Nr. 265 Sonntag, II. November 1934 14. Jahrgang IENTRALORGAN OER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK BESCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung Mac xh„ fochova a. Taff oh SW7. Administration Telefon sw«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. EiRzsIpnis 70 Netter einschliefHich Z Heiter Potfo) von Betonter Friedenswille Englands Indirekte Schützenhilfe Macdonalds für das Dritte Reich Der 4. November hat den Ne- bel zerrissen, der in den letzten Monaten über die sudeten deutsche.Politik gelagertwar. Die Konturen der politischen Machtverteilung im deutschen Lager sind wieder klar abgezeichnet. Die unerschütterliche Position und die konsequente Marschrichtung der deutschen Arbeiterbewegung sind vor Freund und Feind kundgetan worden. So war der 4. November nicht nur ein Ruhmestag der deutschen Sozialdemokratie, sondern auch ein Ereignis in deb tschechoslowakischen Innenpolitik, des- sen Bedeutung eine abschließende Würdigung verdient. Die Geschlagenen Eine schwere Niederlage hat am 4. November die k o m m u n i st i s ch e P a r t e i erlitten. Ihre eigenen Mitglieder und Anhänger streikten wieder eintnal gegen die Parolen der bankrotten Führung. In der„Roten Fahne" war hochtrabend angekündigt worden, daß sich die Kommunisten mit eigenen Fahnen und Standarten beteiligen und für ihre eigenen Parolen demonstrieren würden. Run besteht ja längst kein Zweifel mehr über den organisatorischen Verfall dieser Partei, aber es ist doch bekannt, daß sie in kbem Industriegebiet noch über einige hundert aktiver Anhänger ver- fugt. Selbst diese Kaders versagten. Daß davon in allen Demonstrationsorten entweder garnichts oder höchstens ein bis zwei Dutzend geschlossen auf die Beine zu bringen waren, ist eine nieder-- schmetternde Antwort der kom- nistischen Arbeiter an die kom- munistischeParteiführung gewesen. Außerdem haben die sozialdemokratischen Massen so eindeutig ablehnend auf die Anbiederungen der Loudon. Bei dem Lordmayor-Bankett in der Guildhall am Freitag Abend erklärte Premierminister Mac d o n a l d in seiner Rede u. a.: Frieden ist die Hauptforderung der° Zeit. Ich freue mich, sagen zu können, daß wir in Verbindung mit Frankreich und Italien unseren Einfluß zugunsten friedlicher Verhältnisse geltend gemacht haben. Wir haben in unserer Unterstützung für den Völkerbund nicht einen Schatten breit nachgelassen. Wir werden weiterhin die Abwe- s e n h eit Deutschlands b e da u ern. Unsere Regierung wird niemals aufhören, dem deutschen Volke nachdrücklich vor Augen zu sichren, daß es sich nicht helfen wird in dem„1m bleiben". Die anderen Völker werden weiterhin als P r ü f st e i n für alle deutschen Friedensversicherungen ansehen,, ob Deutschland willens ist, sich uns und den Völkcrbundsberatungen anzuschließen. Laßt uns zusammen in der Oeffentlichteit sprechen! Laßt uns Übereinkommen und zusam- menwirken, um den Frieden herbeizuführen! Die Regierung hat während der allerletzten Tage mit großer Genugtuung Erklärungen erhalten, die sie offen annimmt und die in vielen Kreisen Europas die Furcht beseitigen, daß das. Was eine friedliche Abstimmung im Saargebiet.sein müßte, sich in ernste U n r ü h r' verwaudÄt und zu einer bewaffneten Intervention zur Aufrechterhaltung■' der Autorität des Völkerbundes führt. Die Zusicherungen, die veröffentlicht worden sind, möchten-jetzt die verantwortlichen Behörden des Saargebietes, in deren Unparteilichkeit wir. wie es meine Pflicht ist, zu erklären, dolles Vertrauen haben, instand setzen; eine friedlich» Entscheidung von feiten der Wähler dieses Bezirkes zu überwachen und zu registrieren.. Macdonald gab dann seiner Enttäu- rungswechsel in Frankreich beitragen dürft«. Im Mittelpunkt der internationalen Lage steht nach wie vor Deutschland, das in seiner Isolierung ratlos und infolge seiner fascistischen Ideologie unfähig ist, die Probleme zu meistern, durch die es nicht nur die internationale Lage verschärft, sondern auch sichselbst in kritische Situationen verstrickt. Jnnerpolitisch geht der Kampf, zwischen den demokratischen Parteien und den in den nationalistischen Jdeenkreis fallenden Gruppen im deutschen wie im tschechischen Lager weiter. Die Erkenntnis, daß die Wahlen in Pisek und Pckch stark lokal beeinflußt waren, ist allgemein geworden. Um so offenkundiger tritt darum die außerordentlich große Bedeutung und der grandiose Erfolg u n s e r e r K u n d g e b u n genvomletzten Sonntag hervor. Selbst die gegnerischen Parteien im tschechischen Lager müßen die für sie verblüffende Tatsache der Stärke der deutschen Sozialdemokratie zugeben, während die deutschbürgerlichen Parteien dieser Tatsache teils ratlos gegenüberstehen, teils darüber mst allerhand Kinkerlitzchen Hinwegzugleiten bemüht sind. Das traurigste Bild bietet diesmal aber die Wolf- p r e s s e, die da glauben machen will, die ganzen Manifestationen seien aus dem vermeintlichen .Millionenfonds" der Sozialdemokratie gespeist und die damit die trotzigen Demonstranten. des 4. November als käuflich und gekauft hinstellen möchte. Daß die Arbeiter im Gegensatz zum Bürgertum noch eine lleberzeuguyg haben und für sie Lach zu kämpfen und schwerst« Opfer zu bringen verstehen», das sind Tatsachen; die in gewiss« Schriftleitcrgehirne nun einiyal nicht hineingehen! Unsere Arbeiter find von dem starken Erfolg unserer Demonstrationen erfreut, Me unstreitig unsere Bewegung gestärkt und der deutschen Sozialdemokratie in der Politik des Staates jenen Platz gesichert haben, der ihr nach ihrer Stärke und vor allem nach ihrer einzigartigen vorbildlichen Arbeit auch gebührt! Nach MacDonald sprach der Staatssekretär für Luftfahrt Lord Lo n d o n d erry. Er betont«, daß die letzten 12 Monate, statt eine entscheidende Besserung in der Weltlage herbeizuführen, eine Verschlechterung der internationalen Lage gezeigt hätten. Das britische Reich habe durch Kriege alles zu verlieren und nichts zu gewinnen. Die ganze Welt wisse: Keine Rüstung, die England für seine Verteidigung schafft, würde je von dem übrigen Teil der Welt als Bedrohung des Weltfriedens angesehen werden. Die Vergrößerung der britischen Luststreitkräfte verfolge keine Angriffszwecke. Vie politische Woche In der abgelaufenen Woche ist unwiderleglich die Tatsache in Erscheinung getreten, daß die Tschechoslowakei mitten in der fascistischen Brandung ein demokratisch regiertes Land ist, das den Willen hat, an diesem demokratischen Fundament auch festzuhalten. In der großen> politischen Aussprache, die durch den Ministerpräsidenten und den Außenminister eingeleitet wurde, konnten die Vertreter aller im Staate wirkenden Richtungen zu Worte kommen, um zu den Grundproblemen des Staates, seiner Sozialpolitik und seiner Wirtschaft Stellung zu nehmen. Ideologische Gegensätze gerieten aneinander, der Machtkampf zwischen den Vertretern der bürgerlichen und der sozialistischen Weltanschauung trat deutlich in Erscheinung. Es hat sich gezeigt: Zum Unterschied von den Diktatur-Staaten hüben wir eine Volksvertretung, sie.lebt und sie bringt den Willen aller Schichten der Bevölkerung zur Geltung. Die Exposees wurden mit großer Mehrheit von beiden Kammern angenommen und damit die Grundssätze der Regierungserklärung gebilligt, die und das ist wieder das Entscheidende— vorher von einem Kollektivum, von der Rest i er u g beschlossen wurde. Das unterscheidet uns von der Diktatur rings um uns, wo der gottbegnadete Führer alles und die Gefolgschaft nichts ist!* Die Regierungserklärung ist an dem Not- , stand der Massen nicht achtlos vorübergegangen; sie hat zu den brennenden Fragen der Wirtschaft und Sozialpolitik Stellung genommen und den Willen der Regierung und der gesamten Koalitionsparteien bekundet, von oben tatkräftig einzugreifen. Das Parlament. wird verlangen, daß die Regierungserklärung in die Tat umgesetzt wird. Unmittelbar nach Schluß der Parlamentsdebatte begann die Debatte im Budgetausschuß, die diesmal nur eine kurze Generaldebatte brachte, da die großen allgemeinen Probleme ja schon in der Aussprache im Plenum ausreichend behandel! worden waren. Während der Budgetausschuß tagt,, wird der Senat neben dem neuen Automobilgesetz, das bis auf drei sozialpolitische Bestimmungen schon bereinigt ist, noch einige kleinere Vorlagen behandeln. Die Regierung wird inzwischen die Arbeiten und Vorlagen, die in ihrer programmatischen Erklärung angekündigt waren, vorzubereiten und verhandlungsreif zu machen haben. Diese Arbeiten betreffen alle Gebiete des öffentlichen Lebens. Außenpolitisch bleibt die Situation weiter zugespitzt und ungeklärt, wozu auch der Regie- Ribbentrop In fieberhafter Tätigkeit Hitlers Sonderbeauftragter Freiherr Ribbentrop hat dem Lordsiegelbewahrer Eden einen Besuch abgestattet, dem Montag eine zweite Unterredung folgen soll. Es handelt sich um Deutschlands Rückkehr in den Völkerbund und um die Aufrüstung. Angeblich bietet Hitler einen Sicherheitspatt, wenn die Abrüstungsklauseln des FriedenSvrrtrages aufgehoben werden. Bor allem geht es in dem Spiel zwischen Berlin und London aber wohl darum, Hitler möglichste günstige Bedingungen für eine legale Ausrüstung zu schaffen, solange noch das Kabinett Macdonald im Amte ist, also vor dem «» erwartenden Sieg der Arbeiter». rtei bei de« nächsten Wahle«. „Roten Fahne" geantwortet, daß man mit Recht sagen kann, der 4. November habe ein gutes Stück Klärungsarbeit innerhalb der deutschen Arbeiterschaft vollbracht. Die blamierten Fast der ganze Inhalt der letzten Henlend- Rundschau ist den Kundgebungen Les 4. November gewidmet. Darin steckt ein unfreilvilliges Eingeständnis, daß der Theatercoup von B.- Leipa durch die Wucht der so- zialdemokratischenGegenaktion Vollständig in den Hintergrund gedrängt worden ist. Die autokratischen Herrchen von der Heimatfront, scheinen aber noch immer nicht zu wissen, wieviel die Uhr geschlagen hat. Sie schreiben sich die Finger wund, um den geloaltigen Eindruck unserer sechs Aufmärsche zu verkleinern. Es gehört ja zu ihrem politischen Totalitätsanspruch, den Marxismus unter allen Umständen sterben zu lassen. D en sozialen Krisenforderungen der Arbeiterschaf: setzt dasHenlei n-B latt das hohle Gestammel vonKameradschafi und. Solidarität entgegen- Mir Rücksicht auf ihre kapitalistischen Gönner darf doch dir Hrimatfront weder«inen klaren Standpunkt zur 40»Stundenwoche, noch zur Erweiterung der Krisenfürsorge einnehmen. Dagegen wird bombastisch eine private Hilfsaktion der völkischen Organisationen für die Arbeitslosen angekündigt. Das soll wahrscheinlich geschehen, um die Aktion „Demokratie für das Kind" in deutschbürgerlichen Kreisen besser sabotieren zu können. Wenn das ominöse Wort Demokrattc nicht mit dem sozialen Hilfsproblem in Verbindung steht, werden vielleicht die wohlhabenden Bürger von der Heimatfront mal in die Tdsche greifen. Wir haben gar nichts dagegen, wenn diese Kreise im fünften Krisenwinter endlich begreifen, daß auch sie soziale Verpflichtungen gegen die arbeitslosen Volksgenossen haben. Mit privater Wohltätigkeit ist indessen das Arbeitslosenproblem nicht zu lösen. Die Arbeitslosen fordern keine Almosen, sondern Arbeit und soweit diese nicht geboten werden kann, eine halbwegs ausreichende öffentliche Fürsorge. Dazu hat Henlein in Leipa geschwiegen und wird weiter schweigen, weil eine asoziale und antidemokratische Bewegung eben kein soziales Programm haben kann. Den Ruhm, am 4. November auch die sozialen Schicksalsprobleme des Sudetendeutschtums aufgerollt und den Notstand der deutschen Grenzgebiete pt den Vordergrund der Innenpolitik gerückt zu haben, werden die polemischen Künste der „Rundschau" uns nicht streitig machen. Keine hochtrabenden Worte werden den Generalstäblern de« Heimatfront über ihre Blamage hinweghelfen. Die betroffenen Bemerkenswert ist auch, daß die Propagandastellen des Dritten Reiches auf die Kundgebungen des 4. November nur mit verlegenem Schweigen zu antworten wissen. Während der Rundfunk und die Presse des Herrn Goebbels von der Leipaer Parade entzückt waren, scheint das angesichts der gewaltigen Aufmärsche der sozialistischen Republikaner im Grenzgebiete weniger der Fall gewesen zu sein. Schließlich haben wir dem Herrn Hitler auch nicht nach dem Munde-geredet. Ohne Ueber- hebung darf sohin gesagt, werden, daß das Ansehen der Republik.im demokratischen Auslande durch die großen republikanischen Manifestationen der deutschen Bevölkerung neuerdings gewonnen hat. Es paßt nicht ins Konzept der Berliner Auslandspropaganda, daß in Karlsbad 25-.00.0, in Bodenbach 20.000 und in Jägcrndorf 18.000 deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen mit Standarten ,-Es lebe Masaryk" aufmarschierten. Der Geist unserer Kundgebungen ist auch im Auslande richtig verstanden wörden- Hln zum Staatei Der Generalsekretär der tschechischen Sozialdemokratie, Genosse Senator D u n irr hat in Bodenbach eine klare politische Losung geprägt, unter der die deutschen und die tschechischen Republikaner Sudetendeutsche Volksfront Mit der demokratischen Republik für Freiheit und Brot Die Bilanz des 4. November Fernost-Armee gerüstet Moskau.(Havas) Der Oberkommandant der sowjetrussischen Sonderarmee im Fernen Osten, General Blücher, hielt in Chabarowft eine Rede, in der er erklärte, daß er bei der kürzlich vorgenommenen Inspektion der Sowjetarmee im Fernen Osten festgestellt habe, daß diese Armee einwandfrei vorbereitet sei. „Wenn wir noch die Tatsache hinzufügen', sagte der General,„daß die technische Ausrüstung hervorragend ist, so können wir erklären, daß unser« Grenzen im Fernen Osten wie mit einem Schlüssel abgeschlossen sind und daß wir die Ruhe an allen Grenzen unseres Landes sichern können." schung über die Abrüstungskonferenz Ausdruck und fuhr fort: Während wir uns mit Versuchen beschäftigen, internationale Vereinbarungen zur Herabsetzung des Rüstungsstandcs zu erreichen, übernehmen wir absichtlich das Risiko, dem übrigen Teil der Welt ein Beispiel in der Abrüstung zu geben. Wir waren entschlossen, nichts zu tun, was unsere Arbeit in Genf behindern würde, Obgleich die Aufrüstung anderer Mächte, sowohl die offen zugegebeae als auch die nicht der Oeffenttichkeit mitgeteilte,«ns berechttgt hätte, unsere eigenen Rüstungen zu erhöhen. Macdonald gab bekannt, daß die britische Regierung vor Pfingsten eine Untersuchung der Hilfsquellen zur Verteidigung Großbritanniens u nd de s B r i t i s ch e n R ei- ch e s beendet hat^ * Die Rede des brittschen Premierministers gewinnt besondere Bedeutung durch die Tatsache, daß MacDonald, was bei ihm sehr selten ist, seine Rede»om Manuskript ablas. Daraus geht hervor, daß es sich«m eine wohl überlegte Erklärung handelt. Settt 2 Sonntag, 11. November 1934 Nr. 265 gemeinsam kämpfen muffen:„W i r kennen in derTschechoslowakei nur einen Führer T. G. Masaryk". Diese Parole hat in der nordböhmischen Arbeiterschaft m ä ch t i- gen Anklang gefunden und sie wird ihren Weg durch das ganze deutsche Gebiet der Republik nehmen. Denn die Person MasarykS ist heute nicht nur die unbestrittene Repräsentanz des besseren Europa, sie ist auch die Verkörperung der übernationalen Staatsidec der Freiheit und Gerechtigkeit in der Tschechoslowakei. Die deutsche Arbeiterschaft liebt weder Gefühlsduselei noch Byzantinismus, doch in der Verehrung für Masaryk offenbaren sich auch ihre Heimatsgefühle zur demokratischen Republik, ihre innere Verbundenheit mit dem Staate selbst. Gewiß, die Not in den Grenzgebieten ist groß und sie wird immer wieder als Agitationsstoff gegen die Staatspolitik der deutschen Sozialdemokraten ausgenützt Daß aber das kommunistische Geschrei nach Austritt der Sozialisten aus der Regierung und Bildung einer sogenannten sozialistischen Einheitsfront von der deutschen Arbeiterschaft fast einmütig ignoriert wird, das muß tiefere seelische Ursachen haben. Irgendwie müssen es die Menschen instinktiv fühlen, daß die demokratisch-republikanische Staatsgewalt in der Zeit des wirtschaftlichen und sozialen Tiefstandes neben ihrer politischen und gewerkschaftlichen Organisation das einzige Instrument geblieben ist, welche- helfend und aufbauend eingreifen kann. Erfüllt der Staat in den Grenzen des Möglichen auch seine Verpflichtungen gegenüber den Krisenopfern, dann hat er eine historische Gelegenheit zur Erweiterung seiner BertrauenSbasiS klug ausgenützt. Unser Kampf um di« Krisenforderungen des 4. November i st zugleich ein Kampf um dieVertiefung der demokratischrepublikanischen Staatside« in der deutschen Bevölkerung. Das wichtigste Ergebnis: Vertrauensgewinn Unsere tschechischen Freunde haben tiefeS Verständnis für die gigantischen Schwierigkeiten der deutschen Arbeiterbewegung im jahrelangen Ansturm der Krise und des FasciSmuS. Immer wieder legten sie uns die Frage vor: wie steht es in euren Organisationen, wie ist die Stimmung in der deutschen Arbeiterschaft? Der 4. November hat diese Fragen eindeutig beantwortet. Die Anerkennung dieser politisch-organisatorischen Leistung geht weit über den GesinnungSrahmen der tschechischen Bruderpartei in die demokratisch-republi- konischen Reihen deS tschechischen Volkes hinein. Der Erfolgdes 4. November wird nicht nur als ein Parteierfolg gewertet, sondernauch als ein Erfolg der R e p u b l i k. Gerade der eindeutig republikanische Thatäkter ünsercr' Kündgebüngen Hat die Wertung der deutschen Sozialdemokratie als eines ernsten staatspolitischen Faktors erhöht. Man darf zu diesem Gewinn heute ein offenes Wort sagen. Unselige Erbschaft, welche Deutsche und Tschechen in diesen Staat mitgebracht haben, war das gegenseitige Mißtrauen. Sie mutzte Schritt für Schritt überwunden werden. Das gemeinsame Bekenntnis deutscher und ffchechischer Republikaner zum Staate und zu seiner europäischen Sendung in einer Zeit schwerer außenpolitischer Spannungen bringt uns auf beiden Seiten diese Ziele in viel rascherem Tempo als in friedlichen Zeiten näher und schafft die Voraussetzungen für eine wahre Völkerverständigung auf dem Boden der Tschechoflowakei. I Vorwärts Im Geiste des 4. November Neunzigtausend Arbeiter und Arbeiterinnen sind von den sonntägigen Kundgebungen mtt neuer Hoffnung und gehobenem Selbstvertrauen heimgekehrt. Keiner ihrer Funktionäre, der nicht neuen Mut und neue Kraft für di« kommenden schweren Aufgaben geschöpft hätte. Die Zeit ist bitterernst. Der Kampf mit den Nöten und Problemen, die aus ihr wachsen, wird letzte und höchste Kraftanspannung erfordern. Aber die unbekannten Soldaten der Idee, die Arbeitslosen, die aus ihren l Im„Tcplitz-Schönauer Anzeiger" erschien vor ein paar Tagen ein Leitartikel über»Erfolge und Hemmungen in Deutschland", in dem ein Gleichgeschalteter K. L. von Berlin aus die Wirtschaftslage in Deutschland im günsttgsten Licht darzustellen versuchte. Nach der Methode scheinbarer Objektivität wartet er mit den Ziffern der amtlichen Nazistellen auf, obwohl ihm, sofern er ein ernstzunehmender Beobachter sein will, nicht unbekannt geblieben sein kann, daß die Nationalsozialisten alle Aemter, einschließlich des Reichsstatistischen Amtes und des Institutes für Konjunkturforschung mit ihren Kreaturen durchsetzt haben, um die hinausgehenden Statistiken entsprechend zu Hälschen, damit sie sich besser für die Propaganda des Nationalsozialismus und für die Polittk der Hitlerregiernng eigne«. Ohne diese Fälschungen, di« die Spatzen von de« Dächern auch Berlin- pfeifen, auch««r anzudeuten, baut der Korrespondent darauf seine Darstellung auf and der„Teplitz-Schönauer Anzeiger" druckt sie ohne Vorbehalt und Berichtigung nach! Wir Sozialdemokraten denken nicht daran, die Lage Deutschlands schwärzer darzustellen als sie wirklich ist. Dir lassen aber ebensowenig zu, daß mtt unwahren Berichten unter der sudetendeutschen Bevölkerung versteckte Propaganda für den HitlerfascismuS, gegen die demokratischen Grundlagen unseres staatlichen Lebens getrieben wird. Denn wenn den fascistischen Methoden in Deutschland nachgerühmt wird, daß durch sie die ArbeitSlosenziffer von über 6 Millionen auf reichlich 2 Millionen herabgedrückt worden sei, eine günstige Entwicklung der Geschäftslage deS Einzelhandel, der Gesamtproduktton, der Reichsfinanzen und anderer Teile des wirtschaftlichen Gebietes zu verzeichnen fei« so will man damit sagen:. seht, drüben in Deutschland bringen di« Natt». ■ nalsozialistrn fertig, waS bei unb mit den demo- kratischcn Methoden nicht gelingt. Gegen diese demagogische, auf Schleichwegen betriebene . Hetze gege« di« Demokratie«ehre« wir«ns! In dem Artikel wird die Steigerung der Gesamtproduktion und eine entsprechende BerminderungderZahlder Erwerbslosen hervoraehoben. Nach dem gewaltigen Rückgang, den die Produktion im Ber- lauf der Weltwirtschaftskrise in allen Ländern zu verzeichnen hatte, ist 1933 und 1984 beinahe überall— bekanntlich auch bei uns— eine Steigerung der Produttwn eingetreten. Soweit sie i« Deutschland über de« allgemeinen Durchschnitt hinausgeht, ist sie in erster Linie Elendswohnungen gepilgert kamen, die hungernd und ftierend stundenlang auSgeharrt sind, haben der ganzen Bewegung ein leuchtendes Beispiel gegeben. Dieser Beispiel verpflichtet. Im Geiste des 4. November wird die deutsche Arbeiterbewegung dieses Landes auch die härtesten Prüfungen bestehen, wird sie hinauswachsen über ihren alten Rahmen zu einer Schicksaisgemeinschaft aller schaffenden- aller freiheitlich gesinnten Menschen, zur sudetendeutschen Volksfront, der die Zukunft gehört. auf die umfangreichen Kriegsrüstungen znrsick- zuführen, für die die jetzige Reichsregierung Rilliardentrttäge verschleudert. Jedenfalls hat diese Produttionssteigerung nicht jenes Ausmaß erreicht, wie ost behauptet wird und vor allem hat sie nicht«ine so beträchtliche Verminderung der Arbeitslosigkeit zur Folge gehabt, wie die ge- fälschten Statistiken sie vorlügr». In dem Artikel wird gesagt, daß sich die Zahl der registrierten Erwerbslosen von Beginn 1933 bis Ende September 1934 um 3.7 Millionen gesenkt habe. Die Zahl der„registrierten", d. h. der a n- er kannten wohl, aber nicht der tatsächlichen Erwerbslosen! Es wurden in der Tat Ende September nur 2.89 Millionen Erwerbslose ausgewiesen. Aber dem Schwindel kam man bald auf die Spur, da gleichzeitig dieZahlderbe- schäftigten Arbeiter und Angestellten mit 18.1 Millionen angegeben wurde. Einschließlich der Erwerbslosen gäbe es demnach in Deutschland 17.8 Millionen Arbeiter und Angestellte. Da aber das Statistische Jahrbuch des Deutschen Reiches für 1984 schon für 1988 20,837.000 Arbeitnehmer angibt, da dazu im Frühjahr 1934 noch 800.000 Schulentlassene neu hinzugekommen sind, muß es Ende September 21,637.000 Arbeitnehmer gegeben haben. Da nun die Dtatisttken des Dritten Reiche- nur 15.1 Million Beschäftigte melden, so hat e- in Wirklichkeit zu diesem Zeitpunkt nicht 2.39, sondern über 6.5 Millionen Erwerbslose gegeben. Mehr al- 4 Millionen werden einfach hln» weggrschwindelt und als Landhelfer, Notstand»« oder Fürsorgearbeiter, al- Arbeit-dienstler«sw. für die Erwerbslosrnstatistik unsichtbar gemacht! Es kann darum auch mtt dergünstigenGe- schäftslage des Einzelhandels nicht so weit her fein. Zahlreich« Branchen haben überhaupt keine oder nur eine geringe Steigerung ihrer Umsätze zu verzeichnen; nur da» wo die Angst- und Hamsterkäufe ans Furcht vor der Jn- flation und dem Krieg größeren Umfang angenommen haben, ist auch die Steigerung der Umsätze erheblicher. Neber die immer HSHersteigende Teuerungswelle geht der»Teplitz-Schä- nauer Anzeiger" mit einigen Sätzen schnell hinweg. Es sei, um ihren wirklichen Umfang zu zeigen, auf die Angaben einer in Deutschland geheim gehaltenen Denkschrift der Arbeitsgemeinschaft der Westßälischen Industrie-, Handels» und Handwerkerkammern verwiesen. Es sind in ihr folgende Preissteigerungen für die wichtigsten Lebensmittel in der Zett von Anfang 1938 HW Mai 1934 zusammengestellt: Wetter fortgesetzt! Nichts anderes als eine Verhöhnung der Arbeiter und Angestellten ist es ab«, wenn dieser„K. L." schreibt, daß»die Stabilität der Löhne"...»von der autoritären Zusammenfassung der Arbeitnehmerschaft in den neuen beruflichen und weltanschaulichen Organisationen abgesehen, bewirtt habe, daß das Drttte Reich von einer ernsthafteren Lohnbewegung bisher verschont blieb." Käse(versch. Sorten) um 11.1 bis 37.9 v. H. Marmelade» um 13.1 bis 31.4 v. H. Würste um 26.8 bis 33.3 v. H. Seife um 28.6 v. H. Gemüsekonserven um 10.8 bis 29 v. H. Haferflocken um 3.8 v. H. Graupen um 8.6 v. H. Bohnen(billigste) um 34.3 v. H. Bücklinge um 66.6 v. H. Kabeljau um 80.0 v. H. Bratschellfisch um 80.0 v. H. Oel(Soja) um 188.0 v. H. Butter um 36.2 v. H. Schmalz um 87.7 v. H. Margarine um 182.0 v. H. Speck um 46.2 v. ,H. Kokosfett um 12.2 v. H. Eier um 39.3 v. H. In dieser Denkschrift wird festgestellt, daß 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung dieses wich tigsten Industriegebietes das Existenzminimum nicht erreichen. Seither haben sich die Preissteigerung«« Weiß denn der Sachverständige des„Tep- litz-Schönauer Anzeiger" für Nazi-Deutschland nicht, daß die deutsche Arbeiterschaft ihres Koalitionsrechtes und des Streikrechtcs beraubt ist, daß auf die leiseste Krittk Konzentrationslager und Gefängnis steht und daß Streikversuche mit Arbeitslosigkeit und schwer« Strafe« geahndet werden? Er weiß es sicher, unterschlägt es aber den Lesern, um Glauben zu finden mit seiner Behauptung von den nicht gesunkenen Löhnen! In Wahrheit sind nach einer Statistik der Deutschen Arbeitsfront die Lohne erheblich gesunken, obwohl sie, um zu einem günstige» Resultat zu kommen, die Arbeiterschichten mit den niedrigsten Löhne« nicht mit erfaßte. Rach den verschiedenen Ermittlungen sind di< nominalen Einzellöhne und Gehälter seit do« Ausbruch des Dritten Reiches«m 25 bi- 40 Prozent gefallen. Sogar die amtliche Stattstik mußte für 1938 gegenüber 1982 eine SenkungdesVolks- einkommenS aus Lohn und Ge» h alt u*m« b e r Sv0»ne« Reichs», arkzug eben, obwohl die Zahl d« Beschäftigten um Mlllionen gestiegen sein soll. Stellen wir zu der Uebernahme der amtliche« Darstellung über die angebliche günstigeEnt- wicklungderReichsfinanzen fest, daß sie in dem ««erlichen Anwachsen des Defizit- im Rrichs- havshalt um 50 Millionen Reichsmark oder 500 Million« Ai, auf«««mehr 20 Milliar- den K£ besteht, so brauchen wir zum Schluß nur noch au! die Rohstoffschwierigkeiten, auf die betrügerische P u m p w i r t s ch afi im Ausland» deren Opfer auch sudetendeutsche Jndustrieunternehmungen geworden find- Deutschlands Wirtschaftslage Wie sie wirklich ist— nicht wie sie der„Teplltz>Schönauer Anzeiger sieht 45 BRUNO ADLER: Copyright 1M4 by Michal Kacha Verlas. Prac XIX Keiner seiner Freunde weiß etwas davon, daß er mit der Klima bekannt war, gar ein Verhältnis hatte; auch keine ihrer Freundinnen hat davon gehLrt, einzig die Strnad behauptet eS, seit sie bei Sadil im Dienst ist. Ueberdies war HilSner seiner Anna treu. Je schwächer die Stützen der Anklage find, um so stärker schürt die nationale und klerikale Agitation das Feuer.„Fetzt erst recht!" ist die Parole. Bald schlagen die Flammen hoch. Reinhalt, dessen Miffchuld für die Dörfler feststeht, ist seines Lebens nicht sicher. Boykott und Exzesse ruinieren ihn, er zieht— Beweis seine- schlechten Gewissens— fort von Zhor. Auf den Jahrmärkten sind Hilsnerbüsten zu hab«, ein reisendes Pantoskop läßt eine realistische Darstellung des Ritualmordes für drei Kreuzer sehen. „Es schlug der Hilsner, großer Gott! Ein schönes Ehristenmädchen tot, Di« ohne Ahnung aus dem Näh'n Nach Hause wollt zur Mutter gehn. Zum Heimatdorf Klein-WjeSnitz—" beginnt daS überall verbreitete HilSnerlied, unter dessen Absingung die Juden auf dem Lande verprügelt werden. In Polna gibt es besondere Sensationen. Leopold Graf hat zu Bekannten geäußert, ehe Hilsner gehängt werde, müßte erst PeSäk hänge«, und wird dafür zu 14 Tagen Arrest verurteilt; ebenso Jakob Schiller» der dem Pesäk prophezeite, er werde weg« falscher Zeugenaussage eingesperrt werden. Die Klage wird auch auf seinen Rechtsanwalt ausgedehnt, weil er durch die Fassung feines SchcifffatzeS den Pesäk beleidigt habe. Als dem Schiller die Strafe im. Rekursweg auf 9 Tage ermäßigt wird, ist Pesäk wütend:„Also wenn das so ist, dann werd« ich eben nicht mehr aussagen! Sollen sie sich einen andern Zeugen gegen Hilsner suchen!" Die deutschnattonale Presse der Provinz übernimmt versteckt und offen die Ritualmordpropaganda von neuem. Auch aus Deutschland werden unheimliche Ereignisse gemeldet. In Breslau ist ein Jude beinahe gelyncht worden, weil er ein lleineS blondes Mädchen am hellen Tage entführen wollte. Kein Mensch glaubte ihm, daß es sein Kind sei.. Ein offenkundiger Ritualmord ist in Könitz geschehen, und der dort bevorstehend« Prozeß verstricht den gegen HilSner noch zu überbieten. In allen Groß- und Kleinstädten verzeichnen die An- tisemiten großartige Erfolge. Thüringer Blätter stellen fest, daß eS die Juden find, die die Maul- und Klauenseuche einführen.„DaS Boll", die Zeitung des Berliner Hofpredigers Stöcker, beweist einwandfrei, daß di« Juden auch an den vielen Hals« und Lungenkrankheiten schuld sind. Wie sie alles beherrschen, beherrschen sie auch die Mode, und da sie bekanntlich sehr sinnlich sind, zwingen sie die deutschen Frauen, eng anschließende und ttef ausgeschnittene Kleider zu tragen, was natürlich zu Quetschungen der Atmungsorgane und zur Erkältungen führt.„Auch die Kochbücher, die meist von Jüdinnen versaßt werden, ruinierten systematisch den Magen und die Gesundheit der Deutschen." In Böhmen hecken die Gegner des Antisemit tiSmus einen schweren Stand. Masaryk und der Kreis tüchtiger Männer um ihn, die Sozialisten und außer ihnen noch ein paar vorurteilsfrei« Männer setzten sich gegen die Verhetzung zur Wehr; aber ihre Stimmen dringen nicht zu den andern. Um die verwilderte, verwirrte Bevölle« rung aufzuklären, wollen Masaryk und sei« Freund, der Dichter Machar, in Versammlungen auf dem flachen Land sprechen. Man läßt sie nicht zu Wort kommen. Spott und Wut entgegnet ihnen, körperliche Insulten bedrohen sie. Einen ebenso aufrichttgen wie unerwünschten Freund hat die Sache der Ritualgegner in Dr. Bulova. Seine in Kuttenberg gemachten Beobachtungen an den Kleidern der Agne» Hruza haben ihm nur Beschimpfungen und Verdächtigungen eingetragen; aber er opfert Ruf, Geld und Existenz, sucht weiter und veröffentlicht unbekümmert die Ergebnisse seiner Foisschungen. Er geht selbständig vor und lehnt Methode und Theorie des Verteidigers enffchieden ab. Ihm gelingt die Aufhellung einiger Unllarhetten, allein in juristischen Frage» unerfahren, an soziologffchen Zusammenhängen nicht interessiert, vergreist er sich in Mitteln und Zielen. Er ist überzeugter Monist und Freidenker, ein edler, höchst naiver Schwärmer, und verbindet in mehreren Broschüren die Krttll des Falles mit der Propaganda seiner Weltanschauung. An den Justizminister hat er eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Polnaer Gerichtsärzte wendet. Er greift ein weitverbreitetes Gerücht auf: Agnes sei von ihrem Bruder im Streit getötet worden, und der Geistliche, der ihm die Beichte abnahm, habe ihm geraten, der Leiche die Halswund« betzubringen, um einen Ritualmord vorzutäufchen und so jeden Verdacht von sich abzulenken. Mtt Hilfe dieser Hypothese will Bulova alle ungellärten Fragen lösen... Es enffpricht seiner Ueberzeugung, daß es, um den andern zum Bessern zu bekehren, nur der richtigen persönlichen Einwirkung bedarf. So veranlaßt er einen Mann in Dobroutov, die Tochter des Hegers Mischinger, die angeblich die Agnes Hruza noch am Abend de» Mordtages in der Wohnung gesehen hat, zu einer wahrheitsgemäßen Aussage zu bewegen. Der Brief an den Mittelsmann gerät in die Hände BaxaS und wird zum Beweismittel gegen den Absender und alle Ritualpiord« gogner. Publizistisch unterstützt wird Bulova von dem„Freidenker" in Wiesbaden; dessen Heraus geber, der Prediger Weller, fordert in ein«« Aufruf zur Beschaffung von Beweismaterial auf. Als der Termin des Prozesses von Pisek heran» kommt, schickt Bulova diesen Aufruf und seine Broschüren an den k. k. Postenführer Klenovec und schreibt dazu:»Geehtter Herr! Die Katastrophe naht, reden Sie!" Er wird daraufhin des„Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit durch Erpressung" angellagt, zwar steigesprochen, jedoch wegen PreßvergehenS zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Gegen Weller in Wiesbaden erheben der betroffene Polnaer Geistliche und der Bischof Brynych Auflage. Pts-r In Pisek leben Christen und Juden friedlich nebeneinander. Der große Prozeß, der von End« Oktober bis Mitte November dauern soll, bedeutet für sie alle vorerst eine erwünschte Geschästsbele- bung. In Hotels und Privathäusern ist kein Zimmer mehr zu haben, und noch hält der Zustrom Fremder an. Ueber 40 Journalisten sind angemel- vet, unter ihnen Professor Masaryk aus Prag. Den Vorsitz des Gerichtshofes hat der Präsident Winter inne, würdevoll, groß, mit dichtem grauen Schnurrbatt, ein bewährter Beamter. D«r StaatSanwatt ist flein, blond, schneidig; man sieht ihm nicht an, daß er einmal lyrische Gedichte geschrieben hat. Den Angeflagten verteidigt wiedek Dr. Zdenko Aukedniöek, ihm steht der Piseker Advokat Dr. Bodikka zur Sette. Die Ansprüche der Hruza vertritt auch diesmal Dr. Baxa, die der Eltern Klima Dr. Pevny. Zu VottSrichtern bestimmt daS LoS ein Dutzend Gewerbetreibende- Verwalter, kleine Beamte. Hilsner, heißt es, ist an Skorbut erkrankt. Einer seiner Zellengenosse« wurde kürzlich zum Tod, der zweite zu sechs Jahren schweren Kerker» verutteilt; das drückt-nN seine Stimmung. LFortsetzung folgt? «r.»46 Sonntag, 11. November 1934 ®eHe 8 hiuzuwcisen, um das wahrheitsgetreue Bild von Deutschlands wirtschaftlicher Lage abzurunden. Sie, lieber.Teplitz-Schönauer Anzeiger" sieht e- wirklich aus! Nicht so, wie du es mit deiner nur schwer zu verheimlichenden Sympathie für den Hitlerfascismus den Lesern vorgaukelst. Die überwältigende Mehrheit der sudeteirdeut- schen Bevölkernng findet nicht, daß es verlocken könnte, es in der Tschechoslowakischen Republik nachzuahnien. Das hat sie am 4. November bekundet! StHbrny hat sich selbst hlnelngelest Wie er sich nm die Verlesung dec Stejskal- Briefee herumdrückt Bekanntlich hat Stitbrny als erster Redner in der grasten politischen Debatte der vergangenen Woche eine sehr große Dummheit gemacht: Er drohte wieder einmal mit kompromittierenden Dokumenten und dabei mußte ihm das Malheur passieren, daß er— als Genosse Hampl ihn vor dem ganzen Hause stellte und verlangte, daß er Beweise erbringe, in der Hitze de» Gefechtes pathetisch auSrief, er werde sich in der Debatte noch einmal zu Wort melden und den betreffenden Brief seines einstigen Freundes Stejskal vorlesen; darin stehe, wer alles aus den Kohlenlieferungen Geld bekommen habe. Herr Stkibrnh hat dies nicht getan, sondern dem Parlamentspräsidium einen Brief geschrieben, daß er ein sechzehn Seiten langes Dokument verfertigt habe, das er dem Vorsitzenden der Sparkom- mission(I) vorlegen werde(die natürlich für Korruptionsfälle, die mehr als zehn Jahre zurückliegen, absolut nicht kompetent ist). Angeblich hätte Vizepräsident Genosse Taub seinem Vertreter mitgeteilt, StkLbrny könne in der Debatte nicht mehr zu Wort kommen, weil er die auf die klublosen Abgeordneten entfallende Redezeit von einer Stunde schon erschöpft habe; er wäre somit auf den Fünfminuten- Rahmen einer sachlichen Bemerkung beschränkt geblieben. Genosse Taub hat eine solche Information nie gegebcn. Sie wäre auch, wie Genosse S t i v i n im „Prävo Lidu" feststellt, unrichtig gewesen, da sich nach Paragraph 48 der Geschäftsordnung jeder Redner zweimal zu Wort melden kann; Strtbrntz hätte also ruhig noch einmal eine ganze Stunde lang sprechen können I Daß di« Redezeit für die Klubs (und damit auch für die Gesamtheit der fraktionslosen Abgeordneten) nach ihrer Stärke kontingentiert wird, geschieht gewöhnlich nur in der Budgetdebatte. Eine solche Einschränkung hat es in der letzten Debatte aber nicht gegeben. Stivin schreibt deshalb weiwr: „Es ist offenkundig, daß'sich Stttbrnh die Sache überlegt und den Brief weder gebracht, noch vorgelegt und auch nicht der Sparkommission gegeben hat. Entweder hat er überhaupt keinen derartigen Brief oder er hat seine bestimmten persön- a lichen Gründe, ihn lieber in seinem Banktressor zu N berwahrep. Das ist eine Angelegenheit, die in er- >, ster Lüste den Abgeordneten Stitbinch sevbst kompromittiert. Aber eS ist eine aufgelegte Täuschung der Öffentlichkeit und .«ine falsche Märtyrerpose, wenn Stklbrnh behauptet, daß er im Abgeordnetenhaus nicht daS Wort ergreifen konnte, bzw. daß«S ihm um de« Preis einer absichtlich falschen Information aus dem Präsidium des Hauses unmöglich- gemacht wurde, den Brief vorzulesen, und daß der, der ihn daran hinderte, der deutsche sozialdemokratisch« Vizepräsident gewesen sei." Für alle Postbediensteten und PostruhestSndler Alle Mitglieder des PostheilfondS, das sind alle Postbediensteten im aktiven Dienste und im Ruhestand«, alle Poftlerwitwen und Provisionisten, all« Postlerwaisen, soweit fie Mitglieder des Postheilfonds sind und das 81. Lebensjahr überschritten haben, wählen am 18. November die BerwaltungS- ausschüffe des PostheilfondS. Nur jene Wähler, die am 16. November unbedingt nachweisbar verhindert sind, können die Wahl auch am IS. vornehmen. Die Wahlberechtigten begeben sich in der Zeit vom 10. bis 15. November zum Postamte, welches ihnen die Bezüge auSzahlt und lasten sich die Kandidatenlisten ousfolgen. Ruheständler weisen dabei zu ihrer Legi- vmierung ihr PenstonSdekret vor. Jeder Wähler erhält zehn Kandidatenlisten und eigen amtlichen Umschlag. Gleichzeitig müffen sich die Wähler erkundigen, wann und wo die Wahl stattfindet. Am 16. November finden sie sich zur hezeichneten Zeit und am bezeichneten Orte ein. Es empfiehlt sich, daß dabei die Ruheständler wieder ihr Pensionsdekret als Legitimation Mitnahmen. Am Wahlorte wird überprüft, ob jeder Wähler alle zehn Kandidatenlisten und den Umschlag hat. Der Umschlag darf in keiner Weise gekennzeichnet sein, denn die Wahl ist geheim. Auf die Wähler darf von amtSwegen keinerlei Einfluß hinsichtlich der zu wählenden Liste geltend gewacht werden. DaS wäre strafbar. Nach Ueber- vrüfung der Liste und des Umschlages wird jedem Wähler Gelegenheit gegeben, eine Liste unbeobachtet M den Umschlag«inzulegen. Auf der List« darf keine Aenderung, Zusätze oder Streichungen erfolgen, die Liste würde dadurch ungültig. Wenn mehrere Listen eingelegt werden, sind alle ungültig. Den Umschlag mit der gewählten eingelegten einen Liste g:bt der Wähler in daS versiegelte Wahlgefäß, die anderen werden weggeworfen, bzw. vernichtet. Neben neun tschechischen Kandidatenlisten ist eine einzige deutsche ausgestellt. Die bedrängte Lage des deutschen Postpersonals verlangt, daß alle dafür 'n Betracht kommenden Stimmen sich auf dieser L'ste, der Liste, 6, vereinigen. ES ist die Liste der f-'eigewerkschaftlichen Kandidaten. Für daS deutsche Postpersonal bestehen daher kein« Zweifel, welche List« zu wählen ist. ES ist die List« 8. Daß daS Wahlgeheimnis gewahrt bleibt, dafür sorgt die Wahlordnung und die WahlvertrauenSmänner der List« 5. Elt Judcnmördcr vom 30. Juni wieder In Amt und wurden eingesetzt Berlin.(Tsch. P.-B.) Wie aus zuverlässiger Quelle versichert wird, sind die elf SS-Männer, die seinerzeit im Zusammenhänge mit den Ereignissen des 30., Juni d. J-inHirschdergin Schlesien vier angesehene jüdische Einwohner verhaftet, im Automobil fortgeführt und dann wegen angeblichen Fluchtversuches erschossen haben, wieder in ihre Stellung und Würde«ing-esetzt worden. Die vier Erschossenen, ein Rechtsanwalt Dr. Forster, ferner ein Zahnarzt Dr. Franz und seine Fra« und der Kaufmann Chang sollten, wie seinerzeit auch die Schweizer Blätter ausführlich berichteten, mit einem Auto nach Görlitz gebracht werden. Unterwegs hielt das Auto plötzlich an und von den SS-Männern wurde den Un glücklichen befohlen auszusteigen, worauf fie bei einem„Fluchwersuch" niedergeschoffen wurde«, Die Schußwunden der Erschossenen zeigten aber, daß die Schüsse von vorn gekommen waren. Lorüberfahrende andere Automobilisten verständigten die Polizei von Hirschberg, die zunächst nichts unternahm. Erst später, griff der dortige StaatSanwalt Schäfer ein, was ihm soviel« Bedrohungen eintrug, daß er eine Zeit lang ständig von zwei Polizeibeamten geschützt werden mußte. Immerhin wurden damals die ülf an der Entführung beteiligten SS-Männer verhaftet, aber nach etwa sechs Wochen wieder freigelaffen. Nunmehr sind sie überhaupt i n ihren vollen Rang wieder eingesetzt worden. Arbeiterschaft und Gemeindeverwaltung Genosse de Witte an die Adresse der Agrarier Der Rede deS Genossen de Witte in der parlamentarischen Aussprache über die Regierungserklärungen entnehme» wir folgende Stellen, die vornehmlich für den Sozialreak- tionär W i n d i r s ch eine gebührende Abfuhr bedeuten, darüber hinaus aber notwendige Fest- swllungen gegenüber Henlein beinhalten und gegen Schluß mit dem Appell zu friedlicher Zusammenarbeit der Rasionen dieses Staates starken Beifall auf sozialistischer Seite hervorriefen. Wir haben mit Genugtuung die offenherzigen Worte des Herrn Ministerpräsidenten über die Krisennot gehört. Sein Hinweis auf die erhöhten Verpflichtungen deS Staates gegenüber den schwerstbetroffenen Krisengebieten verdient anerkannt zu werden. Leider gehören zu diesen die meisten Bezirke des deutschen Siedlungsgebietes. In dem ganzen deutschen Grenzgebiete reiht sich ein Jndu- ftriefriedhof an den andern und von der unerhörten Not können sich die entfernter Wohnenden kaum einen Begriff machen. Wenn wir nicht unsere Pflichten auf daS gröblichste vernachlässigen wollen, dann gilt alles daranzusetzen, um diesen Menschen Arbeit und Brot zu verschaffen. Und wenn man Hilfe bringen will, dann schnell! Nach einer Würdigung unserer Aufmärsche vom 4. November, wobei Genosse de Witte namentlich die traurige Tatsache unterstreicht, daß Zehntausenden dieser Demonstranten das Elend buchstäblich vom Gesicht abzulesen war, befaßte er sich eingehender mit dem von uns bereits kurz vermerfien Borstoß des Lanübüudlers Windirsch gegen das Gc^ meindwvahlrecht der Arbeiter^■ Herr Windirsch übersieht dabei, daß bis 1918 die Arbeiter fast gänzlich au» den Gemeindeverwaltungen ausgeschaltet waren. In den meisten Orten hat das seinen Ausdruck in dem Mangel jeglicher Sozialpolitik gefunden. Al- wir ISIS unsere ersten Abgesandten in die Gemeindestubrn schicke» konnten, war es daher unser erstes, daß wir dara» gingen, menschliche Znstände anzubahnen, frühere Versäumnisse wrttznmachrn und daS Leben und die Gesundheit der Gemeindeinsassen in den Mittelpunkt der Gemeindepolitik zu stellen. Di« Industrie hat damals an die Gemeinden groß« Anforderungen gestellt. ES mußten Wohnungsbauten durchgcführt, Kanalisierungen und Wasserleitungen gelegt. Schulen, Kindergärten und dergleichen erbaut werden. Die dazu notwendigen Anleihen waren damals auf der Industrie gut fundiert, deren Katastrophe dann allerdings in kurzer Zeit eingetreten ist. Wenn wir hören, daß heute im gesamten Staat 1865 Betriebe vollständig stillgelegt sind und die meisten anderen mit außerordentlich verringerter Kapazität arbeiten, und wenn wir uns die Ziffern über die gegenwärtige Steuerleistung ansehen, muß man stch wundern, daß Herr Windirsch an all dem so vorbeigegangen ist und nur di« Arbeiter beschuldigt, daß s i e in der Verwaltung der Gemeinden versagt hätten. Sind vielleicht die Arbeiter schuld an der Katastrophe von Rothau oder nicht vielmehr die.Volksgenossen" Unternehmer, Aktionäre und BerwaltungSräte? Wer zahlt den« heute die, Gemeindeerhal- t»ng? I« de« Industriegebieten überwiegen di« Abgabe« und Gebühre« heute bereits da» Erträgnis au» den Zuschläge» zu dr« direkten Steuern! Die Summe der Gemeindeabgabe«, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, übersteigt heute bereits di« Kopfguote der Einkommensteuer Bon der allgemeinen Erwerbsteuer wurden im Jahre 1983 von 160 Millionen 100 abgeschrie- b e n; aus der besonderen Erwerbsteuer wurde die Minimalsteuer von ein Promille deS Anlagewertes. Wie soll da eing Fndustriegemeinde überhaupt noch verwaltet werden, wenn die Steuergrundlage derartig zusmnmenschrumpfi? Ist es nicht absurd, wenn Herr Kolleg« Windirsch das fehlende Verwaltungstalent der Arbeiter dafür verantwortlich macht, daß«S in diesen Jndustriege- meinden nicht vorwärts geht? Auch in den Landgemeinden wird es bald nicht anders auSsehen! Die Tendenz des Gemeindefinanz- gesetze» ist ja direkt darauf gerichtet, ein« Verschiebung der Einnahmen von den Zuschlägen zu oen Abgaben herbeizuführen, zu denen auch die kleinen Leute gehörig beisteuren müssen! Ist der Anschlag des Herrn Windirsch gegen daS Geuuindewahlrecht der Arbeiter vielleicht schon als ein Akt der Volksgemeinschaft aufzufassen, oder soll dies« Volksgemeinschaft darin bestehen, daß der Arbeiter z» zahlen und zu schweigen hat? Eine derartige Gemeinschaft lehne« wir ab! Genosse de Witte wendet sich dann dem Herrn Henleinz« und verweist darauf, daß in der Debatte ein gewisses Rätselraten zu verzeichnen war, ob Henlein der sei, als der er sich gibt, oder ein anderer? Henlein als Person ist»ns herzlich gleichgültig. Will er nicht» weiter erreiche«, alS die su- detendeutsche Bürgrrschicht in eine antisozialistische, ontimarristtsche Front zusammenfassen, und zum.Aufmarsch gegen nnS zu bringen, so läßt uns da» kühl. Wir haben derartige Fronten im Lauf« der Zeit mehrere kennen gelernt und wir sind bisher mit allen diesen Fronten fertig geworden! Wenn diese antimarxistische Front durch einen Unternrhmertrrror gegen die Arbeiter verstärkt werden soll— und wir haben dafür besonder- in Westböhmen Beispiele— so werden wir dem an Ort und Stelle sofort begegnen, bzw. auf entsprechende gesetzliche Schutzmaßnahmen für di« wirtschaftlich Schwächeren dringen. ' Die Henleinbewegung hat sich als a s o z i a l erwiesen: Arngstlich weicht man einer ehrlichen und aufrichtigen Aufrollung der sozialen Frage aus. Die Unternehmer wissest schon, warum sie-so positiv zur Heule inbcwehung titigestellt sind! Wie Henlein sich offiziell zum Staate stellt, und wie der Staat zu ihm, das zu besprechen ist hier nicht unser« Sache. Nur daS eine möchte ich noch nachdrücklich hervorheben! Wir haben niepials den Staat gegen die Henleinbewegung aufgerufen. Diejenigen, di« das Gegenteil behaupten, begehen eine infame Unterstellung. Wir werden allein mit der Henleinbewegung fertig werden. Was wir von der tschechischen Bevölkerung verlangen, da» ist weiter nicht», als daß sie treu zur Demokratie stehe, daß sie unserem Kampf und unsere besondere wirtschaftliche Lag« verstehen möge. DaS und weiter nicht»! Zur Außenpolitik sei nur gesagt, daß der Herr Außenminister sich in seiner Politik, die wir durchaus billigen, absolut auf unsere Mithilfe verlassen kann. Was wir wollen, das ist die B ö l- kerverständigung. Wir leben hier Deutsche und Tschechen viel« Jahrhunderte nebeneinander, wir sind auf einander angewiesen und dennoch waren wir untereinander immer in Kämpfe verwickelt. DaS muß nicht sein. In unserem Raum müssen wir alles tun, um eine ehrliche Verständigung herbeizuführen und den Beweis zu erbringen, daß auch verschiedene Nationen friedlich nebeneinander leben können, wenn fie einander verstehen und sich gegenseifig Achtung abzubringen vermögen. Darauf wollen wir deutsche Sozialdemokraten ehrlich hinarbeiten; aufrichttg, ehrlich und »nzweideuttg bieten wir hiezu allen auf der tschechische« Seite die Hand, di« selbst aufrichtig, ehrlich und unzweideutig find!(Lebhafter Beifall.) Bauernaufstand auf Kuba Solidaritätsstreik der Arbeiter I« der Provinz Santiago auf Cuba ist eine Revolte auSgebrochm, die sich gegen die Wegnahme deS bäuerlichen PachtlandrS durch die Regieruog richtet? Die Regierung hat StaatSlän- derrirn, die sogenannten RealongoS, di« sich seit alte« Zeiten im Erbpacht der Bauern befinden, an ausländische Gesellschaften verschachert und die Bauern, die an dir Gerichte appellierten, wurden von diesen zur Abtretung des BodenS verhalten. Run erheben stch die Bauern und die Arbeiter sind auS Solidarität in de« Generalstreik getreten. Die Regierung, die zunächst die Führer des AufftandrS bestechen wollte, hat sich, da der Kor- ruptionSversnch vergeblich war, entschlossen, Mili-! tär einzusetzen und den Bauern daS Land mit G e w a l t zu nehmen. Der Kampf in Santiago■ ist ein Beispiel mehr für die in unserer Zeit im-> mer deutlicher in Erscheinung tretende I n t r r-1 «ssengemeinschaftvon Bauern und Arbeiter» im Kampf gegen dasj Kapital. I Mißbrauch der Ernährungsaktton durch tschechische Agrarier Das Brunner nationalsozialistische Blatt meldet: In Boskowih-hatten sich 45 Angeklagte vor Gericht zu verantworten, weil sie wissentlich Ernährungskartesi bezogen, obwohl sie keinen Anspruch auf sie hatten und vielfach über hohe Einkommen verfügen. Der Betrag, um welchen der i Staat geschädigt wurde, beträgt einige tausend KL. Fast alle Angeklagten wurden verurteilt, wobei ihnen das Wahlrecht bedingt aberkannt wurde. Fast alle Verurteilten sind Angehörige der tschechischen Agrarier. Vie Nazi rühren sich wieder Innsbruck. Die Behörden haben sestge- stellt» daß die Tiroler Nationalsozialisten ihre SA- und SS-Abteilungen neuerlich organisieren und jene Nationalsozialisten, die im Juli Ruhr bewahrt haben, sind neuerdingsaktiv. In den Gemeinden Schwaz und Mayrhofen wurden am Freitag große Hakenkreuzfeuer abgebrannt. In Jnsbruck wurden Flugblätter verteilt, in welchen mitgeteilt wird, daß die Bersöhnungsakfion Reinthalers g e s ch e i t e r t sei. Noch nicht reaktionär genug? Madrid. Nach umlaufenden Gerüchten soll im spanischen Kabinett eine teilweise Krise bevor- stehen. Diese Gerüchte stützen sich hauptsächlich auf die Tatsache, daß gegen zwei radikale Mitglieder der Regierung, gegen die Minister Samper und Hidalgo, im Parlamente Interpellationen eingebracht wurden, in denen sie der Fahrlässigkeit beschuldigt werden, der sie sich bei den Borbereitun- gen der früheren Regierung gegen die Revolutionsbewegung schuldig machten. Papens Versöhnungsaktion . Der Sondergesandte von Papen setzt seine Vortragsreise durch Kärnten und Steiermark fort. ! Ueberall spricht er nominell zu den reichsdeutschen Kolonien, in Wahrheit aber zu den Vertretern der Nazi, die er für den neuen HitlerkurS in Oesterreich gewinnen will. Er betont dauernd die VersöhnungSbereitschast Deutschlands und den bloß kulturellen Charakter der Zusammenarbeit der beiden deutschsprachigen Staaten. Für das Chaos in Oesterreich ist bezeichnend, daß der eben erst ernannte Präsident des Staatsrates, der Bundesbahndirektor N o a ck h, bereits wieder zgxückgetreten. ist. Mgn hat nämlich ent- .deckt, daß er in.einer Tispensshc lebt! Anders als bei unsl Der Mitarbeiterstab eines französischen Ministers Paris. Ministerpräsident Flandin hat die Minister gebeten, sich bei der Zusammenstellung ihrer unmittelbaren Mitarbeiter auf das gesetzlich zulässige Maß zu beschränken. Jeder Minister soll sich mit einem Kabinettschef, zwei stellvertretenden Kabinettschefs, einem Privatsekretär und zwei Mitarbeitern für parlamentarische Angelegenheiten begnügen. Vier war Georglew? Belgrad.(Avala) Die Sofioter Polizei hat der Belgrader Polizei die Ergebnisse ihrer bisherigen Nachforschungen Wer die Vergangenheit des Königsmörders Vladimir Georgiew Cernozemski mitgeteilt. Die Polizei von Sofia hat festgestellt, daß sein richttger Name Velikko Dimitrow Kerin ist. Er wurde am 18. Ottober 1897 in der Gemeinde Kamenica in Bulgarien geboren. Die Polizei hat weiter festgestellt, daß die mazedonische revoluttonäre Organisation Kerin im Jahre 1932 zu dem Terroristen PaveliL geschickt* hat. Zur Abwechslung Wieder die kommunistischen Trappen obenauf Tokio. Eine japanische Nachrichten-Agentur teilt mit, daß in den chinesischen Provinzen Stetschuan und Kwangtung heftige Kämpfe zwischen chinesischen Negierungstruppen und kommunistischen Streitkräften im Gange seien. In Kwangtung hätten die chinesischen Regierungstruppen eine Niederlage erlitten. Zwei Städte seien von den Kommunisten, deren Stteitkräfte etwa 190.000 Mann stark seien, besetzt worden. Bon chinesischer Seite seien sämtliche verfügbaren Truppen eingesetzt worden. Die Zeitung„Mijako" meldet, daß es bei der Besetzung der Stadt Schun-i auf beiden Seiten starke Verluste gegeben habe. Die Zahl der Toten und Verwundeten werde auf 1000 geschätzt. Zu dieser Meldung wird von chinesischer amtlicher Seite erklärt, daß in den oben angegebenen Provinzen heftige Kämpfe mitwech- selndem Erfolg stattfinden. Die chinesischen Regierungstruppen seien aus strategischen Gründen gezwungen worden, verschiedene befestigte Punkte zu räumen, da der Gegner erheblich in der Neberzahl war. Aus dem Hauptguartier des MarschallsTschiangkaischek sind Luftstreit- kräste zur Bekämpfung der kommunistischen Streitkräfte entsandt worden. Seite 4 Sonntag, 11. November 1834 JJr. 265 Tagcsncnlgkcitcn Tragödie der Ent.afsenen Mit Frau und Kindern in den Tod 'Leipzig. Freitag gegen 14 Uhr wurden in Leipzig-Plagwitz der 40 Jahre alte Buchhalter Benndorf, sein Frau und seine beiden Kinder— ein elfjähriger Junge und ein 13jähriges Mädchen— gasvergif- t e t tot aufgefunden. Benndorf ist am Dienstag fristlos entlassen worden. Nach den polizeilichen Ermittlungen sind die beiden Eheleute im vollsten Einverständnis aus dem Leben geschieden. Die Kinder scheinen im Schlafe vom Tode überrascht wordeil zu sein. 80V Fischer vermißt S o c u l. In der Nacht auf Samstag ging über dir Küste von Korea ein heftiger Sturm dahin. Eine große Anzahl von Fischerbooten konnte nicht mehr rechtzeitig de» Hafen erreichen und der Polizeibericht spricht von 800 vermißten Fischern, über deren Schicksal bis in die heutigen| Vormittagsstunden nichts bekannt ist. Bereits 111 Kastrationen in Deutschland durchgeführt! Berlin. Der Leiter des staatlichen Krankenhauses beim Untersuchungsgefängnis Berlin- Moabit, Medizinalrat Dr. S ch l e g e l, in dessen Anstalt der größte Teil der Entmannungen, die nach dem neuen Gesetz im Reiche ausgesprochen werden, zur Durchführung gelangt, gibt eine erste Uebersicht über die erfolgten Entmannungen. In dem genannten staatlichen Krankenhaus wurden seit Bestehen des Gesetzes, also seit dem 24. November 1933, 111 Kastrationen durchgeführt. In„Vorbereitung" zur Kastration befinden sich vorläufig 20 S t r ä f l i n g e, die der genauesten Untersuchung unterzogen werden. Eine photographische Aufnahme stellt das äußerliche Zustandsbild der Verbrecher fest. Die Stimme wird in ihrer Klangfarbe und Tonhöhe in einzelnen Fällen auf Wachsplatten aufgenommen, über die Intelligenz der Einzelnen zur Kastration gelangenden Patienten wird ein eingehendes Urteil beschafft. Nach dieser umfassenden Vorbereitung erfolgt die Operation, die nur etwas acht Minuten Zeit in Anspruch nimmt. Die meisten Kastrationen lieferten bisher die Bezirke Berlin, Kiel, Celle, Stettin. Dann folgten Meseritz, Naumburg und Schne.idensühl., Es fällt auf, daß gerade die W a s s e r k a n t e und ihr H i n t e r? land reichlich von Sexualverbrechern durchsetzt ist. Vater und Sohn verbrannt Ujhorod. Freitag zeitlich früh brach in der Besitzung des Fedor H a n Y k a in der Gemeinde Kostriua, im Bezirk Velkh Bereznh ein Brand aus, der sich so rasch verbreitete, daß der B e s i tz e r Fedor Hanyka, seine Frau und der achtjährige Sohn nicht mehr rechtzeftig das brennende Wohngebäude verlassen konnten und schwere Brandverletzungen erlitten. Der Sohn Basil ist seinen Verletzungen im UZHoroder Krankenhaus kurz nach der Einlieferung erlegen und bald darauf starb auch sein Vater. Die Mutter dürfte am Leben erhalten werden können. Außerdem ist der gesamteViehstandin den Flammen umgekommen. Prozeß Matuschka Budapest. Im Prozeß Matuschka wurde in der Abendverhandlung des Freitags die Verlesung des Aktenmaterials fortgesetzt. Sodann wurde eine Eingabe Matuschkas an das Wiener Landesgericht Perlesen, in der er unter die Zeilen wiederholt die Worte„Hoch, Hoch" schrieb. Diese habe er nur geschrieben, sagt er auf die Frage des Vorsitzenden, um seiner Hochachtung Ausdruck zu geben. Im Laufe der Verlesung der verschiedenen Akten stellt es sich heraus, daß Matuschka in der Untersuchungshaft zwei Tonfilm-Textbücher,„Die Macht der goldenen Wellen" und„Die Polizeifreundschaft" schrieb. Beide sollten Propaganda-, zwecken gegen die Ath eiste'n dienen. In einem anderen, gleichfalls von Matuschka verfaßten Film mit dem Titel„Der. Bauernkaiser" wird erwähnt, daß er eine Erfindung auf dem Gebiete der Lichtreklame-Wolkenschrift habe. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er diese Erfindung für neu halte, erklärt Matuschka, dieselbe figuriere unter seinen 83 Erfindungen und sei voll- kommen neuartig. Bisher.wurde Wolkenschrift stets mit Rauchschrist durchgeführt, er aber mache dies mit Licht. Sodann wurde für den restlichen Teil der Verhandlung die Öffentlichkeit ausgeschlossen. In der samstägigen Verhandlung wurde das Verhör des Angeklagten beendet. Dann begann daS Zeugenverhör, wobei als erster ein ehemaliger Schnlkollege Matuschkas, Koloman Kiß, verhört wurde. Kiß behauptet, Matuschka habe sich bereits als Gymnasiast geäußert, er könne sich nichts Grandioseres vorstellen, als die Explosion eines Zuges in dunkler Nacht. Der Oberoffizial Koszegi, der gleichfalls Schulkamerad Matnscbkas war, erklärt, Mutuschka habe eine lebhafte Phantasie bekundet und sei ein begabter Schüler gewesen. Neue Schulungsmethoden für schwerhörige Kinder In London hat.man.eine Schule für schwerhörige Kinder eingerichtet, die nach ganz neuen pädagogischen Gesichtspunkten geleitet wird. Die Zeichensprache der Schwerhörigen und Taubstummen ist dort streng verboten. Dafür aber werden die Kinder erzogen, daß sie die Sprache vom Munde ablesen lernen. Jedes Kind bekommt einen K o p fhö r e r, der dem Grad seiner Schwerhörigkeit entspricht, und.lernt auf.diese Weise sprechen. Die Lehrerin spricht in ein M i k rophon, und durch die Verstärkeranlage können die Kinder genau hören, was sie spricht. 47 Bergarbeiter verbräunt Explosion in einem T o k i o. Aus den Kohlengruben in Sora t s ch i im Bezirke Hokkaido wird ein großes Grubenunglück gemeldet. Um 8 Uhr früh entstand auf einem Schachte eine Explosion und die ganze Grube wor sofort in Feuer gehüllt. Auf der Grube japanischen Schacht arbeiteten zu dieser Zeit ungefähr 150 Arbeiter. Der sogleich eingeleiteten Hilfsaktion gelang es 110 Bergarbeiter mit ernstlichen Verbrennungen aus der brennenden Grube zu retten, 47 sind jedoch bei lebendem Leibe verbrannte Rauferei mit tragischem Ende In einem Gasthaus in Schüttenhofen saßen einige junge Leute und unterhielten sich sehr gut, wobei sie bis in die späten Nachtstunden ziemlich viel Bier konsumierten. Einige von ihnen sollen 20 Glas Bier getrunken haben."In dieser Stimmung kam es nun zu einer Auseinandersetzung wegen einer Frau, die> von einigen Burschen beleidigt wurde. Aus dieser Auseinandersetzung wurde eine Rauferei, die der Wirt auf die Straße verlegte, indem er'die Gesellschaft aus dem Wirtshaus hinausschmiß. Auf der Straße warfen sich nun einige Burschen auf den Fleischer- .gesellen I l l, der zwei von den Angreifern so 'verprügelte, daß sie die Flucht ergreifen mußten. Nun warfen sich drei weitere Burschen auf All» der plötzlich ein Messer zog und darauf losstach. Der 28jährige Sanda wurde hierbei so schwer verletzt, daß er im Verlauf einer halben Stunde verblutete. All wurde von der Gendarmerie verhaftet. Er verteidigte sich mit Notwehr. Die Untersuchung ist im Gange. El« ungewöhnliche» Ereignis rief Samstag in den Frühstunden in den Straßen von Wysotschau Aufregung hervor. Aus dem Nachtasyl lief ungefähr um 7 Uhr ein vollkommen unbekleideter Mann, der nach einem Schutzmann rief. Nach einigen Minuten fand er endlich einen Polizisten und bat ihn, mit ihm in das Asyl zu gehen und ihm zu seinen Kleidern zu verhelfen. Der Mann war keineswegs wahnsinnig, wie die Passanten in den Wysotschaner Gassen glauben mußten. Er hatte im Asyl übernachtet, früh jedoch seine Kleidermarke nicht finden können, so daß ihm die Ausfolgung der Kleider verweigert wurde. Da er fürchtete, seine Arbeit.zu verlieren, wenn er zu spät seinen Dienst antreten würde, griff er zu einem Mittel, welches trotz der Verständlichkeft der Beweggründe doch etwas seltsam ist. Soeriag keuut{eine Guade Berlin. Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt. ist der ivegen Ermordung des SA- ManneK' HannZ Handwerk' vom Schwurgericht Frankfurt a. M., zum Tode und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte Josef Reitinger am 10. November auf dem Hofe des Gefängnisses in Frankfurt a. M., hingerichtet worden. Der preußische Ministerpräsident hat es abgelehnt, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen. Auch Horthy Nicht Budapest. Der wegen Raubmordes an einem Landwirt und dessen Frau zum Tode durch den Strang verurteilte Georg B o g n a r wurde Samstag früh im Hofe des Fünfkirchener Gerichtsgebäudes hingerichtet. Der Schaumwein der Bolksbeglückrr. Daß das Dritte Reich doch seine Erfolge aufzuweisen hat und daß es sich dort für manche„Dosisgenossen" ganz gut leben läßt, geht wohl aus folgender Notiz hervor, die wir der„Reichenberger Zeitung", die ja jeden Erfolg Hitlers gewissenhaft registriert, vom 6. November 1934 entnommen haben: Die Ueberfälle auf Kohlenzüge in Prag nehmen in der letzten Zeit Formen an, welche an die Zustände gegen Ende des Krieges erinnern. Freitag wurde auf der Strecke zwischen Lieben und Wrschowitz durch ein falsches Haltesignal ein Kohlenzug angehalten und ungefähr 20 Männer versuchten, die Kohle von den vollbeladenen Wagen auf. die Strecke zu werfen. Der Lokomotivführer rettete den Zug nur durch eilige Flucht. Auf der Strecke bei Lieben, die ziemlich steil ansteigt und die Züge im allgemeinen zu langsamer Fahrt zwingt, werden die Kohlensendungen fast täglich von organisierten Trupps beraubt, die während der Fahrt auf die Waggons springen, die Kohle herunterwerfcn und dann sammeln. Die Bewachung der Züge durch Eisenbahner und Gendarmen erwies sich bisher als vollkommen ungenügend Feuer an Bord.„New Dort Herald" meldet, daß an Bord des amerikanischen Petryleumschiffes „Galiche" in der Bucht von Mexiko ein Brand ausbrach, durch den 15 Pe r s o n e n v e r l e tz t würden. Der Kapitän und ein M a n n der Besatzung werden vermißt. Der Uederfall auf die Borschußkasse in Sporilov konnte bisher nicht aufgeklärt werden. Der am Tage nach der Tat verhaftete junge Mann konnte ein Alibi nachweisen. Die Polizei erstreckte ihre Untersuchung auf eine große Anzahl von Personen, doch sind die Verdachtsgründe in keinem Fall groß genug, um von einem Fortschritt der Untersuchung sprechen zu können. Die Welthandelsschiffahrt. Wie„Financial News" meldet, tritt inLondon in der nächsten Zeit eine Welthandelsschiffahrtskonferenz zusam- , men, auf deren Programm sich hauptsächlich zwei § Punkte befinden werden, und zwar: 1. Reduktion der Gesamt-Welttonnage durch Außerdixnststellung der überschüssigen Schiffe und 2. Verringerung der Regierungssubventionen an die Handelsschifffahrt. Einsturz-Katastrophe. In dem ehemaligen päpstlichen Schloß in Avignon sind in zwei Sälen, in denen Reparaturen vorgenommen werden, die Decken eingebrochen. Zwei Arbeiter und ein Führer wurden schwer verletzt. '"Alkoliosi^mu» In Mexik». Die Regierung'hat eine Kanwagne gegen den Alkohol eröffnet, deren Resultate aber bis jetzt noch sehr unbefriedigend sind, da die Mehrzahl der Bevölkerung ihren uralten Gewohnheiten treu bleibt. Kenner versichern, daß diese Frage in Mexiko eine weitaus größere Rolle spiele als in anderen Ländern. Vor einigen Jahren gab es noch 95.000 Gaststätten, in denen es alkoholische Getränke gab, während zur gleichen Zeit nur 18.500 Schulen gezählt wurden. In einem Jahr produziert Mexiko>300 Millionen Liter alkoholische Getränke, davon 185 Millionen Liter Pulque(mexikanisches Nationalgetränk, aztekisch Octli genannt, das aus der Agave bereitet wird), 70 Millionen Liter Bier und 32 Millionen Liter Branntwein. Diese enorme Menge Alkohol wird ganz im Lande konsumiert. Wenn man berechnet, daß auch heute noch auf eine Schule fünf Schenken kommen, dann kann man ermessen, welche Verwüstungen der Alkohol beim mexikanischen Volk anrichtet. Eine Expedition nach Rordwestchiua. Der deutsche Forscher Dr. Filchner ist in Nanking eingetroffen und will mit den chinesischen Stellen über eine neue Expedition nach Nordwestchina führen. Ziehung der Klassenlotterie (Unverbindli ch.) Prag. Bei der Samstag-Ziehung der 5/Klaffe der 31. Tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen:, 20.000»5 das Los Nr. 37973; 10.000 K« die Lose Nr. 34608, 38094: 5.000 Ke die Lose Nr. 74490 63002 86738 102891 4011 51885 26088 107277 52517 2061 87242 57277 90006 85502 9110 44188 99745 86912 48516 37011 87919; 2.000 K6 die Lose Nr.’ 27342 97732 48687 91406 82938 95205 2824 40078 92824 93884 26584 67949 101823 94088 57657 4422 66894 103487 74469 45489 20181 32562 100431 33465 87102 18453 72969 1578 15565 39931 43433 95000 16349 24365 106757 90976 60149 22180 40711 24251 8373 66737 60599 105069 43504 44235 70793 10390 62461 89984 48749 47206 20584 44150 54276 4914 25350 54278 91958 105256 49149 80008 105344. Sechsfacher Mörder gehängt. In der nordbulgarischen Stadt Vraca Ivürde der gefürchtete Fäuber Michajloiv gehängt, der im ganzen sechs Male zu Tode verurteilt wurde. Dies ist die dritte Hinrichtung unter dem gegenwärtigen bulgarischen Regime. Zar Boris hat gestern 8 zum Tode verurteilte Personen zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Wahrscheinliches Wetter Sonntag: Vorwiegend bedeckt, etwas wärmer, vom Südosten her allmäh?' liche Zunahme der Regenneigung. Im Nordosten der Republik zunächst noch geringere Bewölkung und vereinzelt Nachtftost. Ueberall Südostwind.—■ Wetteraussichten für Montag: Strichweise regnerisch und meist umzogen.— Luftdruckverteilung über Europa am Samstag, nachmittags um 14 Uhr: Hochdruck 775 Millimeter, Südostrußland, 771 Millimeter nordwestlich von den Azoren. Tiefdruck 740 Millimeter, Südengland, 750 Millimeter, Finnland. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen• Dienstag: Prag. Sender L.: 10.05:, 11.05: Deutscher Schulfunk, 12.10: Operettemmisik, 16.45: Jugendfunk, 17.25: Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Szenen aus Revue: Hoch klingt das Lied vom. braven Mann, 18.55: Deutsche Presse, 19.10:- Flöten-Trio, 20.15: Concert champetre für Cembalo und Orchester, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.40: Volkslieder, 15.05: Deutsche Sendung: Weinhuber:. Wer ist zur Erbfolge berechtigt?, 15.20: Liederkon^' zkrt.— Brünn 10.15'Orchesterkonzen, 15.55:',' Nachmittagskonzert, 17.45: Deutsche Sendung: So-' ziale Informationen, 17.50: Arbeiterfunk: Fritsch:! Das Bleigewicht der Traditton, 19.30: Nabdoneon- Solo.—Mährisch-Ostrau 19.30: Halbe Stunde Opern.—Preßburg 17.05: Jazzmusik, 19.10: Orchesterkonzert.— Kascha« 19.30: Orchesterkonzert. Montag: Prag. Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Schallplatten, 16.55: Kinderecke, 17.35: Tanzmusik,.18.20: Deuffche Sendung: Dr. Heller, Erziehungsrat: Die Mitarbeit der Deutschen an-em gesamtstaatl. Hilfswerk„Demokratie für das Kind", 18.85: Seidl: Vorschau auf das Musikprogrmmn der tschechoslowakischen Sender, 18.55: Deutsche Presse, 20: Kroatische Lieder, 20.40: Lustige Kompositionen, 21: Orchestmckonzert, 22.30:-Deuffche Nachrichten. Sender S.: 14.25: Chansons auf'Schallplatten, 15.10: Deuffche Sendung: Für die. Frau, 15.40: Deuffche Presse.— Brünn 12.35: Orchesterkanzert, 17.45: Deutsche Sendung: Bernhauer: Vogelzug.—- liährisch-Ostrau 11: Schallplatte», 15.55: Orchesterkonzert, 18.20: Deuffche Sendung: A r b eiter- funk: Burian: Die Abschaffung der Ueberstun- den— ein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit:— Preßburg 17.10: Mozart: Klavierkonzert. (Deutschlands Sektverbrauch verdoppelt.) Nach einer Aufftellung des Verbandes der deutschen Sektkellereien beträgt der Mehrumsatz an Sekt nach Flaschen gerechnet gegenüber dem Vorjahr im ersten Vierteljahr rund 82, ,im zweiten Vierteljahr 106, im dritten Viertel- 'jahr 120 Prozent, also im Durchschnitt 99 Prozent. Danach kann der Gesamtumsatz. 1934 mit mehr als 9 Millionen.Flaschen angenommen werden. Der Vorkriegsumsatz von 12 Millionen Fla- schen wird allerdings noch, nicht erreicht. Die Steigerung wird in erstersLinie auf den Fortfall der Schaumweinsteuer zurückgoführt. Wir wissen nicht, ob der Sektverbrauch in den! Vierjahrplan Hitlers ausgenommen wurde; wenn! ja, dany kann man im Dritten Reich wirklich auf die Erfüllung wenigstens in dieser Beziehung stolz sein.^Denn wer wollte bestreiten, daß die Steigerung des Sektverbrauches im Dritten Reich uni das Doppelte innerhalb eines knappen Jahres nicht ein Erfolg ist? Und bezeichnend für die„Volksherrschaft" der Hitler, Goering und‘ Goebbels? Die Sektgelage der SA- und SS- Führer haben, wie aus der obigen Zeitungs- notiz hervorzugehen scheint, also auch nach dem^ 30. Juni nicht aufgehört, im Gegenteil haben zugenommen, denn der Sektverbrauch im drst. ten Vierteljahr 1934 ist um 120 Prozent höher als der im dritten Vierteljahr 1933. Die Sorge Hitlers um seine darbenden Volksgenossen ist wirklich rührend, besonders wenn man bedenkt, daß er die Schaumweinsteuer aufgehoben, die Besteuerung dringender Lebensmittel aber ein- gefühtt, bzw. erhöht hat... 9b. 265 Sonntag, 11. November 1934 Seite 5 Vedenkblatt für eine Sechsjährige Zn« 11. November 1918/1934 Vor mir liegt ein Zeitung sblatt, verblaßt und verknittert. Es ist achtzehn Jahre alt—. Dies Blatt erzählt«in« Geschichte, die Geschichte der kleine» sechsjährigen Lucy Fournier. Sie handelt von einer winzigen Tragödie, die am Ende jener riesigen Tragödie stand, die vier Jahre di« Welt gepeinigt und die Erde zu einem einzigen Grabhügel gemacht hatte. Man schrieb den 11. November 1918, um die Mittagsstunde. Zu dieser Zeit standen in England für eine Minute alle Verkehrsmittel, alle Maschinen, alle Gedanken still. Der Waffenstillstand war geschlossen worden. Und man gedachte— in einer schmerzerfüllten Minute— der Millionen, die im Menschenschutt der Massengräber vermoderten... Zum ersten Mal, seit vier Jahren, war der Blick der Menschheit wieder dem Leben zugewandt... In diesem Augenblick fand die kleine, sechsjährige Luch Fournier, Kind armer Handwerker, die irgendwo in einem Dorf im ersten Etappengebiet dahinvegetierten, einen der zahllosen Blindgänger, die den Boden der Schlachtfelder damals zu einem Hexenkessel der Gefahren machten. Die Sechsjährig«, französisches Kriegskind und doch, im Himmelblau ihres kindlichen Lebens, so unendlich weit von all den Schrecken, die an ihr vorübergeglitten waren, nahm den Blindgänger auf, um mit ihm zu spielen. Sie würbe von der explodierenden Granate in tausend Fetzen zerrissen. Er ist eine unscheinbare, versteckte Meldung in drei Zeilen. In der Zeit des Schreckens hatte man verlernt, derartige Zwischenfälle an der Peripherie des großen Sterbens mehr als zu registriere»—. Wer hatte in den Tagen der Mordens am laufenden Band Zeit zu gefühlvoller Sentimentalität! Keine billigen Zeitungstränen fielen auf da» in alle Winde zerstreute Grab des atomisierten, sechsjährigen Lucy Fournier. Wenn 16 Millionen Erwachsene sterben, ist die Tragik eines ausgelöschten Kinderlebens gewiß kein Ereignis. Und doch erschüttert es uns tief— dieser sinnloseste aller Mort« an dem Tag«, an dem der Mensch ansing, wieder eia Mensch zu sei»—. Arme, kleine Lucy—! Wen wundert da»? Das sächsische volksbll- kmgsministerium hat zum erstenmal in diesem Jahr sämtliche Oberprimaner vor dem Abiturien- tenexame» einer Vorprüfung nach einer neuen psychologischen Methode unterzogen. Auf Grund der Prüfungsergebnisse erklärt der sächsische «olksbildungsminister Hartnackel, daß es„eine Fülle von Geistern selbst in den obersten Klaffen der höheren Bildungsanstalten gibt, deren Einfältigkeit und Beschränktheit«» diesem Orte schwerste Besorgnis erregt. Der Unterschied zwischen der besten Leistung und der geringsten Leistung erwie» sich al» geradezu unfaßbar groß, und zwar überwogen die Minderleistungen". Wie würde erst eine Prüfung unter »och höhere» Repräsentanten des Dritten Reiches ausfallen? Ei» chinesische» Venedig. Wen» Chinesen nach Venedig kommen, dann sind st« über den Anblick gan- verblüfft und pflegen auSzurufen:»Aber das ist ja wie in Sutschou!" In Europa kennt man höchstens den Namen dieser Stadt, aber es ist kaum bekannt, daß es«ine so erstaunliche Aehnlichleit zwischen der Stadt am Lido-Styand und dem fernen Sutschou, der Hauptstadt der Provinz Kiangsu, gibt. Auch Sutschou, das V06.000 Einwohner zählt, ist auf Pfählen erbaut und an zahlreichen Kanälen gelegen. Ja, diese alte Handelsstadt hat auch ihren Rialto und ihren Canal Grande, ihre Gondolieri und ihr« Paläste, die sich im Wasser der Kanäle spiegeln. Der Schiller in der Mustt In dem deutschen Dichter Friedrich Schiller bewundern wir vor allem den Dramatiker; den Lyriker nur in wenigen Balladen und epischen Dichtungen. Aus dieser dichterischen Wertschätzung Schiller» ergibt sich auch die Stellung, di« seine Dichtkunst in der Musik einnimmt. Seine Dramen haben di« Komponisten mehr zur Vertonung gereizt als seine kleinen lyrischen Dichtungen. Das mag seinen Grund wohl vornehmlich darin baden, daß die Gedichte Schillers nicht lyrisch genug 'm Inhalt, in der Form und in der Sprache" sind, um lyrische Musik auszuläsen. Während die Gedichte vieler Dichter ihre Musik schon sozusagen in sich tragen, sie rhythmisch durch da» Versmaß und melodisch durch ihre Form bestimmen, kommen Schillers lyrische Dichtungen dem Versmaße, der Form und dem Stimmungsinhalte nach in überwiegender Mehrheit der lyrischen Liedmusik nur wenig entgegen. Während die Bedicht« einzelner Dichter,— ich nenne hier nur den großen Lyriker Heinrich Heinr,— viele, Tutzendmale von verschiedenen Komponisten vertont wurden, haben Schillers lyrische Gedicht« nur selten einen Komponisten zur musikalischen Ausdeutung verlockt.- Am häufigsten vertont wurden unter den lyrischen Dichtungen seine Balladen; so hat Franz Schubert unter anderen die Balladen„Die Bürgschaft",„Der Taucher" und„Ritter Toggenburg" in Musik gesetzt, Robert Schumann die Ballade .Der Handschuh" und Earl L o e w e, der Großmeister der deutschen Ballade, de»„Grafen von Habsburg". Bon den kleinen lyrischen Gedichten Schiller» wurde am»leisten das Gedicht.Mädchen» große Kanal, der bei Sutschou beginnt, hat eine Gesamtlänge von 1600 Kilometern und verbindet Süd» mit Nordchina. Dieser„Canale grande" ist die Hauptstraße von Sutschou. Alle Seitenkanäle münden in ihn und führen ihm ihre Wasser zu. Di« größte und älteste Brücke, die den Kanal überquert, erinnert in eigenartiger Weise an die Rialto-Brücke. Die wandernde Felswand Die Hauptstadt Norwegens van einer Katastrophe bedroht. Bei den Behörden und in der Bevölkerung der norwegischen Hauptstadt herrscht große Aufregung, seitdem eine von der Regierung eingesetzte geologische Kommission festgestellt hat, daß die große Felswand, die die Stadt Oslo beherrscht, in Bewegung geraten ist und einzustürzen droht. Es würde sich um 60.000 Kubikmeter Felsgestein- und Erdmassen handeln, die Wer Oslo zusammenstürzen, wenn eines Tages di« gewaltige Katastrophe wirklich eintreten würde. Augenblicklich soll die Bewegung, ,mit der sich die riesige Felswand vorschiebt, noch verhältnismäßig gering sein. Das Gefährliche ist aber in jedem Fall nicht die Geschwindigkeit, mit der sich diese Bewegung vollzieht, sondern deren Beständigkeit, die zweifelsfrei nachgewiesen ist. Klage" vertont; von Franz Schubert, von Felix Mendelssohn-Bartholdy und von Joh. Fr. Reichard t. Interessant ist bei diesen Ber- tonungen, daß geväde Schubert, der Meister de» dramatischen Liedes, diese» Poem Schiller» durchaus lyrisch-volkstümlich aufgefaßt und es al» Melodisch gestütztes Strophenlied komponiert hat, während e» der sonst ausgesprochen lyrisch empfindende Mendelssohn als durchkomponiertes und dramatisch wirkendes Lied komponiert«. Di« meisten Gedichte Schiller» hat natürlich Franz Schubert, der große Liederfürst, in Musik gesetzt, dem alle Texte zu Musik wurden, die in sein« Hände gerieten. Drei- undzwanzig Schubert-Lieder auf Gedichte Schillers kennen wir. Neben der bereit» erwähnten Vertonung des Gedichtes„Mädchens Klage" sind hier vor allem di« Schiller-Lieder„Gruppe au» dem Tartarus". „Sehnsucht",„Emma",„Dithyrambe",.Der Jüngling am Bach",„Thekla" und„Erwartung" zu nennen.Vier Gedichte Schiller» hat Schubert sogar zweimal vertont. Auch Robert Schumann, der große Liedlhriker dec romantischen Musikepoche, hat Schillersche Gedichte in Musik zu fetzen versucht. Außer der früher erwähnten Ballade„Der Handschuh" sind die beiden volk»liedmäßigen Schiller- Lieder„DeS Sennen Abschied" und„Des Buben Schützenlied" zu erwähnen. Unter den größeren Tonschöpfungen, zu denen Schillersche Dichtungen die Textvorlage abgäben,>. sind am bekanntesten: Der geniale, unsterbliche Hvmnu» „An di« Freude", den Beethovenan den Schluß seiner NeuntenSymphonie stellte, Johanne» Brahm»' Chorwerk„Nänie", Andrea» Romberg» kantatenartige» Tongebilde.Das Lied von der Glocke" und Franz Liszt» symphoai- Die Verantwortlichen Behörden haben sich jedenfalls veranlaßt gesehen, Borkehren zu treffen. Die Maßnahmen zielen hauptsächlich darauf hin, die bedrohten Stadtviertel so rasch wie möglich zu räumen, wenn die Gefahr in den nächsten Tagen akut werden sollte. Gleichzeitig ist bereits Borsorge getroffen Worden, die evakuierte Bevölkerung anderwärts unterbringen zu können. Es ist nicht das erste Mal, daß Norwegen durch solche Naturkatastrophen, hervorgerufen durch geologische Verschiebungen, bedroht wird. Man erinnert sich bei dieser Gelegenheit an die entsetzliche Katastrophe, die vor einigen Fahren das Gebiet von Aalesund heimgesucht hat, der zwei blühende Ortschaften zum Opfer fielen. Auch diese Orte sind von einem Bergsturz gefährdet gewesen. Seltsamerweise erfolgte dann das Unglück auf ganz andere Art, als es vorausgesagt worden war. Der Berg stürzte zwar ein, aber nicht auf die beiden Dörfer, sondern ins Meer, und die beiden Ortschaften sind dann indirekt durch die Fluten des gestiegenen, entfesselten Meeres zerstört worden. GEDENKET bei«Men Anlassen der Arbeiterfürsorge! sche Dichtung„Die Ideale". Der durch Beethoven» Neunte Symphonie unsterblich gewordene Hymnu» Schillers„An die Freude" Gourde übrigens auch von Franz Schubert als Sololied vertont. Bon den dramatischen Dichtungen Schillerwürde das„T e l l"» D r a m a am meisten musikdramatisch behandelt; durch Giac. Rossiniinder bekannten Oper„Wilhelm Tell" und durch Carl Reinecke, der eine stimmungsvolle Bühnenmusik zu diesem Drama komponierte. Auch die.Braut von Messina" wurde von verschiedener Seite musikalisch behandelt: durch den tschechischen Komponisten Zdenko F i b r ch, der eine gleichnamige Oper schrieb, und durch Rädert Schumann, der eine Orchester-Ouvertüre zur„Braut von Messina" komponierte. Die meisten Dramen Schillers Hai Giuseppe Verdi, der große italienische Meister der Oper, in Musik gesetzt; di«„Räuber", di« „Jungfrau von Orleans",.Kabale und Liebe", den„FleSco" und den„Don Carlos". Auch den italienischen Opernkomponisten Giac. P u c c i n i hat ein SchillerscheS Drama zur mufikdramatischen Behandlung vevanlaßt; das chinesische Märchendrama„T u r a n d o t", das seine letzte Opernschöpfung wurde. Die hier aufgeführten Vertonungen Schillerscher Gedichte und Dramen bilden keine erschöpfende Zusammenstellung. Denn ich habe nur die bedeutend- sien und von hervorragenden Musikern bewirkten Verwnungen genannt. Eine große Anzahl weniger bekannter und von minder bedeutenden Komponisten bewirkter Vertonungen Schillerscher Gedichte habe ich unerwähnt gelassen, weil die große OeffentliWeit kaum Interesse dafür hat. Edwin Jauetschek. Kampf um„Botostroj" Ett« interessanter Prozeß vor de« Prager Pressegericht— Dakas Erde» klage« Autor und Verleger eines augebliche« Schlüsselromans Prag. Wir haben bereits über die Ehrenbelei- digungsklage berichtet, die die Firma Bata in Zli», vertreten durch die Gattin de» verstorbenen Gründer» des Riesenunternehmens. Frau MarieBaka, und sein Bruder Ja» Bata gegen Auwr und Verleger des Romanes„Botostroj" eingrbracht haben. Der Roman erschien 1932 im Verlag „Sfinx" und erregte großes Aussehen. Der Autor Svatopluk T u r e k, der sich hinter dem Pseudonym „I. Svatopluk" verbarg, war durch lange Jahre al» Maler in der Propagandaabteilung der Bakawerke tätig gewesen. .Botostroj" bedeutet(in Anlehnung an die sowjetrussische Terminologie) eine Riesenfabrik zur Schuherzeugung, einen ungeheueren industriellen Organismus, regiert von einer unheimlich starken und unerbittlich brutalen Persönlichkest, einer Diktatorennatur, dem menschliche Regungen nicht nur ftemd, sondern geradezu verhaßt und verächtlich sind. Dieser ,C h e f"— so wird die Hauptfigur de» Romans stets genannt— ist besessen von seinem Werk. Er führt in seinen Betrieben die ungeheuerlichste und grausamste Rationalisierung durch, die man sich denken kann. Menschen zählen die« semDiktockor nicht». Seine fixe Idee heißt:„Steige- rung der Leistung". Wehe dem. der in der Leistung Nachlätztt Dieser,, Chef" zertrümmert auch eigenhändig mit einem Hammer eine teuere Waschin«, deren Leistung ihn enttäuscht. Ein einzigeSmal überkommt den„Chef" sekundenlang eine menschliche„Schwäche". Er diktiert einmal seiner Sekretärin, einem schönen jungen Mädchen, daS ihn heimlich vergöttert. ES ist ein wunderschöner Frühlingstag. Und wie die Sonne auf da» feine, lichte Haar der Sekretärin scheint, steigt in dem„Chef" aus unbewußten Tiefen das Verlangen nach Schönheit, Liebe und Wärm« auf. Er tritt aus das Mädchen zu, das Diktat stockt, sie stehen sich Auge in Auge, sein Gesicht nähert sich dem ihrigen. Sie erwartet ihn zitternd, hingebungsbereit. Aber diese menschliche Aufwallung dauert bei ihm nur sekundenlang. Er findet sofort die für ihn einzig mögliche Lösung:„Sie sind entlassen! Gehe» Sie ins Personalreferat und lasse» Sie sich 20.00 0 XLAbfertigung auszahle n!" Vernichtet verläßt die Zurückgestoßene da-Zimmer. Ehe sie aber noch ins Personalreferat gelangt, hat dir„Chef" sich schon soweit wiedergefunden, daß er dem Personalreferenten telephonisch den Befehl erteilt: „Richt L 0.0 0 0 K« Abfertigung,— 10.0 0 0 sind genu gl" Ms weitere Personen treten in dem Roman neben der Gattin de»„Chefs"— einer hilflos verschüchterten Frau, seine zweiteSöhne auf. Der ältere ist daS Ebenbild des Vater», ebenso hart und brutal; aber ohne dessen über« oder unmenschliche Größe. Der jüngere Sohn wird als empfindsame und weiche Natur geschildert. Dieser Jüngere, dessen Weiche Art seinem Vater aufs tiefste verhaßt ist, wird von seinen geliebten Büchern weg in die Werkstatt gejagt. Als Schusterlehrling mutz er eine harte Schule durchmachen. SeineLehrmeister sind für die geringste Vergünstigung, die sie dem Chef« sohn etwa gewähren, mit soforttger Entlassung bedroht. Ständig gehetzt vom Schreckbild des tyrannischen Vaters, von dem er nie auch nur einen Funken Liebe empfängt, beißt sich der Sohn durch die harte Lehrzeit und sein Vater erlebt den Triumph» den „Schwächling" vollkommen unter seinen Willen gezwungen zu haben. Aber der Groll und Hatz gegen diesen Vater macht sich eines Tage» elementar Lust. In den Betrieben gärt es und eines Tages tritt die versklavte Arbeiterschaft in den Streik. Und der Chefsohn, der inzwischen Direktor geworden ist, springt auf die Rednertribüne und hält eine flammende Anflagerede gegen die väterlichen Ausbeutungsmethoden. Nach ihm aber erscheinen sein Vater und sein älterer Bruder al» Gegenredner-und der .^Schwächling" unterliegt ihren höhnischen und ver» achilichenAngriffen. Von allen vesstohen und perleug» jirfi geht' cLintt seinem Mädel, dje als. einige M, ihm hält, in die Welt und einer unsicheren Zukunst entgegen. Die Klage behauptet, e» handle sich um einen Schlüsselroman. Die Schilderung des Betriebes, wie auch die ganze Aufmachung des Buches rufe im Leser den Eindruck hervor, daß dieBakawerke gemeint seien, wenn auch die familiären Einzelheiten ganz und gar nicht zutreffen. Die Figur des„älteren Bruders" sei so geschildert, daß der Leser hiebei Anspielungen auf Jan Bata, dem Bruder Thoma» Bata», finden könne. Ferner wird in gewissen derben und realistischen Einzelheiten eine Herochsetzung de» Andenken» Tomas Bala» erblickt und im allgemeinen natürlich ein beleidigender und schädigender Angriff, auf die Firma Baka behauptet. Deshalb erwirste auch die Firma seinerzeit ein vorläuftgeS Verbiet- tungSverbot des Buches. Die Geflagten bestreiten diese Darstellung der Klage und erklären,«S handle sich um eine steie Schöpfung künstlerischer Phantasie,«in literarische» Werk, da» sich mit dem schwerwiegenden sozialen Problem der Rationalisierung beschäftige. Die Annahme, daß die Bakawerke gemeint waren, sei willkürlich. Ueber den literarischen Wert de» BucheS haben sich sachverständige Kritiker sehr lobend ausgesprochen. BeideParteien stellten bei der gestern fortgesetzten Verhandlung, bei der zahlreiche» Schristpn- material verlesen wurde, eine Reihe von Äewei»- anträgen, worauf der Fall' vertagt wurde, rb. Wundersrüfte im Wasser! Kostbare Geschenke der Natur find die Quali- tätSmineralwäffer. Besonder»„Mattoni'S Gieß» hübler" enthält in natürlicher Bindung große Mengen von freier und gebundener Kohlensäure, Kieselsäure, Natrium, Magnesium und Kalium. Seine Wirkung erstreckt sich nicht bloß auf ein er- kranste» Organ, sondern beeinflußt in günstiger Weise den gesamten Organismus. 2749 WWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWMWWVWW Volkswirtschaft und Sozialpolitik Günstigere Bilanz der Staatsbahnen im August Die allgemeine Sttuation der Staatsbahnen äußerte sich im August in einer Mehreinnahme aus dem Gütertransport, welche nicht nur den Ausfall heim Personentransport überstieg, sondern auch dazu beitrug, daß die Einnahmen gegenüber dem Vorjahre wesentlich höhere sind. Die Gesamteinnahmen betrugen 287,1 Millionen Kronen, die Ausgaben 262,4 Millionen Kronen, so daß die Einnahmen die Ausgaben um 34,7 Millionen Kronen überstiegen. Die Einnahmen aus der Personenbeförderung betrugen im heurigen August 71,8 Millionen, das ist um 8,7 Millionen weniger als im Borjahr(minus 10,86 Prozent), die Einnahmen aus dem Gütertransport betrugen 179,6 Millionen, das ist um 22,9 Millionen mehr als im August 1933(plus 14,63 Prozent). Die übrigen Einnahmen zusammen mit dem Anteil an der Transportsteuer machten 36,2 Millionen(minus 0,84 Prozent) aus. Die Betriebsausgaben ohne die monatliche Abschreibungsquote betrugen 262,4 Millionen und waren um 6,4 Millionen(2,49 Prozent) kleiner als im Vorjahre. Die Personalausgaben sanken um 6,1 Millionen(3,52 Prozent), die Sachaus» gaben um 0,3 Millionen(1,81 Prozent). In der Zeit von Anfang Jänner bis Ende August dieses Jahres betrugen die gesamten Betriebseinnahmen 1963,1 Millionen(um 33,1 Millionen oder 1,71 Prozent mehr als im Vorjahr), die Gesamtausgaben ohne Abschreibungsquote 2114,8 Millionen(um 125,7 Millionen oder 5,61 Prozent weniger als im Vorjahr). Japanische Planwirtschaft Während über die planwirtschastlichen Versuche des amerikanischen Präsidenten Roosevelt sehr viel geschrieben wird, ist es weniger bekannt, daß es auch in Japan sehr ernste Ansätze zur Planwirtschaft gktt. Auf dieser planmäßigen Organisation der Jndustriewirsschast und ihres Exportes beruht wenigstens zum Teil die Ausdehnung des japanischen Exportes in den letzten Jahren. Nicht nur die billigen Löhne der japanischen Arbeiter, sondern auch die planmäßige Organisation des Exportes sind es, welche den wirtschaftlichen Aufschwung Japans in den letzten Jahren möglich gemacht haben. Die japanische Planwirsschast ist schon einige Jahre alt. Bereits 1925 wurde"., wie wir der „Hospodakskä Politika" entnehmen, durch ein Gesetz die Ausfuhr-Industrie organisiert. Im April 1931 wurden durch ein neues Gesetz diese Judu- strieverbände auf fast die ganze Industrie ausgedehnt. Die Jndustrieverbände zerfallen in zwei Abteilungen, wovon die erstere die Prüfung der Produktion(der Roh- und Hilfsstoffe und des ganzen Produktionsprozesse») und die Festsetzung der Preise betrifft, während auf dem zweiten Gebiet die fleinen Industrien zusammengefaßt werden. Die Regierung zahlt diesen Jndustrieverbän« den Subvenfionen und stellt ihnen niedrig verzinsliches Kapital zur Verfügung. Jmen Banken, die die Geldgeber sind, wird der Unterschied im Zinsfuß durch den Staat vergütet. Im Jahre 1938 wurden zu diesem Zwecke 12.000 Millionen Den bereügestellt. Zwischen 1925 und 1934 wurden 402 derartige Jndustrieverbände gegründet, welche 56 verschiedene Waren verkauften. Außerdem gibt es verschiedene Exportorganisationen. Bis Ende Mai 1934 gab es 49 Exportvereinigungen mit 4405 Mitgliedern. Ihre Aufgabe besteht darin, die Ausfuhr zu fördern, sie haben eigene Vertreter im Ausland und widmen der Qualität der Ware ihr besonderes Augenmerk. Auch die Exportorganisationen haben besonder« Kredit- und Steuererleichterungen. Diese japanische Exportorganisation ist außerordentlich bemerkenswert und zweifellos den europäischen Industrien im Export überlegen. Triest gegen Gdi»ge». Die polnischen Blätter erklären, daß der Triester Hafen einen Kampf gegen Gdingen beabsichttge uud in der Tschechoflowakei, in Oesterreich und den Balkanstaaten eine erhöhte Aktivität zum Schaden von Gdingen enffalte. Man erklärte in Italien, daß Triest sich als Transithafen erst nach Ueberwindung der Konkurrenz von Gdingen entfalten könne. In Polen wird angenommen, daß Triest dies Ziel durch Senkung der Hafen- und TranSportgebühreu zu erreiche» suche. Seite 8 „Sozialdemokrat" Sonntag, 11. November 1934. Nr. 265 I PBAGEB ZKITIJMfi Bon der Deutschen technischen Hochschule in -Prag. Das feierliche Gelöbnis der im heurigen Studienjahre neu immatrikulierten Hörer und Hörerinnen findet Mittwoch, den 28. November 1934, um 12 Uhr im Hörsaale XX der Deutschen technischen Hochschule in Prag l., Husgasse 5, statt. Vorträge Liebe und Lieblosigkeit Die Jndividualpsychologin Sophie Lazarsseld in Prag. ■ In der„Urania" sprach am Freitag abends die bekannte Wiener Jndividualpsychologin Sophie Lazarsseld über„Liebe und Lieblosigkeit". . Das Thema, immer wieder abgetvandelt, analysiert und doch unausgeschöpft, stand an diesem Abend unter dem Brennspiegel betont subjektiver, aber doch erfreulich unmanirierter Betrachtung. ■ Sophie Lazarsseld ist eine gewandte und bildhafte Sprecherin, sie lockert die strenge wiffenschast- liche Form, treibt kluge Konversation und biegt gleichsam ins Feuilletonistische über. Der Kontakt mit dem Publikum ist so bald hergestellt. Frau Lazarsseld gelangen wertvolle, fruchtbare Formulierungen. So jene Definition von der lieblosen Mutter, deren Lieblosigkeit sich in übertriebener Liebe manifestiert. Sodann eine geistreiche Deutung der Eifersucht. Sie ist nach der Rednerin kein Attribut der Liebe, sondern ein Attribut der Herrschsucht. Interessante Vergleiche zog Frau Lazarsseld zwischen Don Juan und Casanova. Don Juan, der typische Liebhaber des landläufigen Cliches, zählte ihrer Ansicht nach zu den Menschen, die an ihren Liebeswert nicht glauben und so zu immer neuen Beweisen ihrer Eroberungskraft gehetzt werden.„Don Juan", resümierte sie in diesem Teil ihrer Darlegungen,„war ein liebloser Mensch, Casanova viel eher der gefühlsechte Liebhaber." Was ist Liebe? Eine Angelegenheit,„die einen ganz vernünftigen Zustand ausschließt." Liebe ist „innere Illumination". Manches Streiflicht fiel auf die mehr oder weniger neurotischen Abweichungen, die sich aus dem Berliebtsein entwickeln. Da gibt es jene ost erlebten Frauen, deren verschwärmtes Ideal regelmäßig durch die männliche Praxis enttäuschst wird. Diese Enttäuschung kommt aus Ueberkompensation, aus eigener Unsicherheit. Nietzsche:„Am Ideal erkennt man den, der es braucht." Ein weiterer Spezialfall: Die Furcht vor der Liebe, die Angst vor der Bewährung. These: Liebevolle Söhne sind ost schlechte Ehemänner. Endlich jener Frauentyp, der an sich nicht mehr glaubt und einen werbenden Mann mit der Begründung fortstößt:„Was kann an dem schon dran sein, wenn er mich liebt—1" Zum Schlüsse analysierte die Rednerin Ibsen. Sein Werk, so sagte sie, war ein Fluch aus die vitalen Beziehungen«,Hey.Menschen...eine,neurotische. Angst vor dem Gefühl. Erst im Abschiedswerk „Wenn wir Toten erwachen" kam die Umkehr. Zwei Dinge blieben einigermaßen rätselhast: die von der Frau Lazarsseld festgestellte Wechselbeziehung von Magenstörungen einerseits, und Geiz, bzw. Verschwendungssucht andererseits, sowie ein(nicht von der Rednerin ausgesprochenes) Verbot, über den Vortrag zu diskutieren. P—re. Bollsein, Zwerchfellhochstand, Darmfäulnis, Diagensäureüberschuß, Leberanschoppung, Gallen- stockung werden durch das natürliche„Franz-Josef"- Bitterwasser sicher behoben und Kongestionen nach dem Gehirn, den Augen, den Lungen oder dem Herzen rasch vermindert. Aerztlich bestens empfohlen. »na Wisse» Arbeitervorstellmrg„Zwei Witwen", komische Oper von Smetana, am Sonntag, den 18. November, uni halb 3 Uhr nachmittag im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8—4, 2—6 bei Optiker Deutsch, Gräben, Koruna. Deutsche Mustkakademie. Interner Abend, Dienstag, den 13. November, um 20 Uhr im Saale des Lyzeums, Prag II-., Charvätovä 5. Werke von Händel, Beethoven, Schubert, Mendelssohn usw. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters. Sonntag, 21/2 Uhr nachmittags: Nach t vor d em Ultimo: 71/2 Uhr abends: Giuditta, Erstaufführung, A 1..— Montag 7%: Spiel vom Leben und Sterben des Bauern, Gastspiel Multerer.— Dienstag 7%: LaTraviata, A 2.— Mittwoch 7:PeerGynt, BI.— Donnerstag 7Vi: DonCarlos, CI.— Freitag 7)4: G i u d i t t a. D 1.— Samstag 7%: Rächt vor d ernUltimo, C 2. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab. 1984 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Goaial&emofrat" Verwaltung Prag XU,, Fochova tr. 62, zum Preise von 16 Xe monatlich, und sende diese« Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:.......•.» Letzte Post:.... Unterschrift: Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3: Sensationsprozeß; 8: Das lebenslängliche Kind, Gastspiel Kramer. — Montag 8: T r o tz undTobby, Bankbeamten und steier Verkauf.'—■ Dienstag 7%: Fremdenverkehr, Erstaufführung.— Mittwoch 8%: Hochklingt dasLiedvombravenMann. — Donnerstag 8: Fremdenverkehr.— Freitag 8: Fremdenverkehr. Kulturber- bandssteunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Hoch klingt das Lied vom braven Mann. »er Film Du bist für mich die Schönste Ein Film aus England,—• aber nicht etwa der „Mann von Aran", der„unsichtbare Mensch" oder das„Haus Rothschild", sondern ein Sing- und Liebesspiel nach altem Muster. Die beiden deutschen Emigranten Fritz Schulz und Robert Stolz, deren einer das Manuskript und deren anderer die Musik lieferte, haben sich ihre Sache nicht schwer ge- macht. Der Autor Schulz erinnerte sich an alte Berliner Filmschwänke, der Komponist Stolz an seine erfolgreichen Berliner Schlagermelodien,— und so woben sie aus gemeinsamen Erinnerungen einen funkelnagelneuen Film, in dem ein Revuekomponist eine Sqngerin liebt, die versehentlich eifersüchtig ist, weil sie die Schwester des Komponisten für seine Geliebte hält und die auch dem Komponisten Anstoß zu Zweifeln gibt, weil sie ihn im Auftrag eines dicken Theaterdirektors zu einem Walzer inspirieren soll. Der Walzer heißt„Two hearts beat in waltzingtime", zu deutsch: Zwei Herzen im Dreivierteltakt. Und was„Auch du wirft mich einmal betrügen" auf englisch heißt, kann der aufmerksame Zuhörer ebenfalls erfahren. Das Ganze(von Carmine Gallone mit Routine inszeniert) ist harmlos, kindlich, mit ein paar netten musikalischen Scherzen, mit ein paar lächerlich kitschigen Revueszenen— und mit ein paar unerheblichen Darstellern. Das Liebespaar besteht aus Charles Brisson, der so etwas wie ein englischer Kiepura(aber mit weniger Stimme), und aus Francis D a y, die so etwas wie eine englische Liane Haid(aber mit mehr Talent) ist.—eis— Sport• Spiel• Körperpflege Leibesübungen der alteren Frauen Das menschliche Leben ist einer dauernden Veränderung unterworfen. Es zerfällt in vier wichtige Abschnitte.: 1. das Kindesalter; 2. die Zeit der Reife; 3. die Zeit der Vollkraft; 4. die Wechseljahre. Während im Kindes- und Reifeabschnitt das Betreiben von Leibesübungen als notwendig anerkannt und auch durchg^Mrt wird, ist es iy den Abschnitten der Vollkraft und Wechseljahre wohl anerkannt, aber noch nicht in dem Maße durchgeführt, wie es wohl notwendig wäre. Hier Aufklärung zu schaffe», sollen diese Zeilen dienen. Eine Auwrität auf dem Gebiet der Leibesübungen, Prof. Müller, schreibt in einem seiner Werke:„Leben ist Bewegung und muß bei mangelnder Bewegung verkümmern. Bewegung ist die natürliche Ausdrucksform der Lebenskraft,.Sie gleichbedeutend mit der Beseelung der reinen Körperlichkeit und bei Menschen letzten Endes Voraussetzung einer höheren Vergeistigung ist. Diese und die von ihr geschaffene Zivilisation und Kultur müssen zugrunde gehen, wenn der lebenskräftige Körper, der beseelte Leib lebensuntüchtig wird." Es ist meistens so, daß der menschliche Körper in der Zeit der Vollkraft und Wechseljahre an Fülle zunimmt, demnach erschlaffen. auch Sehnen und Muskeln, Bewegung wird zur Qual. Das Ende ist dann seelische Depression^ körperliches Unbehagen, Unlust zur Betätigung. Hinzu kommt die heutige Wirtschaftskrise mit all ihren üblen Begleiterschei- nungen, die an die Arbeiterfrau und Mutter die allergrößten Anforderungen stellt. Wie schrecklich wirkt sich all dieses auf das Familienleben aus. Unserm Nachwuchs soll die Mutter eine lebenslustige Spielgefährtin, dem Mann, der müde und abgespannt vom Kampf ums täglich Brot ins Haus kommt und ein sonniges Familienglück braucht, eine liebe Helferin sein. Beiden kann sie nur wenig bieten. Und doch ist es so einfach, hier einen Wandel eintreten zu lassen; denn gerade im Frauenalter können und sollen Leibesübungen einen Ausgleich schaffen. Ein Frauenkörper bedarf selbstverständlich anderer Leibesübungen als der Körper einer Jugendlichen. Was für unsere Jugend gut und werwoll ist. wird den Frauen unbedingt Schaden bringen. Die Körpererziehung für Frauen umfaßt heute vier Arbeitsweisen: Schwimmen, Turnen, Sport und Gymnastik. Schwimmen kann, wenn der Kampfgeist ausgeschaltet wird, bis ins hohe Alter betrieben werden. Das Turnen hat deutlich den Stempel jener Zeit bewahrt, in der es entstand', die Vollbringung von Kraft und Mutleistungen an Geräten, die zur Gewandtheit und Geschicklichkeit erziehe« sollen. Der Sport, eine jüngere Art der Leibesübungen, bezweckt die ungehemmte Enffaltung der Einzelkraft nach den rationellsten Methoden. Zwar kann sich die Tüchtige durch die freie Konkurenz voll und ganz in ihren Leistungen auswirken, die Schwache wird aber unbarmherzig in den Hintergrund gedrängt. Natürlich wird bei der Leistung nicht der Körper übersehen, aber er kommt erst in zweiter Linie, gilt als Diener, als Leistungsmaterial. Wir sind uns im klaren darüber, daß die Leistung ein erzieherisch unentbehrlicher Wert ist, ohne den das Leben in der Gesellschaft und die Gesellschaft selbst unmöglich wäre. Aber diesem Wert steht ein anderer gegenüber, der im Menschen selbst und für die Körpererziehung in seinen aufbauenden und lebendigen Kräften begründet ist. Ihr wendet die Gymnastik ihre Aufmerk- samkeft zu. Die Gymnastik geht aus vom Men- 10 Pronzrnt T-ndcrNachlatz am»lese SMeUt! Anerkannt allerbeste Bezugsauelle! Billige Bettfedern in nur erstklassige« Qualität««. I Kg. neuer grauer Halbschlein Ke 12.— u. 15.—. balbwcitze flaumige Kc 18.— u. 20.—> weine geschlissene flaumige Ke 25.—, 30.— u. 35.—, bessere Kc 40.— u. 50.—, feiner Weitzer Serr- schaftsschleitz Kc 60.— u. 70.—, feinster schneeweißer Halbflaum Kc 80.—, Daunen Weitz Ke 80.— u. 110.—, allerfeiust Ke 120.—, Rupffedern ungeschl., Weitz Kc 18.— u. 26.—> Landruvf fein Ke 36.—, silaumrupf Ke 45.—. gertiae g rotze Tuchente aus prima Jule«, gut gefüllt Ke 60.—, 80.—, 120.—, 140.—, 160.— und 220.—. Kopspolftrr Kc 20.—, 23.—, 26.—, 35.—, 40.—, 50.— und 65.— gegen Nachnahme. Nichtvassendes umgetauscht oder Geld zurück, daher kein Risiko. Ausführliche Preisliste über alle Bettware« sowie Muster kostenlos. Führendes Bettfedern-Sratzhans Mlls Mit^Böhv^rwald .2756 schen, wie ihn die Natur schiff oder die heutigen Arbeitsmethoden und Zivilisation ihn verbildeten und sucht durch Arbeit am Körper aus ihm etwas zu formen, was auf Grund seiner Anlagen möglich ist. Sie eignet sich in höherem Maße für ältere Frauen, als Sport und Turnen eS vermögen, wo doch jede eine, gewisse Normalleistung oder Veranlagung mitbringen muß. ES gibt eine größere Anzahl von Gymnastiksystemen, auf deren besondere Eigenart nicht eingegangen werden soll, eins aber grundsätzlich festlegt: Die Gymnastik im Arbeiter- Turn- und Sportverband(Atus) arbeitet nicht nach bestimmten Systemen, auch keinerlei Uebungskün- stelei kommt in Frage, sondern das Beste ist gerade gut genug für uns. Unsere Grundaufgaben find Körperformung und Naturerweckung. Dementspre- chend richtet sich die Arbeit am Körper auf Spännen und Enffpannen der Muskeln, ferner auf die Erweckung der Naturkräfte, wie Schwere, Gleichgewicht, Bewegungsfreiheit und besonders auf die inneren Vorgänge wie Blutkreislauf, Stoffwechsel, Atmung und Nerven. Auch Tanz und Spiel wird eifrig gepflegt. Freilich kommt keine artistische Leistung in Betracht. Tanz soll nicht nur als Kunst gepflegt werden, die nur wenigen erreichbar ist. Spiel und Tanz wird in ihrer ganzen Stufenleiter erfaßt, von der primitiven Formung des Kindes bis zur reiferen Gestaltung der Erwachsenen. Die Urkräfte, Gestaltung, Erlebnis und Phantasie sind im reichem Maße in den Spielen, Singspielen und Volkstänzen enthalten. Viel zu wenig werden Spiel und Tanz als Aeuße- rung des Erlebens anerkannt und für die Erhaltung der schöpferischen Gestaltung ausgewertet. Also hinein Ihr Frauen und Mütter in die Vereine des Arbeiter-Turn- und Sportperbandes(Atus), nur dort könnt Ihr unter Gleichgesinnten Leibesübungen betreiben, zum Besten Eurer selbst. Eurer Familie . und des arbeitenden Volkes. Mitteilungen Ser»Urania« Wochenprogramm Montag, 149 ttftr:„Die Erde dürstet." Unvergeßlicher Russentonfilm. Beiprogramm:„Das Land Nachtscho, Techetschenei", interessanter ethnographischer Film. Dienstag, 8 Uhr: KonzertZemlinskh— Ne s sh-Bäche r. Programm: Zemlinsky(Uraufführung), Mahler, Schönberg, Förster. Karten: Urania, Wehler, Andre. Mittwoch, 8 Uhr: Th. Th. Heine spricht über die Karikatur(mit Lichtbildern). Donnerstag, 8 Uhr: Wanderbund Kosmos. Freitag, 8 Uhr: Ludwig Winder-Abend. Mitwirkend: Ludwig Minder, Oskar Baum, Fer- oinand Demi, Hilde Maria Kraus, Fritz Valk. Samstag, 3 Uhr: Ausstellung des Urania- Radiobundes. Masaryk-Bolk»hochsch«le Montag, 6 Uhr: Moderne Gesellschaftsformen. Caroline Schönau. Montag, 8 Uhr:„Beethoven und wir." Ministerialrat a. D. Prof. L. Kestenberg. 33 Variafionen über einen Walzer von Diabelli, Opus 120. Als Brücke zum Verständnis der letzten Schaffensperiode des Meisters. Ein in sich abgeschlossener Abend, Montag, 8 Uhr:„Die Farbe in der Natur." Univ.-Prof. Dr. I. Gicklhorn. Im Rahmen des Kurses:„Einfache biologische Versuche mit einfachen Mitteln." Dienstag, 6 Uhr: Strick- und Häkelkurs. Dienstag, 8 Uhr:„Experimentaldor- tragüberGedächtnisausbildung." Dr. B. Fürst. Der Vortragende, der auf diesem Spe- zialgebiet internafionalen Ruf besitzt und. dessen eigene Experimente bisher unerreicht find, wird beweisen, bis zu welchem Grad die Leistungen des Gedächtnisses gesteigert werden können. Karten 3 XL. Dienstag, 8 Uhr: Erziehungsberatung. Jndividualpsychologe Paul F i s ch l. „Erziehunss- und Propasanda mittel der Gegenwart" Ein kulturpolitischer Kursus des BezirksbildungS- ansschnffes der DSAP in Prag. Der Bildungsausschuß der BezirksorganisationM Prag veranstaltet, anknüpsend an den im Frühjahr j absolvierten Kurs.Kulturfragen des So- I zialismus" in den Monaten' November und I Dezember einen aus sechs Vorträ gen.mit an- j schließender Diskussion bestehenden Zyklus Erziehnngs- und Propagandamittel der Gegenwart. j Der Bildungsausschuß glaubt mit diesem Thema 1 ein Gebiet erfaßt zu haben, dem man in unserer I Zeit größte Beachtung widmen muß und das für j den denkenden Sozialisten eines der interessantesten M und wichtigsten Arbeitsgebiete darstellt. Die Erfolgt ,.o des Fascismus find zum großen Teile seiner syste- i malischen Arbeit auf dem propagandistischen und de« Felde der Erziehung zuzuschreiben. Der Vortrags- j zyklus, der die Hauvtprobleme der gei- 1 stigen Machtpolitik in den Vordergrund der 1 Betrachtung rückt, wird dem politisch wie dem kul- I turell interessierten Genossen Belehrung und Anregung bringen. Der Zhflus enthält folgenve Vor-/ träge: 1. Die Schule als Grundläge der Volkserziehung I (Professor Paul Fürstenau. Reichenberg) 2. Das gedruckte Wort(Josef Hofbauer) 3. Die Bedeutung der Musik im Völkerleben H (Min.-Rat Prof. Kestenberg) 4. Großmacht Rundfunk(L. Goldschmidt) 5. Der Rassenwahn(Dr. E. Franzel) 6. Die Frau und die Politik(Dr. Karla Schwelb) i Der erste Vortrag findet Donnerstag, den 18., j November, statt, die weiteren am 22. und 30. Na- j vember und am 6., 13. und 26. Dezember, mit Aus- 1 nähme des dritten Vortrages also jeweils Donners-s 1 tag und ebenfalls mit Ausnahme del dritten, der in ff der Urania stattfinden wird, immer im Partei«.1 heim. Närodui tr. 4. Regiebeitrag für den ganzen Kurs(bei Beginn j zu erlegen) 10 Kc, für den einzelnen Vortrag 3 sic. Anmeldungen(auch von Nichtmitgliedern der Partei) sind zu richten an L. Goldschmidt,'! Redaktion des„Sozialdemokrat", Prag XII, Fo-! chovä 62. Ich melde mich hiermit als Teilnehmer(in) zu de« Kurs des BezftksbildungsausschuffeS(alle 6 Bor- 4 träge) zu folgenden Einzelvorträgen des Kurse?, ff Unterschrift und Adresse: Aos der Partei f Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker Montag, den 12. November, um 20 Uhr, Narodni ti. 4, Arbeitsabend:„Hochschulpolitischk j Fragen." Referat, Tatsachen, Denkschrift.—' 1 Montag, den 19. November, 20 Uhr:„Ratio- j nale und internationale Politik vo» heute." Filme in Prager Lichtspielhäusern bis inklusive Donnerstag, den 15. November 1934> Adria:„Mutter Kracmerka"(Tsch.)— Alfa: „H e j R u p!" Voskovec und Werich.(Tsch.)— Avion:„Du bist für mich die schönste."(E.)—' Beränek:„Maskerade."(D.)— Fenix:„Mutter Kraömerka."(Tsch.) Seinem«, B.-Th.: Journale, Groteske, Reportage.%2—J48.— Koruna:„Der geheimnisvolle Doppelgänger."(A.)— Kotvar ..Don Juans letzte Liebe."(E.)— Lurerna:„Da" Juans letzte Liebe."(E.) Olympie:„Mädch en i" Uniform."(D)— Praha:„Der geheimnis« bolle Doppelgänger."(A.)— Radio:„Maskerade.* (D.)— Alma:„Vergessene Männer."(E.)— Baikal:„Vergessene Männer."(E.)— Belvederer „Das Lied der Schwarzen Berge."(Tsch.) Beseda:„Casanova."(F.f— Carlton:„Das verliebte Hotel."(D.)— Favorit:„Maskerade."(D) — Illusion:„Maskerade."(D.)— Lido:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran." Burian.(Tsch.) Maceska:.Künstler-Kabarett." Szakall. Grünbau«- (D-)— Roxy:„Maskerade."(D.) Verfangen Sie In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Hrma HEGNER 1 Cie.. PILSEN Selchwaren der Fa.HEGNER* Cie., PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I, f4j FEUER-, EINBRUCH-, STURZ-, SPRENG- UND SCHMELZSICHERE „AJAX“- PANZERKASSEN Erstklassige and bewährte Konstruktion- Prima Zeugnisse Uber erfolglose Einbruchsversuche Feuer- und diebessichere Bücherschränke, geheime MauerschrSnkchen, Geldkassetten usw. PANZERKASSEN- UND KASSETTEN-FABRIK 2229 Joh. Otto Großer, Bodenbach a. E. 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