EtonBlmis 70 lltfhr («imchlicMich 5 Heller Ma| IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xn„ fochova«. telefon 53077. Administration telefon so». HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Sonntag, 21. Oktober 1934 Nr. 247 Die Tunner Polizei und die Attentäter Paris.(Tsch. P.-B.) Die Pariser Presse kritisiert vielfach in sehr scharfer Weise das Vorgehen der Turiner P o l i z e i, die cs den französischen Polizeibeamtrn verweigert hat, die verhafteten Terroristen Pavrliö und Kvaternik zu ver-' hören. Die Blätter halten sich wegen der Lang-' samkcit auf, mit welcher die römische Regierung vorgche, die bisher die Bewilligung zum Verhör nicht erteilt hat. Der französische Polizriinspck-> tor ersuchte de» französischen Konsul in Turin, beim französischen Botschafter in Rom vorstellig zu werden. Der„Matin" teilt mit, daß die Polizei nach! einem weiteren kroatischen Terroristen fahnde, der i bisher unter dem Ramen Petai bekannt fei. Lausanne.(SDA.) Die Polizei hat! festgestettt, daß der in^urin verhaftete Kvaternik im Laufe des September einige! Male im Lausanne weilte, um sich zu! orientieren und den Grenzübertritt der Komplizen! vorzubrreiten. Wenige Tage vor der Ankunst der ganzen Berschwörerbande in Lausanne ließ er 6000 Schweizer Franken in ungarisches, österreichisches, deutsches und französisches Geld umwechsel«. Das Geld war zur Bestreitung der Reisekosten der Komplizen bestimmt. War PavelK in Berlin? Paris.(Havas.) Einem Straßburger Blatt zufolge hat sich der Führer der kroatischen Terroristenorganisation, P a v e l i L, Heuer in Berlin aufgehalten, wo er ein Blatt„C r o a t i Pre ß" herausgegeben begann, dessen erste Nummer unter der verantwortlichen Redaktion Gerhard Raethers, eines höheren B e- amten des reichsdeutsch enAußen- ministeriums, der der nationalsozialisti- scheu Partei angehörte, erschienen ist. Eisenbahnbeamte, denen die Photographie PaveliL gezeigt wurde, erklärten, er sei am 4. Ottober mit dem Zuge aus Paris über Annemaffe nach Genf gefahren. Var Begräbnis Poincaret Paris. Genau eine Woche nach dem Nationalbegräbnis für Barthou wurde Samstag Raymond Poincare bestattet. Nicht nur Paris, sondern das ganze Land standen unter .dem Eindruck der Trauerfeierlichkeiten, an welchen offizielle Abordnungen fast aller europäischen Länder und der Bereinigten Staaten Nordame- rikos teilnahmen. Die Tschechoslowakei war durch den Pariser Gesandten Dr. Osusky und durch Repräsentanten der Armee vertreten. Bor dem Pantheon hielt Ministerpräsident D o um e r- g u e die Trauerrede, worauf die Pariser Garnison, die Republikanische Garde und Delegationen der ehemaligen Frontkämpfer am Sarge vorbekzo- gen. Tann wurde der Sarg in feierlichem Zug zur Notre-Dame-Kathedrale geführt, wo die kirchlichen Zeremonien stattfanden. Die Beisetzung erfolgt auf Wunsch des Verstorbenen Sonntag in Nubecourt, der lothringischen Heimat Poincares. Hartnäckiger Widerstand in Asturien! Die Regierung muß jeden Schritt Boden! erkämpfen Paris. Nach einer Havas-Meldung aus Perpignan sind in den letzten Tagen etwa 30 nam-: hafte katalanische Autonomisten über die spanisch- französische Arenze gegangen. Darunter befinden sich, der ehemalige Leiter der katalanischen Sicherheitspolizei B a d i a. Die Madrider Regierung meldet, daß ihre Truppen den asturischen Grübenbezirk besetzt und die Revolutionären Gruppen weiter in die Berge zurückgedrängt haben. Um«Ile politische Einheit der Arbeiterklasse Hoffnungen und Hindernisse Neosozialisten wollen Marquet abberufen Paris. Samstag trat das Präsidium der neosozialistischen Partei zu einer zweitägigen Beratung zusammen, um zu der Beteiligung Mar- quets an der Regierung Doumergue Stellung zu nehmen.„Der Fall Marquet" war schon einigemal Gegenstand von Kongreßberatungen der Partei, aber Marquet wurde immer ermächtigt, in der Regierung zu bleiben. Jetzt haben sich aber die Verhältnisse in der Partei geändert und zahlreiche Kreisföderationen, Renaudel und auch Deat verurteilen die Anwesenheit Marquet s in der Regierung. Marquet erklärte Freitag in einer Vorberatung, er werde aus der Regierung austreten, bis er cs für richtig ansehe. Ausweisung der Bischöfe aus Mexiko? Mexiko. Die Kammer beschloß, den Präsidenten Rodrigues zu ersuchen, alle katholischen Bischöfe und Erzbischöfe des Landes zu verwegen. Die Kammer will auf diese Weise definitiv die katholssche Frage in Mexiko lösen. Belgrad.(Tsch. P.-B.) Die von der Regierung Uzunovii gegebene Demission bezweckt, dem Regentschaftsrate Gelegenheit zur Prüfung der nach dem Thronwechsel geschaffenen innerpo- litischen Lage zu geben. Der Regrntschaftsrat nahm die Demission der Regierung an und betraute sie mit der Fortführung der Amtsgeschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung. In Politischen Kreisen mißt man der gegenwärtigen Ministerkrise die größte Bedeutung bei, da die Zusammensetzung der neuen Regierung ein Urteil darüber ermöglichen wird, ob diese neue Regierung die unveränderte Auf- rechterhaltnng des bisherigen Brrwaltungssystems darstelle oder ob ein Uebergangsmini- sterium mit der Demokratisierung des gegenwärtigen beschränkten parlamen- * Unter den Kandidaten für die Ministerprä- sidentschaft wird auch der derzeitige Außenminister Jeftic genannt, eine überaus zielbewußte und energische Persönlichkeit. I e f t i c steht in engster Verbindung mit der großen Bauern- b e w e g u n g, die seit etwa Jahresfrist besonders in Altserbien im Entstehen ist und die kurz vor der Ermordung des Königs in Belgrad eine sehr eindrucksvolle Massenkundgebung veranstaltet hat. Diese Bauernbewegung erinnert in vielem an die auch in mittel- und westeuropäischen Ländern sett Jahren zu verzeichnenden Strömungen in der Landbevölkerung, nur ist sie dank der demokratischen Tradition der südslawischen Bauern alles andere als fascistisch. Sie verwirft auch die alberne Ständestaatideologie und betont dagegen aufs stärkste den genossenschaftlichen Gedanken. Wenn Jeftiö sich auf diese Bewegung Wie Im Krieg: Beschönigungen der Warenknappheit Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro veröffentlicht folgendes Kommunique: In Berlin und anderen Großstädten ist hie und da zu beobachten, daß Geschäftsleute in Verkennung der tatsächlichen Situation auf eine an- geölich hemmende Warenverknappung verweisen, um ihre Kundschaft zu Borratskäufen zu veran- Jn den Jahren 1919 bis 1921 hat die Kommunistische Partei Rußlands durch ihr Instrument, die sogenannte„Dritte" oder„kommunistische" Internationale fast sämtliche sozialisti- schen Parteien Mittel- und Westeuropas gespalten. Später verübte sie dasselbe Verbrechen an den Freien Gewerkschaften, an den Kulturverbänden, zum großen Teil auch an den genossenschaftlichen Einrichtungen der Arbeiterklasse. Die Spaltung ein Unglück Von dem Augenblick an, da diese verhängnisvollen Spaltungen vollzogen wurden, haben die sozialdemokratischen Arbeiter nicht aufgehört, die Spaltung zu verurteilen, aufs tiefste zu bedauern und nichts so sehr zu wünschen alsdie Ueberwindung der Spaltung, die Wiederherstellung einer einigen Arbeiterbewegung. In den. ersten Jahren nach der Spaltung lehnten die Kommunisten jeden Ver- tarischen Systems geschaffen und schließlich ob eine autoritäre Regierung mit der Verstärkung des bisherigen Regimes betraut werden soll. Bisher sind seitens des Regentschaftsrates noch keine Berufungen an die Präsidien der beiden Häuser und an sonstige Politiker erfolgt. Angesichts der loyaleuHaltung der alten parlamentarischen Parteiführer aus der parlamentarischen Epoche vor dem Umsturz am 6. Jänner 1929 bei Gelegenheit des Thronwechsels wird es nicht als ausgeschlossen angesehen, daß der Prinzregent Pavle vor der Lösung der Ministerkrise auch die Wohlmei- nungdieserFührer einholen und einzelne derselben eventuell sogar zur Teilnahme an der neuen Regierung aufforder» wird. »* stützen würde, könnte er unmittelbar dasWerk Pasiö, seines größten Vorgängers, fortsetzen und weiterentwickeln. Bon größter Bedeutung wäre es dabei, ob er die Aussöhnung mit den kroatischen Bauernorganisationen herbeiführen könnte. Im allgemeinen scheint der Regentschaftsrat, wozu er ja schon seiner Zusammensetzung nach berufen ist, ein Regime der Verständigung zwischen den Stämmen und der Abkehr von dikta- torischen Gewaltmatznahmen begründen zu wollen. Im Interesse des schwergeprüften jugoslavi- schen Volkes wäre es nur zu begrüßen, wenn die Entscheidung in dieser Richtung fiele und nicht für das streng autoritative Regiment, für das eben jetzt ein so abschreckender Agitator, wie der G o e r i n g, in Belgrad Propaganda gemacht hat! lassen, die über den gewohnten Bedarf hinausgehen. Ein derartiges Verhalten ist durch nichts begründet und erklärt sich offensichtlich aus der Ueberintereffiertheit von Verkäufern, die hierbei ihren Nutzen suchen. Der Reichsminister für Volksaufklärung ersucht daher alle Volksgenässen, diesem Verhalten einzelner Geschäftsleute entgegenzutreten, da die Tatsachen auch nicht die leisesten Befürchtungen einer Warenverknappung-aufkommen lassen. such der Versöhnung ab(so z. B. 1922 kn Berlin) weil sie ja die Auffassung vertraten, daß nur eine dem Diktat der Komintern unterworfene„Avantgarde" der Arbeiter die Revolution durchführen könnte. Die Erfahrungen der Komintern in Deutschland(1920 bis 1923) in Bulgarien, Finnland, Italien haben die Unhaltbarkeit dieser Auffassung, die Uuzulänglichkeit der kommunistischen„Avantgarden", die Hoffnungslosigkeit des Putschismus erwiesen. Daraufhin änderte die Komintern ihre Taktik. Sie begann für die„Einheitsfront" zu werben. Aber sie verstand unter der Einheitsfront—„von unten"—- wie sie das nannte, nur ein Manöver, eine a n- dereFormder Werbearbeit unter den Massen der sozialistischen Arbeiter, die sich der Führung der kommunistischen Apparate unterwerfen sollten. Das Mißlingen ihrer Putsche gegen die kapitalistischen Regierungen bewog die Kommunisten aber auch zu einer Aenderung des Angriffsziels. Gegen die Bourgeoisie konnten sie augenscheinlich keine Erfolge erzielen, mit der versprochenen kommunisttschen Weltrevolution war es Essig, vielleicht konnte man im Kampfe gegen die Sozialdemokratie billige Lorbeeren ernten. Man erfand das Wort„Sozialfaseisten", dessen sich die Kommunisten und einige von ihnen geistig beeinflußte Schandblätter aus dem Münzenbergkreis bis sii die jüngste Zeit bedienten, und predigte den kompromißlosen Kampf gegen die Sozialdemokratie als den Hauptgegner der revolutionären Arbeiter- klasse. In diesem Kampf nahmen die Kommunisten jeden Bundesgenossen an, der sich ihnen zur Perfügung hielt. Sie gingenmitdenJn- differenten, sie gingen mit den Nazis, aber sie gingen immer gegen die Sozialdemokraten. Unser holländisches Bruderblätt „H e tV ol k" reproduzierte erst dieser Tage Partien aus der illegalen„Roten Fahne" vom 1. Mai 1934, die mitten in Hitlerdeutschland den Kampf gegen die Sozialdemokratie mit ungebrochenem Elan führt und es nicht unterläßt, über die außerdeutschen Sozialdemokratien die tollsten Dinge zusammenzulügen. kommunistische Wandlungen Erst unter dem Eindruck der schweren außenpolitischen Gefährdung Sowjetrußlands, das aus der Umklammerung durch Japan und Deutschland einen Ausweg suchte, und der unaufhaltsamen Auflösung der kommuni st ischen Parteien in den demokratischen Ländern, wo auch die Krise der kapitalistischen Wirtschaft keine neue Blüte des Kommunismus zu erzeugen vermochte, hat die Komintern ihre Taktik neuerlich geändert. Nun endlich beschreitet sie den Weg ordentli.cher Ver- Handl u n g e n mit den sozialdemokratischen Parteien und mit der SAJ, der sie auf ein dringendes Verständigungsangebot vom Winter 1932/33 bis heute nicht geantwortet hatte. Wir sagten eingangs: die sozialdemokrati- schen Arbeiter haben in all den Jahren seit der Spaltung nicht ssosehr gewünscht, wie die Ueberwindung der Spaltung. Von dieser Sehnsucht sind sie, sind wir alle auch h eu te erfüllt. Aber in unsere Freude über die wachsenden Aussichten auf Verständigung mischt sich manch bitterer Tropfen. Reichlich spät Solange die Vereinheitlichung der Arbeiterbewegung an den entscheidenden Brennpunkten des Klassenkampfes Rettung vor dem Fäscismus bringen konnte, haben die Kommunisten sie abgelehnt. Noch im Feber. 1933 waren sie in Deutschland gegen den Nichtangriffspakt mit der SPD, gegdn den proletarischen Burgfrieden. Hitler saß schon im Reichskanzlerpalais, als die Kommunisten noch immer gegen die SPD Sturm liefen. Die Niederlage der deutschen Arbeiterllaffe hat sie nicht belehrt. Auch in der Illegalität steht der Kampf gegen die Sozialdemokratie voran. Der Sozialismus- wird,, nach heroischem Kampf, auch in dem isolierten Oesterreich geschlagen. In den Demission des jugoslawischen Kabinetts Regierungswechsel- Nach rechts oder links? Kurswechsel Belgrad.(Reuter.) Tas jugofiawische Kabinett gab um elf Uhr seine Gesamtdemission, um dem Regentschastsrate die Bildung eines neuen Kabinetts zu ermöglichen. Man hält dafür, daß eine Regierung der nationalen Konzentration gebildet werden wird. Seite 2 Sonntag, 21. Oktober 1934 Nr. 247 Tagen des Kampfes funkt Moskau Hetznachrichten gegen die Sozialdemokratie, gibt es die Propagandanachrichten der Dollfuß-Henker weiter, unmittelbar nach dem Kampf hat es keine andere Sorge, als die illegalen Zellen des österreichischen Sozialismus zu spalten. Der Zusammenschluß der österreichischen Sozialisten, der kürzlich erfolgte, wurde von den Kommunisten als Spaltungsmanöver bezeichnet. Das Bewußtsein, daß die Kommunisten, solange es irgend möglich war, die Einigung verhinderten, daß sie der Sache des Sozialismus damit einen in Jahrzehnten erst wieder gutzumachenden Schaden zugefügt, tausende Kämpfer aber ans Messer der Fascisten geliefert und uns unwiderbringlich geraubt haben, läßt uns die vielleicht in absehbarer Zeit mögliche Einigung nicht so freudig begrüßen, wie wir es getan hätten, wäre sie für uns nicht mit der Feststellung„Reichlich spät!" verbunden. Für die Arbeiterorganisationen In dem Kampf- gegen die kommunistische Demagogie haben wir anderthalb Jahrzehnte d i e Organisationen derArbeiterver- t e i d i g t, das Werk jahrzehntelanger Arbeit, die Waffen, mit denen das Proletariat seine größten Siege erfochten hat. Gegen die leichtsinnigen Versuche, den Bau der Organisationen niederzureihen und die besten Waffen aus der Hand zu geben, haben wir mit Einsatz aller Kräfte gekämpft. In diesem Kampf haben unsere besten Männer im Betrieb, in der Lokalorganisation, in, den ReichS- parie'en ihre Gesundheit und ihr Leben eingesetzt, Uns allen steht das Bild des todkranken Josef Seliger vor Augen, der sich unter Hintanstellung jedes persönlichen Interesses 1920 für die einige Bewegung geschlagen hat. Wenn diese unglückselige Epoche der Arbeiterbewegung, in der die Kommunisten ihre ganze Kraft auf die Zerstörung unserer Organisationen verwandten, wir unsere, beste Kraft in der Abwehr des Verbrechens verbrauchen mußten, endgültig abgeschlossen werden soll, müssen wir Garantien haben, daß nicht auch jetzt noch ein gewissenloses Manöver ausgeführt wird. Auf dem Kongreß der sozialistischen Jugendorganisation Belgiens baben, wie August D e w i n n e im„P e u p l e" mitteilt, die Jugendgenoffen bewegte Klage darüber geführt, daß die Kommunisten die Abmachungen über die einheitliche Kampffront gebrochen und in zahlreichen Orten die gemeinsamen Veranstaltungen zur Hetze gegen die Sozialdemokratie im alten Stil benützt haben. Sollen wir uns auf das Glatteis kommunistischer Demagogie begeben, sollen wir unsere solange und mit schwersten Opfern intakt erhaltenen Organisationen dem schon bankrotten Sektierertum als Plattform ausliefern? Nur wenn wir die Gewißheit haben, daß es wenig st ensjetzt ehrlich gemeint ist und daß wir nicht, was wir den Arbeitern ein halbes Menschenalter gegen die kommunistische Zerstörungswut erhalten haben, die aktionsfähigen Organisationen neuen Gefahren aussetzen, werden wir einen Strich unter das Vergangene ziehen können. Rias dringen uns die Kommunisten? Solange die Kommunisten in den erneuerten Bund etwas mitzubringen hatten, waren sie Gegner der Verständigung. Solange die Vereinigung bedeutet hätte, daß zehntausende Organisierte, hunderttausende Sympathisierende für die Sache des Sozialismus gewonnen würden, haben die Kommunisten von der Bereinigung nicht- wissen wollen. Heute müssen wir uns, fern von Illu sionen, nüchtern fragen: was bringen uns die Kommunisten? Zwischen ihrem und unserem Einsatz besteht ein schreiendes Mißverhältnis. Wir bringen eine organisierte und aktion-fähige klassenbewußte Arbeiterschaft an den Verhandlungstisch, die Kommunisten einen von Moskau allein gehaltenen Apparat und klägliche Trümmer einer einstmals swlzen Bewegung. Die tschechische Bruderpartei berichtete dieser Tage, daß die Kommunisten eben jetzt ihre Orga- Ni satioi. sreste liquidier« N, die Mitgliedsbücher einziehen, sich auf die Illegalität umstellen, in die ihnen Nach allem, was geschehen, nur wenige folgen würden. Auch über das Häuflein, ! das zur alten Fahne stößt, würden wir uns freuen, aber wir können es nicht, ohne daran zu denken, daß der Kommunismus inzwischen den Besten, die er einst von uns trennte, das Mark ausgehöhlt, den Mut und den Glauben genommen, daß er Zehntausende ins Lager des FasciSmus getrieben hat. Einheitsfront und Demokratie Die holländisch« Bruderpreffe schrieb in diesen Tagen der neuen Einheitsfront-Debatten: für die sozialdemokratischen Parteien der demokratischen Länder könnte die Bereinigung mit den Kommunisten zu einer Vie politische Woche Nach dem Attentat von Marseille ist in der abgelaufenen Woche bereits eine gewisse Beruhigung eingetreten und es scheint eher, daß das Attentat doch keine weitergehenden Nachwirkungen haben wird. Allerdings ist die allgemeine Stimmung den Ungarn gegenüber etwas gespannt. Die durch den Tod Barthous ausgelöste Kabinettsrekonstruktion in Frankreich hat sich ohne Aende« rung deS Systems glatt vollzogen. Man kann annehmen, daß die in der ersten Novemberhälfte stattfindende außerordentliche Tagung des Völkerbundrates.— wenn man von der Saarfrage ab- sieht— nicht unmittelbar vor schicksalsschwere Entscheidungen gestellt werden wird. Nicht unerwähnt dürfen in diesem Zusammenhang die Beratungen der Kleinen Entente in Belgrad bleiben, welche gewisse Vorsorgen betrafen, die sich im Gefolge des Marseiller Attentates als notwendig erwiesen. Die geforderten internationalen Maßnahmen dürften vor allem die Abschaffung der Terroristenlager an der ungarischen Grenze betreffen. Die Reise des Ministerpräsidenten und dreier Minister zu den' Trauerfeierlichkeiten nach Belgrad brachte es mit sich, daß innerpolitisch diesmal nur wenig zu berichten ist. Der freitägige Ministerrat hat biS auf wenige Punkte nur laufende Angelegenheiten der Verwaltung erledigt. Außer den Budgetvorbereitungen taucht die Frage einer baldigen ä' u ß e n p o I r r r s ch e n Debatte auf. Auch davon wird gesprochen, daß neben dem Finanz- und dem Außenminister der M i n i- sterpräsident selbst im Parlament das Wort ergreifen soll. Eine Entscheidung über den Umfang dieser parlamentarischen Exposees und der anschließenden Debatten wird jedoch erst in der kommenden Woche gefällt werden. Vor allem wird zu entscheiden sein, ob nach der Auflegung des Budgets sofort der Budgetausschuß mit seinen Beratungen einsetzt oder ob diesmal doch mit Rücksicht auf die dringenden wirtschaftspolitischen Probleme unmittelbar im Anschluß an dar Exposee Trapls ein« Wirtschaftsdebatt« im Plenum der beiden Kammern abgeführt werden soll.(In ernsten Gefahr werden. Auch das ist zu bedenken. Die Kommunisten haben sich bis in die jüngste Zeit alsFeindeperDemokratie bezeichnet. Wenn die bürgerlichen Parteien sie gewähren ließen, so vor allem deshalb, weil die Kommunisten ein willkommenes Gegengewicht gegen die Sozialdemokratie darstellen. DaS würde sich ändern, wenn wir die Einheitsfront mit den Kommunisten verwirklichen. Dann wird die Bour« geosie auf daS Verbot der Kommunisten dringen, alle Kräfte gegen die Einheitsfront mobil machen, uns zwingen, für die Rettung der kommunistischen Splitter und Trümmer alles einzusetzen, was w i r zu verlieren hätten, und was eben bedeutend mehr ist, als die Kommunisten selbst zu verlieren haben. Wir wünschen die Einheit, wir sihnen uns nach ihr, seit sie verloren ging. Aber weil in der Politik nicht Gefühle allein entscheiden dürfen, gilt eS gerade jetzt, wo dem Einheitsstreben endlich wieder günstigere Sterne leuchten, auch die Hindernisse nüchtern abzuschätzen und jeden Schritt reiflich zu bedenken. Die Bewegung zu opfern, um einer Vision nachzujagen, hieße schlechte Politik machen. Arbeiten wir für die Einheit, aber für eine Einheit, die uns stärker macht, als wir bisher waren! früheren Jahren wurde die Debatte über das Finanzexposee immer erst nach Wochen mit der Budgetdebatte im Plenum verknüpft.) Der Ministerrat hat am Freitag die Richtlinien für das neue Exportinstitut in den entscheidenden Punkten fertiggestellt; jetzt sind allerdings noch die sehr wichtigen Posten des Präsidenten und des leitenden Direktors der Anstalt zu besetzen, von deren guter Auswahl angesichts des Ex- portcharakterS unserer Wirtschaft viel abhängt. Der Ministerrat hat ferner die Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Grubeninspektion nach langwierigen Verhandlungen zwischen den einzelnen Ressorts endlich verabschiedet. Es werden acht Grubeninspektorate errichtet(in P r a g, P i l s e n, Brüx, Karlsbad, Brünn, Märisch- O st rau, Banskä Bystrica und Spi-ska Nova BeS) und 17 Inspektoren bestellt werden, deren Dienstverhältnisse definitiv geregelt werden. Der Ministerrat hat endlich über Antrag deS Arbeitenministeriums wie in den Vorjahren ein« Kohlenaktion zu Gunsten der Arbeitslosen beschlossen. Das Arbeitenministerium stellt ans den Staatsgruben rund 7000 Waggons Kohle zur Verfügung und man erwartet, daß auch die privaten Gruben gleichfalls eine entsprechende Kohlenmenge aufbringen werden. Das Eisenbahnministerium wird durch entsprechende Tariferleichterungen daS Gelingen der Aktion fördern, "Tas Fursorgeminisferium sctztfeme Demü- Hungen auf dem Gebiete der produktiven Arbeitslosenfürsorge und der außerordentlichen Hilfsmaßnahmen weiter fort. Die Vorbereitungen zur Aartoffelaktion sind bereits im Gange, die Brotaktion für Arbeitslose läuft in dem erhöhten Ausmaß weiter. Außerdem ist das Ministerium bemüht, die eingeleitete Aktion zu Gunsten der Arbeitsbeschaffung durch die Selbstverwaltungskörper in konkrete Bahnen zu lenken. Mit der Vorbereitung entsprechender Hilfsmaßnahmen zur Linderung der Not im sechsten Krisenwinter werden sich sowohl die einzelnen Ressort- wie auch der Ministerrat noch in reichlichstem Maße zu beschäftigen haben. Agrarische Kurzsichtigkeit Wir haben letzthin darauf verwiesen, daß in einem Artikel der„Deutschen Landpost" erfreulicherweise für die Aktivierung der bereits 1926 beschlossenen Sozialversicherung der Selbständigen plädiert wurde. Kaum war dieses vernünftige Verlangen von privater Seite geäußert und begründet, als schon das Gegenteil davon in der„Deutschen Landpost" vertreten wurde. Unter dem großmächtigen Titel«Soll der Bauer Staatsrentner werden?" wird gegen die staatliche Altersversicherung der Landwirte mit allen erdenklichen„Argumenten" Stellung genommen. Die Notwendigkeit einer bäuerlichen Alters« Vorsorgeversicherung als Ergänzung des ländlichen Ausgedinges wird freilich, meint die„D. L.", überall allgemein anerkannt, der staatliche Zwang aber von den allermeisten Landwirten abgelt h n t, denn die eigenartigen Verhältnisse in per Land- und Forstwirtschaft verlangen eine ganz andere Behandlung aller sozialen Fragen. Für den Zwang eintreten, heiße den selbständigen Bauern die Entschluß- und Tatkraft zur Selbsthilfe absprechen, die sie beim Auf- und Ausbau des Genossenschaftswesens hinreichend bewiese« haben.. Run wurde in dem ersten Artikel der„D. L." zahlenmäßig nachgewiesen, daß die private Versicherung als„Ergänzung des Ausgedinges" praktisch bedeutungslos sei und nur eine allgemeine staatliche Versicherung von Nutzen für die Landwirtschaft sei. Trotz alledem werden die alten abgedroschenen„Gründe" gegen die staatliche Versicherung ins Treffen geführt: die Beamtenzentralen, die staatliche Kontrolle, das „scheinbare Geschenk des Staatszuschuffes", geringe Erfahrungen, Gefahr von Schmälerung« — kurz die„D. L." quält sich damit ab, chre» Lesern die Wohltat der staatlichen Altersversicherung möglichst zu verekeln. Wer die„Wohltaten" des Ausgedinges kennt und weiß, daß für die Mehrheit der Landwirte auch diese zweifelhafte Fürsorge nicht vorhanden ist, dann staunt man bloß über die Kurzsichtigkeit der Agrarier in sozialpolitischen Fragen. Einschreiten der Bergarbetterverbfinde fttr die Bruderladen-Pensionisten Prag. Am Samstag sprachen die Genoss« Tayerle für die beiden Gewerkschaftszentra- sin, Haa se für die Union der Bergarbeiter und B r o j i k für den Svaz horniku beim Fürsorgeminister Genossen Dr. Meißner vor, um die Wünsche der Bergarbeiter zum 8 126.der Sozial» ve^lcherungsndöelle bckaimtzugeben. Es handelt sich dabei um jene Bestimmungen, nach welchen den Bruderladmrpensionisten, die gleichzeitig auch Rentenempfänger aus der Sozialversicherung find, sowohl die Staats- als auch die Alterszuschüffe entzogen werden, soweit die SozialversicherungS- rente in Frage kommt. Der Minister brachte den Darlegungen der Abordnung größtes Interesse entgegen und erklärte, er werde sofort verfüg«, daß ihm das betreffend« statistische Material vorgelegt werde, um zunächst festzustellen, auf welchem Wege eine Abhilfe möglich wäre. Die Vertreter der Bergarbeiterorganisationen werd« selbstverständlich dieser Angelegenheft weiter ihr größtes Augenmerk zuwenden. 27 BIN TATSACHENROMAN Copyright UM by Michal Kacha Verlar. Prar XIX BRUNO ADLER: flMPF um POLNA llek=S= BIN TATSACHENROHAN klage nötige Zeitspanne zwischen der Tat und dieser Begegnung gewonnen. Vesely ist jetzt völlig überzeugt, daß daS Messer, welches ihm HilSner im Sommer deS vorigen Jahres zeigte, ein Schächtermesser gewesen ist. Aus dem Gefängnis wird Selinger vorgeführt. Er hatte HilSner» Angabe, ihn an jenem Mittwoch um die kritische Zeit gesprochen zu haben, bestritten. Do er selber sich damals aufgehalten hat, ist unklar. Daß er, dm viele in ein« verdächtigen Zusammenhang mit dem Lerbrechm bringen, nicht in seinem Quartter im Armenhaus gewesen ist, geht auS den Aussagen anderer hervor. Alles das interessiert den Ge- richt-hof nicht. Bemüht, andere zu belasten, erzählt Selinger, daß etwa 14 Tage vor dem Mord der Handlungsgehilfe Fried auf dem Marktplatz scherzhaft gesagt habe:„Zu essen hab ich nicht«, zu stehlen gibt'S in Polna auch nicht«, also muh ich jemanden erschlagen." Der Zeuge PeSäk, von dem sein Schwager zögernd angibt:.... man sagt, daß er lüge," ... wiederholt seine Darstellung. Er hat HilSner an der Gestalt und an den Bewegungen, und er hat bie Kleidung der drei Leute genau erkannt. Der Angeklagte regt sich auf: „Wenn mich einer am 29. März dort gesehen hätte, hätte er e« gleich angezeigt, wäre er gleich gekommen und hätte gesagt:.Ich hab diesm Hiltner gesehen, er hat da« getan!' Aber wenn ich schon ein halbe« Jahr eingesperrt bin— wenn ich schon in der ganzen Welt ausgeschrien bin— jetzt mit einem Male kommt er und sagt, daß er miw beim Bresinawald stehen gesehen hat—- auf se.000 Personen, der dritte Teil aller Einwohner der Hauptstadt, leben in übervölkerten Räumen oder in Kellerwohnungen. Der Hauptstadt mangelt es an Baugrund. Die Arbeiterpartei verlangt darum die Eingliederung der an Oslo angrenzenden Gemeinde Anker, die über genügend Baugrund verfügt. Die Konservativen wehren sich dagegen. Die Arbeiterpartei verfolgt mit der Eingemeindung zwei Ziele: di« Schaffung von Wohnungsgelegenheiten und dadurch die Gewinnung von Arbeitsplätzen. Das ist um so notwendiger, als Oslo allein 15.000 Arbeitslose zählt. Von Nizza bis zur Nordsee Die„Neue Freie Presse" schildert den Schutzwall, der von N i z z a bis zur Nordsee guer durch Frankreich bis auf die Festung Mau- beuge, die jetzt modernisiert wird, so gut wie fertig ist. Nizza ist heute stark befestigt. Die Alpen sind durch Befestigungsanlagen in den Tälern noch unbezwinglicher gemacht worden. Bom Südwesten des Genfer Sees bis zur französisch-belgischen Grenze wurde ein Wall auS Zement und Stahl errichtet, mit ober« und unterirdischen Anlagen, die mit den modernsten Errungenschaften ausgerüstet sind. Verdun bildet jetzt mit Thionville, Nancy, Toul und M e tz ein gewaltiges Festungsdreieck, daS die großen Erzlager von Briey-Longwy schützen muß. Im Elsaß gibt es entlang der Linie Bitsch- Weißenburg einige größere, m den Vogesen Myriaden kleiner Stützpunkte. Je nach Lage ist das starre oder das elastische System bevorzugt, Unterirdische Kasernen vervollständigen das Bild. Die Grenzdivisionen sind nach besonderen Gesichtspunkten zusammengestellt, so daß j e d e r M a n n 'einen Platz kennt, die Reservisten sich auS den umlieaenden Gebietenrekrutieren. Sonntag, 21. Cttrter 1934 Nr. 247 Beite 4 Kroatischer Terrorist in Turin verhaftet . Dr. P a v el i t s ch AufErsuchcn der französischen Justizbehörden verhaftete/ die- italienische; Polizei in Turin zwei Führer der kroatischen Terroristen-Organisation,^ die die Mordtaten in Marseille organisiert haben sollen. Einer von diesen ist Dr. Pavelitsch, der sich vor denn Mord in Frankreich aufgehalten hat.- TagcsnciiigKcltcn Das ist Fascismus Lohneintommen der Wiener Arbeiter in zwei Jahren um 24 Prozent gesunken. Wie sich die Lage der Arbeiter im fascistischen Oesterreich, gestaltet, darüber bieten die nachfolgenden Zählen des amtlichen österreichischen Instituts für Konjunkturforschung folgendes Bild: Ist der, ersten Hälfte dxs Jahres 1932 wurden in Wiest Arbeitslöhne im Gesamtbeträge von 683 Millionen Schilling ausgezahn, in der ersten Hälfte des Jahres 1933 nur Arbeitslöhne im Gesamtbeträge von, 566 Millionen Schilling, in der ersten Hälfte des Jahres 1934 nur noch Arbeitslöhne im Betrage von 515 Millionen Schilling. Die Wiener Arbeiter bekamen also im ersten Halbjahr des heurigen Jahres um 168 Millionen Schilling weniger an Löhnen ausbezahlt als im ersten Halbjahr vor noch zwti Jahren. In den zwei Jahren, in denen sich der Fascismus in Oesterreich festgesetzt und schrittweise durch Ausschaltung des Parlaments und Aushöhlung des Koalitionsrechtes und der Freiheitsrechte der Arbeiter den Einfluß der Arbeiterklasse zurückgedrängt hat, um ihn schließlich im Feber völlig zu vernichten— in diesen zwei Jahren ist das Lohneinkommen der Wiener Arbeiter und Angestellten um 24 Prozent, beinahe um ein volles Viertel gesunken. Wettbewerb der Fresser. In Rouen hat vor wenigen Tagen ein Wettbewerb der Vielfresser stattgefunden. Die französische Presse berichtet sehr ausführlich, und zum Teil nicht sehr angenehm berührt, von diesem Preisessen. Wir erfahren alle Details und auch die bemerkenswerte Tatsache, daß der„Sieger" einen Leibesumfang von 1.50 Meter und ein Gewicht von 326 Pfund aufzuweisen hatte. Den gewichtige Herr, Charles Vienot mit Namen, verzehrte— Statistik muß sein— 1 Kilo 200 Gramm Hühnerfleisch mit Sturm über Stifflis Ein Gegenwartsroman Donnerwetter, so ein Buch liest man nicht alle Tagei„Sturm über Stifflis" betitelt sich der neue Roman des schweizerischen Schriftstellers Jakob B ü,h ttr, erschienen in der Büchergilde*). Stifflis, so, nennt der Verfasser eine Dorfgemeinde im Schweizer Hochgebirge. Und der Sturm, der; über die Stiffliser hereinbrach, ist die große Krise der Weltwirtschaft. Bergbauern, erdrückt von der Last ihrer Schulden und von der industrialisierten Landwirtschaft der Üeberseelän- der suchen ,nach einem Ausiveg. Die Zweifel an der Demokratie, die-Lockungen des Sozialismus und des Fascismus ringen um ihre Seelen. Intellektuelle, Kisider ihrer Zeit, stehen ganz, vorn auf der Bühne. Da ist eine alte Bürgersfamilie: der Vater ein-anständiger Liberaler und guter Patriot, die Tochter radikale Kommunistin, der Sohn ein Frontler,(wie sich die. Anhänger Hitlers in der Schweiz nennen) und die Mutter eine kluge, herzensgute Frau, die im Kreuzfeuer'der Meinungen steht. Der Kampf" um- die Rettung von Stifflis wird zur Familientragödie,- Die Handlung ist bevölkert von typischen Geschöpfen einer aus den Fugen, gehenden Welt. Da legt ein kommunistischer Arbeiter, seine Lebensbeichte ab, wie- er. durch die Bitterkeit seiner Jugend- und Mannesschicksale zum Todfeind der bürgerlichen Welt, zum Terroristen geworden ist. Ein moderner Unternehmer tritt auf, durchtränkt von handfestem.'Machtwillen und von Haß gegen das rote Lumpenpack; in-seinem Sinne eine zielbe- wußtc Führexnatur, die in anderer Funktion der allgemeinen Sache noch mehr nützen könstte, als sie ihr Heu je schadet. *.) Prager Auslieferungsstelle: Prag XIV., Pie- myslovo nabkezi 14: Preis eines ihrer vierteljährig '«scheinenden Bücher 25 Ke. DnÄ Rennen nney Australien <3tart zum Gruppenslus nach^Relbourne London. Samstag zeitig früh begann der größte Gruppen-Flugwettbewerb, als 20 Flugzeuge in Abständen von wenigen Sekunde n auf dem Flugplatz Mildenhall(Ostengland) zum 12.000-Meilcn-Fl«grennen nach Melbourne in Australien starteten. Zum Start hatten sich auf dem Flugplatz mehr als 50.000 Zuscha»er eingefunden. Der Abflug bot ein sehr lebhaftes Schauspiel, lieber die ganze Länge des Flugplatzes hatten die 20 Flugmaschinen Aufstellung genommen,' darunter solche des neuesten Typ, angefangen vom kleinsten Einsitzer bis zu den riesigen modernen Kabinenflugzeugen. Wenige Minuten vor dem Start begannen sich alle Propeller zu drehen. Schlag 6 Uhr.30 gab der Londoner Lordmayor das Zeichen zum Start. Als erste stieg die Maschine des Flieger-Ehepaares M o l I i s o n in die Luft. Nach jeden weiteren 45 Sekunden stürmte ein Flugzeug vorwärts. Manches der schwerbeladenen Flugzeuge schien beim Verlassen des Erdbodens zu, schwanken, und man Höft förmlich das Aufatmen der Zuschauermenge, als schließlich sich doch alle in die Luft erhoben. Nach 17 Minuten hatten alle Flugzeuge den Flugplatz verlassen und 45 Minuten nach dem letzten Start surrten be-' reits die ersten Maschinen über dem Aermelkanal. Die Wetterprognose für den Flug lautet sehr günstig. Das Rennen gliedert sich in zwei Abteilungen, und zwar in einen reinen Schnelligkeits-Wettbewerb und in ein Handicap-Rennen. Alle Flugzeuge können an den Kontrollstellen, und zwar in Bagdad. Allahabad, Singapore, Port Darwin, Charleville und schließlich in Melbourne, dem Ziel des Rennens, Landungen vornehmen. Zu diesen Landungen ist jedoch niemand verpflichtet, und die von einzelnen Piloten ausgearbeitetcn Reiseprogramme zeugen vielfach von der Absicht zu einem Nonftop-Flug bis nach dem 2530 Meilen entfernten Bagdad. Einzelne Piloten haben in ihren Plänen auch Landungen in Marseille, Athen, Rom und Bukarest vorgesehen. Der erste Apparat, der das Zielband in Melbourne überfliegt, wird als Sieger erklärt werden. Der erste Preis besteht aus 10.000 Pfund Sterling und einem goldenen Pokal. Der erste Preis im Handicap-Rennen aus 2000 Pfund Sterling. Er wird den Weg nach Australien zeigen Der irische Oberst Fitzmaurice ist von der Teilnahme an dem Luftrennen nach Australien ausgeschlossen worden, weil ihm die Erlaubnis verweigert wurde, mit einer Ladung von mehr als 8000 Pfund zu fliegen. Oberst Fitzmaurice hat daher seine Teilnahme an dem Flug unter Protest zurückgezogen, aber erklärt, er werde den anderen Teilnehmern den Weg nach Australien zeigen. Er wird also außerhalb des Wettbewerbes einen Flug nach Australien unternehmen. Die ersten Unfälle Der britische Kapitän Stack war zu einer Notlandung unweit Abbeville gezwungen. Auch der britische Flieger Brook mußte im Departement Seine-et-Oise eine Notlandung vornehmen. Wie aus Bukarest gemeldet wird, ist dort der Amerikaner Cochran eingetroffen, der mitteilte, daß er infolge Motorstörung aufgeben müsse. Mayonnaise, 1 Kilo 200 Gramm gebratenes Hammelfleisch, 1 Kilo kleine und große Fische, 500 Gramm Käse, sowie Apfelkuchen mit Sahne in ungezählten, aber gewaltigen Mengen. Daneben trank er acht Flaschen Wein. Seine Konkurrenten, so berichtet das Bulletin vom Kriegsschauplatz der Preisfresser, blieben schmachvoll auf der Strecke, obwohl sie auch fünffache Portionen vertragen konnten. Uns scheinen Kulturwidrigkeiten dieser Art mehr als nur eine rüde Geschmacklosigkeit zu sein. Sie sind Symptom für die Jnstinktverlassenheit eines indolenten Spießertums, in einer Zeit unfreiwilliger Hungerwettbewerbe. Es ist wohl keine Bösartigkeit, die hier am Werke ist, sondern nur Dummheit. Aber eine Dummheit, die so groß ist, daß sie gemeingefährlich wird. Ein mutiger Kritiker. In einer Versammlung der Nazi in Elsfleth bei Bremen sprach der Bremer Statthalter Roewer. Nach seiner Rede frug ihn ein Mann, ob es wahr sei, daß er 30.000 Mark im Jahr verdiene. Roewer mußte das bejahen. Darauf antwortete der Mann:„Sie sind ein Lump und gehören ins Zychthaus." Der Kri- tfler wurde sofort verhaftet. In der Gerichtsverhandlung gab er an, daß er nur Roewers eigene Worte gebraucht habe. Er wies ein von Roewer gezeichnetes Flugblatt, das vor der Machtergreifung verbreitet wurde, vor, in dem es hieß:„Wer mehr als 10.000 Mark jm Jahr verdient, ist ein Lump und gehört ins Zuchthaus." Er hatte den Herrn Statthalter mit seinen eigenen Ein Tendenzbuch also? Ja und nein. Es ist geladen von sozialistischer Aktivität. Doch es ist voller Grobheiten und Wahrheiten. Was es gegen manche Verspießerungstendenzcn in der Arbeiterbewegung sagt, ist nicht von schlechten Eltern. Auch der Unterschied zwischen der Hohlheit eines gefühlsmäßigen Radikalismus und opferbereiter revolutionärer Gesinnung wird scharf beleuchtet. Der Verfasser uzeint, mit dem Verprügeln von Streikbrechern sei es nicht getan. Mit großer Liebe und Einfühlung zeichnet Bührer die krisengeplagten Bergbäuerleins. Von der Höhe großer volkstümlicher Kraft schildert er ihr verzweifeltes Anklammern an die karge Scholle, die Aussichtslosigkeit des Einzelkampfes gegen die Ziuscnrobot und die fortschrittliche Konkurrenz des Flachlandes. Den Ausweg zeigt er ihnen im Zusammengreifen zu genossenschaftlichem Gemeinschaftswerk, unter sich und mit den Arbeitern« Er zeigt aber auch die" Schranken auf, die in den Menschen selbst liegen. Der junge Fortschrittsbauer, der seine Nachbarn zu neuen Wirtschaftsmethoden vereinigen will, Erntet üblen Lohn. Der Leser soll nur wissen, wie schwer es ist, zehn oder fünf Prozent eines großen wirtschaftlichen Reformplanes in die Tat umzusetzen. Das Papier ist geduldig, die Menschen aber sind kleinlich, mißtrauisch, egoistisch. Die Weltverbesserer mögen zuerst mit sich ins Gebet gehen, wie weit sie den dornigen Weg der Neuschöpfung auch durchhalten können. Deshalb bleiben doch die satten Bürger im Unrecht, die da glauben, daß der Kapitalismus das letzte Wort der Weltgeschichte ist. Bührer schiebt die gestärkte Hemdbrust des selbstbewußten Vollblut-Unternehmers ein wenig beiseite. Ein recht unsauberes, von Revolutionsfurcht und Geldangst geplagtes Gewissen kommt zum Vorschein.„Die schlimmsten Feinde des Kapitalismus sind die Kapitalisten selber"— sagt ihm die Heldin der Handlung ins Gesicht. Er muß die Backpfeife ruhig einstccke», denn es ist in der Lat so.,. Worten geschlagen.(Aus einer in Berlin erscheinenden illegalen Zeitung.) Was ist mit dem Selbstmörder Dnik. Das tschechoslowakische Preßbüro hat die"auch von uns übernommene Meldung des„Prävo Lidu", wonach der ehemalige österreichische Oberstleutnant i. P. jugoslawischer Nationalität, Stefan D u i c, in Karlsbad Selbstmord verübt und der Selbstmörder in Zusammenhang mit einer demokratischen Terroristenorganisation gestanden habe, bestritten und den Selbstmord auf eine unheilbare Krankheit des Duic zurückgeführt. Die samstägigen„Ranni Noviny" nun stellen fest, daß entgegen der amtlichen Meldung bei Duic die Münze der kroatischen Terroristenorganisation„Kuna" gefunden wurde und daß die Polizei davon überzeugt sei, diese Münze sei die Erkennungsmarke der kroatischen Terroristen. Duic sei ein Führer der Orga-- nisation„Ustascha" gewesen. Schließlich beharren ,Htanni Noviny" darauf, daß Duic vor seinem Selbstmord eine geheime Sendung erhalten und sich unmittelbar danach erhängt habe. Schienenautobus überfährt Auto. Ein mit acht Personen besetzter Lieferwagen wurde auf einem Bahnübergang in-der Nähe von Bordeaux von einem Schienenautobus, der mit 70 Kilometer Stundengeschwindigkeit herangebraust kam, erfaßt. Das Lieferauto wurde über 150 Meter weit mitgeschleist. Unter den Trümmern zog man vier Tote und vier Schwerverletzte hervor. Bei zwei von ihnen haben die Aerzte jede Hoffnung aufgegeben. Heiß aufeinanderprallt in den Stiffliser Stürmen der Gegensatz der Generationen. Die Jungen glauben den Lobpreisern des Bestehenden nicht mehr. Was sollen die Alten dagegen tun? Sich neu bewähren, ihre Existenz rechtfertigen, sagt der Dichter. Pas Buch ist eine Ermunterung der mit grauer Gegenwart ringenden Jugend zu großer Einsatzbereitschaft. Die denkfaulen Statisten der fascistischen Mcssiasse und diese selbst kommen aber darin schlecht weg. Jm Mittelpunkt der Handlung spielt sich eine Versammlung der Frontisten in dem Bergbauerndorf Stifflis ab. Man fühlt sich beim Nachlesen der Schilderung in eine Versammlung unserer Heimatfront versetzt. Genau dasselbe Theater I In Lastwagen kommen die Frontler angefahren. Ein Schalltrichter verkündet:„Volksgenossen, kommt in den„Löwen". Wir zeigen euch den Ausweg aus der Not." Und die Volksgenossen erscheinen. Sind die versammelt, dann schmettert ein Ruf durch den dichtgefüllten Saal.„Ha- rus" ruft man in der Schweiz, bei uns„Heil", seitdem„Heil Hitler" verboten. Zwischen das Spalier seiner Anhänger geht der Referent, energisch ausschreitend, zur Bühne. Seine Knappen stellen sich vor der Bühne auf, das Gesicht zum Publikum. Auch im Saal werden Posten verteilt, sozusagen als Wache. Der Redner beginnt mit der Feststellung:„Volksgenossen.; so tannesnichtweitergehenin H-elvetken! Dann kommt eine fürchterliche Predigt gegen Kapitalismus, Marxismus, Bolschewismus, Liberalismus, Freimaurertum usw. Dazwischen hagelt es gut eingedrillje Pfuirufe. Manchmal kommen die Beifalls-- und Mißfallensausbrüche zurecht, manchmal klappt die Regie! nicht und der Redner muß erst durch eine Kunstpause den Chorus an seine Schuldigkeit erinnern. Ganz wie bei uns. Gegen Schluß brüllt der Redner: es ist zeh„Minuten vor zwölfl Wörtlich dasselbe sagt in jeder Versammlung der Herr S a n d n e r. In der Schweizer Versamm- ümg, die uns da geschildert wird, gab es au die- Das deutsche Zeitungssterben. In einer Mitteilung an seine Leser gibt-der im Scherl-Verlag erscheinende„Tag" bekannt, daß nunmehr- der „Berliner Lokalanzeiger" die Aufgaben des „Tag" unter Fortsetzung seiner Tradition übernimmt. Die Leser des„Tag" erhielten mit der Post die Tag-Ausgabe des„Berliner Lokal-; anzeigers". Brennendes Schift. Auf dem Winnipegosis- See, etwa 280 Kilometer nordwestlich von Win- mpeg im Staate Manitoba, brach auf einem. Schiff, auf dem sich zehn Personen, Männer, Frauen und Kinder befanden, ein Brand aus. Neun Personen kamen dabei ums Leben, da das Schiff sank. Hauptmann in New Nersey. Nachdem die Berufung Bruno Hauptmanns hinsichtlich seiner Auslieferung an den Staat New Jersey verworfen worden war, wurde Hauptmaiin in einem schnellen Kraftwagen, von zahlreichen Polizisten auf Motorrädern bereitet, über die Grenze nach Ncw Jersey gebracht. Er wird dort unter der Beschuldigung, das Lindbergh-Baby geraubt und ermordet zu haben, vor Gericht gestellt. Dreizehn Familien obdachlos. Die Ortschaft „Weilerhof" unweit der Gemeinde Strengen am Arlberg ist Donnerstag abends' vollständig niedergebrannt. Stehengeblieben ist bloß einzig und allein die Ortskapelle. Die Ursache bildet wahrscheinlich eine schadhafte elektrische Leitring.„Ter Weilerhof", wie man die Orftchaft im Volksmunde nennt, setzte sich aus fünf Bauerngehöften zusammen, die zusammen 13 Familien bewohnten. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen! Montag: Prag, Sender L.: 10.05: Deuftche Nachrichten, 12.10: Opern. Fantasien, 13.35: Arbeitsurarkt, 16.55: Kinderstunde, 17.20: Schallplatten, 18.20: Deuftche Sendung: Dr. Welsch: Die goldene und die faule Mutter, 18.40: Zum Kinderschutzmonat, 18.55: Deuftche Presse, 19.15: Wir lernen russisch, 22: Presse, Sport, 22.15: Tanzmusik auf Schall-' platten, Sender S.: 14.25: Walzer auf Ultraphon- platten, 14.45: Jugoslawische Lieder, 15.10: Deutsche Sendung: Kirschner: Herbst. 18.10: Blasorchesterkonzert.— Brünn 12.10: Arbeitsmarkt, 17.45: Deuftche Sendung: Prof. Hruby: Lebensraum, 18.05: Jugendstunde, 18.20: Zimbel-Solo, 19.30: Chansons.— Mährisch-Ostrau 17.35: Opern-Arien, 18.20: Deutsche Arbeit ersendung: Keilich: Ratlose Landjugend, 19.10: Humor im Volkslied.— Preßburg 19.30: Unterhaltungsmu sik. — Kaschau 20.30: Violinkonzert. Dienstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deuftche Nachrichten, 11.05: Deuftcher Schulfunk, 12.10: Schallplattee 16.40: Konzert des estländischen GesangsvereincS, 17.05: Donkosakenchor, 17.50: Violinkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Strauß: Wirftchaftliches Relief, 18.30: Lieder, 19.10: Lieder für vier Frauenstimmen, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.45: Russische Lieder, 15.05: DeuftcheSendung: Olly Deutsch: Der Künstler und sein Publikum, 15.20: Heimische Komponisten besingen die Natur. — Brünn 10.15: Balalajka-Ensemble der russischen Hochschüler, 16.45: Jugendfunk, 17.45: Soziale Informationen, 17.50: Deutscher Arbeiterfunk: Harrens: Heitere Rezitationen, 18.20: Schavplatten: Richard Strauß.— Mährftch-Ostrau 17.50: Klavierkonzert.— Preßburg 17.20: Vilione cellokonzert, 21.30: Unterhaltungsmusik.— Kascha» 18: Hhgieniefunk. ser Stelle einen heiteren Zwischenfall. Nach dem Donnerruf, es sei zehn Minuten vor zwölf, folgt erwartungsvolle Stille. Da platzt ein in der vordersten Reihe sitzendes Bäuerlein heraus: Was, schon so spät, da müssen wir, denkich, heimgehen! Darauf schallende Heiterkeit. Auch die Frontler wollen mitlachen, aber sie müssen weiter toternste Gesichter machen als die kommenden Erneuerer und Rächer. Der Redner donnert weiter. Aber die Spannustg ist verflogen. Die Zuhörer bemerken, daß die Kraftworte eingelernt find; eingelernt auch die „Harus"- und„Pfui"-Salven'der fascisftschcn Garde. Der Bann ist gebrochen und die Frontler fahren ohne Ruhm heim. In dieser Geschichte liegt tiefer Sinn. Man darf sich durch die verkrampften Kinnladen dec Frontler nicht bluffen lassen. Man muß stets wissen, daß da eine verbitterte Jugend ihre Enttäuschung und ihre Unwissenheit hinausschrcit in die Welt. Mit ein wenig Humor und menschlicher Ueberlegenheit lassen sich solche tragische Szenen manchmal bedeutend abkürzen. Ein politisches Buch also, der„Sturm über Stifflis". Ja, das ist es. Selten aber sah man die menschliche Seite der Politik so glücklich herausgestellt. Ein erdnaher Volksdichter schreibt über die Krise,' die von der Wirtschaft ausging und sich tief in die Seele der Menschen Hineinfratz. Wir tief diese Krise geht, wie sie den Auftuhr der Seelen in die Bürgerhäuser, in die Proletarierwohnungen und bis in die letzten Gebirgsdörfer trägt und zu verheerenden Stürmen entfacht, das sehtzn wir in diesem Buch durch die Augen eines Betrachters, der über den Alltagskänipfen steht und doch Partei ergreift für das Gute im Menschen, für die Unverzagten, die nicht Herrscher sein wollen, sondern Erlöser und durch afle Wonnen ünd Schmerzen des Erlöserschicksals schreiten, wie durch ein läuterndes Fegefeuer. Ein Buch, das aus dem Kampfe aller gegen afle den Ausiveg zeigt zu menschlicher Bewährung und sozialistischer Tat. i.— *.3* Sonntag, 21. Oktober 1934 Seite S Betrug Bei der„Blauen Lotterie" Zweigstelle Mariaschein auSge- hoben Aussig. I» Mariaschein bei Teplitz- Gchönau wurde von der Gendarmerie eine Zweigstelle der sogenannten„Blauen Lotterie" festgestellt, die ihre Zentrale in Wien hat und die nach dem Umsturz auf dem Gebiete der Tschechoslowakei »erboten wurde. Die Filiale entfaltete ihre Tätigkeit nicht nur im Teplitzer, sondern auch im Durer und im Aussigcr Bezirk, wo sie überall ihre Vertreter hatte. Sie zahlte aber nur kleinere Gewinne aus, während sie die größeren ihren Klienten verheimlichte und für sich behielt. Einer der so Betrogenen, dessen Nummer 800 XL gewonnen hatte, die ihm der Inhaber der Filiale «nszuzahlen sich weigerte, hat nun den Fall der Gendarmerie angezeigt. Ziehung der Massenlotterte lU»verbindlich) Prag. Bei der Samstag-Ziehung der 8. Klasse der tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden fol- dende Gewinne gezogen: 10.000 K£ 1045 96155 34395 2585 68304. 5000 K6 79824 8620 22028 82670 12134 41164 86311 51513 69638 90686 23266 46880 14873 80902 76057 87915 13171 78007 85507 75989 62250 94264 44375 100633 75142 81797 3783 19737. 2000 KB 105709 46939 52006 104020 51350 61314 62420 6517 40338 42549 100335 81014 35337 76058 174 35085 40792 72673 43591 54162 34839 92771 42449 77554 48768 93499 65617 44672 9611 6817 69481 100492 56764 11672 55139 103006 17317 75730 68452 67419 107635 49358 9901 13040 33169 44832 28700 41946 6342 95541 94137 98120 82685 11441 91092 56394 105361 12418. 1200 K6 37955 72690 25905 39796 40173 67618 36269 54414 49292 63719 13846 70111 82273 39726 35418 47441 90945 17305 57401 60944 56807 51446 7810 12297 65006 45689 33413 90776 56155 92693 31988 18415 27512 5336 16007 100981 80624 34079 24066 43254 22055 82815 66242 28864 83647 23939 32909 81402 101563 66526 104766 33935 52769 81094 15894 103340 71983 11577 61182 29529 14720 2675 20911 57837 26424 103713 23001 77709 39448 94928 69991 37732 94919 99957 39430 47905 63869 24690 31955 23163 106577 83029 69398 86918 28188 553 54433 104257 21189 6409 57129 86903 19074 73802 25672 14 86439 37793 99546 61480 45665 48634 104084 41499 104692 43951 74432 55493 3376 45748 48179 102720 84757 31239 66799 83466 85056 81790 43445 94920 32878 52903 6023 60209. Die„Grundsätze" der Christlichsozialen. In den»Grundsätzen der deutschen christlichsozialen Vollspartei in dec.Tschechoflo!valischen Republik" heisst cS unter III Christlich, Punkt- Sc.'O N .Die Partei bekämpftim Interesse des eigen en Volkstums alle verderblichen volksfremden Einflüsse, insbesondere eine schädliche Vorherrschaft deS Judentums auf allen Gebieteu des öffentlichen Lebens." Diese zu bekämpfende schädliche Vorherrschaft des Judentums zeigte sich schon aus der nächsten Seite der Festnummer durch ein halbseitiges auffälliges Inserat des Iudenfirmen Heller u. Co. und«A B C" in Aussig. Auch die Iudenfirmen Bankhaus Petsche! u. Co., Prag, Löwi u. Strauß, Aussig, u. a. fehlen nicht. Das Geschäft floriert unter der Losung:.Kauft nur bei Christen! Aber holt die Anzeigen für die christliche Presse von den Juden!" Warum auch nicht! Duldsamkeit ist eine fromme christliche Tugend und wenn der Jud Geld bringt, kann er bis zum Tabernakel Vordringen und bekommt als Quittung ein salbungsvoll gesprochenes.Vergelts Gott!". Einer, der 1780 geboren sein will. In der Gegend von B a t u m wurde kürzlich ein Bauer namens C h a p a r a ermittelt, von dem behauptet wird, daß er 154 Jahre alt sei. Es wäre dies der ältesteMenschder Welt. Vom Prager Rundfunk In der vergangenen Berichtswoche waren die drogrammäßigen deutschen Sendungen Prags zmn großen Teile ausgeschaltet, um Raum zu geben für die Übertragungen von den verschiedenen Trauerfeierlichkeiten zu Ehren der beiden großen Toten nach dem Marseiller Attentat: d«S Königs Alexander l. von Eüdslawien und des Ministers Barthou von Frankreich. In teilweiser Aenderung seines übrigen Programmes nahm auch der deutsche Rundfunk teil an diesem Gedenken-— Univ.-Prof. Dr. Schneeweiß zeichnete in seinem Mittwochbortrage die geschichtliche Entwicklung SüdslawienS und zeigte König Alexander als den Führer eines um Freiheit kämpfenden Volkes und als klugen, zielbewußt entschlossenen Staatsmann.— Prorektor Prof. Dr. Gesemann stellte vor seine Hörer der Freitagsendung das Bild Alexanders als des einfachen, bedingungslos der Pflicht dienenden Soldaten, des Feldkameraden aller Kämpfenden, des paffioniertesten Offiziers seiner Armee.-- Auch die von Prof. Dr. E b m am Dienstag vorgetragenen religiösen Lieder(Talisman", .Gebet",.Turmwächterlied") trugen ihren ernsten Klang in den wehen Akkord einer Woche der Trauer. Außerhalb dieses düsteren Rahmens stand Dr. Alfred Albrechts.Wirtschaftliches Relief", das einen Stillstand der Bautätigkeit verzeichnete,^dringend die Erschließung neuer Absatzgebiete für die Ausfuhr verlangte, auf neue Handelsverträge mit Deutschland und Frankreich hinwies und solche mit Oesterreich erhoffte und beklagte, daß die geplante Entschukduna der Landwirtschaft und der Selbstver- Priester mit Gasmasken... Ein Bild von Luftschutzübungen in Japan. Wahrscheinliche« Wetter: Sonntag: Wechselnd bewölkt, vereinzelt aufklärend, in den Niederungen vielfach nebelig, mäßig warm; schwacher, überwie- gend südwestlicher Wind.— Wettervoraussichten für Montag: Fortdauer des ziemlich ruhigen Herbstwetters.— Luftdruckverteilung über EuropaSamstag um 14 Uhr: Hochdruck: 768 Millimeter von der Iberischen Halbinsel über die Alpen bis zu den Karpathen und der Balkanhalbinsel; Tiefdruck: 747 Millimeter südlich von Jslarw, 786 Millimeter Nordkap, 752 Millimeter östlich von der Ukraine. Rumänisches Bauernleben Von Spiridon Popesc«. Diese Schilderung schrieb kein Revolutionär, sondern sie ist das von der Rumänischen Mademie beglaubigte Zeugnis eines bürgerlichen Gelehrten. Die Bauern Alt-Rumäniens kennen nicht den Genuß, sich zu waschen, den Körper rein zu halten. Es gibt Bauern,, die nur Hände und®.e» sicht waschen;. sonst kommt ihr Körper imr.in Bc- tührüng mit bim Wasser' in btzn Windeln üstsschor dem Begräbnis. Es gibt Bauern, die iht Hemd einfetten, damit sie nicht von Ungeziefer und Insekten aufgefressen werden; sie werfen das Hemd nur ab, wenn es schon völlig in Fetzen ist. Die Bauern haben kein menschenwürdiges Bett, keine Polster, kein Leintuch. Manchmal haben sie eine Decke. Wieviel Krankheitskeime enthält doch diese Decke, unter der Erwachsene und Kinder, Gesunde und Kranke schlafen! Die Decke wird nie gelüftet, sieht nie das Licht der Sonne. Sie wird erst weggeworfen, wenn sie völlig zerrissen, ein Fetzen ist. Die ganze Familie schläft zusammen in einem Raum, auf einer einzigen Schlafstelle unter dieser einzigen Decke. Der Fußboden der Stube besteht aus bloßer Erde— gekneteter Lehm mit Kuhmist—, das Fenster wird nie geöffnet, das Luftloch des Ofens bleibt sorgsam versperrt, da- mit die liebe Wärme nie entweicht. Die Bauern kennen nicht den Gebrauch des gewöhnlichen Hausrates. Auf ihrem Tisch findet man keine Teller, kein Glas, keine Gabel, nur eine einzige Schüssel, aus der die ganze Familie ißt, und in die alle zugleich mit den Löffeln hineinfahren. waltungskörper nicht genügend konkretisiert werden konnte. In der Arbeitersendung am Mittwoch würdigte Anton Steinberg„Rußlaicks Rückkehr nach Europa" und knüpfte an das Ereignis des Eintritts der Sowjetunion in den Völkerbund eine Betrachtung der Vorgeschichte, die zu der Erkenntnis kam, daß nur in der Zusammenarbeit Sowjetrußlands mit den Demokratien des Westens die Garantie des Weltfriedens gegeben ist.— Dr. Wolfgang Brügelinformierte die Hörer Wer die Tätigkeit der Arbeitsgerichte, die als wesentlicher Anwalt der Intereffen der Arbeitnehmer zu schätzen find und sich als solche in einer langen Reihe von Urteilssprüchen erwiesen haben. Am Ende der Woche standen Karl Schmidts farbenbetonte Augenblicksbilder miS dem aktuellen Geschehen. Er eröffnete einen Blick in die Hintergründe des Marseiller Attentats, wo verschiedene politische Interessen ihre Terrorgruppen verborgen halten, deren Zentrale in Berlin zu suchen sei. Vom Völkerbünde sei zu erhoffen, daß dieser politischen Unterwelt der Garaus gemacht werde- Mit dem ganzen Herzen steht das Proletariat der Welt auf der Seite der im Kampfe unterlegenen Republikaner Spanien-, dieses Landes mit der eigenartigen sozialen Struktur, die Blasko Ibanez in der.Scholle" meisterhaft gezeichnet hat. In unserer Republik sorgen die Aufmärsche der Henleinftonten für Ab- wechstung. In den privaten Bauernschulen der land- bündlerifchen Jugend seien die Keimzellen dieses getarnten FaseiSmuS zu suchen, der in Böhmisch-Leipa sein Programm öffentlich aussprechen will— dessen wahre Absichten aber schon längst bekannt seien. Ernst T b ö n e r. Wenn die Bauern vom Felde kommen, lagern sie sich im Kreise, so wie sie sind, schmutzig, mit ungewaschenen Händen, um ein niederes dreibei« niges Tischchen, reißen jeder von der heißen Mamaliga(Maisbrei) ein Stück ab und kneten daraus in der rechten Handfläche einen Knödel» den sie dann in den Mund stecken. Der ganze Schmutz ihrer Hände wird mitgegessen, mitgekaut. Gibt es Krautfleisch, so fahren alle mit ihren Mamaljgaknödeln in der Schüssel so lange herum, bis sie einen Happen Fleisch erwischen, der ihren Zähnen und ihrem Geschmack entspricht. Auch die Finger patschen mit im Krautfleisch. Die Kinder gar tauchen gleich die ganzen Händchen ein. Unwissend, nicht für ein menschliches Leben erzogen, sind die Bauern erbarmungslos zu ihren Weibern. Die Frauen werden, schon hochschwanger, ja in den letzten Tagen vor der Geburt, aufs Feld mitgenommen und zu den schwersten Arbeiten mit der Sense verwendet. Erst wenn die Geburtswehen sie befallen haben, entschließt sich die Aermste nach Hause zu gehen. Oft kommt es vor, daß sie keine Zeit mehr dazu hat, und dann gebiert sie im Maisfeld. Gleich wandelnden Sei#* namcn wanken-sie, das. Neugeboren« in de» Falten der Äöcke, nach Hause. Vor aller Augen, vor den Erwachsenen wie vor den Kindern, wird in der Stube, in der nie das Fenster geöffnet wird, in der man schläft,- ißt,! kocht, und alles übrige verrichtet, der Wöchnerin ein«Lager" bereitet. Das heißt, es wird auf dem nackten Boden Streu mitsamt allem Schmutz aus-! gebreitet. Kein Leinwandfehen ist auf diesem Stroh. Nie wird es während des Wochenbettes erneuert. Muß man noch hinzufügen, daß diel Sterblichkeit der Säuglinge unter diesen Umständen erschreckend hoch ist? In vielen Gegenden leben die Bauern in j Hütten, die in demselben Zustand geblieben sind, wie sie ein englischer Reisender, William Mac- l Michael, im vorigen Jahrhundert vorgefunden hat. Diefe Hütten zeigen die ganze Tiefe des Elends! unterm Volk, ein Elend, das schon an sich schreiend ist, es um so mehr wird im Vergleich zu dem I Prassertum der oberen Schichten.«Als es dunkelte", erzählt der Engländer,«kehrten wir in einer Hütte ein, der elendsten, die wir jemals gesehen haben. Eine wahrhafte Troglodytenhöhle. Ein fast unbedeckter Borraum, mit Haustieren vollgepfropft, bildete den Eingang zu dem Kellergelaß, zu dem wir auf drei Stufen hinabstiegen. Hier finden wir zwei Frauen und zwei Kinder zusammengekauert um ein paar brennende Scheüe. Mein Reisegefährte", so schließt der Engländer, «war in Nubien und in Aegypten, ich selbst kannte die Bauernwohnungen in Finnland, Griechenland\ und Sizilien, aber beide mußten wir feststellen: 1 noch nie hatten wir eine Nacht verbracht in einem so schändlichen Loch wie in diesem." Und in solch schändlichen Löchern hausen noch heute viele Bauernfamilien im Donautal, ja sogar in den wohlhabenden Gebirgsgegenden. Man nennt sie„Bordej", diese Behausungen. Wie sieht so ein„Bordej" aus? Es ist ein dunlles, feuchtes Loch, gewöhnlich zweiteilig, manchmal auch dreiteilig. In dem sogenannten Vorraum, durch den man in die anderen Räume kommt, ist das Vieh untergebracht: die Kuh, das, Kalb, die Schweine, das Geflügel, ein Faß mü Kraut. Dort, in einem Winkel auf, dem Fußboden,| wird auch das Essen zubereitet. Die Wärme des, Viehs,' das Feuer, auf dem gekocht wird, heizen die Hütte. Den Platz, wo das Feuer gemacht wird,! nennt man Herd. Ueber diesem Herd hängt eine eiserne Kette, an der der Mamaligakessel befestigt ist. Der Rauch des Feuers verbreitet sich in der ganzen Hütte. Er ist willkommen, bringt er doch Wärme. Ein kleiner Teil deS Rauches entweicht durch ein Loch in der Decke Wer dem Herd. Dieser Rauch zeigt an, wo die Hütte ist, so wie das Peristop das Unterseeboot ankündigt. Der Schwindel mit der Winterhilfe Aufschlußreiche Ziffern ans dem Dritten Reich Dem«Neuen Vorwärts" entnehmen tmr folgende Ausführüngen, die den fascistischen Schwindel mit der Winterhilfe im Reich und überhaupt das„soziale" Gesicht Neudeutschlands entlarven: Folgt man den amtlichen Angaben, so hatte die Winterhilfe 1933 die Aufgabe, 18 Millionen Menschen 26 Wochen hindurch zu unterstützen. An diese 18 Millionen Menschen sind verteilt worden: 140 Millionen Mark in Lebensmitteln, 60 Millionen Mark in Kleidung,85 Millionen Mark in Brennstoffen, 30 Millionen Mark in Gebrauchsgegenständen und 5 Millionen Mark in Gutscheinen. Niemand hat also einen Pfennig Bargeld bekommen, niemand kam: also den wahren Geldwert der Waren berechnen. Aber selbst ivenn man annimmt, daß die Gesamtleistung der Winterhilfe wirklich 320 Millionen Mark betragen hat, so«gibt daS ans den einzelnen nur eine Leistung, die strge und schreibe 70 Pfennige die Woche auSgemacht hat. Davon entfielen 28 Pfennige auf Lebensmittel, 19 Pfennige auf Heizung, 16 Pfennige auf Bekleidung, 5 Pfennige auf Gutscheine und 2 Pfennige auf Freitische und Lebensmittelpakete. Der allergrößte Teil dieses Geldes ist nicht freiwillig aufgebracht, sondern zwangsweise I erpreßt. Er stammt aus den Taschen der A r m e n, i ist Abzug von Lohn, Gehalt oder gar Unter- ! stützung. Nur der lleinste Teil, vielleicht ein j Zehntel, sind Leistungen der Wohlhabenden. Dazu kommt: Im ersten Jochr der natia- nalsozialistischen Diktatur ist die durchschnittliche Unter st ützung eines verheirateten Wohl- fahrtserwerbÄosen von 14 auf 10 Mark wöchentlich gesenkt worden. Bier Mark hat man den Erwerbslosen gestohlen, 70 Pfennige hat man chnen als Bettelgabe zurückgegeben. Allen Wrigen Unterstützungsempfängern geht es ebenso. Um ein unendliches besser wäre ihre Lage, wenn die Zustände wieder hergestellt würden, wie sie vor ' dem Dritten Reich bestanden haben. Am besten beweisen das amtliche Zahlen über die Leistungen des Reiches auf dem Gebiet des Wohlfahrtswesens. Sie haben sich folgendermaßen entwickelt (in Millionen Mark): 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1297 1553 1662 1484 1250 903 In der Zett, in der Sozialdemokraten auf ■ die Regierung Einfluß hatten, waren die Leistun- I gen des Wohlfahrtswesens fast doppelt so hoch als unter Hitler. Schonungslos hat man die Soziql- ausgaven abgebaut:™ mir.taiilr:<„. 4 Auch bei den Arbeitslosen, ja gerade \ bei ihnen. Im Jahre 1932 zahlte das Reich noch einen Zuschuß von 88b Millionen Mark, 1933 ! sank er auf 490 und 1934 soll er gar nur 264 Millionen betragen. Diese Entwicklung ist um so schamloser, da jetzt den Arbeitslosen nicht ein- W mal mehr das an Leistungen zufließt, was sie zuvor durch Beiträge aufgebracht haben. Jeder Arbeiter oder Angestellte zahlt seinen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und daneben noch eine besondere Arbeitslosenabgabe. Ihr Ertrag fließt in die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung. Dem' Bericht der Reichsanstalt über das Jahr | 1933 ist zu entnehmen, daß eine Einnahme von I 1556 Millionen Mark erzielt wurde. Von dieser Summe aber wurden nur 227 Millionen an Arbeitslosenunterstützung, 347 Millionen an Krisenunterstützung und 21 Millionen Mark an Kurzarbeiterunterstützung ausgezahlt. Die Arbeitsbeschaffung wurde mtt 180 Millionen, die Landhilfe mit 27 Millionen finanziert. In die Reichs« lasse aber flössen 690 M illionen, also etwa dreimal so viel, als das R'ich an Zuschüssen für dir Arbeitslosen leistete. Von jeder Mark, die an Bei- trägen an die Arbeitslosenversicherung gezahlt wurde, wurden nur 14 Pf. für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben, an Krisenunterstühung und Kurzarbeiterunterstützung zusammen nur 40 Pf. Der Rest verschwand in derReichskasse.Wie stark der Abbau in der Wohlfahrtsfürsorge vorgeschritten ist, beweisen ebenfalls die offiziellen Zahlen. Die Aufwendungen für die Hilfsbedürftigen, die nicht in Anstalten untergebracht sind, betrugen im letzten Jahr vor der Naziherrschaft(1932/34) 2097 Millionen Mark, während sie im Jahre 1933/34 auf 1866 Millionen Mark gesunken sind. Die Fürsorgeverbände haben also an den Armen ebensoviel gespart, wie die Winterhilfe angeblich aufgebracht hat. Eine einfache Rechnung: «+ 10= 18 Ein Kind mit 6 Jahren in der Hand de» Gegners, wird mit 16 Jahren ein Kämpfer SC»®"”«5 sein. Ein Kind mit 6 Jahren in unserer Hand, wird mit 16 Jahren... ein Kämpfer«Ur UnS sein. Arbeitereltern, merket: 8+ 10- 16! Werbet für die Kinderfreunde. Cehlrl/ai euere Kinder in unsere Felkern- dsllKnCl semelnscheft! Max Winter. Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 21. Oktober 1934. Stt. 247 PBAGEB ZEITBMG Höchste Prager Autotaxe KL 2.50. Durch die zahlreichen Beschwerden der in Prag einlangenden Mremden über die hohen Autotaxipreise der Droschken, die vor den Bahnhöfen warten, hat sich der Magistrat veranlaßt gesehen, dem.Stadtrat Linen Antrag auf Neuregelung der Tarife zu unterbreiten. Danach werden die bisherigen Höchsttarife von 4 und 3 Kc, die für Luxustaxi und große Wagen pro Kilometer gelten, aufge- lassen und ein einheitlicher Höchsttarif für alle Autotaxi in der Höhe von 2.50 KL festgesetzt. Auch die Wartegebühr von 20 KL pro Stunde wird auf 15 KL herabgeetzt werden. Die> Gepäckstarife bleiben unverändert. Der Antrag wird der Zentralvertretung vorgelegt werden. Gegen die„Gnädige Frau" in der Schule. Die„Prager Presse" schreibt:„Vor einiger Zeit hat die Schulverwaltung allen Lehrerinnen den Titel„Frau Lehrerin" ohne Unterschied, ob es sich um ledige oder verheiratete Lehrerinnen handelt, zuerkannt. Diese Ansprache hat sich rasch einge- lebt, aber zugleich werden, besonders im Verkehr vcr Ettern mit den verheirateten Lehrerinnen, diese nun häufig mit„Gnädige Frau" angesprochen, um so dennoch die verheiratete Lehrerin von der unverheirateten zu distanzieren. Nun wendet sich die Prager Lehrerschaft gegen dieses Beginnen und besteht darauf, daß alle Lehrerinnen ohne Unterschied nach den demokratischen Prinzipien bloß mit der Anrede„Frau" angesprochen werden."— Dieser beachtenswerten Mitteilung wäre noch der Wunsch beizufügen, daß auch dem Unfug gesteuert werde, den das Warten der eleganten Privatautos auf die Kinder reicher Leute unmittelbar vor dcil Schultoren bedeutet. Gratismittageffen für deutsche Hochschüler. Die „Deutsche Studentenfürsorge" hat neuerdings eine Freitischaktion ausgeschrieben, durch die unbemittelte Hochschüler mit freien Mittageffen beteilt werden. Diese Aktion lvird auch wieder auf die Inhaber der staatlichen Absolbentenstipendien erweitert. P stverkehr zu Allerheiligen. Donnerstag, den 1. November, wird der Dienst im Post-, Telegraphen- uird Tclephonverkehr wie an Feiertagen versehen; die Post wird jedoch nur im Ortsbestellbezirk zuge- ftcllt. Bei Herzleiden und Adernverkalkung, Neigung zu Gehirnblutungen und Schlaganfällen sichert früh nüchtern ein halbes Glas natürliches„Franz-Josef"- Bitterwasser leichten Stuhlgang ohne Anstrengung. Kunst und wissen „Peer Gynt“ Tie Aufführung. des„Peer Gynt" bezeugt vor allem, daß wir ein Ensemble haben, mit dem man auch an die schwierigsten Aufgaben musig Herantreten kann, und eine Schauspiel-Führung, die nicht davor zurückscheut, sich die höchsten Ziele zu stecken. 0„Peer Gynt" ist eine jener Dichiungen, * die von den Literarhistorikern in die Rubrik„Lesedramen" eingetragen werden. Im Grunde ist jedes wertvolle Drama ein Lesedrama und jedes kann auf die Bühne gebracht werden, Wenns sich Darsteller finden, die es spielen, Regisseure, die es ur.zenie- ren können. Die Kunst, ein so umfangreiches Wer? mit seinen. vielen Szenen und dem steten Wechsel der Szenerie«ufzuführeu, ist dabei nicht io sehr ein technisches Problem als eines der sinnvollen Kürzung und stilistischen Vereinfachung. Aber da bei„Peer Gynt" dieses Problem schwierig und einer idealen Lösung kaum zugänglich ist, wird jede Aufführung ein Experiment bl^jbcn. Herrn Direktor L i e b l gelang vor allem eint geschlossene und stimmungsvolle Aufführung des er-! sten Teils des Dramas, der mit Aases Tod so sichtbar abschließt, daß keine Inszenierung von da zum zweiten Teil lvird die Brücke schlagen und eine völlig einheitliche Aufführung wird erzielen können. Im Drama sind die großen Probleme, die Ibsen im„P e e r Gynt" aufrollen wollte, schon in diesem ersten Teil exponiert. Die Inszenierung L i e b l s reduziert diesen Teil aber sehr glücklich aus das rein Menschliche und ewig Erschütternde, aus das Spiel zwischen dem Phantasten Peer Gynt und den beiden Frauen, die ihn lieben: der Mutter Aase und dem Mädchen Solveig. Peer Gynt ist nicht so sehr der Mann, in dem die Zerrissenheit eines ganzen Jahrhunderts ihren Spiegel findet, als der noch unreife Jüngling, in dem sich Mut und Angst vor der Tat, Kindlichkeit und Tollheit, glückliche Phantasie und gefährliche Neigung zum Betrug an sich und den andern, absonderlich mengen. Die Konflikte erstehen nicht aus den Spannungen eines fertigen, aber zwiespältigen Charakters, sondern aus einem noch ganz unausgereiften Wesen. Das ergab, unterstrichen von der Musik Griegs— die Fritz Zweig nobel und mit starkem Spürsinn für die Erfordernisse des Dramas interpretierte— ein wahrhaft„dramatisches Gedicht", voll von Lyrik, wundervoll ergreifend im Ausklang des/ düsteren Bildes von Aases Tod, Schuld und Qual der Mutter, die den tollen. Sohn nicht zu bändigen vermag, ihn abgötfisch liebt und der enttäuschten Liebe in unablässigem Schelten Ausdruck verleiht, kamen nicht minder schön zur Wirkung als der Uebermut des Sohnes gegenüber dett zänkischen und vergrämten, das niederschmetternde Gefühl der Schuld vor der sterbenden Mutter. Daß der Sohn der Mutter die angeborene Schuld nicht zu zahlen vermag, daß die Rechnung zwischen Mutter und Sohn, nie und durch keinen Dank beglichen wird, diese tiefere Schicksalstragödie leuchtet hinter dem Sonderfall auf. Fritz Klippel spielt diesen jungenhaften Peer Gynt lebensecht und menschlich. Die Bläste des Gedankens hat den phantastischen Bauernsohn nicht angekränkelt, Klippels junger Peer Gynt ist nicht ein kunstvoll konstruiertes Bündel von papierenen Problemen, sondern eine wirkliche dramatische Figur. Die Aase der Frau Lotte Stein, die Mutter, die zwischen Zorn und Liebe, Groll und Angst schwantt, bis sie sich von dem phantasierenden Burschen ins dunkle Totenreich kutschieren läßt, war eine harmonische Gestalt. Auch die Solveig Marion W ü n s ch e s fügte sich glücklich in dieses lyrische Drama. Der Dovre Alte Arnold Marlss, der große Krumme Paul Demels verdienen hervorgehoben zu werden. Sprachlich erwiesen sich alle Darsteller den schwierigen Anforderungen gewachsen. Der zweite, recht eigentlich„faustische" Teil des Dramas fiel an Wirkung ab. Die Szenen standen ohne tteferen Zusammenhang nebeneinander, der Versuch, realistisch zu inszenieren, führte manchmal hart an die Grenze des Komischen. Von dem großen Problemdrama blieb ein recht dürftiges Skelett. Das Beste waren die unheimlichen Szenen vor der Sphinx und auf dem untergehenden Schiff. Das mag an dem Stück selbst liegen, das ja die Frage nach dem Sinn des Lebens aus einer Zeit heraus und für eine Zeit stellte, die eben diesen Sinn verloren hatte. Was am Anfang des bürgerlichen Jahrhunderts noch zur Lösung führte und im„Faust" seine Antwort fand, war am Ausgang einer Zeit, die ihren Tod nahen fühlte, nur mehr banger Angstruf aus dem Alptraum des Unterganges. Herr Klippel wußte mit diesem Peer Gynt, der nur mit wenigen aphoristischen Sätzen, mit ein paar Buntdruck-Cliches zu zeichnen ist, wenig mehr anzufangen. Ueberaus eindringlich, eine-unvergeßliche Figur war Maries irrsinniger Professor Vegriffenfeld. Friedrich Richter fiel als unbekannter Paffagier durch gute Sprache auf. Eine, einprägsame Gestalt schuf V a l k mit dem Knopf- areßer. Valerie Schneck war der Anitra figürlich und sogar im Tanz, nicht aber in der Sprache gewachsen. Die so schöne Musik vermag in dem lehrhaft schematischen zweiten Teil den Mangel an lebendiger Dramatik nicht zu ersetzen, auch wenn sie wie unter Zweigs Stabführung zu dramatischer Steigerung gelenkt wird. Das große Experiment der Aufführung bleibt zu bejahen, auch wenn es nur zur Hälfte als gelungen verbucht werden kann. Allen Mitwirkenden ist man Dank schuldig für die Mühe, die an eine Aufgabe gewandt ist, die dem Mitarbeiter ohne Zweifel ost als unlösbar und über die Maßen anspruchsvoll erscheinen muß. E. F. Aus Orliks Rachlatz Die Galerie Dr. Feigl zeigt in einer(bis zum •4. November dauernden) Ausstellung den graphischen Nachlaß Emil Orliks, der mehr noch als die kürzlich ausgestellten Gemälde die Meisterschaft dieses denkwürdigen Künstlers beweisen, der vor allem ein Meister des graphischen'Handwerks wär: der Etiftzeichnung. der Radierung und der kowrierten Ski»e. Wir können den Weg von der gelehrigen Nachahmung der Japaner(um die Jahrhundertwende) bis in die letzten Jahre verfolgen,— den Weg, der von der Beherrschung der Technik(unter dem Einfluß der Franzosen und Liebermanns) zu immer größerer Lebenswahrheit und Verinnerlichung führt. Am vollendetsten wirken die verfeinerten Aktzeichnungen, die Phantasie- und formvollen Ex Libris und die meisterhaften Porträts, die, weil sie lebensnah und vergeistigt zugleich sind, ein Stück Kulturgeschichte der letzten Jahrzehnte veranschaulichen. Da finden wir neben der keck kolorierten Studie des Pallenoergschen Zavadil die beseelten Bildnisse der Nielsen und der Bergner, neben der eckigen Darstellung Ernst Haeckels das wunderbar schlichte Porträt des Lyrikers Rilke, das flassische Bildnis Hermann Bahrs und die drei Fassungen des aus dem Jahre 1930 stammenden Masaryk-Porttäts, das ebenso wie die Studien über Vlasta Burian die Verbundenheit Orliks mit seiner Prager Heimat zeigt. — eis— Studio 1934. Am 25. Oktober um viertel 9 Uhr in der Unitaria findet die Premiere des zweiten Programms statt. Karten vom 11. Oktober gülttg. Wochcnspiclplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag 11: Kammermusik, halb 3: Märchen im Grandhotel, halb 8: Zwei Witwen, Erstaufführung, B 1.— Montag halb 8: Peer Gynt, Theatergemeinde der Jugend.— Dienstag 7: Pe er Gynt, A 1.— Mittwoch halb 8: Manon, B 2.— Donnerstag halb 8: Schotte n r i n g, Gastspiel Gisela Werbezirk, neueinstudiert,£ 2.— Freitag 8: Zwei Witwen, D 1. — Samstag halb 8:Schottenring, Gastspiel Gisela Werbezirk, A 2.— Sonntag halb 3 Uhr: Das kleine Cafö, halb 8: Zwei Witwen, Festvorstellung anläßlich des Staatsfeiertages, C 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Sensationsprozeß, 8: Hoch klingt' das Lied vom braven Mann.— Montag 8: Gastspiel Harald Kreutzberg.— Dienstag 8%: H och klingtdas Lied vom braven Mann.— Mittwoch^Nobelpreis.— Donnerstag 8: Sensationsprozeß.— Freitag 8:HochklingtdasLied vombravenMann.— Samstag halb 8: Das lebenslängliche Kind, Erstaufführung. — Sonntag 3: Hedda Gabler, 8: Hoch klingt das Lied vihm brrven Mann. Thedtre Variöte Das neue Programm wird den Besucher nicht enttäuschen.» Wenn man aus der Folge der Darbietungen, deren jede eine besondere Gattung und eine Leistung für sich darstellt, doch eine hervorheben muß, so ist es die Trapeznummer der 6 Ä r t o n i S, welchen das Publikum mit angehaltenem Atem folgt.' Daß die sieben Herz-Damen, mit neuen Liedern, im Programm bleiben, entspricht nur ihrem bisherigen Erfolg in Prag. Die andern seien hier nur kurz genannt, ohne daß ihr Anteil dadurch verkürzt werden soll: Matthe mit seinen dressierten Bällen, die Wirbelwind-Tänzer Z i g a n i s-Spas- scvi, die Gymnastik der D e w e r t s und die musikalische Clownerie von Morris und Ford. Den Schluß bildet Miß C r a y e r s mit ihren vier Elefanten und einem etwas eigenwilligen Pony. Alles zusammen schafft einen abwechslungsreichen vergnügten Wend. Vorträge Der Neubau der Weltwirtschaft. Ueber dieses Thema hielt in der Urania Herr Dr. Heinrich Anspitzer Freitag, den 19. Oktober, einen Vortrag, zu dem viele der Anwesenden mit großen Erwartungen kamen. Leider wurden diese Erwartungen enttäuscht. Der Vorttagende erzählte etwas über die Ursachen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise, wobei er in eklektischer Weise eine Reihe von Umständen anführte, die zur gegenwärtigen Krise geführt haben, ohne daß er aber einen einheitlichen Gesichtspunkt in seiner Darstellung zum Ausdruck brachte, so daß der Vortrag keinen geschloffenen Aufbau aufwies und in seiner Zerrissenheit den Zuhörer mehr verwirrte als aufflärte. Der Vorttagende zeigte auch keinen Ausweg aus der Weltwirtschasts- krise, er beschränste sich bloß darauf, in oberflächlicher Weise gegen die Planwirtschaft zu polemisieren und die Zuhörer darüber zu beruhigen, daß er ein Anhänger des privatkapitalistischen Systems sei. Neber die großen Streitfragen in Politik und Gesellschaft, die in der jetzigen Krise d,er Menschheit aufgerollt worden sind, glitt er mitt einigen öligen Redensarten hinweg.* Arbeiterfürsorge— Winterhilfswerk Der Bezirksverein Arbeiterfürsorge Prag fordert auf, die Spenden an Kleidern und Wäsche für unsere Winterhilfsastion vorzubereiten. Der Tag der Einsammlung wird noch bekanntgegeben werden. Sport»Spiel• Körperpflege Russisch-bürgerliche Leichtathletik Am Samstag fand im Prager Letna-Stadion ein leichtathletisches Meeting statt, bei dem die Russen- und bürgerlichen Sportler in trauter Eintracht an den Start gingen. Die Russen siegten in allen Männerkonkurrenzen, während die Sportlerinnen oiesflml nicht sy erfolgreich abschnitten. Im Kugelstoßen der Frauen gelang es der Slavianerin Pe- karova, einen neuen ffchechoflowafischen Rekord zu erzielen. Die Ergebnisse lauten: 100 Meter: Kozlow(R) 11 Sek., Svatos (BS) 11.1 Sek.— 400 Meter: Ljulko(R) 49.4, Knenicky(VS) 49.7 Sek.— 1500 Meter: Deni- sow(R) 4:03.9, Hosek(Slavia) 4:04.4 Min.— 5000 Meter: Znamenski(R) 14:55.8, Koscak (Slavia) 15:35.8 Min.— Stabhoch: Ozolin(R) 3.80 Meter(im Alleingang!).— 4X100 Meter: VS(Hochschüler-Sportvereinigung) 44.2, Sparta 45 Sek.— Frauen: 100 Meter: Samanow(R) 13.9, Pekarova(Slavia) 14.8 Sek.— Diskus: Byrisow 35.56, Karpowitschow(R) 33.37, Trou- silkoba(Slavia) 31.77 Meter.— Kugel: Pekarova (Slavia) 12.88 Meter(neuer Rekord), Borisow (R) 11.91 Meter.— Hochsprung: Filandrova (Slavia) 1.45, Karpowiffchow(R) 1.40 Meter. Rnselsky SK gewann in der Divisionsmeister- schast gegen Cechoflovan Kost! 3!0(1:0). Zwei Unentschieden in Wien. Am Samstag fanden in der ersten Klasse zwei Meisterschaftsspiele statt. Vienna spielte mit Wacker 2:2(1:0) und MAC mit Sportflub 1:1(1:1). Der Film Solang du eine Mutter hast... Die Ufa macht in ihrem neuesten tschechischen Film für den Sportklub Zidenice, für die Aerolinie, für den Muttertag und für den(im Programm sorgfältig verzeichneten) Modesalon Reflame. deffen Kleider Fräulein Bärovä in ihrer tragenden Rolle trägt. Für sich selbst aber macht die Ufa mit diesem Film keine"Reflame. Denn er ist wieder ein Musterbeispiel der Geistlosigkeit, der Plumpheit und des hohlen Kitsches geworden. Es genügt, die Handlung nachzuerzählen.' Eine wackere mährische Geschäftsfrau(die unter anderem mit Nachttöpfen handelt) hat einen nicht minder wackeren Sohn, der Ingenieur ist und Flieger werden möchte, was ihm die Mutter, die gegen Sport und Technik ist, liebevoll verbietet. Heimlich stiehlt sich der Sohn von Hause fort, reist nach Prag, bekommt mit Hilfe eines befreundeten Leutnants schnurstracks einen Posten und durch das Küssen einer fremden Dame auf offener Sttaße auch eine Braut, die, wie nicht anders möglich, mit seinem Ches verwandt ist. Da der Sohn eiligst einen Rekord aufstellt, ist die Mutter rasch zur Versöhnung geneigt.— aber da die Braut eine Tänzerin ist, gerät sie plötzlich wieder in einen heiligen Zorn, der die Pilotennerven des Sohnes gefährlich zerrüttet. Der Herr Generaldirektor sucht die grollende Mutter persönlich auf, mit dem Erfolg, daß sie nach Prag fährt, um den Sohn fliegen zu sehen. Da sie in Prag aber im Hotelauf- zug stecken bleibt, wird der Sobn kurz vor dem Start Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker Die Generalversammlung findet anfangs November statt. Näheres wird noch vekanntgegeben. Die Leitung. von neuem nervös. Die Folge ist. daß er gerade in dem Augenblick abstürzt, in dem die Mutter auf dem Flugplatz ankommt. Aber das Schicksal hat es gut gemeint: dem Sohn ist nichts geschehen, die Mutter umarmt die Schwiegertochter, der Generaldirektor freut sich— und der Vorhang schließt sich über dem küssenden Paar, das zuvor des öfteren gesungen hat. Selbst die drastisch-herzliche Nedosinskä(deren Beliebtheit allzu hemmungslos ausgenützt wird), kann die Lächerlichkeit dieser Fliegermutter nicht genießbar machen. Und auch der derb-komische Pistek kann peinliche Albernheiten nicht zum Humor erheben. Die Vornehmheit, mit der Karl Dostal den General- direflor spielt, wirkt deplaciert— und das Liebespaar, das aus Ottomar Korbelai und der gutgekleideten Lida Bärovä besteht, ist(gelinde gesagt) entsetzlich langweilig. Die Verantwortung für die Regie ttägt Jan Svitak.—eis— Aus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Montag, den 22. Oktober,■ 8 Uhr imParteiheim: Kreis- leitungssitzung. Dienstag, den 23. Oktober, 8 Uhr: G r u p- penab end e: S. I. Z ent rum: Der 28. Oktober. Referent Genosse Krejki. SJ Weinberge: Die russische Oktoberrevolution. SJ Holleschowitz: Die Sttllung unserer Partei zum 28. Ottober. Referent Genosse Hofbauer. SJ Smichov: Die Schlacht bei Lipan. — Dienstag, den 23. Ottober, halb 7 Uhr, im Parteiheim: Besprechung und Wrechnung der Kassiere. Verelnsnadirldilen Deutsche Volkssinggemeinde Prag © Mit der Einübung des neuen Winterprogramms beginnen wir am Dienstag, den 23. Oktober. Alle ausübenden Sänger werden auch auf diesem Wege nochmals ersucht, zu dieser Probe bestimmt zu kommen, da sie für die Ausgestaltung unseres Programmes entscheidend ist. Allen sangesfreudigen Genossen, die noch nicht Mitglied der Bolkssinggemeinde sind, empfehlen wir, ihren Beitritt gerade j e tz t zu vollziehen, da dies für Anfänger der geeignetste Zeitpunkt ist. Mitgliederaufnahme vor Probenbeginn(Dienstag, 8 Uhr abends, Vereinsheim, Prag ll.. SmeLkh 27, linke Stiege, 4. Stock.— Im selben Hause befindet sich euch der Verein Deutscher Arbeiter.) Die Vereinsleitung. Mitteilungen aus dem Publikum. Diana Bollmilch-Malzionbons sind am besten, die kauf ich mir sogar am Letzten. 2716 filme in Prager Lichtspielhäusern bis einschließlich Donnerstag, de« 25. Ottober. Adtta:„Skandal im Atlansic-Hotel"(D.)— Alfa:„Amok, der Fluch der Tropen"(Jnkischinow). — Avion:„Klein Dorit"(D.)— Beranek:„Fras- guita"(D.)— Femx:„Der Mann zweiter Welten" (A).— Flora:„Die geheimnisvolle Miß Basker- ville(E).— Gaumont:„Solang du eine Mutter hast"(Tsch.)— Hollywood:„Solang du eine Mutter hast"(Tsch.)— Hvrzda:„Dollarbabhlon"(A.) — Julis:„Die Csardasfürstin"(D.)— Kinern«: Journale, Groteske, Reportage(halb 2 bis halb 8)- — Koruna:„Iudex"(Fr.)— Kotva:„Jud Süß" (E.)— Lnccrna:„Jud Süß"(E.)— Metro: „Solang du eine Mutter hast..."(Tsch.)—• Olympic:„Der Herr der Welt"(D.)— Paffage: „Die Csardasfürstin"(D.)— Praha:„Der Todespfad"(A.)— Radio:„Die tteue Nymphe"(E.)—» Skarrt:„Das gefleckte Land"(E.)— Svetozorr „Skandal im Atlansic-Hotel"(D.)— Alma:„Carioca"(A.)— Belvedere:„Abenteuer im Südexpreß"(D.)— Beseda:„Der ewige Jude"(E.) — Carlton:„Frasquita"(D.)— Favorit:„Fräs quita"(D.)— Illusion:„Chu-Chin-Chau"(E.) — Kapitol:„Flüchtling aus Chicago"(D.)—- Lido:„Ein Nankee als Hofrat"(E.)•— Louvre: „Frasquita"(D.)— Maceska:„Frasquita"(D.) — Roxy„Frasquita"(D.)— Urania-Kino: „Karneval und Liebe". Verlanget überall Volkszünder Verlangen Sie in leder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie.. PILSEN Selchwaren der Fa.HEGNER 6 Cie., PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN!,!45 » Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.— ganzjährig KL. 192—— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitüngsfrankatur wurde von der Post, und Telegraphendireksion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.