Freitag, S. November 1934 14. Jahrgang Nr. 263 EkmMt 7# Mhr (einschlieMcti 5 Hattar RaiM IE NT RALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER 1SCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGUCH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG MAO XII., FOCHOVA«. TELEFON SW1. ADMINISTRATION TELEFON 53074. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WIIH&M NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Der Ruf der 90.000 darf nicht überhört werden! Eine Erklärung unserer Parlamentsfraktion Prag. Als Sprecher unserer Fraktion griff Genosse Kaufmann am Donnerstag fttih in die parlamentarische Aussprache über die Minister-Exposees mit einer wirkungsvollen Rede ein. An die'Spitze seiner Ausführungen stellte er folgende offizielle Erklärung unseres Parlameutsklubs; „ES ist nicht nur in unserer Macht gelegen, sondern geradezu unsere Pflicht, diesen Menschen zu helfe«. Die beste und wirksamste Hilfe ist die Sorge um die Milderung der wirtschaftlichen und sozialen Rot." Auch bei der Stellungnahme zu den Exposees, *ie wir in diesem Hause gehört haben, gilt unsere singendste Sorg« dem Schicksal der arbeitenden «rnschen und der Arbeitslosen. Wir stellen in NB Mittelpunkt unserer Betrachtungen die Fortquer der Krisennot und wir sehen es als dir Wichtigste Aufgabe des Staates an, fier w i rksa m e i n, u grei fen. Wir haben * einer Beratung unserer Bertrauensmänner in «nsfig die Vorschläge ausgearbeitet, von deren Verwirklichung wir ein« fühlbare Belebung der Produktion und vor allem«ine Bermehrung der urbeiisgeltgenhetton erwarten, die den auf ein ^«erträgliches Minimum gesunkenen LebenSstmt- "rd der Arbeiterklasse heben sollen. Diese- Pro- ttwrnnt gipfelt in den Forderungen, die wir auch q»te wiederum unterstreichen wollen: Vermehrung der öffentlichen und privaten Arbeitsgelegenheiten durch Exportförderung, Investitionen und Verbesserung der Kredit- herrliches Beispiel proletarischer Treue gegeben, sie haben auch den festen Willen ungezählter Tausende zum Ausdruck gebracht, die wirtschaftlichen und sozialpolitischen Forderungen der deutschen Sozialdemokratie aktiv zu unterstützen. Und der Ruf dieser Aehntau- sendr darf nicht überhört werde«! Er darf um so weniger überhört werden, als sich diese Menschen in stürmischer Zeit durch Wort und Arbeit als die verläßlichsten Stützen hkxhevpkxatischesRepuilik erwiesen haben. Wenn wir den Anspruch diesex Mensche« auf Brot und Arbeit anmelden, so sprechen wir damit nur eine Selbstverständlichkeit aus. Wir befinden uns hiebei in voller Uebereinstimmung mit der fortschrittlichen tschechischen Oeffentlichkeit Wir berufen«ns auf die Stimme der„Li d o v i R» v i n tz", die am 6. November in Beschreitung unserer Kundgebungen schreiben: Und den gleichen Gedanken spricht das„N a- r o d n i O s v o b o z e n i" aus: „Der demokratische Staat ist diesen seinen Wachposten Arbeit und Brot schuldig. Den« ein« Armee darf nicht hungern, wenn sie siege« soll. Um so weniger darf die Armee der Kämpfer für die Demokratie in so schweren Zeiten dem Hunger preisgegeben werden." Wir quittieren diese Aeußerung mit Dank als Ausdruck jener republikanischen Solidarität, auf die wir»ns auf unseren Kundgebungen berufen haben. Wir ftruen.unS. auch, feüMskA.Ly können, daß die Darlegungen des Herr« Diinisterprästden- ren die Notwendigkeit planmäßiger wirtschaftspolitischer Eingriffe unterstrichen und auch die Notwendigkeit einer Reihe sozialpolitischer Maßnahmen betont haben. Wir wollen für dir Verwirklichung dieser Maßnahmen all unsere Kraft einsehen! Organisation. Sanierung der Selbstverwaltungskörper jnr^222kllun^ihrrrsozialenundkiUturellen Grsetzliche^LeErzunsdrrArbeitszritMf " dorlS«fig40St«ndenwöchentlich. SicherunaderLihne^und^Berträ^r^le^«^ lierung des ArbeitsmarktrS durch Sicherstellung der^frriAewordene^lrbeitsplä^e^ür^di^sozial . Bedürftigsten. Gestei^erte^ürsorarfürdieEArbeitSlosen. RettML^derarbeiMosenJugendEvordem . Physischen und moralischen Verfall. t Der vorige Sonntag hat gezeigt, daß sich dir putsche arbeitende Bevölkerung unseres Landes ^rsr Forderungen zu eigen gemacht hat und daß mit der ganzen Kraft ihres entschlossenen Wil- >ens z« ihnen steht. Die Kundgebungen, die unsere «artet am vergangenen Sonntag in Karlsbad und Bodenbach, in Teplitz und Komotau, in Jägern- *drf und Mährisch-Schönberg veranstaltet hat, fiaben mit einer nicht zu übersehenden Eindring- fichkrit die äußer« Stärke und die innere Kraft unserer Bewegung aufgezeigt. Sie haben bewiest«, wer berechtigt ist, im Namen der großen Nasse des Volkes zu sprechen! Und dabei sind >dritr Teile unseres Organisationsgebietes, Ostohmen und der Böhmerwold, in Mähren die Wahlfteise Brünn und Jglau gar nicht zu Wort »tkommen. Auch dort wußten wir zehntausende Kämpfer, die mit gleicher Treue und Kampfentschlossenheit zu unserer Sache stehen. Wir fühlen unS verpflichtet, von dieser Stell« unseren treuen Freunden noch einmal für die fitwundrrungswürdige Hingabe und Opferfreudig- Etit zu danken, die sie an de« Tag gelegt haben. Diese Männer und Frauen haben trotz Wind und stille, trotz Not und Elend in ihren Familien, trotz mangelhafter Betlcidung und unzureichender Nahrung stundenweiten Weg nicht gescheut und ihr, letzten Spargroschen hergegeben, um sich selbst und ihren arbeitslosen Brüdern die Teilnahme an den Kundgebungen zu ermöglichen. Sie haben ei«! Arbeitszeitverkürzung reif zur Verwirklichung Genosse Kaufmann verlangt energisches Einschreiten der Regierung Prag. Im Anschluß an die Erklärung unseres Klubs, die wir an anderer Stelle veröftentlichen, ging Genosse Kaufmann in der Parlamentsdebatte zur Besprechung der großen wirtschaftlichen Probleme über, vom deren gerechter Lösung angesichts des sechsten Krisenwinters in hohem Maße das Wohl und Wehe der arbeitenden Massen und damit nicht in letzter Linie auch das Schicksal des Staates und aller seiner Bevölkerungsschichten abhängt. Genosse Kaufman« stellte namentlich die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung in den Mittelpunkt seiner Rede, da es sich jetzt zeigt, daß trotz der Wirtschaftsbefferung fast keine Reueinstellungen in die Betriebe zu verzeichnen find. Da kann nur die Arbeitszeitverkürzung helfen, und wenn die Unternehmer wieder halsstarrig bleiben, dann muß eben die Regierung durch Verordnung eingreifen! In Besprechung der Voranschlagsziffern stellt Redner fest, daß der gemäßigte Optimismus des Finanzministers bezüglich der zu erwartenden wirtschaftlichen Besserung eine Stütze in den bisher bekannten Wirffchaftsziffern für 1934 hat. Seit dem Bürgerblock sind fünf schwere Kriseujahre vergangen, die die tschecho- siowakische Wirtschaft fast vollkommen lahmgelegt haben. Trotzdem haben wir in dieser schweren Zeit es vermocht, sozialpolitische Fortschritte auf allen Gebieten durchzusetzen, und es wären viele Härten der Personal-Sparmaßnahmen zu vermeiden gewesen, wenn wir nur die durch die Steuerreform und die Steuerabschreibungen des Bürgerblocks verloren gegangenen Milliarden zur Verfügung gehabt hätten. Auch die Verwaltungsreform des Bürgerblocks hat ja nicht zu einer Entlastung, sondern zu einer weiteren schweren Belastung derAdmini- ft r a t i v e und des Personalbudgets geführt. Daß der wirtschaftliche Optimismus des Herrn Finanzministers einer realen Grundlage nicht entbehrt,^ zeigen, wie Genosse Kaufmann an Hand von Statistikendarlegt, die Ziffern des Außenhandels, aber auch die sinkende Zahl der Konkurse und Ausgleiche, das Ansteigen der Produktionsziffern der wichtigsten Zweige der Schwerindustrie, der'Fertigwarenausfuhr usw. Auch bei den Bahnen können wir eine bedeutende Steigerung des Güterverkehres feststellen. Dagegen ist bei'der Kohle eine nennenswerte Veränderung nicht eingetreten und die Produktionszisfern fast gleich geblieben. Trotz Wirtschaftsbesserung keine Neueinstellungen I Trotz der Steigerung der Produktion und der Besserung des Waren- und Handelsverkehrs ist in den Betrieben noch keine Steigerung des Personalstandes zu verzeichnen. Rach den Ziffern der Zentralsozialversicherungsanstalt waren im Jahre 1932 noch 1,805.000 Leute beschäftigt, im Jahre 1933 nur noch 1,619.500 und heu« im Durchschnitt der ersten acht Monate 1,611.000 Personen. Das zeigt, daß di« Unternehmer kein« neuen Lente einstelle«, solange der bisherige Personalstand bei voller Ausnützung der 48stündigen Arbeitszeit noch auSreicht. Der Rückgang der Arbeitslosenziffer' von 625.000 im August 1933 auf 572.000 im August 1934 ist zum Teil wohl darauf zurückzuführen, doch sich ein Teil der Ausgesteuerten nicht mehr zur Registrierung meldet, ein anderer Teil bei Hilfs- und Gelegenheitsarbeiten beschäftigt ist. Die sichere Arbeit und der geordnete Verdienst in den Industriebetrieben ist aber höchstens nur noch kleiner geworden. Daher: Arbeitszeitverkürzung! Aus diesen Gründen ist die Frage der Art e i t s z eit v e r k L r z« n g außerordentlich dringlich geworden. Der frühere Fürsorgeminister Dr. Czech hat schon 1931 eine Vorlage zur Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stun- de» vorgelegt. Rach einer Debatte hier im Haus« wurde aber der Entwurf auf ei» Rebengeleife geschoben. Seinerzeit haben die Unternehmer den Stand- punft eingenommen, daß die Frage der Arbeitszeit erst mit Beginn einer besseren Konjunktur geregelt werden könnte, während wir von dieser Stelle aus die Frag« der Arbeitszeit (Fortsetzung auf Seite 2.) I Toter Manismus? Wenn irgendwo in einer Gemeinde die sozia- | listische Stimmenzahl einen Rückschlag erfährt, so sind unsere Gegner flugs mit der Deutung zur Stelle, die Sozialdemokratie sei in unaufhaltsamem Niedergang begriffen, die Arbeiter hätten ! den Marxismus satt und wendeten sich enttäuschi von ihm ab, weil er versagt habe. Das Schicksal, von den Feinden in der Einbildung bei lebendigem Leibe begraben zu werden, hat die sozialistische Arbeiterbewegung seit ihrem Bestände erdulden müssen und sie hat es gut ertragen. Wieder einmal herrschte in den Organen der bürgerlichen öffentlichen Meinung in den letzten Jahren die unumstößliche Gewißheit vom restlosen Zusammenbruch des Sozialismus überhaupt, weil dieser in einigen Ländern Mitteleuropas teils durch Anwendung brutalster und blutiger Gewalt, teils durch zur höchsten Verlogenheit gesteigerte Demagogie der Gegner Niederlagen erlitten hat und seine legalen Organisationen vernichtet wurden., - Wird jeder unserer Rückschläge von unseren Gegnern weidlich ausgenützt, um damit das Geschäft des Totsagens der verhaßten Sozialdemokratie zu betreiben, umso zurückhaltender sind sie bei sozialistischen Wahlerfolgen. Von solchen nimmt die bürgerliche Presse kaum Notiz, das würde ihr antimarxistisches Konzept, in dem die sozialistische Arbeiterbewegung nun einmal als tot und begraben gilt, bedenklich stören. So wissen dje Kreise, die ihre Informationen über das Weltgeschehen aus dieser Onefle beziehen, kaum etwas davon, daß in den jüngsten Wochen in allen Ländern, in denen die Staatsbürger noch frei wählen können, ohne befürchten zu müssen, für ihre politische Willensbekundung in einem Kon- zentrationslager monatelang gefoltert zu werden, der Sozialismus höchst kräftige Lebenszeichen gegeben hat: in A u st r a l i e n, in Sch w>e d e n, in F r a n k r e i ch, in R o r w e g e n und neuestens in E n g l a n d. In Australien haben die bürgerlichen Parteien bei den Parlamentswahlen verzweifelte Anstrengungen gemacht, um die Arbeiterpartei zu schlagen, es ist ihnen nicht im entferntesten gelungen. Die'australische Labour Party hat tapfer dem vereinigten Ansturm standgehalten und sie hat. sogar zu ihrem Besitz noch mehr als ein Dutzend neuer Mandate gewonnen, so daß die Regierung die Mehrheit im Parlamente verloren hat. Bei den französischenKantonalWahlen hat die sozialistische Partei ihre Stellung gut behauptet und sogar verbessert, obwohl ihr Zusammengehen mit den Kommunisten zu einer verschärften Hetze Anlaß gab und sich eher ungünstig als günstig auswirkte. Auch die zunehmende Arbeitslosigkeit und die Not der Landbevölkerung warf ihre Schatten, dennoch blieben die sozialistischen Positionen unerschüttert. Die Bedeutsamkeit des Sieges der Sozialdemokratie beiden norwegischen Gemeindewahlen wurde jüngst hier gewertet. Einen herrlichen Auftakt für die kommenden Parlamentswahlen in England bilden die vor wenigen Tagen durchgeführten Gemeindewahlen» bei welchen die Arbeiterpartei über 750 neue Mandate erobert hat. HööM beachtenswert ist auch der große Erfolg der schwedischen Sozialdemokratie.bei den Landtagswahlen. Sie hat als weitaus größte Partei des Landes mit einer Stimmenzahl von 682.000 ihre Mandatszahl von 469 aus 503'zu steigern vermocht. Es ist dies ein imposantes Bekenntnis der Arbeiter, Handwerker, Gewerbetrei- benden und Bauern zur sozialdemokratischen Staatsführung, der es gelungen ist, das Land durch die schweren Krisenzeiten glücklich hindurch zu steuern und aus ihm ein Land des Wohlstandes zu machen. Dieser prächtige Wahlerfolg hat die Auffassung widerlegt, die Regierungstätigkeit oder die Teilnahme einer sozialistischen Partei an der Regierungsmacht führe unter allen Umständen zu ihrer Diskreditierung bei den Bolksmassen. Diese Erfolge verdienen um so höhere Beachtung, weil sie inmitten der ärgsten Krise errungen wurden, welche das kapitalistische Zeitalter jemals erlebt und von der die Nutznießer der heu» tigen Gesellschaftsordnung erwarten, daß sie«n- ^weigerlich zur Schwächung der sozialistischen Front führen müsse. Dies, weil in der Zeit der wirtschaftlichen Zerrüttung und der sie begleitenden Massenarbeitslosigkeit die Abwehrkräfte der Arbeiterklasse gegen die Verelendungstendenzen des Kapitalismus geschwächt sind und alle Mühe der Par- Sette L Freitag, 8. November 1934 Nr. 263 Gen. Kaufmann Ober Arbeitszeitverkürzung (Fortsetzung von Seite 1.) tei«nd der Gewerkschaften kaum ausreicht, den Opfern der Krise das nackte Leben zu sichern. Die von den Jndustriemagnaten und reichen Grundherren mit ausgiebigen Geldmitteln ausgestattete fascistische Propaganda ist überall am Werke, die Verantwortung für das wirtschaftliche Chaos und das herrschende Elend von den Schultern des Kapitalismus auf die des Sozialismus und der Demokratie abzuwälzen und die politische wie wirtschaftliche Unbildung großer Massen sowie der von den Kommunisten in die Arbeiterbewegung hineingetricbene Keil der Spaltung steigern in gefährlicher Weise die Erfolgsaussichten dieser Hetze. Ruhiges Ueberdenken und Erforschen der wahren Gründe ihrer traurigen Lage liegt nicht jenen, die sich dem Nichts oder dem drohenden Untergang gegenüber sehen. Wenn in einer solchen Zeit die Sozialdemokratie nicht nur ihre alten Kaders beisammen behält und ihr sogar gelingt vorzustoßen, so liegt darin der Beweis, daß sie leb t, daß sie trotz alledem marschiert. Der rohen nackten Gewalt, ausgeübt von den Landsknechtshorden der-Reaktion, konnte es wohl gelingen, in verschiedenen Ländern die sozialistische Bewegung zu Unterdrücken und ihre Anhänger für eine Zeitlang einzuschüchtern, doch dort wo sie demokratische Betätigungsmöglichkeit besitzt, zeugt sic von ihrer ungebrochenen Kraft und davon, daß sie unvermindert die stärkste Hoffnung der Mühseligen und Beladenen geblieben ist. Sie lebt auch dort weiter, wo durch den Fascismus zur höheren Ehre des Nationalismus, des Katholizismus und Kapitalismus, Menschen hingemordet, Kerker und Konzentrationlager gefüllt wurden. Die Temperatur- verhältnisie ändern sich nicht, wenn man das Thermometer, das sie registriert, zerschlägt. Die lebendige Idee des Sozialismus, für Millionen in ihrem trostlosen düsteren Dasein die einzige Zukunstshoffnung, sic kann auch in den Strömen des vom nationalen und christlichen FasciSmus ver- goffenen Blutes nicht untergehen. Chauvinistische Hetze gegen die polnische Sozialdemokratie Die Differenzen mit Polen haben auch ihren Widerhall innerhalb der polnischen Minderheit in der Tschechoslowakei gefunden und dazu geführt, daß der einzige polnisch-bürgerliche Abgeordnete, Dr. Buzek, unter dem Druck nationalistischer Kreise kürzlich aus dem Klub der tschechischen Sozialdemokraten, dem er als Hospitant angehörte, ausschied. Der zweite polnische Abgeordnete des Parlaments, der Sozialdemokrat C h o b o t, verwahrte sich am Donnerstag in der Parlamentsdebatte, daß diese Kreise auch ihn angreifen und des Volksverrates zeihen, weil er und seine Partei es ablehnen» aus dem Koalitionslager auszutreten und sich an der antitschechischen chauvinistischen Hetze, die aus den Kreisen des polnischen Konsuls Malhomme in Mähr.-Ostrau ausgeht, zu beteiligen. Man geht so west, ein Keffel- treiben gegen die polnische Sozialdemokratie zu entfachen, und arbeitet mit den gemeinsten Mitteln. Genosse Chobot verlangt, daß die Regierung die Abberufung dieses merkwürdigen Konsuls verlange. Griechenlands Senat gegen Frauenwahlrecht Athen. Der Senat hat einen Gesetzesantrag, durch welchen den Frauen das Gemeindewahlrecht erteilt werden sollte, abgelehnt. als K r i s e n f r a g e, als Frage der Solidarität der gesamten Arbeiterschaft bezeichnet haben. Damals haben natürlich die Kommunisten uns bei den Arbeitern nach Kräften verdächtigt. Bei den Verhandlungen, di« später unter Zustimmung des Ministerpräsidenten zwischen Gewerkschaften und Industriellen über die ArbeitSzeitver« kürzung einsetzten, haben die Unternehmer die Sache wieder umgedreht und erklärt, daß der Beginn einer Konjunktur die Möglichkeit einer Aenderung der Arbeitszeit vollkommen ausschließ«, vor allem mit dem von uns geforderten Lohnausgleich, weil dies angeblich die KalkulationSbasiS zerstören würde. Im Laufe der Verhandlungen mit den Vertretern des Svaz und des Hauptverbandes der deutschen Arbeitgeber kamen die Herren plötzlich mit einem neuen Vorschlag, um die Zahl der vollständig Erwerbslosen zu verringern; es,war dies ein Rezept nach dem Muster der Arbeitsfront in Hitler-Deutschland: Sie erklärten, im Falle unserer Zustimmung um 10 0 Prozent mehr Arbeiter einzustellen, aber bei gleichen Bruttolöhnen. Das heißt, daß die Arbeiter auf 50 Prozent ihres ohnedies geringen Lohnes verzichten müßten! Das haben wir natürlich abgelehnt und bis heut« ist diese Frage trotz neuerlichen Verhandlungen keiner Lösung zugeftihrt worden. Die Unternehmer möchten eben am liebsten ohne Arbeiter mit vollständig automatisierten Betrieben die Produktion auftecht erhalten, und. sie kedenken nicht, daß sie dann auch keine Konsumenten hätten, di« ihre Warrn kaufen würdenl Aber nur eine dem Bedarf angepatzte Produktion bei gleichzeitiger Erhöhung der Kaufkraft der Arbeiter, also eine Planwirtschaft, ftzr die auch der Herr Ministerpräsident in seinem Exposee ein gewisses Verständnis aufgebracht hat, ist imstande» die Krise zu lösen. DaS werden unsere Unternehmer nie begreife««nd es wird daher notwendig sein» daß die Regierung auch hier mit fester Hand zugreift«nd die«otwendi gen Maßnahme« einfach im Wege einer Verordnung durchführt! Bei jeder Gelegenheit haben wir die Frage der Exportförderung an die Spitze unserer Forderungen gestellt. Wir haben zwar ein Exportinstitut, aber wenn es sich um größere Aufträge aus dem Ausland handelt, so finden auch die Unternehmer an dieser Stelle nicht das nötige Verständnis So ist in den Jahren 1931/32 ein großer Auftrag von über drei Milliarden nach Rußland und Britisch- Indien verlorengegangen. Dasselbe war später bet den großen Rußlandaufträaen der Fall, die unserer Schweripduftrse für rund. 500 Millionen Aufträge emgebracht hätten. Auchda versagte bart Mfftntt!' Eine-wette wichtige Forderung ist die Kreditgarantie durch den S t a at. Hier hat Fürsorgeminister Dr. Meißner einen Betrag von 50 Millionen angesprochen, um in jenen Fällen, wo die Gewinnung neuer Exportgebiete durch solide Firmen möglich ist, für die nöfigen Kredite eine Staatsgarantie zu gewähren. Weitere 45 Millionen sol- len dazu dienen, um den Selbstverwaltungskörpern die Aufbringung der auf sie entfallenden Quote bei Jnvestitionsärbeiten zu ermöglichen und so neue Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. Es wird aber auch notwendig sein, durch eine Reform der Gemeindefinanzen die Selbstverwaltungskörper zu entlaste«, damit sie ihren sozialen Verpflichtungen wieder gerecht werden können. Wenn der Herr Finanzminister dabei in einem Atemzuge eine Verschärfung des Kontrollrechtes der AuffichtSbehörd« verlangt, so können wir uns dafür nicht erwärmen. Wir find nicht gegen Kontrolle, aber sie darf nicht zur Schikane werden und jede Bewegungsfreiheit unmöglich machen. Wir haben weiter großes Interesse an der gleichmäßigen Befriedigung der Kreditansprüche und der Regelung des Marktes der Staatspapiere und sind deshalb für eine Ausgestaltung des Reeskont-Jnsti- tutes. Die Befürchtungen, die sich an di« Abwertung unserer Krone geknüpft wurden, haben sich nicht erfüllt. Mer die Exportbelebung hat sich doch nicht in dem erwünschten Maße eingestellt und wir müssen deshalb auch durch Verbesserung unserer Handelsverträge, Errichtung von Handelsvertretungen usw. nachhelfen. In der Arbeitsloscnfürsorge müsse« aber vor allem auch die Schikane« abgestellt werde«, di« heute namentlich die Arbeitslosenhilfe der Gewerkschaften treffen,«nd di« administrative« Härten beseitigt werden, die di« Ernährungsaktion behindern. Wir wollen dem demokratischen Staat geben, was er zur Erfüllung seiner Verpflichtungen und zum Schutze seiner demokrafischen Verfassung, braucht, wir verlangen von ihm aber auch, daß er seinen Staatsbürgern und vor allem den Arbeitern gibt, was nöfig ist, umsie aus Hungerund Elend herauszusühren und ihre berechftg- ren wirtschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse zu erfüllen. Die 90.000, die am 4. November als Sendbot« weiterer Hundeuttausendrr»ns ihr Vertrau« bekundet haben, find eia Beweis dafür, daß unsere bisherige Politik richtig war! Wir wer- d« i« gleich« Sinne wefterarbeit«. F» r d i e Arbeiterklasse, für die Demokratie» aber auch für den demokratische« Staat— wird für»ns auch weiterhin die Parole laut«!(Lebhafter Beifall.) * Währ«d der Rede des Nafionaldemokrat« Dr. Hodak kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen mit Abgeordneten der tschechischen Linksparteien, als er sich gegen die Behauptung wehrte, daß seine Partei in sozialen Dingen auf dem Standpunft eines engherzigen Liberalismus stehe, und betonte, daß sie schon auS dem NafionalismnS heraus, den Dr. Krinnak verkündete, niemals geg«»gerechte" soziale Forderungen sein werde. Neue Zwischenrufe gab es, als Hodak ganz unschuldig fragt«, ob es denn außer b« Kommunisten bei uns überhaupt eine Part« gebe, welche die demokratisch-republikanisch« Staatsform umstoßen wolle. Von Koalitionsseite befaßte sich Hmöovskh mit dem slowakischen Problem und begrüßte die positive Einstellung der Hlinfapartei zur Außenpolitik, erklärte aber, daß hinsichtlich der Autonomteforderun» gen keinKompromtß möglich sei. Dubickp(Rep.) beschäffigte sich mit den hochgeschraubten Kartellpreisen und stellt später fest, daß die Sanierung der Bruderladen beschleunigt werden müsse und daß man zur Sanierung der finanziellen Position dieser Versicherung in erster Linie die Eigentümer der großen Gruben her- anziehen müsse. Bezüglich HenleinS erklärte Dubickh, daß das Verhältnis der Agrarier zu ihm absolut kritisch sei. Wenn hier gesagt wurde, daß in seinen Reih« große Gruppen von Hakenkreuzlem stünden und man abwarten müsse, wie ihre Lohali- tätsbeteuerungen sich durch Taten bewähren, so stimme er damit vollkonunen überein; dasselbe gelte allerdings auch von allen anderen Partei« der nationalen Minderheit«. Wenn Herr Henlein glaube, daß der Staat, in dem er mit den Tschech« leb«, seinen Vorstellungen über die deutsche Selbstverwaltung entspreche, dann werde er sich irren. Dubickh erinnert an die Worte MalypetrI von der Loyalität ohne Vorbehalte und erklär^ jederantistaatlichenTätigkeitmüss« ein En de gemachtwerden, möge sie welchen Charakter immer haben. * In den späten Mendftunden kam noch Genosst de Witte zu Worte, der die Erklärung des Minister» präsidenten unterstrich, daß erhöhte Hilfsmaßnahme« für die von der Krise am schwersten betroffenen Gebiete notwendig find, und darauf binwieS, daß insbesondere die deutschen Grenzgebiete in diese Kategorie gehören. Genosse de Witte rügte in schärfster Weise die Durchfteuzung der sozialpoll- tischen Hilfsmaßnahmen durch eine unsoziale und kurzsichtige Bürokräfte und vor allem die Kontrolle der Ernährungskarten durch Gendarmerie. Er befaßte sich dann mit der letzten Rede des Landbünd- lers W i n d i r s ch, der wieder einmal eine Attacke geg« das allgemeine Gemeindewahlrecht geritten hat, und besprach in diesem Zusammenhang die Finanznot der Selbstverwaltungskörper. Was Konrad Hcnlew betrisit. so erklärte Genosse de Witte, daß wir mit ihm schon allein ferftg würden. Zur Friedenspolitik unseres Außenministers können wir unsere bolle Zustimmung geben.(Wir werden die Rede im An SM noch ausführlicher nachtragen.) Um Mitternacht sprach noch der tschechische Nationalsozialist P a t e j d l. Auf diese Rede folgte eine wettere Erklärung deS Justizministers Dr. D i t e r zur Stkibrny-Angäegenheit, worauf die Abstimmung über die beiden Exposee'? vorgenommen wird. *** Herr Stöhr entpuppt rieh als Sachwalter Henleins Prag. Der Senat beendete nach ganztägiger Debatte Donnerstag gegen 6 Uhr abends die große Debatte mit der Genehmigung der Exposes durch die Regierungsparteien» Von deuftcher Seite versicherte Feierfell namenö der Ehristlichsozialm, daß sie geborene Demokrat«» seien. Senator Stöhr vom Bund der Landwirte, der als einer der Hauptvertreter jener Richtung nn Bund der Landwirte gllt, die mit Henlein durch dick und dünn geh« will, bestäftgte die Richtigkett dieser Annahme durch«in Plädoyer„für die Einigkeit und politische Geschlossenheit des Sudetendeutschtum-", damit ,Kber die Berufe und Stände hinaus die große Linie unseres Volkstums gewahrt bleibe". Dadurch sei auch die Stellung des Landbündlers zu alle« anderen fudetendeuftchen Parteien(in erster Linie also zu Henlein!) gegeben. Nach einer scharf« Kontroverse mit einigen unserer Genoss«(Dr. H o« litscher» Polach und R e y z l) führt Stöhr weiter aus, daß bei' diesem Einigungsprozeß dem Bund der Landwixte eine füh r e n d e Rolle(?) zukommen müsse. Auf die Gewiffensfrage'hes Genoso sen Dr. Höllischer: Was heißt völkisch! Gibt es auch eine Einheit mit de« Hakenkreuzlern? gibt Stöhr nur eine ausweichende Antwort. Auf diese Rede kommt später Genosse Dr. Heller zurück, als er in seiner großen Rede, die wir noch ausführlicher nachtragen werd«, besondere« Wert auf di« Feststellung legt, daß jetzt«blich einmal über die Beziehungen einer deutschen Regierungspartei zu Herüein vollste Klarheit geschaffen werden müsse. Bon tschechischer Seit« befaßte sich F. V K r e j c k mit außenpolitischen Problemen, ebenso del Agrarier K r o j h e r und der Nationalsozialist Dr. K l o u d a. In ihren Rede« nahm die Stellung M Polen einen breiten Raum ein. Die nächste Sitzung des Senates wird schriftlich einberufen werden. Auch anderen tatsächlichen Voraussetzungen der Anklage ist durch das Gutachten die Grundlage entzogen.' Blutentziehung zum Zwecke einer bestimmten Verwendung des Blutes ist als Tatmotiv schlechthin auszuschließen. Auffallend ist, daß zwei Zeugen, Cink und Pesäk, dm Angeklagten auch im Falle Klima belast«. Der Befund der Sachverständigen in betreff der angeblichen Blutflecke auf den Hosen wird durch die Fakultät abgeschwächt. Fest steht, daß den Geschworen« das Beweismaterial, soweit es gerichtsärztlicher Wahrnehmung und Begutachtung unterlag, vielfach in schiefer Beleuchtung vorgeführt wurde. Die neuerliche Behandlung wird die Untersuchungsergebnisse den Geschworenen in einem dem heuti- gen Stand der Wissenschaft entsprechenden Licht vorzuführen haben. Der Akt Marie Klima beim Bezirksgericht Polna schwillt mächttg an. Immer neue Zeugen werden von Bitek und Klenovec herangebracht. Sechs Schuster, Schneider, Schlosser und Bauern und ein ganzes Dutzend Dienstmädchen und Taglöhnerinnen haben Hilsner mit der Klima entweder in Zhor oder im Bresinawald oder da wie dort gesehen. Viele, die in der Sache Hruza keine Gelegenheit hatten, zur Geltung zu kommen, spielen jetzt endlich eine Rolle. Aber auch die bewährten Zeugen vom vorigen Jahr lassen sich nicht verdrängen. Der grobe, giftige Beöera, den niemand recht leiden kann, ist eine Hauptfigur geword«. Ist ihm, dem Teufelskerl, gar jetzt noch eingefallen, daß er vor einem Jahr, eine Woche vor Ostern, den Hilsner mtt Hermann Auftecht 43 stehen sah, als eben die Agnes Hruza vorbeiging! Die beiden Juden machten sich einen Jux mit dem Mädchen. Und einen oder zwei Tage darauf standen die zwei wieder miteinander, und wieder ging zufällig die Agnes vorbei... » Bei den Atten liegt aber auch eine alte Aussage der Marie Krcal: ihr hatte die Josefa Strnad damals vertraulich erzählt, die Klima sei an jenem Sonntag mit dem Zumpl verabredet gewesen. Nun wird die Strnad vorgeladen. Sie war ftüher in Ober-Wjesnitz in Stellung und mtt der Klima befteundet. Jetzt ist sie beim Bürgermeister Sadil, dem Haupt des Rechtskomitees, bedienstet. Und was sagt sie jetzt? Nicht mtt Zumpl, sondern mit Hiltner wollte ihre Freundin zur Wallfahrt gehen. Das und nichts anderes habe sie der Krcal gesagt. Das Kreisgericht Pisek hat die Arbett ausgenommen. Im Juli veranstaltet es eine Sehprobe mit dem Zeugen Pesäk. Die Gerichtskommission wiederholt die Szenen, di« schon einmal von Dr. Baudysch ohne Pesäk geprobt worden sind. Diesmal zeigt und nennt man dem Kronzeugen die drei Personen, welche nach der von ihm gegebenen Darstellung die Rollen übernehmen werden. Die Darsteller nehmen ihre Plätze ein, Klenovec besorgt das Arrangement. Die Kommission begibt sich auf die Dobroutover Straße. Viel Publikum nimmt an der Veranstaltung teil, die Leute drängen sich um die Herren vom Gericht, einige haben Ferngläser, gespannt verfolgt man den Verlauf, man tauscht und korrigiert seine Ansichten und Beobachtungen. Pesäk hat gute Augen, und wo sie versagen, kann er, wenn er ebenso gute Ohren hat, aus den halblauten Bemerkungen der Leute um ihn herum entnehmen, was er nicht weiß. Er erkennt richtig, wieviel Personen ihm gezeigt werden, ob sie hell oder dunkel gekleidet sind, ob sie stehen oder gehen oder sich umdrehen, und ob und wie die Figuren den weißen Stock halten: Er erkennt nicht, ob die Wendungen schnell oder langsam ausgeführt werden, ob die Kleidung der Personen gut oder schlecht ist, ob einer die Mütze abnimmt oder nicht, und welche von zwei Personen die größere ist. Auf Antrag des anwesenden Verteidigers werden ihm am Walde drüben auch zwei Männer gezeigt, die er zwar kennt, die man ihm aber vorher nicht genannt hat. Wer diese beiden seien, habe er keine Ahnung, muß er gestehen. Di« Sehprobe erweist, was nicht zu beweisen war: daß Pesäk imstande ist, an Personen, die er erwartete, gewisse allgemeine Wahrnehmungen zu machen. Nicht erwiesen ist, was zu Beweis stand: daß er eine unerwartete Person erkennen und Einzelheiten exakt beobachten konnte. Mtt dem Material zum Fall Klima kann der Staatsanwalt nicht viel anfangen. Selbst wenn die Aussagen der Polnaer richtig sind, beweisen sie nichts anderes, als daß Hilsner am 17. Juli von mittags bis abends mit dem Mädchen beisammen war. Pesäk hat ihn zwar nach ihrem Verschwinden im Herrschastswald getroffen, doch bietet das alles noch kein tragfähiges Fundament für die Konstruüion einer Anklage. Hilsner erklärt, die Klima nicht gekannt zu haben und zur Zeit ihres Verschwindens unterwegs gewesen zu sein. Die Erhebung« zur Feststellung seines Alibis sind im Gange. Eine interessante Bereicherung der Verdachtsgründe liefert im August der Schuster Anton Lang, ein lungenkranker Misanthrop. Vor dem Arzt Dr. Michalek und dann vor Sadil gibt er seine gut durchgearbettete Bekundung ab: an jenem Julisonntag, also vor mehr als zwei Jahren, stand er vor der Tür seines Hauses, als der Zug der Festteilnehmer, von einem Platzregen vertrieben, aus dem Bresinawald zurückkam. Hinter der Musik schritt Hilsner, an seiner rechten Seite ein Mädchen. Da eS dem Lang auffiel, daß eine anständige Person mit dem Vagabunden ging, folgte er dem Zug bis zum„Roten Krebsen", wo die meisten einkehrten. Lang wartete nun, seiner Krankheit und des schlechten Wetters ungeachtet, vor dem Gasthaus den ganzen Mend, bis er kurz nach zehn eine Gruppe von fünf Personen scch: den jungen Max Brettisch, de« Drechsler Hermann Basch, den Polda, zwischen diesen beidm das Mädchen und dahinter de« Glaser Graf. Ohne daß sie ihn sehen konnten, verfolgte er sie und hörte deutlich, wie Basch sagte: „Seien.Sie unbesorgt, wir führen Siel" Dan« sah er noch, wie die Gesellschaft auf dem Weg zur Bormühle verschwand. Dieselben vier Männer stand«, erzählt Lang weiter, am 27. März 1899 beieinander. Nnd genau eine Woche nachher, am 3. April, abend- gegen halb acht, kam er an HilsnerS Wohnung vorbei. Dort stand am geschloffen« Fenster der junge Prochaska und horchte. Der Junge verließ seinen Posten, und Lang beobachtete nun durch die Fugen der Fensterläden, wie sich die HilsnerS' Mutter und Sohn, mit dem Ehepaar Rapp unterhielten.„Fürchtest du dich?" fragte Frau Rapp den Polda.„Hast du Angst?" Für ihn antwortete der Kürschner Rapp:„Wozu Angst, was 0 er befürchten? Hat sie jemand gesehen, hat fit jemand erwischt? Niemand hat sie erwischt, dir Geschichte ist erledigt, das sind alles nur Vermutungen!" Keiner Seele, nicht einmal seiner Mutter, bei der er wohnt, hat Lang berichtet, wa- er gesehen und gehört hat. Bei der Gegenüberstellung beschwören Grai und Basch, daß an der Erzählung kein wahret Wort ist. Beide können durch Zeugen beweisen, wo sie sich an jenem Abend aufgehalten haben. Der junge Bretftsch ist todkrank. Bor sein Bett geführt, nimmt Lang seine Aussage, soweit sie ihn betrifft, zurück. Das Ehepaar Rapp beeidet, niemals in HilsnerS Wohnung gewesen zu sein. Kaum ist daS Protokoll geferttgt, meldet si^ Karl Hazuka, der gegenjiber dem»Roten Ochsen" die Maut einhebt, bei Sadil. Auch er fühlt sich ver- pfsichtet, die Wahrheit endlich an den Taa?n bringen. (Forffetzung folgt.) 9z. S6r» Seite 3 Freitag, 8. November 1934 Rücktritt des„nationalen Kabinetts Doumergue Die seit einigen Tagen avisierte schwere Krise des französischen Burgfriedenskabinetts der Negierung der nationalen Einigung, die Gaston D o u m e r g u e nach den Feberunruhen gebildet hatte und die alle Parteien von den Neosozialisten Deats und den Radikalsozialisten Herriots bis zur klerikalen Rechten um- satzt hatte(also nur Sozialisten und Kommunisten in Opvosition sah) ist Donnerstag zum Alwbruch gekommen. Doumergue ist nicht eigentlich über seinen Plan einer weitgehenden Bcrfassungsreform gestürzt, sondern über einen Vorstoß gegen das Budgetrecht des Parlaments, den er erst in den letzten Tagen unternommen und mit seinen Ministern nicht besprochen hatte. Erst dieses in Frankreich ungewohnte Vorgehen) das Doumergue in seiner vorweggenommenen Rolle als alleinigen„Führer" der französischen Politik und als ausgesprochen antiparlamentarischen Politiker zeigt, hat ihn zu Fall gebracht. Es scheint, daß die Radikalen jetzt er st erkannten, wie ernst es Doumergue mit der Kaltstellung der Volksvertretung meint. Vielleicht auch fürchteten sie, vor ihren Wählern die Billigung dieser Haltung Doumer- gues nicht mehr übernehmen zu können. Doumergue forderte seit langem eine Verfassungsreform, die nicht nur die Rechte der Regierung, sondern vor allem die des Ministerpräsidenten erweitern sollte. Die radikalen Minister hatten sich vom Parteitag in Nantes ermächtigen lassen, der Reform weitgehend zuzustimmen. Man stritt nur noch um die Frage der Kammerauflüsung. Doumergue forderte das Recht der Auflösung der Kammer für sich, die Radikalen wollten es an die Zustimmung des Senats gebunden wissen. Vor allem wollte der >) Im tschechischen politischen Klub„P r i t o m- Mo st'-hielt am Mittwoch, den 7. November, Ab- Aeovdpeter Genosse Falsch vor einer zahlreich erschienenen und überwiegend tschechischen Zuhörer- Haft einen Vortrag über die Stellung der Sozial- demvkratie zur Sudetendeutschen Heimatfront. Genosse Falsch gab eine eingehende Darstellung der sitzialcn Lage und der seelischen Beschaffenheit i&S Sudetendeutschtums, schilderte die Situation, 8e nach der Auflösung der nationalistischen Par- tei^entstanden war und zur Bildung der Sudetendeutschen Heimatfront führte. Er wies dann nach, Hatz es sich bei der SHF nicht um eine durchaus nepe Bewegung,, sondern um eine Fortsetzung des eckten-deutschen, Nationalismus mit neuen Mitteln handelt. Genosse Falsch zergliederte dann die Hen- leinrede in Leipa und legte dar, datz die Stellung jedes Sudetendeutschen zu Hitler ein sittliches Problem sei und datz es in der Frage der Menschenrechte lein Kompromiss geben könne. Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie sei es, der Welt zu<,zeigen, datz die Sudetendeutschen bereif sind, das kulturelle Erbgut der grptzen deutschen Nation zu wahren..Die Rede klang darin aus, datz man auch-zu gewissen Zeiten den Mut haben müsse, sich gegen bestimmte politische Modeströmungen zu stellen, so wie.es auch Masaryk Zeit seines Lebens getan hat..Hätte er anders gehandelt, wäre er Ni« zum Führer, seines Volles geloorden. '/ In der Debatte traten nicht weniger als vier Vertreter der Sudetendeutschen Heimatfront auf, di«.die Sachlichkeit der Ausführungen des Genossen Falsch zugeben muhten und nicht imstande waren, die Ausführungen des sozialdemokratischen Redners zu entkräften. Es war interessant zu beobachten, datz die Argumentation der vier Redner der Heimatfront, des Herrn Dr. Sebekovsky, Dc.©t ief, Dr. Brand und Prof. Obrlik, durchaus uneinheitlich war und datz also selbst unter, den führenden Männern der SHF keine einheitliche Auffassung der entscheidenden politischen Problem« des Sudetendeutschtums vorhanden ist. Während Herr Dr. Brand nichts anderes tat, als gegen jenen Marxismus zu polemisieren, den e r sich'vorstellt, zeigten der Chefredakteur der„Neuen Morgenpost"- Dr. Stief und Prof. Obrlik völlige Hilflosigkeit. Dr. Stief versuchte das Mitleid der Anwesenden dadurch zu erwecken, datz er fortwährend von der seelischen Krise sprach, welche er und seinesgleichen erleben, während Prof. Obrlik treuherzig versicherte, er habe noch nicht all« Probleme durchdacht und leine endgültige Ansicht in de» entscheidenden Fragen. Den Rednern der Heimatfront trat von sozialdemokratischer Seite Genosse Ker» entgegen, der über die kulturelle Bedeutung der sozialistischen Bewegung sprach und erklärte, di« sozialistischen Sudetendeutschen halten an der gesamtdeutschen Kultur fest, aber deutsche Kultur und Drittes Reich schliessen einander aus. Bon tschechischer Seite sprach Dozent F'i§« r, welcher nachwies, datz Henlein in Leipa überhaupt lein politisches Programm entwickelt habe, und datz die Auffassung vom Ständestaat, wie sie die SHF verbreitet, mit der Demokratie unvereinbar sei. In ausgezeichneter Weise sprach der Redakteur der»Lidove Noviny" Dr. R i p k a, der- darlegte, datz die fasciftische Ideologie bei den Heimatfrontlern stärker sei, als sie selbst glauben üstd dass d i« nationaleBollsgemein- f ch a st, die sie predigen, auf tschechischer ©e i t e n i ch t r a n d e r e s bewirken hentste als die Wiedererweckung dle r a l I n a t i e n a l e n K o alitio n. Die Herstellung der Volksgemeinschaft, wie sie die Heimatfrontler wollen, seinurdurchGewalt wiöglüh. In einem Schlusswort rechnete Genosse Falsch nochmals mit den Rednern der Heimatfront ab und verwies insbesondere auf die rassische und absolut undemokratische Ideologie der deutschen Turnerbewegung, aus der die SHF hervorgegan- »ch ist. Es ist zu hoffen, dass der Abend dazu beige« trugen hat, bei den anwesenden Tschechen das Ber- Hndnis für den schweren Kampf zu Wecken, den ustsere Partei für die Demokratie innerhalb des Sudetendeutscktums führt. S. Vie Gleichschaltung »Tnrnerzettnng" des Deutschen-- Türnverban- dbs/. Folge-19, 1.. Ok- Hoch e,r 1934". .Jugendfürsorge: Ge- »ade ssr»ast aus de« Fes- «kn.- die vergeudend« Wohtsiitigkett im leherali- stkfchev Sinne ihr angelegt hiwen- befreit werden. Es gilt nicht erbliche' Minderwertige am. Leben' zu er- hosten. ihnen das. Leben, zu erleichtern, damit sie später wieder'nur Minderwertiges zeugen.. ,;." „Der Tag", Hauptorgan der DNSAP vom 5, Mai 1932. (Aus einem Artikel über das Rote Wien.) „Das neue Tuberkulo- senhenn der Gemeinde Wien kostet drei Mllionen Schilling, das Radiuminstitut fünf Millionen Schilling. Beide Anstalten haben in den reichsten Staaten nicht ihresgleichen und beherbergen»ach Aussagen Eingeweihter ausnahmslos mrheilbare, tödliche Fälle. Als» für hoffnungslos Erkrankt«, denen nicht geholfen werden kann, deren Leide« nicht gebessert, sondern durch die Behandlung nur verlängert werde«, werden Mllionen verausgabt.« '^lickts hat-sich geändert als der Vorturner. Dafür unterhält^ der. alte gute Beziehungen zu dem- neuen- und dessen Gefolgschaft. Iie Mn Mker und Kn dritte M Schenker klagt das„Prävo Lidu" wegen der Enthüllungen vom Aprll d. Z. Interessante Anträge für den Wahrheitsbeweis Prag. Am 25. April d. I. veröffentlichte unser Bruderblatt„Prävo Lidu" einen Artikel, der sich mit den Beziehungen zwischen der Prager Speditionsfirma Schenker u. Co. zu der Berliner Zentrale dieses internationalen Grotzunternehmens beschäftigte. In diesem aufsehenerregenden Artikel wurden Dinge zur Sprache gebracht, die auf eine enge Verbindung der keineswegs rein„arisch-germanischen" Prager Schenkerdirektion mit der Berliner Zentrale Hinweisen und indirekt auf Beziehungen mit politischen Exponenten des„Dritten Reichs". Insbesondere wurde darauf verwiesen, daß die Berliner Firma Schenker, Eigentum der natürlich hundertprozentig gleichgeschalteten D e u tz. schen Reichsbahn ist und datz sie von der Prager Direktion Berichte erhielt, die sich keineswegs auf das geschäftliche Gebiet beschränkten, sondern als Verstösse gegen den Spionageparagraphen erscheinen. Die Firma Schenker u. Co. in Prag überreichte daraufhin eine von ihren Prokuristen Quido Andres und Josef Fischer unterschriebene Ehrenbeleidigungsklage gegen den verantwortlichen Redakteur des„Prävo Lidu", Genossen Koudelka, in welcher sie sich insbesondere durch die Titel und Untertitel des erwähnten Artikels als„aufs tiefste in ihrer Ehre verletzt" betrachtet.(Es war in diesem die Rede davon, dass der Direktor der Prager Firma sich „in Berlin seine Weisheiten geholt habe" und ferner wurde die Frage gestellt, was unsereBehördenzuunter- nehmen gedächten usw.) Gestern wurde über diese Preffeklage vor dem Schöffengericht unter Vorsitz des OGR. Dr. Bernäsek verhandelt. Die Klage legt besonders grossen Wert auf die Behautung, dass die tschechoslowakische Firma Schenker ein völlig selbständiges Unternehmen sei, in keinerlei organisatorischer Verbindung mit Berlin stehö und daher auch keine Beziehung zum Hakenkreuz unterhalte. Der Verteidiger des geklagten verantwortlichen Redakteurs, Genosse Dr. L a n g e r, bot den Wahrheitsbeweis über den Inhalt der von den Klägern beanständeten Stellen an. Insbesondere beantragte er zur Erbringung dieses Wahrheitsbeweises die Requirierung der beim hiesigen Sträfireisgericht erliegenden Akten über das schwebende Strafverfahren gegen die Prager Schenkerdirektoren Dr. Rudolf Beck und Anton« wegen Militärverrates und der Verbindung mit ausländischen staatsfeindlichen Faktoren (8 2 und 8 6 des Schutzgesetzes). Der Verteidiger betonte, dass in diesen Strafakten Durchschläge verschiedener Briefe der Prager Direktion an die Berliner Zentrale erliegend die >bei den Haussuchungen beschlagnahmt wurden und in welchen der Direktor Dr. Beck z. B- seinen Befürchtungen Ausdruck gibt, dass er für seine Berichterstattung nach Berlin gerichtlich verfolgt werden könne u. dgl. Weiters berufen sich die Bewcisanträge des Verteidigers darauf, dass die das Strafverfahren gegen die beiden genannten Prager Schen- kerdirektoren sich auch auf die Beschuldigung erstreckt, sie hätten als Transportvermittler unserer Waffenindustrie regelmäßige Berichte über die für diese eingeführten Rohstoffe nach Berlin geliefert. Als die Firma Skoda einmal einen grösseren Transport von Kriegsmaterial nach Jugoslawien der Transportfirma„Cechosla- v i a" vergab, sei nach vorliegenden Beweisstük- ken sogleich ein Bericht der hiesigen Firma Schenker nach Berlin abgegangen und kurz nachher in Wiener Zeitungen veröffentlicht worden, Ferner erwähnen die Anträge des Verteidigers ein besonderes Strafverfahren wegen Vergehen gegen die Devisenordnnng, wobei es sich um Millionen handelt. Das Preflegericht lieh alle angebotenen Beweise zu und vertagte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit. rb. Tagcsncuigkcltcii Gangster in Prag Raubüberfall ans eine Borschußkaffe Prag. Gestern um 10 Uhr vormittags drangen zwei maskierte und mit Revolvern bewaffnete junge Männer in die Räumlichkeiten der Zweigstellte der Wrschowitzer Vorschuhkasse inSporilov ein und zwangen mit vorgehaltenen Revolvern die Beamten der Vorschutzkasse zur Herausgabe der Kaffenbarschaft im Betrage von 50.000 Kö, worauf sie flüchteten. Gxprafident Machado vergiftet London. Dem„New Dort Mirrow« zufolge ist, wie Reuter aus New Aort meldet, der frühere Präsident von Kuba, Machado, in einem Dorf in der Nähe von Santo Domingo infolge einer Vergiftung auf den Tod erkrankt. Nach einer ergänzenden Meldung des Berichterstatters des„Daily Telegraph" aus New?)ork sollen alle Speisen Machados auf Anordnung einer knbanischen Geheimgesellschaft durch einen kubanischen Koch vergiftet worden sein. Ein Riesen-Wafferflugzeug für 70 Passagiere Paris. Wie der„Excelsior" erfährt, sollen am Jahresende die Versuche mit dem größten Wasserflugzeug der Welt beginnen, das in Toulouse erbaut worden ist. DaS Flugzeug besitzt einen Faffungsraum für 70 Personen, von denen eine bestimmte Anzahl in Luxuskabinrn untergrbracht werden kann, die die gleichen Ausmaße besitzen wie die Kabinen der großen Ozeandampfer. Die Länge des Flugzeuges wird 32 Meter, die Breite 50 Meter und die Höhe 9 Meter betragen. Es wird mit sechs Motoren zu je 850 HP ausgerüstet sein, eine Stundengeschwindigkeit von 250 Kilometern entwickeln und biszurinerHöhevon 2000 Meter aufsteigen können. Das Wasserflugzeug ist für dm Verkehr auf dem Nordatlantik bestimmt, besitzt einen Aktionsradius von 3000 Kilometer und kann in seinen Tanks 27.000 Liter Triebstoff an Bord nehmm. Lokomotive erfaßt Auto — zwei Tote Pardubitz. Donnerstag abends kurz nach halb 8 Uhr stieß eine Lokomotive, die sich auf der Fahrt von Prelouc nach Pardubitz befand, bei einer Straßenkreuzung vor Pardubitz mit dem Personenautomobil des Kaufmannes Jirout aus Pardubitz zusammen. Die in voller Fahrt befindliche Maschine schleifte den Wagen etwa 60 Meter weit mit und zertrümmerte ihn vollkommen. Jirout und der mit ihm fahrende Eisenbahner Franz Cepl aus Semtin wurden auf der Stelle getötet. Matuschka über Bia-Torbagy Budapest. Der Eisenbahnattentäter Matuschka gab im weiteren Verhöre am Msttwoch abend Einzelheiten über die Vorbereitungen für das Attentat in Bia-Torbagy bekannt. Aus einer Feldhütte in der Nähe des Viaduttes bei Bia-Torbagy hatte ertagelangd enZu g s- verkehr beobachtet. Er wollte das Attentat nur gegen einen Güterzug verüben. Daß hiebei Menschenlebm zum Opfer fallen könnten, habe er nicht angenommen. Der Präsident stellte fest, daß Matuschka bei seinem ersten Attentat die Wirkung der Sprengmittel beobachtet hatte, bei seinem Metten Attentate bei Jüterbog drei Kilogramm Ekrasit verwendet und zum Tatort eine steilere Stelle der Strecke ausgesucht hatte, so daß der Zug tatsächlich in die Tiefe stürzte. Bei Bia-Torbagy habe er für die(Krengung des 26 Meter hohen Biaduttes sieben Kilogramm Ekrasit verwendet. Er wußte sehr gut, daß der ganze Zug in die Tiefe stürzen mußte. Darin erblickt der Vorsitzende das Vorbedachte des Attentates. Mit gespanntem Interesse sahen Publikum und Pressevertreter dem vierten Verhandlungstag des Matuschkaprozeffes entgegen, an dem sich Matuschka über die noch unbekannten Einzelheiten des grausamen Bia-Torbagyer Anschlages äußern sollte. Ruhig und gelassen, als ob es sich lediglich um eine Zeugenaussage handeln würde» schildert er die Kvnstruierung der Höllenmaschine, deren Apparat er auf das' sorgfältigste studiert und zusammengesetzt hat. Dann setzt Matuschka die Schilderung des Anschlages fort, wobei es auffallend ist, mit welcher Präzision er sich auch an die kleinsten Details erinnert. Es ziehen noch einmal alle Einzelheiten des grausamen Attentates vorüber. Matuschka bleibt hartnäckig bei seiner Behauptung, er habe nur einen Lastzug zur Entgleisung^bringen wollen. Nach dem Attentat, so erzählt er in erregtem Ton, habe er-mit dem Revolver in der Hand den Eisenbahndamm erklommen, um zu verhindern, daß Reisende geplündert würden. Vorsitzender Marion richtet dann plötzlich unerwartet folgende Frage an Matuschka:„Wußten Sie, dass Trotzki mit dem Vornamen Leo heisst?" Den Blick zu Boden gesenkt» antwortet Matuschka, ganz aschfahl im Gesicht:„Dann ist hier wohl der Schlüssel des Wunders zu suchen." „Wir werden schon diesen Schlüssel finden", ruft ihm der Vorsitzende zu. Matuschka:-„Ich höre hier zum erstenmal, daß Trotzki Leo heißen soll. Damit- hat sich in mir die Ueberzeugung noch mehr gestärkt, daß Leo als Satan die Hand im Spiele hatte." Fra« und zwei Kinder ermordet Perleberg(Brandenburg). In dem Perleberger Forst wurden die Ehefrau Büttner und ihre zwei Kinder tot aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß Büttner seine Frau und seine beiden Kinder Ziehung der Klassenlotterie (llnverbindli ch.) Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der 5. Klaffe der 31. Tschechoflowakischen Klassenlottcrie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 30.000 Ke das Los Nr. 39409. 10.000 K« die Lose Nr. 60695 83652 1087 65262 63729 23599. 5000 Kd die Lose Nr. 44397 29658 98677 66047 107974 3855 96500 35341 31270 79025 103013 1171 51701 45334 240. 2000 Kd die Lose Nr. 38748 14279 24836 79021 38965 55769 12213 71444 32960 6000» 26369 76165 29952 104344 75814 105090 7342o 35873 66261 40051 8356 482 63823 40177 20810 93956 59958 84721 22989 4357 20109 96008 101546 59397 107186 47605 38832 72809 42226 102605 55637 103642 102350 77325 38765 104406 42840 11315 49794 30854 45793 22904 6192 1184 56777 103106 53185 24075 43450 32924. in einer Schutzhütte ermordet hat. Der Täter hat wahrscheinlich seine Opfer zuerst mit einen: Strick erwürgt und seiner Frau, die anscheinend nicht sogleich erstickt ist, den Hals durchschnitten. Büttner, der ohne Zweifel als Täter in Frage kommt, konnte noch nicht ermittelt werden. Propagaudaflug Paris. Die fianzösische Rekordfliegcrin Marysa Hilsz hat Dpnnerstag einen Propagandaflug durch die Staaten Mitteleuropas angetreten. Sie landete nachmittags in Straßburg, von wo sie Freitag früh nach Prag starten wird. Kinderarbeit im Dritte» Reich. Kürzlich hat der Reichsarbeitsminister in Deutschland eine Verordnung zur Neufassung der Arbeitszeitver- ordnung herausgegeben, die eine Besfimnmng enthält, durch die ohne großes Aufheben die Kin- derarbeit wieder zur Einführung gelangt. Die Besfimmung lautet wörtlich: „Die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeü in Anlagen, die mtt ununterbrochenem Feuerbetrieben werden, darf Ar Kinder 36 Stunden, für Jugendliche bis zu 16 Jahren 60, für Arbeiterinnen 58 Stunden nicht überschreiten." Die gesamte nationalsozialistische und gleichgr- schaltete Presse hat von dieser Aenderung de" Arbeitszeitverordnung, die wieder eine Kulturschande mehr über Deutschland bringt, überhaup» nichts gemeldet. Auch Henleins„Rundschau" wird nichts davon vermelden, da diese Rundschau bekanntlich an den Grenzen des Reiches haÄ- macht. Fast als unglaublich müßte man diese Meldung ansehen, wenn man eben nicht schon längst sich hätte angewöhnen müssen, alles Schändliche zu glauben, das von drüben gemel- det wird. Auch die Vorstellungen der 15jährigen, die 60 Stunden bei offenem Feuer arbetten, und der Frauen, denen es nicht viel besser geht, muß allen zu denken geben, die sich das Denken noch nicht abgewöhnt haben. Man kann da wohl sagen: dem Proleten, dem Jungarbester, der Arbeiterin, denen noch immer nicht vor dem Fascis- mus graust, ist nicht zu helfen... Dr. Josef Picek gestorben. In der Nacht auf Mittwoch ist der Direktor der Zentralbrudcrlade der Bergarbeiter in Prag, Dr. Jos. Picek, gestorben. Picek, der erst 51 Jahre alt war, war un- sprünglich Advokat in Chlumec, später Beamter des Ministeriums für soziale Fürsorge und seit 1924 in den Diensten der Zentralbruderlade, zuletzt als deren Direttor tätig. Er gehörte der tschechischen Sozialdemokratie an. Wieder ein Fabriksbrand in Brünn. Donnerstag nach 5 Uhr früh brach in der Metall- Warenfabrik Rudolf Manouseku. Co. in Brünn-Hussowitz ein Brand aus, dem das ganze Dach des Unternehmens und die Modelltischlerei mit verschiedenen Modeflen und Maschinen zuin Opfer fiel. Das Feuer konnte erst nach zweistündiger Tätigkeit der Feuerwehren gelöscht werden. Der Schaden ist bedeutend, ist aber durch Versicherung gedeckt. Die^Ärandursache ist bisher unbekannt, es wird aber Kurzschluß angenommen. Verbotene Zeitschriften. Das Innenministerium hat in llebereinstimmung mit dem Außenministerium die Verbreitung folgender Druckschriften verboten: „Frankfurter Volksblatt",— Deutsches Turnen. Zeitschrift für ncttionälsözialistische Körpererziehung", —„General-Anzeiger, Rote Erde",—„Potsdamer Reiter",—„Meißner Tageblatt, Anzeiger für Großenhain und Weinböhla und Coswig".—„Der Frontsoldat erzählt",—„Junger Wille". Pirandrllo Nobelpreisträger. Die schwedische Akademie hat den diesjährigen Nobelpreis für Literatur dem italienischen Dramatiker Luigi Pirandello zugesprochen. Vom Rundfunk taptahlMmrtM aus den Programmen) Samstag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.00 Schallplatten. 15.55 Blasorchesterkonzert. 16.40 Rundfunk für die Jugend. 17.05 Französische Arien. 18.05 Deutsche Sendung: Jugendstunde. 22.25 Einige Proben aus der Oper„Mach: des Schicksals" von Verdi. 22.40 Jazzorchester.— Sender St.: 14.30 Wanderlieder. 15.00 Deutsche Sendung: E. Janetschek: Musikalisch« Zeitgeschichte. 15.40 Deutsche Presse.— Brünn: 12.35 Orchesterkonzert. 13.40 Leichte Musik. 17.50 Deutsche Sendung: Halbe Stunde Schlager.— Preßbnrg: 19.25 Klavierkonzert.— K«schon: 19.10 Orchefderkonzert. «r. 263 Freitag, 9. November 1934 Seite 5 •HMHMMMWMMMAMHMtMH Parteigenossin! Parteigenosse! Bist Du schon Mitglied der Kinderfreunver wenn nicht, dann tritt bei. „Kreuu df dftaft V* »»»,»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»» scheu, daß dem E l e k t r o m o bi'l der Erfolg zufiele. Es"fährt ziemlich geräuschlos ÄNd'veimM reinigt nicht die Luft durch stinkende Abgase." Abel! cs bleibt im Stadtbild vereinzelt, weil" die AkfttL mulatoren heute noch viel zu schwer sind. Ein wirtlich leichter Akkumulator von. großer Leistung könnte eine Revolution in de.r Automobilindustrie herbeiführen..* Das ideale Auto, die Sehnsucht der Techx> niker, der Traum der Physiker"istjedoch derWtts- sermotor, der Wagen," dernnrWassLr" als Treib st off braucht. Seit vielen Jahren' arbeiten unabhängig voneinander" mehrere Techniker und Physiker an dem Wnsserstoffmowr. Mehrmals hat es schon geheißen, er" sei"erfunden, aber wenn man bedenkt, daß es 40 Jahre" gedauert hat, ehe der Dieselmotor gebrauchsfertig war, wird Man nicht ungeduldig sein. Der Wasserstosfmotor beruht auf der lange bekannten Tatsache, daß eleK- trischer Strom das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Wenn diese" Zerlegung in einem geschloffenen Gefäß vor sich aeht> erzeugen diese sich bildenden Gase einen sehr starken Drpj- In diesem Druck ist für dse Zerlegung des Was^ sdrs weniger elektrischer Strom notwendig als. in offenen Gefäßen. Und dq bei.hex. Herläeixnüyg von Wasserstoff und. Sauerstoff(Knallgas).. lt>i.e? der Wasser entsteht, ist auch, vorläufig, nur theoretisch, die Möglichkeit gegeben, mit einem geringen Wasservorrat ein Auto zu betreiben./ Die herrschende Stellung des Benzinmataxst im Verkehr der Straße, ist bedroht. Ein neüqx Treibstoff, sei es nun Abfallholz,.oder Wasser, d^r sich allgemein durchsetzen kann) her also. auch. Mr Personenkraftfahrzeuge in Betracht..kommt wir? eine größere Umwälzung i/p Verkehr und i. hex Weltwirtschaft herbeiführen,. als. sie selbst der Benzinmotor herbeigeführt hat.:,.'u A Obst und Braunkohle als Antokraststoffe tinent, vor allem in Flandern getroffen. Das an das Parlamentsgebäude anstoßende Haus wurde gemietet und von seinen Kellern aus ein Gang in die Keller des Parlamentes getrieben". Dann wurden 36 große Fässer Schießpulver vorbereitet. Am 8. November, dem Tage, an dem der König James in Anwesenheit der Lords und der Vertreter der Gemeinen die neue Session eröffnete, sollte der Anschlag durchgeführt und das ganze Gebäude in die Luft gesprengt werden. Mit der Durchführung wurde Guy Fawkes als der umsichtigste und kühnste der Verschwörer betraut. Doch der Plan wurde verraten, die Verschwörer, an der Spitze Guy FawkeS, hingerichtet. In England, wo alle Sitten schwer sterben, ist es noch heute Brauch, daß vor dem Beginn jeder Session hohe Parlamentsbeamte und Soldaten mit Laternen einen Rundgang durch die ganzen Gebäude machan, um sich davon zu überzeugen, daß keine Gefahr, droht. Guy Fawkes ist lange tot, nichts mehr als«in Kinderscherz. Aber die Zeremonien und die Vorkehrungen aller Art, um einen Anschlag auf das Parlament zu verhüten, sind sie nicht mehr als ein sinnlos gewordener Brauch? Sind sie heute nicht symbolisch? Spukt nicht wieder Guy Fawkes? In Deutschland ist erst vor kurzem der Sitz der Volksvertretung in Flammen aufgegangen. Mit ihm verbrannte alles, was in jahrzehntelangem Kampfe an Freiheiten und Rechten aufgebaut worden war. In anderen Ländern waren die Guy aPsgezghlte Posta Mvessu agoii. 13,400.000 13,158*000!•. 18*538.000 i 12,658.000-••••• 11*852.000... • 11,079.000 eingezahlten.'Best Fawkes nicht weniger etfolgreich.. Er würde...staunen, lebte er, um zu sehen, wie viele Nachfolger er gefunden hat. Nur wenige Länder erfreuen sichHeuft';demokratischer Freiheiten und einer vom" Volke frei" gewählten Regierung. Unter ihnen-ist auch"das Land Guy Fawkes, ja es ist heute eine Stütze und Hoffnung der politischen Freiheit und" der sozialen Gerechtigkeit. Aber sst wie vor dreihundert Jcchst. ren ist diese Freiheit bedroht. Wie damals sind es kleine Gruppen, die das Gefüge der"VolkShe'tr->". schäft zertrümmern wollen, um selbst die Mqcht auSzuüben. Nach Jahrhunderten^ in denen., der Gedanke der Volksvertretung und der sozialen. Gc- rechtgkeit fast alle zivilisierten Länder erobert hatte, ist er in größerer Gefahr denn je. Die Guy Fawkes bedrohen nicht nur das Leben ihrer Geg^ ner, sie trgmpeln auch, dessen ist diese Zeit' entsetzter Zeuge, den Geist nieder, sie werfen die W^lt ins Mittelalter zurück, dessen" rNödernere Züge es' nur noch entsetzlicher machen. Wir müssen verhüten, daß es so kommt. Gebäude, wie Sinn und Geist dessen muß gewahrt bleiben, das die Guy FawkeS zu zerstören trachten. Sie müssen auf Mut und Entschiedenheit stoßen. Dann werden sie, die scheinbaren Heroen und starken Männer, in späteren Zeiten zum Gespött der Kinder werden. Feuerwerk, und Kinderspiel wird dann, wie heute in.England, die letzte Erinnerung an einen gräßlichen Spuk sein.> O..F..; t Stahlflaschen zu organisieren. Holz und Obst gegen Benzin. Mit Holz beheizte Lastwagen waren schon wiederholt zu sehen. Auch bei ihnen wird das Holz erst in einem Generator vergast. In Frankreich fahren schon viele tausende solcher Wagen. Auch Italien versucht sie einzuführen. Noch größer sind die Bemühungen in Deutschland, wo man sowohl aus finanzieflen als auch aus strategischen Gründen von der Einfuhr ausländischer Rohstoffe unabhängig werden will. Mehr noch als das Giftgas, hat das Benzin im Weltkrieg die Entscheidung herbeigeführt, und da Deutschland nicht genug. Benzin oder Benzol erzeugen kann, werden die heftigsten Anstrengungen gemacht, Ersatzstofte zu verwenden. Der Holzgasantrieb bietet den großen Vorteil, daß zum Antrieb der Autos Abfallholz verwendet werden tanm-VieSfach'weeden aber-schvn Ersparnisse von 80 bis 90 Prozent gegenüber dem Benzin angegeben. In der letzten Zeit wurde sogar berichtet, daß Holzgasgeneratoren auch in Personenautos eingebaut wurden, und daß ihre Konstruktion so verbessert wurde, daß die Leistung von einem Liter Benzin schon mit zwei Kilo Holz zu erreichen ist. Den Nachteil der umständlichen Bedienung wird man bei den großen Ersparnissen in Kauf nehmen müssen. In manchen Ländern muß Spiritus dem Benzin beigemischt werden. Die Weltkrise führt dabei zu den merkwürdigsten Kombinationen. Als vor einigen Jahren die kalifornischen Obstfarmer ihre Ernte nicht mehr verkaufen konnten, wurde mit Hilfe der Regierung das iiberschüssige Obst in den Brennereien zu Alkohol verarbeitet und den Motortreibstoffen beigemischt. Und auch in Oesterreich wird mit der Spiritusindustrie darüber verhandelt, einen Teil der minderwertigen Obsternte zu Alkohol zu vergären. Das Auto der Zukunft. Der Wettstreit der Treibstoffe um das Auto ist noch lange nicht zu Ende. Wie auf allen Gebieten ist auch hier die Technik unermüdlich bestrebt, die größte Leistung mit dem gering- sten Aufwand zu erreichen. Den Sieg kann nur das einfachste und billigste Antriebsverfahren erreichen. Als Straßenpaffant müßte man wün- aufgegebene.. Postanweisungen 12*710.000 13,093.000 12,942.000 12,491.000 11,979.000 i 11,330.000 Postanweisungen 3»e{ ukrainische Terroristen zum Tode verurteilt Lemberg. Das Schwurgericht fällte Donnerstag ftmh das Urteil gegen neun ukrainische Terroristen, die Mttglieder einer geheimen Militärorganisation waren und der Ermordung eines Polizeiagenten und mehrerer.anderer terroristischer Anschläge beschuldigt wurden. Alle Angeklagten wurden verurteilt, und zwar Matl und Kulikowiec zum Tode und sieben zu fünf bis 12 Jahren Gefängnis. Die Aussiger warmen Quelle«. Im Aussiger Gebiete befindet sich eine ganze Anzahl warmer Quellen/ die einerseits zu Jndustriezwecken und. andererseits zu Badezwecken benützt werden. Das Karlsbader Quelleninspektorat nahm in diesen Tagen die amtliche Messung der Quellen vor und stellte folgendes fest: Die neu gebohrte Wolfrum- Qyelle hat eine Temperatur von 29 Grad Celsius, einen Ausstoß von 8.8 Liter pro Sekunde und einen Druck von 1.27 Atmosphären; die Quelle der Glasfabrik Mühlig-Union hat eine Temperatur von 29.8 Grad Celsius, einen Ausstoß von" 19.69 Litern pro Sekunde und einen Druck bon; 0.16 Atmosphären; bei der Quelle des städtischen! Naturbades in Kleische wurde eine Temperatur: von 31.7 Grad Celsius, ein Ausstoß von 8.031, Sekundenltter und ein Druck von 0.488 Atmosphären festgestellt; die Schreckensteiner Naturbad-• quelle hat eine Temperatur von 30.3 Grad Cel- sius und einen Ausstoß von 6.06 Litern in der Sekunde. Gleichzeitig wurde festgestellt, daß die Ergiebigkeit der Quellen ständig abnimmt. Dar-, aus wird geschlossen, daß der unterirdische Zulauf der Quellen kleiner ist, als der Wasserverbrauch an der Erdoberfläche. Die zuständigen Behörden werden Maßnahmen zwecks spärlicheren: Verbrauches des Quellenwaffers treffen. Professor BroZek gestorben. Donnerstag verschied di seiner Prager Wohnung nach kurzer Krankheit der ordentliche Professor für Genetik an der Karlsuni- versität. Dr. Artur BroZek, im Alter von 52 Jahren. Prof. Brojek befaßte sich hauptsächlich mit Versuchen auf dem Gebiete der Mendelschen Vererbungstheorie und ihrer Anwendung bei der Züchtung und Veredelung von Pflanzen. Unterstützungen aus dem Fonds des Genie- rrgimentS Nr. 1 in Theresienstadt. Die Verwaltung des Invaliden-, Witwen- und Waisenfonds des Genieregiments Nr. 1 in Theresienstadt(ehemaliges Sappeur-Baon 9 in Aussig, später Genie-Baon Nr. 2 in Theresienstadt) verteilt an Invaliden,.Witwen und Waisen seiner Angehörigen, welche im Weltkriege und im Jahre 1919 beschädigt wurden. Unterstützungen für das Jahr 1934 im Gesamtbeträge von 4000 KL Stempelfreie Gesuche find bis 15. Dezember 1934 einzusenden. Dem Gesuche find nachstehende Dokumente beizuschließen: der Nachweis, daß. der. Bitt-) steiler(Gatte, Väter der- Waisen)""''beim-ehcmeäimen, Sappeur-Bakaillön"9'Sder'brim"'Gstnte-Bvkkttlkön'2 gedient hat. weiter Mittellosigkeitszeugnis. Wohloerhaltungszeugnis und endlich bei Invaliden auch die Abschrift des Nachweises über den Grad der Erwerbs- unfähigkeit. Chinesische Banditen haben, nach einer halbamtlichen Mitteilung, den Personenzug zwischen Hsimin und Peiwu angehalten und einen Teil des Zuges ausgeplündert. Die mandschurische Wache versuchte vergeblich Widerstand zu leisten. Die Bandtten haben drei Geologen entführt, um deren Schicksal man beunruhigt ist. Nach den bisherigen Mitteilungen sind acht Personen getötet und eine größere Anzahl verletzt worden. Befürchtungen um eine Fliegerin. In P o r t, Darwin werden ernste Befürchtungen um das Schicksal der Fliegerin Freda Thomson geäußert, die Mittwoch früh von Port Darwin «ach Melbourne gestartet ist und über deren Verbleib bisher nichts bekannt wurde. Straßenbahmmglück in Berlin. Am Hafenplatz in Spandau fuhr am Donnerstag vormittags ein Straßenbahnzug auf einen dort stehenden Wagen -— offenbar-infolge Versagens der Bremsen— auf. Durch den starken Zusammenprall wurden sieben Fahrgäste erheblich verletzt. Weitere sechs Passagiere kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die beiden Straßenbahnzüge wurden erheblich beschädigt und mußten aus dem Verkehr gezogen werden. Unglück ans See- Im Gelben Meer ereignete sich ein Dampferzusammenstoß, bei dem 80 Per- sonen ertranken. Wetterbericht. Allgemeine Wetterlage Donnerstag nachmittags: Die Druckstörung, welche heure morgens die Alpen überschritten hatte, lag am Nachmittag bereits über Böhmen und veranlaßte einen erheblichen Wetterunterschied zwischen der West- und Osthälste Mitteleuropas. München hatte um 14 Uhr Nur 1 Grad und Schneefall, dagegen Ujhorod heiteren Himmel und plus 17 Grad. In Böhmen und zeitweise auch in Mähren nnd Schlesien herrschte Regenwetter. Die Druckstörung mid mit ihr die Niederschlagszone werden nunmehr gegen Norden zurück- weichen, so daß fich das Wetter in den böhmischen Ländern wieder etwas bessern dürste. Für den Osten der Republik, wo die Temperatur heute nachmittags noch um 4 bis 8 Grad übernormal war, ist ein« mäßige Abkühlung zu erwarten.— Wahrscheinliches Wetter Freitag: Im Osten und im Norden deS Staates zunächst noch zeitweise regnerisch mit Abkühlung, sonst Abnahme der Niedekschlagsneigung und bei vorherrschendem westlichen Wind vorwiegend bis wechselnd bewölkt, strichweise neblig.— Wetteraussichten Samstag: Im Westen wieder etwas wärmeres Wetter, jedoch noch unsicher. Luftdruckver- teilnng über Europa um 14 Uhr: Hochdruck: 775 Millimeter Südostrußland, 76« Millimeter Spanien; Tiefdruck: 745 Millimeter Skagerrack, 745 Milli- Meter nordwestlich von den brittschen Inseln, 732 Millimeter Böhmen. Alle Versuche, einen neuen Kraftstoff zu fin- ; den, sind von dem Bestreben geleitet, vom. Benzin loszukommen. Das Erdölvorkommen ist auf den Kontinenten ungleichmäßig verteilt. Die Erdölproduktion befindet sich zum großen Tell in den Händen einiger Konzerne, die unter Umständen die Preise diktieren können. Noch wichttger aber ist die Tatsache, daß die Brennkraft des Benzins im Motor nur wmig ausgenützt wird. Etwa 87 Prozent des Benzins gehen ungenutzt verloren. Diese geringe Wirtschaftlichkeit hat den Technikern schon viel Kopfzerbrechen verursacht. Im Kampf mn Ersparungsprozente. Zwanzig Jahre hat Rudolf D i e s e l an seinem Mowr experimentiert, um eine Ersparung im Brennstoffverbrauch zu erzielen. Weitere zwanzig Jahre haben viele Techniker an dem Dieselmotor gearbeitet, um ihn gebrauchfertig zu machen. Heute erobert der Dieselmotor immer neue Verwendungsgebiete. Er treibt Lastenautos, Eisenbahntriebwagen und sogar schon einige Flugzeuge. Rudolf Diesel selbst wurde von finanziellen Sorgen und Schwierigkeiten in den Tod getrieben. Aber sein Motor gehört zu den wichtigsten Erfindungen der modernen Technik. Gegenüber dem Benzinmotor erspart er 75 Prozent der Ausgaben für den Triebstoff. Statt Benzin genügt ihm das billige S ch w e r ö l, und die Ausnutzung ist nicht wie beim Benzinmotor nur 13 Prozent, sondern 33 Prozent. Der Benzinmotor wehrt sich jetzt gegen die Ueberlegenheit des Diesel. Der arbeitslose Schlosser Reichenbach hat einen Zusatz zum Benzinmotor erfunden, der es ermöglicht, auch in diesem Motor Schweröl zu verwenden: den Glühringmotor. In ihm werden Schweröle, sogar Steinkohlenteeröl, auf plattenförmigen Einsätzen, Glühringen, im Verdichtungsraum des Motorzylinders verdampft und durch diese Verdampfung leicht entzündbar gemacht. Allerdings mutz im Motor die Arbeitshitze vorhanden sein, um diese Verdampfung zu bewirken. Der Gkühringmotor kann also nur mit Leichtöl anlaufen. Wenn er aber so weit vorgewärmt ist, schaltet er sich automatisch auf Schweröl um. Ideal ist auch diese Lösung nicht, aber es wird an ihr noch weiter gearbeitet, und man hofft, Leicht- ölmytore mit verhältnismäßig geringen Kosten für den Verbrauch von Schwerölen einrichten zu. können. Das Dampsauto. Durch die großartige Entwicklung der Dampftechnik ist das Dampfauto wieder möglich geworden. Das erste Dampfauto, das zugleich das»orqte. Auto war; lief in England^Schon vor hundert" Jahren gäb"«S in London^inett mit Dampf betriebenen ÜeberlandautobuS, der eine Geschwindigkeit von 60 Kilometer in der Stunde erreicht«. Die damaligen Wagen waren sehr schwer und haben die Straßen arg mitgenommen, sie konnten sich darum nicht recht durchsetzen. Als dann das verhältnismäßig leichte Auto erfunden wurde, schien der Dampfwagen für immer erledigt. Run aber tauchen in Amerika und England wieder Dampfautos auf, die mit den Benzinautomobilen in Konkurrenzkampf treten. Die neuen Dampfwagen sehen fast wie die gewohnten Motorfahrzeuge aus. An der Stelle des Motors befindet sich beim Dampfwagen der mit Oel geheizte Schlangenrohrkessel, der den überhitzten Hochdruckdampf liefert. Kupplung und Getriebe sind überflüssig. Die moderne Dampfmaschine ist viel elastischer als der Motor, bei dem man durch Kuppeln und Einschalten von Getrieben die verschiedenen Geschwindigkeiten einstellen muß. Der Lenker eines Autobuswagens in der Stadt hat täglich mehrere tausend Schaltgriffe auszuführen. Das fällt beim Dampf fort. Der Fahrer kann ständig beide Hände am Lenkrad halten, dazu kommt ein geräuschloses schnelles und doch sanftes Anfahren, ein leiser Gang der Ma- 'chinen ohne jede Erschütterung. Die ersten neuen Dampfautos sind dem Verkehr Übergaben. Ihre weitere Entwicklung wird zeigen, ob sie dem Ben zin- und Rohölauto eine gefährliche Konkurrenz sind. Mit Koks geheizte Antos. Es gibt auch Motorfahrzeuge, für deren Betrieb eine Ladung Koks oder Braunkohlenbriketts mitgenommen werden muß. Natürlich wird der Koks zuerst in einem Keinen Generatorofen vergast. Das Auto führt also gewissermaßen ein eigenes Gaswerk mit. Auch der Benzinmotor kann mtt Gas betrieben werden, weil auch das Benzin vergast, richtiger zerstäubt werden muß, ehe es im Motorzylinder entzündet wird. Für eine Fahrt von 200 Kilometer braucht ein solcher Lastwagen 200 Kilo Braunkohlenbriketts. Das entspricht einer Ersparnis von 90 Prozent der Brennstoffkosten. Als weiterer Vorteil wird angegeben, daß sich diese Generatoren in jedem Lastkraftwagen einbauen lassen. Trotzdem können sich diese Konstruktionen nicht recht durchsetzen. Die Versuche, Lastkrafttvagen mit Gas und zwar mtt Methan zu betreiben, sind darum viel weiter gediehen. Methangas steht in beträchtlichen Mengen zur Verfügung. Es ist in den Hochofengasen enthalten, die man früher ungenützt entweichen ließ. Es ist ein Nebenprodukt der Stick- stoff-Fabrikation und die Erdgasquellen liefern gleichfalls in der Hauptsache dieses Gas. Man hat nun vielfach versucht, Methan in Stahlflaschen gepreßt als Treibstoff zu verwenden. Die Ersparnis an Brennstoffkosten beträgt nach allen Berichten etwa 80 Prozent. Aber das große Gewicht der Stahlflaschen, in denen das Methan mitgeführt werden muß, begrenzt den Aktionsradius auf 40 bis 45 Kilometer, und nur in den Gebieten der Hochöfen, Stickstoff-Fabriken und Erdgasquellen wäre es lohnend, die Verteilung der 1928 1929 1930 1931 1932 1938 Die auf„ v, träge erreichten 1929 die Summe von über 3.600 Millionen Kronen. Im Jähre 1983 war sie"nur noch 2.651 Millionen Kronen.,Äusgezahlr,wurden auf Postanweisungen 19Ü9 über,3.75^ Mils liynen Kronen, 1933 Wer 2.671 Millionen"Kronen. Aehnlich gestaltete sich auch die Eptwicklustg im Telegrammverkehr. Während. 192p über 17 Millionen Telegramme befördert wurden, waren es 1933 nur noch 9,946.000. Die Gesamteinnahmen für aufgegebene Telegramme erreich^ ten 1929 den Betrag von Wer 85 Millionen Kronen, 1938 jedoch nur den Betrag von etwas, mehr als 30 Millionen Kronen. Zum Jahrestage des Anschlages auf das englische Parlament Wer im Oktober oder November durch die Straßen einer englischen Stadt geht, wird Scharen von Kindern sehen, mit geschwärzten Gesichtern und in Verkleidungen jeder Art, die vor den Kinos, den Kaufhäusern und den Stationen der Untergrundbahn umherlungern und jeden bitten: Erinnern Sie sich an den Guy. bitte, geben Sie mir einen Penny. Das Geld dient angeblich dazu, die Kosten des kleinen Feuerwerkes zu decken, das am Abend des 5. November jedes Haus veranstaltet, es wandert aber in den meisten Fällen in den nächsten Sweet-shop. Diese Sitte, die einen der Reize des Londoner Lebens ausmacht, ist die Erinnerung an die verhinderte Zerstörung des englischen Parlamentes, die, wenn auch zum harmlosen Scherz der Kinder geworden, vielleicht«bst, dadurch im Bewußtsein des Bolles fortlebt. Es ist mehr als 300 Jahre her, das Guy Fawkes,„ein Katholik und Mitglied einer guten Familie", König und Parlament in die Lust sprengen wollte. Guy Fawkes und andere Katholiken wollten der anttkatholischen Gesetzgebung Königs James I. durch diesen Anschlag ein Ende fetzen. Die Vorbereitungen wurden auf dem Kon- Volkswirtschaft und Sozialpolitik Der Postverkehr in der Krise Auch im Postverkehr"lassest sich die Wjrkmi- gen der Wirtschaftskrise' genau bäibflchtM-, Dkt Zahl dei^"befördertenA r i e f's« n d u n g"eS, M-WRMMbMHMK MlliM M Höchststand erreichte, ist ,mJahrsti933 Hist stuf" 940 Millionen zurückgegang^n. Die GescyNt^nzqhl der aufgegcbenen und äusgezahlken Pöstanfv^isMe gen nahm in den letzten sechs Jahren Entwicklung: Jahr Seite t. „Sozialdemokrat" Freitag, S. November 1934. Nr. 2S3 Kikeriki Eine Fabel von Demos Eines schönen Tages brach im Hühnerhof eine böse Epidemie aus. Die Krankheit verlief zunächst ganz harmlos und unter Symptomen, die zur Beunruhigung keinerlei Anlaß gaben. Im Gegenteil, man stand den Veränderungen, die durch die Seuche während ihres Anfangsstadiums im Organismus des Hühnervolkes hervorgerufen wurden, durchaus sympathisch gegenüber. Bei den Hähnen bewirkte die Krankheit fürs erste eine enorme Steigerung der physischen und seelischen Kräfte, die geradezu als Verjüngung bezeichnet Iverden mußte. Den Gockeln schwoll mächtig der Kamm, ihre Schwanzfedern wurden um einen kalben Meter länger und ihr Gekrähe erhielt die strahlende Reinheit eines klassischen Operntenors. Es war, als hätten sie spanische Fliegen gefressen. Begreiflich, daß die Hennen diese wahrhafte Erneuerung des ganzen Gockelwesens mit lebhafter Freude begrüßten. Sobald sie eines solchen Hahnes, der mit ungestümer Forschheit seinen, ihm von der Natur auferlegten Pflichten nachging, ansichtig wurden, fingen die Hühner alsogleich fröhlich zu gackern an und das Eierlegen wurde bald ihre liebste Beschäftigung. Leider aber waren diese wohltätigen Wirkungen nur von kurzer Dauer. Die Eier, ursprünglich von^lendend weißer Farbe, zeigten plötzlich verdächtige gelbe Tupfen und wurden, kaum daß sie gelegt waren, auch schon stinkig wie zwei Jahre alte Jauche. Das Schlimmste aber war: Die Küken, die aus diesen Eiern ausgebrütet wurden, kamen blind zur Welt. Und das ist das größte Unglück, das einem Huhn überhaupt widerfahren kann. Ein blindes Huhn findet bekanntlich kein Korn, und wenn es kein Korn findet, muß es schließlich elend zugrundegehen. Das wurden die Hühner allmählich mit Schrecken gewahr und weil sie den Eindruck hatten, es hier mit einer gefährlichen Krankheit zu tun zu haben, ftagten sie einen erfahrenen Enterich, der acht Semester Medizin studiert hatte, um Rat. Der Enterich begann sofort mit seinen Untersuchungen und nach wenigen Tagen wußte er bereits Bescheid.„Bei euch ist", so erklärte er,„das gelbe Fieber ausgebrochen. Das ist eine gar furchtbare Krankheit. Wer von ihr befallen wird, erblindet nicht nur, sondern wird obendrein blöd. Der Erreger der überaus ansteckenden Seuche ist ein Bazillus, der die Form eines Kreuzhakens hat und wahrscheinlich durch einen braunen Floh, pulex teutonicus genannt, eingeschleppt wurde. Dieser braune Floh stammt unzweifelhaft aus der Geflügelfarm, die sich unheilvoller Weise in der nächsten Nachbarschaft befindet. Man züchtet ihn dort in Reinkultur aus Gründen, die mitzuteilen ich mich Nicht berufen fiihle." Die Hühner bedankten sich schön für die Auskunft, di« der Enterich ihnen gegeben hatte. Natürlich wollten fix nun auch noch wissen, wie man die Seuche wohl am wirksamsten bekämpfen könne, find sie gaben nicht eher Ruhe, bis sie auch darüber aufgeklärt wurden.„Gegen das gelbe Fieber", sagte der Enterich,„gibt es nur ein sicheres Mittel: die Schutzimpfung mit dem vom Professor Flamingo entdeckten Heilserum„Demokratos", Damit müßt ihr eure Hähne impfen. Bei den Hennen ist eine Impfung nicht nötig, weil der braune Floh nur auf die Gockel hupft. Sind diese einmal gesund, dann kann euch nichts mehr geschehen. Daraufhin ließen sich die Hühner durch den Enterich sofort 10 Bierfässer voll Heilserum beschaffen. Als sie aber an die Hähne mit dem Ersuchen herantraten, sich schleunigst impfen zu lassen, damit der verheerenden Seuche endlich Einhalt geboten werde, protestierten die Gockel auf das energischeste und erklärten, sie dächten nicht daran, sich einer solchen Impfung zu unterziehen, denn ihnen selbst bekomme die Krankheit ganz gut. Die Hühner, ob dieser Weigerung erstaunt, liefen zum Enterich und fragten ihn, was nun zu tun sei. Der Enterich riet ihnen, einfach Gewalt anzuwenden. Dazu kam es aber' nicht mehr, weil die Gockel, die rechtzeitig von diesem Vorhaben Kenntnis erlangt hatten, inzwischen verduftet waren. In die Geflügelfarm, die sich, wie schon erwähnt, in der nächsten Nachbarschaft befand. Nun, chie Hühner waren darüber gar nicht böse. Mit dem Verschwinden der Hähne mußte ja auch die Seuche erlöschen und das war ja die Hauptsache. Das Hühnervolk atmete erleichtert auf. Eine Weile war es sogar ausgesprochen glücklich, aber dieser Zustand der Zufriedenheit währte leider nicht lange. Wer Hühner kennt, wird das verstehen. Was ist schon ein Huhn ohne Hahn? Eine Sünde wider das Blut, ein Verbrechen an der Natur. Eier mit gelben Tupfen, die noch dazu stinken wie die Pest, sind sicher eine üble Sache, aber gar keine Eier, das ist noch viel ärger. Die Hühner erkannten, daß sie ohne Hahn nicht leben können. Daher flehten sie täglich von früh bis abends zu den Sternen, in!Snen sie die Lenker ihres Schicksals vermuteten, mit ihnen doch ein Einsehen zu haben und sie wieder mit einem Gockel zu beglücken, auf daß ihr Dasein wieder die entsprechende Würze erhalte. Ihr Flehen ward erhört. Eines Morgens stand auf dem Hühnerhof ein prächtig schillernder Hahn, gar herrlich anzuschauen. Die Hühner waren vor Freude und Ueberrafchung ganz aus dem Häuschen. Gleich aber sfiegen ihnen schwer- Das Budget Prags für 1935 wurde am Mittwoch vom Finanzreferenten Prags, Primatorstellvertreter Dr. Stüla, Journalisten gegenüber erörtert. Aus den Ausführungen geht hervor, daß die Stadtgemeinde als Basis des neuen Budgets die Ergebnisse der Jahre 1933 und 1934 genommen hat, und demgemäß imstande war, den Voranschlag derart zu präliminieren, daß ein völli- gesGleichgewicht erreicht werden konnte. Die ordentlichen Ausgaben beziffern sich auf K£ 525,053.965, sind also um 10 Millionen XL höher als im Vorjahre. Die voraussichtlichen Einnahmen sind mit 525,161.202 XL präliminiert, so daß sich eittUeberschuß von 107.257 XL ergibt. Im außerordentlichen Budget sind 210 Mill. XL vorgesehen, die im Anleihewege aufgebracht werden, beziehungsweise teilweise schon aufgebracht wurden, und die ausschließlich für Jnvestitionsar- beiten verwendet werden sollen. In dieser Summe ist auch der Betrag zur Arbeitslosenunterstützung von 20 MMonen inbegriffen, für welche Zwecke im ordentlichen Budget weitere fünf Mill. XL vorgesehen sind. Eine Alexander-»nd Barthon-Ausstellung. Im Ausstellungssaal der Bibliothek des Nationalmuseums wurde gestern vormittags in feierlicher Weise die Ausstellung der Photographien aus dem Leben und den letzten Augenblicken König Alexander I. und des ftanzösischen Außenministers Louis B a r t h o u eröffnet. Die Ausstellung umfaßt rund 800 Photographien aus dem Leben Alexanders und Barthous aus ihrem Aufenthalt in Prag, Bilder über das Marseiller Attentat, die Begräbniszeremonien in Split, Belgrad, Oplenac und Paris. Kunst und wissen Nächste Arbeiteroorstellung r „Zwei Witwe«" am 18. November um s43 Uhr im Deutschen Theater. Karten ab Freitag bei Optiker Genossen Deutsch. Gastspiel Gigli. Festvorstellung für den Verband der deutschen Journalisten in Böhmen— Gastspiel Benjamino Gigli als Rudolf in„Bohsme" am Freitag, den 23. November. Aufgehobenes Abonnement. Vorverkauf für Abonnenten heute. Ab Samstag allgemeiner Vorverkauf. Die Abonnenten werden um rasche Bestellung gebeten. Multerers„Spiel vom Leben und Sterben des Bauern". Montag, den 12. November, halb 8 Uhr (gemeinsam mit dem Kulturverband). Einzige Aufführung! Allgemeiner Vorverkauf täglich! Alle GüMiesitze XL 6.—, alle Parterre-, Balkon- und H. Ranglogensitze XL 12.—alle Fant.-, Parterre- und I. Ranglogensitze XL 20.—. Spielplan des Neuen Deutsche» Theaters. Freitag halb 8: Die Braut von Messina, Gastspiel Hedwig Bleibtreu, D 1.— Samstag 3: Braut von Messina, Gastspiel- Hedwig Bleibtreu, Schülervorstellung, halb 8: Die Hugenotten, B 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Freitag 8: Hoch klingt das Lied vom braven Mann.— Samstag^Schottenring, Gastspiel Werbezirk, Abschiedsvorstellung. Ans der Partei F. B. S. A. Montag, 12. November, 20 Uhr, När. 4. Arbeitsabend...Hochschulpolitisch« Frage n"., Referat, Tatsachen, Denkschrift.— Montag, 19. November, 20 Uhr„Nationale und Internationale Politik von heute". Spart• Spiel» Körperpflege Wintersport Vorüber sind die schönen, warmen Sommertage. Kalte, rauhe Lüfte, durchzogen von Nebelschwaden, fegen durchs Land. Vorboten der kommenden Jahreszeit— des Winters. Das ist die Zeit, wo in der Brust der anderen, der Wintersportler, ein Sehnen erwacht! Ein Sehnen nach Freiheit, nach ungehindertem Tun im Gebirge. Eintretende Kälte mahnt uns für die Vorbereitungen des Winters. Die Schneeschuhe, Schlittschuhe und der Rodelschlitten verlassen ihren Sommeraufenthalt und werden einer genaueren Durchsicht unterzogen. Der Winter, dieser rauhe, zottige Geselle, ist nicht ein zu großer Freund des unter dem Kapitaljoch seufzenden arbettenden Volkes. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit bei sehr vielen Genossen, lassen nur die notdürftigste Kleidung erschwingen und die langen Winterabende in wenig geheizten Zimmern verbringen. Trotzdem müssen wir Arbeitersportler den Zetten ttotzen und nehmen den Kampf gegen die wenig beliebte Jahreszeit fteudig auf. Sind es doch die Leibesübungen, deren Wert wir kennen, die wir mit Hilfe unserer Sportgeräte in der reinen, klaren, sauerstoffreichen Win- ierluft ausüben können. Wer möchte nicht die tiefverschneiten, im Rauhreif glitzernden Wälder und Berge auf Schneeschuhen durchstreifen, fern von der Arbeitsstätte, vom Ruß und Qualm. Der Schneeschuh einzig und allein erlaubt es uns, auch in die geheimsten Winkel der Natur zu dringen. Wer wird sich hinter den Ofen setzen, wenn die spiegelblanken Eisbahnen zu fröhlichen Kreisen einladen? Wer wird dep Schlitten in der Kammer liegen lassen, wenn die Rodelbahn in sairsender Fahrt genommen werden kann? Kein Dintersportler wird zu Häufe bleiben, um solche Stunden zu erleben. Et« neues Filrngeficht Die junge tschechische Schanfpielerin Jozka Koldovskä spielt eine Hauptrolle in dem Binovec-Film„Der Kuß im Schnee". Gewiß: Unser Wintersport im Vergleich zur besitzenden Klaffe weist einen große» Unterschied auf. Während wir Arbeitersportler Wintersport betreiben zur körperlichen sowie geistigen Gesundung und um mtt neuer, frischer Kraft den Kampf ums Dasein aufzunehmen, wird er imbürgerlichenLagerzu Sensationen aufgezogen auf Kosten gekaufter Arbeiterknochen, nur um den Nervenkitzel der sensationsschau- lustigen bürgerlichen Gesellschaft zu befriedigen. Wir Arbeiterwintersportler in der Tschecho- ftowakei können stolz sein auf unsere heimatliche» Berge, die uns Gelegenheit geben, Wintersport i» reichem Maße zu betteiben. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab...».,., 1934 das täglich erscheinende Zenttalorgan der deutsche» sozialdemokratischen Arbeiterpartei „<5o3ialöemofrat" Verwaltung Prag XII., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 XL monatlich, und sende dies« Bettag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:. Letzte Post: Unterschrift: wiegende Bedenken auf. Ob dieser Gockel auch gesund ist? Ob er nicht am Ende auch braune Flöhe hat? Eine alte, tapfere Henne faßte sich ein Herz und ftagte ihn darnach.„Keine Spur!", sagte der Gockel,„vom gelben Fieber kann bei mir keine Rede sein, und was ein brauner Floh ist, weiß ich gar nicht einmal. Daß sich in der Nachbarschaft eine Geflügelfarm befindet, wo die bewußten Flöhe angeblich in Reinkultur gezüchtet werden, ist mir gleichfalls unbekannt. Davon habe ich jedenfalls noch nie etwas gehört. Wahrscheinlich ist das überhaupt eine Greuelweldung". Diese Antwort konnte jedoch das von den Hühnern einmal gehegte Mißtrauen nicht restlos beseitigen. Sie gingen daher wieder zum Enterich und ftagten ihn um seine Meinung.„Ihr müßt", sagte der Enterich,„in diesem Falle den Gockel eben untersuchen. Dabei ist es gar nicht notwendig, daß ihr nach den Flöhen fahndet. Es genügt durchaus, wenn ihr euch von ihm etwas vorkrähen laßt. Klingt sein Kikeriki genau so wie das seiner Vorgänger, dann ist er infiziert und ihr müßt ihn impfen oder wieder zum Teufel jagen!" „Gut", gackerten die Hühner und bedankten sich schön beim Enterich. Alsdann begaben sie sich zu dem schillernden Gockel und verlangten von ihm, daß er Kikeriki sagen soll. Der Hahn er«' widerte, er sei gerne dazu bereit, aber nicht hier, denn wenn er schon krähe, müsse es auch dafürstehen. Hier sei außerdem nicht der geeignete Ort für sozusagen programmafische Erklärungen, weil die Akustik schlecht sei und weil ein selbstbewußter Hahn auf einem so kleinen und dreckigen Hof nur verachtungsvoll schweigen könne. Er wisse aber aus einem Felde weit draußen einen großen Misthaufen, von dem herunterzukrähen ihm direkt Vergnügen machen werde. Die Hühner waren mit seinem Vorschlag ohneweiters einverstanden. Und also zog eines schönen Tages das ganze HühnervoR in mächfiger Prozession zu dem bezeichneten Misthaufen hin und als alles versammelt war und der schillernd«. Gockel ihn bestieg, ertönte ein lautes, erwartungsvolles Gegacker. Der Hahn hob seinen vor Stolz geröteten Kopf und winkte mit seinem paprikaroten Kamm energisch Ruhe. Sofort wurde es mäuschenstill und alles lauschte mft einer andachtsvollen Spannung, die bei Hühnern wirklich erstaunlich war. Und dann kam der große, unvergeßliche, historische Augenblick, der enffcheiden sollte, ob der Gockel braune Flöhe hat oder nicht. Noch einen Ruck gab sich der imponierende Hahn, jeder Zoll ein echter Kikerikinig, und dann krähte i er ein Kikeriki in die vor Erregung zitternde Luft, so kraftvoll und herrlich, daß man vermeinte,« einen gefiederten Caruso zu hören. Die Hühner waren einfach überwältigt und setzten sich» ganz perplex vor Bewunderung, ziemlich heftig aus ihren Brutapparat. Diese Stimme! Dieses Organ! So etwas war noch nicht da. Ein Taumel der Begeisterung ergriff das ganze versammelte Volk und das Bravo-Gegacker wollte schier kein Ende nehmen. Da st«md plötzlich eine alte Henne auf und erhob warnend ihren Schnabel.„Hühnervolk", so sprach sie,„laß dich nicht betören! Gewiß, der Gockel kräht herrlich, das sei unbestritten. Ist euch denn aber gar nichts ausgefallen? Habt ihr auch richtig zugehört? Ich bezweifle es, denn dann hättet ihr nicht so hingerissen gegackert. Was ich euch eigentlich sagen will: Unser neuer Gockel, erinnert euch nur, kräht doch genau so wie die alten gekräht haben. Ich verlcmge daher, daß er geimpft wird." Das Hühnervolk war paff, aber diese mahnenden Worte brachten es zur Besinnung. Die Alte hatte bestimmt recht. Taffächlich, wenn man es genau bedachte, der neue Gockel krähte nicht anders als die alten gekräht hatten. Es lag ftei- lich etwas mehr Lyrik in seiner Sttmme, aber sonst Sicher war also auch er angesteckt und man mußte ihn deshalb, wollte man ihn nicht wieder verlieren, natürlich impfen. Mit dem Serum vom Professor Flamingo. Da stelzte der Gockel auf die Henne zu, die ihn apostrophiert hatte, legte seine rechte Pfote um ihren Hals und sagte ruhig:„Du irrst dich, mein liebes, altes Huhn! Wohl gleicht mein Gekrähe dem der anderen, aber es besteht doch ein wesentlicher Unterschied. Bei meinem Kikerifi liegt die Betonung auf der ersten Silbe, bei jenem läg sie auf der letzten. Stimmt's oder stimmt's nicht?" „Sttmmt!" gackerte es brausend über das weite Feld, und das Hühnervolk, nunmehr völlig beruhigt, tanzte um den Misthaufen einen wilden Cancan. Die Wonne war grenzenlos. Drei Tage lang lebten die Hühner wie in einem Rausch. Angesichts dieses einzigen und wundervollen Gockels erwachte sogar in ganz alten Gluckhennen wieder der sex appeal. Und das gesamte Hühnervolk gab sich, wieder nach Hause zurückgekehrt, mit geradezu hemmungsloser Leidenschaft dem Eierlegen hin. Die gelegten Eier waren keineswegs weiß, wie viele wohl erwartet haben mochten. Sie hatten aber auch keine gelben Tupfen, sondern braune. Die Küken, die aus diesen Eiern ausgebrütet wurden, waren jedoch merkwürdigerweise weder blind noch blöd. Es waren überhaupt keine Küken, Es waren— braune Flöhe. Urania-Kino, Klimentshä 4. Fernsprecher 61623. „GOLD“ (Ein herrliches Silnttoerl mit HanS Albers, Brinitte Helm etc. JUDr. Josef Plcek M0 im Alter von 51 Jahren gestorben ist. Er wurde plötzlich mitten aus seiner schöpferischen Mitarbeit an der Sanierungsaktion für die Bergbauversicherung hinweggerafft. Die Zentralbruderlade, der tschechoslowakische Bergbau und die Sozialversicherung überhaupt, hat in dem Verstorbenen eine hervorragende Kraft, einen der Mitbegründer, auf welchem die Bergbauversicherung stand und ausgebaut wurde, verloren. Das Begräbnis findet am Freitag, den 9. November 1934, um 3 Uhr nachmittags on der Kapelle am Olschaner Friedhof aus statt.(Altes Krematorium). Prag, den 7. November 1934. Die Zentralbruderlade in Präs gibt bekannt, daß nach kurzer Krankheit ihr Direktor, Herr Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins H8»s oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirettion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.