Nr. 241 Sonntag, 14. Oktober 1934 14. Jahrgang Etaräprrä TfrlMkr (•iMcNMBtich S Heller tatet IENTRALORGAN DES DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH FRÜH,»akuon und Verwaltung frag xh.,«ochowmz. telefom sb7. ADAUNöraAMON-mroN sm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WH HEIM NIESSNER. VERANTWORTE IC HER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 10,000.000 Ki zum Ankauf von Kartoffeln Laval Barthous Nachfolger für die Arbeitslosen Heftet Antrag des Ministeriums für soziale Fürsorge hat der Ministerrat beschloffen, zum Ankauf von Kartoffeln als Winterhilfe für die Arfteitslosen, 10,000.000 XL bereit zu stellen. Die Bezirksbehörde stellt im Einvernehmen mit der Bezirkssozialkommission über den Bedarf an Kartoffeln für die Arbeitslosen bestimmte Anträge, über welche dann vom Ministerium für soziale Fürsorge endgültig entschieden wird. Die den Bezirken zugewiesenen Beträge werden auf Grund der Arbeitslosenzifsern den einzelnen Gemeinden aufgeteilt. Der Ankauf von Kartoffeln und die Verteilung derselben wird in der Ge- meinde selbst vorgenommen. Zeine Fahrpreis-Erhöhung I Zu den Berichten einiger Blätter, daß das Eisenbahnministerium an eine neuerliche Erhö- hun« des Personentarifes denke, da die letzte Herabsetzung der Fahrpreise ab 1. Jänner d. I. keine so starke Erhöhung der Zahl der Passagiere gebracht hat,'aß der finanzielle Ausfall wettgemacht würde, wird amtlich mitgeteilt, daß die Staatsbahnverwaltung an eine Erhöhung des Personentarifes keinesfalls denkt. Dagegen wer- Aen^zu Ende des Jahres alle tariflichen Ermäßigungen nach der Richtung überprüft werden, ob sie sich bewährt haben, bzw. ob sie nicht zum Schaden des Unternehmens mißbraucht wurden. Auf Grund der Ergebnisse dieser Untersuchung würde dann die Staatsbahnverwaltung hinsichtlich solcher nicht ausgenützten, bzw. mißbrauchten Tarifermäßigungen zu gewissen Korrekturen schreiten. Vie velcenntnisckristen beten: „Erlöse uns von all dem Uebel“ Berlin.(United Preß.) Zu der Maßnahme der Rcichskirchenrrgiernng in Bayern und Württemberg erläßt der Bruderrat der Bckenyt- uisfynode der deutschen evangelischen Kirche folgenden Aufruf: „Das evangelische Landeskirchenamt t« München ist durch Polizei besetzt. Mit ihrer Hilfe hat der Rechtsverwalter Dr. Inger dort den Einzug gehalten. Die rechtmäßigen Mitglieder des evangelischen Landeskirchenamts wurden beurlaubt. Wir klagen an: In der Kirche, die sich nach dem Evangelium nennt, ist das Evangelium außer Kraft gesetzt. Willkür und Verlogenheit sind in ihr zur Herrschaft gelangt. Die Reichskirchenregierung zerschlug die durch Bekenntnis und Verfassung geeinte Kirche Bayerns in zwei Teile— aber sie redet von Einheit. Die Reichskirchenregierung vergewaltigt ein rechtmäßiges Kirchenregiment und eine Glaubenskirche mit allen ihren Gemeinden und sie benutzt dazu die polizeiliche Macht— aber sie redet von Frieden. Die Reichskirchenregierung verleugnet die zehn Gebote. Sie kämpft mit der Ueberzeugung gegen die Wahrheit, mit gewaltsamen Raub gegen das Recht— aber sie redet von Bibel«nd Bekenntnis. Verantwortlich dafür sind der„Reichs- bischvf" Ludwig Müller und sein„Rechtswalter" Dr. Jäger. Durch sie treibt der Satan ein Werk. Deshalb klagen wir zu Gott: Herr, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über unb, doch wir gedeihen allein dein und. deines Namens. Wir bitten ihn: - Erlöse uns von all dem Nebel. Im Vertrauen auf seinen Beistand geloben wir: Wir find nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben mG die Seele retten. Herr, mach«nS frei, Amen. Gez. Präses Dr. Koch." Rücktritt des Justizministers Paris.(Havas.) Der heutige Ministerrat befaßte sich mit der Nachfolge für de» verstorbenen Minister für auswärtige Angelegenheiten Barthou und den zurückgetretenen bisherigen Innenminister Albert Sarraut. Zum Minister für auswärtige Angelegenheiten wurde Pierre Laval und zum Innenminister M a r ch a n- d e a u bestimmt. Zum Kolonialminister wurde Louis R o l l i n ernannt. Der bisherige Minister für Justiz Henry Cheron hat seine Demission gegeben. Die Regierung beschloß, daß die offizielle französische Delegation, die sich zum Begräbnis des Königs Alexander von Jugoslavien nach Belgrad begeben wird, vom Präsidenten der Republik Albert Lebrun geführt werden wird. Der Delegation werden Kriegsminister Marschall Pä- tain, Kriegsmarineminister Pietri und Minister für Fluglvesen General Denain angehören. General Denain wird an der Spitze eines französischen Militärflugzeug-Geschwaders nach Belgrad fliegen. Barthous letzter Weg Paris. Das Nationalbegräbnis, das Frankreich am heutigen Nachmittage seinem verewigten Minister für auswärtige Angelegenheiten, ehemaligen Ministerpräsidenten, Mitgliede der französischen Akademie und Seimtor Louis Bar- tho« veranstaltete, trug de« Charakter eines zu-, gleich großartigen und ergreifenden Abschiedes. Bis 11 Uhr vormittags zogen an dem im Uhrensaale des Außenministeriums ausgestellten Sarge die Bevölkerung aller Schichten vorüber. Um 13 Uhr bildete sich auf dem Hofraume des Ministeriums der Leichenzug der französischen mrd ausländischen Delegationen. Der Sarg, der von hohen Beamten des Außenministeriumö her untergctragen wurde, wurde auf eine Geschützlafette gelegt, und der Zug setzte sich»ach dem benachbarten großen Platz vor dem Invalidenpalais in Bewegung. Hinter dem Sarge schritten die Verwandten des Ministers, der Präsident der Republik, die Vertreter der fremden Staatsoberhäupter und der fremden Regierungen, darunter der britische Außenminister John Simon und der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benes, der gleichzeitig als amtierender Vorsitzender des Böl- kerbundrates den Völkerbund vertrat. Im Zug befand sich«. a. eine zahlreiche Delegation jugoslawischer Abgeordneter und eine Delegation rumänischer Bauern, die auf daS Grab Barthous, des Ehrenbürgers von Rumänien, eine Handvoll rumänischer Erde mitbrachten. Der Zug hielt in der Mitte des Invalidenplatzes in der Nähe des Denkmals des Marschalls Gallieni, wo der Sarg auf dem Katafalk niedergestellt wurde, der zwischen den zwei für die geladenen Gäste, die Kriegsinvaliden und die Dele gation der ehemalige französischen Frontkämpfer vorbehaltenen Tribünen errichtet wurde. Ueber den Sarg war die französische Staatflagge gebreitet. Die einzige Trauerrede hielt Ministerpräsident Gaston Doumergue. Er schilderte den Lebenslauf und die politische Laufbahn des verstorbenen Ministers, zu dessen reichen Lebensprogramm zuletzt unerwartet ein trauriges Blatt hinzugekommen sei. Er sei als Held gestorben. Nach der Rede des Ministerpräsidenten defilierten die Schüler der Offiziersschule und der Polytechnischen Hochschule, die Republikanische Garde und die ganze Pariser Garnison sowie die Delegationen der ehemaligen Frontkämpfer und der Kriegsinvaliden mit den Kriegsfahnen an dem Sarge vorüber. Der offizielle Zug mit dem Sarg setzte sich dann neuerlich nach der Kapelle des Hl. Ludwig im Invalidenpalais in Bewegung. Der Sarg des Ministers wurde am Katafalk in der Mitte'der Kapelle niedergestellt und wieder mit der Staatsflagge bedeckt. Während des Begräbnisses sowie vor und nach den kirchlichen Zeremonien sang der Chor der Pariser Oper und spielte das Orchester des staatlichen Konservatoriums klassische Kompositionen, die der verstorbene Minister, der ein großer Musikfreund und Musikkenner war, liebte. Gegen Abend wurde der Sarg des Ministers in Anwesenheit der nächsten Anverwandten.und Freunde in der Familiengruft auf dem Pariser Friedhof Pere Lachaise an der Seite seiner Gattin und seines einzigen Sohnes, der gerade vor 20 Jahren zu Beginn des Weltkrieges gefallen war, beigesetzt. Die Lsnon6Q6drist6ll in hoher Form 100 Ncnschcn auf einen Schuft! furchtbare Metzelei m Oviedo— Todesurteile ; Pension der Bodenreform! Wie Havas aus Madrid meldet, haben die Regierungstruppen durch Masseneinsatz von Artillerie»nd Flugzeugen Oviedo genommen, nachdem sie die Aufständischen ans der letzten befestigten Position, dem Bahnhof, gedrängt hatten.. Die Kriegsgerichte sind in Aktion. Der Oherst Perez F a r r a s und der Hauptmann E s e o f e t a wurden zum Tode verurteilt, zwei andere Offiziere zu lebenslänglichem Kerker. Eine entsetzliche Wirkung hatte das Bombardement eines Bergwerkes in Companones. 100 Bergleute hatten im Schacht Zuflucht vor den Granaten der christlichen Armee gesucht. Obwohl sie sich also nicht mehr wehrten, sondern in der Grube Deckung suchten, s ch o tz d i c Artillerie weiter, bis ein Granat treffer den Schacht verschüttete und die hundert Bergarbeiter lebendig begrub. Angeblich habe! die Sieger erst einige Stunden später„bemerkt", was sie angerichtet hatten. Während in Asturien im Namen der Kirche und im Zeichen des Kreuzes gemordet und bombardiert wird, rüstet sich das christliche Regime, den Sieg auszunutzen. Der Landwirtschaftsminister Fernandez I i m e n e s hat angekündigt, daß man das Gesetz über d i r Bodenreform„revidieren" müsse! Zwei Offiziere zum Tode verurteilt Barcelona. Der Kriegsrat in Mont Juvich verurteilte den Obersten Perez Farras und den Kapitän Escofet wegen Teilnahme an dem Aufstand z u m T o d e, den Obersten Salan und den Kapitän Lopez Catello zu lebenslänglichem Kerker. kein« Verbindung mit Spanien Madrid. Aus amtlicher Quelle wird mitge teilt: Da im Auslände absolut unrichtige und verzeichnete Meldungen über die innerpol tischen Verhältnisse m Spanien verbreitet wurden, hat die spanische Regierung beschloffen, tote. Beförderung von Preffedepeschen und die llebermittlung von telephonischen Meldungen in das Ausland einzustellen. Dcntsdic Kataslrophcnpolitih Ein Jahr außerhalb des Völkerbundes Als Japan sich bei seinen Raubplänen gegenüber China vom Völkerbund behindert sah, trat es kurzerhand aus dem Völkerbund aus, in der Annahme, durch seinen Austritt die Großmächte in die Bahn seiner Politik zwingen zu können. Dieselbe Taktik verfolgte die deutsche Regierung, als sie am 14. Oktober 1933 plötzlich ihren Austritt aus dem Völkerbund und aus der Abrüstungskonferenz erklärte und mit hörbarem Knall den Boden der europäischen Politik verließ. Der Austritt Deutschland aus dem Völkerbund erfolgte gegen den Willen des Auswärtigen Amtes, dessen verantwortliche Leiter sich der katastrophalen Folgen dieses Schrittes bewußt waren.,Er lag aber vollkommen in der Linie der Außenpolitik, die in den Schriften von Hitler und Rosenberg wie auch in verschiedenen prbgrammatischen Kundgebungen Hitlers vor der Machtergreifung vorgezeichnet worden ist. Der Schwerpunkt dieser Politik liegt in dem Bestreben, die politische Neuregelung Europas, wie sie von den Friedensverträgen von 1919 vorgenommen worden ist, über den Haufen zu werfen, den Völkerbund zu zerschlagen, die Macht Frankreichs und seiner Bundesgenoffen zu vernichten, gleichzeitig aber auch das zu einer großen„rassischen" Einheit zusammengefaßte Deutschtum gegen die baltischen Staaten und siegen Rußland zu werfe», wo ungeahnte Ausdehnungsmöglichkeiten zu winken scheinen.* Die Verwirklichung dieser außenpolitischen Ziele setzte naturgemäß eine völlige Neuorientierung der deutschen P o l i t i k voraus. An die Stelle der Ver- ständigungs- und, Versöhnungspolitik,. die 14 Jahre lang von der Weimarer Republik mit unzweifelhaftem Erfolg betrieben wurde, trat eine herausfordernde nationalistische Politik, die unter der scheinheiligen Maske der„Gleichberechti- gungs"-Forderung die aggressiven Ziele des Alldeutschen Verbandes und des preußischen Militarismus wieder lebendig machte. Diese Politik vertrug sich ebensowenig mit dem Verbleiben Deutschlands im Völkerbund, wie mit der Aufrechterhaltung des deutsch-russischen Freundschaftsvertrages, der seit mehr als einem Jahrzehnt die Grundachse der deutschen Außenpolitik gebildet hatte. Auf welche Kräfte rechnete Deutschland, als es dieses außenpolitische Experiment unternahm? Es bot sich einerseits als Waffenträger des westeuropäischen Kapitalismus gegen den russischen „Bolschewismus" an und rechnete gleichzeitig auf ein Zusammengehen mit England und I t a l i e n, die ihm bei der Zertrümmerung der französischen Machtpositionen in Europa und bei der Herstellung seiner eigenen Vormachtstellung zu Hilfe kommen würden. Es rechnete aber vor allem darauf, daß es durch ungehinderte Aufrüstung, durch Militarisierung des ganzen Volkes sowie durch Entfesselung irredentistifchcr Bewegungen in den mit deutschen Minderheiten besiedelten Nachbarländern einen solchen Druck auf die übrigen Staaten auszuüben imstande sein würde, daß es seine„dynamische Außenpolitik" durchzusetzen vermöchte. Soweit die Spekulationen auf England und Italien in Frage kamen, schien dieser Plan der Hitlerregierung nicht. unbegründet zu sein. Mussolini war seit der Machtergreifung Hitlers der stärkste Wegbereiter der gesinnungsverwandten nationalsozialistischen Expansion in Mitteleuropa, der getreue Sekundant Hitlers bei der Durchsetzung seiner Aüfrüstungsforderungen. Muffolini war es auch, der die außenpolitische Macht Frankreichs und der Kleinen Entente schwächte und einen verhängnisvollen Einfluß auf die englische Politik ausübt^, die unter der schwächlichen Führung Macdonalds nur von dem einen Wunsch beseelt zu sein schien, njcht in die Gegensätze der europäischen Politik hineingezogen zu werden. In den ersten Monaten nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund schien es deshalb, als ob der Vorstoß Hitlers in jeder Beziehung geglückt sei. Aber schon in den Frühjahrsmonaten 1934 zeigte es sich, daß dies nur ein Trugschluß Sette 2 Sonntag, 14. Oktober 1934 Nr. 241 war. Die der„dynamischen Außenpolitik" Hitlers innewohnenden Kräfte prallten notwendigerweise mit seinen außenpolitischen Konstruktionen zusammen. Die deutsche Expansion nach Oesterreich, die in dem Naziputsch vom 25. Juli gipfelte, brachte Hitler im schärfsten Gegensatz zu Mussolini und zerstörte die Grundlagen der deutsch-italienischen Freundschaft. Die Loslösung von Rußland und die Attacken Deutschlands gegen dar französische Bündnissystem bewirkten eine enge Annäherung zwischen Frankreich und der Sowjetunion, die gemeinsam an den Ausbau eines neuen Sicherheitssystems in Europa schritten. Schließlich führte auch die ungehemmte Aufrüstung Deutschlands, dieses Kernstück der Hitler'schen Außenpolitik, in Verbindung mit den Ereignissen vom 3Y. Juni und 28. Juli, zu einer entschiedenen Schwenkung Englands. Mit seiner Erklärung vom 30. Juli, daß die englische Grenze am Rhein zu verteidigen sei, stellte sich der stellvertretende Ministerpräsident Baldwin an die Seite Frankreichs. Die Bilanz der Hitler'schen Außenpolitik, ein Jahr nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, sieht demgemäß so aus: Die Hoffnungen auf ein Bündnis mit England und Italien sind zerschlagen; statt dessen ist eine Annäherung zwischen Frankreich und England und ein Einschwenken Italiens in die englisch-französische Front festzustellen; an die Stelle des von Deutschland zerschlagenen deutsch-russischen Bündnisses ist das rusfisch-franzö- sche Bündnis getreten, das die wichtigste Grundlage des in Bildung begriffenen neuen europäischen Sicherheitssystems bildet; der Völkerbund ist nicht, wie Hitler erwartete» in seine Bestandteile zerfallen, sondern durch den Beitritt der Sowjetunion weit stärker und aktionsfähiger als bisher geworden. Gegenüber diesen katastrophalen Einbußen und Fehlschlägen hat die Hitlerregierung in ihrer auswärtigen Politik nur einen Erfolg zu verzeichnen: den zehnjährigen Freund- schaftsvertrag mit Polen. Aber diese neue Freundschaft kostet Deutschland den Verzicht auf den polnischen Korridor und Ostoberschlesien, den Verzicht auf den Schutz der deutschen Minderheit in Polen, den Verzicht auf Danzig, dessen nationalsozialistische Regierung unter ausdrücklicher Billigung Hitlers Danzig in das polnische Wirtschaftsgebiet eingegliedert hat. Als Gegenleistung macht Polen allerdings die außenpolitischen Abenteuer HitlerdeutschlandS mit, es erscheint aber zweifelhaft, ob das polnische Volk auf die Dauer eine Politik mitmachen wird, die eS trotz vorübergehender Erfolge auf Kosten Deutschlands zur außenpolitischen Isolierung und damit zur völligen Abhängigkeit von Deutschland verurteilen würde. In einflußreichen politischen und wirtschaftlichen Kreisen Deutschlands scheint man neuerdings das Fehlschlagen der außenpolitischen Spekulationen Hitlers, die mit dem Austritt aus hem Völkerbund verbunden waren, einzusehen. Dahin weisen die Sondierung-- und Anknüpfungsversuche der deutschen Diplomaten in Genf, Rom und Wien, die den Boden für ein neues politisches Spiel Deutschlands vorbereiten sollen. Dieses Spiel darf jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß die Hitlerregierung durch ihre „Normalisierungsbestrebungen" nur die öffentliche Meinung der übrigen Mächte einschläfern und Zeit für die Vollendung ihrer Aufrüstung gewinnen will. Denn das ist das Entscheidende bei der Beurteilung der deutschen Außenpolitik, wie sie sich uns ein Jahr nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbünde, präsentiert: Trotz der katastrophalen Bilanz dieses Jahres hält die Hitlerregierung an dem Kernstück ihrer Außenpolitik, der fieberhaft betriebenen Aufrüstung Deutschlands fest, um durch Gewinnung einer Ueberlegenheit im Luft« und Giftgaskrieg und durch Militarisierung des gesamten Volkes die Möglichkeit zu erlangen, den übrigen Mächten ihren Wille» aufzuzwingen. Wer diese fundamentale Tatsache aus dem Auge läßt und die von Deutschland drohende Gefahr geringschätzt, fördert bewußt oder unbewußt die deutsche Katastrophenpolitik, die die Welt in einen neuen Krieg zu stürzen droht. Die russische Sportdeiegation in der CSR und der Atus Einheitsfrontmanöver der Kommunisten Seit zwei Monaten konnten wir in der bürgerlichen Presse ständig Notizen lesen über Verhandlungen der russischen Arbeitersportler mit den bürgerlichen Sportverbänden der Tschechoslowakischen Revu- blik. Während dieser Verhandlungen erhielten wir von keiner Seite ein Angebot Spiele oder Sporttreffen mit den russischen Sportlern zu organisieren. In den letzten Tagen des September verdichteten sich die Nachrichten in der bürgerlichen Presse dahingehend. daß mitgeteilt wurde, die russische Sportdelegation sei bereits auf der Reise. Plötzlich erhielten wir am 28. September, datiert vom 26. September, vom kommunistischen Reichenberger Turnkreis die Aufforderung, gemeinsam mit den Kommunisten eine Mannschaft gegen die Russen zu stellen. In dem betreffenden Briefe ist keine Rede davon, daß die Russen auch gegen Bürgerliche antreten, eS wird nur so nebenbei erwähnt, daß sie. gegen die FPT und gegen den Reichenberger Kreis Spiele absolvieren. Wir antworteten, daß wir allein grundsätzlich— die Arbeitersportinternationale hat Spiele gegen russische Sportmannschasten freigegeben, wenn die Bedingungen von Baris eingehalten werden— zu Spielen gegen russische Mannschaften bereit sind, wenn finanziell annehmbare Bedingungen gestellt werden und führten im Briefe wörtlich an: „Wir können aber keinesfalls einverstanden sei« mit einem Spiel in Verbindung mit der Mann- schaft, die am 11. Oktober in Prag eintrifft und in der Hauptsache Spiele gegen den EsÄF(Tschechisch-bürgerlicher Fußballverband) oder gegen eine Berbandsmatmschast des EsAF austrägt. Wenn die sowjetruffische Mmnschast bei ihrer Anwesenheit in der Tschechoslowakei bloß gegen Vereine der Föderation oder gegen Eure Vereine spielt, sind wir bereit, ein»der zwei Spiele abzuschlietzen." Darauf erhielten wir von Reichenberg, diese Bedingungen betreffend, folgende Antwort: „Borlänstg ist noch mit keinem dieser Verbände— gemeint sind bürgerliche— ein festes Abkommen abgeschlossen— verhandelt wurde also — und auch noch nicht sicher ist, mit wem die Dowjetmannschaft spielen wird. Uns als Freunde der Sowietunion handelt es sich darnm, das größte Interesse aller Schichten zu sichern nnd da in den 5 offiziellen Verbänden— aemeiot.sind. die. bur- ' gerlichen; eine seine Umsihretpnngr^osMellen Verbände"— ein großer Kader der Mitglieder sich aus Arbeiterschichte« rekrutiert, ist ein Grund für die FPT,«m mit den offiziellen Organisationen des EfAF zu verhandeln." Wir haben darauf noch einmal unsere erste Bedingung wiederholt und mitgeteilt, daß, solang« milder EsAF verhandelt wird' wir nicht verha ndeln. Das war am 4. Oktober. Am 8. Oktober wurde telephonisch angerufen und um mündliche Verhandlungen ersucht. Diese mündlichen Verhandlungen wurden unsererseits für Montag, den 8. Oktober, in Aussig festgesetzt. Samstag, den 8- Oktober, kam ein Vertreter der FPT. Herr Schwab, nach Karlsbad und erklärte den Ordnern, die beim Kongreß den Ordnerdienst versahen, daß Genosse Ullmann ihn herbestellt hätte.(Da i war eine Unwahrheit.) Ihm wurde wieder mitgeteilt, am 8. seien in Aussig Verhandlungen. Am 7. Oktober kam eine Delegation im Auftrage der „Roten Sportinternationale" und wolltezum Kongreß zugelassen werden. Ihnen wurde mitgeteilt, daß der Kongreß die Verhandlungen dem Büro, in der Frage EinheitSftont, übertragen habe, daß diese Verhandlungen von Büro zu Büro stattfinden werden und Verhandlungen in Karlsbad am Kongreß zwecklos seien. Diese Delegation stellte an Genossen Ullmann die Anfrage, was mir dem Spiel gegen die Russenmannschaft sei. Genosse Ullmann antwortete:»Wenn> gegen Bürgerliche gespielt wird, können wir nicht verhandeln." Darauf wurde behauptet, es fänden keineBerhandlungenmitBür- gerlichen statt. Genosse Ullmann hält ihnen darauf oben angeführten Reichenberger Brief unter die Nase und erklärte:.Mit Leuten, die lügen, kannman nicht verhandeln." Am selben Tage, nachmittags nach 1 Uhr. erhielten wir die neuerliche Aufforderung, zu Verhandlungen zu kommen, mit der Motivierung, daß nun ein Vertreter der russischen Mannschaft persönlich anwesend sei. Die Genossen Ullmann, und Storch wollten sich nun auch vom Standpunkt de» offiziell«!, russischen. Vertreter» überzeugen und gingen zu der Verhandlung- Bei dieser Verhandlung stellten wir dieselben Bedingungen wie vorher. Der Vertreter der Russen erklärte, daß er darauf nicht eingehen könne, die Spiele gegen Bürgerliche werden absolviert, mit der fadenscheinigen Begründung, daß m diesen bürgerlichen Verbinden auch Arbeiter feien. Dabei wurden doch Spiele mitProsimann- schäften abgeschlossen, also mit Vereinen deS bürgerlichen Verbandes, die rein kapitalistische Unternehmungen darstellen. Die Verhandlungen wurden, da den Russen dieSpielemitdenBür« gerlichen wichtiger sind, ebenfalls nach kurzer Dauer abgebrochen. Wir waren schon bei der Tür des betreffenden Lokale», al» Herr Schwab erklärte. daß nun versucht wird, Vereine von un» für Spiele zu gewinnen und an uns die Frage stellte, was wir dagegen unternehmen werden. Wir erklärten das sei unsere Angelegenheit, fügen nur hinzu, daß wir uns mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln gegen, solche Abschlüsse wehren werden,.-. Bezeichnend ist. daß die Verhandlungspartner al» sie am 7. Oktober in Karlsbad mit uns verhandelten. bereit» einen Spielabschluß mit unserem Vereine Auffig-Kleische unterfertigt in der Tasche batten, für denselben Tag, den sie uni angebotenhaben. Also noch einmal Hinterhältigkeit, wie sie schliuuner nicht sein kann- In der»Roten Fahne", Nr. 48 vom 10. Oktober l. I.. erschienen nun zwei Notizen. In der einen wird angeführt, daß im deutschen Gebiete gegen den BerbandSmeister Bartelsdorf— sie verschweigen aber schamhaft, welcher Verband-meister(BartelSdorf ist BerbandSmeister de» kommunistischen Reichenberger Verbände»)— ein Spiel au»getragen wird, weiter für den 21. Oktober gegen Atus Aussig. Atu» Aussig ist falsch, e» kommt immer wieder der Arbeiter- Am selben Tage meldet, sich auch der Vormund Novak, der bisher sein Wissen bei sich behalten hat.„Eine» Tage-, Anfang Februar," gibt er zu Protokoll,„kam die Agnes zu mir gelaufen und erzählte mir, daß ihr der Jude Hils- ner von der Prchab bis zum letzten Haus nachgestiegen sei, wo der Weg zum Marterl abzweigt, daß er ihr immer nachgesehen und daß sie vor ihm Furcht habe. Ich fragte sie noch, was das denn für ein Jude sei, und sie sagte, so ein häßlicher Jude, eben dieser Schuster» dieser Polda HilSnerl" Novak habe daraufhin das Mädchen bis in die Nähe des BresinawaldeS begleitet, aber nichts Verdächtiges bemerkt. Eine sensationelle neue Enthüllung! Der jüdische Kantor und Schächter von'Gollsch-Jenikau, Kurzweil, ist einer der Mittäter des Polnaer Mordes. Sein Dienstmädchen hat ihn beobachtet, wie er sich die Kratzwunden abwusch, die er im Kampf mit dem Opfer im. Gesicht erhalten hat. An den Rabbiner von Polna, der damit als der dritte Spießgeselle entlarvt ist, hat er ein Päckchen geschickt, deklariert als Parfümsendung; aber was enthielt es?— Ein Fläschchen mit Menschenblut. DaS„Deutsche Bollsblatt", das diese Meldung bringt, verfällt wieder der Beschlagnahme. Schneider verliest den Artikel im Landtag. Für ihn ist eS erwiesen, daß man jetzt die wahren Mörder erwischt hat. Besonders die Kratzwunden im Gesicht des Kurzweil sind überführend. Man hat ja, behauptet er, auch unter den Fingernägeln der geschachteten Hruza Menschenfleisch gefunden I Die Juden haben den Verdacht auf den irrsinnigen Fand« abgewälzt, der mit der Sache überhaupt nichts zu tun hat. Das war ein Meisterstück, aber ein zweitesmal wird ihnen der Dreh nicht gelingen! Ein Jude, der einen Mord begangen hat, darf fteilich in Oesterreich nicht verhaftet werden... Zurufe unterbrechen den Redner. Die telegraphische Nachricht von der Verhaftung des Kurzweil ist eben eingetroffen.„Das Telegramm ist nie aufgegeben worden!" ruft, Schneider. „Eine jüdische Fälschung!" Gregorig:„Da gibt's nichts al»: Hinaus mit die Juden!" Geßmann:„Alle Juden aufhängen l" Schneider:„Wenn bei einem Juden ein Verdacht festgestellt wird, so wird der Justizminister und der Sektionschef bestochen, damit daß er die Sache niederschlägt. In Oesterreich werden Justizminister bestochen, um überwitsene Ritualmörder freizulassen l" In den Lärm, der daraufhin entsteht, schreft er immer wieder:„Der Ruber ist ebenfalls bestochen! Ich werd's dem Lumpen schon zeigen!" (Der Statthalter Graf Kielmannsegg schweigt.) Der Kantor Kurzweil wird von der Gendarmerie geholt und ins nächste Bezirksgericht ringe- liefert. Ganz Jenikau ist auf den Beinen. Die sieben Kilometer nach Habern werden zu Fuß zurückgelegt. Aus den Dörfern ringsum kommen die Leute, sich den Transport des Ritualmörders anzuschauen. Bor Gericht wird der Kantor verhört und sofort entlassen. In dem Fläschchen, das er dem Dr. Goldberger nach Polna geschickt hatte, befand sich Suppenwürze. Er bringt gegen Schneider und Vergani, den Herausgeber, die Ehren- beleidigungS- und Berleumdungsklage ein. Aber in seinem Wohnort ist er erledigt. Er darf sich nicht mehr auf die Gasse wagen. In ganz Oesterreich geht der Ritualmord um. Im Keller eines Ottakringer Hauses wird die Leiche eines getöteten kleinen Mädchens gefunden. Hals über Kopf stürzt Schneider an den Fundort. Die Tat sieht einem jüdischen Verbrechen verteufelt ähnlich. Bevor die nächste Ausgabe des „Deutschen DolksblatteS" erscheint, hat man den Mörder gefaßt. Ex ist unzweifelhaft christlicharisch. Mehr Erfolg verheißt ein mehrere Wochen zurückliegender Fall. Im LeichenhauS des Salzburger Zentralfriedhofes ist ein schauerlicher Mord geschehen. Man fand ein junges Mädchen mit durchschnittenem Hals. Die Untersuchung ergab, daß die Arme einem Lustmord zum Opfer gefallen ist. Ein der Tat Verdächtiger wurde verhaftet und wieder freigelassen.^vie Entdeckung, daß man es dabei„ohne Zweifel mit einem Ritualmord zu tun" habe, wird jetzt aus Salzburg einer bayrischen Grenzzeitung« dem Amtsblatt de- königl. Amtsgerichts und des Stadtmagistrats Traunstein, mitgeteilt. Die Todeswunde des Opfers»ist ein ganz regulärer Schächtschnitt gewesen". Zwei Personen, heißt eS noch, wissen sich bestimmt zu erinnern,»daß sie kurz vor der kritischen Zeit auf dem Friedhof einen Juden mit einem Talmud begegnet sind." Von Braunau am Inn bis zur russischen Grenze, von Bodenbach bis Agram und von Kärnten bis Rumänien sind die Gemüter verfinstert und die Hirne behext. Di« Erwachsenen verfallen dem magischen Bann, und die Kinder tragen für LebenSzeft die Last der Furcht und des HasseS.\ Die Gerichte in den Kronländern werden mit Ritualmordanzeigen überschwemmt. Im Wiener Landtag hält der Abt Monsignore Schei« cher Brandreden gegen die jüdische Mordpest. Dem Landmarschall ist eS peinlich, gegen den geistlichen Parteiführer einzuschresten, lieber gibt er den Vorsitz an dessen Genossen Strobach ab. Die Reden werden im ganzen Land begeistert ausgenommen- Die Bluthetze hat Presse und Kanzeln erobert, sie soll auch die Arbeiterschaft erfassen. In Böhmen und Mähren gärt eS unter Sportklub Kleische in Frage. In der zweiten Notiz unter der Ueberschrist:»Schafft die Arbeiter-Sport- einhest" wird neben anderem angeführt, daß Sekretär Ullmann der Delegation der FPT erklärte, nur dann mit ihnen verhandeln zu wollen, wenn vorbei keine Verhandlungen mit Vereinen deS Verbandes geführt würden. In unseren Briesen ist diese Bedingung nirgend» enthalten. ES ist also eine wahrscheinlich bewußte falsche Darstellung, um nicht zugestehen zu müssen, daß wir die Bedingung stellten. Spielverkehr gegen die Bürgerlichen dürfe nicht stat^ finden. So glaubt man der Einheitsfront zu dienen. Auf diesem Wege will man Spiele mit klafsenbewuß- ten Arbeitern austragen. Wir machen alle Miere Vereine darauf aufmerksam, daß Spielabschmsse gegen die Russen gleichbedeutend mit Autsch I u ß aus unserem Verband ist. Wir hoffen, daß diese Darstellung genügt, um den Nachweis zu führen, daß wir offen und unseren Beschlüssen entsprechend die Verhandlungen geführt haben, daß ober auf der anderen Seite der Wille zu offener gemeinsamer Arbeit im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung nicht vorhanden ist. Wenn unter solchen Voraussetzungen die Berbandlungen von Sportinternationale zu Nrortinternationale geführt werden, so steht bereits im vorhinein das Ergebnis dieser Verhandlungen fest. Der Arbeiter-Sportklub Kleische hatte eine» Vertrag mit der russischen Fußballmannschaft abgeschlossen. unter der Bedingung, daß der Vertrag nur dann gift, wenn die Verbandself nicht antritt, weiter daß Spiele gegen bürgerliche Mannschaften vor dyn Spiele mit Kleische nicht stattfinden dürfen. Außerdem war ün Vertrage die Bedingung, daß da» Spiel nicht zu politischer Propaganda für die kommunistische Partei auSgenützt wird. Freitag bat nun der Arbeiter-Sportklub beschlossen. da» Spiel nicht. auSzutragen. da der Vertrag nicht eingehalten wurde. Ersten» finden Spiele mit Bürgerlichenvor dem Spiel ggegen Kleische statt, zweiten» wird da» Spiel— siebe»Rote Fahne"— z u v o l i- tischerPropaganda ausgenützt. Man wird nun versuchen, einen anderen Verein zu gewinnen. Dort, wo man an Funktionäre berantritt. haben diese sich sofort mit un» in Beichindung zu setzen. In einigen Bezirken wird auch versucht, unsere Vereine für den Empfang der kom- munisiischen Sportler zu gewinnen. DieKommu« nist en sollen für diesen Empfang diebürgerlichen Sportvereine. mit denen sie spielen, einladen. Unsere Mannschaften be-. ttiligen sich nicht! Die BnndeSleiwn« de» Arbeiter-Turn- und Sportverb ander. ** ♦ Gebt die richtige Antwort! Die Kommunisten wollen die Anwesenheit der. mit den bürgerlichen Sportlern spielenden Russen- s Mannschaften— selbstverständlich wieder zu politi-ö scher Propaganda für ihre zerrütteten Organisationj nen mißbrauchen. Sie wenden sich unter anderen,» mit Umgehung unserer Zentralgrgamsation, an ein-! zrlne Vereine um Mitwirkung beim Empfang der j Russen. Unsere Genossen werden auf di« Beschlüsse de» Karlsbader Kongresses der SASJ aufmerksam ge-j macht, der zwar beschlossen hat, mit der R.S.J. in I Verhandlungen zu treten, aber nach BekanntwerdenJ der Tatsache, daß die Kommunisten, während sie| unS die Einheitsfront antragen, diese mit den Bür-I gerlichen schon hergestellt hatten, erst Aufklärung! von der R.S.J. verlangten. Diese Aufklärung wurde i bisher nicht gegeben, wohl aber sind die Spalters Überall wieder an der Arbeit, den Arbeitersports neuerlich zu schädigen. Unsere Genossen sollen also» an den Empfängen nicht teilnehmen und die Kommunisten anweisen, sich wegen Staffage zu den poli«4 tischen Empfängen gefälligst an die Bürgerlichen zu! wenden, mit denen sie im Sporwerkehr stehen. den Fabrikwebern wefter. Streik» werden vorbereitet. Wo die Fabrikanten Juden find, setzt die antisemitische Agitation ein. Sie unterstützt, keineswegs die Forderungen der Arbeiterschaft.> aber fie hat ein Interesse daran, die Leute auf die Straße zu bringen. In den Läden werden Bilder von den Nachoder und Polnaer Plünderungen auSgehängt. So ist es auch in Hor- schitz, einem böhmischen.Weberort. Man erwartet den Ausbruch der Unruhen seit Tagen. Di«! Garnison Königgrätz ist alarmiert, eine Kompagnie steht marschbereit. Ob sie marschiert, hängt! davon ab, in welcher Richtung sich die Wut de» Volles entladen wird. Als ein Prager sozialistischer Redakteur, der eine Ansprache an die Ar- befter hallen will, sich beim Bezirkskommissär meldet und arretiert wird, und als seine An-! Hänger die Freilassung verlangen und mit Gewalt! drohen, ist ein Extrazug mit Infanterie in kür- j zester Frist zur Stelle- Die Juden sind diesen»! Zwischenfall dankbar. Wenn es gegen sie gegangen wäre, hätten.sie länger auf das Militärl warten müssen. In den kleinen Orten haben sie kern gute», Leben. Wenn der jüdische Kaufmann am Morgen! seinen Laden aufschließt, ruft ihm sein Nachbar! zu:»Na, wen habt ihr heute Nacht wieder um-! gebracht?" Alte Freundschaften gehen in Brüche;« keiner traut dem andern über den Weg. Kein Kind christlicher Eltern wagt sich in die Näht! eines Juden. Leidenschaftlich haßt e» seinen jü-I dischen Alter»- und Schulkameraden. Sie spre-- chen nicht miteinander, aber auf der Straße, in; der Schule, überall, wo sich ein jüdisches Kind! zeigt, wird e» mtt der Bewegung begrüßt, in«' sich ün ganzen Land eingebürgert hat: die flacht Hand ahmt das Durchschneiden der Kehle nach-! Weder Eltern, noch Lehrer denken daran, baf zu ändern. (Fortsetzung folgt) Nr. 241 Sonntag, 14. Oktober 1934 Sette 3 Verbesserung der Emährungsaktion Nach den früheren Bestimmungen über die staatliche Ernährungsaktion für Arbeitslose hat es zwischen der erfolgten Unterstützung nach dem Genter System und der Erwerbung des Anspruches auf die staatliche Ernährungsaktion vielfach eine Zeit';anne von mehreren Wochen gegeben, während welcher der Arbeitslose ohne Unterstützung gewesen ist. Die Situation der Arbeitslosen, insbesondere der verheirateten, war in dieser Zeit naturgemäß eine außerordentlich schwierige. Der Minister für soziale Fürsorge Gen. Dr. Meißner hat nun, um diesem Uebelstand abzuhelfen, wie das„Prävo Lidu" meldet, einen Erlaß an die Bezirkshauptmannschaften herausgegeben in dem Sinne, daß jeder Arbeitslose und Kurzarbeiter nach Erschöpfung der Unterstützung nach dem Genter System sofort in die staatliche Ernährungsaktion ausgenommen werden kann. Dieser Erlaß bedeutet, daß der Arbeitslose gleich die erste Woche nach Erschöpfung der Unterstützung gemäß dem Genter System Anspruch auf Ernöhrungskartrn hat, wenn er fich entsprechend anmeldet. Es können sich also in die Ernährungsaktion auch diejenigen Arbeiter melden, welche die Unterstützung nach dem Genter System noch erhalten, aber deren Unterstützung vor der Beendigung der Wintersaisou der Ernährungsaktion endet, wie auch die noch beschäftigten Arbeiter, denen bekannt ist, daß ihre Arbett keine dauernde ist. Dieser Erlaß des Fürsorgeministerium ist ein weiterer Beweis dafür, wie die Interessen der Arbeiter durch dieses Ministerium betreut werden und wie sehr fich die Sozialdemokraten bemühen, die Not der Arbeitslosen zu lindern. Politische Wochenübersicht Die abgelaufene Woche stand wie fast überall in Europa, so auch bei uns ganz im Banne der verhängnisvollen Schüsse von Marseille. Unsere politischen Stellen hatten neben anderem auch die Frage zu klären, wieso auf dem Wege über die falschen Pässe des Attentäters und seiner Helfershelfer gerade auch die Tschechoslowakei in Per- dachtSmomente verwickelt wurde, zumal gewisse Fälschungen immer wieder nur von einer bestimmten Seite und aus einem bestimmten Lande kommen. Die Klarstellung dieser Dinge ist sicherlich sehr wichtig und auch im Gange. Die beiden direkt betroffenen Länder scheinen aber doch über die durch die Schüsse hervorgerufene Krise verhältnismäßig gut, d. h. ohne größere. Erschütterungen, Hinwegzukommen In Jugoslawien vollzieht sich die tteSernahme der Regierung durch die Regentschaft anscheinend in aller Ruhe, waS bis zu einem gewissen Grade auch auf die Zusammensetzung deS Regentschaftsrates zurückzuführen ist. Daß einer der Regenten ein Kroate ist, wird auch in Agramer autonomiftifchen Kreisen mit Befriedigung ausgenommen. In Frankreich haben die Ereignisse zwar eine Regierungskrise nach sich gezogen, es scheint aber, daß eS sich auch hier nicht um einen Systrmwechsel, sondern nur um den Austausch von Personen handeln wird, der seine Ursache in der Unzulänglichkeit der getroffenen Sicherheitsvorkehrun- gen hat. Die sonstigen Geschehnisse in den Brennpunkten der internationalen Politik werden natürlich bald wieder den ihnen gebührenden Rang beanspruchen. Alle Well ist sich darüber klar, daß die Entwicklung namenllich hinsichtlich Deutschlands zu besonderer Vorsorge gemahnt. Dies gilt namentlich hinsichtlich der Saar-Abstimmung, über deren Durchführung schon in den nächsten Wochen definitive Entscheidungen fallen müssen. Jnnerpolitisch ist alles auf die Vorbereitung der Herbsttagung eingestellt; man rechnet derzeit erst für die übernächst« Woche, d. i. um den. 26. Oktober herum, mit der ersten Plenarsitzung, in der bekanntlich das Budget vorgelegt werden soll. Der genaue Sitzungstermin wird erst von den Parlamentspräsidien festgelegt werden. Bis dahin müssen auch gewisse Vorlagen fertiggestellt sein, auf die das Budget bereits bezug nehmen soll. Während das Finanzministerium mit dieser Vorbereitung des Budgets doll beschäftigt ist, haben die Wirtschaftsminister in wiederholten Besprechungen gewisse sozialpolitische Fragen wie die Produktive Arbeitslosenfür- sorge und die Brot- und Kartoffel« a k t i o n für Arbeitslose wieder ein Stück weitergebracht. Die Brotallion ist in erhöhtem Ausmaß bereits im Gange; auch bezüglich der Kartoffelaktion liegt bereits ein bindender Beschluß vor. Mit der Durchführung der nötigen Arbeiten sind das Fürsorge« und daS Finanzministerium betraut worden. Am tschechisch-bürgerlichen Lager fand in der abgelaufenen Woche die Tagung der tschechischen Volk-Partei viel Beachtung. Sie hat gezeigt, daß hinsichtlich einer engeren Zusammenarbeit mit der siowakischen BolkSpartei HlinkaS zwar noch große Schwierigkeiten bestehen, doch scheint eS dem Stasek-Flügel doch gelungen zu sein, den mährischen Flügel und damit die Gesamtpartei wenigsten- für den Versuch zu gewinnen, in dieser Richtung weitere Schritte zu unternehmen. Die deutschen Christlichsozialen, die sonst den Mund weit aufreißen und sich überall in der Po- litik sehr brell machen, hat man bei diesen Einigungsbestrebungen jedoch ganz links liegen gelassen. Einigungsbestrebungen kamen auch im tschechischen nationalistischen Laer zum Ausdruck, wo man bereits mit einem Wahlbündnis zwischen Hodäc—Kramat und Stkibrnh rechnen muß, wenn, auch ein organisatorischer Zusammenschluß nicht in Frage kommt. Den Henlein-Leuten hat das Verbot der Gablonzer Kundgebung den ersehnten Borwand gegeben, sich wieder einmal als Märtyrer hinzustellen, über mangelnde Demokratie zu jammern und überhaupt so zu tun, als ob eS der Partei schon überhaupt ganz verwehrt wäre, jemals öffentlich zu Wort zu kommen. Dabei sei jedoch nur daran erinnert, daß die Herrschaften im Laufe eines Jahres 176 Versammlungen Später sei er nach Ungar« gegangen und sei dort mit Rajik, dem angeblichen BeneS, in dem JnstruktionSlager der kroatischen Terroristen in der Gemeinde JankaPuszta bekannt geworden. In diesem Lager unterrichteten ungarische Instruktoren, Offiziere der ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee, ihre Schüler, wie man mit Revolver und Bomben umgehe. Pospisil und Rajii blieben in Ungarn bis kurz vor ihrer Abreise nach Frankreich. Ende September reisten sie zunächst nach M ü n ch e u und von hier nach Zürich,' wo sie zunächst mit zwei weiteren Genossen zusammentrafen. Der eine von ihnen hieß Szabo und der zweite war Vertrauensmann der kroatischen nationalistischen Bewegung und der von Ante Pavleviö geleiteten revolutionären Organffa- tion.; a:■\■■■. Zu diesem Vertrauriamann gesellt fich eine weitere Person, die sie auf ihre weiteren Reisen be-' gleitete. ES ist dies der Mann, der in Marseille daS Attentat auf König Alexander verübt hat. AuS Zürich reiften alle gemeinsam nach Lau sanne, wo sie mit einem neuen Emissär, einem gewissen Stanöev zusammentrafen, der ihnen ihre ordentlichen von den ungarischen Behörden auSge- gebenen Pässe aboahmen und ihnen falsche tschechoslowakische Pässe gab. Am LS. September begaben sie fich über den Genfer See au» Lausanne nach Evian-les-Bains auf französischen Boden und reiften dann nach Pari». Szabo und Kelemen reisten später nach Marseille, PosptSil und Rajiö warteten zunächst in Berfaille» und später in Fontainebleau al» zweite Reserve für den Fall, daß«» nicht möglich gewesen wäre, daS Attentat auf König Alexander in Marseille auSzuführen, um e» in Pari» zu verüben. Der wirklich« Name des Mörder» Kelemen sei Rudolf S u k. Tatsächlich habe sich auch in einem Pariser Hotel der angebliche Kelemen in den Anmeldeschein unter diesem Namen eingetragen. Et gab an. im Jähre 1894 in Triest geboren und als Geschäftsmann in Brünnl?) wohnhaft zu sein. Im Hotel in Lausanne stellte die Polizei fest, daß dort am 28. September eingetroffen sind und sich«intrugen: Rudolf D u k, Josef S e v e r, geboren in Ungarn, Staatsangestellter in Budapest, JanoS Bombay, geboren in Fiume, ungarischer Staatsangehöriger, Mechaniker au» Budapest, und Jswan Jngar-Sungar, ungarischer Staatsangehöriger, Mechaniker, gleichfalls aus Budapest. In Lausanne haben sich alle mit ihren ursprünglichen ungarischen Pässen au-gewiesen. Rudolf Suk erhielt hier einen tschechoslowakischen Paß auf den Namen Kelemen. Unter dem Namen Sever trug sich R a j i!, der eine» tschechoslowakischen Paß auf den Namen Benes erhielt. Pospitil hatte einen ungarischen Paß auf den Namen Jngar- Sungar und erhielt setzt«inen tschechoslowakischen Paß auf den Namen Noväk. Schließlich erhielt Bombay einen tschechoslowakischen Paß auf den Namen S i l n tz. Die Spuren diefe» Silnh» wurden hiSher nicht gefunden.* Paris, Wie bereits mitgeteilt wurde, hat der angebliche Noväk Freitag nach einem neuerlichen ganztägigen Verhör endlich ein Geständnis abgelegt. Er sagte, sein wirklicher Name sei Zvo- nimir PosptSil, er sei im Jcchre 1Ü04 in Sukovina in der Nähe von Görz geboren und habe zuletzt in Budapest gewohnt. Er gcch weiterS zu, im Jahre 1928 von den jugoslawischen Gerichten wegen Teilnahme am Morde des Direktors deS Agramer Blattes„Novosti", Schlegel, und an anderen terroristischen Attentaten in contumaciam zum Tode verurteilt worden zu sein. Nach dem Agramer Morde sei er mit seinen Genossen zunächst nach Italien geflüchtet. Die italienische Regierung habe es damals abgelehnt, ihn den jugoslawischen Behörden auszuliefern. Auch Dr. BeneS nach Belgrad Prag.(Amtlich.) An dem Begräbnis S. M. deS jugoslawischen Königs Alexander I. wird für Peter II. In Belgrad Belgrad- In Begleitung seiner Mutter Königin Maria und seiner Großmutter der rumänischen Königin-Mutter Maria und einer Reihe anderer Personen der offiziellen Begleitung traf der neue König SamStag früh um 9 Uhr in Belgrad ein. Er wurde mit allen Ehren empfangen.-Ganz Belgrad stand in den Straßen der Stadt Spalier. Neben dem Mitregenten, dem Prinzen Paul, begrüßte ihn der Patriarch der Kirche, und Ministerpräsident Nzunoviö bot ihm das bei Begrüßungen übliche Salz und Brot zum Empfange in der Heimat. Nach der offiziellen Begrüßung wurde von den Angekommenen die Fahrt zur Residenz, die vier Kilometer vom Bahnhok entfernt liegt, im Auto fortgesetzt. Roosevelt dekretiert Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnkürzung Washington.(Reuter.) Präsident Roosevelt ordnete an, daß in der Bckleidungs- nnd in der Baumwollindustrie am 1. Dezember d. I. die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 36 Stunden herabgesetzt werde, wobei die bisherigen Löhne keine Kürzung erfahren dürfen. und Kundgebungen ruhig abhalten konnten. Eigentlich hätte Herr Henlein also schon genug Gelegenheit gehabt, einmal sein berühmtes Programm vorzutragen und vor allem auch aufzuklären, warum er selbst in der ersten Zeit seine- jungen Ruhme- über alle programmatischen Fragen mit einem mitleidigen Lächeln hinweggeglitten ist. Die tschechische Press« der letzten Zett läßt allerdings schon deutlich erkennen, daß alle di« irreführenden Loyalitätsbeteuerungen und Interviews, die man auch in der tschechischen Presse unterzubringen verstand, nicht viel gefruchtet haben. Bis auf di« agrarisch« Gruppe weiß man im tschechischen Lager jetzt schon ziemlich allgemein, wes' Geiste» Kind Herr Henlein und seine Hintermänner und Protektoren«igentlich sind! Pässe von den ungarischen Behörden ausgestellt Pari». Kava» meldet au» Annemasse, daß das Verhör mit Raitiä, alias Bene», im Wesen abgeschlossen ist. Raitiö bestätigt« heute fast in allen Punkten das gestrige sensationelle Geständnis PospiSilS, alias Novak». Heute gaben di« beiden Verhafteten ausführliche Aufllärungen über di« ungarischen Pässe, di« ihnen von den ungarischen Behörden ausgestellt wurden. Rattik verließ Jugoflawien im Jahr« 1928 und l^bte seit 1982 in Ungarn. Er gestand, Mitglied der terroristischen Organisation de» PaveliL gewesen zu sein und gleichzeifig mit Pospisil und etwa 30 kroatischen Emigranten im Lager von Janka Puszta geweilt zu haben, wo er im Waffengebrauch ausgebildet wurde. Erweiterung der produk tiven Arbeittlosenfilrsorge 45 Millionen für die Selbstverwaltungskörper Prag. Ueber Antrag des Fürsorgeministeriums beschloß, nach einer amtlichen Meldung, der Ministerrat, im kommenden Jahre einen Betrag von 46 Millionen flüssig zu machen, der in Form einer Anleihe den Selbstverwaltungskörpern für öffenlliche Arbetten zur Verfügung gestellt werden soll, für welche diese die auf sie entfallend« Quote nicht aufbringen können. Da diese auf die Selbstverwaltung entfallend« Quote gewöhnlich 20 Prozent des Gesamtaufwand«» beträgt, werden dadurch öffentlich« Arbeiten im Gesamtbeträge von rund 230 Mil- lionen KL ermöglicht und damit vielen Zehntausenden von Arbeitslosen neue Arbeitsmöglichkeiten beschafft werden. Allerdings ist diese Arbeitsbeschaffung an di« Voraussetzung geknüpft, daß auch die anderen Ressorts und die verschiedenen Fonds in die Lage versetzt werden, im Rahmen ihres Budgets die übrigen 80 Prozent des Gesamtaufwandes auch tatsächlich aufzubringen. Neue Kampfe In Spanien? London.(§PB.) Nach hier umlaufenden Gerüchten ist es in Asturien zu neuen schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den Aufständischen gekommen. Bei Gijon soll eine Schlacht stattgefunden haben, bei der es 26 Tote und mehrere hundert Verwundete gegeben haben soll. 1600 Aufftändische sollen gefangen genommen worden sein. Rudolf Suk In Brünn unbekannt Prag. Zu der Pariser Nachricht, daß der angebliche Marseiller Mörder Kelemen Rudolf Suk sei, der sich als Geschäftsmann aus Brünn ausgegeben hat, wird mitgeteilt, daß durch eingehende Untersuchung festgestellt wurde, daß weder früher noch gegenwärtig in Brünn ein Geschäftsmann dieses Namens existiert. klne Frau unter den Verschwörern Paris. Durch die polizeiliche Untersuchung in Aix-en-Provence wurde festgestellt, daß außer Kramer, Kelemen und Salnh(alias Malny) am vergangenen Sonntag in ihrer Gesellschaft in Aix-en-Provence sich noch zwei Jugoflawen, deren Namen nicht sichergestellt werden konnten, befanden. Die gesuchte Gesellschafterin der oben Genannten quartierte sich in einem erstklassigen Hotel ein und schrieb sich im Hotelmeldeschein als Marie Voudroff, geboren 1910 in Triest, tschechoslowakische Staatsangehörige, ein. Sie führte weiters an, daß sie aus Avignon komme. In ihrer Gesellschaft befand sich ein gewisser Egon Kvater» nik, der ein Jugoslawe gewesen fein soll. Alle hatten viel Geld bei sich und sie legten den Weg zwischen Aix und Marseille, den man gewöhnlich mtt der elektrischen Straßenbahn zurücklegt, ausschließlich mit dem Auto zurück. Malny war Montag mit einer Autodroschke in Avignon und be- zahlte für diese Reise 200 Franken. Di« Voudroff hatte vier Gepäckstücke bei sich, in denen sie, wie man annimmt, die Revolver und Bomben mtt« brachte. „Herr Doktor“ beschaffte die Kleider Die Polizei in Annemasse verhörte SamStag vormittags Rajkii!, der in gleicher Weise aussagte wie Pospisil. Rajkiö verließ Jugoflawien im Jahre 1928 und ließ sich im Jahre 1932 in Ungarn nieder. Er war Mitglied der terroristischen Organisation des Pavelik. Er erllärte, die rätselhafte Person, die die vier Mitschuldigen au» Lausanne nach Paris gebracht habe, sei unter dem Namen.Hexr Doktor" bekannt gewesen. Dieser»Herr Doktor" habe allen Männern teilweise in Lausanne und teilweise in Paris neue Kleider gekauft. Die Namen der inrtruktiom- offiziere bekannt? Zu der Aussage Pospisil-Noväk» teilen dir Pariser Blätter weiterS mit. daß da» Zentrum der kroatischen Terroristen nach seiner Angabe zuerst Janka Puszta an der Donau.. ungefähr neun Kilometer von der jugoslawischen Grenze entfernt, war. Nach den Enthüllungen de» jugoslawischen Delegierten Fotik im Völkerbund übertrugen die Terroristen ihr LagernachGroß-Kanisza, von wo die Terroristen mit ungarischen Pässen zunächst nach München und von da über die Schweiz nach Frankreich fuhren. „Echo de Pari»" nennt— nach Belgrader Quellen— direkt dir Offiziere der ungarischen Armee, welche die kroatischen Terroristen unterrichteten. ES find dieS Major Ivan K o- » ä r S, Kapitän Hufza LitoS Endre, StabSkapi- tän Baler Stefan, Oberst Georg Petrirfeviez, Professor an der Militärakademie. Diese Liste ist nicht vollkommen. Ungarn untersucht... Budapest.(MTJ.) Die Havas-Meldung auS Annemasse betreffend die Aussagen NoväkS und Pospisil- wurden vom ungarischen Telegraphen-> Korrespondenz-Büro der Budapester Polizei mit geteilt, die auf Grund der darin enthaltenen An-' die Regierung der Tschechoslowakischen Republik gaben sofort eine Untersuchung eingeleitet hat. i auch Minister des Aeußern Dr. Benes teilnehmen. Heute Stichwahlen In Frankreich Paris. Am Sonntag finden die engeren Wahlen in die Generalräte und in die Bezirksvertretungen statt. Gewählt werden 337 Kandidaten in jeden dieser beiden Vertretungskörper. Die höchste Zahl von Kandidaten weist die sozialfftisch-radikale Partei auf, nämlich 100. Annähernd die gleiche Anzahl von Kandidaten zeigt die Rechtsregicrungspartei, die republikanisch- demokratische Union, auf. Die Sozialisten und Kommunisten bewerben sich um etwa 60 Mandate. Die Ereignisse dieser Woche haben allerdings daS Interesse an den Wahlen und an der Wahl» takttk der Parteien in den Hintergrund gedrängt. Die Gläubiger werden energisch Englischer Besuch in Berlin London. Der HauptwirffchaftSberater der britischen Regierung Sir Frederic Leith R o o ß wird sich anfangs nächster Woche nach Berlin begeben, wo er die Verhandlungen über die Frage der nichteingekaltenen deutschen HandelSverpflich« ttmgen und über di« Finanzierung deS künftigen Handels zwischen den beiden Ländern wieder aufnehmen wird. Die britische Regierung ist, den Blättern zufolge, der Ansicht, daß die Erledigung der Frage der Liquidierung der alten Handelsschulden einen Teil eines jeden mit Deuffchland getroffenen Uebereinkommens bilden müsse. Diese unbezahlten Schulden, deren' größter Teil an die Textilinduftriellen in Lanca- shire und DorkSshire zu begleichen war, werden von der Presse auf etwa zwei Millionen Pfund geschätzt. Ungarische Instruktoren über den Umgang mit Revolvern und Bomben Tcilc 4 Tonntag, 14. Oktober 1934 Sir. 2« Landaufteilung und Arbeitslosigkeit In der böhmischen Landesvertretung lenkte Genosse H a l a die Aufmerksamkeit auf di'e Bestrebungen, Arbeitslosen durch Zuteilung von . Grund und durch Förderung der Siedlungsbewe- gung Existenzmöglichkeiten zu schaffen. Nach einer Statistik aus dem Jahre 1927 gab es in der Tschechoslowakei 431.823 Betriebe(29.4 Prozent) im Ausmaß von weniger als einem Hektar und 635.613 Betriebe(43.3 Prozent) im Ausmaß von 1 bis 5 Hektar. Würde bei einer neuen Bodenreform diesen Zwergbetrieben soviel Boden zugewiesen werden, daß die Besitzer selbst- genügsani würden, könnte der Arbeitsmarkt wesentlich entlastet werden. Allerdings müßten die sozialen und keine andern Verhältnisse bei der Zuweisung maßgebend sein. Auch durch die Rekultivierung der Bergbaugebiete und durch Stadtrandsiedlungen könnten Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werdens Seit mehr als einem Jahr liegen aus dem Böhmerwald Subventionierungsgesuche für Kulti- vicrungsarbekten bei der Landesbehörde und werden trotz Urgenzen nicht erledigt. Es handelt sich um arbeitslose Holzhauer, die die Möglichkeit härten, ein Stück Grund zu erwerben. So haben sich in Guthausen im Bezirk Prachatitz 32 Holzhauer zu einer freiwilligen Arbeitsgenossenschaft zusammengeschlossen, ebenso bestehen in Äöhmisch-Röhren, St. Thoma, OberschlagI Hummwald, Hüttendorf, Oberhaid und Parkfrieo solche Gemeinschaften. Es ist notwendig, daß die Landesbehörde die Subventionszusagen und die Bewilligung zum Beginn der Arbeit möglichst bald erteilt, um so mehr, als doch der sotzenannte Fonds zur Subventionierung von Kultivierungen, Klein- und Mustermeliorationen zu diesem Zwecke besteht. Die öffentlichen Gelder müssen in erster Reihe den sozial Schwachen dienen. Man kann dabei die Not einer arbeitslosen Arbeiter-Familie oder eines Kleinhäuslers nicht den Einschränkungen gleichstellen, welche'sich die doch halbwegs gesicherten größeren Landwirte auferlegen. Zahlen illustrieren dies. Während z. B. beim Konsumverein in Mies, die Spareinlagen der Mitglieder sowohl im Durchschiritt als auch in der Gesamtheit sinken, sind die Einlagen bei den landwirtschaftlichen Vorschußkassen in den fünf Jahren 1928 bis 1933 um über eine Milliarde gestiegen. Neues von der Henleinfront SHF und Raffenfragr. Wir haben gestern die Nachricht gebracht, daß am Sonntag, den 7. Oktober 1934, nachmittags in Reichenberg der erste Familientag aller, die mit dem Familiennamen Kaspar heißen, stattgefunden und daß zu dessen Begrüßung ein Herr Dr. Walter K ö n i g- B e y e r das Wort ergriffen hat. Beyer sagte in'seiner Rede, wie wir ausgeführt haben, daß wir bei uns leider noch immer keine Raffenämter haben, und daß man gerade deswegen für die Familienforschung werben solle. Wie uns nun mitgeteilt wird, ist Herr Dr. König-Beyer— wer könnte auch etwas anderes erwarten— Mitglied der Sudetendeutsche» Heimatfront und betätigt sich insbesondere inder Bildungsorganisation der Henleipartei. Welche Art Bildung demnach die SHF verschleißt, kann man sich denken. Daß der Rassist Dr. König eine Rolle in der Heimatfront spielen kann, ist ein weiterer Beweis der engen ideologischen Verknüpfung des reichsdeutschen Hakenkreuztumes und der Henleinfront. Fabrikanten In der Henleinfront Das deutsche kommunistische Organ läßt sich aus Heinersdorf a. T. melden, daß der Sohn des Textilunternehmers Heintschel allen bei ihm beschäftigten Arbeitern das Anerbieten gemacht hat, sie mit Lastkraftwagen nach Gablonz zur— mittlerweile verbotenen— Henleinkundgebung zu transportieren. Derselbe Unternehmer Heintschel ist Obmann der SHF in Heinersdorf, der dadurch bekannt ist, daß er seinen Arbeitern niedrige Löhne zahlt. Deswegen kann er schon etwas für die SHF spendieren und sich den Transport der Arbeiter zu fascistischcn Paraden etwas kosten laffen. Tschechisch-agrarische Jugend gegen den„Venkov“ In der Redaktion des„Venkov", welche von Senator Vranh geleitet wird, wurde vor einiger Zeit der frühere Chefredakteur der Stribrnh- blätter in Prag, Ferdinand Kahänek, berufen. Die Tatsache, daß ein Mann wie Kahänek, der jahrelang die Koalitionspolitik aufs schärfste bekämpft hat, nun plötzlich Redakteur des- Organs des Ministerpräsidenten werden konnte, ist von einer Reihe von tschechischen Zeitungen abfällig kritisiert worden. Nun haben sich gegen diese Berufung auch die tschechisch-agrarischen Jugendlichen gewandt, deren Kreis die Zeitschrift„Bräzda" herausgibt. Diese Zeitung bezeichnet das politische Ueberläu- fertum Kahäncks als eine Verfallserscheinung und berichtet, daß in der letzten Sitzung des Vorstandes der Agrarischen Jugend eine große Debatte über den Faltabgeführt wurde, in welcher sich die meisten Redner gegen Kahänek ausgesprochen haben. Ebenso wurden die Sensationsmethoden, welche Kahänek und andere in die agrarische Preffe hineingetragen haben, verurteilt. Dieser Standpunkt wurde auch dem amtierenden Vizevorsitzenden der Partei, Abgeordneten Beran, mitgeteilt. iProseB Vylettlefci Am Schauplatz des Mordes Das Schwurgericht verhandelt am Tatort— Geständnisse und Indizien Prag. Der fünfte Verhandlungstag des Mordprozesses gegen das Ehepaar B yletalek gestaltete sich für die Bewohner von U j e z d auf der Kleinseite zu einem Tag der Sensationen. Denn das Gericht begann diesmal die Verhandlung nicht im Pankratzer Schwurgerichtsfaal, sondern der Gerichtshof, die Geschworenen, Staatsanwalt, Advokaten und Journalisten fanden sich um 9 Uhr früh zum Lokalaugenschein in der Mordwohnnng auf dem Ujezd Nr. 480 ein. Ein starkes. Polizeiaufgebot war zur Stelle, um nötigenfalls Ausschreitungen des natürlich in Massen erschienenen neugierigen Publikums zu verhindern. Daß die benachbarten Fenster und Ballone mit Zuschauern voll besetzt waren, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Das Haus 486 liegt am Fuß des Petrin. Ueber hölzerne Stufen gelangt man durch ein gewölbtes dunkles Stiegenhaus auf eine„P aw- lat s ch e", wie. sie für die alten Prager Häuser so typisch ist und von da in die Wohnung, wo sich der Mord ereignet hat. Heute wird diese Wohnung, bestehend aus Küche und zwei Zimmern, von einer Familie H o l a n bewohnt. Aus den Fenstern der Wohnzimmer bietet sich ein schöner Blick in den Seminargarten. Das Jntereffe des Gerichtes konzentriert sich indessen lediglich auf die Küche, die der Schauplatz der schrecklichen Tat war«nd wo die Leiche des ermordeten Paters über ei« Jahr lang verborgen wnrde. Diese Küche ist kein regelmäßig viereckiger Raum. Sie ist fünf Meter lang; ihre Breite aber an der einen Querwand, wo der,Herd steht, geringer, als an der Ouerseite, wie das in alten Häusern keine Seltenheit ist. Der Raum verengt sich also in der Ofenecke so stark, daß zwischen dem Ofen und der gegenüberliegenden Längswand nur ein Raum von etwa 1.50 Meter bleibt. Der Kachelofen, der zur Zeit des Mordes dort stand, ist inzwischen durch einen eisernen Sparherd ersetzt worden. In der Q u e r w a n d der Küche, an die der Ofen stößt, befindet sich nun die ominöse Nische, die wohl zur Aufbeivahrung von Brennmaterial u. dgl. dienen sollte und später den Leichnam des ermordeten Tyl aufnahm. Sie ist etwa 70 Zentimeter hoch, ebenso tief und 1.50 Meter breit. Verschlossen ist sie durch eine Eisentüre/Aus alle Fälle ein recht beschränkter Raum zur Aufnahme eines Manneskörpers. Diese Ursache in Verbindung mit der geringen Bewegungsfreiheit zwischen Ofen und Längswand hat zu einer doppelten Streitfrage Anlaß gegeben. Eines der wesentlichsten Argumente der Anklage gegen Jarosiav Bylekälek besteht eben darin, daß die Frau allein den toten Körper nicht hätte in die enge Nische zwängen können, weil eine solche Arbeit beträchtliche Kraftanstrenguug erfordere. Die Verteidigung Vylekäleks beruft sich wieder darauf, daß in dem engen Raum vor der Nische zwei Personen gar nicht Platz gefunden hätten, so daß die Beschuldigung des VyletäIrk.Lllrch'stiue Frau unglaubwürdig sei. Es wird Sache der Geschworenen sein, sich ihr Urteil über diese Streitfrage zu bilden. Das Verhör der Vylekäleks am Ort des Mordes. Das angeklagte Ehepaar, das im„G r ü n e n Anton"(das Polizeitransportauto) zur Stelle geschafft wurde,'wurde getrennt einvernommen. Marie Byletälek schilderte mit schauerlicher Sachlichkeit und Anschaulichkeit den Hergang. Nachdem ihr Mann ihren Vater im Streit mit der Axt niedergeschlagen habe, hatten sie gemeinsam die Leiche mit dem Kopf voraus in die enge Nische gezwängt. Sie habe de« Kopf des Ermordeten gehalten »nd ihr Mann, hinter ihr stehend, die Beine nach- geschoben«nd zum Schluß die Füße des Tote« gewaltsam eingekaickt, nm ihn in dem enge« Loche «tckerz»bringe«. Auch die Erdrosselung des alten Tyl legt MarieVyletälek heute ihrem Gatten zur Last, nachdem sie ursprünglich eingestanden hatte, ihren Vater selb st erdrosselt zu haben. Aber von diesem Punkt spricht sie offen- Vom Rundfunk i empfehlenswertes aus den Programmen i i Montag Prag: Tender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 12.35 Konzert dcS Prager Salonorchesters. 13.35 Arbeitsmarft. 13.45 Die Vakulfsänger. 16.55 Kinderstunde. 17.20 Schallplatte«. 17.45 Violinkonzert. 18.20 Deutsche Sendung: Dozent Dr. Bittner: Deutsch-tschechische Kulturbeziehungen im Mittel- alter. 18.55 Deutsche Preffe. 22.50 Schallplatten: Wagner. 23.05 Paul Holly: Demokratie und Min- derheitsvölker,— Sender Str.: 14.45 Konzert für Flöte und Harfe/ 15.10 Deutsche Sendung: Viertelstunde für die Frau. 18.10 Konzert des Salonorchesters. 19.15 Opernszenen auf Schallplat- ten.— Brünn: 17.45 Deutsche Sendung: Schmidt: Die schönsten Liebesbriefe der Weltliteratur. 18.20 Lieder auf Schallplatten. 20.00 Konzert der Brünner Philharmoniker.— M.-Ostrau: 11.00 Schallplatten. 17.35 Liederkonzert. 18.20 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Willi Meier: Die Arbeiterpflege. 19.10 Schallplatte«: Mascagni. Dienstag Prag: Sender L.: 6.15 Gymnastik. 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.05 Deutscher Schulfunk. IT 10 Zither- und Hawaigitarren auf Schallplatten. 16.45 Jugendstunde. 17.50 Liederkoyzert. 18.20 Deutsche Sendung: Dr. Albrecht: Wirtschaftliches Relief. 18.30: Buntes Programm der„Co- median-Singers". 18.55 Deutsche Presse. 19.10 Buntes Programm.— Sender Str.: 14.25 Schallplatte«. 15.05 Deutsche Sendung: Dr. Bach! Schönbergs Sendung.— Brünn: 15.55 Orchesterkonzert. 17.45 Deutsche Sendung: Soziale Informationen. Arbeiterfunk: Dr. Lampl: Sport und Volksgesundheit. 18.20 Tanzmusif— Preßburg: 17.15 Moderne slowakische Musik. 19.10 Violinkonzert.—’ Kascha«: 17.10 Klavierkonzert. 18.00 Hygienefnnk. sichtlich sehr ungern. Als ihr die Widersprüche in ihren Aussagen vorgehalten wurden, er/lärte sie ihr ursprüngliches Geständnis für unwahr und berief sich darauf, daß sie als Beschuldigte nicht verpflichtet gewesen sei, die Wahrheit auszusagen. Die darauf folgende Einvernahme ihres Gatten verlief wesentlich einfacher. Er erklärt die Aus, sagen seiner Frau für vollkommen erfunden. Jaroslav Bylekälek beantwortete alle Fragen nach feiner Schuld mit einem energischen Rein! Die Verhandlung wurde nach beendetem Lokalaugenschein in Pankratz'fortgesetzt, wobei eine Reihe von Zeugen zur Einvernahme kam, di« über Einzäheiten aussagten, unter ihnen auch die bereits vernommene Frau des ermordeten Tyl. Diese TagcsncolgKcltcn Wieder Goldbergbau j in Kremnitz i Schon jetzt werden 300 Kilogramm jährlich gewonnen In Kremnitz wird jetzt/ die Reorganisierung und der Wiederaufbau des Goldbergbaues, die im Jahre 1923 begonnen wurden, abgeschloffen. Nach dem Umsturz waren die staatlichen Gruben in Kremnitz vor zwei sehr schwere Probleme gestellt, von deren erfolgreichen Lösung das weitere Schicksal und die Entwicklung des Bergbaues in Kremnitz abhing. Es mußte einerseits der bis zu einer Höhe von 200 Metern ersäufte Anna-Schacht entwässert und andererseits die Aufbereitung der Erze neu gelöst werden. Der Anna-Schacht, der nach alt»» Aufzeichnungen sehr gutes Erz enthielt, stand seit den napoleonischen Kriegen unter Wasser. Die alte mit Hilfe der Amalgamierung und der Schlämmherde vorgenommene Aufbereitung der Erze entsprach nicht, da ihr Ertrag bloß 30 bis 45 Prozent Gold aus verhältnismäßig armem Erz betrug. Die Entwässerung des Anna-Schachtes wurde nach schwierigen und anstrengenden ArbeitenAnfangl931 mitHilfe des Haupterbstollens, der um 35 Meter tiefer ist als der ursprüngliche Schachtsumpf, durchgeführt. Durch die Austrocknung des Anna-Schachtes wurden die ausgedehnten Erzadern des nö r d- lichen Grubenreviers von Kremnitz 'dem Abbau geöffnet. Rach eingehenden Versuchen tn dest Laboratorien und einem Versuch im Großen wurde auch die Ausbereitungsfrage gelöst und im Jahre 1933 zum Bau eines neuen Aufbereitungswerkes geschritten. Dieses Ausbereitungswerk ist in den adaptierten ehemaligen Aufbereitungsgebäuden' untergebracht, war bisher durch 300 Stunden zuVersuchszwek- ken in ununterbrochenem Betrieb und v e r arbeit e t e-f a st 2000 T o n n e n Erz. Der erzielte wirkliche' Goldertrag aus dem Roherz betrug im ganzen 96 Prozent. Durch den Bau des Aufbereitungswerkes wurde die Erhöhung der Arbeiterzahl der staatlichen Bergdirektion in Kremnitz von ursprünglich 230 auf nunmehr 440 ermöglicht. Die weitere Erhöhung der Arbeit erzähl ist von dem Ergebnis der neuen Forschungs- und Betriebsarbeiten abhängig. Die Golderzeugung in Kremnitz erreicht schon jetzt 300 Kilogramm und wird fast soviel betragen als seinerzeit das Goldbergwerk Roudnh erzeugt hat. Bier Millionen... Washington. Wie amtlich mitgeteilt wird» ist die Zahl der unter st ützungsbedürf- tigen Familien von 3,8 Millionen im Juli d. I. auf 4 Millionen im August gestiegen. Die Zahl der unverheirateten Unterstützungsempfänger ist ziemlich unverändert geblieben. In Leningrad blüh'» wieder die Bäume... Leningrad. In den letzten Tagen ist die Temperatur so gestiegen, daß in der ganzen Umgebung von Leningrad die.Bäume und Blumen blühen. Die Felder sind mit Gänseblümchen, Veilchen und Vergißmeinnicht bedeckt. Dagegen Wintereinzug in Amerika New Nork. Im Norden des Staates Maine herrscht Winterwetter. Während eines Schneesturmes fielen fast 14 Zoll Schnee. 200 Telegraphenstangen und an hundert Telephonleitungen wurden zerstört. Viele Bäume wurden entwurzelt, in vielen Fällen wurde auch die Kartoffelernte vernichtet. In zahlreichen Städten sind die elektrischen Leitungen unterbrochen, so daß die Orte ohne Licht- und .Telephonverbindung sind. Während Freitag in New Aork 70 Grad Fahrenheit verzeichnet wurden, herrschte gestern eisiger Wind, welcher auf baldigen Schneefall weist. Aussagen brachten nichts neues. Bemerkenswert aber war die Vernehmung des Gefangenenaufsehers Bläek, der bewnte, daß Jarosla vBhle- t ä l e k bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter ausdrücklich aufmerksam. gemacht wurde, daß er sich nicht mehr bei der Polizei befinde, sondern bereits vor Gericht. Bylekälek hat bekanntlich anfänglich sein bei der Polizei abgelegtes Geständnis widerrufen, auch vor dem Untersuchungsrichter wiederholt. Darüher hinaus erklärte der Aufseher, daß der Angeklagte sich ihm gegenüber geäußert habe, es sei nun einmal so weit; er werde seine fünfzehn Jahre abfitzen und wenigftens Ruhe haben. Der gleiche Zeuge bestätigt auch einen schwer belastenden Wortwechsel des Angeklagten mit seiner Gattin bei einer Begegnung auf dem Korridor des Untersuchungsgefängnisses. Montag wird das Beweisverfahren geschlossen werden. Da die Reden des Staatsanwaltes und der Verteidiger den ganzen Dienstag ausfüllen, ist heute schon sicher, daß das Urteil nicht vor Mittwoch abends zu erwarten ist. rb. Tod zweier Flieger Warschau. Auf dem Flugplatz bei Pulawi, Kreis Lublin, stürzte bei einem Uebungsflue, ein mit zwei Offizieren besehes Militärflugzeug ab. Der. Flieger war sofort tot, der Beobachter starb nach Einlieferung ins Krankenhaus. Den Schwiegersohn erschoffen Warschau. In der Nacht vom Freitag wurde in Warschau in seiner Wohnung der Ministerialrat des Finanzministeriums Romuald Sulacinski von seiner Schwiegermutter durch fünf Revolverschüsse ermordet. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Die Barbare«. Einer bis heute Unwidersprochen gebliebenen Meldung der europäischen Presse zufolge sind in den von der deutschen Regierung— also von Goering— erlassenen Bestimmungen des passiven Luftschutzes, die I u- den, soweit sie nicht Frontkämpfer waren, also vor allem die F r a u e n und Kinder von jeglichem Luftschutz ausgeschlossen. Bemühungen christlicher Kreise, sowie der Reichswehr, diese Bestimmungen zugunsten der Juden zu ändern, sind restlos gescheitert. Wir haben uns schon längst abgewöhnt, über die Barbarismen der Mord- und Brandstifterkomplizen zu staunen. Alles ist da möglich und noch mehr! Wer jemals diese Menschen in irgend einer Beziehung der Menschfichkeit oder eines gentlemanliken Kampfes für fähig hielt, ist sträflicher Jkkrsiotnst. So wie-der Reichstag angezündet wurde, wie Tau- sende von Morden ausgeführt wurden— zuletzt die schauerliche Erdrosselung Erich Mühsams im Konzentrationslager von Oranienburg vom La- gerkommandanten Eicke— so wird man Streichers Programmier physischen Ausrottung aller Juden durch den erwähnten Ausschluß der Juden vom Luftschutz durchführen, Die Juden müssen mit ihrem Gelde zwar Luftschutzkeller bauen, aber hinein dürfen sie nicht, wenn Arsengasc, Blausäure, Chlorpikrin, Lewisit und Hyprit alles Leben dieser Erde vernichten werden. So will es der Ehrenvorsitzende der deutschen Tierschutzbewegung, der das Wild bedächtig schonende Reichs- jägermeister Goering! Nur keine Tierquälerei! Aber die Juden dürfen verrecken! Dürfen? Sic müssen! Ein Film vom Marseiller Attentat in Prag. Wie gemeldet wird, sollte der in Frankreich verbotene Film, auf dem das Attentat gegen König Alexander und Minister Barthou in Marseille zu sehen ist, in acht Exemplaren nach der Tschecho-1 slowakei gebracht werden. Davon wurden jedoch, sieben an der französischen Grenze beschlagnahmt und bloß einer wurde in die ESR mittels Flug-, zeuges gebracht und es werden jetzt davon einige' Kopien hergesiellt. Der Film wurde bereits der Zensur vorgelegt und es ist beabsichtigt, ihn nur in Prag laufen zu laffen. In England wird der Film bereits in2000Kopien vorgefiihrt. Justizminister Dr. Ivan Derer empfängt Dienstag, den 16.d.M., nicht die üblichen Besuche.. Fliegerunglück in Pole». Nach Berichten aus Pulawa ist ein Militärflugzeug dort abgestürzt, wobei zwei Offiziere den Tod fanden. „Die Entstehung der Tschechoslowakischen Republik". Unter diesem Titel ist soeben im Verlag„Orbis" in Prag ein Buch des Genossen Dr. Emil Strauß erschienen, in welchem einleitend eine Darstellung der'tschechischen Politik vor dem Weltkriege gegeben und sodann die Geschichte der tschechischen Bestrebungen im Kriege sowohl im Inland als auch im Ausland, erzählt wird. Das Buch, auf das wir noch ausführlich zurückkommen werden, umfaßt 360 Seiten und enthält eine Reihe von Abbildungen. Stoßfänger als Antenne. Durch die Straßen der Stadt Shenectady(Staat New Aork) fuhr ein Ingenieur der Gesellschaft General Elektrik auf einem Automobil, wobei er den Stoßfänger als Antenne benützte und 60 Minuten radiophonisch mit der Station Sydney. in A u st r a l i e n sprach. Es ist dies der e c st e Versuch dieser Axt. Str. 3M Sonntag, 14. Oktober 1934 Seite 5 Herrliche« Aette« entgegen In dem offiziellen Organ des deutschen statistischen Reichsamtes wurde zugegeben, daß im Laufe des.letzten Jahres die Lebenshaltungskosten um rund 4 Prozent gestiegen find. Da aber bei der Berechnung dieser Indexziffer die Preise der verschiedensten Bedarfsartikel zusammengefaßt sind, wurde nun die Steigerung der Ernährungskosten gesondert berechnet und eine Erhöhung von 7.8 Prozent ermittelt. Aber auch hier dürfte man noch einige „R e ch e n k u n st st ü ck e“ in Anwendung gebracht haben, denn die Kleinhandelspreise einiger Waren, die für den Arbeiterkonsum eine entschei- dene Rolle spielen, sind fast alle um viel mehr gestiegen. Die Unterschiede zwischen Mitte August -1933 und Mitte August 1934 drücken sich in folgenden Zahlen aus: Di« 1. Zahl bedeutet den Preis von 1938, die 2. den von 1934. Kartoffeln<10 Pfund) Grüne Bohnen pro Pfund Spinat■ Erbsen Feine Leberwurst.<. Schweineschmalz im Durchschnitt 30—62.5 19—34.5 14—19 22—38 118—129 (108%) (81.8%) (26.3%) (72.7%) ( 9.3%) 85.5—103(20.5%) Vorstehende Ziffern sagen mit aller Deutlichkeit, welch„herrlichen Zeiten" Hitler und seinen Mannen das deutsche Volk entgegenführen. USA-Polizei schlitzt»«seifte« New Aork.(Reuter.) Di« Polizei schritt Freitag abends gegen eine etwa 1000köpfige Menge kommunistischer und antifascistischer Manifestanten ein, die in das Stadion einzudringen trachtete, in dem gerade Wettkämpfe zwischen amerikanischen und italienischen Athleten stattfanden. Unter den Verletzten befinden sich zahlreiche Frauen. In eine fascistische Versammlung drangen 577 Antifascisten ein, die in dem Augenblick zerstreut wurden, als sie sich anschickten, im Thor ein antifascistischeS Lied zu singen. Der Gipfel!»Die Deutsch» Kirche", das Organ der sogenannten»deutschkirchlichen Bewegung", schlägt eine Aenderung der Sonntage zu Weihnachten vor. Sie sollen in Zukunft Herd- seuer, Heimatsonne, Weltlicht und Deutsches L,euchten heißen. An weiteren kirchlichen SonntagSnamen verlangt die«Deutsch- Kirche" u. a.: Ur stürme, Riesenkampf, Freias Blick, Roggenmuhme, Regentrude, Nornenfäden, Mannesehre und— Hackelberendl Die»Deutsch-Kirchler" beabsichtigen, eine große Propagandaaktion zur Durchsetzung ihrer-^originellen^ Forderungen einzulei- ten.— Berrückter-gÄht eS schwerlich!-- Eine Bombe zum Eucharistischen Kongreß: Auf dem eucharistischen Kongreß in B u e n o S Aires wurde Samstag vormittags der„Tu« lumbuS"-Tag gefeiert. Infolge der glühenden Hitze fielen zahlreiche Teilnehmer in Ohnmacht oder erlitten Sonnenstiche. Ein bisher ungeklärter Zwischenfall ereignete sich in einer Kirch«, in der ein« Bombe explodierte und die Türen beschädigte. Zum Glück hatte sich aber in d«n Gotteshaus niemand aufgehalten. Ei« korrupter Finanz-Oberkommiffür. Der Strafsenat in UZhorod unter Vorsitz der Vizepräsidenten des Kreisgerichtes Foltänek verurteilte den Oberkommissär der Finanzdirektion in M u n k a d Dr. La v ic k y wegen Mißbrauch» der Amtsgewalt und Bestechung im Dienste zu fünf Mona» t e n Kerker unbedingt. Ebenso wurde der Verlust des Amte» ausgesprochen. Sonderzug nach Belgrad. Di« Direktion der Staatsbahnen in Prag expediert einen Sonderzug mit Verpflegung und Führung'zum Begräbnis König Alexanders nach Belgrad vom 17. bis 20. Oktober. Preise der Fahrkarten 8. Klaffe 445.— Kc. der 2. Klaffe 605 Kd. Der Preis ermäßigt sich ohne Verpflegung und Führung für beide Fälle um 115 Kd. Informationen und Anmeldungen mtt Angabe von Kd 50.— nimmt das Referat für Ausflugszüge im Bazar neben dem Wilsonbahnhof Tel. Nr. 883-85 entgegen.— Am 28. Oktober expediert die Dtaatsbahndirektion einen Gonderzug nach Pilsen zum Besuch« der Zelle Dr. RatinS undderOmladinaim Gefängnis von Borh zum Preise von Kd 59.—. DaS staatliche Teichwefen im Bebtet von T i e- b ost hat Heuer auf dem Programm die Abfischung folgender größeren Teiche: Vom 15 bis 18. d. M., Teich bei Befett n. Lujniri vom 22. bis 24., Teich Dvoiistö bei Lomnice n. Luj. am 2. und 8. Nov., Teich„Svdt" bei Tteboü. Zur Abfischung d«S Teiches„Svtt" wird die Staatsbahndirektion einen Sonderzug abfertigen. von der klaffenlottrrie. Die Verlosung der Gewinste der V. Klaffe, der 81. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wird am 18. Oktober 1934 um 8 Uhr früh im Ziehungisaale der Staatslotteriedirektion, Prag I., Kozi n. Nr. 4, beginnen und wird am 19., 20., 22., 23., 24., 25., 26., 27., 29., 80., 81. Oktober und 8., 5., 6., 7., s., g., io., 12 und 15. November 1984 auch um 8 Uhr früh fortgesetzt werden. Verlost werden im ganzen 43.200 Gewinste und «ine Prämie von 1,000.000 Kd, ein Gewinst zu 300.000 Kd, einer zu 200.000 KL, einer zu 100.000 Ke, zwei zu 90.000 KL, zwei zu 80.000 Kd, zwei au 70.000 Kd, zwei zu 60.000 Kd, zwei zu 50.000 Kd, drei zu 40.000 Kd, vier zu 30.000 Kd, 35 zu 20.000 Kd, 90 zu 10.000 Kd usw. Die Gewinn, röllchen da: V. Masse werden am 17. Oktober 1934 um 10 Uhr vorm. öffentlich in das Glücksrad eingeschüttet werden. Die amtlichen LageSltsten Werda: immer am nächsten Tage nach der Verlosung und die amtliche Gesamwerlosungrliste am 19. November 1984 auSgegÄen werde».> „Triumph des Willens!" Bo« 21««» Der Drache HitleriSmus brütet über Deutschland. Die junge Drachenbrut kriecht unter dem täglich gebärenden giftgeschwollenen Leib hervor, über unsere Grenze, und wird hier immer größer und dreister! Die staaüich berufenen Wächter unserer Republik scheinen ffch der Gefährlichkeit der Keinen Dinger nicht bewußt zu sein, und abwarten zu wollen, bis sie ausgewachsen sind, um sie zu ihrem reichsdeutschen Muttertier zurückzuscheuchen! Nur aus dieser Sorglostgkest und dem Mangel an Voraussicht ist es zu erklären, daß ein Blatt, gedruckt, verlegt und verbreitet in unserem demokratischen Staat, es wagen darf, über die Mordnacht vom 80. Juni einen Bericht zu bringen mit der Aufschrift:„Eine rettende Tat!" EineVerherrlichung des Massenmords, einen Dythirambus auf tzen Meuchelmord! Dieser Keine Drache, genährt von der Muttermilch des großen reichsdeutschen Drachen, der„Norddeutsche Anzeiger für Haida und Land" darf ungestraft dieses Gift in die Gehirne seiner tausend Leser spritzen: „Einen traurigen HöhepunK erreichten aber die Lügenmeldungen(!) über den 30. Juni! Was da zusammengelogen(!) wurde, geht auf keine Kuhhaut! Auch hier war die Absicht der Marxist««- und Emigrantenpresse Kar: Gegen Deutschland sollte in der Welt eine Haßstimmung erzeugt(l), und das deutsche Volk in der Achtung der ganzen Welt herabgesetzt werden!" llnd diese, wenn auch saudumme Lüge darf in einer Republik straflos verbreitet werden, deren Wahlspruch lautet:„Die Wahrheit siegt"? Ja, glauben die Wächter unserer Staates, daß allein die Wahrheit siegen kann, ohne zu kämpfen? Daß sie sich behaupten kann, ohne sich zu verteidigen? Wie diese Schwäche unserer berufenen Aufsichts- organe die Drachenbrut auSzunützen versteht, illustriert am schlagendsten der sonntägliche Leitartikel vom 30. September unserer, im Solde Hitlers stehenden„E g e r e r Z e i t u n g" in dem sie im Fettdruck Frankreich droht, falls es sich's einfallen laffen sollte, gegen den saarländischen Naziterror militärisch vorzugehen. Frankreich mag über die Drohung der Egerer Tante lächeln, die täglichen Drohungen der hiesigen Naziblätter, die unter den deutschen Bewohnern den Haß aufpeitschen, schon allein durch die Verherrlichung oder, zum allermindesten, Beschönigung alles deffen, was der braun« Terror im Dritten Reich verbrochen hat, und tagtäglich weiter verbricht, durch Bagatellisierung oder einfach verbrecherischer Verschweigung aller Scheußlich- aber, nicht ans dem Innern" Ein Hakmkreuzblatt schreibt die Wahrheit Ein nationalsozialistisches amtliches„Ber- kündungSblatt", der„Potsdamer Beobachter", berichtet über eine Versammlung von Laubenkolonisten, die bisher an der Havel als Kleingärtner ein Stück Land bebauten und die nun— offenbar zur Förderung des„Blut« und Bodengefühls"— kurzerhand von dem Fleckchen Erde Vertrieben werden sollen, an daS sie Schweiß und Arbeit wandten. Die Schilderung des Potsdamer braunen Blättchens ist so dankenswett ehrlich, daß wir sie hier im Auszug« wiedergeben: ES sind einige stickige Stellen hier auf der Freundschaftsinsel(der genannten Laubenkolonie— Red), deren verderblichen Geruch man im Vorbeigehen m der Rase zu spüren vermeint. DaS sind die flüsternden Unterhaltungen am Kaffeetisch oder in verdeckten Laubengängen, die gänzlich verstummen, wenn sich ein„Unbekannter" nähert, die aber wie FäulriiSgift von Vergangen- heitsmenschen hier und da„unbefangen" in das Ohr des^lieben Nachbarn" hineingetuschelt wer- deu. Der Einladung in die Versammlung der Meingärtner bei PiuS Ludwig folgte ich deshalb gern, weil ich glaubte, sie wird ein reinigendes Gewitter werden. Ich habe mich getäuscht. Zwar kam der„Sturm" nicht auf, der in einer vorhergehenden Versammlung gewütet haben soll, dafür bürgte allein schon dieAnwesen- heit der beiden politischen Ortsgruppenleiter von„Garnisonkirche" und „Bismarck" mit ihren Amtswaltern; aber die „Giftpilze" der Kolonie blieben Giftpilze. Der Kolonieleiter begrüßte die Versammlung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß di« Kolonisten aus dieser Versammlung„einstimmig" herauSgehen möchten, selbst wenn für den einen oder andern«ine Härte durch Berlaffen- müffen seiner Laube bestehen bleibe.:(Das heißt auf deutsch: wehe dem, der hier wagt, mtt Nein zu stimmen! N. V.)... Der Kolonieleiter hatte erklärt, der Plan über die Gestaltung der Freundschaftsinsel sei 100prozenttg gut, wenn man ihn nach der Gesinnung als Volksgenosse betrachte. Da setzte sofort ein Gemurmel der„Giftpilze" ein. Was, Volks» genösse? das wollen die paar Meckerer ja gar» nicht sein. Des BereinSleiterS Antwort hierauf war die richtige:„Ueberwinden Sie mal den inneren Schweinehund!..." Ach nein, da sind so ein halbes Dutzend Menschen darunter, die wollen das nicht. Sie ziehen andere mit in ihren Bann, gurken infizierend und das ist das Gefährliche, lieber eine nichtssagende Angelegenhett schreit so einer einfach in die Versammlung:„Nach meinem Dafürhalten ist dasüber- haupt nicht richtig, wie, der Magistrat das macht!" ketten des HitlerregimeS, müßten aber schließlich unseren Behörden die Gewißheit geben, daß weder die Auflösung der D. N. S. A. P., noch die Loyali- tätsversichreungen Henleins, die von seiner „Rundschau" wöchentlich ad absurdum geführt werden, an der G e s i n n u n g unserer Nazis das geringste geändert haben! Sie haben einfach das braune Hemd auSgezoge», und die SHF-Kappe aufgesetzt! Die Weltpresse beschäftigt sich lebhaft mit den gar nicht auszudenkenden Greueln des kommenden Gas- und Bazillenkrieger; ich möchte aber das Feld Keiner ziehen, und mich mit den Greueln befaffen, die unser Watten, falls es in diesem künfttgen, aber möglich