Dienstag, 23. Oktober 1934 14. Jahrgang 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. telefon 9V7. Administration telefon smzä. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Hatter (einschließlich 5 Heller Porto) Unser Kampfprogramm gegen die Krisennot 1 Für die Arbeitslosen, für Schutz des Arbeitsplatzes, für Arbeitsbeschaffung Am Sonntag wurden klare Fronten abgesteckt in der sudetendeutschen Politik. In Aussig eine grosse Arbeitstagung der deutschen Sozialdemokratie, in Leipa ein Propaganda-Rummel des Henlein- FasciSmus. Hier ein leidenschaftliches Ringen mit den sozialen Schicksalsproblemen der Gegenwart, tiefe Sorge um di^ krisengepeinigten Menschen in unseren Notstandsgebieten— dort ein Parademarsch, tönende Worte ohne schöpferischen Willen, völliges Ignorieren der grossen Aufgaben der Sozialpolitik und des Wirtschaftsumbaues, die heute allen Völkern'gestellt sind. Damit ist die deutsche arbeitende Bevölkerung dieses Staates vor die Wahl gestellt zwischen sozial! st isch-demokrati scher Lei- stung und nationalistischer Phrase. Damit ist die Plattform geschaffen worden für den Entscheidungskampf in der sudetendeutschen Politik. Hie sozialistisch-republikanisches Europäertum, erfüllt von seiner grossen geschichtsgestaltenden Mission in dieser Umbruchszeit, dort eine der nationalen Bewegungen, die schon so oft in der deutschen Politik Böhmens und Mährens kamen und gingen und die nach einem Strohfeuer der Begeisterung schliesslich doch die Segel streichen mutzten vor der Urgewalt der sozialistischen Freiheitsideen. Die sozialdemokratische Bewegung ist unter der sudetendeutschen Bevölkerung jahrzehntelang eingewurzelt und mit dem sudetendeutschen Volkstum erdverbunden. Diejenigen, welche mit uns gehen, sind politisch geschult und wissen, dass es in der gegenwärtigen Krisenzeit nicht auf nationalistische Phrasen, sondern auf die tatsächliche Arbeit ankommt. Durch ein klares Programm und ernste sozialpolitische und in bestem Sinne sozialistische Arbeit wollen wir das bekämpfen, was auf unserem Volk am meisten lastet: dasKrisenelend. Mit unerbittlicher Wahrheitsliebe werden wir vor die Massen treten, um sie zum Kampf um unser Krisengropramm aufzurufen. In der nachstehenden Entschliessung sind die Kampfparolen der deutsche.» Sozialdemokratie enthalten, die für alle unsere Vertrauensmänner richtungweisend sein werden. Die nachstehende Entschliessung wurde in einer Sitzung des erweiterten Parteivorstandes der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik beschlossen, nachdem der Parteivorsitzende Genosse Dr. C z e ch ein umfassendes Referat über die aussen-, innen- und wirtschaftspolitischen Probleme erstattet und eine Reihe von Rednern auf den furchtbaren Notstand im sudetendeutschen Gebiet hingewiesen hatten. Unser Nussiger Kampfprogramm lautet: Die wirtschaftliche Lage hat sich neuerlich verschlechtert. Wohl ist die gemeldete Arbeitslosenziffer heute niedriger als vor einem Jahre, aber die Statistik der Krankenversicherung beweist, dass die Zahl der beschäftigten Arbeiter nicht gewachsen, sondern gesunken ist. DiesaisonmüßigeBerschlech- t e r« n g ist im heurigen Jahre umzweiMo- nate früher eingetreten als im Jahre 1933. Diese Tatsache in Verbindung mit dem Umstande, datz das Einfrieren der Auslandsfordermrgen die Wirkungen der Exportsteigerung zunichte macht bestätigt aufs neue, daß die kapitalistische Wirtschaft nicht mehr fähig ist, aus ihrer eigenen Kraft die Wirtschaftskrise zu überwinden und daß daher das systematische und planmäßige Eingreifen des Staates in die Wirtschaft in steigendem Maße notwendig wird. Diese staatliche Wirtschaftspolitik muh mit aller Energie auf die Schaffung von Arbeits gelegenheit gerichtet sein. Die Wiedereingliederung der Arbeitslosen- armeee in den Produktionsprozeß ist die zentrale und entscheidende Aufgabe jeder Politik. Um diesem Ziele wirksam zu dienen, ist ein ganzes System ineinandergreifender und sich gegenseitig ergänzender Massnahmen notwendig. Die industrielle Produktion ist in der ganzen Welt seit 1932, in unserem Lande seit 1933 merklich gestiegen. Aber diese Entwicklung ist fast ohne Wirkung auf den Arbeitsmarkt geblieben. Damit ist bewiesen, dass die Verdrängung der menschlichen Arbeitskraft durch die Rationalisierung trotz der Krise in raschem Tempo weitergegangen ist. Die heutige Massenarbeitslosigkeit ist zu einem beträchtlichen Teil technologische Arbeitslosigkeit. Sie kann nur überwunden werden durch Verkürzung der Arbeitszeit, wobei, wie das Beispiel Amerikas zeigt, die 4 0- stündigeArbeitswochenüralserste Etappe eines weitergehenden Prozesses angesehen werden kann. Die Verkürzung der Arbeitszeit liegt nicht nur im Interesse der Arbeitslosen, sondern auch im eminenten Interesse der beschäftigten Arbeiter, da nur durch Verrringerung des ungeheueren Druk- krs der industriellen Reservearmee den lohndrük- kcnden Tendenzen wirksam Widerstand geleistet und das Levenshaltungsniveau der gesamten Arbeitsklasse geschützt werde» kann. Da die Verhandlungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften zu keinem praktischen Ergebnis geführt haben, ist eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit notwendig. Gleichzeitig muß der Ueberstunden- arveit durch strenge Maßnahmen rntgegengrwirkt werden. Um bei der Aufnahme von Arbeitskräften den Bedürftigsten die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess zu sichern und vor allem dem überhandnehmenden Gesinnungsterror der Unternehmer wirksam zu steuern, ist die obligatorische Arbeitsvermittlung ehestens zu verwirklichen und. durch MaMiahmen. der Berufsberatung und Umschulung zu ergänzen. Um die Aufsicht über dir Betriebe wirksame» zu gestalten, ist die Gewerbeinspektion durch Verkleinerung der Sprengel, durch Vermehrung der amtlichen Inspektoren und durch Bestellung von Arbeitern für Zwecke der Inspektion auszubauen. Zum Schutze der noch beschäftigten Arbeiter istdieRechtsverbindlichkcitderKol- lektivverträge gesetzlich scstzulcgcn. Hand in Hand mit diesen sozialpolitischen Massnahmen muh die unmittelbare Arbeitsbeschaffung durch den Staat und die Selbstverwaltungskörperschaften gehen. Der Parteivorstand begrüht die Bemühungen der sozialdemokratischen. Minister auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge und fordert deren Ausgestaltung. Er fordert zugleich, dass dem Ministerium für öffentliche Arbeiten hinreichende Mittel zur Durchführung öffentlicher Baute« zur Verfügung gestellt und überhaupt für die Aufrechterhaltung der Investitionstätigkeit des Staates Sorge getragen wird. Zugleich fordert er die finanzielle Sanierung der Selbstverwaltungskörprr, um auch ihnen die Durchführung produktiver Arbeiten zu ermöglichen. Als besonders wirksames Mittel zur Schaffung von Arbeitsgelegenheiten durch die öffentliche Hand betrachtet der Parteivorstand die wirksame Belebung der Bautätigkeit. Der Parteivorstand betont ferner neuerlich die Notwendigkeit der Förderung von Arbcitslosensiedlungen. Der Parteivorstand ist sich der Schwierigkeit! der Finanzierung produktiver Arbeiten durchaus, bewusst. Ohne zu verkennen, datz die bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten nur von der Geldseite her nicht überwunden werden können, erblickt er in der herrschenden Kreditnot eine ihrer entscheidenden Ursachen. Er fordert daher Maßnahmen zur Kreditausweitung soweit sie mit der Aufrechterhaltung der Stabilität der Währung vereinbar sind. Zu diesem Zwecke ist eine Ausgestaltung des Reeskompte- institutes und seine Ermächtigung zur Gewährung von Betriebskrediten durch Diskontierung von Wechseln notwendig. Die dadurch bewirkte Ber- einer gleichwertigen Vermehrung der Gütermenge begleitet ist, vom währungspolitischen Standpunkt unbedenklich. Neben der sorgfältigen Pflege des inneren Dtarktes darf auch... die Exportförderung nicht äusser acht gelassen werden. Die durch die Devalvation der Krone bewirkte Exportbelebung ist nicht zureichend. Sie muh durch das Aufsüchen neuer Absatzmöglichkeiten ergänzt werden. Da di« Initiative der privaten Unternehmer auf diesem Gebiete bollkommen versagt hat, ist das geplante Exportinstitut, das sich vvn jeder bürokratischen Schwerfälligkeit freihalten muh, ehestens zu verwirklichen. Den durch die Herstellung normaler Beziehungen zu Sowjetruhland gegebenen handelspolitischen Möglichkeiten ist ganz besonderes Augenmerk zu widmen. Die Massnahmen der Cxportkreditgarantie sind neu zu beleben und auszugestaltcn. Schutz gegen den fünften Notwinter Me diese Massnahmen vermögen jedoch die Arbeitslosigkest nur zu mildern. Sie können vor allem nicht rasch genug wirksam werden, um das neuerliche Anschwellen der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten zu Verbindern. Die dringendste«nd unmittelbarste Sorge der Regierung muß daher darauf gerichtet sein, dem äußersten Elend des bevorstehenden Rotwinters zu steuern. Zu diesem Zwecke müssen die neben der gesetzlichen Arbeitslosenunterstützung bestehenden Unter st ützungsaktionen nicht nur wcitergeführt, sondern von der in den letzten Monaten vielfach gesteigerten bürokratischen Engherzigkeit befreit«nd durch Ausgestaltung und Erweiterung der Hilfsaktionen «nd dnrch Einbeziehung der Jugendlichen, die den Nachweis der dreimonatigen Beschäftigung nicht erbringen können, ergänzt werden.. Wir wiederholen unsere Forderung nach Errichtung der N o t f o n d S, durch welchen die A r- veitgever an Beiträgen für die Arbeitslosen herangezogen werden. Jnsolange diese Forderung nicht verwirklicht ist, sind zusätzliche Hilfsmaßnahmen für alle von der Krise besonders betroffenen Menschen z« treffen. Zum Schutze der jungen Generation sind besondere Maßnahmen z« ergreifen. Bei Neueinstellungen in privaten«nd öffentlichen Betrieben und bei öffentlichen Investitionsarbeiten ist auf die Jugendlichen besondere Rücksicht zu nehmen; bei Neuaufnahmen sind mindestens 15 Prozent der zu Beschäftigenden der Altersklassen von 18 ViS zu 24 Jahren zu entnehmen. Bei Einstellungen in die öffentlichen Dienste ist die d e« t s ch e I« g e n d entsprechend zu berücksichtigen. Die auf Freiwilligkeit beruhende Arbeitslagerbewcgung der Jugend muß als Notstandsmaßnahme von Staat, Land und Gemeinden organisiert«nd unterstützt, die bisherige Heimstättenkcwegung weiter gefördert«nd ausgestaltet werden. ttcnlclns„Programm“ Der letzte Sonntag hat begrüssenswerte Klärungen gebracht. Nun wird auch der aufgeregteste Kommunist einsehen müssen, daß es ein grober Fehler gewesen wäre, Henlein feine sogenannte Programm-Erklärung nicht öffentlich abgeben zu lassen. Mag auch in B.-Leipa durch eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit behördlicher Organe an die Agitationsbedürfnisse der Heimatfront eine Veranstaltung zustandegekommen sein, die mit einer demokratischen Manifestation absolut nichts gemein hatte, fo kann man doch getrost sagen, daß diese Weitherzigkeit gute Resultate gezeitigt hat. Wenigstens können sich die Veranstalter nicht nachträglich auf behördliche Schikanen ausreden. Henlein hat gesprochen und die Welt dreht sich weiter. Seine Zuhörerschaft wird auf 15.000 bis 25.000 Personen geschätzt. Lässt man großzügig das Mittel von 20.000 Mitwirkenden gelten, so ist beim besten Willen dieser Landesveranstaltung kein welterschütternder Charakter beizumeffen. Soviel Men- fchen hat die deutsche Sozialdemokratie durch- fchnittlich bei jeder Karlsbader Bezirksmaifeier auf die Beine gebracht. Auch wenn unsere Arbeitslosen leider nicht die Fahrkosten für Extrazüge und Autobusse aufbringen können, wenn auch schliesslich eine Arbeiterpartei nicht über Motorstaffeln und über einen grossen Park von Privatautos verfügt, können wir solche Massen jederzeit auf einer Kreisveranstaltung stellig machen, sofern wir es nötig hätten, die unerschütterte Mass sengrundlage unserer Politik unter Beweis zu f stellen. Tschechische Journalisten, die wohl recht selten ins deutsche Gebiet kommen, beeilen sich. Herrn Henlein zu befcheinigen, daß er bereits die „stärkste deutsche Partei" hinter sich hat. Womit sie aber nur beweisen,Xdaß sie gegen die Bluffs einer fascistischen Massenregie zu wenig gefeit sind. Völlig abwegig ist die ehrfürchtige Bewunderung z. B. des agrarischen„Veker", dass die Henlein und Sandner innerhalb Jahresfrist eine so zahlreiche Gefolgschaft um sich scharten. Als ob die deutschvölkische Turnbewegung, aus der sie sich rekrutiert, nicht s-bön Jahrzehnte alt wäre! Seit den Tagen K. H. Wolfs hat es in Deutschböhmen nationalistische Massenbewegungen gegeben, so daß Henlein, der die Erbschaft dLr Deutschnationalen und Hakenkreuzler antrat, seine Mitläufer keineswegs mit der Laterne zusammensuchen mußte. Vielleicht sollte man sich in Beurteilung solcher Erscheinungen auf gewisser tschechischer Seite das Wort Masaryks ins Gedächtnis rufen, datz Aufregung kein Programm ist. Wichtiger als alle nebulösen Schätzungen ist die einmütige Feststellung aller Berichterstatter, daß in B.-Leipa das Arbeiterelement ganzspärlichvertreten war. Die Massen deutscher Arbeitsloser, die Henlein angeblich mit ihren 50-Hellerstücken finanzieren, scheinen also nur in der üppigen Phantasie des Herrn Sandner zu existieren. Zur vorläufigen Klarstellung sei dem noch hinzugefügt, daß sich die Bevölkerung des hochindustrialisierten Nordböhmen nach wie vor überwiegend, aus Arbeitern und leider sehr vielen Arbeitslosen rekrutiert. Wir wollen den kleinbürgerlichen und bäuerlichen Anhang Henleins nicht unterschätzen. Solange ihm aber die Arbeiter fehlen, wird sein Führungsanspruch in der sudetendeutschen Politik auf Sand gebaut bleiben. Und nun zu der sogenannten„staatsrechtlichen Proklamation" Henleins. Die Anmaßung dieser Bezeichnung sei übergangen. Was den Wortlaut anbetrifft, melden wir uns unter diejenigen, die damit nicht unzufrieden sind. Der Kern seiner Darlegungen war eine Auseinandersetzung mit der tschechischen Politik nach dem Kriege. Diese Auseinandersetzung zieht sich durch alle deutschen politischen Kundgebungen seit der Staatsgründung. Die deutschen Forderungen sind schon glücklicher und realistischer formuliert worden. Was Henlein z. B. über die gegenseitige Lohalitätspflicht von Staat und Minderheitsvölkern sagte, hat S e I i g e r auf unserem Teplitzer Gründungsparteitage im Jahre 1919 viel besser formuliert. Auch daß das Verhältnis von Staat, Mehrheitsvolk und Minderheitsnationen nicht durch historische Machttatsachen, sondern durch eine übernationale Rechtsordnung nach dem Grundsätze der Gleichberechtigung der Völker geregelt werden soll, istaltesmarxistisches Gedankengu t. Bon Karl Renner stammt die Seite 2 Nr. 248 Dienstag, 23. Oktober 1934 GEDENKET bei allen Anlässen der Arbeitertürs orge! Forderung, daß die Nationen alsRechtSsub- j e k t e zu konstituieren und als solche in die Konstruktion des Staates einzufügen seien. Dieser Standpunkt wurde von den deutschen Sozialdemokraten schon im alten Oesterreich angenommen, als noch das tschechische Volk im Kampfe gegen den zentralistisch-bürokratischen Obrigkeitsstaat stand, zu einer Zeit also, da die deutschpölkischen Turnvereine noch Sonntag für Sonntag damit beschäftigt waren, die Fensterscheiben der tschechischen Schulen in Nordwestböhmen einzuschlagen. Wenn sich nun ein völkischer Turnwart spät aber doch auf die rechtlichen Begründungen einer nationalkulturellen Selbstverwaltung besinnt und in vergröberter Form die Gedankengänge der verhaßten Marxisten übernimmt, so möge er ruhig auf eigene Faust sein Glück versuchen. Henlein fördert den nationalen Schlüssel im öffentlichen Dienst. Jede deutsche Partei in diesem Staate hat dieses Postulat bisher verkündet. Die deutschen Regierungsparteien haben manche aufreibende Bemühung darangesetzt» in dieser Richtung wenigstens bescheidene Fortschritte zu machen, Die Hindernisse liegen wahrlich nicht auf deutscher Seüe. Die bürgerlichen Gruppen und besonders jene, die mit der Heimatfront liebäugeln, mögen offen erklären, ob sie in diesem heiklen Punkte geneigt sind, dem Herrn Henlein weiter entgegenzukommen als etwa dem Herrn Spina. Es bleibt auch dem Herrn Zierhut, der sich um die Leipaer Parade sehr verdient gemacht hat, unbenommen, bei der kommenden Budgetberatung entsprechende Anträge zu stellen. Den krausen Redensarten, die Henlein über Zentralismus und Selbstverwaltung fiihrte, ist so viel zu entnehmen,. daß er für die nationalen Minderheiten den Ausbau eigener Selbstverwäl- tungökörperschaften mit öffentlich-rechtlichem Charakter fordert. Diese realistische Formulierung des Prinzips der nationalen Autonomie haben wir schon bei Dr. Renner, in neuerer Zeit auch bei Walter Simon gelesen. Dazu wäre zu bemerken, daß Dr. D i r e r im Schulministerium zwei gründliche Gesetzentwürfe über die Einführung einer teilweisen Schul- und Kulturautono- mie hinterlassen hat. Liegt die Schuld auf deutscher Seite, wenn selbst dieser bescheidene Versuch "bisher nicht in die Tat umgesetzt werden konnte? Henlein wendet sich gegen die„Ade o l ö!- g i e des N ä t i ö n a-l st a a t e s um jeden Preis". Er proklamiert die Unantastbarkeit des sudetendeutschen Lebensraumes. Es würde uns freuen, wenn z. B. der Herr Abgeordnete Dubicky über diese lvichtigen Themen im„Veker" eine fruchtbare Diskussion aufnehmen wollte. Die deutsche Oeffeutlichkeit würde dadurch loertvolle Gewißheit erhalten, ob hinter den freundlichen Kommentare» dieses Blattes auch die ernste Bereitschaft. recht maßgebender Kreise steht, die wichtigsten Fragen des nationalen Zusmnmcnlebens im Wege vernünftiger Vereinbarung zu lösen. Was Henlein an Kritik gegen das Parteiwesen vorbrachtet ficht uns am wenigsten an. Der Passus gegen die„übermächtige Stellung der Parteien" war gewiß in letzter Linie gegen die deutschen Sozialdemokraten gemünzt. Wir haben auch kein„Nutznießertum" und keine„Pfründen" zu verteidigen. Dagegen kommt Henlein in sehr verdächtige Nachbarschaft mit sehr bekannten Nutznießern, lvcnn er sich ebenfalls gegen das„starre Listenlvahlrecht" ausspricht. Er möge, um den Vorwurf oberflächlichen Geschwätzes nicht so augenfällig gegen sich zu lenken, doch lieber saget,, ob die nationalen Minderheiten dieses Staates je ein gerechteres Wahls y st emfin den werden als den Proporz und ob sie bei einer Aendernng der Wahlkreiseinteilung etwas zu gelvinneii hätten. Im übrigen sei cs als erste Frucht demokratischer Erziehungsarbeit gebucht, tvenn Henlein plötzlich beteuert, daß er keine politischen Totalitätsansprüche erhebe. Die Forderung seines bekannten Rundschreibens, daß die deutsche Gewerbepartei »bedingungslos zu kapitulieren und die christlichsoziale Partei sich unterzuordnrn habe, ist gewiß nur scherzeshalber erhoben worden. Oder hingen die Trauben zu hoch? Mit aufrichtiger Genugtuung muß quittiert werden, was Henlein über seine Stellung zum Fascismus und Nationalsozialismus gesagt hat. Daß er scharfe Worte gegen die Methoden Mussolinis findet, ist nach den letzten italienischen Truppenkonzentrationen am Brenner nur verständlich. Auch wird Henlein die Gefühle der Anhänger gewiß nicht verletzen, wenn er dem Austrofascismus „nackte undeniokratische Gewalt" vorwirft, die Restauration der Habsburger und die ungarischen Rcvisionsansprüche ablehnt. Doch die außenpolitischen Kenntnisse Henleins haben große Lük- ken. Derhervor ragende K en nerder it a l i e n i s ch e n, österreichischen und sagte Henlein über seine Stellung zum Dritten Reich: „Eine bedanerliche Entwicklung hat dazu geführt, daß eS dem einzelnen Staatsbürger schlechterdings unmöglich gemacht worden ist, tatsachenmäßig auch nur annähernd festzustellen, was in de» nächsten Nachbarstaaten wirklich vorgeht. Dir Beobachtung durch persönliche Besuche im fremden Lande scheidet aus, seitdem sie auch für den lohal- sten Staatsbürger eine gefährliche Affäre werden kann. Wir wissen also ohne«nser Verschulden gar nicht, wie es heute beispielsweise inDeutsch- land aussieht und deshalb kann man es uns um so weniger zumuten, ohne Kenntnis der tatsächlichen Voraussetzungen in Einzelheiten gehende Urteile abzugeben." Daß sich Henlein von der Grenzstadt Asch aus so" gär kein Bild von den Verhältnissen'in Deutschland machen konnte, ist bedauerlich. Aus der völkischen Turnzeitung hätte er übrigens entnehmen können, daß drüben seit dem Machtantritt Hitlers vieles besser geworden ist. Henlein scheint keine Zeitungen zu lesen. Sonst müßte er doch etwas vom Reichstagsbrand, vom 30. Juni usw. wissen. Oder nimmt er die Vorgänge in Deutschland justament nicht zur Kenntnis, weil sie ihm wider dm Strich gehen? Sollte Henlein, der in der Tschechoslowakei die Menschenrechte, die Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit so glühend liebt, von der Einrichtung der Konzentrationslager noch nichts gehört haben? Hierzulande führt angeblich„ der Zentralismus zur „geistigen Verödung und Erstarrung"; was muß da erst aus dem armen Deutschland werden? Hen- lein hat H i 11 e r nur zur Kenntnis genommen, soweit er ihn heute noch zustimmend zitieren kann. Von der Friedensrede des braunen Kanzlers am 17. Mai v. I. hat er erfahren, von dm deutschen Rüstungen nichts. Die Begeisterung Henleins für den nationalen Frieden scheint gr- naü so ehrlich zu sein, wie die Friedensliebe Hitlers. Doch im Ernst: wer soll von diesen kindischen Ablenkungsmanövern getäuscht werden? Henlein ist in dem wichtigsten Punkte die Antwort schuldig geblieben. Er hat gegenüber Mussolini und Habsburg einen Trennungsstrich gezogen, aber nicht gegen Hitler. In dieser tak- Unter den Farben blau-weiß, die zunächst etwas befremdend wirken, da sie der breiteren Oeffentlichkeit eher als Ausdruck zionisti- s ch.r n Wesens bekannt sind, die sich aber in die- sem fpeztellen Falle einfach als Pie Farben der gastlichen Städt entpuppten. hatten sich» am Sonntag in Böhmisch-Leipa die Anhänger Henleins eingefunden, um aus dem Munde des„Führers" das sogenannte Programm zu hören, das nach fast einem Jahr den gläubig harrenden Massen, bzw. der wesentlich kritischer eingestellten tschechischen Oeffentlichkeit verkündet werden sollte. Die„Regie" klappte im allgemeinen gut. Pressevertreter hatten sich in großer Zahl eingcfunden. Ein vorsorglicher Bezirkshauptmann hatte 300 Mann Gendarmen aufgeboten, die nicht nur den^luf- marschraum liebevoll umgaben, sondern kilometerweit im Umkreis alle Zufahrtwege absperrten und alle Passanten, die nach Leipa wollten, sich genau ansahen, ob ja nicht etwa jemand darunter sei, dem ein Zwischenruf Ivährend der Henleinrede zuzutrauen wäre. Neun Sonderzüge brachten die, Henleinleute nach Leipa. Selbst aus Karlsbad und T e p- l i tz waren die Parteigänger in Sonderzügen herangefahren worden, um das Aufgebot möglichst eindrucksvoll zu gestalten. Die Zahl von 25.000 Teilnehmern, die Henleins Pressestelle angibt, ist trotzdem erheblich übertrieben. Wurden doch selbst auf dem Festplatz offiziell nur 150„Hundertschaften" als Teilnehmer am Aufmarsch angegeben, und selbst wenn man noch 2000 bis 3000 neugierige Zuschauer rechnet, die natürlich keinesfalls alle als Anhänger der neuen Heilslehre zu qualifizieren sind, so kommt man zu einer Ziffer, die man noch erst um 40 bis 50 Prozent aufrunden müßte, um die angeblichen 25.000 zu erreichen. In die nicht allzugroße Stadt brachten natürlich auch die 15.000 bis 17.000, die es gewesen sein mögen, einen ungewohnten Rummel. Kleine blauweiße Bänder unterschieden die Henleinleute von den gewöhnlichen Sterblichen; die Karlsbader hatten ihre unbenutzten Festabzeichen vom 7. Oktober mitgebracht. Viele brave Bürger und vor allem die ob des Geschäftes erfreuten Gastwirte hatten blauweiße Fahnen ausgesteckt, Eintopfgerichte zu einem Einheitspreis waren angekündigt. Nur die braune Uniform fehlte. Und die Zusammensetzung der Menge? Arbeiter sah man sehr wenig unter ihnen. Zum allergrößten Teil waren es gut gekleidet« Leute aus dem Mittelstand, denen man keineswegs besoichere Not an den Zügen ablesen konnte. An der Aufmarschdisziplin war unschwer zu erkennen, daß es m e i st Turner und Turnerinnen aus den völkisch enBereinen sind, die auf die Heldenverehrung des Turnwartes und„Führers" schon seit Jahren gedrillt find. Man sah ihnen die Freude an, sich heute einmal ausleben zu können... tischen Haltung liegt ein Geständnis und ein Bekenntnis, Pas uns am allerwenigsten überrascht. Vom Standpunkt der deutschen Arbeiterbewegung dieses Landes ist indes am interessantesten, was Henlein in seiner langatmigen Rede einfach übergangen hat. Sandner gedachte in seiner Einleitungsrede all den Hunderttausenden, die dem Elend und der Arbeitslosigkeit preisgegeben seien. Daraufhin dürften die wenigen Arbeiter, die sich auf den Rummelplatz verirrten,! mächtig gespannt gewesen sein, was der Führer selbst zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise und zür Linderung der Arbeitslosennot sagen werde. Henlein widmete jed ckch in seinen fünfviertelstündigen Darlegungen kein einzigesWort den aktuellen Problemen derSozial- p o l i t i k. In einer Zeit also, da hunderttausende von AÄeitslosen und mittelständischen Krisenopfern in den deutschen Gebieten mit Grauen und Bangen den Schrecken eines neuen Krisenwinter» entgegensetzen, redet der„Führer" der Nation in spe kaltschneuzig an ihrer Not vorbei, als ob sie nicht vorhanden wäre. Arbeitsbeschaffung, Arbeitszeitverkürzung, Sicherung der Löhne und des landwirtschaftlichen Absatzes, Einreihung der Jugend in den Produktionsprozeß, das sind Dinge, die den Herrn Henlein nicht interessieren. Er redet nur von nationalen und parteipolitischen Machtfragen, nichtwissend oder ignorierend, daß die nationalen Lebensfragen unseres Industrievolkes zuerst soziale Fragen sind. Ein gesundes, ein starkes, ein freies Volk kann auf diesem Boden nur im Kampfe mit den Verelendungstenden- zen des Spätkapitalismus emporwachsrn. Ungewollt überläßt Henlein der vielgelästerten deutschen Marxistenpartei■ das Primat der sozialen Arbeit und spricht ihr somit ewige Daseinsberechtigung zu und den moralischen Anspruch auf die Führung der Nation. Vom Standpunkt der deutschen arbeitenden Bevölkerung ist diese Selbstentlarvung Henleins mit Dank zu begrüßen. Durch seine in Leipa dokumentierte Fahnenflucht vor den sozialen Volksnotwendigkeiten dieser Krisenzeit hat Henlein an sich selber ein geflügeltes Wort bestätigt: Wer über den Parteien sich wähnt mit stolzen Mienen, Der steht nicht selten noch beträchtlich unter ihnen. Stunde. Eine geschickte Aufmarschtaktik— die einzelnen Gruppen wurden auf bestimmte Felder dirigiert und diese dann durch seitliches Auseinanderrücken ganz ausgefüllt, auch wo noch Platz für etliche weitere Kolonnen gewesen wäre— erweckt« den EindrnA- als ob wirklich der ganze Platz gesteckt boll wäre. Ueberhaupt war die ganze Aufmachung nach bekanntem Muster ganz auf den„Führer" und seinem Stab zugeschnitten, für die eine eigene große Tribüne an der Front des Platzes aufgebaut war. Wer von sozialistischen Kundgebungen her gewohnt ist, den Redner inmitten seiner Zuhörer zu sehen, war nicht wenig befremdet, ob der Distanz, die Henlein zwischen sich und seinen Gläubigen zu legen für gut fand: Vor der Führertribüne zog sich ein« dichte Kette von Ordnern mit Front gegen die Menge quer über den großen Platz; davor erst ein viele Meter breiter leerer Zwischenraum und erst hinter einer zweiten Ordnerkette in gebührender Respektsdistanz die gläubige Menge. Das Erscheinen des„Führers" löste tosende Heilrufe aus. Aber noch sind die Massen nicht genügend präpariert, um die Offenbarung entgegenzunehmen. Erst muß noch der unserer SJ nicht unbekannte Sandner zum Rednerpult, um dagegen zu protestieren, daß man sie einer fascistischen Gesinnung bezichtige. Da sei Gott vor! Es sei eben ureigene Sache des Sudetendeutschtums, ob es sein Vertrauen„einem Mann mit anerkannt reiner und hoher Gesinnung schenken wolle"(donnernde Heilrufei), oder„irgend einer anonymen politischen Körperschaft", die selbstredend mit Pfuirufen bedacht wird. Die„Front der Sauberen und Anständigen" wird erst noch schnell von dem jungen Mann in Ge- Gegensatz zu„politischer Korruption und politischem Raubrittertum gebracht", d. h. die apolitischen Parteien mit Kot beworfen. Erst jetzt ist die richtige Pogromstimmung gegen die alten Parteien entfacht, erst jetzt kann der „Führer" mit der einstündigen Verlesung seines „Programmes" einsetzen. In dieser einen Stunde fragt sich jeder, der nicht ganz und gar der Stimmungsmache nach reichsdeutschem Muster erlegen ist, immer wieder, wann denn eigentlich das Neue, das nie Dagewesene komme, das der sudetendeutschen Politik die neue glücwerheißende Richtung geben soll, Dkan wartete vergebens. Aber die Menge schrie doch bei jeder Atempause des Führers Heil und bereitete ihm auch nm Schluß die üblichen Ovationen. — Dann dröhnen im Lautsprecher noch ein paar forsche Kommandos über den Platz.... xtes Feld, kehrt euch!" und die Leut« ziehen hüte- und tücherschwenkend an Ihm vorbei. Da es jetzt schon dunkelt, fehlt wirklich nicht mehr viel zu der Vorstellung, daß man ein paar Kilometer weiter, d. h. jenseits der Grenze wäre. Und doch hat Henlein kurz vorher es noch als lächerlich hingestellt, ihm zuzumuten, er fei beim reichsdeutschen Nationalsozialismus in die Schule gegangen... Aber vom Eintopfgericht bis zum letzten Kommandowort beim Abmarsch nichts als Analogien mit draußen. Bis auf die Standarten und Uniformen. Und erst nachher die Gespräche bei den Siegesfeiern an den deutschböhmischen Stammtischen in und rund um Leipa? Man könnte 100:1 wetten: Da dürften der Analogien mit draußen noch mehr gewesen sein, und Loyalitätskundgebungen für die CSR weniger... Die Behörde hatte im letzten Augenblick auch noch einen regelrechten Aufmarsch bewilligt, der sich allerdings nur durch die Peripherie der Stadt vom Bahnhof auf den Festplatz bewegte. Nur Fah- «.»KÄTittHi» verwan-! nrn und Tafeln blieben verboten. Der Einmarsch auf ?«-»rteiruna derflE«ngeschmückten Platz an der„Vogelstange" ■Jt®£, u.. r r t. flinfl in militärischer Aufmachung und unter dem r e i ch s d e u t s ch e n V e r h a l t n t s s e p 1 o tz-; RIanß bon feschen Marschliedern bor^sich. die ein lich in einen urteilsunfahigen!Lautsprecher bis zur Ueberdrutz von sich gab. Alles Laien. Mit einer geistigen Bescheidenheit, die i jp allem in Vierer- und nur ganz zum Schluß in bei autoritären Führern selten anzutreffen ist, Achterreihen mit kürzeren Intervallen eine genaue Die Henleinfascisten in Böhm.-Leipa Die Teilnehmer aus der Provinz herbeigeschleppt Dr. Hodia über Asrarismus als Weltanschauung Brünn. Auf dem Reichskongreß des Zentral- i Verbandes der Agrarakademiker hielt Sonntag 1 Landwirtschaftsminister Dr. H o d Z a einen Bor-1 trag über das Thema„Der Agrarismus als I Weltanschauung", wobei er u. a. sagte: Zum Unterschied von den heute bereits über-1 wundenen nationalistischen sozialphilosophischeal Systemen entspricht die heuttge agrarisch-demo-V kratische Weltanschauung vor allem der neuen so-1 ziologischen Schichtung und chrer Geisteswelt. I Der Lenker der Welt ist nicht nur das Gehirn, I sondern gleicherweise auch daS Herz. Von ihren I bäurisch-ständischen Anfängen dehnt sich die agraW risch-demokratische Bewegung auch auf landwirt-l schastliche Intellektuelle und einen Teil des Mit-1 telstands aus. Dieses neue gesellschaftliche Element I ist zu einer Wirtschaftsreform fähig, durch welche die Uebergriffe des kapitalistischen Freihandels eingedämmt und der Markt von der Herrschaft des Kapitals losgelöst werden. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, daß der Landwirt nur materielle Werte schafft. Hier führte Minister Dr. Hodja die positive Stellung zur Religion und, bei Anerken-1 nung der Notwendigkeit internationaler Zusaiwl menarbeit, zum Nationalismus an, welcher zurl Zusammenarbeit der flawischen Böller führt. Minister Franke über die Blockbildungen 2n Brünn wurde Sonntag der mährisch« Landeskongreß der tschechischen Nationalsozialist^ schen Frauen abgehalten, auf welchem Minister Dr. Franke über die politische Lage sprach. Zu den Vorgängen innerhalb der tschechischen Par-, teien sagte er: So, wie im internationalen Lebens eine Umgruppierung der Allianzen vor sich geht» so bilden sich auch in unserer Innenpolitik neue Koalitionsgrundlagen heraus. Auch die nationalsozialistische Partei wird sich nicht in Isolation abschließen, sondern Bündnisse eingehcN, allerdings nur mit dem, der es aufrichtig meint und der Verständnis hat für die Interessen des werktätigen Volkes. Notwendige deutsche Bürgerschulen Die Errichtung neuer deutscher Bürgerschulen geht sehr langsam vor sich. Während im V o l k s s ch ü TliT e'fe n der Stand dem Zah- lenvcrhältnis der deutschen und der tschechischen Schüler entsprechend ist, ist das Verhältnis iM Bürger schulwesen ein ungünstiges. I« der Schuldebatte in der böhmischen Landesvcrtce«) tung drängte Genosse I l l n e r auf die rechtzeitige Erledigung der Gesuche von Gemeinden- in welchen die Voraussetzungen für die Schaffung neuer Schulen sind. So bewirbt sich Maicrhö« sen bei Karlsbad schon seit langer Zeit um ctrtf Bürgerschule. Die Kinder besuchen zwar die Schu- j len der Nachbarorte, sie werden dort aber nicht gerne ausgenommen, weil dies für die betreffen«! den Gemeinden ejne ziemlich bedeutende Bcla«^ stung ist. Auch in I u n g b u ch bei Trautcnau ist die Errichtung einer Bürgerschule eine Notwendig«' leit. Es geht dort um eine große Gemeinde und die Schule kommt auch für die ganze Umgebung in Betracht. Sowohl in Maierhöfen als auch in Iungbuch sind die Lokalitäten vor« Händen. Ein drittes Beispiel ist Wildenschwert mit neun deutschen Nachbargemeinden, die schon vor dein Kriege eine Bürgerschule angestrebt, bis, heute aber keinen Erfolg erzielt haben. Genosst I l l n e r appellierte dringend an die maßgebenden Stellen, hier Hilfe zu schaffen, die umso wich« tiger ist, als.diese Schule von 280 schulpflichtigen Kindern besucht werden könnte. Tschechische Agrarier für die Demokratie Der Verband der agrarischen Akademiker hat in Brünn seinen vierten Reichskongreß abgehalten, auf welchem u. a. Abgeordneter Beran über die Bedeutung der Intelligenz in der agrarischen Bewegung sprach, War es früher, so führte er aus, die Aufgabe, die junge Republik zN sichern, geht es heute um die Sicherung des Friedens und um die Erhaltung der Demokrafte. Die agrarische Demokratie ist die Stütze des demokratischen Regimes. Universitätsprofeflor Doktor Sedlacek führte aus, daß die tschechoslowakische Demokratie im Volle tief eingewurzelt und daß ihre Tradition genau so alt sei, wie die demokratische Tradftion des Westens. Gemeindewahlen in Kcsmark. Die Sonntag erfolgten Kesmarker Wahlen in die Gemeindevertretung hatten folgendes Ergebnis: Deutsche Sozialdemokraten 108 Stimmen und 1 Mandat (183— 2), Tschechische Sozialdemokraten 103, 1(63— 1), Kommunisten 626, 7(774— 10), Karpathendeutfche Partei 71, 0(nicht kandidiert), Juden 420, 5(389— 5), tschechische Nationalsozialisten 197, 2(91— 1), Gewerbepartei 208, 2(nicht kandidiert), Zipfer Deutsche 638, 8(665— 8), vereinigte christkichsoziale Parteien 672, 8(557— 7), Republikaner 163, 2 t(i®7— ft. Jtr. 248 Dienstag, 23. Oktober 1934 eines gro- Dle Polizei verhört Marie Vondrättovä-Danousovä In Kladno Moskauer Trauerfeier für Alexander I daß dieser Fest- die Stellung des letzten Ereigniffe (A.P.) Wie nachträglich gemeldet wird, wurde auch in Moskau eine Trauerfeier für Alexander I. veranstaltet, bei der Litwinow ausführte, daß König Alexander I. das jugoslawi- che Staatsschiff durch alle Nachkriegsstürme in den ruhigen Hafen geführt und denWegzu einer glücklichen Zukunft und zum Wohl- Auf der Suche nach der blonden Frau Im Vordergrund der Unterredung über das Attentat von Marseille und seine Urheber steht die rätselhafte platinblonde Fra«, die eine sehr wichtige Rolle gespielt haben soll. Die Prager Polizei hat auf Ersuchen der französischen Behörden mit dem Verhör der in Kladno lebenden F^au Bondräckovä-Janouskovä begonnen, deren Eltern in Frankreich ansässig sind. Die ranzösische Polizei hält dreierlei für möglich: daß sie Vondräkkovä in Kladno mit der gesuchten chönen Blondine nur den Namen gemein hat. In L ü t t i ch ist ein Kroate verhaftet worden» in dem man den Mitarbeiter Paveliks Gustav Perke vermutete. Es hat sich ergeben, daß der Verhaftete Stefan P e r i k heißt. Er hat zwar verschiedene Filialen der Ustasa gegründet, ist aber mit dem Haupträdelsführer nicht identisch. Die italienische Polizei meldet» sie habe die beiden in Turin verhafteten Männer K v a t e r- n i k und P a v e l i k einem langen Verhör unterzogen» beide leugnen aber, jemals in Marseille ge-1 Militärdiktatur In Spanien? Verschiedene Pariser Berichte meldete« Sonntag, daß in Spanien die Militärdiktatur proklamiert worden sei, da die Regierung L e r r o u x zu keiner Einigung mit dem Präsidenten Zamora gelangen konnte, der sich bekanntlich gegen die Faseisierung und die von den Klerikalen geforderten Bluturteile wehrt(anders als seinerzeit sein österreichischer Kollege). Die spanische Regierung dementiert die Einsetzung der Militärdiktatur. Da die Regierung noch dementieren kann, dürfte sie mindesten- noch formell im Amt sei». Die Tendenzen zur Aufrichtung der Diktatur der Generale scheinen aber vorhanden zu fein. Maus Bau von Wozu auch den Umwes? Nach einer Wiener Meldung hat Mussolini Samstag den österreichischen Staatssekretär für Sicherheitswesen Hammer st ein und den Wiener Polizeipräsidenten Dr. S k u b l empfangen. Bisher empfingen die österreichischen Reffortminister und höheren Beamten die Befehle des Duce auf dem Umweg über den Bundeskanzler oder den Starhemberg. ES ist aber sicher einfacher und sparsamer, wenn Mussolini jetzt direkt mit seinen Untergebenen verkehrt. Urunovlc wieder betraut Der Regentschaftsrat des jugoslawischen Königreiches hat den Ministerpräsidenten U z u n o v i c mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut, doch hält man an der Absicht fest» ein Kon- zmtrationskabinett zu schaffen. Die alten Parteien, erklärte Uzunovic, würden nicht wieder erstehen. Sie gehören der Geschichte an. Dagegen werde jeder mitarbeiten können, der gewisse Prinzipien bejahe, vor allem das der Einigkeit und Unteilbarkeit Jugoslawiens. Als erster der konfinierten früheren Politiker wurde der Slowene Dr. K o r o s e r» der au' der Insel Hvar Zwangsaufenthalt hatte, in Freiheit gesetzt. Geheimnisvolle Zusammenhänge der griechischen Innenpolitik Athen.(Tsch. P. B.) Montag vormittags wurde der als Anführer des Anschlages auf Bc- nizelos seit langem gesuchte Räuber Karatha- ii a s i s von venizelistischen Agenten verhaftet und der Polizei übergeben. Athen»(Havas.) Nach der Verhaftung des Räubers KarathanasiS ist der Innenminister Jan- uopulos zurückgetreten ! Vie Steilung des Reichsbischofs erschüttert Berlin. Dienstag sollte der Reichsbischos Müller in die Hand Hitlers den Eid ablegen. I Dieser feierliche Akt sollte das Zeichen der Bekräftigung der von der Reichsregierung durch- geführten Vereinheitlichung der Protestantischen Kirche in Deutschland sein. Der Berliner Havasberichterstatter erfährt jedoch aus verläßlicher Quelle» ast nicht stattfindcn wird, weil Reichsbischofs Müller durch die ziemlich erschüttert wurde. zeigen diese beiden Bilder zwar nicht, sondern je eine Hälfte der diesjährigen sozialdemokratischen Maifeier in Komotau. Man sieht, wie der großangelegte Ringplatz dieser Industriestadt bis auf den letzten Winkel gefüllt ist. Unsere Partei hat also in einer Bezirksv^ranstaltnng, die nicht einmal den ganzen politischen Bezirk Komotaus umfaßte, ungefähr soviel Menschen aufgeboten, wie Herr Henlein aus ganz Deutschböhmen in B.-Leipa. Diese Aufmärsche der sozialistischen Republikaner erfreuen sich aber ebensowenig der Gunst der bürgerlichen Sensationspresse, wie seinerzeit unser Karlsbader Rcichsarbeitertag mit seinen 60.000 Teilnehmern. Wir legen auch weiter keinen Wert darauf,«ns emporlügen zu lassen, denn:„Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden." 'stand des jugoslawischen Volkes eröffnet habe. Dabei habe er gleichzeitig seine große Nolle als Schöpfer des Friedens in Europa entwickelt. Die Befriedigung des Balkans sei sein größtes Verdienst. Er sei tatsächlich ein Volksherrscher und das Vorbild eines Staatsmannes gewesen, der eS verdiene, daß ihm auf seinem Wege alle folgen, denen der Friede am Herzen liege.- Eine Massenkundgebung der„Helmatfront“ Mexiko weist Priester aus In Mexiko hat die katholische Geistlichkeit tleuerdings sehr heftig gegen die Einführung des »sozialistischen" Unterrichts(im wesentlichen einer freiheitlich orientierten Bürgerkunde) heftig op- tzoniert und dort, wo sie noch genug Einfluß hat, »Volksbewegungen" gegen die Staatsgewalt or- ßanisirrt, wobei auch Gewalt angewendet wurde Das Abgeordnetenhaus hat daraufhin e i n st i m- Inig beschlossen, die uömisch-katho- lischen Geistlichen des Landes zu verweisen. Es handelt sich im Grunde um die Fortsetzung des vor Jahrzehnten von Jua- r e z aufgenommenen, von Profirio D i a z fortgesetzten und vor allem unter Calles sehr heftigen Kampfes der mexikanischen Bauern und Landarbeiter um den Grund und Boden. Da dir Kirche die Interessen der Grundbesitzer der ausländischen Kapitalisten und ihre eigenen— da sie ja die größte Grundbesitzerin ist— verteidigt, wandelt sich dieser Klassrnkampf immer wieder zum Religionskonflitt. Anfllasclsflsdie Militärs Tokio.(AP) Die Broschüre des Kriegsministeriums, inderderplutokratische Cha- r a k t e r der Verfassung scharf angegriffen wurde und in welcher der Autor gegen die Häufung ungeheurer Vermögen im Besitz weniger und für eine weitgehende Staatskontrolle nach amerikanischem Vorbild eintrat, hat die inneren Gegensätze blitzartig beleuchtet. Die Militärpartei hält ihre Pläne nur s'ir durchführbar, wenn der Staat die Wirtschaft fest in der Hand hat. Die Parallele mit General Schleicher drängt sich auf. Der Konflikt über die Verwaltung der Mandschurei hat die Gegensätze zwischen den Anhängern der Militärpartei und den Parteien, die eine solche Diktatur vereiteln wollen, verschärft. In der Frage sind sich die konservative„Seyu- kai" und die liberale„Minseito" einig. Fühlen sie sich doch beide durch die Forderung mach einem Staatssozialismus bedroht.? Die Beamtenschafl und die Polizei in der Mandschurei wehren sich gegen die Unterstellung unter die Militärbehörden, ja sie drohen sogar teilweise mit einem Streik. Premierminister Okada bemüht sich verzweifelt um ein Kompromiß. Gasschutzräume in ledern Berliner Berlin. Eine große Aktion zpm Luftschntzräumen ist in Berlin eingeleitet worden. Die Haus- und Grundbesitzer werden aufgerufen, den Bau von Schutzräumen rmgesäumt vorzunehmen. Berlin sei das„Luftkreuz" Europas; im Falle eines Luftangriffes sei es aufs schwerste gefährdet. Cs sei Pflicht, dafür zu sorgen, daß in jedem Grundstück ein Luftschutzraum vorhanden ist. Dabei wird erwartet, daß sich alle H a u s be- w o h n e r selbstverständlich an der Aufbringung der Kosten für diesen privaten Schutzraum beteiligen. Die notleidenden Hausbesitzer sollen beim Schutzraumbau unterstützt werden. wesen zu sein und mit dem Attentat irgendetwas zu tun zu haben. Die französische Polizei flogt Wetter über das geringe Entgegenkommen der italienischen. Das einzige, was man den Franzosen auslieferte, sind Photographien der Verhafteten. Dagegen hat man dem französi- schen Polizeibeamten nicht einmal gesagt, in welcher Straße die beiden gewohnt haben. Vie Waffen italienischer Herkunft Paris.(Havas.) Die polizeiliche Untersuchung hat ergeben, daß die Waffen, welche der Königsmörder Kelrmen-Grorgicw bei sich führte, sowie auch die bei seinen Genossen Vorgefundenen Waffen durchwegs italienischer Herkunft sind und in Triest gekauft wurde«. Vie„N6os“ in heller Auflösung Marquet seht den Wes Milierands Im vorigen Herbst war aus der Sozialistischen Partei Frankreichs eine Gruppe ausgeschieden, die sehr bald unter dem Namen der Neosozialisten(Neusozialisten) auch kurz„Neos" genannt, bekannt wurde. Offiziell benannte sie sich in recht hoffärtiger Weise„Gruppe Jean Jaures". Bei den Neosozialisten, die ihren Hauptstützpunkt tatsächlich im alten Wahlkreis Jaures', in der Gironde(Südwestfrankreich) haben, fanden sich zusammen: die alte reformistische Rechte unter Renaudel, eine von M a r c e l D i a t geführte Gruppe, die auf eine gründliche Revision der alten Programme und auf einen neuen Sozialismus ausging, und endlich eine Gruppe von Karrieremachern, deren Führer AdrienMarquet war, der dann als A r- beitsminister in das Kabinett^der nationalen Konzentration Doumergue eintrat. Die Ncos hatten aber weder in der Regierung noch in der Agitation Erfolge zu verzeichnen. Die Kantonwahlen bewiesen, daß sie über ihren.höchst bescheidenen Besitzstand hinaus nicht vorzudringen vermochten. Im Gefolge der Auseinandersetzungen, die es dann gab, kam es zum Konflikt zwischen Marquet und seiner Fraktion. Wie jetzt gemeldet wird, hat Marquet sich entschlossen, gegen den Willen der Partei Minister zu bleiben, weil er aus „persönlichen Gründen" in dke Regierung eingetreten sei, Herr seiner Entschlüsse bleiben wolle und sich nicht von Parteiinteressen, sondern von denen der Nation leiten lasse. Fünf Abgeordnete wollen angeblich mit Marquet gehen. Marquet stellt damit einen weiteren Fall von„Ministerialismus" dar, wie es deren in Frankreich infolge der eigenartigen parlamentarischen Sitten schon vor dem Krieg einige gegeben bat. Am bekanntesten wurden die Fälle Millerand und B r i a n d. Der französische Sozialismus wird Herrn Marquet überleben, wie er die ehrgeizigen Extratouren Millerands oder Bivianis und selbst die Seitensprünge ßen Talents wie Briand überlebt hat. Die Entente Polen—Ungarn Ueier den Besuch Gömbös' in Warschau wurde ein Kommuniqee ausgegeben» das frstgestellt, daß die Verhandlungen zu freundschaft- lichrn und dem Frieden dienenden Abmachungen geführt haben. Konkret werden einige Konventionen, vor allem über handelspolitische und kulturelle Fragen genannt. Wie die meisten amtlichen Kommuniquees, so sagt auch dieses wenig oder nichts über die faktischen Abmachungen, die zwischen dem ungarischen Ministerpräsidenten und der polnischen Regierung getroffen wurden. Erwägt man jedoch, daß Polen erst in jüngster Zeit eine überaus- starke außenpolitische Aktivität, und zwar im Sinne Berlins entfaltet hat(Vorstoß gegen den Völkerbund und den Minderheitenschutz, Ablehnung des Ostpaktes und vor allem der Aufnahme der Tschechoslowakei m diesen Pakt, stärkere Aufrüstung auf der Grundlage allgemeiner Kriegsdienstpflicht selbst der Frauen), daß Ungarns Stellung im euro tzässchen Kräftespjel seit dem Sommer unklar i Wd daß Hitler und Mussolini es jeder in seine Sphäre einzubeziehen suchen, so wird man in den "eisen Gömbös einen andern Sinn erkennen. Gömbös fährt nunmehr nach Wien, und dann nach Rom— vorher war Papen in Ungarn bei Gömbös, Goeringin Polen bei Beck. Die Außenpolitik des Fascismus ist von einer gefährlichen Aktivität und Ungarn nach dem Marseiller Attentat anscheinend nicht geneigt, etwas zurückzustecken. Vor den Journalisten wies Gömbös auf die alte Freundschaft Ungarns und Polens— besser toäte: der polnischen Schlachta und der ungarischen Magnaten— auf die angebliche gemeinsame Ab- wehr der Gefahren hin, die von Osten die euro- däische Kultur bedroht haben. Die französische Vresse kommentiert den Betuch nicht sehr freundlich. Das„Journal" und der„Temps" wenden sich gegen Italien und Polen, die gerade nach Marseille Unggrn nicht hatten ermuntern dürfen. Seite 4 Dienstag, 23. Oktober 1934 Nr. 248, Furchtbares Autounglück bei Lau« Bier Tote, ein Schroerverletzter Die Brüxer Feuerwehr veranstaltete am Sönntag mit ihrem erst vor kurzem ne« angeschafften Löschauto eine Probefahrt nach Prag. Der Lenker des Wagens, Mechaniker Frank, hatte das Auto vorher gründlich untersucht und keinen Mangel festgestellt. Die Hinfahrt ging glatt von statten. Bei der Rückfahrt ereignete sich bei einer Straßenkurve unweit von Ehlum eine furchtbare Katastrophe. Der Wagen kam inö Schleudern, fuhr in den Straßengraben und überschlug sich. Dabei wurde der Kommandant der Feuerwehr, der Bergmann Josef L a d r getötet, die Bergleute Eduard L ö v«r, Karl Eada und Josef Frank so schwer verletzt, daß sie bald nach der Einlieferung inS Launer Krankenhaus verschieden. Ferner wurdk Josef Haler schwer verletzt. Drei Personen erlitten leichtere Verletzungen und die übrigen Mitfahrenden kamen mit dem bloßen Schreck davon. Sport vom Sonntag Großkampftag der Fußballer im Russiger Stadion Am Sonntag gab cs guten Fußballsport im A u s s i g e r Stadion. Vormittags trat eine Ver- bändsclf gegen eine Bezirkself an. Nachmittag spielte eine Kinder-Bezirks-Auswahlmannschaft Teplitz— Aussig und nach ihnen rangen Bundesmeister Kleinauge zd und Gruppenmeister Kleische itm die Palme des Sieges. Alle diese Werbespiele wurden äußerst fair unr ruhig ausgetragen, ein Zeichen der Diszipliniertheit der Atus-Sportler. Verbandsrlf gegen Bezirkself 3:0. In der Länderelf war Teplitz mit einer schwachen Garnitur vertreten. Die BezirkSelf war ziemlich gleichwertig, fiel aber dem Cndkampf zum Opfer. Die drei Tore fielen erst während den letzten 18 Minuten der zwei- tcn Halbzeit. Bei der Länderelf versagte der Rechtsaußen und der Mittelstürmer, demzufolge keine einheitlichen Sturmleistungen. Der Aussiger Bezirk zeigte wohl die geschlossenere Spielweise, der Sturm hatte aber kein Schußvermögen. Kinder-Bezirksauswahlmannschaft Teplitz gegen Aussig 4:2. Teplitz technisch besser, Aussig körperlich überlegen. Offenbar war der Ball— normaler Spielball— zu schwer, denn er stellte zu hohe Anforderungen an Krat^und Ausdauer. Der Sieg der Teplitzer wär wohlverdient. BundeSmeister Kleinaugezd gegen Grnppenmri- fter Kleische 1:2. Der Sieg des Gruppenmeisters, der aufopfernd spielte, war verdient. Kleinaugezd spielte in der ersten Halbzeit sehr zerfahren, kam erst in der letzten Viertelstunde auf und bedrängte dann ununterbrochen, konnte aber nur ein Tor aufholen. Kleische hatte alle Mühe, den knappen Vorsprung zu halten. Gegen Schluß nahm das Spiel etwas härtere Formen an, ohne jedoch den Rahmen des Erlaubten zu überschreiten. Der Schiedsrichter ließ einiges durchgehen, zum Nachteil beider Parteien. Kleische hat vorzügliche Spieler im Mittelläufer und den Verteidigern; bei Kleinaugezd befriedigte nur der Mittelläufer, die anderen Spieler zeigten erst in der letzten Viertelstunde, daß auch sie zu kämpfen verstehen. * ♦ Westböhmischer Arbeitersport Der Schachwettkampf 6. Kreis gegen 8. Kreis in Meierhöfen endete mit einer 5.5:7.5- Niederlage des 6. Kreises Die Gastmannschaft war aus den besten Spielern zusammengesetzt. Sonntag fand auch eine Kreis-Schachsitzung statt welche eine sechsstündige Diskussion brachte. Die Kreis-Schach- leitung des 6. Kreises wurde geändert. Eine arbeitsreiche Tagung hatte auch der Kreis- Wintersportausschuß in Neudek. Das Arbeitsprogramm steht Skikursc im Dezember, Eröffnungsspringen am Neniabrstag auf der Roten Schanze, in Bärringen, ein Kreis-Wintersportfest am 13. JäN- ner in Rotbart und ein Kreistreffen in Eisenstein im Böhmerwald vor, letzteres auch im Jänner. Weiter veranstalten alle-fünf Bezirke Wintersporttreffeu. Im F u ß b a l l gab es einige sehr schöne erstklassige Spiele. Besonders das Spiel Meierhöfen— GraSlitz war das schönste der Serie. Der Exbundesmeister scheint wieder in gute Form zu kommen, allerdings steht er auf der Tabelle bereits in zehnter Stelle. Ebenso ist der Kreismeister FFK. Falkenau an die neunte Stelle zurückgefallen. Es führt noch immer ASK. Meierhösen mit 10 Punkten aus fünf Spielen, gefolgt von AFK. Eger mit 10 Punkten aus sechs Spielen und Unterreichenau sotvie Altrohlau mit je acht Punkten.— Resultate: Pieier- höfen gegen Atus Graslitz 4:8, Sportbrüder Eibenberg gegen AtuS Chodau 4:1, Atus Drahowitz gegen Atus Karlsbad 1:1, Eger gegen Atus Franzensbad 1:0, Theussan gegen Neudek 3:1. TagcsnculgKcltcn London—Australien in 53 Stunden London. In dem großen Wettflug England—Melbourne landeten am Montag auf australischem Boden alS erste die Flieger Charles Trott und Campbell Black anf dem britischen Flugzeug„Comrt", die nach einem bewegten Rrkordflug um 11.08 vormittags Gren- wicher Zeit Port Darwin erreichten und damit eine Strecke von 9147 Meilen in 2 Tagen, 4 Stunden und 38 Minuten durchflogen. Der bisherige Rekord auf dieser Strecke betrug sechs Tage 17 Stunden. Bei der Landung in Port Darwin funktionierte nurmehr ein Motor des Flugzeuges, während der zweite Motor schon früher auszusetzen begann und schließlich über dem gefährlichen Meer von Timor vollständig ftillstand, so daß die Flieger volle zweieinhalb Stunden schwer zu kämpfen hatten, um mit dem ihnen zur Verfügung stehenden einzigen Motor mit vollen Touren sich in der erforderljchen Höhe über schweren Gewitterwol- ken zu erhalten. Gleich nach ihrer Landung machten sich die beiden Flieger mit ihren Mechanikern sofort an die Arbeit und nach nicht ganz zwei Stunden Ivar der zweite beschädigte Motor wieder in Stand gesetzt und lief mit vollen Touren. Um 11.05 Uhr abends Ortszeit, also um 1.35 nachmittags Greenwicher Zeit, startete der „Comet" neuerlich zu der 1389 Meilen betragenden vorletzten Etappe nach Charleville, von wo er nurmehr 787 Meilen zum Endziel des Wettfluges, der Stadt Melbourne zurückzulegen hat. Das Flugzeug„Comet" führt mit großem Borsprung. Ihm folgt das große holländische Ka- binen-Flugzeug„D o u g l a s", das von Par- mentier und Moll gesteuert wird. Den dritten Platz im Wettbewerb halten die Amerikaner Turner und Pangborn auf dem Flugzeug»Doeing", das gleichfalls'ein großes Kabinen-Verkehrsflugzeug ist. Von den übrigen Konkurrenten hat kein einziger noch die Kontrollstationen hinter Allahabad erreicht, wo das Ehepaar Mollison mit seinem Apparat„Comet" durch einen Bruch des Oelzuleitungsrohres aufgehalten wurde, so daß es wahrscheinlich aus dem Wettbewerb überhaupt Postflugzeug mit 11 Personen vermißt Melbourne. Das Postflugzeug, das in Lau- ceston^in Tasmanien mit zweiPilote n und neun Passagieren an Bord gestartet ist, wird vermißt. Das Flugzeug sollte bereits am Freitag in Melboume eintreffen. Man vermutet, daß es in der Nähe des Kap Wilson ins Meer a b g e st ü r z t ist. gusarnrnenstotz rumänische» Militärflieger Bukarest.(OR.) Sonntag nachmittags stießen bei Alba Julia zwei Militärflugzeuge in vollem Fluge zusammen. Hiebei wurde der Leutnant Aristid Demetrescu getötet; der Pilot des zweiten Flugzeuges konnte sich durch einen Fallschirmabsprung retten. Der braune„Grenzverkchr". Freitag, den 19. Oktober wurde der in Brandau(Erzgebirge) wohnhafte Rudolf S t e i e r von der Gendarmerie verhaftet und dem Bezirksgericht Kätharinaberg eingeliefe,rt. Steter war Vorsitzender der Nazi- Gewerkschaft und hat vor dem 1. Juli 1933 mit einigen seiner Freunde in Rosenthal(Sachsen) den Scharführer Max Reichel aufgefordert, unseren Genossen Wenzel Krippner zu verhaften, da derselbe in Brandau über Deutschland schimpfe und antifascistische Flugblätter„hinüber" schaffe. Bald darauf wurde der Genosse Krippner, als er die Grenze überschritt, tatsächlich verhaftet und 26 Tage im Arrest in Olbernhau (Sachsen) behalten, obwohl ihm nicht ein einziger Fall von illegaler Arbeit nachgewiesen werden konnte. Nun wurde der Angeber verhaftet., Es gibt aber zweifellos noch mehrere solcher Verbindungsmänner im Grenzgebiete, was folgender Vorfall beweist: Vor einigen Wochen waren zwei junge Leute aus Brandau bei einer Tanzunter- hältung in Hirschberg(Sachsen). Da kam ein SA-Mann herein und sagte zu dem einen Brandauer:„Tu bist doch ein Böhmischer und kennst sicher den Krippner Wenzel; wenn wir den er- Ivischen, den machen wir um einen Kopf kürzer. Wir wissen alles, was er macht und was in Brandau vorgeht, denn unser Gewährsmann aus Brandau berichtet uns ständig". Daraus ist ersichtlich, daß der braune„Grenzverkehr" noch nicht' Aufgehört hat"und die" Nazi immer noch ihre Verbindungen mit ihren Freunden in den tschechoslowakischen Grenzgebieten haben. Jedenfalls machen wir angesichts dieser Vorkommnisse alle sozialdemokratischen Arbeiter in den Grenzdörfern aufmerksam, auf der Hut zu sein und den Lockspitzeln nicht aufzusitzen. Autobus und Radfahrer. Die Staatsbahndirektion in Königgrätz teilt mit: Auf der Autobuslinie der tschechoflowakischen Staatsbahnen Friedland—Reichenberg stieß ein Autobus der Kursnummer 1 mit einem Radfahrer zusammen. Der Autobus stürzte um. Eine Person wurde getötet. Der Vorfall wird untersucht. 28 BRUNO ADLER: Copyright 1984 by Michal Kacha Verlag. Prag XIX Anna Benesch ist von der Wichtigkeft ihrer Rolle völlig eingenommen. Wie wurde sie doch von Hilsner verfolgt, und welche Angst hat sie aus^estanden, als der Mord an der Hruza bekannt wurde I Der Vorsitzende bezweifelt, daß sie sich gar so sehr gefürchtet habe, da sie ja ein Jahr lang ein Verhältnis mit ihm hatte. Sie sucht das zu entschuldigen:„Er war sonst ganz brav gegen mich, nur wenn er bös war, hat er mir gedroht." Dann bestätigt sie noch lächelnd, daß Hilsner in jeder Beziehung gesund sei. Am nächsten Tage wird die alte Tante enthaftet und mit der Mutter Hilsner unter äußerster Vorsicht in einem Wagen heimlich nach einer entfernten Station gebracht, um heimzufahren. Der Verhandlung wohnen diesmal mehrere Geistliche und Abgeordnete bei. Eine Reihe von Zeugen berichten übereinstimmend von dem verdächtigen Individuum mit stechenden Augen und sonderbarem Benehmen. Der Pfarrer Vlöek schildert den Mann so, als ob er die Rolle eines Aufpassers gespielt habe. Keiner erkennt ihn in Hilsner wieder. Julie Pesäk bezeugt, am 29. März gesehen zu haben, wie der Rabbiner Goldberger dem Hinkenden, der kein anderer als Beran war, von der Pawlatsche seiner Wohnung etwgs Längliches in Zeitungspapier zugeworfen habe, vermutlich das Schächtermesfer, das dieser in die Tasche steckte. Auch Marie Sura, einen Säugling auf dem Arm, beschwört, an jenem Tag Beran in der Judenstadt gesehen zu haben. Er hat sich bei ihr nach der Familie Bodansky erkundigt. Beran wird ihr gegenübergestellt.„Das ist ja gar nicht der Jude!"—„Also woher wissen Sie, daß es Beran war, der Sie nach der Adresse gefragt hat?"—„Bitte schön, das habe ich in den Zeitungen gelesen."— Den Gerichtssaal erfüllt schallende Heiterkeit. Den Höhepunkt dieses Tages bildet die Einvernahme des Gerichtsarztes Dr. Prokesch. Es ergibt sich, daß infolge der Unzulänglichkeit des Sektionsprotokolls eine eindeutige Feststellung der Todesursache unmöglich ist. Der Zeuge teilt die Anschauung, die der Ankläger vom Hergang des Mordes entwickelt hat. Die Leiche war, das bestätigt er ausdrücklich, völlig ausgeblutet. Dr. Baxa ivill von ihm erfahren, ob man einem Menschen, den man zu schlachten beabsichtigt, di? Kleider bis zum Gürtel herunterreißen muß; was wohl mit dem Blut geschehen sei, das.man am Tatort nicht gefunden habe; ob das Blut vielleicht absichtlich aufgefangen wurde; und ob die Täter die Kleider beseitigten, damit der Körper vollkommen ausbluten konnte. Der Zeuge ist ganz einig mit ihm, muß sich dann aber von dem Verteidiger beweisen lassen, daß alle die von ihm geäußerten Ansichten wissenschaftlich unhaltbar sind und lediglich auf Vermutungen beruhen. Für die Behauptung, daß die Täter das Mädchen erst betäuben wollten, um es dann zu töten, kann er keinen stichhaltigen Beweis erbringen. Seine Aussagen über den Blutverlust und über die Lage der Leiche decken sich nicht genau mit den Angaben der ersten Befunde und lauten ebenso unpräzis wie diese. Dem bloßgestellten Fachmann kommt der Vorsitzende zu Hilfe. Der letzte Verhandlungstag ist gekommen. Auf der Straße gehen die Gendarmen mit aufgepflanzten Bajonett. Die Bereitschaft der Garnison ist erhöht. Vor dem Gerichtsgebäude sammeln sich schon am frühen Morgen die Menschen. Der Andrang in den Schwurgerichtssaal ist starker als je. Auf den Bänken, die sonst den Zeugen dienen, haben heute, wie es in den Zeitungen heißt, nahezu ausschließlich die Damen der besten Gesellschaft Kuttenbergs und höhere Militärpersonen Platz genommen. Dr. Aurediiiöek beantragt, den wegen Mordverdachts verhafteten Franz Wehr, der in Warnsdorf in Untersuchungshaft sitzt, herschaffen zu lassen und mit den Zeugen zu konfrontieren, die damals in Polna dem verdächtigen Individuum begegneten. Das sei um so notwendiger, als der Pfarrer Vlkek gestern nach der ihm vorgelegten Photographie die Möglichkeit'zugegeben hat, daß Wehr und jener Mensch identisch seien. Zu diesem Zweck soll die Verhandlung bis auf weiteres vertagt werden. Der Staatsanwalt spricht sich gegen den Antrag aus. Das Gericht lehnt ihn ab. Das Be- wrisverfahren wird für geschloffen erflärt. Der öffentliche Anfläger ist heute ein wahrer Anwalt des Staates. Staat—■ das ist für ihn die vorgesetzte Behörde. Nach chr hat er sich zu richten, und sie wieder richtet ihr Verhalten nach politischen Notwendigkeiten. Auf der Waage, mit ivelcher die Justitia im Wiener Ministerium wägt, sind die Gewichte klar verteilt: auf der einen Sette die Stimmen der Liberalen und Sozialisten und aller, die sicki rühmen, im Namen des Fortschritts und des Weltgewissens zu sprechen; auf der andern der einstimmige Chor der übrigen Parteien, der staatserhaltenden wie der radikalen. Die Staatsgewalt, von der Behörde verkörpert, steht in den Verfechtern von Aufklärung und Demokratie ihre natürlichen Widersacher. Ihr Jnter- effe wahrt die andere Seite, auf der sich Christlichsoziale, Deutsch-Völkische und Jungtschechen zum ersten Male geeinigt finden. Ueberdirs ist der Minister ein treuer Sohn der Kirche, und schließlich muß er auf den unbequemen Schreier Schneider Und dessen gefährliche Presse Rücksicht nehmen... Das Gesetzbuch kennt keinen Rituälmord; also darf der Staatsanwalt nicht von diesem Motiv sprechen. Ein anderes ist nicht nachweis« Ziehung der Klassenlotteich» (Unverbindlich.) Prag. Bei der Montag-Ziehung der V. Klaffe der 31. tschechoflowakischen Klassenlotterie wurde« nachstehende Gewinne gezogen: Der Haupttreffer im Betrage von einer Million X i entfiel auf das Los Nr. 80048. 20.000 KC: 23987, 63873; 10.000 LS: 9803 28516, 3421, 127, 57919; 5000 LS: 66960, 78162, 58952, 106132, 49684, 57721, 38409, 98081, 101362, 30515, 78893, 91365, 28308, 16137, 9793, 81489, 2206, 9938 48497, 22236; 2000 LS: 2230, 36885, 91640, 85789, 26660, 16872, 104191, 19328, 19102, 13750, 84690, 40249, 58639, 89602, 57406, 47583, 28330, 69233. 17102, 836, 4718, 5337, 9927, 107512 85481, 16904, 61972, 33768, 103993, 50570, 41901 23676, 79038, 14504, 12073, 62595, 49966, 64874, 61133. 62924, 17813, 72730, 57359, 12442, 49112, 24412, 25425, 83529, 6082, 51297, 72275, 7369, 2864, 45199, 27905, 29442, 9325, 44901, 16313, 107010, 31067, 107832, 33783, 36186, 68348, 5427, 81766. 1200 LS: 74204, 4175. 5180, 89958, 55239, 103238, 89952, 2632, 72258, 82047, 36514, 52170, 51668, 45514 67781. 76601. 59375, 28275, 39976, 102718, 105660, 45494, 2517, 23618, 98586, 68985, 79179, 74079, 92157, 61481, 92080, 96735, 78593, 41517, 20187, 40609, 42816, 95040, 68196, 45693, 36501, 80978. 45971, 68447, 24294, 53930, 36869, 76576, 44582, 53354, 62410, 16420, 7290, 24319, 28419, 43972. 95710, 92171, 35100, 101629, 106346, 24785, 19191, 89041, 86548, 93028, 80492, 9593, 37016, 49702, 13490, 45961, 54643, 48669, 75316, 71501, 91853, 44208 83851, 25874, 63779, 21952, 58735. 99541, 86080, 102775, 96393, 85818, 4346, 102610, 82765, 32167, 620, 33776, 63946, 45882, 61679. 73539, 45926, 67831, 61298, 34629, 101567, 97885, 107001, 44574, 5423, 89236, 33866, 106779, 105919 74040, 88756, 67221, 52063, 48418, 41105, 29752, 67788, 71606, 63419, 77125, 25839, 56344, 30628, 53368, 23669, 34912, 92991, 6287, 141, 5213, 34117 34295, 72398, 1913, 59083. Flugzeugabsturz bei Prag. Sonntag nachmittag startete in Prag das Flugzeug OKVZ der Hochschüler-Sportvereinigung zu einem Rundflug um den Flugplatz. Nach dem Start nahm das Flugzeug eine Kurve und begann im Gleitflug außerhalb des Flugplatzes niederzugehen, so daß es schien, als ob es notlanden wollte. Hiebei wurde der Motor nicht abgesteflt. Das Flugzeug stieß auf det Erde, auf und wurde zertrümmert. Der Flieger kam mit unerheblichen Verletzungen davon. Die Ursache der Havarie ist anscheinend in einem Fehler in der Steuerung zu suchen. Furchtbares Gemetzel in einem chinesischen Dorf London. Nach einer Reutermrldimg aus Shaughai wurde das Dorf Kaoyu(Rord- Kiangsu) von 250 Räubern überfallen. 30 Einwohner wurden erschossen, 30 verbrannt und 216 insWasser getrieben, wo ertranken. Bon den 300 Häusern des Dorfes wurde» 254 eingeäschert. Ungefähr 150 überlebende Einwohner find geflüchtet. Annähernd 80 sind zurückgeblieben, obwohl ihnen ihre ganze Habe genommen ist. Die Berteidi- gungsmannschaft des Dorfes hatte eine Gruppe Räuber, die 16 Mann als Geiseln entführen wollten, beschaffen. Darauf zogen sich die Banditen zurück. Sie kamen aber nach kurzer Zeit mit Ber- stärkung wieder und überfielen das Dorf. bar; also muß er jede Eröterung über Grund und Zweck des Verbrechens vermeiden. Auch die Geschworenen bittet er, sich nicht mit der Frage zu befassen, warum Hilsner die Tat beging. Genug, daß er sie begangen hat. Dafür spricht die Stimme des Volkes, dafür die zweifelhaft« Persönlichkeit des Angeklagten, dafür sprechen die Indizien und die Zeugen, vor allem dieser Herr Pesäk,„bei dem das Interesse an der Gerechtigkeit gesiegt hat und der sich selbst durch eigenen Schaden nicht Abschrecken ließ,.. Der Seelenkampf war an ihm wahrzunehmen.«" Hilsner war einer der Täter. „Ich bin nicht dabei gewesen, und niemand weiß. Wer es getan, wer geschnitten hat; aber daß Hilsner dabei war, davon bin ich überzeugt.. Ob er sie geschlagen oder die Schlinge um sie geworfen oder geschnitten hat, ist einerlei, darauf kommt es nicht an." Und er verlangt die Bejahung der Schuldfrage. Nach ihm spricht der Vertreter der Privatbeteiligten. Es ist Dr. Baxas große Stunde. Der fleine gedrungene Mann mit dem dicken Kopf auf breiten Schultern, im Landtag Vertreter der radikalen Partei, als Advokat und Politiker gleich strebsam, ist durch diesen Prozeß eine europäische Figur geworden. Er vertrat nicht nur den Anspruch der Mutter Hruza auf Erstattung der Begräbniskosten; die Mutter hat ein weit bedeutenderes Recht, nänklich das Recht auf die Frager warum? Und nachdem er dieses Warum bewegt und bewegend immer wieder in den Saal gerufen hat, findet er auch die Antwort r„Gott sei Dank und Gott sei es geklagt, daß wir die wahre Ursache des Todes erfahren haben I Die Täter rechneten auf die ganze Reihe ihrer Mordtaten, die sie gut verheimlicht haben, und darauf, daß an ihren Opfern, wenn sie entdeckt wurden, nicht zu erkennen war, auf welche Weise man sie umgebracht hatte„.. (Fortsetzung folgt) Dienstag, 23. Oktober 1934 Seite 5 & S« Der Abschluß einer Emigrantentragödie Temesvar(Rumänien). Bor dem hiesigen Strafgericht fand die Tragödie einer russischen Emigrantin ihren Abschluss, indem das Gericht sie zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilte. Nina Cio- ban-Ächrufrna lernte hier vor zehn Jahren den russischen Fürsten Paul WladimirowicS B e- r e z e v s k y, der hier als Steinbrucharbeiter beschäftigt war, kennen. Da beide durch das gemeinsame Schicksal, die Heimat verlassen zu haben, verbunden waren, beschlossen sie, für die Zukunft Freud und Leid miteinander zu teilen. Der Fürst erkrankte schwer und Nina pflegte ihn mit hingebender Treue. Nina gab zwei Kindern das Leben, deren Vater Berezevsky war. Beide lebten glücklich— bis eine andere Frau den Weg dieses seltsamen Fürsten kreuzte. Er verliess Nina mit den Kindern und lebte mit der andern. Nun begann für Nina ein bitteres Leben. Sie und ihre Kinder hun- j gcrten und Nina gab sich alle Mühe, den Fürsten für sich und auch die Kinder zurückzugewinnen, aber vergeblich. Nina geriet in Verzweiflung. Sie! verschaffte sich einen Revolver und schoss, im März dieses Jahres, in der Volksküche in Temesvar den Fürsten nieder. Das Gericht verurteilte die betrogene und verlassene Frau zu der eingangs erwähnten unglaublich harten Strafe. Vier Streckenarbeiter überfahre« ist Hem fiiwisfMHtk Auf jedem Familientisch soll die Kaffeekanne stehen. Kaffeetrinker sind andere Men* sehen.- Sie sind körperlich ausdauernd, geistig frisch. Sie bekommen einen guten, kräftigen Kaffee schon um Kc 11*— für*/< kg. Wir führen auch noch billigere Mischungen. Kaffee-Import PBAGEB ZEIICMG Mannheim. Zwischen den Stationen Fried- richsfeld und Wieblingen wurden Montag früh im dichten Nebel vier Streckenarbeiter, die durch einen Sicherheitsposten vor einem heran- nahenden Zug gewarnt worden waren, von dem Personenzug Heidelberg—Mannheim überfahren und getötet. Die Verunglückten waren anscheinend auf ein f a.l s ch e s G l e i s getreten. Der Sicherheitsposten befindet sich unter den Toten. Wieder Tais«« Manilla. Die Insel Luzon wurde neuerlich von einem Taifun heimgesucht. Hiebei kamen fünf Personen ums Leben. Etwa 100 Personen werden vermisst. Der durch den Taifun verursachte Schaden wird auf 280.000 Dollar geschätzt. Bier Kinder verbrannt. Bei einem Brande! in einer unweit von Amiens gelegenen Ort-i schäft kamen vier Kinder eines polnischen landwirtschaftlichen Arbeiters im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren ums Leben. Der älteste Knabe wollte das Feuer anrichten, zündete jedoch das ganze Häuschen an.— Samstag brach in der Gemeinde Otichovce im Bezirke U sj h o- rod durch einen unglücklichen Zufall ein Feuer aus, das sich rasch verbreitete und fünf Bauernhöfe nebst vier Wirtschaftsgebäuden mit Heu- u«zd Strohvorräten vernichtete. Der vom Feuer verursachte Schaden ist um so cmpsistdlichcr, als er sehr arme Dörfler trifft, welche nicht versichert waren. Ein General tvegen Bestechung verurteilt. Der kommandierende General Bardi de Fourtu, ehemals Vorstand der Militärkanzlei des französischen Präsidenten, der zu Bc „Lebender Mensch im Käfig",. Ein Schausteller aus Gelsenkirchen gab, um an Fahrkarten zu sparen, seinen Gehilfen als„lebendiges Tier" in einem Ausstellungskasten als Frachtgut zur Bahn. So wurde der Gehilfe von einer Station ! zur anderen gebracht. Er bekam nur eine Kanne Kaffee, etlvas Wasser und trockenes Brot mit in seinen Käfig hinein. In diesem engen Raum muhte nun der blinde Passagier je nach der Entfernung der Zielstation manchmal zlvölf Stunden verbringen. Mehr als siebenmal wurde der Gehilfe auf diese Weise verschickt. Nach der Eisenbahnfahrt ivar er stets vollkommen erschöpft. Bei einer Revision des Tierkäfigs durch Bahnbeamte war man nicht wenig erstaunt, in den: engen Käfig zusammengekauert einen Menschen zu finden. Gegen den Schausteller ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. Die Welt ist neidisch. Dem Gauinspektor Robert Thiel ist cs gelungen, im„Westdeutschen Beobachter«den tiefsten Grund dafür aufzndecken, dass das Ausland über das neue Deutschland so unfreundlich urteilt. Cs ist nichts anderes als grüngelber Neid. Pg. Thiel schreibt: „Wir gestehen, dass wir kein Beispiel eines Staatsmannes kennen, das grösser iväre als das unseres Führers. Seine Souveränität ist denn auch im ganzen deutschen Volke eine unumstrittene. Wir glauben darin den Grund zu erkennen, warum uns die Mächte der Zerstörung draussen in der Welt derart hassen und bekämpfen. Die Erhabenheit des staatsmännischen Genies ist derart augenscheinlich,'dass alles andere beim Vergleich mit ihm verblasst." Sammlungen des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes und des Arbeitslosen-Komitees, die am Sonntag, den 21. Oktober, vormittags im Rahmen der Aktion„Die Demokratie dem Kinde" durchgeführt wurden, erfreuten sich des Interesses der breiten Oeffentlichkeit. 90 vom Staate, der Gemeinde Prag und Privaten zur Verfügung gestellte Fahrzeuge führten der Sammelstelle an 10.000 Pakete Kleider, Wäsche, Lebensmittel und verschiedene Hausgerätschaften zu. An Stelle von Naturalien gespendete Geldbeträge ergaben die Summe von XL 17.519.05. Die Menge der Naturalien blieb: hinter dem Vorjahrsergebnis um ein Drittel zurück, dafür ist aber die Summe der Geldspenden heuer bedeutender. Rundfahrt des Stadtratrs. Primator Dr. Baxa hat die Mitglieder des Stadtrates aufgefordert, gemeinsam mit der Beamtenschaft der Gemeinde eine Rundfahrt durch ganz Prag, hauptsächlich durch die Vororte, zu unternehmen, alles in Augenschein zu nehmen, was verbessert oder verschönert werden könnte, und nach den Erfahrungen dieses„Augenscheines" geeignete Vorschläge zu unterbreiten. Feuer in einer Fabrik. In einem Teile der Grabschen Fabriken in Prag VII., der an die Druckereifarben-Fabrik Dusek u. Co. vermietet ist, brach am Sonntag gegen 20 Uhr ein Feuer aus, das schnell.um sich griff und bald den ganzen Haustrakt in Flammen setzte. Die Feuerwehren konnten den Brand schnell lokalisieren, doch blieb eine starke Feuerwache bis in die frühen Morgenstunden am Brandplatze. Der Sachschaden ist bedeutend, jedoch durch Versicherung gedeckt. ticrichtssaal Ein»Badeulk" mit tödlichem Ausgang Opfer eines rohen Scherzes. Prag. Jede sommerliche Schwimm- und Badesaison fordert ihre Todesopfer. Meist liegt die Ursache solcher beklagenswerter Fälle in der eigenen Unvorsichtigkeit der Ertrunkenen oder in einem unglücklichen Zufall.• wenn etwa ein Schwimmer von einem Krampf betroffen wird und untergeht. Hie und da ereignet es sich aber, dass an der Vernichtung eines Menschenlebens ein roher Scherz die Schuld trägt und solche Fälle sollten einer wirklich exemplarischen Bestrafung verfallen. Montag war ein gewisser Franz Sachs des Vergehens der fahrlässigen Tötung angeklagt. Der Angeklagte, dessen Berus als Privatbeamter angegeben ist, scheint sich übrigens seit längerer Zeit ein anderes Tätigkeitsgebiet gesucht zu haben. Jedenfalls ist er wegen Diebstahls von den Gerichten in i en, Lin z, Bu d wei s und P rag zu veffchiedenen, teils sehr stattlichen Strafen wegen Diebstahls verurteilt worden. Heute wurde die Strastkarte des Angeklagten, die bisher nur Eigentumsdelikte verzeichnete, um ein anders geartetes Delikt bereichert. Am 26, Juni d. I. badete Franz Sachs auf der „K a! s e r w i e s e" bei Smichow und machte sich mit zwei Mädchen bekannt, die neben ihm am Strande lagen. Es folgte zunächst der übliche Badeulk und schliesslich beredete der Angeklagte seine zwei neuen Partnerinnen, die beide des Schwimmens unkundig waren, mit ihnt ins Wasser zu gehen. Das Ufer fällt dort ziemlich steil ab und Sachs hatte seine„Hetz" daran, die zwei Mädel immer tiefer in den Fluss zu ziehen. Er liess sie auch nicht los, als ihnen das Wasser schon bis zum Mund reichte und sie in Ertrinkungsangst zu schreien begannen. Im Gegenteil, er tauchte ihre Köpfe mehrmals tief unter die Oberfläche, so dass die Hilferufenden Wasser schlucken mussten. Dieser rohe„Witz" endete tragisch, Zwar sprang ein junger Mann, der den Ernst der Situation erkännte, ins Wasser und zog die eine der Ertrinkenden, eine gewisse Karla V o j k a, ans Ufer. Die andere aber. Zdenka H o r ä k mit Namen, verschwand unter dem Wasserspiegel. Der feine Kavalier liess sie einfach fahre», ohne sich weiter um sie zu kümmern und suchte sich tu dem schnell zusammenlaufenden Menschenhaufen aus dem Staube zu machen. Man hielt ihn aber fest und wenig fehlte, so hätte er gewaltige Prügel bekommen. Die arme Zdenka H o r ä k aber konnte trotz sofortiger Bergungsversuche erst nach sieben Minuten aus dem Wasser gezogen werden. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolgSlos. Bei der heutigen Verhandlung vor einem Strafsenat T r o st versuchte der Angeklagte zu leugnen, wurde aber durch eine ganze Reihe von Zeugen, die den tragischen Vorfall aus nächster Nähe beobachtet hatten, überführt. Er wurde zu der— sicherlich mehr als' gelinden— Strafe von drei Monaten strengen Arre st es verurteilt, natürlich unbedingt, wie es sich bei seinen Vorstrafen von selbst versteht.> rb. Der Film Dollar-Babylon Auf diesen Film ist mit Nachdruck hiuzuwei- scn, weil er von der Regel— abweicht, phantasierte Spiele auf die Leinwand zu projizieren, und weil er die eigentliche Aufgabe der Filmtechnik erfüllt: ein Stück Wirklichkeit zu zeigen. In Amerika hiess diese (von dem Regisseur Ullmann zusammengestellte) Bilderfolge„The Mad Age", also„Das verrückte Zeitalter"— und das ist kein schlechter Titel für eine historische Uebersicht über die Begebenheiten in den Vereinigten Staaten seit Kriegsausbruch, di« durch ihre Komposition den Wirrwar der letzten beiden Jahrzehnte stärker betont als die Entwicklung, die dem nachdenklichen Zuschauer zum Bewusstsein kommt. Die Erscheinungsform dieser Ereignisse, wie sie sich den Kamerareportcrn der amerikanischen Wochenschauen dargeboten haben, macht wahrhaftig den Eindruck eines riesigen Narrenhauses. Die Kriegs» begeisterung nach Wilsons Entschluss, der Entente beizutreten, hat sich jenseits des Ozeans(wo Chaplin und Mary Pickford für die Kriegsanleihe Reden hielten), in der Form eines Karnevals entladen, dem dann nach dem Ende der Kriegskonjunktur die brutale Realität der großen Streikkämpf« folgte— und der Oelskandal, an dem Harding starb. Dem ersten Grollen der Revolution treten neben der schwerbewaffneten Polizei der mystisch-maskierte Ku-Klux-Clan(die roheste Vorform der fascistischen Organisation) und di« Prosperität-Propheten Coo- lidge und Hoover entgegen. Der Triumph tus laufenden Bande-, der Mammut-Betriebs und der allgemeinen Mechanisierung beginnt— und währe ist» in Dahton hemdärmelig Männer beweisen, dass die Bibel weiser sei als Darwins Abstammungslehre und das puritanische Experiment der Prohibition startet, wächst mit den Wolkenkratzern und den Milliardärvillen in Kalifornien das Massenelend der Arbeitslosen. Während die Hyänen des Kapitalismus, die Bootlegger, Gangster und Menschenräuber, ihre organisierte Tätigkeit in die Höhe bringen, rotten sich die Massen zusammen, um für Saeco und Vanzetti zu demonstrieren, scharen sich di« enttäuschten Kriegsveteranen zum Zuge auf das Kapitol^wo Tanks und Bajonette ihrer harren), greifen die Farmer zur Streikwaffe.— und während der Kel-. logg-Pakt feierlich unterzeichnet wird, wächst die' Aufrüstung in Amerika und der übrigen Welt. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Ueberproduktion führt zu Jndustrieffandalen und Börsenkrachs—, aber auch die Ablenkungsmanöver werden intensiviert: die Sportpsychose, der Rekord-Wahnsinn, die Schon- heitsvaraden, die Star-Vergottung, die Ozeanflüg«. die Kanaldurchquerungen, die Regertänz« und die Kreuzworträtsel,— Einfälle, die Europa belacht hat um sie dann rasch nachzuahmen. Die Krise jedoch ist nicht zu bannen, die amtliche Arbeitslosenzahl nähert sich der zehnten Million die Finanzgrössen sind ratlos, Mister Hoover ist blamiert, der lächelnd« Jimmy Walker wird als Betrüger entlarvt, die Fabriken werden stillgelegt,— und es war, wie diese ans oberflächlichen Wochenschauen zusammengestellte Bilderfolge zeigt, eine revolutionäre Situation, in der die Wahl Roosevelts als des letzten Retters erfolgte..' Man kann diesem Film etwas nachsagen, was man Filmen selten(und unseren Wochenschauen in letzter Zeit überhaicht nicht mehr) nachsagen kann: dass er zum Verständnis der Gegenwart beiträgt und deshalb sehenswert ist. Aus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Dienstag, den 23. Oktober, 8 Uhr: Gruppenabende: SJ Zentrum: Der 28. Oktober. Referent Genosse Krejki. SJ Weinberge: Die russische Oktoberrevolution. SJ Holleschowitz: Die Stellung unserer Partei zum 28. Oktober. Referent Genosse Hofbauer. SJ Smichov: Die Schlacht bei Lipan.— Dienstag den 23^ Oktober, halb 7 Uhr, im Parteiheim: Besprechung und Abrechnung der Kassiere. Vcrclnsnadirlditen SPD.-Flüchtlingshilfe am Donnerstag, 25. Oktober, abends um 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Prag II., Perstyn 11: Mitgliederversammlung mit Vortrag über die politische Lage. Die Arbeitsgemeinschaft über Mittelstandsfragen fällt aus. Zutritt nur mit Mitgliedskarten. Der Tod des Pftastermeisters Aufregender Schwurgerichtsprozeß in Mährisch-Ostrau Aus Mährisch-Ostrau wird berichtet: Seit dem 16. Oktober wird vor dem Geschworenen- I gericht in Ostrau der rätselhafte Tod des Pflaster- Meisters Konrad S o s n a aus Mährisch-Ostrau verhandelt. Der 42jährige Lohnführwerker Johann V a§ i i e k aus Stare Mkste bei Friedek, ist des Meuchelmordes angeklagt. Vasiöek wurde mit Sosna vor Jahren bekannt und übernahm/ um ihm die Vornahme grösserer Aufträge zu ermöglichen, bei einem Friedeker Geldinstitut die Bürgschaft für einen Wechselkredit im Betrage von 45.000 siö. Sosna zahlte so saumselig, dass die Schuld bis Ende des Jahres 1932 auf 190.000 KC angewachsen war. Basiöek und der zweite Bürge veranlassten des halb Sosna, eine Lebensversicherung in der Höhe von 200.000 Kö auch für den Fall eines Selbstmordes abzuschliessen, um wenigstens irgend eine Sicherstellung in der Hand zu haben. Sosna zahlte aber auch dann noch schlecht und brachte Va- siöek, der eine grosse Familie hat/ in die Gefahr, sein ganzes Hab und Gut zu verlieren. Vasiöek war Sosna bei der Arbeitssuche behilflich, um ihm so die Teilzahlungen zu ermöglichen. Am 21. Feber kam Vasiöek nach Ostrau, um Sosna abzuholen. Beide fuhren sodann zu dem Stief- bruder BasiöekS, Mojjisok, nach Kunöice bei Ostra- vice, der dort eine Landwirtschaft besitzt, und wollten ihn überreden, sich seinen Hof auSpflastern zu lassen, waS jedoch ohne Erfolg blieb. Bor der W- fahrt aus Kunöice reparierte Sosna etwas am Automobil. VaZiöek ging sodann einen Augenblick in den Hof seines Bruders, um einen Hader zum Putzen der Kerzen zu holen, und liess ihn durch den Kutscher Fraizer Sosna überbringen. Als der Kutscher zu dem Automobil trat, fand er die blutende Leiche des erschossenen Pflastermeisters Sosna vor. Die herbeigerufene Gendarmerie glaubte zuerst an einen Selbstmord. Der Revolver wurde erst am nächsten Tage gefunden. Als die Witwe des Sosna eine weitere Untersuchung des rätselhaften Todes ihres Mannes und die Exhumie- Tagung der Rundfunkunion. Montag vormittags wurde in Prag die Arbeitssitzung der Studienkommission der Internationalen Rund-, funkunion, deren Sitz Genf ist, eröffnet. Sie wird> rung der Leiche durchsetzte, traten verschiedene Un- bis Ende dieser Woche dauern.«cgämässigkeiten zutage. Zwei Monate nach dem rätselhaften Todes Sosnas wurde Vasiöek verhaftet und gegen ihn die Untersuchung wegen des Verbrechens des Meuchelmordes eingeleitet. Während der Untersuchung auf der Polizeidirektion leugnete Basiöek zuerst, bekannte jedoch später, Sosna in Erregung erschossen zu haben. Bei der gerichtlichen Untersuchung leugnete er wiederum alles. Als Zeuge wurde u. a. Mozisek einvernommen, der wegen falscher Zeugenaussage zu vier Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Während der Schwurverhandlung kam es öfters zu dramatischen Szenen. 50 Zeugen wurden verhört, darunter auch die Frau des Angeklagten, die infolge zahlreicher Widersprüche inUntersu- chu n g S h a s t genommen wurde. Zwei Töchter des MojZisek, sowie zwei andere^ Frauen sagten auS, sie hätten zwei Schüsse gehört, als Vasiöek mit ihnen in der Stube des Landwirtes MojjiZekS war. Eine dieser Frauen, die 27jährige Ehefrau des Bergmannes KoZnovskä, weilte während der Verhandlung im Zuhörerraum unter dem Publikum. Dort hatte sie jemand geängstigt, dass sie«ingekerkert werden würde, ebenso wie alle anderen, die zu-, gunften Vasiceks ausgesagt hätten, so wie es schon dem MojZiSek passiert wäre. DieS regte die KoZnov- skä so auf, dass sie mittags in Kunöice n. O. i n d e n Mühlgraben sp ran g und dort ertrank. Ihr Bruder, Wolf C a j k a, fuhr nach Erhalt dieser Nachricht sofort nach Hause und sprang ebenfalls in den M ü h l g r a b e n, wurde aber im letzten Augenblick von den Gendarmen gerettet. Er musste beobachtet werden, damit er keinen zweiten Selbstmordversuch begehe. . Samstag wurde das Zeugenverhör beendet und mit der Verlesung der Gerichtsaften begonnen. Montag um 9 Uhr früh fuhren die Mitglieder des Schwurgerichtes und des Senates an den Tatort, um festzustellen, ob es möglich sei. in der Wohnstube MojZisekS ausserhalb derselben abgegebene Schüsse zu hören. Die Verkündung des Urteils wird Montag abends oder Dienstag erwartet. Seile 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 23. Oktober 1934. Nr. 248 AUCH EIN WARMER SCHUH IST ELEGANT UND MODERN I Mode- Meltonschuhe mit Besatz. Schwarze Meltonschuhe mit warmem Futter. Ledersohle. Warme und bequeme Meltonchuhe. Elegante Schuhe für den Winter. Oberteil aus warmem Melton. Warmes Futter. Kunst und Wissen Theater in Deutschböhmen Erfreuliches vom Aussiger Stadttheater Unter den Theatern Deutschböhmens steht das von Aussig derzeit im Vordergrund durch die Auf- mcrkjamkeit, die es auf dieses sein fünfundzwanzigstes Spieljahr zu lenken verstand. Der Feier dieses Jubiläums am kommenden Samstag ging am Ende der verflossenen Woche ein Auftakt voraus, der weniger um seines Anlasses willen, als wegen des ausgezeichneten Eindrucks, den er erzielte, als erwähnenswert erscheint. Zwar soll keineswegs unterschätzt werden, was die Direktion Huttig, die jetzt ihr zehntes Fahr in Aussig feiert, an Verdiensten erwarb und weiter erwirbt. Wichtiger noch aber als dies erscheint uns die Feststellung, daß die(sozialdemokratisch geführte) Aussiger Stadtgemeinde unter dem Bürgermeister Genossen ö I a I alles mögliche getan hat und noch tut— und mit Erfolg tut— um dem Theater nicht nur Lebensfähigkeit, sondern wahrhaftig künstlerisch-kulturelle Kraft zu geben. Wobei es freilich ein Glück ist, daß sie in Alfred Huttig einen Mann besitzt, der als Direktor, Regisseur und Schauspieler und nicht zuletzt als Mensch Sympathien und Interesse des Publikums trotz aller Schwierigkeiten immer wieder auf das Theater zu konzentrieren versteht. Sein zehnjähriges Direktionsjubiläum beging Huttig-am SäntStäg mit einer Festvorstellung' von Hermann Pahrs reizvollem Lustspiel„Wienerinnen". Und nicht nur zeigte er sich selber darin als unverwüstlich charmanten Und höchst wirkungsvollen Schauspieler und geschmackvollen' Inszenator, sondern eben auch als einen Direktor, der durch die Verpflichtung eines vielfach hochwertigen Ensembles für den Aufstieg des Niveaus dieser Bühne sorgt. Man lernte da beispielsweise in Fräulein LieslMacheiner eine Naive von herzerfrischender Natürlichkeit ünd totsicher heiterer Wirkung kennen, man durfte im Stillen Reverenz vor einem„Provinztheater" machen, auf dem eine Episode durch HermannVallentin zur Bombe wird, man erquickte sich an der Originalität Vasa Höchmanns und noch an einer ganzen Reihe anderer ausgezeichneter Darsteller. Und man erlebte ein aus verkauftes Haus, in dem L ach- und Beifalls st ürme tobten und das schließlich in einem Festakt für den Jubilar alle berechtigte und notwendige Liebe der Aussiger für ihr schönes Theater in unvergeßlicher Weise demonstrierte. Bürgermeister Pölzl, der Theaterveremsprüsident Schicht, die Vertreter der' einzelnen Mitglieder- gruppen— sie alle überzeugten in ihren Ansprachen davon, daß es bei dieser Feier für Huttig um mehr und anderes ging als um Weihrauch für eine Person, sondern vielmehr um die Feststellung und Vertiefung eines herzlichen Bündnisses zwischen Stadt.Publikum, Theater und Direktor. Nicht nur Aussig, sondern alles, was am Weiterbestand und an der Weiterentwicklung guten Theaterlebens in Deutschböhmen interessiert ist, darf sich ehrlich freuen, wenn die Laune, die Huttig in seinen Dank legte, und, wenn der Blumenregen, der sich über ihn ergoß, weiterhin als wirksame Symbole für Leucht» und Tatkraft heiterer Kunst im ernsten Leben bleiben.. Dazu bedarf es auch durchaus keiner Sendboten von Wien, wie jenes Herrn Hofrates Rudolf Holzer, der mit seiner eingangs gehaltenen Festrede, oder wie jenes Herrn Otto Soltau, der mit seinem Sprüchlein bei der Gratulationscour, das Urteil nicht unterdrücken ließen, daß eine gewisse Wien-Verhim- melung überflüssig, öd und hierzulande ganz deplaciert wirken muß. Doch dies nur nebenbei. Das allein Wesentliche ist und bleibt der Umstand, daß Aussig, nach dieser Probe zu schließen, in vorbildlicher Weise Begeisterung des Publikums sür ein vörtrefflich geleitetes, mit ausgezeichneten Künstlern versehenes Theater wachzuhalten sucht. Und wenn man daraus nur ein bißchen Hoffnung zu schöpfen berechtigt wäre, daß die sudetendeutschen Theater im allgemeinen schon die allerschlechteste Zeit hinter sich haben, so wäre das von nationaler Bedeutung im edelsten Wortsinn. L. G. Zwei Witwen Es ist nicht nur vom internationalen Standpunkt aus zu begrüßen, daß Smetanas musik- drämätischv Werke am Prager Deutschen Theater in den letzten Jahren eine Heimstätte gefunden haben. sondern auch aus speziellen künstlerischen und theatergeschäftlichen Gründen überhaupt. Alle Opern Smetanas, die das Deutsche Theater bisher zur Aufführung brachte, haben sich als ebenso bedeutender künstlerisches Gewinn für den Spielplan wie als Attraktion für das Publikum erwiesen: Die Volksoper„Die verkaufte Braut", die lyrische Oper„Der Kuß" und die Heldenoper„Dali- b o r". Auch die sonntägige Erstaufführung der Oper„Zwei Witwen" ist als überaus glückliche Wahl zu werten; künstlerisch schon aus dem Grunde, weil das Werk eine besondere Stilrichtung Smetanascher Opernmnsik repräsentiert. Der deutsche Smetana-Biograph Rychnowsky bezeichnet sie als die erste tschechische Konversationsoper, als das erste musikalische Salon- l u st s p j e l der Tschechen. Das sind die„Zwei Witwen" schon ihrem Tertbuche nach, das die Bearbeitung eines französischen Lustspieles von M a l- lefilles darstellt, dessen Handlung nach Böhmen verlegt wurde, um Smetanas volkstümliche tschechische Musiksprache zu rechtfertigen.' Karoline, die reiche Gutsbesitzerin, und Agnes, ihre bei ihr zu Besuch weilende Cousine, sind Witwen, die ihr Witwentum schwer tragen, weil sie beide eine neue Liebe im Herzen hegen, die zu dem jungen Gutsbesitzer Podhajsky. Dieser selbst, in heißer Liebe zu Agnes entbrannt, greift zu einem ungewöhnlichen Mittel, um in ihre Nähe zu gelangen; er betätigt sich als Wilderer im Revier der schönen Karoline, wird festgenommen und vor das Gericht der Gutsherrin gestellt, die ihn zu Zimmerarrest auf ihrem Gute verurteilt, um die Nähe des Geliebten auszukosten. Agnes ist über diese raffinierte Handlungsweise Karolinens sehr indigniert es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Witwen, Karoline bietet^urz entschlossen ihrer Cousine den jungen Gutsbesitzer zum Gatten an, diese lehnt empört ab, was zur Folge hat, daß Karoline ihn für sich selbst zu gewinnen beschließt. Aber alle ihre Versuche scheitern an der treuen Liebe Pod- hajskys zu Agnes. Eine verfängliche Situation, in der diese den Geliebten mit Karoline überrascht, dient endlich dazu, daß sie ihr.Herz und Gefühl offenbart. Mit der Verlobung Agnes' mit Podhaj- skys schließt in fröhlicher Weise die Oper. Die„Zwei Witwen" sind Smetanas vierte Opernschöpfung; sie entstanden nach dem„Dalibor", ihre Uraufführung fand im Jahre 1874 statt. Der Komponist Hat in ihnen wieder den Mufikstil der „Verkauften Braut" aufgesucht, die volkstümlichnationale musikalische Richtung, da man seinem„Dalibor" den Mangel der nationalen Musiknote und seine wagnerische Haltung übel vermerkt hatte. Aber der nationale Musikstil Smetanas in den„Zwei Witwen" ist gegenüber dem der„Verkauften Braut" verfeinerter; der Chor, der zur Belebung und Stimmungszeichnung der Handlung verwendet wird, ohne sie mittätig zu beeinflussen, hat eine derbere volkstümliche musikalische Note. Die geschlossene Form der Oper„Zwei Witwen" komntt in der selbständigen Bedeutung ihrer in Nummern aufgelösten musikalischen Szenen zum Ausdruck. Diese sind durch Rezi- tative verbunden, die aber nicht bloß akkordlich begleitender Natur sind, sondern ihr musikalisches Material aus den Themen und Motiven der Opernnummern beziehen. Das Rezitativ in der Oper „Zwei Witwen" ist übrigens vorbildlich für den Stil der Konversationsoper überhaupt: es ist von leicht dahinfließender Lebendigkeit und überrascht durch die Kunst der Charakterisierung in der Ornamentik seiner Begleitmusik. Außerordentliche Charakterisierungskunst und Kunst der Stimmüngszeichnung spricht auch aus den einzelnen Nummern der Oper, die in wirkungsvoller Gegenüberstellung lyrische und heitere Momente der Handlung illustrieren. Ganz dem Konversationsstil der Oper und ihrer lyrischkomischen Richtung ist auch ihr instrumentales Gewand angepaßt, das nie überladen wirkt und durch Schönheit der Farben kesselt. Ein Wort auch Wer die deutsche B e a r- beitung der Oper, die G. Arnoldi mit viel Geschick besorgt hat und dessen Uebersetzung den Rhythmus der tschechischen Musik mit dem Rhythmus der deutschen Sprach« in richtigen Einklang zu bringen bestrebt ist. Die Aufführung des Werkes war ausgezeichnet und bestätigte neuerdings die künstlerische Schlagfertigkeit unseres Opernensembles. Max Rudolf dirigiert« die Oper mit überlegener Sicherheit, betonte ihr« rhythmische Lebendigkeit, hätte aber dynamisch mancher Szene noch mehr delikate Feinheit geben können. Für die szenische Leitung war(wohl überflüssiger Weise) als Gastregisseur Herr Ludek M a n d a u s vom Tschechischen Staats- und Nationaltheater verpflichtet worden, der für Lebendigkeit der Szene und abgestimmtes Zusammenspiel der Hauptdarsteller sorgte, bei der Jn- szenierung aber ein modernes Szenenbild mit historischer Innenausstattung und historischen Kostümen verquickte. Unter den Solisten, deren musikalisches Zusammenwirken mitunter bedenkliche Unsicherheit verriet, ragten Hilde K o n e tz n i und Vera Man- si n g e r als die beiden Witwen hervor, die gesangstilistisch und darstellerisch den glücklichsten Gegensatz zwischen kecker Schelmerei und ernster Verliebtheit zum Ausdruck brachten, wobei jene durch die glanzvolle Stimme, diese durch die vornehme Kultur des Gesanges gefangen nahm. Ausgezeichnet war auch Herr Gutmann in der Rolle des Försters Munchal. einer Kecal verwandten Type, die der derberen gesanglichen Note des Künstlers und seiner drastischen Komik sehr entgegenkommt. Nicht ganz befriedigt hat der Operettentenor P reger als Podhajsky, der stimmlich doch nicht ganz ausreichte und auch darstellerisch etwas aus dem stilistischen Rahmen der Oper fiel. In zwei kleineren Rollen wirkten Frl. R a y n und Herr Göllnitz. Das glänzend besuchte Haus hatte an der Aufführung sichtlich Freude und ließ es nicht an Beifall fehlen. E. I. Wochenspielplan deS Neuen Deutschen TheaterS. Dienstag 7.: Peer G y n t, AI.— Mittwoch halb 8: Manon. B 2.— Donnerstag halb 8: S chatten r i n g, Gastspiel Gisela Werbezirk, neueinstudiert, C 2, tz-- Freitag 8: Zwei Witwen, D 1. — Sgmstgg hasb 8:Schottenring. Gastspiel Gisela Werbezirk, A 2.— Sonntag halb 8 Uhr: Das kleine Cafe, halb 8:? wei Witwen, Festvorstelluug anläßlich des Staatsfeiertages, C 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Dienstag,.8)4: Hoch klingt das Lied vom braven Mann.— Mittwoch^Nobelpreis.— Donnerstag^Sensationsprozeß.— Freitag 8: Hoch klingt das Lied vombravenMann.—: Samstag halb 8: Das lebenslängliche Kind, Erstaufführung. — Sonntag 3: Hedda Gabler, 8:Hochklingt das Lied vom br den Mann. Sport» Spiel• Körperpflege Die Sowjetfußballer und ein Atus-Team In der bürgerlichen Presse wird die Meldung gebracht, daß die rusfischen Fußballer in Aussig ein kombiniertes Atus-Team 10:1(5:0) besiegten und „die Atusleute wiederum ein inferiorer Gegner" waren. Dieser Meldung ist entgegenzuhalten, daß es sich nicht um ein Team des Atnsver- b a n d e s— der am selben Tage im Aussiger Stadion eine eigene Großveranstaltung durchführte—, sondern um ein von den Kommunisten zusammengeklaubtes Team handelt, das die Bezeichnung Atus zu Unrecht benützte. Daß der Atus weder als Verband noch einer seiner Vereine Spiele mit den Russen austragen werden, wurde bereits in unserem Blatte ausgeführt, daS hinderte aber die bürgerliche Presse nicht, auch in den Vorankündigungen, dieser obigen Unwahrheit Raum zu geben. Was schließlich auch bezeichnend ist. Ueberraschungen in der Staatsliga Der vergangene Sonntag war der erste Spiel- 'tag, an dem erstmals alle Ligaklubs in Aktion traten. Aber die meisten Ergebnisse sprachen nicht für die Favoriten und ihre Niederlagen haben bei den Anhängern Bestürzung hervorgerufen. Aeußerst blamabel ist die Niederlage des PragerDFC. gegen SK. Pilsen; diesmal war es nicht der Schiedsrichter, auch nicht der fremde Platz. Es war das jämmerliche Versagen der Prager Stürmer, die es zuwege brachten, während den 00 Minuten nur zwei oder drei wirkliche Torschüsse abzugeben. Gewiß, die Pilsener sind nicht die Klasse eines DFC., besitzen nicht das technische Können wie er-— aber sie haben, und das fehlt gerade und immer beim DFC.: Kampfgeist! Vor vielen, vielen Jcchren sah man so etwas noch beim DFC.— aber diese Tradition gilt heute nichts mehr; der mit Freuden und uneigennützig ausgeübte Sport hat sich Werlebt.. Das Ligaspiel in Pilsen endete mit 4:0(1:0) für die Heimischen I— Die zweite UeberraschuNg gab es in Kladno: Sparta verlor gegen den SK. 1 2:4(1:1). Die Kohlenstädter traten erstmals wie der komplett an und-errangen nach der Pause das Uebergewicht und einen verdienten Sieg.— Die Niederlage der Teplitzer in Brünn gegen Zitz e n i c e wirkt nur in der Höhe überraschend, denn wenn auch Patzelt im Tor fehlte, so ist das nicht der Grund, daß der Sturm nicht schießen kann. Die Brünner sind derzeit das einzige Team, das noch keinen Punkteverlust aufzuweisen hat; sie führen mit zehn Punkten.— In Proßnitz gab es ebenfalls eine Uebcrraschung: Cechie Karlin schlug den dortigen S K. mit 8:2(2:1).— In P r a g fchlug Sla vi a mit 7:0(3:0) den A F K. Kolin und Viktoria Pilsen blieb mit 2:1(2:1) Sieger über B o h e m i a n s. Dieses letztere Spiel war sehr hart und wurden eine Reihe Pilsener, welche ei» überlegenes Spiel vorführten,- verletzt. Der Schiedsrichter Jerhot war vor der Pause zu nachsichtig und nachher war es zu svät und nach dem Ausschluß eines Wrschowitzers pfiff er fünf Minuten vor Schluß den Kampf ab. Es wird nochmals ausgetragen werden. Bei Bohemians debütierte ein bulgarischer Fußballer als Flügelstürmer mit Erfolg. Die DFD-Division brachte am Sonntag Siege der Platzvereine: DSV. Saaz gewann gegen ReichenbergerFK. hoch mit 6:1(3:1), BSK. Gablonz besiegte DSV. Troppau 6:0(4:0) und Karlsbader FK. schlug die S p V g. B o d e n b a ch 2:1(0:0). Die Sowjetfußballer spielten am Samstag in Kopitz gegen ein FPT-Team 12:2 und Sonntag in Aussig gegen FTJ: Predlitz 11:1. Sonstige Futzballergebniffe. B.-Budweis: DFC. gegen DFK. Krumau 7:0(2:0).— Brüx: DSK. Dur gegen Schlvalbe 3:2(0:2).— Silin: DSK. Weipert gegen DFK. 3:2(0:2).— Kaad en: DSK. Brüx gegen DFK. 3:1 1:1).— Teplitz: VfB. gegen DFK. Komotau 2:1(2:1).— Bensen: Sportbrüder gegen DFK. Aussig 1:0(0:0). — Haida: DSK. gegen DSK. Gablonz 8:3 (1:1).— Reichenberg: DSV. gegen DSK. Grottau 3:1(1:1).— Rumburg: DSV. B- Leipa gegen FM 4:2(1:1).— Trautonau: Warnsdorfer FK. gegen DSV. 6:2(4:0).— Budapest: Ujpest gegen Szeged 2:1(I), Hungaria gegen Phöbus 5:2, Ferencvaros gegen Somogy 7:2. — Wien: Rapid gegen Admira 1:1(1:0), FC. Wien gegen Fav. SK. 1:1(0:1), Hakoah gegen Liberias 2:2(1:1). FAC. gegen Austria 3:1(1:1)1 Austria ist dadurch bis auf den letzten Platz der Tabelle gekommen! Die russische« Leichtathleten gastierten Sonntag in Reichenberg bei einem kommunistischen Sportmeeting und blieben in alle« Disziplinen, an denen sie teilnahmen, siegreich, obwohl ihre Ergebnisse als recht schwach bezeichnet werden müssen. Sie wurden auch am Rathaus vom Bürgermeister Kostka empfangen.-— Di« wichtigsten Ergebnisse: 100 Meter: Kozlow(R) 11.2 Sek.; 400 Meter: Ljulko(R) 51 Sek.; 800 Meter: Denisow (R) 2:01.6 Min.; 5000 Meter: Znamenski(R) 15:17 Min.; Diskus: Djemin(R) 35.51 Meter; Stabhoch: Ozolin(R) 3.50 Meter.— Frauen: 100 Meter: Samanow(R) 12.6 Sek.; Hochsprung: Karpowitschow(R) 1.40 Meter; Weitsprung: Samanow 5.20 Meter; Diskus: Karpowitschow 82.08 Meter; Kugel: Karpowitschow 11.11 Meter. Den Propagandalauf der DTJ Radoti« über eine Strecke von 2200 Metern gewann von 18 Teilnehmern Kolin(Radottn) in 8:24 Min. Die Waldlaufmeisterschaft der Tschechoslowakei wurde am Sonntag bei Pisek ausgetragen. Bei den Männern(5135 Meter) gewann Koskak(Sla- via Prag) in 16:50.8 Min. und bei den stßauen .(1750 Meter) Koübkovä(BS. Prag) in 6:38.6 Minuten. Die österreichische Waldlaufmeisterschaft, die Wer eine Strecke von 7500 Meter fWrte, wurde von Nedobith(B.-Budweis) in 22:05.2 Min. gewonnen. Fiasko Prager Amateurboxer. Nach der, freitägigen 12:2-Niederlage in München absolvierten die Prager Samstag abends einen Kampf in Landshut und verloren wiederum. 10:6 war das Ergebnis dieses merkwürdigen„Städtekampfes". Mitteilungen aus dem Publikum. Willst du immer gut bei Stimme sein, kauf Diana Vollmilch-Malzdrops ein. 2716 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährig KS 48.—, halbjährig Kc 96.—, ganzjährig Kö 102 Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retournmrken.— Die ZeitunaSfrankatnr tmirh» hrm* der Rost- und Telegraphendirektton mit Erlgß Nr. 13.800/VH/1980 bewilligt. Druckerei: jDr&is". Druck.. Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.