IENTRALORGAN DER DEUTSCHENSOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova a. Telefon sw7. ammnzstrauon telefon sw«. HERAUSGEBER> SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMU. STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heiter (einschließlich 5 Heller Porto) ÄylaA 14. Jahrgang Dienstag, 30. Oktober 1934 Nr. 254 Der König von Siam will abdanken weil das Parlament die königlichen Rechte erweitert Der König von Siam, der in Europa weilt (und Heuer auch Prag besucht" hat), ist in Konflikt mit der Nationalversammlung seines Landes geraten und hat von London aus seinen Entschluß verkündigt, des Thrones zu entsagen, wenn die Nationalversammlung sich nicht einem Plebiszit unterwirst. Der BerfassungSkonflitt, um den es sich in Siam handelt, ist einer der intereffanteste«, den es je gegeben hat. Gewöhnlich geraten Staatsoberhäupter dann in Streit mst den Parlamenten, wenn diese mehr Rechte beanspruche« und die Rechte der Krone einschränken. In Siam ist es umgekehrt. Das Parlament hat das Strafrecht reformiert,«. zw. in dem Sinne, daß bei einer Verurteilung zum Tode oder zu lebenslänglichem Kerker die Unterschrift des Königs sein soll. Der König weigert sich, das Gesetz zu unterzeichnen und fordert eine Kolksabstimmung darüber. Wahrscheinlich spielt dabei die Furcht vor Blutrache eine wesentliche Rolle. Es ist aber auch möglich, daß sich hinter dem formellen Konflikt »och andere Gegensätze verbergen. Die Nachricht von der geplanten Abdankung.des Königs Prad- schadhipok soll in Bangkok große Bestürznng her- vorgrrufen habm. Die Armee soll zwiespältiger Auffassung sei». Angeblich sinh Bemühungen im Gange, den Streit bcizulcgen. Tas entscheidende Wort dürste wohl als der an Siam meist interessierte Staat England sprechen. Chinesisches Kommunistenheer geschlagen Shanghai. Die chinesischen Regierungstruppen haben bei Anjuan in Südchina ein 80.000 Mann starkes Kommunistenheer vernichtend geschlagen. Die Verluste an Toten und Verwundeten werden auf 10.000 geschätzt. Nachdem zwischen den Regierungstruppen und den Kommunisten in Südchina seit längerer Zeit wechselvolle und für beide Teile sehr verlustreiche Kämpfe stattgefunden hatten, Hecken anscheinend die Luftstreitkräfte der RegicrungStruppen eine Entscheidung herbeigeführt. Chinesischen Pressemeldungen zufolge haben zwei Flugzeugge- schivader die Kommunisten angegriffen und ihnen sv starke Verluste beigebracht, daß es den Regierungstruppen gelang, die ins Wanken geratene Front der kommunistischen Truppen zu durchbrechen., Rüstungsausgaben viel höher als vor dem Krieg Washington. Zwei Mitglieder der Bereinigung für Außenpolitik haben einen Vergleich zwilchen den Militär-, Marine- und Luftfahrtshaushalten mehrerer Staaten und den entsprechenden Zahlen aus dem Jahre 1913 aufgestellt. Hieraus ergibt sich eine allgemeine Zunahme der militärischen Ausgaben. Japan stehr mit einer Erhöhung der Ausgaben um 358 Prozent an der Spitze, dann folgen die Vereinigten Staaten mit 190.9 Prozent, Großbritannien mit 48:8 Prozent, Jralien mit 26.3 Prozent und Frankreich mit 25.8 Prozent. Verden die Todesurteile voll streckt 7 Madrid.(Havas.) Wie verlautet, werden die Repressalien gegen die Aufständischen in Asturien nicht allzu umfangreich sein, jedoch m i t aller Strenge durchgcführt werden. Dem[ Ministerpräsidenten Lerroux wurden jetzt die: A-tcn von 20 zum Tode Verurteilten unterbreitet.. Prieto entkommen Paris. Der ehemalige spanische sozialistische Minister Prieto, der nach den letzten Ereignissen von der spanischen Polizei gesucht wurde, traf Montag nach einer dramatischen Fahrt auf dem Meere an der französischen Atlantikküste knapp an der Grenze unweit St. Jean de Lus ein, und fuhr unverzüglich nach Paris. Am Sonntag, 4. November: Scdis Auimärsdic der deutschen Sozialdemokratie Sdiadi dem getarnten fasclsmus! Am Sonntag finden sechs Massenknnd gedungen der deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterschaft statt: in Karlsbad, Komata«, Teplitz-Schöna«,Bodenbach,Mährisch- Sch ö n b e r g nnd Jägerndorf. Bom Egerland bis Schlesien hinüber wird die Front der republikanischen Wachsamkeit, die Front gegen Kriseanot nnd Fas'cismns kraftvoll in Erscheinung ttettn. Die Kunde von diese« Veranstaltungen hat elekttisierend in den Reihen der sndetendentscheu Arbeiterschaft gewirkt. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Der alte Kampfgeist ist in allen Aufmarschgebiete« wieder lebendig geworden. In fieberhafter Eile werde» Sammlungen veranstaltet, nm auch den arbeitslose« Mitkämpfern die Teilnahme zu ermöglichen. Der kommende Sonntag wird den««gebrochenen Mnt und die Opferbereitschast der deutschen sozialistischen Republikaner erneut unter Beweis stellen. Genossen und Genossinnen I Wir nehmen den Fehdehandschuh auf, de« Herr Henlein in Böhmisch-Leipg der deutschen Arbeiterbewegung dieses Landes hingcworsc» hat. In unseren Kundgebungen wird das andere S u d e» t e n d eut s ch tum in Erscheinung treten, das Bolk der Arbeit mit seiue» sozialen Nöten»ud Forderungen, mit seiner antifascistische« Entschlossenheit, mü seinem unbeugsamen Freiheftswillen. Jetzt gilt es alle Kräfte anfznbiete« für eine« machtvolle« Verlauf der Kundgebungen des 4. November. Genaue Belege Ober die deutschen Rüstungen Paris.(Havas.) Kriegsminister Marschall Petain erstattete im Finanzausschuß der Kammer ein Expos« über die Berwendnng der Kredite für die Rationalverteidigung. Er machte mit g e- nauenBrlegen ans das ständige Anwachsen der Effektivstände und der Offensivwaffen der denffchen Armee aufmerffam und hob die Notwendigkeit der Sichernna Frankreichs durch die notwendige Berteidignngsansrüstung hervor. Petain machte in diesem Ansammenhang namentlich ans die Schwierigkeiten aufmerksam, die nach dem Plebiszit im Saarge- d i e t austreten können, nnd ersuchte schließlich nm die Bewilligung von Nachtragskrediten für eine Vermehrung der Vorräte an Kriegsmaterial. Wir treten an! Die Front der sozialistischen Republikaner Es ist nicht das erstemal, daß die politischen Wellen höher schlagen in Deutschböhmen, in Nordmähren und Schlesien. Immer wieder hat das sudetendeutsche Bürgertum zum Schlage gegen die freie Arbeiterbewegung ausgeholt. Man schrieb das Jahr 1908. K. H. W olf eilte der Höhe seines Ruhmes zu. Seine Versamm- lungsfahrten glichen Triumphzügen. Wo er eintraf, wurden die Pferde von seinem Wagen ausgespannt und das Fuhrwerk von begeisterten Anhängern unter Heilgebrüll durch die Stra-. ßen gezogen. Am Vorabend des 1. Mai forderte der deutschradikale Bürgermeister von Teplitz. Schönau mit einem Flugblatt die Hausbesitzer auf, beim Vorbeimarsch der Arbeiterzüge die Dachziegel zu lockern. Die völkischen Turner wurden gegen die Arbeiter mobilisiert, zum Sturm vorgeschickt gegen die Redaktion der Tcp- litzer„Freiheit" und gegen die Bezirkskrankcn- kasse. Diese Institutionen standen unter der Führung Josef Seliger s, jenes Man- nes, dessen Andenken heute noch die Schrift, leiterpresse schändet, indem sie es gegen Hie deutsche sozialdemokratische Bewegung auszu- spielen versucht. Wo es zu Zusammenstößen kam, stand die Gemeindepolizei auf der Seste der nationalistischen Angreifer, prügelle in die Reihe« der angegriffenen Arbester hinein. Aber die kampferprobten Bataillone unserer Arbeiterschaft boten der Meute ihrer haßtobenden Feinde unerschrocken die Stirn. In Teplitz stellte sich Seliger selbst an die Spitze seiner Ge- treuen und schwang seinen knorrigen Eichenstock gegen die Söldner des deutschvölkischen Unternehmertums. Ein Vierteljahrhundert ist seither vergangen. K. H. Wolf ist längst eine politische Leiche. Die jüngere Generation kennt seinen Namen nicht mehr. Die„Rundschau" des Herrn Wolf, die Vorläuferin der Henleinschen„Rundschau" hat die Katastrophe der.deutschbürgerlichen Politik nach dem Kriege nicht überlebt. Mer die freie Arbeiterbewegung, die tausendmal totgesagte Sozialdemokratie ist noch da und wird ein Faktor der sudetendeutschen Politik bleiben. Sie hat die Stürme des Weltkrieges überstanden, die Jahre der Spaltung und. des Bruderzwists und ein halbes Jahrzehnt furchtbarsten Krisenelends der arbeitenden Menschen. Nun hält die deutschvölkische Reaktion ihre Stunde wieder für gekommen. Sie glaubt die Reihen der Arbeiter erschMert und zermürbt durch die entsetzliche Not. In den Henleins und Sandners vermeint sie Werkzeuge gefunden zu haben, die von keiner Mitschuld an der arbeiterfeindlichen Katastrophenpolitik des deutschen Bürgertums befleckt sind. Auch dem tschechischen Lager will sie„neue Männer" präsentieren, um jenes Vertrauen erschleichen zu können, das die Jung und Krebs und Kallinas für alle Zeit der- wirkt habm. Die deutschen Arbeiter werden solche Manöver-nicht zu täuschen vermögen! Sie erkennm im Wesen der Heimatfront wieder die alte Feindschaft gegen die Demokratie, den Geist eines aufgeblasenen Herrenmenschentums, das die friedliche Zusammenarbeit der Völler, den sozialen und kulturellen Auffüeg der schaffenden Menschen mit allen Mitteln der Lüge und Ge- walt verhindern' will. Wir kennen den Inhalt jener sagenhaften Vollsgemeinschast, die von Henlein ernmt angepriesen wird; den nackten Egoismus eines durch eigene Schuld bankrotten Unternehmertums, den Kastengeist einer sogenannten Fntelligenzschicht, die den deutschen Arbeiter seit eh und je nur als politischen Statisten und Stimmvieh gekannt hat. Wozu weitschweifiges Gerede über politische Gruppierungsftagen und darüber, in wel- chen Grenzm Henlein seinen politischen Tctali- tätsanspruch erhebt? Es geht wiederum um einen Generalangriff gegen die freie Arbeiter, bewegung, der die Bahn freimachen soll für nationalistisch-fascistische Abenteuer. Wagt Hen- Ter Budget-Berichterstatter machte darauf aufmerksam, daß der für diese Zwecke früher bewilligte Kredit von 310 Millionen Franks dem tatsächlichen Bedarf nicht entspreche nnd daher erhöht werden müsse. Schuschnigg:„Wenn Sie mir erklären, daß Sie anderer Gesinnung geworden sind, meine Herren, lasse ich Sie gerne herein...- Sette L DienStag, 30. OktoSer 1934 Nr. 254 Gedenkfeier für Karl termak Mittwoch, den 7. November, nm 11 Uhr Vormittag findet am Grabe Karl Eermaks am Wolschaner Friedhof beim alte« Krema- torium, eine Gedenkfeier statt, an der sich sowohl Vertreter von Parteiorganisationen aus der Prodis, als auch die Prager Genossen beteiligen. lein zu leugnen, daß sein vorgeschützter Kampf gegen den Marxismus die gleichen Ziele hat, wie der gleichgerichtete Kampf Hitlers: die Bernich- tung der freie« Gewerkschaften«nd aller politt- schen, genofseaschastlichen und kulturellen Organisationen, welche sich die Arbeiter in Jahrzehnte« opfervoll anfgebaut habe«? Er, der noch nicht verrecken hat, ob er einen einzigen Buchstaben ttrfctet sozialpolitischen Gesetzgebung krnick. er, der noch in keinem Lohnkonflikt, bei keiner Betriebsstillegung ein Wort zugunsten der proletarischen Daseinsansprüche gesagt, der die Tatsache der riesenhaften Arbeitslosennot nicht einmal erwähnenswert findet, wagt es, sich als Wortführer des gesamten Sudetendeutschtums, also auch der Arbeiter, Angestellten und der Ar- beitslosen und der Kleinlandwirte, die drei Bier- tel der Nation repräsentieren, aufzuspielen? Auf die se Anmaßung werden ihm die Kundgebungen des 4. No- vember die gebührende Antwort erteilen! Mag sich die Mehrheit des deutschen Bür- gertumS würdelos den politischen Usurpatoren von der Heimatftont anbiedern und in den schwersten Tagen unsere- JndustricvolkeS nur auf die Rettung ihrer Mandate bedacht sein, die sie der gehaßten und verfluchten Demokratie zu verdanken hat, wir treten a«! Gegen die schlecht getarnte Fascistenftont Henleins lassen wir die Front der sozialistischen Republikaner aufmarschieren, in die nicht nur die Arbeiter und Arbeiterinnen, sondern alle fteiheitlichen und| wahrhaft demokratischen Menschen unseres Volkes gehören. Unsere Kundgebungen am 4. November werden den Entscheidungskampf zwischen den sozialistischen Aufbaukrästen und den natio- nalistischen Zerstörungsgewalten im Sudetendeutschtum einleiten. Der Elan unserer Jugend, I die tausendfach bewährte herrliche Treue unserer Männer und Frauen, das trotzige Selbstbewußt- sein des sudetendeutschen Proletariats werden ihn siegreich zu Ende führen! Dr. Englß In Bukarest Bukarest. Montag um 17 Uhr wurde hier die Konferenz der Leiter der Emissionsbanken der Meinen Entente-Staaten eröffnet. Für die Tsche- choflowakische Nationalbank nimmt Dr. Englis teil. Das Verhandlungsprogramm enthält währungspolitische Fragen aller drei Länder, hauptsächlich betreffend die Stabilisierung und die Erhöhung des Warenaustausches, die Vereinfachung des Transfers und die Zusammenarbeit aller drei Länder bei internationalen Beratungen zum Zwecke der Vertretung der gemeinsamen Interessen. Mißbrauch der Sowjetsportler am 28. Oktober Verhaftung und Ausweisung der Russen Rach den immerhin bedeutungsvolle« Erfolgen, welche die russischen Sportler auf einige« Sportplätzen im Kampfe mit bürgerlichen Sportlern zu verzeichnen hatten, kommt nun daschlimme, in ihrem Programm kaum vorgesehene Schlußspiel. Die Raffe«, die Sonntag, den 28. Oktober von Kaschau aus die Heimreise««treten sollten, ließen sich— wohl in völliger Unkenntnis der Sachlage— von den einheimischen Kommunisten zur Teilnahme an einer— gerade am 28. Ottober sehr deplazierten— Kundgebung verleiten. Sie zogen inmttten eines — allerdings sehr kläglichen— Demonstrationszuges durch die Stadt Kascha«, wobei einige Lieder gesungen wurden. Die Polizei schritt gegen die Demonstranten rin und nahm den ganzen Demonstrationszug gefangen. Unter den Verhafteten befanden sich zehn Ruffensportler«nd der Abgeordnete Lallö, der Führer der Demonstration. Ballö wurde kurz nach seiner Verhaftung wieder freigelaffen, die übrigen Teilnehmer der Kundgebung aber in Hast behalten. Die russi- schen Sportler wurden noch im Laufe des Montag dem Polizeigericht zur Besttafung überstellt und werden sofort nach Verbüßung der Strafe aus der Tschechoslowakischen Republik a«sgewie- sen werden. So endet eine Aktion, die von Rußland zu propagandistischen Zwecken eingeleitet wurde, dank der Dummheit unserer Kommunisten, mehr als blamabel für die Ruffen. Seriöse und verantwortungsvolle Opposition Wir haben schon bei der Besprechung des Rechnungsabschluffes für das Jahr 1838 darauf hingewiesen, wie leichtfertig die„Deutsche Presse" mit Ziffern umgeht, um unter dem Schein„demokratischer" Kritik das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben. Die„Deutsche Preffe" hat unsere Anprangerung dieser Methoden schweigend hinnehmen müssen. Das hindert sie aber keineswegs, bei der Besprechung des Voranschlages für 1838 womöglich noch tollere Purzelbäume zu schlagen.„Papierener Staatshaushalt",„irreführendes Bild der Staatswirtschaft", „leere Fiktion",„verunglückte Beschönigungsversuche", das ist nur eine kleine Blütenlese aus der Kritik der„Deuffchen Preffe". Mit welcher Gewissenhaftigkeit sie dabei vorgeht, dafür bloß ein einziges Beispiel: Mit jener Stirn, die nach dem bekannten Wort bester ist, als ein Meierhof, behauptet die„Deutsche Preffe", daß der Ertrag der Einkommensteuer mit 885 Millionen(einschließlich der Militärtaxe von 10 Millionen) um nicht weniger als 270 Millionen höher veranschlagt wurde als für 1834. In Wirklichkeit ist die Einkommensteuer im rein administrativen Budget mit 878 Millionen gegen 770 Millionen veranschlagt, was schon eine Differenz von 208 und nicht von 270 Millionen ergäbe. Da aber die„Deutsche Preffe" überdies die gute Idee hat, für 1838 die Milttäxtqre, b« r ,mit 10 Millionen veranschlagt ist, dazuzuschlagiffl, während sie sie für 1934, wo sie mit 38' Millionen präli- miniert war, nicht hinzurcchnet, vermindert sich die Differenz um weitere 25 Millionen. Das Entscheidende ist aber, daß auch diese wesentlich geringere Differenz in Wirklichkeit nicht besteht. Das gesamte Einkommensteuererträgnis ist nämlich mit 1.137 Millionen gegen 1.088 Millionen im Vorjahre fast gar nicht—im ganzen um 4 Prozent— höher veranschlagt und die Differenz im administrativen Budget ergibt sich nur daraus, daß für 1935 ein größerer Teil der Ueberweisungen der Hl. Budgetgruppe für Arbeitslosenfürsorge der Umsatzsteuer und ein kleinerer Teil der Einkommensteuer entnommen wird, was alles auf Seite 118 des Staatsvoranschlages sehr deutlich zu sehen ist. Der Mann, der sich da zum Richter über die Vertrauenswürdigkeit des Staatsvoranschlages aufwirft, hat ihn also entweder überhaupt nicht gessenoderseineZiffernbe- wußt verfälscht! Die„Maffia" als Vorbild? Es wird uns geschrieben: Während Herr Henlein, der selbsternannte Führer der„Sudetendeutschen Heimatsfront" sich krampfhaft bemüht, in Wort und Schrift seine Loyalität dem demokratischen Staate gegenüber zu versichern— ohne sich jedoch für die Demokratie zu binden— zwinkern viele seiner Anhänger lächelnd mit ihren Aeuglein. Wer Gelegenheit hat, mit ihnen direkt oder indirekt Fühlung zu nehmen, weiß es, daß sie die feierlichen Erklärungen Henleins, er stehe treu zum tschechoslowakischen Staate und habe mit Hitler nichts gemein, absolut nicht ernst nehmen. Die Nazi-Mannen Henleins erklären nämlich hie und da ganz deutlich: wir wissen schon, wie es gemeint ist. Wirmachen esgenau sowiedie— Tschechen im alten O e st e rr e i ch. Nach außen hin waren die Tschechen Habsburg gegenüber loyal, während sie im stillen gegen das Kaiserhaus und Oesterreich konspirierten, was ja besonders im Kriege durch das Wirken der„M a f f i a" im In« und Auslande offenkundig wurde. Damals waren die Maffisten Hochverräter, heute find' sie Helden, sprechen die getarnten Nazis der Henleinfront. Es entscheide eben der Erfolg. Da dieser auf geradlinigem Wege nicht erreichbar sei, werde eben der Umweg der politischen He ucheleiunddes Betruges gewählt. Da bewußte Lüge und Irreführung zu den bekanntesten und leider auch erfolgreichsten Kampfmethoden der Nazis gehört— Dr. Goebbels ist darin ja Meister— ist es sehr naheliegend, daß die heimischen Nazis sich desselben Mittels bedienen, um die Tschechen zu übertölpeln. Da der übergroße Teil der Henleinanhänger aus„ehemaligen" Nazis und Deutschnationalen besteht, ergibt sich der groteske Fall, daß der Führer ganz anders spricht, als die Mehrheit seiner 34 »»UNO ADLER: Copyright 1984 by Michal Kacha Verla«, Fra* XIX Auch die tschechische Preffe hetzt weiter. Nur„Närodni Lisch", vom Entzug jüdischer Inserate bedroht, rücken ab:„Als die tschechischen Geschworenen den Juden Hilsner zum Tode durch den Strang verurteilten, da nannten uns die deutschen Judenfrester sofort geliebte Brüder, Helden der Intelligenz und Wahrheitsliebe, Beschützer der arischen Rasse... Die Verurteilung eines einzigen Juden genügte, uns in die deutsche Walhalla aufzunehmen. Selbstverständlich machen wir uns nicht das mindeste aus dieser fragwürdigen Ehre. Wir stellen es nur fest, um zu zeigen, mit welch schadhaftem Fonds polittscher Ehre und Konsequenz der deuffche Antisemitismus disponiert." Aus Wien treffen Meldungen ein, die der Affäre eine Wendung zu geben scheinen. Die Regierung Thun ist von einem Beamtenkabinett unter Graf Clary abgelöst worden. Es scheint, als sei der neue Justizminister Hartl den Einflüffen, die auf eine Revision des Prozesses Hilsners hinarbeiten, zugänglicher als sein Vorgänger Ruber. Der Kuttenberger Staatsanwalt Schneider-Swoboda soll sich, heißt eS, vor seiner vorgesetzten Behörde verantworten. Und nicht nur dies— das Gericht wird die Untersuchung gegen die Mutter und den Bruder Hruza eröffnen, und angeblich hat eine hohe Persönlichkeit in Böhmen, vermutlich der Statthalter, eingegriffen: in zweimal 24 Stunden, liest man am 12. Oktober,„wird die Sache vollständig zu Gunsten der Juden enthüllt sein". Das Justizministerium sei bereits hinreichend informiert und habe entsprechende Weisungen an den Prager Staatsanwalt Merhartt er gehen lasten. An den Gerüchten scheint etwas Wahres zu sein. Eine Gerichtskommission nimmt eine Hausdurchsuchung bei Frau Hruza in Klein« Wiesnitz und bei ihrem Sohn vor, der jetzt in Zbi- retz wohnt. Polna ist aufs Aeußerste gereizt, droht mit Aufruhr, und Bürgermeister Sadil teilt der Bezirkshäuptmannschaft Deutsch-Brod mit, daß er für Ruhe und Ordnung nicht bürgen könne, wenn sich solche Dinge wiederholen sollten. Zur selben Zeit treffen sich in Prag der radikale deutschvölkische Abgeordnete Ernst Schneider, der radikale Tscheche Dr. Baxa, der Redakteur Jaromir Husek und der Herausgeber des anttsemiti- schen„Deuffchen Volksblatts" in München. Ein gemeinsamer Aktionsplan ist nöttg, denn die Erregung im Volk wächst unter dem Druck der politischen Ereignisse von Tag zu Tag. Die Badenischen Sprachenverordnungen sind aufgehoben worden, das tschechische Kleinbürgertum rebelliert. Eine neue Form der Demonstration ist entdeckt. Bei den Kontrollversammlungen der militärischen Reservisten ist es Vorschrift, daß sich die namentlich Aufgerufenen mit„Hier!" zu melden haben; denn die Armeesprache ist die deuffche. Neuerdings erklärt man nun auf tschechischer Seite, die Kontrollversammlung sei kein militärischer Akt, dem Reservemann müffe es daher, da er als Zivilist erscheine, freistehen, sich in seiner Muttersprache zu melden. Daraufhin lauten die Antworten der Reservisten in vielen tschechischen Orten nurmehr „Zde!" Jeder unbotmäßige Rufer wird bestraft. Die Folgen sind geräuschvolle Kundgebungen, Straßenkrawalle, da und dort blutige Exzeffe. In den Kleinstädten von Böhmen und Mähren geht es gleichzeitig los. Hervorgelockt von den chauvinistischen und klerikalen Drahtziehern, füllt das Boll die Straßen, schreit seine Not in den polittschen Parolen des Tages hinaus, und da sich kein anderer Gegner so dem Angriff darbietet wie die Juden, endet es immer mit Plünderungen und Raub. Die Leute veffehen sich im vorhinein mit Schiebkarren und Einbruchswerkzeugen, wenn sie ausziehen, um für das historische Staatsrecht und gegen die Sprachenverordnungen zu manifestieren. Was sich aus den Läden und Wohnungen mitschleppen läßt, wird fortgetragen, das übrige zerstört, zum Schluß ein. kleines Feuer angelegt. Das jungtschechische Bürgertum hat seine Freude daran. So ist es in den Weberbezirken, aber auch im agrarischen Jünern des Landes, im Böhmerwald und in Schlesien. Politische Verhetzung, die Feindschaft gegen die Masarykpartei der Realisten und der Haß auf die österreichische Regierung münden allerorten in den antisemitischen Paroxismus. In Pardubitz wird die Mutter eins Arztes begraben, der der realistischen Partei angehört. Die patriotische Jugend begleitet den Leichenzug zwei Kilo- rneter weit mit Schimpfen, Singen und Pfeifen. Die Wohnung des Arztes wird gestürmt. Man ruft: Hoch das Staatsrecht! Nieder mit Clary! Den Galgen für Hilsner! Heil Baxa! In Velim bei Prag findet eine Tanzunterhaltung im katholischen VereinShaus statt. Man führt einen Sketch auf: ein Betrunkener wird als Agnes Hruza verkleidet und von einem Mann, der als Hilsner kostümiert ist, überfallen. Die katholischen Zeitungen sammeln Geld zur Errichtung eines Grabsteines für die Märtyrerin. Bot dem Bezirksgericht Deuffch-Brod soll sich ein Grundbesitzer verantworten, der mehrfach öffentlich behauptet hat, die Führer der Polnaer Inden seien vor das Prager Oberlandesgericht geladen worden, um dort auf die Thora zu schwören, daß die Juden kein Christenblut brauchten. Diese Erklärung abzugeben, habe sich der Rabbiner geweigert: er wolle nicht falsch schwören... Der Angeklagte gibt eine umfaffende Ehrenerklärung ab, leistet Abbitte, verpflichtet sich zum öffentlichen Widerruf und übernimmt die Kosten. Am nächsten Tag schon ziehen die Polnaer in die Judenstadt und schlagen, während die Gendarmen dicht daneben auf dem RinMatz stehen, den Juden die Fenster ein. Die Wohnung des Rabbiner- wird demoliert. Gefolgschaft denkt. Herr Henlein mag sich noch so sehr in Loyalismus bemühen, seine Mühe ist gerade bei seinen getteusten Anhängern für die Katz! Und bei den anderen?? Henlein—Hacker—Hetz Heimatfront und Landjugend Ueber die Verbindungen zwischen H e n l e i« und den beiden Führern der Landjugend dem— mehr theoretisierenden— Hetz und dem mehr dekoraffven Hacker gibt ein Konflift Aufschluß, von dem das„Prager Montagsblatt" Mitteilung macht. Hetz und Hacker haben im Karlsbader Kreis des Landbundes den Kreissekretär Türmer abgesägt und an seine Stelle einen Mann ihrer Richtung, den Buchauer Bezirkssekretär Reinhold Riedl, gesetzt. Türmer soll Gelegenheit erhalten, sich vor einem außerordentlichen Kreisparteitag zu verantworten. Inzwischen verbreitet aber Türmer ein Rundschreiben unter seine« Freunden und anderen Mitgliedern des Landbundes, in dem er gegen die Hetze protesttert, die gegen ihn entfeflelt wurde. Er schreibt: ,Zch protestiere dagegen, daß die deuffche Landjugend gegen mich aufgehetzt wird und daß diese darüber hinaus zu politischen Zwecken mißbraucht wird! Die j u n g e n Menschen werben in n n v e r a n t wo rtlicher Weis« radikalisiert, so daß die Gefahr besteht, daß eines Tages nicht nur der unpolittsche Verein des Bundes der deutschen Landjugend selbst aufgelöst, sondern daß dadurch auch der Bund der Landwirte in Schwierigkeiten kommt. Türmer behauptet dann, daß der Kreissekretär Riedl ein Mann der SHF sei. Er schreibt: „ES ist kein Geheimnis, daß der jetzige Kreisjugendführer Riedl in seiner Eigenschaft als mein Nachfolger in der Kreisgeschäftsstelle des B. d. L. mit der SHF so Zusammenarbeit e t, daß diese Organisation bei Versammlungen sich auf Riedl bezieht und neue Ortsgruppen in re4n landwirtschaftlichen Orten gründen kann. Somit wird unsere politische Organisation desB. d. L. s h st e m at i s ch zugrundegerichtet. Ich stell« das fest, weil ich es für unverantwortlich halte, daß man die eigene politische Organisatton, die noch dazu die Mitverantwortung in der Regierung übernommen hat, einer neuen Organisatton ausliefert, die bis heute noch nicht anerkannt und deren Zielsetzung»och nicht entschieden ist". Das ist wohl deutlich. Es wird durch die polemischen Wendungen, die H a ck e r auf der Kreis« tagung.in P c t s ch a u gebraucht hat, nicht entkräftet, sondern unterstrichen: Denn Hacker hat, als er das erstemal ein paar Wotte gegen Henlein sprach, sich nicht gegen deflen zweideuttge Haltung zur Demokratte, nicht gegen die offensichtliche Verwandtschaft mit Hiller gewandt, vielmehr gegen Henleins„nationale Würdelosigkeit" und„überflüssige Loyalitätshascherei". In der sudetendeuffchen Polittk spielen di« drei H— Henlein, Hacker, Hetz— ein gefährliches Spiel mit verteilten Rollen. Die Erfolge der SHF sind ohne das Bündnis HHH nicht vorstellbar. Darauf kann man nicht ost und deutlich genug Hinweisen. Dem Fascismus, der unter Jung und Krebs nur eine städtische Erscheinung war, haben die Hetz und Hacker erst den Weg ins Dorf gebahnt. In der Wiener Wochenschrift„Die Zeit", an der er seit ihrer Gründung mitarbettet, veröffentlicht Masaryk eine Untersuchung über„Sprachenordnung und Antisemitismus". Die Gewalt« tättgkeiten in Böhmen und Mähren gällen nicht, wie Baxa es darstellt, der allgemeinen polittschen Unzufriedenheit. Pjelmehr Hecke eine gewiffenlose Journalistik diese Unzufriedenheit mit Hilfe alberner Fabeln und blutrünstiger Arttkel methodisch gegen die Juden gelenkt. Lügen, Aufbauschungen, Stimmungsmache dienten dazu.„Und kein Abgeordneter, kein öffentlich tätiger Mann hat sich gefunden, diesem gemeinen und verrohenden Treiben ein Beto entgegenzurufen." Die geisttge Führung der demagogischen Hetze hatten die Klerikalen inne. Daß das nationale Moment im.Anttsemi- ttSmus nicht viel bedeute, beweist die Zusammenarbeit der tschechischen mit den deuffchen Chauvinisten. Entscheidend ist der wirtschaftliche Beweggrund.„Der klerikale Antisemitismus ist ökonomischer Fetischismus, und diesem ist der Jude für olle ökonomische und moralische Not theorettsch die erklärende Ursache, praktisch der Prügelfetisch... Alles bestätigt die allgemeine Diagnose: daß di« Sprachendemonstrationen viel mehr sozialer als politischer Natur sind." Seit dem Urteilsspruch von Kuttenberg übernimmt auch die katholischeKirche offiziell die Blutbeschuldigung. Drei tschechische Pfarrer verfaffen Schriften über daS jüdische Verbrechen von Polna, und der Bischof Brynhch von Königgrätz hält einen Bortrag„Das Blut", der eine einzige Rechtferti- gung des Glaubens an den Ritualmord ist. Er erscheint in dem der Aufficht des Erzbischofs Kohn in Olmütz unterstehenden Organ„Obnova" und nimmt den Weg durch alle kirchlichen Blätter des Landes. Da die obere Kirchenbehörde solcherweise in den Kampf eingreist, sieht es der niedere KleruS erst recht als Pflicht an, seinen ganzen ungeheuren Einfluß auf die Seele des Volkes aufzubieten. (Fortsetzung folgt.) Nr. 2Sk Dienstag, 30. Oktober 1834 Leite 3 Atus und Russcnspiclc Warum ist rS zu keiner Begegnung unserer| Länderelf mit den Ruffen gekommen? Und warum sind die Ruffen gezwungen, mit jedem Gegner und in iedem Ort Spiele auszutragen, die nun in aller Eil« abgeschlossen werden müssen, um überhaupt nur Spielmöglichkciten für die Ruffen zu schaffen. Zunächst zur ersten Frage. Unser„Atus"»Verband hat seit Bestand seiner Fiißballbewegung als feste Organisationsform grundlegend jede Spielverbindung mit bürgerlichen Verbänden oder solchen Verbänden, die mit bürgerlichen Vereinen Verkehr halten, abgelehnt. Es war also auch für uns eine klare Selbstverständlichkeit, daß das Verbot deS Spielverkehres mit Vereinen bürgerlicher Verbände bei den Verhandlungen mit den Ruffen ankrechterhalten werden mutz. Dies um so mehr, als die Ruffen ja als' „Arbeitersportler" gelten und innerhalb de«> .Situ«" und der.Föderation" so viele Spielmög-! lichtesten erhalten, daß sie einen Verkehr mit den bürgerlichen Verbänden nicht notwendig gehabt hätten. Unser« Forderung hat sich in allen Verhandlungen, die wegen eine« SpielabschluffcS geführt wurden, nur auf dieser Grundlage bewegt. Warum war e« trotz unserer Bereitwilligkeit nicht Möglich, zu einer Einigung zu kommen? Vor allem ist festzustellen, daß nie di« Ruffen als Verhandlungspartner auftreten, sondern d i e h i e s i g e n Kommunisten und daß dadurch diese Spiele (siehe Prag und„Rote Fahne") keine sportlichen, sondern politische Veranstaltungen werden sollten. Große AuSlandreisen können nur von Berban zu Verband abgeschlossen werden, und zwar zeitgerecht und ohne Vermittlung einer dritten Organisation. Wir sind bereit» sogar sehr gern bereit, die russischen Arteitersportler als unsere Gäste zu empfangen, wenn sie sich den landesüblichen Bestimmungen unserer Bewegung unterwerfen und wenn die Einmischung einer dritten Organisation unterbleibt. Denn eS kann uns doch niemand zumuten, tay-i send« Kronen aufzubringen, damit im Rahmen! unserer Veranstaltung der»lachende Dritte" sein Süppchen kochen kann. Warum haben die Ruffen als Verband nicht mit dem„Atus" offiziell verbandelt, bevor sic die Reise antraten? Das hat auch seinen Grund. Man wollte ja ursprünglich gar nicht mit den Arbeitersportlern spielen. Die Verhandlungen wurde« nur mit den bürgerlichen Vereinen geführt. Wochenlang vorher schon berichteten die Zeitungen, daß russische Sportler in der E. D. R. spielen werden. Warum wurden nicht gleichzeitig mit. dem„AtuS" di« Verhandlungen geführt, wann man, so wie heute behauptet wird, mit den Arbeitersportlern der E. S. R. Fühlung Nehmen wollte? Es kann uns doch niemand einreden, daß keine Möglichkeit bestand, mit dem„AtuS" zu verhandeln. Aber so wie immer versagte auch diesmal der kommunistische„OrganisationSopparat". Die Russen kamen auf Bestellung zur Auffrischung der kommunistischen Propaganda. Und als der Zeitpunkt der Russen. Der bürgerliche Fußballverband verweigerte zunächst die Zustimmung für Spiele mit seinen Vereinen, weil der russische Staatsverband der Visa nicht angeschloffen ist. Als die russische Mannschaft schon hart an der Grenze war, mußten um jeden Preis Spiele abgeschlossen werden, Jetzt erst erhielt der»Atu«" den ehrenvollen Auftrag, gegen russische Arbeitersportler zu spielen, aber nicht von den Russen, sondern von den Kommuni st en. Als» Lückenbüsser sollt« der„Atus" sei«, big die kommunistischen Rrvol«.tionäre an de« Verhandlungstisch des bürgerlichen Fußballver- bandrs treten durften. Daß wir für«in derartige« Manöver nichts übrig haben, ist selbstverständlich. Zu bedauern sind nur die russischen Fußballer. Die werden hin und her geschoben und wissen nicht, woran st« sind. Eine derartig mangelhafte Organisation einer Fußballer-Auslandsreise kann bei unserem kleinsten Verein nicht vorkommen. Man bedenk«, daß selbst em Spiel gegen den kommunistischen Verband-meister Bartelsdorf, das am 20. Oktober in Bartelsdorf stattfinden sollte, im lebten Moment nach Kopitz verschoben wurde, weil Differenzen zwischen Bartelsdorf und Görkau wegen des Austragungsortes austraten. Alles Hals über Kopf. Im Aussiger Bezirk wurde Kleische fss^den 20. Oktober verpflichtet. Als diese, jedoch den Gang der Dinge sahen und vor allem feststellen konnten, daß st« nur di« Zahler und die anderen die Prahler sein sollten, sagten st« die Vereinbarung ab. Mit Hochdruck bemühten sich nun die Aussiger Kommunisten, einen Ersatz zu stellen. Trotzdem sie sin Aussiger Gebiet kommunistische Fußballmannschaften besitzen, griffen sie auf„Atua"»Bereine und konnten auch die Vereine Aussig-Gla-hütte und Türmitz(die mehr vom Geld als vom ehrlichen Gedanken der„Sporteinheit" getrieben wurden) für ihr« Zwecke erhalte». Nun versucht man noch in aller Eile andere.Atus"-Verein- für Spiele zu gewinnen. Selbst fühlen sich die Kommunisten zu minderwertig, um sich mit ihren Gesinnungsgenossen im| sportlichen Wettkampf zu messen; sie hätten jetzt! einmal Gelegenheit, zu beweisen, daß sie auch zahlenmäßig und ideell so stark hinter Sowjet- rutzland stehen, wie sie es in ihren Zeitungen immer verkünden. Dieser Blamage gehe« sie aus dem Wege. Die anderen, viel Geschmähten, sollen wieder gutmachen, was diese Leute verhaut haben. Wir fühlen uns als Atus stark genug, russische „Arbeitersportler" ohne Mitwirkung bürgerlicher Kreise und Verbände als unsere Gäste zu beherberge« und sportlich zu beschäftige«. Aber wir fühlen«ns auch als viel zu gut, uns als Lückenbüßer für eine verkrachte„politisch« Aktion" der Kommunisten verwenden zu lasse«. locietzvpfsk der Gestapo-Bestialitäten im leipziger Polizeigefängnis Wir haben vor kurzem über die Maffenver- haftuugen von früheren Sozialdemokraten' in Leipzig berichtet. An dies« Verhaftungen, die inzwischen auf über 200 angcwachsen sind, schlossen sich grausame Mißhandlungen durch Beamte der Geheimen Staatspolizei an. WaS früher als EinzelauSschreituug van TT- und SA-Männern erschien, ist inzwischen legalisiert und von den f^seistischen Bluthunden zu einem System ausgebaut worden, das hinter den Foltermethoden des Mittelalter« nicht zurücksteht. Diese Auspeitschungen und Prügeleien wehrloser Gefangener, di« kein andere««Verbrechen" begangen haben, als ihrer sozialdemokratischen Gesinnung treu zu bleiben, haben jetzt ein Todesopfer gefordert.- Genosse Christian Ferkel, der» als End, Juli die Brrhastungen begannen, unter den ersten war, ist im Stadtkrankenhan« zu Leipzig, den fürchterlichen Verletzungen, die ihm dir angestellten Gestapo-Mörder beigrbracht habe«, erlegen. Genoffe Ferkel war Abgeordneter des sächsischen Landtage- und Gauleiter des Verbandes der Lithographen und Steindrucker für Sachsen. Während des Krieges bis zum Ausbruch der KramAF und StHbrny Am Sonntag konnte die Polstische Oeffentlich« leit der Tschechosloivakci zum ersten Male schwarz auf weiß erkennen, daß von nun ab die national- demokratische Partei unter Führung K r a m ä r s und die Ligisten unter Führung StbibrnhS in einer g-meküsamen Front marschieren. Ter „Nedölnt list", daS Blatt StktbrnyS, brachte an leitender Stelle einen Artikel von Kramär über den 28. Oktober, in welchem Kramär seine bekannten.Auffassungen über die überragende Bedeutung de« heimischen Kampfes gegen Oesterreich darlegt. Stribrnh erklärt diesen Artikel als den bedeutendsten über die Wertung des 28. Oktober. In demselben Blatte veröffentlicht der bekannte Nationalist, Dr. Domin, der im Vorjahre Rektor der tschechischen Universität war. einen Artikel, der gleichzeittg in den„Närodni Lisch" erschienen ist. Ursprünglich sollte auch ein Artikel Sttibrnhs in den.Närodni Lisch" erscheinen, doch ist dies unterblieben, weil gegen die Zusammenarbeit mit den Ligisten in der nationaldemokratt- schen Partei noch starke Strömungen vorhanden sind. So sollen die beiden Vizepräsidenten der Partei, die Abgeordneten Dr. Lukavskh und I e Z e k, und der Generalsekretär Dr. H o r ä k entschiedene Gegner deS Zusammengehens sein. Die Gruppe des„Demokratiekh stked", das ist der linke Flügel der nationaldcmokratischen Partei, gibt durch seinen Führer Dr. C h y t i l bekannt, daß sie mit der nationaldemokratischen Partei nichts mehr zu tun haben wollen und aus dieser Partei austreten, weil das Zusammengehen mit Stribrnh ein Verrat am nationaldemokratischen Programm sei. Auch der Stellvertreter des Ministers des Äußern, Gesandter Dr. K r o f t a soll au- der Partei ausgetreten sein. Weitere Austritt« dürften in den nächsten Tagen erfolgen. Die Rolle des Herrn Reinthaler In den Verhandlungen, die Schuschnigg mit der nationalen Opposition führt und die für di« gesamte von naivem Glauben an die Hitlerfeind» lichkeit des österreichischen Fascismur erfüllt« in- ternationle Oeffentlichkeit eine so große Ueberra« schung waren, spielt als Führer der Völkischen ein Jng. R e i n t h a l e r die entscheidende Rolle. Reinthaler wird schon im ersten Braunbüch der Dollfußregierung al» Vertrauensmann Hitlers angeführt. Die„Prager Presse" bespricht in ihrer Dienstagsausgabe ausführlich die Pläne der österreichischen Nazi, die-jetzt durch Papen-Reinthaler das friedlich erreichen wollen, was sie mit Habicht-Wächter im Bürgerkrieg nicht erlangen konnten. Dabei verweist die„Prager Presse" auf di« auffallende Parallelität zwischen der B e w e g u n g RcinthalerS, der die Trümmer der nationalen und verbotenen Parteien Oesterreichs sammelt, und der Sude, tendeutschen Heimatfront. Sie schreibt: Die Parallele mit Henlein ergibt sich au» den gleichlautenden Beteuerungen über di« angeblich« Unabhängigkeit von der reich-deutschen NSDAP. Reinthaler» Erklärung(.Linzer Tagespost" vom 2s. d. M.): „Ganz ferne gelegen war und ist mir die Absicht, in getarnter Form die Wiederaufrichtung der NSDAP M«möglichen. Ich war vielmehr be- UebrigenS sagte ein verantwortlicher russischer Funktionär am 81. Oktober beim Besuch« des Aussiger Stadions(auf unserer Veranstaltung) selbst, daß es ihnen viel lieber gewesen wäre, gegen die„Atus"-Länderelf zu spielen, als das geplante Spiel am Nachmittag am DM-Platz in Aussig. Ein klarer Beweis, daß selbst die Russen als die ersten Akteure ihrer Reise mit den Machinationen der kommunistischen„Reiseleitung" nicht einverstanden find. Revolution 1018 gehörte er in München zu dem Kreis um Kurt Eisner, der an dem Gelingen der Revolution in Bayern hervorragenden Anteil hatte. Ferkel war von den faseistischen Banditen 1083 schon einmal verhaftet worden. Er lehnte es ab, auch nur zum Schein eine gesinnungsmäßige Gleichschaltung einzugehen und ist bis zum letzten Atemzug ein der Revolution de» Proletariats ganz ergebener Kämpf« gewesen. Wahrscheinlich haben darum di« Folterknechte nicht eher von ihm abge- laffen, bi» sie den Totschlag vollendet hatten. Ei« anderer Genosse bat unter den fortgesetzten Mißhandlungen den Verstand verlor««; als Irrsinniger musste er kürzlich i« die Irrenanstalt überführt werde«. Trotz dieser entsetzenerregenden„Erfolge" ihrer Folterungen, setzten— die Gestapo-Bestien die Mißhandlungen weiter fort. Sie braucht„Geständnisse", um einen großen Hochverratsprozeß in Szene setzen zu können. Und diese„Geständnisse" müssen erpreßt werden. Die ganze Schuld für diese Schänd- und Mordtaten fällt auf die Regierung; die Empörung und der Kampf aller Sozialisten und aller Anti- fascistcn müssen sich gegen sie richten; dürfen nicht Nachlassen, bis sie von ihrem Sturm davon gejagt werden. müht, alle Nationalen zu sammeln und sie in organisierter Form in die staatstragende Bewegung einzufügen" könnte wörtlich von Henlein sein, ebenso die große Sorge um den— Deutschen Turnerbund, dessen Mitschuld an der Vorbereitung de» DollfußmordeS erwiesen hat, daß er zu den militanten Organisationen der illegalen NSDAP— vermutlich nicht nur in Oesterreich — gehört. Die„Prager Presse" schließt ihre Betrachtung mit der Bemerkung, daß die„n a t i o n a l e Aktion" NeinthälerZ der f a l s ch e M a n.t e l der Gleichschaltun g und des Anschlusses sei. Heimatfront und Schlagringe. Der„Volks- Wille" schreibt:„Einige Tage vor dem 7. Oktober, an dem die Hcnleinleute in Karlsbad aufmarschieren wollten, wurde bekannt, daß in der Maschinenfabrik Wolf in Meierhöfen in einem Magazin, nur ganz wenigen Eingeweihten bekannt, große Mengen Schlagringe vorrätig seien. Auf Grund der erstatteten Anzeige schritt die Gendarmerie ein und tatsächlich wurden bei der vorgenommenen Hausdurchsuchung noch einige hun» dert Schlagringe vorgefunden und beschlagnahmt. In der Zwischenzeit find größere Posten dieser verbotenen Angriffswaffe an Besteller außerhalb de» Karlsbader Bezirkes abgelicfert worden. Der Tatbestand bot Anlaß zur Einleitung einer Strafuntersuchung, über deren Ergebnis wir nach Abschluß noch berichten werden. Es ist in diesem Zusammenhang nicht ohne Interesse, daß in der Maschinenfabrik Wolf Kräfte am Werke sind, um die dort beschäftigten Arbeiter der Henleinfront zuzuführen. Da» geschieht natürlich nicht nur au» Dankbarkeit dafür, daß die Wirtschaft durch Aufträge auf die Herstellung von Schlagringen angekurbelt werden soll... Vermögen der Pensionsanstalt: 4 Milliarden. Die Allgemeine Pensionsanstalt in Prag weist zum 30. September 1034(tn Klammern die entsprechenden Ziffern vom Vorjahr) folgenden Vermögensstand in Millionen ssö aus: Kaffabarschaft 0,78(2,27), Einlagen bei Geldinstituten 118,62(158,44), bei der Postsparkasse 23,82(13,87), Staatspapiere 704,66 (775.38), sonstig« Wertpapiere 567,00 (570,05), Darlehen auf Wertpapiere 2,12 (2.12), Hypothekardarlehen 856,25(357,08), Hypothekardarlehen nach dem Bauförderungsge- sctz an Genossenschaften 706,44(681,17), an Bezirke und Gemeinden 80,40(76,88), Darlehen an den Staat und die Länder 471,29 (369.38), an Bezirke und Gemeinden 741.84 (783,51), Meliorationsdarlehen 9,88(10,17), Liegenschaften samt Inventar 129,39(80,95). Insgesamt beläuft sich das Vermögen der Allgemeinen Pensionsanstalt derzeit auf 3999,4 (3832.12) Millionen KC. Kongreß der belgischen Sozialisten Brüssel. Der Kongreß der belgischen sozialistischen Partei, welcher unter dem Vorsitze Van- derveldes stattfand, sprach sich für die Einheit in der Partei und für die Disziplin sowie gegen die extreme» Linkselemente in der Partei aus. Die feiern Oes 28. Oktober wiesen in der ganzen Republik ein« außerordentlich starke Beteiligung der Bevölkerung auf. Groß waren die Kundgebungen vor allem auch in den deutschen Gebieten. Festlich begangen wurde der Gründungstag des Staate- auch von den tschechoslowakischen Kolonien im Ausland. An Läny waren die offiziellen Feierlichkeiten heuer mit Rücksicht auf die Rekonvaleszenz des Präsidenten etwas eingeschränkt. Präsident M a s a r Y k empfing vormittag» die Vorsitzenden der beiden Häuser der Nationalversammlung, Dr. S t a n ö k und Dr. Soukup sowie dm Borsitzendm der Regierung Malypetr. Die Glückwünsche der in Prag akkreditierten Vertreter der fremden Staaten wurden dem Präsidmten vom Doyen de» diplomatischen Korps Gesandten Dr. Koch überbracht. Nachmittags empfing der Präsident eine Delegation der Armee. Die Prager Feiem wurden durch eine Manifestationsversammlung de» Rationalrats im RepräsmtationShaus eingeleitet. Die Festrede hielt Minister Dr. B r a d ck k. Nach der Versammlung wurde vor dem RepräsmtationShaus in feierlicher Weise die GtaatSfahne gehißt. Eine besondere Feier der Armee fand Heuer mtt Rücksicht aus die anläßlich des Tode» König Alexanders angeordneten Armeetrauer nicht statt. Bor dem Hause in der Hhbernergässe. in welchem S v e h l a jahrelang gearbeitet hatte, wurde in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder der Regierung und der Nationalversammlung eine Bronze-Tafel für Svehla enthüllt. Bom Republik-Platz aus zogen die Teilnehmer an der allgemeinen Feier des 28. Oktober auf den Altstävter Ring, wo am Grabe des Unbekannten Soldaten Kränze niedergeleok wurden. Außer in den Landeshauptstädten Brünn, Preßburg und Uzhorod feierten den 28. Oktober auch alle größeren Otte der Republik durch Aufmärsche und Festveranstaltungen. An den deutschen Gebieten wurden die Feiern zum großen Teil von Deutschen und Tschechen gemeinsam abgehalten. An Teplitz-Schönau beteiligten sich an der Kundgebung auf dem Marktplatz etwa 25.000 Menschen. Durch starke Beteiligung zeichneten sich auch die Staatsfeiern in Karlsbad, Marienbad, Eger und Aussig aus. An Reichenberg veranstalteten die deutschen und die tschechischen Sozialdemokraten eine gemeinsame Kundgebung. Einen ebenso würdigen Verlauf wie in Böhmen nahmen die Feiern in Mähren-Schlesien und in der Slowakei. In ganz Westbühmen fanden in den Bezirksstädten große Feiern und Aufmärsche statt, zu denen vor allem die sozialdemokratische Arbeiterschaft die weitaus stärkste Gruppe stellt«. Teilweise babm unsere Parteiorganisationen auch eigene Veranstaltungen äbgehälten. In besonder» wirkungsvoller Weise wurde in Bodenbach der 28. Oktober gefeiert. Der Aufmarsch von deutscher als auch tschechischer Seite war größer denn je. Die Kundgebung selbst war ein ernstes Bekenntnis für die Demokratie und Republik. Für Kriegszeppeline? Dr. Eckener will Helium haben Washington. Dr- Eckener verhandelt soeben in Washington über die Bewilligung der Ausfuhr von Heliumgas, da» in den Bereinigten Staaten monopolisiert ist. Dr. Eckener weist darauf hin, daß da» Helium für die Entwicklung von regelmäßigen Zepvelin-Fluglinien über den Atlantischen und den Indischen Ozean unumgänglich notwendig ist. Neuwahlen In Danzig? Die NSDAP fürchtet sie Die sehr umstrittene Frage der Neuwahlen zum Danziger Parlament und zu der Stadtverordnetenversammlung bat«ine sehr seltsame Lösung erfahren. Der Senat der Freien Stadt hat beschlossen, am 18. November zunächst nur in zwei Gemeinden wählen zu lassen, in denen die Nationalsozialisten sicher sind, die Mehrheit zu erhalten. Die Opposition verlangt allgemeine Wahlen, um die Unzufriedenheit der Massen gegenüber dem Regime zu demonstrieren. Di« Nationalsozialisten brauchen ihrerseits einen Wahlerfolg, um den wachsenden Widerstand der Opposttionskreise, und zwar sowohl den Widerstand^er Katholiken wie der Sozialisten, abzuschwächen. Sie wissen andererseits aber, daß die Volksbefragung in Danzig Rückwirkungen für die Volksabstimmung an der Saar haben kann. Gandhis letzte Rede «1s Präsident des NationalkonRreeses Bombay. Gandhi hielt Sonntag abends seine letzte Rede als Präsident de» indischen Nattonalkon» greffe». 80.000 Menschen lauschten seinen Worten, die durch Lautsprecher verbreitet wurden. Während seiner Rede stand Gandhi im Licht von drei Scheinwerfern. Es wurde auch ein Tonfilm hergestellt. Eine von Gandhi eingebrachte Entschließung, in der Abänderungen an der Verfassung de» Nattonalkon« gresses vorgenommen werden, wurde mit groß« Mehrheit angenommen. Totgeschlagen und irrsinnig gefoltert Seite 4» Dienstag, 80. Oktober 1934 Nr. 2 54 Tagcsnculgkdtcn Mit der FSrderschale adgestürzt Fünf Bergarbeiter in Neusattl schwer verunglütkt Auf dem Konkordia-Schacht in Neusattl bei Falkenau ereignete sich Sonntag nachmittags bei der Einfahrt der Mamrschast der zweiten Reparaturschicht ein schweres Unglück. Aus bisher unbekannten Ursachen geriet die Förderschale in so rasend schnelle Fahrt, daß die leere Schale bis an die Teilscheibe geschleudert wurde und sich im Förderturm festrannte, wahrend die Schale die sechs Mann zu Reparaturarbeiten in den Schacht bringen sollte, derartig hart auf den Boden aufsetzte, daß fünf Mann schwere Verletzungen erlitten. Das Unglück geschah kurz nach der Ablösung des Maschinisten. Die Alaschiue wurde um 2 Uhr nachmittags in völliger Ordnung übergeben. Montag früh traf die bergbehördliche Kommission ein, doch gelang es ihr bis in die späten Nachmittagsstunden nicht, Aufschluß über die Ursache des Versagens der Maschine zu erlangen. Folgende Arbeiter wurden verletzt: Josef M ö r t l aus Granesau, der den ruhten Fuß und an beiden Füßen die Zehenglieder gebrochen hat; Rudolf Weber aus Granesau(Bruch des rechten Beines); Wenzel Werner aus Neusattl (Bruch des rechten Beines und Rippenbrüche); Karl Bräutigam aus Neusattl(Bruch beider Beine). Der Arbeiter Johann Baier aus Neusattl konnte als einziger von den Verunglückten in häusliche Pflege übergehen werden. Vier von ihnen wurden nach Elbogcn, einer nach Falkenau ins Krankenhaus transportiert. Alle Brüche sind komplizierter Natur. M ö r t l ist sozialdemokratischer Gemeindevorsteher von Granesau. Man vermutet bisher, daß der Strom aussetzte und dadurch der Unfall herbeigeführt wurde. Tod zweier Soldaten bei einem Brand in der Kaserne Laut einem amtlichen Bericht brach am 27. Oktober nach 23 Uhr in dem Lager des Kavallerieregiments in B e r e h o v o(Karpathoruß- land) in der Baracke einer Hilfskavallerieeskadron ein Feuer aus. Hiebei wurden der Gefreite Jakob M i k u l i k und der Rekrut Herbert R a d v a n- s k h vom elektrischen Strom getötet und per Gefreite Franz Havelka verletzt. Das' Feuer entstand wahrscheinlich durch Kurzschluß, in der Holzbaracke einer Hilfseskadron, wo im ganzen zehn Soldaten schliefen. Die übrigen Soldaten weilten bei einer Theatervorstellung in der Stadt, die anläßlich der Feiern des Staatsfeiertages stattfand. Als die Soldaten durch den Rauch geweckt wurden, der von den glühenden Balken des Barackendaches ausging, versuchten sie das Feuer mit Hilfe der für den Fall eines Brandes bereitgestellten Wafsereimsr im Keime zu ersticken. Als der Soldat Herbert Radvan skh, deutscher Nationalität, ausZuckmantel in R o r d b ö h m e n g e b ü r t i g, auf die elektrische Leitung Wasser goß, entstand Kurzschluß, der den Soldaten, der harfuß auf dem feuchten Boden stand, tötete. Der Gefreite Jakob M'i k u l i k, aus'Charbätskä Nova Ves bei Lundenburg. ge- bürkig, wurde raucherftickt in einer Hilfskammer gefunden- lvo die Ausgangsuniformen der Soldaten deponiert sind. Der' Gefreite Havelka wurde leicht verletzt, ebenso einige weitere Soldaten, die beim Löschen des Feuers mit dem elektrischen Strom in Berührung gekommen waren. An der Unglücksstätte weilt eine Gerichts- und eine Militärkommission. Drei tote Kinder, schwerverletzte Frauen und Selbstmord' aus irregeleiteter Liebe. Saalfeld(Thüringen). Eine furchtbare Bluttat, die vier Todesopfer forderte, trug sich am Sonntag abend in der Gornerddrfer Siedlung zu. Der dort wohnende 30 Jahre alte Hermann Pabst, Vater von sechsKindern, hatte mit der im gleichen Hause wohnenden 14 Jahre alten Irmgard John ein Verhältnis angeknüpft. Aus diesem Grunde war gegen ihn ein Verfahren toe-flen Sittlichkeitsverbrechen eingeleitet worden. Pabst hatte die in seinem Hause wohnende 32 Jahre alte Frau Groß im Verdacht, die Anzeige gegen ihn erstattet zu haben. Er bat am Sonntag nachmittag die Frau Groß in seine Wohnung, um sie zur Rede zu stellen. Als die ahnungslose Frau die Pabstsche Wohnung betrat, schoß Pabst aus einem Revolver ohne weiteres auf die Frau, die schwer verletzt zusammenbrach. Als die Polizei eintraf, hatte sich Pabst im K e l l e r, ip den er seine beiden sieben uiid neun Jahre alten Kinder und die 14 jährige JrmgardJohn mitgenommen hatte, verbarrikadiert. Der Aufforderung der Polizei, zu öffnen, leistete er keine Folge, sondern schoßdurchdieKellertür. Hierbei wurde die Ehefrau Pabsts, die die Beamten in den Keller geführt hatte, durch einen Hüftschuß verletzt. Den Beamten gelang es erst, als Pabst nicht mehr schoß, in den Keller ein- zudringen. Beim Eintreten bot sich ein schrecklicher Anblick. Pabst hatte seine beiden Kinder, Atrrs Futzballtearn siegt in Prag Stal verliert 0:5(0:1)— At«s-Propaganda nach der Pause Nach langer Zeit sah man wieder einmal eine A t u s-Fußballauswahlmannschaft in Prag. Am Staatsfeiertage trug sie mit der Prager Gaumannschaft des Stak-Verbandes das Rückspiel aus. Auf dem Sportplatz des TK Star Prag VII in Troja, abgelegen vom Getriebe der Großstadt, fand diese Begegnung statt. Die vielen Zuschauer, die den weiten Weg nicht gescheut hatten, sahen ruhigen und schönen Arbeitersport und besonders nach der ersten Halbzeit mich ein den Kenner überaus befriedigendes Zusahnnenspiel des Atusteams. Der Erfolg auf Prager Boden, auch in dieser Höhe, ist verdient, wenngleich betont werden muß. daß er bei noch etwas rascherem Start nach dem Ball um einiges höher ausgefallen wäre. Die Mannschaft arbeitete im ruhigen Stil und wenn der eine oder andere Spieler nicht die entsprechende Form aufwies, so machte er dies kleine Manko durch größeren Eifer wett. Die Prager Stak-Mannschaft ist aber trotz der hohen Niederlage nicht zu unterschätzen. Sie zeigte im Sturm ein schönes Feldspiel, war sogar im Kopfballspiel unseren Atus-Leuten überlegen; was aber der ganzen Mannschaft fehlte, war die nötige Routine in Auswahlspielen und auch die einzelnen Aktionen werden überlastet und zu durchsichtig eingeleitet. Mr den Stak-Verband war es ein Leh r- spiel und wir können sicher annehmen, daß die gewonnenen Erfahrungen für spätere Auswahlkainpfe mit Nutzen angewendet werden. Und dann wird der Atus einen Gegner finden, der ihn zum Zeigen seines ganzen Könnens zwingen wird. Die Zuschauer, di« die Heimischen mitunter allzu kräftig unterstützten, waren äußerst objektiv und bewiesen dem Atus eine überaus herzliche Aufnahme und starken Beifall für sein ausgezeichnetes Spiel. Und der S ch i e d s r i ch t e r? Er war s e h r objektiv und pfiff präzis; hatte aber auch bei diesem sairen Auftreten beider Mannschaften einen leichten Stand. Vor Beginn des Matchs nahmen beide Mannschaften in der Mitte des Platzes Aufstellung; freundliche Begrüßungsworte wurden gewechselt — für den Atus sprach Genosse G. Erlacher— und zur Erinnerung erhielt der Atus einen Wimpel. Dann begann das Spiel. Stak hatte den Answtz, aber seine schnell und überhastet inszenierten Angriffe werden von der Atus-Verteidigung abgestoppt. Langsam befreit stch der Atu» von der Nervosität; der rechte Flügel bringt mehrmals den Ball gut vor das Tor. doch' enttvedcr wird er verschossen oder die sehr stoßsichere Verteidigung befördert ihn weit ins Feld zurück. In den ersten 20 Minuten hielten sich beide Mannschaften die Waage. Günther und Distler verschießen mehrmals in aussichtsreicher Position. Aber auch die Atus-Hintermannschast hat reiche Arbeit und Glück, dem: einige Schüsse verfehlten nur knapp das Ziel. Einmal glaubte man schon den Ball im Netz, doch Andörfer fängt ihn noch im Hochsprung. In der 39. Minute fällt das erste Tor für den Atus nach einem hübschen Zuspiel Günther- Bartel durch Hampl. Drei Eckstöße können kurz vorher vom Atus nicht verwertet werden. Beiderseitige Angriffe, welche aber nichts einbringen, beschließen die erste Spielhälfte. Nach der Pause trat die Atus-Elf in geänderter Aufstellung an: Hampl ging vom Sturm ins Half und seinen Posten nahm Milde ein. Dadurch gewann der Angriff sehr an Durchschlagskraft. Die Kombination wurde genauer und zweckmäßiger; Günther stellte als Sturmführer den Kontakt von rechts und links richtig her und schon in der 20. Minute schloß D i st l e r mit scharfem Schuß eine rasche Kombi- Hechtsprung. In der 39. Minute fällt das zweite Tor war erzielt. Die Prager lassen sich aber nicht entmutigen und greifen ihrerseits an, aber das Atus- Schlußtrio ist ungemein sicher. Beiderseitige Eckstöße verlaufen ergebnislos. Wieder ist der Atus-Sturm in Fahrt und in der 27. Minute ist Tor Nr. 3 geschossen und wiederum Distler der Autor. Nun beherrscht der Atus das Spiel zur Gänze. Immer wieder bringen seine schnellen und überraschenden Kombinationszüge Verwirrung in die Reihen der gegnerischen Hintermannschaft. In der 39. Minute schließt Milde mit Torschuß eine Aktion von rechts ab; 4:0 für de« Atus. Die Halfreche der Prager, die vordem gute Zerstörungen und auch Aufbauarbeit leistete, fällt nun sehr zurück und steht dem Ansturm des Atus machtlos gegenüber. Die letzten Minuten rücken heran, viele Schüsse fanden nicht ihr Ziel; erst knapp vor dem Eiche, in der 43. Minute, schießt hart bedrängt Milde das letzte und fünfte Tor. Bei einem Angriff der Sieger ertönt der Schlußpfiff. Ein schönes, erfrischendes sowie spannendes Fußballspiel war zu Ende. Genoffe G. E r l a ch e r als Vertreter des Bundes war sehr zufrieden mit dem Ergebnis und mit der Mannschaft. Er meinte auch, daß diese Elf, wie sie sich nach der Pause zeigte, auch den Russen ein Rätsel aufgegeben hätte. Darin mag er recht haben. Wenn vielleicht ein Sieg nicht im Bereiche der Möglichkeit gelegen wäre, in sportlicher Hinsicht hätte der Atus den tschechoslowakischen Arbeitersport ehrenvoller vertreten., En. die 1 4 j ä h r i g e I o h n und sich selbst, durch Kopfschüße getötet. Das Befinden der beiden verletzten Frauen soll, zu Besorgnissen keinen Anlaß geben. Zwölfjährige von der Mutter verkuppelt Sittlichkeitsskandal in Karlsbad Die Karlsbader Sicherheitsbehorden sind einem schweren Sittlichkeitsverbrechen auf die Spur gekommen. Der bekannte Aberthamer Fabrikant Rudolf Zenker unterhielt längere Zeit hindurch zu der Tochter einer Frau Martha Böhm aus Meierhöfen unerlaubte Beziehungen. Sobald Zenker die Familie besuchte, verließen die Mutter und ihr Lebensgefährte die Wohnung und ließen das ungleiche Pärchen ungestört. Das Kind wurde schließlich von Zenker sogar geschlechtlich angesteckt und mutzte ins Krankenhaus überführt werden. Reis verübte daraufhin an dem Fabrikanten mehrere Erpres- sungsversuche. Nun ist die ganze Affäre aufgeflogcn und alle drei wurden verhaftet: der Fabrikant wegen Notzucht, die Mutter wegen Kuppelei und Reis wegen Erpressung. Sie wurden dem Karlsbader Bezirksgericht überstellt. 6000 Kilometer in 25 Stunden Rekordflug Australien—Hawai Honolulu(Hawai). Der bekannt Rekordflieger Kingsfort Smith hat auf seinem Fluge von Australien nach Nordamerika am Montag kurz nach 20 Uhr m. e. Z. Honolulu erreicht. Er sagte, die Zurücklegung der gefährlichsten' Etappe von 6000 Kilometer in 25 Stunden haben ihn von der Möglichkeit einer regelmäßigen Luftverkehrsver- bindung zwischen Australien und den Vereinigten Staaten überzeugt. »euer russischer Stratosphärenballon Moskau. Wie amtlich mitgeteilt wird, wurde in Leningrad ein neuer Stratosphärenballon fertiggestellt, der im Laufe der nächsten Tage mit Gas gestillt und zum Aufsteigen bereit gemacht werden wird. Der Ballon, der ohne Besatzung aufsteigen wird, besitzt neuartig konstruierte Gondeln mit eingebauten, mechanisch sich bestätigenden Rundfunkstation und Meßapparaten für die Stratosphärenforschung. Der Einbau'dieser Apparatur wurde unter Leitung von Professor M o l s ch a- n o w vollzogen, der seinerzeit den Arktisflug des Flugschiffes„Graf Zeppelin" mitgemacht hat. Seiner Meinung» nach wird beim Aufstieg des Ballons die mitgeführte Rundfunkstation die Bewegungen des Ballons mechanisch registrieren und der Leningrader Funkstation die Ergebnisse mitteilen. Man erwartet, daß man mit diesem neuen Modell eine Höhe von 1 6.0 0 klbis 1 8.0 0 0 Meter erreichen wird. Haifischtra« brachte 33 Kinder« de« Tob London. Wie Reuter aus Dar es Salaam meldet, sind in einer afrikanischen Mädchenschule im Süden des Tanganyika-Gebietes unaufgeklärte Todesfälle eingetreten. Bisher sind 33 Schülerinnen gestorben. Die Leiterin der Schule und die übrigen Schülerinnen sind schwer erkrankt. Di« rätselhaften Krankheits- und Todesfälle sollen nach dem Genuß von Haifischtran aufgetreten sein. Die Regierung hat deshalb bis auf weiteres den Gebrauch und den Vertrieb von Haifischtran untersagt. A e r z t e und Kriminalbeamte sind zur Aufllärung des Massensterbens im Flugzeug entsandt worden. 14 Todesopfer eines 3«güberfalls Shanghai. Wie die Zeitung„Sinwenpao" berichtet, hat eine chinesisch eBande in der Nacht zum Sonntag einen Zug bei Tunljao zum Entgleisen gebracht, obwohl er von einem mandschurischen Wachkommando begleitet wurde. 14 Personen wurden getötet und 20 verletzt. Unter den Toten befindet sich der mandschurische Militärberaterin der Provinz Jehol, Jasaki, der der japanischen Militärkommission in Dolonor beigeordnet war. „Keine Müdigkeit vorschützen". Das war das Wort, das unser unvergeßlicher Karl E e r- mak— sein Todestag jährt sich morgen zum zehnten Mal-— jedem Genossen zurief, der in widrigen Zeiten einmal schlapp zu machen drohte. Es war keine Phrase, dieses Wort, wenn cs auch von dem, der es aussprach, meist leicht und elegant, mit scherzhaftem Unterton, hingeworfen wurde. Es war Karl Eermaks Lebensmaxime, nach der er sich selbst konsequent richtete und mit der er seine Mitarbeiter und Freunde aufmunterte und anspornte. Denn Karl Eermak wußte, daß em Sozialist niemals wirklich müde werden kann, daß lediglich hin und wieder eine Zeit kommt, da er, der ja auch nur ein Mensch ist, unter der Last der Arbeit und Verantwortung schier zusammenzubrechen droht. Da gab unser Freund sich selbst, und seinen Mit- ! arbeitern einen freundschaftlichen Klaps:„Keine Müdigkeit vorschützen!"— und schon ging es wieder weiter. Dieser Geist war es, der Karl Cer- mak auch in den schwierigsten Tagen nicht verließ und der ihn auch während der brudermörderischen Spaltungszeit— der größten Prüfung unserer Partei— nicht einen Augenblick kleinmütig und verzagt werden ließ. Die Zeiten sind wieder ein- mal recht schwer geworden. Wenn Pu unter uns wärst, lieber Karl'Eermak, dann würdest Du Ziehung der Klassenlotterie (Unverbindlich.) Prag. Bei der Montag-Ziehung der V. Klaffe der 81. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 19.090 liö: 91619 34185 56356 82969 13176. 5999 KC: 52597 82726 53386 50539 8842 82351 86634 5459 59469 40599 5002 43131 83091 95562 44163 7599 35754 19423 56615 83256 106061 96139 40064 89689 88100. 2000 KC: 82632 31691 59428 21229 79031 47221 37812 66874 42247 30506 67651 59528 10553 72782 59458 7982 65622 104577 26384 56194 18797 21804 61320 51280 82241 67031 98462 449 53100 52750 8300 83915 55273 29268 34417 22809 2274- 58161 66459 100853 69397 35567 68965 35735 35358 12469 104137 74869 85533 102176 47688 25793 19800 35215 73031 217 45606 104092 58207 42526 87000 100305 87549 87781 16687 46516 12938 56651 28837 93784 45612 35923 uns— wir hören es förmlich— Dein Wort zurufen:„Keine Müdigkeit vorschützen!" Du kannst es nicht, aber wir vernehmen es doch. Und es soll gelten, das geloben wir Dir, jetzt und immer! E. P. Jubiläum des RcstorS der sozialistischen Bewegung Polens. Der'Nestor der sozialistischen Belvegung Polens, Boleslaw L i m a n o w s k i, tritt am 30. Oktober in sein hundertstes Lebensjahr. Es ist nicht leicht- ein Jahrhundert zu leben, es ist desto weniger leicht, wenn dies Leben das Leben eines Kämpfers um Ideale ist. Und Boleslaw Limanowski ist ein Idealist, wie man ihn selten findet. Achtzig Jahre hindurch hat er seinen Idealen mit unerschütterlichem Glauben und Eifer gedient, achtzig Jahre seinen Kämpf um ein freies Polen, um ein Polen der Werktätigen in'Stadt und Land geführt. Wer weiß, wie das Leben jener Wenigen aussieht, die in Drang und Erkenntnis des Wahren ihr Leben in die Schanze schlagen, die all das Schwere auf sich nehmen, was reaktionäre Gewalt dem frei- hcitliebenden Geist entgegenstellt, der wird verstehen, was es bedeutet, achtzig Jahre seines Lebens diesem Kampfe um die Freiheit zu opfern. In Warschau fand eine große, von der Polnischen Sozialistischen Partei(PPS.) veranstaltete Versammlung zu Ehren von Boleflaw Limanowski statt. Auf der Versammlung wurden die Verdienste des Jubilars auf politischem, wissenschaftlichem und literarischem Gebiete gefeiert. Von ganz Polen und aus hem Auslande ging eine Reihe von Begrüßungstelegrammen ein. Ein weiteres Opfer des Relson-Schachtes geborgen. In der Nacht auf Montag wurde im „Nelson"-Schachte bei Osiek Wei dem weiteren Vordringen in den Abbau Nr/ 40 im Revier 5, 'dessen Bewältigung im Gange ist, die Leiche des 38jährigen Häuers Wenzel Burkove.c aus Herrlich geborgen. Burkovec war verheiratet und Vater zweier Kinder. Motorrad und Auto. Montag früh stieß'm K l a d n o an der Kreuzung Purkynova-RaZinova ein von Jaroslav. Hrbek gelenktes Motorrad mit einem Personenkraftwagen zusammen. Die hinter ihrem Gatten sitzende 33jährige Anna Hrb- k-o v ä wurde vom Rade geschleudert und erlitt beim Fall auf das Pflaster einen Schädelbruch, während ihr Gatte nur leicht verletzt wurde. Die schtververletzte Frau, Mutter zweier Kinder im Alter von 7 und 11 Jahren, starb bei ihrer Ueberführung ins Krankenhaus. Beim ersten Flug tödlich verletzt. In I a s s y (Rumänien) stürzte aus einer Höhe von etlva 100 Meter ein von einem Leutnant gesteuertes Touristenflugzeug ab. Im Flugzeug befand sich noch ein junger Beamter, der seinen ersten Flug absolvierte. Die Maschine wurde zertrümmert und beide Insassen so schwer verletzt, daß sie auf dem Transport ins Krankenhaus starben. -Offene Bahnschranken. In der polnischen Ortschaft Ollienniki bei Wilna stieß auf einer offenen Bahnüberfahrt ein Personenzug mit einem Bauernwagen, auf'dyn sich sechs Personen befanden, zusammen. Zwei Bauern und der Kutscher fanden aus der Stelle den Tod, die übrigen Insassen des Gefährtes erlitten schwere Verletzungen. Eisenbahn und Auto. Unweit von Boulogne für mer stieß auf einem Straßenübergang ein Eisenbahnzug mit einem Kraftwagen zusammen. Fünf Personen fanden hiebei den Tod. Vom Rundfunk Empfehl«»»» ert« aus den Programmen: Mittwoch Prag: Sender L.: 6.15 Gymnastik. 10.05 Deut» ' sche, Nachrichten. 11.00 Schallplatten. 13.45 Deutscher Arbeitsmarkt. 16.45, Kindertheater. 18.20 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. R. Baumgärtel: Bevölkerungspolitische Probleme der Sudetendeutschen. 18.50 Sozialinformationen. 18.55 Deutsche Presse. 19.10 Kroatische Lieder. 22.15 Tanzmusik auf Schallplatten.— Sender St.: 14.45 Salonorchesterkonzert.— Brünn: 13.25 Opernarien. 17.40 Chansons. 17.50 Deutscbe Sendung: Halbe Stunde Kabarett. 21.35 Klarierkonzert mit Orchesterbegleitung.— Mähr.-Offra«: 17.40 Ostrauer Schrammeln.— Preßbura: 17.15 > Violinkonzert. 20.40 Liederkonzert. Neuer Kurzwellensender. In den nächsten Tagen wird ein neuer starker Kurzwellensender am Prato Smeralda in Rom dem Verkehr übergeben tverden. Diese Sendestation ist für Sendungen nach -Süd- und Nordamerika, nach dem Fernen Osten und nach Südafrika bestimmt. Dienstag, 30. Oktober 1934 Sette 5 Der Nobelpreis für Medizin an Amerika gefallen Der diesjährige Nobelpreis für Medizin wurde soeben in Stockholm verteilt. Er fiel an die Amerikaner George M i n o t, William Murphy und George Whipple. Die Forscher haben sich durch die Entdeckung der Heilkräfte der Leberdiät bei der perniziösen Anämie, einer bisher fast hoffnungslosen Krankheit, verdient gemacht. Unser Bild zeigt den Nobelpreisträger Minot. Das Urteil gegen Nejedly, Kredba und Konsorten Milde Strafen und Freisprüche Prag. Wir haben bereits über den Prozeß gegen die Grotzbetrüger Wenzel N e je d l h, Wenzel Kredba und Konsorten berichtet, der am Mittwoch der vergangenen Woche eröffnet wurde. Die ersten zwei Angeklagten, di« eine Gaunerei um die andere verübten, Bergwerke und Großgrundstücke ohne Heller Geld„kauften", zahlreiche Lieferanten und Gewerbetreibende prellten und arme Angestellte um ihre Kautionen betrogen, wurden durch das am Montag verkündete Urteil schuldig erkannt und zu schweren Kerkerstrafen verurteilt, und zwar Nejedlh zu zweieinhalb Jahren, Kredba zu dreizehn Monaten. Der Gesamffchaden betrug über ein« halbe Million. Von den sechs anderen Angeklagten wurden vom Senat K n a u t e vier völlig freigesprochen und zwei zu geringfügigen Strafen verurteilt. Diese Mitangeklagten haben nach der Anklage teils Handlanger« teils Zutreiberdienste geleistet. Da Urteile nicht kommentiert werden dürfen, beschränken wir uns vorläufig auf die Feststellung des Sachverhaltes. Staatsanwalt Dr. K o p t a meldete hinsichtlich aller Freisprüche Nichtigkeitsbeschwerde an rb. Der Prozeß «m dir»Weism don Fion^ Bern. Montag begann hier der Prozeß, den der Schweizer israelitische Gemeindebund gegen die Leitung des»Bundes nationalsozialistischer Eidgenossen" wegen Zuwiderhandlung gegen das Gesetz gegen Schundliteratur angestrengt hat. Es handelt sich im wesentlichen um die sogenannten »Protokolle der Weisen von Zion", über deren Echtheit der Vorsitzende der Gerichts eine Zeugeneinvernahme angeordnet hat. Als erster Zeuge erscheint der ehemalige Präsident der zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann, welcher erklärt, daß die Protokolle des Kongresses von 1897 in Basel veröffentlicht wurden und von einem Plan zur Erreichung der Wettherrschaft der Juden keine Rede sein könne. Der nässte Zeuge, Comte de Thayla, machte im Jahre 1907 in Rußland die Bekanntschaft des Professors N i l u s, der vermutlich die »Protokolle" übersetzt hat. Die Broschüre hatte N i l u s vom General R a ch o w s k h, der in der russischen Geheimpolizei arbeitete, erhalten. Der Zeuge hatte den Eindruck, daß N i l u s ost selbst 25-Iahr-Jiibiläum des Auffiger Stadttheaters Festvorftellung»Meistersinger" Durch 25 Jahre, ausgefüllt zum größeren Teil Mit Kriegs- und Nachkriegsschrecken, ehrenvoll sich erhalten zu haben, ist an sich schon Beweis für die Lebenskraft und-berechttgung der schönen Auffiger Theaterstätte, deren erste Jahre schon für denjenigen, der es miterlebte, stark und unvergeßlich wurden durch die Direktionsführung der Burgtheatertragödin Maria Pospischil. Aber in diesem Vier- teljahrhundert nicht stehengeblieben zu sein, trotz aller Theatermißgunst dieser Zett erworben zu haben, was sie von den Vätern ererbten— das ist das höhere, schönere Verdienst aller Auffiger Theaterfremrde. Hatte man schon vor dieser Jubiläumsvorstellung den sicheren Eindruck gewonnen, daß in Auffig die Gemeinde, der THeatettfirektor mit den Seinen und das Publikum wirllich in guter Kunst sich bewegen, allen Schwierigkeiten zum Trotz über das Krisen- und über das provinzielle Maß hinaus, so fand man seine Freude bestätigt, erneuert und erhöht durch diese samstägige Festaufführung, die wahrhaftig, so wie eS der Bürgermeister, Genosse P ö l z l und der Theaterdirektor H u t t i g in ihren Ansprachen von der Bühne herab aussprachen, Gewähr dafür bot, daß das Auffiger Stadttheater weiterhin seine national-kulturelle Aufgabe erfüllen wird. Im übrigen darf man die Stellung des Auffiger deuffchen Stadttheaters auch dadurch umriffen sehen, daß es seine Jubiläumsvorstellung an den Vorabend des Staatsfeiertages stellte; das„Kde domov müj", das dem vollbesetzten, übrigens wie ein Schmuckkasten sauberem und zierem Haus entgegentönte, komtte wie rin Programm wirken, auf diesem sudetendeutschen Zweifel an der Echtheit der„Protokolle" hatte. Der Zweck ihrer Verbreitung war, Nikolaus II. zu einer anttjüdischen und reattionären PolüA zu bewegen. SergiusSvatikov, welcher die„Pro- tokolle" fm Jähre 1908 in Petersburg gelesen hat, erklärte als dritter Zeuge, daß sie dort allgemein für eine Fälschung gehalten wurden. Im Jahre 1917 erfuhr Svatikov von einem Mtt- glied der russischen Geheimpolizei, Bind, daß dessen Vorgesetzter, General Rachows!y, den Befehl gegeben batte, fälsche Dokumente herzustellen. Rachowsky hätte auch die„Geheimnisse der Weisen von Zion" vorbereüet. Die Protokolle verfolgten anttsemittsche Zwecke. Der Urheber ist nach Binds Mitteilungen ein gewisser Golowinsky, ein enger Mitarbeiter Rachow- sky. Golowinsky, von Beruf Redakteur, benützte als Unterlage für die„Prowkolle" die Schrift Joly's„Dialogue aux enfers entre Ma- chiavell et Montesquieu", die ihn dazu anregte, die Legende von den Weltherrschaftsplänen der Juden zu schaffen. Zm Dritten Reich wird geköpft Bier Hinrichtungen in Deffau. Dessau. Im Hofe des Dessauer Gerichtsge- fängniffeS wurden Samstag früh hingerichtet: Der 45jährige Paul Rolle aus Gerlebogk, der 23jährige Albert Lehmann aus Dessau, der 18jährige Fritz Gehre aus Deffau und der 19jähr. Theodor Wolf aus Deffau. Der Reichsstatthalter in Braunschweig hat von seinem Begnadigungsgesuch keinen Gebrauch gemacht. Paul Rolle war wegen Mordes an seiner Ehefrau durch Urteil des Dessauer Schwurgerichtes vom 5. Mai 1934 zum Tode verurteilt worden. Die drei anderen hatten gemeinsam mit einem Jugendlichen im Mai den Dipl. Jng. Wiederhold aus Elberfeld in seinem Auw überfallen und ermordet. Mädchenhändler von der Wiener Polizei entdeckt Wien. Die Polizei scheint einer Bande von Mädchenhändlern auf die Spur gekommen zu sein. Im Zuge der polizeilichen Untersuchung stellte sich heraus, daß der ehemalig« Kellner Klimt in regelmäßigen Abständen nach Monte Carlo zu reisen pflegte, wobei er jedesmal junge Mädchen mitnahm, die niemals zurückkehrten. Die Angelegenhett gewinnt dadurch erhöhte» Interesse, daß vor zwei Tagen von französischen Polizeibehörden eines dieser verschwundenen Mädchen, «nd zwar die 18jährige Hermine Peiler» mtt seinem Messerstich in der Brust am Strande von Mont»^8«l»iaufgefu»deLwmde< x-WKrtzMAW Umstände dieses Falles sind noch nicht geklärt. Man glaubt aber in Klimt den Haupwertreter dieser Menschenhändler vor sich zu habens die für das Verschwinden einer Reihe Wiener Mädchen in der letzten Zeit wahrscheinlich verantwortlich zu machen find. Erfinderschicksal. Der Erfinder Hermann Ganswindt ist im Alter von 78 Jahren in Berlin-Schöneberg gestorben. Ganswindt, der bereits im Jahre 1883 ein Patent für ein l e n k- bares Luftschiff erhielt, mit dem er nach dem Mars zu fliegen beabsichtigte, hat um die Jahrhundertwende als Erfinder viel von sich reden gemacht. Neben seinen Luftschiffplänen beschäftigte er sich vor allem mit der Konstruktion eines Tretmotorrades und einer Tretmotordroschkc, mit der er sogar einmal quer durch Berlin fuhr. Die Entwicklung der Technik ging dann über Ganswindt hinweg, so daß der Erfinder, der übrigens 21 Kinder hatte, immer mehr in Not geriet und bis zu seinem Tode mtt finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Boden der Gesamtheimat eigene nationale und internattonale Kunst zu geben und zu erhalten, in friedlichem, ernstem und heiterem Schaffen, gesichert und gefördert durch die Demokratie, immer mtt dem Blick auf das Volk, aus deffen Kunstsinn gerade Richard Wagner, so wie es seiner Zeit und seinem Bürgerfinn möglich war, sein Werk im allgemeinen wolüe wirken lassen, und insonderheü seine„Meistersinger von Nürnberg". Es braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden, wie ausgezeichnet in verschiedenen Hinsichten gerade die„Meistersinger" sich zu einer festspielmäßigen Aufführung und wiederum gerade dott sich eignen, wo man gewillt, zu zeigen, was wert die Kunst und war sie gilt. Andererseits stellt eine Aufführung dieser Oper so außergewöhnliche Ansprüche an jedes Theater, daß der Auffiger Versuch, mit ihr daS Jubiläum zu begehen, schon an sich als Leistung zu werten wäre. Um wieviel mehr aber, da festzustellen ist, daß die Aufführung fast durchwegs auch solchen Ansprüchen zumindest genügte, die großstädtische- Theater gewöhnt sind. Dabei ist es eine Selbstverständlichkeit, daß auf die vielen, insbesondere auf jene jungen Menschen, die bei dieser Gelegenheit daS wunderreiche Werk zum ersten Male hörten, ein seiner Großarttgkeit entsprechender, gewaltiger Eindruck erzielt wurde, der eine wahre Feststimmung im ganzen Hause erzeugte und eine Begeisterung auSlöste, die selbst für die an„Meisterfinger"-Räusche Gewöhnt» ungewöhnlich war. DaS Auffiger Theater stellte für diese Aufführung aus Eigenem vor allem als musikalischen Leiter Opernchef Franz AllerS bei, einen jungen Musiker, der mit erstaunlicher Umsicht jenen Rest von Schwierigkeiten überwand, der trotz fühlbar tüchtiger Probenarbeit bei solcher Wagnerreproduktton fast unvermeidlich ist. Dynamisch war alles sorgfältig für die akustischen Verhältniffe des Raumes ausgewogen und insbesondere das Vorspiel zum dritten Französischer Spionageprozeß. Der Prozeß gegen den Kapitän des Jntendanzdienstes F r o g e und den ehemaligen polnischen Offizier Stanislaus Krau» in Belfort, erregte, wiewohl er geheim geführt wird, unausgesetzt die französische Oeffentlichkeit und Presse. Kraus, welcher nach seiner Flucht aus der polnischen Armee, in der er eine Veruntreuung begangen hatte, Spion zugunsten Deutschlands wurde, erklärt, er habe mit Kapitän Frage einige geheime Zusammenkünfte gehabt, Frage hätte ihm für Geld, im ganzen ungefähr 150.000 Franken, Spionagematerial über die französische Armee geliefert. Kraus brachte außerdem sehr viele andere Details vor. Demgegenüber erklärte der Zeuge Della Torre, daß Stanislaus Kraus ein notorischer Lügner sei, und beschuldigte die Staatspolizei der Anschläge gegen Frage. Der Advokat des letzteren fordert in einem offenen Schreiben an das Justizministerium, daß der Prozeß öffentlich geführt und daß insbesondere die Aussage des Zeugen Della Torr« veröffentlicht werde. 133.000 XL Diebsbeute. In Hannsdorf wurde in der Gastwirtschaft Karl Luka ein großer Einbruch verübt. Unbekannte Täter entwendeten dort u. a. Staatspapiere im Werte von 25.000 XL, 4000 XL Bargeld, ferner Kleider, Schmnckgegenstände und Wäsche im Gesamtwerte von 133.000 XL. Die Gendarmerie hat die Untersuchung ausgenommen. Die Heringe. Wie„Daily Mail" aus Far- mouth berichtet, gingen mehr als 300 Heringsfischdampfer am Sonntag zum ersten Male seit Anfang voriger Woche wieder in See. Di« Pause in der Fangtätigkeit war bekanntlich dadurch veranlaßt worden, daß die Märkte mtt Heringen überfüllt waren. In Fischerkreisen soll wieder eine zuversichtlichere Stimmung herrschen, da man hofft, die Regierung werde den Verkauf frischer und geräucherter Heringe ins Ausland ermöglichen. Ein Goldklumpen. Unweit von Swerlowst wurde an einer Goldfundstätte des U r a l s ein Goldklumpen im Gewicht von 645 Gramm gefunden. Die staatlichen französischen Fluglinie«„Air France" beflogen in den ersten Monaten des Jahres 1934 insgesamt fünf Millionen Kilometer. eine Sttecke, die dem hundertfünfundzwanzigfachen Erdumfang entspricht. Es wurden hiebei 22.000 Reisende sowie rund 1000 Tonnen Post und Frachtgut beför- dert. Brände. Aus Panama wird gemeldet: An Bord des amerikanischen 7500-Tonnen-LastdampferS „Panamerican" brach ein Schadenfeuer aus, durch welches der Dampfer vernichtet wurde. Außerdem brannten im Hafen von Panama vier Gebäude nieder. Abkühlung zu erwarten. In Mifte^uroväWgt die Temperatur noch immer auf 10 bis 15 Grad, außer dem Gebiet« östlich vom Böhmisch-mährischen Hügelland, wo sich noch immer eine unbewegliche niedrige Wollenschicht erhält und wo nur mehr Temperaturen von 6 bis 8 Grad zu verzeichen sind. Ueber dem Norwegischen Meer und in Schottland verftärtt sich jetzt der Zufluß kalter Lust aus hohen Breiten. Auch bei uns kann eine allgemeine Winddrehung nach Nordwesten erwartet werden, welche in Böhmen eine allgemeine Abkühlung und in den höheren Lagen später auch Schneeschauer bringen dürfte. In den östlichen Ländern dürfte es sich bei Auffrischen des Winde» zunächst erwärmen. — Wahrscheinliches Wetter von heute: Veränderlich, vereinzelt leichte Schauer, hauptsächlich in den höheren Lagen. Im Westen des Staates etwas kühler, namentlich im Falle nächtlicher Aus» heiterung.'In den östlichen Ländern der Republik etwas stärkerer Wind und in den Niederungen wärmer.— Wetteraussichten für Mittwoch: Veränderlich, Rordwestwind,- in Böhmen weitere Abkühlung und auf den Bergen Schneeschauer. Att gelang ausgezeichnet; all dies frellich dank dem hier schon öfters voll anerkannten Orchester, das im allgemeinen prächtig musizierte und im besonderen wiederum Respäkt vor seinen Blech« und zumal Holzbläsern forderte. Das Auffiger Opernensemble war an hervorragender Stelle besonders durch den Pog- ner Herm.ann Horners vertreten, des uns so bekannten verttefflichen Bassisten, der ein« schwere Indisposition im ersten M tapfer niederrang und dann im zweiten M sein« freilich dann nur« mehr geringfügige Aufgabe tonschön und wirkungsvoll löste. Auch inEdith Holland als Evchen besitzen die Auffiger jetzt ein ehemaliges Mtt« glied des Prager Deuffchen Theaters; ihre Gesangskultur ist seitdem zweifellos gewachsen; aber freilich scheint die Stimme im Forte selbst diesem kleineren Hause nicht zu genügen und wird bei„kollegialem" Hervortreten von anderer Sette allzusehr gedeckt, wie sich daS in dem von Frl. Holland sehr vornehm geführten Taufquintett bemerkbar machte; hier trug Herr CorneliuSWeicherS zu stark auf, übrigens aber ein Sänger im Besitze einer wirklich heldentenoralen, ausgezeichnet gebildeten und behandelten Stimme. Unter den„Auffiger" Meistern ragte vor allem Herr Andreas Boehm hervor, ein Kothner von so edlem und glanzvollem Material, daß man die Auffiger um ihn beneiden könnte. Erwähnenswert noch HanS Paweletz als Schönsänger sowohl des Nachtigall als auch des Nachtwächters. Ihren großarttgen Glanz erhielt diese Aufführung, was die Gäste anbelangt, vor allem von dem Hans Sachs Iaro Prohaskas. Bon neuem war eS auch für den, der diesen wunderbaren Sänger und Darsteller schon seit langem zu kennen und hochzuschätzen Gelegenhett hat, ein Ereignis, der stets neubewirkten Gestaltung des Sachs durch Prohaska beizuwohnen. Auf ihn konzenttierte sich denn auch mit Recht der viele Jubel des Publikums. ProhaSka Vom Prager Rundiunh Die musikalischen Sendungen der Woche brächten zunächst den zweiten Tell in d«r Folge„800 I ah r e Klaviermusik". Frohberger. Bachheibl und Christian Ritter standen im Mittelpunkt des Bor- ttages von Leo Schleißner. Als musttalischer Illustrator saß Prof. FranzLangeram Flügel; man hörte eine Torcate, eine Fuge, eine Suite und ein Toccattno. Das Schönste waren Wohl die„Kin- dertotenlieder" von Mahler, mit weihevoller Inbrunst gesungen von Gertrude Pitzinge r. und Beethovens Viette Symphonie. Das Konzert leitete mit souveräner Künsfferschaft Kapellmeister Friv .Zweig vom Neuen deutschen Theater in Prag. Den Reiz besonderer Eigenart brachten ins Programm i. die Lieder mtt Begleitung verschiedener Instrumente (Dienstag). Gesang: Frank-Swoboda; feinsinnige Musiker betteuten Klavier. Harfe, Flöte, Violine. Braffche und Cello. Am Beginn der beachtenswerten Botträge stand das von Genoffen Dr. Emil Strauß entworfene wirffchaftliche Relief. Es hatte sein Gerüst in den exakten Zählen des nationalökonomischen Forschers: sie zeichnen die Kurven der Produktionsindere und Arbeitslosenstände seit 1929 und beweisen die immerhin fühlbare Erleichterung im Jahre 1934. Weit weniger hoffnungsvoll ist der Bericht Bruno Schwabs von der in den Voranschlagsberatungen zum Ausdruck kommenden Lage der Gemeinden. Die Gefahr de» immer näher rückenden Zusammenbruchs der Selbstverwaltungskörper findet viel zu wenig Beachtung. Keineswegs trostreicher zeichnete Genosse Adolf S ch m i d t die„Soziale Lage der Kleinbauern in den deutschen Randgebieten". Unverzügliche Hilfsakttonen. eine neue Bodenreform. Rekulttvierung dcr Bergbaugebiete und Ausnützung verwahrloster Restgüt« find di« positiven Vorschläge de» Fachmannes,■ um einer drohenden Katastrophe zu begegnen. Eine recht' seltsame Effcheinung im Rundfunkprogrmnm war die flammende Predigt deS Herrn Konsttstorial- rates Nikolaus Adler, die unter dem Titel„Be- rufSfteude und Berufsstolz deS Bauern" in die landwirtschaftliche Sendung am Donnerstag geriet. Was der Gossengrüner H. Erzdechant seinen Bauern über ihren Beruf, ihre Lebensgestaltung, über Mode der Frauen und das Kinderkriegen erzählen mag— das kann uns wenig berühren. Auf diesem Wege aber den deuffchen Rundfuick unserer Republik zu einer Glorifizierung des„schlichten Bauernsproffes" Dollfuß. des„«delsten und vorbildlichen Staatsmannes" auszunützen, ist ttne starke Herausforderung, der man entgegentteten muß, solange die Leitung de» Radiojournals auf anderer Seite so ängstlich Zensur übt l ES geschieht ja nicht zum erstenmal, daß der Rundfunk dem politischen Katholizismus die Freizügigkeit der Kirchenkanzel einränmt! Die Arbeitersendung vom Freitag machte mit dem soeben erschienenen neuen Werke des Genossen Dr. Emil Strauß. „Die Etnstehung der Tschechoslowakischen Republik" bekannt. Das von Genossen Karl Kern vorgelescne Kapitel„Das letzte KriegS- jahr 1918" malt das grauenvolle Bild des wirtschaftlichen Zusammenbruches, des Hungers, des Kinder- sterbenS, der Degeneration, des sittlichen Verfalles und des enffetzlichen Beutezuges der Tuberkulose. Der .Vorttag. den Genoffe Kern in den„Aktuellen zehn .Minuten" halten sollle, loar verboten worden. :- Sehr erfreulich ist der außerordentliche Erfolg.> den der Bericht von der Bodenbacher Kunstausstellung mitteilt. In mehr als 800 Werken der Architektur, der Malerei und der Graphik ist der Gedanke der Heimatkunst im edelsten Sinne verwirklicht; die in der Reportage genannten Besuchszahlen erscheinen im Verhältnis zum sonstigen Jnter- effe für derartige Unternehmungen geradezu phantastisch.— Eine medizinische Weekend-Entdeckungsfahrt durch die Nase unter Führung deS Univ.-Prof. Dr. AmerSbach zeigt den architektonischen Ge« fichtSerker als lehenswichtigen Apparat für Luft- tranSport mit Erwärmung--. Befeuchtung-- und Reinigungsanlagen- Besonders merkenswert ist dabei die Rasenatmung für die normale Modellierung der Mundhöhle und der Kiefer im Kindesalter.— In dieser langen Reihe der Vorträge fanden zwei Kinderstunden ihren Platz: ein nicht sehr geschickt geleiteter Rätsel-Nachmittag und ein« üheraus nette Vorlesung selbsterfundener Kindergeschichten, deren Eintritt ich die Rundfunköffentlichkeit von Prof. Dr.. Klein betteut wurde.—- Michals Böhmerwald- Hörspiel„Die Sach muß a Reibn kriegn" gab der. vergangenen Berichtswoche einen redjt harmlosen Ausklan a. Ernst Thöne r. ebenbürtig ist Mart in Kremer, gleichfalls mtt Bayreuther Weiher: ausgestattet, nicht nur ein Sänger, der die Schwierigkeiten des David mühelos und mtt ungemein sympathffcher Stimme überwindet, sondern auch ein Darsteller nicht alltäglichen Formats, seine Figur mtt Zügen ausstattend, durch die man auch sie ne« zu gewinnen vermeint. Daß neben diesen beiden Prag?"bester Beckmesser. Herr R u- dolf Bandle r, in Ehren bestand, mag ihm, so selbstverständlich eS ist, Genugtuung, sein. Roch ein alter Bekannter: Max Roller als Vogelgesang, und eine Prager Bekannte jüngsten Datums: Elisabeth Wanka als Magdalene. Zurückkehrend zu den Aussigern, noch ein Wort über die, Chöre. Sie übertrafen— übrigens unter Mitwirkung der Aussiger Volkssinggemeinde— an Präzision und Klangschönheit alles, was man mtt Fug erwarten durste; mtt einem vollkommen überzeugenden, völlig schmißlosen Prügelchor und dem mtt aller zu fordernden Feierlichkeit vorgetragenen„Wach auf" schuf dieser Chor zwei Höhepunkte deS Abends, die den Spitzenleistungen der ersten Solosänger adäquat waren. Als Letzter, und doch nicht zuletzt, verdient Erich v. Whmetal volle Anerkennung; seine Inszenierung, in kluger Weise auf der Tradition aufgebaut, zeugte durchaus von gutem Geschmack und vervollständigte auch schon durch die geschickte RaumauSnützung den Eindruck nicht provinzmäßigen, sondern großen Theaters. Erwähnen wir nochmal», daß die stürmischen Ovationen nach allen Akten kein Ende nehmen wollten— und hoffen wir zuversichtlich, daß auch kein Ende nehmen wird die Pflege guter Kunst durch das Aussiger Stadttheater und der Dank durch das Pu- blikum dort. Frisch auf, ins zweite Bierteljahrhun- dertl L. G. 9 Seit« t ^Sozialdemokrat" Dienstag, 30. Oktober 1934. Re. 2»4 PBAGEtt ZEITIJMG Das Horst-Weffel-Lied in Prag Tschechische RachmittagÄblätter berichten, daß denn Boxmatch Tschechoslowakei—Deutschland am Sonntag nebendem„K d e d o m o v muj" auch das Deutschland- und das Horst Wessel-Lied gesungen wurden.' Auch die deutschen Lieder hätten den Beifall des Publikums geerntet. Da diese Blätter der Meldung keine weitere Bemerkung anfügen, must man annehmen, daß sie mit dem Geschienen einverstanden sind. Sie lassen sich sogar zu der Behauptung hinreißen, das Horst Wessel-Lied als deutsche Nationalhymne zu bezeichnen. Es sind das dieselben Blätter, in denen man immer wieder abfällige Bemerkungen über die deutsche Emigration lesen kann. Sie wissen so gut wie andere Menschen auch, daß das Horst-Weffel-Lied keineRationalhhmne, sondern die blutrünstige Parteihymne der Fememord- und Konzentrationslager-- Spezialisten ist. Es verherrlicht nicht die deutsche Nation, sonder» einen Zuhälter und seine Genossen.„Die Straße frei den braunen Bataillone n, S A m a r s ch i e r t.. Also beginnt diese „Nationalhymne", die das Entzücken des sportbesoffenen Publikums und den Beifall einiger Journalisten fand. Mit Recht hat man die freie Uebertragung der Goebbels'schen Rundfimkpropaganda verboten. Weshalb aber einigen reichsdeutschen Boxern, die die Gastfreundschaft mißbrauchen, die frechste Propaganda gerade auf Prager Boden gestattet sein soll, ist nicht einzusehen. Und vollends in dieser Form: die tschechoslowakische Hymne wird mit dem ordinären Horst-Weffel-Hetzlied auf eine Stufe gestellt. Diese Schändung der tschechoslowakischen Hymne sollte nur deshalb ruhig hingenommen werden, weil sie beim Boxen geschah? Wenn die reichsdeutschen Gäste keinen Takt haben, so sind sie in die Schranken zu weisen. Der Taktlosigkeit Beifall zu klatschen ist mehr als geschmacklos; es ist unwürdig und eine Schande! Das Budget der Elektrischen Unternehmungen für das kommende Jahr ist bereits ausgearbeitet und beschränkt sich im wesentlichen auf die wichtigsten Arbeiten, da kaum damit gerechnet werden kann, daß die Situation sich im kommenden Jahre bessern würde. Das Jnvestittonsbud- get ist daher auf das geringste Maß herabgesetzt und erreicht nur 33 Mill. Kö. Die ordentlichen Ausgaben erreichen bei den Straßenbahnen und Autobussen 236.8 Millionen KL, bei den Elektri- zitätslverken selbst fast 205 Millionen Kc, so daß sich ein Gesamtbedarf von zirka 460 Millionen KL ergibt. Hiebei wurden bei diversen Kapiteln stärkere Abstriche vorgenommen, so bei den Elektrizitätswerken um 538.000 KL und bei den Straßen- bahnep um 300.000 KL. Ein Borschlag für Horry Dr. Barg..Der Primator Dr. Baxa yat den Prager'Madtrak emge- läden, mit ihm'eine" Rimdfährt' öurch die'Vorräte zu veranstalten, um festzustellen, wo Verschönerungen des Stadtbildes möglich und zweckmäßig sind.' Wir machen auf das Tyrs-Wäldchen auf dem Michler Berg aufmerksam. Es gehört dem„Sokol" eignet sich aber vortrefflich für die Umwandlung in einen Park. Es waren einige Wege anzulegen und mit Ruhebänken zu versehen; auch die Pflanzungen^ müßten gepflegt werden. Michle hat überhaupt keinen geeigneten Park. Die Verschönerung des Tyrs- Wäldchens machte nicht nur den Anwohnern Freude, sondern wäre auch seinem Besitzer nützlich. Der jetzige Zustand der Baumpflanzungen verleitet die Besucher, vom Wege abzugehen; er nötigt ihnen keinerlei Achtung ab. Könnten sie aber auf gepflegten Wegen gehen, die man rings um den Berg anlegen könnte, so wäre die Erhaltung des Waldes gesichert. Gcrlditssaal Sonderbare Anklage nach dem Geschlechtskrankheitengesetz DaS angesteckte Kind Prag. Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten bedroht denjenigen mit Strafe, der eine andere Person mit einer Geschlechtskrankheit ansteckt. Regelmäßig pflegen auf der Anklagebank unter solcher Anklage P r o st i t u i e r t e zu eischeinen, womit keineswegs gesagt sein soll, daß nicht mich Herren und Damen der„besten Gesellschaft" sich gegen oieses Gesetz reichlich versündigen. Wir haben von Spezialärzten in dieser Hinsicht allerlei verfängliche Dinge gehört, aber die ärztliche Schweigepflicht verbietet die Mitteilung konkreter Tatsachen. Der Montag vor dem Senat Kaplan verhandelte Fgll weicht sehr von der Regel ab. Angeklagi wär eine Frau au? der Prager Umgebung. Sie gehört dem Elendsmilieu an, wohnt in einem Wohnloch>md hatte neben einem eigenen Kind noch ein Pflegekind in der„Wohnung" Außerdem kam, die siebenjährige Tochter eines Nachbars, Jarmila B., als Spielgefährtin der Kinder öfters in die Häuslichkeit der angeklagten Anna K. Am 28. Dezember v. I. ging Anna K. in Spitalspflege mit einer offenen Syphilis. Etwa vierzehn Tag« vorher war sie in der Ordination des Arztes Dr^ W a i n st e i n erschienen, der n a ch d e r Anklage die syphilitische Erkrankung feststellte und der Patientin dringend nahelegte, sich sofort in ärztliche Behandlung zu begeben und im übrigen im Verkehr mit anderen Personen die größte Vorsicht zu beobachten. Einen Monat später stellte man.bei der kleinen Jarmila B. eine syphilitische Infektion fest. Da das Kind fast täglich in die Häuslichkeit der angeklagien Anna K. gekommen war, ist sie vermutlich dort infiziert worden. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen die kranke Anna K. wegen dys Vergehens nach§ 18 des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, weil sie trotz Warnung des Arztes durch Vernachlässigung der pflichtgemäßeu Heilpflege die Krankheit auf das Kind übertragen habe. Da der Arzt aber bei der Verhandlung als Zeuge erklärte, damals bei Untersuchung der Angeklagten keine sichere Diagnose gestellt zu haben, nahm das Gericht die Schuld der Angellasten nicht als erwiesen an und sprach sie frei. rb. Vorträge „Marxismus in der Praxis" Ein Mafaryllaner schafft eine Diskussionsbasis Prof. Dr. K o m z ä k, Masarykianer und Realist, nicht sozialistischer Marxist, wie er den Mitgliedern der Prager Kantgesellschaft beruhigend versicherte, sprach am Freite^ in der Urania über „Marxismus in der Praxis". Es war ein auffchlußreicher M>end, in jeder Nuance, und noch im Irrtum, von hohem Niveau, auch im Polemischen von bestechender selbstkrüischer Sachlichkeit. Komzäk, kämpferischer Humanist, Aufllärer, Liberalist aus ethischer Verpflichtung heraus, hat Sokvjetrußland besucht und ist nun, geladen mit re- flellierenden Philosophismen, fleptisch aus Prinzip, doch respektvoll ergriffen vom Heroismus des wirtschaftlichen Aufbaus des Landes, zu uns zurückgekehrt. Komzäk, der Sowjetrußland nicht st la Potemkin- Genossen, sondern selbst leidenschaftslos-kühl studiert hat, ist der Auffassung, daß die Stabilisierung der sowjetistischen Macht als vollkommen bezeichnet werden muß. Die Opposition, zersplittert, aktionsunfä- hig, aus Ueberresten spintisierender Unzufriedenheft bestehend, habe keine Zukunft; die. Zahl der Zufriedengestellten wachse von Tag zu Tag. Prof. Komzäk kam sodann zu einer eingehenden Analyse der sowjetrussischen Methoden. Vom roh- agitatorffchen, experimentellen Kriegskommunismus, der, so formulierte es der Redner, unbedenklich, unerbittlich und betont listig war, leitete er zur Sta- linschen Anpaffungskonzeptton(Völkerbund!) über; einen Weg, den Komzäk als die Entwicklung von der Lüge zur Wahrheit desinierte. Höchst bemerkenswerte, subjekttve Eindrücke folgten. Nicht die Giganten, nicht das Blitztempo der Mammut-Industrialisierung, nicht die Intensität des Umbaus beeindruckten Komzäk ausschlaggebend, sondern dieseelis che Dynamik, die durchgreifende geistig« Erziehung, die sich dem verstehenden Blick in tausend Einzäheiten offenbart. Komzäk empfindet die Kraft der Idee, die sich vielfältig im Wirtschaftlichen, im Kulturellen, in der seelischen Struktur des Jndividualisnius manifestiert' er weist ihr tut« unbedingt vrimärt Rolle zu und kommt zu dem' Schluß, daß der Märxisstms in der Praxis sich eigentümlich vergeistigt zeige, gleichsam humanistische Schattierungen aufweise. Dann aber fand er für die sowjetruffischen Methoden die Formel: Weg zur Menschlichkeit ohne Humanität, um schließlich zu einer nicht ganz glücklichen Kritik des Marxismus überzugehen. Hier irritierte, daß Komzäk Marxismus mit Bolschewismus identtfizierte, aus einer Methode also ein Urprinzip schlechthin machte. Die Schlußworte des humanistischen Realisten llangen wie ein Bündnisangebot—, er glaubt daran, daß der„Marxismus in der Praxis" das„Mißtrauen vor dem Intellekt", wie er es nannte, verlieren und sich im Endeffekt doch auf jenen ethischen Glauben stützen wird, der von den Gesetzen der Universalität erfüllt ist—. Wozu vieles und manches Kritische zu sagen wär«. Pierre Dr. Benes als Bortragsgast dir Urania. Außenminister Dr. Benes hat die Einladung der Direktion der Urania angenommen, einen Vortrag über das Thema„Der Völkerbund" zu halten. Dr. Benes wird in einem der nächsten Monate im Prager Urania-Haus sprechen. Konst und Wissen Seefahrer Sindibäd— der Suchende Das Nationaltheater ließ bei der Aufführung des Abenteurer-Stückes„Seefahrer Sindibäd" von Stanislav Lom di« ganze Pracht der Orientphantasie aus„Tausend und einer Nacht", der der Gedanke des Stückes entnommen wurde, auferstehen. Fünf wechselnde Bilder des Stückes zogen das Auge derart an, daß viel von dem gesprochenen Wort verloren ging. Der äußere Erfolg hatte dieser Ausstattung viel zu danken, denn der künstlerisch- dramatische Teil des Stückes hat mit der Regie und Ausstattung kaum konkurrieren können. Der abenteuerliche Seefahrer Sindibäd— ein moderner Faust und Don Quijote zugleich— ging mit seinem Eunuchen Bazzäza-Sancho-Pansa aus, nicht um Reichtümer zu sammeln wie sein Vorbild in„Tausend und einer Nacht", oder seine Abenteurerlust zu stillen. Er ging aus, um die Frage nach Erfüllung der Sehnsucht des menschlichen Herzens und die Antwort nach der wahren Heimat des Menschen zu suchen. Er erzählte nicht sieben Tage lang dem Sindibäd-Träger seine Abenttuer, er gab ihm, durch unsichtbare Gewalt des Gerechten im Pilger- lleide, des Harun-ar-Raschid, bewegt, auf ein Jahr sein ganzes Haus mit Reichtum und Sklavinnen in Verwaltung, um zu erfahren, ob der Mensch inmit- ten seiner Reichtümer oder in erfüllter Sehnsucht glücklich ist. Die paradisische Insel sieht er untergehen durch Mord, Kriegsleidenschaft und Sucht, er hört, errettet, dem Rededuell menschlicher Güte zu. die sich als das unnützlichste Beginnen zeigt, da sie die Sehnsucht des Herzens nach Tat und Erfüllung nicht stillt. War es die Humanität, war es die De- mokratie, die hier als Ideal moderner Menschen eine Ablehnung erfuhr oder empfindet das nur so der durch derarttge versteckte Andeutungen scharf aufhorchende Zuhörer? In dem anziehendsten Bilde, dem Aufwachen der Schiffbrüchigen auf der öden Insel— am Fuße des magnetischen Berges, das in seiner wüsten Unordnung, in Gestatt des Meeresgottes und im Aufbrausen der Elemente das Labyrinth der Welten und im höheren Wollen und im Gott-Suchen der menschlichen Seel« das Paradies des Herzens zeigt, hätte vielleicht ein denkender Künstler das erlösende Wort dieses Abend gesagt; es blieb ungesprochen. Der Genuß des Reichtums stillt den Hunger der Sinne, die Irrfahrten inmitten menschlicher Leidenschaften erwecken Sehnsucht nach der Heimat des Herzens, lösen aber nicht die Rätsel nach dem Ziele der Menschheft. Die Ausstattung war glänzend, der Abend verlief im Glanz großer Premieren. Den Sindibäd gab Herr StLpanek, der vom Weinberger ins Na- ttonaltheater ging und im Stücke seines Direktors seine erste Rolle kreierte. Den Meeresgott gab Herr Vydra, der die quälenden Fragen darnach, was die Herzen der Menschen schlagen läßt und die Seelen mit Sehnsucht erfüllt, nach dem Sinn des Beginnens, mit der ihm eigenen Eindringlichkeit zu stellen wußte. Die zwei weiblichen Rollen stellten die Leidenschaft und den Ruf der Heimat vor; die übrigen, darunter Herr Rasch ilovals Bazzäza, gaben sich redliche Mühe, aus ihren Rollen herauszuholen, was ihnen der Künstler versagt hat, was ungesagt geblieben ist. m. i. Deutsches Theater in Paris. Der aus Deutsch- land emigrierte Theaterdirektor Kronacher hat im Pariser„Theatte des Arts" eine deuffche Aufführung des Kriegsdramas„Die Marne" von Paul Raynal inszeniert. Zu den Mitwirkenden gehört auch der Prager Schauspieler Ferdinand Hart. Diese deuffche Aufführung in Paris hat lebhaftes Aussehen erregt und große Anerkennung in der französischen Presse gefunden. Die Pariser Zeitung„Comoedia", die bisher nicht emigrantenfteundlich war, hat einen fran- zösischen Aussatz des ehemaligen Berliner Theaterkritikers Alfred Kerr veröffenflicht, in dem Kerr an den großen Erfolg erinnert, den Raynals kriegsgegnerisches Schauspiel„Das Grabmal des unbekannten Soldaten" vor acht Jahren in Deuffchland hatte. Mittwoch deuffche Uraufführung von Olga Scheinpflugs Lustspiel„Die Schaukel" mit Gisela Werbezirk als Köchin Marie. In den übrigen Hauptrollen Litt Bader a. G. a. A., Carpenner, Taub, Padlesak und Dudek. Regie: Marie.(B 1.) Donnerstag halb 8 Uhr rreuinszeniert Meyer- brers„Hugenotten". Hauptpartien: Pauly(Valentine), Book(Margarete), Walter(Urbain), Ria- wetz(Raoul), Andersen(Marcel), Scheide!(St- Bris) Hagen(Nevers); Dirigent: Zweig, Regie: Mordo, Tänze: Senta Bergmann, Ausstattung: Pirchan.(C 1.) Wochenspielplan des Reue» Deutschen Theaters. Heute Dienstag, W. gbends 8 Uhr: DaS l«, oe n s I a n g rt ch e K i nei, A 2, Gastspiel Leopold Kramer.— Mittwoch 8: Die Schavkel, Gastspiel Werbezirk, BI.— Donnerstag halb 3: Sensationsprozeß, halb 8: Die Hugenotten, neuinszeniert, C 1.— Freitag 7: Peer Gynt, D 2.— Samstag 8: Die Schaukel: Gastspiel Werbezirk, C 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag 8%: Sensation sprozeß.— Mittwoch halb 8: Das lebenslängliche Kind, Gastspiel Kramer.— Donnerstag 3: B u n b u r y, 8: Nacht vor dem Ultimo. — Freitag 8; Hoch klingt das Lied vom bravenMann.— Samstag halb 8: Das lebenslängliche Kind, Gastspiel Kramer. Sport• Spiel• Körperpflege Die Spiele dee Staatsliga brachten diesmal keine besonderen Ueberraschungen wie am vorletzten Sonntag. Das Hauptinteresse konzenttierte sich mehr auf die Begegnung der beiden Spitzenführer Zidenice und Viktoria Pilsen. Das in Pilsen ausgetragene Match endete torlos. Beide Teams riskierten nicht viel und zudem spielte der Vikwria-Angriff sehr schwach. Slavia gegen DFC. 4:2(1:2). In Prag interessierte vor allem das Treffen dieser beiden Platznachbarn am Belvedere, das die Rotsterne in keinesfalls überzeugender Weis« für sich entschieden. Die DFC.-Elf bot eine der Slavia vollkommen ebenbürtige, ja technisch überlegene Leistung. Bon den Slavialeuten tat sich keiner besonders hervor, es sei denn Put durch sein zur Genüge bekanntes Mimen des Schwerverletzten, das Sonntag aber für den Spielausgang entscheidend war. Nach einer wundervollen ersten Halbzeit, in der— wie sympathisch für den unvoreingenommenen Zuschauer— drei problematische Elfer verhängt und verschossen wurden und die durch Tore von Stoj und Ulanov ll schließlich 2:1 für den DFC. stand, drängte nach Wiederanpfiff Slavia ihren Gegner lange Zeit auf dessen Hälfte zurück, ohne jedoch Erfolge buchen zu können. Erst in der 25. Minute gelang ihr der Ausgleich, wobei es zu bleiben schien.. Da kam der bereits gekennzeichnet« Zusammenstoß mit Puk, der sich vom Platze tragen ließ; ein Elser wurde verhängt und diesmal verwandet; Smolensky(DFC.) ausgeschlossen. Puk kam nach einigen Minuten pumperl- gesund wieder und schoß mühelos den vierten Tref- fer. Mit dem amtierenden„Unparteiischen" konnte der DFC. mit Recht unzuftieden sein. H. Sparta mußte wider Erwatten sehr kämpfen, um aus eigenem Platze SK. Pilsen mit 4:2 (2:1) zu besiegen. In Karlin teilten sich Cechie und SK. K l a d n o die Punkte; das Match endete 2:2, wobei die Platzbesitzer bis zur Pause-mit 2:1 in Führung lagen. Bei Kladno war der Angriff schwach. Jy T e p l i tz gewann der T F K. gegen S K. Proßni tz mit 4:1(1:1). Zu Anfang des Spieles, in der vierten Minute, kam es zum Ausschluß eines Proßnitzers. In Kolin kam eS zwischen Bohemiaus und AFK. ebenfalls zur Punkteteilung; 2:2(lei), lautet das Endergebnis. PuuttekSmpfe in den Divifione« DFB.: Reichenberger FK. gegen DSB. Trop- pau 3:1(2:0), Karlsbader FK. gegen DSV. Brünn 4:1(3:0). Mittelböhmen: Viktoria Zizkov gegen Cechie VIII 3:0(1:0). Mähren-Schlesien. In Brünn gab es eine Ueberraschung: Mor. Slavia wurde von Kral. Pole mit 2:3(2:3) geschlagen.— Baka Zlin gegen SK. Prerau 5:2(1:2). Wild-Westga« In R e u d e k endete am Sonntag das Meisterschaftsspiel Sportbrüder Altrohlau—DSK. Neudek mit der im Westen üblichen Keilerei. Das Spiel wurde von allem Anfang an sehr hart geführt, so daß der Schiedsrichter Müller(Graslitz) von jeder Partei einen Spieler ausschließen mußte. Nach Schluß wurde der Schiedsrichter von den Zuschauern trotz Ordner und Polizei ge- tteten, gestoßen, geschlagen und dabei sein Kopf an di« Wand der Kabinen gepreßt. Sodann wurde er in die Kabine der Neudeker gezerrt, wo er weiter verprügelst wurde. Erst Gendarmerie befreite ihn aus seiner schweren Situation und brachte ihn mittels Auto aus der Stadt. Sonstige Fntzballergebniffe. Saaz: DSB. gegen Cechie Laun 7:1(2:1).— Komotau: DFK. gegen Schwalbe Brüx 14:0(10:0).— 28 e v pert: DSK. gegen DFK. Kaaden 4:0(2:0).—- Brüx: DFK. Bilin gegen DSK. 5:2(1:2).—, Dux: VfB. Teplitz gegen DSK. 3:1(3:0).—< Aussig: DFK. gegen Lobositzer FK. 6:1(2:1). —Gablonz: DSK. gegen SK. Liffa 7:1(4:0). — Warnsdorf: WFK. gegen DSK. Gablonz 6:1(4:0}.— Grottau: SK. gegen DSV. B- 'Leipa 3:2(1:1).— Trauten« u: DSV. gegen DSB. Reichenberg 3:3(1:3).— Jglau: CAFC. Prag gegen komb. Team 8:3(4:0).— Mähr.- Ostrau: Nuselskh SK. gegen Slovan 3:1(1:1). — P reßburg: CSK. gegen SK. Nachod 5:2 (4:1).— Budapest: Ujpest gegen Ferencvaros 1:1, Hungaria gegen Attila 2:0, Budai gegen So» mogh 6:0.— Wien: Rapid gegen Hakoah 5:1, Admira gegen Vienna 1:0, Wacker gegen Austria 2:1, FAC. gegen Sportklub 1:0, Fav. SK. gegen WAC. 2:1; Austria hat aus sieben Spielen erst zwei Punkte erzielt und befindet sich auf dem letzten Platz! — Dresden: SpBg. Bodenbach gegen Guts Dtuts 1:2(0:1). Die Sowjetfußballer spietten am Samstag in Kladno 12:1,(3:0) und Sonntag in Chodau 14:1 (9:1). In beiden Spielen waren die Gegner„Aus- wahttnannschasten" der FPT. De« slowakische« Marathonlauf, der am Sonntag bei Kaschau durchgeführt wurde, gewann zum ersten Male seit elf Jahren ein Tschechoslowakei, obwohl eine starke Ausländerkonknrrenz am Start war. Sieger wurde Sulc(Sparta Prag) in 2:41:26.3 vor Galambos(Ungarn) 2:42:57.7 und Kuokko (Finnland) 2:47.29 Std. Die amerikanische« Leichtathleten haben ihren letzten Start in I a p a n absolviert. Sie gewannen in Tokio bei einem Studentenmeeting elf von 14 Konkurrenzen.— Die Ergebnisse: 100 Meter: Metcalfe 10.4 Sek.; 200 Meter: Metcalfe 21.3 Sek.: 400 Meter: Greene 48.8 Sek.; 800 Meter: Hornbostel 1:52.2 Min.; 1500 Meter: Cuningham 3:56.8 Min.; 3000 Meter: Crowley 8:54 Min.; 4X200 Meter: Amerika 1:27.4 Min.; 110 Meter Hürden: Good 14.6 Sek.; Hochsprung: Marty 1.95 Meter; Weitsprung: Harada(I) 7.54 Meter; Stabhoch: Nishada(I) 4.20 Meter; Diskus: Dünn 49.83 Meter; Kugel: 15.50 Meter; Hammerwerfen: Abe (I) 49.10 Meter. Vcrclnsnadiriditen SPD-Emigration Prag. Donnerstag, den 1. November, von 5 bis 7 Uhr: Arbeitsgemeinschaft Jaksch; 7 bis 9 Uhr: Arbeitsgemeinschaft Organisationsfragen; Desap-Heim, Narodni tr. 4. filme in Prager Lichtspielhäusern bis einschließlich Donnerstag, 1. November. Adria:„Im Morgenrot"(Tsch.) Alfa:„H ej ru p!"(Tsch. Voskovec und Werich). Avion:„Auf dem heiligen Berge"(Tsch.). Beranek:„Musik der Herzen"(Tsch.), Fenix:„Der Mann zweier Welten"(51.). Flora:„Versuchung der Frau Antonie" (Tsch.). Ganmont:„Solang Du«ine Mutter hast..." Hollywood:„Solang Du eine Mutter hast..." (Tsch.). Hvrzda:„Auf dem heiligen Berge"(Tsch.). Kinema: Journale, Groteske, Reportage(halb 2 bis halb 8), Koruna:„Auf dem heiligen Berge" (Tsch.). Kotva:„Im Morgenrot"(Tsch.)! Lucerna: „Im Morgenrot"(Tsch.). Metro:„Solang Du«ine Mutter hat..."(Tsch.). Praha:„Die Schlossherrin vom Libanon"(Fr.). Radio:„Musik der HLrzen" (Tsch.). Ska«t:„Die Schloßherrin vom Libanon" (Fr.). Svetozor:„Skandal- im Atlantic-Hotel" (D.). Alma:„Musik der Herzen"(Tsch.). Belvedere:„Drei Schritte vom Leib"(Tsch.). Beseda: „Leise stehen meine Lieder"(D.). Carlton:„Musik der Herzen"(Tsch.). Favorit:„Chu-Chin-Chou" (Engl.). Lid«:„Helden desEismeeres — dieTscheljuskinleute"(Ruff.). Roxy: „Musik der Herzen"(Tsch.). Sport:„Der schweigende Mltnd"(Ä.). Urania:„Die-Töchter Ihrer' Exzellenz" mit Riese, Fritsch, von Nagy. Auf der Bühne: Die Comedian Singers. U Bejvod«:„Ein Lied geht um die Wett"(D.). Baldek:„Die Versuchung der Frau Antonie"(Tsch.). Mitteilungen aus dem Publikum. Rach Diana Bollmilch-Malz verläßt dich der Husten über Nacht. 2716 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig Kc 48.—. halbjährig KL 96.— aanftäbria XL io$>_— Werote werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten e^olgt nur bei Einsendmig der Retonrmarken.— Die Zeitunasftankatur würde von' der Bost- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1980bewilligt. Druckerei:„Orbis" Druck- Verlags- und ZeitungS-A.-G?. Prag