Freitag, 19. Oktober 1934 Nr. 245 14. Jahrgang Einzelpreis 70 Heiter (einschließlich 5 Heller Fotta) IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii„ fochova a. telefon sxsn. Administration Telefon sxk.. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Rote Mehrheit in Oslo Die Norwegische Arbeiterpartei hat in Oslo, brr Hauptstadt Norwegens, die Mehrheit erobert. Die Mandatsverteilung ist nach den offiziellen Angaben folgende: Konservative 34(früher 38), Fasristen(nationale Einheit) 3,(früher 0), Liberale 3(früher 3), Arbeiterpartei 44(früher 38), Die Stimmen verteilen sich wie folgt: Konservative..... 58.600, Fascisten...... 5.300, Liberale...... 5.700, Arbeiterpartei..... 70.900, Kommunisten..... 900. Da nun Oslo eine rote Mehrheit hat, sind alle drei skandinavischen Hauptstädte unter sozialdemokratischer Verwaltung. Kopenhagen, die Hauptstadt Dänemarks, hat eine sozialdemokratische Zweidrittelmehrheit. Klamotten-Hermann extemporiert In Belgrad Das deutsche Nachrichtenbüro meldet aus Belgrad: Der preußische Ministerpräsident Hermann G- e r i» g empfing am Mittwoch in der deutschen Gesandtschaft mehrere Belgrader Pressevertreter, denen er folgende Erklärung über die im deutschen Volt herrschende Meinung über den verewigten König Alexander l. abgab: „Der Reichskanzler und Führer des deutsche» Volkes Adolf Hitler wurde von dem tragischen Tode Alexanders I., der Jugoslawien seines Königs beraubte, tief berührt. Aus Ehrfurcht und Achtung... hat sich der Führer und Reichskanzler entschlossen, zur Beerdigung Alexanders I. auch mich, seinen nächsten Mitarbeiter, zu entsenden... Wit meiner Entsendung, wollte Reichskanzler Hitler dokumentieren, wie sehr er in der Person Ihres großen Königs seinen früheren tapferen Gegner und späteren Freund, sowie auch den allerstärksten Garanten für den Frieden und das Gleichgewicht Europas schätze. König Alexander l» wa reiner der wenigen Herrscher, die es'verstanden hatten, mit einem Schlage allem Parteihader ein Ende zu bereiten und das faule demokratische System zu entfernen. Als Chef der deutschen Polizei kann ich Ihnen versichern, daß die deutschen Behörden, für den Fall, daß auch nur ein Attentäter auf deutsches Gebiet fsiehen sollte, alle Maßnahmen ergreifen werden, um dieses gemeine Nichtswürdig« Verbrechen, welches Ihnen den König und weisen Staatsmann raubte, zu enträtseln. Außerdem seien Sie versichert, daß das henttge Deutschland in seinen Grenze» niemals eine südslawische Organisation dulden wird die an der Zerstörung Ihres autorativen Systems arbeitet... Das Interview Görings scheint vor allem den Zweck verfolgt zu haben, wieder einmal seinePerson in de»Vordergrund zu rücken und der Welt zu sagen, daß er— und nicht Heß, Himmler, Goebbels oder sonstwer— Hitlers n ä ch st e r Mitarbeiter sei. Die Ausfälle auf die„faule Demokratie" sind im Zusammenhang mit dem Tode des Königs, der eben die Freundschaft mit dem demokratischen Frankreich neu besiegeln wollte, ebenso geschmackvoll wie der deutliche Wink nach dem Land, das gegen Jugoslawien arbeite. Er hat in der Erregung wohl vergessen, daß cr seine un- gari scheu Freunde mit dieser Bemerkung am schwersten trifft! Marschall Petain spricht mit Goerins Bei dem Begräbnis erweckte nach einer Reu- (ermeldung Aufmerksamkeit, daß der französische Marschall P e t a i n nach Beendigung der Zeremonien vor dem Mausoleum am Oplenac mit General G o e r i n g eine lebhafte Unterredung hatte. None Spuren in dem Mordkomplott Die Rädelsführer gestellt? PaveliC and ifvaternih in Turin verhüttet— war nalnty direkt beteiligt?— Ein weiterer Komplice gesucht Einer Havas- Meldung zufolge wurde« die beiden von der französischen Polizei für die Anstifter des Attentats gehaltenen Kroaten Dr. Ante P a v e Li t und Engen Kvale r n i k Donnerstag in Turin verhaftet. Die italienische Polizei nahm die Verhaftungen Leber Ersuchen der französischen Gerichte vor. Beide Verhaftete» leugnen jeden Zusammenhang mit dem Attentat. Rach einer anderen Havas-Meldung sucht man jetzt einen zweiten Bevollmächtigten Pavelris» einen Arbeiter namens B e r r i e r, den die internationale Polizei unter dem Namen Mio B z i k kennt. Er soll den Verschwörern die gefälschten Pässe übergeben haben(also vielleicht identisch mit dem angeblichen Szabo sei«?). Er gilt als gefährlicher Terrorist. Malny- Kralj wurde Donnerstag mit dem Hotelier konfrontiert, bei dem er in Aix-en-Provence wohnte. Malny-Kralj behauptet, daß er am Tage des Attentats um 16.30 Uhr ins Hotel zurückgekehrt sei, der Hotelier sagt aus, Malny sei erst um 18.30 Uhr heim gekommen. In diesem Fall würde der Verdacht ligt war. Jugoslawische Anfrage in Budapest Budapest.(Tsch. P.-B.) In politische» Kreise» wird bekannt, daß die Budapester jugoslawisch« Gesandtschaft i« der üblichen diplomatischen Form gewisse Jnsormatione» im Zusammenhang mitdemMar- s e i l l e r Attentat erbat, doch kau» hierüber im Jitteresse der Uatersnchnng»och keine Mitteilnug gemacht werde». bestehen, daß er an dem Attentat selbst betei- Pavelit war in Marseiile Wie Havas später meldet, stellte der Chef des Sicherheitsdienstes in Marseille auf Grund von Zeugenaussagen fest, daß.sich Paveliä am 30. September in einem dortigen Hotel unter dem, Namen ,,P a d e l e s c u", Kanzleivorstand der rumänischen Staatsrisenbahn, wohnhaft in Baka- iest, einlogiert hatte. I Paveliö kam nach Marseille von Paris«nd ! reiste am anderen Tag mit unbekanntem Ziele in ! Begleitung einer etwa 40jährigen Frau ab. Geheimnisvoller Selbstmord I Der Stabschef der UstaSa hat sich in Karlsbad erhängt! Das„P r ä v o L id u" macht in einem Eigenbericht aus Karlsbad auf einen mysteriösen Selbstmord aufmerksam, der sich dort in der Rächt vom 27. auf den 28. September, also fast zur selben Stunde, als die Marseiller Attentäter mit nngarischen Pässen ihre Fahrt antraten, ereignet hat. Im September hatte sich in einem Karlsbader Kurheim, das einer Wiener Krankenkasse gehört, der pensionierte österreichische Oberstleutnant StevoDuic cinquartiert. In der Nacht zum 28. September beging er Selbstmord durch Erhängen am Fensterkreuz. Seine Leiche wurde nach Graz überführt und dort beerdigt. So weit erscheint der Fall ganz«nverdächttg, wenn man davon absirht, daß ausgerechnet die strengkatholische Exkaiserin Zita znr Beerdigung des Selbstmörders nach Graz einen Kranz senden ließ. Run ist von Dnic aber bereits von früher her bekannt, daß er bei der Organisierung der kroatischen Terroristen die Hand im Spiele hatte und gemeinsam mit dem in den letzten Tagen oft genannten General Sarkottc»nd dem Kommandanten des Emigrantenlagers in Janka Puszta, Perrevik, zu den intellektuellen Führern der Terroristenorganisation„Nstasa" gehörte, deren Reihen die Attentäter von Marseille hervorgingen. Duik war der Stabschef der N st a s a"; er hat von Graz aus vor einigen Jahren namentlich die Attentate organisiert, bei denen Höllenmaschinen auf österreichischem Boden in jugoslawische Eisenbahnwagen einmontiert«nd so gestellt wurden,, daß sie erst auf jugoslawischem Boden explodierten. Duik wurde auch im Zusammenhang mit dem Waffemfchmuggel nach Oesterreich und Ungarn genannt, namenttich in Verbindung mit der bekannten Hirtenberger Affäre. Er war überdies auch ein inttmer Freund des Obersten Adam, des gegenwärttgen Pressechefs der österreichischen Regierung. Wie der Gewährsmann des„Prävo Lidn" mitteilt» hat Duik am Tage vor seinem Selbstmord eine geheime Briefsendung erhalten, die ihm nicht durch die Post zugestellt wurbe, sondern die er vermutlich selbst an einem noch zu eruierenden Ort behoben hat«nd die offenbar mit dem Selb st mord in«rsäch- liche m Zusammenhang st eh t. Bor seinem Tode verbrannte er verschiedene Papiere. In seinem Nachlaß wurde eine größere Menge von Münzen gefunden, die unter dem Namen„Kuna" als Zahlungsmittel der auslNstasa-Organisation bekannt sind. Krisenwinter Die koste Witterung, von der wir in den letzten Tagen überfallen wurden, rüst uns ins Bewußtsein, daß der Winter vor der Tür steht und damit eine Zeit, die in einer Krise der Wirtschaft, wie sie-noch immer in einem großen Teil Europas und auch bei uns wütet, für einen großen Teil der Bevölkerung böse Leiden und ärgste Entbehrungen mit sich bringt. Die letzten Arbeitslosenziffern, die uns mitgeteilt wurden, sind bereits ein Vorbote der saisonmäßigen im Herbst und Winter ansteigenden Beschäftigungslosigkeit. Seit dem Feber des heurigen Jahres, da uns eine Anzahl von rund 844.000 nicht untergebrachten Stellenwerbern gemeldet wurde, sind die Arbeitslosenziffern bis Juli auf rund 569.000 gesunken und von da an wieder im August auf rund 572.000 und im September auf etwa 573.000 gestiegen. Nach der Statistik der Zentralsozialversicherunganstalt konnte man sogar ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit schon im Juli feststellen, da die Anzahl der Beschäftigten von 2,030.000 im Juni auf 2,012.000 im Juli zurückgegangen ist. Obzwar es wahrscheinlich ist, daß die Arbeitslosenziffern im Winter 1934/35 nicht die gleiche Höhe erreichen werden wie in dem bisher ärgsten Krisenwinter von 1932/33 (da die Zahl der Arbeitslosen den Höchststand von 920.000 erreichte) so hat doch angesichts der jahrelang dauernden Arbettslosigkeit die Ber- zweiflung unter den Menschen, die drei oder vier Jahre keine'ordentliche Beschäftigung gefunden haben und höchstens, auf Gelegenheitsarbeiten angewiesen sind, einen hohen Grad erreicht. Wir müssen diese Feststellung insbesondere deswegen machen, weil in den von Deutschen bewohnten Gebieten dieses Landes die Arbeitslosigkeit einen besonders großen Umfang ange- noprmen hat. Während von 1000 Einwohnern im ganzen Staat Ende September 38.9 arbeits- los waren, entfallen auf jene Gebiete, deren Einwohner zu mehr als 50 Prozent aus Deutschen bestehen, auf 1000 Einwohner 75.95, in den tschechischen Gebieten dagegen 29.28 Arbeitslose. Diese trockenen Ziffern zeigen uns die furcht- bare Wahrheit, daßdieArbeitslosigkeit indendeutschenGebietendreimal sogroßistalsinden tschechischen. Von den 16 Bezirken, in denen auf 1000 Einwohner mehr als 100 Arbeitslose entfallen, haben 15 eine deutsche Mehrheit und nur ein einziger eine tschechische. Dieser tschechische Bezirk ist Starkenbach, wo auf 1000 Einwohner 102.7 Arbeitslose entfallen. Die deutschen Bezirke sind: Böhm.-Leipa 103.1, Braunau 107.8, Mährisch- Schönberg 109.6, Neudek 110.3, Jägerndorf 111.1 Römerstadt 113.1, Schluckenau 114.3, Preßnitz 120.9, Elbogen 123.3, Freudenthal 124.9, Karlsbad 125.5, Sternberg 148.7, Rumburg 150.6, Friedland 154.8 und Graslitz 231.2. Wer diese Ziffern zu lesen versteht, wird erschüttert sein ob des Elends in den deutschen Gebieten der Tschechoflowakischen Republik. Kampf um die Todesurteile Präsident Zamora veriäBt Ministerrat Madrid. Der Ministerrat tagte am Donnerstag sechs Stunden und ging erst am Abend zu Ende. Er befaßte sich mit der Prüfung jedes einzelnen der Todesurteile, die von den Kriegsgerichten gefällt wurden. Der Präsident der Republik erstattete im Ministerrat ein ausfLh r l i ch rs juri sti- sches Referat und entfernte sich sodann, indem er es dem Kabinett überließ, in seiner Abwesenheit weiterzuberaten. Der Ministerrat beschloß, alle Todesurteile dem Obersten Gerichtshof zu übergeben. Das spanische Amtsblatt.verlautbart das neue Regierungsdekret, durch welches in ganz Spanien die Todesstrafe für die Zeit eines Jahres wieder eingeführt wird. Der Belagerungszustand hat noch immer für das ganze Staatsgebiet Geltung. Die Militärgerichte tperden auch die verhafteten Abgeordneten, darunter den bekannten Sozialistenführer Largo Caballero, aburteilen. Staatsbesuch Gömbös* in Warschau Warschau. Der ungarische Ministerpräsident Gömbös trifft am Freitag zu einem dreitägigen Besuche Polens ein. Er wird in der Grenzstation Zabrzydowice von dem ungarischen Gesandten in Warschau und einem Vertreter des polnischen Außenministeriums begrüßt werden. Die feierliche Begrüßung Gömbös erfolgt auf dem Warschauer Bahnhof um 23 Uhr. Gleichzeitig mit dem Ministerpräsidenten Gömbös treffen in Polen elf Vertreter der größten ungarischen Tagesbläüer ein. Die Not dieser Menschen zu lindern ist die erste und vornehmste Aufgabe aller staatlichen Faktoren ebenso wie aller polittschen Fattoren im deutschen Volke. Nicht Aufzüge in den deutschböhmischen Städten nack den Methoden von Hit- ler und Goebbels, sondern Hilfe für die Menschen, die am schwersten von der Krise betroffen sind, tut not. Diese Hilfe den Menschen zu bringen, bestteben sich mit dem Aufgebot aller ihrer Kräfte die Vertreter der Sozialdemokratie in der Regierung und alle unsere Vertrauensmänner in allen Funktionen, die sie bekleiden. Auch die kommende Budgetdebatte im Abgeordnetenhaus und im Senat wird die Sozialdemokratie dazu benützen, um das Elend der deutschen Arbeiter aufzuzeigen und alle Maßnahmen zu treffen, um diese Not zu lindern. Seite 2 Freitag, 19. Oktober 1934 Nr. 245 pmdcikommandns in der SW Gegen einen früheren Landesleiter Schmutzige Wüsche Im Gerichtssaal Der ehemalige Landesleiter der SHF, Rudolf Tropschug jun., hat gegen den jetzigen Landesleiter der SHF, Roman Skomorov- s l h i, und den Schönberger Ortsgruppenleiter der SHF, Adolf Kolb jun., Ehrenbeleidigungsklagen eingebracht. Der Klage liegen angebliche ehrenrührige Aeuherungen über die Tätigkeit Tropschugs bei der SHF seitens der beiden Beklagten zugrunde. Bei der Hauptverhandlung, die am 16. Oktober vor dem Bezirksgericht in M.-Schönberg durchgeführt wurde, dehnte der Verteidiger Tropschugs die Klage gegen Adolf Kolb wie folgt aus:»Am 29. August fand im Ortsgruppenzimmer der SHF in Schönberg um 8 Uhr abends eine vertrauliche Sitzung statt, bei welcher der Angeklagte Kolb erklärte, daß ein Prügelkommando der SHF gebildet werden wird, und daß der Privat- kläger der erste sein werde, der dem Kommando ausgeliefert wird. Die anwesenden Mitglieder beauftragte er, wo immer sie den Privatkläger treffen, ihn ohne Zeugen zu beschimpfen und gebührend zu behandeln." Zum Beweis wird Rudolf Hocke, Techniker in Schönberg, als Zeuge geführt. Die Beklagten, Kolb und Skomorovstyi, fühlen sich nicht schuldig, bieten aber im Eventualfall den Wahrheitsbeweis an. Der Zeuge Rudolf Tropschug sen. gibt an, der Beklagte Kolb habe ihm mitgeteilt, dah sein Sohn» Tropschug jun., Mitgliedsbeiträge einkassiert, Bücher verkauft und di« Gelder nicht abgeführt habe. Auch mit den Abonnementsgebühren der Zeitung habe er es so gemacht. Die Zeugin Hilde I a n k u sagt auS, Skomorovsky habe sie einmal Är September oder August gefragt, ob sie auch wisse, warum Tropschug entlassen worden sei. Als sie dies vereinte, habe Skomorovstyi gesagt, Tropschug habe sich bei einigen Sachen Provisionen gemacht, er habe einige Briefe unterschlagen und er habe sich grobe Dienstvernachläfligungen zu schulden kommen lassen. Der ehemalige Senator Köhler meint, er habe gestaunt, daß Tropschug entlassen worden sei, der die ganze Bewegung aufgebaut habe. Der Privatkläger Tropschug ver- langt, das Gericht möge die Bücher der Heimatfront sicherstellen wegen der Eintragungen betreffend die Broschüren und begründet dies damit, daß in einem früheren Prozeß falsche Zeugen geführt wurden, und dah man versucht habe, zwei Zeugen zu bestechen. Der angebotene Wahrheitsbeweis wurde vom Gericht zugelafsen und die Verhandlung auf den 29. November,, 11 Uhr vormittags, vertagt. Man kann gespannt sein, wie die erhobenen Beschuldigungen wegen der Bildung eines Prügel- kommandoS und die Beschuldigung wegen der falschen und bestochenen Zeugen werden entkräftet loerden. „Meißner kündigt neue Arbeitslager an** DaS ist die Ueberschrift eine- Schimpfartikels in der»Roten Fahne". In diesem Artikel werden die arbeitslosen Jugendlichen aufgefordert, gegen die Absicht, die Arbeitslager-Bewegung zu fördern, schärfsten P r o t e st einzulegen. Die Redakteure der»Roten Fahne", die sich so über die Arbeitslager-Bewegung aufregen, könnten sich ohne große Mühe über die wahre Stimmung der arbeitslosen Jugendlichen unterrichten: siekönnten einmal bei den Teilnehmern an dem ArbeitSla« gerin Theresienstadt und den Lagern in Aussig und Bodenbach Umfragen an stellen. Was sie da erführen, wäre daS genaue Gegenteil dessen, was die»Rote Fahne" den Ju« gnMch'ets"über die', Arbeitslager' stieismachen möchte. Aber eben deshalb wäre eS zur Veröffentlichung in der»Roten Fahne" nicht geeignet. So werden die Redakteure der.»Roten Fahne" über eine Sache weiter lügen, von der sie teils nichts verstehen, teils nichts verstehen wollen. Henlein wird Im Saal sprechen Heber die Durchführung der Henlein-Kundgebung in Böhmisch-Leipa wurden Donnerstag von den Zentralbehörden bestimmte Weisungen ausgegeben. Henlein wird nicht im Freien, sondern in einem Saal sprechen und der D e» monstrationszug durch die Stadt unterbleibt. diesen Gesetzesbrüchen bemerkt, obwohl er darauf I verhalten. Die geforderte Verhandlung bei der Bezirksbehörde, um diese unerträglichen Zustände zu bereinigen, wurde von der zuständigen Bezirksbehörde Deutsch-Gabel bis heute nicht eingeleitet. Aber bei der Schilderung dieser Zustände soll und darf nicht vergessen werden, daß auch bei einer so kleinen Arbeit wie der Bachregulierung in Röhrsdgrf, ständig ein Ingenieur als Vertreter des Landes als Aufsichtsorgan fungiert. Und dieserBertreterdes Landes hat nichts von Vorn Lande Böhmen In den letzten Tagen hat die Landesverwaltung von Böhmen hitf Regulierungsarbeiten an der Woberbach in Zwickau an die Firma Smetana in Ceskä Skalier vergeben. Um die Durchführung dieser Arbeiten haben sich durch lange Zeit der Bauarbeiterverband, die Stadtgemeinde Zwickau und nicht zuletzt die Parlamentarier unserer Partei redlichst bemüht, da die Stadt Zwickau zu den ausgesprochenen Hungergebieten gehört. Die Landesverwaltung hat diese Arbeit an die Firma Smetana vergeben, obwohl diese Firma bei den Bachregulierungsarbeiten in Röhrsdorf, die im Laufe dieses Jahres durchgeführt wurden» die vertraglichen Bedingungen gegenüber der Arbeiterschaft rücksichtslos gebrochen aufmerksam gemacht wurde und nichts davon gehört, daß der Polier der Firma die Arbeiter ständig auf daS gemeinste beschimpfte. Und trotz der geschilderten Zustände wurde die Zwickauer Bachregulierung wiederum an die Firma Smetana vergeben, die in Zwickau ihre gesetzesbrecherische Tätigkeit auf Grund deS Verhaltens der zuständigen Aemter fortsetzen wird. Am Sonntag, den 14. Oktober, hat in Zwickau in Anwesenheit des Senators Genossen Goth eine Konferenz der freien Gewerkschaften und der Partei stattgefunden, die sich ausführlich mit der ganzen Sachlage beschäftigte und beschloß, daß alles unternommen werden muß, um den Unternehmer wie auch die arbeiterfeindliche Bürokratie zur Einhaltung der Arbeiterrrchte zu Gesetzesbrecher erhalten öffentliche Aufträge Hat. Bekanntlich Haben unsere und die tschechischen Genossen im Vorjahre in der Landesvertretung den Beschluß durchgesehi, daß bei allen Arbeiten, die durch das Land unterstützt werden, die regionalen Kollektivverträge zu gelten haben. Ausnahmen dürfen nicht gestattet werden. So der Beschluß der LandesvertretungI Bei den Regulierungsarbeiten in Röhrsdorf hat der Unternehmer Smetana die geltenden KollrktivvertragSlöhne nicht gezahlt. Die Maurer erhielten statt 5.10 XL pro Arbeitsstunde nur 4.80 XL. Die Entlohnung der Hilfsarbeiter erfolgte ganz willkürlich und nach Gutdünken der Bauleitung. Die gesetzliche Arbeitszeit wurde nicht eingehakten. Trotz schwerster Krise wurden während der ganzen Bauzeit 52.5 Stunden pro Woche gearbeitet, wie dies in einer Versammlung in RöhrSdorf, die von mehr als 50 beschäftigten Arbeitern besucht war, festgestellt werden konnte. Wasserzulage für Arbeiten im Wasser wurde an die Arbeiter nicht gezahlt und als im Herbst 1932 bei Wasserarbeiten einige Arbeiter«m die Beistellung von Wasserstiefeln ersuchten, wnrden sie mit dieser Forderung, die auf einem gesetzlichen Rechte beruht, brüsk abgewiesen. ES gibt kein vertragliches noch gesetzliches Recht, das die Firma Smetana gegenüber ihren Arbeiter« nicht gebrochen hätte. Bon feiten des Bauarbeiterverbandes wurde alles unternommen, um der Willkür der Firma Smetana Grenzen zu setzen, die sich auf Kosten der Arbeiter und des Landes unrechtmäßig bereicherte. Ueber dieses Drängen hat das Gewerbeinspektorat Reichenberg Erhebungen gepflogen und die Firma auf die ungesetzlichen Handlungen aufmerksam gemacht. Die zuständige Bezirksbehörde wurde durch das Sekretariat. der. Bauarbeiter schriftlich und. mündlich auf das Treiben dieser Firma aufmerksam gemacht, die Lohnlisten wurden der Bezirksbehörde vorgelegt, auS der Vertragsbruch und Ueberstundenarbeit nachgewiesen wurden. Geschehen ist nichts! Der Unternehmer konnte sein ungesetzliches Wirken fortsetzen. Lediglich wegen Ueberschreitung der gesetzlichen Arbeitszeit erhielt diese Firma von der Bezirksbehörd« Deutsch-Gabel ein Strafmandat von 1000 XL. Ob diese Strafe bezahlt wurde, kann bezweifelt werden. Daß dieser Unternehmer de« Arbeitern di« Bertragslöhne vorenthielt, darum Haden sich die Behörden nicht gekümmert, dagegen wurde auch nichts unternommen. 28 Die Anklage rekonstruiert den Vorgang: Annes, den Fußsteig oberhalb des Hohlwegs heraufkommend, wird mit dem zur Schlinge geknoteten Strick gefangen, ins Unterholz gezerrt, durch Schläge mit einem Stein betäubt und durch die Kehle geschnitten. Alles geht in Eile vor sich. Die Täter schneiden den Unterteil des Hemdes auf der einen Seite mit einem Messer ab, auf der andern reißen sie ihn, um schneller zu Rande zu kommen, gewaltsam herunter. Ebenso wird der linke Aermel des Hemdes abgeschnitten, der rechte abgerissen. AuS den Aussagen der Mutter Hruza, des Vormunds Novak und der Näherin BhtlaLil geht klar hervor, dah Hilsner die Agnes lange kannte und aufmerksam verfolgte. Die>Angaben des Franz Cink und anderer begründen den Verdacht, daß er sich zur kritischen Stunde am Tatort befunden habe. Das Alibi ist dem Angeklagten nicht gelungen. Verdächtig machte er sich ferner dadurch, daß er, wie aus den Bekundungen mehrerer Zeugen hervorgeht, an jenem Tag seine Kleidung mehrmals gewechselt hat. Nach dem Zeugnis her Frau Vomela, daß Hilsner eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Unbekannten habe, den sie im Walde traf, darf man mit gutem Grund annehmen, daß Hilsner jener Mann ist. Ausführlich geht die Anklage auf den Fund der grauen Hose ein. Die braunen Flecke sind von Sachverständigen in Prag makroskopisch, mikroskopisch, chemisch und spektroskopisch untersucht worden, de: Befund ergibt die größte Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie von Menschenblut herrühren. Aus dieser wichtigen Entdeckung erklärt sich, warum Hilsner und seine Mutter gerade diese Hose so sorgfältig verbargen und ihren Besitz so hartnäckig leugneten. Daß der Angeklagte ein großes Messer in einem Futteral bei sich getragen hat, ist durch drei unbedenkliche Zeugen erwiesen. Daß er diese wie alle einzelnen Umstände, welche auf ihn als Täter Hinweisen, unentwegt leugnet, macht ihn besonder- verdächtia. Hinzu kommt, daß er eine recht bunte Vergangenheit hat, gegen das weibliche Geschlecht sich sehr keck benahm und seine sichere Geliebte Anna Benesch sogar mit dem Tode bedrohte, dah er von ganz schlechten Sitten ist und keinen guten Leumund hat, sich nichtStuerisch herumtreibt und von seiner Mutter, die selbst nur von Almosen lebt, Unterstützungen verlangt. AuS allen diesen Gründen kann der Beschuldigt«»der ihm durch die Anklage zur Last gelegten Tat für fähig gehalten werden, und darum ist die gegen ihn erhobene Anklage vollkommen begründet"... Hundertundfünfzig Gulden haben die Gemeinden ausgesetzt. Viel Geld für einen kleinen Mann, der sich mühselig mit ein bißchen Landwirtschaft durchbringt. Ende Juli wird dem Vernehmungsrichter in Polna ein neuer Zeuge vorgeführt. Er heißt Peter PeSäk, ist 49 Jahre alt, verheiratet, gedienter Soldat; er hat ein Häuschen, ein Feld und zwei Stück Vieh, und wenn im Stall und auf dem Feld nichts zu tun ist, übernimmt er in der Stadt kleine Schlosserarbeiten, für die er etwas Geld oder Zahlung in Naturalien erhält. Seine Schilderung ist bis in jede Einzelheit genau. An jenem 29. März, erzählt er, ist er um 4 Uhr nachmittags von Polna nach Dobroutov gegangen, wo sein Schwager Eoufek wohnt, der ihm immer etwas von seinem Honig überläßt. Unterwegs hat er sich bei einem Freund, dem Tischler Beöera, ein Stündchen aufgehalten, in einem der letzten Häuser am Ausgang der Stadt. Als es eben vom Kirchturm fünf schlug, ging er von Bekera weiter. Nach einer Viertelstunde, er war gerade bei der Wiese deS Herrn. Bolenee, des herrschaftlichen Brauer», blieb er ein bißchen stehen, um seine Notdurft zu verrichten» und sah dabei hinüber nach dem Bresinawald; dort hat er vor ein paar Jähren Holz gekauft, es ist ein billiger Kauf gewesen und er hat ein schönes Stück Geld verdient, darum schaut er sich den Wald stet- mit Vergnügen an. Sein Blick blieb an einer Gestalt haften, einem schlanken, jungen Menschen in einem grauen Anzug, der auf dem Fußsteig oberhalb des Hohlweges, die Hand auf einen weißen Stock gestützt, stand und gegen die Stadt hinübersah. Es war kein andrer als Leopold Hilsner. Ein Zweifel kann nicht bestehen. Er kennt den Polda von Jugend auf, früher haben sie doch in einem Hause miteinander gewohnt. Nach einigen Minuten machte Polda wie ein Soldat kehrt, faßte den Stock in der Mitte und ging, indem er ihn warf, wie es feine Gewohnheit ist, in den Jungwald hinein. Dort erkannte der Beobachter nun noch zwei Männer, ungefähr so groß wie HilSner, aber breiter und älter als er; beide mit Hüten auf dem Kopf und in dunklen Kleidern, der eine besser, der andere schäbig angezogen. Die Gesichter blieben ihm durch Gesträuch verdeckt. Auf diese beiden sprach Hilsner ein. ES war ungefähr«in Viertel nach sechs. Dem PeSäk fielen die drei Leute auf, und er stand und beobachtete sie etwa sechs bis zehn Minuten hindurch. Dann ging er weiter seines Weges nach Dobroutov und kümmerte sich nicht mehr um den Juden und die zwei andern drüben am Waldrand. Seinem Schwager erzählte er von der Beobachtung nichts. Der Richter staunt. Die Entfernung von der Stelle, an der Peöäk stand, bis zum Fundort der Leiche, wo er die drei Leute gesehen hat, ist groß. Wir konnte er mit freiem Auge so detaillierte Wahrnehmungen machen? Nun, PeSäk rühmt sich einer hervorragenden Sehschärfe. Und warum hat er vier Monate verstreichen lassen, bis er diese wichtige Beobachtung zu Protokoll gab? Er hat «S sich so lange überlegt, weil er oft von Juden Aufträge erhält. Er kann eS sich nicht leisten, KunFUr die Bürokratie selten keine Gesetze? Wie die Kontrolle der Ernährungs aktion durchgeführt wurde Die willkürliche und unsoziale Durchführung der Kontrolle der Ernährungsaktion durch die Landesbehörde hat allgemeinen Widerstand hervorgerufen. So wurden im Karlsbader Bezirk durch die Landeskontrollore 40 Prozent aller Unterstützungen gestrichen und erst dringende Interventionen in Prag hatten zur Folge, daß Korrekturen vorgenommen wurden. Die sozialen Kommissionen in den Orten und Bezirken wurden aufgefordert, selbst die Ueberprüfung vorzunehmen. Das Resultat war kennzeichnend für die Methoden, welche die Bürokratie angewendet hatte. Genossin Schaffer, welche das Vorgehen der Lan- deskontrollort scharf kritisierte, teilte in der Lan- deSvertretung einige Beispiele mit. In der Gemeinde Weheditz hat der Kontrollor 106 Personen gestrichen. Es wurde fest- gestellt, daß er sich dabei ein Schema zurechtgelegt hatte, das. mit den Weisungen des Ministeriums für soziale Fürsorge überhaupt nicht in Einklang gebracht werden kann. So wurde auch in Fällen, wo in einer Wohnung mehrere Familien zusammen wohnen, ganz ohne Rücksicht auf die Zahl der Familienmitglieder nur ein llnterstützungsberechtigter anerkannt. Die Bestimmungen des Ministeriums wurden also ganz außeracht gelassen. Die neuerliche Ueberprüfung in Weheditz ergab, daß, höchstens fünf Prozent a«S der Aktion gestrichen werden konnten und auch das nur, wenn die Vorschriften engherzig auSgelegt werden. Ganz ähnlich ist eS in D o- nawitz, Putschirn, Schlackenwerth, Meierhöfen und i« vielen andern Gemeinden. Ungerecht werden auch die sogenannten Saisonarbeiter behandelt. Wenn wir die Statistiken der entsprechenden Gewerkschaften betrachten, überzeugt man sich, daß diese Arbeiter manchmal nur 14 Tage im Jahre Arbeit haben, die meiste« höchstens zwei Monate. In dieser Zeit können sie nicht so viel verdienen, um ein Jahr lang davon leben zu können. Bor einigen Tagen unternahm die Karlsbader Bezirksbehörde eine Aktion gegen»Pfuscharbeit". Jetzt tritt die Teplitzer Bezirksbehörde mit einem Erlaß gegen daS sogenannte Schwarzgra« den von Kohle auf. Immer wieder lesen wir erschüttert Nachrichten, daß Menschen bei diesem wilden Bergbau ums Leben gekommen oder zu Krüppeln geworden sind. Trotzdem geschieht eS Weiter. Warum? Weil die Arbeitslosen keine Kohle zum Heizen kaufen können und well sie sich durch den Verkauf von ein wenig schwarz gegrabener Kohle ein« geringe Verdienstmöglichkeit schaffen. Die Behörden sind absolut nicht schonend' dagegen vorgegangen. Sie haben Strafen verhängt, aber sie geben selbst zu, daß diese wirkungslos geblieben sind. Die Menschen fitzen ihre Strafe ab und wenn sie herauskommen, nehmen sie die Gefahr von neuem auf sich. DaS alles sind Dinge, die mit Erlässen nicht auS der Welt zu schaffe» sind. Hun- gernden Menschen muß man Arbeit verschaffen. den zu verlieren. Ihm kommt jeder Kreuzer zugute. Und dann weiß er auch, wie schrecklich die Rache der Juden ist. Der Staatsanwalt hat seinen Kronzeuge«. Da« Gericht Am 12. September beginnt vor dem Kuttenberger Kreisgericht die Haupwerhandlung. Die Dauer des Prozesses ist auf fünf Tage angesetzt. Vorsitzender des Gerichtshofes ist der KreiS- gerichtSpräfident Hofrat Jejek. Die Anklage vertritt als Staatsanwalt Oberlandesgerichtsrat Schneider-Swoboda. Der Ankläger hat 28 Zeugen, die Verteidigung, die der Kuttenberger Advokat Dr. Aukednikek übernommen hat, noch weitere 32 Zeugen beantragt. Auch der Vertreter der Mutter Hruza, die sich dem Strafverfahren angeschloffen hat, Dr. Baxa, hat noch einig« Anträge auf Zeugenvorladungen gestellt. Die für die September-Session-ausgelosten 14 Geschworenen können sich des allgemeinen Interesses kaum erwehren. Es sind einfache Männer» die meisten von ihnen aus dem Bauernstand. Der junge Verteidiger des Angeklagten hat eS nicht leicht gehabt, sich auf seine Aufgabe vorzubereiten. Auch sur ihn bleibt das Dickicht der Unklarheiten und Widersprüche in den Atten undurchdringlich. Die Untersuchungsbehörde hat die Zeugenaussagen, welche der Entlastung seines Mandanten dienen, vernachlässigt, sie war, trotz bestem Willen deS KreiSgerichtSadjunkten Bau- dyfch, ein Instrument des Staatsanwalts. Gegen ihn, gegen die hohen Wiener Stellen, von denen die Direktiven ausgegeben werden, und gegen den Geist, der das gesamte Voll beherrscht, kann ei« einzelner nicht leicht auffommen. Das„RechtS- komitee" der Sästver und Sadll durfte 180 Menschen einvernehmen; ihm, dem Verteidiger ist es kaum möglich, sich mit den wenigen in Verbindung zu setzen, von denen er Aufklärung erwarten kann. (Fortsetzung folgt.' Nr. 245 Freitag, IS. Oktober 1834 Seite S Das Leichenbegängnis In Belgrad Um Mitternacht auf Donnerstag wurde der Leichnam des Königs im Beisein der höchsten Staats- und Hofwürdenträger aus dem Schloß in die Kathedrale überführt; die Straßen waren trotz der späten Stunde von Menschen überfüllt. Um acht Uhr früh begannen die eigentlichen Beisetzungsfeierlichkeiten. Bereits in den ersten Morgenstunden hatten die Truppen, die Schul» linder und eine vieltausendköpfige Volksmenge die Straßenzüge von der Kathedrale bis zum Haupt» bahnhof, durch die sich der Kondukt bewegen sollte, umsäumt. Nach 7 Uhr begann die Auffahrt der offiziellen Persönlichkeiten und der ausländischen Delegationen zur Kirche. Um acht Uhr traf der französische Präsident Lebrun und kurz nachher der junge König Peter H. in Begleitung des Königs Carol von Rumänien, der Königin-Witwe und der übrigen Mitglieder der Familie und des HofeS ein.» Bei dem anschließenden Trauerhochamt hielt der Patriarch Varnava vor dem Sarge des Königs die Trauerrede. Dann wurde der Sarg auf eine Geschützlafette gehobm, während die jugo» slawischen, die französischen, die tschechoslowakt» scheu und rumänischen Truppenabteilungen die khrenbezeigung. leisteten. Gleichzeitig umkreisten mehr als ISO Militärflugzeuge, darunter auch di« Maschinen der befreundeten Staaten, die Kirche. Hierauf setzte sich unter dem Geläut« sämtlicher Belgrader Kirchenglocken der Trauerkondukt in Bewegung. Hinter dem Sarge schritt König Peter H, mit der Königin-Wittve Maria, den übrigen Mitgliedern der königlichen Familie, dem Präsidenten der Republik Frankreich Lebrun sowie den Mitgliedern der ausländischen Sonder» delegationen, weiters die Mitglieder der Regie» rungi des Senates und der Skupschtina, die Ber» tretet der jugoslawischen Städte u. OrtSgemein- den, der Städte Paris, Prag und Marseille, die jugoslawischen Staatswürdenträger, die Delegationen der einzelnen jugoslawischen Kreise, schließ» lich die ehemaligen Minister und Banuse, die na» tionalen und kulturellen Verein« und di« aktiven und Reserve-Offiziere. Um 10.80 Uhr langt« der Trauerzug am Wilsonplatz« vor dem Hauptbabnhofe an. Bor dem Sarg defilierten sodann die iugoslawifchen Truppen der Handarmee und der Kriegsmarine sowie die Abordnungen der französischen, der englischen, der rumänischen der tschechoslowakischen, der türkischen und der griechischen Armee und die Besitzer de» Ordens vom Karageorg-Stern. Während der Defilierung warfen di« über dem Wilsonplatz kreisenden Militärflieger Blumen ab. Dan« wurde der Lara in den Hofzug übertragen, welcher sich um 11 Uhr so langsam nach Madenovae in Bewegung setzte. Auf dem ganzen Wege hatte die Bauernbevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, sich in großer Zahl eingefunden, um dem toten König di« letzte Ehre zu erweisen. In Mladenowae wurde der Sarg auf einen Auwleichenwagen übertragen, worauf di« Fahrt nach Topola, der Gruft der Familie Karageorgeviö, fortgesetzt wurde. Lin Teil der Kränze wurde auf 22 Kamions vorangeführt. Um 14.30 Uhr langte das Leichenauto vor der Grufüirche St. Georg am Berg« Oplenae ein. Der Sarg wurde von 20 Frontkämpfern ge« hoben und durch ein Spalier kniender Geistlicher über di« hohen Stiegen in die Kirche getragen, wo die neuerliche Einsegnung erfolgte. Unter Vorantritt de» Patriarchen, gefolgt von König Peter ll. und der königlichen Familie, wurde der Sarg in die Krypta der Kirche getragen und neben der Gruft der Mutter des König» Alexander, der Fürstin gorka von Montenegro, beigesetzt. In diesem Augenblick wurden in Topola, Belgrad und in allen Hauptorten der Banate Geschützsalute abgefeuert, während eine FliegereSkadrille über der Gruft in Topola kreiste. 15.000 Kränze Auf den Sarg des König» Alexander wurden insgesamt 15.000 Kränze, darunter 150 silberne Kränze, niedergelegt. Zweielnhalbstündfge Konferenz zwischen Präsidenten Lebrun und UzunovIC Der Präsident der französischen Republik Lebrun empfing vor seiner Abreise den jugo» slawischen Ministerpräsidenten Uzunovik in Son- deraudienz, die zweieinhalb' Stunden dauerte. Auf dem Bahnhof hatten sich zur Verabschiedung der Regentschaftsrat, die gesamte Regierung, die Minister Titulescu und Dr. Benes und zahlreiche andere Persönlichkeiten eingefunden. küclerelse der tschechoslowakischen Delegation Die tschechoslowakische Delegation mit Ministerpräsidenten Malhpetran der Spitze hat Donnerstag um 23 Uhr 15 Belgrad verlassen, um über Agram u. Linz nach der Tschechoslowakei zurückzukehren. Sie wird in Prag Samstag früh eintreffen. Minister Dr. Benes ist noch in Belgrab-ge- blieben, Wo Freitag eine Sitzung de» Ständigen Rates der Kleinen Entente stattfinden soll. V Neue Heimstättenaktion für die arbeitslose Jugend Genossen und Genossinnen, helft alle mit! Die Arbeitslage r-Bewegung hat zwar in den letzten Monaten einen größeren Umfang LlAWKwen— vor allem hgben. einzelne Städte dazu Veigetragen—, aber die Hilfe für dieät- beitslose Jugend läßt im allgemeinen viel zu wünschen übrig. Auch die vom Fürsorgeministerium angeordnete Berücksichtigung von je 15 Prozent Jugendlichen bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten aus den Mitteln der produktiven Ar» beitslosenfürsorg« ist in Anbetracht der Tatsache unzureichend, daß mit dem Einsetzen der schlechten Jahreszeit die öffentlichen Arbeiten überhaupt eingeschränkt werden. So muß denn der Wiederbeginn der schon in den vergangenen Jahren bestens bewährten Heimstätten-Aktion vor allem von der arbeitslosen Jugend auf das freudigste begrüßt werden. Nach den Anordnungen deS Ministeriums für soziale Fürsorge wird die Heimstättenaktion diesmal in einem größeren Umfang durchgeführt als im Vorjahr: sie wird mehr Orte umfassen und längere Zeit dauern. Ihr Beginn ist mit dem 1. November festgesetzt, die BoraÄei« ten sind in vollem Gange. Mit der Organisierung sind die BezirkSkommisiion für Kinderschutz und Jugendfürsorge betraut. Sie werden von den Jugendverbänden, den Gewerkschaften und den Gemeinden unterstützt. Ueber die Möglichkeiten, die für die Heimstättenaktion gegeben sind, schreibt das„Prävo Lidu", das Organ unserer tschechischen Genossen u. a.: „Heuer im Winter werden eine Reihe neuer Heimstätten für die Jugend errichtet werden. In Gemeinden, in denen mindestens 80 arbeitslose Jugendliche im Alter von 17 bis 20 Jahren, in außerordentlichen Fällen bis zu 24 Jahren sind, kann eine Heimstätte für aickeits- lose Jugendliche errichtet werden, und zwar so, „ver Millionenbetrug an der deutsch-völkischen Arbeiterschaft** dies der Titel einer Broschüre, welche dieser Tage im Berlage deS Verfassers, des ehemaligen Sekretärs der Nationalsozialisten in Mähr.-Schönberg, Alois Härtel, erschienen ist und der die Aufgabe zukommt, das Spiel mit den deutschvöl» tischen Arbeitern nach dem Zusammenbruch der Hakenkreuzgewerkschaft aufzudecken. Es ist in dieser Broschüre nicht viel Neues enthalten, sondern nur die Bestätigung dessen, was die sozialdemokratische Presse nach der Gründung der neuen Gewerkschaft, an welcher nacheinander die in der Arbeiterbewegung sehr wohlbekannten Leute, wie der Landbündler Jannausch, der ehemalige Nazisenator Fahrner, dann Simon Stark und zwischen diesen der als„gerissener Geschäftsjude" bezeich- daß aus Gemeindemitteln die kostenlose Beistellung der Räume, der Heizung und de» Lich- tesaewährt tvirdiind das Ministerium für soziale Fürsorge deckk dann aus seinen Mitteln die Verpflegung der Zöglinge und die Kosten der Verwaltung."- Bi» jetzt ist über die Errichtung von fünfzehn Heimstätten in den deutschen Gebieten Böhmens entschieden, u. zw.: V i l i n, T e t» s ch e n, Dux. T e p l i tz- S ch ö n au, Komata u, Gablonz, Kaaden, GraSlitz, Reichenberg. Falkenau. Schön- linde, Trauten«u, Aussig, K a r l s- bad. Warnsdorf. Für M ä h r e n ist die Errichtung folgender Heimstätten geplant: Neu-Titschein, Römer stadt, Sternberg, Mäh r.-S ch ö n- berg. Mährisch-Trübau. Die Zahl und Einteilung der schlesischen Heimstätten sind noch nicht bekannt. Bon der arbeitenden Jugend werden eine Reihe weiterer Heimstätten gefordert. So vor allem für die ärgsten Notstandsgebiete: Haida, Steinschönau, Tannwald, Fried» lanb, Tachau, Brüx, Braunau, Arnau. Neudek, Eger. Freudental. E» wird nun die Aufgabe unserer Genossen in den Gemeinden und den Bezirkskommissionen für Kinderschuh und Jugendfürsorge sein, die Errichtung der Heimstätten überall, wo es nur halbwegs möglich ist, zu fordern und zu fördern. Auch die Jugendlichen selbst müssen auf den Plan treten und sowohl ihre Ansprüche anmelden, al» auch mitarbeiten. Die Heimstättenaktion bringt einigen tausend junger Arbeitsloser Hilfe. Da müssen sich a l l e Genossen rühren. Wichtig ist e», auch der Errichtung von Heimstätten für Mädchen entsprechendes Augenmerk zuzuwenden. nete Herr Dietze beteiligt waren. Härtel liefert den Nachweis, daß hier mit den Seelen armer hungernder Arbeiter und Arbeitsloser elender Schacher getrieben wurde, daß der eine den andern hereinzulegen versuchte und da» immer unter dem Schlagwort von der deutschen Treue. Schließlich aber macht der Verfasser der Broschüre all den Leuten, die an dieser Gewerkschaftsschieberei beteiligt waren, den Borwurf des Millionenbetruges an armen Arbeitern und bezeichnet sie als geldhungrige, skrupellose Gesellen ärgster Art. Die Broschüre ist gewiß wert gelesen zu werden. Mrd papen abberufen? Paris. Die Agentur„Radio" berichtet aus Berlin, gerüchtweise verlaute, daß der neue reichsdeutsche Gesandte bei der österreichischen Regierung, Freiherr von Papen, demnächst abbe« rufen werden wird. Er soll durch einen Berufsdiplomaten ersetzt werden. In Berlin soll Unzufriedenheit mit Papen darüber herrschen, daß die Hoffnungen, die man in den neuen Gesandten in der Bundeshauptstadt gesetzt hatte, bisher keinerlei Verwirklichung gefunden Hecken. Konflikt Militär— Polizei In Japan Tokio.(Tsch. B.-B.) Der Kaiser hat sich nach einem Vortrag des Ministerpräsidenten entschlossen, die Vorlage über die Reform der japanischen Verwaltung in Kwantung zu unterzeichnen. ES handelt sich um Maßnahmen, um die seit geraumer Zeit zwischen den verschiedenen Ministerien ein heftiger Kampf geführt wurde. Ueberraschend war, daß auch die von der Reform betroffene Be« amtenschast dagegen Stellung genommen hat. Die Reform sieht vor, daß die Polizeibeamte n in Kwantung in Zukunft demja panischen Kommandanten der Gendarmerie urterstellt werden. Die 5000 in Betracht kommenden Polizeibeamten haben gegen diese vom Kriegsministerium mit allem Nachdruck befürwortete Neuordnung mit der Begründung Stellung genommen, daß damit eine Militarisierung der Polizeibeamten verbunden sein werde. Wie die Zeitung„Kokumi" aus Hsinking und Dairen meldet, haben dort die gesamte Beamtenschaft und die 5000 Angehörigen der Polizei erklärt, daß sie den Dienst niederlegen werden. Der parlamentarische Vizeminister im Ministerium für überseeische Angelegenheiten, Tanaka, und mehrere führende Beamte desselben Ministeriums sind demonstrativ um ihren Abschied«ingekommen. Wie die Agentur„Tetnsu" aus Kwantung meldet, soll das Militär bereit sein, in Port Arthur und in Dairen, wo sich die Zentrale der Opposition befinden soll, energisch durchzugreifen und die Gegenbewegung im Keime zu ersticken. Diese Meldung weist in den Zeitungen weiße Lücken auf, die anscheinend von der Zensur herrühren. In der bereits erwähnten kaiserlichen Entscheidung sind die Abschiedsgesuche sämtlicher Beamten, soweit eS sich nicht um parlamentarische Beamte handelt, a b gelehnt worden. Wie die Regierung erklärt, hofft sie, die Angelegenheit in durchaus friedlicher Form regeln zu können. . Um die französisdie Verfassungsreform Pari». Blätterberichten zufolge hege Ministerpräsident Gaston Doumergue die Absicht, da» Parlament zu ersuchen, sich sofort nach seiner Einberufung, die wahrscheinlich zum 6. November stattfinden wird, über die Tagesordnung der außerordentlichen Nationalversammlung-session in Versailles auszusprechen, di« di« geplanten Verfassungsreformen noch vor Eröffnung der Debatten über die Regierungsdekrete und den Staats» Voranschlag für das kommende Jahr durchführen soll. Programm-Reform der Schweizer Sozialdemokratie Dem im Januar 1935 zusammentretenden Parteitag der Schweizer Sozialdemokratie soll ein erneuertes Parteiprogramm vorgelegt werden, in dem besonders die Stellung zur Demokratie und zur Wehrfrage geklärt werden soll. Die Demokratte wird im Programmentwurf als Kampfboden für den Sozialismus anerkannt und der illegale und konspirative Kampf al» ungeeignet für eine Diassenpartei abgelehnt. Zur Wehrfrage wird im Programmentwurf erklärt, daß zur Abwehr fasciftifcher Gewaltangriffe und zum Schutz der schweizerischen Neutralität die Mittel für eine Miliz bewilligt werden, solange sie von der antikapitalistischen Volksmehrheit getragen ist. Die Regreßvorlage wurde Donnerstag im Sudkomttee des sozialpolitischen Ausschusses weiter verhandelt. Die Vorteile des Paragraph 6 sollen auch auf Familienhäuser ausgedehnt werden, wo au» Terraingründen eine d r i t t« Wohnung errichtet wurde. Dagegen sollen im Paragraph 7 jene Personen von den Vorteilen de» Pa« \ argraph 6 ausgeschlossen werden, welche ein be« ! sttmmte» Einkommen erreichen. Der Paragraph I 8 wird umstilisiert, der Paragraph 9 wurde unverändert angenommen. Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten. DaS Fürsorgeministerium schreitet zur Durchführung der Anregungen, die bei der kürzlichen Enquete über die Förderung der Baubewegung borge» l bracht wurden. Zu diesem Zwecke will das Für« i sorgeministerium die Arbeitsmöglichkeiten auf ! dem Gebiet der öffentlichen Arbeiten, die von Gemeinden und Bezirken unternommen werden, feststellen. 8s hat ein Rundschreiben an die Be- wenn auch sehr wesentliche Fragen gar nicht be rührt wurden, so vor allem die wichtigste: wie wurde der Gewerkschaftsverband deutscher Arbei-' zirksämter erlassen, um festzustellen, wie groß die ter in Aussig, den in der Broschüre charakterisier« Arbeitsmöglichkeiten in ihrem Bereich sind, und ten Hyänen überlassen? Was spielte sich innerhalb um die Gründe— vor allem finanzieller Natur dieses Verbandes vor dessen Auflösung ab? Dar-\— zu erheben, die eventuell die Verwirklichung über wüßte Herr Härtel gewiß auch manches zu von öffentlichen Arbeiten feiten» dieser Selbstversagen; warum schweigt er dazu? i waltungskörper bisher verhindern Seite 4 Freitag, 19. Oktober 1934 Nr. 245 Sudetendeutsche Helmatfront— Sudetendeutscher Heimatbund Die Henleinleute wehren sich verzweifelt gegen den Vorwurf, mit den Propagandaleuten Goebbels in Verbindung zu stehen. An der Grenze soll bekanntlich der Hitlerismus aufhören. Diese Behauptung sagt sich leicht, aber sie glaubt sich schwer, wenn man gewisse Vorgänge beobachtet. Der„Dresdner Anzeiger" veröffentlichte vor einiger Zeit einen Aufruf des Dresdner Sektion des„S udetendeutschenHei- m a t b u n d e s" mit der Aufforderung, daß alle Sudetendeutschen, die in Deutschland leben, sich zu dieser Organisation melden mögen. Durch die Zusammenfassung in dieser Organisation sollen sie„sich zur moralischen Stärkung ihrer Brüder in den sudetendeutschen Provinzen und zum Kampfe um die Rasse und deutsche Kultur" vereinigen... Auch andere Dinge werden bekannt, welche die Mentalität unserer Henleinleute recht eigenartig beleuchten. Da erscheint in Hitler- Deutschland unter Kontrolle und Zensur des Berliner Propaganda-Ministeriums das offizielle Organ, des„Sudetendeutschen Heimatbundes". Es stimmt Lobgesänge an über die SHF, daß sich die Funktionäre des Herrn Henlein geschmeichelt fühlen können. Bemerkenswert ist, wie das Organ selbst über die wichtigsten Vorgänge in der SHF unterrichtet ist. Durch wen? Vielleicht durch Herrn Krebs, der jetzt in Berlin lebt? Dort ist er Organisator in einem Ministerium und bewohnt im Tiergartenviertel eine Villenwohnung, die recht luxuriös eingerichtet ist. Henlein hat die Flucht des Krebs als schimpflich bezeichnet. Aber auch Herr Krebs bezeichnete seinerseits die Flucht P e t e r m i ch l s als Lausbüberei. Das schloß nicht aus, daß Herrn Krebs dieselbe Lausbüberei zu hohen Ehren in Hitler- Deutschland verhalf. .Herr Dr. Viererbl, der bei Herrn Krxbs gnädige Aufnahme fand, hatte nach seiner„heldenhaften Abreise" bald Gelegenheit, die Phraseologie des Reichspropagandä-Mtnisteriums genügend zu studieren und auszuwerten, er wurde zum Reichspropagandaleit.erdes Sudetendeutschen Heimatbundes ernannt. Selbstverständlich wird der Herr von den reichsdeutschen Stellen entsprechend entschädigt. Zu dem Kleeblatt der Unentwegten, der „Märtyrer", die sich scheuten, für ihre Taten einzustehen, gehört ferner Herr BrunoBrück- n e r, der heute zu den Führern des Sudetendeutschen Heimatbundes zählt. Wir wären un- vollständig, wenn wir nicht auch des Herrn Ziegler gedenken würden, der einst als Funktionär der DNSAP in Reichenberg das große Wort führte. Herr Ziegler war einer der Macher beim Gewerkschaftsverband deutscher Arbeiter. Die braune Bewegung hat keinen Wert darauf gelegt, daß die Kunde von den Differenzen mit der Kasse des Verbandes in"ällzuweite Kreise drang. Weil ein Schutzgesetzverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, das ihm unter Umständen eine Strafe von einigen Wochen hätte einbringen können, schmückte er sich mit dem Ruhmeskranz des politisch Verfolgten,„emigrierte" nach Deutschland und landete nach verschiedenen Gastspielen in Dresden, wo er Anschluß an einflußreiche nationalsozialistische Kreise fand unv in ein hohes Amt, das eines Führers des Sudetendeutschen Heimatbundes, steigen konnte. Man soll sogar so zartfühlend gewesen sein, Herrn Ziegler nicht nach seinen früheren Kassenmanipulationen zu fragen. Mit all diesen Herren bas H e n l e i n natürlich„nichts zu tun", außer daß ihre Mitstreiter und GefolgDleute jetzt die seinen sind... Haftsrund: Gesinnung Hans Gastgeb, der Sekretär des Askö, ist vor kurzem verhaftet worden. Da man ihm gar nichts nachweisen konnte, wurde er für drei Monate nach Wöllersdorf geschickt. Die schriftliche Begründung dafür lautete wörtlich: „Seine sozialistische Gesinnung ist allgemein bekannt." Das ist die ganze Begründung dafür, warum man einen österreichischen Staatsbürger für drei Monate in Haft schickt! Kongreß der Sozialdemokratischen Partei Alt-Rumäniens. Anfang Oktober tagte in Bukarest der Kongreß der Soz. Partei Rumäniens, und zwar des alten Königreichs. Auf diesem Kongreß waren nur die Ortsgruppen Alt- Rumäniens vertreten. Der Bericht des Generalsekretärs der Partei, des Gen. Dr. Lothar Radar ea n u, zeigte, daß in den Parteigruppen reges"Leben herrscht. Die rege Diskussion, die sich dem Bericht anschloß, ergab, daß man sich in den einzelnen Ortsgruppen intensiv mit den Problemen der Partei beschäftigt. Während der Kongreß tagte, erschien eine Delegation der kommunistischen Arbeitsliga(die kommunistische Partei ist verboten und existiert in der Illegalität), die vom Kongreß gehört werden und über die Einheitsfront verhandeln wollte. Die Delegation wurde von einer vom Kongreß gewählten Kommission empfangen. Der Kongreß beschloß betreffs der Einheitsfront nur mit Beauftragten der K- P„ aber nicht mit Vertretern der Unterorganisationen zu verhandeln. Des Iveiteren wurde beschlossen, in Zukunft bei der Werbung für die Ziele der Partei mehr Gewicht auf die proletarisierten Intellektuellen und Kleinbürger zu legen. Gen. Radaceanu teilte mit, daß in Kürze ein Kongreß von Zentral-Rumänien einberufen wird, der der Partei ein neues Brogramm geben wird. Wilderer Der schletzeade Ungarisch-Hradisch. Der 36jährige Heger Martin C e s e k aus Rusava, der im Revier des Dr. Josef Jokl aus Brünn beschäftigt ist, machte am Donnerstag um 10 Uhr vormittags im Walde unweit der Gemeinde Loukov einen Rundgang. Plötzlich hörte er aus dem nahen sogenannten Kupywald einen Schuß. Er eilte gleich zu der Stelle, wo der Schuß gefallen war, und traf dort einen Wilddieb, den er aufforderte, die Hände hoch zu heben. Der Wilddieb riß aber die Büchse von der Schulter und wollte nach dem Heger schießen. Dieser kam ihm jedoch zuvor und' schoß früher. Der Wilddieb sank nach dem Schuß sofort zu Boden und blieb tot liegen. Cesak meldete den Vorfall sofort der Gen- darmerie. Tagcsnculghdtcn 55.000 Obdachlos« Manila. Nach amtlichen statistischen Daten sind bei" dem Taifun 41 Personen ums Leben gekommen' 55.000 obdachlos aeworden. Der Schaden wird auf zwei Millionen Dollar geschätzt. Der Schutz durchs Fenster durch den, wie wir in der Mittwochausgabe unseres Blattes berichteten, in H a l b e h a u p t bei Niemes der dreißigjährige Landwirt Franz Zimmermann getötet wurde, hat nun restlose Aufklärung gefunden. Der Gendarmerie gelang es, durch rastlose Arbeit seit dem Mord, festzustellen, daß der bei dem Getöteten beschäftigte Kutscher Johann Papes der Frau Zimmermann eifrig nachstelltc und so kam inan zu dem Ergebnis, daß vor allein dieser Mann ein Interesse an dem Tode des Bauern haben konnte. Papes wurde nach diesen Feststellungen von der Gendarmerie einvernommen und gab nach kurzem Verhör die Tat ohne weiteres zu. Er hoffte, nach dem Tode Zimmermanns dessen Frau und mit ihr wohl auch den Bauernhof zu erhalten. Da er bei der Einvernahme die Frau beschuldigte, daß sie von der Mordabsicht gewußt habe und mit dem Anschlag einverstanden gewesen sei, wurde Frau Zimmermann gleichseitig mit Papes verhaftet und dem Kreisgericht in Böhm.-Leipa überstellt. Ein gesalzener Zahlungsauftrag für das Reichenberger Elektrizitätswerk. Rriistenberg. Die Fmanzbezirksdirektion ln Reichenberg vermittelte dem Elektrizitätswerk Reichenberg einen Zahlungsauftrag in Höhe von 8,294.641 Kö, in dem die staatliche Gebühr für die seit 1918 auf der Straßenbahn verkauften Gepäckskarten im Betrage von 480.901 Kö, die Verzugszinsen von 210.501 Kc und eine Gefällsstrafe im Betrage von 7.6 Millionen KL enthalten sind. Die Karten für die Personenbeförderung und auch die Gepäckskarten waren seit Bestehen der Straßenbahn ohne staatlichen Gebührenzufchlag. Laut dem Zahlungsauftrag soll nun für jede seit dem Umsturz verkaufte Gepäckskarte eine staatliche Gebühr von 40 Hellern entrichtet werden. Diese Aufforderung stützt sich auf«in Erkenntnis des Obersten Berwaltungsgerichtes, laut welchem unter Berufung auf eine Bestimmung der Gebührennovelle von 1862 die Befreiung von Gepäcksstücken auf der elektrischen Straßenbahn der in Frage stehenden Gebühr unterliegt, wenn die Beförderung gegen ein Entgelt durchgeführt wird. Gegen diesen Zahlungsauftrag wurde die Beschwerde bei der Finanzlandesdirektion eingebracht, welche jedoch abgewiesen wurde. Der Rei- chcnberger Stadtrat brachte dagegen die Beschwerdean das Oberste Berwaltungsgericht ein. Der Film versank in den Wellen... Paris. Das Havas-Büro berichtet aus Washington, daß ein amerikanisches Wasserflugzeug dem Dampfer„Washington" entgegengeflogen war, um von Bord dieses Ozeandampfers den Film zu übernehmen, der in Marseille am Tage des Attentates gedreht worden ist, kurz vor seiner Landung auf dem Atlantik, unweit dieses Dampfers, a b st L r z t e. Hiebei fand eine Person den Tod, drei weitere konnten rechtzeitig gerettet werden. Der Film versank in den Wellen. Sowjetrußland beim„Roten Kreuz" Tokio. Der Vollzugsausschuß der XV. Internationalen Konferenz des Roten Kreuzes stimmte einmütig der Aufnahme Sowjetrußlands in die internationale Ov>»'"ation des Roten Kreuzes zu. Diese Entscheidung-wurde sofort dem sowjetrussischen Delegierten Rakowskij bekanntgegeben. Furchtbarer Zyklo» Athen.(Reuter.) In der Nacht auf Donnerstag verwüstete ein heftiger Zyklon die Bucht bei der Stadt Astakos am Jonischen Meer. Die sonen ums Leben. Ungefähr 20 Personen wur- fast vollkommen vernicht ei?" In den Trümmer« der eingestürzten Häuser kamen fünf Per- ersehossen Heger verhaftet Die Gendarmerie begab sich sofort an die Stelle, wo sie die Leiche des Wilddiebes neben einem erschossenen Damhirsche liegend vorfand, dessen Kopf er mit einer Hand umfaßte. Erst eine gründliche Prüfung der Flinte des Wilddiebes bestätigte die Aussage des Hegers. Der Gewehrriemen war nämlich von Schrot durchschossen, was davon zeugte, daß der Wilddieb das Gewehr angeschlagen hatte, als er erschossen wurde. Der Wilderer, in dem Alois Chudärek aus Ratibor bei Bsetin sichergestellt wurde, wurde direkt ins Herz getroffen, wo 43 Schrotkörner gefunden wurden. Der Heger wurde von der Gendarmerie in die Gerichtshaft eingeliefert. sonen ums Jeben.' Ungefähr 20 Personen wurden verletzt. Ein griechisches Kriegsschiff ist ausgelaufen, um der von dem Zyklon heimgesuchten Bevölkerung Hilfe zu leisten. LSdNcher Anfall in de» Skoda-Werken Donnerstag vormittags stürzte der verheiratete 38jährige Schlosser Josef R ä d l aus Pilsen bei Ausbesserungsarbeiten an einem Trockenofen in der sogenannten Sandvorbereitung in den Skoda-Werken aus einer Höhe von 3*4 Metern ab und verletzte sich hiebei so schwer das Genick und Kleingehirn, daß er auf der Stelle verschied. „Christlich"-autoritärer Kurs gegen die Blinden. Wie manchem unserer Leser bekannt sein dürste, hat es in Oesterreich, hauptsächlich aber in Wien, mehrere Blindenfürsorgevereine gegeben. Diese Vereine, durchwegs Selbsthilfeorganisationen, wurden jahrzehntelang von Blinden geleitet und haben in der mustergültigsten Weise ihre segensreiche Tätigkeit ausgeübt, eine Tatsache, welche jederzeit von Hunderten von Blinden gern bestätigt werden wird. Die vaterländische Front hat nun diese Verbände unter Anwendung brutalster Mittel aufgelöst und die einzelnen Blinden mit den schärfsten Drohungen in einen sogenannten vaterländischen Blindenverband hineingezwungen. Das Vermögen der Vereine wurde gewaltsam beschlagnahmt, langjährige blinde Funktionäre und ebensolche Angestellte wurden einfach auf die Straße geworfen und an deren Stelle Protektionskinder der vaterländischen Front gesetzt, die in der Blindenfürsorge nicht die geringste Erfahrung besitzen. Ja, man scheute nicht einmal davor zurück, sich gelegentlich brachialer Polizeigewalt gegen blinde Vereinsfunktionäre zu bedienen!— Alle diese Ungeheuerlichkeiten müssen der österreichischen Bevölkerung, die bisher durch freiwillige Spenden das Blindenhilfswerk gefördert hat, zur Kenntnis gebracht werden, damit sich die Spender in Hinkunft danach richten, denn man muß wissen, wen und was man unterstützt! Wieder ein Nelson-Opfer gesunden. Im Nelsonrevier V, dessen WiedergewAtigung gegenwärtig durchgeführt wird, ist die Leiche des 29jäh- rigen JosefDrechslerausOssek gefunden worden, der der verunglückten Mannschaft als Häuer angehörte. Er war verheiratet und Vater eines Kindes. Es befinden sich nunmehr noch 102 tote Bergleute in der Grube. Ei» Geschenk für Karlsbad. Die Stadt Karlsbad erhielt von Ingenieur Mrt. Towry der Jnsolitwerke in New-Amsterdam ein komplettes Golfklubhaus zum Geschenk. Mr. Towry war heuer zum Kurgebrauch in Karlsbad und versprach, für den neuen großen Golfplatz Karlsbads der Stadt ein Klubhaus zu schenken. Das Haus wurde von den finnische^ Werken dieses Konzerns geliefert und liegt zur Zeit bereits im Hamburger Hafen. Dieses Klubhaus wird eine Länge von.22 Metern haben und neben einer großen Veranda, eine Halle, Duschen, Bäder sowie eine Wohnung mit zwei Zimmern besitzen. Die Stadtgemeinde muß nur den gemauerten Untergrund für das Haus beistellen. Angesichts der schwierigen finanziellen Lage Karlsbads ist dieses hochherzige Geschenk des amerikanischen Kurgastes hochwillkommen. Saeco und Banzetti sind seinerzeit auf amerikanische Mordbeschuldigung von Deutschland ausgeliefert und vor sieben Jahren h i n gerecht e t worden, obgleich sie bis zuletzt ihre Unschuld beteuerten und das Belastungsmaterial auf das schwerste erschüttert war. Nun hat einer der Verteidiger Saccos und Vanzettis,' Herbert B. Ehrmann, ein Buch„The Untried case"(Der nicht geklärte Fällst veröffentlicht, das den Justizmord an den beiden Italienern erweist, denen die Nachprüfung des Todesurteils durch eine zweite Instanz oder neue Verhandlung versagt worden ist. Ein Soldat in einer Ziegelei verschüttet. In der Franck-Ziegelei hinter Böhmisch-Budiveis luden zwei, Soldaten des Artillerieregimentes Nr. 5 aus Böhm.-Budweis auf einen Wagen Lehm auf, als plötzlich eine mächtige Lehmschichte abrutschte und die beiden Soldaten verschüttete. Durch den verursachten Lärm wurden die Pferde Ziehung der Klassenlotterie (Unverbindlich.) Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der V. Klaffe der 31. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 100.000 Kc: 95977. 70.000 KO: 98407.. 40.000 KO: 35295. 20.000 KO: 87268 50309 41557. 10.000 KO: 4314 44482 76655 45623 14173 64903. 5.000 KO: 24290 88803 12930 78792 21187 20274 88096 45767 9487 102813 89883 20863 86090 65433 4626. 2.000 KO: 100095 29411 25436 47666 53464 53627 21052 13293 40955 38312 53655 59276 54288 54329 86852 43161 35435 23064 39994 49704 42500 103900 57121 73669 80490 68657 67008 80034 4394 53577 42284 38108 23027 12622 24466 84007 69893 11190 33478 67602 82405 76229 29859 98695 51537 78807 82103 72191 32729 87640 71097 52425 36733 86822 51841 102027 56656 81902 104195 64182 100585 87993 43886 2285 103927 16022 5477 45319 39044 19744. 1.200 Kö: 61822 68610 30008 101741 57771 81810 54942 13805 29011 85357 86573 73016 58556 51583 91828 95700 27041 79890 49402 17791 4645 80469 1039 99759 38067 69848 25022 31903 80390 17151 58837 102232 38144 28088 105698 22854 97821 54737 66914 43359 68812 40822 97462 15465 102682 86258 72801 31416 51428 39712 12286 15995 44510 3951 13810 57595 75021 85596 42596 64592 102629 30850 39807 12342 59710 40168 79474 97486 76810 31969 64290 47619 39265 35272 101497 9438 48323 34281 38970 92411 77035 97998 65789 60387 66618 41295.7242 10284 18701 9791 3188 74474 51006 70324 85361 61666 29753 33440 104122 56108 92272 12650 91227 13593 24369 47617 66880 58789 27350 84373 65721 80511 12483 64208 104601 71046 84183 93902 107725 5984 39056 85402 6783 78567 31391 89144 84469 85322 ,90806 13666 61340 39596 23400 78508 75420 24837 99145 13154 89942. scheu und galoppierten davon, was dem Soldaten Thuye das Leben rettete, der an der Pferdeleine, die er sich vorher um den Körper gebunden hatte, aus dem Lehm herausgezogen wurde. Es gelang ihm, die Pferde zum Stehen zu bringen und Soldaten und Feuerwehr zu alarmieren, deren gemeinsamen Bemühungen es bald gelang, den Kameraden Thues, den Soldaten Lohberger ebenfalls zu befreien. Lohberger war aber b e- reits tot. An der Unfallstelle hat sich eine militärische Untersuchungskommission eingefunden. Eine Schwachsinnige zu vier Jahren Kerker verurteilt. Vor dem Schwurgerichte in U z h o- rod hatte sich die 39jährige schwachsinnige Anna Dohanincova aus Abranka-Kusnice im Bezirke Svalava wegen des Verbrechens der Brandstiftung zu verantworten. Sie wohnte> in einem Hause mit der Familie ihres Bruders Andrej. Wegen Familienzwistigkeiten legte sie am 7. Juli das Haus in Brand, in welchem ihr Bruder mit seiner Frau und drei Kindern schlief. Alle konnten sich nur mit Mühe aus den Flammen retten. Die Angeklagte war zum Teil geständig und wurde auch durch Aussagen der Zeugen überwiesen, die in ihren Aussagen das unerfreuliche Leben in den ruthenischen Familien schilderten. Die Gc- richtsärzte erkannten die Dohanincova für verantwortlich an, obzwar ihr Gei- steshorizont beschränkt ist. Nach kurzer Verhandlung wurde die Angeklagte zu vier Jahren Kerker verurteilt. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt. Betrug in fürstliche» Diensten. Der Generaldirektor des schlesischen Magnaten, Fürsten Pletz, Franz Trenzak in Kattowitz, wurde verhaftet. Er wird beschuldigt, Großgrundbesitze verkauft zu haben, die vom Gericht beschlagnahmt worden waren, und einige Gläubiger auf Kosten der polnischen Staatskasse bevorzugt zu haben. Nach Schätzungen der Zeitungen beläuft sich der durch Trenzak im vorigen Monat der polnischen Staatskaffe zugefügte Schaden auf eine halbe Million Zloty. Aus Seenot gerettet. Der britische Minenkreuzer„Adventure", der Funkbefehl erhalten hatte, dem in Seenot befindlichen Bergungsdampfer„T a i k o o" zu Hilfe zu eilen, hat die „Taikoo" am Mittwoch früh erreicht. Das Kriegsschiff bringt nun den großen Bergungsdampfer nach Tourane in Französisch-Jndochina. An Bord der„Taikoo" befinden sich sechs britische und neunzig chinesische Staatsangehörige. Ei« Oberstleutnant erschießt seine Fran. In Budapest hat der Oberstleutnant K o m j a t h y im Verlaufe eines Familienstreites, seine 48 Jahre alte Frau erschossen. Nach den Aussagen des Oberstleutnants war dieser von seiner Frau mit einem Revolver bedroht worden. Er habe darauf in größter Erregung seinen Revolver gegen seine Frau gerichtet und sie erschaffen. Die Kugel traf di« Frau ist di« Stirn und hatte ihren sofortigen Tod zur Folge. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus»en Programmen« - Samstag: Prag, Sender L.: 6.15: Gymnastik, 12.10: Unterhaltungsmusik, 16.40: Rundfunk für die reifere Jugend, 17.05: Schubertlieder, 18.05: Deutsche Sendung: Jugendstunde, 19.25: Konzert des Prager Mandolinenquartettes, 22.15: Schallplatten- Tanzmusik.— Sender S.: 14.30: Volkslieder aus der Ukraine, 15: Deutsche Sendung: Zipser Kunst- und Volkslieder, 15.50: Deutsche Preffe.— Brünn, 17.05: Dvorak: Serenade für Streichinstrumente, 17.50: Deutsche Sendung: Aus Bizets Oper: Dja- mileh.— Mähr. Ostrau, 18: Zither-Trio.— Preß bürg, 20.20: Operette aus dem Studio. Rr. 245 Freitag, 19. Oktaler 1934 Seite 8 Demokratie ist Pünttlichkeit! Z« den ZngsverspStnngen Ein Reisender schreibt uns: Man hatte gehofft, daß die Zugsverspätun- gen mit der Erstellung des neuen Fahrplans ein Ende haben würden. Es hatte sich dämlich her- auSgestellt, daß der alte Fahrplan offensichtlich nicht eingehalten werden konnte. Aber der neue Fahrplan wurde den vorhandenen Möglichkeiten nicht angepaßt. So hat sich die Zahl der Verspätungen eher noch vermehrt, auch ihr Ausmaß ist größer geworden. Hier sind einige Beispiele: Am 12. Oktober hatte der Schnellzug 63 zehn Minuten Verspätung, am 13. Oktober der Personenzug 1504 acht Minuten Verspätung, am 15. Oktober der Schnellzug Nr. 12 15 Minute«, der Eilzug 24 zehn Minute», am 16. Oktober der Zug 615 20 Minuten, am 17. Oktober der Schnellzug 148 18 Minuten, am 16. Oktober der Motorzug 1722 zehn Minuten, am 16. Oktober der Zug 1410e 13 Minute» Verspätung. Die Liste läßt sich beliebig verlängern. Wenn ein Zug pünktlich abfährt, so ists fast ein Wunder zu nennen. Besonders bei den Schnellzügen, sogar bei den internationalen, sind die Verspätungen regelmäßig. Das ist ein Skandal! Wenn die Fahrzeiten nicht eingehalten werden können, dann berücksichtige man dies bei der Abfassung des Fahrplans. Man führe aber die Reisenden nicht bei der Nase herum. Der Dienst vm Kunden beginne nicht bei den Versprechungen, neue Beschleunigungen bei den Expreßzügen ein- zuführen; man begnüge sich schlicht und einfach damit, Klarheit hinsichtlich des jetzigen Fahrplans zu schaffen. Mit einem Schnellzug durchgebrannt Der Diebstahl eines Verliebten— Viel Aufregung Lisandro Debes sitzt jetzt hinter Gittern und denkt betrittst an seine schöne, schwarzlockige Braut, die er nun nicht mehr so bald widersetzen wird. Denn wenn jemand einen Schnellzug stiehlt und damit entflieht, dann muß er sich schon auf eine erhebliche Strafe gefaßt machen. Wie konnte er aber auch nur! Lisandro ist darüber ganz im klaren. Er hatte Sehnsucht gehabt und kein Geld. Er stand auf dem Bahnhof von Temuco und sah dort einen Zug einlaufen, der in der Richtung Vera Eruz fuhr. Da tauchte in seinem Herzen der Gedanke auf. Und dann ließ die Ausführung nicht wehr lang« auf sich warten. Als der Heizer und der Lokomotivführer die Maschine für einen Augenblick berlassen hatten, sprang er auf den Stand, warf die Hebel herum und— setzte so den Zug in BewegunL. Großes Geschrei in Temuco. Aber damit hielt man den Zug nicht auf. In aller Eile wurde KriegSrat gehalten. Es waren rund 50 Kilometer bis Vera Cruz. Man konnte nach dorthin Bescheid geben, man konnte den Zug auf ein totes Gleis bringen, aber gefährdet man nicht die Insassen deS^ugeS, die gewiß mit Enffetzen die wilde Fahrt erlebten. Man entschied sich zu beiden Maßnahmen. Einmal setzte man eine Expreß-Lokomotive in I Bewegung, auf die man schnell ein Maschinengewehr gestellt hatte, dann gab man Anweisung, dem entführten Zug eine Kette leerer Eisenbahn-■ Waggons entgegenzustellen vor Vera Cruz. Die schneller fahrende, verfolgende Maschine hatte den entflohenen Zug rasch eingeholt. Man schickte über die Waggons hinweg einige Kugeln Was hat uns nicht alles die tschechisch-nationalistische Presse darüber erzählt, mit welcher übergroßen Bereitwilligkeit hierzulande den deutschen Emigranten die Staatsbürgerschaft erteilt wird! Wie hat sie doch darüber gewettert, daß in der Zeit der schärfsten Wirtschaftskrise, von der unsere Staatsangehörigen, erfaßt sind, ihnen Emigranten bei der Arbeitssuche durch Verleihung der Staatsbürgerschaft gleichgestellt werden. Durch Monate bildete die Emigranten-Frage das Hauptthema der diversen Boulevardblätter vom „Veöer" bis zum„Expres", wobei sich wenigstens der den Agrariern gehörige„Beker" hätte sagen können, daß, wenn jemand für diese angebliche Benevolenz die Verantwortung trägt, eS doch nur der agrarische Innenminister sein kann. Nun liegen aber statistische Daten über Erwerb und Verlust der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft vor und es ist nicht uninteressant, sie mit den Angaben der Boulevardpreffe zu konfrontieren. Im Jahre 1933 haben im ganzen 8604 Personen die ffchechoslowakische Staatsbürgerschaft durch Verleihung erworben, aber 7242 zugleich verloren, so daß sich für dieses Jahr ein Plus an neuen Staatsbürgern von sage und schreibe 1362 ergibt. Dieses Plus ist aber nur ein scheinbares, da die Verhältnisse in der Slowakei und Karpathorußland außer Acht gelassen werden müssen, wo es bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft auch heute meist nur um die Feststellung eines längst bestehenden, aber bisher nicht geklärten Zustandes geht. In den historischen Ländern haben im Laufe des Jahres 1933 4721 Personen die Staatsbürgerschaft erworben, aber 6544 Personen gleichzeitig verloren, so daß wir also als Endergebnis des Jahres 1933 ein Minus von 1823 Staatsbürgern aufzuweisen haben. Vielleicht besitzt der„Veker" die Freundlichkeit, das zur Lokomotwe hinüber. Lisandro ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Gleich mußte er da sein. Er würde dann abspringen und einfach in der Menschenmenge verschwinden-— dachte er sich. Wieder prasselten die Kugeln gegen seinen Führerstand. Lisandro dachte an seine schwarzlockige Braut. Doch was war das? Ihm kam ein Zug entgegen? Ein Zug ohne Maschine, ganz langsam. — In der Ferne standen Leute mit Signalfahnen. Nur noch acht Kilometer wären gewesen bis Vera Cruz und seiner schwarzlockigen Braut! Aergerlich zog Lisandro die Bremsen an. Das Spiel war aus... H" Sechs Arbeiter im Lastauto tödlich verunglückt Trcuenbrietzen(Brandenburg). Am Mittwoch um 23.30 Uhr ereignete sich an dem ungeschützten Bahnübergang an der Strecke Treuenbrietzen—Güterborg ein schweres Unglück. Als ein mit Arbeitern und Arbeiterinnen besetzter Lastkraftwagen mft Anhänger der: Bahnübergang passieren wollte, erfolgte ein Zusammenstoß mit dem Personenzug, der im gleichen Augenblick aus der Richtung Treuenbrietzen herankam. Der Anhänger des Lastkraftwagens wurde vom Zuge erfaßt und stürzte um. Sämtliche Insassen wurden herausgeschleudert. Eine Arbeiterin wurde vom Zuge überfahren und sofort getötet. Ein Arbeiter geriet unter die Maschine und wurde 60 b i s 70 seinen Lesern auch und zwar in derselben Aufmachung wie seine gegenteiligen„Informationen" zur Kenntnis zu bringen. ' Dabei liegen die Dinge so, daß trotz Emigration— die, wie ja auf der Hand liegt» mit der Staatsbürgerschastsftage ja nicht zusammenhängt— ein ständiger Rückgang der Zahl der Staatsbürgerschaftsverleihungen zu konstatieren ist. 1931 wurde sie 12.142, 1982 12.954, 1983 aber, wie schon gesagt, nur 8604 Personen im ganzen Staate verliehen. Für Böhmen, Mahren und Schlesien lauten die analogen Zahlen: 1931 4733, 1932 5487, 1933 aber 4721. Die nationalistische Gaffe hat also keinen Grund zu irgendeiner Aufregung. Interessant ist auch zu hören, was für eine Staatsbürgerschaft jene besessen haben, die jetzt im tschechoslowakischen StaatSverbande Aufnahme fanden. Unter den 8604 Neuaufgenommenen find nur 354 ehemalige Reichsdeutsche, denen 3166 Tschechoslowaken gegenüberstehen, die im abgelaufenen Jahr die reichsdeutsche Staatsbürgerschaft erworben haben! Also ein Minus von 2812! Ihrer Nationalität nach sind von den 8604 Aufgenommenen 3153 Tschechoslowaken und nur 1881 Deutsche. Aber 4773 Personen deuffcher Nationalität sind im selben Zeiträume aus unserem StaatSverbande ausgeschieden l Man fragt sich, worin denn eigentlich diese in so schreienden Farben an die Wand gemalte „Gefahr" der Vermehrung der Zahl der Sudeten- deutschen bestehen soll, die angeblich durch so liberale Einbürgerungspraxis erfolgt! Hier ist wieder einmal der schlüssige Beweis geliefert, wie die nationalistische Agitation arbeitet: mit Lug und Trug, mit Schwindel und Verdrehung besorgt sie ihr trauriges Sein, die niedrigsten Leidenschaften aufzuputschen. Meter weit geschleift; auch er war auf der Stelle tot. Von den übrigen Insassen erlitten zwei gleichfalls tödlicheVerletzun- g e n. Bon den zehn Schwerverletzten starben noch zwei. Es handelt sich um Arbeiter und Arbeiterinnen aus Potsdam und Nowawes. Artistin tödlich abgestürzt New Aork. In dem weltbekannten Roxy- Theater stürzte die 26jährige Mary Larkin-De- phil vom 13 Meter hohen Drahffeil tödlich ab. Die Artistin hatte am Schluß ihrer Nummer auf einem Einrad das 25 Meter lange Drahtseil zm überqueren. Kurz bevor sie nun die rettende Pla^fprm,eMfchje^.Huf.der ihr Mann sie erwar- tete,verlörsie^hl«H«rrschaft iillen ihr tllad. und. stürzte kopfüber in die Tiefe. Zahlreiche Zuschauerinnen wurden ohnmächtig, andere bekamen hysterische Anfälle, viele Besucher verließen das Theater, obwohl die Vorstellung fortgesetzt wurde. Das Artistenehepaar Dephil war vorher an verschiedenen großen Varietöbühnen Europas aufgetreten. Autoraserei. In Laurenzberg bei Aachen raste am Mittwoch abends am Tittarder Berg ein holländischerKraftwagenin einer scharfen langgestreckten S-Kurve.in derart wahnsinnigem Tempo bergab» daß er hinter der Kurve auf di« linke Straßenseite kam. Dort rannte er ein.Motor*. rad mit Beiwagen, da? von zwei Zollbeamten beseht war, mit solcher Wucht über den Haufen, daß der Führer des Motorrades 15 Meter weit weggeschleudert wurde und t o t im Straßengraben liegen Im Uchte der Zahlen Der Schwindel mit der ElnbQrgerungspraxls i Türkische Melodien (Jstambul, September 1934.) Bei einem unserer wie lichte TageSfilme fast dawirklich abrollenden Küstenausflüge sitze ich zwischen Mei jungen Türkinnen auf dem Schiff. Es sind zwar Schwestern, doch kann man mit der Blonden nur französisch, mit der Schwarzen nur englisch sprechen,— je nach dem ausländischen Töchternheim, in dem sie fern voneinander erzogen worden sind. Offenbar empfinden sie kein Bedürfnis, sich auch untereinander in fremden Sprachen zu verständigen. Bald habe ich erfahren, daß die Blonde geigt und die schwarze Schwester Klavier spielt. Ich ftage nach ihrem Lieblingskomponisten und ihr Geschmack stimmt geschwisterlich überein. Chopin!... Die Wahl dieses fanatisch ausschließlichen Klavierpoeten wirlle im Fall der Geigerin etwas erstaunlich. Huldigt sie ihm an der Hand nachträglicher Biolinübertragungen oder hört sie sich seine Werke wohl lieber nur aus dem Klubsessel an? Vorsichtig erkundige ich mich, ob die Kunstmusik Westeuropas die Geschwister nicht etwas ftemdartig berühre?... Aber eS gibt Fragen, die noch, so zurückhaltend und umsichtig gesetzt, trotz allem verletzen, weil sie an vornherein überempfindliche Stellen streifen. Beide Mädchen blicken mich mit gleicherweise gekränfter und vorlvurfs- voller Miene an. Ihr Ausdruck ist nicht mißzuverstehen:„Also auch du gehst davon aus, daß wir ungebildet sind und die höhergeartete Kunst Wcst- «uropaS für uns Barbaren unzugänglich bleiben muß?" Eilfertig und entgegenkommend weise ich auf den grundverschiedenen Charakter der türkischen Musik hin: ihre asiatischen Wesenszüge könnten rin restloses Sicheinleben in die Tonkunst des Westens doch immerhin etwas erschweren? Schon lächeln die Schwestern mild und nachsichtig:„Mit türkischer Musik pflegen wir uns nicht zu beschäftigen." „Mer Ihre heimatlichen Lieder singen Sic doch gewiß?" „Nur das Volk singt sie..." Wagnis der Entwicklung Es war«ine ungemein aufsöblußreiche Antwort. In der Entwicklungsgeschichte eines jeden Volkes gibt eS wenig anheimelnde und als echtes unliebsames Schulpensum zu erledigende Zwischenstufen, die sich aber um so weniger umgehen oder überspringen lassen, je ernster und zielbe- wuhter der Lehrplan ist, auf Grund dessen das Volk an seinem geistigen Weg baut und formt. Besonders wenn Zeitläufte des NuhenS und Rastens vorangegangen waren, ergeben sich solche unerfreuliche aber zwingende Schüleraufgaben und es heißt dann Versäumtes mit doppeltem Eifer nachzuholen und Rückstände vorerst einmal ohne Rücksicht auf ihre unbedingte Brauchbarkeit außzugleichen. Hernach ttitt es ohnehin bald zutage, waS aus dem Gesamtergebnis der zwischendurch weiter fortgeschrittenen Völker für die besondere Nutzanwendung in Frage kommen kann; der Jnsttntt gesunder und lebenSkräfttger Raffen arbeitet sicher und schnell, er lehnt UnzusagendeS naserümpfend ab oder packt bei Bekömmlichem mit Appettt zu. Heute lernt der Türke;"er lernt mit ange- sporntestem Fleiß, mit nachdrängender Wucht, der das Neueste nicht neu genug sein kann, weil sie das Neue dem Fortschritt gleichsetzt und zunächst einmal Fortschrittlichkeit um ihrer selbst Willen betteibt. Er lernt heute ohne sogleich zu sichten und zu wählen, lernt, wo er Stoff findet oder zu finden vermutet. Blick und Willenskraft sind jetzt bei ihm notwendigerweise nach außen, auf die Peripherien deS Daseins konzentriert; er hat jetzt keine Zeit, in sich hineinzuhören und Zuflüsterungen der inneren Sttmme besinnlich zu ergründen. Solch eine doppelte geistige Arbest gegensätzlicher Richtung würde auch in dieser Epoche der erschöpfendsten.Kraftentfaltung zweifellos nur zu Wirrsal, Zwiespalt und Beunruhigung führen. Gewisse Schichten des Volkes unterzogen sich darum freiwillig, ja freudig und stolz den Aufgaben einer in ihrer planmäßigen Unbedingtheit methodischen Assimilation: sie dursten es ruhig auf dieses Wagnis ankommen lassen und davon überzeugt sein, daß andere Schichten unterdessen die gemeinsamen Wurzeln ihres Volkslebens betteuen und fürsorglich vor dem Verkümmern behüten werden. Innere Gartenlokalitäten. Das Beispiel für diesen betreuenden Ko;- servatismus bot sich in Pera, an einem Höchstpunkt dieses hügelig ansteigenden modernen Stadtviertels. Mein freundlicher Führer bog hier in den Garten eines üblich zugeschnittenen Sommerlokals ein. Aus der Mitte grüßte die nun allenorts gleiche Muschel der beleuchteten Salonkapelle herüber und sandte uns die sattsam internationalen Rhythmen und Klangfarben des Jazz entgegen. Auf dem asphaltieren Viereck davor schlürften und wogten die Tangopaare, wie zur selbigen Stunde auf selbige Weise in Paris, London und den Luxusbädern Floridas/.. Enttäuscht und ärgerlich erinnere ich meinen Führer daran, daß er mir„echte" türkische Musik versprochen habe, er aber wintt mir lächelnd zu und gleittt geschwind zwischen den Tischreihen weiter. Im Hintergrund gelangen wir zu einem von vorn« her ganz unsichtbaren aber hier mündenden zweiten Gartenlokal, von dessen zierlicher Bühne mir plötzlich Brocken unverkennbar heimischer Melodien zuflattern. Drei Frauen und ein Mann singen dort teils abwechselnd, teils vereint von selbständigen kammermusikalischen Zwischenspielen un- Jugenöfürsorge öarf nicht Aufgabe weniger Menschen bleiben/ sonöem muß pflicht oes ganzen Volkes werben. K Darum förüert jeöer öen Kinüerschutzmonat unü spenöet nach Möglichkeit! blieb. Der Mitfahrer flog ebenfalls auf die Straße und erlitt sehr schwere Verletzungen. Jetzt erst bremste der holländische Kraftfahrer. Er wurde von Augenzeugen vor die Opfer seiner Raserei geführt, flüchtet« aber in einem unbewachten Augenblick und fuhr weiter. Später ließ er seinen Wagen herrenlos stehen. Er selbst ist noch nicht ermittelt. Es ist anzunehmen, daß er sich über die schützende Grenze davongemacht hat. Geständnis. Der Erpresser Eduard L i ck- Wala, der gedroht hatte, den einzigen Sohn Henry Fords. E d s e l, zu töten, falls ihm nicht 5000 Dollar ausgehändigt würden, hat bald nach seiner Verhaftung eine Geständnis abgelegt. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Fahrt einer Schaluppe von Leningrad nach Astrachan wurde beendet. Die Schaluppe, die mtt drei Ruderpaaren bemannt war, legte 8888 Kilometer in 31 Tagen zurück. An der Fahtt nahmen sieben Personen test. Ein folgenschweres Hochzeitsmahl. Nach dem Genuß von verdorbenen Speisen bei einem große« Hochzeitsgelage in einer Familie in Alexandrien sind fünf Aeghpter gestorben und nicht weniger als 140 Personen erkrankt. Zu dem Hause, in dem die Hochzeitsfeier statffand, die durch den erwähnten Vorfall getrübt wurde, kamen von allen Seiten Ambulanzwagen. Den Neuvermählten geschah nichts, da sie von den verdorbenen Speisen zufällig nichts genossen hatten. Das Meer gibt seine Tote« wieder. Im Norddeich auf Norderney wurden vier schon in Verwesung übergegangene Leichen von Ertrunkenen geborgen, di«, alle eine Schwimmweste trugen. Eine Leiche wurde ferner bei Juist und drei weitere am Deich bei Neßmersiel angeschwemmt. AuS den Papieren geht hervor, daß sie der Mannschaft eines finnischen Fischloggers angehörten. DaS Schiff ist, wie auS den Papieren hervorgeht, zwischen Antwerpen und London untergegangen. Man nimmt an, daß sämtliche Leichen dem Logger angehörten. Ferner tvur- den auf Norderney zwei männliche Leichen ange- trieben. Eine war nur mit Strümpfen befleidet, während die andere über der Kleidung eine Schwimmweste trug. Eisentahnunfall. Mittwoch abends ist auf dem Bahnhof Rottweil(Württemberg) ein Personenzug mit einem Dienstzug zusammengestoßen. Etwa 20 Reisende wurden leicht verletzt. Die Lokomottven beider Züge und zwei Personenwagen wurden leicht beschädigt;»in ä Die Millionärin spielt Röhmson... Miß Betty Carstairs, eine sehr bekannte englische Sportsdame, als sichere und schneidige Motorbootführerin bewährt, hat England verlassen. Sie will sich angeblich auf eine Insel des Bahama- Archipels zurückziehen. Sie will niemanden mehr sehen, will vergessen sein und erklärt, nicht mehr in England leben zu können, da die Steuersätze für sie zu hoch geworden seien. Dazu muß man wissen, daß Betty Carstairs ein jährliches Einkommen von fast vier Millionen Franken hat. Mag also der Druck der Einkommensteuer noch so schwer sein, ein wenig Geld wird ihr fürs Leben doch auf jeden Fall übrig bleiben. Jetzt will sie Robinson spielen— um Ersparnisse zu machen? Oder will sie durch die Proklamation des Spleens die Behörden nachgiebig stimmen? terbrochene Strophenlieder teils lustigen, tells gefühlvollen Inhalts. Die Sstuation mutet mich fast symbolisch an: sie widerspiegelt das türkische Leben von heute. Im Vordergründe findet man alle Behelfe und Zubehöre des Internationalen Weltbetriebs komplett und vorschriftsmäßig erlesen beisammen; woher der anspruchsvolle Fremde auch zugereist sein mag, er darf hier ruhig einkehren und wird auf keine seine- Luxusgewohnheiten verzichten müssen. Der Tnrrc jedoch blickt darauf, wie auf ein Bild der gut erfüllten Pflicht:„Seht her! Alles, was Ihr braucht, findet Ihr nun auch bei uns, den freiwilligen Dienern Eurer großen Mode." Mer hinter dieser pedantischen Anbegue- mung, im Hintergrund der gewissenhaft internattonal«« großen Kulisse liegen still und versonnen die„inneren Gartenlokale", die vom Fremdling kaum entdeckt werden können, weil sie ihm auch nicht zugedacht sind... Dem Fremdling ist das atemraubende Panorama eines geradezu einzigarttgen Fortschritts zugedacht. Er blicke auf die lateinisch geschriebenen Straßennamen und Geschäftsschilder und wisse, daß die arabischen Buchstaben für öffentliche Aufschriften verboten sind. Er blicke in die entschleierten Gesichter der Mädchen und. Frauen, deren unnachahmlich gepflegte Augen die enthüllten Züge tief beschatten und fast vergessen machen; er betrachte die Männer, von deren Häuptern die traditionell» Kopfbedeckung verschwunden ist. Denn der Türke fügte sich dem Wandel der Dinge mit reifstem Verständnis und wunderbarer Würde: Schüler haben sich nach ihren Meistern zu richten, um später wieder frei über sich verfügen zu können. AuS den abseitigen Lauben und Nischen jedoch klingt das nach außenhin höflich verleugnet« türkische Lied,' daö Pfand der Vergangenheit und der aroßen Zusammenhänge. Alexander Jemnitz. Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 19. Oktober 1934. Nr. 248 Ledersohle. bi Winterschuhe warme Socken „Sibirier“ Kc 4.— „Diplomatenschuhe' der Schuh des eleganten Mannes. Absatz mh Gummi. warme Socken \njd Strümnfe/ \u allen Prasal „Normalschuhe** der Schuh 2428. für die Bequemlichkeit.> „WINTBSCHUHE“ Tuchoberteil, Ledereinfassung und Sohle. ' Winterschuhe aus starkem Melton Ganzgummi-Ueberschuhe, schwarz lackiert. Feines B