z 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 4 « A ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova«2. telefon sxn. AMUNKnATKMiBfKM 9H. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHHM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Etailpreis ftlMBr (einschließlich 5 Hellar foitH 14. Jahrgang Donnerstag, 1. November 1S34 Nr. 256 Wir greifen Die Arbeiterschaft des Komotauer Bezirkes begrüßt die Parole der Partei und erklärt: Die Kundgebung am 4, November 1934 wird die größte werden, die Komotau jemals gesehen hat Aus Komotau wird«ns berichtet: Gestern und vorgestern sanden in unserem Bezirk vier große Vertrauensmännerver- sammlungen statt, und zwar in Komotau» Görkau, Seestadt! und Hei«- richsdorf, die alle einen Massenbesuch aufwiesen und in denen die letzten Vorarbeiten für die sonntägigen Kundgebungen besprochen wurden. Die Versammlungen legten in beredter. Weise Zeugnis ab von der Kampfbegeisterung, die unsere Genoffrn beseelt. Ueberall erklärten die Funktionäre, daß die Weisung der Partei, am Sonntag für die Forderungen der sudeten- deutschen Arbeiterschaft aufzumarschieren, im Proletariat den stärksten Widerhall gefunden hat. In der Debatte zu den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Referaten wurde immer wieder gesagt, es sei daS Gebot der Stunde, daß die Partei aus der Abwehrstellung heraustritt und zur Offensive übergeht. Wir haben es satt» so sprachen die Genossen, die Provokationen des Bürgertums, das unsere Bewegung für die Sünden verantwortlich machen möchte, die es selbst begangen hat, noch länger ruhig hinzunehmen. Nach den Berichten der Vertrauensleute wird unsere Komotauer Kundgebung in Bezug auf Gräße und Wucht alle bisherigen Veranstaltungen in diesem, Gebiet bei weitem übertreffen. Die antifascistische Volksbewegung in Westböhmen Die Arbeitslosen kommen— Böhmisch-Lei pa wird überboten! Das Signal Wer kümmert sich um Not und> Sorgen der Massen? Die Organe des sudetendeutschen Bürgertums haben Henleins Böhmisch-Leipaer Kundgebung mit satter Genugtuung registriert und für sie aus allen Kräften die Werbetrommel gerührt. Warum auch nicht! Der sudetendeutsche Moses Hai in seiner unter Mitwirkung verschiedener Faktoren zustande gekommenen Rede nicht den leisesten Zweifel darüber aufkommen lasten, daß er nicht daran denke, einen der antstozialen Instinkte der sudetendeutschen Bourgeoisie jemals zu verletzen. Er hat in seiner groß angekündigten Deklaration, die die Offenbarung der neuen großen Mission der Sudetendeutschen Hennatfront werden sollte, nicht nur keinerlei wirtschaftliche und soziale Postulate aufgestellt, er hat auch nicht mit einem Worte in dieser Zeit der schrecklichsten Maffennot der wirtschaftlichen und sozialen Nöte der sudetendeutschen Massen Erwähnung getan. ' Zur selben Stunde, da Henlein ganz im Sinne der großkapitalistischen und großagrarischen Hintermänner seiner„Bewegung" diesen für das Sudetendeutschtum wichtigen Problemen sorgfältig aus dem Wege ging, ist die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei mit einem Kampfprogramm gegen die Krisennot vor das Volk getreten und hat damit, ganz anders als Henlein, gegenüber der Arbeiterschaft ihr lebendiges starkes Verantwortungsbewusstsein ebenso bewiesen, wie ihren Unerschütterlichen Willen-alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Aufstieg der Volksmassen aus Not und Elend zu ermöglichen. Röt und Sorgen dieser Massen haben in den Auslassungen Henleins in Böhmisch-Leipa keinerlei Raum gefunden— wir aber wollen nicht schweigen und dies soll in den großen Kundgebungen unserer Partei am 4. November geschehen! Die Lage von hunderttausenden Arbeiterfamilien in der Tschechoslowakischen Republik ist don erschütternder Tragik. Die Situation in den am schwersten von den Krisenwirkungen betroffenen Gebieten ist von furchtbarem Ernst. Menschen, die jahrelang erzwungenem Nichtstun auSgelie- fert sind, die seit Jahren Tag für Tag vergeblich nach Arbeit und Lohn suchen, besitzen nicht mehr !>ie Widerstandskraft, die zur Abwehr gesellschaftszerstörender Erscheinungen Voraussetzung ist. Bor allem in den Grenzgebieten sucht hie Geschäftigkeit von demokratie-feindlichen Elementen Wohlstand und Arbeitsfülle im fascisti- schen Nachbarland vorzutäuschen. Von drüben werden Sappen und Gräben in den Bereich unserer Demokratie getrieben, damit ihre Fundamente abbröckeln und zusammenbrechen sollen. Eine unter den Opfern der Dauerarbeitslosigkeit und der Massennot wachsende Verzweiflungsstimmung wird vog gewissenlosen, kühl berechnenden Demagogen genährt, die für die wirtschaftliche und soziale Notlage Demokratie, die Sozialdemokratie und die fteien Gewerkschaften verantwortlich machen. Mißgunst und Reid darüber, daß nicht alle Angehörigen der Arbeiterklasse die gleiche drückende Last der Krise zu spüren bekommen, Iverden mit ftuslischem Vergnügen angestachelt. Vielleicht ist so die geschloffene Front der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung auseinanderzutreiben... In' Manchen Bezirken haben Telle der staatlichen Vureaukratie durch Maßnahmen, die jedes soziale Empfinden vermissen lassen, diesen Treibereien Vorschub geleistet und den demokratischen Staat, her in solchen schweren Zeiten den der Not ausgelieferten Armen als Beschützer zur Seite treten Müßte, als ihren Feind erscheinen lassen. In dieser Situation kommt die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei mft ihrem Kampfprogramm heraus. Illusionen zerstörend, stellt es wirklichkeitsschüchtern die Tatsachen der jüngsten Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens m unserem Staate fest. Diese Klarheit ist notwendig. Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung ist nicht verantwortlich dafür, daß die Wirtschaft unter den Fesseln des privatkapitalistischen Systems nicht zu einem wirklichen Aufschwung kommen kann. Hätte sie in unserem Lande bereits jene unbesiegbare Kraft, zu der sie erst heranreist, so würde sie heute»diese eisernen Fesseln der Wirtschaft sprengen und Pro-» duktion. Verteilung und das gesamte gesellschast- Karlsbad. Die westböhmischen Genossen, die mir der Vorbereitung des sonntägigen Massenaufmarsches beschäftigt sind, wissen, daß von ihrer Tatkraft und ihrem organisatorischen Können viel abhängt. Hier haben wir die stärkste Partei-Kreisorganisation. Der von der Henleinbewegung festgestellte Zerfallner Sozialdemokratie müßte also hier besonders stark zu bemerken sein. Alle, die an dem Sterben unserer Partei so große Freude haben, werden eingeladen, am Sonntag nach Karlsbad zu kommen. Hier können fie das„politische Nichts", das die Sozialdemokratie nach den Behauptungen der Schrift- lriterpresse durch den henleinschen Sturmangriff geworden ist, selbst in Augenschein nehmen. Was sich jetzt in den einzelnen Bezirken abspiclt, verbürgt allerdings allen Henleinfreunden eine arge Enttäuschung: der Aufruf der Partei an die sozialistischen Republikaner, am 4. November zu großen antifascistischen Kundgebungen anzutreten, hat in Westböhmen einewahreBolks- bcwegung ausgelöst. „Wir werden es ihnen Reigen I“ Das Verbot der für den 7. Oktober in Karlsbad angesagt gewesenen Kundgebung hat zunächst liche Leben auf einer anderen, den Interessen aller Gesellschaftsglieder gerecht werdenden Ordnung neu organisieren. Jetzt muß sie mit dem Einfluß, über den sie verfügt, und den zu stärken und zu erweitern die Pflicht aller Arbeitenden ist, auf dem demokratischen Staat einwirken, damit er-durch systematisches und planmäßiges Eingreifen in die Wirtschaft die schädlichen Wirkungen der Krise auf ihre besitzlosen Opfer herabmindert. Diesem Zweck dient ins Programm, an dessen Spitze die F o r- b et u n g n a ch S ch a ffung von Arbeitsgelegenheit steht. Ein ganzes System von sozial- und wirtschaftspolitischen Notwendigkeiten zeigt auf, wie dieser Zweck durch das Eingreifen des Staates zu erreichen ist. Mit ihrem Kampfprogramm vom Herbst 1934 verkündet die sozialdemokratische Arbeiterbewegung vor dem ganzen Volke, in welcher Richtung fie ihre Macht in der nächsten Zukunft einzusetzen gewillt ist. Der Schutz, die Verteidigung des arbeitenden und des arbeitslos gewordenen Menschen und seiner menschenünwürdigen Existenz steht für sie in ihrem Kampfe obenan. Wo ist noch.eine Partei, die mit dieser letzten Offenheit, mit so tiefem Ernst für die Verstimmung und Unzufriedenheit zur Folge gehabt. Als aber bekannt geworden war, daß wir am 4. November marschieren werden, um Henlein die Antwort auf die fascistische Herausforderung von Böhmisch-Leipa zu erteilen, gab es überall freudigste Zustimmung und das Gelöbnis, für de» 4. November noch eifriger zu arbeiten als für den 7. Oktober. In der Partei, den Gewerkschaften, den Genossenschaften und den Kulturorganisationen gibt es jetzt nur einen Rede- und Arbeitsstoff: die antifascisti'sche Kundgebung in Karlsbad.„Wir werden es ihnen zeigen l"— das kann man immer wieder hören, ob man nun in die ärgsten Notstandsgebiete kommt und dort mit den Arbeitslosen spricht oder noch in Arbeit stehenden Vertrauensleuten begegnet. Das ist Solidarität! Wir werden ihnen zunächst zeigen, was Solidarität ist. Aus dem Bezirk E l b o g e n z. B.» in dem die Arbeitslosigkeit sehr groß ist, können nicht alle Teilnehmer an der Kundgebung nach Karlsbad marschieren. Die Genossen aus einigen Orten müssen die Eisenbahn benützen. Darunter sind Arbeitslose, die schon monate- und jahrelang nichts verdienen. Die Solidarität der Arbeitenden sichert ihnen die Möglichkeit der Bahnbenützung: es wird eifrig gesammelt. ausgebeuteten» in schwerer Not versinkenden arbeitenden Menschen eintritt? Wo ist jemals außerhalb der Sozialdemokratie und außerhalb der freien Gewerkschaften so viel zähe, verbissene, aufreibende Kleinarbeit für die Arbeiterinteressen geleistet worden? Die phrasendreschenden Demagogen aus allen anderen„Fronten" und Parteien können nicht ein Tausendstel davon aufzeigen! Hat das Kampfprogramm, dem wir am 4. November neben dem Protest gegen den Hen- leinfascismus kraftvoll unsere Zustimmung geben wollen, die eine Bedeutung, für die in den öffentlichen Institutionen und Körperschaften wirkenden Vertreter der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften, für unsere Parlamentarier die Richtung ihrer Arbeit abzustecken, so hat es auch noch die andere: Signal zu sein für die Massen der Sllbei- ter, Angestellten, Arbeitslosen und Kleinbauern, sich in dem Kampf«m die Rettung der Wirtschaft, um die Rettung der Arbeit und des Menschen, der sie vollbringt, in die einzige Front einzureihen, die diesen Kampf ohne Schwanken mit.dem klaren Ziel der Befreiung vom Kapitalismus zum Siege führen will! Wer eine Krone entbehren kann, stellt sie für de» guten Zweck znr Verfügung. Dabei muß man bedenken, daß jeder zweite Parteigenosse arbeitslos ist! Aus dem Elbogener Bezirk werden 3000 Menschen nach Karlsbad kommen. Nach den bisherigen Anmeldungen. Aber die Zahl der Anmeldungen wird von Stunde zu Stunde größer. Eine Vertrauensmännerversammlung, die am Dienstag in Cho bau stattfand, verlief in großer Begeisterung. Ein Teil der kommunistischen Arbeiter wird sich an der Demonstration beteiligen. Es sind einige Tausend Arbeiter aus dem Elbogener Bezirk, denen am Sonntag eine Marschleistung vonm ehr als sechs Stunden bcvorsteht. Das kann sie nicht schrecken.„Wir werden es ihnen zeigen!" Alle helfen mit! In F a l k e n ä u ist das Kreissekretariat der Turner, in Karlsbad das der Jugendlichen. Ueberall ist man fieberhaft am Werke, um die Kundgebung recht eindrucksvoll zu gestalten. Sie wird zeigen, w o der beste Teil der sudetendeutschen Jugend steht. Dabei wütet die Arbeitslosigkeit gerade unter der Jugend entsetzlich. Etwa dreißig Prozent der Turnvereinsmitglieder sind arbeitslos. 2m Sozialistischen Jugendverband ist das Verhältnis noch schlimmer. Aber die rote Jugend läßt sich nicht unterkriegen: ihre Eingliederung in die mächtigen Kaders der antifascistischen Kämpfer zeigt, daß fie mit der Partei fest verbunden ist. Neben den Jugendlichen und den Turnern sind alle übrigen Kulturorganisationen mit der Vorbereitung des. 4. November beschäftigt: ein Wille, ein Hiel beherrscht alle. Sie werden es ihnen zeigen! Die Arbeitslosen kommen! Unvergeßlich ist der Eindruck, den die Unterredung mit den Graslitzer Vertrauensmännern vermittelt. Graslitz ist der Bezirk, der absolut und verhältnismäßig die meisten Arbeitslosen hat. Die Genossen weisen darauf hin, daß die vor einigen Tagen in der sozialdemokratischen Presse gemeldete Arbeitslosenzahl— auf je 1000 Einwohner 231 Arbeitslose— gar nicht stimmt; sieistinWirklichkeitvielhöher. Man muß zur Zahl der registrierten Arbeitslosen noch die Bergarbeiterpensionisten zählen, die nicht arbeits-, sondern nur berufsunfähig sind und nur deshalb aus der Statistik ausscheiden, weil fie nicht an der Ernährungsaktion beteiligt sind. Sie können jedoch von ihrer Pension nicht leben und waren früher alle in anderen Berufen tätig. Aber auch die kleinen Meister, die nach ihrer ganzen Lebenslage Proletarier sind, vermehren die Zahl der wirllich Arbeitslosen. Auf 1000 Einwohner dürften nach den glaub- haft belegten Angaben unserer Vertrauensmänner etwa 300 Personen kommen, die arbeits-, bezw. einkommenslos sind. Die Henleinfascisten, die ständig versuchen» die Arbeitslosen gegen die Sozialdemokratie auszuspielen und behaupten, gerade in Graslitz sei ihnen' der Einbruch in unsere Reihen gelungen, mögen sich am kommenden Sonntag sehr aufmerksam umsehen: unser Ext razugfährt m i t t a g s a b. Er ist schon derart überfüllt, daß er wahrscheinlich wird geteilt werden müssen. Wieviele der Genossen und Genossinnen, die am Sonntag nach Karlsbad fahren werden, find arbeitslos? «Mehr als 90 Prozent!" ist die Antwort. Für sie, alle ist das ein schweres Opfer. Da sind die Arbeitslosen von Rothau, die schon jahrelang keinen Verdienst haben, da sind die arbeitslosen Instrumenten- und Spielzeugmacher. Sie haben nur noch dünne Kleider auf dem Leib und haben schlechte Schuhe. Aber sie werden kommen, sie werden es ihnen zeigen! Wer. noch Arbeit.hat, hilft den Kameraden di e F a h r t bezahlen. Die Arbeiter^ aus der ganzen Kreisorganisation sind den Graslitzer Kameraden helfend beigesprungen; in den Gewerkschaften und in der Genossenschaft ist «Seite 2 Donnerstag, 1. November 1934 M. 258 eine große Solidaritätsaktion im Gange. In diesem Elendsbezirk, in dem die Arbeitslosen keinen Ausweg aus ihrer Not sehen, hängen die Proletarier mit unerschütterlicher Treue an der Partei, von der sie wissen, daß sie ihr Anwalt ist. Was ihnen an Hilfe wird, das danken sie der Partei, was ihnen fehlt, hat die kapitalistische Ordnung verschuldet. Gegen sie gilt es anzutreten, gegen sie und ihre Sachwalter. Darum kommen die Graslitzer Arbeitslosen am Sonntag nach Karlsbad. Die Kampfbereitschaft ist noch größer als vor dem 7. Oktober. Rehr als doppelt soviel wie damals fahren wollten, werden am kommenden Sonntag in Karlsbad sein! Ohne die Kommunisten! Während unseres Aufenthaltes im Parteisekretariat sprach eine kommunistische Abordnung vor. Sie überbrachte einen Brief, in dem sie mitteilt, daß die Kommunisten am 4. November in Karlsbad einen Redner stellen, werden. In dem Schreiben wird die tschechoslowakische Demokratie höhnisch glossiert. Aus ihm spricht die seltsamste Polizeigesinnung: die Henleinbewe- gung möge verboten werden. Mehr als einmal sind unsere Kommunisten im tschechoslowakischen Parlament mit den Nazis gegangen; in Deutschland haben sie gemeinsam mit ihnen gegen die sozialdemokratischen Länderregierungen gestimmt. Jetzt haben sie ihre Liebe zur Polizei entdeckt— freilich vor allem zu dem Zwecke, um wiederum einen sozialdemokratischen„Verrat" aufzuzeigen. Wir setzen den Patentrevoluzzern die Polizei zu wenig ein. Natürlich haben wir auch keinen Einfluß auf sie; ginge sie aber gegen die Henleinfascisten vor, so wäre das den Kommunisten wieder ein Anlaß, die Demokratie zu schmähen. Sie sind keine Bundesgenossen im Kampfe gegen den FasciSmus. Sie, die ihre Massen für ihn präpariert haben, werden auf sozialdemokratischen Kundgebungen keine Redner stellen! Wenn sie sich eingliedern wollen— unter unseren Fahnen, hinter unseren Parolen—, sind sie willkommen. Zur Ausführung der Absicht, unsere mächtige Kundgebung durch die Exzesse eines kommunistischen Redners zum Gaudium der Gegner zu schänden, gibt es jedoch weder Extrazüge noch sonstige Möglichkeiten. Das wurde der kommunistischen Abordnung von den anwesenden Arbeitern sehr deutlich gesagt. Die Entschlossenheit der sozialdemokratischen Arbeiter, jeden Störungsversuch der Kommunisten und jeden Mißbrauch unserer Kundgebung für deren Parteizwecke zurückzuweisen, ist so stark, daß den bolschewistischen Drahtziehern im Namen der Masse, aus die sie sich berufen wollen, dringend zu raten ist, ihre ' Hände vom Spiel zu lassen: Die sozinldemokra» tischen Arbeiter verstehen da keinen Spaß, auch die Graslitzer Arbeitslosen nicht. Die Partei wächst! Wir schließen unseren Rundgang in Seit» dek ab. Auch hier gibt es glänzende Beispiele der Solidarität: die Angestellten der Gemeinde, des Konsumvereins und der Krankenversicherungsanstalt opfern einen Teil ihres Lohnes, um einigen Arbeitslosen die Fahrt nach Karlsbad zu ermöglichen. In der Partei.und den Gewerkschaften wird gesammelt. Der Bezirkssekretär ist vorsichtig. Er sagt, daß 2000 Leute aus Neudeck kommen werden. Es werden viel mehr fein. Aber er stützt sich auf die bisherigen Anmeldungen. Diese Vor sicht war überall zu bemerken.„Wir wollen angenehm enttäuschen", sagen die Genossen. Die Arbeitslosen» die die Unterstützung beziehen, bezahlen die Reise selbst. Mst den Kommunisten wollen sie nichts zu tun haben.„Wenn wir uns mit ihnen einlassen, stärken wir nicht die anti- fascistischen Reihen, sondern verlieren ein Drittel unserer Mitglieder. Sie sind nicht ehrlich und wir glauben ihnen nicht." So stirbt unsere Partei: In den- letzten Wochen haben wir im Bezirk Elbogen 300 neue Mitglieder gewonnen; davon allein 111 in dem Selten einmal hat die Arbeiterklasse des Wahlkreises B.-Leipa, wenn die Partei sie rief, auch nur gezögert/ dem Rufe zu folgen. Immer waren sie da, die Textilproleten des Niederlandes und des Polzentales, die geistig so fortgeschrittenen und nun so schwer von der Krise heimgesuchten Künstler der Glasindustrie von Haida und Steinschönau, die zähen Kämpfer des Leipaer Bezirkes. Die Arbeiter der so verschiedenartig zusammengewürfelten Industrien Bodenbachs und des Eulautales haben manchen harten Strauß bestanden. Die„Chemiker" Aussigs und die Ar- bester des ganzen Elbetales von Leitmeritz bis zur Landesgrenze haben nie versagt. Aber mit einer solchen Präzision, mit einem solchen Elan, so begeistert und opfer- b e r«i t, wie sie die Parole der Partei zum 4. November 1984 ausgenommen haben, haben wir sie schon lange nicht mehr gesehen. Am Freitag, den 26. Oktober, gingen die ersten Weisungen des Kreissekretariats an die Vertrauensleute hinaus, erhalten haben sie sie am Samstag, an welchem Tage auch in der Parteipresse zu Vertrauensmännerversammlungen der Bezirke eingeladen wurde. Am Sonntag, den 28. Oktober, also nur zwei Tage später, tagten nicht weniger als sechs solcher Vertrauensmänner- Versammlungen und am Montag und Dienst^ je eine weitere in Bodenbach und Aussig, die durchgehends einen wahren Massenbesuch aufzuweisen hatten und in denen die Aufforderung zur Beteiligung an der großen Kundgebung mit Begeisterung ausgenommen wurde. Bereits am Montag, den 29. Oktober, 48 Stunden nach der ersten Verlautbarung der Kundgebung, waren im Kreissrkrrtariat in Bodenbach sechs Sonderzüge gemeldet, da es sich bereits am Sonntag in den Bertrauens- männersitzungen als unmöglich herausstellte, mit test fahrplanmäßigen Zügen''vie per''zur Kundgebung eilenden Arbeiter befördern zu können. Heute, Mittwoch, erscheint es fraglich, ob selbst diese sechs Sonderzüge zureichen werden und ob nicht noch ein siebenter oder gar achter angesprochen werden muß. So waren aus dem Aussig-Karbitzer Gebiet zwei Sonderzüge gemeldet. Die Aussiger Genossen rechnen aber mst einer Beteiligung von 8000Personen und es werden daher, wenn nicht ein dritter Sonderzug verkehren wird, die fahrplanmäßigen Züge sehr stark besetzt sein. Aus dem Niederlande haben die Be- zirke Warnsdorf und Rumburg je einen Sonderzug gemeldet. Der von der Krise so hart heimgesuchte Bezirk B.- Kamnitz wird etwa Bergarbeiterort Altsattl. Dort gab es früher überhaupt keine Frauen in der Partei. Jetzt ist dort eine Frauensektion mit 48 Mitgliedern. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sind gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres im Bezirke Neu» dek 400 Parteimitglieder mehr. * Am Sonntag wird das tausendfältige Wirken für die Partei, wird die Treue, wird die Leidenschaft unserer Massen Gestalt gewinnen. Die Hen- leinleute und ihre Freunde mögen kommen. Wir werden es ihnen zeigen! X. X. 700 bis 800 Personen ebenfalls mittels Sonderzug nach Bodenbach entsenden und aus dem Elendsgebiet Haida kommt über B.-Leipa gleichfalls ein Extrazug. Natürlich werden nicht alle die Züge benützen. Die Genossinnen und Genossen des ",.A tu!" haben alle eigenen Veranstaltungen abgesagt und ihre Mitglieder verpflichtet, an der Kundgebung teilzunehmen. Es darf daher mit etwa 1000 Radfahrern gerechnet werden, die per Rad in Bodenbach eintrekfen. Der„A t u s" hat ein Spiel- und Turnvcr- bot erlassen und beteiligt sicki in Turnerkleidung an der Kundgebung. Jugendliche,' Naturfreunde, Gewerkschaften, Freidenker, kurz alle Zweige der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung habm sich ir- herrlicher Einmütigkeit hinter die Parolen der Partei gestellt und der kommende Sonntag wird den eindeutigen Beweis erbringen, daß es mit dem „sterbenden Marxismus" noch gute Wege hat. Konrad.Henlein hat am 21. Oktober in B.- Leipa nach den Angaben der in seinen Diensten stehenden Presse 20.000 Menschen nach wochenlanger unerhörter Propaganda und aus dem ganzen deutschen Siedlungsgebiete von Asch bis Reichenberg zusammengetrommelt. Nach den Zählungen unvoreingenommener Personen waren es jedoch nur 12.000. Wir werden unter Beweis stellen, daß die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei dieses einzigen, nordböhmischen Wahlkreises in einem Zeitraum von acht Tagen die gleiche Anzahl Menschen, aber politisch geschulte, Aar denkende und von ihrer Idee überzeugte und durchdrungene Arbeiter in Bewegung zu setzen vermag. , Wie tief im Herzen muß den Arbeitern der Gedanke des Sozialismus sitzen, die in der Zeit der schwersten wirtschaftlichen Bedrängnis, Opfer des Kavitalismus,.Arbeitslose, Kurzarbeiter, zu solcher Begeisterung entflammen! Welche Partei " deV Bürgertums kann sich rühmen; von ihren Anhängern ein Gleiches aufzuzeigen? An B.-Leipa„Ordner", die mit 30 X£ Taggeld und Verköstigung für ihren„Dienst" entlohnt wurden, 800 Gendarmen, die die Veranstalter dieses Oktoberrummels angefordert haben und die ihnen 80.000 XL kosteten. In Bodenbach werden 1000 RW-Männer ohne jede Entschädigung ihre Pflicht erfüllen. In B.-Leipa eine Rede, die ein armseliges Spiel mit Worten, keinen einzigen positiven politischen Gedanken enthielt, der Verlogenheit entsprungen, hier eine disziplinierte, von einer großen Jdeegetragene, begeisterte, kampfentschlossene Bewegung einer Klasse, die tausend Schlachten geschlagen hat Auch die Jugend marschiert! Alle Mitglieder des Sozialistischen Jugendverbandes beteiligen sich am kommenden Sonntag, an den antifascistischen Kundgebungen der Partei, BiS zum Sonntag helfen alle Jugendgenossen und -Genossinnen bei den Vorarbeiten. Niemand schließe sich auS! Der Kampf gegen den FasciSmus ist ein Kampf für die Jugend und muß darum ein Kampf m i t der Jugend sein. Der BerbandSvorstand des Sozialistischen JugendverbandeS. und die in opferreichen Kämpfen, trotz mancher Niederlage, vorwärts strebt und das Antlitz der Welt verändert. In diesen Tagen wurden wir auch Zeugen von Beweisen herrlicher Solidari- t ä t: Weder unsere Partei, noch die Gewerkschaften, noch die anderen unserer Organisationen verfügen über die Mittel, um die Zu- und Abfahrt der Teilnehmer zu bezahlen. Kein Fabrikant stellt uns Auto und Barmittel zur Verfügung. Soweit sie noch in Arbest stehen, wird dies ja, lvenn auch nicht allzu leicht, möglich sein. Aber die Arbeitslosen... Sollen die fernbleiben, sollen sie deshalb, weil sie aus dem Produktionsprozeß ausgeschieden wurden, nicht mit ihren Klaffengenossen marschieren und ihren Willen kundgeben? Nun; die oft bewährte Solidarität sozialdemokratischer Arbeiter hat auch heute noch ihre Geltung, trotz Not und Krise, und in den wenigen Tagen seit dem verflossenen Sonntag trat sie leuchtend in Erscheinung. Die Kreisleitung richtete an die in Arbest stehenden Genossen den Appell, wenigstens für einen Arbeitslosen die ganzen oder teilweisen Kosten der Bahnfahrt zu übernehmen. Der Erfolg war beispiellos Überraschend: Sonntag, den 28. Oktober, fand die Ber- tranensmännerkonferenz in B.-Kamnitz statt. Am nächsten Tage meldete B.-Kamnitz- daß bereits für 250 Arbeitslose die Kosten der Bahnfahrt sicherge- stellt seien«nd daß die Aktion fortgesetzt wird.- Das Notstandsgebiet Z w i ck a u-R ö h r s- d o r f hat 100 Teilnehmer gemeldet, davon sind 75 arbeitslos. Für diese 75 Arbeitslosen haben die anderen Arbeiter di« Fahrkosten aufgebracht. Di« kleine Ortschaft D ch w o i k a meldet von 13 Teilnehmern zwölf Arbeitslose. JnRumburg kam unter den Textilarbeitern der Beschluß zustande, die Fahrtkosten für 400 arbeitslose Textilpro- leten aufzubringen. In Bodenbach sorgen die Arbeiter durch Sammlungen unter sich dafür, daß die Arbeitslosen von auswärts und im eigenen Bezirke, und wenn sie in noch so großer Zahl kommen, e i n warmes und ausgiebiges Mittagessen erhalten. Und darin liegt die Garantie des Erfolges enn 4. November: In der Begeisterung für die Idee und in der Solidarität der nordböhmischen Arbeiterklass« E. A. 9 ereltschaft und Solidarität Das Nordböhmische Proletariat In Aktion 36 BRUNO ADLER: IFAMPF um POLNA llv<= EIN TATSACHENROMAN Copyright 1934 by Michal Kacha Verlar. Prag XIX Als Schneider seine Zitate aus dem „Talmudjuden" fortsetzt und einzelne Stellen hebräisch vorbringt, erweckt er schallende Heiterkeit. Die Stimmung des hohen Hauses ist gehoben. Verfemt Masarhks Broschüre, durch die Interpellation immunisiert, erscheint deutsch im Verlag der „Zeit" und erregt großes Aufsehen. Die Antwort erfolgt unverzüglich. Die Wiener und die tschechischen Antisemiten fallen vereint über den Verfasser her. Schon einmal, als er sich an die Spitze der Gelehrten stellte, die das nationale Heiligtum der Königinhofer Handschrift als Fälschung entlarvten, stand sein Volk geschlossen gegen ihn. Er war ein Verräter, ein Bandit, ein von den Freimaurern bestochenes Subjekt, mit Millionen gedungen, dem Volk Schmach anzutun. „Geh zum Teufel, schändlicher Verräter!" fluchten ihm damals die„Närodni Listy",„und schließe dich mit deiner zweifelhaften geistigen Wenigkeit uno mit deiner moralischen Armseligkeit an, an wen du ixillst. Nur wage es nicht mehr, unsere geheiligte Sprache zu gebrauchen und sie mit deinem niederträchtigen Geist und vergiftenden Atem zu verunreinigen! Geh zu dem Feind, dem du dienst, vergiß, daß dich eine tschechische Mutter geboren hat, daß du auf tschechischem Boden schrfttest! Wir scheiden dich aus unserm Volkskörper auS wie ekligen Eiter. Geh und flieh aus diesem heiligen Land, bevor es sich unter dir öff- pet, dich zu verschlingen!" So wie damals fluchen sie heute. So wie damals seine Ernennung zum ordentlichen Professor abgelehnt wurde, wie er sich, persönlich diffamiert, mit seinen politischen und wissenschaftlichen Gegnern vor den Gerichten herumschlagen mußte, so stehen sie heute wieder alle wie ein Mann gegen ihn, einen Mann. Die katholischen Blätter der Tschechen und die Wiener LoS von Rom-Presse gehen in einer Front gegen ihn vor. Schon am Samstag, den 11. November, kündigt das„Deutsche Volksblatt" an:„Professor Masaryk wird in seiner nächsten Vorlesung eine unangenehme Ueber- raschung erleben. Die tschechische Studentenschaft wird ihn nach allen Regeln der studentischen Kunst auspfeifen." An den Prager Hochschulen werden Zettel verteilt:„Montag Masaryk in der Praktischen Philosophie auspfeifen I" Die Montag-Vorlesung muß entfallen, weil Masaryk sich nicht wohl fühlt. Da er nun nicht zu den empörten Studenten kommt, kommen sie zu ihm. Etwa siebzig junge Leute marschieren zu seiner Wohnung auf der Kleinseite und füllen den großen Hof des alten Hauses der Thungasse. Plötzlich erscheint Masaryks Frau unter ihnen und lädt sie ein, in die Wohnung zu kommen, wenn sie den Professor sprechen wollten. Er selbst tritt auf die Pawlatsche, den offenen Gang, der innen um jedes Stockwerk der alten Prager Häuser läuft. Die Demonstranten bringen es nicht über ein paar schüchterne Proteftruse und verdrücken sich. Erst die Zeitungen müssen ihnen Mut machen. Sie geben die Adresse von Masaryks Wohnung an, beschreiben, welche Fenster zu ihr gehören und welcher Weg zu ihr führt. Für Dienstag 4 Uhr beruft der Mlstudentische Ausschuß eine Sitzung ins Karolinum ein. Auf das Programm wird ein aktuelles politisches Thema gesetzt, doch allgemein ist bekannt, daß die Polna-Broschüre den Gegenstand der Versammlung bilden soll. Bor ihrer Eröffnung wird sie vom Rektor verboten. Nun ziehen die Teilnehmer geschlossen auf die Kleinseite. Vor dem Radetzky-Denkmal wird gepfiffen. die«Närodni Listy" werden mit Heilrufen geehrt. Die„Katolicke Listy"«wer melden, daß Masaryk erst Donnerstag wieder zu lesen gedenke, und daß ihm die Studentenschaft bei dieser Gelegenhett ihre Gesinnung beweisen werde. Andere Blätter sind der Meinung, der unbeliebte Lehrer werde sich hüten, seine Vorlesungen wieder aufzunehmen. Als Masaryk, noch nicht wiederhergestellt, am Donnerstag in einer Droschke, begleitet von seiner Frau, zum Klementtnum kommt, haben etwa zwölfhundert junge Leute, zum großen Teil nicht der Universität angehörig, den Hof und den Kollegsaal besetzt. Seine Anhänger bahnen ihm den Weg. Sobald er den Raum betritt, bricht ein Höllenlärm los. Er kann nicht zu Wort kommen. Masaryk, nach vergeblichen Versuchen, sich anders verständlich zu machen, schreibt mft Kreide an die Wandtafel: „Ich habe mich nicht gefürchtet zu kommen, ich bitte ums Wort." Der Lärm geht weiter, und Masaryk schreibt weiter: „Ich erkläre: 1. Die Bezichtigungen aller Zeitungen, daß ich bestochen sei, sind erlogen, desgleichen 2. die Bezichtigung, daß ich meinen Namen für eine fremde Arbeit geliehen habe. 3. Ich bin aufgetreten, weil ich den klerikalen Antisemittsmus erkannt habe und ihn für ein nationales Uebel halte. 4. Gewissenhafte Studien haben mich überzeugt, daß die Durchführung des Polnaer Prozesses geradezu ein Attentat auf Vernunft und Menschlichkeit ist. Ich habe die Freiheit des Denkens und Fühlens vetteidigt, ohne Diplomatie, und werde sie immer verteidigen. Was habt Ihr Demonstranten also dagegen? Nennt mir Eure Gründe, ich werde sie respektieren, wie ich auch von Euch Respekt verlange." Keine Antwort als neuerliches Toben. Masaryk schreibt weiter: „Ich habe den tschechischen Studenten und alle seine Mottve stets geachtet. Ich stehe ihm hier Rede und will jede Frage beantworten. Ich hoffe noch immer auf die Mannhaftigkeit der Gesinnung und daß jemand persönlich, nicht cmonyiN das Wort nehmen wird." Auf diese zweite Aufforderung hin ttitt ein Student zur Tafel und schreibt: „Wir haben gegen Masaryk einzuwenden, daß er in so bewegten Zeiten, wo es notwendig ist, daß das Volk geschloffen gegen die feindlich« Regierung stehe, eines Juden wegen das ganz« Volk spalten und somit schwächen will. Er arbeitet dem expansiven Germanismus in die Hände. Wir haben gegen ihn ferner einzuwenden, daß er behauptet: ich muh recht haben, mag auch das, was ich behaupte, nicht wahr sein. Aus ihm würde kein Hilsner einen Tropfen tschechische» Blutes herausschneiden. Fiala." Masaryk antwortet auf der Tafel: „So bewegte Zeiten haben wir immer, hauptsächlich deshalb, weil eine korrumpiert« Journalistik einen Teil der denffaulen Intelligenz anführt. Ich verlange Fatten und keine spitzigen Phrasen." „Faktum ist die Broschüre, die beweist, daß 'Masaryk lieber den Juden hilft als dem eigenen Volk." „Da habm Sie die Broschüre eben nicht gelesen— wie also diskutieren?" Eine Verständigung ist unmöglich. Das anhaltende Gebrüll und Pfeifen zwingt den Lehrer, den Saal zu verlaffen. Die Hörer, die nicht hören wollen, drängen sich an ihn heran, beschimpfen, stoßen und zerren ihn, vergreifen sich sogar an seiner Frau. Die Anhänger sind zu schwach, ihn zu schützen. Endlich ist der Wagen erreicht, der im Hof» von zwei jüngeren Kollegen des Professors bewacht, gewartet hat. (Fortsetzung folgt.)' Nr. 25« Donnerstag, 1. November 1934 Seite 3 Arbeiterfront gegen Henleinfront! Heraus zu den Kundgebungen am 4. November! Die Geburtswehen des österreichischen Ständestaates Handelspolitische Schwierigkeiten Buchstäblich mit Hängen und Würgen ist im Feber daS neue Oesterreich der Starhemberg und Fey geboren worden. Mühsam bewegt es sich durch die Schwierigkeiten, die teils in der offenen Anlehnung an Rom und den geheimen Packeleien mit Berlin zu suchen sind, teils in den Affären der führenden Regierungsmänner, als da sind Scheidungs- und Alimentationsfragen, Unterschlagungen, Wechselgeschichten und nicht zuletzt dringender Verdacht der Beteiligung an Hochverrat und Mordaktionen.-Nun soll es einen Schritt weiter gehen. Der Staatsrat soll bis zum 1. November ernannt sein. Am Abend des 31. Oktober wird aber zwischen den verschiedenen Cliquen noch erbittert um die Pfründen und Ehren gerungen. Als gesichert gelten die StaatSratSsitze für den ehemaligen Präsidenten des Nationalrats Dr. Dinghofer, den Generalprokurator Dr. Winterstein, des Professor Oswald Redlich, den Generalobersten Schönburg- Hartenstein, den Präsidenten des Hauptverbandes der Industrie, Urban, den Abt des Schottenstiftes P e i ch l, den Direktor der Bundesbahnen N o a k h. Der Präsident der jüdischen Religionsgemeinde P i ck, der frühere Bundeskanzler Streeruwitz und der Staatssekretär Glaß sollen auch ernannt werden. Lebhaft umstritten ist noch der Präsidentenstuhl, für den Dr. Ender, der Autor des Monstrums von Ständeverfassung, oder B a u g o i n in Frage kommen. Schuschnigg und Starhemberg tagen zu zweit, um diese weltbewegende Frage zu entscheiden. Im übrigen macht die Aussöhnung mit den Nazis rege Fortschritte. Die Militärgerichte stellen ihre Tätigkeit ein. Die amtlichen Blätter berichten, daß die deutsche Propagandatätigkeit aufgehört habe und konstatieren mit Genugtuung, daß Habicht und Frauenfeld Aemter im Dritten Reich erhalten. Zwischendurch werden Waffenfunde bei Nazis(z. B. St. Andrä-Wör« dern) gemeldet, aber solche Kleinigkeiten werden der Aussöhnung nicht im Wege stehen, die ja Fey am 28. Juli vom Ballon des Kanzlerpalais aus schon eingeleitet hat. Der mysteriöse Stoklas ausgeliefert Wien.(Tsch. P.-B.) Wie berichtet wird, be- sindet sich seit Anfang September ein gewisser StoklaS in österreichischer Gerichtshaft. Nach dem Attentat von Marseille verlangte er, zu einem -Verhör vorgeführt zu werden, und erklärte bei demselben, daß er in der Lage wäre, wichtige Mitteilungen über die Vorgeschichte dieses Attentates machen zu können. Diese Angaben des Verhafteten wurden den jugoslawischen Behörden zur Kenntnis gebracht und diese haben um die Auslieferung StoklaS' angesucht. Nunmehr wurde dem Auslieferungsbegehren entsprochen und StoklaS wurde gestern an der österreichisch-jugoslawischen Grenze den jugoslawischen Gendarmen übergeben. mit Rußland, Belgien, Frankreich, Holland und Deutschland Die Tschechoslowakei führt, wie wir dem „Prävo Lidu" entnehmen, gegenwärtig wichtige handelspolitische Verhandlungen, bei denen sich durchwegs große Schwierigkeiten ergeben haben. Auch diejenigen Länder, welche bisher Anhänger des freien Handels gewesen sind, beginnen mit Zollerhöhungen vorzugehen. So wird voraussichtlich Holland in der nächsten Zeit Prohibitivzölle einführen, ähnlich ist es bei B c l g i e n, wo unsere handelspolitischen Schwierigkeiten in der letzten Zeit sehr gewachsen sind. Auch mit Frankreich sind die Verhandlungen nicht leicht. Dieses Land hat nach einer neuen Verordnung die Zwangsbezeichnung des eingeführten Glases mittels eines unverwischbaren Zeichen- trotz aller tschechosiowakischen Proteste eingeführt. Erreicht wurde allerdings nur, daß die Gültigkeit der Verordnung bis zum 1. Dezember hinausgeschoben wurde. . Auch die Verhandlungen mit S o w j et- ruß l a n d gehen nicht leicht vonstatten, weil die Russen Kredite mit der Laufzeit von fünf Jahren verlangen, was die Tschechoslowakische Republik nicht durchführen kann. Den Russen wird voraussichtlich ein Kredit von 460 Millionen XL auf drei Jahre im Rahmen des Gesetzes über die Exportkredite vorgeschlagen werden. Der tschechoslowakische Export muß freilich bis zu einem gewissen Maße durch die Einfuhr russischer Produkte ausgeglichen werden. Die größten Schwierigkeiten ergeben sich freilich in den Verhandlungen mit Deutschland. In den letzten Monaten ist die tschechosloloakische Ausfuhr nach Deutschland viel größer als die Einfuhr deutscher Waren zu unS. Dadurch ist im Clearing für die Tschechoslowakei eine Aktivspitze von etwa einer Biertelmilliarde XL erreicht worden. Diesen Betrag sind die deutschen Abnehmer unserer Waren den tschechosiowakischen Exporteuren schuldig. Es muß also eine Vereinbarung über die Abzahlung dieser Schulden getroffen werden. Alle diese wirtschaftspolitischen Schwierigkeiten sind naturgemäß ein Hindernis unserer Ausfuhr und damit ein Hindernis des Aufschwunges unseres Wirtschaftslebens. bankerott der Flotten-Abrüstung Alle einig— Im Ablehnen I London. Der Marine- Mitarbeiter des „Daily Telegraph" glaubt, berichten zu können, dass die wichtigen Punkte des britischen Planes zur Begrenzung der Deerüstungen unnachgiebigen Wider st and gefunden haben. Der Vorschlag, die Tonnage der Großkampf- fchiffe herabzusetzen, sei endgültig verworfen worden. Die britische Anregung, die Tonnage der Kreuzer.auf.2000 Tonnen zu beschränken, die Frankreich, Italien und Japan zusagten, sei von Amerika endgültig abgelebt worden. Für Kreuzer bleibe es also bei einer Höchst- » Nach halbamtlichen Meldungen aus Tokio soll Japan grundsätzlich bereit sein, an die Stelle des Washingtoner Abkommens über die Marinerüstungen einen neuen Vertrag zu setzen. Allerdings wird betont, daß Japan an der Forderung festhalte, daß der Schlüssel im Verhältnis der drei großen Seemächte(England, Vereinigte Staaten, Japan), der bisher 5:6:3 war, zugunsten Japans geändert wird. Ferner verlangt Japan das Verbot der Angriffswaffen(Flugzeugmutterschiffe), aber Beibehaltung des U-BootS als„Nerteidi- gungs"waffe. Da der Hauptkonkurrent Japans grenze von 10.000 Tonnen und einer Höchstve- woffnung mit 20-Zentimetrr-Geschützen. Die englischer- und amerikanischerseits angeregte Abschaffung der L-Boote werde von Japan und Frankreich abgelehtn. Bon einem Vorschläge auf Herabsetzung der Tonnage der U-Boote auf 600 Tonnen wolle die amerikanische Abordnung auch nichts wissen. Weitere britische Vorschläge, die sich auf die Beschränkung der Zahl der See- lrute und auf Begrenzung der Zahl der auf Schiffen untergebrachten Flugzeuge beziehen, seien, falls sie vorgebracht würden, ebenfalls einerAblrbnung sicher. >» zur See, Amerika, vorzüglich über Angriffswaffen verfügt und seine Stärke in Flugzeugmutterschiffen riesigen Formats sieht, andererseits kein Interesse daran hat, daß Japan mit seinen zahlreichen insularen Stützpunkten von Sachalin bis zum Sunda-Archipel eine große U-Boot Flotte habe, da es mit dieser.Verteidigungswaffe" unter Umständen die asiatische Festlandsküste, chinesische wih russische Häfen, gegen Amerika abspcrren kann, erscheinen Abrüstungsverhandlungen auf dieser Basis wenig aussichtsreich. KUcktrl« des jugoslawischen Justizministers Belgrad, 31. Oktober. Nach einer amtlichen Mitteilung, die um 21 Uhr ausgegeben wurde, ist der Justizminister Bojidar MaximoviL am Mittwoch zurülkgetreten. Eine Begründung seines Rücktrittes wurde nicht veröffentlicht. In gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß sich der Ministerrat in.seinen drei letzten Sitzungen mit den Rücktrittsabsichten des Justizministers beschäftigt habe und dabei bemüht gewesen sei, gewisse persönliche Gegensätze auszugleichen, die zwischen MaximoviL und dem Kriegsminister General ZivkoviL bestanden haben. Da ein Ausgleich nicht möglich war, trat MaximoviL zurück. Anschlag gegen König Höllenmaschine auf dem Tender des Hofzuges orhT Der Parteivorstand der tschechosiowakischen Sozialdemokratie hielt Mittwoch eine Sitzung unter dem Vorsitz des Genossen H a m p l ab, bei der die Genossen Bechynö und Meißner referierten. Es wurden alle laufenden politischen Angelegenheiten besprochen, insbesondere die weiteren Aktionen der Regierung für die Arbeitslosen, die Investitionen, die Aspirantenverordnung, die Forderung der militärischen Kreise nach der zweijährigen Dienstzeit, die Verkürzung der Arbeitszeit, die Frage der Minimallöhne und Gehälter, der Sanierung der Selbstverivaltung und der Auslösung des BodenamteS. Genosse Dundr berichtete über seine Reise nach Karpathorußland. DaS„Prävo Lidu" über Henlein. Anknüpfend an die„Prager Presse" über das ivahre Gesicht der Henlein-Bewegung befaßt sich das „Prävo Lidu" mit der SHF und kommt ebenfalls zu der Feststellung, daß das wahre Gesicht der Henleinfront das Gesicht des Dritten Reiches sei. Sofia. Wie der Sonderberichterstatter der„Daily Mail" in Sofia zu berichten weiss, soll auf den Eisenbahnzug, in welchem Zar Boris von Bulgarien von Sofia nach Barna reiste, ein Bombenanschlag verübt worden sein. Der König sei unverletzt geblieben. Rach diesem Bericht soll auf dem Kohlrntender des Zuges eine Höllenmaschine verborgen gewesen sein, die bei Slrezira, ungefähr 130 Kilometer von Larna entfernt, explodiert sei. Der König, der sich bekanntlich häufig anS Liebhaberei als Lokomotivführer betätigt, habe sich auf den Trittbrettern deS fahrenden Zuges znr Lokomotive begeben, und den Zug persönlich sofort zum Stehen gebracht, da der Lokomotivführer durch daS Attentat Verwundungen davongetragen hatte. Später habe man bei der Durchsuchung deS KohlentenderS noch die Ueberbleibsel einer Uhr aufgefunden, durch die vermutlich die Höllenmaschine au-gelöst worden war. Man nimmt an, daß dir Bombe bereits in S o f i a in den Kohlentender des königlichen Zuges gelegt worden ist. Unter dem gesamten Eisrnbahnpersonal und auch in kommunistischen Kreisen sollen zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden sein. Hur ein zufälliger Brand? Der Sofioter Korrespondent der Agenre HavaS schildert den Vorfall, welcher sich beim Hofzuge ereignete, folgendermaßen: König Boris begab sich mit der Königin auS Sofia nach ihrem Sitze Euxinograd an den Usern des Schwarzen Meeres. Auf der Fahrt brach ein Brand aufderLokomotive aus, der aber rasch gelöscht«urde. Bei der Löschung hatte sich der Lokomotivführer die Hand verbrannt. An der Löschung des Brandes nahm auch der König teil, welcher dem Lokomotivführer in seinen Waggon führte und sich dort um den Verletzten bemühte. Dann übernahm König Boris persönlich die weitere Führung deS Zuges bis nach Barna. Der Brand wurde angeblich nur durch einen Zufall verursacht und eS könne nicht von irgendwelchen bösen Absichten gesprochen werden. Die amtliche bulgarische Telegrafenagentur b e st ä t i g t, daß der Brand im Tender der Lokomotive des ZugeS, mit welchem König BoriS und Prinz Cyrill»ach Warna fuhren, durch««« unglücklichen Anfall entstand und daß von irgendeinem Attentat in diesem Falle nicht gesprochen werden könne. Frankreich erklärt; Schutz den Menschen und ihrem Eigentum Im Saarland Paris.(Havas.) Die in der Auslandspreffe veröffentlichten Jnformattonen, daß die französischen Militärbehörden bereits alle erforderlichen Maßnahmen getroffen hätten, daß einem eventuellen Ersuchen der Regierungskommission für das Saargebiet entsprochen werde, erfordern eine Aufllärung: Fest entschlossen, daß die Bestimmungen des Versailler Vertrages Uber das Plebiszit im Saargebiet präzise durchgeführt weWen, beabsichtigt Frankreich in keiner Weise auf die Abstimmung der Saarbevölkerung, der vollkommene Freiheit verbürgt sein soll, einen Einfluß auszuüben. Po« lizeimaßnahmen, die die Verwendung französischer Militärkräfte erforderlich machen, könnten nur zur Erfüllung der internationalen Verpflichtungen in Anwendung gebracht werden, die durch die Resolutionen des Völkerbundrates aus den Jahren 1926 und 1926 für Frankreich entstanden sind, sowie auf ein formelles Ersuchen der Regierungskommission im Saargebiet, welche eine internationale verantwortliche Organisation unter Autorität des Völlerbundes darstellt und deren Aufgabe es ist, daß die Ordnung gewahrt und daß „unter allen Umständen der Schutz der Personen und des Eigentums im Saargebiet gewahrt werde". Wie Deutschland aufrüstet Paris.„Petit Journal" stellt fest, daß der deutsche Boranschlag für das Jahr 1934 die Kredite für die Rationalverteidigung Deutschlands, versteckt in den Kapiteln der verschiedenen Ministerien enthalte. Diese Kredite bilden ei« Drittel des ge- samtenBudgets, was das Blatt für «ine sehr bezeichnende Erscheinung hält. Das Blatt behauptet weiters, daß Deutschland über 2400 Grossflugzeuge verfügt und daß sämtliche Flugzeuge der Lufthansa in Laufe einer Stunde in Militärflugzeuge umgewandelt werden können. Spätestens bis Ende des Jahres 1936 hat Deutschland 600 Flugzeuge und 1600 600-HP- Motore bestellt. 300 dieser Flugzeuge sind für schwere Bombardiernng ausgerüstet. Doumergues Staatsreform Votorecht des Senats gegen Kammer-Auflösung Paris. Der samstägige Afinisterrat wird den Text des Dtaatsreformentwurfes zu Ende beraten. Durch den Entwurf wird dem Senate das Vetorecht bei der Entscheidung über die Auflösung der Kammer im ersten Jahr nach deren Wahl gewahrt. In einem späteren Zeitpunkt wird über die Auflösung der Kammer der Präsident der Republik selbst mit dem Mnisterpräsidenten entscheiden. I« dieser revidierten Verfassung wird auch die Rolle des Ministerpräsidenten als Regierungschef gesetzlich anerkannt werden. Der Staatsreformentwnrf wird der Kammer sofort bei ihrem Zusammentritt zur Herbtagung vorgelegt werden. Infolgedessen könnte die Ra- tionalversammlung in Versailles in der zweiten Hälfte des Monats November zusammentrrten. keine Ruhe der Jesuiten in Spanien Madrid.(Tsch. P.-B.) In Barcelona beschossen Aufständische einen Privatkraftwagen, in dem ein Fabriksbesitzer und drei Begleiter sahen. Ein Insasse des Wagens wurde getötet, die anderen drei wurden schwer verletzt. In der Nähe befindliche Polizeiposten eröffneten sofort das Feuer auf die Angreifer, die jedoch in einer Kraftdroschke unerkannt entkommen konnten. Es handelt sich um einen Racheaft gegen den Fabriksbesitzer, der unorganisierte Arbeiter eingestellt hatte. Und die Aufständischen? Madrid.(Tsch. P.-B.) Nach einer Mitteilung deS spanischen Ministerpräsidenten betragen d»e Verluste der Wehrmacht bei den Kämpfen in Asturien 220 Tote, über 143 Verwundete und 46 Vermißte. Unter den Toten sind 22 Offiziere und 26 Unteroffiziere. Gömbös Sonntag in Wien Wien. Der ungarische Ministerpräsident GömböS trifft am Sonntag in Wien ein. Es ist nur" ein eintägiger Aufenthalt vorgesehen und der Ministerpräsident wird in der Nacht auf Montag nach Budapest zurückkehren. Tritt l Donnerstag, 1. November 1934 Nr. 256 Arbeiter-Turn- und Sportverband Sitz Aussig a. E. Alle unsere Mitglieder beteiligen sich am Sonntag, de» 4. N o v e m b e r, an den Kundgebungen der Partei. Konferenzen, Versammlun gen, Spiele und sonstige sportliche V e r an staltungen während der Zeit der Demonstrationen sind verboten. Während der anderen Zeit dürfen Spiele vor allem nur dann stattfinden, wenn dadurch die Teilnahme der Spieler an den Kundgebungen nicht behindert wird. Wir halten es für eine Selbstverständlichkeit, daß sich die Genossen darnach richten. Die Bundes! eit ung. Das Koalitionsrecht der Arbeiter Wir haben vor einiger Zeit über eine Entscheidung der Landesbehörde in Böhmen berichtet, durch welche das Koalitionsrecht der Arbeiter schwer bedroht wurde. Die Landesbehörde hat in einem Falle eine Uebertretung des Artikels 3, Absatz 2 des Gesetzes vom 14. Juli 1927, Zl. 123, darin erblickt, daß ein Arbeiter mit einigen Genoffen in einer Ortschaft herumfuhr und die auf den Bauten beschäftigten Arbeiter aufforderte, die Arbeit niederzulegen. Darin erblickte die Landesbehörde eine unzukömmliche Handlung an öffentlicher Stelle, welche mit Rücksicht auf die möglichen Folgen die öffentliche Ruhe und Ordnung bedroht habe. Aus der Entscheidung geht hervor, daß der betreffende Arbeiter nichts anderes tat, als andere Arbeiter zur Teilnahme am Streik aufzufordern. Wenn diese Entscheidung allgemeine Geltung erlangt, so ist damit das Streikrecht der Arbeiter begraben. Ein Recht, das sich die Arbeiter vor mehr als 60 Jahren gegen die damalige halbabsolutistische österreichische Regierung erkämpften und das heute noch Gesetzeskraft hat, wird durch eine einfache Entscheidung der Landesbehörde beseitigt. Unsere Senatsfraktiou hat nun eine, I n- t e rpellation überreicht, in welcher sie auf diesen Tatbestand hinwies und die Regierung aufforderte, Abhilfe zu schaffen. Diese Interpellation wurde nun vor wenigen Tagen vom Minister des Innern beantwortet. In dieser Antwort heißt es wörtlich: „Es kst selbftversisindllch^'baß^ik ans dein Koalitionsgesetze sich ergebenden Berechtigungen nur in den Grenzen der sonst geltenden Normen, somit auch des Gesetzes Nr. 123/1927 S. d. G. u. V. angewendet werden können. Wenn daher das Bezirksgericht als erwiesen annahm, daß Klimt zur Einstellung der Arbeit in unzulässiger, öffentliches Aergernis erregender und die öffentliche Ruhe und Ordnung störender Weise aufgefgrdert hat, so kann seine Bestrafung in keiner Weise bemängelt werden. Insofern allerdings aus der Entscheidung des Labdesamtes hervorgehen würde, daß diese Behörde gerade in der Aufforderung zum Streike an und für sich eine ungebührliche, mit Rücksicht auf die möglichen Folgen die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdete Handlungsweise erblickt hat, wäre es nicht nwglich, dieser Begründung zuzustimmen. Darauf wurde das Landesamt aufmerksam gemacht." Da nun die Landesbehörde die Verurteilung lediglich darauf stützte, daß der betreffende Arbeiter znr Niederlegung der Arbeit aufforderte, ohne daß sie auch nur behauptet, daß diese Aufforderung in unzulässiger, öffentliches Aergernis erregender und die öffentliche Ruhe und Ordnung störender Weise erfolgte, wird die Landesbehörde durch diese Antwort des Ministers des Innern v o l l st ä n d i g desavouiert und das Ministerium stellt den gesetzlichen Zustand wieder her. Wir geben unserer Genugtuung darüber Ausdruck, daß es gelungen ist, diesen schweren Anschlag auf das Koalitionsrecht der Arbeiter abzuwehren, und geben dem Wunsche Ausdruck, daß überall, wo ein ähnlicher Versuch gemacht wird, sofort mit allen Mitteln gegen denselben eingeschritten wird. Unter gar keiner Bedingung ist die Arbeiterschaft bereit, sich ihre wohlerworbenen Rechte von der Bürokratie wieder nehmen zu lassen, die ihrerseits offenbar erst lernen muß, bestehende Gesetze einzuhalten. Die Landbündler und der Fall Türmer. Die landbündlerische Presse behauptet, daß der Karlsbader Kreisführer Türmer nicht aus politischen Gründen entfernt worden sei, sondern wegen gewisser Verfehlungen, die man auch gerichtlich anhängig machen werde. Es scheint aber, daß man die Verfehlungen des Kreissekretärs, die an sich ja auch von den idyllischen Zustän- denim Landbund Zeugnis ablegen, benützt hat, um einen Hacker-Mann an die Spitze des Kreises zu bringen. Die unter einem vorgebrachten Beteuerungen für Hackers absolute demokratische Loyalität machen diese Version glaubhaft. Denn wenn der neue Mann in Karlsbad ungefähr so demokratisch und loyal wie Hacker ist, dann weiß man ja Bescheid! Verzweiflungskampf gegen derJSIastabrikHolelschen den Industrietod Wieder soll dem Jndustriesterben ein modern eingerichteter Glasbetrieb zum Opfer fallen, die Spiegelglasfabrik Holeischen. Seit einem halben Jahre schon gehen die Bemühungen der beteiligten Unternehmer und des internationalen Spiegelglaskartells dahin, das Werk in Holeischen aufzulassen und die Produktion nach Schwaz bei Bilin zu verlegen. Die betroffenen Arbeiter und Angestellten und ihre gewerkschaftlich-politischen Vertretungen leisten diesen Plänen erbitterten Widerstand. Ihren Gegenargumenten konnten sich auch die beteiligten Ministerien nicht verschließen und so ist dem Ansuchen um Bewilligung der Stillegung in' Holeischen'und der Fusion mit Schwaz vorerst n i'ch t entsprochen worden. Die beteiligten Kapitalisten denken aber anscheinend nicht daran, sich der Autorität der Staatsgewalt zu beugen. Nachdem in Holeischen belgisches Kapital beteiligt und an der Verschmelzung interessiert ist, nahm der Kampf zuletzt eine ernste Wendung an. Dir belgische Rechtsregierung drohte geradezu ultimativ mit der Ausweisung von 2000 in Belgien beschäftigten tschechoslowakischen Bergarbeitern, falls unsere Regierung den Absichten der Holeischner Firma weiter Widerstand leistet. Mit Hilfe dieser Drohung, die wohl einzig in ihrer Art dasteht, sollten die betroffenen Menschen und mit ihnen die Regierung einer Diktatlösung gefügig gemacht werden. Zur Ehre des Fürsorgeministers Dr. M e i ß-' n e r kann aber gesagt werden, daß er dem Treiben der Jndustriezerstörer schärf st enWider- st a n d entgegensetzt. Wie wir erfahren, fanden gestern unter den zuständigen Ressortministern Verhandlungen über die Frage Holeischen statt, die aber zu keiner Einigung führten. Unter dem Druck des belgischen Einschreitens ist damit zu rechnen, daß das Handelsministerium die abermals angemeldete Betriebsstillegung in Holeischen nicht mit einem weiteren Verbot beantworten wird. Damit ist aber die Angelegenheit noch lange nicht erledigt. Herr- Weimann in Schwaz, der die Holeischner Produktion im Rahmen einer neuen Gesellschaft an sich reißen will, braucht vom Handelsministerium sowohl die Bewilligung der Fusion als auch des neuen Gesell- schaftsvertrages. Das ist eine innerpolitische E n t s ch e i d u n g, in die uns die belgische Regierung, wenn sie nicht alle Formen des zwischenstaatlichen Verkehres mißachten will, nichts dreinzureden hat. Danrit hat das Handelsministerinm neuerlich das Wort. Es möge sich bei seinen Entschließungen dessen bewußt sein, daß nicht nur das Schicksal von tausend Menschen, sondern auch das Prestige des Staates auf dem Spiele steht. Man muß offen den Wunsch aussprechen, daß auch der Herr Handelsminister in solchen Fällen die gleiche Zähigkeit und Nackcnsteife aufweisen möge, wie der Fürsorgeminister. Einmal muß die Konzentrationspolitik des Unternehmertums in die Schranken der allgemeinen Jntereffen verwiesen werden, wenn die'Geduld der Arbeiter und Angestellten nicht zum Zerreißen angespannt werden soll! Tagcsirculghcltcn Maschinengewehre und Tränengas gegen Arbeitslose Amerikanischer Winterbeginn. New Aork. In A l b a n y im Staate New Aork kam es zwischen Polizei und etwa 230 Erwerbslosen zu einem schweren Zusammenstoß. Die Arbeitslosen waren auf fünf Lastwagen aus New Uork eingetroffen, um der Regierung Forderungen für Hilfsmaßnahmen während des Winters zu unterbreiten. Der Zusammenstoß zwischen der Polizei und den Demonstranten erfolgte auf der Brücke über den Hudson-Fluß, die in die Stadt führt. Die Arbeitslosen widersetzten sich den polizeilichen Anordnungen und woÜten eine Durchsuchung der Wagen verhindern. Sie sprangen von den Wagen ab und versuchten, die Polizeikette zu durchbrechen. Nach einem äußerst heftigen Kampfe wurden die Teilnehmer des Hungermarsches zurückgetrieben. Es gab zahlreiche Verletzte. Etwa 20 Verwundete mußten in^ Krankenhaus gebracht werden. 45 Personen wurden verhaftet. Wie die Polizei mitteilt, sind bei den Festgenommenen Waffen gefunden worden. Auf die Nachricht, daß sich eine weitere Erwerbslosengruppe auf einem Hungermarsch aus Buffalo einem anderen Stadtteile nähere, wurde sofort ein größeres Polizeiaufgebot mit Maschinengewehren und Tränengasbomben eingesetzt. Denver. Etwa 400 männliche und weibliche Streitagitatoren versuchten die Einstellung der Bundesnofftandsarbeiten am South Platte-Fluß in Colorado zu erzwingen. Die Polizeibeamten, die mit Steinwürfen empfangen wurden, trieben die Agitatoren mit Schreckschüssen auseinander. Etwa 3 0 Personen, darunter fünf Polizisten, wurden verletzt. Einbrecher verübt Selbstmord In Leschtine gab es in der Nacht auf Mittwoch nicht geringe Aufregung. Die Häuslerin Bendel hatte in der Abendstunde ein verdächtiges Geräusch auf dem Dachboden gehört, dem sie zunächst keine besondere Aufmerksamkeit schenkte. Erst als das Geräusch immer wieder vernehmbar war, schöpfte sie Verdacht und wollte auf dem Dachboden nachsehen. Schon vor der Tür sah sie einen Mann, der bei dem Erscheinen der Frau sich in eine Ecke drückte. Die Frau war geistesgegenwärtig, sperrte die Tür ab, eilte vor das Haas und schlug Lärm. Recht bald hatte sich eine große Menschenniflsse versammelt, die gegen das Haus vorging. Mitten in dem Lärm, den die Menschenmenge verursachte, hörte man einen Schuß. Als man unter allen Vorsichtsmaßnahmen den Dachboden betrat, sah man im Schein der Lampe mitten in einer Blutlache einen unbekannten Toten. Die Gendarmeriepatrouille, die inzwischen eingetroffen war, stellte fest, daß es sich um einen gewissen Rudoff Popovskh Handels. Der 38jährige Einbrecher, der schon einige Vorstrafen hinter sich hat, war kurz vorher mit dem Prager Zug angekommen. Was ihn nach Leschtine geführt hat. konnte nicht mehr festgestellt werden. Bei dem Toten wurde ein Browning, eine große Menge Patronen und 200 Xc gefunden. Daß er schon vorher irgendwo„gearbeitet" hatte, geht daraus hervor, daß bei ihm eine große Anzahl Uhren gefunden wurden, die offenbar aus Diebstählen herrühren. Die Fliegerkatastrophen Washington. Wie das Marineamt mitteilt, stießen bei den Flottenmanövern westlich der Panamakanalzone zwei Marineflugzeuge vom Flugzeugmutterschiff„Lexington" am Rande einer Wolkenschicht zusammen. Ein Flugzeug stürzte ins Meer. Die beiden Insassen wurden getötet. Das andere Flugzeug konnte mjt.beschcsd.igtev.Tragfläche auf der„Lexington" Mchcn. Der Unfall ereignete sich sechs Meilen vom Flugzeugmutterschiff entfernt. • JoAr6iKft B J So fing es anch anderswo an... In Prag hat es Dienstag abends einen Theaterskandal gegeben. Im Befreiten Theater der beiden bekannten Komiker Voskovec und We- r i ch hatten sich etwa 20 Burschen eingefunden, die mit Kindertrompeten, Stinkboinben und Knallerbsen ausgerüstet waren. Sie hatten ihre Ueberröcke außerhalb des Theaters deponiert, ein Zeichen, daß sie mit der Absicht zu stören gekommen waren. Zuerst störten sie die Aufführung der satirischen Revue„Der Henker und der Narr" nur durch Zurufe, die von den Autoren und Hauptdarstellern von der Bühne aus witzig be- antwortet wurden. Das ärgerte die Herrchen und sie gingen nun dazu über, ihre geistige Ueber- legenheit mit Stinkbomben zu beweisen, also mit jenen: Werkzeug, das bei den Fascisten aller Länder das Gehirn ersetzt. Die Vorstellung mußte unterbrochen werden, Polizei griff ein, 16 Ruhestörer wurden sichergestellt, es sind durchwegs S t u d e n t e n, die anscheinend nichts Besseres zu tun haben, als für eine. Ordnung zu demonstrieren, die auch in Deutschland durch ! randalierende Akademiker.ihre ersten Schlachten schlagen ließ und die heute den Studenten mit Zwangskasernierung und härtestem Druck dankt. Es war wieder eine— nicht die erste, aber eine der eindringlichsten—- fasciftische Demonstration gegen demokratisch gesinnte Künstler, gegen eine gesunde reinigende Satire, es war also eine Warnung. Hinter den 20 Bürschchen stecken die wahren Interessenten, die Geldgeber und Polstischen Hintermän- n e r. Man braucht nicht lange zu suchen, um sie zu finden, der Beifall, den die Strkbrnh- Presse den„Helden" spendet, spricht deutlich genug. Auch der Umstand, daß die Demonstration just da einsetzte, als ein Kranz in den hitlerdeutschen Farben— natürlich in sa.t irischer Absicht— auf die Bühne gebracht wurde, zeigt, daß die Demonstranten ausdemHit- ler-Henlein- Sst kibrnH-Lager kamen. So fing es überall an. Wird man die Zeichen der Zeit begreifen? Wird man es wagen in die Domänen einzubrechen, in denen die Stki- brnh und Domin bestimmen, was„national" ist? Ziehung der Klasseulotterie (Unverbindlich.) Prag. Bei der Mittwoch-Ziehung der 6. Klaffe der 31. ffchechoflowakischen Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 29.000 K<5: 56524, 50095, 56912; 10.000 Kß: 97993, 77812, 10355, 92427, 34974, 4017; 5000 K6: 41885, 37502, 93683, 95958 99636, 81886, 88819, 46924, 87431; 2000 K6: 63315, 97401, 18842, 40635 48053, 78961, 107105, 94904, 97563, 104218, 2053, 102619, 6926, 5045, 80311, 43996, 69543 3158, 84628, 23285, 58455, 45815, 1271, 16095 79917, 63194, 55434, 28486, 36492, 19724, 90501, 38736, 8615, 53250, 87699, 59362, 74974, 66507, 50989, 101414, 45759, 20252, 11781, 40660, 96055, 87403, 17520, 61581, 6418, 26461, 93960. 44189, 55878, 64912, 18105, 55868, 43465, 79163, 91446, 68057, 57160, 62107, 69437, 59040, 49916, 28517, 35128, 89946, 8644, 57571. Wird man das Uebel in den nun immerhin schon recht kräftigen Anfängen bekänipfen oder wird man der Ausbreitung der fafcistischen Seuche im tschechischen Lager weiter untätig und in steter Angst vor dem Terror der StkibrnH-Presse zusehen? Die Demokratie wird von ihren Gegnern selbst gewarnt, sie hat allen Grund, der Warnung zu achten! Der Prozeß um die Zionistischen Protokolle ist v e r t a g t worden, da das Gericht einen Antrag der Beklagten(Nazi) auf Zulaffung eines neuen Experten angenommen hat. Es scheint sich freilich um einen Verschleppungsantrag zu handeln. Die Nazi wollen den frischen Eindruck des Beweisverfahrens verwischen und kommen plötzlich mst Beweisanträgen, die sie längst hätten stellen können. Eine Frau als Doppelmörderin. Am Dienstag abends wurde die Mordkommission des Kriminalamtes Dresden nach Bannewitz gerufen. Dort hatte in ihrer Wohnung die 35jährige Ehefrau Helene Schneider ihren zehnjährigen Sohn und ihren 70 Jahre alten Schwiegervater durch mehrere Stiche in Kopf und Nacken getötet. Die Frau selbst haste sich ebenfalls schwere Verletzungen beigebracht. Sie wurde in bedenklichem Zu-, stände ins Krankenhaus Lbergeführt. Die Tat dürste sie in krankhaftem Zustande ausgeführt haben. Zum Plan eines regelmäßigen Zepvelinlnft- schiffdienstes zwischen Europa und den Vereinigten Staaten wird noch bekannt, daß das amerikanische Marineamt Dr. Eckener die Benutzung der Flugplätze von Lakehurst und Miami als Stationen für die im nächsten Sommer beginnenden Atlantikflüge, des neuen Zeppe- linluftschiff'es„L'Z'12st" gestaUek'Hat/Bie Landungskosten seien jedoch zu erstatten. Die in dem klimatisch günstigen Florida gelegene Station Miami würde nur benutzt werden, wenn die Witterungsverhältnisse eine Landung in Lakehurst unmöglich machen. Der Vorsitzende der amerikanischen Schiffahrtsbehörde, Admiral Cone, bcfiir- | 1935!"1 wortet den Bau von Großluft schiffen für Handelszwecke an Stelle des jetzigen Wettbewerbs im Bau von Riesendampfern. Anstatt einen Riesendampfer wie die englische „Queen Mary" zu bauen, dessen Kosten sich in den Vereinigten Staaten etwa um SO Prozent höher stellen würden als in Europa, könnte man fünf Luftschiffe mitsamt den dazu nötigen Landungsplätzen erbauen. Die Erschließung des Kaukasus. Heute wird die erste, 57 Kilometer lange Straße zwischen Barisacho und Ananur, einer Station auf der georgischen Militärstraße, der Oeffentlichkeit übergeben. Die Straße führt durch eine hochgelegene Gebirgsgegend im Kaukasusgebiet, däs sieben Monate im Jahre mangels gangbarer Wege von der Welt abgeschlossen ist. Französische Akademie beerbt Barthou. Außenminister Barthou hat zu seinem Universalerben die Französische Akademie eingesetzt, deren Mitglied er bekanntlich gewesen ist. Die Französische Akademie gelangt dadurch u. a. in den Besitz der bekannten Sammlungen Barthous, deren Wert auf mehr alsöOMillionenFranks geschätzt wird. Der Minister war ein großer Bibliophile und besaß insbesondere auf diesem Gebiete wertvolle Sammlungen. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen, Freitag: Prag, Sender L.: 10.10: Schallplatten, 12.10: Schallplatten, 13.35: Arbeitsmarkt, 15.55: Tanzmusik, 16.45: Tschechischer Sprachkurs für deutsche Hörer, 17: Konzest des Ondricel-Qüartettes, 18.20: Deutsche Sendung. Redakteur Schimitfchek: Sportvorschau, 18.25: Stellung des Künstlers in unserer Zeit, 19.25: Violinkonzert, 10.05: Tanzmusik. Sender S: 14.25: Leichte Musst, 15.05: Deutsche Sendung: Halbe Stunde für die Frau.— Brünn: 12.10: Arbeitsmarkt, 12.35: Orchesterkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Sportbericht.— Preßburg: 18.10: Violinkonzert, 19.10: Konzert des russischen Balalaikaorchesters.— Kascha«: 19.30: Orchesterkonzert. Str. 258 Seite 5 Donnerstag. 1. November 1934 Wegen Rauschgifthandels hingerichtet Peking. In der Provinz Fukien wurden zwei Rauschgifthändler zum Tode verurteilt, die ihr Gift hauptsächlich in den Schulen umgesetzt hatten. Das Urteil wurde öffentlich vollstreckt. Die beiden Verbrecher hatten bereits mehrere Vorstrafen wegen dieses verbotenen Handels auf dem Kerbholz. Widerstand gegen die Sterilisierungen In einem Punkte ist das Dritte Reich Virtuosenhaft tüchtig, nämlich sich selbst Schwierigkeiten zu schaffen. Dazu gehören die Sterilisierungen, die auf einen wachsenden Widerstand stoßen und die ohnehin nicht gerade rosige Stimmung im Volke verschlechtern. In Halle sollen über 500 Kinder sterilisiert werden. Die Eltern wehren sich verzweifelt gegen dies« Maßnahme. In den Sprechzimmern der Sterilisationsärzte kommt e- unaufhörlich zu Zusammenstößen. Laut jammernde Frauen verursachen Straßenaufläufe und protestieren empört. Beamte des Gesundheitsamtes werden bedroht, so daß Ueber- sallkommandos der SS alarmiert werden mußten. Ein« Frau bekam Schreikrämpfe und erklärte, ihr Kind sei nicht krank, sondern nur durch Unterernährung zurückgeblieben- Bei besserer Ernährung werde es von selbst kräftiger werden. Ein Mann drohte, sich mit seiner ganzen Familie aufzuhängen, ehe er seine Kinder zu Idioten machen taff«. Andere wieder führen religiöse Argumente ins Feld. Nachdem die ersten fünf Kinder— ei waren Waisenkinder— sterilisiert worden waren, erhielt der Stadtarzt über 100 Drohbriefe. Angesichts der ungeheuren Zahl der Fälle, die vorge- sehen sind, ist in Halle eine förmlich« Panik auSge- brochen. Unter den Kindern überwiegen übrigens die Knaben. Zu diesen Kindern kommen noch weit über 1000 Erwachsene, denen daS gleiche Schicksal zugedacht ist. AuS weiteren Berichten über diese Vorfälle in Halle geht hervor, daß eine Frau in ihrer Empörung die Wohnung des verantwortlichen ArzteS zu demolieren begann. Sie wurde auf den Ueberfallwagen geschleift und geht einer schweren Bestrafung entgegen, derweil das Kind natürlich doch sterilisiert werden wird. In einer Straße sammelten sich zahlreiche Menschen und riefen, man mache das mit ihnen nur, weilsiefrüherlinks gestanden hätten. Andere erklärten, das sei der Dank, daß sie im Kriege gehungert hätten. Aus anderen Teilen des Reiches kommen ähnliche Nachrichten. In Kottbus schoß ein Familienvater auf einen Hausbesitzer weil dieser, als er mit seinem Mieter in Streit geraten war, seine zwei Kinder dem Sterilisierungsarzt denunziert hatte. Verschwörer yder Mttsteller?, Pari-, 31. Oktober. Die Verlobte des Prinzen Georg von England, Prinzessin Marina voll Griechenland, weilt gegenwärtig in Paris, uin ihre Einkäufe für die bevorstehende Hochzeit zu vervollständigen. Wie„Paris Soir" berichtet, stürzten sich Dienstag abends, als sie ihr Hotel verließ, zwei Männer und eine, Frau auf ihren Kraftwägen.' Der Sicherheitsdienst nahm die Betreffenden fest und brachte sie zur nächsten Polizeiwache, wo sie behaupteten, lediglich ein Anliegen an die Prinzessin gehabt zu haben. Waffen wurden bei den drei Verhafteten nicht gefunden, doch waren ihre Ausweispapiere nicht in Ordnung, Es handelt sich um einen gewissen Sulezar Adjelian, seine 80jährige Mutter und einen gewissen Djemail Madanias. Rotlandung eine» MilitLrpiloten Prag. Das Ministerium für nationale Verteidigung teilt mit: Bei einem Flug von Prag nach Olmüh auf dem Jagdflugzeug Type S—20 war am Dienstag der Gef. M a t l o ch a vom Flieger- Regiment 2 infolge-ungünstiger Witterung zu einer Notlandung unweit von Mähr.-Schönberg gezwungen. Das Flugzeug wurde hiebei beschädigt und der Pilot am Kopf und am Halse verletzt. Die Verletzungen sind nach dem Urteil der Aerzte leichterer Natur. An den Ort des Unfalls begab sich sofort eine militärische Kommission aus Olmüh. Ein Erdbeben von ungewöhnlicher Heftigkeit ereignete sich in B a k u. Mehrere Häuser wurden zerstört. Das Erdbeben wirkte sich auch im Gebiete von Aserbeidschan aus, von wo ebenfafls zahlreiche Schäden gemeldet werden. Auch in Kabul waren Erdstöße zu verspüren. DaS Feilschen um die Ostchiuabahn. Durch neue Meldungen über den Stand der Verkaufsverhandlungen der chinesischen Ostbahn wird bestätigt, daß beide Teile sich über den Kaufpreis als solchen geeinigt haben, MeinungSunterschiede bestehen nur noch in Einzelheiten. Diese betreffen vor allem die Ueber- tragung der Eigentumsrechte, die Uebernahme des Inventars, die Sicherheitsleistung für die Ratenzahlungen, die sich auf drei Jahre erstrecken sollen, die Forderung der Sowjetunion, bestimmtes auf der Ostchinabahn befindliches rollendes Inventar zurück- zubekommen und ähnliche Einzelfragen. Japan hat die Bürgschaft für die Zahlungen Mandschukos noch nicht zusagen wollen. Auch dieser Punkt wird noch einer Klärung bedürfen.— Der Kaufpreis besteht zu zwei Dritteln in rollendem Inventar. Ein Drittel wird in transferfreier Barzahlung geleistet werden. Der. gegenwärttge reine Kaufpreis für die Ostina- bahn beträgt 140 Millionen Den. Beim heutigen Stand der Len sind das nur noch 45 Millionen Goldrubel. kapitalistischen Abwehrmaßnahmen-sihre Ursache^ haben. Die unsauberen Prämiengescläfte einer Winkelbank Zwölf Klienten um 1,334.438 Kronen geprellt! Prag. In der Hybernergasse Nr. 26 hatte sich eine Firma niedergelassen, die sich hochtrabend als „Bankgeschäft und Wechselstube, Generalrepräsentantin ausländische B an k e n" auSgab. In Wahrheit war das Unternehmen eine jener modernen. Raubritterburgen, deren es noch immer mehr als genug gibt und die ihre Aufgabe darin erblicken, vertrauensselige Leute bis zum vollständigen wirtschaftlichen Ruin auszusaugen. Der Chef dieser famosen Unternehmens, der 41, jährige Eugen Tänzer, der Mittwoch hem Straf, scnat T r o st aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, hat sich auf„Prämiengeschäfte" spezialisiert, und zwar auf solche fragwürdigster Sorte. Reguläre Geschäfte solcher Art sind Hauptgegenstand der Börsenspekulation, aber dieser aus dem Osten stammende Bankier war gar nicht Mitglied der Börse. Die Anklage des Staatsanwaltes Dr. Cesak legt die Machinationen dieses Herrn eingehend dar. Im wesentlichen handelt es sich bei solchen Geschäften darum, die Spekulationslust ahnungsloser Leute, die schnell und mühelos reich werden wollen, anzureizen. Dazu bedarf es natürlich tüchtiger, beredter und mit einem robusten Gewissen ausgestatteter Agenten. Bankier Tänzer hatte deren drei, die gleichfalls mit ihm auf der Anklagebank saßen. ES sind dies der 29jährige„Direktor" Erwin Baß, ferner ein gewisser Hynek H a m l i s ch und ein Friedrich Vojtkchovsky. Das„Geschäftsprinzip" ist einfach. Man überredet harmlose Menschen, die von der Börsenspeku- latton keine Ahnung haben, ihre Ersparnisse, Wert» Papiere usw. in„gewinnbringenden" SpekulationS, ge'chästen anzülegen. DaS Bankgeschäft übernimmt selbstlos alles weitere, so daß der künftige Millionär nichts weiter zu tun hat, als fein Geld herzugeben und dann ruhig abzuwarten, bis er eines TageS als steinreicher Mann erwacht. DaS Bankhaus kauft dann Aktien, die.totsicher" in den nächsten Tagen sprunghaft steigen werden oder kauft sie auch nicht und spiegelt dem ahnungslosen Klienten den Ankauf nur vor. Steigen die Papiere nun wirklich, so beschwahi man das Opfer zu weiteren„Ordres" auf neue „Käufe" angeblich noch gewinnbringenderer Papiere, die dann prompt katastrophal fallen. Natürlich haben die Geprellten meist keine blaffe Ahnung, von der Bedeutung ihrer„Ordres". Die Schlußabrechnung läuft jedenfalls stets auf«in Defizit hinaus. Dabei handelt es sich fast durchwegs um fingierte Geschäfte. Der Winkelbankier hat über- i Haupt nichts gekauft, sondern lediglich das Geld ein« Die Handelsvertragsverhandlungen, die nahezu zwei Monate zwischen Frankreich und der Tschechoflowakei geführt worden sind, sollten eine Wendung in den Handelsbeziehungen der beiden Länder herbeiführen. Im Gegensatz zu der engen politischen Freundschaft, die die beiden demokratischen Republiken verbindet, haben sich auf wirtschaftlichem Gebiet immer mehr Spannungen herausgebildet. Der tschechoslowakische Handel mit Frankreich hat für dieses Land bisher keine größere Bedeutung gehabt. Solange unserer Exportindustrie genügend andere Absatzmärkte offen standen, mochte diese Lücke nicht so fühlbar sein. Als aber unter den Auswirkungen der Krise der Außenhandel mit allen Ländern zusammenschrumpfte, wurde von der tschechoflowakischen Exportindustrie immer stärker die Forderung erhoben, daß das unS politisch verbündete Frankreich sich uns auch wirtschaftlich verpflichtet fühlen müßte. Doch konnte Frankreich diesem Verlangen gerade in dieser Zeit nicht leicht entsprechen, da seine Exportindustrien ja auch schweren Schlägen ausgesetzt waren und zum Ausgleich einen stärkeren Schutz für deck inländischen Absatzmarkt forderten. Frankreich war unter den ersten Staaten, die die Kontingentierung der Einfuhr zur Anwendung brachten. Unter dieser Beschränkung der Einfuhr hat der tschechoflowakische Export nach Frankreich stark gelitten; vornehmlich die Ausfuhr von Textilien, Papier, Schuhe und Lederwaren. ES ist bekannt/ daß in Frankreich die Wirtschaftskrise gerade in diesen Industrien starke Verwüstungen angerichtet hat; allein etwa 200 Textilfabriken sollen fest Beginn des Jahres 1934 geschlossen worden sein. Für die Tschechoflowakei brachte diese fran- zösische Handelspolitfl, mit der die Wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten des Landes bezwungen werden sollten, gewaltige Nachteile. Die Ausfuhr schrumpfte in diesem Jahre von Monat zu Monat mehr zusammen und daS tschechoflowakische Pasflvum wuchs immer größer. Diese Entwicklung war deshalb noch bedenflicher, weil die Tschechoflowakei nicht nur im reinen Warenverkehr mit Frankreich u n g ü n- st i g dasteht, sondern weil sie . gleichzeitig auch int' Zahlungsverkehr mit Frankreich(Fremdenverkehr, Zinsen- und Schuldenrückzahlungen) noch stark passiv ist. Vereinbarung über den Warenaustausch abgeschloffen Kontingenterhöhung für die Einfuhr an die Tschechoflowakei gewährt gesteckt, um dann durch raffinierte Rechenkunststücke seinen Kunden klipp und klar zu beweisen, daß sie ihr Geld durch unglückliche Kursbewegungen verloren hätten. Dabei beruft man sich auf die ihnen aufgeschwatzten„Aufträge" und hat für ihre Klagen nur ein Achselzucken:„Tja! Wer reich werden will, muß riskieren und darf sich nicht beklagen, Wenns schief geht!" In unserem Fall beträgt der Schaden 1,844.488 Kt. Die Geschädigten gehören den verschiedensten Schichten an. Ein Proßnitzer Buchhändler wurde um 860.000 XL gebracht; ein Student legte das väterliche Erbteil— 88.000 XL in guten Wertpapieren— in diesen„Spekulationen" an und verlor es fast völlig. Ein Lehrerpensionist hat seine Ersparnisse dieser Gesellschaft in den Rachen geworfen, ein Pfarrer ist schwer gerupft worden und selbst ein kleiner Beamter ist den sauberen Agenten und ihrem Chef zum Opfer gefallen. Die Machinationen dieser Sippe zeichnen sich im einzelnen durch beispiellose Dreistigkeit aus. Wenn einer sein Geld zurückhaben wollte, erhielt er den Bescheid, daß man neue Papiere für ihn gekauft hab«. Der alte Lehrer wurde in nachtschlafender Zeit aus dem Bett geholt und ihm eine„Ordre" diktiert, von deren Bedeutung er natürlich keine Ahnung hatte, die ihn aber ein ansehnliches Vermögen kostete. AlS sich die Strafanzeigen häuften, verduftete der fein« Bankier Tänzer nach bewährten Mustern in die Schweiz, wurde aber auf Grund eines internattonalen Steckbriefes verhaftet und ausgeliefert. Bei der Verhandlung spielte er den ehrlichen Geschäftsmann, der nur die Aufträge seiner Klienten erfüllt habe. Sein Verschwinden war natürlich gar keine Flucht, sondern eine Geschäftsreise. Da zahlreiche Zeugen zu vernehmen waren, dauerte die Verhandlung bis gegen 10 Uhr abends, worauf der Gerichtshof den Fall vertagte. rb. Wer hat Dollfuss rnwrdet? Eine kriminalistisch-politische Betrachtung! von Dr. Fritz Kreisler 76 Seiten Preis 8 Kö■ Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezskä 13 Kolporteure erhalten Rabatt Zwanzig Jahre Kinderheim Das Werk der deutschen Genossinnen in Brünn Das Kinderheim der deutschen sozialdemokratischen Frauenorganisation in Brünn begeht am 3. November seinen 20. Geburtstag. Ich hoffe, daß sich zu diesem seinen Ehrentag die Gratulanten zahlreich einstellen werden. Auf keinen Fall möchte ich unter ihnen fehlen. Ich will auch gleich sagen warum. Im Winter 1915/16 kam ich als kranker Soldat aus dem Felde nach meiner Vaterstadt Brünn zurück. In der Zeit meiner Rekonvaleszenz konnte ich das Heim unter Führung seiner Schöpferin und Leiterin, der Genossin L i l i C z e ch, wiederholt besuchen. Es bestand damals etwas über ein Jahr und befand sich noch im Künstlerhaus auf dem ! Glacis nächst dem Theater. Was ich dort sah und i erlebte, hat mich zu einem begeisterten Freund • diese- Unternehmens gemacht. Der Weg von unserem sozialistischen Erch- zielgedankcn zur Praxis sozialer Fürsorge ist uns Sozialdemokraten nicht leicht geworden. In den I Jugendjahren der Partei und unseren. eigenen ' sahen wir auf die christliche Charitas und bürgrr- öir waren DMDM daß die soziale i Frage mit Suppenküchen nicht zu lösen ist. Was I wir wollten und was wir bald zu erreichen hoff- j ten, das war die Abschaffung der Armut. Wir waren überzeugt— und sind es noch— daß es auf Erden Brot genug für alle gibt, und daß nur dec Wahnsinn der kapitalistischen Wirtschaft ein menschenwürdiges Leben der Massen verhindert, sir toaren überzeugt— und sind es noch—*•, ! daß eines Tages die Arbeit über das Kapital, die Menschlichkeit über die Barbarei, die Vernunft Silber alle Dummheiten, Torheiten und grotesken s Verirrungen der Völker triumphieren wird. Was | wir aber damals nicht sahen, daS war die Weite des Weges, die Höhe der Hindernisse, die phanta- I stisch unbegrenzte Möglichkeit der Zwischenfälle, i Rückschläge, Katastrophen, mit denen der Ueber- gang aus der alten Zeit„in die neue verbunden war. Der Weltkrieg, der große Zerschmetterer aller Illusionen, stellte uns auch auf allen Gebieten vor neue Aufgaben. Angesichts der Uner- meßlichkeit der Not, die zumeist unsere eigenen Genossen am härtesten traf, konnten wir das Werk der Bekämpfung dieser Not nicht mehr der Kirche und den bürgerlichen Wohltätigkeitsvereinen allein überlassen. Damals wurde, was später als Arbeiterwohlfahrt in Deutschland zu einer großen Organisation herantvuchs und was sich ähnlich auch im Gebiet der alten Monarchie entwickelte: eine neue Form sozialer Fürsorge, die aus dem Geist sozialisttscher Solidarität entstand..Was.sich.hier,.darbtzt.^gr sticht mehr eine Wohltätigkeit von oben herab, sondern eine Hilfsbereitschaft zwischen Gleichen, Gleichgesinnten und ! Gleichfühlenden. Daß der eine noch zu seinem Glück imstande war, etwas zu geben, während sich der andere in der unglücklichen Lage befand, nehmen zu müssen, machte keinen so großen Unterschied mehr. Es wurde auch kein„Vergelts Gott!" und kein„Danke schön!" verlangt. Die Tat trug den Dank in sich. Aus solchem Geist ist das Kinderheim der sozialdemokratischen Frauenorganisation in Brünn entstanden. Die Väter waren im Felde, die Mütter in der Fabrik. Die Kinder waren bei aualitativ und quantitativ ganz unzureichender Ernährung den ganzen Tag sich selber überlassen. Da griffen die Brünner Genossinnen ein. Sie schwangen mutig den Bettelsack, legten selber zusammen, gaben ihre Arbeit her, kochten, nähten, plätteten, wuschen, sie holten sich die verlassenen Kinder, setzten sie in einen warmen, behaglichen Raum an sauber gedeckte Tische, sie erzogen sie zu Selbstdisziplin und Selbstverwaltung, indem, sie die Größeren dazu anhielten, für Ordnung zu sorgen und den Kleinen behilflich zu sein. Sie gaben der munteren Schar, die bald von Hunderten bis zur runden Tausend stieg, für Vater und Mutter, Heim und Familie und den häuslichen Tisch— ja. sie gaben ihnen für das alles freilich nur„Ersatz", wie alles im Kriege„Ersatz" war. Nur daß dieser„Ersatz" nicht aus den Retorten der Chemiker stammte, sondern aus mütterlich empfindenden Herzen. Zwanzig Jahre seitdem... Es war ein Marsch durch die Wüste, durch Sturm und Not; die Kinder von damals sind die Arbeitslosen von heute und wieder Eltern von Kindern, die so hilfsbedürftig find, wie sie es einst selber waren. Unsere tapferen Brünner Genossinnen aber haben ihr Werk verteidigt und fortgeführt. Sie haben zwanzig Jahre durchgehalten im Kriege der Menschlichkeit gegen das menschliche Elend und seine traurigste, aufs stärffte ans Herz greifende Form, das Kinderelend. Sie wissen sehr wohl, daß alles, was sie tun, Stückwerk und Flickwerk blechen muß, und daß nur eine aus dem Willen des Volkes erwachsende totale Erneuerung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens imstande ist, das Uebel an der Wurzel zu fassen. Sie lassen sich aber durch diese Erkenntnis nicht zu' einem lähmenden Fatalismus verleiten, sie leisten GegenwartSarbeit um des ZukunstszieleS willen, sie bleiben Sozialisttnnen unb darum auch Optimiststinen. Sie glauben, eS müßten sich trotz wachsender Schwierigkeiten, trotz steigender An-' sprüche an die Opferbereitschaft jedes Einzelnen immer wieder Helfer finden, die ihnen die Fortsetzung ihres Werkes ermöglichen. Mögen sie nicht enttäuscht werden! Friedrich Stampfer. So war es nur zu verständlich, daß von tschecho-, flowakischer Seite der Versuch gemacht wurde, die gegenseitigen Handelsbeziehun gen, deren Grundlage der durch Zusatzabkommen wiederholt ergänzte Zollvertrag aus dem Jahre 1929 ist, einer Neuregelung zu unter ziehen. Die Verhandlungen, die in den letzten zwei Monaten zum größten Teil in Paris gepflogen worden sind, haben sich, das muß man offen aus sprechen, außerordentlich schwierig gestaltet. Es wäre aber ganz falsch, etwa von einem mangelnden guten Willen der französischen Regierung zu spre chen. Vielmehr resultieren die Schwierigkeiten aus der Verschärfung der Wirtschaftskrise in Frank reich und daraus, daß es im wesentlichen die glei chen Industrien sind, die in Frankreich Schutz aus dem Binnenmarkt fordern, und die in der Tschrcho- flowakei eine stärkere Ausfuhr nach Frankreich ver-,,„„,.„ langen. Außerdem hat Frankreich einzelnen Län- dr-chnstfich-Lharfias und dern, wie Deutschland und England, gewiss- Ver- Wohltättgkett Aringschätzrg herab Wi «KW-•***•”> fuhr Vorteile emzutauschen. Die großen Lander sind dafür geeigneter als die Tschechoflowakei mit ihrem viel weniger umfangreichen Absatzmarkt. In den Verhandlungen hat schließlich noch'■ der Außenminister Dr. B c n e i beim französi schen Handelsminister interveniert. Sie haben I nun am 25. Oktober zu dem Abschluß einer Ver-! gg einbarung geführt, durch welche, so meldet das• französische Tclegraphenbüro Havas, Frankreich| der Tschechoflowakei mittels angemessener Kom pensationen eine Erhöhung der Kontingente ge währt. Diese. Erhöhung wird im Rahmen der Global-Kontingente wahrscheinlich für Texfilien, Schuhwaren, Papier u. dgl. erteilt. Außerdem setzt die Vereinbarung die Organisation bei der Durchführung der Kontingente fest und bestimmt die Verkaufspreise bestimmter aus der Tschecho flowakei eingrführtcr Erzeugnisse auf dem fran zösischen Markt. Ueber den Umfang der Erhöhung des tschechoflowakischen Kontingents an der fran zösischen Einfuhr wird nichts mitgeteilt. Nach dem Stand kurz vor dem Ende der Verhandlungen ist zu schließen, daß er etwas mehr als zehn Millionen KL vierteljährlich, also rund 50 Millionen KL yn Jahre auSmachen dürfte. Es sind demnach diese Handelsvertragsver handlungen nicht völlig ergebnislos verlaufen. Aber sie haben gezeigt, wie weit sich zwischen poli tisch verbündeten Staaten die wirtschaftlichen '^eMM^EvgiUM.k3nnen. tue in dem.!avita- .Dlschen System, seiner Dauerttis^. und rnoeui. 1 Seit« 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 1. November 1934. Nr. 256 PRAGER ZEITUNG 8: 3: Konst und Wissen Unterschrift und Adresse: 2745 Palästina zur Berliner Olympiade eingeladen! Das deutsche Olympiakomitee hat nun Palästina zur Nazi-Olympiad« 1836 nach Berlin eingeladen. Diese Einladung zeigt die skrupellose Demagogie der Hitlerleute. Zehntausende deutscher Juden find aus dem Lande Vertrieben worden oder schmachten noch in den Konzentrationslagern. Tausende von ihnen leben nun in Palästina, darunter gute Sportler. Jetzt lädt man diese vertriebenen Sportler wieder nach Berlin, nur um der Welt zu zeigen, daß auch die Juden in Deutschland„gleichberechtigt" sind. Ich melde Kurs des träge) zu folgenden Einzelvorträgen des Kurses sind es Menschen der Borstadt, die von Emporkömmlingen korrumpiert die meistbelachten Lustspielobjekte sind. Menschen, die mit Geld und Würde die Abfälle und den Wklatsch der bürgerlichen Kultur bezahlen: die abgetragene Kleider, die abgenutzten Möbelstücke— vor deren Atem die herabgekommene Frau des Sträflings und Betrügers weicht. Das Stück war auch durch Frau Sedlarkova nicht zu retten, der der Beifall und die Blumen galten. Eine bemerkenswerte Leistung war die des Dienstmädchens, der trotz Schlauheit doch betrogenen stillen Teilhaberin Viktoria der Frau Becvarova.Das frische Vorstadtmädchen spielte Frau Svobodova, aus den männlichen Rollen war nichts mehr herauszuholen, als geboten war. m. i. des„Sozialdemokrat", Prag XII, Fo- von allerlei Seiten beleuchten. Die Ehe, aus der die Liebe und Leidenschaft schwand und nur Geschäftsteilhaberschaft geblieben ist, ist eine allzutägliche Erscheinung. Das Lustspiel von fünf Akten— und es ist wahr, daß man mit diesem Thema keine fünf Lustspielakte auskommt— zeigt die verschuldete Hauswirtschaft von Neureichen, deren drei Partner: Mann, Frau und Dienstmädchen Geschäfte entweder gemeinsam oder auf eigene Faust machen, ohne eine weitere Zusammengehörigkeit als das Interesse am Geschäft. Und das Verständnis dafür, das das Leben noch andere Seiten hat, die auswärts gesucht werden. Die unausbleibliche Geschäftspleite bringt die Menschen nur für wenige Augenblicke näher, der soziale Aufstieg bedeutet nur den Rückfall in den ge- fellschaftlichen Schlamm der sogenannten höheren Klasse. Unbewußt drängt sich hier der Vergleich auf mit„Peripherie", dem stärksten Stück Frant. Langers, worin die Menschen, die ihre tiefsten Leidenschaften leben, sie mit vollem Preise bezahlen. Hier Mary Ober«», di« schöne Partnerin Douglas Fairbanks in dem Freitag erscheinenden Film„Das Privatleben des Don Inan". Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag halb 3: Sensationsprozetz, halb 8: Die Hugenotten, neuinszeniert, CI.— Freitag 7: Peer Gynt,D 2.— Samstag Die Schaukel: Gastspiel Werbezirk, C 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag Bunbury, 8:Nacht vor dem Ultimo. — Freitag 8%: Hoch Hingt das Lied vom bravenWann.— Samstag halb 8: Das lebenslänglich e Kind, Gastspiel Kramer. Verlanget überall Volkszünder Mitteilungen aus dem Publikum. l-rür diese Rubrik übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Die Verhandlungen über!>ie Bildung eines gesamtstaatlichen Kartells der tschechoslowakischen Zementfabriken konnten bisher, wie bekannt, insbesondere wegen der in der östlichen Gruppe aufgetretenen Schwierigkeiten zu keinem erfolgreichen Abschluß gebracht werden. Es haben deshalb die an dem Zementabsatz in Böhmen interessierten Zementfabriken, und zwar die Königshofer Cementfabrik, Actiengesellschaft in Prag, Prastav, Vereinigte Prager Baumaterialien-Fabriken A.-G., Podoler Cementfabrik in Prag, Settenzer Zementfabrik A.-G., Settenz, und die Portlandcementfabrik und Kalkgewerkschaft Leo Czech& Co. in Malomeritz, in dem Bestreben, soweit es in ihrer Macht steht, zur Besserung der heutigen unerfreulichen Zustände auf dem Zementmarkte beizutragen, den Beschluß gefaßt, den Verkauf des in den Atzxrken der obgenannten Firmen erzeugten Zementes in einer einheitlichen Verkaufsorganisation zu konzentrieren. Zweck der zu gründenden Verkaufsstelle wird sein, soweit dies unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt möglich ist, die Stabilisierung der Zementpreise zu erreichen, damit für die Bauunternehmer eine feste Kalkulationsbasis geschaffen werde. Die In der neuen Verkaufsstelle vereinigten Zementfabriken werden jedoch auch weiterhin bestrebt sein, eine einheitliche Organisation der gesamten tschechoslowakischen Zementindustrie, und zwar möglichst ohne weitere zwecklose Preiskämpfe, herbeizuführen. Ztpecks Durchführung des Ilebereinkommens wurde ein vorbereitender Ausschuß gewählt, der mit den Vorarbeiten sofort begonnen hat, damtt die Verkaufsstelle baldigst ihre Tätigkeit in vollem Umfang aufnehmen könne. Das Uebereinkommen wurde für einen Zeitraum von zehn Jahren abgeschlossen. 2377 danken wir herzlichst für das erwiesene Vertrauen, welches uns und unserem Unternehmen entgegengebracht wurde. Gottlieb Hora und Frau Den verehrten Gästen des CAFß„ELEKTRA“ Der Film Der König des Montblanc Das ist ein Film aus dem Dritten Reich, aber kein ganz gewöhnlicher. Denn sein Regisseur ist jener Bergfilm-Spezialist Dr. Fanck, der sich rühmen kann, den Luis Trencker und die Leni Riefenstahl entdeckt zu haben, die sich heute in der Gunst des Führers auffällig sonnen können. Während ihr Entdecker ihnen vorwirft, daß sie ihn verlassen haben, daß Trencker ihm gewaltsam Konkurrenz macht und die mit Hakenkreuz-Ehrungen überhäufte Riefenstahl nichts mehr von ihm wissen will. Der neue Film des Dr. Fanck steht denn auch, so gleichgeschaltet er ist, etwas abseits von der reinsten Goebbels-Linie. Die Handlung(die historisch sein will und in die Zeit Goethes und Napoleons führt) spielt in der französischen Schweiz, die Begleitmusik stammt von einem Italiener und die Produktionschefs führen die nicht allzu arischen Namen Rabino- witsch und Preßburger. Immerhin: das Ganze ist von Goebbels genehmigt und gutgeheihen; denn die Geschichte von dem Bergführer, der auf dem Gipfel des Montblanc Gold vermutet, aber, als er ihn schließlich erstiegen hat, die angebotenen Goldstücke wegwirft und sich zu seiner Frau und seiner Heimatscholle als dem wahren Glück bekennt, ist so unwahrscheinlich und kitschig, daß sie keinem Machthaber des Dritten Reiches gefährlich werden kann(wenngleich keiner von ihnen in dem Verdacht steht, angebotene Goldstücke jemals weggeworfen zu haben). Aber die Handlung war schon immer die schwache Seiteder Fänck-Filme. Was ihre Wirkung ausmachte: die eindrucksvollen Hochgebirgsaufnahmen, das Filmspiel mit Gletscherspalten und Lawinen, mit Schneestürmen und ziehenden Wolken, mit Kletscherkühn- heiten, und Abstürzen,— das ist auch diesmal wieder anzustaunen.'. Aber auch diesmal wieder steht die große Natur der Alpen in schreiendem Kontrast zu der Ünnatür- lichkeit des Spiels, in dem Sepp Rist den Luis Trencker nachahmt, Brigitte Horney diverse Filmstars imitiert und der alte Friedrich Kahßler in einer armseligen Nebenrolle agieren muß.—eis— An die Prager Genossen nnd Genossinnen! Am Sonntag finden sechs große Kundgebungen der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung statt, in denen die Front der deutschen sozialistischen Republikaner formiert wird. Es gilt der politischen Oeffentlichkeit der gesamten Republik, aber insbesondere der sudetendeutschen Oeffentlichkeit zu zeigen, wie stark die demokratischen Kräfte im Sudetendeutschtum sind und daß die Massen der deutschen Sozialdemokraten bereit sind für ihre Ueberzeugung alle Opfer zu bringen, daß sie bereit sind die demokratische Staatsform, die Grundlagen der Freiheit der Arbeiterbewegung zu schützen und zu verteidigen. Mit Macht und Kraft soll dem offenen und getarnten Fascismus entgegengetreten und muß die Schlagkraft jener Armee gezeigt lverden, die für die Demokratie und soziale Freiheit streitet. Auch die Prager Genossen und Genossinnen sollen an jenem Tage zeigen, daß sie da sind, sie wollen den Genossen in der Provinz ihre Kampfbereitschaft erweisen. Es ist geplant, daß sich ein Teil unserer Genossen und Genossinnen an der Kundgebung in Bodenbach beteiligt. Zu diesem Zwecke werden Autobusse bereitgestellt. Jene Genossen und Genossinnen, die bereit sind ein kleines Opfer zu bringen und nach Bodenbach zu fahren, iverden ersucht, dies bis längstens Freitag nachmittag dem Genossen Mittenhuber, Gec, Prag II., Fügnerplatz 4, bekanntzugeben. Mit sozialistischem Kampfgruß: Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Schönfelder, Vertrauensmann. Die Schaukel Ohne viel Aufhebens sei festgestellt, daß diese gestrige deutsche Uraufführung einer„Deflationskomödie" aus der Feder der Olga Scheinpflu- g o v a höchst überflüssig war. Ob die Autorin mit ihrer„Schaukel" nun scherzhaft oder ernsthaft ein anderes Symbol für die soziale Stufenleiter schaffen wollte, auf der die einen hinauf-, die anderen hinunterpurzeln, um dann beiderseits wieder das Umgekehrte zu erleben— der Versuch ist als mißlungen zu betrachten. Für dieses Märchen, das aber doch wiederum als Wirklichkeit zu nehmen ist, nämlich für die Geschichte von der Dame, die ihr, Vermögen verliert und destpegen Köchin bei ihrer bisherigen Köchin töitd, weil diese Mstilich litt selben Aitgiubkick Millid- nÄrin geworden ist, haben wir nicht einmal ein Lächeln übrig. Und dadurch, daß die Tochter der Reichen den Sohn der Armen liebt und infolgedessen dann zwei Akte lang der Reichgewordene die Ärmge- wordene, wird die Sache nicht besser. Und wenn man mit jedem Bild mehr die Nüchternheit und Schablo- nenhaftigkeit eines Baues sieht, in dessen drittem Teil der erste, und in dessen viertem Teil der zweite mit versuchten umgekehrten Vorzeichen wiederholt wird, so gesellt sich zu dem Mißvergnügen die Langeweile. Es tut uns leid, Frau Scheinpflugova, daß Ivir einer Dame gegenüber so unhöflich sein müssen, und toir sagen in diesem Fälle die Wahrheit auch deswegen nur ungern, iveil wir gerade zu einer tschechischen Autorin gern recht liebenswürdig wären. Aber der zweifellose Sinn der Scheinpflugova für Milieu, für gute Typen und für Bonmonts reicht in diesem Falle doch nicht zu einem guten Theaterstück. Frau Scheinpflugova hat schon Besseres geschrieben, lind das Prager Deutsche Theater, dessen Bemühen um die tschechische Literatur anerkannt werden mutz, hätte von dort ganz anderes, wirklich Wertvolles zu holen l Ein tvahres Glück, daß für die Köchin Marie gastweise die größte lebende Komikerin der deutschen Bühne, eine ihrer hervorragendsten Schauspielerinnen zur Verfügung steht: Frau Werbezirk ist auch in dieser Rolle von bewundernswerter Schlagkraft, köstlich humorig und dabei wieder so fraulich-mütter- lich warm, serviert wiederum ihre Pointen so unübertrefflich, daß dennoch auch hier dieser Abend nicht verloren war. Ilebrigens bemühten sich aber auch die gleichfalls gastierende Lilli Bader, deren sympathisches Organ und Wesen man gerne neu begrüßte. Frau Carpentier, die überaus dega- giert spielte, die Herren Padlesak als urwüchsiger Naturbursche, Herr Dudek als zarter und vornMmer alter Freier und Herr T a u b als sein mehr grotesker Pendant mit Erfolg, um dem Stück zu so etwas wie einem schwachen Erfolg zu verhelfen. Herrn Marie, dem längst als gewiegt anerkannten Regisseur, dürste es wohl kaum anzulasten sein, daß in das auf wienerisch hergerichtete Milieu mit Elisabeth Wolf eine berlinerische und mit Fräulein MinaZuckermann sogar eine deutschböhmische Note hineingetragen wurde. Ein Teil des Publikums applaudierte lebhaft und gab der Autorin Gelegenheit, sich dafür und für die wundervolle Leistung der Werbezirk sowie für die anerkennenswerte Arbeit der anderen Künstler zu bedanken. L. G. Sport• Spiel• Körperpflege Die Rote Sport-Internationale im Lichte der Wahrheit Der Mehrzahl unserer Leser ist es sicher nicht bekannt, daß das Verhältnis der kommunistischen Sportler bei uns zu den Sowjetsportlern ein sehr verwickeltes und unklares ist. Es wäre ein großer Kehler anznnehmen, daß die Wettkämpfer und Spieler, welche die Sowjetunion repräsentieren, Bestandteil einer Sowjetsektion der Roten Sport-Internationale sind. Die RSJ ist eine Organisation von politischer Bedeutung und ihr Einfluß macht sich nur gegenüber den ausländischen Sektionen geltend. Die Körperkultur in der Sowjetunion wird von einem staatlichen Organ geleitet, welches den Namen „Oberster Körperkultur-Rat" trägt. Zu dieser Institution hat die FPT weiter als zu unserem Mini- sterium für Gesundheitswesen und Körperkultur. Die FPT wird vom Gesichtspunkt politischer Manöver von der Zentrale der RSJ aus geleitet, wo meistens Menschen sitzen, die mit dem Sport nichts gemein haben. Es sei bemerkt/ daß die RSJ lange Jahre hindurch überhaicht keinen technischen Leiter und von den Zielen und Grundsätzen der neuen Körpererziehung in der Sowjetunion selbst keine nennenswerten Kenntnisse hatte. Die Prager FPT ist ein Vasall dieser Zentrale, welche nichts zentralisiert. Die Körpererziehung in der Sowjetunion lqtzt sich durch politische Bedürfnisse nicht bremsen und strebt mit gigantischen Schritten vorwärts, ohne Rücksicht auf die Thesen und Resolutionen der unfruchtbaren Kongresse der RSJ. In die Leitung der RSJ werden die Funktionäre von der Kommunistischen Internationale delegiert und die Sowjet-Funktionäre in der Körperkulturbewegüng sehen auf diese Jnstitu- tion von oben herab. Es ist reiner Undank und Charakterlosigkeit, daß den währen Vätern der neuen russischen Körpererziehung von der RSJ nur Nichtachtung und politische Fußtritte zuteil wurden. Begründer und Bahnbrecher der physischen Kultur, in der Sowjetunion ist unser Landsmann Professor Albert Autonome Zik- m u n d, ein gebürtiger Jitschiner, der Organisator und erste Rektor der„Staatsanstalt für Körpererziehung" in Moskau war. Durch die politischen Denunziationen aus der RSJ wurde er vor Jahren seines Amtes beraubt und ungerecht verfolgt. Zu jener Zeit hat die FPT Professor Zikmund der Ehrcnmitgliedschaft verlustig erklärt und anstatt ihm zu Hilfe zu kommen, haben ihn seine bisherigen Nachbeter noch mHr getreten. Niemand kann sich die peinliche Verlegenheit der- Führer der FPT vorstellen, als Professor Zikmund glänzend rehabilitiert wurde. Wir halten es für unsere Pflicht, auf diese Tatsachen aufmerksam zu machen und zu betonen, daß der.Sowjetsport und die Prager FPT zwei verschiedene Kapitel find. Dem Sowjetsport wünscht sicher jeder volle Entwicklung. Die FPT täte am besten, wenn sie gemeinsam mit der RSJ ihre Tätigkeit unauffällig für immer liquidierte, denn ihre Führer wissen selbst nicht, daß der Sowjetregierung ihre Existenz fast unbekannt ist und im Wege steht. Eine Ehe m. b. H. Die moderne Ehe erscheint uns nur insotveit ein Problem, als wir sie vom Standpunkte der Tradition oder der geltenden Gesetzgebung betrachten. Sonst entwickelt sich die Ehe als gesellschaftliche Institution parallel mit den übrigen Gesellschaftsformen. In dieser Hinsicht ist also das Lustspiel des oekannten Dramatikers und Schriftstellers Frantisek Langer:„Ehe m. b. H." keinerlei Überraschung in der Reihe von Theaterstücken, die dieses Problem *•»* mich hiemit als Teilnehmerin)' zu dem Bezirksbildungsausschusses(alle 6 Vor- „Erziehunss- und Propasandamittel der Gegenwart“ Ein kulturpolitischer Kursus des Bezirksbildungs- ausschuffes der DSAP in Prag. Der Bildungsausschutz der Bezirksorganisation Prag veranstalt^, anknüpfend an den im Frühjahr absolvierten Kurs„Kulturfrag.en des Sozialismus" in den Monaten November und Dezember einen aus sech' Vorträgen mit anschließender Diskussion bestehenden Zyklus Erziehungs- und Prapagandamittel der Gegenwart. Der Bildungsausschutz gläubt mit diesem Thema ein Gebiet erfaßt zu haben, dem man in unserer Zeit größte Bechtung widmen muß und das für den denkenden Sozialisten eines der interessantesten und wichtigsten Arbeitsgebiete darstellt. Die Erfolge des Fascismus sind zum großen Telle seiner systematischen Arbeit auf dem propagandistischen und dem Felde der Erziehung zuzuschreiben. Der Vor- tragszyllus, der die Hauptprobleme der geistigen Machtpolitik in den Vordergrund der Betrachtung rückt, wird dem politisch wie dem kulturell interessierten Genossen Belehrung und Anregung bringen. Der Zyklus enthM folgende Vorträge: Die Schule als Grundlage der Bolkserziehung (Professor Paul Fürstenau, Reichenberg) Das gedruckte Wort(Josef Hofbauer) Die Bedeutung der Musik im Völkerlebcn (Min.-Rat Prof. Kestenberg) Großmacht Rundfunk(L. Goldschmidt) 5. Der Rassenwahn(Dr. E. Franzel) 6. Die Frau und die Politik(Dr. Karla Schwelb) Der erste Vortrag findet Donnerstag, den 15. November, siaü, die weiteren am 22. und 38. November und am 6., 13. und 28. Dezember, mit Ausnahme des dritten Vortrages also jeweils Donnerstag und ebenfalls mit Ausnahme des dritten, det in der Urania siattfinden wird, immer im Partei- he,i m, N ä r o d n i t i. 4. Regiebeitrag für den ganzen Kurs(bei Beginn zu erlegen) 16 Kc, für den einzelnen Vortrag 3 Kd- Anmeldungen(auch von Nichtmitgliedern der Partei) find zu richten an L. Goldschmidt, Redaktion chovä 62. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlatz.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost- und - Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.888/VII/1938 bewilligt. Druckerei: ,Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.