ZENTRALORGAN__. DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg XIU fochova«r. telefon 53077. Administration telefon 5307«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG.' Einzelpreis 70 Heller (einschließlich L Heller Porto) 14. Jahrgang Dienstag, 6. November 1934 Nr. 260 Der Vorstoss der Karlsbad 25.000 Bodenbach.... 20.000 Komotau 10.000 Teplitz.. 12.000 Mähr.-Schbnberg 10.000 Jägerndorf.... 15.000 Das war ei« stolzer Tag. Kemer wird ihn je vergesse«, der dabei war. Sechs Leuchtfeuer strahlte« auf im sudeteudeutschen Greuzland. Sechs Feuergarbe« sozialistischer Freiheitsgesiunnng erhellteu weithin de« verfiusterten Horizont Mitteleuropas. Durch dir schneidend kalte Lust eines trübe« Novembertages lohte die rei«e Flamme einer unzerstörbaren Idee. Die Herze« brannte« in heißer Glut, während die darbenden Körper froren. Größere Demonstrationen mag die Welt schon gesehen habe». Größeren Opferfinn, herrlichere Treue, härteren Wille» hat kanm noch eine Bewegung geoffenbart vor Freund und Feind. Die Massenaufmärsche des 4. November habe«-die höchste« Erwartungen übertroffen. Unsere Sonntagblätter gaben der Erwartung Ausdruck, daß insgesamt 50.000 schaffende Menschen dem Rufe der Partei folge» werden. Nun erzählen die amtlichen Berichte von 90.000, die Schätzungen unserer tschechischen Freunde von 100.000 Teilnehmern. Wir halten«ns an die amtlichen Berichte, den» wer diesen Maffeuerfolg verkleinern wollte, verfiele der Lächerlichkeit. Die deutsche Arbeiterschaft dieses Landes hat am Sonntag so deutlich gesprochen, daß der Haß ihrer Gegner schweigen muß. bas Volle bat gesprochen! Dreifach ist der Erfolg des 4. November. Der Führungsanspruch Konrad Henleins in der sudetendeutschen Politik ist abgetan. Seine -Be^Mung, die Hestnatfrynt fei dix., stärkste Gruppe" jm deutschen Lager, ist als hohle Ruhmredigkeit entlarvt. Die stärkste deutsche Par- tei der Republik find und bleiben die deutschen Sozialdemokraten. Die»Hoffnungen des deutschen Bürgertums, daß die Agitation der Heimatfront der Sozialdemokratie Abbruch tun konnte/ liegen in Trümmern. Das Gegenteil ist eingetreten l Die Agitation Henleins hat eine elementare antifascistische Volksbewegung auf den Plan gerufen. Volksfront steht gegen Heimatfront. Jeder weitere Versuch einer reaktionären antimarxistischen Sam- vn'Politik wird die arbeitenden Massen, die die Mehrheit des Volkes bilden, nur fester zusammenschließen. Nicht die deutschen Sozialdemokra- ten haben um ihre Massenbafis zu bangen, sondern jene deutschen Parteien und Gruppen, die Henlein unterstützen, setzen damit ihre politische ^ristenz aufs Spiel. Unterstützen sie wester die Manöver der Heimatfront, unterwerfen sie sich dtm Diktat fascistischer Usurpatoren, dann wird die deutsche Sozialdemokratie umso erfolgreicher QlTe sozialistischen und freiheitlich denkenden Menschen des sudetendeutschen Volkes um sich scharen. Und nun zum bedeutsamsten Ergebnis des 4- November. Wir haben Henleins hitler'schen Phrasenschwall ein positives soziales Gegen- Martsprogrqmm entgegengestellt. Damit ist die Kahre Schicksalsfrage des Sudetendeutschtums aufgerollt, die soziale Frage. Der Kampf gegen den ärgsten Volksfeind, den Hunger, der Kampf wn Brot und Arbest ist mit neuem Elan ein- Mlcitet. Nun müssen alle Farbe bekennen, die dorgeben, sudetendeutsche Politik zu machen. Für oder gegen das Volk?— das ist nun die Frage. Wir werden die Schande nicht länger dulden, daß zwar die Presse der tschechischen Agrarpartei zu Hilfsaktionen für die Hungerbezirke aufruft, daß aber nicht nur Herr Henlein, sondern alle deutsch- bürgerlichen Gruppen daran achtlos vorüber- Sehen. Ob unsere Arbestslosen zu essen bekommen, ob unser junger Nachwuchs vor dem Verderben gerettet wird, ob der Industrie Kredithilfe Und Exportförderung zuteil wird, das sollte auch ihre Sorge sein. Auf dem Boden der realen Volksnotwendigkeiten werden sie sich künftig mit der Sozialdemokratie auseinandersetzen müssen. Es gibt kein Ausweichen mehr! Kein ernster Politiker kann neben der vollzogenen Klarstellungsarbeit im deutschen Lager übersehen, daß das Schwergewicht der Entschei- düngen über die wirtschaftlichen uud sozialen Krisenlösungen bei den demokrattschen Gruppen des tschechischen Volkes liegt. Alle, denen das Gedeihen der Republik wahrhaft am Herzen liegt, mögen nicht achtlos an den herrlichen Manifestationen republikanischer Treue vorübergehen, die Auf den Bahnhöfen von Aussig, Mariaschein, Rumburg, Warnsdorf, Haida und anderen, von wo insgesamt neun Extrazüge zur Bodenbacher Kundgebung abgingen, herrschte am Vormittag vor der Abfahrt der Züge ein lebhaftes Treiben: Jung und alt waren in erwartungsvoller Stimmung gekommen. Da waren alte Genossen, die erzählten, daß sie seit 1888 keine große Kundgebung der Arbeiterschaft versäumt hatten, da waren junge Burschen und Mädchen, denen die Erwartung aus den Augen leuchtete, weil es die erste große Manifestatton war, die sie mitmachten. Jeder hatte etwas zu erzählen. Da hörte man stolz einen sagen:„Von Kleische kommt alles" und ein anderer meinte wieder„Wir Mariascheiner werden es dem Henlein schon zeigen". In den Zügen selbst herrschte musterhafte Ordnung. In jedem Waggon gab es ein bis zwei RW- Männer, die tadellos ihre Pflicht erfüllten, wie denn überhaupt der 4. November auch e i n Ehrentag für unsere RW war. Als die Züge im Bodenbacher Bahnhof eiN- liefen, merkte man, an der Zahl der vielen tausenden Menschen, die dem Bahnhof entströmten, daß. ein großer Tag bevorstand. Von weitem sah man schon aus den Fenstern der Züge die roten Fahnen leuchten. Vom Bahnhof ging es hinunter zur Elbe, zur Straße Am Weiher und zur Tet- schner Brücke, wo sich die Spitze des Zuges befand. Von da reichten die schwarzen Menschenmassen am Elbeufer gegen-Niedergrunb so weit, daß man selbst von der Brücke das andere EndedesZuges Nicht sah. Unterbrochen von dem Rot der Fahnen Voten diese Mrnschensänlen am Ufer der Elbe einen überwältigend schönen Anblicks Zwischen halb und dreiviertel 1 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. An der Spitze marschierten Fanfaren-Bläser, ihnen folgten die Vertteter der Parteizentrale und der Kreisvertretung, worauf der endlose Zug der Manifestanten folgte. In dem Zuge fiel besonders die Teilnahme der Turner und Turnerinnen auf, die mit ihren grauen Kappen einen ausgezeichneten Eindruck machten und einen ganzen Wald von Fahnen mit- sührten, denn die SW, die in der Stärke von etwa der 4. November gezeigt hat. Wohl deni Staate, der die ttefe demokratische Gesinnung, die poli- ttsch soziale Schöpferkraft und den freiheitlichen Kampfgeist der deutschen Arbeiterklasse seiner Zukunst nutzbar zu machen weiß! 1000 Mann aufmarschierte und deren Strammheit Bewunderung erregte, dann die Genossen und Genossinnen aus allen Gebieten des Bodenbacher Kreises. Jm Zuge wurden eine Menge Inschriften und Tafeln gettagen, darunter an der Spitze des Zuges die große Standarte„Es lebe M a- s a r y I", Der mächtige Zug bewegte sich durch die Straße Am Weiher und am Bahnhof vorüber durch die Dresdner Straße zum Masarykplatz. Der grandiose Zug wurde vor dem Eintreffen auf dem Masarykplatz in fünf Kolonnen geteilt und diese Kolonnen marschierten in den fünf Zufahrtsstra- ßen zum Masarykplatz auf. Es war herrlich anznschauen, nls die Men- schenmassen mit den' roten Fahnen aus fünf Richtungen auf dem Platze, der sich als viel zu klein erwies, um dir Mafien der Demonstranten zu fassen, einmarschierten. Tausende, die nicht auf den Platz gelangen konnten, mußten in den Zufahrtsstraßen stehen bleiben. Nach 2 Uhr wurde abermals mittels Trompetensignals das Zeichen zum Beginn dieses Meetings der Z w a n z i g t a u s e n d gegeben. Als Genosse K ögler mit seiner festen und klaren Stimme die Versammlung eröffnete, brausten tausendstimmige Freiheit-Rufe über den Platz.«Es ist erhebend", so sagte Genosse Kügler,„wie in dieser schweren Zeit mitten in der furchtbarsten wirtschaftlichen Not, unter dem Drucke einer seit Generationen nicht gekannten Wirtschaftskrise, die den Arbeitern ein Uebermaß an Opfern und Entbehrungen auferlegt, hunderttausende zur Arbeitslosigkeit verurteilt, zum Hunger zwingt, der Ruf der Partei ein tausendfältiges Echo in den Hütten der Armen Nordböhmens geweckt hat." Genosse Kügler wies darauf hin, daß Tausende stundenland aus entlegenen Dörfern nach ermüdendem Fußmarsche gekommen sind, daß Arbeitslose an der Manifestation teil- nehmen, die seit Fahr und Tag nicht das Glück hatten, die Kinder und sich selbst einmal satt zu sehen. Mit Freude konnte Genosse Kügler unseren Parteivorsitzenden, Genossen Dr. Cz e ch, den Vertreter der tschechischen Svzialdemokratte, Genossen D u n d r und den Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses, Genossen Taub, begrüßen. Als Genosse Kügler das Begrüßungstelegramm an den 20.000 in Bodenbach gegen Fascismus, für Freiheit und Brot Der Gruß an Masaryk Von allen sechs. Kundgebungen wurden unter großer Begeisterung dem Präsidenten der Republik Begrüßungstelegramme übermittelt. Das Telegramm, welches die Bodenbacher Kundgebung absandte, hat folgenden Wortlaut: Vom heißen Kampfboden des nordböhmischen Industriegebietes grüßen die in Bodenbach versammelten Arbeiter, Arbeiterinnen und Arbeitslosen den großen Demokraten, Republikaner und Sozialreformer T. G. Masaryk. Mit unserem Gruß an den Präsidenten verbinden wir unser Gelöbnis zn entschlossener Verteidigengder demokratischen Republik und bringen die Berettschast zum Ausdruck, auf ihrem Boden für den Sieg der Menschlichkeit und der sozialen Gerechttgkeit zu arbeiten. Wir bekennen uns zu dieser Stunde zur gemeinsame» Aufgabe der deutschen und tschechischen Republikaner, den europäische»Frieden zu sichern und dieses Land auszuvauen zum Kristallisationspunkt der mitteleuropäischen Berst ä n d i g« n g. Präsidenten Masaryk verlas, erschollen abermals tausendfältige Zustimmungsrufe. Dann lprach Genosse Dr. C z e ch, lebhaft akklamiert von den Anwesenden, immer wieder durch tosende Beifallsrufe unterbrochen. Ebenso stürmisch und begeistert wurde die Rede ausgenommen, die Genosse Taub hielt. Immer wieder ballten sich die Fäuste und erschollen Zurufe, insbesondere an jenen Stellen, da Genosse Taub den Henlein-Fascismus geißelte und die feste Entschlossenheit kundgab, an der Demokratie festzu- halten. Donnernder Beifall begrüßte dann den Vertreter der tschechischen Sozialdemokratie, Senator D u n d r, der namens seiner Partei in tschechischer und deutscher Sprache erklärte, daß sie sich der Kundgebung der deutschen Sozialdemokratie an- schließen, um die Gemeinsamkeit der Interessen und Besttebungen beider Parteien zu manifestie-. ren. Diese Manifestation soll eine mächtige Demonstration gegen alle Feinde der Republik und gegen die Gegner des sozialen Fortschrittes sein. «Wir demonstrieren in absolutem Einverständnis mit den deutschen Sozialdemokraten gegen di- Henleinsche Heimatfiont, in der wir eine Gefahr für die Demokratte erblicken. Die Henleinbew-- gung, die alle antistaatlichen Elemente konzentriert, bedeutet eine Gefahr für die ruhige und gesunde Entwicklung des Staates. Der Kamp' der deutschen Sozialdemokratie gegen die Heimat- front ist nicht nur ihr Kampf, sondern der Kamp' der beiden sozialdemokratischen Parteien und aller fortschrittlich Gesinnten. Die Heimatfront repräsentiert eine reaktionäre, politisch schädliche Bewegung, der im Interesse der Republik und der Arbeiterklasse der energische Kampf erklärt werden muß. „Wir kennen in der Tschechoflowakei", so rief Genosse Dundr aus, während jubelnde Zustimmung den weiten Platz erfüllte,„nur einen Führer: T. G. Masaryk." Kügler schloß mit anfeuernden Worten:„Es war für uns alle", so sagte er,„ein unauslöschliches Erlebnis, ein Augenblick der Aufrichtung... Unsere Rechte kann und wird uns niemand dauernd streitig machen. Die beste Hüterin unserer Freiheit und unseres Rechtes sind wir selbst, ist unsere Geschlossenheit, unsere Einheitlichkeit, unsere Disziplin und unsere Treue zur roten Fahne der Sozialdemokratie, Freihest!" Seite 2 Dienstag, 6. November 1934 Nr. 260 ein Der Aufmarsch In Komotau der des konnte, in Sechser- und Achterreihen gegliedert werden. Die Versammlung mutzte eröffnet werden, obwohl der Aufmarsch noch lange nicht beendet war.■ Der Sozialistenmarsch erklang, die Menge entblötzte ihre Häupter. Genosse Abg. Katz, der die Versammlung leitete, gedachte zunächst Opfer des Neusattler Grubenunglücks und spanischen Aufstandes. Der Vorschlag, an den Staatspräsidenten Begrüßungstelcgramm zu schicken, fand spon- tane und begeisterte Zustimmmrg. In furzen, markigen Worten umritz Genosse Katz den Sinn der Kundgebung. Sodann sprach, von stürmischem Beifall be- grützt, Genosse Abg. de Witte. Immer wieder klangen leidenschaftliche Beifallskundgebungen, im- G r a s W fc e«.• Sie haken kaum kennzeichnende Aufschriften auf den Fahnen gebraucht: man sah den Teilnehmern an, patz sie aus dem ärgsten Hungergebiete unserer Republik kommen. Die Gesichter blatz oder grau, die vor Jahren gelausten Hubertusmäntel zerschlissen und dünn, die Schuhe zerrissen— so marschierten Jugendliche, Männer,, Frauen und Greise in ernstem Schweigen hinter ihren Fahnen.— Durch diesen Ernst, der der ganzen Karlsbader Kundgebung das Gepräge gab, brach immer wieder die Freude über den Riesenaufmarsch, über die elementare Wucht dieses Aufbruches der Zehntausende. In den Zügen umarmten die Ordner einander, als sie sahen, mit welcher Treue und Opferbr- reitschäst die Massen an der Partei hängen. Hunderte Unangemeldeter galt es in letzter Stunde in den Zügen«nterzubringen. Diese schwierige Arbeit vollzog sich dank dem Mühen unserer RW reibungslos. Hier vermag man nicht die vielen überwältigenden. Einzelbilder zu beschreiben. Frauen haben ihre Kinder m i t g e b r a ch t! Sie trugen sie stundenlang auf den Armen. Dann wurden sie von den Männern abgelöst. Siebzigjährige Frauen sah man, die es sich nicht nehmen lietzen, den ganzen Marsch mttzu- machen. Um dreiviertel 3 Uhr waren die Züge zum Abmarsch bereit. An der Spitze marschierten die Graslitzer. Ihre Ordner trugen die Staatsflagge voran. Hinter der Staatsflagge wehte die Fahne der Graslitzer RW, die ein Eck in den tsche- choslowakis ch e n Farben hat. Der Zug bewegte sich von der Egerbrücke bis zur Mühlbrunnkollonade, von dort an dem anderen Ufer der Tepl zurück. Begeisterte Rufe klangen aus den einander begegnenden Kolonnen. Zahllose Standarten wurden den einzelnen Bezirkszügen vorangetragen. Eine trug die Aufschrift:„Es lebe Masarykl", eine zweite:„Die Heimatfront des Bezirkes Graslitz ist die Sozialdemokratie!*,. eine andere:„Joachimsthal— Grenzwacht gegen den FasciSmuS". Im Zuge waren Kapellen; die Musiker, zum Teil Arbeitslose, spielten fast alle ohne Bezahlung. 2000 Ordner marschierten mit. Um 4 Uhr marschierten die letzten Züge an der Polizeidirektion vorüber. Zu dieser Zeit waren schon tausende Menschen auf d«n Becherplatz versammelt. Ms der Platz schon fast keinen Raum mehr für die anmarschierenden Massen bot, setzte sich erst der lange Zug der Teilnehmer a«S Drahowitz, Fischern und Mtrohla« in Bewegung. Dies« Züge mussten, damit der Aufmarsch vor dem Einbrechen der Dunkelheit beendet»erde« Genosse Lorenz auf die Tribüne, verliest die Begrüßungsworte des Genossen Dr. C z e ch (der, von Komotau kommend und nach Bodenbach eilend, den Duxer Genossen hernach auf der Landstratze begegnete und sie dort mündlich be- grußen und ihnen danken konnte), dann beantragt er, Telegramme an die Genossen in Karlsbad und Bodenbach abzusenden. Unter den Klängen des Sozialistenmarsches wird die Kundgebung geschloffen. Noch einmal, wie die Züge sich neu ordnen, die Masse in Bewegung gerät, den Platz und die einmündenden Straßen füllt, wie die Fahnen- Wälder sich teilen, trinkt das Auge das grotz- artige Bild des Maffenschauspiels, erkennt jetzt erst ganz, wie groß die Demonstration war, die wir aus eigener Kraft zustandebrachten: nur wir allein! Denn das Bürger- tum, die Mittelschichten, deren Leben oder Sterben doch von unserem Kampf abhängt, die den Fascismus nicht minder zu fürchten hätten, könnten sie nur denken, sind feindselig ferngeblieben, und die K o m m u n i st e n — ja, die waren dabei, aber alles in allem keine 80 Mann. Bei den Zügen hatte man sie gezählt, auf dem Platz waren sie eine Zeitlang kenntlich, da sie im Sprech-Chor die„rote Freiheits front"(also unsl) hochleben lietzen. Sie waren wenige Dutzend Unentwegte. Tiefbewegt, erhobenen Hauptes marschieren die Demonstranten heim. Und alle, die noch zu Seligers Zeiten demonstriert hatten, sagen, daß Teplitz seither eine solche Kundgebung nicht mehr gesehen hatte! Die Begrüßungsworte an den Redner, Genossen Taub und der Antrag, dem Pri- si d e n t e n der Republik ein Huldi- gungStelegrannn zu senden, werden begeistert zur Kenntnis genommen. Als dann Genosse Taub auf der Tribüne erscheint, erhebt sich neuer, nicht endenwollender Jubel der , M a s s e, die ihr Vertrauen zu dem wahre« Füh re r, dem schlichten, unermüdlichen und aufopfernden Mann der Pflicht und der sachlichen Arbeit kundgibt. Die Rede des Genossen Taub wurde immer. wieder.von der Zustimmung der 12.000 unterbrochen. Vieltausendstimmig tönt das Echo, da Genosse Taub Arbeit und Brot für die Masse fordert, Helle Empörung schlägt auf, wenn er von dem Unternehmerterror, von Hitler und seinem Schüler Henlein spricht. Oberhalb der Rampe hängt, mst einer schmutzigen blauweitzen Fahne verdeckt■— dies hatte die Behörde aNge- ordnet, weil die Arbeiterschaft seit Tagen wegen der Provokation aufgeregt war— das Wappen der SHF. Nun spürt man es, daß die Masse die Tarnung durchschaut, so wie sie hier hinter dem Vorhang die Firmatafel der fascistischen Reaktion Weitz! Stürmisch er Beifall antwortet der Rede des Genossin Taub. Nochmals steigt g e z e i ch n e t e O r g a n i s a t i o n, die das Massenaufgebot schlagartig und für Freund und Feind mit der Wirkung der Ueberraschung sichtbar werde« ließ. Zehn Minuten vor zehn sah man aus Sem irrossSn Platz außer einigen Dtcheüo RW-Ordniftü und^einigen Gruppen von Neugierigen keinen Demonstranten. Um zehn Uhr ist die Demonstration angesagt. Werden die Massen kommen? Mancher SHF-Mann mag vom Beobachtungsstand der Henlein-Front im berüchtigten Nazilokal auf dem Markt triumphierend konstatiert haben, daß diesmal die rote Parole versagt hat... Da erscheint in der Langen Gasse die Spitze des Zuges, in dem die Genossen aus dem Duxer und Biliner Bezirk, dazu die Gruppen aus Settenz, Kleinaugezd, Hundorf, aus der westlichen Ecke des Teplitzer Bezirkes marschieren. Boran die S t a a t s f a h n e, dann ein W a l d v o n r o t e n F a h n e n, eine große Flagge, über die Straßenbreite gespannt, trägt die Aufschrift:„Es lebe Mas ar Hk"! Stundenweit sind die Genossen aus dem Duxer Bezirk marschiert. Sehr früh mußten die meisten aufstehen, nm dabei zu sein. Run sind manche drei und vier Stunden auf den Beinen. Wie sie aber nun unter den Klängen der Musik auf den Platz einbicgen, strafft sich ein jeder, suchen es auch die Altett, die Veteranen der Schächte und Glasfabriken, der prächtigen Jugend gleichzutun, die in den Blusen der Jungstaffel, des Atus und der RW ein so wunderbares Bild disziplinierter, gestählter, sportgeschulter Kämpfer bieten. Punkt zehn Uhr— der Duxer Zug ist noch lange nicht entwickelt—erscheinen zwei neue Züge. Die Genossen aus T e p l i h rind dem Bielatal hatten sich bis Schönau versammelt, nun füllen sie in dichter Masse die Gräupner Gaffe, biegen unterhalb der Mozartrampe in den Platz ein, voran Bürgermeister Genosse R u s s y und Abgeordneter Heinrich Kremser, der Führer des Kreises. Auf der Rampe sammeln sich nun die Fahnenträger und bald ist die breite, steinerne Brüstung dicht besetzt mit Burschen und Mädeln, dichtgedrängt reiht sich Fahne an Fahne, ein roter Wald. Nun erscheint auch der dritte Zug. Aus der Cichivalderstratze kommen die Genossen vom Rande des Erzgebirges aus den Glasarbeiterdörfern und aus E i ch w a l d selbst. Als vierter und letzter Zug treffen die Genossen aus Turn, Prob stau, Füden- d o r f, Graupen ein. Ein Fanfaren st o ß gibt das Zeichen zur Eröffnung. Die Musik intoniert die Internationale. Dann tönen mächtig und weihevoll die Klänge des Tord Fol e son über den Platz, gesungen von den Arbeitersängern des Bezirkes Teplitz. Wieder ein Fanfarenstoß: Genosse Lo r e n z betritt die Tribüne und erklärt durch die Lautsprecher die Kundgebung als eröffnet. daß sie schon lange keinen politifchen Aufmarsch mit so starkem jugendlichen Gepräge gesehen haben. Nach zehn Uhr begann der Amnarsch auf den geräumigen Ringplatz. In Komotau hatte man auf die Mitwirkung von Musikkapellen verzichtet, aber in den Marschkolonnen steckte Kraft und Schwung. Rote Sturmfahnen, riesige Transparente belebten das ernste Bild. Mehr als 8000 marschierten im Zuge. Die amtliche Schätzung von 10.000 Teilnehmern an der Kundgebung ist zweifellos zu niedrig, doch unser Massenerfolg war so groß, daß wir uns darüber in keinen Streit einzulassen brauchen. Das Meeting selbst nahm einen eindrucksvollen und disziplinierten Verlauf- Die Reden wurden mit Lautsprechern übertragen. Genosse Vizebürgermeister Reichl beantragte nach seinen Eröftnungsworten, ein Begrüßungstelegramm an den Präsidenten derRepublikabzusenden. Der Vorschlag wurde mit lautem Beifall aufgeno:en und ein Wald von erhobenen Händen gab die Zustimmung der Versammelten kund. Genosse Reichl konnte sodann die erfreuliche Mitteilung machen, daß zu der Komotauer Kundgebung überraschend auch der Parteiborsitzende Genosse Dr. C z e ch erschienen war. Mit den zahlreich erschienenen Journalisten begrüßte er ganz besonders den Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses, Genossen S t i v i n. Genosse Dr. Czech hielt, mit stürmischem Jubel empfangen, eine kurze Ansprache, worauf er zu den Kundgebungen in Teplitz und Bodenbach weitereilte. Das Hauptreferat erstattete Abgeordneter Genosse I a k s ch. Er betonte einleftend, daß die sozialdemokratische Arbeiterschaft nicht gesonnen sei, die Straße den Fascisten zu überlassen. Unsere Kundgebungen— so führte er aus«— sollen einen scharfen Trennungsstrich zwischen dem LoyalitAS- schwindel des reaktionären Bürgertums und der republikanischen Treue der Arbeiterschaft ziehen- Sodann unterbreitete er der Massenversammlung die Forderungen des sozialpolitischen Kampfprogrammes der Partei und rechnete mit den fascistischen Phrasen des Herrn Henlein und dem christlichen Sozialismus des Herrn Mayr-Harting ab. DaS Meeting wurde Mst den Klängen der International« geschlossen. Einige Versuche unbelehrbarer k om m u nist i s ch e r Grüppchen, in unseren Zug, ihre Fahnen und Transparente einzuschmuggeln, wurden im Keim« erstickt. lieber dies« Komödie waren auch ehrliche kommunistische Arbeiter empört, die mst Dank anerkannten, daß von unserer Seit« kein Wort gegen die Kommunisten gesagt worden war mer wieder machte sich der Kampfwille der Massen in Zurufen Luft. Als der Redner auf die Behauptung der Gegner hinwies, die deutsche Sozialdemokratie sei kein ernster politischer Faktor mehr, klang trotziges Hohngelächter auf: die grauen Massen, die den Becherplatz und die angrenzenden Straßen überfluteten, die armen, hungernden Erzgebirgler und die Kohlengräber aus Chodau und Falkenau, die tapferen Arbeiter aus Eger und Asch, die Sozialdemokraten aus Joachimsthal, die Kleinbauern aus Podersam und Buchau— sie sind ein Wall, an dem alle Hoffnungen unserer Feinde zerbrechen.— Stürmische Zustimmung folgte dem hinreißenden Schlußwort des Genossen Katz. Ein dreißigtausendstimmiges „Nein!" brauste empor, als er an die Erschienenen die Frage richtete, ob sie es zulaffen wollen, daß sich auch hier der Fascismus etabliere. Dieses „Nein!", das eine kurzeSekunde füllte, wird nie verklingen. Es ist dem Proletarier Westböhmens ins Herz geschrieben. Als die Kundgebung zu Ende ging, senkte sich die Dämmerung über den weiten Raum. Das letzte Wort des Vorsitzenden war verhallt, als die arbeitslosen Musiker aus Graslitz, die würdigsten Vermittler unserer Kampfhymnen, die„Internationale" anstimmten. Die Hüte flogen von den Köpfen und über der ergriffenen, grauen Menge, die schon im Schatten des Abends stand, spielten grüßend die roten Fahnenftammen. Das Wogen der Fahnen verebbte, Kommandos,, Zurufe und Trompetensignale hallten über den Platz; die Masse brach auf. Die Kolonnen marschierren— zurück in die kaüen Hütten, zurück in das Grau der winterlichen Elendstage, in den Herzen aber das Leuchten der roten Fahnen, in den Hirnen das Bewußtsen, daß solche Treue und solche Opferbereitschaft unüberwindlich sind. Die größte Kundgebung, die Karlsbad sett 1919 gesehen hat, war zu Ende.„Wir werden es ihnen zeigen!"— so sagten die westböhmischen Sozialdemokraren in der vergangenen Woche. Siehabenesihnen gezeigt! Dreißig Kommunisten, die unter der Führung des Abg. Rutz erschienen waren,, verhielten sich ruhig. Waren sie nicht gepackt von der Wucht und Größe der wahren Einheitssront deS Proletariats, die da unter unseren Fahnen aufmarschierte, so ist ihnen wohl ihre lächerlich-kleinliche Rolle zuM Bewußtsein gekommen, die sie im Auftrage der kommunistischen Spaltungs-Strategen spielen sollten. Nichts zeigte eindringlicher, daß es Zeit ist, den kommunistischen Partetladen zu liquidieren, als die Tatsache, daß Zehntausende für uns marschieren, für die Sozialdemokratie und die in ihr verkörperte Einheit der Arbeiterklasse, während die KPC kaum noch jemand eines persönlichen Opfers für wert erachtet. Für die Kundgebung in Teplitz waren nur zwei Parteibezirke, T e p l i tz selbst uiid D u x- Bilin aufgeboten worden. Unsere Genossen setzten aber ihren Ehrgeiz darein, trotzdem eine Demonstration zu schaffen, die sich den- übrigen Aufmärschen der Arbeiter würdig an, die Seite stellen könnte. So war es geplant und so gelang es. Der Willen, die Kampfentschlossenheit der Vertrauensleute im Teplitzer und Dux-Bi- liner Bezirk überwanden alle Hindernisse. Der 4. November wurde zu einem strahlenden Ehrentag in der an Kämpfen und Siegen so reichen Geschichte der beiden Nachbarbczirk«, die mst dem Ausstieg der Partei so.innig verknüpft waren und auch diesmal bewiesen, daß sie nicht aufhören wollen, in vorderster Reihe zu marschieren. Die Gegner hatten alles daran gesetzt, Verwirrung in die Reihen der Arbetter zu tragen und die Vorbereitungen für die Kundgebung zu. stören. Lausbuben, die offensichttich der SHF nahestrhen, hatten in der Rächt zum Samstag auf zahlreichen Plakaten den Bornamen des Genossen Taub mit Zetteln überklebt, auf die sie mit großen Lettern das Wort„Sanjud" geschrieben hatten— eines jener dreckigen Argumente, die das Henleinpack aus demKrebs-Arsenal ererbt hat! Die Kommuni st en wieder verbreiteten Flugblätter, in denen sie verkündeten: „Eine Fahne, ein Ziel und trockenes Brot, sosorgt derSozial faserst in der Rot." Auf anderen Flugblättern wieder verleugneten sie diesen Standpunkt zur„Einheitsfront" und schrieben:„In der Front, unter den roten Bannern der revolutionären Arbeiterklasse, drei Pfeile, Hammer und Sichel werden wir gemeinsam den Feinden! des Proletariats beweisen.. Aber Demagogie und Hetze der Gegner waren vergebens. Die Arbeiter marschierten unter unserer Fahne! Jugend voran! Was die Zahl der Teilnehmer anlangt, wurde die Komotauer Manifestatton am Sonntag durch die Kreiskundgedungen Karlsbad und Bo- dcnbach übertroffen. In der p o l i t i s ch e n L e'i- st u n g steht aber die Arbeiterschaft des Komo- tauer Gebietes auch diesmal mit an. er st er Stelle. Denn in dieser ehemaligen Hochburg der Kommunisten wurde am Sonntag unwiderleglich der Beweis geführt, daß sich die Sozialdemokratie wiederum emporgerungen hat zur un» bi strittenen Führerin der Arbeiterschaft, daß sie trotz jahrelangen hakenkreuzlrrischen Ansturmes die stärkste politische Bewegung geblieben ist und bleiben wird. Erfreulich groß war die Beteiligung aus den Nochbarbezirken. Bon OberleutenSdorf herüber kam ein SonderzUg mit rund 800 Teilnehmern, darunter Genossen aus Katharina- b e r g und N i ck l a s d o r f, die schon beim Morgengrauen vom Erzgcbirgstamm heruntergestiegen waren. Bon W e i p e r t- S ch m i e d e b e r g herein fuhr ein Sonderzug mit 700 Demonstranten bis Krima-Neudorf, von dort marschierten sie zweieinhalb Stunden nach Komotau herein und dann wieder zurück, um Fahrgeld zu ersparen. Opfersinn ohnegleichen. Die B r ü x e r trafen ebenfalls mit Sonderzug ein, der 600 Personen nach Komotau brachte. Die gleiche Zahl von Demonstranten fuhr von S a a z-Postelberg mit Autobussen herüber. Auch der Agrarbezirk K a a d e n hatte 200 Teilnehmer entsendet. Dazu gesellten sich die allzeit getreuen Erzgebirgler aus dem Komotauer Bezirk, die Heinrichsdor- fer, die Sebästiansberger, die Sonnenberger, di« Neudorfer. Sie fehlen nie, wenn die Partei ruft. Aus dem Görkau-See st adtl er Kohlengebiet blieb die Beteiligung hinter der allgemeinen Höchstleistung zurück, dagegen waren die roten Bataillone aus K o m v t a u Stadt und Bezirk wie immer in imponierender Stärke zur Stelle. Groß war die Zahl der treuen Genossen, die aus kleinen Land- und GebirgSorten stundenwett zu Fuß oder zu Rad gekommen waren, um sich dem Heer der Klassenbrüder einzureihen. Im Komotauer Arbeiterviertel, beim Mannesmannwerk und rings um das VolkShauS stauten sich am frühen Vormittag die Kolonnen der sozialdemokratischen Arbetter und Arbeiterinnen, die Züge der Roten Wehr, deren Haupssäulen sich auf dem Weinberg-Sportplatz gemeinsam mit der Jugendstaffel formierten. Groß war die Beteiligung auch der Atus-Mitglieder und der Sozialistischen Jugend Tschechische Journalisten konftati«r- ten. die angesagte Teilnehmerzahl wurde weit überschritten, ein Sonderzug mußte wegen Ueber- fülluug geteilt werden. Schien endlos ward«" die Kolonnv«- der Die Karlsbader Kundgebung war für halb 3 Uhr nachmittags angesetzt. Aber schon viele Stunden vor dem Beginn der Veranstaltung waren die-Straßen voll von Arbeitern und Arbeiterinnen, die zu Fuß und mit dem Rad aus den umliegenden Ortschaften gekommen waren. Um 1 Uhr mittags kam der erste Sonderzug an. In rascher Aufeinanderfolge rollten sechs wettere Sonderzüge auf- dem oberen Bahnhof ein. In I langen Zügen, deren jeder einzelne von unerhörter Auf dem historischen Marktplatz, auf dem 1 Wucht war, bewegten sich die Massen gegen die in den Umsturzjahren so oft Josef Seligers Wort Stadt, in deren» Straßen sich mtttlerweile die erklungen war, trafen fünf Minuten vor zehn Teilnehmer aus den verschiedenen Gebieten ge- Uhr die Spillen der Züge ein. Auch das war j sammelt hatten. Jeder einzelne Sonderzug brachte imponierend: die Disziplin und die aus- Ueberraschungen: Die rote Flut in Karlsbad Der größte Aufmarsch seit 1919 Teplitz-Schönau Die gewaltigste Kundgebung seit Seligers Tagen! DiexStag, 3. November 1934 Seite 3 B re« . W 1 . AM ’.A-■■ (i. U SM, W yO; -'H 'M »Di ß HK (i«***| IX ' MÜL 1 äj,.*-- v-- IO WKK.M Eine Heerschau ohnegleichen zeigen diese Bilder, wenn auch nur in Bruch- stücken, die die erhebende Wirklichkeit der Kundgebungen des 4. November bei weitem nicht wiederzugeben vermögen, Da begegnen einander das rote Nordböhmen und das rote Eger land. Die Heersäulen der Bodenbacher Arbeiter mit ihren Sturmfahnen hat die Platte des Lichtbildners festgebannt, Arbeiterfrauen aus dem hungernden Erzgebirge, Graslitzer Musiker, die Fanfarenbläser der Neudeker Jugend. Daneben ein Werk proletarischer Solidarität, die Ausspeisung der arbeitslosen Teilnehmer in Bodenbach. Weiter unten die rote Flut auf dem Komotauer Marktplatz, der menschenbesäte Hauptplatz von Teplitz-Schönau, wo so oft der Stahlklang von Seligers Stimme zu den Arbeitern drang, die noch immer ein Stück seines trotzigen Wesens verkörpern. Und dann die östlichste Flügelposition der Partei, Jägerndorf, Hochsitz der deutschen Arbeiterbewegung Schlesiens. Welche gewaltige unübersehbare Massen auch die schlesischen Elendsgebiete aufzubringen vermögen für die Idee des Sozialismus und die Sache der Freiheit, ist mit diesen Bildern der ganzen proletarischen Oeffentlichkeit gezeigt. Zwei der unermüdlichsten Anwälte des sudetendeutschen Arbeitervolks, die Genossen C z e c h und Taub, stehen auf den Tribünen, inmitten derer, die sie durch die Kraft ihrer Liebe und ihres Vertrauens zu echten Führern erhoben. Neben ihnen der unbekannte Soldat der Partei, auf dessen Schultern die Last des proletarischen Alltags ruht, der auf seinen starken Armen die Bausteine der Bewegung täglich neu zusammenträgt und das Werk schützt gegen jeden Frevel. Das Ergreifendste aber von allem sind die Gesichter der Männer und Frauen, aus denen die Not spricht, wo die Krise ihre fürchterlichen Spuren eingegraben hat. Daß ihnen allen wieder bessere Tage kommen, Tage der wieder gewonnenen Arbeit und der gesicherten Freiheit, dafür bürgt der Wille und der Geist, der am 4. November die Massen der sudetendeutschen Arbeiter vereint hat. Geile 4 Dienstag, K. November 1934 Nr. 260. Das Massenaufgebot der Schlesier „Das war In Jägerndorf noch nicht dal** Acht Tage lagen zwischen der ersten Meldung über die Einberufung der Kundgebung durch die Partei und dem Aufmarsch in Jägerndorf; sie haben genügt, um dies Wunder an Organisation und Tatkraft aufzuzeigen. Die Wirtschaftskrise wirkt sich im schlesischen Organisationsgebiet nicht minder aus, als anderswo, aber als die Partei zu der Kundgebung gegen den Henlein- fascismus, zur Demonstration für Freiheit und Brot aufrief, da schwanden alle Bedenken, die sonst bei jeder Aktion auftauchen, es gab plötzlich nur einen Gedanken, der unüberwindbar schien; ivir müssen marschieren! Und sie marschierten! Wie die Menschen einiger Gebiete das, Geld aufbrachten, wie sie es möglich machten, daß Arbeitslose, die seit Jahren mit ihrer Familie von der Ernährungskarte leben müssen, nach Jägerndorf kommen konnten, das alles kann, so erschütternd einzelne Beispiele an Ueberzeugungstreue und der Liebe zur Bewegung auch sein mögen, hier nicht geschildert werden. So viel sei nur gesagt, daß in diesen Tagen kein Opfer zu groß war, das einzelne nicht auf sich genommen hätten, daß jede Schwierigkeit, die sich dem Aufgebot der Massen entgegenstellte, überwunden wurde. Nur so war es inöglich, daß die entlegensten Gebiete ihre Kampftruppen nach Jägerndorf entsenden tonnten. Früh um acht Uhr war die erste Bewegung um das herrliche Arbeiterheim in Jägerndorf; die Wigstadtler kommen in fünf Autobussen angefahren. Eingepreßt länger als eine Stunde auf der über fünfzig Kilometer langen Fahrt, sind sie glücklich, als erste begrüßt zu werden. Es folgen kurz darauf die Arbeiter des Römer sc ädter Bezirkes. 1100 waren gemeldet, 1800 kommen mit dem Extrazug. Sie kommen zum Teil aus den Siedlungen am Fuße des Alwaters. Holzfäller, Weber, Metallarbeiter, sie alle brachten ein großes Opfer, um sich in das Heer der Deinonstranten einzugliedern. Biele von ihnen mußten früh um drei Uhr auf die Beine, um nach stundenlangem Marsch die Bahnstation rechtzeitig zu erreichen. Aber sie kamen mit glänzenden Augen und über- quellender Begeisterung. Dann folgten die großen Züge der F r e u d e n t h a l e-r, etwas später der Würbenthaler und schließlich der Zug von Oderberg-Troppau-Ostrau., Hier waren 880 gemeldet*■— r 1300 kamen: Dazwischen kleinere Züge aus den Um Jägerndorf liegenden Ortschaften, Autobusse, Radfahrer und in endlosem Zuge Einzelgänger. Zuletzt noch der große Zug aus Hennersdorf. Jugendliche, die mit fröhM.m Gesang anrückten, Greise, denen die Augen übergingen, als sie sahen, wie sich-die Masse auf dem Sportplatz beim Ar- beiterhcim staute. Längst wußte man: das war in Jägerndorf noch nicht da, immer wieder hörte man: Das haben Ivir noch nicht erlebt! Das Bewußtsein der sieghaften Un- iiberwindlichkeit drückte sich in jedem Wort, in jeder Geste fast aus. Die fünf Extrazüge, 15 Auwbusse, gegen 500 Radfahrer und einige Personenwagen brach ten gegen 9000 Arbeiter nach Jägerndorf, sechstausend kamen zu Fuß, in der Hauptsache aus der Jägerndorfer Gegend und aus der Stadt Jägerndorf selbst. Für die Vervflegung der körperlich meist überanstrengten und durch die herrschende Kälte mitgenommenen Massen war in mustergültiger Weise vorgesorgt worden. Eine Ries,narbeit des unbekannten Arbeiters, der bei dieser Aktion fast Uebermenschliches geleistet hat. Ihm verdankt die Partei den Aufmarsch und den Erfo'q vom Sonntag. Um zehn vormittags setzte sich der Zug in Bewegung. Voran die Ordner, an der Spitze die wackeren Wigstadtler in ihren blauen Hemden. Dann folgten die Jungarbeiter, der gewaltige Zug der Frauen und Männer. In Sechserreihen wird marschiert, ohne Musik, nur Trompetensignale künden den Anmarsch der Arbeiterbataillone. Ohne Abstand folgen die einzelnen Formationen den andern. Vierzig Minuten dauert d r Aufmarsch am Masarykplatz, der, umsäumt von Ordnern, bis auf das letzte Plätzchen ausgefüllt wird. 100 rote Fahnen flattern im Winde, breite TranS- varente geben unsere Forderungen bekannt. Um dreiviertel elf Uhr wird die Riesenkundgebung durch einen Bläserchoral eröffnet, dann treten an die 150 Sänger zum Vortrag des«Trutzlied" an. Ein Sturm der Begeisterung folgt. Bürgermeister Genosse Richter begrüßt die Masse vor*eK» Mährisch-Schönberg, die Hauptstadt Nordmährens, alte Feste der Deutschnatkonalen, dann Hochburg der Nationalsozialisten, und jetzt „Landesstrllc der Sudetendeutschen Heimatfront", bat am Sonntag eine deutsch-sozialdemokratische Kundgebung erlebt, wie sie sich die bürgerlichen Väier und Söhne dieser Stadt kaum hatten träumen lasten! Der Vertreter her politischen Behörde steUte fest, daß dies die größte Demonstration war, die je in Schönberg stattgefunden hat. Und so hat sich denn auch dort erwiesen, daß Henlein und seine SHF doch zu etwas nütze sind: nämlich dazu, überall die sozialistische Arbeiterschaft' noch fester zusammcnzuschweißen, die trotziger denn je ihre Entschloffenheit zeigt, den FascismuS jeder Spielart niederzuringen. Von der Partei gerufen, gesellten sich zu den Genoffen und Genossinnen aus Stadt und Bezirk Mährisch- Schönberg die Textilproleten und Tabakarbeiter aus dem Sternberger Gebiet, die Papierarbeiter von Heinrichsthal, die Steinarbeiter aus der Fre iWaltz a u e r Gegend. In je zwei Sonderzügen aus dem Sternbergischen und aus dem Schlesischen, in einem Extrazug aus Mährisch-Trübau, in zwei Autobusten aus Olmütz kamen die Massen in den frühen Vormittagsstunden beim Schönberger Bahnhof zusammen und traten dann ihren Marsch durch die Stadt an. Rathaus. G. unterbreitet den Glü'ich an den Präsidenten, die Bersannnlung stimmt mit Beifall zu, er verliest die Kundgebung des Parteivorsitzenden, die freudig zur Kenntnis genommen wird, und dann nimmt Abg. Genosse H e e g e r das Wort zur Wiedergabe der Proklamation unserer Partei zum 4. November. Gr wird immer wieder unterbrochen von Zu- stimmungSrufen aus der Maffe und schließt unter dem Beifall der Fünfzehntausend. Die Rede, vom Lautsprecher über den weiten Platz getragen, fand ihre Ergänzung im Verhalten des Bürgertums. Keiner von ihnen war auf der Straße zu sehen, die Fenster um den Masarykplatz wurden geschloffen, als unsere Redner auf dem Rathausbalkon sichtbar wurden. So zog sich das Bürgertum vor der grollenden Masse zurück und gab in passwer Manifestation seiner Sympathie für den Fascismus Ausdruck. Und wurde verstanden. Trug so zur Steigerung des Erfolges der Demonstration bei. Jeder wußte; wir müssen wiederkommen, denn der Kampf beginnt erst! Diese Gedanken bewegten die Menschen am Schluß derKundgebung, als die Fanfaren ertönten und die Masse das Arbeiterlied anstimmte, als sie mit wehenden Fahnen, die«Internationale" auf den Lippen, den Rückweg zum Arbeiterheim antraten. Sie dachten über die Bedeutung des Tages und seinen großen Erfolg auch nach, als sie den beschwerlichen Heimweg machten. Wir müssen wieder auf die Straße, sie hat uns groß und kampffähig gemacht, sie wird uns den Kampfboden für den Sieg über die reaktionären Anschläge des Bürgertums wiedergeben, der Massenschritt der Arbeiter wird die Säumigen und'Faulen wieder zur Besinnung erwecken, wir werden auf diesem Boden auch den Fascismus schlagen. Der gewaltigen Kolonne wurde eine Riesenstandarte mit der Auffchrift«Für Freiheit undBrot, gegen den Fascismus" vorangetragen, gefolgt von einem herrlichen Fahnenwald; dann wieder ein breites Band:«ES lebe Masaryk!" Imponierend und schmuck zugleich die Uniformträger unserer Bewegung: Rote Wehr, Atus, Jugendliche— zusammen an tausend Personen. Im langen Zug der Frauen(mehr als zweitausend) schritt das lc üfrische Arbeitermädel neben der reifen Proletarierin und neben dem Mutterl mit Kopftüchel und Einkaufstasche. And dann, wie die Boratischreitenj den zu Hundertschaften in Viererreihen, die Männer: ernste Gestalten, mit harten Zügen, die ebenso schweren Lebenskampf wie unerschütterliche Kampfentschlossenheit widerspiegeln. Der Zug ist zum überwiegenden Teil zusammensetzt aus Jugend und bestem Alter; die Zwanzig- vis Vierzigjährigen geben den Ausschlag. Der flotte Vorbeimarsch der etwa 7800 Menschen dauerte eine halbe Stunde. Diese siebeneinhalb Tausend waren deutsche Sozialdemokraten; denn die Kommunisten, die mit einem Häuflein von etwa hundert Mann zu unseren Massen hatten stoßen wollen, zogen sich wohlweislich zurück, als ihnen die Poli- Meeting der Lehntausend In Mähr.-Schönberg Die größte Kundgebung, die diese Stadt Je erlebte 40 Die Idealisierung ruft indes eine kritische Unterströmung hervor; noch wagt sie sich zwar nicht laut hervor, doch erzeugt sie die verstiegensten Gerüchte und Verdächtigungen. Schon von Anfang an hat sich der Volksmund gegen Johann Hruza ausgesprochen. Es ist auffällig genug, wie sich die Mutter vor, während und nach der Entdeckung des Mordes verhalten hat, das Stück der Maurerschürze am Tatort ist eines der wichtigsten corpora delicti, das Verhältnis der Familienmitglieder zu- eiuarider höchst gravierend, auch der Tod des Vaters, noch heute Gegenstand des Dorfklatsches, wäre in Betracht zu ziehen. Nur auf die aus dem Verhandlungsprotokoll sprechenden Tatsachen Bezug nehmend, gewinnt Masaryk eine schwerwiegende Summe von Belastungsmomenten. Eine nochmalige Auseinandersetzung mit der Ritualmordtheorie ist„Die logische Konstruktion der Schuld Hilsners". Unter dem Einfluß vorwiegend der Schriften geistlicher Verfasser, die ihrerseits wieder durchaus von August Rohling abhängen, sieht die Bevölkerung in ganz Mitteleuropa den Polnaer Fall als das typische Ritual- v.rbrecheii an.„Man kann"— so zitiert Masaryk die katholische Lehrmeinung—„über die früheren Beweise des Ritualmordes diesen oder jenen Zweifel hegen— der Fall von Polna ist einwandfrei, und sein großer Wert für die wahrhaft katholischen Freunde der' Wahrheit besteht darin, daß er durch seine Augenscheinlichkeit und durch seine Bestimmtheit selbst die großen Massen zu überzeugen vermag. Wir brauchen keine philologischen Haarspaltereien über einige Stellen des Alten Testamentes oder den Talmud und seine Ausleger, in Polna ist die ganze Geschichte des Ritual« mordeS in der einen christlichen Märtyrerin verkörpert..." Noch einmal faßt Masaryk seine gründlichen, mühsamen und scharfsinnigen Untersuchungen zusammen. Es ist medizinisch erwiesen, daß die Leiche nicht völlig auSgeblutet war; di« Halswunde war nicht„rituell"; die Manipulation mit der Leiche schließt jede Ritualität aus. Und noch einmal beschäftigt ihn di« Frage nach Ort und Zeit der Tat. Für die Zeitbestimmung führt er einen Zeugen ein, der zuverlässiger als alle andern ist: die Uhr von Polna. Auf dieser Uhr war es zehn Minuten nach fünf, als der. Fuhrmann Cink den Hilsner mit seinen Komplicen in der Richtung nach dem Walde laufen sah. Auf dieselbe Uhr beruft sich der Zeuge Pesäk, der um ein Viertel nach fünf den Hilsner, auf den weißen Stock gestützt, nach dem Opfer ausschauen sah. Innerhalb der dazwischen liegenden sünf Minuten legte der Mörder den Weg von Cink zum Fundort zurück, nach der Anklage eine Entfernung von zwanzig Gehminuten; von dort rannte er weiter gegen Wjesnitschka, schnitt sich— wie die Anklage annimmt, direkt vor der Tat— das Stämmchen ab, schälte es und richtete es sorgfältig zu, galoppierte weiter, um die Vomela einzühülen und anzusprechen, kehrte um und nahm in der Nähe der Fundstelle Posten 1— dies alles, wozu ein anderer annähernd eine Stunde gebraucht hätte, in fünf Minuten zu bewältigen, ist keine geringe Leistung, zumal da der Weg infolge hes Regens noch unbequemer zu gehen war als sonst. Seinen Rekord als Schnelläufer übertrifft er aber noch durch seine Fixigkeit im rituellen Schächten. Da Agnes erst um dreiviertel sechs den Wald erreicht haben konnte, Hilsner jedoch um sechs, wenn nicht schon vor sechs wieder in der Stadt gesehen wurde, blieben ihm für den Ueberfall, die umständliche Blutabzapfung, die Manipulationen mit der Leiche und den Kleidungsstücken, das Abschneiden und- Aufstellen der Bäumchen usw. im günstigsten Fall wieder nur fünf Minuten. So wie die Anklage sich einen Ritualmord vorstellt, würde aber auch eine halbe Stunde nicht zu seiner Ausführung genügen. Wenn die Aussage des Cink richtig ist, so kann die des PeSäk nicht richtig sein. Nicht nur die Uhr beweist es. Die Sehproben, die Masaryk an Ort-und Stelle vornahm und vornehmen ließ, widerlegen den Kronzeugen. Seine Bekundungen beruhen auf Autosuggestion, auf Zeitungsgewäsch und von Mund zu Mund verbreitetem Klatsch. Auch die Begründung, er habe sich so spät gemeldet, weil es seinen Verdienst bei den Juden nicht verlieren wollte, ist unzulänglich. Masaryk gibt eine Aufstellung über alle Arbeiten, welche Pe- säk innerhalb der letzten zwei Jahre für jüdische Kunden ausgeführt hat. Der Zeuge hat damit insgesamt etwa dreieinhalb Gülden verdient. Alle speziellen Beweise der Schuld Hilsners verlieren unter Masaryks Kritik ihre Kraft; und bestehen bleiben lediglich allgemeine Gründe: daß der Angeklagte arbeitsscheu ein Nichtsnutz und Mädchenjäger ist, und daß er gern im Brestna- wald herumlungerte.«Der Ritualaberglaube Hal die Beobachtenden, Prüfenden und Suchenden mit Blindheit geschlagen. Das ganze luftige Gebäude des Polnaprozesscs ist auf dem Sumpfboden einer vorgefaßten Meinung aufgebaut— darum mußte es Zusammenstürzen... Die Menschen, die den Fall untersucht und beurteilt haben, sind blind und taub geworden; alles Denken und Fühlen, ja die Sinne selbst wurden nach einer vorgezeichneten Richtung gedrängt, alles was dieser Richtung zuwiderläuft oder abseits liegt, wurde nicht beachtet, nicht einmal bemerkt. ... Ich wiederhole, was ich den demonstrierenden Studenten auf die Tafel geschrieben habe: Der ganze Polnaprozcß und seine Ausbeutung von klerikaler und antisemitischer Seite ist ein Attentat gegen den gesunden Menschenverstand und gegen die Menschlichkeit." eine Versammlung auf offener Arave Als unser Genosse Dr. C z e ch mit dem- Chefredakteur des„Prävo Litzu", Genossen S t i- v i n in der Mittagsstunde von der Kundgebung in Komotau zu jener in Bodenbach fuhr, begegnete er vor Teplitz einem Zug der Genossen aus dem Duxer Bezirk, die von ihrer Demonstration heimkehrten. Die Genossen Czech und Stibin wurden von den Demonstranten herzlichst begrüßt, Genosse Czech hielt eine kurze Ansprache, die mit viel Beifall ausgenommen wurde. zei ein paar Standarten wegnahm, deren Knallig- keit im umgekehrten Verhältnis zur«Bedeutung" dieser Partei stand. Ernst, fast trotzig bewegte sich der Zug zum Marktplatz. Fast glich dieser Marsch dem Durchzug einer Truppe durch eine Stadt in Feindesland; denn jeder von uns hatte das Gefühl, zwischen diesen auf den Straßen und von Fenstern aus versteckt zusehenden Bürgern wie durch ein Spalier unerbittlicher, haßvoller Feinde hindurchzugehen. Auf dem Marktplatz standen dann, Kopf an Kopf, mehr als zehntausend in dem Karree vor dem Rathaus und darüber hinaus. Die Häupter entblößten sich beim«Lied der Arbeit" wie zum ewigen Bekenntnis zur Sozialdemokratie. Auf der von der Staats- und von un- screr Fahne flankierten, von unseren Bannern eingesäumten Tribüne begrüßte Gen. Z i s ch k a die Versammlung, verlas unter begeisterter Zustimmung ein Telegramm an Masaryk, ferner eine Solidaritätsdepesche an die anderen Kundgebungen des Tages und sodann, wieder unter großem Beifall, die Botschaft des Parteivorsitzenden Genossen Dr. Czech. Sodann hielt Senatsvizepräsident Genosse Dr. Carl Helle r-Teplitz, herzlichst begrüßt, ein mehr als halbstündiges Referat; insbesondere jedes Wort zur Charakterisierung Henleins, seiner SHF und überhaupt des sudetendeutschen Bürgertums fand starkes Echo in der Massenversammlung, die bei jeder Gelegenheit ihre antifascistische, republikanische, demokratische und sozialistische Gesinnung lebhaft zum Ausdruck brachte. Die.Internationale", gespielt und gesungen, war der feierliche Abschluß. Mit klingendem Spiel zogen die uniformierten Abteilungen ab.(Für mehr als fünftausend Teilnehmer wurde ein Mittagessen durch unsere Konsumgenossenschaft beigestellt.) Die Kundgebung verlief in mustergültiger Ordnung und Disziplin. Eine winzige Episode umerstrich das noch: als nämlich Zischka zu sprechen begann, hörte man plötzlich aus der Ver- sancmlung eine Art Piepsendes war.das, wie sich fpatercheräusstellte, der kommunistische Senator Langer, der, allerdings nur von den Nächststehenden bemerkt, eine„Rede" schwingen wollte; er wirkte dabei etwa wie so ein Spatz, der sich in eine riesenhaste fremde Umwelt verirrt bat; Man nahm denn auch das Vöglein gleich b«i oen Flügeln und in wenigen Sekunden war dieser «Zwischenfall" vorbei, bedeutungsloser, als sich mit Worten ausdrücken läßt. Nicht einmal mehr stören können die Kommunisten— während die deutsche Sozialdemokratie, wie auch die Schönberger Kundgebung eindeutig und prachtvoll bewies, Freund und Feind Achtung gebietend, als einzige und starke Kämpferin für die sozialen Rechte der Arbeiterschaft, für die Demokratie, für Frieden und Völlerversöhnung marschiert; in Nordmähren so gut wie in Böhmen. Der Buchausgabe dieser Studien gibt der Verfasser eine Vorrede mit, in welcher es heißt: „Der Ritualaberglaube ist eine Schmach der Zeiten, eine brennende Anklage des offiziellen Christentums, die offene Tür alles übrigen Aberglaubens, die hohe Schule nationaler und sozialer Gewalttätigkeit." Und in seinem Schlußwort sagt er:„Ich gestehe, nie eine Arbeit unternommen zu haben, die so anstrengend und so aufregend gewesen wäre. Die rohen Angriffe von klerikäler und antisemitischer Seite haben mich wenig beunruhigt, auch der demonstrative Ueberfall einer Anzahl Studenten und ihrer Helfershelfer hat mich nicht aufgeregt. Aufregend wirkt die unglaubliche Lässigkeit und Oberflächlichkeit des ganzen Prozeßverfahrens, austegend wirkt das Inquisitorische an der Arbeit und der ungewohnte Umstand, über Ehre und Leben von Menschen verhandeln zu müssen. Ich habe lebhaft gefühlt, wie die Todesstrafe, um die es sich in dem Prozesse handelt, eine furchtbare Verantwortung erheischt, und wie die Menschen noch furchtbar oberflächlich und sorglos ihre Urteile über Leben und Tod fWlen l Die Todesstrafe ist schon darum abzuschaffen." Der Haß des Antisemitismus aller Länder hat ein neues Ziel gefunden: die Person Masaryks. Bisher richtete sich die Bewegung vornehmlich gegen allgemeine Erscheinungen; gegen ungreifbare, ideelle Feinde, wie den Geist des Talmud, gegen verschwommene Größen, wie die persönlich unbekannten jüdischen Weltherrscher—• jetzt darf sie sich eines leibhaftigen Widersachers erfreuen. In diesem einen Menschen verkörpert sich ihr die verhaßte Uebermacht der Vernunft, der Verrat gläubiger Gebundenheit an den heimatlosen Geist der Zersetzung. Er ist ihr der Ueber- läufer auS der bodenständigen, ursprungsverbundenen, blutverhafteten Gemeinde in die Welt einer haltlosen Humanität, einer utopischen Kultur. Und er ist ungleich gefährlicher als die andern. (Forffetzung folgt.) Nr. SSO Dienstag, 6. November 1934 Seile 3 Vie Proklamation vom 4. November Der Dank der Partei Genossinnen und Genossen! Sudetendeutscher Fascismus Beispiellose Opferwilligkeit hat die Mittel zur Durchführung der Kundgebungen aufgebracht. Beispiellose Solidarität hat auch den Arbeitslosen die Teilnahme ermöglicht. In unvergleichlicher Ausdauer sind Zehntausende in schlechten Schuhen und dünnen Kleidern, mit leerem Magen marschiert. Biele haben die letzten Heller für die Kundgebungen, für ihre arbeitslosen Kameraden geopfert. Rur so konnte das Werk gelingen, nur so der Aufmarsch der vielen Zrbntansende in wuchtiger Geschlossenheit und mustergültiger Disziplin sich vollziehen. Menschen, angesichts von 800.000 Arbeitslosen zu diesem durch das kapitalistische Wirtschaftssystem verursachten Notstand, zum Problem der Massenarbeitslosigkeit nicht eineinzigesWortzu sagenl Der.Sudetendeutsche Messias" hat in diesem Augenblick ganzandere Sorgen: Der mit Hitlerschen Tamtam aufgemachte Massenaufmarsch soll die Stärke seiner Position im , das aus Abschwörungsfor meln, Ausweichun'Smanövcrn bestehende Programm, das der gründlichsten chemischen Reinigung unterzogen wurde und sich, wohlweislich hütet, nach der kapitalistischen Seite irgendwie anzustossen, sollte seine politische Zimmerreinheit erweisen, der tschechischen Oeffentlichkeit eine loyale. Bei den Kundgebungen des 4. November wurden von den Hauptrednern gl«ch- artigc Referate erstattet, deren Inhalt wir nachfolgend gekürzt wiedergeben:: Statt einer Aare», eindeutigen, bestimmten Stellungnahme hören wir glatte Worte, bei deuensichjederdenke« kann, was er will, und bei denen nach Henleins Wünschen vor allem die Leiter der tschechoslowakischen Staatspolitik etwas anderes denken sollen, als die Massen der völkisch fanatisierte« Anhänger. Wir haben also keinBekenntniS von Konriw Henlein gehört, sonder« Ausreden, hinter denen sich, für die Anhänger leicht verständlich, das Bekenntnis zum Gegenteil verbirgt- Wie anders die Stellung der deutschen Sozialdemokratie. Schon im Jahre 1019, als noch der Gedanke des Selbstbestimmungsrechtes der Völker alle Welt beherrschte, hat unser unvergesslicher Freund Josef Seliger die Stellung der Sozialdemokratie zum Staate präzisiert und ausgesprochen, dass wir in diesem Staate und in innig st er Zusammenarbeit mit dertschechischen Arbeiterklasse die grossen Aufgaben lösen wollen, die der Sozialdemokratie gestellt sind. Und in einer Zeit, da kein deutscher Sozialdemokrat an den Eintritt in die Regierung dachte, im Der Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Die Sorge für Arbeit und Brot i Der fünfte Notwinter steht vor der Tür. Die Arbeitslosenarmee schwillt wieder an. In banger , Sorge sehen die Menschen, die ohne Arbeit sind, die in Kurzarbeit stehen, deren Löhne kärglich geworden. sind, den kommenden Monaten entgegen. Immer deutlicher und klarer zeigt eS sich, daß die> Wirtschaft aus sich selbst heraus nicht gesunden kann, daß der Staat eingreifen muß, um neue,! besser« Voraussetzungen für die Existenz der Menschen zu schäften. Im Mittelpunkt aller politischen! Bestrebungen muß heute die Sorge für Arbeft und Brot stehen. Die deutsche Sozialdemokratie hat längst diese Notwendigkeit erkannt. Sie hat die Krise der Wirtschaft borausgesehen, als das gesamte Bürgertum noch im Taumel der Hochkonjunktur schwelgte, sie hat freilich vergeblich, schon damals nach wirtschaftlicher Besinnung und sozialer Einsicht gerufen. Und nun, da die Krise seit fünf Jahren mit ungeschwächter Wucht . wütet und die Krisengebiete unseres Staates in 'schwerster Weise heimsucht, nun, da die Propaganda haßerfüllter Gegner dm Zusammenbruch des Kapitalismus in ein Brrsageu des Marxismus umsälfchen möchte, ist eS in Wahrheit der Sozialismus, ist es die Arbeiterbewegung» die sich dem Krisenstnrm mtgrgmwirft! Am 20. Oftober sind die Vertrauensmänner der Partei in Aussig zusammengekommen, um in ernster Beratung die Massnahmen zu prüfen, deren Verwirklichung zur Ueberwindung der Krisennot beitragen kann- Denn die Privatwirtschaft ist nicht mehr imstande, den Menschen genügend Arbeit zu schaffen. Darum mutzdurchplanmässigesEingrei- f e n des Staates dieJndustrte neu belebt, darum durch das Zugreifen der öffentlichen Hand nachgeholfen werden. So haben wir klar und nüchtern die Situation analysiert und daraus ein systematisches und wohldurchdachtes'Programm abgeleitet, welches in dem in Aussig beschlossenen Kampfplan gipfell: Vermehrung der öffentlichm und privatm Arbeitsgelegenheiten durch Export-Förderung, Investitionen und Verbesserung der Kretrwrgani- sation. Sanierung der SelbstverwaltnngSkörper zur Sicherstellung ihrer sozialen und kulturellen Aufgaben. Gesetzsiche Verkürzung der ArbeftSzeit auf vorläufig 40 Stunden wöchentlich. Sicherung der Löhne und Verträge, Regulierung des Arbeitsmarktes durch Sicherstellung der frei gewordenm Arbeitsplätze für die sozial Bedürftige». Gesteigerte Fürsorge für die ArbeitSlosm. ,,9icttuna der arüeitslsscn Jugend vor dem physischen und moralischm Versa ll. Zur Unterstützung des Arbeitsplanes haben wir die Massen der Arbeiter aufgerufen und sie sind zu dielen Tausenden dem Rufe gefolgt. In machtvoller Geschlossenheit dringen sie zum Ausdruck, dass die Arbeiterklasse zur Sozialdemokratie stehf, dass sie sich chre Forderungen zu eigen macht. Tau-> sende und Zehntausende rufen heute mit unS: Wir wollen Arbeft, wir wolle» Brot. Wir wollen! unter de« Fahnen deK Sozialdemokratie für unsere■ Aar erkannten Ziele kämpfen! Ihr habt eine gewaltige, eine unvergleichliche Leistung vollbracht! Der Aufmarsch der Hunderttausend„für Freihett und Brot, gegen den Fascismus" hat die u n ü b e r- windliche Kraft.der sozialistischen Idee aufs neue erwiesen, hat die innige Verbundenheit der arbeitenden Massen mit der Sozialdemokratie aufs neue dargetan. Die Kundgebungen des 4. November haben die Hoffnungen der Gegner auf den Niedergang der Sozialdemokratie z« Schanden gemacht. Sie haben unsere eigenen Erwartungen weitaus übertroffen. Sie haben in der gesamten demokratischen Oeffentlich- kert unseres Landes Bewunderung und Vertrauen erweckt. Sie haben das Selbstbewußtseiu und die Zuversicht der Arbeiterklasse gestärkt. Ihr habt der Arbeiterklasse einen Sieg erfochten. Dafür gebührt allen, die an diesem Werke mitgearbettet haben, unauslöschlicher Dank! Das Wetter war kalt und trübe. Stundenweite Entfernungen waren zu überwinden. In den Familien der Arbeitslosen herrscht b i t- tersteRot, Rot herrscht auch in den Haushaltungen der schlecht bezahlten Arbeiter. Und die Partei ist arm an finanziellen Mitteln. Aber die Partei ist unermeßlich reich an Be- geisterung, ass Hingabe,.an Zähigkeit, an Kampfgeist der Genossinnen«nd Genossen. Und dieser Geist hat über alle Schwierigkeiten triumphiert. schen Sozialdemokratie in de» letzten fünf Jahre« untergeordnet- Was sie vom letzte» gewerkschaftliche« oder kommmralpolitischen Vertrauensmann imgefangen, bis z« den FLhrungSämter» der Partei, der freie» Gewerkschaften«nd der Konsum- genoffenschaften im Kampfe gegen die Krisennot geleistet hat, gehört zu de» ruhmvollst enKapitelnihrerGeschichte. Keine deutsche Partei des Landes hat ein Beispiel solchen OpferdieasteS an der Idee»nd an den leidende» Volksgenossen gegeben! Doch hören wir Henlein: Man würde«S nicht glauben, wenn es nicht durch den Abdruck der Rede schwarz auf weiss bestätigt wäre, dass ein Führer deS Volkes es u n g e st r a f t wagen darf, in einer Zeit der fürchterlichen Krisennot der deutschen arbeitenden Darum Dank alle« Männer« und Frauen, die an unseren Kundgebungen tkilgenomme» haben. Dank allen Vertrauensmänner« undFunktionä- r e« der Partei, der Jugend, der Gewerkschaften, der Kulturorganisationen, die in wenigen Tagen die ungeheuren Vorarbeiten geleistet haben. Dank den Ordnern der Republikanischen Wehr«nd der I u g e n d st a f f e l n, deren aufreibender Dienst die Durchführung so gewaltiger Kundgebungen ohne die leiseste Störung ermöglicht hat. Dank, heißen Dank allen jenen, die den Tag deS 4. November zu einem unvergeßliche« Erlebnis gestaltet Haven. Gestärkt«nd erhoben gehe« wir alle mm wieder an die Arbeft des Alltags, unvergängliche Erinnerungen an den 4. November im Herzen. Jahre 1928, sagte der Parteivorsitzende Ludwig C z e ch auf dem Parteitage in Aussig: .Wir haben auf unserem konstituierenden Parteitage und in allen unseren programmatischen Erklärungen und seicher immer wieder erklärt, dass wir entschlossen sind, auf dem Boden des Staates unseren geschichtlichen Kampf aufzunehmen." DaS find Wort«, die durch die Tat bekräftigt wurden. Bekräftigt durch Uebernahme der Mftverautwortnng iu der Zeft deS größte« wirtschaftliche« Elends und der schwersten außenpolitische» Gefahr«», während«en» Zehntel deS Anhangs des Herrn Henlein de« Bereiche des HakewkreuzfaseiSomS»«gehöre«! Genau soviel wert wie Henleins Bekenntnis zum Staat ist sein Bekenntnis zur Demokratie. Er hat auch hier mit tönenden Worten nicht gespart. Stellung zum Hitler-FasriSums. Gerade Deutscher hätte Henlein die Pflicht gehabt, klar»nd eindeutig zu spreche«. Er hat eS getan. Es fällt Herrn Henlein nicht ein. den Haken- kreuz-Fascismus ebenso abzulehnen, wie den italienischen, sondern er.steht nicht an, grundsätzliche Vorbehalte zu machen". Vorbehalte, die sich bei Licht gesehen, als Beschönigungen des Haken- kreuz- Fascismus erweisen. Henlein weiß nicht, waS in Deutschland vorgrht. Der ahnungslose Engel! Er tritt in der Tschechoslowakei für die Freiheit der Rede und der Presse und für die Versammlungsfreiheit ein und Weitz nicht, dass in Deutschland von alledem nichts existiert! Er kennt wohl die sogenannte Friedensrede Hitlers vom 17. Mai 1933 und rühmt Hitlers Friedenswillen, aber er Weitz nichts von dem Austritte DeuffchlandS aus dem Völkerbund, von der dadurch herbeigeführten Sprengung der Abrüstungskonferenz, nichts von der deutschen Aufrüstung und dem Intrigenspiel der deutschen Diplo- mattel Henlein, der doch die Kanzlerreden so eiftig studiert. Weitz nicht einmal etwas von der Bartholomäusnacht vom 80. Juni! Dabei reden wir gar nicht von den Konzentrationslagern, deren Existenz Herr Henlein wahrscheinlich bestreüen dürfte, obwohl lebendige Zeugen ihrer Greuel— darunter GesinnungSverwandt-r Henleins— auf unserem Boden zu Dutzenden zu finden sind. Wenn also Henlein es ablehnt,.ohne Kenntnis der Tatsachen inS Einzelne gehende Urteile abzugeben", so sagen wir: Wer an der blutigen Schande deS heutigen Deutschlands vorübergeht, der hat kein Bekenntnis gegen de« Fascismus abgelegt, im Gegentrft, der muß sich dem FaseiSmuSmit Haut und Haare« verschrieben habe«! Wenn Henlein schlietzlich seine Bewegung plötzlich als.Partei" etabliert und sich nicht gegen .Parteien an sich" wendet, sondern nur gegen solche, die nicht bereit seien, sich den.höheren Erfordernissen der Volksgemeinschaft" unterzuordnen, so entpuppt sich die neue Bewegung als etwas sehr Altes, sehroft DageweseneS, als eine blotze Neuauflage der in wechselnden Formen immer wieder veranstalteten nationalistischen Hetze gegen die So- zialdemokratte, eine Neuauflage der diversen EinheitS- und Volksfronten, der Kampfgemeinschaften und Wahlgemein schäften. Der Prüfstein Und was für ein Programm! Der Prüfstein demokratischer, ja selbst rein menschlicher Gesiimung ist heute mehr denn je die soziale Frage. Henlein.hat die soziale Frage in Leipa durch Totschweigengel ö st. Damit hat er ein vernichtendes Urteil über seinen natio- »alpolitischen Führungsanspruch gefällt. Leben oder Sterben der sudetendeutschen Volksmehrheit hängt davon ab, ob e i n d e m o k r a- tisch-sozialerAnSweganSder Kris« gefunden wird. Diesem enffchri- tzenden Gesichtspunkte hat sich die Politik der dent- aber nichts, aber auch gar nichts Konkretes gesagt. Der ahnungslose kngel Der echtt Demokrat bewährt fich an seiner -• hier nicht In Schluckenau hat Henlein der wihbegterkgen Oeffentlichkeit den sozialpolittschen und wirtschaftlichen Teil seines Programmes borenthalten, weil es geregnethat. Dann konnte er, dem ein Grossteil der sudetendeutschen Presse zur Verfügung steht, sein Programm nicht verkünden, weil ihm keine Massenkundgebung bewilligt wurde, und als schliesslich die Kundgebung in B.-Leipa stattfand, haben wir eine einstündige Rede vernommen, in der von den dringendsten und brennendsten Problemen der Gegenwart kein Wort enthalten war. Dafür aber— denn der Zweck heiligt das Mittel— überstürzt sie sich in Lohalitätserklärungen. Statt Klarheit— Ausreden Welch ein Kontrast zwischen solcher Arbeit und solchen Kundgebungen und einer anderen Veranstal-, tung. die vor 14 Tagen in Böhm.- Leipa statt-' t deutschen Volke'zeigen, gefunden hat und bei der Herr Konrad Henlein nach! einjährigem Zögern sein.Programm" verkündet hat! Auch dort sind viele tausende Menschen zusammen-' gekommen, aber nicht, um für klar formulierte For-! derungen zu demonstrieren, sondern um eine Offen-' barung Konrad Henleins zu empfangen.°....„ An der Eröffnungsrede dieser Kundgebung nannte staatserhaltende, patriotische Visitkarte abgeben. Herr Sandner Konrad Henlein einen Mann, der der i »unbedingten Gefolgschaftund Treue des Sudetendeutschtum sr würdig sei. Darin ist der ganze Unterschied zwischen einer demokratischen Massenbewe gung, die auf dem Gesamtwillen ihrer Anhänger aufgehaut ist und der fascistischen Bewe gung, in der lediglich das Führerdiktat entscheidet, klar zum Ausdruck gebracht: i Die Sozialdemokratie hat jahrzehntelang die Arbei terklasse zum selbständigen Denken und zur selb st bewußten Geltendmachung des eigenen Willms erzogen. Die sudetendeutsche Hei matfront will, daß die Massen ,,a«S freiem Wll- len" aufdaseigeneDenken, auf den selbständigen Willen ver zichten! -~ Fast noch stärker als die äussere Aufmachung mit ihren eingedrillten Aufmärschen, mit dem Eintopf gericht, mit den Goebbels-Gesten und Hitler-Phrasen zeigt diese geistige Gleichschaltung, bei der nicht nur die Füsse, sondern auch die Hirne nach Kommando einschwenken, denfascisti scheu Charakter der Bewegung unwider leglich auf. Die Massest in Böhm.-Leipa hatten das Programm der sudetendeutschen Heimaffront nicht zu prüfen, sondern als Ausfluss eines höheren Willms gläubig hinzunehme«. Gedenkfeier Nr Karl termak in Präs Mittwoch, ben 7. November, nm 11 Uhr Vormittag findet am Grabe Karl Eermaks am Wolschauer Friedhof beim alte« Krematorium, eine Gedenkfeier statt, an der fich sowohl Vertreter von Parteiorganisationen anS der Provinz, als auch die Prager Genossen beteilige«. HeuleinS Programm ftt nichts anderes, als der alte Sammel- und Kampfruf gegm die So- zialdemokraüe. Wir nehmen den Kampf auf und werden ihn bestehen! bürgerliche Demagogie So, wie wir es immer getan haben, nehmen wir aber auch den Kampf auf gegen die anderen Parteien des Bürgertums, die unter verschiedenen Namen, aber geeint durch den Willen zur Niederhaltung der Arbeüerklasse, geeint durch den Katz gegen den Sozialismus, unS gegenüberstehen. Urtter ihnen stehen die Christlichsozialen wieder einmal in erster Reihe. Eben hat in Teffchen ein LandeSpar- teitag der christlichsozialen Partei stattgefunden, der unter der bewährten Führung des Herrn Dr. Mahr- Harting ganz und gar auf den antimarxi- stischen Ton gestimmt war. DaS Bild dieses christlichen Sozialismus wird gezeichnet durch die programmattschen Grundsätze, welche die christlichsoziale Partei am 14. Oktober in ihrer Presse verlautbart hat. Sie beginnen mit dem Bekenntnis zur parlamentarischen Demokratte und enden mü der Forderung nach dem ständischen Aufbau. „Die Pattei", so lautet der betreffende Passus wöttlich,„fordert den organischen Ausbau des Wittschastslebens auf Grund der Berufsstände, d. h. der Arbeitsgemeinschaften vonLohngebern und Lohnempfängern des gleichen Berufes mft weitgehenden Selbstverwaltungsrechten." Ein so geattetes Programm der christlichen Demokratte geht übttgens noch weiter als die Praxis des christlichen Fascismus, der den Arbeitern doch den Schein einer gewerkschaftlichen Organisation nicht zu nehmen wagte. WaS nützt also Herrn Mayr-Harting sei« Salto mortale in de« Sozialismus, die Symbole der chrrstlichfozialen Bewegung sind und bleiben Kanonenfchlünd«, gerichtet gegen Arbeiterwohnungen, und schwerverwundete Freiheitskämpfer am Galgen! Da entrüsten sich alle bürgerlichen Patteien über unsere Anmassung, datz wir allein eS mit der Demokratte ehrlich meinen, und sie liefern doch mit jeder ihrer Handlungen dafür den Beweis. Ja, dieses Spiel treibt s o g a r eine deutsche Regierungspartei, eine Partei, die als Bund der Landwirte für die Regierung des demokratischen Staates mit vetantwottlich ist und an seiner parlamentattschen Mehrheit teilnimmt, während sie gleichzettig als Sudetendeutscher Landstand Herrn Henlein die Mauer macht. ES ist selbstverständlich, dass wir hier immer und immer wieder Klarstellung fordern müssen, im Interesse der Demokratte und tm Interesse des Staates selbst! Unter Wegs In d'esem allgemeinen ChaoS sehen nur wir unseren Weg klar vorgezeichntt: Wir gehen den Weg der Sammlung der Arbeiter zur Verteidigung ihrer Rechte, den Weg der Sammlung aller demokratischen Kräfte zur Wahrung der polittschen Freihett. Und wir rufen allen unseren Gegnern zu, datz sie sich über unsere Kraft und unsere Kampfentschlossenheit nicht täuschen mögen. Wir haben ihnen heute wiederum gezeigt, daß Tausende und Zehntausend« in unerschütterlicher Treue und glühender Begeisterung zu uns stehen. Möge diese erhebende Kundgebung für alle, die noch abseits stehe« ein flammendes Signal sei», die Reihen zu schließen und mft»ns zu marschiere». Dan» werden wir unüberwindlich sein. Dau«, aber freilich auch nur dann, werden wir imstande sei«, unsere Ziele restlos zu verwittli- chen. Dan» werden wir nicht nur zur Steuerung der umnlttrlbaren Not besser Vorsorge» können, dann werden wir auch unserem große« Ziele der Umwandlung der Gesellschaft uähettommen. Die letzten Reserven des Kapitalismus, die erbittertsten Feinde der Arbefterflaffe geben sich als die Träger neuer, umwälzender Ideen aus. Sie möchten den Fascismus, der in Wirklichkeit di e e x- tr em ste Reaktion ist, zu einer Erneuerungsbewegung machen. Diesen Nebel gllt es zu zerreissen! Es gllt, den verlogenen Phrasen von der Erneuerung die wirfliche Kraft der gesellschaftlichen Erneuerung, die Kraft der Arbeiterflaffe, die Wittlich grosse und heilige Idee des Sozialismus entgegenzustellen! Für diese Ideen wollen wir werben, für diese Idee wollen wir kämpfen, und, getragen von dem Bewussffein ihrer historffchen Grösse und ihrer Unüberwindlichkeft. werden wir siegen! Ein ernstes Wett sei von der Tribüne dieser Massenkundgebung aus auch an die tschechische Oefsentlichkeü gerichtet: Unser« henttgen Manifestationen sollen vor Freund«nd Feind beweisen, daß wir a«S eigener Kraft den Kampf gegen den getarnte« sudeten- deutschen FasttSmnS zu führen verstehen. In diesem Kampfe fordern wir sonst nicht- als die repu- blikanischc Solidarität aller demokratischen Grup. Pen deS tschechischen Volkes. Die deutsche sozialdemokratische Arbetterpattci bekennt sich zu ihrer historischen Aufgabe auch in schwerster Zeft. Wir werden auch im Weltensturm der Krise und deS Fascismus die Bannerträger f Friedens, der Menschlichkeit, der nattonalen und sozialen Gerechtigkeit Reiben. Wir bleiben auf dieser mitteleuropäischen Insel der Demokratte die Fackelträger der Menschheit. Wir bleiben Soldaten des Sozialismus! Seite 6 Dienstag, 6. November 1934 Nr. 260 Gewaltiger Eindruck auf die Oeffentlichkeit Die Prager Blätter aller politischen Richtungen befassen sich bereits in ihren Montagsausgaben mit den sonntägigen Kundgebungen. Die meisten hatten ihre Sonderberichterstatter hinausgeschickt, zum Teil in mehrere Versammlungsorte. Ihre Berichte, die vielfach S-alten füllen, spiegeln auch dort, wo sie keine Kommentars enthalten, deutlich den ungeheueren Eindruck wieder, welchen die Aufmärsche der Arbeiterschaft auf die Oeffentlichkeit gemacht haben. Die sozialen und wirtschaftlichen Forderungen des Kampfplanes werden ebenso ausführlich zitiert wie der politische Inhalt der Reden. Allgemein ist die Bewunderung für die Opferbereitschaft und Treue der Arbeiterschaft, die Geschlossenheit und Diszipliniertheit der Kundgebungen. Vergleiche mit den Henlein-Aufmärschen fallen überall zu ungunsten der verkappten Fasristen aus. Wir können den Berichte» nur einige kurze Stellen entnehmen: Ranni Noviny: Aufmarsch der Hunderttausend Einheitsfront der tschechischen und deutschen Sozialdemokratie Die deutsche Sozialdemokratie hatte gestern ihren stolzen Siegestag I Die politische Oeffentlichkeit erwartete den gestrigen Sonntag mit Spannung. Beweis dessen war die große Zahl der Prager tschechischen und deutschen und auch der Auslandsjournalisten, die gekommen waren, um die Kundgebung zu sehen. Alle waren wir überrascht! Es war ein ungeheurer Aufmarsch der sozialdemokratischen Partei, ein Aufmarsch der Arbeitermaffen, die hungern, aber voll mutiger Entschlossenheit und Selbstbewußtsein, begeistert und diszipliniert sind, ein Aufurarsch, wie ihn der Norden der Republik von Karlsbad bis Jägerndorf längst nicht mehr gesehen hat. Es ist ein gutes Vorzeichen für die weitere Entwicklung unserer deutschen Landsleute. Die deutschen Agrarier, welche sich mit Henlein verbunden haben, legten die deutsche Sozialdemokratie schon in den Sarg. Gestern hat die Sozialdemokratie ihre nicht zu brechende Kraft und ihren entschlossenen Kampfesmut gezeigt. Die Entwicklung der Verhältnisse im deutschen Lager läßt eher erwarten, daß iu de« vorbereiteten und nicht benützten Sarg sich schließlich die deutschen Agrarier selbst legen werden. Die tschechischen Genossen hatten eigene Berichterstatter bei allen Aufmärschen. Aus ihren Berichten spricht die Bewunderung für die überwältigende Leistung der deutschen Arbeiterschaft, die trotz allem Elende in wenigen Tagen derart gewaltige Massen aufbieten konnte. Die Bedeutung des Sonntags für den Staat fassen „Ranni Noviny" in folgenden Worten zusammen: Unser Gesamteindruck war, daß die Republik und die Demokratie in der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft eine verläßliche Wacht und entschlossene Kämpfer hat! Prager Presse: Mit Masaryk für die Demokratie Man muß auf eine Partei stolz sein, die auf alle Annahmen, die von ihrem Niedergang faseln, mit einem elementaren Lebenswillen und mit einer Dynamik antwortet, die für viele eine Ueber- r a s ch u n g und hoffentlich auch die Ueberzeugung ist, daß die Sudetendeutschen nicht im Lager Kon- rad Henleins stehen, sondern im Lager des deutschen Aktivismus. Die deutschen Sozialdemokraten haben nicht erst gestern den Beweis erbracht, daß die tschechoslowakische Demokratie mit ihnen in guten und bösen Tagen rechnen kann. Henlein ist diesen Beweis bis heute schuldig geblieben." Montagsblatt: Massen gegen Fascismus Ungeheure Beteiligung bei den sozialdemokratischen Kundgebungen Sämtliche Aufmärsche zeigten ein« überaus starke Beteiligung, die ziffernmäßig das Massenaufgebot der„Sudetendeutschen Heimatfront" sogar noch übertraf. Zu diesem Lber Erwarten starken Besuch der Versammlungen Waren, wie man wohl annehmen darf, neben den in der spartet organisierten viele Tausende erschie- "nen, die dazu vor allem durch die skrupellos gewordenen Methoden unseres heimischen Fascismus bestimmt wurden. So wurde« die Kundgebungen, die unter der Führung der Sozialdemokraten stattfanden, z« imposanten Manifestationen der aktivistischen und demokratischen Deutschen unseres Staates. In dem Bericht des Karlsbader Berichterstatters heißt es: Besonders charakteristisch war die überraschend starke Teilnahme der Elendsbezirke des Erzgebirges. Die Erwartungen der Einberufer wurden übertrof- feck. Die sozialdemokratische Kreisleitung von Karlsbad hatte mit zehn- bis fünfzehntausend Teilnehmern gerechnet. Rach den offiziellen, unter vierfacher Kontrolle vorgenommenen Zählungen der Karlsbader Stadtpolizei nahmen jedoch an der Kundgebung selbst rund 25.000 Menschen teil. Die Hauptstraßen von Karlsbad waren während des Austnarsches völlig verstopft und der Verkehr konnte nur unter den schwierigsten Umständen abgewickelt werden. Im Zuge wurden zahlreiche Transparente mit interessanten Anschriften getragen. Unter anderem las man:„Es lebe Masaryk!",„Heintatfront des Bezirkes Elbogen ist für die Sozialdemokratie",„Erzgebirge rot trotz aller Rot",„Umbrandet vom Fascismus hält Asch die rote Wacht". Lidove Noviny: Großartige Kundgebungen Eine mächtige Partei, eine lebende Bewegung Die überraschende Teilnehmerzahl beweist, daß die Kundgebungen dem spontanen Willen der sozialdemokratischen Anhängerschaft entsprangen und daß die deutsche Sozialdemokratie nicht nur eine mächtige Partei, sondern auch eine lebendige Bewegung von ergebenen Anhängern des demokratischen Sozialismus ist. Während in Böhmisch-Leipa in^enleins Reihen Angehörige des Mittelstandes marschierten, waren die Manifestationen der Sozialdemokratie gefüllt von Jndustriearbeiterschaft und armen Kleinbauern. Eine» freudig ermunternde« Eindruck machte die große Beteiligung der . Jugend, welche in einigen Zügen die Mehrheit bildete. Zugleich drückte aber die Beobachtung nieder, daß der Großteil der Manifestanten sichtbar unter schwerer materieller Not leidet. Der elementare Widerstand gegen die Hakenkreuzlevei und alle Richtungen, welche der versteckten Sympathie zum Hakenkreuz verdächtig sind, wie die Henleinbewegung, wird dadurch verständlicher. Die deutsche Sozialdemokratie hat klar und ohne die geringste Zweideutigkeit gesprochen: sie hat sich heute von neuem und sogar mit glühender Leidenschaft zu unserer demokratischen Republik bekannt. Die Kundgebungen für Masaryk haben am besten durch ihr ehrliches Gefühl und Spontanität davon überzeugt. Wen» die deutsche Sozialdemokratie von den tschechoslowakischen Demokraten Solidarität in ihrem Kampfe gegen Fascismus und Haken- kreuzlerei verlangt, kann sie sicher sein, daß sie von den wirklichen tschechoslowakischen Demokraten gehört werden wird. Prager Mittag: Henlein ist nicht das Sudetendeutschtum Es gibt, nach diesem Tage keinen Zweifel, keine Diskussion mehr darüber, daß Konrad Henlein nicht befugt ist, im Namen des SudetendeutschtumS zu sprechen. Die Masse des werktägigen, des arbeitenden 0er Gruß des Parteivorsitzenden In Komotan und Bodenbach konnte Genosse Dr. Czech persönlich an die Massen Be- grüßungsworte richten. Bei den übrigen Kundgebungen wurde unter dem Beifall der Anwesenden folgende Botschaft unseres Parteivorsttzenden verlese«: Riesenkundgebungen der deutschen Arbeiter für die Tschechoslowakei Die Montagsausgabe der„Prager Presse" bringt unter den zitierten Titeln einen eingehenden Bericht über die Kundgebungen: Die Dienstag-Ausgabe schreibt: „Ein großer Teil der bürgerlichen, speziell der deutschen Presse, hat nach B.-Leipa Anstalten getroffen, Henlein bereits als den Wortführer der Sudetendeutschen anzuerkennen. Der 4. November hat alles, was gegen die deutschen Sozialdemokraten unvoreingenommen ist, überzeugen müssen, daß er dieses Recht ohne Zustimmung breiter Massen des sudetendeutschen Volkes in Anspruch nimmt. Den 20.000 nach B.-Leipa einmarschierten Henlein- leuten standen gestern 90.000 überzeugte Demokraten gegenüber, nicht Menschen, die aus warmen Stuben und vom Eintopfgericht kamen, die sich oft tagelang kein Eintopfgericht gönnen können, weil sie seit Monaten arbeitslos sind. Darunter Jugend, di« nicht vom Brot der Arbeit, sondern vom Brot der Begeisterung lebt. Sie kamen trotz des leeren Beutels aus den Notstandsgemeinden des Erzgebirges und von ihrer Kurzarbeit in den Industriebezirken, um dem Ruf einer Partei zu folgen, die zwar nicht für alle Sudetendeutschen spricht, Wohl aber jene, die sie zur stärksten deutschen Partei in der Tschechoslowakei gemacht haben. In der Tat: eine Volksfront, die in einem demokratischen Staate niemand, höchstens Konrad Henlein, übersehen kann. Das einzige mögliche nationale Programm der Sudetendeutschen ist. das soziale Programm, erklärten die Sprecher der deut- schen Sozialdemokraten mit dem Parteiobmann Minister'Dr. Czech an der Spitze. Dieser Satz, den Henlein in sein staatspolitisches Programm aufzunehmen vergaß, ist im Bewußtsein seiner Bedeutung für die Demokratie zu unterschreiben. Sein JnhaÜ ist mehr als tausettd loyale Worte, sein Inhalt ist der Ausdruck echter demokratischer Gesinnung, das stolze Bekenntnis zum Grundgedanken der tschechoslowakischen Demokratie^ der Humanität Masaryks. Henlein hat gestern schlecht ab- geschnitten. Die Auseinandersetzung mit seinen runden, farblosen Phrasen von B.-Leipa war eine Abrechnung mit Methoden, die Arbeiter und Demokraten über ihr« wahren Ziele zu tarnen suchen. Man hat schon in B.-Leipa die Erfahrung machen können, daß der selbstbewußte sudetendeutsche Arbeiter in der sndetendeutschen Heimatfront nicht anzntreffen ist. Die Massenkundgebungen in Karlsbad und den anderen Städten haben diese Erfahrung unter Beweis gestellt. 90.000 sudetendentfche Arbeiter haben gesprochen. Ihre Kundgebung,/ in der sie sich zum Programm der Deutokraten verpflichtet haben, verpflichtet auch die Demokratie. Als Borfitzender der deutschen sozialdemokratischen Partei überbringe ich Ihnen herzlichste Grüße/ In ernster Stunde haben wir nnsere Arbeiter aufgerufen und unser Ruf hat bei ihnen einen geradezu elementare» Widerhall gefunden. Denn sie erkannte» sofort die Aufgabe, die ihnen gestellt ist. Sie begriffen, daß es ein Gebot der Stunde sei, unseren Forderungen und unserem Kampfeswille« lebendigen Ausdruck z« geben. ’i Keine groß angelegten Werbekanzleien, M kein barnumartiger Reklameapparat, kein | monatelanges Hämmern und Trommeln, keine 0 Aufputschnng von Haßleidenschaften. Das 8 Wort genügte. Unsere Arbeiter U haben es verstanden»nd waren H zurStelle. Undwie! Rach den bisherigen Nachrichten find bei allen Kundgebungen Tausende und Abertausende von Arbeitern im Anmarsch. Aeberall formieren sich die proletarischen Kolonnen. Ob alt oder jung, alles ist aufs tiefste aufgewühlt. Ueberall schlagen die Herzen der Arbeiter höher, ihre Nerven find in Erwartung des großen Tages in höchster Spannung. Ungezählt die Masse der Arbeitslosen, die fürchterlichstes Leid hinter fich haben und sich trotzdem beherzt «nd begeistert in unsere Reihen eingliederu. Gerne nehmen fie jedes Opfer auf sich, denn sie haben vieles auf dem Herzen«nd darum wollen fie in diesem Augenblicke mit dabei sein. Das nationalistische Bürgertum erlebt wie- " der einmal ei» Wunder. Es hat sich den Bären von der endgültigen Einsargung der Sozialdemokratie aufbinden lassen und sieht nun, wie sich die proletarischen Massen durch die Straßen . wälzen: trotzigen Antlitzes, von ehernem Kamp-, feswillen«nd leidenschaftlicher Begeisterung erfüllt. Und in diesem Augenblicke tun fich vor»ns ) zwei deutsche Lager auf: Hier die von leidenschaftlicher Ueberzeugung, von Hingabe«nd Tatwillen erfüllte« Arbeiterkaders«nd dort drüben— jenseits der Barrikade— der nationalisti- I sche Fascismus, der von„Bolksgemrin- schaft" faselt, aber für die kämpfende sozialistische Arbeiterklasse n«r tiefsten leidenschaftlichen Haß übrig hat. Doch all der Haß, de« man der politischen Oeffentlichkeit in antimarxistischer Einpackung mundgerecht zu mache» versucht, all der konzentrische Maffenansturm, mit dey» man die sozialistischen Reihen niederznmähen hofft, vermochte dem sozialisti schen Proletariat nichts anz«/haben, es in seinem Kampfwillen nicht z« erschüttern, eS in keinem Augenblicke wankend z« machen. Im Gegenteil hat er die proletarischen Reihen immer enger z u s a m m en g es L g t«nd ihren Kampfestrotz nur»och mehr gestählt. Nur so kann man es verstehe«, daß selbst der grauenhafteste Krisennotstand, der tausende«nd abertausende ArbeiterfamUie« in schwerster Weis« heimgesucht hat, die Proletariermaffen in ihrem Glauben an die Sieghaftigkeit des Sozialismus, in ihrer Treue zur Partei«nd z«r sozialistischen Arbeiterbewegung nicht z» erschüttern vermochte. Denn unsere Arbeiterschaft ist viel zu geschult,«m nicht z« wissen, daß der tückisch lauernde Feind, der mit dem Kapitalismus Arm in Arm marschiert«nd es vor allem auf die Niederwerfung der Arbeiter» klasse, auf den Raub ihre»Rechte «nd Errungenschaften abgesehen hat, der FaseiSmus ist, den niederzuschlage« die Mission der sozialdemokratischen Parteien, das gemeinsame Werk der tschechischen«nd deutschen Sozialdemokratie ist. Wir sind glücklich, diese« Kampf anf dem Boden der Demokratie, im Rahmen der demokratischen Republik austrage« zu können, deren Fahnen fich heute mit den roten Fahnen verbinde« und«ns Weg«nd Richtung des kommenden Kampfes weisen. Genossen, aus der tiefsten Ergriffenheit heraus, die mich in diesem Augenblicke aufs schwerste bewegt, danke ich ihnen im Namen der Partei für die gewaltige Leistung, die sie hente.vollbracht habe».. Wir wissen, daß morgen das harte Leben, der schwere Kampf weitergeht. Ater heute, Genossen, lacht uns allen das Herz, da wir allen, die es wissen wollen, in so packender.Weise vor Augen führen konnten, daß die sozialistische Idee, die gerade! in den letzte» Tagen in England so gewaltige Erfolge errungen hat, die in den nördlichen Ländern I von Erfolg zn Erfolg schreitet, in unserem Lande> lebt und über unsere Feind« triumphiert«nd allen ihren Feinden mit solcher Deutlichkeit zu zeigen vermag, daß sie im Kampfe gegen die Sozialdemokratie auf Granit beißen wird. Liebe Freunde, den fasristischen Kräften in allen ihren Spielarten sagen wir heute unseren Kampf an. Wir verbinden ihn mit dem heißen Ringen um Frieden«nd Freiheit, um Arbeit«nd Brot. Ein Preisdiktator soll Wunder wirken Berlin. Im Reichskabinett hat Hitler ein Gesetz über Bestellung eines Reichskommissars für Preisüberwachung vorgelegt. Durch dieses Gesetz werden-bis zum 1. Juli 1935 die bisher dem Reichswirtschaftsminister und dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft übertragenen Aufgaben und Befugnisse einem Reichskommissär für Preisüberwachung übertragen. Nach der Annahme dieses Gesetzes durch das Reichskabinett hat der Reichskanzler den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Dr. Gördeler zum Reichskommissar für Preisüberwachung ernannt. Gördeler hatte dasselbe Amt schon einmal unter Brüning bekleidet. Es bleibt abzulvarten, ob es dem neuen Kommissar trotz seinen großen Vollmachten wirklich gelingen wird, der zunehmenden Teuerung Einhalt zu tun, da diese Teuerung ja weniger auf etwaige Machinationen, gewinnsüchtiger Elemente, sondern in erster Linie auf die wachsende Knappheit vieler Rohstoffe und Waren zurückzuführen ist. sudetendeutschen Volkes ist nicht bei Henlein und wird nie bei Henlein sein. Das Blatt zitiert dann die amtlichen Berichte Wer die Teilnehmerzahl und schreibt: Das sind die Teilnehmer— gezählt. Jedoch-- man muß sie wägen! Wir waren, vor zierzehn Tagen, in Böhmisch- Leipa und sähen di« Menschen, die dem Rufe Henleins folgten. Es waren, in ihrer überwiegenden Mehrheit, Bürger, warm gekleidet, mit festen Schuhen, sie kamen in Sonderzügen und Omnibussen, sie aßen ihr Eintopfgericht, waren zufrieden über den billigen Ausflug und kehrten abends in die behagliche Wärme zurück, aus der sie gekommen waren. Und wir waren, gestern, in Komotau und Karlsbad, und sahen die Menschen, die dem Rufe der sozialdemokratischen Partei gefolgt waren. Sie kamen, mit dünne« Mänteln oder in der Arbeitsbluse, mit zerrissenen Sohlen, fie kamen zu Fuß viele Stunden wett aus den Elendsdörfern des Erzgebirges, fie bekamen kein Einwpfgericht«nd kehrte« abends in das Dunkel und Elend zurück, aus dem st« gekommen waren. Aber es waren in Karlstad allein so viele wie in Böhmisch-Leipa. Wenn man sie zählt. Wenn man fie wägt, dann waren es doppelt, dreimal so viel. Wer fie gesehen hat, weiß, daß Konrad Henlein kein Recht hat, im Namen des Sudewndeutschtums zu sprechen. Und noch eines hat der vierte November bewiese«: Dis deutsche Sozialdemokratie ist ein Politischer Faktor in unserer Innenpolitik, über de« nicht einfach zur Tagesordnung geschritten werde« kann. 90.000 deutsche tschechoslowakische Arbeiter und Arbeitslose, Kleinbauern und Kleingewerbler demon« strierten gestern für Arbett und Brot, für die Freiheit und gegen den Fascismus. Sie haben bewiesen: Wir sind da und wir werden da sein. Nicht Henleins Heimatfront, wir find das Sudetendeutschtuml Die Stimme dieser 90.000 wird gehört werden. A-Zet Pondelnik: Der einzige Schutz der Arbeitenden Die Beteiligung an allen Kundgebungen war ungeheuer. Trotz des unfreundlichen und kalten Wetters und trotz der Wirtschaftskrise meldeten sich an hunderttausend Menschen zu den Fahnen des sozialen und wirtschaftlichen Fortschrittes. Es war eine große sozialistische Manifestation, welche zeigte, daß es vergeblich ist, den Sozialismus, diese Sehnsucht der Menschen nach menschlicherem Leben, beseitigen zu wollen, und es war eine große Manifestation für die Republik und die Demokratie. Alle Kundgebungen zeichneten sich durch vorbildliche Parteidisziplin»nd hohen geistigen Gehalt aus. Sie zeigten, daß die sozialistische Idee eine lebend« Bewegung ist, welche die einzige Schützen« der Arbeitende» ist. Veüernik Prava Lidu: Hier wird der Fascismus auf Granit beißen! Gehässige Stimmen sagten, daß Henlein di» deutsche Sozialdemokratie zermalmen wird. Und inzwischen hat es sich erwiesen, daß unsere deutsche» Genossen aus diesem Kampf siegreich gehen, nicht bezwungen, sondern gestärkt in ihrem Glauben und in ihrer Kraft. Jeder, der ein gesundes Hirn im Kopfe hat, muß nach diesen Massenftuwgebungen begreifen, wo die währen Freunde und Hüter der Republik und Demokratie stehen. Es ist die tschechische und deutsche Arbeiterschaft, welche ehrlich und offen unter den Fahnen der Republik steht, um die errungenen Freiheiten um jeden Preis zu wahren. VeSernik Ceskeho Slova: Ein wirklicher Erfolg Alle Kundgebungen waren ungewöbnlich zahlreich besucht und bedeuten einen wirklichen Erfolg der deutschen sozialistischen Arbeiter im Kampfe gegen Henlein, dessen Partei auf Kosten der deutschen bürgerlichen' Karteien rasch wächst. Die armen Menschen, welche wegen der Beteiligung an den Aufmärschen ihren letzten Groschen opferten, zeigten be« wunderungswürdü- ihre Grui.dsatztreue und ihre Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkett und menschlicher Freiheit. Die Stimmung der Kundgebungen war sehr begeistert. Nr. 260 Dienstag, 6. November 1934 Sette 7 Der tfurm brach los! Von fFierie ’ Der Sturm brach los! Das waren unsre Massen/ Das war nicht Rummel oder brauner Drill, Das Leben selbst, es brauste durch die Gassen, Das Volk stand auf, das man versklaven will! Der Sturm brach los! Das waren nicht Statisten— Das war der Aufmarsch unsrer deutschen Not! Der Kampf des Volkes gegen die Fascisten, Ist auch der Armut Kampf ums täglich Brot! Der Sturm brach los! Saht ihr die Arbeitslosen? Der Hunger glühte ihnen im Gesicht, Und sie marschierten! Mit zerfransten Hosen— Das sind die Sieger, die kein Henlein bricht! Der Sturm brach los! Ihr hattet schon vermessen Mit diesem Volk und seinem Recht gespielt, Und bei dem Spiel die Riesenkraft vergessen, Die dieses Volk wie je nur in sich fühlt! Der Sturm brach los! Wer wagt es, noch zu fragen, In welchem Lager unsre Heimat steht? Die Hunderttausend werden es ihm sagen: Dort, wo die Fahne dieses Sieges weht! Der Sturm brach los! Und er wird weiterjagen! Er legt sich nicht, bis Land und Städte frei, Frei von den beiden aller schlimmsten Plagen: Von Arbeitsnot und Henleins Hitlerei! 576.267 Arbeitslose Prag. Am 31 Oktober 1934 waren bei den Arbeitsvermittlungsstellen nach den vorläufigen Ergebnissen 598.989 Arbeitslose registiert, am 30. September 1934 waren es nach den definitiven Ergebnissen 576.267. Im Oktober 1934 ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Oktober 1933 um 31.003, d. i. um 4.9 Prozent geringer. Die Steigerung der Arbeitslosenzahl bleibt durchaus im Rahmen der saisonmäßigen Zunahme der Arbeitslosen, wie sie auch in den vorangegangenen Jahren zu beobachten war. Im Vergleich mit dem Stande der Arbeitslosigkeit in den vorangegangenen Monaten liegt die Oktoherzahl um fast 36.000 unter dem Stande, der im Mai dieses Jahres ausgewiesen, worden war. Im vorangegangenen Jahre war die Arbeits- lofigkeit in allen Monaten höher. Gemeindewahlen in Pisek und Petek Pisek.(Tsch.P.-B.) Bei den sonntägigen Gemeindewahlen in Pisek betrug die Zahl der berechtigten Wähler 11.078. Abgegeben wurden 9616 gültige Stimmen. Hievon entfallen auf die einzelnen Kandidatenlisten: Gewerbepartei 1015 Stimmen(bei den letzten Wahlen 959 Stimmen), Nationale Fascistengemeinde 457(357), Nationale Vereinigung der Beamten und Angestellten 224, Tschechoslowakische Nationalsozialisten 1838 (2117), Republikanische Partei 6'äO(451), Nationaldemokratie, vereinigt mit der Nationalen Liga und der Nationalen Front 1960(1327), Tschechoslowakische Volkspartei 945(1019), Kommunistische Partei 1017.(1223), Tschechoslowakische Sozialdemokraten 1043(1135), Do- mov 260.(626), Unpolitische Bereinigung für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt(bürgerlichen Charakters) 227. Nach durchgeführtem Skrutinium wurden die Mandate in der Gemeindevertretung von Pisek folgendermaßen aufgeteilt: Gewerbepartei 4 Mandate(4), Fascistengemeinde 2 Mandate(1), Nationale Vereinigung der Beamten und Angestellten 1 Mandat, Tschechosl. Nationalsozialisten 7 Mandate(9), Republikaner 2 Mandate(2), Nqtionaldem., Liga und Nationale Front 8 Mandate(5), Volkspartei 3 Mandate(4), Kommunisten 3 Mandate(5), Sozialdemokraten 4 Mandate(4), Domov 1 Mandat(2), unpolitische bürgerliche Vereinigung 1 Mandat. * Prag. Bei den heutigen Gemeindewahlen in Pccky, Bezirk Podebrad, wurden 2309 gültige Stimmen abgegeben. Die Zahl der registrierten Mähler betrug 2546. Davon entfielen auf die einzelnen Kandidatenlisten: Lokale Organisation »er tanoi oirlschastlichen und«orsrangestelllen sowie der Jndustrieaügestellten(Republikaner) 74 St., 1 Mandat, Tschechoslowakische Volkspartei 189 St., 2 Mandate(2), Nationale Bereinigung der Fachorganisationen 47 St., 0 M„ Tschechoslowakische Nationaldemokraten, vereint mit der Nationalen Liga 442 St., 6 M.(1), Kommunistische Partei 243 St., 3 M.(6), Bürgerliche Vereinigung der Häusler, Steuerzahler u. Landwirte(Republikaner) 204 St., 3(1), Gewerbepartei 468 St., 6 M.(5), Tschechoslowakische Sozialdemokraten 187 St., 2 M.(4), Tschechoslowakische Nationalsozialisten 505 St., 7 M.(11). Die Wahle« und die tschechische Sozialdemokratie Es waren nach längerer Zeit wieder die ersten Städtewahlen, weswegen ein größeres Interesse an sie geknüpft war... Trotz des wilden Kampfes blieb die Position der Sozialdemokratie in Pisek unerschüttert. Sie kehrt ins Piseker Rathaus mit der gleichen Anzahl von Vertretern und mit einem kleinen Stimmenverlust, letzterer erklärlich durch die größere Anzahl der Kandidatenlisten, zurück... In Pecek hat die Sozialdemokratie einen Stimmenrückgang, erklärlich durch die Massenabwanderung der Arbeiterschaft. In der Stadt und Heren Umgebung gab es viel Industriestätten. Einige wurden geschloffen, andere stehen schon seit Jahre». Die Anzahl der Wähler war geringer als das vorigemal, geringer um die abgewanderte Arbeiterschaft. Der Mandatsverlust ist deswegen stärker, weil die Sozialdemokratie bei den letzten Wahlen ein Reststimmenmandat bekam, während sie diesmal trotz eines bedeutenden Stimm.enrestes eilt drittes Mandat, nicht erreichte. Der. tatsächliche Perlust beträgt also ein Mandat. Sozialpolitisches Abkommen mit Frankreich. Der französische Außenminister Laval und der tschechoslowakische Gesandte Dr. O s u s k H haben den sogenannten Assistenzvertrag unterzeichnet, der den französischen und den tschechoslowakischen mittellosen Staatsangehörigen gegenseitig die kostenlose Pflege in den Allgemeinen Krankenhäusern gewährleistet. Dieser Vertrag ist von Hoher sozialer Bedeutung für die tschechoslp- wakischen Staatsangehörigen, die in Frankreich leben. Werbeerfolge für die sozialdemokratische Presse meldet aus zwei Krisenbezirken unser Böhmer- waldblatt die„Zukunft.", lleber Beschluß der Kreisorganisation Pilsen wird im Monat November eine Werbeaktion für das Parteiblatt durchgeführt, die in den von der Arbeitslosigkeit hart betroffenen Bezirken Staab und Dobrzan schon Ende Oktober einsehte und der„Zukunft" 90 neue Leser brachte. Damit wurde gleichzeitig die Meinung vieler Genossen, die Arbeitsloslgkeit stehe einer erfolgreichen Werbeaktion für die Presse entgegen, glatt widerlegt. ein sieg des Klerlko-Fasdsmus; Zwei Aufständische hingerichtet Madrid. Einer amtlichen Meldung zufolge wurden zwei der zum Tode verurteilten Aufständischen hingerichtet. 21 zum Tode Verurteilte wurden begnadigt. Bei der Eröffnung der Cortes waren in den Straßen um das Parlamentsgebäude Panzerauw» mobile und Garde in voller Ausrüstung aufgestellt. Vor den Toren des Parlamentes swnden Abteilungen der-Zivilgarde. Roter Aufbruch in Westböhmen „Das war die schönste Woche während meiner ganzen bisherigen Arbeit", so wüteten die Worte, mit denen der Sekretär unserer Partei in Asch mich begrüßte. Und dann erzählte er, wie er von Versammlung zu Versammlung, von Sitzung zu Sitzung geeilt ist und wie er in jedem Orte freudige Bereitschaft gefunden habe. Da wurde nicht lange diskutiert, da wurde gehandelt, das große Merk der Organisation des 4. November, getragen vom Willen Hunderter Vertrauensmänner und tausender Mitglieder, wuchs unter der Hand. Zuerst sollte ein Sonderzug die Genossen der Bezirke Eger und Asch befördern, bald aber wurden es zwei von gewaltigen Ausmaßen. Der Sekretär von Graslitz berichtete, wie es ihm erging. 600 Teilnehmer zu stellen, war das Ziel. An jedem Tag"aber wurde es um je 100 überschritten, bis es schließlich 1300 waren, die mit dem Sonder- Zug nach Karlsbad fuhren. So war es überall, in Westböhmen wie in den anderen Kreisgebieten: die Erwartungen wurden um 100 Prozent übertroff en. Die lange verhaltene Kraft fand am 4. November ihre Auslösung. Als es am Sonntag morgens losging, war es bitter kalt. Unter den Füßen knirschte es, durch die leichten Kleider fuhr ein schneidender Wind. Von den Bergen leuchtete der erste Schnee. Aber da war keiner, der sich schrecken ließ. Aus dem äußersten Winkel, dem Ohr der Republik, waren sie aufgebrochen. Von Roßbach, dem vom Dritten Reich umschlossenen Grenzstädtchen allein kamen 1501 Sie hatten wohl die größten materiellen Opfer zu bringen, denn eine Fahrt nach Karlsbad kostete— trotz Fahrpreisermäßigung— 23 Kronen. Dank der Opferbereitschaft war es möglich, aus dem Bezirke Asch, der vor wenigen Jahren noch von den Kommunisten beherrscht wurde, rund 800 Teilnehmer zu stellen. Dabei wurden die Arbeitslosen nicht vergessen. Nicht weniger als 260 konnten mitgenommen werden. Im Bezirke Eger waren von 1200 Teilnehmern fast 500 arbeitslos! Ein Kuriosum sei nicht vergessen: der Sonderzug von Asch war eine Garnitur der deutschen Reichsbahn, die unsere Demonstranten bis nach Karlsbad brachte. Es ist wohl das erste Mal, daß seit Hitlers Machtergreifung die Verkehrsmittel des Drttten Reiches einer antifascistischen Kundgebung dienten. Rote Fahnen, rote Menschen in einem reichsdeutschen Zuge. Möge dies ein gutes Omen sein! Unvergeßlich war das Bild, als wir uns Karlsbad näherten. In allen Stationen standen große Gruppen Arbeiter, die unsere Freiheitsgrüße erwiderten. Bei Chodau aber sahen wir eine wunderbare Silhouette. Auf der ziemlich entfernten Straße marschierte, mit wehenden roten Fahne», der lange Zug der Elbogner. Und dann fuhren wir über, ein Biadutt, durch das sich eben eine mächtige Kolonne drängte. Alles strebte nach Karlsbad, mit der Eisenbahn, zu Fuß, mit Autobussen und Fahrrädern, zum Herzen des roten Westböhmens.* Es ließen stch Bände füllen, wollte man die vielen' Beispiele der Solidarität und Opferbereitschaft alle anführen, die unsere Kundgebung auslöste. Die GraSlitzer Genossinnen erzählten mir, daß Frauen unter ihnen seien, die sich erst fünf Kronen ausborgen mußten, damit sie mtt nach Karlsbad fahren können I Fünf Kronen gelten dem nicht viel, der mtt vollen Taschen herumspaziert, sie sind ihm kaum ein Trinkgeld. Für eine Arbeiterfamilie aber bedeutet das Fünfkronen-Opfer Verzicht auf ein Mittagessen. Die westböhmischen Frauen verdienen überhaupt ein Sonderwort. Sie waren in einer auch für den, der den prächtigen Stand Unserer westböhmischen Frauenbewegung kennt, überraschend großen Zahl gekommen. Es waren ost erschütternde Eindrücke. Arme, ausgemergelte Arbeiterinnen, denen Mühsal und Not aus den Gesichtern sprach, marschierten unverdrossen und unverzagt. Die Treue zum Sozialismus überwand für einen Tag ihre Not, der Glaube an den Sozialismus beflügelte ihre Schritte. Es wäre über jeden Bezirk, jeden Ort ein langes Kapitel zu schreiben. Das gestattet der ! knappe Raum nicht. Aber von Bernau im ! Notstandsbezirk Neudek soll noch die Rede sein, dem roten Bernau, das nie enttäuscht. Es zählt 1200 Eintssohner. 350— dreihundertfünfzig— sind nach Karlsbad gekommen! Ist das die aussterbende Sozialdemokratie? * Und auch noch von Podersam. Dieser Bezirk ist von Karlsbad aus mit der Bahn über Komotau—Saaz nur in seiner Halbtagsreise zu erreichen. Die Kreisleitung hatte ihn bei den Vorarbeiten geflissentlich beiseite gelassen, man hatte die Genossen nicht einmal zu den Sitzungen eingeladen. ÄberderPodersamer Bezirk war dä! Ganz ohne Aufforderung hatten die Genossen ihre Vorbereitungen getroffen, sie brachten in drei überfüllten Autobussen über 100 Teilnehmer zur Kundgebung nach Karlsbad. Die rote Lawine hatte auch den letzten Bezirk mirge- rissen. Ganz ausgezeichnet waren die Standarten, die den einzelnen Bezirken vpranleuchteten. In gut gewählten Inschriften brachten sie aktive Kampfentschlossenheit zum Ausdruck:„Egerland — rotes Land",—„Umbrandet vom Fascismus, hält Asch die rote Wacht!"—„Der Grenzbezftk Graslitz ist rot!"—„Die Heimatfront des Bezirkes Elbogen ist die Sozialdemokratie!"— „Erzgebirge rot trotz aller Not".— Diese Parolen sollten fliegende Worte werden. Das Erhabendste an der Kundgebung aber war, daß sie— wie auch die in den anderen Gebieten— die Einheit der Arbeiterbewegung manifestierte. Die moderne Arbeiterbewegung ist ein vielgegliederter Bau. Meist wickeln die einzelnen Teile ihre Arbeit, die bei gleicher Zielrich- ttmg einer Sonderausgabe dient, neben einander ab Am 4. November aber marschierten sie alle in einer Front! Partei, Gewerkschaften, Genossenschaften, Jugendliche und Turner, Sänger und Radfahrer, Kinderfreunde und Natursteunde— alle bildeten sie, umrahmt von der beseelten Kraft unserer tapferen, pflichttreuen Ordner, eine einzige unüberwindliche Einheit. So soll es sein und so muß es bleiben, dann ist die Zukunft unser! Ernst Paul. Tagcsncuigltcilcn Liebestragödie in Trautenau Sonntag gegen vier Uhr nachmittags ereignete stch in einem Hause am Tiefen Graben eine Liebestragödie, der zwei Menschen zum Opfer fielen. Der Mufiker H a m p e l, der in einem Trau- tenauer Kaffeehause konzertierte» unterhielt— wie berichtet wird—, mit der geschiedenen Frau Lahmer ein Verhältnis, dem Schwierigkeiten entgegengestellt wurden. Die beiden Menschen beschlossen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Hampel richtete nun die Waffe zunächst gegen Frau Lahmer, worauf er sich selbst erschoß. Auch die Kugeln, welche Frau Lahmer erhielt, waren tödlich, so daß beide als Leichen aufgefunden wurden. Zwei Soldatenselbstmorde Amtlich wird gemeldet: Am 4. d. M. um 22.30 Uhr brachte sich der längerdienende Zugsführer des Arttllerie-Regimentes Nr. 154 Jaroslav K r ä s n h, zuständig nach Merkltn bei Pkestice, während einer Mietautofahrt durch P r a g in der Kaprovä ulice in selbstmörderischer Absicht aus einem Armee-Re- o o l v e r einen Schuß in die rechte Schläfe bei. Das Projekttl drang auf der linken Schläfenseite aus dem Kopf. Der tödlich Verletzte wurde von dem Wagenlenker auf die Rettungsstation gebracht, und da cr noch Lebenszeichen von sich gab, in das Divisionskrankenhaus Nr. 1 überführt. Während des Transportes starb er jedoch. Zugsführer Kräsnh stand unmittelbar vor dem Besuche der Berufsrottmeisterschule. Da er weder mündliche, noch schriftliche Mitteilungen hinterlassen hat, ist cs nicht gelungen, die Ursache des Selbstmordes zu ermitteln. * Am 5. d. M. fand der dienstführende Kq- sernen-Offizier den Soldaten des Inf.-Reg. Nr. 5 Franz S t o r k a n erhängt auf. Aus einem hinterlassenen Briefe konnte mit Sicherheit festgestellt werden, daß Storkan den Selbstmord aus unglücklicher L i e b e verübt hat. Schluckenauer Briefträger ermordet Aus Schluckenau wird gemeldet: Als Samstag der hier wohnhafte und als Landbriefträger tätige Worf von seinem Dienstgange nicht zurückkehrte, ging die Frau des Briefträgers den gleichen Weg, den er zu machen hat, um ihn zu suchen. Aus dem Wege von Kaiserswald nach Pirsken fand ihn die Frau ermordet auf. Worf wurde zuerst angeschossen und dann erschlagen. Der Raub, der offensichtlich bei ihm beabsichtigt war, ist mrr zum Teil gelungen, weil Work die sechstausend Kronen, die er Samstag zu bestelle» hatte, in der Hauptsache bereits an die Adressaten avgeliefert hatte als man ihn überfiel. Das abscheuliche Verbrechen hat bei der Bevölkerung begreiflicher Weise große Erregung hervorgerufen und an der Auf- Närnng des Mordes wird von den zuständigen Stellen mit großer Energie gearbeitet. Fliegertod zweier Brüder Stockholm. Am Sonntag nachmittag ereignete sich dicht bei Stockholm ein Flugzeugunglück, das zwei Menschenleben forderte. Ein Wasserflugzeug stieß bei dem Versuch, auf dem Jaerlo-See niederzugehen, mit einem Schwimmer an eine elektrische Leitung. Es verlor das Gleichgewicht und stürzte etwa 40 Meter vom Ufer entfernt in den See. Gleichzeitig erfolgte im Innern eine heftige, Explosion. Der Führer des Flugzeuges konnte nur als Leiche geborgen werden. Die Leiche seines Bruders wird noch gesucht. Er dürfte beim Absturz aus dem Flugzeug gefallen und im See ertrunken sein. Ziehung der Klassenlotterie (Unverbindli ch.) Prag. Bei der Montag-Ziehung der 5. Klasse der 31. Tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 20.000 Ke die Lose Nr. 106806 453 70337 38352. 10.000 K6 die Lose Nr. 72264 63011. 5.000 K5 die Lose Nr. 83987 35816 30571 28520 105857 79641 20331 14839 91694 84653 15237 107804 697 11777 12757 91080 18488 20960 28772 74290 100732. 2.000 K6 die Lose Nr. 86339 31412 53328 58975 4117 99795 62026 54242 249 37790 23842 18406 9613 14936 11184 97589 38456 42041 57371 101697 78258 61267 96499 99992 80301 24418 14259 61695 73695 74155 56980 68770 16564 50170 65099 28491 57039 41751 74817 9618 43181 96855 99767 88486 11602 19632 1054 80878 9696 4196 82181 40851 40821 107251 56384 102921 28923 19671 32150 22037 77737 85646 103023 40683 55804 78936. 1.200 Kö die Lose Nr. 46764 44565 99127 105575 45188 89574 107173 26748 93510 1372 49244 63476 41556 4485 40017 93768 30289 67783 65691 80453 48681 41412 101845 2600 29847 76193 15572 102231 49509 68027 45235 87927 50336 9773 21163 32767 75780 103850 4411 67718 82422 104635 5310 100715 49766 89669 81404 54642 58351 44380 86217 4114 46941 28497 76037 58978 103401 49097 74502 11100 58237 18046 103614 93452 88228 49751 9969 9498 37719 1C 32 1536 9701 39972 17742 92168 17278 74601 36298 24937 102077 58521 80796 84098 75992 42967 23291 74190 65017 16118 48817 22736 64629 20909 62887 30664 28172 44317 68626 2878 44462 7713 84864 88757 76471 91656 101505 70970 38836 6147 59000 82719 26105 98988 39317 44880 69779 27770 72973. Seite 8 Nr. 260 Dienstag, 6. November 1934 Im Flug von Australien «ach Kalifornien New Aork. Der Transpazific-Flieger King- ford Smith landete, von H o n o l u kommend, Sonntag um 16.05 Uhr m. e. Z. in O a k l a n d. Es ist ihm somit gelungen, als erster den West-Ost-Flug von Australien nach Kalifornien zu vollbringen. Den ersten Abschnitt des Fluges von Brisbane(Ostaustralien) nach Honolulu hat er in 25 Flugstunden zurückgelegt. Von Honolulu nach Oakland benötigte er nur 15 Stunden. Sowohl für den Piloten als auch für die Maschine bedeuten diese 40 Flugstunden, die er benötigte, um von Australien nach Amerika zu fliegen, einen ganz hervorragenden Rekord. Abschluß des Australien-Flugrennens London. Am Montag lief die für das Luftrennen England—Australien gesetzte Frist ab. Von den 2 0 Flugzeugen, die in Mil- dcnhall vor 16 Tagen aufgestiegen waren, haben neun das Ziel Melbourne erreicht. Ein Flugzeug ist in Italien verunglückt. wobei die beiden Insassen, Engländer, den Tod fanden. Die drei noch im Rennen liegenden englischen Maschinen, von denen die vorderste am Sonntag in Kalkutta eingetroffen war, kommen nunmehr für den Wettbewerb nicht mehr in Frage. Das holländische„Fliegende Hotel" ist auf dem Rückflug nach Holland am Sonntag um 20 Uhr 25 Min. von Port Darwin abgeflogen. Die Preise Rach der amtlichen Klassifikation lautet die Placierung im Handicap-Flug England—Australien folgendermaßen: 1. Scott und Black, L.Parmentier und Moll, 3. M e l r o s e. Da Ccott und Black den Schnelligkeitswettbewerb gewonnen haben, besitzen sie keinen Anspruch auf den ersten Preis im Handicap(2000 Pfund Sterling), der daher den Holländern Parmentier und Moll zufiel. Den zweiten Preis in der Höhe von 1000 Pfund Sterling gewann Melrose. Entsprechend der Klassifikation der Schnelligkeitskonkur' r e n z des Luftrennens England—Australien gewinnt den ersten Preis, der 10.000 Pfund Sterling beträgt, das britische Flugzeug mit den Fliegern Scott und Black. Diese erhalten außerdem einen goldenen Pokal. Den zweiten Preis des Schnelligkeitsrennens von 1500 Pfrmd erhalten die Amerikaner Turner und Pangborn und den dritten Preis von 500 Pfund die Flieger Jones und Waller. Ein furchtbarer Justizirrtum Der fälschlich Verurteilte gestorben. Roubaix. Ein zurzeit im Gefängnis von Riom befindlicher Mann, der kürzlich zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden ist, hat soeben der Staatsanwaltschaft die Mitteilung gemacht, daß er im Jahre 1924 an einem Mordversuch beteiligt war. Damals war der Neffe des Opfers unter der Beschuldigung, die Tat begangen zu haben, vom Schwurgericht zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Auf der Insel Re, wohin er danach verbracht wurde, ist er kurz vor seiner Entlassung verstorben. Auf Grund der von Cornillon gemachten Angaben wurde in Roubaix eine provisorische Matuschka und der Geist Leo Erregte Gerichtsverhandlung in Budapest Budapest. Am Montag begann hier die Hauptverhandlung im Prozeß gegen den Eisen- bahnatteniäter Silvester Matuschka. Der Verhandlungssaal, der Faffungsraum für 200 Personen bietet, war dicht besetzt. Unter dem Publikum bemerkte man zahlreiche Juristen, Politiker sowie Vertreter der In- und Auslandspreffe., Matuschka wird von zwei Gefängniswärtern begleitet; er trägt Fesseln an Händen und Füßen, die ihm vor dem Gerichtstisch abgenommen werden. Sodann beginnt die Aufnahme der Personalien Matuschkas. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er noch andere Namen trage, antwortet Matuschka, er nenne sich auch utugurak r o" oder auch„Haare in den Hosen". Der Vorsitzende ermahnt ihn hierauf, keine Witze zu machen, sondern normale Antworten zu geben, worauf Matuschka wieder ernst wird. Nach der Aufnahme der Personalien wird die umfangreiche Anklageschrift verlesen, die bekanntlich gegen Matuschka die Anklage wegen 22fachen Mordes, begangen durch das Eisenbahnattetat bei Bia Torbagy, erhebt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich als schuldig bekenne, antwortet Matuschka mit einem gedämpften I a. Er sagt, er hätte nicht auf den Geist Leq hören sollen, der ihn dazu zwang, eine Reihe von Attentaten zu verüben. Dieser Leo habe ihn bereits seit seiner frühesten Kindheit nicht ruhen lassen. Er habe auch den Satan gesehen, sagt Matuschka dann auf eine weitere Frage des Vorsitzenden; er habe große Hörner gehabt, lange spitzige Ohren und einen lachenden Mund. Während der Aussagen wendet sich Matuschka fortwährend hin und her, so daß der Vorsitzende ihn auffordert, ihm ins Gesicht zu schauen. Matuschka lacht und sagt, er werde dies nicht tun, da man ihm dann die Wahrheit aus den Augen ablesen könnte. Verschiedene Fragen des Gerichtspräsidenten versetzen Matuschka in eine solche Erregung, daß er, seine Stimme steigernd, die Antworten schließlich schreiend gibt, so daß der Vorsitzende ihm mit vollständiger Fesselung droht. Untersuchung eingeleitet, die ergeben hat, daß derselbe tatsächlich noch drei Tage vor dem Verbrechen in Roubaix ein möbliertes Zimmer, unweit von der Ueberfallstelle innehatte. Die Untersuchung wird infolgedessen fortgesetzt. Neun Todesopfer eines Bauunglückes Madrid. In Granada ereignete sich ein schweres Unglück. Die Seitenwand einer im Bau befindlichen großen Garage stürzte ein und zerstörte vier angrenzende Häuser. Neun Personen, darunter s echsKinder, wurden getötet.> Die Gösch. An der Spitze des riesenhaften Demonstrationszuges,in Karlsbad marschierten die Genossen und Genossinnen aus dein Hungerbezirk G r a s li tz. Von all den Treuebeweisen, die die Partei an diesem Tage erfuhr, ist der der Graslitzer Arbeitslosen am rührendsten und ergreifendsten gewesen. Henlein behauptet, daß ihm gerade in Graslitz ein Einbruch in unsere Reihen gelungen sei; nach der.„Rundschau" haben die Graslitzer Arbeitslosen der Sozialdemokratie vollständig die Gefolgschaft aufgesagt. Er lasse sich von seinen Vertrauensmännern, die er als Beobachter zu unseren Kundgebungen geschickt hat, genau berichten I— Drei Graslitzer Ordner trugen die Staatsflagge an der Spitze des Zuges. Dann schloß sich eine lange Kolonne von Graslitzer RW-Leuten an, deren straffe Disziplin besonders auffiel. Und an der Spitze dieses RW- Zuges wehte eine rote Fahne, die im oberen Eck eine Gösch in den tschechoslowakischen Staatsfarben trägt. Daß diese Gösch aufgenäht wurde von jenen sozialistischen Soldaten der demokratischen Republik, die im schwersten Krisensturm ihre Partei und die Demokratie unseres Landes verteidigen, daß sie dem Rot unserer Ovdner- fohne hinzugefügt wurde, ohne daß die Graslitzer einen Auftrag oder eine Anregung hiezu hatten— das ist ein Symbol.„Das einzig mög liche nationale Programm ist das soziale", sagte unser Parteivorsitzender auf unseren Kundgebungen. Die Graslitzer roten Soldaten der Republik hoben das erkannt. Sie marschieren für das soziale Programm, dessen Erfüllung sie von der tschechoslowakischen Demokratie fordern. Diese Forderung gründet sich auf die Treue, die die ärmsten unserer Kämpfer der Republik halten. Das will die Gösch auf der Graslitzer RW- Fahne sagen. Die Leistung der Eisenbahner. Eine besondere Leistung haben die Eisenbahner in Nordböhmen vollbracht. Die Zu- und Abfahrt der Sonderzüge war ausgezeichnet organisiert. Auf dem Bodenbacher Bahnhof allein liefen neun Sonderzüge ein und mußten neun Züge wieder abgefertigt werden. Die Manifestanten waren mit der Organisation auf den Bahnhöfen sehr zufrieden und es ist mit ein Verdienst des He> Inspektors R e i- t e r, daß alles klappte.- „Glänzender Verlauf" eines Todesgedenkens... Tschsl. P.-B. meldet aus L i s s a b o n: „Das sonntägige internationale Flug- Meeting, das zum Gedenken an den bei dem Pariser Luftakrobatik-Wettkampf auf tragische Weise^rms Leben gekommenen portugiesischen Fliegerhauptmanns d'Abreu' veranstaltet wurde, nahm einen glänzenden Verlauf. Bor mehr als 80.000 Zuschauern legten portugiesische und auch internationale, darunter hauptsächlich französische Flieger, Proben ihrer Kunstfertigkeit in der Flugakrobatik ab. Besonders reichen Beifall ernteten insbesondere der Franzose Detroyat und der tschechoslovakische Flieger Chefpilot N o v ä k. Infolge eines Wolkenbruches lösten sich von dem Hügel bei dem Dorfe Bordenaro in der Nähe von Messina große Erdmassen) die ein an dem Hügel liegendes Haus zum Einsturz brachten. Zur Hilfeleistung wurde Feuerwehr aus Messina herangezogen. Bisher wurden von den 13 in dem Hause befindlichen Personen lediglich zwei als Leichen geborgen. 40.000 Familienväter demonstrier« Brüssel. In den Straßen von Brüssel manifestierten Sonntag mehr als 40.000 Väter v i e l- gliedrigerFamilien, die auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Regierung auf ihre schwere Situation und auf ihren bisher erfolglosen Kampf für ihre Forderungen lenken wollten. Die Manifestation hatte einen ruhigen und würdigen Verlauf. Eine Delegation der Manifestanten überreichte dem König und dem Ministerpräsidenten ein Memorandum. Fristlose Entlassung wegen eines Kranzes für Wallisch. Vor wenigen Wochen hat ein Brücker Eisenbahner auf dem Leobner Friedhof einen Kranz auf Wallischs Grab niedergelegt. Er wurde angezeigt und von der Disziplinarkammer der Bundesbahnen zur fristlosen Entlassung unter Verlust aller Rechte, auch der Versorgungsgenüffe für seine Angehörigen, verurteilt! Die christliche Diktatur fürchtet noch den toten Freiheitskämpfer. Tochter Karl Liebknechts gestorben. Wir erfahren, daß Vera Liebknecht, Tochter Karl Liebknechts, im Alter von 28 Jahren in Wien gestorben ist. Dir Mitglieder der Regierung empfangen wegen Teilnahme an den Beratungen über dringende Arbeiten am heutigen Dienstag kein« Besuche. Der Empfangstag wird auf Mittwoch, den 7. November, verlegt. BarthouS Hinterlassenschaft. Der Vollstrecker des letzten Willens Louis Bqrthous dementiert die Nachricht, daß die berühmte Bibliothek des verstorbenen Ministers der französischen Akademie vermacht wurde. Barthou hinterließ der Akademie sein Vermögen und seine Kun st gegenstände; die Bibliothek jedoch wird im Bersteigerungswege verkauft. Stromdiebstahl. Sonntag wurde der Arnsdorfer^ Mühlenbesitzer Emil Wühl, dessen gleichnamiger Sohn, sowie der Monteur der Firma Wöhl namens Tille verhaftet. Die Verhaftungen erfolgten, wegen Stromunterschlagungen beim. Friedländer Elektrizitätswerk. wodurch ein Schaden von rund 50.000 Kc nachgewiesen wurde. Raubmörder. Der Polizei in B u d a p e st gelang es, 3 Stunden nach der Aufdeckung des Raubmordes in der Tabaktrafik in der Kai- ser-Wilhelmstraße den Täter in der Person des 27jährigen stellungslosen Handlungsgehilfen Alexander Horvat zu eruieren. Er hat die Tat bereits eingestanden. Todesurteil wegen eines Eisenbahnunglücks. Am Montag wurde das Urteil des Obersten Gerichtes der Sowjetunion in Angelegenheit der Eisenbahnkatastrophe in der Bahnstation Osnowa an der Südbahn veröffeMicht,"wobei 24 Lastwagest zertrümmert wurden und ein.Wagenschmierer den Tod fand, Bei der Verhandlung wurde festgestellt, daß alle drei Angeklagten, d. s. der diensthabende Beamte L i n- nik, der Signalist Junoschew und der erste Weichensteller Pawlenko die Arbeitsdisziplin systematisch verletzt und daß sie bei der Arbeit eine vervre- cherischeNachlässigkeitan den Tag gelegt haben. Das Gericht stellte fest, daß Linnik die Dienstorganisation böswillig gestört und bewußt das Reglement des Verkehrsdienstes sabotiert habe- Das Oberste Gericht verurteilte deshalb den Angeklagten Linnik als Feind des Volkes und der Sowjetunion zum Tode und die beiden anderen Angeklagten zu fünf, bztb. drei Jahren Freiheftsverlust. kugene Pottier Der Dichter der„Internationale“ Von Hermann Wendel Rue Champollion— ob in dieser kleinen und engen Straße des Lateinischen Viertels 1871 in der„blutigen Woche" der Pariser auch gekämpft wurde? Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, denn ganz in der Nähe die Barrikaden der Rue de l'Ecole de Medecine waren, zum Teil von Frauen verteidigt, eines der Widerstandszentren auf dem linken Seine-Ufer gegen das hier vorrückende Armeekorps C i s s e y. Und also wurde in der Rue Champollion Eugene P o t t i e r, Kommunard und Sänger der Kommune, am rechten Fleck gefeiert. Die Feier begab sich in dem intimen und pfttoresken Saal des„Cabaret des Noctambules", und abgehalten wurde sie von der Vereinigung„La Chanson dePa- r i s", getreu ihrem Grundsatz, das, was unübersetzbar Chanson heißt, in all seinen Abwandlungen zu pflegen. Lucien Descaves von der Akademie Goncourt, der berühmte Verfasser der „Sous-Offs" und einer Reihe anderer Rouiane, in denen die revolutionäre Ueberlieferung des neunzehnten Jahrhundert lebt, führte den Vorsitz und sprach einige eindringlich geistvolle Worte über den Chansonnier, der nicht hinter dem warmen Ofen, sondern im Pulverrauch gedichtet habe, und vor dem er sich verneigte als einem„der Toten, die wir zum Leben nötig haben". Dann entwarf Alexandre Z 6 vaLs, Zierde des Pariser Barreaus und Historiker der Dritten Republik und der sozialistischen Bewegung, ein anschauliches und lebendiges Bild P o t t i e r s, des Sängers und des Menschen. Der 1816 im Schoß einer Arbeiterfamilie zur Welt kam, war ein„Parigot" reinsten Wassers; er wurde in Paris geboren, lebte in Pariss, arbeitete in Varis, kämpfte in Paris, starb in Paris und liegt in Paris, auf dem Pere-Lachaise, begrabe«. Wie jein Vater sollte Eugene Pot« t i e r Packer werden und versuchte sich in verschiedenen Berufen, bis er als überaus geschickter Stoffzeichner sein Auskommen fand. Früh schon, da ihn enge Freundschaft mit Henri M u r g e r, dem Erzähler der„Boheme", verband, fühlte er seine Stirn vom Kuß. der Muse gestreift, nur daß diese Muse die rote Freiheitsmütze auf wehendem Lockenhaar trug und statt des Schäfersteckens die revolutionäre Pike in der Rechten hielt. Durch das Geäder seiner kräftigen und kernigen Strophen floß das Herzblut des arbeitenden Polks, der duldenden namenlosen Masse; er sang Pas Leid der Reinen Leute, den Hunger des Habenichts, das trübe Erbenlos von„Jean Misere", Elend und Verzweiflung, Sehnsucht und Revolte des Proletariers. Nachdem Zevaäs geendet hatte, trugen Robert Aubry vom Theater der Porte-Saint- Martin, G, Jsabelli vom„Trianon Lyrique" und Felix G i b e r t vom„Odeon" eine Anzahl dieser sozial gewürzten Gedichte packend und er- schütternd vor. Wie Pottierim Feber 1848 auf die Barrikade stieg, so stand er zum zweiten Kaiserreich in unerbittlicher Opposition; in dieser Zeit suchte er im Rahmen der Internationalen Arbeiter-Asiozia- tron die Stoffzeichner gewerkschaftlich zu erfassen. Nach Sedan gehörte er zu den Männern der Linken, die zur Rettung der Republik leidenschaftlich den Krieg bis aufs Messer predigten. Adjutant des 181. Bataillons der Nationalgarde, schlug er sich wacker bei Champigny, und bekannt wurde sein poeftscher Aufruf zur Verteidigung von Paris. Aber als am 18. März 1871 auf dem Parsser Rathaus die rote Fahne wehte, war der Reine quecksilberne Mann mft den dunkel glühenden Augen erst recht dabei. Im April entsandte ihn das Zweite Arrondissement in die Kommune und als im Mai die Uebermacht der Versailler die revolutionäre Hauptstadt erdrückte, hielt P o t t i e r bis zur letzten Patrone stand. Es gelang ihm, dem Blutdurst der Kriegsgerichte ins Ausland zu ent- I kommen. Nach der Amnestie von 1880 zurückgekehrt, gab er 1884«inen Teil seiner Gedichte, die in Dutzenden von Zeitschriften und Zeitungen erschienen waren, unter dem Titel„Qüi eft Xe f o u?" heraus; so hieß eines seiner Chansons mit dem Kehrreim„Wer ist verrückt, die Welt oder ich?" Drei Jahre später legte er einen zweiten Band,„Chants Revolutionnaires" (Revolutionäre Gesänge) vor, dem Henri de Rochefort das Geleitwort geschrieben hatte, aber schon am 7. November 1887 starb P o t- t i e r. Das Pariser Proletariat erwies seinem Sänger, der sich zur sozialistischen Partei Ä u e s- d e s bekannt hatte, die Ehren eines Leichenbegängnisses, das zu Zusammenstößen mit der Polizei und zu einer Interpellation in der Kammer führte, aber auch die keineswegs revolutionär gesinnte Literaturkritik erkannte das stärke Talent des Dichters an und reihte ihn den großen Chansonniers ein. Wie es nicht angeht, von Rougek de l'J s l e zu reden, ohne die„Marseillaise" zu erwähnen, so, sagte Z ö v a e s, ist es ein Unding, den Namen Pottier zu nennen, ohne auf die „Internationale" zu kommen. Ihre Strophen brachte der Dichter, bei einem Freunde verborgen, im Juli 1871 zu Papier, als das Pariser Pflaster noch von dem Blut rauchte, in dem die Kommune ersäuft worden war. Gedruckt wurde das Lied aber erst in den„Chants revolutionnaires", und zwar ohne daß die Welt besondere Notiz davon nahm. Im Jahr nach dem Tod des Dichters komponierte ein musikalisch begabter Modelltischler in Lille namens Pierre D e g e y- ter,aus Gent gebürtig, die„Internationale" für einen lokalen Arbeitergesangverein,„La Lyie des Travailleurs". Jetzt bekam sie Flügel, aber ihr Flüg war anfangs langsam genug; Jahre hindurch beschränkte sich ihre Verbreitung auf die Industriezentren des Nord-Departements. Erst als sie 1896 vor einem Kongreß der Französischen Ar- befterpartei(Guesdisten) in Lille mehrfach gesungen und jubelnd begrüßt war, drang sie mit der Rückkehr der Delegierten in die verschiedensten Gegenden Frankreichs vor. 1899 wurde sie von einem Pariser Kongreß aller sozialistischen Richtungen auch den. übrigen Parteigruppen bekannt und so zu dem allgemein anerkannten Lied der französischen Arbeiterbewegung; unzählige Male rissen seitdem bei Kundgebungen ihre anfeuernden Takte die Massen hin: O'est la lutte finale. Groupons-nous, et demain L’Internationale Sera le genre humain. Stimmten die Internationalen Sozialisteu-Kon- gresse bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts noch das Revolutionslied von 1792, die„Mar- seillaise" an, sd erklang in Stuttgart 1907 zum erstenmal die„Internationale",«die damit ihre Weihen als Hymne der internationalen Arbeiterbewegung erhielt:„Völker, hört die Signale!" oder in der besseren Uebertragung von Franz D i e d e r'i ch: Schon erglüh» die Signale! Ein letzter Kampf muß sein. Die Internationale Wird die Welt beftein. 1917 gar rückte die Schöpfung Pottiers und Degeyters zur Nationalhymne Sowjetrußlands auf, und so wird sie weiter ihren Weg machen. Denn trotz allem Widrigen, was unsere Zeit dem großen Freiheitskampf der arbeitenden Klaffen entgegenwälzt, haben die zuversichtlichen Worte Pottiers aus seinem„Sie ist nicht tot!" unverbrüchliche Geltung: Man schoß sie mit Kartätschen tot Aus Mitrailleusenschlünden Und schleifte ihre Banner durch den Kot, Blut dampfte in Tälern und Gründen. Da paradierten die Henker des Volks Ms siegreiche Paladine... Doch nichts hält auf der Dinge Verlauf, Denn sie ist nicht tot, die Kommune! Die gleiche Zuversicht gab Lucien Descaves in seiner Ansprache kund:„Die Kommune stirbt nicht. Man muß sie nicht hinter uns suchen, sie ist vor uns." Und unsterblich wie die Kommun« ist ihr Sänger: Eugöne Pottier- «r. 260 Dienstag, 6. November 1934 Seite 9 Eine sonderbare Geschichte von gemordeten und halbverhungerten Chinesen. New Jork. Die Bundespolizei fand auf der Suche nach Opiumschmugglern in dem Keller eines abgelegenen Hauses in der Nähe der Stadt Atlantic an der Küste von New Jersey 17 Chinesen auf, meist Studenten, die halb verhungert waren. Einige der Chinesen beherrschten die englische Sprache. Sie sagten aus, sie seien vor drei Monaten aus Kanton über Trinidad nach der Küste von Virginia in eine Ladung eines Tramp-Dampfers eingeschmuggelt worden. Zu Beginn der Seereise seien sie 50 an der Zahl gewesen. Unterwegs seien aber 12 erkrankt. Diese seien einfach über Bordge- warfen worden. Die übrigen 88 seien bei Virginia Beach an Land geschafft und dann in Kartoffelsäcke eingenäht worden. Sodann seien sie zusammen mit Kartoffeln auf Lastkraftwagen verladen worden, mit denen sie dann nach New Jersey gebracht worden seien. Hier seien 21 Chinesen freigelassen worden, da ihre Verwandten das Fahrgeld bezahlt hätten. Die übrigen 17, die man jetzt aufgefunden hat, seien in einem lichtlosen Keller unter Bewachung eines Negers, der Wohl zwei Zentner gewogen habe,«gefangen gehalten worden. Sie sollten erst freigelassen werden, wenn ebenfalls das Fahrgeld bezahlt sei, das ungefähr 1500 Dollar betrage. Anderenfalls sollten sie sich verpflichten, inWäschereien bei einem Taglohn für 20 Cents die Fahrt- k o st en abzuarbeiten. Ei« bulgarischer Nationalpark. Die bulgarische Regierung beschloß die Schaffung eines etwa 9000 Hektar großen Nationalparkes auf dem Berge Wito f ch bei Sofia. Das gesamte Gebiet soll mit Waldbestand bepflanzt werden. Der Schöpfer der Eros»Statue gestorben. Der bekannte Bildhauer Sir Alfred Gilbert, der Schöpfer der Eros-Statue auf dem Londoner Picca- dilly-Platz und anderer bekannter Skulpturen und Grabmäler, ist auf der Klinik in London im Alter von 80 Jahren gestorben. In der Oeffentlichkeit erregte er seinerzeit auch durch seinen Konflikt mit den Behörden wegen der Placierung seiner Eros-Statue Aufmerksamkeit. Sir Gilbert begab sich damals in freiwillige Verbannung und lebte 20 Jahre auf dem Kontinent. Eisenoahnkonferenz iu Dresden. Aus Moskau begab sich eine Sowjetdelegation zur Eisenbahnkonferenz nach Dresden, an der die Eisenbahnverwaltungen von Sowjetrußland, der Tschechoslowakei, Polens und Deutschlands teilnehmen. Der Schatz des Jägers. Die Leningrader Eremitage erhielt einen der Gröhe und dem Wert nach, seltene^ Schatz von Silbermünzen, die von einem Jäger im Urwald beim Ladoga-See gefunden wurde. Der Jäger, der bei einer D a ch s j a g d eine Grube aushob, stieh auf einen Kupferkeffel, der 11.000 Münzen, Münz-Bruchstücke und Silberbarren enthielt. Der Schatz enthält außer sächsischen, dänischen, tschechischen und italienischen Münzen aus dem 11. Jahrhundert auch seltene orientalische Münzen. Die Rache der Zeitungsverkäufer Der Aufstand der Knirpse— Fünfzig Jungen demolieren ein Luxuslokal In Bukarest haben die Zeitungsjungen ein aufsehenerregendes Exempel statuiert. Eines der gröhten Luxusrestaurants hatte einen neuen Geschäftsführer erhalten, der sich besonders tüchtig zeigen wollte. Als zwei Zeitungsjungen in das Lokal kamen und ihre Blätter auSriefen, packte er Die Baracke Vom Dach der Baracke hat man einen schönen Ausblick. Die Stadt dampft. Die Lichter der Straßen zittern. Hinter den Baracken beginnen die Flußauen. Da biegen sich die Weiden und singen im Wind, kläglich und lang gezogen. Das Rauschen des Flusses hört man, wenn Südwind weht. Der verfluchte Wind, das ist ein erbitterter Feind, denkt der Arbeitslose Berner, der auf dem Dach der Baracke sitzt und ein Stück Dachpappe festnagelt. Jetzt wird es nicht mehr in sein Bett regnen. Er rutscht vom Dach herunter und schwingt den Hammer, diese ungewohnte Last in seinen Händen. Er schwingt ihn und probiert, ob seine Arme noch beweglich sind. Wie er noch Ar- beit hatte! Da schwang er den Hammer, glitt über die Leftern, hob die Latten und stand hoch oben auf einem schwankenden Gerüst. Und die Frauen, die auf der Straße standen, zitterten um ihn. Aber das Gerüst wuchs sicher unter seinen Händen. Jetzt wcchnt er in der Baracke. Sie sicht windschief und verbeult wie eine Hundshüfte. Vor mchr als fünfzehn Jahren stöhnten Kriegsgefangene auf den Pritschen und schrien in sieben Sprachen nach ihren Frauen und Kindern, nach dem dämmernden Strom in der russischen Steppe, nach dem südlichen Himmel über Neapel, nach dem Rauschen des Meeres in der Bretagne. Aus ihren Träumen schluchzten sie zärtliche Worte in dunklen Lauten und weinten vor Heimweh in die Kommißdecken. Und jetzt verflebt Berner die Fugen, damit ihm der Re4en nicht ins Gesicht tropft, wenn er schläft. Und er schläft viel. Er taucht gerne unter in das Vergessen und träumt davon, daß die den der sei. einen erzählt Novak welchem nehmen des zur geht zum Öfen und trinkt eine Schale Kaffee aus, die für ihn bereit steht. Dann sagt die Frau: Leg dich nieder und gib endlich Ruhe., Er denkt wieder daran, wie alles einmal war und daß ein entscheidendes Ereignis kommen müßte. Wäre nicht eine Gefängniszelle bester als dieses Barackenloch? Wäre es nicht bester, durch die Welt zu wandern, sftolchen, arbeiten, nicht arbeiten,— wie es kommt? Hält ihn die Frau, ihre mageren Arme, ihr eingefallenes Gesicht? Oder das Kind? Was sollte aus dem Kind werden? Was, zum Teufel, konnte aus dem Buben werden? Berner schlug mit der Faust auf die Bretüante.„Was hast du?" stöhnte die Frau. Er gab keine Antwort. Er hatte nur Fragen im Kopf. Nebenan schrie jemand. Das waren nicht die singenden Weiden. Schrien die Gespenster der Gefangenen? Eine Frauensftmme, mehrere Stimmen. Träumte er? Berner sprang aus dem Bett. Er hörte Schrttte. Draußen sah er, daß die Bewohner der Baracke auf den Beinen waren, Frauen in zerschlistenen Hemden, Männer in Unterhosen. Dann sauste ein Rettungswagen heran. Aerzte in weißen Kitteln. Und dann trugen sie einen Mann aus der Baracke. Ach sol Der ausgesteuerte ArbeftSlose hatte sich vergiftet. Lysol. Das wirkt nicht, dachte Berner. Das ist gut gegen die Wanzen. MS er die Aerzte sieht, denkt Berner: Die I hätten ihm früher helfen müssen! Dann legt er sich wieder nieder und horcht auf die erregten Stimmen. ES ist etwas geschehen, denft er. Aber nicht das Richtige. Jeder, der allein etwas unternimmt, tut falsch. ES muß etwas andere- geschehen. Draußen singen die Weiden. sie unter Mißachtung der bisher geduldeten Ver- kaufstätigkcit kurzerhand beim Kragen und warf sie hinaus. Zunächst waren die Jungen völlig verblüfft. So etwas war ihnen noch nicht vorgekommen. Dann aber, nachdem sie erst eine Weile kräftig geschimpft hatten, beschlossen sie zu handeln. Eine Stunde später hatten die beiden Jungen sämtliche Zeitungsverkäufer von Bukarest zu- sammengetrommelt. Nach kurzem Kriegsrat erklärten die Führer, man hätte in den beiden Vertretern der„Zunft" alle Mitglieder getroffen. Ein Racheplan wurde ausgellügelt, alle Einzelheiten Feldzuges festgesetzt und der kommende Tag Durchführung besttmmt. In der Mittagszeit des nächsten Tages, als vornehme Restaurant überfüllt war, hörten „mit eineinhalb Millionen aktiv" Nach ganztägiger Verhandlung wurde der Prozeß zur Einvernahme neuer Zeugen auf unbestimmte Zeit vertagt. rb. Synchronisierung der Prager Uhren Die gestrige Sitzung der Zentralvertretung der Stadt Prag hat einen Beschluß gefaßt, der, wenn er den angestrebten.Zweck auch erreicht, von der Beßölkerung mit großer Genugtuung ausgenommen werden wird. Es ist nämlich beschlossen worden, die in den Prager Straßen aufgestellten Uhren, im ganzen vierzig, durch die tschechoslowakische Postverwaltung synchronisieren zu lassen, so daß in Zukunft alle Prager Stadtuhren eine einheitliche Zeit anzeigen sollen. Ueber Antrag des Stadftates ist ferner beschlossen yrorden, die Podbabflä ttida in Prag- Dejvice nach König Alexander und die Mänesova in Prag XII, nach Minister Barth o u zu benennen. An der Sitzung der Stadtvertretung wurde die Aufnahme mehrerer Kommunaldarlehen be- l schloffen, darunter ein Darlehen vott 18 Millionen das die Gäste auf der Straße das wüste Geheul vieler Knabenstimmen. Wenige Augenblicke später wurde von den heranstürmenden Jungen der betreßte Portier zur Seite gestoßen, und eine Flut schreiender und johlender Jungen wälzte sich in das Lokal. Der Anführer der Zeitungsverkäufer- Zunst verschaffte sich Ruhe und erllätte den verängstigten Gästen den Grund ihres Ueberfalles und forderte sie auf, das Lokal zu verlassen. Die Gäste kamen dieser Aufforderung gern nach und waren froh, nur mit einem Schreck davongekommen zu sein. Jetzt, nachdem die Gäste das Lokal geräumt hatten, schlugen die Jungen alles kurz und klein. Kein Tisch, kein Stuhl blieb ganz. Das Porzellan, das auf den gedeckten Tischen gestanden hatte, die zerbrochenen und zerschlagenen Möbel boten das Bild einer schrecklichen Verwüstung. Nach 'der Beendigung dieses Zerstörungswerkes zogen die Jungen geschloffen ab. Sie hatten Racke genommen für ihre beleidigten Zunftgenoffen. truges und der verschuldete nKrida. Die Angeklagten sind: Jan Kadlec, Baumeister; Stanislav Hotik, Eisenbahnbeamter; Bohumil Brodsky, Privatbeamter; Josef fies«, Zuschneider; Josef Novak, Beamter; Josef Rudolf, Maurermeister; Josef Jojek, Beamter; Josef Kadlec, Dachdeckermeister; Anton Vilt, Vertreter; Vaclav Mokes, Kaufmann, und Frantisek HanL, Vertreter. Die erwähnte„gründende Versammlung" verteilte zunächst die Funktionen unter die„Aufsichtsratsmitglieder". Baumeister Kadlec wurde Obmann, wofür er auch zwei Anteile zeichnete und auch das Gela für Einrichtung eines Büros, in der Heinrichsgasse vorstreckte. Zum Kassier wurde der Schneider L e x a erkoren, der von der Buchhaltung und Kassaführung weniger als nichts verstand. Natürlich wurden von den Aufsichtsräten gleich für die erste Versammlung Diätenrechnungen aufgestellt und genehmigt. Und dann ging? an die„Arbeit". Die„Geschäfte" der Sparkaffe waren vor allem„Kreditbeschaffungen", die im wesentlichen darin bestanden, daff die Klienten, welche Geld brauchten, eine EinschreibnngSgebühr von 50 K£ entrichten und einen„Anteil" von 100 Ki bezahlen mußten. Zur Werbung von Kunden wurden reichlich Agenten eingestellt und der Erfolg war beftächtlich. Natürlich bekamen die Darlehenswerber zuguterletzt nichts. Die Zahl der Geschädigten ist aber nicht festzustellen, weil sich viele von ihnen schämten, die Anzeige zu erstatten... Prager Zeitung Um das Prager deutsche Theater Eine Versammlung der Thea.- terinteressenten im Deutschen Hans empfing gestern abends vom Referenten, Herrn Direttor Dr. Eger, zwar nicht so sehr das, waS man sich unter dem versprochenen„Blick auf die laufende Spielzeit" vorgestellt haben mochte, sofern man dabei mehr an Künstlerisches zu denken berechtigt war, doch aber einen vielleicht nicht minder wichttgen Einblick in den Wirtschaftszustand des Prager deutschen Theaters, den man jetzt, nach Dr. Egers sehr knappem Expost', wohl richttg dahin auffaßt, daß ein gut Teil dec ern- stesten Befiirchtungen, die man in der verflossenen Spielzeit über den Fortbestand des Theaters gehegt hatte, zwar erfreulicherweise beseitigt ist, daß es aber dennoch des festesten und dauerhaftesten Zusammenwirkens aller theaterinteressierten Kreise— vom Staate angefangen bis zum einzelnen Besucher— bedürfen wird, wenn das Theater auf seinen heuftgen guten Niveau, und das heißt: überhaupt erhalten werden soll. Die Senkung des Etats von 11 auf 8 Millionen war nur möglich durch die Theaterliebe der in ihren Bezügen hart betroffenen Künstler und Arbeiter selber. Das vorjährigeDefizit von 2% Millllionen durch das restliche Vermögen des Theatervereins und durch einen Bankkredit überbrückt. Die laufende Spielzeit läßt sich trotz des Abgleitens der A'onne- menteinkünste um etwa 200.000 Kronen gut an. Dennoch wird ein zu gründendes Aktionskomitee nach Mitteln suchen müssen, um die Mindereinnahmen des Theaters(durch das Fort- i der allgemeinen Wirtschaftskrise und durch die Senkung der Subventionen) wettzumachen. Dr. Eger hofft, daß die Subventionslage sich bessern und daß dies dann im Zusammenwirken mit dem lebendigen Interesse des Publikums und aller theaterfördernden Institutionen die Grundlage für eine Sicherung des Theaters auf Jahre hinaus schaffen werde, ohne welche ausgedehntere Sicherung das vorbildlich arbeitende Personal den Druck nicht ohne weiteres länger so wie bisher aushalten, das Theater | überhaupt sein Niveau und damit seine Existenzgrundlage nicht halten könnte. Dr. Egers Vortrag, der alles in allem hoffnungsvoll klang und schloß, wurde von dem vollbesetzten Parkett des Saales außerordentlich beifällig angenommen; übrigens auck an der Stelle, an der er versicherte, daß er persönlich durchaus nicht auf Prag angewiesen sei, es aber für seine Aufgabe halte, das Theater weiter durch die schwierige Zeit hindurchzuführen,, ! Ein wenig vielleicht gegfn die Neigung des Vorsitzenden',' Herrsi Dt7.'W d kf''- Z'd e k a u e r, die Versammlung in dieser absoluten Einmütig- keit zu schließen, entspann sich dann doch eine Debatte, die vor allem von einem Herrn Dr. Popper bestritten wurde. Dieser wünschte, daß das manchem etwas langweilig erscheinende Repertoire mehr von der z e i t g e n ö s s i s ch e n Produktion beeinflußt würde; auch di-philharmonischen Konzerte mühten nach moderneren Gesichtspunkten gestaltet werden. Dieser und ein anderer Redner übten auch etliche Kritik am Theaterverein, an dessen Zusammensetzung und Gebarung; so wurde es bemängelt, daß der Theaterverein mit den Millionen des Erlöses aus dem Verkauf des Theatergartens nicht fürsorglicher umgegangen sei und nicht schon früher an Sparmaßnahmen gedacht habe. Herr Dr. Eger war in seiner Erwiderung auf die künstterischen Einwände glücklicher als die Debattenredner, die aber zweifellos in ehrlichster, theaterfreundlicher Absicht sprachen, so daß das Gefühl, die Mehrheit der Versammlung wende sich gegen sie, sofort und absolut wie gegen eine störende„Opposifton", nicht sehr angenehm war. Der Vorsitzende berief sich in seiner Erwiderung auf die Wirtschaftskrise und aus die Subventtonskürzung, die niemand hätte vorauS- ahnen können. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde zwar nicht vorbildlich parlamentarisch, aber doch auf demokratische Weise, nämlich im zweifellosen Sinne der Mehrheit der Versammlung angenommen, die jedenfalls bewies, daß das The-ierpu- blikum, so weit es in dieser Versanunlung ver- fteten war, voll Vertrauen undAner- kennung für die d e r z e i t i g e T h e a- terleitung ist. Und das ist ein Posirivum von nicht zu unterschätzender Bedeutung. g. Ocrlditssaal Weil sie Geld brauchten, gründeten sie— eine»Sparkasse" Betriebskapital: 1300 KL— Geprellte Einleger, schwerer KaittionSschwindel, phantastische „Tätigkeitsberichte"— Gilt elfköpfiges Konsortium vor dem Prager Strafgericht Im November 1932 fanden sich elf Leute zusammen, di« Dringend Geld brauchten. Das ist heutzutage nichts besonderes, aber diese'elf Herren hatten zur Behebung ihrer. Finanznot ein besonderoriginelles Mittel ausgedacht: sie beschlossen die Gründung einer Sparkasse. Dem gefaßten Entschluß folgte alsbald die.„gründende Versammlung', in welcher die als Genossenschaft konstituierte„Zivnostensko-Obchodnikä Zä- l o z n a"(Sparkasse für Gewerbe und Handel) auS der Taufe gehoben wurde, die am 18. Jänner 1933 ins Genossenschaftsregister eingetragen wurde. Schon der Anfang war verheißungsvoll. Die elf versammelten Gründer, die sich zugleich zum„Aufsichtsrat" ernannten, zeichneten„Anteile" zu je 100 K£, der Herr„Vorsitzende des Aufsichtsrates" sogar deren zwei, so daß sich ein „Betriebskapital" von 1300 K£ ergab. Rach diesem komödienhaften Auftakt nahm das„In- stitut" seine Tätigkett unverzüglich auf, deren Endresultat darin besteht, dqtz Montag die wackere Elf vor dem Strafsenat des OGR. K a i s l e r auf der Anklagebank saß unter Anklage des s ch w e r e n B e- Baracke niedergeriffen wird, dieses elende Mach-!seufzt im Schlaf. Der Vater liegt am Boden auf Werk einer„großen Zeit". Er braucht Arbeft für! der Matratze. Er döst bei offenen Augen. Berner einen tüchtigen Gerüster und eine Wohnung in einem schönen Haus. Zum Teufel, es müßte etwas geschehen I Aber es geschieht nichts. Der Makler Silber stein läßt jede Woche die paar Kronen Zins holen, für das Zimmer in der Baracke. So viel hatten wohl die ganzen Baracken einst gekostet, wie er jetzt Zins nimmt von ihren Bewohnern.. Damals waren die Gefangenen heimgeströmt und hatten nur ihr Ungeziefer und ihren Unrat zu- rückgelaffen. Ein paar Jahre später waren der arbeitslose Gerüster Berner und seine Frau Emilie noch froh gewesen, daß sie und ihr schreien des Kind und der alte Vater dieses schwache Dach Wer ihre Köpfe gefunden hatten. Nur durch dünne Bretterwände getrennt, schrien andere Kinder, fluchten andere Väter, weinten andere Frauen. Aber in den Nächten hörte man es kaum. Der Wind pfeift lauter und man weiß im Dämmer des Halbschlafes nicht, ob die Weiden singen oder Säuglinge wimmern. Nur wenn die eigene Frau! schluchzt oder das eigene Kind im Wind fröstelt,! das hört er und stellt sich schlafend und denkt dar über nach, daß er die Frau einmal geliebt hat. Damals war sie jung und braun und voll und hat allerhand Lieder gewußt. Sie hat nie gezittert, wenn das Gerüst schwankte, auf dem er stand. Sic hatte volles Vertrauen, daß jeder Tritt richtig ist und jeder Griff fitzt, wie die Küsse, die er ihr gegeben hat, genau zwischen die Augen. Jetzt fft sie mager und zänkisch und hat den zärtlichen Blick verloren. Sein Vater sitzt dumpf in einem Winkel und mahlt trockenes, dürres Brot zwischen den Zähnen. Berner steigt durch das Fenster in die | Baracke. Soll er schlafen oder soll er noch herum- I gehen? Die Frau liegt im Bett und das Kind Ein inzwischen verstorbener Arzt brauchte 30.000 Kf und verpfändete zwei Lebensbersiche- rungspolizzen. lautend auf 50.000 und 25.000 Kö. Obwohl ausdrücklich vereinbart war, daß diese Ber- sicherungSdokumente nicht weiter verpfändet werden sollten, verschaffte sich doch der Herr„Obmann des Auffichtsrates" Baumeister Kadlec unter Verpfändung dieser Polizzen zweimal 25.000 KL. von denen er aber dem Arzt nur 10.800 KC auszahlte und den Rest einsteckte. Da er aber den anderen„AufsichtS- räten" von diesem Geschäftchen nichts abgab, wurde er von ihnen„suspendiert", was gewiß ein köstliches Stückchen ist/ Wenn jemand eine Hypothek aufnehmen wollte, erschien der Herr Vorsitzende Kadlec mit dem Maurermeister Rudolf unverzüglich, um eine „Schätzung" der Realität vorzunehmen, wobei sie stets die Schätznngsgebühren auf der Stelle«inkas- sterten und sich weiter um die Sache nicht bekümmerten. Obwohl diese„Geschäfte" über ein Jahr ganz hübsch glatt verliefen, war die„Sparkasse" schließlich doch genötigt, auch noch zu anderen EinnahmS- quellen zu greifen.. Man begann^Persoual aufzu n ehmen und.von den Anwärter» Kautionen herauSzupressen. Drei Beamte, denen eine ftre Anstellung versprochen wurde, erlegten Beträge von 25.000, 3000 und 9500 AL und zwei Nnterbeamte warfen der Gesellschaft 10.000»nd 3000 XL in Rachen! Aus diesen Kauttonen holte sich zuerst einmal Herr Obmann die vorgestreckten Gelder herein. Ilm das Gaukelspiel voll zu machen, fand im März d. I. eine„Generalversammlung" statt, an der 14„Genossenschaftsmitglieder" teilnahmen und bei welcher der Angeklagte Josef „Tätigkeitsbericht" erstattete, in Nmrde, daß das Schwindelunter» «eitel« „Sozialdemokrat" Dienstag, 6. November 1934. Nr. 290 KAUFET HAUSSCHUHE! Echtes Schaffell Für Herren XL 12.- Sehr warme Leder-Pantofell mit Schaffell-Futter. Warme Filzhausschuhe. Gr. 27-35 Kc 12. Für Damen Kc 25. Für Herren KE 29. ACHTUNG, DASS SICH DIE KINDERN NICHT VERKOHLEN. Verschiedenfarbige Hausschuhe aus ram warmem Filz. Gönnt Euch und Euren Kindern Bequemlichkeit in unseren Hausschuhe! Kd für den Bau von Gemeindehäusern in Holesovice-Bubny von der Zentralsozialversicherungsanstalt in Prag, ferner eine Kommunalanleihe für Zwecke des Straßenbaues im Betrage von einer halben Million Kc bei der gleichen und eine Anleihe von 1,300.000 Kc beim Verein Krematorium. Kunst und Wissen „Das Konzert" von Hermann Bahr, im Frühjahr zum Bühnenjubiläum Leopold Kramers neu inizssnierr. wurde mit einigen unwesentlichen Neubesetzungen wieder^ in den Spielplan ausgenommen^ Neben Kramers der in der Rolle des alternden, immer noch von den Frauen umschwärmten Klaviervirtuosen wieder seine liebenswürdige Ueberlegenheit spielen ließ, machten sich vor allem Hans'Götz und Gerda Meller um die Aufführung verdient. Neu waren Emmy Carpentier als das romantisch- sentimentelle und Lilli Bader als das hysterische dumme Gänschen; ohne ihre Rollen mit persönlichen Zügen auszugestalten, fügten sich Frau Carpentier und Frau Bader in dgs Zusammenspiel klaglos ein- F..R. Kammermusik. Der Deutsche Kammermusikverein hatte sein sonntägiges Kammermusik-Konzert dazu benützt, dem großen Wiener Musikrevolutionär Arnold Schönberg zum sechzigsten Geburtstag eine nachträgliche Ehrung zuteil werden zu fassen; durch Aufführung eines seiner letzten und radikalsten Werke, des Streichquartettes III, Opus 30. In dieser Komposition find die Grundsätze der neuen Lehre Schönbergs nur in der Form ihrer Viersätzigkeit die übliche Kunstordnung;'aber auch diese Form ist erweitert und vielfältig modifiziert, müßte eigentlich gar nicht da sein. Denn satztechnische Zusammenhänge und Beziehungen sind nur theoretisch vorhanden, kommen praktisch nicht zum Bewußtsein des Hörers. In schroffem Gegensatz zu dieser modernsten Musik Schönbergs standen die Vortragsnummern der zweiten Abteilung des Konzertes: Ludwig van Beethovens D-Dur-Streichquartett, der selten gehörte einzelne Streichquartett-Satz in C-Moll von. Franz Schubert und Hugo Wolfs„Italienische Serenade" für Streichquartett. Um die Durchführung des Programms hatten sich die vorbildlichen Künstler de s W i'e'n e r(K ol i s ch-) Streichquar- t e t t es, die Herren K o l i sch, Khuner, Lehne r und H e i f e h verdient gemacht, die man erst kürzlich'in einem Prager Konzerte bewundert hat und die auch diesmal durch die schlechthin vollkommene Art ihres Zusammenspiels und ihrer leidenschaftlichen Musikalität- begeisterten.— Am Abend vorher hatten die Wiener Künstler in einer Aufführung zeitgenössischer Kammermusik neben dem erwähnten Schonbergschen Streichquartett ein Streichquartett voy■ dem bedeutenden Schönberg-Schüler Alban B e r g und ein Streichquartett eines neuen Wiener Tönsetzers Leopold Spinner gespielt. E. I. Im Stadttheater Teplitz-Schönau kam am Samstag Hans Schuberts„Borstadtkomödie" zur tschechoslowakischen Erstaufführung. Das Stück folgt der im gegenwärtigen dramatischen Schäften sehr beliebten Terwenz, die Restgüter der Menschlichkeit und Moral in den armseligen Winkeln des Stadtrandes aufzustöbern, wo das vom Leben abgedrängte Kleinbürgertum freundnachbarlich mit dem Proletariat ein mühseliges Ausgedinge gefunden hat. Sudermanns Gegenüberstellung von Vorder- und Hinterhaus ist damit räumlich gewachsen, ohne damit einen besonderen literarischen Mehrwert zu schaffen. Die Gestalten der„Peripherie" werden lebendig, Erinnerungen an den Ferry Pistora tauchen auf und wenn die Tür zur Stube des Uhrmachers Bgumstingl geöffnet wird, hört man Stück um Stück die Weisen der„Straßenmusik". So erbebt sich aus lang vertranten Melodien die Legende vom einsamen, polternden, guten Alten, der einem vom Leben gehetzten Mädel Herberge gibt und es der jungen Liebe überlassen muß just in dem Augenblick, da er an ein eigenes Glück zu glauben beginnt. Karl Nanninger hat das Stück ganz in Wiener Volksart aufs gewissenhafteste inszeniert, Viktor S a x I und Emmi Gruß haben in den führenden Rollen mit dem vollen Einsätze künstlerischer Hingabe den bedeuffamen Erfolg bestimmt. Vom Publikum wurde das Stück sehr beifallsfreudig ausgenommen. E. Th. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute Dienstag, abends 8 Uhr: Die Schaukel: Gastspiel Werbezirk, Al.— Mittwoch halb 8: F id e li o. B 2.— Donnerstag 8: Daslebens- längliche Kind, Gastspiel Leop. Kramer, C 2. — Freitag halb 8: Die Brautvön Messina, Gastspiel Hedwig Bleibtreu, Dl.— Samstag 3: Braut von Messina, Gastspiel Hedwig Bleibtreu, Schülervorstellnng, halb 8: DieHugenot- ten, B 2. Wochenspielplan der Kleinen Biihne. Heute Dienstag halb 8: Das lebe ns längliche Kind, Gastspiel Leopold Kramer.— Mittwoch 8: HochklingtdasLiedvombravenMann. — Donnerstag 814: Sensationsprozeß.— Freitag 8: Hoch klingt das Lied vom braven Mann.— Samstag^Schottenring, Gastspiel Werbezirk, Abschiedsvorstellung. Sport• Spiel» Körperpflege Wintersportler-Querfeldeinlauf des Verbandes der tschechischen Arbeitertouristen Am Sonntag wurde in Mechenic der von der Prager Skisektion der ffchechischen Arbeitertouristen vorbereitete Querfeldeinlauf durchgeführt. Am Start waren trotz kaltem Wetters 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschienen. Die Männer durchliefen eine Strecke von acht Kilometern, die der Frauen betrug drei Kilometer. Die Ergebnisse: M ä n n e r: 1. Takacs 25:51 Min., 2. Stanek 28:15 Min.— Frauen: 1. Hofmanova 15:03 Min., 2. L. Chme- lovä 15:35 Min.— In den Kategorien der^A n- bänger siegten bei den Männern Konicek in 25:2s Min. und bei den Frauen Foitova(beide Trampsiedlung Mravenci) in 14:23 Min. Ihre Zeiten waren die besten der Veranstaltung. Das Prager Derby torlos! Die sonntägige Ligarunde stand im Zeichen der Begegnung S l a v i a—-S p a r t a. Von einem schönen Fußball war nicht viel zu sehen; es war ein Kampf von Mann zu Mann um den Ball, mit dem Endziel: Tor... aber daraus wurde nichts. Beide Hintermannschaften waren auf der Hut. Doch, ohn« Planicka wäre diesmal Slavia geschlagen'worden. Spartas Team zeigte sich viel kampffreudiger, hatte im Feldspiel die erste Halbzeit für sich— vor dem Tore war aber kein Schütze, der die sich bietenden Chancen verwertet hätte. Sogar ein Elfer wurde verschossen! Slavias Team kam erst nach der Paus« etwas in Schwung, ohne jedoch den Angriffsgeist der Spartaner hemmen zu können, welche durch zwei verletzte Spieler gehandicapt waren. Für Sparta ist das 0:0 ein Heiner Erfolg, denn insgeheim war Slavia der Favorit. Schiedsrichter war erstmals Pfützner(Karlsbad), der sehr korrekt war. Das zweite interessante Match ging im Danner- stadion zwischen Bohemians und Zidenice vor sich. Auch hier langte es nur zu einem Unentschieden von 1:1, nachdem die Platzbesitzer bis lange nach der Pause mit 1:0 in Führung lagen. Die Brünner waren komplett, während bei den Hausherren Bejbl noch fehlte. Es war ein harter Kampf um die Punkte und der Schiedsrichter hatte genug zu tun. Zidenice war wohl das bessere Team, aber der Angriff war auffallend sehr schußschwach, besonders Tichy, welcher zu langsam war und einige sichere Chancen dadurch«vergab. Die Wrschowitzer gingen aufs Ganze und erreichten damit, daß der Gegner Respekt bekam. Ihr bester Mann war der Verteidiger TyrpeH, E. Eine Ueberraschung gab es in Proßnitz, wo die Pilsener Viktoria durch dös stsstemlose Spiel ihres Angriffes verdient mit 2:4(0:3) vom SK. geschlagen wurde. In Pilsen konnte auch die E e ch i e Kar- lin zu keinem Erfolg kommen; SK. Pilsen gewann verdient 4:1(2:0). Der Prager DFC. holte sich in Kolin vom A F K. die beiden Punkte durch einen 2:0- (0:0)-Sieg. SK. Kladno schlug auf eigenem Platze den Teplitzer FK. 3:0(2:0). Patzelt im Tor verhütete eine größere Niederlage. Der Sturm der Teplitzer war der größte Versager. Exekutiv« des TFK 1« Kladno Der Teplitzer FK. hatte in Kladno gleich zwei Verluste aufzuweisen. Außer den verlorenen zwei Punkten verloren die Teplitzer auch ihren f i n a n ziellen Anteil aus dem Spiele. Auf dem Sportplätze des SK. Kladno erschien nämlich ein Exekutor im Auftrage der Bezirkskrankenkasse in Teplitz-Schönau, welcher den Anteil des TFK. in der Höhe von 1850 Kc mit Beschlag belegte. Die Teplitzer müßten demnach ohne Punkte und ohne Geld nach Hause fahren...— Was wir diesmal vollkommen in Ordnung finden! Gchttda int Westgau Der Marienbader FK. soll sich in voller Auflösung befinden. Als Protekttonskind des Westgaues wurde er erstklassig(!) und heute besitzt er keine Mannschaft mehr. Die Spieler sollen finanzielle Forderungen gestellt haben und, als sie nicht bewilligt wurden, einfach dem Verein davongelaufen sein! Die übriggebliebene Klubleitüng konnte daraufhin nichts besseres tun, als den Laden zu schließen. Das war aber der Westgauleitung nicht recht und um die Komödie vollends zu vervollständigen, ordnete diese an, daß der Marienbader FK. das fällige- Spiel gegen DFK. Tachan anstra- gen muß. Dieses Schildbürgerstückchen brachte die Tachauer und den Schiedsrichter wohl auf den Ma» rienbader Platz, aber sonst war nichts da, mit dem gespielt werden konnte. Und ohne Entschädigung mußten die Gekommenen die Heimkehr antreten! Der Verbandstnq des DFB. soll im Jänner in Karlsbad stattfinden, so lautet der Beschluß de? Vollzugsaus'chusses, der in Prag eine Sitzung av- hielt. Die Krawalle und Skandale der letzten Zett ans den Sportplätzen, besonders im W e'st g ä st.nnirde'n mim dnrchlleraken und devB e-' schluß gefaßt— eine Kommission zu wählen(was gleich geschah). welche dem Verbandstag genaue(!) Vorschriften(!!) auszuarbeiten hat... Die Spiele in den Divisionen. D F V.: DSV. Saaz erzielte in Bodenbach gegen SpVg. nur ein 2:2(2:2).— Mittelböhmen: An der Spitze steht mm Viktoria Zißkov, welche CAFC. 3:1 (3:0) schlug. Wettere Ergebnisse: Libeü gegen Raudnih 0:0, Meteor VIII gegen Cechie VIII 5:3 (3:1), Rapid gegen Sparta Kladno 4:1(3:1), Ruselsky SK. gegen Sparta Kosir 2:5(2:2)!, Eechoflovan Kosik gegen Lissa 2:1(2:1).— Böhmen- L a n d: SK. Nachod gegen Rokitzan 3:0 (1:0), und ist damit endgültiger Spitzenführer; V.-Budweis gegen Königgrätz 2:2(1:0), Pardubitz gegen Horowitz 2:2(1:0), Rakonitz gegen Kopisth 4:1, Königinhof gegen Olympia Pilsen 4:3(2:1), Jungbunzlauer SK. gegen"Petkin 4:1. Mitteilungen aus dem Publikum. Beffer um Diana Bollmilch-Malzdrops laufen, als teure Medizin zu kaufen. Sonstige Fußballergebnisse. Karlsbad: KFK. gegen DFK. Aussig 6:0(3:0).— Komotau: DFK. gegen Slavia Karlsbad 6:2(2:1).— Brüx: SK. Sous gegen DSK. 4:1(2:1).— B.- L« ipa: DSV. gegen DSK. Gablonz 5:1(1:0). — Reichenberg: RFK. gegen Polaban Rim- burg 2:2(2:1), DSV. gegen DSK. Haida 3:3 (2:1).— Warnsdorf: WFK. gegen SK. Grot- tau 7:3(4:1).—Rumburg: DSV. Trautenau gegen FK. 5:0(2:0).— Karwin: Budapester Elf gegen Polostia 3:2(1:1).— Preßburg: §SK. gegen Hungaria Budapest 1:1(0:1).— Budapest: Budai gegen Ferencvaros 2:1!— Wien: Rapid gegen FC. Wien 3:3(2:1)!, Fav. SK. gegen Sportklub 2:0(2:0), Wacker gegen FAT. 8:4(4:1), WAC. gegen Libertas 8:2(2:2).— Bern: Holland gegen Schweiz 4:2(4:1).— Genf: Ujpest Budapest gegen komb. Team Ser- vette, Grashoppers und FC. Bern 1:0(0:0).— Differdingen: Schweiz B gegen Luxemburg 3:3(2:01. Der Verband deutscher Schwimmverein der Tschechoslowakei trug in BreSlau«inen Verbandskampf mit dem Gau Schlesien des D. Schw.-V. aus und wurde mit 114:76 Punkten geschlagen. Das Wasserballspiel brachte den einzigen Erfolg der Su- detendeutschen. und zwar mit 7:6. Di«- Staffeln wurden, alle von den Nazis gewonnen. Im Rahmenprogramm stellte Würfel(Teplitz) über 200 Meter Brust für Frauen mit 3:17.6 Min. einen neuen tschechoslowakischen Rekord auf. Eishockey. Paris: Francais Volants gegen Wiener Team 3:1(1:0, 1:1,1:0).— München: Stade Francais Paris gegen Rieffersee 3:3 und gegen Nattonalteam 1:2. I Aufruf! Die Notlage im Erzgebirge hat einen unvorstellbaren Grad erreicht und wenn sich nicht rechtzeitig ausreichende Hilfskräfte finden, könnte der Augenblick, kommen, in dem eine große vormals blühende Provinz zur Verzweiflung gettieben wird. Die Lage ist am besten durch einen Brief aus dem Hungergebiet charakterisiert, in dem dargelegt wird, daß vormals ehrliche Familienväter gezwungen sind,, auf Diebstahl auszugehen oder mit samt ihren Familien zu verhungern. Eine Umftage bei Schulleitungen hat ergeben, daß der größte Teil der Kinder ohne Frühstück in die Schule kommt und auch kein warmes Mittagessen erhält. Der herannahende, wahrscheinlich harte Winter, wird die Bevölkerung ohne die nöttgste Kleidung und ohne Beheizungsmöglichkeit antreffen. Schon heute können viele Kinder mangels Schuhwerk die Schule nicht besuchen. Die Unterzeichneten, von denen ein großer Teil schon in früheren Jahren ein Hilfswerk fürs Erzgebirge organisiert hat, wollen heuer in erster Linie den hungernden Kindern Brot und Kleidung verschaffen. Wir wenden uns mit diesem Aufruf an die breite Oeffentlichkett, ohne Unterschied von Nation und Glauben. Die Parole heißt: *10.000 Brote fürs Erzgebirge! Spenden.an Geld, Kleidern, Schuhen und Lebensmitteln erbitten wir an: Frau Marie Bobeckä, Prag I, Dlouhä tk. 47(Velka Opereta). Geldspenden-Konto: 52041 Böhmische Escompte- Bank und Credit-Anstalt, Prag.(Mit dem Vermerk: für die Kinder des Erzgebirges.) Dr. Max Brod, Dozent MUDr. Hugo Hecht, Oskar Baum, Schriftsteller, Karel Benes, Architekt, Hermine Bienenfeld, Marie Burianova, Karel Dostal, Regisseur des Nationaltheaters, Dr. Emil Faktor, Dr. Hugo Feigl, Emil Filla, Ak. Maler Jiri Frejka, Regisseur des Nattonaltheaters Rudolf Fuchs, Schriftsteller Dr. Jan Gallas, Frant. Halas, Schriftsteller, Gertrud Hofrichter, Mira Holzbachova, Milena Hrd- liökova, Prof. G. F. Hüttig, Josef Kopta, Schriftsteller, Jaroslav Kriäka, Komponist, MUDr. Otto Lampl, Loisa Landova-Stychova, MUDr. Otto Läufer, Max Liebl, Direktor, des Deutschen Theaters, Dr. Georg Akannheimer, Helena Malyrova, Schriftstellerin, Jng. DlMerova, Prof. Dr. Zdenek Rejedly, Jng. Nesiba, Ernest Neuschul, ak. Maler, Ivan Ol- bracht, Schrifffteller, Pera Petiikova, Jng. B. Prkrhl, ZdLnka Prikrylova-Nesibova, Dr. Rabl, Dr. R. Rabl, MUDr. Anni Ruß-Münzer, Vera Sojkova, Prof. F. st. Saida, Erwin Schulhoff, Komponist, Dr. G. Stastnä, Tuckovä, Fritz Ball, Deutsches Theater, Prof! Gutta Beidl, Olga Vojääkovä, Vojääek, Sl. Bondräckovä, B. Bydra, Oskar Wiener, Ant. Zmrhal. „krrlekunzs- und propszsnds mlttel der Gegenwart“ Ein kulturpolitischer Kursus des Bezirksbiliwngs- ausschuffcs der DSAP in Prag. Der Bildungsausschuß der Bezirksorganisatiou, Prag veranstaltet, anknüpfend an den im Frühjahr absolvierten Kurs„Kulturfragen des Sozialismus" in den Monaten November und Dezember- einen aus sechs Vorträ gen mit anschließender Diskussion bestehenden Zyklus Erziehungs- und Propagandamittel der Gegenwart- Der Bildungsausschuß glaubt mit diesem Thema ein Gebiet erfaßt zu haben, dem man in unserer Zeit größte Beachtung widmen muß und das für den denkenden Sozialisten eines der interessantesten und wichtigsten Arbeitsgebiete darstellt. Die Erfolge des Fascismus sind zum großeg Teile seiner systematischen Arbeit auf dem propagandistischen und deni Felde der Erziehung zuzuschreiben. Der Bortrags- zhklus, der die Hauptprobleme der g«i- stigen Machtpolitik in den Vordergrund der Betrachtung rückt, wird dem polittsch wie dem kulturell interessierten Genossen Belehrung und Anregung bringen. Der Zyklus enthält folgende Vor- ttäge: 1. Die Schule als Grundlage der Volkserziehung (Professor Paul Fürstenau, Reichenberg) 2. Das gedruckte Wort(Josef Hofbauer) 3. Die Bedeutung der Musik im Völkerleben (Min.-Rat Prof. Kestenberg) 4. Großmacht Rundfunk(L. Goldschmidt) 5. Der Rassenwahn(Dr. E. Franzel) 6. Die Frau und die Politik(Dr. Karla Schtvelb) Der erste Borttag findet Donnerstag, den 15. November, statt, die weiteren am 22. und 30. No» vember und am 6., 13. und 20. Dezember, mit Ausnahme des dritten Vortrages also jeweils Donnerstag und ebenfalls mit Ausnahme des dritten, der in der Urania stattfinden wird, immer im Parteiheim. Närodni tk. 4. Regiebeitrag für den ganzen Kurs(bei Beginn zu erlegen) 10 Kc, für den einzelnen Vortrag 3 Kc. Anmeldungen(auch von Nichtmitgliedern der Partei) sind zu richten an L. G o l d s ch m i d t. Redaktton des„Sozialdemokrat", Prag XII. Fo- chovä 62. Ich melde mich hiermtt als Teilnehmer(in) zu dem Kurs des Bezirksbildungsausschusses(alle 6 Borträge) zu folgenden Einzelvorträgen des Kurses. Unterschrift und Adresse: Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährig KC 48— halbjährig KC 96— aan-ttäbi-w icz 109—J“ laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarkem— Die Zeitunasffankatur 1 hLh* hon Telegraphendirektton mit Erlaß Nr. 1S.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei: ,F)rbis", Baxd-, BerlaoS°"urde von der Poft, und