniger, als das Verhalten des prozessierenden Hausbesitzers und das Urteil, das ihm zum Siege verhalf, geradezu symbolisch für den Sinn des Ständestaates überhaupt sind: der priviligierte Stand ist froh darüber, dass er die anderen endlich wieder ausbeuten kann— und weil er privilegiert ist, braucht er nicht einmal die Kosten für den sichtbaren Ausdruck seiner Freude zu zahlen, sondern kann sie den anderen aufbürden, weil ja die Freude über den Ständestaat laut Vorschrift eine Sache des ganzen Volkes zu sein hat. Gorilla„Bobby" fällt seinen Wärter an Im Affenhaus des Berliner Zoologischen Gartens spielte sich ein gefährlicher Zwischenfall ab. Bei dem Menschenaffen des Zoologischen Gartens finden täglich vor zahlreichen Zuschauern Vorführungen statt, bei denen Bobby, der große Gorilla, immer das besonder« Interesse des Publikums findet. Am Mittwoch bekam der Gorilla nun plötzlich einen Wutanfall und packte den stellvertretenden Affenwärter Wille, ritz ihn zu Boden, warf sich auf ihn und brachte ihm mit seinen gewaltigen Gebiss Verletzungen bei. Durch die Schreckensrufe der Zuschauer wurde Bobby offenbar zu«och grösserer Wut aufgestachelt. Glücklicherweise waren inzwischen andere Wärter, die in der Nähe waren, auf den Vorfall aufmerksam geworden. Unverzüglich eilten sie ihrem bedrängten Kollegen zu Hilfe und es gelang ihnen schnell, den bereitverletzten Wärter auS seiner gefährlichen Lage zu befreien. Wie die Direktion des Zoologischen Gartens mitteilt, hat der Wärter Wilk« bei dem ungleichen Kampf mit dem Gorilla nur einen Biss am Oberschenkel davongetragen; da er aber innere Verletzungen davongetragen haben kann, wurde er zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Mordanschlag auf die Schwägerin. Der 22jährige beschäftigungslose Maurer Jaroslav Nahodil aus Bolikovice bei IaromKice n. R. gab Donnerstag abends auf seine Schwägerin, die Arbeitersgattin Marie Rahodilova aus Trebitsch bei einem Teich drei Revolverschüssc ab, von denen sie zwei in die Brust und in die Hand trafen. Als Jaroslav Nahodil von der Gendarmerie im Hause seines Bruders betroffen wurde, schoss er auf die Gendarmen. Er wurde jedoch von einem Gendarm in Notwehr durch einen Schuss in die Brust schlver verletzt. Er musste in das Krankenhaus gebracht Iverden. Auch die Verletzungen seiner Schwägerin Marie Rahodilova sind schwer. Prometheus in der Westentasche Zum 100-Jahr-JubUäum des Zündholzes. Von L. P. Relsay. Das moderne Feuerzeug ist eine wunderbare Sache. Es ist elegant und billig und man kann sich so schön damit spielen, wie mit einem Schlüsselring ccher einer Perlenkette. Man reagiert dabei die eigene Nervosität ab und steigert die der Gesprächspartner. Mit Zündhölzern kann man derartige Effekte nur schwer erzielen. Auch fehlt beim Anstreichen eines Zündholzes die Spannung: Wird es Feuer fangen oder nicht? Beim wievielten Anreiben funktioniert es? Ist das Benzin schon ausgegangen oder reicht es noch? etc. Solch' interessante Versuche lassen sich bei Streichhölzern nicht anstellen, denn diese haben eine überaus schätzenswerte Eigenschaft: sie sind ungemein verlässlich. Nicht-Funktionieren ausgeschlossen. Das ist auch ein Hauptgrund, weshalb ihnen das Feuerzeug nur verhältnismässig wenig Konkurrenz machen kann. Weltmacht aus Zündhölzchen. Die Verlässlichkeit des Zündholzes ist vielfach erprobt. In technischer Hinsicht, denn es hat seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts — also seit rund 60 Jahren— keine wesentliche Verbesserung erfahren können, in finanzieller Beziehung, denn es hat seine Erzeuger reich, und zwar sehr reich gemacht und den Staaten, die durch Monopole und Abgaben den Massenverbrauch besteuerten, grosse Einnahmen gebracht. Ein Mann allerdings hat dem schwachen Hölzchen eine allzu harte Belastungsprobe zugemutet. Ivar K r e u- ger, der Beherrscher des schwedischen Zündholztrusts, hat es verstanden, mit dem Zündholzkapital eine weltbeherrschende Finanzorganisation aufzubauen, durch Anleihegewährung an alle möglichen Staaten die Zoll- und Wirtschaftspolitik zu lenken, wie er wollte. Zehn Hölzchen verbraucht durchschnittlich in unseren Ländern jedermann pro Tag. Zehn pro Kopf und Nase; das macht in Oesterreich allein 68 Millionen Zündhölzer täglich I Aus Grund dieser Tributleistling an das Zündholzkapital konnte Kreuger zu einer ungeahnten Macht emporsteigen. Aber der Dkann verspekulierte sich und eines Tages sah er sich gezwungen, zum Revolver zu greifen. Das Zündholz war zu schwach, es hatte versagt. Die traurige Geschichte des Hölzchens. Es hat schon viel erlebt das kleine Hölzchen. Viel Elend und Not der Arbeiter, die es herstellten, oiele meist getäuschte Hoffnungen der Erfinder und Forscher, die es erdachten und viel Geld, das es denen brachte, die seine Erzeugung finanzierten. Es sah die Arbeiter dahinsiechen an der schrecklichen Phosphornehrose, einer Vereiterung der Kieferknochen, di« durch Dämpfe bei der Erzeugung der Phosphorzünder, der Vorläufer unserer Sicherheitszünder, entstand. Erst 1907 wurde in Deutschland die Erzeugung der Phosphorzünder verboten; durch 80 Jahre war sie erlaubt, tausende Arbeiter gingen an ihr zugrunde.*) In der Frühzest des Streichholzes wurden an manchen Orten die Schachteln für die Zünder in Heimarbeit erzeugt. Aber die Leistungsfähigkeit der automatischen Maschinen diktierte den Preis, so dass als durchschnittlicher Wochenlohn bei ganztägiger Arbeitszeit nur eineinhalb Mark gezahlt wurde. Davon mussten deutsche Heimarbeiter eine Woche leben! Und die Erfinder? Heute tobt in der Fachliteratur ein heftiger Streit darüber, ob das Zündholz eine englische oder deutsche Erfindung sei, ob es 1828, 1827, 1831 oder noch später erdacht wurde und wem als ersten der„zündende" Gedanke kam. Feststeht, dass bis zum Anfang des achtzehnten Jahrhunderts Stahl und Stein die einzigen Instrumente zur Feuergewinnung *) In Oesterreich wurde erst 1909 die Erzeugung der Phosphorzünder verboten. Zwei Jahrzehnte lang musste Viktor Adler, der grosse Sozialpolitik«, einen zähen Kampf für dieses Verbot führen. Ein sozialdemokratisch« Dringlichkeitsantrag, von Adler I begründet, erzwang 1909 das Verbot. 8ne iwueSpiizenleistung die Jknen Seid spart. Bi« neuen Osram-Q-Lampen brauchen zum Teil je nach Spannung und Type erheblich we- niger Strom für die gleiche lichtmenge wie die bisherigen Osram-lampen. Gegenüber unvollkommenen, Mh wach brenn enden Glühlampen ist der Stromverbrauch bei gleicher Lichtleistung bis iv 30»/« geringer. Wirtschaften Sie sparsam, benützen Sie Osram--lampen mit dem Spar- draht, dann haben Sie billiges licht. Verlangen Sie immer ausdrücklich Osram-|sj Lampen. waren, dass später Tunk- und Tauchhölzer und chemische Z ü n d m a s ch i n e n in Gebrauch waren und erst mit dem Auftreten von I. F. Kammerer das Phosphorzündholz seinen Sie-, geszug begann. Das Licht aus der Kerkerzelle. Kammerer liess sich 1820 in Ludwigsburg in Württemberg als Siebmacher und Trommelfabri- kant nieder und arbeitete schon 1832 in seinem Privatlaboratorium an der Erfindung der Phos- phorzünder. 1833 wurde er wegen revolutionärer Umtriebe verhaftet und auf dem Hohenasperg interniert. H i e r, im Gefängnis, in dem auch der Dichter Schubart und der Jude Süss Oppenheimer gesessen sind, fand er das richtige Rezept für seine Zünder, nach dem im wesentlichen bis zum Jahre 1907 in Deutschland Phosphorzünder hergestellt wurden. Die Hölzchen waren mst Schwefel getränkt und hatten Zündköpfe, in denen Phosphor enthalten war. An j e ile r reibenden Fläche, z. B. am Hosenboden, konnten sie zur Entzündung gebracht werden.— Es gelang Kammerer, aus dem Gefängnis zu fliehen und in die Schweiz zu kommen. In Seefeld bei Zürich, in Strassburg und in Wien(1834) gründete er gemeinsam mit Geldgebern Zündhölzfabriken. Er selbst befass keine Mittel, da sein Haus, Geschäft und Vermögen in Ludwigsburg konfisziert worden waren, er hatte nur sein Rezept. Da aber damals Erfinder mangels einer Patentgesetzgebung Noch schutzloser den Fabrikanten ausgeliefert waren, als sie es heute sind, hatte Kammerer nicht viel vom schliesslichen Erfolg feiner Idee. Er zog sich vom Zündholzgeschäft so ziemlich zurück und lebte in Zürich vor allem politisch tätig. Sein Haus war eine Zufluchtstätte der deutschen politischen Emigrierten des Jahres 1848/49. Er war Kassier und Mitbegrün- der der deuffchen Hilfsgemeinschaft für polifische Flüchtlinge. Die Phosphorzünder konnten sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten, behördlicher Schikane und Verbote bald durchsetzen. Kammerer erlebte noch den Triumph seiner Idee; den Profit trugen andere davon. Typisches Erfinderschicksal Die„Schwedischen". Auch der Erfinder unserer Sicherheitszünder konnte durch die Finger sehen. 1881 eder 1&52 trat Prof. Böttger in Frankfurt mit seiner Erfindung" hervor. Zündhölzer propagierte er ohne weissen Phosphor und Schwefel, die bei der Erzeugung keine schweren Krankheiten hervorriefen— wie die Phosphorzünder— die auch nicht durch den verbrannten Schwefel zum Husten reizten und die letzten Endes ungiftig waren. Die Phosphorzünder waren nämlich ihrer Billigkeit und Giftigkeit wegen ein beliebtes und überall leicht erhältliches Selbstmordmittel.— Er konnte seine Erfindung aber nicht durchsetzen. Erst zlvan- zig Jahre später nahmen die Schweden die Sache in die Hand, verbesserten Böttgers Erfindung und eroberten die Welt für die„schwedischen" oder Sicherheits-Zündhölzchen. Die Schachteln trugen den Aufdruck: Säkkerhets Tändstikker Paraffinade. Utan Svafel ooch Phosphor. Tända endast mot ladens plan. Deutsch: Paraffinierte Sicherheitszündhölzer. Ohne Schwefel und Phosphor. Entzünden sich nur an der Streichfläche. In Berlin wurden Schlagermelodien zu diesem Text komponiert. Die schwedische Zündholzindustrie wurde führend in der ganzen Welt und behauptet diese Position teilweise noch heute. Und der Erfinder? Darüber schweigt die Geschichte. D« Mythos von bet Zündholzsteu«. Die griechische Sage berichtet, dass Prometheus den Göttern das Feuer raubt«, um es den Menschen zu bringen. Zur Strafe wurde er an einen Felsen geschmiedet, wo ihm ein Adler täglich die Leber aushackte, bis ihn Herkules befreüe. Wir sind viel prosaischer geworden. Wir bemühen weder Götter noch Titanen, wenn wir Feuer haben wollen. Wir greifen in die Westentasche und zünden uns die Zigarette an. Und die Strafe des Prometheus? Auch dafür ist heute gesorgt. Sehen Sie sich nur die Zündholzpreise an! Weiße Nachte Der Mitteleuropäer kann sich nur schw« eine nordische Sommernacht vorstellen. Die Sonne scheint ohne Ende, immer noch und immer noch ist es hell. Man wartet auf Nacht und Dunkelheit — sie kommen nicht. Endlich verschwindet die Sonne hint« dem Horizonte, der hier meistens Wasser ist,— See oder offenes Meer. Aber es wird nicht finster. Der Himmel bleibt hell, und nur allmählich wird es ein flein wenig dämmerig, aber immer noch ist eS so licht, dass man in der Geisterstunde im Freien ganz gut die Zeitung lesen könnte. Man liest sie aber nicht, sondern gebt zu Bett. Anfangs glaubt man nicht schlafen zu können, ab« man gewöhnt sich doch ein. Bor den Fenstern sind dunfle Vorhänge, die den Raum verdunkeln helfen, und dann kommt schon d« Schlaf, genau wie daheim. Der längste Tag wird gefeiert vom ganzen Volke. Niemand blecht zu Hause. Die Strassenbahnen stellen schon um sechs Uhr den Berkchr ein, denn die Schaffner wollen doch auch Mittsommer feiern. Da haben die Taxi gute Zeit. Auch unzählig« Omnibusse, voll mit Menschen, fahren aus der Stadt ans Meer, an einen See, irgendwo hinaus in§ Freie. Die meisten aber drängen ans Meer. Schiff aus Schiff verlässt den. Hafen, vollbeladen mit fröhlichen Menschen. Man fährt — ost hundert Kilometer und weiter— nach ein« Insel. Unterwegs wird auf dem Schiff getanzt und gesungen, wenn auch nicht mit jener Ausgelassenheit, welche uns«en Festen ost zu eigen ist. Obgleich es empfindlich kalt ist im Freien, Reibt doch das Deck vollbesetzt. In Mäntel und Decken gehüllt, verbringen die meisten die Nacht an Bord. Freüich ist ihnen das Erlebnis der Mitternachtssonne nicht annähernd so wichttg wie dem Mitteleuropäer. Sie sind da, feiern pflichtgemäß das Iulfest, aber sie schauen kaum hin nach dem roten Streifen über dem Meere, wo das Tagesgestirn verschwunden ist. Dieser Lichtstreif rückt langsam von Westen nach Osten, man kann förmlich verfolgen, wie die Sonne wand«t. Bald kommt sie wieder und macht die schwache Dämmerung zum hellen Lichte. Die Leute sind indessen eingeschlafen. Auch di« unteren Räume des Schiffes sind nun vollbesetzt. Junge Pärchen schlafen zärttich aneinandergeschmiegt auf den Polsterbänken der Kajüten. Doch es kommt niemand auf den Gedanken, das elektrische Deckenlicht auszuschalten oder sonstwie„die günstige Gelegenheit auSzunützen". Die Menschen haben kälteres Blut. Und natürliche Kultur! Sie lachen und schwatzen, singen ein wenig und gehen immer wieder einmal an die frische Lust, ab« es wird keine schwüle Lust, kein heimliches Flüstern, keine Küsserei... Das Schiff fuhr von Helsinki durch die unzähligen dem Lande vorgelagerten Inselchen. Ein Lots« war nötig, denn die Fahrtrinne für das ziemlich große Schiff war schmal. Plötzlich gab es einen furchtbaren Stoß, die Gläser flogen vom Tisch und zerschellten, alles prallte gegeneinander — und dann saß das Schiff fest. Großer Schreck packte alle. Und jetzt konnte man Wohl scheu, daß jenes kältere Blut nicht geringere Liebe ist. Ein sehr liebes Mädchen, die mit ihrem Burschen mitfuhr, wurde verstört und bleich, eilte hinaus und war unbeschreiblich aufgeregt, weil ihr Bräutigam augenblicklich nicht bei ihr war. Nun, es war nichts geschehen, und bald hatten sich die LiebesleUte wieder. Und nun ließen sie ihre Hände zusammen, und aus ihren ernstgewordenen Gesichtern sprach ein tiefes Glück über die vorübergegangene Gefahr. Die Stimmung war durch diesen Zwischenfall getrübt, und«st nach Stunden kehrte langsam die Heiterkeit wieder. Das Schiff hatte aber durch den Zwischenfall gut eine Stunde ver- loren, und das Ziel, eine grosse felsige Insel, kam lange nicht in Sicht. Als es schon gegen Morgen ging, kam einer der Burschen von Deck in die Kajüte und erklärte, wir wären schon längst am Ziele, wenn der Kapitän nicht nach einem passenden Steine suchte, wo er aufsahren könne. Ueber diesen Witz wurde herzlich gelacht, und nun waren sie alle wieder fröhlich. Die Zeit bis sechs Uhr wurde nun zum Schlafen benützt, so gut es eben ging. Als dann die Sonne alle Wolken besiegt hatte, verließen die Fahrgäste das Schiff und begaben sich auf die Insel. Tausende waren mit den vielen Schiffen angekommen, aber wo waren sie hin? In den Felsen, am Strande, auf Wiesen und in Wäldern zerstreute sich die Menge, und nur selten traf man einzelne wieder, die sich des freien Tages freuten, in der Sonne lagen ob« badeten. Am Abend fanden sich alle wieder am Schiffe ein, sonnenverbrannt und fröhlich. Glücklich und zufrieden fuhren sie wieder der Heimat zu, ge- stärst und erholt, stffch zur Alltagsarbeit. Alkohol war unter den Genossen nicht verbraucht worden. Als zwei fremde Gäste, die angetrunken waren, in der Kajüte«schienen, wurden sie verlaibt, ihnen aber gleichzeitig bedeutet, sie mögen schnell wieder verschwinden, da Ausländer anwesend seien, die keinen schlechten Eindruck von Finnlands Arbeiterschaft bekommen dürften. Und sie, die Betrunkenen, sollten sich schämen. Weiße Nächte, kiihle Nächte im nüchternen Norden. Doch wer sie erlebt hat, trägt immer das Bild im Herzen, wie die geliebte Sonne so lange und freundlich die Menschenfinder beglückt. f. w. PRAGER ZEITUNG Name: Kunst und Wissen die Unterschrift: F l l Bl Abonnements° Bestellschein. Der Prager Stadtrat hat beschlossen, eine König Alexander- und eine Barthou- Strasse dem Andenken der beiden ermordeten Männer zu weihen. Es wird noch darüber entschieden werden, welche Strassen diesen Namen erhalten. Am besten würden sich wohl die grossen und modernen Strahenzüge inDejvicefür eine würdige Ehrung der beiden Toten eignen; diese Strassen haben bisher auch noch keine besonders charakteristischen und eingebürgerten, sondern meist noch die alten lokalen Namen. „Sozialdemokrat" und beide Kämpfe wegen Verletzungen abgesagt, da sie keine Ersatzleute zur Verfügung haben und reisen wieder heim.— Die Russen trugen vor ihrer tschechoslowakischen Tournee eine Reihe von Kämpfen mit Arbeitersportlern in Norwegen aus, die sie nicht so hernahmen wie jene bei uns mit den Bürgerlichen. Grund: im Arbeitersport wird fairer und mit anständigeren Mitteln gekämpft. Eine Lehre für die RSJ. Abreise der Sowjetboxer Die russischen Boxer, welche Freitag in Brünn Sonntag in Pardubitz starten sollten, haben Genaue Adresse:,» Grössere Lichtausbeute bei gasgefüllten Glühlampen. Während man seit Jahren der Meinung war, dass es nicht möglich sei, die Lichtausbeute der modernen gasgefüllten Glühlampen zu steigern, ist es Osram jetzt doch gelungen, eine erheblich höhere Lichtausbeute zu erzielen durch Anwendung einer Kristalldraht-Doppelwendel. Durch die Doppel- Wendel wird eine weitere Verminderung der Ver- dampfungsgeschwindigkeit des Wolframdrahtes erzielt, so dass diese neuen Osram-D-Lampen bei normaler Lebensdauer viel wirtschaftlicher sind. Die neuen Osram-D-Lampen geben gegenüber den bisherigen Osram-Lampen bis zu 20% höhere Lichtausbeute• je nach Type. Die Lichtverbraucher sollten im eigenen Interesse nur noch Osram-D- Lampen verwenden. 2677 Letzte Post:.,., Mitteilungen aus dem Publikum. Wie neugeboren fühlt map sich nach einer leichten Einreibung mit Alpa-Franzbranntwein. Regelmässige Massagen machen den Körper widerstandsfähig, erfrischen bei Ermüdung, reinigen die Hautoberfläche und regen den Blutkreislauf an. 109 Elend wie ein Meer sich verbreiten, und auch über diese Mädchen, die vielleicht aus Not tanzen. Um drei Uhr war das elektrische Licht zur Hälfte verlöscht. Das lila Morgengrauen stiess in die Fenster und durchdrang die Spitzen der Gardinen. Die Mädchen zogen wie auf Signal ihre Hüte und Mäntel an und gingen, ohne sich von jemanden zu verabschieden. Nach einer halben Stunde verliehen auch wir die Weinstube. Im Nebel des Morgens standen eine Reihe von Taxis entlang deut Bürgersteige wie eine lange Schlange, und neben jedem Wagen stand ein Mädchen in Blau. Es waren dieselben, die vorher getanzt hatten. Beim dunklen Licht der sterbenden Nacht waren ihre Gesichter leichenblass. Sie standen in wartender Pose wie eine Wache. Sie klammerten sich an jedem, der aus der Weinstube kam oder ein Taxi nahm. Flehend baten sie:— Nehmen Sie mich mit l I. Ules. Sine Falschmeldung Keine Teilnahme der DTJ am Prager Ruffenmeeting Bei den heute im Letnastadion stattfindenden leichtathletisch en Rüssenkämpfen, die unter bürgerlich-kommunistischer„Einheitsfront" stehen, meldeten die Zeitungen bzw. die Veranstalter, dass auch u. a. Leichtathletender DTJ daran teilnehmen werden. Wie der Verband der DTJ nun in der sozialistischen Presse feftstellen lässt, kommt ein Start seiner Leichtathleten nicht in Fragel Man geht nicht fehl, dass es sich um eine bewusste Falschmeldung der bürgerlich-kommunistischen Veranstalter handelte— nun ihren Zweck verfehlt hatl Orgelkonzert. Gute Orgelkonzerte wären öfter nötig, um dem Volke die Bedeutung und Schönheit der Orgel als Königin der Instrumente zu offenbaren, ohne zu liturgischen Hebungen zu verpflichren. Das am Donnerstag veranstaltete Orgelkonzert hatte noch eine besondere Note dadurch erhalten, dass ein weiblicherOrgelmeister seine Kunst zeigte: Fr. Else R a a z aus Wien. Man lernte in ihr eine Künstlerin kennen, die nicht nur die Technik ihres Instrumentes virtuos beherrscht, sondern die auch in der Kunst der Instrumentation oder Registrierung Persönlichkeit und Gestaltungsvermögen erwies und vor allem durch die grosszügige Auffassung sowie durch die plastische Klarheit der Phrasierung überraschte. Dies konnte sie vor allem in der eindrucksvoll gespielten, festlich wirkenden„Toccata und Füge" von Max Reger zur Geltung bringen. Aber auch die übrigen Vortragsstücke alter Meister(Joh. Seb. Bach und Delphin S t r u n g k) und eines modernen Wiener Orgelmeisters Franz S ch m i d t gaben der Künstlerin reichlich Gelegenheit, ihr Können und geistig-künstlerisches Wissen zu zeigen. Vokal-Solistin des Konzertes war di« Alti- stm Tilde Merz, eine aus der Schul« der Deutschen Musikakademie hcrvorgegangenc Sängerin, die schon durch den tiefen künstlerischen Ernst überzeugt, mit dem sie an ihre Aufgabe herantritt. Mit schöner und namentlich in der Höhe klangvoller Stimme und mit einfühlendem Vortrag sang sie je eine Arie von Telemann und I. S. Ba ch mit obligater Flöte und zwei Lieder eines wenig bekannten sudetendeutschen Tonsetzers K. Mich. Komma. Die Flötenstimme spielte der vielerprobte, grundmusikalische, ebenfalls an der Deutschen Musikakade- mte ausgebildete Flötist Peter B r ö m s e. E. I. Wochenspielplan des Neuen Deuffchen Theaters. Samstag 3: A d m i r a l Bobby, halb 8: Gastspiel Willi Domgraf-Fassbänder: Rigoletto, D 2.— Sonntag halb 3: Arbeitervorstellung: Sensationsprozess, halb 8: Der Vogelhändler, Montag halb 7:Lohengrin. AI.—■ Dienstag halb 8: Das kleine C a f i.— Mittwoch halb 8: Manon, B 1.— Donnerstag halb 8: Gespenster, Ensemblegaftspiel M o i s s i, C 1. — Freitag halb 8: Das kleine C af ä, D 2.— Samstag 7: Peer G y nt, C 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. SamStag 8: Uraufführung: Hoch klingt das Lied vom braven Mann.— Sonntag 3: Stra- ssenmusik, 8:Nachtvordem Ultimo.— Montag 8: Hoch klingt das Lied vom kleinen Mann, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8:Sensationsprozeh.! — Mittwoch 8: Der Nobelpreis.— Don-: nerstag 8: Hoch klingt das Lied bo m• braven Mann.— Freitag 8: S e n s a- tions Prozess.— Samstag 8%:Hochklingt das Lied vom braven Mann. Samstag, 13. Ottobcr 1934. Nr. 240 Gr« 27-33 Ki 7.-, Gr. 34-38 K£ 9.-, Gr. 39-46 Ke 12.- &UT Film Index Dieser französische Film ist für«in Publikum berechnet, das schauerliche und aufregende Augenblicke liebt: Ueberfälle und Entführungen, Scheintote und Gefangene,— und als komische Draufgabe noch einen tölpelhaften Detektiv. Erfreulich ist. dass der Edle siegt und der Schurke, der ein Bankdirektor ist und seine Tochter verkuppeln will, nicht nur einen Denkzettel erhält, sondern am Ende sogar gebessert erscheint. Aber dieser Gang der Handlung vollzieht sich hier unter allen phantastischen Umständen. Erst wird der Bankier mit Drohbriefen ermahnt, dann wird er halberfchoffen, dann in ein einsames Verliess entführt, und mit elektrischer Zauberei ins Leben zurückgebracht— und dann wird auf nicht minder geheimnisvolle Art noch seine Tochter und sein Enkelkind gerettet. Und der Veranstalter all dieser Vorgänge ist ein rätselhafter „Judex", der als Greis verkleidet bei dem Bankier in Diensten stand und als Jüngling demaskiert am Ende die Tochter freit. Unter Maurice Champreux' Regie wird die sensationelle Geschichte mit der echten Tendenz so effektvoll dargestellt, wie es die Handlung erfordert. —eis— Montag und Donnerstag von 7 bis 9 Uhr abends; Kinder: Samstag nachmittags von 3 bis 6 Uhr. Wir freuen uns auf eine recht zahlreiche Beteiligung. Frei Heill Sonntag Spaziergang ins Cinicer Wäldchen, anschliessend nach Vereinbarung Besuch der leichtathletischen Wettkämpfe der DTJ Pilsen gegen Liben oder des Zoologischen Gartens in Troja. Abmarsch 9 Uhr ab Endstation der Linie 14 in Kobylish.— Voranzeige. Die ordentliche Generalversammlung findet M i ttwoch, den 31. Oktober 1934, stqtt. Wir bitten die Mitglieder sowie die befteundeten Organisationen, diesen Abend freizuhalten. Achtung! Der Turnkurs Muss wegen der Verletzung des Herrn Prof. Dbokak heute und morgen entfallen. Forffehung am Samstag, den 20. d., Mn 4 Uhr nachmittags. Iggrl» Spiel» Körperpflege Amerika zur Berliner Olympiade „Zufriedene" jüdische Sportler Das amerikanische Olympische Komitee hat nach einem Bericht des Vorsitzenden Brundage, der bekanntlich Deutschland vor kurzem besuchte, beschlossen, anderBerlinerOlhmpiadeteilzu- nehmen. Brundage gab zur Begründung dieses Schrittes einem Vertreter der„United Press" ein Interview, nach welchem er u. a. ausführte: „Es waren eigentlich zwei belangreiche Fragen, mit denen sich das Komitee zu befassen hatte: die erste, die eine rein politische ist, die über die allgemeine Lage Deutschlands, und die zweite, die rein sportlich ist, und die festzustellen hatte, ob sich Deuffchland an die feststehenden Olympischen Regeln hält, die k e i n e n Unterschied zwischen Rass«,'Glauben und Farbe machen." Tschammer-Osten, der„Sporfführer" des Dritten Reiches, hat ihn in dieser Beziehung versichert, dass die persönliche Freiheit der jüdischen Sportler garantiert und ihnen Gastfreundschaft gewährt werde. Brundage erklärte optimistisch weiter:„Ich habe die feste Ueberzeugung, dass man sich daran halten wird." Bezüglich der Teilnahme der reichsdeutschen Juden- wurde ihm mitgeteilt, dass „die Sache in Ordnung gebracht" werden wird. Bei seinem Eintreffen in Deutschland sei es gerade(!) zu einem Uebereinkommen betreffs Mitarbeit(?1) zwischen den jüdischen Sportvereinigungen und der Regierung gekommen. Eine dieser Vereinigungen unterhalte mit der Regierung sogar freundschaftliche(!!) Beziehungen. Der Vorsitzende der jüdischen Sportverhände im Dritten Reich teilte persönlich dem Amerikaner mit, dass sie mit der Regierung jetzt zufrieden(!) seien. Da hat Goebbels aber ganze Arbeit geleistet und Hitlers„Juden" haben daran nach besten Kräften und Gewissen zur Täuschung mitgewirkt... Da kann man wirklich mit Berechtigung sagen: Pfui Teufel! 'N AiflB-nemontar Versicherungs-Aktiengesellschaft in Wien Direktion!Sr die C. S. R. in Prag General-Agentschaft Reiehenberg empfiehlt sich zum Abschluß von Feuer- Unfall-, Haftplicht-, Einbruch-, Auto-,Transport-, Pferde- und Viehversicherungen zu kulanten Preisen. rzss Bargarantiemittel in der CSR. 56 Millionen. Büros: Prag, Närodni tr. 17. Reiehenberg, Schützeng. Nr. 21 Brünn, Theatergqsse Nr. 6. Die Weinstube Meine Freunde beschlossen, irgendwessen Jahrestag zu feiern, und luden mich in eine Weinstube ein. Als wir die Tür der Weinstube nur aufmachten, wurden wir von einer Welle heiterer Musik überschwemmt. Auf dem Podium stand mit dem Gesicht zum Publikum ein Mann im Cut. Er hatte einen Lautsprecher aus Pappe, und sang unter Begleitung des Orchesters. Das Publikum sprach ihm wie in der Kirche beim Gebet die Worte des Schlagers nach. In der Weinstube waren viele Mädchen in Blau. Als der Gesang zu Ende war, gingen sie tanzen. Aeltere Herren nahmen sie mit groben Händen um die Hüften und drehten sie. Bei den Mädchen glänzten die Augen und die wellenartigen Haare. Ich dachte über diesesPublikum nach, das so heiter ist, während überall die Armut und das OPTIK u. FOTO I DEUTSCH PNkopy| Abonniere ab•• 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „©oaiaiöemofrat" Verwaltung Prag XH., Fochova tf. 62, zum Preise von 16 XL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Ä Prag II. StLpMflä ul' 20' Männer: Dienstag und Freitag L von 7 bis 9 Uhr abends; Frauen: Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Das gefleckte Band".— Alfa:„Amok, Fluch der Tropen".— Avion:„Klein Dorrit"(D.). — Fenix:„Musik der Herzen"(Tsch.).— Gau mont:„Der letzte Mann"(Tsch.).— Hollywood: „Musik der Herzen"(Tsch.).— Hvizda:„Iudex" (Fr.).— Kinema: Journale, Groteske. Reportage (halb 2— halb 8 Uhr).— Koruna:„Iudex" (Fr.).— Kotva:„Jud Süss"(Engl.).— Lacerna: „Jud Süss"(Engl).— Metro:„Der letzte Mann" (Tsch.).— Olympic:„G'schichten aus dem Wiener- wald"(D.).— Praha:„Der Todessteg(«.).— Radro:„G'schichten aus dem Wienerwald"(D.)— Skaut:„Die gelbe Hölle"(A.).— Svetozor:„Der letzte Mann"(Tsch.).— Belvedere:-„Bella Donna" (Engl.).— Besetz«:„Zum hl Antonius"(Tsch.). — Carlton:„Bella Donna"(Engl.).— Illusion. „G'schichten aus dem Wienerwald"(D.).— Lido: „G'schichten aus dem Wienerwald"(D.).— Sport: „Mein Herz ruft nach Dir"(D.).— U Brjvoini: „Der Frauen-Diplomat"(D.). v- Vcrcirisriadulditcn Kinderfreunde. Montag, den 15. Oktober, abends 7 Uhr, in der Redaktion des„Sozialdemokrat" wichtige Ausschusssitzung. Ortsgruppe Prag. Sonntag, um 8 Uhr bei der Endstation der 23er- iftcktrischen in Vokovic«. Nebusjce— Sv. Julian— Tuchoustrice— Okor— Kamyk—Stilles Tal—Podbaba. Keine Bahnfahrt, nur Strassenbahn. Führer: Gröger.— Auskünfte und Anmeldungen Men Freitag von 6 bis haW 8 Uhr in der Geschäftsstelle in Prag II., Narodni ti. 4, 2. Stock. Telephon 48369. Genoffen und Genossinnen! Eure freien Abende verbringt ihr am schönsten in unserem Turnen, PRAG verlorene Bettlerschlacht längerer Zeit wurde in Deutsch- r en.Zeitungen verkündet, dass dem Beitdf- e l? n- e* n E"de gemacht werden müsse uitd S 11'--^ 111 Zwecke eine grosse„Bettlerschlacht" ,.'^luhrt werde. Die Polizeipräsidenten setz- "rween in Bewegung. Schupo-Hundert- Tr™, wit Ueberfallswagen riegelten ganze Stadttelle ab und machten umfangreiche Land- strassenrazzlen. Das Ergebnis war, dass 70.000 ^buler und Landstrassen-Tippler hinter Schloss und Riegel gebracht wurden. Im Anschluss daran ^?"""^te die Nazipresse triumphierend:„In Deuffchland gibt es keine Bettler mehr." Aber in den Gefängnissen sah es seltsam aus. Die Gefäng- nlsse waren dem Dtassenansturm der grösstenteils verwahrlosten Elemente nicht gewachsen. Denn siwwchst drehte es fich dabei nicht nur um die räumliche Unterbringung des Massenzuwachses, sondern dieser mutzte auch einer gründlichen hygienischen und sanitären Behandlung unterzogen werden. Dafür aber erwiesen sich die vorhandenen Einrichtungen als vollkommen unzulänglich. Die Folge davon wär, dass die Gefängnisse in kurzer Zest verlaust und verwanzt waren, teilweise brachest Krätzeepidemien aus, die auch auf das Auf- sichtspersonal Übergriffen. Auch Hautkrankheiten breiteten sich aus und die Bemühungen der An- stältslcitungen, Jsolierstationen einzurichten Md sonstige Vorbeugungsregeln zu treffen, blichen ohne sonderlichen Erfolg. Dieser Zustand war aufdie Dauer nicht aufrecht zu erhalten und allmählich wurden die Bettler wieder aus den Gefängnissen entlassen und gehen heute wieder ihrem „Berufe" nach. Die„Bettlerschlacht" hat Hitler verloren und heute wird in Deutschland noch mehr gebettelt als vor der pompösen Bettlerschlacht. Die Riesennot in Hitler-Deutschland lässt sich eben nicht mit Polizeimassnahmen und Einkerkerungen beseitigens Sie wirkt weiter, wird immer grösser und wird Hitler noch viel zu schaffen machen. R- z u a s b- d t n g un g e n: Bei Zustellung inS HanS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kt 16.— vierteljährig KC 48.—. halbjährig Kd 96.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden Tart! billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass Riickstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und wut Telegraphendirektion mit Erlass Str. 13.800/V1I/1930 bewilligt. Druckerei: ,L>rbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag. Der Tatsachenroman Kampf um Polna von Bruno Adler, der gegenwärtig in unserem Blatte abgedruckt wird, ist auch in Buchform erschienen. Er kann gebunden zum Preise von 38 XL und broschiert zum Preise von 28 XL von der Zentralstelle für daS Bildungswesen, Prag XII., Slczska 13, be- ■ zogen werden. Kolporteure erkalten Rabatt