Mittwoch, 7. November 1934 14. Jahrgang Nr. 261 IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova 42. telefon 53077. Administration telefon sm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis TOlNIter ^einschließlich 5 Heiter Porto) Zwei JKinifterreden Malypetr und Benes über die Politik der Tschechoslowakei Gestern haben in den beiden Häusern des Parlamentes sowohl der Ministerpräsident als auch der Minister des Aeußern das Wort ergriffen, wobei der Ministerpräsident sich mit den wirt- schafts- und innenpolitischen Problemen befaßte, während die Ausführungen des Ministers Benes naturgemäß der auswärtigen Politik galten. Der Kampf gegen die Wirtschaftskrise ■ Die Rede des Ministerpräsidenten war von einem, wenn auch nüchternen Optimismus getragen. Was die Wirtschaft der Tschechoslowakei betrifft, glaubt der Ministerpräsident eine„andauernde Wendung zum Bessern" beobachten zu können. Er stützt diese Auffassung darauf, daß während in der Zeit von 1829 bis 1933 die Verluste der Tschechoslowakei im Außenhandel verhältnismäßig größer waren als der Rückgang des europäischen Handels, das Jahr 1934 eine Wendung gebracht hat. In den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres ist nämlich, so führte Malypetr aus, die Ausfuhr Europas gegen dieselbe Zeit des Vorjahres um fünf Prozent zurückgegangen, wohingegen die Ausfuhr der Tschechoslowakei (in Golddollars) einen Aufstieg von fast fünf Prozent aufweisen konnte. In den ersten Monaten 1934 ist die Ausfuhr um fast eine Milliarde Kö höher als ein Fahr vorher. Ebenso Tann man in h«r Produktion selbst einen gewissen Aufstieg verzeichnen. Von Jänner bis September betrug die Mehrproduktion bei Roheisen 21 Prozent, bei Röhstahl.28, bei Koks/8, bei Steinkohle 1, bei Braunkohle 1.33 Prozent. ' Freilich hat der Ministerpräsident aus diesen Feststellungen keine übereilten Folgerungen gezogen. Er ist sich dessen bewußt, daß diese geringe Besserung ihn als verantwortlichen Staatsmann nicht sorglos machen darf, sondern daß weitere Anstrengungen notwendig sind, um eine durchgreifende Besserung der Verhältnisse zu erzielen. Er hat zugegeben— und das ist für einen bürgerlichen Politiker immerhin schon etwas— daß der freie Kapitalismus selbst nicht imstande ist, die wirtschaftlichen Verhältnisse so zu gestalten, daß die Menschen dabei leben können. Er hat hervorgehoben, daß eine Regulierung der Erzeugung und des Absatzes notwendig ist und hat hiebei in erster Linie auf den Bergbau hingewiesen, weil nur so riye stärkere Beschäftigung der Bergarbeiter möglich ist. Er hat von der Notwendigkeit der Arbeits- öeschaffung gesprochen, wobei man den Arbeitern und Angestellten angemessene Löhne und Gehälter geben muß und er hat gesagt, daß die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die„erhöhte Aufmerksamkeit und zähes Bestreben aller Verantwortlichen" erheischt. Für uns besonders bemerkenswert ist das Zugeständnis des'Ministerpräsidenten, man müsse dort helfen, wo es den Menschen am schlechtesten geht und wo die Krise am längsten gewütet habe, was aufden größtenTeildesdeut- fchen Siedlungsgebietes der Re- p u b l i l't u;i r ifft. Es wird die Aufgabe der Partei und ihrer Vertreter in der Regierung und m den öffentlichen Körperschaften sein, mit aller Kraft fich um die Verwirklichung dessen zu bestre- l>en, was hier der Ministerpräsident versprochen hat, zumal er selbst an jener Stelle seiner Rede, wo er von der Notwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit gesprochen hat— auch das wollen wir zustimmend zur Kenntnis nehmen— erklärte, wän müsse von den Worten zu Talen übergehen. Ebenso finden sich in der Bede des Ministerpräsidenten Stellen, wo er die Notwendigkeit der Regelung der Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkte, der Arbeitsbeschaffung für die Jugend, der Erhöhung der Bautätigkeit, der Regulierung der Verhältnisse auf dem Kreditmärkte Sugibt, alles Maßnahmen, die in unserem Ausst- ger Kampfplan enthalten sind upd wofür 90.000 Deutsche am 4. November Mfionstriert haben. Pür die Demokratie Auch an dem, was der Ministerpräsident über die Zustände in der Innenpolitik gesagt hat, wollen wir nicht achtlos vorübergehen. Es ist selbstverständlich, daß der Vorsitzende einer Koalitionsregierung die Notwendigkeit des Ausgleiches der Interessen der verschiedenen Bevölkerungsklafsen betont und es ist richtig, wenn er das heutige Regierungssystem als das zweckmäßigste und zuverlässigste für den Ausbau der Demokratie und als die beste Sicherung der Republik hinstellt.„Wir stehen auf dem Boden der Demokratie", so sagte Malypetr unmißverständlich,„wir werden sie zu verteidigen wissen gegen jeglichen Versuch um eine andere Staatsform, von welcher Seite immer er kommen mag". In der Verteidigung der Demokratie wird der Ministerpräsident die deutschen Sozialdemokraten an seiner Seite finden, die am allerwenigsten gemeint sind, wenn der Ministerpräsident von der Loyalität ohne Vorbehalte gesprochen hat. Daß damit nur der getarnte Fascis- mus Henleins gemeint sein kann, liegt auf der Hand. Mag auch der Ministerpräsident nicht, wie es ein Sozialdemokrat getan hätte, über die sozialpolitischen Probleme der industriellen Arbeiterschaft und jener Schichten, deren Wohl und Wehe von dem der Arbeiter abhängt, gesprochen hat, er hat die Bedeutung der sozialen Notlage der Arbeiterschaft anerkannt und die Notwendigkeit betont, den Menschen Arbeit und Brot zu beschaffen. Darin kommt zum Ausdruck, daß der M i n i- st erpr äsident alsChef einer Koalitionsregierung gesprochen hat, inwelcherdieSozialdemofra- t e n ihr en Ei n f l v tz zu wahren w ITH« Die AuBenpolltlk Nach dem Ministerpräsidenten sprach Außenminister Benes, diesmal etwas kürzer als sonst, denn über viele der Probleme, die der Außenminister nur gestreift hat, wird noch verhandelt und wir verstehen es sehr gut, wenn Benes nicht mit der Ausführlichkeit, wie sonst über alle auswärtigen Fragen gesprochen hat. Man denke an die Auswirkungen des Marseiller Attentates, an das Verhältnis zu Polen, an das Saarproblem, an Oesterreich. Eine Reihe dieser Fragen sind für die Zukunft Europas,und für den Frieden der Welt nicht unwichtig. Der Gefahrenherd Europas für die nächsten Monate ist wohl das Saargebiet. Wenn auch Minister Benes sowohl in der österreichischen, als auch in der Saarfrage an eine friedliche Lösung glaubt, muß er doch zugeben, daß der Kampf um die Saar«in naher Zeit Komplikationen ernstesten Charakters Hervorrufen" könnte. An anderer Stelle spricht er davon,„daß die internationale Situationernsti st." Beachtung werden auch die Ausführungen Penes's über Polen Hervorrufen. Es ist seft der Gründung der Tschechoflowakei Wohl noch nicht vorgekommen, daß der Außenminister unseres Landes Polen gegenüber den Ausdruck der„gegenseifigen politischen Reserviertheit" gebraucht. Er will zwar über Polen nicht zu Gericht sitzen,„weil es die Politik»seiner Interessen, wie es sie versteht, verfolgt" aber er betont, daß auch die Tsche- choftowakei jene Politik machen werde, die ihr das Lebensintereffe und die Würde des Staates befehlen. Neben den Schattenseiten der internationalen Situafion hat der Minister auch ihre Lichtseiten hervorgehoben. Dazu zählt er, was wir besonders erfreulich finden, den Beitritt Sowjetrußlands zum Völkerbund, den er als den Eintritt der Sowjetunion„in die Gesellschaft der übrigen Völker" charakterisiert und dem er die Bedeutung zumißt, daß nun Rußland an der europäischen Polifik teilnehmen werde. Das ergibt auch eine Annäherung zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei, die wir auch für die Wirtschaft unseres Landes nutzbar machen müssen. Als ein wefteres gutes Zeichen der internationalen Situation bezeichnet Benes d i e Z u- sammenarbeit zwischenEnssland und gra n k r ei ch, von welcher er nicht weniger erhofft, als die Rettung des europäischen Friedens. Für den Frieden In ein Bekenntnis zum europäischen Frieden klang auch die Rede des Ministers aus. Trotz aller Gefahren, die Europa bedrohe», will Benes zielbewußt und optimistisch an der Erhaltung des europäischen Friedens arbeiten, gemeinsam mft Frankreich, mit dem die Tschechoflowakei, wie Benes sagt, die Einigkeit verbindet„in den Anschauungen über die Weiterentwicklung Europas, die Gemeinsamkeit der Ideale der Freiheit und Demokratie und die Gemeinsamkeit des Kampfes für die Ziele und Ideale des Friedens und der Humanität". Wie schicksalsschwer die nächste Zeit sein wird, geht aus der Anschauung des Ministers Benes hervor, daß das Jahr 1935 für Europa und für uns immer noch ein schweres Jahr sein und daß in diesem Jahre über das Schicksal Europas entschieden werden wird. Wir zweifeln nicht daran, daß ein Mann wie Benes seine ganze Kraft, seinen Einfluß und seine Intelligenz verwenden wird, um— was in den Kräften des Außenministers eines kleineren Staates steht— zu tun und den europäischen Frieden zu sichern. Sowieder Ministerpräsident an der deutschen Sozialdemokratie einen Bundesgenossen finden wird, w e nn er die Demokratie gegen alle ihre Feinde verteidigen wird, so wird die deutsche Sozialdemokratie, die am 4. November ihre Kraft gezeigt hat, eine sichere und verbläßliche Stütze für den Außenminister im Kampf um den europäischen Frieden und damit für die Fortentwicklung der menschlichen Kultur sein. Malypetr: Dcmohraflsdic Zusammenarbeit Prag. Die beiden Exposees des Ministerpräsidenten und des Außenministers, die am Dienstag vormittag im Abgeordnetenhaus und nachmittags im Senat vorgrtragen wurden, fanden in beiden Häusern aufmerksamste Zuhörer und wiederholten reichlichen Beifall, gegen den vereinzelte kommunistische Zwischenrufe völlig bedeutungslos blieben. Eine politische Würdigung der beiden bedeutungsvollen Kundgebungen finden unsere Leser an leitender Stelle. Im Abgeordnetenhaus wurde sofort die Debatte—- auch über das kürzliche Exposee Dr. Trapls— eröffnet, iu der' bereits Koalitionsrcduer der ersten Garnitur, darunter der tschechische Genosse H a m p l, zu Wort kamen. Die Debatte wird Mittwoch fortgesetzt und soll Donnerstag so beendet werden, daß am selben Tag auch noch der Budgetansschuß dir Verhandlung des Budgets aufnrhmrn kann, zu dessen Verhandlung dem Abgeordnetenhaus insgesamt nur knapp ein Monat zur Verfügung steht. Der Senat wird die Aussprache über die Exposees am Mittwoch nachmittag aufnehmen. Der polifische Teil der»Rede Malypetrs, in dem er zunächst die Friedensbereitschaft unseres Staates betonte— nicht ohne die Notwendigkeit ausreichender Maßnahmen zu seiner eventuellen Verteidigung zu unterstreichen, sei zunächst vorweggrnommen: Außen- wie innenpolitisch benötigen wir eine friedliche Entwicklung: Die Erfahrungen aus andere» Ländern belehren»ns geradezu anschaulich von der Schädlichkeit der politischen Leidenschaften und von der Notwendigkeit einer bedächtigen und vernünftigen Politik, die vor allem um das Staatsintereffe besorgt und die auch auf» die ausglrichende Gerechtigkeit bei den verschirdenattigen Interessen wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Natur bedacht Ist. Wir halten dieses Prinzip der Zusammenarbeit für das zweckmäßigste und für das zuverlässigste für den Ausbau der Demokratie und für die beste Sicherung der Republik. Selbst wenn wir niemals vergessen werden, daß das tschechoslowakische Volk aus eigener Kraft seine Unabhängigkeit erneuert und, diese Republik errichtet hat und daß dieses Volk den Staat für die ganze Zukunft erhalten will, s o b e g rÜßen wir doch die Z usamm enarb ei t unser er nationalen Minderheiten, von denen wir nichts anderes verlangen als loyale Anerkennung dieserhistorisch en Ta tsachen. Sie müssen aber auch alle Bestrebungen und Versuche aufgeben, um eine Aenderung dieser Tatsachen herbeizuführen. An Henlein u. Comp. Wir stehe» a»f dem Bode« der Demokratie und wir werde« sie zu verteidigen wissen gegen jeglichen Versuch um eine andere Staatsform, von welcher Seite immer er kommen mag. Wir werden dies von allen denjenigen«erlangen, die a«f Grund unserer demokratischen Ordnungen die Gleichberechtigung im politischen Leben besitzen. Wir werden aber auch keine anderen BersprechnngenderlohalenZnsam- menarbeit anerkennen als nur diejeni gen, die an keine besonderen Vorbehalte und Bedingungen geknüpft find.(Beifall.)- Parteiregistrierung Um di« ruhige Entwicklung zu sichern, wird die Regierung den gesetzgebenden Körperschaften Gesetzesvorlagen und Maßnahmen vorlegen, durch die der■ Mißbrauch der demokratischen Rechte zu jeder Art von Zersetzung des Staatslebens, zur Bedrohung der verfassungsmäßigen territorialen' und legislativen Einheit des Staates,' seine republikanische Staatsform sowie zur Zersplitterung der politischen Kräfte verhindert werden soll. Die Demokratie ruft Gruppierungen je nach den polifischen, wirtschaftlichen, nationalkulturellen und sozialen Interessen hervor, welche Entwicklung wir nicht behindern wollen. Wir wollen aber festere politisch-rechtliche Grundlagen durch das Gesetz über Registrierung der politischen Parteien und der Wahlgruppen schaffen, wobei ihre innerparteiliche Entwicklung, ihre demokratische Ordnung und ihre zentrale ent- scheidendt und politische Führung ge« : sichert wird. Insofern dazu Aenderungender Wahlordnungen und Aenderungen in den Gesetzen notwendig sein werden, werden diese auch verwirklicht werden müssen. Wir hoffen, daß diese Bestrebungen um die Sicherung des Staates und der Demokratie bei dem Großteil der Bevölkerung Verständnis finden und daß sich die Bevölkerung durch keine noch so Höch gespannte Agitation oder durch Demagogie beirren lassen wird. Mm muB weiter sparen Einleitend betonte der Ministerpräsident, daß das dritte Budget seiner Regierung nach dem Prinzip der möglichsten Sparsamkeit zusammengestellt wurde. Die Zeit des ständigen Rückganges des Wirtschaftslebens haben wir schon überwunden. Der Rechnungsabschluß für 1934 wird bereits, eine wesentliche Milderung dieses Niederganges bringen und di« weiteren Jahre werden dann schon eine an- dauerndeWendung zum Besseren aufweisen. Die Regiernng hat immer wieder erklärt, daß ste zu den Ersparungen im Personalrtat nur dem absoluten Zwang gehorchend gegriffen hat und daß fie eine Mildern«« durchführen wird, sobaldeSdietatsächlichenVerhält» nisse nur einigermaßen gestatte«. *. Wege aus der Krisennot Die Arbeitslosigkeit der Jugend bildet aber in der ganzen Welt nur einen-Teil der Arbeitslosigkeit überhaupt. Auch die"Wirtschaftskrise^ kein bloß einheimisches, sondern ein Weltproblttn, das der Miltisterpräsident in seinen weiteren Ausführungen einer ausführlichen Analyse unterzieht. Die Krise hat keinen Staat verschont. 1933 wurde bei uns der Tiefpuntt erreicht und seit Heuer sind di« Außenhandelsziffern größer als 1933; namentlich die Ausfuhr von F e r t i g w a r e n, in denen so viele Löhne enthalten sind, weist gegen daS Vorjahr einen Aufstieg um 7SS Millionen oder rund 26 Prozent aus. Aus den angeführten zablenmäßi- Seite 2 Mittwoch, 7. November 1934 Rr. 261 Dr. BeneS: Die nächsten 18 Monate kritisch gen Belegen ergibt sich, baß die Kronendevalvation Wr unseren Handel günstig gewesen ist. Die hewer eingetretene Besserung in der Produktion (Jänner bis September) drückt sich perzentuell folgend aus: Roheisen 81 Prozent, RcchstÄhl 88 Prozent, Koks 8 Prozent^Steinkohle 1 Prozent, Braunkohle 1.L Prozent. Diese Besserung muß ein Antrieb zu weiterer Anspannung aller Kräfte sein, Mr müssen namentlich genügend Elastizität besitzen, um uns den Veränderungen auf den Auslandsmärkten anzupaffen und die Verluste durch den Export von"Qualitätswaren allmählich wettzumachen. Dir Regierung wird de« Expert in den Grenze« der Möglichkeit unterstützen. Diesem Zwecke sollen auch dir Bestrebungen um Ausweitung und Festigung des Netzes der Handelsverträge dienen. Wir müssen insbesondere selchen Orten erhähte Aufmerksamkeit widmen, wo die Exportmöglichkeiten indirekt vonNnserereigenenEi«^ fuhr attzängr». Es wird daher besonders notwendig sein, daß wir rechtzeitig, planmäßig und zweckmäßig über die Auf- teilung der Einfuhr jener Güter Übereinkommen, die wir auf alle Fälle einführen müssen. * Arbeitslosenproblem Im Mittelpunkt Dir Arbeitslosigkeit, erklärte Maltz. petr wörtlich, tikdet Hand in Hand mit der Agrarkrise den Mittelpunkt der allgemeinen Kris« und erheischt erhähte Aufmerksamkeit und zähes Bestrebe« aller Verantwortlichen. Das Bestrebe« um dir Milder»«« der Arbeitslosigkeit mutz daher unser intensives Bemühen bilde«. Dabei erferdert unsere besondere Aufmerksamkeit das Problem der f«« g«« Arbeitslosen» denen es bisher nicht miglich war, ins praktische Leben einzutretr». Di« Sorge um den inländischen Markt soll vor allem auf jenen Arbeitsgebieten Hilfe schaffen, wo rrotz der teilweisen Belebung der Ausfuhr der Absatz am meisten zu leiden hat. Es sind dies besonders di« Arbeitskräfte, die auf den Investitionsgebieten tätig sind, die unter der bisherigen Stagnation der Baubewegung leiden. Zu den Voraussetzungen der erhöhten Arbeitstätigkeit gehört auch die planmäßige Arbeit zum Zwecke der Entspannung des Geld- und Kapitalsmarktes. Mit diesen Problemen habe sich der Finanzminister in seinem letzten Expose« bereits ausführlich befaßt. Malypetr fügt dem nur noch hinzu, daß auch di« peinlichste Sorge um di« rechtliche und finanzielle Sicherheit di« Entwicklung des Geldmarktes und der Wirtschaft günstig beeinflusse. Die Regierung sei daher besonders darauf bedacht, daß mich die Entscheidungen der Behörden immer und überall dem Sinne des gültigen Gesetzes entsprechen. Wen« es gelingt, mit den»«geführte« Maß» nahmen die Arbeitslosigkeit zu mildern, so mutz auch ihre««gleiche Berteiluua aus die einzelne« Gebiete berücksichtigt njerden. Men wird ie» souders dort eingrcifeu müssen, wo dieselbe verhältnismäßig am größten und zeitlich am längsten ist. ArbaitszaitvarkUrzung Eines von den Mittel», di« die Arbeitslesig- keit vermindern, bildet eine bessere Aufteilung der Arbeit durch Kürzung der Arbeitszeit auf den Hirz« geeigneten Unternehm««,»getiete«. Di« Verhandlungen darüber ergaben bisher noch kein günstiges Resultat. Malypetr glaubt, daß es möglich und notwendig sein wird, auch hier von Worten zu Taten ü b e r z v g« h e n; man dürfe dies aber nicht vom Staat allein fordern. Das große Jndustrieunter- nehmertum, welches durch die Rationalisierung zum Großteil di« steigende Arbeitslosigkeit verursacht hat, sei auch verpflichtet, um ihre Milderung mitzusorgen und nach geeigneten Mitteln und Wegen zu suchen. Regulierung der Produktion Wenn die Privatwirtschaft in keine Produk- tioas- und Atsatzanarchie geraten fall, dann müsse sie sich sowohl der Regulierung der Erzeug««», als auch der Regnkierungde» Absatzes anpassen, und zwar auf dem Wege einer zweckmäßigen und distribu- ti»«sm ä tzi g en S e l b st v e r w a l t« n g; der Staat würde diese beanfstchtigen und ihr» eventuellen schädliche« Auswüchse beseitige«. Die Regierung ist bereit, in, dieser_ Hinsicht wirksam zu arbeiten. Sie versucht dies. in erster Reihe im B e r g b a ü, wo sie in den Verhandlungen mit den Unternehmern und Angestellten einen solchen Stand der Erzeugung und des Verbrauches verwirklichen will, daß vollständige Beschäftigung in einer angemessenen Anzahl von Bergwerken erreicht werde, so daß durch Herabsetzung der allgemeinen Regie die Kohlenpreise«ine wesentlichere Herabsetzung erfahren als biher, wobei es notwendig sein werde, für die U eberführung der.über- zählt gen Angestellten in andere. Berufe zu sorgen. -Auch in der Zuckerindustrie denkt, die Regierung an ähnliche' Maßnahmen, wobei wahrscheinlich ge- e i g n e t e A end« r u n g e n i n d en Gesetzen durchgeführt werden müßten. Auf dem Gebiete der Entschuldung der Landwirtschaft wird die Staatsverwaltung alles tun, was erforderlich und -möglich ist, ohne daß man die Not der Kredit- und Zi^^nbelaftung auch-auf den anderen Produktions- f ten und bei anderen Berufen außer acht ließe. Der WirtschaftSpla« unserer Republik besteht daher i« der Serge um Erhöhung der Kaufkraft der Bevölkerung, Erhöh««, der Rentabilität der Produktionsbetriebe und der Arbeit jeder Art durch Arbeitsbeschaffung zwecks Herabsetzung der Arbeitslosigkeit bei angemessenen Löhne« und Gehältern, in der Sorge um Absatzerhöhun» auf den Auslandsmärkte« und Herabsetzung der Ge- strhungskoften durch billige« und erreichbaren> Kredit«nd durch allmähliche Herabsetzung der all-1 gemeine« Laste«. Dr. Benc§ stellt fest, daß sich seit seinem letzten Expost vom 2. Juli in der internationalen Politik Stoff für mehrere inhaltsreiche Exposes angesammelt habe, daß er aus begreiflichen Gründen des Staatsinteresses jedoch nur das Notwendig st e besprechen werde. I. Der Völkerbund— Sowjetrußland Der Völkerbund betätigt sich heute mehr in negativer Richtung: Er wird als einzige und letzte Kraft angesehen, welche stets ein gewaltiges Hindernis jedes Krieges, das Weltgewiffen und eine silrchtenSwerte Warnung für jene bleibt, die eine Verletzung des Frieden» wagen würden. Benes hält nicht dafür, daß man, wann immer auf der Welt etwas Böses' geschieht, gleich darnach trachte, daß sich die interessierten Staaten nur nicht nach Genf wenden. damit dort nicht irgendein großer internationaler Skandal ausbreche. Es hat Fälle gegeben, wo diese Twktik berechtigt war, aber wenn dies zum allgemeinen Grundsatz würde, so wäre das für den Völkerbund heute eine noch größere Gefahr. Durch seinen Eintritt hat der Sowjrwerband anerkannt, daß der Völkerbund ein großer politischer Weltfakt o r ist. der bei der Erhaltung des Friedens eine hervorragende Rolle spielt, und daß er auch für Ruß- land eine beträchtliche Bedeutung haben kann. Die Annäherungspolitik zwischen un» und dem Sowjetverband schreitet normal vorwärts und es wird gewiß in kurzer Zeit zum Abschluß eines Handelsvertrages sowie zur politischen Zusammenarbeit für die Aufrechterhaltung des Friedens kommen. II. Oesterreich— Das Saargebiet Die während der letzten Session des Völkerbundes begonnenen Verhandlungen über einen Vertrag. welcher die österreichische Selbständigkeit gewährleistet. haben zu keiner vollen Einigung geführt, weil man sich mit Italien über einige wesentliche Prinzipien dieses Vertrages, namentlich über die Teilnahme des Völkerbundes bei, der Durchführung des Vertrages noch nicht einigen konnte. Die Kleine Entente hat bei dieser Gelegenheit alle« interessierten Kaktore« ihre« Standpunkt zur HabSburgerfrage mitgeteilt: Sie würde aus jedwede« direkten atz« indirekten RestauriernngSversuch in der allerentschicdensten Weise antworten. Bezüglich der Saarfrage hofft Dr. Benes, daß in der außerordentlichen Session des Völkerbundrates vom 21. November der Versuch, auch in dieser Frage zu einer vernünftigen Einigung zu gelangen. gelingen werde. ES sei dies ein überaus delikates Problem und könnte in naher Zeit Kom- plikationenern st en Charakters Hervorrufen. Unser Interesse gehe dahin, daß es nach dem Plebiszit zu einer Regelung komme, di« der späteren vollen deutsch-französischen Einigung, als der wahren Bedingung des europäischen FriedenS.micht^m Wege, stehe« würde.--».--------- NI. Dar Ostpakt Die polnische Regierung hat der französischen eine schriftliche Darstellung ihrer Anschauungen über diese Frage gegeben und insbesondere drei Hauptvorbehalte betont, deren einer auch die Tschechoslowakei betrifft. Diese» Dokument ist jedoch bisher vertraulich, so daß sich, der Minister nicht äußern kann- Die tschechoslowakische Regierung hat in dieser Sache der französischen bereits ihre vertraulich« Aeußerung überreicht. Als Hauptfaktoren einer eventuellen neuen europäischen Konstellation deutet Dr. Benes das deutschpolnische Abkommen vom Jänner d. I.. den Ostpakt- entwurs und Rußlands Völkerbundeintritt und schließlich die Möglichkeit einer Einigung zwischen Frank- reich, Italien und der Kleinen Entente an. Inzwischen befestigen die Tschechoslowakei und die Kleine Entente ihre Beziehungen untereinander, bemühen sich um die weitere enge, Zusammenarbeit mit der Balkanentente und Bulgarien, wobei ste mit Frankreich Hand in Hand vorgehen, und bereiten eine weitere Annäherung an Rußland vor. Unser« politischen Beziehungen zu Deutschland bleiben gut, wobei sie durch die normale Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen unterstützt werden. Die segenseitige Politische Reserviertheit zwischen Pole«««b der Tschechoslowakei hält an. Eine Verschiebung der Anschauungen besteht über gewisse wichtige Fragen der allgemeinen europäischen Politik(polnisch-französische Beziehungen. Polens Standpunkt zum Ostpakt, der Gömbös- Besuch in Warschau, da» Verhältnis Polen» zur Kleinen Entente, die Fortsetzung der polnischen Pressekampagne gegen die Tschechoslowakei etc.). Mit diesen Dingen müsse man als mit wichtigenund d auernden Politik 6 en Tatsachen nunmehr und in der Zukunft ruhig rechnen- IV. Der Emst der Internationalen Situation Dr. Benes charakterisiert die internationale Gesamtsituation als einen Zustand des gegenseitigen Zu wartens und der Aufstellung neuer Fronten und neuer Kräfte, Vielleicht werden letzten Ende» die Veränderungen- der bisherigen Situation nicht groß fein. Die Politik der Tschechoslowakei.und der Kleinen Entente hat an ihxer bisherigen Linie nichts zu ändern. Hand in Hand mit ihnen schreitet auch die Lalkanentente. Das Endziel dieser Politik bildel nicht die Isolierung eines Staates, sonder« die Einigung und Zusammenarbeit mit allen, vor allem allerdings«nt Deutschland. Trotzdem ist die internationale Situation in ihrer heutigen Unsicherheit ernst. Jedes bedeutendere Ereignis kann unschwer wieeineBomb« wirke«. Eine große Gewähr bietet jedoch dir eng« französisch-englische Zusammenarbeit, welch», wen« ste zielbewußt zur Durchführung gelangt, dr« Frieden in Europa retten Wirtz. Benes selbst hält die kemmenden 12 bis 18 Monate der internationalen Politik als für das Schicksal Europa»»nd den Frieden entscheidend. Die tschechoslowakische Außenpolitik wird ruhig, sachlich und truglos alles unternehmen, wa» zur Wahrung des Frieden» in ihrer Macht steht. Sie Wird aber auch ohne Unterschied der Parteien und Nationalitäten darauf vorbereitet sein, bis in. die letzten Konsequenzen alle Pflichten ihrer nationalen und staatlichen Verteidigung zu erfüllen, falls dies notwendig sein sollte. V. Das Problem der MlnderhaHsvartrSge Benes erachtet das Verlangen nach Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes(dem nach dem Arie, densvertrag nur die kleineren Staaten unterworfen sind) als moralisch berechtigt und hat nichts dagegen, wenn andere Staaten eine Abänderung der bisherigen internationalen Bestimmungen anstreben. Die tschechoslowakische Doktrine kn dieser Sache ist folgende: 1. Die tschechoslowakische Regierung hält unter allen Umständen ihre internationalen Minderheitsverbindlichkeiten ein und wird sie einhalten. 2. Wenn allgemein über eine Aende» rung der MinoritätSverbindlichkeiten verhandelt werden würde, würde sie den Weg beschreiten, der in den Minderheitsverträgen selbst vorgeschrieben ist. Sie, selbst verlangt eine solche Aenderung heute nicht und hat n i ch t die. Absicht, in dieser Angelegenheit initiativ etwas zu unternehmen. 8. Sie räumt in biesen Angelegenheiten den Kollektivverträgen den Vorzug vor Bilateralverträgen ein. Di« Existenz unseres bisherigen Minderheitsvertrages bietet unter den heutigen Verhältnissen der Tschechoslowakei ein unparteiische- inter- natwnale» Forum, welches also für uns da- vorteilhafteste polnische Instrument ist. Wir haben auch keine Ursache, irgendein internationales unparteiisches Forum zu fürchten. * VI. Dia Tschechoslowakei, Jugoslawien und Frankreich Der tragische Tod König Alexanders und BarthouS ist ein Ereignis von weitreichender internationaler Bedeutung. Dr. Benes würdigt ausführlich die Verdienste des Königs um die Kleine Entente und die Balkanentente urch seine tiefe Freundschaft zur Tschechoslowakei. Jugoslawien uich, die Tschechoslowakei sind durch da- gleiche Geschick verbunden und werden auch in Zukunft verbunden bleiben. Was immer auch geschehen möge, nicht- kann unsere Staaten von der bisherigen Linie unserer gemeinsamen Politik abbringen. Der Ständige Rat dar Kleinen Entente»erlangt, daß die Umstände der letzte» tragischen Ereignisse«nd di« Berantwertlichkeit tziefür objek» tiv beleuchtet und in voller Ueber- einstimnmng mit Frankreich daran» die g e r e ch- «MaaNNM^MWWMMWWWWWWWWW^aMWWMMMMW» - Die Reihe der Redner der Koalitionsparteien eröffnete Genosse Hampl, der Vorsitzende der tschechischen Sozialdemokraten, mit außenpolitischen Betrachtungen über das Rüstungsfieber und die Gefährlichkeit des revisionistischen Ränke- spieles. Nach einer Würdigung deS VölkerbundeintritteS Rußlands, das unserem Binnenmarkt Bestellungen um vielleicht 600 Millionen vergeben dürfte, konstatiert Hampl, daß die Animosität gegen den demokratischen Sozialismus eine Dummheit ist. Die Niederwerfung der österreichischen Sozialdemokratie bedeutete eine starke Schwächung jener Elemente, die aufrichtig den europäischen Frieden wollen.(Zustimmung.), Dadurch geriet Oesterreich in Wirren und unter die direkte Patronanz faseistischer Staaten. Zur Innenpolitik erinnert Hampl u. a. daran, daß der vierte Krisenwinter vor der Tür steht und daß man daher nicht an das Gefühl, sondern an den Verstand des Parlamente- appellieren müsse, zur Belebung der Produktion da- Möglichste zu tun. Der Staatsmacht müsse man da» Recht zu Eingriffen in das Wirtschaftsleben zuerkennen. Die national« Expansion Deutschlands höre bei Bodenbach n i ch t a ü f, sondern habe Widerhall bei unseren Deutschen gefunden. Die.starken Hitler» gr«ppen bei nnssind nicht verschwunden, sie mar» schieren deute unter der Fahne Henlein». Auf tschechischer Seite muß man die deutschen Sozialdemokraten etwa» besser einschätzen. Diese sprechen auS, wa» sie glauben, und treiben keine doppelzüngige Politik. Seine Partei ist sich der Verantwortung in der Koalition und auch ihrer Aufgabe, die sozial schwachen Arbeiter- und Angestelltenschichten zu schützen, wohl bewußt und wird keiner Demagogie unterliegen. Zu dem gelegentlichen Kokettieren mit dem Fascismus ist zu sagen, daß das tschechische Volk sich ohne schwere Erschütterungen nicht undemokra- tisch beherrschen läßt. Bon tschechischer KoalitümSseite beschäftigte sich Svitlik(Klerikal) im Anschluß an Marseille mit der Kriegsgefahr und sttllt fest, daß Vergleiche mit 1914 nicht stimmen, da das Attentat diesmal die friedliebenden Staaten nur noch fester aneinandergefügt habe. Der Brennpunkt der Kriegsgefahr in Europa ist heute D e u t f ch l a n d, das schon im nächsten Frühjahr genug gerüstet sein wird, um eines Angriffskrieges fähig, zu sein. Es möge aber dessen eingedenk sein, daß eS nicht wie 1914 auf dem Gipfel seiner materiellen Entwicklung stehe und auch kein Oesterreich-:!ngarn mit 80 Millionen Einwohnern hinter sich hab«. Leplansktz lisch. Agr.) befaßte sich mit wirtschaftlichen und finanzpolitischen Problemen und den Maßnahmen zum Schutze der Landwirtschaft. u Bon deutscher Seite sprechen Matzr-Harting, der tn wirtschaftlichen Fragen immerhin„den guten Willen der Regierung anerkannt", aber bemängelt, daß„das Planmäßige" fehle; zu allem müsse auch noch die nationale Gerechtigkeit treten. Sie hätten schon durch die Tat bewiesen, daß, sie für den"Staat sind. Darum sind sie(die Spießgeselle«der AustrofaseiftenI) gegen den„undemokrati- Demokrathcher Wahlfies in Amerika New Nork. In den Bereinigten Maaten fand am Dienstag die Wahl dr» Repräsen- tantenhanses«nd eines Drittels der Senatsmitglieder sowie die Wahl der Gouverneure und Parlamente zahlreicher Staaten statt. Aus verschiedenen Teilen des Landes sind bereits die Ergebnisse bekannt. Sie deuten durchwegs auf einen g r o fi c n Sieg der demokratischen Pa r t e i hin. Die Wahlbeteiligung war ziemlich stark. Blutiger Wahlauftakt New Jork. Am Vorabend der amerikanische» -Wahlen kam es in dem kleinen Ort Kclayrcs unweit bön'-Hazketön in' Pennfylvanien zu einem blutigen'Zwischenfall. Ein Wahlumzug der demokratischen Partei würde plötzlich aus einem zweistöckigen Wohnhaus heraus mit einem Maschinengewehr beschossen. 14 Personen wurden von den Kugeln getroffen. Drei von ihnen waren auf der Stelle tot. Außerdem wurden Dienstag in Holland (Missouri) ein Weitzer und ein Neger erschossen, zahlreiche Neger verprügelt und gn der Ausübung ihrer Wahlpflicht verhindert. In Pittsburgh wurden zwei Männer durch Schüsse verletzt. ten und notwendige« Konsequenzen gezogen werden. Dem internatie- nalrn Terrorismus müsse ein für allemal ein End« gemacht«erden. I« dieser Beziehung, erklärte Dr Bene», behalten wir«n» vor, im gegebenen Zeitpunkte die notwendigen»nd zweckmäßigen Mod' nahmen zu treffe«. Schlußwort Wenn auch die internationale Situation ernst ist, so ist sie doch nicht derart, daß sie die internationalen Faktoren nicht in der Hand hätten und schwere Krisen nicht hintangehalten werden könnten. Die erste Bedingung hicsür ist nicht nur eine gute Außenpolitik, sondern auch Ruhe, Ordnung, Sicherheit unb dal Bewußtsein der Stark« im Innern. Die übrige Welt schätze in der Tschechoslowakei einen der Lichtpunkte der europäischen Situation, die 16 Jahre unserer rnhjgen Entwicklung, die dauernde Zusammenarbeit der politische» Parteien»nd Rationen, die Kontinuität in der inneren und äußere« Politik; ebenso werte ste unser Streben nach Ausbau«nd Bereitstellunk einer starken, für alle Fälle gerüstete» Ar m e e»nd unser erfolgreiches Bemühe« um wirtschaftliche und finanzielle Ordnung. In dieser heutigen Situation sind un» werden alle zersetzenden Kräfte Europas z» sch«ach sei«, um uns etwas anhaben K könne«!-,. y.. schkn Abbau der Rechte"' deff.ParlamemcL". sollte an dre Wahl« aWeweten;(UÄ in Oesterreich?!) Windirsch(BdL.) klagt über die Rot der Landwirte und kommt alsbald auf sein Steckenpferd, die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechtes in den Gemeinden und■ die Einführung von Umlagen auf die Einkommensteuer zu sprechen. Zu vermerken wär« auch noch eine gemäßigte Rede de» Ungarisch-Klerikalen Dr. Sziillö, der et* klärte, seine Leute seien gute tschechoslowakische Staatsbürger, wenn sie auch Magyaren blieben:.-. Fortsetzung der Debatte Mittwoch 10 II hl früh. *' 1 Noch Immer StHbrnf Abfuhr durch den Justtaninister • Die Debatte im Parlament eröffnete Stri' b r n y mit Krokodtlrtränen über die große Arbeit»' losigkeit, gtng dann aber gleich zu einem Loblied seine neue nationale Front und schließlich zu seine! eigenen schmutzigen Wäsche über, die Parlament und Oeffentlichkeit wahrhaftig schon viel zu lange beschäftigt hat. Er findet in der offiziellen Nachricht über die Einstellung des Strafverfahrens gegen ih" alle möglichen Ungerechtigkeiten. Als er mit der Bek' äfsentlichung eines StejskalbriefeS droht, in des dieser mitteile, wie viele Millionen ex den«inzcfntk Parteien gegeben habe, rüst ihm Genosse Hampl' Glauben.Sie nicht, daß sie als Abgeordneter sä' fort sprechen sollten, wenn Sie etwas wissen? Tschechische Sozialdemokraten verlangen W” Stttbrnh immer wieder stürmisch Beweise, wor* auf er erklärt, er werde den Brief mitbringen und verlesen. Justizminister Genosse Dr. Derer, der auf Stil* brich» Anschuldigungen hinsichtlich der Einstellunö des Verfahren- bereit» mit Zwischenrufen reagiert hatte, meldete sich später zu Wort und wie» Stti' brnh» Behauptung, daß man bet der Einstellung de< Verfahren» und bei der Berichterstattung an da» geordnetenhaus nicht korrekt vorgegangen sei, schärf' stenS zurück; Der Staatsanwalt müsse Anträge an! Einstellung d«S Verfahrens dem Gericht gegenüber nicht begründen, wohl aber werde er feiner vorge' setzten Behörde einen- Bericht über sein« Belvt»' gründe geben. In der Sache selbst steh« fest, daß R' den Geschäften Fran» Sttibsnh» Gewinne vor- Händen waren; Abg. Sttibrnh bestreitet«uk die Höhe. An der rechtlichen Beurteilung der Sache ändert sich aber nicht», ob nun der Gewinr 22 Millionen oder weniger betrug. Sonst hat Stfsi brnh das Resume des Staatsanwaltes, da» auch dem Bericht der Regierung an das Haus enthalten war, nicht bestritten. Ein Strafverfahren hätst deshalb zu keinem positiven Ergebnis geführt, wen der Rachwei» hätte geführt werden müssen, daß Stisibrich als'Minister seine Amtsgewalt wisse nt' l ich dazu mißbraucht habe, um dem Staate Schade» zuzufügen. Mittwoch, 7. November 1934 Seite S Nr. 281 Der 4. November Das Echo im deutschen Laser: „Prager Tagblatt“: • Sozia1demokrattn verfügen ii b e r M a s sen a n h'a n g „Nicht zu leugnen, daß Konrad Henlein in Leipa eine sebr ansehnliche Schar nm fich vereinigte; ebenso wenig kann aber, nach den Ziffern, die Wer die gestrigen Kundgebungen in Rordböhmen, Mähren und Schlesien berichtet werden,. zweifelhaft sein, daß die deutschen Sozialdemokraten auch heute noch Wer einen Massenanhang verfügen, trotz fünf Jahren ermüdender Teilnahme an der Regierung und trotz dem Schicksal, das ihre Bruderparteien in Deutschland und Oesterreich getroffen hat. Den deutschen Sozialdemokraten kam eS diesmal darauf an zu zeigen, daß das Sudetendeutschtum in ihnen einen Grundstock demokratischer Elemente besitzt. Daran war auch schon vorher nicht zu zweifeln, und die Versammlungen des gestrigen Sonntags haben die Vermutung bestätigt, daß die bisher stärkste deutsche Linkspartei auch in Zukunft ein gewichtiger Bestandteil des gesamten tschechoslowakischen Deutschtums bleibt." „Reichenberger Zeitung“: Ruhiger und würdiger Verlauf Die R.-Z. gibt die Nachrichten des Tsch. P.--B. über unsere Kundgebungen wieder, enthält fich jedoch einer Stellungnahme. Zum Schluffe bemerkt sie, daß die Kundgebungen einen ruhigen und würdigen Verlauf genommen haben. Verhaltene Wut:* „Deutsche Landpost“: „M usikxapellen und s on s tiger K1> m b i m.“ Die„Deutsche Landpost" hat üher die.Kundgebung Henleins.in Böhmisch-Leipq begeisterte Berichte gebracht. Unser Aufmarsch ist ihr sehr un- migenehm. Der fasci stische Klimbim in Leipa hat >hr gefallen. Ueber unsere Kundgebungen schreibt sie: „Der gesamte Werbeapparat der.Partei wurde Mtfgttdoten und, wie der Erfolg zeigte, er funktionierte noch tadellos. Aber, und das ist das Charakteristische, der Aufzug ging überall nach bekanntem Muster vonstatten, mit einem.Wald von Jahnen und Wimpeln, Trommlern, Pfeifern, Märsche spielenden Musikkapellen und dem sonstigen Klimbim, einschließlich uniformierter„Wehrmänner", hier natürlich in sattem Rot „Deutsche Presse“: Ein trockenes und einnasses Auge. . Die deutschen Christlichsozialen freuen fich, daß die deutschen Sozialdemokraten ein mächtiges Gegengewicht sind. Im Schatten der deutschen Sozialdemokratie können fie ihren Kampf gegen das Auf« gefressenwerden durch Henlein mit besserer Aussicht nnf Erfolg führen. Andererseits find fie wütend, daß die deutsche Sozialdemokratie, ni-dj so stark ist. Diese Zwiespältigkeit geht aus der ganzen Fassung Berichtes in der Deutschen Presse hervor. Die Größe der Kundgebungen versucht sie dadurch zu Alleinern, daß fie behauptet, es hätten viele Tschechen an ihnen teilgenommen. „Neue Morgenpost“: „Fraglos p o i i t i s eh e Bedeutung“ Die„Neue Morgenpost" hat die Kundgebung in Böhmisch-Leipa nicht nur registriert, sondern fich M dem Bericht auch eindeutig zu Henlein bekannt. Der wichtigste„Gedanke" in ihrem Bericht Wer den 4. November ist, daß die Kundgebungen„fragens politische Bedeutung" gehabt hätten. „Sudetendeutliche Tageszeitung“: „Arbeiter Verständnis- und teilnahmslos“ Der dümmste Bericht ist in der„Sudeten- deutschen Tageszeitung" des Dritten Reichs: „Mir allen Mitteln hatte man sich um die Auf- dietung von Teilnehmern bemüht, und zwar nicht Nur mit Tausenden und Abertausenden von Flug- Rättern und Werbeaufrufen, sondern auch duMH Kedernahme der Fochrspesen und"durch Errichtung don Ausspeisungen, in denen kostenlos Mittagessen berabreicht wurden. Und trotzdem waren, wenn man bedenkt, daß jene Gebiete des Staates, die man für MM. ' Ml V">V«M i l*4 Mi ♦ 4$ * >7 1 die Kundgebungen ausersehe» hatte, zu den industriereichsten und dichtbesiedeltsten Gegenden gehören, in denen jeder einzelne Bezirk weit über 100.000 Einwohner zählt, diese Versammlungen mit ihren durchschnittlich 3000 bis 10.000 mehr oder weniger gezwung en mitmarschierenden Teilnehmern alles andere als etwa ein überzeugender Beweis dafür, daß die Arbeiterschaft heute noch hinter der Sozialdemokratte, bzw. hinter den marxistischen Parteien steht. Weder diese Forderungen noch die Reden vermochten, bei den Versammelten begeisterte Zustimmung oder überzeugenden Beifall auszulösen. Der deutsche Arbeiter stand allem diesem Aufwand an vielversprechenden Worten und schönen Reden Verständnis- und teilnahmslos gegenüber; er hat es auf Grund der Erfahrungen, die er machen mußte, verlernt, den Beteuerungen der roten Führer Glauben zu schenken. Denn die Sozialdemokraten hätten längst Gelegenheit gehabt, ihre Vrrsperchungen in Taten umzusehen, statt dessen aber hat sich das Los des deutschen Arbeiters auch in der Zeit, seit welcher die deutschen Sozialdemokraten der Regierung angehören und Anteil nehmen an der Macht, von Jahr zu Jahr verschlechtert.’ Nur allzu erklärlich ist es daher, daß derartige Kundgebungen in der breiten Masse der deutschen Arbeiterschaft keinen Widerhall mehr finden können." „Brüxer Zeitung“: „Nur an drei Stellen Applaus“ Die„Brüxer Zeitung" behauptet, die polizeiliche Zählung der Karlsbader Kundgebung habe 20.200 Teilnehmer ergeben. Das steht zwar in Widerspruch zu den Angaben, die der Karlsbader Polizeidirektor selbst den Journalisten gemacht hat. dafür hat die„B.-Z." aber in, Komata» nur.6000 Teilnehmer gezählt. In Karlsbad hat'ihr Berichterstatter„nur an drei Stellen Applaus" und kommunistische Zwischenrufe gehört. »» Im tschechischen Laser ernste Würdigung Eine Reihe tschechischer Blätter befassen sich auch am Dienstag noch mit den Kundgebungen unserer Partei. Jnbesondere die Linkspresse erkennt ohne Ausnahme an, daß die Manifestation voin 1- November für die sudetendeutsche Politik außerordentlich bedeutungsvoll gewesen ist. So schreibt das„Prävo Li d u": Die deutsche Sozialdemokratie hat sich schon 1028 auf dem Smi- chover Kongreß für ein« einheitliche Politik mit der tschechischen Sozialdemokratte ausgesprochen. Schon 1927 hatte sie Diasaryk zum Präsidenten gewählt. Sie hat dem Staate seit 1929 alles gegeben, was er brauchte, auch der Armee. Sie steht hinter Masaryk. Eine Menge Standatten„Es lebe Masaryk", Begrüßungstelegramme an den Präsidenten, Begeisterung beim Aussprechen seines Namens, tiefempfundene Demokratte— s aS alles sind Umstände, welche verschiedene Seiten politischer Bedeutung haben. Di« deutsche Sozialdemokratte hat gezeigt, daß die Hen- leinsche Heimatsfront getarntes Hakenkreuztum ist, daß Henlein das Erbe Jungs und Krebs angetreten hat. Herr Henlein hat in Böhmisch-Leipa erklätt, haß er das Hakenkreuztum nicht heurteilen kann, tveil er nicht in Deuttchland war. Die deuttche Sozialdemokratie hat geurteilt und verurteilt. Im Namen Masaryks, der Demokratie und der Republik. Dabei blieben die Kommunisten überall machtlos und waren nicht imstande, die Manifestation zu stören. Genügt das noch nicht? Das„Ceske Slovo" glaubt drei Tatsachen festzustellen. Erstens:„Die deutschen sozialistischen Republikaner stehen treu auf dem Boden des Staates. Der beste Beweis, ob die Reden der Führer der Ueberzeugung der Mitglieder enttprechen, ist, die Stimmung der Massen mit eigenem Ang« zu prüfen. Auf beiden Kundgebungen, an denen wir uns als Zuschauer beteiligt haben, war das Bekenntnis zum Staat durchaus spontan." Die zweite Tatsache ist nach Ansicht des Berichterstatters:„Die Sehnsucht nach der Veränderung der heutigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung.... Der Begriff Demokratie ist dabei keine leere Phrase und kein hohles Wort." Die dritte belehrende Tatsache ist in sozialistischer Hinsicht zu suchen.„Auch auf deutscher Seite wird Jagd auf den Sozialismus gemacht, der zerttümmert und von der Erdoberfläche beseitigt werden muß... aber vergebens sind die Bemühungen der bürgerlichen Patteien. Auf die bloße Aufforderung kommen Hunderttausend, eine Bewegung zu verteidigen, die ihnen die Garantie einer besseren Zukunft ist." „Rärodnt Osvobozeni": Hunderttausend deutscher Staatsbürger find am Sonntag ge- Geile 4 Mittwoch, 7. November 1934 Nr. 261 Sturm im spanischen Parlament Lerroux beschönigt seinen Verrat an der Republik Den Monarchisten ist er zu milde Madrid.(Havas.) In der ersten Sitzung des spanischen Parlamentes erinnerte Ministerpräsident Lerroux an die soeben liquidierte revolutionäre Bewegung und zollte dem Borgehen der bewaffneten Macht bei der Unterdrückung der aufständischen Brandherde Lob. Er erklärte, daß die Anwendung des Gesetzes ohne Grausamkeit erfolgen werde und versicherte, daß die Regierung alle Maßnahmen getroffen habe, um eine Wiederholung ähnlicher Fälle zu verhindern. Der Führer der katholischen Agrarier GilRobles formulierte sodann eine BertrauenSkundgebung für die Regierung. Er richtete scharfe Angriffe gegen die Sozialisten, die er als die Urheber der Unruhen ansieht. Er forderte schließlich von der Gesetzgebung, daß sie die Wiederholung derartiger Revolten unmöglich mache. Der Führer der Monarchisten GoiCochea erklärte hierauf, daß er nicht für die BertrauenSkundgebung für die Regierung stimmen werde, da seiner Ansicht nach die Regierung bei der Unterdrückung der Revolte nicht die notwendige Festigkeit bekundet habe. Nach seiner Rede kam es zu einigen Zwischenfällen und einige Abgeordnete stießen mit den Fäusten aufeinander. Auslandjoumallstln verhaftet Die nach Spanien entsandte Sonderbericht- erstatterin des ,L'Oeuvre", Frau Simone T e r y, ist auf der Pressetribüne der Tortes verhaftet worden. Sie wurde zunächst nach dem Kriegsministerium und alsdann nach der Polizeidirektion gebracht. Als Grund für ihre Verhaftung wird— wie der Madrider Berichterstatter des„Matin" meldet— die Verbreitung falscher Meldungen angegeben. Heute wird die Journalistin vom Militärrichter verhört werden. Asturlache Todesurteile werden nicht vollstreckt Die in Madrid erscheinende„Gazeta" ver- öffenllicht Dekrete, durch die den 3 Offizieren, die vom Kriegsgericht in Barcelona und den 18 Zivilpersonen, die vom asturischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt wurden, die Begnadigung erteilt wird. Ihre Strafe wurde in 30jährigen Kerker umgewandelt. kommen, um klar zu sagen, daß sie entschlossen sind, in ihrer bisherigen Arbeit für den Staat fortzuschreiten. Sie wollen nichts dafür. Sie verkaufen nicht ihre Loyalität. Sie verlangen nur, daß die Hände und Hirne der arbeitslosen Deutschen. Tschechen und Slowaken Arbeit bekommen, welche ihnen Brot und damit auch die Möglichkeit gibt, weiter für die Repu- blik und Demokratie zu arbeiten... Der drmokrattsche Staat ist diesen seine» Wächtern Arbeit und Brot schuldig, denn die Armee darf nicht hungern, wenn sie siegen soll. „Lidovl Noviny":„Es ist zur Gewohnheit geworden, die deutsche Sozialdemokrane als Partei der Vergangenheit zu betrachten. Mit dieser Meinung in sonderbarem Widerspruch war die Tatsache. daß von vielen Seiten gerade auf die deutsche Sogialdemokratte am schärfsten losgegangen wurde: Wenn jemand erledigt ist, warum gegen ihn Angriffe konzentrieren? Wir haben uns am Sonntag überzeugt, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht erledigt ist. Sie hat treue und ergebene Anhänger, in deren Reihen viel Jugend ist und durch ihre Mitgliedschaft weht der Geist der Entschlossenheit.., Es ist dies nicht nur eine Partei, es ist dke« noch immer eine Bewegung. London Im Zeichen des Labour-Sieges Der Höchststand von 1919 überschritte« Der triumphale Erfolg der englischen La- bour Party bei den Wahlen zu den Gemeinderäten(Borough-Councils) am 1. Novemoer hat im ganzen Lande ungeheuren Eindruck gemacht; vor allem in London, von dessen 28 Bezirken die Labour Party jetzt für die nächsten drei Jahre 18 erobert hat. Die„Times" weisen darauf hin, daß die Sozialisten mit diesem Erfolg nicht nur ihre Wahlniederlage von 1931 überwinden, sondern den Höchststand von 1919 überschritten haben, als sie von den 28 Londoner Borough- Councils 14 in ihre Hände bekamen. Sofort nach Bekanntwerden der Wahlresultate, hat Herbert Morrison, der Führer der Labour-Mehrheit im Londoner Grafschaftsrat eine Kundgebung erlassen, in der er der Londoner Bevölkermrg für das erwiesene Vertrauen dankt. Am Abend trat dann daS Exekutivkomitee der Londoner Sozialistischen Partei zusammen und erließ eine Kundgebung, in der es heißt:„Wir betrachten den großen Wahlerfolg nicht nur als Zeichen dafiir, daß die Bevölkerung«ine sozialistische Berwal- tuna in deN Rathäusern wünscht, sondern auch als begeistertes Vertrauensvotum für die Arbeit der sozialistischen Mehrheit im Londoner Grafschaftsrat." Besonders bestürzt über das Wahlergebnis zeigt fich die konservative„Daily Mail", die den enormen Sieg der Sozialisten fiir eine „Folge der völligen Gleichgültigkeit auf feiten der konservativen Wähler" erklärt. Demgegenüber stellen die„Times" fest, daß die g u t e A r- beit derLabourParth auch von den Gegnern anerkannt werden müsse, daß die Wahlbeteiligung höher als vor drei Jahren war und daß gerade in Fulham, wo die Wahlbeteiligung am stärksten gestiegen ist, die Labour Party ihren eindrucksvollsten Erfolg errungen hat. Der liberale„Daily Telegraph", der sich sehr darüber aufregt, daß die Labour Party eine Staffelung der Mieten nach dem Einkommen vlant, weist besonders darauf hin, daß die Labour Party in allen größeren Städten außerhalb Londons Fortschritte gemacht hat und daß in ganz England kein einziger kommunistischer Kandidat gewählt worden ist. Englisch-amerikanische Front gegen Japan London. Außenminister Dir John Dimon verhandelte Dienstag mit dem amerikanischen Delegierten Norman DaviS über Marineprobleme. Aus ihren Beratungen geht hervor, daß sowohl Großbritannien alS auch die Bereinigten Staaten von Amerika den Wunsch hegen, daß daß Verhältnis der Deekräste zwischen Großbritannien, den Bereinigten Staaten und Japan auch weiterhin 5: 5: 3 bleibe. Vor der Demission der f ranzötUeben Regierung? Paris. Die ravikalen Minister wohnten heute an der Seite deß Ministerpräfiden- ten Doumergue und der übrigen Kabinettßmit- glirder in der Kammer und im Senat den Trauerkundgebunge» für König Alexander von Jugoslawien, Außenminister Barthou und den gewesenen Präsidenten der Republik Raymond Poincark bei. Es heißt jedoch, daß ihr Bruch mit der Regierung sertige Tatsache ist und daß er in der am Donnerstag stattfindenden Ministrrratssitzung zum Ausbruch kommen wird. Rur auf Drängen deS Präsidenten der Republik, daß die gesamte Regierung in würdiger Weise das Andenken der genannten drei Verstorbenen ehre, haben die radikalen Minister ihre Demission bis DonnerStag»er- tagt. Für den Fall des Austrittes der sechs radikalen Minister ans der Regierung, würde Ptinisterpräsident Doumergue die Demission deS ganzen Kabinette- einbringen. * Die ganze Kammer und alle anwesenden Zuschauer hörten die Trauerkundgebung des Kammerpräsidenten Bouisson stehend an, nur die Kommuni st en blieben sitzen. Die Sozialisten schlossen sich den übrigen Deputierten an, als der Präsident der Kammer den Verstorbenen seine Ehrenbezeigung leistete. Die Regierung legte der Kammer am Nachmittage zwei»pichtige Gesetzentwürfe zur Sicherung der öffentlichen Ordnung und Gewährleistung der Sicherheit vor. Der erste Entwurf betrifft das Verbot öffentlicher Manifestationen, durch die die Ordnung und Ruhe auf den Straßen gestört werden. Jede Person oder Organisation, die eine öffentliche Straßen-Manifestation veranstalten will, mutz sie vorher bei den zuständigen Behörden a n m e l- den, die sich das Recht ihres Verbotes Vorbehalten. Das Gesetz über die polizeiliche Aufforderung der Manifestanten zum Auseinandergehen wird neu geregelt und die Strafen für die Uebertretung der Nichtbefolgung der Anweisungen der Wache werden verschärft. Der zweite Gesetzentwurf verbietet dke Einfu h rfme ErzeuAmg, den Handel, den Verkauf und den unbefugten Besitz von Wa f f e n. Französische Rechte für Doumergue Paris. Der Nationalrat der republikanischen Vereinigung hat unter dem Vorsitz des Ministers Marin über die politische Lage beraten und beschlofle«, daß die parlamentarische Vertretung dieser rechtsstehenden Gruppe geschlossen für die Staatsreformpläne DoumergueS stimmt. In einer Entschließung, di« auf die drei Millionen Wähler der Partei Bezug nimmt, werden die innen- und außenpolittschen Gefahren angedeutet, die ein Bruch des Burgfriedens und der Sturz des Ministerpräsidenten Doumergue mit fich bringen würde. Die andern sind entweder Juden, also von Haus aus unzuständig; denn wer einem Mördervolk angehört, ist nicht berufen, einen Mörder zu verteidigen. Oder sie tun mit überlegener Verachtung von der Höhe des anbrechenden 20. Jahrhunderts das angeblich mittelalterliche Treiben ab; zum Glück lockt ihr schmalziges Pathos keinen Hund hinterm Ofen hervor. Hier aber ist einer an die Arbeit gegangen, hat daS peinliche Werk nicht gescheut, hat nüchtern und sachlich einen Zug um den andern untersucht und verfolgt, und nun liegt die ehedem undurchsichtige Mache klar und ordentlich vor den Augen der Welt. Die andern, soweit sie nicht vorzogen zu schweigen, haben den beleidigten Stolz ihrer Raffe verteidigt. Er hat die Würde deS Menschen und des Geistes vertreten. Weil sein Mandat um so viel größer und reiner ist, muß er es um so härter büßen. Niedertracht in tausend Formen stäubt um ihn herum. Oft ist er nah daran, ihr zu weichen. Der Glaube an sein Volk ist unerschüttert. Dann versteht es immer wieder seine Frau, die Amerikanerin Charlotte Garrigue, ihn seiner nationalen Aufgabe zu erhalten. Unzählige wenden sich an ihn; Juden und Christen, Deutsche und Tschechen, die durch Verfolgungen oder weil sie sich zu ihm bekannt haben, geschädigt oder gar um ihre Existenz gebracht wurden. Er soll für sie einstehen, soll ihnen zu ihrem Recht, zu Stellungen, zu allem, was ihnen genommen wurde, verhelfen. Unter ihnen sind Schwindler, gewerbsmäßige Schnorrer, kleine Spekulanten, die die Gelegenheit wahrnehme», zu einem unrechtmäßigen Bortell zu kommen. Masaryk hilft, wo er kann. Für seine Arbeiten, seine Reisen, seine Behelfe und für Unterstützungen hat er viel Geld verbraucht. Ueber die Ausgaben Buch zu führen, fehlte es an Zeit— sie war wichtigeren Zwecken Vorbehalten. Einen kleinen Betrag haben Freunde und Bekannte aufgebracht, eine bescheidene Hilfe kam aus Wien, aus Deutschland; nichts aus Prag. Das Defizit ist empfindlich. Eines Tages kommt ein tschechischer Schriftsteller zu ihm und erzählt: ein Komitee, dem sowohl Juden wie Christen angehören, habe sich gebildet, um einen größeren Betrag aufzubringen und ihm als Ehrengeschenk zu überreichen. Wie er sich dazu stelle? Masaryk erwidert: er fürchte sich nicht vor ehrlichem Geld, das an keinen Dienst gebunden sei; er besitze die Fähigkeit, Herr des Geldes zu fein... Später berichtet man ihm, die Ehrengabe werde ansehnlich, sehr ansehnlich werden; genug groß, daß er damit den Kampf wei- terführen und nachher die wohlverdiente Ruhe genießen könne. Man spricht von hundert- bis zweihunderttausend Gulden.„Gut," sagt er. „Mit dem Gelde werde ich dies und jenes machen. Ein Drittel möchte ich Machar geben, damit er endlich seine Stellung bei der Bank aufgeben kann, einen Teil soll der„Tas" bekommen, um seine beträchtlichen Verluste auszugleichen, und einen Teil lasse ich mir und packe die Koffer..." Aber das Geld kommt nicht. Es wird zwar» vorwiegend von Juden, in Prag eine Kollekte veranstaltet, aber nicht für ihn, sondern um das Kapital zur Finanzierung einer Tageszeitung zu- fammenzubringen; nicht fiir den„CaS", der längst von einer Wochenschrift in ein Tagblatt umgewandelt werden soll und dringend Geld benötigt, sondern für ein ganz anderes Blatt. Masaryk muß sich mit dem Lohn begnügen, den seine Sache in sich trägt. Der Mörder der Marte Klima So gut wie überall weiß man in Polna über den Professor Bescheid, der sich an die Juden verkauft hat. Er soll, heißt es, in Wien mit seiner Besserwisserei Eindruck machen. Die Haussuchung bei den Hruzas und die ftechen Versuche der Juden, wie des Sim aus Deutsch-Schützendorf, werden ihm angekreidet. Aber man wird auch mft ihm fertig werden. Am 1. Dezember 1899 finden zwei Mädchen im Herrschaftswald, ganz nahe der Stelle, wo vor einem Jahr der Heger das Skelett entdeckt hat, zwei verschimmelte Fetzen Stoff. Die Gendarmen suchen daraufhin weiter, und, halb unterm Moos vergraben, kommen noch einige solcher Stücke zum Vorschein. In ihnen erkennen die Verwandten der Marie Klima aus Ober-Wjesnitz Reste von den Kleidern wieder, die der Verschwundenen gehört haben. Ist also der von Würmern zerftessene Kadaver doch die Leiche der Klima gewesen? Die Krcal hatte freilich behauptet, das damals gefundene Hemd sei nicht das ihrer Freundin gewesen, und auch die Eltern konnten zur Jdentifi- zierung nichts beitragen. Jetzt aber berichtigt die Krcal ihre damalige Aussage: das Hemd mochte doch der Marie gehört haben. Weder an dem verwesten Leichnam, noch an den Kleidern befinden sich Blutflecke; dagegen sind die Kleiderreste zerrissen und zerschnitten. Der Wald ist Jagdgebiet— ob etwa Wild, Jagdhunde oder Treiber die Stücke aus der Erde herausgezerrt und beschädigt haben? Die Leiche war mit Moos und Zweigen bedeckt, sollte also verborgen bleiben. Das einzige, was bisher über das Verschwinden des Mädchens bekannt wurde, hat der Müller Burda schon vor einem Jahre beigebracht: er sah sie am 17. Juli vormittags am Oberen Tor in Polna nach der Messe; sie wollte wohl nach Saborna gehen, wo sie einen Liebhaber, den Knecht Zumpl, hatte, oder nach Zhor, wo Wallfahrt und Jahrmarkt war. bleue Massenverhaftungen in Oesterreich In den letzten Tagen wurden in Wien neuerdings zahlreiche Sozialdemokraten und Kommunisten verhaftet, darunter der frühere Gemeinderat und Landtagsabgeordnete R e i s m a n n. Auch in der Provinz wurden Verhaftungen vorgenommen. So sind allein in Hallein 42 Sozialdemokraten verhaftet worden. Anderen Sozialdemokraten im Konzenttationslager von Wollersdorf, di« für den 1. November ihr« Freilassung erwartet hatten, wurde der Aufenthalt im Lager bis 31. Dezember verlängert. Mrnbös in Rom Rom. Der ungarische Ministerpräsident G L m b ö S begab sich Dienstag morgens in den Königlichen Palast, wo er sich in das Gästebuch eintrug. Nm 11 Uhr suchte er Mussolini auf, mit dem er eine lange Unterredung hatte. Saar-DrelerausschuB tagt Rom. Dienstag vormittags fand im Palazzo Chiggi eine Zusammenkunft des Dreierausschusses über die Saarabsttmmung, bestehend aus de« Vorsitzenden Baron A l i o s i, dem Argenttnier C a n t i l o und dem Spanier Oliva» statt. Der Zweck der Sitzung in Rom ist der, die Ergebnisse der bisherigen Schritte zu prüfen sowie Vorschläge zu machen, die dem Völkerbundsrat in seiner nächsten Sitzung unterbreitet werden sollen. Drelßigstunden-Woche in Amerika gefordert New Aork.(Havas.) Die finanzielle und wirtschaftliche Lage der Bereinigten Staaten am Vorabende der Wahlen wird durch nachfolgende Tatsachen charakterisiert: Während der ersten zwanzig Monate seit dem Bestände der derzeitigen Regierung beträgt das Defizit 6600 Millionen Dollar. Die Regierung hat sich entschlossen, mindestens noch weitere 6 Milliarden Dollar in de» Kampf gegen die Depression zu werfen. Die Schwerindustrie hat weiterhin Stagnation zu verzeichnen. Die landwirtschaftliche Produkfion übersteigt wiederum die verhältnismäßig schwache Ernte des Jahres 1934. Die Situation in der Baumwollindustrie bleibt unbefriedigend. Die Arbeiter agitieren neuerlich für«ine Senkung der Arbeitszeit auf 30 Wochenstundeu. Aus dem„Ordnungs"-Staat London.(Reuter.) Der Berliner Korrespondent des Reuterbüros meldet, daß der Chef der Württxmbergischen„Deutschen C h r i st e n", als Bischof Wurm zeitweise in Berlin weilte, eine gewaltsame Besetzung der Kanzlei des Kirchenrates in Stuttgart durchgeführt habe. Die Ortsverwaltung der Reichskirche erklärt zu dieser Aktion, daß hiezu kein Befehl des Reichsbischofs Müller vorlag und daß dieser übrigens nicht die Absicht habe, die Rechtsgewalt der Kirche, sei es an das Reich, sei es an Württemberg, abzutreten. Nun, da die Identität des Fundes«it Marie Klima nicht mehr bezweifelt werden kann, muß die Untersuchung wieder ausgenommen werden. Die erste wichtige Bekundung stammt von keinem anderen als dem Fuhrmann Franz Cink. Er hatte bereits im vorigen Sommer einmal behauptet, daß er dem Hilsner mit einem Mädchen auf der Kirchwech in Zhor, wo er für die Lebzelterin VytaLek Waren hingefahren hat, begegnet sei. Jetzt, nach anderthalb Jahren, weiß er sogar die Kleider des Paares genau zu beschreiben und er entsinnt sich, daß hinter Polda und dem Mädel ein hinkender Jude herging. Bei der BytaLek habe HilSner seiner Begleiterin ein Lebkuchenherz gekauft. Sonderbarerweise bestreitet die Lebzelterin- den Hilsner je gesehen zu haben. Ihr widerspricht der Schneider Hajek. Er hat den Burschen bei ihrer Bude gettoffen, erinnert sich aber nicht, ob ein Mädchen dabei wat. Bei solcher Verwirrung der Aussagen ist es klar, daß das Rechtskomitee cingreist. Vor Vitek, dem Antisemitenführer von Polna, sagt die Magd Marie Bacek aus und bestätigt es vor. Gericht: sie ist mft ihrer Freundin Chmel auf der Kirchweih gewesen und hat de» Hllsner dort mit der ihr bekannten Klima und dem Glaser Leopold Graf gesehen. Vorher hatte Graf mit der Klima im Gasthaus getanzt. Die Chmel nun bestreitet, jemals mft der Bacek ausgegangen zu sein; und in Zhor sei sie überhaupt nie gewesen. Der Glaser Graf, ein Jude, kan» durch vier Zeugen beweisen, daß er den ganzen Nachmittag jenes. Sonntags auf dem Arbetterfesi in der Bresina verbracht hat; und tanzen kann er überhaupt nicht. Die Bacek beruft sich auf den Schneider Hajek: sie habe in Zhor schon mit ih« über Hilsner und Graf gesprochen. Hajek erklärt das fiir unwahr. Aber die Bacek Weitz noch mehrt einmal hat sie den Hilsner auf dem Ringplatz drei Burschen sagen hören, er habe ein MÄche» in Ober-Wjesnitz... Ihn in Zhor gesehen z» haben, erinnern sich mit einen: Male auch nöi andere. (Fortsetzung folgt.) Rr. 264 Mittwoch, 7. November 1834 Seite 5 Ein Nachwort Kampf segen die Massennot Ist auch Kampf filr die Republik Die Wirkung unserer sonntägigen Massen- kundgebungen auf die bürgerliche politische Oeffenflichkeit ist die der Verblüffung. Auf deutscher wie auf tschechischer Seite. Daß bei den deutschen Schwärmern für Henlein, die in allen bürgerlichen Lagern zu finden sind, die Meinung feststand, sie zähle im politischen Leben um so weniger mit, je mehr Henleins mit allen Mitteln der Reklame aufgeplusterte Heimatfront in ihren Augen zu einem positiven Faktor in der tschecho- slowakischen Politik geworden ist, konnte niemanden in Erstaunen versetzen. Hier wirkten eben Unkenntnis der tiefen Wurzeln unserer Bewegung gemeinsam mit dem Wunsch als dem Vater des Gedankens mit, um die Auffassung zu schaffen, die deutsche Sozialdemokratie habe ausgespielt und ihre Anhänger stünden im Begriff, in hellen Haufen sich in Henleins Fascistenfront einzureihen Doch war eS eine Ueberraschung, als nach dem Böhmisch-Leipaer Paradeaufmarsch sogar linksorientierte Blätter vermeinten, sich nicht weiter um die Verhältnisse im sudetendeutschen Gebiet umsehen zu müssen und kurzerhand Henleins Partei als die stärkste im deutschen Lager deklarierten. Seit Sonntag ist in dieser vorgefaßten Meinung ein Umschwung eingetreten. Die emen verzeichnen es widerwillig, die anderen mit Anerkennung und Genugtuung. Die letzteren sind jene, die aus unserem Massenaufmarsch die Ueberzeugung gewonnen haben, daß Demokratie und Republik auch auf deutscher Seite wachsame, ehrliche, kampffähige Truppen besitzen und daß sie auf deren Solidarität bei der Verteidigung der demokratischen Errungenschaften rechnen können. Die andere Seite sieht sich gezwungen, vor unserer machtvollen Manifestation ihre Totschweigetaktik aufzugeben.' Soferne sie aber von uns Notiz nahm, geschah es nur, gehässige Angriffe gegen uns zu richten und unser unvermeidliches Ende zu prophezeien. Jetzt sieht sie, was es für eine Bewandtnis damit hat. Unsere Parteileitung erließ den Ruf: Auf die Straßei Keine lange Frist war für die Vorbereitungen gegeben; Geldmittel, wie sie Henlein in HWe und Fülle zur Verfügung stehen, gab es keine und die bürgerliche Presse unterließ das Trommeln, das sie im Falle Böhmisch-Leipa so ausgiebig besorgt hatte. Dennoch wurden unsere sechs Kundgebungen zu einer herrlichen, kraftvollen, nie dagewesenen Erscheinung. Wo ist noch eine Partei, die etwas ähnliches zustandebrächtel Und nicht nur, daß ein Wink genügte, um riesige Massen auf den Plan treten zu lassen, auch die Stimmung, welche die Teilnehmer erfüllte, zeugte von ihrs« ungebrochenen Kampsesmut, ihrer Treue und Hingebung zu der Partei, deren Führung sie sich unterstellt haben. Das war es, was unsere Manifestation bewies: daß alle Versuche von rechts und links, offen und getarnt, die sozialdemokratischen Bekenner von ihrer Partei fortzulotsen, vergeblich find. Der Unvoreingenommene konnte deutlich aus dieser Willenskundgebung heraushören: Wir stehen zu unserer Partei unerschüttert auch in Notzeiten! Faselt weiter davon, daß das Volk„der Parteien müde" sei und daß es sich nach„Volksgemeinschaft" sehne, worunter ja doch nur die Unterordnung unter das Kommando einer Kreatur des Kapitalismus gemeint ist! Wir bleiben doch der Partei, von der wir ein Stück selber sind, mit allen Fasern unseres Herzens treu, denn fie war jahrzehntelang unser einziger Schirm und Hort! Wir wisse», daß in dieser Zeit der vom Kapitalismus verschuldeten Krise, die uns ein oft kaum mehr menschenwürdiges Leben aufzwingt, die Wirkungsmöglichkoiten unserer Partei beschränkt find, aber wir wissen auch, daß sie alles tut was sie kann, um uns vor dem Aeußersten zu schützen und daß wieder eine Zeit kommen wird, wo sie uns treubewährt einer besseren Zukunft entgegenführen wird! Es ist trotzdem nicht anzunehmen, daß unsere deutschbürgerlichen Gegner die Hoffnung aufgegeben haben, größere oder kleinere Teile unserer Anhänger von uns loszusplittern. Sie rechnen dabei weniger auf ihre eigene Anziehungskraft, als auf die zermürbende Wirkung der Massenarbeits- losigkeit und auf die Verwirrung des nüchternen Denkens der in die furchtbare Rot hinausgestohe- ven Menschen. Wir glauben auch nicht, daß einzelne der tschechischbürgerlichen Parteien aus engherzigster parteipolitischer Verblendung herauS- Genosse Dr. Czech bei den Kundgebungen Genosse Dr. Czech nahm an der Komo- lauer Kundgebung teil, deren Beginn für 10 llhr festgesetzt war. Der Aufmarsch verzögerte fich um einige Minuten. Nach seiner Begrüßungsrede fnbr Genosse Dr. Czech nach Teplitz- Schöna u, um auch auf der dortigen Kundgebung eine Ansprache zu halten. Er kam jedoch zu spät. Auf der Straße nach Dux begegnete er dem starken Zug des Duxer Bezirkes; es wurde eine Versammlung improvisiert. In Bodenbach traf der Parteivorsitzende noch vor Beginn der Kundgebung ein. Kurz nach seiner Rede fuhr er nach Karlsbad ab, um auch die Karlsbader Kundgebung zu begrüßen. Er traf aber leider erst knapp "och Beendigung der Versammlung ein. So kam es. daß Genosse Dr. Czech, der die Absicht hatte, an allen vier böhmischen Kundgebungen teilzunehmen, nur zwei Versammlungen begrüßen W». finden und die Förderung der fascistischen Drahtzieher unter den Sudetendeutschen einstellen werden. Demgegenüber ist es erfreulich, daß auf Seite der tschechischen Linksparteien von einem größeren Stück Solidarität mit der deutschen Sozialdemokratie gesprochen wird. Unseren Kampf mit Henlein und seinen„aktivistischen" Förderern werden wir natürlich auch in aller Zukunft allein und auf unsere eigene Kraft angewiesen auszutragen haben. Wenn uns eine Hilfe zuteil werden kann, so ist es die Unterstützung unseres Wirkens gegen das immer schrecklichere Formen annehmende Elend im deutschen Gebiet. Die Arbeitermassen Für diese Erklärung Henleins bringt die T urnc rzeitung des Deutschen Turnverbandes, Folge 19, mit dem Datum 1. Weinmond 1934, folgenden Beweis(„Weinmond" ist gleichbedeutend mit„Gilbhart" und heißt in jüdischmarxistischen Demokratien„Oktober"): „Jugendfürsorge: Gerade sie muß aus den Fesseln, die vergeudende Wohltätigkeit im liberalistischen Sinn ihr angelegt haben, befreit werden. Es gilt nicht, erblich Minderwertige am Leben zu erhalten, ihnen das Leben zu erleichtern, damit sie später wieder nur Minderwertiges zeugen, sondern es müssen die verfügbaren Mittel für hochwertige und gesundheitlich bedrohte erblich Gesunde bereitgehalten werden. Ein gesundheitlicher Kataster aller Kinder, Förderung der Mütterberatungsstellen, der Säuglinzsfürsorge durch Anstellung von Fürsorgeschwestern, ärztliche Aussicht über alle Kinder zur rechtzeitigen Behebung von Gebrechen, deren Erblichkeit auszuschließen wäre, Waisenfürsorge, Berufsvormundschaft und Berufsberatung, sind ihre Hauptaufgaben. Daneben haben sie in vollständiger Trennung von allen vorgenannten Aufgaben einen K ata st er aller Schwachsinnigen, Blinden, Taubstummen und Krüppelhaften sowie aller Eichkranken zu führen, die Schutzaufsicht über sittlich gefährdete Kinder sowie die Unterbringung von Minderwertigen in Anstalten zu übernehmen. Im Vordergrund ihrer Aufgabe muß aber als neue Aufgabe die volksbiologische Arbeit stehen. Diese hat in Form von aufklä- renden Vorträgen über Vererbungslehre, Eugenik, Wert der Körpererziehung, Gesundheitslehre des Kindes und der werdenden und stillenden Mutter zu geschehen. In gleicher Weise hat auch die Aufklärung und Pflege der Familienkunde zu erfolgen, die zum Allgemeingut des Volkes werden muß. Dem BundderDeut sche n ist die Aufgabe gestellt..., dort, wo die Jugendfürsorge versagt, volksbiologische Aufklärung,... Unterstützung hochwertiger Kinder zu leisten." Diese Auffassung steht bekanntlich in schroffem Gegensatz zu den Doktrinen des Nationalsozialismus. Auch das Schlagwort von der„vergeudeten Tätigkeit im liberalistischen Sinne" ist auf sudetendeutschem Heimatboden gewachsen. Woher sollten es denn auch die Henlein-Turner haben, da sie doch nach Deutschland nicht reisen dürfen, wenn sie nicht in Gefahr kommen wollen? Gewerkschaftsiche Beratung Vierzigstundenwoche— Arbeitslosenfürsorge Am Dienstag, den 30. und am Mittwoch, den 31. Oktober d. I. fanden in Reichenberg unter dem Vorsitz des Abg. Genossen Roscher Beratungen der Zenträlgewerkschaftskommission mit den Vertretern der Verbände statt, die sich mit einer Reihe wichtiger organisatorischer, wirtschaftlicher und sozialpolitischer Fragen beschäftigten. Rach einem Bericht des Genossen M a c o u n über tun Verlauf der'Ausschußsitzung des Internationalen Gewerkschaftsbundes und über die notwendigen Hilfsaktionen für die Opfer des Fascismus in der internationalen Gewerkschaftsbewegung wurde übereinstimmend erklärt, daß nichts unterlassen werden dürfe, die getverkschaftliche Bewegungsfreiheit gegen alle Gefahren zu verteidigen und sicherzustellen und der Arbeiterklasse in den äscistischen Staaten im Kampfe um die Wiederherstellung dieser Bewegungsfteiheit beizustehen. Ueber die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche fand ebenfalls eine längere Aussprache statt, in der das ganze Problem von allen Seiten betrachtet und beurteilt wurde. Ueber den bisherigen Verlauf: der Verhandlungen zwischen den gewerkschaftlichen Spitzenverbänden der Arbeitnehmer und den Spitzenorganisationen der Industriellen wurde vom Genossen Schäfer ein ausführlicher Bericht erstattet, aus dem der Schluß gezogen werden mußte, daß der bis jetzt beschrittene Weg zur Mehreinstellung von Arbeitskräften in die Betriebe und zur Herbeiführung der 40-Stunden-Woche ungeeignet ist. Das wurde dann in einem Beschluß ausgesprochen, in dem es u. a. heißt: In den meisten Fällen find die auf Grund des Beschlusses des gemeinsamen Berhandlungsaus- schuffes aufgenommenen Beratungen zwischen den jeweiligen Vertretern der Arbeitnehmergewerkschaften und den einzelnen Industriezweigen ins Stocken geraten und bis jetzt nicht mehr in Gang zu bringen gewesen. Die Vertreter der freien Gewerkschaften haben alles versucht, um Vereinbarungen in der Industrie auf Einführung der 40- stehen treu zur Demokratie und zur Republik. Sollte etwas diese Treue jemals zu erschüttern imstande sein, dann konnte es nur die dumpfe Verzweiflung sein, die aus Not und Hoffnungs- losigkeit herauswächst und die noch überall als die erfolgreiche Zutreiberin des Fascismüs sich bewährt hat. Wollt ihr uns wirklich helfen in unserem Kampfe, der auch ein Kampf für die friedliche Entwicklung der Verhältnisse in unserem Staate ist, dann steht uns bei, auf daß es gelinge, der wirtschaftlichen und sozialen Not einen Damm entgegenzusetzen! Da erlauben sich diese Schwätzer vom„Erhalten erblich minderwertigen Lebens" zu faseln und wären, wenn man sie noch so sehr schüttelte, nicht imstande, die Kennzeichen für die e r b l i ch e Minderwertigkeit anzugeben. In. unseren Anstalten für Minde, Taubstumme und Krüppelhafte sind erblich Belastete nur in einem ganz geringen Prozentsatz vorhanden und die übergroße Mehrzahl dieser Unglücklichen trägt ihr Los als erworbenes und nicht als ererbtes Schicksal. Aber das will die Hitler-Henlein-Gefolgschaft gar nicht wissen. Sie nehmen den Mund voll und schwindeln die Hartherzigkeit und Steuerscheu zu einem Grundsatz höherer Sittlichkeit um. Sie könnten auch nicht angcben, welcher Schwachsinn erblich bedingt und Ivelcher erworben ist, denn das weiß heute selbst die Fachwissenschaft nicht recht! Aber die Wissenschaft hat sich ja bekanntlich den natio- rialcn Belangen unterzuordnen und so wird die Henlein-Gefolgschaft— in voller Unabhängigkeit von der Hitler-Gefolgschaft— weiter Blinden- und Hilfsschulen, bekämpfen und gegen jedes menschliche Erbarmen als liberälistische Verirrung wettern und wirken. Und mit der Förderung der Mütterberatungsstellen haben wir auf die Nazi vom Turnverband gewartet! Ueberall, wo echte Vertreter der Volksinteressen, also die verfluchten Marxisten, von Einfluß tvaren, haben sie das Notwendige längst getan, und, wie sie stark genug waren, in musterhafter Weise getan! Wie haben uns die Nazi dabei gestört," und wie haben sie diese Arbeit begeifert! Man erinnere sich nur, wie giftig sie die Arbeit unserer Wiener Genossen verleumdet haben, deren Fürsorgewerk für Mutter und Säugling einzig in der Welt war. Und sie ltzNcü.sich gefälligst bei ihren Gesinnungsfreunden jenseits der Grenze— vielleicht durch das Jn- stttnt für das Auslandsdeutschtum mit den Farben Schwarzrotfchwarz— darüber erkundigen, was an hohen Leistungen der Fürsorge für Mutter und Kind in D e u t s ch l a n d bereits eingegangen ist, seitdem die„vergeudende Tätigkeit im Sinne libe- ralistischer Sinne" abgeschafft wurde und die Pflege der Erbwerte eingesetzt hat. Es soll dafür gesorgt werden, daß nicht auch bei uns die Jugendfürsorge durch Statthalter Henlein in den Abgrund geführt wird. Stundenwoche zustande zu bringen, damit eine Mehreinstellung von Arbeitskräften in den Pro« duktionsprozeß ermöglicht wird Sie konnten aber in den einzelnen Verhandlungen nirgends ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen, da die Unternehmer an ihren Einwendungen gegendie angc st rebten Maßnahmen mit wenigenAuS nahmen fest hielten. Daraus ergibt sich, die zwingende Notwendigkeit, auf dem Wege der Gesetzgebung die Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche hevbeizuführen. Die freien Gewerkschaften verlangen deshalb, daß der seinerzeit vom Mini- sterium für soziale Fürsorge ausgearbeitete und zur öffentlichen Erörterung aufgelegte Gesetzentwurf über die Einführung der 40- Stundenwoche und der gleiche, von den sozial- demokrattschen Parteien im Parlament gestellte Antrag der Gemeinsamen Getverkschastljchen Landeszentrale der parlamentarischen Erledigung zugeführt werden, damit endlich durch die dringend notwendige Verkürzung der Arbeitszeit der Umfang der Arbeitslosigkeit verringert wird. Die Beratungen am zweiten Tage galten durchwegs der Arbeitslos enunterstüt- z u n g. Genosse Kirchhof zeigte in erschöpfenden Ausführungen auf, was von den Gewerkschaftszentralen in den verflossenen 14 Monaten unternommen wurde, um die schlimmsten bürokratischen Verfügungen zu mildern. Die im Zuge der staatlichen Ersparungsmaßnahmen von den Par- teien der Besitzklasse erzwungenen Verschlechterungen der staatlichen Arbeitslosenfürsorge haben neben dem Abbau des Staatszuschuffes zur gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung viele Ünklar- heiten in der Durchführung mit sich gebracht. Die Gewerkschaftszentralen waren bestrebt, die für die Arbeitslosen ungünstigen Auswirkungen der Novelle vom 29. Juli 1933 im Rahmen des Gesetzes erträglicher zu gestalten und den den Staatszuschuß auszahlenden Gewerkschaftsorganisationen die Arbeit zu erleichtern. . Die ernsten Beratungen sowie di« Ergebnisse zeigen in aller Deutlichkeit, daß unsere freien Gewerkschaften mit aller Kraft bemüht sind, die Interessen unserer Arbeiter und Angestellten zu wah-1 reu. Dank an die Jugend Arbeiterjungen und-Mädeln! Ihr habt Euch am 4. November zu Tausenden in die Kundgebungen eingereiht. Die Not lastet auf Euch am stärksten. Aber Euer Mut und Euere Kampfbereitschaft sind ungebrochen. Ihr habt gezeigt: in den breiten Massen der proletarischen Jugend ist das Bewußtsein lebendig, daß die Zukunft der Nation und ihrer Jugend auf die sozialistische Bewegung gestellt ist. Den Kampf um ein glücklicheres Dasein wollt Ihr mit in den ersten Reihen führen. Das hat der 4. November gezeigt. Er hat aber auch bewiesen, daß alle Hoffnungen der Gegner, die Sozialdemokratie sei von der Jugend verlassen, trügerisch sind. In keiner anderen Bewegung ist soviel Treue und Opferbereitschaft der Jugend zu sehen wie in der sozialistischen. Der Freiheitskampf des Proletariats eint alt und jung; dieser. Kampf ist des Einsatzes unserer ganzen Kraft, ist vor allem des Einsatzes der Jugend wert. Euer vorbildlicher Einsatz hat aber auch gezeigt, wie wertvoll die Arbeit des Sozialistischen Jugendverbandes ist, in dessen Rahmen Ihr Euch schult und auf die Kämpfe des Tages vorbereitet. So wurde der 4. November durch Euch auch zu einem Ehrentag der sozialistischen Jugendbewegung. Dafür sei Euch, Jungen und Mädeln, herzlicher Dank gesagt! Der Verbandvorstand des Sozialistischen Jugendverbandes Das Filmkontinsent fällt Am Montag hat Handelsminister D o st a- lek endgültig seine Zustimmung zur Aushebung des seinerzeit von dem nationaldemokratischen Handelsminister Matousek errichteten Filmkontingents gegeben, das die Einfuhr der guten«merikanischen Filme verhinderte, die Einfuhr der hitlerdeutschen förderte und als„Ausgleich" auch noch die Herstellung gleichgeschalteter Schundfilme am Barrandov zur Folge hatte. An die Stelle des Kontingents wird ein Registrierverfahren treten, das für die Einfuhr jedes Auslandsfilmes^ine Abgabe von 20.000 XL .zugunsten der heimischen Filmproduktion vorsieht. Vom Arbelter-Turn- und Sport-Verband Dank der Bundesfußballeitung Atus Der Bufa dankt allen Arbeiterfutzballern auf diesem Wege für die restlose Pflichterfüllung der aktiven Teilnahme an dem großen herrlichen Bekenntnis der sudetendeutschen Arbeiterschaft zur Fahne der deutschen Sozialdemokrasie. Wir, wollen auf diesem Wege, weiterfahren und auch weiterhin als vollwertiges Glied dieser großen und im Dienste der Arbeiterklasse stehenden Kampfgemeinschaft unsere Pflicht erfüllen. Die Idee des Sozialismus ist die Grundlage unserer Erziehungsarbeit und der Enderfolg unserer Bestrebungen. Arbeitersutzballer! Unserem Bekenntnis muß der Eintritt in die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei folgen! Mr den Bundesfussbollausschuß G. E r I a ch e r, Vorsitzender. Bedeutsame Beschlüffe des Atus Samstag, den 8. November, fand in Aussig eine Sitzung der führenden technischen Funkttonäre des Verbandes mit den technischen Kreisleitern und den Kreissekretären statt. In zehnstündiger Beratung wurde zu den Erfahrungen des vergangenen Jahres Stellung genommen und der Arbeitsplan fvr 1938 festgelegt. Das kommende Jahr bringt in allen Kreisen des Atus großangelegte Kreisfeste, die an Umfang und Inhalt weit über den bisherigen Kreisfesten stehen werden. Das Geräteturnen soll im Atus dadurch größere Bedeutung bekommen, daß sin nächsten Jahre. durch Geräteserienwettkämpfe die besten Mannschaften der Bezirke, Kreise und deS Verbandes ermittelt werden sollen. Die Sparten Leichtathlettk, Turnen und Turnspiele werden in allen Instanzen der Organisation Arbeitsgemeinschaften bilden. Turnftiiele und Leichtathlettk werden als wesentliche Bestandteile der turnerischen Körpererziehung erklärt und in den Uebungsstofs des Turnens einbezogen. In a«n Vereinen, in denen die Voraussetzungen gegeben find, muß auch Leichtathletik geübt und das Turnspiel gepflegt werden. Die Turnerinnen werden Wollehball, Kinder und Jugend das früher stark betriebene Raftballspiel als Pflichtspiele üben. Nach langer und gründlicher Vorbereitung wurve beschlossen, ein Sportabzeichen einzuführen. Vorläufig ioird das für die Jugend(18 bis 21 Jahre) ausgeschrieben. Die näheren Bestimmungen wurden genehmigt und werden in nächster Zeit veröffentlicht. Au den Stafetten des Aruk im Jahre 1938 werden sich auch die Vereine des Atus beteilige«, „Der Nationalsozialismus endet an den Grenzen der Tschechoslowakischen Republik“ Und wie es in Wirklichkeit aussieht Seit« 6 Mittwoch, 7. November 1834 Nr. 2-1 TagcsncuigifcMcii Q as j S f die Heimatfront! u g- 51268, 61198, Staatsbürger durchzusetzen, die bereits mehrere Monate lang in deutschen Gefängnissen unter dem Verdachte der Spionage in Haft gehalten werden. Es handelt sich um die 23jährige Lilian Steele aus Hollywood und den naturalisierten amerikanischen Bürger Richard Roiderer aus Chicago. selbst einige hundert Arten von Spirituosen Herstellen und verkaufen. Der Verbrauch an Spirituosen ist dank der unermüdlichen Arbeit der Schulen besonders in den historischen Ländern in stetem Rückgang. Nun soll diese langjährige Erziehungsarbeit durch die National-Vodka vernichtet werden. Das neue Getränk soll erstklassig sein und nur 27 X£ per Liter kosten, so daß es den breiten Schichten zugänglich sein wird. Es ist den Schnapsbrennern anscheinend nicht genug, daß in unserer Republik trotz der Krise jährlich 4—5 Milliarden Xö vertrunken werden. Zivilehe in Griechenland. Trotz Widerstandes des Synods der griechisch-orthodoxen Kirche beabsichtigt die griechische Regierung dem Parlament einen Gesetzentwurf zu unterbreiten, durch dey Zwilchen eingeführt werden. Blutiger Fluchtversuch. In Angola(Louisiana) unternahmen fünfzehn auf einem Felde arbeitende Sträflinge des Staatsgefängnisses plötzlich einen Fluchtversuch."Ein Sträfling wurde von den Gefängnisbeamten erschossen, vier wurden schwer verwundet. Die übrigen konnten wieder eingefangen werden. Ein Sandsturm. Der Ort R a n t o n in der USA-Provinz Alberta wurde am Montag von einem Sandsturm überrascht. Plötzlich verdunkelte sichdieSonne und die ganze Gegend von Nan- ton wurde in Nacht gehüllt. Der feine Sand häufte sich wie Schneewehen in den Straßen. Der Verkehr war zeitweise lahmgelegt. Bei einer Gefechtsübung in der Nähe der Bucht de la Magdalena an der Küste Niederkaliforniens (Mexiko) rammte der Zerstörer.Ellis" in voller Fahrt bei einem Torpedoangriff den Zerstörer.M- C Farland", der anscheinend ein großes Leck erhielt. Ein amerikanischer Kreuzer und zwei Tender leisten den beiden amerikanischen Zerstörern Hilfe. Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westen des Staates unsicher, Zunahme der Bewölkung und der Niederschlagsneigung, etwas kälter, Südwestwind. Im übrigen Teil des Staatsgebietes vorläufig keive größeren Aenderungen, strichweise etwas stättere nächtlich« Abkühlung, sonst ziemlich-war», Südost«' wind. Später allmählich' Verschlechterung vom Süden her nicht ausgeschloffen. Matuschka„vollkommen geknickt" Budapest. Der Eisenbahnattentäter Matuschka, -der am ersten Verhandlungstage Gericht und Zuhörerschaft durch die unglaublichsten Einfälle zu verwirren und zu seinen Gunsten umzustimmen versucht hatte, nahm gleich zu Beginn des gestrigen zweiten Vrrhandlungstages eine vollkommen geänderte Haltung ein. Er stand gebrach en, nervös zitternd da und gab nur zögernd seine Antworten. Schluchzend und v o l l k o m m e u g e 1-n i ck t schildert er, wie er nach dem"Kriege- durch seine Frau zur Religiosität bekehrt worden sei. Als die Frage der Attentate gestreift wird, will sich Matuschka breitschweifig über die einzelnen Opfer auslassen, was ihm jedoch der Vorsitzende mit der Bemerkung verwehrt, er werde seinerseits genügend darüber sprechen können. Er habe, sagt dann Matuschka, nicht morden wollen, er! habe gar nicht daran gedacht, daß seine Anschläge! auch Todesopfer haben könrilen. Dann erörtert er' in phantastischesten Ge danken gangen, wie er aus! den Gedanken der Gründung einer religiös- kommuNistischen Partei gekommen sei und wie er sich die Mittel dazu beschafft habe. Bier Arbeiter verbrannt Paris. Bei C e t t e am. Golfe du Lion waren vier Arbeiter mit Ausbefferungsarbeiten an einem leeren Petroleumbehälter beschäftigt. Plötzlich erfolgte eine riesige Explosion. Die Arbeiter wurden in-die Luft geschleudert. Drei von ihnen fanden indenF lammen d e n T o d. Der vierte trug so schwere Verletzungen davon, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Das Feuer konnte glücklicherweise bald gelöscht werden. Man nimmt an, daß einer der Arbeiter beim Anzünden einer Zigarette die aus dem Behälter ausströmenden Gase entzündet hat. Gedenkfeier für Karl termak In Präs Heute, Mittwoch, 7. November, um 11 Uhr Bormittag findet am Grabe Karl Eermaks am Wolschauer Friedhof beim alte» Krematorium, eine Gedenkfeier statt, au der sich sowohl Bertreter von Parteiorganisationen aus der Provinz, als anch die Prager Genosse» beteilige«. so doch mit ein paar Glas Bier den leeren Magen stillen kann, verschweigt man auch hier. Immer-, hin ergänzt die eine Notiz die andere. Rudolf Breitfcheid. Rudolf Breitscheid, der langjährige Vorsitzende der Reichstagsfraktion der SPD, feierte am 2. November seinen sechzigsten Geburtstag. Breitscheid, der in Paris lebt, wurden aus diesem Anlaß viel ehrende Aufmerksam- Eine beredte Meldung Gleiwitz. Auf Grund des Erlasses über dv ungerechtfertigten Preis st eigerungei wurden am Montag in Hindenburg ein Fleischerbetrieb und in Beuten vier Fleischerbetriebe polt zeilich geschlossen. ihre Unterläufel teil. Ein Auto nach dem andern fuhr am„Semmering" in Halbstadt(ein bekanntes Ausflugslokal) mit sehr illustren Gästen auf und in mehr als einer Nacht wurde der Geburtstag des von der Krise betroffenen Mannes begangen. Dabei zeigte sich, daß unsere Industrieführer, wenn schon nicht auf wirtschaftlichem Gebiet, so doch in gesellschaftlicher Beziehung auf der Höhe find. Zu der Feier ließ mqp eigens aus BudapesteineZigeunerkaPelle, die an die 15.000 XL kostete, kommen. Für Champagner wurden mehr als 10.000 XL verbraucht. Was sonst bei dieser Schlemmerei noch ausgegeben wurde, dürfte sicher zur Aufrunvung der Summe von 50.000 XL für die Gesamtkosten der so wichtigen Angelegenheit beigetragen haben. Aber es wurde nicht nur gefreffen und gesoffen, man hörte nicht nur die feurige Zigeunermusik, sondern auch eine Rede aus dem Munde eines mtt völkischem Geist und ebensoviel Alkohol erfüllten, aus der Hakenkreuz- und Henleinbewegung her bekannten Schriftstellers, der daneben sehr viel von der Not des deutschen Volkes zu sagen weiß. Und das alles, dieweil rund um den„Semmering" tausende deutscher Volksgenoffen hungern und zugrunde gehen. Beffer kann die Wesensart dieser Geboren 1780... Aus Moskau wird berichtet: Vor kurzem erschien in den Blättern die Meldung, daß ein Bauer in der kaukasischen Gemeinde Kumhffi-Artemia, namens Lagijasvili, ein Alter von nahezu 150 Jähren erreicht hat. Nunmehr wird mitgeteilt, daß io« Kreise Otsemirsk im Kaukasus ein 154jährigek Abchase namens Chapar Chiut lebt. Sein Alfer ist durch offizielle Belege des dortigen Amtes für die BaterlandSkunde der Abchasen beglaubigt und in dem Museum dieses Institutes befindet sich auch eine Photographie des Greises. Chapar Chiut erinnert sich noch sehr gut an den Einzug des russischen Militärs in Abchasien und an die Zeit, in der die Abchasen in die Türkei auSwanderten und an andere historische Ereignisse. Bis zum Jahre 1982 erfreute sich der 154jährige Greis einer festen Gesundheit. Erst in diesem Jahre hat sich sein Gesundheitszustand verschlechtert. Von seinen Kindern ist nur noch ein Sohn am Leben, der ein Alter von 90 Jahren erreicht hat. Deffan-Sohanneobnrs in 43 Stunden Johannesburg. Drei Junkersfl einem Flug nach Südafrika gestartet waren, sind; Glückwünschen an. Pflichtgebrte für Hitler! Das Amtsblatt der Berliner Pfarrer veröffentlicht eine Anordnung des Reichsbischofs Müller, wonach beim sonntägigen Gottesdienst der Gemeinden Regelmäßig für Vom Rundfunk ■mptahteMwartaB au* den Programmani Mittwoch: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsch« Nachrichten, 10.15: Konzert des Salonorchesters, 16.45: Kindertheater, 17.50: Schallplatten: Puccini, 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.30: Arbeitersendung: Felix Skoutajan: D«r Arbeiter und das Theater, 18.50: Sozialinformationen, 19.35: Konzert des Prager BläserquiutettS, 20.35: Klavierkonzert. Sender S.: 14.15: Die Jungen sprechen, 15.05: Deutsche Sendung: Oberlehrer Scholz: Bunte Kinderstunde, 15.40: Deutsch« Preffe- — Brünn 17.50: Deutsche Sendung: Dr. Hulier: Gebiß und Schönheit, 19.55: Das tschechisch« Lied von Smetana.— Mähr. Ostrau 18.20: Schallplatten: Leoncavallo.— Preßharz 18: Liederkonzert.— Kascha« 19.45: Orchesterkonzert. Donnerstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. 11: Schallplatte», 12.10: Chansons, 17.55: Deutsche Sendung: Jugendstunde, 18.55: Deutsch« Preffe, 19.10: Schallplatte», 21.20: Konzert des OndriLek- quartettes, 22.15: Schrannnelkonzert. Sender S' 14.35: Balalaikakonzert, 15.05: Deutsche Sendung» Schindler: Einige Bemerkungen über unseren Handel, 15.25: Szenen aus Berbi-Opern, 18.20: Konzert des Prager Salonorchesters, 19.15: Caruso auf Schallplatten.— Brünn 13.35: DeutscherAr« bei ts markt, 17.30: Bukulesänger auf Schallplatten, 17.50: Deutsche Sendung: Dr. Stern: Erich Mühsam.— Mähr.-Ostrau 17.55: Deutsch« Sendung: Konzert des Zither-SertetteS.— Preß' barg 12.15: Schallplatte», 17.20: Klavierkonzert. 19.80: Unterhaltungsmusik.— Kascha« 15.55: Orchesterkonzert. Ziehung der Klassenlotterie (U nverbindl ich.) Prag. Bei der Diensrag-Ziehung der 5. Klaffe der 31. Tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 26.000 K« die Lose Nr. 11188, 22213, 24247, 25580, 63149;, 10.000 K6 die Lose Nr. 3400, 20007, 72519; 5000 K6 die Lose Nr. 53919, 57957, 78099, 20961, 63064, 61243, 47744, 13366, 82205, 10470, 3834, 5929, 25781, 31576, 18594, 26755; 2000 K« die Lose Nr. 63217, 10578, 22234, 10360, 79839, 101586, 2246, 25964, 102611, 63281, 19813, 13292, 71143, 9424, 35251, 107653, 19654, 26918, 9516, 4129, 55222, 49004, 65027, 92038, 82949, 44113, 106280, 10545, 19035, 83783, 63666, 72893 49398, 10164, 85705, 57471, 35057, 17717, 19763, 48237, 59266, 35493, 20376, 92851, 79386, 67754, 89116, 106021. 83879, 81744, 37472, 50180, 23247. Ein Mord bei Nachod Nachod. Das Polizeiamt in Nachod teilt mit:! In der Nacht zum 6. November tötete in Dolni' Radechovä der 21jährige Knecht Josef Hla- v ä L e k aus Beliny bei Holice die Franziska Jirmanova durch einen Schuß aus einem\ Jagdgewehr, das er seinem Arbeitgeber Bretislav CvrLek aus Dolni Radechovä^entwendet- hatte Gendarmerie und Polizei forschten noch HlaväLek. rts O---1 t. VH O k'< y af WWWUMU|Wb VIC UU» K^ICILV lll VUUCUl CIU9UIUK rfU.1 SÄÄÄ SüÄÄ. ±! M—. HtwnM«,«„ mtt.I wo er unter dem Namen Rotter als Beteiligter in der sogenannten Rotter-Affäre bekannt sei. Schaie wurde der Staatsanwaltschaft in Aix-en- Provence zugeführt, wo über den Auslieferungsantrag Beschluß gefaßt werden wird. Kommunistensäuberung im Wolgagebiet. Rach einer Moskauer, amtlichen Mitteilung wurde die Säuberungsaktion im mittleren Wolgagebiete beendet. 2400 Kommunisten wurden aus der Partei ausgestoßen und gegen 81 ein Verfahren wegen verschiedener Unterschlagungen und Verletzungen von Staatsgesetzen eingeleitet. In anderen Teilen des Wolgagebietes wird die Säuberungsaktion noch fprtgesetzt. Transozeanstugzeug beschlagnahmt. Das Flugzeug, in dem Sir Charles Kingsford- Smith kürzlich den Stillen Ozean überquert hat, ist auf Veranlassung eines Mannes, der behauptet, der berühmte Flieger schulde ihm 2760 Dollar, in Los Angeles mit Beschlag belegt worden. Ein Gerichtsvollzieher hat sich des Apparates bemächtigt und unmittelbar dabei auf enem Lehnstuhl Platz genommen, um das Flugzeug im Auge zu behalten. Kingsford-Smith wird eine Sicherheit von 5500 Dollar hinterlegen müssen, wenn er die freie Verfügung über seine Maschine wieder zu erlangen wünscht. Durch die Auffindung der 17 Chinesen in Atlantic(New Jersey) ist die amerikanische Bundespolizei einem Schmuggler-Ring auf die Spur gekommen, der sowohl an der Ostküste als auch an der Westküste arbeitete und bereits über 100 Chinesen nach Amerika e i n- geschmuggelt hat. Außerdem haben die Schmuggler O p i u m im Werte von über einer Million Dollar auf Schleichlvegen ins Land gebracht. Um die Tätigkeit der Schmuggler zu unterbinden, hat die Bundespolizei nunmehr eine scharfe Ueberwachung der Küsten der Vereinigten Staaten durch Flugzeuge angeordnet, die etwa noch auf hoher See wartende Schmugglerschiffe auffinden sollen. Außerdem werden alle verdächtigen Schiffsbewegungen zwischen China, Westindien und der Küste des Stillen Ozean und des Atlantischen Ozeans aus der letzten Zeit nachgeprüft. Zwei schwere Berkehrsunfälle ereigneten sich Sonntag bei W i e n. Ein Wiener Personenauto wurde in dersOrtschaft Wollersdorf von einer Lokomotive der Aspang-Bahn erfaßt und vollständig zertrümmert. Eine der Insassinnen des Autos, Hilde Siegelt aus Wien, erlitt schwere Verletzungen und starb bei ihrer Einlieferung ins Krankenhaus. Die zweite Insassin, Leopoldine E r.n e r, wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Unfallstatton eingeliefert. Der Lenker des Autos kam mit leichten Verletzungen davon.— Auf der Straße nach Leobersdorf stießen zwei Radfahrer, deren Räder unbeleuchtet waren, zusammen. Der eine Fahrer blieb mit einem Schädelbruch tot liegen, während der andere, der anscheinend nur leichte Verletzungen erlitten hatte, unerkannt davonfuhr. Die Identität des toten Radfahrers konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Intendant Frage verurteilt. Das Militärgericht in Belfort hat den Intendanten Froge wegen Spionage zu fünf Jahren Kerker, zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für zehn Jahre und zu zehnjähriger Ausweisung verurteilt. Gleichzeitig hat das Gericht den Spion Kraus, der den Intendanten Froge angezeigt hatte, zu fünf Jahren Kerker verurteilt. Sorgen um den Rationalschnaps. Unter diesem Titel schreibt das„Ceske Slovo": Da die Spiritusfabrikanten nicht wiffen, wie sie ihren Spiritus anbringen sollen, erzeugten sie nach sorgfältigen, kostspieligen Versuchen eine Csl. V o d k a mit 40% Alkoholgehalt. Darob große Auftegung unter zehntausenden von Schnapsbrennern, die bitte zu tun ist. «...ic ivw w I Fritz Rotter in Nizza verhaftet. In einem ten alle drei Flugzeuge ohne jede Beschädigung' h>urbe der deutsche Staatsange- ihren Flug durchführen. I^„Dr. jun Friedri«h Schare, geboren | rn Leipzig, früherer Direktor der Berliner Theater Z«-r Amerikaner monatelang°uf Grund eines Auslieferungsantrages der ! Relchsregierung verhaftet. Schaie wurde wegen in dentschen Gefängnissen, V e r t r a u- n s b r u ch- s und b e t r ü/e- Washington. Die Regierung der Vereinigten rischen Bankerotts gesucht. Er verwahrte Staaten erwägt scharfe diplomatische sich gegen seine Verhaftung und behauptete, daß Maßnahmen, um bei der deutschen Regie- man ihn lediglich unter einem Vorwand rung die Freilassung zweier amerikanischer nach Deutschland befördern wolle. ! deutschen Bürgertums und wohl 99 Prozent der ! deutschen Unternehmer zu den Nationalsozialisten. ! Seit dem Verbot der Hakenkreuzler sind diese Leute restlos zur Henleinfront übergegangen. Sie machen weiter in Volksverbundenheit und völ kischer Einheit. Wie sie diese Einheit zu feiern verstehen, darüber berichtet nun unser Bruder blatt, das„Trautenauer Echo" in sehr anschau licher Form. Einer der Textilindusttiellen, von denen man sagt, daß sie von der Krise schwer bettofsen sind, feierte seinen Geburtstag und das offenbar kn der Absicht, zu beweisen, daß das Gerede von der schlechten Geschäftslage unserer Industrie noch lange nicht gleichbedeutend mit Lebenssorgen der Industriellen ist. An der Geburtstagsfeier nahmen> Schicht der Sudetendeutschen fast nicht gekenn- alle in dem Gebiete bekannten Fabrikanten und' zeichnet werden. ---~._•„“> uu»«uiun VI««upiimiuui» 3- e«r£.^cn ttiten zuteil. Auch wir schließen uns den herzlichen Montag in Johannesburg eingetroffen. Die Flug-! zeuge haben fiir die gewaltige Strecke eine reine Flugzeit von nur 48 Stunden und 30 Minuten benötigt. Der Flug führte über Kairo, Chartum, -ub- D^-m- UN» S-li-du-U Die zu°«I-M,eii x-- der Maschinen wurde während emes furcht- baren Tropengewitters über dem wei-, ßen Nil auf eine schwere Probe gestellt, doch kann-- 49230,' 19709. i 89867.! „Witz" über die Arbeitslose«... Das Bürgertum hört nie die Wahrheit Arn. Es liebt die ernstesten Dinge durch eine Beigabe von„Volkshumor" erträglicher zu machen, wenn schon darüber geredet werden muß. Warum sollte, diese Methode nicht auch bei dem Gespenst unserer Zeit, der Arbeitslosigkeit, angewendet werden? Früher hat man, um die Wahrheit über das Elend des Arbeiters zu übertünchen, die Spottfigur des Maurers erfunden, der nie zur Arbeit kam, weil er ewig mit der Instandhaltung seiner Tabakpfeife zu tun hatte. Nun, da der neue Typ, der Arbeitslose, die Ruhe beim Mittagessen stört, versucht Schmock ihn recht gemütlich zu zeichnen, damit man bei'öem GedaitkLn M'ihn nicht'M- schrecke. So etwa in der Wihecke der Dienstagnummer des„Prager Tagblatt": „Die Krise in Amerika bleibt an Schärfe hinter unserer keineswegs zurück. An der Kreuzung der Third Avenue und der 64.-Straße, im Nordosten, gibt es eine Küche, wo man Suppe an Arbeitslose austeilt. Die Menschen stehen dort Schlange. Da kommt ein Zeittmgsjunge herangekeucht und ruft ein Extra aus:„Zahlungsschwierigkeiten der Bronxbank". WieeinMann stürzen die Arbeitslosen davon, um von der Bronxbank ihre Konti abzuhebe n." Hasten wir dem eine andere Meldung gegenüber: „Der Arbeitslose Rudolf Seidel in Stadt Olbersdorf wettete um einige GlaS Bier, daß er einen gebrauchten Fliegenfänger aufessen werde. Er machtt diese Behauptung tatsächlich wahr, und die Folge davon war, daß er krank ins Spiral . geschafft werden mußte. Nach einigen Tagen verließ Seidel das Spitgl und jetzt starb er an den Folgen seiner unsinnigen Wette." Diese Meldung fanden wir unter den Tagesneuigkeiten einer andern deutschbürgerlichen Zeitung.„Unsinnige Wette" heißt es hier, als ob es sich nur um einen Spaß gehandelt hätte. Daß die grauenhafte Not allein den Arbeitslosen zu -»»w,' dieser ekelerregenden Wette verleitet hat, damit 101558,'| er sich endlich einmal, wenn mtt nichts anderem, . m p, m l rf m«r«c i,_■ IVULCIl UdUilllllLll. UUCL LCVCl UIUII lll C U L unt-r der Na e euren Bartanflug. Bekleidet; war Volksverbundenheit und völkischer Einheit als er nut emem kurzen, dunklen Rock, langen grauen^n in diesem Braunauer Ländchen. Nach dem H°'-n.°mer grauen Mutze und Schnur>chuhen.^ März 1933 bekannten sich 70 Prozent des Es handelt sich um seme Arbeitskleidung, die be-,« iirrt, rhima ltnh m7bl»o h,r rerts ziemlich abgetragen ist. Als beionderer Um stand sei erwähnt, daß HlaväLek sehr schnell spricht. Ein Selbstmord scheint nicht ausgeschlossen, da der Täter mit dem Gewehre geflüchtet ist. 15.000 KC für Zigeunermusik, 10.000 Ki für Champagner für die Arbeitslosen keinen Heller Die Not der Arbeitslosen im Brau nauer Ländchen ist in der Republik zu einem Maß-! stab für das Elend der Textilarbetter während der Wirtschaftsttise überhaupt geworden. Seit Jahren verzeichnet man auf einem verhältnismäßig klei- f nen Industriegebiet ununterbrochen Diusende von Arbeitslosen, die das Elend in vollem Ausmaß zu! Nr. 26t Mittwoch, 7. November 1934 Sette 7 Glück oder Leistung? Von Hella H ü<* e l-Rohm. Die sooft vorgenommene Gegenüberstellung von Glück und Leistung, resp. die Verteidigung des lcistungslosen Genusses, regt zu näherer Betrachtung eines Glücksbegriffes an, mit dessen Befürwortung Menschenfreunde seltsamerweise immer wieder Schiffbruch litten. So sicher es ein kapitalistischer Engel war, der die Menschen aus dem Paradies süssen Nichtstuns und täglich 24stündigen Geniessens vertrieb, so gewiss es eine kapitalistische Ideologie ist, die die Arbeit um der Arbeit willen preist, so unzweifelhaft müsste Genuss als Selbstzweck zu einem kläglichen Zusammenbruch im Völker- und im Einzelleben führen. Glückseligkeit um der Glückseligkeit willesi ist so unsinnig, wie Arbeit um der Arbeit willen, weil beides erst im Hinblick auf die Mitmenschen Sinn und Inhalt bekommt. Wird nun aber keinem ernsthaften Menschen bei dem Gedanken an Trennung von Leistung und Genuß eine wirkliche Leistungslostgkcit vorschweben, so gibt es durchaus ernsthafte und ernst genommene Menschen, die die Erhaltung der Arbeit um der Arbeit willen, die Verlangsamung der maschinellen Entwicklung zwecks Bewahrung der menschlichen Arbeitsfron fordern, die menschliches Elend und proletarische Not auf Auftlärung und Politisierung der Massen schieben, in dem Sinne etwa, als wäre die Tuberkulose aus der Welt geschafft, wenn man den Kranken glauben liehe, er habe keine. Handelt es sich aber nicht um ein Ausruhen auf errungenen Lorbeeren, sondern, wie z. B. auf dem Prager Philosophenkongreß ausgeführt wurde, um di« Zuwendung zu übermateriellen Zielen, heisst die Ausnutzung der maschinellen Vervollkommnung, die Befreiung oon der Atbritssklaverei nicht Nichtstun, sondern Weiterarbeit von einer höheren Plattform aus, so bedarf es nicht neuer Wertmassstäbe, sondern neuer Wirtschaftsformen. Arbeit auf einer neuen, menschlichen Bedingungen entsprechenderen Grundlage, nicht minder ernst, doch sinnvoller und fruchtbarer als bisher, erfordert keine Lossprechung. Bielleicht war es das Verhängnis aller Glückslehren, daß sie daS übersahen oder doch nicht genug betonten. Vielleicht lag hierin ihre mangelnde Schlagkraft heroischen Idealen gegenüber. Menschliches Glück ist nicht Ruh«, sondern Bewegung, nicht Genuß des bereits, sondern Kampf um das noch nicht Erreicht«. Richt Befreiung von der Arbeitsfron an sich, sondern Befreiung ftr höhere Zwecke, nicht Entfaltung der Persönlichkeit, sondern Förderung der Gesellschaft durch diese Entfaltung bann der Sinn der Technik sein. Ohne den Einbau in die Gemeinschaft muß jeder ideelle und wirtschaftliche Befreiungsversuch im Leeren versanden, ist-jede GlückSlehre- zum-Scheitern verurteilt. Glück als-Selbstzweck gibt t8 ntcht.und'wer es sucht, wer es vermitteln will, muss gleicherweise Enttäuschungen erleben; es gibt im besten Falle befriedigende Beziehungen zur Arbeit und zu anderen Menschen, die zu gestalten als Glück empfunden werden kann. Menschliche Glückseligkeit ist unweigerlich an das Bewusstsein einer per- sönlichen Daseinsnotwendigkeit, einer Verflochtenheit mit Mitmenschen und Gegenwartsgeschehen gebunden. Man kann„Glück" nicht losgelöst von den anderen geniessen. Man kann nicht Glück ge- sts«hcn, ohne über sich selbst hinaus zu denken, und das heißt, ohne überpersönliche Ziele, gemeinhin Ideale genannt. DaS Streben nach Idealen geht so weit, dass man sich in Ermangelung echter an falsche klammert, daß man es vorzieht, für «in künstlich aufgebautes Heldentum zu sterben, vlS für das eigene Wohlbefinden zu leben. DieS ist der Vorteil, den Heroenkult und heldische Weltanschauung vor jeder Nützlichkeitslehre voraus haben. Der Mensch greift in dem Streben, über seine sterbliche Erdgebundenheit hinauszuwachsen, wahllos auf, was von seiner Zeit als überpersönlicher Wert aufgestelll wird, Krieg, Vaterland, Martyrium, Rassenwahn, Einsatz für Freiheit und für Menschlichkeit, Fanatismus jeder Art. Er fasst umso gieriger danach, als das Teilhaben an einer heroischen Bewegung ihm selbst ein Stückchen Heldentum verleiht und so ein Selbstwertgefühl hebt— in einer auf Konkurrenz begründeten Gesellschaft ein nicht zu unterschätzender Punkt. Und er greift leicht nach den unechten Werten, weil es in ihrem Wesen liegt, sich aufdringlicher und prahlerischer bemerkbar zu machen, als die anderen. Scheinwerte, falsches Heldentum, unwahre Ideale werden solange in Geltung bleiben, bis es einer Gesellschaft gelingen wird, sie durch echte zu ersetzen. Dann aber wird die Frage nicht lauten:„Glück oder Leistung?",„Glück ohne Leistung?", sondern: Glück durch Leistung, Glück durch die von der Arbettsfton befreite, dem Individuum entsprechende, die Menschheit fördernde Leistung, die mit dem persönlichen Glück zusam- menfällt. Der Kampf Internationale Revue Nr. 7(November) ist soeben erschienen. Inhalt: E. Graeia Sänchcz: Spaniens rote Woche Otta Bauer: Die Gegenrevolution und die Kirche Emll Franzet: FasciSmuS und deutsche Ideologie Josef Hofbauer: Gefährdete Demokratie Bemerkungen Weltpolitik Weltwirschaft Internationaler Sozialismus Internationale Gewerkschaftsbewegung AuS der Sowjetunion Bücherschau Zeitschriftenschau „Der Kampf" erscheint monatlich. Preis des Heftes 5 Kronen. Redaktion und Verwaltung: Prag II., Lützowova 37. Krematoriums bewilligt bekommen. Die Südmandschurische Eisenbahn hat im Stadtzentrum einen herrlichen Park mit Spielplätzen, Teichen, Menagerie etc. angelegt. Alte und neue Kultur reichen sich in der neuen Architektur der Stadt die Hände. Auch das Strahenbild ist ein orientalisches Durcheinander alten Rückstandes mit moderner Technik: Rikshas, die von Ehinesen im bewunderswert ausdauerndem Trab gezogen werden(es wäre zu wünschen, dass die Japaner diese unwürdige Sitte des menschlichen Zugtieres abschaffen), die Ma- tschias, d. s. Keine Wägelchen, von mongolischen Ponys gezogen, die für XL 1.— bis XL 1.40 viele Kilometer fahren, dann Automobile fast nur amerikanischer Provenienz, von höchster Eleganz, wechseln in bunter Folge einander ab. Aber auch die Bevölkerung, zu 90 Prozent aus Chinesen bestehend, gibt in ihrer bunten Kleidung und Ber- niischung mit Japanern, Russen und übrigen spärlichen Okzidentalen«in Bild kontrastierender- Abwechslung. Ein Blick aus dem Fenster, durch Trampeln vieler Männerschritte hcrvorgelockt: draussen marschieren Soldaten, unzählig viele. Heute ist das Ende der großen Manöver. 6600 Mann werden vor I em Kaiser Pu Ai defilieren. . Stolz, selbstbewußt und unermüdlich arbeiten die Japaner an der Entwicklung dieser Stadt. In diesem Monate wurde daS neue Stadion in Hsinking eröffnet, das jeder europäischen Stadt als Muster dienen könnte. Die 111 Kilometer hnge...neuo Auto-Strasse zwischen Hsinking und Kirsi:^wu^d« ebenfalls jm Oktober, tzcm Verkehre übergeben.' Die ostchinesische Bahn soll demnächst von Sowjetrußland an Manchukuo zum Preise von 170 Millionen Den verkauft werden. Dio ostchinesische Bahn, technisch weit zurück hinter der im japanischen Besitze befindlichen südmandschurischen Eisenbahn, endigt mit ihrer südlichen Abzweigung in Hsinking, wo die südmandschurische Bahn an sie ayschließt. Die Uebernahme der Verwaltung der Ostchinabahn durch die S. M. R.(Südmandschurische Bahn) wird Hsinking neue wirtschaftliche Vorteile bringen. Von der Politik begünstigt, wächst im Zentrum der Mandschurei inmitten einer armseligen Bauernumgebung eine neue Großstadt heran. H. R u d o l p h. Jedes neue Parteimitglied bedeutet: einen Freund mehr, einen Feind weniger. Darum werbet für die Partei! Hsinking die Hauptstadt des^ungesetzliche«" Staates Manchukuo Ohne den Segen der übrigen Welt zu haben, Manchukuo ist offiziell lediglich von Japan und von der kleinen amerikanischen Republik El Salvador anerkannt, ist der Staat Manchukuo durch eine Reihe Respeft gebietender realer Tatsachen Wirklichkeit geworden. Und mit dieser Tatsache muss die Welt rechnen, ob sie will oder nicht. Manchukuo besteht und wird mit jedem Tag konsolidierter, gefestigter und mächtiger. Der Aufbau, dec polttische, wie der wirtschaftliche und kulturelle, ist von Japan„in die Hand" genommen worden. Die Japaner, die gelehrsamsten Schüler des Guten, was ihnen die übrige Welt zu geben vermag, des Konfuzianismus der Chinesen, der europäischen Gelehrsamkeit, der amerikanischen Betriebsführung und Organisation, haben aus der Mandschurei innerhalb dreier Jahre einen Machtfaktor geschaffen, mit dem alle Nachbarstaaten und in weiterer Folge die übrigen Länder ernstlich zu'rechnen haben. Die Engländer, denen man nachsagt, dass sie daS Volk der realen Tatsachen sind, haben eben eine offiziöse, aber nicht offizielle Handelsmission zum Studium der neugeschaffenen mandschurischen Verhältnisse nach Manchukuo geschickt, die in den nächsten Wochen nach London zurückkehren und dem Foreign Office ebenso wie der Wallstreet Bericht erstatten wird. Wenn auch von den offiziellen britischen Stellen dieser HandelSmiffion eine politische Bedeutung abgesprochen wird, ist auS der Zusammensetzung der Mission, in der Vertreter der Hochfinanz und zwei direkte Vertreter der Federation of British Industries zusammen arbeiten, zu schliessen, dass die Handelsmission die Förderung durch die Regierungsstellen gefunden har. Die Entsendung der Handelsmission nach Manchukuo ist ein typisch englischer Schritt zur wirtschaftlichen Anerkennung des neuen Staates, zur Anerkennung de facto, aus der dann die politische Anerkennung sich herausentwickeln wird. Seit der Okkupation der Mandschurei durch Japan und seinem dadurch bedingten Austritt aus dem Völkerbund ist dieses in eine politische Isolierung geraten, die England zu einer neuen und dringendst btnötiaienErvortförderuna auSzunützen bestrebt ist. Der Entsendung der Handelsmisston-ist daher nicht nur eine rein wirtschaftliche, sondern auch eine eminente politische Bedeutung beizumessen. Es wäre nicht das erstemal, dass in politischen Fragen Whitehall die City vorschiebt. Die kapitalistische Welt hat sich zu überzeugen reichlich Gelegenheit, dass die Sicherheit ihrer Anlagen in Manchukuo,mehr denn je gewährleistet ist. Die anarchische Ausbeutung der an Naturprodukten und Erzen reichen Mandschurei durch die früheren Machthaber, insbesondere durch Tschangsolin, die Währungsunsicherheit(jeder Provinzgewaltige gab seine eigene Währung aus, durch die di« Bauern, da sir ihre Produkte für wertloses Geld verkaufen mussten, vollkommen verarmten) ist einer regulierten Ausbeutung, einer zentralen Regelung der Finanzen, einer ge- festtgten Währung gewichen. Das Bandenunwesen, eines der prekärsten Probleme der neuen Verwaltung. wird Hand in Hand in militärischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit wirksam bekämpft. Der japanische Gesandte in Hsinking, General Hishikari, der zugleich Oberkommandant der japanischen Militärstreitkräfte in der Mandschurei ist, hat richtig bemerkt, dass die Banden sich auf. lösen werden, wenn jeder geimg zu essen haben wird. Der konstruttive Aufbau neuer Städte, neuer Jndusttien, neuer Bahnen und neuer Strassen gibt den heimischen Arbeitslosen restlose Möglichkeit, Arbeit und Nahrung zu finden. Nach Mitteilungen amtlicher Stellen ist die Anzahl dec Banditen von ca. 250.000 im Jahre 1981 auf ca. 80.000 im Jahre 1934 gesunken, immerhin noch eine beträchtliche Ziffer. Es gibt nach amtlicher Darstellung viererlei Arten von Banditen: 1. die„politischen", die von China moralisch und materiell unterstützt werden, 2. die„professionellen" Banditen, die es in jedem Staate mit grossem Flächenausmass gibt, 3. die religiösen Fanatiker und 4. die Bauern, di« durch Hunger zur Ban- diterie gezwungen werden. In den letzten Jahren haben Ueberschwemmungen ungeheueren Schaden angerichtet. Die Entwertung der Sojabohne, des Hauptproduktes der Landwirtschaft, durch einen verminderten Verbrauch in den Staaten, welche die bisherigen Hauptabnehmer waren, dann der immer mehr sich ausbreitend« Anbau der Sojabohne in anderen Ländern, die bisher aus der Mandschurei ihren Soja-Bedarf deckten, hat der Landwirtschaft eine neue Elendsperiode gebracht. Es muß zugegeben werden, dass die mandschurische Regierung alle Anstrengungen macht,»um dem Landwirt zu helfen: durch Schaffung von Notfonds, durch landwirtschaftliche Darlehenskassen, durch Gründung landwirtschaftlicher Genossenschaften und vor allem durch eine planmäßige Umschichtung des Anbaues: eS soll mehr Weizen angebaut, mehr Getreide gesät werden. Durch wirksame Bekämpfung des Bandenunwesens, welches dem Bauer bisher noch oft die Möglichkeit nahm, seine Produkte überhaupt verkaufen zu können, wird ihm ein weiterer Möglich, keitsfaktor einer friedlichen und gedeihlichen Entwicklung gegeben. Die bemerkenswerteste Entwicklung hat Hsinking, die neue Hauptstadt, genommen. Bor drei Jahren noch eine unbedeutende kleine Provinzstadt, die lediglich als Eisenbahn-Mittelpunkt eine gewisse Pedeutuirg harte, zählte Hsinsing im Vorjahre bereits 196.000 Einwohner und hat heute fast die Ziffer von 300.000 erreicht. Eine moderne Stadt mit breiten Asphaltstraßen, neuen Regierungspalästen, Warenhäusern und einer unübersehbaren Zahl an neuen Privathäusern wird gleichsam aus dem Boden gestampft. Im Jahre 1934 werden in Hsinking 2087 neue Gebäude errichtet. Eine Bauentwicklung, die nicht ihresgleichen findet. Der Bauwert beträgt ca. 185,150.000 XL, eine für unsere Begriffe im Bezug zur Anzahl der neuen Häuser verhältnismäßig niedrige Summe. Es muß jedoch in Betracht gezogen werden, dass Materialpreise und Löhne ganz wesentlich niedriger sind als bei uns. Unter den wichtigsten Neubauten find die Gebäude des StaatSra- tcs(14 Mill. XL), daS Innenministerium(5.6 Mill. XL), die mandschurische Staatsbank(45 Mill. XL), daS Warenhaus Mitsubishi(5.6 Mill. XL), die Manchuria Telegraph und Telephone Company(21 MUl. XL), die Mittelschule der Südmandschurischen Bahn für 2.8 Mill. XL, das Warenhaus Minakai(für denselben Betrag). DaS hauptstädtische Baubureau hat die Ausgabe von ca. 80,000.000 XL für die Anlegung neuer Straßen, Brücken, einer Markthalle und eines Der Hirschpark des Königs von Frankreich Geschichte und Wirllichkeit pflegen nie über- einzüstimmen, und am wenigsten stünmen sie überein, wenn es sich um die Seitenwege der Geschichte handelt, um. jene Pfad«, die, nicht mit Tugend gepflastert, mehr von den Anekdotenschreibern als von den würdigen Chronisten beachtet- werden. Nennt man Versailles, das Lustschloss der französischen Könige nahe bet Paris, sn tauchen aus allen möglichen Memoirenbüchern die Erinnerungen an liebenswürdige Episoden sonder Zahl und von erlesenstem Geschmack auf. In seinem Glanze war es unter Ludwig XV., dem grossen König, den sein Volk den Vielgelieb» ten hiess und dessen Herrschaft voller Siege und Erfolge, zudem von den herrlichsten, mit. ihrer Huld und- Schönheit di« besten Künstler der Epoche begeisternden Frauengestalten umrankt war. Alle Fürsten und Fürstchen Europas wurden in jenem Jahrhundert zur Nachahmung dek feenhaften Versaille- angeeifert, und wieviel sie auch vom Gelde ihrer Untertanen daran wandten, sie konnten es der in Lustbarkeiten und Festen erfahrenen Gesellschaft kaum gleichtun. Sieht man näher, sieht man insbesondere tieftr, unter die offiziell« Tünche, so entdeckt man freilich gerade, als der Ruhm von Versailles die ganze Welt überstrahlte, ein anderes Bild des herrlichen Schlosses und der Kavaliere und Frauen, die es bevüllerten. In Wirklichkeit waren sie immer von neuem, aber vergeblich bemüht,«inen düsteren Sonderling aufzuhestern und die berühmtesten Feste wurden ihnen schal, eine Plage, eine Mühsal, die ihnen die Langeweile des Herrschers auferlegte und die für sie kaum endigen wollte. Und da war auch in Versailles ein selbst vor den Vertrautesten abgeschlossenes Haus, das späterhin die Phantasie von Generationen erhitzt und in ihnen Vorstellungen hervorgerufen hat, die sich noch heute etwa auf einem Filmplakat sensationell ausmachen würden.- Das war der Hirschpark Ludwig des Fünfzehnten. Der Name und die Legende vereinigten sich, um an unerhörte Zügellosigkeiten denken zu lassen, die sogar Schloß und Park von Versailles, die manches gesehen haben mochten, scheuten. Di« historische Wahrheit sieht viel unansehnlicher aus und hat nur sehr wenig an sich, was in einem Film interessieren könnt«. Di« Marquise von Pompadour, die offizielle Maitress« des Königs, die nach acht Jahren des Zusammenlebens mit ihm die drückende Langeweile der ewigen Gespräche über Jagd und Krankheiten nicht Wetter ertrug, kaufte damals in einem Armenviertel von Versailles ein diskretes Haus an. Sie half sich mit der Findigkeit der Verzweiflung: es galt die lässige Gegenwart des Königs loszuwerden, aber doch keine Rivalin aufkommen zu lassen, die ihr die Macht aus den Händen hätte reissen können. Daher die Verkuppelung des königlichen Freundes an hübsche Mädchen aus dem Volke, von denen nichts zu befürchten war. Di« Haufen von Schmähschriften, die sich später mit dem„Hirschpark" beschäftigten, auf dem eS längst keinen Park mehr gab und längst keine Hirsche zu jagen waren, erzählen von einer ungeheuren Zahl von Mädchen, die hier wie in einem orientalischen Harem zusammengetrieben worden seien, von hundert Millionen, die dieses königliche Vergnügen gekostet habe, ja, jetzt taucht die Milliarde auf, mit der man doch erst viel später vertraut wurde. All dies ist falsch. DaS Haus besteht heute noch, man kann seine primittve Einfachheit konstatieren, die übrigens auch auS psychologischen Gründen nottvendig war: eS sollte ja für den vom Königtum berauschten, bis zur Verblödung von Pracht und Vergottung geblendeten Ludwig ein« Sensation sein, selbst die schöne Unbekannt« zu bedienen, ihr die Speisen zuzutragen, ohne Höflinge und Lakaien mitzubringen. Die schöne Unbekannte glaubte an«in Abenteuer mit einem polnischen Adeligen, der nicht besonders reich und oft ge- nötigt sei, in seine Heimat zu reisen. Da war die Tochter eines irischen Schusters, di« zwei Jahre lang in Gunst blieb, die Tochter eines Pariser Friseurs,«in Modell des Malers galanter Szenen. Boucher, das man um zehntausend Livres der Mutter abgekauft hatte, zwei Dirnen, die von der Straße aufgeklaubt wurden und ein Fräulein von Roman-, von dem der Frauenkenner Casanova eine entzückende Beschreibung hinterlassen hat. Zumeist war nie mehr als i e i n Mädchen im Hirschpark. Das Abenteuer begann mit der Reparatur des Gebisses, einem gründlichen Bad und einer weniger als bürgerlichen Wäscheausstattung. ES endigte gewöhnlich mit einer Kindstaufe. Sobald dieses Ereignis nahe war, transportierte man die Mutter in ein anderes Haus in der Umgebung und sagte ihr, wenn sie einen Knaben geboren hatte, daß es ein Mädchen sei und umgekehrt und dass das Kind nicht lebe. Dieses Kind selbst aber wurde aufs Land gebracht. Die Geliebte des-Königs von Frankreich erhielt 10.000 bis 15.000 Franken und wurde in die Provinz verheiratet. Nie fehlte es an einem Gatten, der alles, auch die Mitgift gläubig hinnahm. Diese Ordnung wurde nur einmal gestört. Ein Mädchen untersuchte die Taschen des„polnischen Edelmannes", während dieser schürf, und fand darin ein Billett des Königs von Spanien an seinen Vetter, den König von Frankreich. DaS Mädchen schrie vor Freude auf und redete zuviel von seinem Glück und seiner Liebe. Darauf wurde es als wahnsinnig in-ein Irrenhaus gesperrt, das es nicht mehr verliess. In der an geschichllichen und anekdottschen Episoden so reichen Geschichte von Versailles ist diese Episode die niedrigste, schmutzigste, gemeinste. Sie spielt sich zu einer Zett ab, da das Königtum auf dem Höhepunkte seiner durch keinerlei Kontrolle oder Krisik beschränkten Selbstherrlichkeit war. P. R. Seite 8 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 7. November 1934. Nr. 261 PBAGBR ZEBT1JMG Die in den Jahren 1915, 1914 und 1913 Geborenen werden aufmerksam gemacht, daß sie verpflichtet sind, sich längstens bis zum 15. November 1935 zur Hauptassentierung für das Jahr 1935 an dem Orte ihres dauernden Aufenthaltes bei der Stadt- oder Gemeindebehörde zu melden. Die in Prag I bis VI dauernd Wohnenden melden sich im Militär-Referat des Magistrates der Hauptstadt Prag in Prag I» Masnä 16, 3. Stock, Türnummer 16, die in den übrigen'Teilen Prags Wohnenden bei dem zuständigen Magistratsamt. Näheres in den in Prag an den Anschlagstafeln ausgehängten Kundmachungen. Die Abfischung des StaatSteichrS in Jevany wird Mittwoch, den 7. d-, um 7 Uhr früh beginnen. Nach Ansicht der Fachleute werden hier über 4V Meterzentner Fische abgefischt und es werden an Ort und Stelle für niedrige Preise Fische verkauft werden, werden. Gcrlchtssaal Eine Frau, die ihren Gatten zum Heiratsschwindel ansttftete Ein sonderbarer Fall vor dem Prager Kreisgericht Prag. Die 26jährige Musikersgattin Johanna Vokoun war vor dem Strafsenat des OGR. Knaule des Verbrechens des Betruges auge- klagt und die Anklage besagt nicht mehr und nicht weniger, daß diese züchtige Ehefrau ihren Gatten Ladislav Vokoun angestiftet habe, durch Zeitungsinserate„Bräute" zu suchen und diese nach allen Regeln der Heiratsschwindelkunst auszuplündern. Der Ehegatte folgte diesen Einflüsterungen und ließ Inserate erscheinen, in denen, er unter dem Deckmantel eines„jungen Doktor der Rechte" eine Braut suchte. Die fürsorgliche Gattin hatte ihm eingeschärft, sich womöglich• eine Beamtin in fester Stellung auszusuchen, weil eine solche beim Auffliegen des Schwindels ganz sicher schweigen würde— schon aus Angst um ihre Stellung. Der würdige Gatte folgte diesen praktischen Ratschlägen und erwählte sich als Opfer die K a n z- leibeamtin eines Ministeriums, die zwar nur 850 Kö Monatseinkommen hatte, außerdem aber auch noch eine 80jährige Großmutter, die einige tausend Kronen auf Sparbuch angelegt hatte. Seinem Opfer gab sich der vvn seiner Frau inspirierte Gauner als Advokaturskonzipient aus und begann alsbald nach bekanntem Rezept seine „Braut" unter allerhand Vorwänden mit Geldfor- derüngen zu bestürmen— natürlich unter höchst solid klingenden Vorwänden. Seine Frau st e l l t e e r der„Braut" als Schwester vor. Die„Schwester" war überaus großzügig und weitherzig. Sie sah mit liebevoller Rührung zu, lvic sich die„Verlobten" küssten und redet« der künftigen„Schwägerin" eines Abends sogar zu, mit dem „Bräutigam" zu Bett zu gehen. Die„Braut" hatte aber strenge moralische Grundsätze und lehnte dieses Zumuten ab. Inzwischen borgte der„Herr Doktor" seiner „Braut" unter allerhand, zum Teil recht phantastischen Vorwänden mit der Zeit ein Kapital von 27.000 Kö ab. Einmal brauchte er Geld für seine „notleidenden Eltern'', dann gab eS sich als tuber- k u l o s aus und«bat ein Darlehen für Heilbehandlung.' Später erklärte der Gauner seiner Braut, er sei K o k a i n i st und müffe sich dringend einer E n t- w ö h n.u n g S t u r unterziehen. Bei allen diesen Schwindeleien ging ihm seine Dienstag angeklagte Frau zur Hand, indem sie ihm als„Schwester" seine Erfindungen bestätigte, Briefe fälschte und in jeder Weise zur Irreführung des Opfers beitrug. Sie erhielt einen schönen Pelz und verschiedenen Schmuck, angeschafft von dem Geld der armen Beamtin und dem ihrer alten Großmutter, die dem „Bräutigam" ihrer Enkelin natürlich ihre Sparbücher zur Verfügung stellte. Die Sache wurde schon einmal vor dem hiesigen Gericht verhandelt, wobei Ladislav Vokoun zu• f ü nfzchn Monaten schweren Kerkers verurteilt wurde, während seine Frau mit dreimonatiger bedingter Kerker- strafe davonkam. Der Herr Gemahl hatte sie sei-; nerzeit galanterweise weitgehend gedeckt. Erst in der Strafhaft überlegte er sich die Sache, ließ sich dem Untersuchungsrichter vorführen und. enthüllte das ganze unsaubere Komplott. Auf Antrag des Staatsanwaltes kam es auf Grund dieser neuen Aussagen zur Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Johanna Vokoun, die bei der dienstägigen Verhandlung denn auch in allen wesentlichen Punkten geständig war. Der Senat Knoure verurteilte sie dies- Abonnements»Bestellschein. Abonniere ab.....,.. 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der' deutschen sozialdein akratischen Arbeiterpartei „Gostalftetnotrai" Verwaltung Prag Xll., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 KC monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name. Genaue Adresse: Letzte Post: Unterschrift:..,,,. mal zu sechs Monaten Kerker— gleichfalls bedingt. Staatsanwalt Dr. Cesak meldete Berufung gegen die Bedingtheit der Strafe an. rb. Konst und Wissen Nächste Arbeitervorftellrrrrg: „Zwei Witwen" am 18. November um%3 Uhr im Deutschen Theater. Karten ab Freitag bei Optiker Genoffen Deutsch. DaS hundertjährige Jubiläum der Staatshymne „Kde domo» müj". Der Gesangverein„Skroup" veranstaltet am 15. November um. 20 Uhr.zum 100. Jubiläum der Staatshymne ein Konzert. Hiebei wird Prof. Dr. Zdenkk N e j e d l h über die Bedeutung der Staatshymne und deren Komponisten'Fr. Sroup sprechen. Auf dem Konzert werden u- a. auch einige in Prag bisher noch nicht gesungene Chöre zur Aufführung gelangen.' Der'Verein deutscher Malerinnen eröffnet heute um halb 4 Uhr nachmittags im Kunstverein für Böhmen<11. Psttüffova 12) seine-diesjährige Mitgliederausstellung. Die Ausstellung umfaßt die meisten ernsten künstlerisch schaffenden. deutschen Frauen der Tschechoslowakischen Republik.. Auch Gäste aus dem Auslande sind in der Ausstellung vertreten. Arbeiterfakultät am Kiew« Theaterinstitut. In Kiew wurde ein Theaterinstitut. mit einer ukrai- n i sch e n, j ü d i s ch e n und p o l n i's ch e n Abteilung errichtet. Das Institut wird Th e a t er- Pädagogen, Regisse ur e und Schauspieler heranbilden. In dem Institute wurde auch eine A r b e i t e f a k ult ä t errichtet,. tn der Arbeiter für de» Eintritt' in das genannte Institut vorbereitet werden. Die Fakultät hat zwei Abteilungen: Eine polnische und eine jüdisch«. Spielplan des Reuen Deutschen Theat«S. Mittwoch lh8:Fidelio. B2. Donnerstag 8:D a s leb« n s- längliche Kind, Gastspiel Leop. Kramer, C 2. — Freitag halb 8: Die Braut von Messina, Gastspiel Hedwig Bleibtreu, D 1.— Samstag 3: Braut von Messina, Gastspiel Hedwig'Bleibtreu, Schülervorstellung, halb 8: Die Hugenotten, B 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8: Hochkli n gtdasLiedvom braven Mann. — Donnerstag 8%: Sensationsprozeß.— Freitag 8: Hoch klingt das Lied vom! braven Mann.— Samstag8: S ch o t t e n- ring, Gastspiel Werbezirk, Abschiedsvorstellung. Prager Genosse«! Beteiligt Euch an derGcprn steter für Karl Lermak heute um 11 Uhr vormittags, Friedhof beim alten Krematorium! Der Film Käthe von Nagy »erläßt den deutschen Film. Die Gleichschaltung im Reich der Talentlosen nimmt ihren Fortgang. Ehe nicht der letzte deutsche Kinobesucher an Langweile und Geschmacksvergiftung stirbt, gibt es kein Halten. Rach vielen anderen, die gingen oder gehen mußten, ist nun auch die hübsche Käthe von Nagy an der Reihe. Sie hatte- es zunächst damit versucht, datz-sie- den bierehrlichen Seelen aus Goebbels' Filmfachschaft erzählte, sie sei aus magyarischem(also zwar nicht„arischem", aber dem Hitler-Göringschen Menschheitsideal verwandten mongolischen) Adel hervorgegangen und die Tochter eines ungarischen Generals. Sie hat ein übriges getan, ihr Haar gebleicht und die Miene eines„teut- schen Mädchens" angenommen, so gut sie das konnte. Es gelang ihr nicht, so fad. so dumm und so reizlos auszusehen, datz sie ins Dritte Reich gepatzt hätte. Man scheint endlich doch bewiesen zu haben, datz sie Groß heißt und keine Generalstochter ist. Sie mutz gehen und wird wie die Bergner, wie Veidt und andere jüdische und nichtjüdische deutsche Künstler in England filmen. Käthe von Nagy war kein grotzes Talent, kein Star vom Format der Dietrich oder der Garbo, aber im Unterhaltungsfilm kommt es auf kleinere, nicht zu unterschätzende Qualitäten an, die sie besaß. Mit ihr« biegsamen Figur, ihrem reizvollen Kopf, ihrem netten und seinen Spiel war sie. solange man ihr irgendwie erträgliche Rollen gab.. immer der an- z'ehende Mittelpunkt der Filme, in denen sie spielte. Der hitlerdeütsche Film aber kann nur plumpe, weizenblonde Riesenweiber oder fade, seelenlose Gret- chengestalten brauchen, die auf dem Haupt einen germanischen Striezel aus wafferstoffechten Zöpfen tragen. Käthe-von Nagy kann, wenn sie dieses Reich endlich.verläßt, in dem sie allzulange und mit zu großen Zugeständnissen verblieb, nur gewinnen. DouglaS FairbankS und Merl« Ober»« in dem englischen Film»Das Privatleben des Don Juan". »S«d Gütz" t« Oesterreich verböte» Der englische Film„Jud Süß", der im Dritten Reich schon deshalb nicht gezeigt werden darf, iveil er nach einem Roman des„Landesverräters" Lion Feuchtwagger gedreht ist, ist nun-auch in Oesterreich verboten worden. Da es sch«, bei den ersten Vorführungen des Films in Wien zu antisemitischen Kundgebungen gekommen ivar, hatte man ihn zurückgezogen, um ihn in nicht-öffentlichen Vorstellungen zu zeigen. Auch das ist nun polizeilich untersagt worden. Stent Statt nach England? Wie die Londoner„Daily Herald" mitteilt, verhandelt der französische Film-Regisseur biene Clair, der wegen seines neuesten FilmS„Der letzte Milliardär" in. der reaktionären französischen Presse heftig angegriffen wurde, mit der größten englischen Filmgesellschaft„London Film Productions" über die Möglichkeit, im nächsten Jahre einen Film in England zu:drehen. Wird Ehavlin Filmdiktator? Londoner Blättermeldungen zufolge. soll der amerikanische Dichter Upton Sinclair, der als demokratischer Kandidat für den Gouverneursposten von Kalifornien nominiert ist, Charlie Chaplin die Finanzkontrolle über' die großen Filmfirmen von Los Angeles und Hollywood angeboten haben. Dieser Antrag habe bei den Filmgewaltigen große Bestürzung erregt, und ein Teil von ihnen soll entschlossen sein, im Falle der Wahl Sinclairs um Gouverneur mit ihren Firmen Kalifornien zu verlassen. Sport• Spiel• Körperpflege Soll ma» auch in der »schlechte« Jahreszeit" wandern? Rovrmbernebel brauen und wallen, steigen von den Bergen in das weite Land und legen sich in, wie für sie just behaglich gemachte Betten, in die Täler der Flüsse und manchmal, auch ganz respektlos in die Straßen der großen Stadt. Da gibt es„dicke Lust"I Heizgase und Dmrst- schwaden zahlloser Kamine und die. Auspufftöpfe unserer Benzinvehikel sorgen dafür, datz die dicke Nebellust sich recht beängstigend auf unsere Atmungsorgane legt und deren katarrhischen Erkrankungen sind Tagesordnung geworden. In überhitzten Räumen, und rauchgeschwängerten Lokalen verbringen breite Schichten ihre Freizeit, zum grotzrn Schaden ihres allgemeinen Wohlbefindens. Wenn aber zu Wochenende ganz unentwegte Wanderer und Naturfreunde mit gepacktem Rucksack zum Bahnhof ziehen, da werden sie nicht selten verspöttelt und verhöhnt. „Wie kann man nur bei dem Wetter wandern? Tas ist ja UnsinN!" Bej schönem Wetter steilich, im Frühlingswinde, da geht es. Da- macht ja auch jeder„Etz- und Trink- yerein" hinter schmetternder Blechmusik, auf blendender Landstraße, sein„Schwitz- und Staubbad" dessen Folgen nür in einem Wirtsgarten wieder hin- Bezirtsorganisation Prag der Deuffchen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Donnerstag, den 8. November» nm 8 Ahr abends, Gewerkschastshaus, Prag I., Pcrätyn, Parteiversammlung mit Vortrag deS Genossen Ernst Panl: Unsere Stell««- zum Militarismus und Krieg Der Vortrag behandelt eine der entscheidenden politischen Fragen und wir rechnen daher mit zahlreicher Beteiligung. Die Bezirksleitung. weggespült werden können. Aber dann ist eS schon für viele Schluß. Selbst der Sommer ist mit seiner Hitze bei denen schon in Ungnade gefallen und sie ziehen den„kühlen Keller" der trauten Schattenkühle des Waldes vor. Zurzeit haben wir weder Frühling noch Sommer, selbst die farbenlohnenden sonnigen Herbsttage werden rarer. Aber dennoch ist die Landschaft im Blätterfall und Nebelwallen so reich an feinen Stimmungen, wie zu keiner anderen Jahreszeit. Schlütern wir doch jetzt so langsam in den Winter hinüber. Wie atmet da draußen auf freier Höh« die Brust auf und welch ttefen Einblick erhält der sinnende Geist in einem der gewaltigsten Naturgeschehen mit dem Einzug des Winters. Wie ost wird der Spätherbst mit dem Tod der Natur verglichen. Rührselige Dichterherzen beglücken uns mit melancholischen Seelenergüssen in Poesie und Prosa. Sagt es ihnen als Wanderer und Naturfreunde, daß die Vegetation nicht aufhört zu leben und daß sich jetzt schon Zelle an Zelle reiht, um in Kürze die Knospe zu vollenden, die den Frühling bringt. Zwar ist die Seele der Landschaft jetzt herb,-herb die Lust, herb die Stimmung und herb, aber rein der Wind. Draußen herrscht die Urkraft des Alls. Sie begeistert, macht nie müde, sondern stark und froh im Kampfe um eine bessere Zukunst. Und geistern auch draußen die Nebel, was machtsl In seiner Hülle wachsen die Häuser, die Bäume, die Menschen am Wanderpfad ins Schemenhafte. Mag man dabei auch äußerlich durchfeuchtet werden, das wird gerne in Kauf genommen, wenn es gelingt, der Landschaft ein„neues Gesicht" abzugewinnen. Wer also „Stimmungen" schauen, empfinden und erleben kann, der rüste sich zu spätherbstlicher Wanderfahrt. Geleitet uns der späte Herbst ja hinüber in den Winter, der uns die Landschaft im neuen Glanze, im reinsten Weiß von Schnee und Eis erstrahlen läßt. Mögen die Zeiten auch ernst sein.