Freitag, 26. Oktober 1934 14. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., fochovaw. Telefon sxm. Administration Telefon 5XM. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMU STRAUSS, MAG, Dml*nii7hMr (einschlielMich 5 Hollar Porto) An der 8 Milliarden-Grenze Staatsvoranschlag für 1935 1,174.270 3.732,466.764 2.749,225.000 38.786.993.462 Budget der wichtigsten Staatsbetriebe Tabakrrgie Staatslotterie Post, Telegraph, Telephon Postsparkassa B Staatsgüter und Forste. Gesamte Staatsbetriebe. Prag. Am Donnerstag hat die Regierung einer späteren zweiten Sitzung, die auf die 24.231,653.500 4.452,681.000 7.452,658.962 2.600,000.000 1.676,323.776 292,199.739 7,014.962 doch abgesehen. Der Finanzminister wird zwar Freitag seine angekündigte Budgetrede halten, die Aussprache darüber soll jedoch erst in der nächsten Woche im Rahmen einer allgemeinen Debatte erfolgen, die sich auch mit zwei weiteren Exposees des Ministerpräsidenten und des Außenministers zu beschäftigen haben wird. Da» Budget zeigt folgende« Bild: in feierliche Trauersitzung für König Alexander, Barthou und Poinrare folgte, das Budget für 1935 vorgelegt. Bon der geplanten ersten Lesung wurde mit Rücksicht darauf» daß viele Parlamentarier mit Borbereitnngen für die Feier des 28. Oktober intensiv beschäftigt sind, in letzter Minute Todesurteile und Lügen die Waffen der spanischen Konter revolution Die spanische Regierung verbreitet zur Recht» fertigung ihrer Untaten im asturischen Bergarbeitergebiet jetzt Propagandalügeu ä la Goebbels. So wird der Tod des belgischen Konsuls in Santander, der in den Kämpfen in Oviedo durch einen Revolverschuß getötet wurde, als ein Mord der Aufständischen hingestellt. Mit großer Entrüstung wird berichtet, Laß die Aufständischen das Gymnasium in Oviedo in die Lust gesprengt haben. Als ob in einem Kampf, in dem die Regierung ganze Stadtteile durch Mörser, Flieger und Schiffsgeschütze bombardieren und dem Erdboden gleichmachen ließ, eine Sprengung als besondere Barbarei zu werten wäre! Dann wird berichtet,-atz 27 Geistliche ums Leben gekommen seien. Ihr Leben ist natürlich kostbarer Äs das der 2000 Bergleute, die niederkartätscht wurden.■ Der Kriegsrat, der über die Führer des Aufstandes zu Gericht sitzt, hat bisher 16 Todesurteile gefällt. Hunderte Verhaftete harren ihrer Aburteilung. Am MitÜvoch wurde der Vorsitzende der Gewerkschaften, G r a c i a, und«in Sohn des berests verhafteten Sozialisten- führcrs Largo Caballeros verhaftet. Eisenbahnen... 1.654,116.746 36,406.724 6,932.283 Ausgaben.. Einnahmen.. Betriebsgewinne Betriebsverlnstr Investitionen:. Abfuhr an die Staatskasse: Kapital......... - davon: 1. Fundierte Schuld..... 2. Nichtfundierte Schuld.... 3. Auswärtige Schuld.. ♦. 4. Banknotenschuld..... Ausgabe« au: Zinsen......... Amortisation....... Verwaltung........ Summe der Ausgaben für die Staatsschuld 1934 7.630,665.720 7.631,839.990 Absage der PPS an die Kommunisten Die EiuheitSfrontverhand- langen zwischen den sozialistischen nnd kommunistischen Parteien find in Polen nach monatelan- gem Hin unv Her endgültig gescheitert. Die Sozialisten erklärten auf ihrer gestrigen Parteiaus- schußsitzung selbst einen W a f f gp st i l lstau,d mit den Kommunisten für unmöglich. Die sehr weit links stehende jüdische sozialistische Partei „Bund" veröffentlichte eine Erklärung, wonach das Verhalten der Kommunisten jede Znsammen- arbeit ausschließe. Staatliche Berg- mtd Hüttenwerke... 1.975,538.447 1.697,455.753 ’) Davon aus der Staatskasse zu decken: 400,621.600 „Zusätzliche Wähler“ an der Saar Paris.(Tsch. P. B.) Der„Jntransigeant" verweist auf die falschen Wählerverzeichnisse im Saargebiete. Die Gesamtzahl der in den Listen eingetragenen Personen beträgt den Informationen des Blattes zufolge 520.000, wogegen die höchstmögliche Wählerzahl nicht 450.000 übersteige. Das Geheimnis dieses ll e b e r s ch u s s e s von 70.000 sei, so sagt das Blatt, leicht zu erklären: Es handle sich dabei um die unrechtmäßigerweise eingetragenen deutschen Wähler, die von der Deutschen Front zu dem Zwecke eingetragen wurden, um den Zuwachs an Stimmen für die Angliederung des Saargebietes an Deutschland zu erhöhen. Das Blatt macht den am 13. November zwecks Behandlung der Saarfrage zusammentretenden Völkerbundrat auf diesen Umstand aufmerksam und verlangt, der Rat möge den Mut- haben, die V er antwortun g zu übernehmen und die Wählerverzeichnisse revidieren zu lassen. IV. Verwaltung der Staatsschuld: 39.367,627.798 II. Staatliche Unternehmungen 7.175.462.400 8.002,870.400 1.503.860.400 676,452.400 465,092.400 1.055,229.800 Der Staatsvoranschlag für das Jahr 1935, der Donnerstag dem Abgeordnetenhause vorgelegt wurde, bietet ein getreues Bild der wirt- schaftlichen Lage des Landes. Während in den früheren Jahren die schwere Krise der Wirtschaft dazu zwang, die Ziffern des Budgets auf der Ausgabenseite immer wieder heräbzusetzen, ist jetzt zmn ersten Male wieder eine, wenn auch kleine Steigerung der Ausgaben zu verzeichnen, der auch eine Steigerung der Einnahmen entspricht. Die Erhöhung der Ausgaben beträgt gegenüber dem Vorjahre 352.7 Millionen, der eine Steigerung der Einnahmen im Betrage von 353.4 Millionen gegenübersteht, so daß der Voranschlag ausgeglichen ist. Man kann also sagen, daß der Stabilisierung der Wirtschaft — freilich leider auf einem tiefen Niveau— auch eine Stabilisierung der Staats wirtschaft entspricht, wobei der Vorteil nicht unterschätzt werden darf, daß durch die defizitlose Wirtschaft des. Staates eine wei- tere Versteifung des Kreditmarktes nicht eintritt. Wenn der Staat mft einem Defizit wirt schäftet, dann wird so viel Kapftal vom Kreditmarkt abgeschöpst, daß für die Privatwirtschaft sowie für die Selbstverwaltungskörper kaum ein Kredit mehr M haben ist. Bonder eigentlichen Staatsverwaltung nehmen an der Erhöhung der Ausgaben das Min. des Aeußern, das für nat. Verteidigung von 1227 Mill, auf 1280 Millionen), das Handelsministerium, das Ministerium für soziale Fürsorge(von 742.5 Millionen auf 802 Millionen), das Gesundheitsministerium(von 140.5 Millionen auf 143 Mil- lionen) und die Pensions- und Versorgungsge- nusse(von 1996 Millionen auf 2084 Millionen) teil. Unter den Ministerien, deren Ausgaben nicht erhöht werden, befindet sich auch das für öffentliche Arbeften, dessen Ausgaben unge- führ genau so groß sind wie im Vorjahre(1934 439 Millionen, 1935 437 Millionen). Der ge- rinze Rückgang trifft nur die Personalausga- äen, nicht aber die Sachausgaben(meistens Jn- vestittonen), die gleich geblieben sind, nämlich 348 Millionen; dazu kommen freilich noch die Investitionen für den Straßenfond, die sich aus 622 Millionen belaufen. Etwas schlechter als voriges Jahr schneiden die Staatsbetriebe ab, derenlieber schuß 1934 1235.9 Millionen betrug, 1935 aber nur 1055.2 Millionen aufweist, das ist also um 180.7 Millionen weniger. Der Löwenanteil dieses Gewinnes entfällt, wie immer, auf die Tabakregie, deren Gewinn 1320 Millionen betrug. (Der Gesamtgewinn der Staatsbetriebe ist durch Verluste geringer.) Ein Sorgenkind deS Staates bilden nach wie vor die Eisenbahnen, die von ihrem Fehlbeträge 265 Millionen aus eigenem decken, während der Staat 400 Millionen aus der Staatskassa zuschießen muß. Erfreulich ist, daß die Investitionen einzelner Staatsbetriebe größer sind als im Vorjahre, so die der Eisenbahnen um 64 Millionen, die der Post um 22 Millionen. Gewachsen sind auch die Ausgaben des Staates, die ihm aus der Verzinsung seiner Schuld erwachsen. Zinsen und Amortisation für die innere Staatsschuld sind von 1461.5 Millionen auf 1723.5 Millionen gestiegen, eine Folge der Arbeitsanleihe, die der auswärtigen Schuld von 229.7 auf 245.8 Millionen, was wieder auf die Abwertung der Krone zurückzuführen ist. Interessant ist die Bestünmung im Finanzgesetz, daß die Verlosung und Amorti- ätion der fundierten inneren Schuld, die bis 31. Dezember 1934 aufgehoben war, auch im Jahre 1935 nicht erfolgen wird. Das wird kompensiert durch den Ankauf von Staatsschuldverschreibungen aus offenem Markte bis zum Betrage von 150 Millionen. Diese Schuldverschrei- I. Staatliche Hoheitsverwaltung 1935 die gesamten Stnatsausgaben...... 7.983,298.000 die gesamten Staatseinnahmen 7.985,255.600 Der rechnungsmäßige Neberschnß beträgt also.. 1,957.200 III. Zuweisungen an die Selbstverwaltungskörper etc. Anteil der Selbstverwaltnugskörper und Fonds an Steuern, Abgaben usw.. Straßenfonds..... Meliorationsfonds.... Wafferwirtschastsfonds... Fonds für kleinere Bierbranereien Zuteilung an das Exportinstitut Fonds für gewerbliche Fortbildungsschulen.. Zuweisungen an die Kaschan-Oderberger und Pri vatbahnen zur Deckung des Betriebsabganges Für Arbeftslosenfursorge: a) aus der Einkommensteuer..... b) aus der Umsatzsteuer...... Summe aller Zuweisungen der Grnppe III.< 1:645,766.764 1.650,225.200 245,000.000 242,000.000 8,500.000 10,000.000 9,800.000 16,000.000 6,000.000 6,000.000 . 3,000.000 —.— 2,000.000 —.— 162,400.000 125,000.000 100,000.000 300,000.000 550,000.000 400,000.000 Ausgaben Einnahmen Gewinstabfuhr an Investitionen die Staatskasse Defizit 1935 744,701.600 2.080,900.200 16,110.000 1.320,088.600 1934 848,767.500 2.302,931.400 17,600.000 1.436,563.900 1935 103,286.600 124,636.400 10.000 21,339.800 1934 100,490:100 121,187.300 10.000 20,687.200 1935 1.188,981.200 1.229,771.000 78,008.000 38,050.700 1934 1.178,582.000 1.210,211.000 55,700.000 31,291.450 1935 104,435.000 121,086.000 2,500.000 16,651.000 1934 103,982.000 120,656.000 2,000.000 16,674.000 1935 3.958,843.500 3.293,221.900 *285,800.000 665,621.600') 1934 4.055.476.500 3.236,254.500 222,000^000 819,222.000 1935 532,627.500 571,518.000 43,265.500 37,495.700 1934 518,140.100 537,719.890 37,680.900 19,579.700 1935 419,905.600 467,200.500 15,750.000 30,937.000 1934 410,537.500 469,598.000 24,200.000 33,644.100 1935 7.175,462,400 8.002,870.400 465,092.400 1.055,229.800 1934 7.157,125x580 8.100,627.000 363,887.900' 1.235,985.370 Seite 2 Freitag, 28. Oktober 1934 bungen werden aus dem Umlauf genommen werden, wodurch die Staatsschuld verkleinert wird. Der Ankauf von Staatsschuldverschreibungen hat sicherlich auch den Zweck, die Kurse der Staatspapiere zu beeinflussen. Für uns als sozialistische Partei ist es bei der sachlichen Beurteilung des Budgets wichtig sestzustellen, daß im ganzen und großen die bisherige Unter st ützung der Krisenopfer durch den Staat aufrecht erhalten bleibt. Im Finanzgesetz wird ausdrücklich verfügt, daß für die Zwecke der Arbeitslosenfürsorge 650 Millionen bereit gestellt werden, so daß sowohl die Unterstützungen nach dem Genter System als auch die Ernährungsaktionen ungehindert vor sich gehen können. Aufgabe der sozialdemokratischen Parlamentarier und aller öffentlichen Funktionäre der Partei wird es sein, daß dieser Betrag ohne die üblichen behördlichen Schikanen den Arbeitslosen wirklich zugute kommt. Auch für die Arbeitsbeschaffung durch die Selbstverwaltung ist gesorgt, indem der Staat für 50 Millionen Anleihen, welche den Selbstverwaltungskörpern gewährt werden können, die Garantie übernimmt. Außerdem dient der Wirtschaftsankurbelung eine weitere Garantie von 50 Millionen für Jndustriekredite, welche die Landesbank an industrielle Unternehmungen gewähren kann. In fast allen Kapiteln des Bud- gets sind außerdem Jnvestitionsaus- gaben enthalten, so vor allem Hunderte von Millionen im Budget des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, während weitere Hunderte von Millionen Investitionen in den Staatsbetrieben vorgesehen sind. Sicherlich entspricht das Budget für das das Jahr 1935, wie es vor uns liegt, nicht all den Wünschen, welche ein Sozialist an ein Staatsbudget stellt. Die sozialistischen Regie- rungsmitglieder haben sich in langwierigen Verhandlungen bemüht, das Budget so zu gestalten, daß den Interessen der arbeitenden Schichten, sowie denen der Arbeitslosen mög- lichst weit Rechnung getragen wird. Es ist das Budget einer Koalitionsregierung, das vor uns liegt, das Ergebnis emes Kompromisses, das Budget einer demokratischen Regierung, das auf demokratische Weise, nämlich durch Verhandlungen der Parteien untereinander, zustande gekommen ist. Dieser d e- mokratischenRegierung, an der die sozialdemokratischen Parteien beteiligt find, werden auch die sozialdemokratischen Parlamentarier im vollen Bevmßtsein ihrer Deranüvor- tung das Budget bewilligen. Der Senat hielt Donnerstag nachmittags eine Trauersitzung für König Alexander, Barthou und Poincare ab, an der sich ebenso wie am Vormittag im Abgeordnetenhaus die gesamte Regierung mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze und in der Diplomatenloge die Gesandten von Frankreich und Jugoslawien beteiligten. Die Reden der beiden Kammerpräsidenten wurden auch im Rundfunk gesendet.— Die nächste Senatssitzung soll schriftlich einberufen werden, voraussichtlich für Anfang der übernächsten Woche. Arbeiterinspektoren auch für die Fabriken Die freigewerkschaftliche Landeszentrale hat dem Ministerium für soziale Fürsorge ein Ansuchen um Erweiterung der Gewerbeinspektion überreicht, da die jetzigen Befugnisse und der Umfang der Gewerbeinspektion eine vollständig unzureichende ist. Die Landeszentrale fordert die Errichtung einiger neuerJnspektorate für Böhmen, und zwar in: Kladno, Klattau, Kolm, Laun, Raudnitz, Pisek, Nachod, Beneschau, Taus, Deutsch-Brod, Komotau, Eger und Leitme- rih. Ferner werden fünf neue Inspektorate für Mähren, drei für die Slowakei und eines für Karpathorußland gefordert. Nebst dieser Erweiterung der Gewerbeinspektion verlangt die gewerkschaftliche LandeSzen- trale, daß, so wie eS im Bergbau der Fall ist, auch Arbeiterassistenten mit Jnspek- tionSbefugnissen ausgestattet werden. Das FürsorgMinisterium hat die Absicht, diese Forderungen^u verwirklichen. Demnach können auch die Arbeiter in den Fabriken und in den sonstigen, der Gewerbeinspektion unterliegenden Betrieben damit rechnen, in absehbarer Zeit eine Verbesserung ihres Schutzes zu erlangen. Die Abzüge der Staatsangestellten Beratungen der Koalitionsparteien Am Donnerstag, den 25. Oktober, verhandelte der Zwölferausschuß der koalierten Staatsangestellten-Organisationen und die Exekutive in einer gemeinsamen Sitzung mit den Obmännern der politischen Parteien über die Forderung der öffentlichen Angestellten auf Aufhebung der Abzüge nach dem Gesetz 204/32 und der Regierungsverordnung 252/33. In der Beratung formulierten folgende Herren den Standpunkt der Parteien: Abgeordneter Beran für die republikanische Partei, Abgeordneter H a m p l für die tschechoslowakische sozialdemokratische Arbeiterpartei, Abgeordneter TuLnh für die tschechoslowakische nationalsozialistische Partei, Abgeordneter Taub für die deutsche sozialdemokratische Partei und Abgeordneter I e 8 e k für die nationaldemokratische Partei. Die Wortführer aller Parteien konstatierten übereinstimmend, daß die Ueberzeugung von der Härte der Sparmaßnahmen bei den öffentlichen Angestellten eine allgemeine ist. Bei den Verhandlungen über das Staatsbudget für das Jahr 1935 wird eine Art gesucht werden müssen, inwieweit vom Standpunkt der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zu einer allmählichen Milderung dieser Maßnahmen geschritten werden könnte., Namens' der"anwesenoen Mästen' förmu-^ lierte die Abgeordnete Jurneökovä den Standpunkt der Frauen in öffentlichen Diensten zu den die Angestellten betreffenden Sparmaßnahmen. Im Ministerrat erstattete am Freitag Dr. Benes einen Bericht über die Konferenz der Kleinen Entente in Belgrad, bei welcher die Situation behandelt wurde, die infolge des Marseiller Attentates entstanden ist. Hierauf erstattete der Minister ein ausführliches Referat über die außenpolitische Situation in Europa überhaupt und über den gegenwärtigen Stand der internationalen Beziehungen unter den Staaten, welche die Interessen der Tschechoslowakei und der Staaten der Kleinen Entente berühren, u. zw. insbesondere über die in der letzten Zeit seitens der Nachbarstaaten geführten diplomatischen Verhandlungen. Der Bericht des Ministers wurde nach durchgeführter Debatte mit Zustimmung zur Kenntnis genommen. Vas Personalbudget Der Anteil der Personalausgaben am Gesamtbudget ist aus folgenden Ziffern ersichtlich:• A. Budget der eigentlichen Staatsverwaltung: Personalausgaben 3.888,523.600 XL oder 48.71 ProzeM. B. Budget der staatlichen Antern eh mungen: Personalausgaben 3.855,608.500 XL oder 50.95 Prozent. Außerdem find noch in der Gruppe Hl(Zuweisungen an die Sclbswerwaltungskörper) 925 Millionen als Zuschuß zu den Lehrergehältern eingestellt/ Henlein und die Demokratie „Närodni OSvobozeni" kommt im donnerstägigen Leitartikel nochmals auf die Leipaer Kundgebung der SHF zurück und beschäftigt sich insbesondere mit dem Verhältnis Henleins zur Demokratie. Es schreibt: Henlein sagte, daß er für die Demokratie sei, aber nicht für die heutige, sondern für eine andere. Für welche? Das sagt er nicht, denn die glatten Worte von der richtigen, lebendigen Demokratie der entschiedenen Tat und der sittlichen Persönlichkeit sind eben nichts anderes, als eine leere Phrase, genau so wie die, daß di« Demokratie wahre Volksherrschaft bedeutet. Das ist nicht eine neue Auffassung der Demokratie, sondern die Stürze, unter der sich manches kochen läßt, was mit der Demokratie nichts gemeinsam hat. Hören und lesen wir denn nicht, daß die italienischen Theoretiker des‘ Fascismus diesen als die wahre Demokratie ausgeben?' Und machen das nicht bei uns die Gajdaleute ebenso seit der Zeit, da ihnen das Wasser in die Stiefel zu rinnen begann? Es darf uns nicht täuschen, daß Henlein sich offen für die Freiheit des Einzelnen und für die Freiheit des Wortes, der Presse und für die Versammlungsfreiheit ausgesprochen hat. Als politischer Redner einer nationalen Minderheit kann er nicht anders. Behauptete er, daß der Hitlerismus zu uns nicht übertragen werden kann, hat er insoweit recht, als .sich nicht alle seine Methoden und seine ganze Ideologie übertragen lassen. Aber man muß fest-" stellen, daß es ihm vorläufig nicht gelungen ist, den berechtigten Verdacht zu widerlegen, das, was er fördert etwas im Sudetendeutschen sehr Aehnliches ist, mit vielen Unterschieden in Ideologie und Methode, welche durch die hiesigen Verhältnisse gegeben sind, aber deswegen nicht weniger gefährlich. Verlangt Henlein, die Tschechen mögen ihn verstehen, muß man ihm antworten, daß dies erst dann geschehen könne, wenn er eine andere politische Sprache sprechen wird. Die Töne, in welchen er in Böhm.-Leipa gesprochen hat, haben wir zu ost über die nördliche und wesüiche Grenze herübergehört, als daß wir ihnen unsere Herzen öffnen könnten. 81 BRUNO ADLER: Copyright 1884 by Michal Kacha Verlag, Prag XIX Die Mitschuldigen des Hilsner werden steckbrieflich verfolgt. Ueberall in der Monarchie wird ihre Personalbeschreibung in mehreren Sprachen veröffentlicht. Zwei Tage später wird Wassermann in Leitmeritz verhaftet. Er hatte sich in Auscha, wo er an einem Bau beschäftigt war, dem Bezirksgericht gestellt und war mit drei Gulden Reisevorschuß nach Kuttenberg geschickt worden. Ganz Leitmeritz versammelt sich vor dem Stadthaus, wo er interniert ist. Der andere, Erbmann, wird in Schlan festgenommen. Man bringt ihn und seine Frau in den Arrest und läßt ihn vom städtischen Nachtwächter bewachen. Am nächsten Morgen wird er zum Gericht geführt, die Straße ist von Menschen gedrängt voll, sie widerhallt vom Geschrei der Rachsucht. Der Verhaftete erklärt, von dem Mord nichts zu wissen. Unter dem Futter seines Hutes findet man aber einen Aufgabeschein über ein Paket mit Kleidern, die von Polna nach Karlsbad abgeschickt worden sind. Von diesem Fund verspricht man sich wertvolle Enthüllungen. Man zögert, die beiden nach Kuttenberg einzuliefern, um die Erregung unter der Bevölkerung dort nicht zu steigern. Aber sie verlangen, Hilsner gegenübergestellt zu werden. Schon am folgenden Tag gibt ein Arzt des Allgemeinen Krankenhauses in Deutsch-Brod öffentlich bekannt, daß Wassermann von Mitte März bis Mitte April in dem dortigen Spital gelegen sei. Erbmann stellt jede Teilnahme an der Tat entschieden in Abrede. Als es sich herumspricht, daß er auf dem Transport nach Kuttenberg Prag passiere» versammelt sich eine riesige Menschenmenge auf dem Franz-Josephs-Bahn- hof. Auf allen Stationen der Strecke gibt^.Demonstrationen. Die Bilder der beiden Verhafteten erscheinen mit der Unterschrift: Die Mörder von Polna. In Kuttenberg bestätigt sich die Angabe des Deutsch-Broder Arztes, und auch Erbmann erbringt ein lückenloses Alibi. Die beiden treten Hilsner gegenüber. Er ist überrascht, er erkennt sie sofort. Sie sind im Februar einmal bei seiner Mutter über Nacht geblieben. Seither hat er sie nicht gesehen. Schluchzend bekennt er, wie ihm seine Zellengenossen mitgespielt haben, daß er ganz von Sinnen war und nur darum so ausgesagt habe, weil sie ihm drohten, das Todesurteil werde sofort vollzogen, wenn er nicht auf der Stelle die Komplizen nenne. In seiner Todesangst wußte er keinen Ausweg. Und wieder beteuert er, ganz und gar unschuldig zu sein. Aber als er in die Zelle zurückkommt und ein neuer Häftling über ihn herfällt und ihn furchtbar schlägt, behauptet er wiederum, sein Geständnis sei wahr, und er widerruft den Widerruf. Vom Aufseher erfährt er, daß Erbmann entlassen worden sei, und er schüttelt dazu den Kopf: Wie man so einen Landstreicher nur freilassen könne! Es sei allerdings Wassermann, der es hauptsächlich getan habe. Und als er hört, daß auch Wassermann enthaftet sei, erklärt er, er habe sich geirrt, er habe einpn Juden aus Oswiecim in Polen gemeint. Jetzt aber glaubt ihm selbst Miffek nicht mehr und nennt ihn einen Lügner und Betrüger. Hilsner schlägt sich auf die Brust:„Ich muß es doch wissen, ich war doch dabei, wie er ihr die Kehle durchgeschnitten und das Blut in einem Blechtopf aufgefangen hat!" Auf dieser Darstellung besteht er, bis er seiner Mutter gegenübergestellt wird. Weinend nimmt er alles zurück:„Ich weiß von nichts! Ich bin unschuldig!" Erbmann und Wassermann werden nach zehntägiger Haft entlassen. Ein Fiaker bringt sie insgeheim nach Kolin zum Zug. Dort wartet eine stattliche Menge Neugieriger auf dem Perron. Der begleitende Gendarm ist gemütlich.„Die Leute draußen wollen Sie sehen, stellen Sie sich zum Fenster!" Sie zeigen sich in der Tat. Eine Flut von Beschimpfungen überschüttet sie. . Von neuem lebt die Diskussion auf. Hat Hilsner wirklich gelogen? Wollte er nur um jeden Preis einen Aufschub der vermeintlichen Justifizierung gewinnen? Oder hat er die Wahrheit gesagt und sich in den Personen geirrt? Oder sind die nun Enthafteten doch mitschuldig und die Angaben, die für ihre Unschuld sprechen, falsch? Die Verwirrung ist grenzenlos. Das Geschäft blüht. Wieder ist es, allein„Cas", der sich scharf gegen die Verhetzung und insbesondere gegen Baxa wendet. Die Zeitung fühlt sich dazu verpflichtet, „damit wenigstens jemand gegen den blutdürstigen Aberglauben Front macht, der dem tschechischen Namen in ganz Europa Schande und Hohngelächter einträgt... Die bestia triumphanS feiert in Böhmen ihren Siegeszug." Mn Mann allein Jedermann kennt diese Stimme. Sie läßt sich, nur dem eigenen Gewissen hörig, das Recht auf Offenheit niemals nehmen. Wenn die an-' dern verstummen, well ein nationales Interesse oder die Rücksicht auf andere erhabene Notwendigkeiten eS so verlangt, spricht sie und übertönt das Schweigen. Für wenige ist sie die Stimme des Prediger? in der Wüste, für die Vielen die Stimme des Aevgerniss's. Der Professor Thomas G. Masaryk hat die UniversttätSferien dieses Jahr in seiner mährischen Heimat verbracht. Die Ferien gehören zuerst der Frau und den Kindern; wissenschaftliche Arbeit und Teilnahme am öffentlichen Leben müssen in diesen Wochen zurücktreten. Aber auch in die Stille des Landaufenthaltes dringt der mißtönende Lärm der Judenhetze. Ihre Ursachen und Wirkungen beobachtet Masaryk mll dem Auge des SoNr. 251 Die unentbehrlichen Kommunisten Bürgerliches Eingeständnis . In der„Deutschen Landpost" ist in einem Artikel über das Arbeitsprogramm des Parlamentes, bzw. die vorbereiteten Regierungsvorlagen folgendes zu lesen: Im Zusammenhang mit der Novelle zum Parteiengesetz steht das Parteiregistrierungsgesetz, Zweck dieses Gesetzes sei vor allem, die politischen Parteien auf eine rechtliche Grundlage zu stellen. Die Parteien sollen in ein Register eingetragen und nur registrierte Parteien zur Wahlbeteiligung zugelafsen weichen. Eine dieser Voraussetzungen soll das Bekenntnis der Partei zum Staat und zur demokratisch-republikanischen Staatsform sein. Dieses Postulat schafft beträchtliche Schwierigkeiten. Man weist darauf hin, daß sich z. B. die kommunistische Partei nicht zur demokratischen Staatsform bekennen kann und daher nicht zur Registrierung und Wahl zugelassen werden könne. Gerade die bürgerlichen Parteien wollen aber die Kam» mnnisten im Parlament nicht misten, denn ihr Lerschwinden würde ein ihnen unliebsames Anwachsen der sozialistischen Parteien bewirken. Jetzt wissen wir, wozu die kommunistische Partei da ist. Die bürgerlichen Partei?» können, wie es so schön heißt,„die Kommunisten im Parlament nicht missen", weil dann die Sozialdemokratie zu stark würde. Präsident Masaryk empfing Donnerstag, den 25. Oktober, um 16 Uhr in feinem Arbeitszimmer auf Schloß Läny den neuen Gesandte« der Vereinigten Staaten von Amerika für die Tschechoflowakei. JoshuaButlerWright, der neue Gesandte, ist ein guter Kenner der mitteleuropäischen Verhältnisse. 500 Privatautos waren nach einer Darstellung der„Sudetendeutschen Tageszeitung" zur Henleinkundgebung nach Böhmisch-Leipa gekommen. Mit diesen 500 Auws waren nicht weniger als 2500 Teilnehmer, also ein Fünftel aller Versammlungsteilnehmer, gekommen. Wer bezwei- fell da noch, daß die SHF die Bewegung der armen Leute ist? Eine Novelle znm Militär-Disziplin- nnd Strafrecht(Gesetz 154/23) wurde am Donnerstag in der. ersten Senatssitzung aufgelegt. Die wichtigste« Aenderungen sind folgende: Als Disziplinarstrafe« werden auch für nichtaktive Militärpersonen Geldbußen eingeführt. Die ehrenrätlichen Ausschüsse werden in Hinkunft nur für Verstöße zuständig sein, di« den guten Ruf der Wehrmacht bedrohen oder schädigen(sogenannte Standesvergehen), nicht aber für Verletzung der Amts- und Dienstpflichten etc. Weiters ist eine zwangsweise Versetzung vom Berufs- gagisten in den Ruhestand vorgesehen. Vorschriften über ein vereinfachtes Straf-, bzw. ehrenrätliche- Verfahren für. den Fall, der Mobilisierung oder des Krieges sollen durch Regierungsverordnung erlasse« werden. Verbot von Zugaben beim Wareneinkauf. Di« Regierung hat im Senat ein Gesetz vorgelegt, daS ein Verbot von Zugaben beim Warenverkauf oder bei der Vornahme von Leistungen beinhallet. Daallgemeine Gesetz über den unlauteren Wettbewerb bot in dieser Hinsicht gegen diese Unsitte keinen genügenden Schutz. Durch die neue Vorlage wird zwar noch in gewissen Fällen die Gewährung von unbedeutenden Sachen als Zugaben zugelaffen, doch muß die Zugabe der gleichen Gattung wie die geliefert« Ware angehören. Auch die Gewährung von Rabatten und Preisnachlässen ist zulässig. Für Uebertte« wng sieht der Entwurf Geld- und auch FreihettS- strafen vor. ziologen, mit dem Verstand des umfassend gebildeten Gelehrten und mit dem Herzen, das der Idee der Menschlichkeit hingegeben sst. Wohin er kommt, begegnet ihm, dem Feind aller Dummheit und Gebundenheit, alles Paroxismus und Aberglaubens, der Haß und seine.Propaganda. I« der Nähe von Bistritz, seinem Landaufenthalt, liegt der jesuitssche Wallfahrtsort Hostein; von hier aus wird das Land ringsum mit dem Geist unchristlicher Intoleranz verseucht; die llerikalen Zeitungen und die politischen Kundgebungen overieren mtt den Methoden und Argumenten, die ihm von den Wiener Deutschvölkischen und den Christlichsozialen her vertraut sind; und bei den Volls- beratern und Drahtziehern muß er eine moralische Verkommenheit feststellen, mit der sich auch der hartgesottenste Wucherjude nicht messen kann. Gewohnt, gründlich zu analysieren, und mit der Kraft der Synthese begabt, hat er hinter der nattonalistischen Erscheinungsform des Judenhasses längst dessen ökonomssche Grundtriebe erkannt. Ueberall, wo der katholssche Klerus und der tschechische Chauvinismus die Empörung gegen die Juden dirigieren, nützen sie die wirtschaftliche Unfreiheit uiw die Not des Bolles für ihre Zwecke aus. Jede Erfahrung des Alltagslebens bestätigt ihm diese Erkenntnis.' Durch Steuererhöhung ist der Zucker verteuert worden. Er unterhält sich Mit einer alten Arbeiterftau Wer ihre Lage, sie llagt und schimpft und beschließt ihr Lamento mit der Drohung:«Wir werden halt über die Chro- piner Juden herfallen!" Die Frau, mit dec Pfeife itn Mund.' sagt es ganz mechanisch. Alle nationalökonomischen Problem« drängen nach ihrer Lösung im Pogrom. Aber«r braucht gar nicht erst solcher äußerer Erfahrungen— er braucht sich nur der eigenen Kindheit zu erinnern. Im heimatlichen Dorf hat er es nicht anders gehört: die Juden sind Verbrecher; zu Ostern brauchen sie christliches Blut. (Fortsetzung folgt' Nr. 251 Freitag, 26. Oktober 1934 Seite S Sn Anschlag auf Goering? Rache für den Mord an General Schleicher Große Sensation hat in der deutschen Kolonie in London der Bericht hervorgerufen, daß auf Goering rin Anschlag unternommen wurde. Der„Daily Herald" meldet, daß ei« elfjähriges Mädchen einen Schutz gegen Goering abgegeben hat. Dieses Mädchen gehört der Familie des Generals Schleicher an. Die Absicht des Mädchens, Schleicher zu rächen, mißglückte. Die Äugel,ging dicht an dem Körper Goerings vorbei. DaS Mädchen soll ins Gefängnis gebracht worden sein. Man bewahrt über ihren Namen Stillschweigen. Auch scheint, wie„Daily Herald" meldet, ein Anschlag gegen Goebbels unternommen worden zu sein, wobei Frau Goebbels leicht verwundet wurde. Es verlautet ferner, daß Hitler Frau Goebb.ls ersucht hat, sich in Berlin so wenig wie möglich zu zeigen. Diese Dame führt ein derart luxuriöses. Leben, daß bereits allgemeine Empörung herrscht. Botschafter Luther ein zweiter Fall Papen? Der Vorsitzende der amerikanischen parlamentarischen Untersuchungskommission, die sich mit der antiamerikanischen und insbesondere mit der Nazipropaganda in den USA zu befassen hatte, Abgeordneter Mac Cormick, hat nach Beendigung der Kommissionsarbeiten erllärt, daß der deutscheBots-chafterDr. Luther eine Tätigkeit entfalte, die im W i d e r s.p r u ch mit dem Völkerrecht stehe. Luther müsse abberufen werden, da er nicht nur die deutsche Re- gierung, sondern auch die nationalsozialistische Partei vertrete. Bei den öffentlichen Verhandlungen der Kommission hatten die Nazi 400 Leute ins Auditorium entsandt, die alle Zeugen durch -Zwischenrufe irritierten und am Schluß„Heil Hitler!" riefen. Wenn es zu einer„Affäre Luther" käme, dann wäre das eine Neuauflage des Skandals, zu d.em es 1916 mit dem damaligen deutschen Militärattache in Washington, Franz von Popen, dem jetzigen Gesandten Hillers in Wien, gekommen war. klne Schlacht zwischen Kommunisten und Kanton* truppen Hongkong.(Tsch. P.-B.) Wie gemeldet wird, greift die 80.000 Mann starke Armee der Kommunisten daS Hauptquartier der Kantonregierung in der Nähe von Anynyen, 200 Meilen nördlich von Kanton, an und, beabstchtigt,. bis Kwantung vorzudringen. Die kommunistische Armee wurde durch Bombardierungsflugzeuge an- gegriffen. Wie verlautet, dauert die Schlacht«m. Der neue Wahlsieg der Labour>Partel Zu unserer gestrigen Meldung über den Wahlsieg der Labour-Party in North-Lambeth tragen wir nach, daß das eroberte Mandat früher die Liberalen innehatten und daß sich die Sttmmen wie folgt verteilen: Arbeiterpartei 11.281 Stimmen, Liberale 4986, MaeDonaldisten 2927, Unabhängige 308. Oie ungarische Polizei findet die„betreffende Person“ nicht Budapest.(Tsch. P. B.) Entgegen der auch von einigen ausländischen Blättern übernommenen Meldung einer ausländischen Nachrichten- Agentur, wonach die Budapester Polizei die Person, deren Verhaftung die jugoslawische Gesand- schaft in ihrer Verbalnote vom 22. Oktober verlangte, bereits ergriffen hätte, erfährt das Ungarische Telegraphen-Korrespondenzbüro von der Budapester Oberstadthauptmannschast, daß die Polizei sofort alle Maßnahmen zur Eruierung und Verhaftung der betteffenden Person ergriffen habe, diese aber nach den durchgeführten Erhebungen um den 13. Ottober herum aus ihrer Wohnung verschwunden ist und bisher nicht aus- geforscht werden konnte. Zu ihrer Ergreifung sind weitgehende Maßnahmen getroffen worden. Kanya bei Schuschniss Wien.(Tsch. P.-B.) Donnerstag vormit- tags fand sich der ungarische Außenminister K a n y a im Bundeskanzleramte ein; er hatte zunächst eine Unterredung mit dem österreichischen Außenminister Berger-Waldenegg, worauf er auch dem Bundeskanzler Dr. Schuschnigg einen Besuch abstattete. Wie in einem halbamtlichen Bericht mitgeteilt wird, betraf der Meinungsaustausch zwischen dem ungarischen Außenminister und den österreichischen Staatsmännern aktuelle Fragen der Außenpolitik, insbesondere die Probleme der Neuorganisation MttteleuropaS. Neuer Abgeordneter. Im Parlament hat der Nattonaldemokrat E i s e n h a m e r, ein Babn- beamter aus Kaschau, als Mandatsnachfolger Dr. Fvankus das Gelöbnis abgelegt. Dr. Jvanka, ein bekannter Slowake, hatte sich vor einiger Zeit mit der nationaldemokratischen Partei, auf deren Liste er im Kaschauer Wahlkreis kandidiert hatte, überworfen und in Konseauenz besten sein Mandat niedergeleat.') Was plant die Heim wehr? Putschgefahr in Oesterreich Marxistenhetze als Ablenkungsmanöver Schuschnigg, die HeMwehr und die Klerikalen Wir haben anläßlich der neuen Verhaftungen von Marxisten und Kommunisten in Wien und in Obersteiermark» besonders in Bruck a. M. (wo allein 70 Genossen verhaftet wurde») auf die Wahrscheinlichkeit hingewiesen, die für einen neuen Putschversuch der Heimwehren besteht. Denn im Fever und im Juli ist F e y ganz nach der gleichen Methode vorgegangen. Er ließ Waffen suchen, Marxisten verhaften und schlug dann selbst los, nachdem er die entsprechende Atmosphäre geschaffen und— dies vor allem beim Juliputsch— die Regierung, soweit sie am Putsch unbeteiligt war, in Sicherheit gewiegt hatte. Nun stehen seit Wochen die C h r i st l i ch» sozialen und die H ei m w e h r e n im schärf st enGegensatz zueinander in der Frage der Ernennung deS StaatsrateS. Während die Heimwehrler den Staatsrat als ihre Domäne bewachten, wollen die Christlichsozialen in ihm ein paar Mandate behalten und so eine bescheidene Existenz weiterfristen. Zum Wortführerder klerikalen Opposition hat sich der alte K u n- s ch a k gemacht, den die„R e i ch S p o st" dafür schwer rüffelte. Schuschnigg selbst wagt anscheinend keine Entscheidung, er möchte fich weder den Heimwehren ganz auSliesern, noch den Christlichsozialen größere Zugeständnisse machen. Kürzlich hat er in einer Rede vor seinen steier- märkischen Sturmscharen der Heimwehr gedroht, er werde vor nichts zurückschrecken, er sei auf einen„dritten Putsch" vorbereitet und werde allenfalls Prävenire spielen. Run bringt das Organ der Gicherheitsbe- amten einen Alarmartikel, in dem von marxistischen Putschplänen die Rede ist(die„D rutsch e L a n d p o st" druckt den Unsinn als ernsthaft ab). Die Sozialisten sammeln angeblich fieberhaft Waffen, seien ausgezeichnet informiert und wollen noch Heuer, wahrscheinlich in der j nächsten Zeit, eine Entscheidung herbeiführen. I« ! Flugblättern kündige« st« angeblich den Putsch an. Die Sozialisten müßten wahrlich sehr dumm sein, wenn sie einen Puffch in Massen von Flugblättern avisierten. An dem Geschwätz ist natürlich nur soviel wahr, daß ein neuer Putsch droht. AVer er droht ohne Zweifel aus anderer Richtung. Die Symptome mehren sich, daß S t a r h e mV er g undFey gegen die Regierung putschen wollen. Star- ^Hemberg soll statt Miklas Reichsverweser» Renstädte r-S t ü r m e r soll Kanzler werde». Es ist aber auch möglich, daß Schuschnigg diesem Putsch znvorkommt und seinerseits gegen Starhemberg und Fey loS- schlägt. Jedenfalls geht Oesterreich— die Ernennungen zum StaatSrat sollen noch im Ottober abgeschlossen werden— stürmischen Tagen entgegen. Entscheidend wird ja sein, auf wessen Seite sich Mussolini, Oesterreichs wahrer Kaiser, I stellen wird. Die wichtigsten Steuern und Abgaben Die Einnahmenseite des Budgets der eigentlichen Staatsverwaltung zeigt folgende Konstruktion: Ertrag der 1938 1984 Staatsbetriebe*) 1.086,352.500 1.267,698.970 Tirette Steuern. 1.571,700.000 1.288,900.000 Umsatzsteuer.. 617,400.000 610,400.000 Zölle.... 772,000.000 625,000.000 Verbrauchssteuern 1.731,076.000 1.743,430.000 Stempel, RechtS- gebühreu u. Ber» kehrSsteuer.. 1.616,650.000 1.863,600.000 Monopole... 43,676.000 40,704.000 Sonstige Berwal- tungSeinnahmen. 546,401.100 822,106.120 Summe: 7.985.255.600 7.631,889.990 *) Einschließlich der Beiträge der Post und der Bahnen für ihre Zentralverwaltungen. In dieser Aufstellung sind die Steuern jedoch nur in der Höhe angeführt, in der sie zur Deckung des Budgets der eigentlichen Staatsverwaltung Verwendung finden. Die Zuweisungen aus den Steuern und Abgaben an die Selbstverwaltungskörper, Fonds u. dgl. und für ArbettS- losenfürsorge(Gruppe III des Voranschlages): sind von dem Gesamtbettag sofort in Abzug gebracht. Da die Steuerzahler natürlich in erster Linie die Gesamthöhe der Steuern interessiert und nicht nur jener Teil, der nach Abzug aller Zuweisungen als Einnahmeposten im Budget der eigentlichen Staatsverwaltung erscheint, veröffentlichen wir nachfolgend die ausgewiesenen Steuern und Abgaben in ihrer vollen Höhe. Direkte Steuern: Die illegale Arbeit Geheimdruckerei In Wien beschlagnahmt Wien. Wie amtlich gemeldet wttd, gelang es der Wiener Polizei, den Herstellungsart der illegalen„Arbeiter-Zeitung" sowie anderer so- zialdemokrattscher Propagandaschristen in einer Wiener Druckerei festzustellen, wo der Buchdruckergehilfe Fran? L i b a als Druckereileiter be« schäfttgt war. Die eben aus Brünn eingelangten Druckplatten, die für die Herstellung der nächsten Nummern dienen sollten,'wurden beschlagnahmt. In der Wohnung eines Maurergehilfen in Wien wurden mehrere zehntausend Exemplare illegaler sozialdemokratischer Flugschriften be- schlagnahmt. Seine Wohnung soll seit einiger Zett als Vertriebsstelle der illegalen sozialdemokratischen Literatur für das gesamte Bundesgebiet gedient haben. Als Organisatoren des illegalen sozialdemottatischen Druckschristenvertriebes in Oesterreich wurden acht Personen ausgeforscht und festgenommen. Der unter ihnen befindliche, fest den Feberereigniflen flüchtige Erwin Bill- mayer war im Besitze eines falschen tschecho- flowafischen Reisepasses. ein Alarmschuk des Fey Wien.(Tsch. P. B.) In einer Werbever- sammlung der Wiener Heimwehren im Xll. Bezirke sprach Minister Fey. Er sagte u. a.: Jetzt wird allenErnstesdarangegan« gen werden, den ost verkündeten N e u a u f- bauOesterreichsindieTat umzusetzen. Gerade in solchen Uebergangszeiten besteht die Möglichkeit, daß auch das beste Programm durch bewußte Fehler unwirksam wird. Da müssen die Heimatschützler nun warnend Auftreten; der Neuaufbau müsse sich hinter dem starken Wall ihrer Bataillone vollziehen. Fey verwies dann auf das angebliche Wiederauftauchen roter Betriebsräte in den Gewerkschaften, das Bestehen illegaler Druckereien in Wien und die Wiederveranstaltung von Demonsttationen. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, diese Ge- fghren zu übersehen oder sie abzuleugnen.' Meder Waffenfunde In Oesterreich Graz.(Tsch. P.-B.) Die Leitung der Krieglacher Ortsgruppe deS Heimatschutzes hat gelegentlich einer Streife 40 Kilogramm Dynamit, 100 Sprengkapseln, eine Rolle Zündschnur, ein vollständiges Mitgliedsbuch der Krieglacher Nationalsozialisten, ein Kassavuch, verschiedene Befehle und andere Dokumente ausgegrave«. Im Kassavuch befinde« fich Eintragungen» durch die zahlreiche Rattonalsoziafiste« des OrteS schwer belastet werden. Ein ortSbekanntrr Nationalsozialist wurde bereits verhaftet. Budget der eigentlichen Staatsverwaltung Ausgabe» Einnahmen 1935 1934 1935 1934 Präsident d. Republik 13,957.800 14,104.800 2,588.500 2,480.000 Gesetzgebende Körper- schäfte«.... 36,286.500 87,268.500 182.000 192.000 Ministerpräsidium 37,056.400 38,098.900 13,530.000 13.530.000 AeußereS.... 132,980.100 122,254.600 6,080.000 6,080.000 Nationalverteidiguug 1.280,000.000 1.226,951.500 7,775.600 9,197.300 Inneres 645,199.300 657,121.000 3,788.100 6,083.320 277,110.700 285,794.900 11,258.200 12,177.600 Unifizierung... 1,741.300 1,799.600 —.— —.— Berwaltungs- und Wahlgericht... 6,080.700 6,075.200 64.000 64.000 Schule..... 924,000.000 ‘ 925,409.600 77,554.200 32,008.000 Landwirtschaft... 181,032.600 182,345.100 8,580.100 9,514.500 Bodenamt.... 15,650.300 16,422.600 15,650.300 16,422.600 Handel 32,871.200 29,226.600 11,308.700 13,941.900 Öeffeatliche Arbeiten 437,343.500 439,487.900 95,880.400 126,629.100 Post(Zenttalverw.) 11,197.500 11,497.400 11,197.500 11,497.400 Eisenbahn lZenttalverwalt.) 20,199.200 20,665.200 20,199.200 , 20,665.200 Soziale Fürsorge.. 802,106.800 742,542.600 14,497.700 14,341.500 Gesundheit.... 143,323.000 140,541.700 35,121.500 35,084.900 Pensionen.... 895,018.100 889,878.400 163,070.600 140,474.700 Finanzministerium. 2.084.017.600 1.995,921.720 7.486.929.000 6.997,855.970 Konttollamt... 6/125.800 6,157.900 —.— —.— 7.789,565.720 7.468,239.990 —158,900.000' +163,600.000’ Summe.... 7.983,298.400 7.630,665.720 7.985,255.600 7.631,839.990 1. Pauschalbeitrag für die durchzuführenden Sparmaßnahmen im Personalbudget der eigentlichen Staatsverwaltung. 2. Mehrabfuhr der staatlichen Unternehmungen an die Staatskasse infolge der Sparmaßnahmen in ihrem eigenen Personalbndget. 1935 1934 Einkommensteuer, Militärtaxe als 1.137,550.000 1.095,000.000 Zuschlag zur Einkommensteuer. 10,000.000 85,000.000 Alla. Erwerbsteuer Besondere 80,800.000 70,000.000 Erwerbsteuer. 85,000.000 78,000.000 Grundsteuer.. Hauszinssteuer 103,742.000 105,894.200 (zur Gänze an Länder und Gemeinden überwiese«.... 182,445.000 184,825.000 Rentrnsteuer.. 118,000.000 100,000.000 Tanttemrnsteuer. Steuer von den 20,250.000 18,000.000 höheren Dienstdez. Verzugszinsen von 7,000.000 6,000.000 direkt. Stenern 210,000.000 (120,000.000 Umsatzsteuer: Umsatz- tt. Luxus? steuer.... 2.403,048.000 2.243,946.000 Hiezu Verzugszinsen 32,300.000 34,400.000 Zölle: Zölle, Zollgebühren u. Verzugszinsen. 809,100.000 888,000.000 Konsumsteuern: SpirituSstruer«. 420,178.000 418,140.900 Hefesteuer... 48,500.000 48,500.000 Zuckersteurr.. 800,850.000 600,610.000 Mineralölsteuer. 155,000.000 150,000.000 Zündholzsteuer 56,000.000 60,500.000 Glühbirnensteuer. 21,000.000 12,000.000 Schaumweinstener Allg. Getränke steuer: 2,500.000 2,500.000 a) auf dem Lande 39,000.000 43,000.000 b) in d. Städten 9,000.000 9,000.000 Biersteurr... Fleischsteuer: 441,928.764 453,600.000 a) auf dem Lande 94,000.000 98,800.000 v) in d. Städten 26,000.000 24.000.000 Verzehrungssteuer. 24,300.00 22,800.000 Kohlenstruer.. 170,000.000 180,000.000 Gebühren: Stempel... 280,000.000 280,000.000 Rechtsgebühren. 980,000.000 900,000.000 Taxen.... 700.000 700.000 Verkehrssteuern: a) Eisenbahn: Fahrkartensteurr Transportsteuer 147,500.000 160,000.000 (bis auf Kö 6,000.000.— zur Deckung des Defizits d. Bahnen zugewiesen) 322,000.000 340,012.900 Gepäcksteuer.. 3,500.000 4,500.000 Fahrkartenabgabe b) Motorfahrzeug«: 72,500.000 80,000.000 Autobussteuer. 28,000.000 30,000.000 Taxisteuer.. Lasten tranSport- . 7,000.000 10,000.000 stenrr... 28,000.000 85,000.000 Sonstige Abgaben: Steuer von Telephongebühren 32,450.000 Gevühreu für Amtshandlungen' 45,000.000 Monopole: 30,400.000 45,000.000 Salz.. Süßstoffe Sprengstoff« 32,676.000 3,000.000 8,000.000 29,204.000 2,500.000 9,000.000 rite 4 Freitag, 26. Oktober 1934 Nr. 251 Das Auftralien-Flrrgrennen Wie die Holländer landete« Kein Mittel zu schlecht, keine Lüge zu infäm... Die klerikale Presse setzt ihre große Lügenkampagne zur Ehrenrettung der katholischen Henker von Spanien fort. Jetzt schreibt sie schon über»tote Kinderaugen". Wenn man mitansehen muß, wie eine Presse, die jeder Spur von Gewissen entbehrt, die Volksvergiftung mit derartig gemeinen Mitteln betreibt, versteht man den Haß von Zehntaufenden der besten und edelsten Männer, der sich seit Jahrhunderten an die blutige Schleppe der römischen Kirche heftet, dann versteht man Voltaires Wahlspruch:„Lornser: I'inkäms!" Tilgt sie aus, die Infame! Kein Wort ist wahr an der Legende von den toten Kinderaugen, von den geblendeten .Kindern asturischer Bürger! Aber wahr ist, wie jetzt wieder die Berichterstatter holländischer Blätter aus Asturien melden, daß Oviedo vollLeichen liegt. Das»Allgemeen Handelsblad" berichtet, daß die Regierung in Asturien nur so drauf zumordenundschietzen ließ. Der Berichterstatter der U n i t e d P r e ß, die alles andere als marxistisch ist, erzählt schaudernd, daß die Regierungstruppen drei Tage lang Gnade verweigerten und ohne Unterlaß die Stadt Oviedo und die Bergwerke unter Feuer hielten. In den Straßen liegen zuHunderten unbestattet die Leichen der gefallenen Bewohner. Unter den Opfern dieser Schlächterei werden wohl auch Kinder sein und vielleicht sind Frauen und Kinder blind geschossen worden, als der christliche Kugelregen über Oviedo niederging. Die Arbeiter haben keinem Wehrlosen etwas getan. Die Christlich sozialen sollten v o n K i n d e r m o r d e n schweigen! Hat Seipel den Polizisten bestraft oder nur entlassen, der am 15. Juli 1927 einen fünfjährigen Knaben kaltblütig zielend erschoß, oder den andern Mörder, der den Lehrling Herbert Kiesler niederschoß? Sind nicht diese Mordgesellen vom PriesterSeipel noch dekoriert worden! Und als die F e y und Dollfuß m die Wohnungen mit Maschinengewehren und Granaten feuerten, als man in Sandleiten zahlreiche Kinderleichen zählte, wo war da die Humanität der Jnnitzer und Hilgenreiner? Nun haben sie wieder ein schmutziges und blutiges Geschäft: ihre spanischen Gesinnungsgenossen von der Schuld reinzuwaschen, die diese würdigen NachfolgerdesTorquemada und der anderen Ketzerrichter auf fich geladen haben. Jahrhundertelang rauchten in Spanien unter dem Segen der Kirche die Scheiterhaufen. Dann kam die Freiheit. Run will GilRobles, der fromme Schlächter, die Macht der Pfaffen wider festigen und darum wüten die Standgerichte, darum mutzten Tausende sterben. Für die Kirche und— für da s Kapital. Das verdient noch festgehalten zu werden. Die Macht, für die sogenannte»christliche" Blätter lügen und fich mit Blutschuld beladen, erkennt man erst, wenn man die folgende Meldung der Telegraphen Union aus Madrid liest: „Der Brrwaltungsrat der Bank von Spanien hat dem Ministerpräsidenten Lerranx eine Million Peseten zur Ber- fSgMig gestellt, die als Belohnung an dir Ordnung's truppen für ihre Haltung im revolutionären Streik verteilt werden sollen." Judaslohn. Ausgezahlt an die„Nachfolger Christi", damit fie weiter die Ordnung der Bankiers schützen. kegieninssseseNentvurf über Wirtschaftsspionage Die Regierung legte dem Abgeordnetenhaus den Gesetzentwurf über Wirtschafts-Spionage vor. Der Entwurf bezweckt den Schutz solcher Pro- duktionsgeheimnifle, durch deren Verrat das öffentliche Interesse bedroht ist. Deshalb qualifiziert der Entwurf Handlungen, die. einen wesentlichen Verrat und die Verschleppung eines Pro- duktionsgeheimnisses ins Ausland zur Folge haben, als Verbrechen mit einem Strafausmaß bis zu fünf Jahren. Sofern Handlungen gegen dieses Gesetz nicht die Verschleppung eines Produktionsgeheimnisses ins Ausland zur^Folge haben,'werden sie als Vergehen qualifiziert. Nach dem Gesetzentwurf werden auch Unternehmer verfolgt werden können, die es verabsäumten, entsprechende Maßnahmen zu treffen,um den Verrat des Produktionsgeheimnisses zu verhindern. Die Verfolgung nach diesem Gesetz erfordert eine Ermächtigung des Handelsministeriums. Vom Rundfunk iMptahlenmriM aus den Programmen i Samstag Prag: Sender L.: 6.15 Gymnastik. 9.09 Schul: funk. 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.15 Außer: ordentlicher deutscher Schulfunk. 12.10 Opernfanta: sien. 13.45 Chansons. 15.55 Blasorchesterkonzert. 17.05 Liederkonzert. 18.05 Deutsche Sendung: Am Vorabend des Staatsfeiertages: Mannheimer liest seine„Ballade vom Hradschin". 19.45 Dvorak: Meine Heimat. 22.16 Tanzmusik.— Senter St.: 14.30 Klavierkonzert. 15.00 Deutsche Sendung: Lieder und Arien tschechischer'Komponisten.' 15.30 Dr. Lorenz: Kulturrelief.— Brün«: 17.25 Slowakische Lieder. 17.50 Deutsche Sendung: Liederstunde. i— Kascha«: 17.00 Jazzorchester. 18.50 Schallplatte«. London. Das holländische Großflugzeug, das in dem Rennen ben zweiten Platz eroberte, war über australischem Boden in ungewöhnlich schlechtes Wetter geraten und der Bordfunker wurde infolge atmosphärischer Störungen stark an der Ablesung der Richiungszeichen gehindert. Das Flugzeug kreuzte im Dunkel der Nacht über der Stadt Albury. Ueber die Landung berichtet der Bordfunker wörtlich:„Plötzlich schien es mir — ich wollte meinen eigenen Augen nicht trauen — als ob die g a n ze St a d t von einem F e i n- de besetzt sei, der Morsezeichen benützte. Tausende von Straßenlaternen begannen zu leuchten und plötzlich Morsezeichen entgegenzufunken. Erst langsam dämmerte es in mir auf» daß hinter dieser rätselhaften Erscheinung eine Absicht stecke und daß uns die ganze Stadt hplfen wolle, den Weg zum Flugplatz zu finden. Das Elektrizitätswerk der Stadt hatte an die Schaltung der städtiflyen Beleuchtung einen Radiotelegraphisten gestellt und der ganze Lichtvorrat derStadt mußte nun dazu herhalten, uns eine optisch-telegraphische Depesche zu senden. Die telegraphierende Stadt bot in der Tat einen eigenarttgen Anblick, der in erheblichem Maße auch unser Selbstvertrauen stärkte, so daß wir bald darauf mit unserer Riesenmaschine glatt landen konnten. Bei unserer Landung sahen wir nun, wie von allen Seiten Tausende vonAutomo- b i l e n zu unserer Begrüßung herbeifuhren. Wir waren auf weichem Boden gelandet, aber da waren auch schon Hunderte von bereitwilligen Menschen zur Stelle, die uns die Maschine aus dem Kot ziehen halfen, so daß wir sie zum nächsten TagcsncuigKcitcii. 20*000 Seidenarbeiter streiken Paterson(New Jersey). Mittwoch um Mitternacht sind 20.000 Arbeiter der Kunstseidenindustrie in den Streik getreten „Sieg des Lichtes , und der Luft" Pläne für die Pariser Internationale Ansstellnng 1937 Paris. Die künftige Internationale Pariser Ausstellung,- die im Jahre 1937 eröffnet werden wird, soll im Zentrum von Paris auf dem Marsfeld am Fuß des Eiffelturms entlang der Seine auf einem Gelände im Ausmaß von 10 Hektar ihren Platz finden. Den Ehrenplatz inmitten der Ausstellung wird/das Trocadero-Palais einnehmen. Ein aus wfiter Ferne sichtbares Lichtmottv wird das Wahrzeichen der Ausstellung bilden. Die Ausstellung wird zahlreiche Kongresse und Konferenzen beherbergen, die sich vorwiegend mit sozialen Fragen beschäfttgen werden. Anläßlich der Ausstellung, die die Fortschritte auf dem Gebiete der K u n st und Technik dokumentieren soll, wird die Jenenser Brücke über die Seine erweitert werden und gleichzeitig ist auch der Bau eines Tunnels unter dem Flußbett der Seine geplant. Am Fuße des Eiffelturmes, der in diesem Jahre das 50. Jubiläum seiner Errichtung feiert, lvird ein großer, etwa 340 Meterlangerund 120 Meter breiterPalast erbaut werden, in dem alle öffentlichen Kundgebungen stattfinden sollen. Entlang der Seine wird ein neues Stadtviertel mit Straßen und Plätzen erstehen, dessen Häuser im modernsten Stil und nach den neuesten architektonischen Errungenschaften erbaut werden sollen. Nach Aussagen von Fachleuten wird diese Ausstellung den Sieg des Li ch- tes und der Luft versinnbildlichen. Die Ausstellung wird alles Neue umfassen, was auf dem Gebiete der dekorativen Kun st und der Inneneinrichtung geschaffen tvurde. Alle großen wissenschaftlichen Erfindungen der modernen Zett werden auf ihr vertreten sein. Rekord eines Schienenautobus Rew Aork. Ein neuer mit einem Dieselmotor versehener Schienenauwbus aus Aluminium, der Montag in d-en frühen Morgenstunden von Los Angeles abfuhr, um gestern in den späten Nachmittagsstunden in New Dork- einzutreffen, wird wahrscheinlich alle amerikanischen Eisenbahnrekorde schlagen. Dieser Schienenautobus erreichte eine Stundenge sich windigkeit bis zu!20Meilen. Durchschnittlich fuhr er mit einer Stundengeschwindigkeit von 65 Meilen. Die bisher größte Stundengeschwindigkeit von 102 Meilen erreichte im Jahre 1904 eine Lokomotive auf der Strecke Plymouth—Paddington. Der mit einem Dieselmotor versehene deutsche Schienenautobus erreicht auf der Strecke Berlin—Hamburg eine Stundengeschwindigkeit von 77,5 Meilen.# Versteigerung einer— Guillotine Paris. Mittwoch wurde in öffentlicher Versteigerung die h i st o r i s ch e Sutil o t i ne kür 30.000 Franken verkauft, mit welcher Start und zur Beendigung unseres Fluges vorbereiten konnten. Wir waren begeistert von der herzlichen Begrüßung» die uns hier zuteil wurde. so.vool Pfund für„Douglas" Der Direktor der australischen Fluggesellschaft Robinson bot 20.000 Pfund Sterling(etwa 2% Millionen Kronen) für das holländische Flugzeug„Douglas" an, mit dem die Flieger Parmentier und Moll die Strecke absolvierten. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit der Amsterdamer Firma wurden bereits ausgenommen. Australfen-Flieger im Kerker! Basra. Die amerikanischen Flieger des Luftrennens England—Australien, Wright und P o l a n d, waren Dienstag nachmittags gezwungen, wesllich von Mohammerah in Persien eine Notlandung vorzunehmen» Nach der Landung wurden sie verhaftet und bis Mittwoch abends eingekerkert, obwohl ihre Päffe in Ordnung waren. Sie wurden aber schließlich auf freien Fuß gesetzt und konnten gestern zu ihrem Weiterflug starten. Die Vierten London. Den vierten Platz im Luftrennen England—Australien haben sich nunmehr die Flieger Cathgart, Jon es und Waller gesichert, die auf dem Havilland-Flugzeug„Co- met" die letzte Etappe zurücklegten und in Melbourne Donnerstag um 4 Uhr 54 Minuten 15 Sekunden Greenwicher Zeit eintrafen. Die Flieger absolvierten die Strecke London—Melbourne in vier Tagen, 22 Stunden und 29 Minuten. während derfranzösischenRevolu- tion die zum Tode verurteilten Adeligen und Bürger hingerichtet wurden. Die Guillotine wurde von einem Cafetier aus der Umgebung von Tours erworben, der sie in seinem Unternehmen zur Schau stellen wird. Der Ma«« mit de« acht Frauen Warschau. Der Warschauer Rabbiner befaßt sich mit einer Beschwerde von acht Frauen, die alle angeben, Gattinnen eines Handelsreisenden namens Kagan zu sein. Den Ehen Kagans entstammen 42 Kinder. Heringe, die uns nicht erreiche»... Eine Meldung vom gestrigen Tage beginnt also: London. Der Notstand in der eng- l i sch en Heringsfischerei nimmt in den Berichten und Erörttrnngen der Londoner Presie inpner größeren Raum em: Da die reichen Fänge der letzten"Zeit einen b eü«ruhigend en Preissturz zur » Folge hatten, haben die Heringsfischer von Uar- mouth und Lowestoft beschlossen, bis zum Sonntag morgen keine Fischdampfer mehr ausfahren zu laffen. Ungefähr 800 Fahrzeuge in England und Schottland, die jetzt in diesen beiden Häfen liegen, werden daher drei Tage lang nicht.arbeiten, obwohl es in den Küstenwässern von Fischen wimmelt. 6000 Fischer und Hafenarbeiter werden ohne Beschäftigung sein. Am Freitag werden 2000 Männer und Frauen aus den Heringssalzwerken und Räuchereien usw. arbeitslos werden. Wie ernst die Lage in Regierungskreisen beurteilt wird, geht daraus hervor, daß Donnerstag in London eine Konferenz zwischen Regierungsmitgliedern und Bettretern der verschiedenen-Zweige der Fischereiindustrst ckb- gehalken wurde. Es wimmelt von Fischen—.und es wimmelt von Hungrigen. Aber die Fische können nicht zu den Hungrigen, weil der Fische und der Hungrigen zu viele sind! Weil die Armen nicht genug Heringe, so wie jene möchten und wie diese zur Verfügung ständen, kaufen können, werden die Fische nicht gefangen^ werden ihrer also noch mehr. Und auch die Hungrigen dürfen sich weiter vermehren. Vielleicht finden jene Heringe, die an der Not der Welt im Wasser krepieren, dort unten auf den Bauinwoll- und Kaffee-Säcken, die nicht verladen, sondern versenkt wurden, weil zu. viele Menschen Hunger und zu wenige Geld haben, ihre letzte Ruhestätte; wie aber sollen die Arbeitslosen sich betten? Beflaggung am 28. Oktober. In Kundmachungen der Bezirks- und Polizeibehörden wird allen öffentlichen Aemtern, Anstalten, Unternehmungen und Schulen aufgetragen, an den Gebäuden, in denen sie untergebracht sind, an einer geziemenden Stelle von 10 Uhr vormittags des 27. Oktober bis 8 Uhr vormittags des 29. Oktober Fahnen in den Staatsfarben in angemessener Größe und würdiger Beschaffenheit auszuhängen. Die Staatsfahnen sind derart zu'hisien, daß sie gegen etwaige Uebergriffe möglichst geschützt sind. Uebertretungen dieser Anordnung werden bestraft. Der gleichen Bestrafung. unterliegen Personen, welche mn 28. Oktober die für die Sonntagsruhe geltenden Vorschriften nicht einhalten. General Georges, der bei dem M a r s e i l- lerAnschlag schwer verletzt worden war, ist soweit wieder hergestellt, daß er in etwa zehn Tagen nach Paris zurückkehren wird, wo er sich die Kugel aus der linken Brustseite entfernen lassen wird. Alis der Aröelt er Tiir n und Sportbewegung Unsere ATUS-Länderelf gegen STAK am 28. Oktober in Prag Für diesen wichttgen und schweren Länderwettkampf wurde folgende Verbandsvertretung bestimmt: Andörfer.(Zuckmantel); Gallasch (Krochwitz).Schmidt(Kleische); Heger(Lerchenfeld), Fiedler(Krochwitz), Milde(Weis- k-rchlitz); Bartel(Lerchenfeld), Distler(Nc- stersitz), Günter(Kleinaugezd), Jindkich (CSKTrmice)»Potmeschil(Pihanken)—Ersatz: Zinnert(Predlitz), Berwaner,(Kleische), R e m e tz(Lerchenfeld). Wegen der gemeinsamen Abfahrt erhalten die Vereine noch Verständigung. Der Bundesfußballausschuß. An alle FuBballverelne und Sektionen des Atus, Sitz Aussig Bekanntmachung:' Wegen grober Verletzung der Verbandsdisziplin und Nichteinhalten der Weisungen der selbstgewählten Instanzen werden die Fustballabteilung Türmitz und * Fuschallabteilung Aussig- Glashütte (beide Sektionen der Arbeiterturnvereine) mit s»< fertiger Wirkung, also ab 22. Oktober 1934 bis auf weiteres gesperrt. Die Spiele, die für den 28. Oktober uno den nachfolgenden Sonntagen mit diesen zwei Vereinen festgesetzt sind, entfallen. Die Atus-Verbandsvereine werden hiemit auf-' gefordert, alle Spielangebote von Vermittlern, die mit unserer Bewegung nichts zu tun haben, st r i k t e abzulehnen und dem Bundesfußballausschuß unverzüglich Bericht zu geben. Der Bundesfußballausschuß. Warum? Havas meldet aus Brüffel: Der in' Brüssel tagende Kongreß der internationalen Journalisten-Föderatton hat seine Entscheidung über das Aufnahmsgesuch der deutschen Emigran- j ten-Journalisten in Paris vertagt. Eine Achtzigjährige ermordet. Die 80jäh-; rige Witwe des französischen Malers C o r m o n wurde Mittwoch abends mit durchschnittener Kehle in ihrer Wohnung in Paris ermordet aufgefunden. Man glaubt, daß die Ursache der Ermordung ein D i e b st a h l war. Der Nobelpreis für Medizin ist am Donners-. tag verteilt worden. Er ist an die Amerikaner Georges M i n o t, Wildem Murthy und Georges Whipple gefallen. Edgar Wallace erhält ein Denkmal.' Edgar» Wallace, Autor von, etwa zweihunderfünfzig Krimi-1 nälromanen, einem' der fruchtbarsten Schriftsteller,' der einem Heer von Sekretärinnen 15.000 Worte• am Tag diktierte— Edgar Wallace wird jetzt in? London ein Denkmal"erhalten. Seine Büste wird in der Fleet Street aufgestellt werden, in jener be-■■ rühmten Straße Londons, in der sich alle großen> ZeitungSredakttonen befinden. Damit soll wohl zugleich an seine Anfänge erinnert werden, denn bevor Wallace der berühmte Kriminalschriftsteller wurde,', war er— Zeitungsverkäufer. Es ist fast eine rührende Ironie des Schicksals, daß sein Zeitungsstand sich gerade unter den Fenstern der luxuriöse» Büros des englischen Preßverbandes befand, deren Präsident Wallace später werden sollte. Und jetzt erhält diese Straße sogar ein Denkmal von ihm! Alexander-Denkmäler. Aus Belgrad wird gemeldet: Bisher haben etwa 50 Städte und: Gemeinden den Beschluß gefaßt, König Alexander I. Denkmäler zu errichten. Fahrplanänderungen. Ab 1. November 1934 treten im Fahrplan nachstehende Aenderungen ein: StreckeLobositz—Reichenberg: Der Mo- torpersonenzug 2111 Lobositz ab 7.32, Leitmeritz, Oberer Bahnhof, an 7.45 verkehrt in angeführter Strecke auch an Schultagen und 1., 5., 12. Mai. Zurück verkehrt ein neuer Motorpersönenzug 2130 Leitmeritz, Oberer Bahnhof, ab 8.13, Lobositz an 8.24.— StreckeTrautena u—C hlumec n ad Ci dl: Zug 487 verkehrt mit Personenbeförderung auch in der Strecke Pelsdorf—Martinitz und hält in Wildschütz 22.06, in Pilnikau 22.16, Kott« Witz 22.27, Arnau 22.57, Proschnitz bei Arnau 23.08, Pelsdorf 23.31 bis 23.58, Martinitz an 0.32.— Strecke Belky Ose k—H anns- darf: Wegen ungenügender Frequenz wird der Mowrpersonenzug 834 ab Nieder-Lipka 22.14, Harmsdorf an 22.50'und der Motorpersonenzug 835 ab Hannsdorf 5.28, an Nieder-Lipka 6.08 in der Strecke Nieder-Lipka—Hannsdorf aufgelassen.— StreckePelsdorf—Hohenelbe: Zug5442 fährt von Hohenelbe um 3.56 und kommt in Pelsdorf um 4.08 an; Zug 5446 ab Hohenelbe 6.10, Pelsdorf an 6.22. Ziehung der Klassenlotterie (Unverbindlich.) Prag. Bei der DonnerStag-Ziehung der fünften tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinste gezogen: 10.000 K«: 20598 68622 89710 43522. 5000 Ke: 81372 53855 78446 31168 57879 12380 18136 106843 71915. 2000 K6: 89387 52001 57136 81288 48218 15294 33330 14865 34177 44383 100731 59431 45109 60961 22760 50844 44940 107807 85099 81748 83962 43543 79725 49247 107431 77273 54705 2545 80891 44365 88406 10614 55060 100741 59854 75454 4198 30345 27703 89143 32148 57958 98606 84025 74472 67745 24052 8522 23716 65442 99416 71014 61554 6274 24508 97491 64635 97153 17224 74368 32311 1010 67287 85128 79645 874« 26175 93628 22982 65728 61322 53636. «r. 251 Freitag, 26. Oktober 1934 Seite 5 Ein Wunderwerk menschlicher Baukunst im Entstehen Der Bonlder-Damm in Nevada auf 163 Meter Höhe angewachsen. Zur Bändigung des gefährlichen Colorado-Flusses in Nevada(USA) wird dort schon seit Jahren der Bonlder-Damm— ursprünglich nannte man ihn Hoover-Damm— gebaut. Es ist ein Riesenwerk von gewaltigen Ausmaßen, das in den abgrundtiefen Felsschluchten, den Canyons, entsteht. Unser Bild zeigt den Staudamm in seinem jetzigen Bauabschnitt. Gerade phantastisch ist der Blick auf diese Betonmaffe, auf der die Menschen wie Ameisen erscheinen. Gegen Arbeitszeitverkürzung— für lleberstundenschieberei In den Verhandlungen, die zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmerverbänden über die Einführung der 40stündigen Arbeitswoche geführt worden sind, haben die Unternehmer eine so geringe sozial« Einsicht bewiesen, daß es zu einer Verständigung über diese Frage nicht kommen konnte. Die notwendige Entlastung des Arbeitsmarktes, die bei einer entsprechenden Herabsetzung der Arbeitszeit eingetreten wäre, ist nun- ausgeblieben. Für die in den Unternehmerkreisen herrschenden Auffassungen ist bezeichnend, daß eben jetzt einer aus ihrer Mitte in der»Bohemia" das Wort ergreift. Nicht etwa, um sich für die Arbeitszeitverkürzung einzusetzen, wohl aber, um gegen die Erschwerung der lleberstundenschieberei Stellung zu nehmen. Der Artikel, von Dr. Milto Kotrba geschrieben, trägt die bezeichnende Ueberschrift»Verirrte soziale Fürsorge". Es wird die ironische Frage gestellt:»Ankurbelung durch Arbeitsverhinderung?" Dem Sozialfürsorgeministerium macht der Verfasser den Vorwurf, daß es durch die Handhabung der Ueberstundenvorschrif- ten die Gefährdung, ja sogar die. Unmöglich^, machung des Exportgeschäftes und damit'bei! Weiterbeschäftigung der Arbeiter und Angestellten betreibe. Zunächst werden diese Vorwürfe ganz allgemein erhoben. Erst in dem zweiten Teil des Artikels versucht der Verfasser, durch das Beispiel der Stoffhandschuh-Industrie den Nachweis für seine Anschuldigungen zu erbringen. Obwohl die Stoffhwrdschuh-Jndustrie sich zur Zeit einer Sonderkonjunktur erfreut, kann er auch aus ihrem Gebiet keinen konkreten Fall anführen, der die gegen das Ministerium erhobenen Vorwürfe bekräftigt. Es kommt dem Verfasser wohl auch weniger darauf an, als vielmehr darauf, die durch die Gewerkschaften erreichte Erschwerung der Ueber- stundenleistung über den Haufen zu stoßen. Das Tage. Natürlich nahm man den Scheck. Die netten Herren gingen. Der Scheck ging am anderen Tage zur Bank. Um nicht eingelöst zu werden, weil der vornehme Herr gar kein jetrußland schaffen. Um aber„nicht mit leeren Händen" zu kommen, brachte Trnka, der als Zeichner in der Waffenabtellung beschäftigt war, verschiedene Zeichnungen und Berechnungen beiseite, die er zunächst den russischen Agenten anbot. AIS diese Verhandlungen gescheitert waren, fuhr Trnka mit Kincl und dessen Frau nach Wien und offerierte sein Material auf der italienischen, chinesischen und japanischen Gesandtschaft, ohne aber Abnehmer zu finden. Schließlich fuhren Trnka und Kincl nach U n g a r n, wo sie mit dem ungarischen Spionagedienst in Verbindung traten. In Budapest bot man ihnen für regelmäßige weitere „Informationen" ein fixes Monatsgehalt von XL 2000 an. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr wurden sie aber verhaftet. Ueber die Verhandlung selbst kann nicht berichtet werden, weil sie unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich ging. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde Johann Trnka und Josef HrdliLka zu je vier Jahren, Jaroftav Kincl und Wenzel Hradeeky zu je dreieinhalb Jahren und Anna Kincl zu drei Jahren schweren und verschärften Kerkers verurteilt, nebst einer Geldstrafe von je 2000 XL. rb. Prag. Gestern wurde vor dem Straffenat T r o st ein Spionageprozeß zu Ende geführt, über den wir gelegentlich der ersten Verhandlung am 19. Juli d. I. bereits eingehend berichtet haben. Angeklagt waren drei technische Beamte der Skoda- werke, und zwar Johann Trnka, Jaroftav Kincl und Wenzel Hradeckh wegen Verrates militärischer Geheimnisse aus dem Gebiete der Waffenfabrikation, ferner die Frau des zweiten Angeklagten» Anna Kincl wegen Mittäterschaft und schließlich der gleichfalls bei Skoda bedienstet gewesene Fräser Josef HrdliLka, der vor einem Jahre als einer der Hauptangeklagten in dem großen Skodaspionageprozeß zu vier Jahren Kerker vreurteilt wurde. Dieser Angeklagte hat als eifriger Kommunist die Verbindung mit sowjetrussischen Exponenten vermittelt. _ w„, Ader die Verhandlungen mit dem lien eine Erfindung ausgearbeitet, die er den 1 Kundschafterdienst führten zu keinem „Pontonschuh" nennt. Diese Erfindung soll ihn! Ueberhaupt handelt es sich keineswegs instandsetzen, über weite, selbst unruhige Wasser-[ politische Affäre, denn außer HrdliLka flächen zu laufen. Der König der Zechpreller Er veranstaltete 300 Galadrners— Und keines • warbt bezahlt Wenn heute jemand ber^memLondioner Hotelier erscheint und für eine größere Gesellschaft ein Galadiner bestellt und er sieht zu allem Unglück noch»distinguiert" aus, dann kann er sicher sein, daß der Hotelier zum Telephon hasten wird, um Scotland Uard zu vermelden, daß»er" da russischen Resultat, um eine ist keiner dec Aangeklagten politisch irgendwie eingestellt. ES Er" hat die Absicht, seine Reise unverzüglich handelt sich vielmher um eine rein geschäftliche An- nach Europa fortzusetzen, um dort seine Schuhe gelegenheit. Trnka wurde im Zuge eine Restriktion in der Praxis vorzuführen. Zu diesem Zweck hat! entlassen und wollte sich eine neue Existenz in Sow- er einen„Marsch" über den Kanal angesetzt.! Er will sich eine mittelbrette Stelle aussu-| chen und keinerlei Motorhilfe verwenden.< einzigen Hilfsmittel sind lediglich zwei eigenartig geformte Stäbe, die in ihrer Verwendung den Skistöcken beim Skilauf ähneln. Mtt dieser Ausrüstung, also den Ponton schuhen an den Füßen und den Stäben in der Hand, will er 8 Kilometer in der Stunde leicht zurücklegen können. Vor einiger Zeit wurde- von einem derarti- gen Kanallauf berichtet, der von einem Franzo sen unternommen wurde und wenig glücklich ver lief. Der arme Kanalläufer kam einfach nicht vom Fleck und wurde immer wieder zur Küste zu rückgetrieben. Auf die ost sehr starken zur Küste stehenden Strömungen im Kanal von Fachseite aufmerk sam gemacht, glaubte der junge Deutsche erwi dern zu können, daß er durch die Form seiner Pontonschuhe Gefährdungen dieser Art leicht ent gehe. Man darf also dem Unterfangen des muti- gen, jungen Deutschen mit Interesse entgegen setzen. Ein Mann will über den Kanal laufen! Wanderung in„Pontonschuhen" Ein junger Deutscher, Emll Friedrich Walther, der von Australien auf dem Wege nach England ist, bereitet eine interessante„Wanderung" vor. Er hat.in langen Jahren in Austra- Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag Xll., Fochova 62/V. Wouter AMeoM offeriert mililörW Meimniffe Insgesamt achtzehn Jahre Kerker für fünf Angeklagte nach dem Gehalt radioaktiver Elemente.|^7^em solchen ReiN^I Mm^ieg also In wissenschaftlichen Kreisen Wiens werden erst einmal. Bis die großen Häuser durch waren augenblicklich die Ergebnisse der Experimente, dieund die kleinen daran kamen. Die konnten es Dr. F. Hecht zusammen mit seiner Assistenttn,' weniger gut verschmerzen und erstatteten bei der Frau E. Kroupa, im Laboratorium der Wiener Polizei Anzeige. So kam man dem Schwindel Universität zwecks Bestimmung des Alters unseres mit dem Festessen auf die Spur. Planeten angestellt hat, lebhaft besprochen. I 800 GaladinerS, die nicht bezahlt wurden, Dr. Hecht kann mtt ziemlich genauen Anga- ein vornehmer Herr und 15 Freunde, die man ben aufwarten. Seiner Meinung nach schwankt nicht erwischte: das ist die Bilanz des größten das Alter der Erde zwischen 1 Milliarde 725 Mil- Zechprellers von London... Seine| lionen und 1 Milliarde 820 Millionen Jahren. "| Auch der Wiener Gelehrte hat sich bei seinen Experimenten der bereits bekannten Methode bedient, das Alter der Erde indirekt durch das Alter gewisser Gesteinsformattonen und Minerallager zu bestimmen. Das Alter dieser Materialien wiederum wird direkt bestimmt nach dem Gehalt an radioaktiven Elementen. Man hat dieser Methode in der Wissenschaft den Namen radioaktive„Uhr" gegeben. Bei den Wiener Versuchen wurden radioaktive Substanzen aus den Gesteinsbildungen von Winnipeg in Kanada benutzt. Es dürste bekannt sein, daß die Experimente, die zu dem gleichen Zweck auch schon anderwärts durchgeführt worden sind, zu ganz ähnlichen Resultaten geführt haben. So hat man beispielsweise aus der Radioaktivität gewisser bei Sinyaya Pala in Rußland gefundenen Mineralien den Schluß gezogen, daß das Alter der Erde auf 1 Milliarde 850 Millionen Jahre zu veranschlagen sei. Die Differenz zwischen diesem Ergebnis und den neuesten Forschungen in Wien ist demnach, wie man sieht, verhältnismäßig geringfügig. gen Genusses vonRauschgifte«! die chinesische Staatsangehörige S ch ä n g u- F u zum Tode. Das Urteil ist bereits vollstreckt worden. DaS Gericht hatweiterevierPer- s o n e n zum Tode verurtellt mtt der Begründung, daß sie unheilbare Rauschgiftsüchtige sind. Die Cholera-Epidemie» die in den Zentralprovinzen Indiens wütet, hat in einer Woche> 4858 Krankhettsfälle verursacht. 2017 Fälle sind tödlich verlaufen. Das Fernsehen. Die Mitglieder des englischen Sonderausschusses für das Studium des Fernsehens kirch mit ihrem Vorsitzenden Lord SelSdon nach New! Nork abgereist, wo sie die verschiedenen Fernsech- Systeme in den Vereinigten Staaten einem Studium! unterziehen werden, über dessen Ergebnisse sie dann dem britischen Generalpostmeister«inen Bericht er«* statten werden. Eine kräftige Familie. Aus Akron(Ohio) komm, folgende unglaublich« Meldung: Frau Gar-! «eh CoateS, die jetzt erst ihr drittes Dezennium vollenden wird und die der von ihr nicht geliebten häuslichen Arbeit den Tanz vorzieht, erwachte dieser Tage als Großmutter. Sie erhielt nämlich von ihrer Tochter, Frau Marschall Sat« terly aus Duncan in Kentucky, die 18 Jahre alt! und bereits ein Jahr verheiratet ist, die. In der Ueberwindung von Raum und Zeit ist schon wieder ein Rekord zu verzeichnen. Gestern, Donnerstag nachmittags, wurde in Hunder ten von englischen Lichtspieltheatern ein aus d r a h t. ,l o f e m Weg e üb erm it te l t e.r F i l m gezeigt, der dieAnkunft-der Sseger-im LnftrennenEngland— Austra lien, Scott und Black, auf den Bildstreifen vorführt. Mit dem Fuhrwerk in de« Mutz. In Ber- wald bei Wadowice, in der Nähe von Krakau, stürzte eine Straßenbrücke ein und riß ein Fuhrwerk mtt sieben Personen in den Fluß. j sei. Und Scotland Fard wird wissen, wen er mit Zwei Wageninsassen waren sofort|»er" meint. Denn»er" ist das Phänomen von tot, zwei wurden schwer verletzt, drei kamen mtt London,»er" stellt die schönsten MenuS zusam- leichten Verletzungen davon.. t men, aber er hat auch noch nie bezahlt. Weder Eine Chinesin hingerichtet. Das Gericht in für sich noch für«inen seiner meist 15 Freunde, Schanghai verurteille ttegeu ü b« r m äßi-die mit ihm zusammen speisen. »Er" ist der König der Zechpreller von Lon don. Zuerst hat er es in den großen Hotels in West End so gemacht. Er erschien würdig und wirklich vornehm in Erscheinung und Benehmen. Er habe da eine lleine Feier, Geburtstag und gleichzeitig Beförderung. Er wolle ein Essen geben. 15 Personen, mtt Wein, Sekt und allem was dazu gehört. Er habe sich die Sache etwa so gedacht— und dann entwickelt er ein Programm der wundervollsten Futtereien, die man sich überhaupt denken kann, raffiniert ausgesucht, raffiniert zusammengestellt. Bei jedem Gericht für die Würzung und Garnierung mit besonderen Wünschen i— der Herr mußte ein ganz großer Feinschmek- j ker sein. Schon vor dieser Eigenschaft beugte der § Hotelier sein Haupt zur unterwürfigen Bereit- > Willigkeit. Alle Wünsche würden bestens auSge- ! führt. Der Auftraggeber murmelt zum Schluß noch ! seinen Namen— irgend so etwas wie Major Smithson, räusperte sich und verschwand, um am andern Abend mit seinen Freunden zu kommen. Alles nette Herren wie er. Man speiste, man freute sich, die Stimmung war vorzüglich. Nachher, wenn sich die Geschichte dem Ende _ näherte, ging der Auftraggeber mit dem Ge- NaLricht.' daß dieser Usmcker Sohn geboren I ichäftsführer hinaus, ließ sich die Rechnung zei- wurde, der zehn Pfund wiegt. Di« Ar groß- gen, war gar nicht erstaunt, fand sogar die «lte rn des neuen amerikanischen Bürgers befin- Summe sehr entgegenkommend— nur— er hatte den sich im Alter von 6 0 und 49 Jahren und im Augenblick nicht soviel Geld in bar da— er di« in der Nähe des Städtchens Duncan lebenden, wolle lieber alles auf Scheck geben. Scheck auf Ururgroßelter« stehen beide ttn 7 1. Le- die Bank von England. Das hat man nicht alle oenSjahre.—-- Das Alter unserer Erde i an«. onn cm-«- M»^ ZU weruru, weit oer ovrueyme«err gar rein 1.-»-n» Wl,. W« M»m°i,I sw.“ rapide Anwachsen der Ueberstunden in den letzte» Monaten zeigt ja zur Genüge, daß die große Mehrzahl der Unternehmer selbst in dieser schwersten Krisenzeit sich nicht von sozialen Einsichten, sondern nur von ihren Profttinteressen bestimme« läßt. Die Arbeiterschaft wird gegenüber alle« sozialpolitisch reaktionären Vorstößen auf der Hut sein und ihre Anstrengungen verdoppeln, müssen, um jede weitere Ausdehnung des Ueberstunden» Unwesens zu verhindern. Wird gar die Beachtung sozialer Gebote durch die Ministerien von de« Unternehmern als BureaukratiSmuS verschrien, so wird sie das gar nicht anfechtenl Kronenabwertung und Exportsteigerung In dem sozialdemokratischen Kampfprogramm von Aussig wird zur Begründung der Notwendigkett der staaüichen Exportförderung die Feststellung getroffen, daß die durch die Devalvation der Krone bewirkte Exportbelebung nickt zureichend ist. Daß diese Feststellung mit vollem Recht gemacht wird, daS wird durch die Entwicklung der tschechoslowa» kischen Warenausfuhr in den ersi'n neun Monaten des Jahres 1934 bewiesen. Die Gesamtausfuhr vom Jänner bis September ist um 924 Millionen Kronen höher als in der gleichen Vorjahrsperiode. Betrachtet man aber die Entwicklung der Ausfuhr ohne Deutschland, so ergibt sich, daß sie nur um 12 Prozent gestiegen ist. Bei einer Umrechnung in Gold kommt man auch bei Berücksichtigung der i Tatsache, daß die Ausfuhr in den ersten drei Monaten noch zu dem allen Wert der Krone erfolgte, zu der Feststellung, daß der Wert des tschecho» flowakischen Warenexports in den ersten neun Monaten 1934 keine Erhöhung erfahren hat. Bezieht man Deutschland in die Berechnung ein, so ergibt sich gegenüber dem Vorjahre nur eine ganz lleine Zunahme des Ausfuhrwertes, die aber nicht der Abwertung unserer Krone, sondern der aus bekannten Gründen herrschenden deutschen Sonderkonjunktur zuzuschreiben ist. An der Verhinderung der weiteren Rückentwicklung unserer Ausfuhr hat die Devalvation zweifellos Anteil. Es ist für die weiteren staatlichen Maßnahmen auf dem Gebiete der Wirffchasts- und Han- i delspolitik nur von Nutzen, wenn über die Wirkungen des früheren Eingreifens völlige Klarhett geschaffen wird. 400 Millionen Kronen Einfnhrschnlden Dentschlands? Es ist bekannt, daß der Warenhunger Deutschlands nach Rohstofftn und Halbfabrikaten in den letzten Monaten eine erhöhte Ausfuhr aus der Tschechoslowakei nach Deutschland ausgelöst hat. Aber^die tschechoslowakischen Exporteure. erhalte«^ ihre'"stach Deutschland ßelieferteN"Wnren zum großen Teil nicht bezahlt. Zur Zett sind die Forderungen an Deutschland auf nahezu 250 Mill. XL aufgelaufen. Wie die»Prager Presse" berichtet, befürchtet man in Wirtschaftskceisen, daß diese eingefrorene Spitze in Deutschland Wetter bis auf 400 Mill. XL steigen könnte, selbst wenn de.r tschechoslowakische Export von devisenhaltigen Rohstoffen und Halbfabrikaten eingestellt wird. Einer solchen Entwicklung muß auf jeden Fall vorgebeugt werden, denn sie bringt der Wirtschaft nicht die ersehnte Besserung. Wohl aber rückt sie die Gefahr immer näher, daß der Schaden dieser Gratislieferungen für die tschechoslowakische Wirtschaft größer ist als der, der entstehen könnte, wenn sie sofort abgestoppt werden. I Leite 8 „Sozialdemokrat" Freitag, 26. Oktober 1934. Rr. 251 PRAGER Arbieitervorstellnng Gastspiel Kramer„Das lebenslängliche Kind", Lustspiel, am Sonntag, den 4. November, halb 3 Uhr, im Neuen Deutschen Theater. Karten von 8—2 und 4—6 bei Optiker Deutsch, Koruna.— Mitglieder des Bildungsvereins deutscher Arbeiter haben die erste Kartenauswahl, ermäßigte Preise und Bibliothek gratis. Smecky 27. Telephon 72820, 27727. Orts-»nd Tagesstempel„Praha I— O sl a- v y 2 8. r i j n a 19 3 4". Am Staatsfeiertag wird im Repräsentationshause der Hauptstadt Prag ein besonderer Postschalter des Postamtes Prag I eröffnet, bei welchem die Abstempelung der gewöhnlichen und bescheinigten Briefposlsendungen mit dem oberwähnten Stempel in schwarzer Farbe erfolgen wird. Nach diesem Tage erfolgt die Absteuchelung - mit diesem Gelegenheitsstempel zu philatelistischen Zlvecken beim philatelistischen Schalter des Postamtes Prag I(Jindrisska ul.) in der Zeit vom 29. Oktober bis einschließlich 3. November 1934 ebenfalls in schwarzer Farbe und mit dem Datum„28. rijna 1934". Vergeblich gestohlen. Franz H e z n e d l konnte keine Anstellung finden. Und bei der Prager Polizei wurden kurz hintereinander merkwürdige Anzeigen erstattet. Zuerst telephonierte in der Nacht ganz verzweifelt der Kapellmeister des Restaurants Kmoch, Weinberger, daß ihm seine wertvolle chromatische Harmonika und eine Dboe im Werte von 5000 Kd gestohlen worden seien. Tags darauf rief der Inhaber des Kabaretts„U labutk" an und meldete, daß in seinem Lokal soeben eine Konzertharmonika und ein Saxophon im Werte von 7000 Kd verschwunden seien, und am dritten Tage kam der Karl Charvüt und gab an, daß sein Jazz-Schlagzeug entwendet sei. Er könne nun keine Anstellung finden. Vergebens bemühten sich die Detektive, den Täter zu finden. Es war aber klar, daß als Dieb nur ein Musiker, der sich eine Jazzband zusammenstellen wollte, in Betracht kam. Nun stellte sich der Täter, Franz Heznedl, der Brünner Polizei freiwillig, weil er keine Möglichkeit sah, zu einem Erwerb zu kommen, auch nicht mit gestohlenen Instrumenten. Bettler-Ausweise. Beim sozialen Amte Prags liegt ein Antrag zur Einführung von eigenen Bettlerlegitimationeu vor, die nur den nach Prag zuständigen bedürftigen Personen nach Begutachtung durch das soziale Amt der Stadt Prag ausgestellt würden. Ueber diesen Antrag wurde * noch kein Beschluß gefaßt. Gericiitssaal Sechs Monate für Billigung der Marseiller Mordtat Eine merkwürdig« Verteidigung Prag. Oer 41jährkge Fnsässist Julius Soukup aus Revnice stand am Donnerstag vor dem Gerichtshof des OGR Cervinka wegen der Vergehen nach 88 15 und 16 des Schutzgesetzes; nämlich einerseits wegen öffentlicher Aufreizung zu einem Verbrechen gegen die Staatsgetvalt und öffentlicher Gutheißung eines solchen Verbrechens. Es war am Morgen nach der Marseiller M o r d t a t, als sich der Angeklagte auf dem Bahnhof in Revnice in die allgemeine erregte Diskussion Mengte und sich äußerte,„denPotentatensei ganzrechtgeschehenundmanmüssees überall so machen". Diese Aeußfrung war noch mit verschiedenen Kraftausdrücken unterspickt. Soukup ist nach Mitteilung der Gendarmerie Leiter der örtlichen kommunistischen Organisation, wogegen er allerdings behauptet, schon 1932 aus dieser Organisation ausgetreten zu sein. Als man ihn wegen seiner Aeußerungen zur Rechenschaft zog, verteidigte er sich, mit einer mehr als sonderbaren Behauptung. Er erklärte nämlich, nichtdenMord gebilligt zu haben, sondern dieLynchung des Marseiller Mörders. Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten vor, er habe doch ausdrücklich von„Potentaten" gesprochen, worauf Soukup erwiderte, er wisse nicht, wasdiesesWortbedeute. Er habe gemeint, es heisse so viel wie„Narren"(!).• Als ihm der Vorsitzende die Unglaubwürdigkeit dieser ZEITUNG Verteidigung vorhielt, anwortete der Angeklagte: „Ich bitt' schön— ich kenn' mich in den Paragraphen nicht aus." Zum Schluß erklärte er mit weinerlicher Stimme, sein unbedachter Ausdruck tue ihm vom Herzen leid. Aber das half ihm wenig. Er wurde schuldig erkannt und zu sechs Monaten strengen A r r e st e s unbedingt verurteilt. rb. Kunst und Wissen Gisela Werbezirk in„Schottenring" Der größte Wert der von Friedmann und Merz theaterwirksam gezimmerten Komödie von der eigensinnig streitenden und schließlich versöhnten Fabrikantenkomödie ist die Gelegenheit für Gisela Werbezirk, die Hauptrolle zu spielen. Denn alle stille Weisheit und alle unaufdringliche Drastik dieser großen Schauspielerin kann in dieser Rolle leuchten, die ganze Natur dieser einzigartigen, die— wie nur Pallenberg sagen konnte— ihren Text glossiert, während sie ihn spricht, die Sentimentalität verneint, während sie rührt, und die Komik verinnerlicht, während sie Lachstürme entfesselt. Als die Werbezirk diese Rolle(oder mit dieser Rolle) das letzte Mal im Neuen Deutschen Theater spielte, hatte sie ein eigenes Ensemble mitgebracht. Diesmal umgab sie eine hiesige(von Leopold Dudek sicher geführte) Spielerschar. Paul Demel zeichnete eindrucksvoll den beleidigten Bankerotteur, Elsbeth Warnholtz als seine Frau gefiel durch schlichte Vornehmheit, Dolores M o n c a s i zeigte als amerikanische Miß Talent, aber wenig Maß, und Dudek spielte die komische Figur des schwatzhaften Agenten mit einer ansteckend wirkenden Freude an Uebertreibungen. Aber es zeigte sich, was bei dem Auftreten der Werbezirk nicht anders möglich ist: daß diese Frau, sobald sie die Bühne betritt, immer allein zu sein scheint. Weil sie mit jedem Ton und jeder Bewegung über die gespielte Handlung hinausgreift, weil sie die Pointen ihrer Rolle zu Monologen— und das Ganze(von ihr begeisterte) Theater nur zum Anlaß für den Beweis ihres Daseins macht. — eis— Ei« nette« Symphonie-Orchester Bei einem Wohltätig keitskonzert, das der Unterstützungsverein bedürftiger Zöglinge der Deutschen Staatslehrerbildungsanstalt in Prag vorgestern im großen Radio-Saale veranstaltet hatte, stellte sich der Prager Konzertöffentlichkeit zum ersten Male ein neues Symphonien rche- st e r vor, das sich, F ok"- O r ch e st e r nennt. Das Kennwort„Fok" dieser neuen Jnstrumentalver- einigung enthält die Anfangsbuchstaben der Worte Film, Oper und Konzert, wodurch angedeutet werden soll, daß die Mitglieder de« neuen Orchesters teils von Filmorchestern, teils von Operg- nnd tkfls von Konzertorchestern kommen, wo sie einst wirkten oder wo sie heute noch wirken. Denn dem Orchester gehören nicht nur stellenlose Orchestermusiker verschiedener Wirkungsgebiete an, sondern auch Orchestermusiker, die beim Film, bei der Oper oder sonst nicht genügend beschäftigt sind und daher eine weitere Erwerbsmöglichkeit suchen müssen. Das neu« „Fok"-Orchester, das sich schon äußerlich als reprä- sentabler und auch zahlenmäßig entsprechender Jn- strumentalkörper zu erkennen gibt, hat heute schon, also unmittelbar nach der Gründung, beachtliche positive künstlerische Eigenschaften ins Treffen zu führen; vor allem passionierte Hingabe aller Spieler an die gestellten Aufgaben und disziplinierte Unterordnung jedes einzelnen Musikers unter die Gesetze des«nsemblemäßigen Musizierens. In der Zusammensetzung dieses Jnstrumentalkörpers werden die Celli und Kontrabässe noch eine Verstärkung erfahren müssen, um ein klanglich richttg abgewogenes Tonbild zu ermöglichen. Auffallend sauber und sicher im Ton führte sich die Blechbläsergruppe des neuen Orchesters ein. Einen ständigen eigenen Dirigenten hat es noch nicht. Doch wird die Lösung dieser Frage das Wichttgste sein, wenn der Jnstrumentalkörper der„Fok"-Musiker zuverlässige Gleichmäßigkeit im Zusammenspiel und die nötige Routine erlangen will. Diesmal dirioierte das Orchester als Gastdirigent der Prager deutsche Musiktrittker Prof. Rudolf Krauß, der schon als Chorleiter schöne Proben seiner Stabsührungskunst gegeben hat. Er zeigte sich auch als Orchesterdirigent überaus sattelfest, die Partttur so beherrschend, daß er der eigentlichen reproduktiven Leistung des Orchesters genügend Aufmerksamkeit widmen konnte. Er verstand es, nicht nur rhythmisch seinen Willen durchzusetzen, sondern konnte seiner Auffassung auch dynamisch Geltung verschaffen. Kleine rhythmische Schwankungen und Ungleichmäßigkeiten, sowie ein« gewisse, auf Nervosität zurückzuführende Haft in der Temponah- me, die namentlich in der„Schicksals"-Symphonie Beethovens zu spüren war, taten seiner werkgetreuen Jnterpretatton keinen Abbruch. Prof. Krauß danft« man ohne Zweifel auch das schöne und stilvolle Programm. das in der ersten Hälfte Beethovens Dritte Leonoren-Ouvertüre und die erwähnte Fünfte Symphonie desselben Meisters, in der zweiten Abteilung Richard Wagners,.Siegftied-Idyll" und Friedrich Smetanas symphonische Dichtung „Die Moldau" enthielt. Der reiche Beifall des zahlreich erschienenen Auditoriums bewies, daß sowohl das Debüt des neuen Orchesters als auch das Debüt seines ersten Gastdirigenten als vielversprechender Anfang und Erfolg anzusehen sind. E. I. Spielplan des Neuen Deutsche« Theaters. Freitag 8: ZweiWitwen, D 1.— Samstag halb 8: Zwei Witwen, D 1.— Samstag Ijaifi 8: Schottenring, Gastspiel Gisela Werbezirk, A 2. Sonntag halb 3 Uhr: DaskleineCafk, halb 8: Zwei Witwen. Festborftellung anläßlich des Staatsfeiertages, C 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: H o ch klingt das Lied vom braven Mann.— Samstag halb 8: Das lebenslängliche Kind, Erstaufführung.— Sonntag 3: Hedda Gabler; 8: Hoch klingt das Lied vom bravenMann. Dec teifiegende trlag&diein ist zur Bezahlung der(Uonnementegefcuftr zu verwenden! Wer im Rückstände Weilt, schädigt die Sorte! und deren Sresse Die Verwaltung Aus der Partei Bezirksorgauisation Prag der Deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei Wir machen alle Parteimitglieder aufmerksam, daß am Sonytaa, den 28,.Oktober, die Fußballmannschaft des„At»s"- Aussig mit dem„Stak" Prag VII.,«in Fntzball-Wettspiel auf dem'Sportplatz in Troja austrägt. Beginn halb 4 Uhr. Der Sportplatz ist zu erreichen mit der Autobuslinie„I" oder von der Ueberfuhr Baumgarten zirka fünf Minuten nach rechts.— Unterstützet den sozialistischen Sport durch zahlreichen Besuch. BezirkS-Exekntiv«. Montag, den 29. Oftober, im Parteiheim wichtige Sitzung. Nächste Parteiversammlung am Donnerstag, den 8. November, im Gewerkschaftshaus. Referent Genosse Ernst Paul.„Unsere Stellung zum Militarismus«pid Krieg". Partei-Ordner treffen sich am Sonntag beim Fußball-Wettspiel in Troja. Die Bezirksleitung. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Freitag,, den 26. Oktober, 8 Uhr abends im Parteiheim: Funktionär- appell. Das Ende des Harems In der Türkei hat Mustapha Kemal bereits 1926 durch das Verbot der Polygamie dem Haremwesen «in Ende gemacht. Seine Blütezeit war damals schon längst vorüber. Sie stand und fiel mit dem Sultanat. Der Harem des Sultans unterschied sich übrigens wesentlich von dem seiner Landeskinder. Denn keine frcisteborene Türkin konnte in den Sultansharem ausgenommen werden. Die Frauen des Sultans bestanden vielmehr meist aus Tscherkessinnen und Georgierinnen, die als Sklavinnen angesehen wurden. Die offizielle Frau des Sultans war dann diejenige, die ihm den ersten Sohn gebar. Die höchste Gewalt im Harem hatte jeweils die Mutter des Sultans. In den letzten zehn Jahren hat nun die Emanzipation der türfischen Frau gewaltige Fortschritte gemacht. Die moderne junge Türkin besucht die Universität oder sucht, einen praktischen Beruf zu ergreifen. Aehnlich wie in Aegypten gibt es in der Türkei eine mächtige Frauenbewegung. In Jügoslavien verliefen die Dinge zunächst anders. Die dortigen Mohammedaner verurteilten die Reformen des türkischen Ghasi aufs schärffte und hielten mit viel größerer Hartnäckigkeit an den uralten Traditionen fest. Durch die Nachkriegsaufteilung war Jugoslawien zum größten mohamme- danischen Staat geworden Die Vielweiberei wurde zwar hier ebenfalls gesetzlich verboten, die Bestimmung ließ sich aber bei der stark orthodoxen Einstellung der Bevölkerung nicht streng durchführen, und in vielen Fällen drückten die Behörden fürs erste ein Auge zu. Dadurch erhielt sich der Harem in Jugoslawien viel länger als in der Türkei. Er wäre über haupt nicht so leicht erloschen, wenn nicht der wirtschaftliche Zwang ihm ein machte. Die Wirtschaftskrise macht selbst den begüterten Mohammedanern die Unterhaltung mehrerer Frauen zu einer Unmöglichkeit. Immer seltener wurden in den letzten Jahren neue Harems eingerichtet. Die alten starben allmählich aus und wurden nicht mehr aufgefüllt. In den allerletzten beiden Jahren ist weder ein neuer Harem gegründet noch eine einzige Doppelehe eingegangen worden. Jeder Mohammedaner hat sich seitdem mit einer einziger» Frau begnügt. Gleichzeitig hat sich auch unter der jugoslawischen Jugend eine starke Bewegung geltend gemacht, die auf eine gänzliche Loslösung von den alten Bräuchen hinzielt. Immer oster kann man in den Straßen junge Frauen sehen, die das Gesicht offen zur Schau tragen(diese Entwicklung ging in Etappen, eine Zwischenstufe waren die durchbrochenen und durchsichtigen Schleier und die Sitte, die Schleier außerhalb der Stadt abnehmen, wenn es nicht allzubiele sahen), und die männliche Jugend unterstützt diese Bestrebungen. So hat man aus alten Gesetzen herausgefunden, daß nach den mohammedanischen Vorschriften der Mann nur dann eine zweite Gatttn hinzunehmen darf, wenn die erste Frau dazu ihre Einwilligung gibt. Das war ein geschickter Versuch, die Tradition gewissermaßen zu umgehen. Diese-alte Bestimmung wurde überall publik gemacht und trug das ihrige dazu bei. Denn man kalkulierte mit Recht, daß sich kaum so leicht eine Frau zum Einverständnis mit einer Vielehe bereit finden wird. Filmstar schon vor der Geburt Filmgesellschaft wartet auf ein Neugeborenes , Efne Filmgesellschaft, die den Roman„David Copperfield" von Dickens zu verfilmen beabsichtigt, benötigt dazu ein neugeborenes Baby, das inzwischen schon vertraglich verpflichtet wurde. Es ist allerdings noch nicht auf der Welt. Wenn es vier Tage und elf Stunden alt sein wird, kommt es zum ersten Mal vor die Filmkamera. Es verdient eine Gage von 75 Dollar täglich. Selbstverständlich haben die Behörden ganz strenge Vorschriften für diesen Sonderfall erlassen. Der kleine Star, das Kind eines jungen Statistenpaares, darf täglich nicht länger als 20 Minuten filmen und niemals länger als 30 Sekunden hintereinander. Von nachmittags 5 Uhr an muß es seine Ruhe haben. Ein ähnlicher Fall wird übrigens auch aus Mailand berichtet. Dort erwartete die Tochter Toscaninis, die mit dem berühmten russischen Geiger Wladimir Horowitz verheiratet ist, schon in dett nächsten Woche» ein Kind. Als der Manager des Geigers, Harold Halt, von dem bevorstehenden freudigen Ereignis erfuhr, machte er dem jungen Ehepaar sofort einen Engagementsantrag für das Baby. Er erklärte, ein Kind, das so große Künstler zu seinen Eltern habe, müsse unter allen Umständen hochmusikalisch sein, und deshalb könne man ihm ohne Risiko einen Engagementsantrag machen. Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Freitag, den 26. Oktober, abends acht Uhr im Monopol(gegenüber Masaryk- bahnhof) Frauen- und Mädchenabend Genossin' Emma Riedel spricht über „Die internationale genossenschaftliche Fraurn- konftrenz in London". Sport»Spiel• Körperpflege Die Meisterschaft der belgischen Arbeitersntzballer ist im vollen Gange. Die Uebersicht in den einzelnen Provinzen ergibt folgendes Bild: BrabantL Es führt„Avenir" Jette(Meister von 1933) mit zwei Punften vor Vilvorde und Urcele. Diese drei Mannschaften sind schon seit Jahren die besten dieser Provinz.— Flandern: An der Spitze steht Menin, eine der ältesten Mannschaften des Verband des, vor Mouscron.— Lüttich: Hier ist die Ueberraschung Tongas, das die meisten Punkte besitzt; dann folgen Mous und Montegue.— Antwerpen: Der Meister„Groen-Wit" mußte den ersten Platz an„Raede Zou"(einen Punkt Vorsprung) abgeben.— Hainaut: Auch hier hat ein „Außenseiter" die erste Stelle eingenommen: Bum- les, das Ath und Quaregnom hinter sich ließ.—- Im großen und ganzen kann festgestellt werden, daß die Qualität der Spiele die gleiche wie im Vorjahre ist. In bezug auf Hebung der Spieltechnik wird alles unternommen, so daß die Möglichkeit vorhanden ist, dieselbe auf ein höheres Niveau zu bringen. Di« Spiele der Sowjetfussballer mit den Bürgerlichen— gegen Sparta Prag und Sparta Kladno — kommen nicht mehr zum Austrag, da die Verhandlungen wegen Terminschwierigketten zu keinem entsprechenden Abschluß führten. Die Russen tragen daher ihre letzten drei Spiele mit Mannschaften der FPT aus. Im nächsten Jahre wollen sie wiederkommen und dann eventuell— außer den beiden diesmal nicht ausgetragenen Spielen mit obigen Klubs — auch ein Länderspiel mit der EsAF austragen, /j Sportkrieg Finnland—Schweden. Als seinerzeit auf Betreiben der schwedischen Berbandsmacher von der bürgerlichen Leichtathletik-Internationale der Finne N n r m i zum Profi erllärt wurde, hatte diese Maßnahme in Finnland große Erregung hervorgerufen. Die weitere Folge war, dich die Finnen mit d«n Schweden keine leichtathletischen. Wettkämpfe mehr äüstrüge'n. Von feiten der Schweden glaubte mau nun diese Affäre als beendet ansehen zu können und sie luden finnische Leichtathleten zu einem Meeting ein. Die Finnen verboten aber den Start in Schweden und bewiesen damit, daß sie den„Kampf um Nurmi" noch unentwegt weiterführen. Der Sowjetboxer Michailow, der bei seinen Kämpfen in der Tschechoslowakei gefiel, soll angeblich Angebote zum Uebertritt ins Profilager erhalten haben. Die geschäftstüchtigen Manager kamen aber nicht auf ihre Rechnung: der Russe lohnte ab. Verclnsnadiriditen Genossinnen! Genossen! Am Mittwoch, den 31. Oktober, um 8 Uhr abends hallen wir iw Hotel Monopol. Prag II.. Hav- lldkyva 5(gegenüber Masaryk- Bahnhof) unsere PRAG Generalversammlung ab. Wir erwarten die Teilnahme aller Mitglieder/ Prof. Kozäk von der ffchechischen Karls-Universität spricht am Freitag, den 26. Oktober, in der Kantgesellschaft(Urania- Klimentskä) über das Thema„Marxismus in der Praxis". Beginn 8 Uhr. Urania-Kino, Kllmentsha 4. Fernsprecher 61623. Die Töchter ihrer Exzellenz Ein reizendes Lustspiel mit Adele Landrock. Hansi Riefe, Käthe von Nag», WM Fritsch etc. Wonnements- Bestellschein. Abonniere ab i.« 1934 daS täglich erscheinende Zentralorgan der deuffchen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „<3oaial&emofrat" Verwaltung Prag Xll., Fochova ti. 62, zum Preise von 16 Kc monatlich, und sende diese» Betrag nach Erhalt deS Erlagscheines ein. Name:. Genaue Adresse: Letzte Poft,: Unterschrift:. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.— ganzjährig Kd 192—— Inserate werden laut Tarff billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirettion mit Erlaß Rr. 13.800/VII/19S0 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zettungs-A.-G. Prag