1 Mittwoch, 14. November 1934 14. Jahrgang Nr. 267 1 A IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Ehnelvnlt 70 IMer (•nacMmfliich StUHaMMG BESCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion uno Verwaltung präg xh„ fochova«. Telefon sm. Administration telefon sw«. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUR. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMU. STRAUSS, PRAG. « Schuschnigg wurde dann über den I bereits seit längerer Zeit ein offenes Zerwürfnis I besteht. Prag. Im Schlußwort zur Spezialdebatte über dir drei erste« Kapitel des Budgets befaßte sich Ministerpräsident Malyprtr neuerdings ausführlich mit der Frage der Arbeitsbeschaffung in den ärgsten Notstandsgebieten, die vorwiegend von Deutschen bewohnt find, und sagte nochmals bestimmt zu, daß die Regierung gerade für diese Gegenden mit Beschleunigung Rotstandsarbeiten versorgen werde. Biel Aufsehen erregte in seinen weiteren Ausführungen eine ziemlich scharfe Polemik, die sich gegen Herrn Dr. HodaL wie überhaupt gegen die ganze demagogische Einstellung der Nationaldemokraten in der Opposition sowie gegen ihr Liebäugeln mit Herrn Sttibrny richtete. der Nationaldemokraten mit der Stkibrnygruppe in der Nationalen Front aus, deren Zweck augenscheinlich weniger in den vorgegebenen Intentionen, als in den kommenden Wahlen liege: keine Opposition könne es der Majorität übel nehmen, wenn sie sich mit ihren Mitteln zur Wehr setzen wird. Malyprtr schließt mit der Versicherung, daß die Mehrheit in dieser Zusammensetzung sich durch wirkliche, ausgeglichene Arbeit wehren wolle und sich bemühen werde, wenigstens Erleichterungen zu schaffen, wenn eine dauernde, schnelle Beseitigung der komplizierten Schwierigkeiten nicht möglich fei. *) Das erstemal beim Rücktritt des Kabinetts Kramär im Juli 1819, als die magyarischen Truppen tief in der Slowakei standen. *» Beziehungen zu Deutschland befragt. Hiezu sagte er u. a.: „Wir find an der Entfremdung nicht schuld und können daher auch zur Entspannung etwas Wesentliches aus eigenem nicht beitragen. Selbstverständlich sind wir bereit, alles zu vermeiden, was die Spannung fördern könnte. Oesterreich hat nur ein Interesse, nämlich die Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen mit allen Nachbarn." Papen wieder Vizekanzler? Paris.(Tsch. P.-B.) Der Berliner Korrespondent des„Echo de Paris" verzeichnet Gerüchte, denen zufolge Hitler die Absicht habe, Papen zu seinem Stellvertreter zu ernennen. Diese Ernennung würde die Reichswehr zufriedenstellen, die Schwierigkeiten mit den Finanziers und Industriellen beseitigen und den Weg zu einer Annäherung mit dem Hl. Stuhl bahnen. Die Mission Papens in Wien habe unerwartet günstige Ergebnisse gezeitigt. Die eventuelle Rückkehr Papens zur Macht.wäre aber.weder.für Goering noch f ü r Goebbels noch für Heß annehmbar. Der Korrespondent fügt weiter hinzu, daß auch zwischen Goering und Goebbels ls Das einzige Mittel, das ein augenfälliges schnelles Ansteigen der Beschäftigung brächte, wären Jnvestitionsarbeiten großen Stils, viel leicht für Milliarden. Das sei aber nicht so leicht, namentlich wegen des nötigen großen finanziellen Aufwandes, da auch die Privatwirtschaft gewisse Mittel brauchen wird. Teilweise wird es möglich sein, in bestimmten Reformen und Regelungen den FinanzenderSelbftver- waltung zu helfen. Scharfe Polemik gegen die Nationaldemokraten Der Schlußteil der Rede Malhpetrs war einer sehr scharfen Polemik gegendie jetzigePoli- tik der Nationaldemolraten gewidmet. Die im Ausschuß von Hodac angekündigte positive Stellungnahme zu den beiden ersten Budgetkapitel«(Präsident der Republik und gesetzgebende i Körperschaften) ist nach Malypett keim Verdienst, sondern die primäre Pflicht fast jedesBürgers. der will, daß bei uns die Demo- kratie erhallen und praktisch durchgeführt werde. Was die Deva lvation betrifft, die den äußeren Anlaß zum Austritt der Nattonaldemokraten aus der Regierung gab, so erklärte Malypetr, daß Hodaö ihm in Privatgesprächen selbst zugegebenhabe, datzmandieUngleich- heiten der Währungen in der Welt regulieren müsse. Malypetr erklärte, daß er den Nattonaldemokraten sogar die Absenz vonderAbstimmung(l) angetragen habe, um ihnen das Verbleiben in der Regierung zu ermöglichen. Wenn Hodaö von der.ausgleichenden Gerech- tigkeit" spricht, die die Nattonaldemokratte gewisser- maßen in der Regierung repräsenttert habe, so sei in der Koalition gegen einseitig gerichtete Tendenzen auch jetzt genügend Gegengewicht vorhanden und es sei nicht ärger als früher, da die Nattonaldemokraten noch in der Regierung waren. Sie hätten ruhig drinnen bleiben können: auch nach der Richtung irgendwelcher Klaffenintereffen habe sich seither nichts verschlechtert. Es sei schon das zweitemal, wo die Nattonaldemokratte in außergewöhnlichen Zeiten das Steuer verlassen habe.*) Ziemlich deutlich drückt der Mnisterpräsident dann weiter seine Mißbilligung über die Zusammenarbeit Wien. Die anglo- amerikanische Pressevereinigung gab am Dienstag zu Ehren des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg ein Frühstück. Auf die von einem Journalisten aufgeworfene Frage nach der Staatsform Oesterreichs im Zusammenhänge mit den Gerüchten über die Wiedereinführung derMonarchie antwortete Dr. Schuschnigg, daß die Frage der Staatsform k e i n e A k t u a l i t ä t besitze: Es ist klar, daß wir in Oesterreich in unser«: ernsten Lage«ns nur mit entscheidenden Dingen zu beschäftigen haben und die StaatS- form daher keine wie immer geartete Rolle spielt. Selbstverständlich aber ist jede, mit den verfassungsmäßige« Einrichtungen des Staates zusammenhängende Frage eine absolut innere österreichische Angelegenheit. Sie muß cs bleiben, weil wir sonst auf ei» Stück Souveränität verzichten müßten, was uns nicht im Sinne liegt. Auf die Frage» ob es wahr sei, daß Oesterreich s ch o n z u W e i h na ch t e n d i e M o n-- archie haben werde, sagte der Bundeskanzler: „In Oesterreich muß man sehr viel Geduld Haden. Ich glaube aber nicht, daß Sie so viel Geduld aufbringen werden, das abznwarten." Dr. Stand der UMalypett reagierte zunächst auf den Wunsch des Herrn Kallina- daß der Opposition mehr Gelegenheit OK Mitarbeit gegeben werde, mit dem Hinweis, daß «ei allen parlamentarischen Arbeiten nach dem Grundprinzip der demokrattschen Verfassung die Majo- rität zur Entscheidung berechtigt sei, da auf ihr >wch die ganze Verantwortung ruhe. Die Vorberei- iung des Budgets sei angesichts des geringen finanziellen Spielraums so schwierig, daß man den Anlägen der Oppofitton kaum wesentlich Rechnung «agen könnte. Zur Frage der Arbeitslosigkeit verwies «r Mnisterpräsident auf sein kürzliches Expose, daß «>e Regierung diesem Problem ihre besondere Auf- rierlsamkeit widme und Mittel zu ihrer Linderung Airbereiten werde. DaS Fürsorgeministerium hab« bereits ausführlich« Date» über die absolut« und relative Arbeitslosigkeit sowie»brr ihre zeitliche Dauer, «m gerade dort, wo di« Arbeits- losigkeitamgrößtc» ist, ihre« Folgen steuer« zu können. .> Es sei eine schicksalshasie Eigentümlichkeit Unserer Republik, daß gerade die industriereichsten vrte. die in ungewöhnlich hohem Maße auf den ^port"angewiesen find, in den von Deutschen «wohnten Gebieten der Republik liegen. Es sei dies Wwifiermaßen eine natürliche Entwicklung, widererseitS auch eine Entwicklung aus früheren Zei- ten, wo diesen Gebieten allseitige Unterstützung. Manchmal auch aus p olitischen Grün- «e n, gewährt worden sei. Diese Gegenden seien, so- d>eit der Staat darauf Einfluß hatte, sehr erheblich ®it allen Mitteln ausgestattet worden, die die Produktion und ihre Prosperität förderten und ermöglichten. Das sei jetzt in gewisser Hinsicht ein ziemlich beträchtliches Hindernis, um auf «m Wege anderen Schaffens, durch öffentliche Arbeiten und Investitionen, dort tatsächlich wirksam ttuzugreifen. Diese Gebiete hätten infolge ihres Jn- «rstriecharakters und des seinerzeitigen Bedarfes nach «nem dichten Kommunikationsnetz sowie auch infolge größeren sozialen Einrichtungen in den Städten, Bezirken etc. jetzt schon keinen so großen Bedarf an öffentlich en Jnvesti- lionsarbeiten, d. h. relativ nicht so viel wie andere Gegenden, die in der erwähnten Richtung "ühcr reichlich vernachläffigt worden seien. Trotz alldem, erklärt« Malypetr jedoch weiter, wird die Staatsverwaltung darnach trachten, gerade in diesen Gebieten noch«in BetättgnngSfeld in der Richtung zu finden, daß in kürzester Frist mit größter Beschleunigung wenigstens solche Arbeiten durchgeführt werden, die vielleicht nicht so unmittelbar dttngend find, aber die man in einer gewiffen Zeit doch ohnedies durchführen müßte. In längeren Ausführungen legte Malypetr mnn auseinander, daß von der Arbeit der Kom- »ission zur Oekoiwnnsierung der Staatsverwaltung üoch nicht viel zu sehen sein könne. Jetzt geht ange- ächts der großen Arbeitslosigkeit unter der jungen Intelligenz das Bestteben wieder dahin, möglichst diele dieser jungen Leute im Staatsdienst unter- mbringen; das werde aber nie in dem gewünschten Raße möglich sein. Auch vor dem Krieg gab es eine Art Aspirantenverhältnis, das jahrelange unentgeltliche Dienstleistung voraussetzte. Ohne unser Aspiran- Wgesetz würden noch, weit weniger junge Leute in ein Dienstverhältnis gelangen. -, Die vorgebrachten Beschwerden über die großen wzialen Lasten, bzw. von der anderen Seite darüber, daß die Unternehmer keinen Beittag zur Arbeits- lvsenfürsorge feisten und daß das Gesetz über die Etabilisierungsbilanzen novelliert werden müsse, find bereits Gegenstand von Erwägungen zum Zwecke der Anbahnung einer größeren gegenseitigen Gerech- sigkeit. Malypett stellt nochmals fest, daß die Deval- bvtion unsere Konkurrenzfähigkeit erhöht und niemanden fühlbar belastet habe; wir waren uns aber dessen bewußt, daß sie kein Zauberstab sei und nicht die gesamte Krise beheben könne. Ohne sie wäre aber Unser Export noch mehr von den Auslandsmärkten herdrängt worden. Malypett ist der Ansicht, daß sich die Statistik(der Krankenkassen) über die Zahl der Beschäftigten mit dem Wirklichen Aufstieg der Beschäftigung nicht ganz deckt, da die Neuanmeldun- gr» zur Sozialversicherung verspätet erfolgen. Vas Militärbudget Am Dienstag wurden im Budgekausschuß die KapitelAeußeres und Nationalverteidigung behandelt und nach ganztägiger Debatte durch das Schlußwort der Leiden Resiortminister beendet. Die Debatte war zum größten Teil dem Militärbudget und der Frage der von kompetenter Stelle geforderten Wiedereinführung der zweijährigen Dienstzeit gewidmet, wobei von kkeriftel^ Seite die Wiedereinführung -derInstitution der Einjährig-Freiwilligen gefordert wurde. Der Referent vom Verteidigungsministerium, Dr. B r d l i k, wies u. a. darauf hin, daß die Tsche- choflowakei für ihre Verteidigung wenigstens ebenso viel tun müsse, wie die anderen Staaten. Bei uns entfallen auf den Kopf der Bevölkerung für Heeres- ausgaben.(nach dem offiziellen Budget) jährlich 86 Kronen, in Belgien 208, in Deutschland 143, in Oesterreich 124, in Rumänien und Ungarn je 111 Kc, nur Jugoslawien hat eine geringere Kopfquote, nämlich 70 Kc. Wenn Man auch die Kredite für militärische Bauten und den Rüstungsfonds hinzurcchnet, sc sind es bei uns immer erst 107 Kronen. Die Armee brauche 11.000 längerdienende Unteroffiziere, habe derzeit aber nur 9640. In der letzten Zeit wurden auch 1500 Unterleutnants und Leutnants der Reserve für eine bestimmte Zeit als Instruktoren in den Aktivdienst ausgenommen. In der Debatte sprach von unserer Fraktion Genosse Müller, dessen Rede wir aus Raummangel erst morgen im Auszug nachttagen können. DlcNarncsdiladit des voriasdsmus Der Regierungswechsel in FranKreldi Mit dem Aufkommen des Dritten Reiches schien das Ende der Dritten Republik in Frankreich gekommen zu sein. Die fascistische Gleichschaltung Europas als Vorspiel zum Niedergang der europäischen Zivilisation im Blut und Schmutz der Bürger- und Völkerkriege, schien unaufhaltsam. Der Pariser Aufruhr vom 6. Feber sollte im Erfolgsfalle die Fascisierung Frankreichs einleiten. Aber die fascisttschen und monarchistischen Banden, die das Parlament erstürmen sollten, sowie die diktaturlustigen Reaktionäre mit Tar- dieu an der Spitze, die hinter diesen bewaffneten Banden standen, haben sich verrechnet und zu früh losgeschlagen. Die polittsche Agentur der Knute finanze und des Comitee des Forges mußte sich diesmal mit dem Teilerfolg begnügen— mit dem Sturz des radikalen Ministeriums Daladier, mit der Losttennung der Radikalen von den Sozialisten, d. h. des Mittelstandes von der Arbciter- klassc, und mit der Bildung einer„Regierung des Burgfriedens", die sich bald als Bürgerblock der Klein- und Großbourgeoisie unter Führung des „überparteilichen" Doumergue entpuppte. Immerhin war diesmal die Dritte Republik gerettet —nicht zuletzt durch das muttge und wuchtige Eingreifen der Arbeiterklasse(die grandiose Kundgebung und der Massenstreik vom 13. Feber), und durch die republikanische Treue und Wachsamkeit der kleinbürgerlichen Provinz. Aber die Halbsieger vom 6. Feber haben ihre Taktik» nicht aber ihr Ziel geändert. Das Schlachtfeld wurde einstweilen von der Straße in das Regierungsgebäude verlegt. Die Deputiertenkammer wurde systematisch ausgeschaltet, der Parlamentarismus in der von der Regierung abhängigen und zum großen Teil korrupten„Informationspresse" diskreditiert, die demokratischen Institutionen entseelt und lahmgelegt. Der„Retter der Republik", der alte Republikaner Doumergue, wurde zum Werkzeug dieser Unterwühlungsarbeit verwandelt, deren Ziel offenbar in der Aushöhlung der demokratischen Republik und in Errichtung einer persönlichen Diktatur— einer Art von Neubonapartismus, wenn'auch ohne der monarchistischen Form und den sozial-demagogischen Inhalt des klassischen Bonapartismus. Durch Dou- mergues Rundfunkreden„an die französische Nation" über die Köpfe der Volksvertreter tvurde der Mittelfranzose in die Gewohnheiten des persönlichen Regiments eintrainiert. Die letzte Rundfunkrede Doumergues, die an unverantwortlicher Demagogie und an persönlicher Anmaßung alles überbot und das Matz der Geduld der Radikalen übervoll gemacht hat, legt ein beredtts Zeugnis davon ab. Die Sozialisten haben als die ersten Alarm geschlagen. Manchem kleinbürgerlichen Radikalen, dem das gutmütige Lächeln des„Retters" als Zeichen seiner politischen Harmlosigkeit zur Beruhigung genügte, schienen die sozialistischen Warnungen und Alarmrufe als Uebertreibung. Nachdem aber Doumergue sein Programm der„Reformen" ausschüttelte, die er in der Stille mit seinen sozial und politisch reaktionären„Beratern" ausgearbeitet hatte, kam die Gefahr für den Bestand der Demokratie blitzartig zum Vorschein. Nun kam die Krise. Am Rande des Abgrundes haben sich die Radikalen besonnen. Zwar ging Herriot, der den Parteitag der Radikal-Sozialisten in Nantes nur mit Mühe für die Fortsetzung der fruchtlosen und gefährlichen Burgfriedenspolitik mit den Feinden der Demokratie gewinnen konnte» bis zur Grenzlinie der Selbstentsagung und des Kompromisses, indem er sogar die Entrechtung der Staatsbeamten und Angestellten in Kauf nahm, aber gerade die Nachgiebigkeit der Radikalen hat Doumergue zur herausfordernden Unnachgiebigkeit gelockt. In der Frage der„Dreizwölftel" des Budgets kam es zum offenen Bruch. Doumergue machte kein Geheimnis daraus, daß er diese„kleine Reform" brauche, um das Budgetrecht des Parlaments, die Gewähr seiner realen Machtstellung, einzuengen und hiermit seine „autoritäre" Regierung von der Kammer und vom Senat praktisch unabhängig zu machen. Die Minister der Radikalen unter dem Druck und im Einverständnis mit ihrer Parlament«»- Monarchie nicht aktuell — aber„eine absolut innere österreichische Angelegenheit“ Arbeit für die Notstandsgebiete Neuerliche Zusagen Mahrnetrs Seite 2 Mittwoch, 14. November 1934 Nr. 267 scheu Fraktion, haben am 8. November demissioniert. Sie haben sich, wie es in ihrer Demissionserklärung steht, geweigert, die von Doumergue geplante Staatsreforr. in der Nationalversammlung zu Versailles unter der zweifachen Drohung der Auflösung oder des Aufruhrs durchzupeitschen. Doumergue mutzte gehen. Aber w i e hat das der »Retter der Republik", der Urheber des Parteistillstandes, der»Erneuerer der verlotterten politischen Sitten" gemacht! Zwar gab er den Gedanken der Bildung einer MinderheitSrcgierung ver- fafsungsmäßig auf. Auch die Lage war für diesen Hand- oder Staatsstreich ungünstig. Uebrigens liegt der prädestinierte»starke Mann", Andrö Tardieu, dessen Wegbereiter und Statthalter Doumergue war, auf dem Krankenbett. Aber Doumergue's Demissionserklärung und seine Abschiedsproklamation an das französische Volk verraten sein schlechtes Gewissen und klingen eher als Aufruf zum Aufruhr denn als Mahnung zur Aufrechterhaltung des Burgfriedens. Besonders perfid und insinuierend klingt in dem Abschiedsschreiben von Doumergue der Hinweis auf die Politik seiner Vorgänger, d. h. der Regierung von Daladier, die er für das Blutv..-ießen vom ö. Feber verantwortlich macht, was übrigens ein rein sachliches, aber niederschmetterndes Dementi des Vorsitzenden der parlamentarischen Nntersuchungs- kommission L. Bonnevay veranlasst hatte. Rühmlos muhte der»Retter", der aus der Einsamkeit seines Landgutes geholt wurde, von der politischen Arena verschwinden. Nicht nur wegen seiner Ansprüche vom diktatorischen Schlage, sondern auch wegen der Fruchtlosigkeit seiner allgemeinen und Wirtschaftspolitik, deren Fazit gleich Null ist. Die Krise wütet nach wie vor, die Arbeitslosigkeit steigt, die auhenpolifische Lage bleibt trotz allen Erfolgen BarthouS schlecht. Was bedeutet der Regierungswechsel in Frankreich? In erster Linie dass der zweite Vorfascistische Sturm abgeschlagen ist. Aber der Sieg ist kein fester. Die neue Regierung ist ebenso wie die gestürzte eine Regierung des Burgfriedens, d. h. des Bürgerblocks. Mvar sind die ausgesprochenen Vertreter des»auwritären" Regiments, Tardieu und General Pötain ausgeschifft worden. Dafür zeigt die Zusammensetzung der Regierung von Flandin eine Erweiterung nach rechts(Georges Mandel und Pernot). Die widernatürliche Arbeitsgemeinschaft der Radikalen mit den Rechten dauert fort. Sie bedeutet die gegenseittge Neutralisierung und Lahmlegung. Die politische Krise in Frankreich, die in der Wirtschaftskrise und in der Verschärfung der Klassengegensätze ihre letzten Ursachen hat, kann durch keine Zwischenlösungen gelöst werden. Die Neuorientierung der Radikalen nach links kann allein einen Ausweg aus der Sackgasse ermöglichen. P. G. „Vier hat Dollfuß ermordet?“ Wie der Fey sich um die Verantwortung drücken möchte: Er läßt die Auslieferung Kreislers fordern Vor einigen Wochen ist im Verlag der Nord« böhmischen Druck- und Verlagsanstalt eine Broschüre erschienen, mit der wir uns bereits mehr- fach beschäftigt haben. Sie heitzt„W er hat Dollfuss ermordet? Das Geheimnis des 28. Juli" und ihr Autor ist D r. F r i tz K r e i s l e r» der bis Ende Juli Praktikant am Wiener Landesgericht war. Kreisler hat, wie wir bereits berichtet haben, eine Fülle von Beweis- nraterial zusammengetragen, aus dem eindeutig hervorgeht, dass Planetta zwar einen Schuh, aber nicht den tödlichen abgegeben hat und dass der Putsch vom 23. Juli selbst nicht ohne die mindestens passive Mitwirkung des Emil Fey gelingen konnte. Die klerikale, mit dem Heimwehrgefindel versippte und verbandelte Presse hat sich nicht etwa die Mühe genommen, die Beweise Kreislers zu entkräften oder zu widerlegen. Sie begnügte sich damit, sein faktisches Beweismaterial, seine Indizien als böswillige Erfindung zu erklären und von vorhandenen, aber nicht namhaft gemachten Gegenbeweisen in echt jesuitischer Manier zu lügen. Dabei behauptet sie z. B., das gewisse Tatsachen, die seinerzeit in den amtlichen Wiener Berichten zugegeben wurden, erlogen seien, so daß die Kinder Gottes in ihrer Herzenseinfalt sich sellst der Lüge zeihen! Die österreichische Regierung, beziehungsweise der berühmte Held Emil Fey hätten zweierlei Möglichkeit, die angeblichen„Verleumdungen" Kreislers zu widerlegen. Zunächst einmal erklärt Kreisler in seiner Broschüre, dass er bereit sei, nach Wien zurückzukehren, wenn die österreichische Bundesregierung folgende Verpflichtungen übernimmt: 1. Daß alle auf de» Putsch bezüglichen Prozeß, alten und ebenso die Namen aller„hundertfünfzig bis zweihundert" Putschisten veröffentlicht werden, damit ich die Akten studiere» und mich verteidigen kann. 2. Daß mir gestattet werde, zu meiner Verteidigung ausländische Verteidiger heranzuziehen, da die österreichischen Verteidiger unter Terror stehen. Daß mir Gelegenheit gegeben werde, mich ausreichend mit der Verteidigung zu besprechen. 3. Daß das Verfahren gegen mich ein ordentliches ist, also kein Militärgerichts- verfahren, und daß es in allen seinen Phasen öffentlich in vollstem Sinne des Wortes ist. 4. Daß ich aus dem Auslände, wo ich jetzt weile, ohne Umweg über Polizei- und Heimwehrkaserne» in die Strafhaft des LandeSgerichteS überführt werde,»nd daß dir Regierung die Verpflichtung übernimmt, daß keinerlei Mißhandlungen, Folterungen und Selbstmorde an mir vorgenommen werde». Kurz gesagt, ich verlange für mich, zum Unterschied von den nationalsozialistischen Putschisten freie« Geleit nach Oesterreich, in die Strafhaft des LandeSgerichteS. 6. Die österreichische Bundesregierung müßte ihre Verpflichtung nicht vor dem deutschen Ge- sandten, sondern vor de» Gesandten jener Länder übernehmen,' bei denen sie jetzt um Kredite für j ihre brave Exekutive bettel« geht. Die österreichische Regierung hätte allo in ausreichendem Matze Gelegenheit, den Dr. Fritz Kreisler der Lüg« zu überführen, wenn sie die Bedingungen erfüllen würde. Daran denkt sie natürlich nicht, denn ein derart dnrchgeführter| Prozeß würde den nicht mehr zu erschütternden Beweis für die Mitschuld hoher fascistischer Würdenträger an dem Juliputsch und der Ermordung des Dollfuß erbringen. In dem Augenblick, da dieser Prozess beginnen würde, wäre das österreichische Regime nicht eine Stunde mehr regierungsfähig. Aber die Fey und Konsorten haben noch eine zweite Möglichkeit, sich zu rechtfertigen. Sie können den Dr. Fritz Kreisler vor den Pressesenat Dr. Fritz Kreisler Wer hat Dollfuß ermordet? Eine kriminalistisch-politische Be trachtung über den 25 Juli 1934 Die Wahrheit über die Machenschaften der Heimwehr— Ein unerläßliches Hilfsmittel des Agitators— Argumente für den Referenten— Die Enthüllung der christlichsozialen Moral! Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezska 13 des Kreisgerichtes in Leitmeritz zitieren. Die Broschüre ist in Bodenbach erschienen. Der zuständige Gerichtsort ist das tschechoslowakische ordentliche Gericht, Auch diesen Gerichtsstand fürchtet der Fey. Er will es billiger haben. Die österreichische Regierung fordert von der Tschechoflowakei die Auslieferung des Dr. Fritz Kreisler, der Dienstag in Haft genommen «nd nach Pankräc überstellt wurde. Das Prager Landesgericht prüft jetzt die Rechtslage»nd die Stichhaltigkeit des österreichischen Auslieferungsbegehrens. Den Fey und Schuschnigg und nicht minder ihren hierländischen Kumpanen könnte das so passen, dass die Affäre Fey mit der Verurteilung Kreislers vor einem Wiener Ausnahmegericht und mit dem Verschwinden des Anklägers in einer der Folterkammern der Heimwehrbanditen endet. Der Grund, weshalb es den Herrschaften in Wien mit der Causa Fey so dringend ist, dürste darin zu suchen sein, daß die seit Wochen andauernden Packeleien der Negierung mit.den Nazis dir endgültige Liquidierung der Juli-Zwischenfälle erheischen. Run, da die Auftraggeber der Rintelen, Holzweber, Wächter und Planetta sich mit den Schützern und Freunden der Fey, Karwinsky«nd Rabl offen verständigen, soll nicht- mehr störend' zwischen sie treten und die Frage nach dem Mörder des Dollfuß die einträchtige Stimmung der schwarz-braunen Brüderschaft nicht trübe». Darum soll Kreisler beseitigt und ein für allemal die Tatsache totgeschwiegen werden» daß dem Bündnis Schuschnigg- Reinthaler im Juli bereits das eines Rintelen-Fey-Frauenfeld-Ha dicht vorauSgegan- gen war, dem Dollfuß selbst zum Opfer fiel. Der Kampf um die Verkündung der Wahrheit über den 25. Juli, den Kreisler ausgenommen hat, ist gerade heute der Kampf gegen die neueste Phase in der Gleichschaltung Oesterreichs mit dem Hitlerfascismus! Der sechzehnjährige Prochaska trägt mit eminenter Selbstsicherheit seine Beobachtungen vor: daß aus dem Kamin bei Hilsner Kleidungsstücke geflogen seien, daß der Mörder und seine Mutter sich hebräisch unterhalten haben. Zeugen, auf die er sich beruft, nennen ihn einen Lügner, eS kommt zu hitzigen Kontroversen. Johann Aufrecht geht mit drohender Gebärde auf Hilsner los:„Na, du Erzgauner, hast du's getan oder nicht?" Er beschimpft ihn so lange, bis ihn der Vorsitzende hinausschickt. Mutter und Tochter Bross wiederholen die von ihnen belauschten Gespräche der Juden, unter grossem Lärm erklären die Betroffenen alles für Erfindung. Deutlich tritt das rituelle Moment wieder in den Vordergrund, und wiewohl sich Vorsitzender und Staatsanwalt, den vom Ministerium ergangenen Richtlinien gemäss, scharf dagegen wenden, beherrscht der Ritualmordgedanke bereits alle Köpfe. Nach der ersten Woche sehen die Journalisten schon den Triumph des Geistes von Kuttenberg voraus. Masaryk schreibt: es handle sich nicht mehr um einen einzelnen Juden, auch nicht um den Mord; der Hilsnerprozeh ist zum Schlachtruf zweier lvirtschäftlicher Parteien geworden, in deren Lager sich die verschiedensten politischen Gruppen sammeln. Die Wahlpropaganda wird diesmal mit Gerichtssaalberichten gemacht. Für den Fall Klima interessiert man sich weniger, weil dabei die Blutfrage keine Rolle spielt. Die Zeugenvernehmung wird unterbrochen, als ein eleganter junger Mann den Saal betritt. Der Präsident begrübt feierlich den Erbprinzen Lobkowicz, den Sohn des Oberstlandmarschalls von Böhmen. Und sogar ein echter Japaner, der anscheinend europäische Kultur studiert, erscheint und möchte zuhören. Anton Lang, mit hektisch geröteten Wangen und glänzenden Augen unter niederer Sttrn, erzählt seine Erlebnisse. Weder Vorsitzender noch Staatsanwalt verhehlen ihre Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Ein heiteres Intermezzo bildet Wassermann, der nur um eines bittet: ihn aussprechen zu lassen, was ihm freilich nicht gestattet wird.„Sei nicht traurig und halt dich an Gott!" rät er dem Angeklagten, und beim Weggehen will er ihm etwas Geld geben. Auf Schadenersatz verzichtet er gern:.hilsner ist ja ein armer Teufel, und das Gericht trifft keine Schuld. Was er über mich gesagt hat, verzeih ich ihm. Gott verzeiht ja auch allen Sündern." Der„Cas" befasst sich mit der erblichen Belastung Hilsners. Sein Vater, Sohn eines arischen Forstadjunkten, war ein Säufer und Strolch. Alkoholismus und Vagabondage bei Juden sei ein allgemein gültiges Kennzeichen geistiger Anormalität. Seine Tante ist blöd, die Großmutter und zwei andere Verwandte waren Epilepttker. Bon einer geisttg gesunden, erblich nicht belasteten Familie könne man demnach trotz dem Gutachten eines Gerichtsarztes nicht sprechen. Weiter befaßt sich das Masarykblatt mit dem noch immer nicht behobenen Verdacht gegen die HruzaS. Auch der Vater Hruza soll geisttg nicht normal gewesen sein. In einem Interview erklät der berühmte Verfasser der„Psychopathin sexualis", Prof. Krafft-Ebing in Wien, die Fälle Klima und Hruza wiesen bestimmte unverkennbare Merkmale von sadistischem Fettschismus auf; daß der Täter ein normaler Mensch sei, sei völlig ausgeschlossen. Bei der Konfrontatton des Lang mit den von ihm beschuldigten Juden kommt es zu erregten Szenen. Was Lang vor dem Sterbebett des jungen Brettisch zurückgenommen hat, behauptet er jetzt, nach dessen Tod, unter Eid. Das Publikum genießt mit Gelächter und Mißfallens- bemerkungen die Vorstellung. Der Präsident entschliesst sich endlich energisch dreinzufahren, und schmollend lassen die Damen die Operngläser sinken. Der Kaufmann Anton Brettisch, der seine Zeugenschast'selbst angeboten hat, behauptet offen, dass Johann Hruza der Mörder sei, und nennt die Personen, die das beweisen können.»Ich bin nicht schuld," soll Johann gesagt haben,»schuld ist die Mutter. Für mich wäre es das beste, wenn ich mich aufhängen würde." Dr. Baxa behält sich vor, den Zeugen gerichtlich zu verfolgen.»Das können Sie ruhig tun!" Dxr ganze Saal ist in Aufregung. In Pisek versteht man nicht, dass sich das Gericht noch immer mit den Zeugen befasst. Es steht ja in den Faltungen, dass die Schuld HilSnerS längst erwiesen ist. Tas Publikum will Blut. Die Prager klerikalen und chauvinistischen Zeitungen berichten, die jüdischen Zeugen hätten den Eid nicht in der vorgeschriebenen Form abgelegt. Die Prozessberichte der Wiener Antisemitenpreffe arbeiten das unausgesprochene Ritualmordmotiv plastisch heraus und kommentieren entlastende Momente hämisch gehässig. Ein Artikel MasarykS in der Wiener»Zeit" verfällt der Beschlagnahme. Nach zwei Wochen erhält der Vorsitzende Winter einen anonymen Brief mit der Mitteilung, dass Marie Klima lebt. Sie sei von zu Hause weggelaufen, weil sie sich mit den Eltern nicht vertrug, habe in Znaim gelebt und sei jetzt in Mannheim im Cafö Imperial in Stellung. Die Polizei in Znaim bestätigt, dass ein Mädchen dieses Namens, der allerdings nicht selten ist, dort gemeldet war. Zuständig war sie nach Cerna. So heißen acht Dörfer, eins davon ist unweit von Polna. Eine Zeitung meldet sich telegraphisch an das Mannheimer Cafe. Sie erhält die Antwort, daß Marie Klima nie in Polna gewesen, IS Jahre alt,» „Haltet den Dieb!“ Die Emigrantenhetze de:* Klerikalen Das Jägerndorfer„V o I k", ein christlichsoziales Blatt und daher in engster Geistes- und tziesinnungsgemeinschaft mit,dem Fey und ähnlichen Gipfelerscheinungen der Entwicklung von der Humanität zur Bestialität, hetzt gegen die Kreisler-Broschüre»Wer hat Dollfuß ermordet?" und versteigt sich in seiner Naivität dabei zu folgender Forderung: Die Broschüre»Wer hat Dollfuss ermordet?" ist in der Tschechoslowakei gedruckt. Der Umstand, dass dann gegen führende Staatsmänner Ocster- reichS die ungeheuerlichsten Beschuldigungen erhoben werden, müsste genug Anlass zum Einschreiten sein. Gerade die Vorgeschichte deS Attentäters von Marseille beweist, daß eS höchste Zeit ist, den Emigranten scharf auf die Finger zu gucken und ihren Umtrieben durch allgemeine internationale Abkommen ein Ende zu setzen. Die Vorgeschichte des Attentäters von Marseille beweist aber doch gerade, daß nicht die österreichischen Emigranten, sondern die österreichischen Regierungsparteien in nächster Stachbarschaft des Mordkomplotts zu suchen und zu finden sind! Herr Generaloberst Sarkotii ist Mitarbeiter der„Reichspost" und ein Liebling der Chrisüichsozialen, aber auch der Protektor der kroatischen Verschwörer und einer der Väter von Janka Puszta. Der Sekretär der Vaterländsschea Front und Propagandachef der österreichischen Regierung, O b e r st A d a m, ist der intimste Freund des SarkotiL. Es wäre wirklich gut, den Verbrechern auf die Finger zu gucken und ihnen das Handwerk zu legen. Aber man muß sie d o r t suchen, wo sie sind, und das ist, allem verlogenen Geschrei zum Trotz, in dernächsten Nähe der Christlichsozialen und aller ihrer Filialen! Ein Renegat Die„Arbeiterzeitung" schreibt: »Zu den ärgsten Ueberläufern gehört der Herr Pinter. Die Arbettersänger haben dem Renegaten, der sich gleichschalten wollte, den verdienten Fusstritt gegeben. Aber in der Versicherungskasse für kaufmännische Angestellte kann er weiter fein schmähliches Unwesen treiben. Anlässlich der Sammlung fiir das Dollfußdenkmal hat er die schimpflichsten Erpressungen an den Angestellten versucht. Zuerst erließ er einen Ukas, in dem er zwar vorschrieb, wieviel ein jeder je nach seine« Einkommen zu spenden habe, aber hinzufügte, die Spenden seien»freiwillig". Als aber dann wirk' lich ein Teil der Angestellten die ihm zugemutete Spende verweigerte, erflärte der Ehrenmann Pinter, nur Mehrspenden über den angeordneten Betrag seien freiwillig! Wer dem angeordneten Benag nicht spende, der. werde hinausgeworfe» werden! Zu solchen Erpressungen gibt sich ein Mann her, der, solange es für ihn einträglich war, sozialdemokratische Gesinnung geheuchelt hat! Man lernt jetzt alle Lumpen, die sich in die Arbeiterbewegung eingeschlichen hatten, kennen und wird sie sich merken." Pinter war Obmannstellv ertveter des Oester- reichischen Arbeitersängerbundes und war in weiten Kreisen auch unserer Sängerbewegung gut bekannt. Um. so notwendiger ist es, der Oeffent- lichkeit den wirklichen Charakter Pinters aufzuzeigen^ Pinter stand, solange radikal sein fein* persönlichen Opfer verlangte, immer auf de« radikalen Flügel in der Arbeitersängerbewegung I Oesterreichs. hübsch, klein und untersetzt sei. Die Vermißte wac älter, groß, mager und unschön. Das Beweisverfahren wird abgeschlossen, dis Schuldftagen werden gestellt, tzer Staatsanwalt plädiert. Er hält sich an die bisherige Argumentation seiner Anklageschrift, trägt das belastend* Material umsichtig zusammen, alle sich aus de» Aussagen ergebenden Zweifel und Unklarheiten tut er leichthin ab, und aus der Schlinge der auffälligsten Widersprüche zieht er sich, indem er ihr* Lösung den Geschworenen überlässt. Gegen die Ritualtheorie nimmt er ausdrücklich Stellung, die Untaten führt er auf sexuelle Perversität zurück- Indem er aber die Normalität des Angeklagten nicht anzweifelt, kommt das verpönte Motiv doch wieder zur Geltung. Ihm folgen die Vertreter der Privatbeteil'gf ten. Vaxas Rede handelt nur von dem einen, u« das sich der ganze Prozeß dreht, wie er behauptet- vom Motiv deS Mordes. Unbedenklich erklärt er das Fakultätsgutachten für ein phantastisches Gebilde, und furchtlos spricht er es aus: hier wurde erwiesen, daß es Menschen gibt, die das Blut unserer Christenmädchen brauchen! Seine Zeugen sind Lang, Prochaska, die BroZ; und Hilsner selbst, der ja gestanden hat, daß das Blut der christlichen Jungfrau Agnes in einem Blechgeschirr aufgefangen wurde.„Das ist die grosse Wahrheit!", ruft er aus, und keiner ist, der es nicht versteht. Er spricht nur eine Stunde, aber diese Stunde streicht den Sinn der zweiwöchigen Beweisaufnahme aus. Während ihn der Vor- sitzende gewähren ließ, wird Dr. Pevny, der ein* Geschichte des Ritualmordes geben will, so lang* unterbrochen und zurechtgewiesen, bis er, aus dein Konzept gebracht, vorzeitig schliesst. Die Verteidiger sollen am nächsten Tag sprechen. k Fortsetzung folgt. 1 Nr. 2V7 Mittwoch, 14. November 1834 Sette 3 Handlns Regierungserklärung: Burgfrieden— Reformen— Kurs der Mitte Ribbentrop schwelst L s« d o«.(Reuter.) Die Unterredung v. Ribbentrops mit dem Außenminister Sir John Timon bauerte etwa Stunden. Beim Berlassen des Foreign Office lehnte Ribbentrop jede Er. klirung ab. * Paris.(HavaS.) Obwohl das nach der Beratung des Vertreters der britischen Regierung, des Geheimen LordfiegelbewahrerS Eden, mit dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Ribbentrop, ausgegebene Kommunique nicht volle Klarheit gebracht hat, zweifelt Iciq französisches Blatt, mit Ausnahme des„Figaro", daran, daß wir gegenwärtig Zeugen eines breitangelegten Planes der Berliner Regierung sind, dessen Ziel darin besteht, daß die Großmächte die Aufrüstung Deutschlands legalisieren sollen und Deutschland in daS internationale Forum zurückkehren könne, bevor die Liga der gegenseitigen Hilfeleistung gebildet wird. Lin Dementi London. Der Sonderbeauftragte Hitlers, von Ribbentrop, erklärte einem Vertreter des Reuterbüros, daß in seinen Besprechungen im Außenministerium die Frage der Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund unter der Bedingung, daß es von den AbrüstungSbestimmungen des Versailler Friedensvertrages befreit werde, a i ch t berührt worden sei. Galgen und Zensur Barcelona.(Havas.) Der RegierungSkom- miffär erlegte dem Blatte»LaNoche" eine Geldstrafe von 2 0 0 0 Pesetas auf, weil es einen Brief des Majors Par ras veröffentlicht hatte, in welchem dieser allen jenen seinen Dank ausspricht, die sich um eine Abänderung der über ihn vom Kriegsgericht verhängten T o d e s st r a f e bemüht hatten. Kommunistischer Delegat In China erschossen Shantvng. In Kaiföng, der Hauptstadt der Provinz H o n a u, erschoß die Polizei den bevollmächtigten der kommunistischen Internationale in China, W angtsch rnglin, und deffen vier Begleiter auf der Flucht. Sie waren nach China gekommen, um die chinesische kommunistisch« Bewegung neu zu organisieren. Frankreich und die Sowjets Anläßlich des zehnten Jahrestages der Anerkennung SowjetrußlandS durch Frankreich schreibt Karl Radek in der Jswestia: »Am zehnten Jahrestage der Hercheiführung normaler Verhältnisse zwischen Frankreich und der SSSR spricht sich die öffentliche Meinung des Sowjetverbandes unverhohlen für die weitere Verstärkung der gegenseitigen Beziehungen der beiden Staaten, für den Kampf gegen die Kriegsgefahr und für die Stärkun des Friedens Hand in Hand mit Frankreich aus. Je enger und fester diese gegenseitigen Beziehungen sein werden, desto klarer und bestimmter wird daS gemeinsame Vorgehen der beiden Staaten im Namen der Unmöglichmachung des Krieges, desw stärker wird der Frieden in Europa und Asien sein. Die fran- z ö sisch-sowje t i st i sche Annähe, rungisteinesder grundlegenden diplomatischen Mittel zur Stärkung des Friedens. Mit dieser realen außenpolitischen Einstellung der Sowjets vergleiche man die romantischen innenpolitischen Phrasen unserer heimischen Kommunisten l Das große Preistreiben Berlin. Das Deutsche Nachrichten-Büro meldet: Beim Reichskommissär für Preisüberwachung gehen ständig Klagen ein, daß bei Verträgen, die vor einigen Monaten abgeschlossen worden sind, der Verkäufer die Lieferung jetzt nur zu erhöhtem Preise,oder zu verschlechterten Zahlungs-und Lieferungsbedingungen ausführen will. Es wird darauf hingewiesen, daß ein solches Verhalten bet zu festen Bedingungen abgeschlossenen Verträgen vollkommen rechtswidrig ist und die Einhaltung abgeschlossener Verträge zu den selbstverständlichen Gepflogenheiten eines ehrbaren Kaufmannes gehört: Weiters wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach Auffassung des ReichskommiffarS die Versuche»Altware" späteren Preisbedingungen oder verschärften Absatzbedingungen zu unterwerfen, unzulässig sind. Illegale Arbeit Im Bergwerk Berlin.(Tsch. P.B.) Wie die StaatSpoli. zeistelle für den Regier». rnSbezirk Aachen mitteilt, wurden in der Zchengrub« Baesweiler innerhalb einer Aktion gegen illegale Bestrebun- gen LS Personen festgenommen. Paris.(Havas.) In der Regierungserklärung, die heute vorntittags vom Minifterrate genehmigt und um 15 Uhr vom Ministerpräsidenten Flandin in der Kammer und vom Fustizmini- ster Pernot im Senat verlesen wurde, heißt es ». a, daß der Waffenstillstand unter den Parteien weiter aufrechterhaltrn werden wird. ES werden„Einigkeit im Interesse der zu erfolgenden Taten und Taten im Zeichen der Einigkeit" empfohlen. Weiters heißt es: Frankreich will den Frieden. Wir rcherden ihn im Innern und nach anßen aufrechterhaltrn. Zur Wahrung des Friedens ist Kraft und Gerechtigkeit notwendig. Wir werden stark sein gegenüber jenen, die versuchen sollten, den äußeren oder inneren Frieden zu zerstören. Wir werden unsere Frennd- schaftS- und Alliertenbande vertiefen, wir werden die Rationalverteidignng stärken und in den Angelegenheiten des internationalen Rechts nach Gerechtigkeit durch Vermittlung deS Völkerbundes streben. Di« Regierungserllä- rung betont die Notwendigkeit, die Republik gegen revolutionäre Bersuch e u n d diktatorische Tendenzen z u s ch ü tz e n. die staatliche Exekutivgewalt zu stärken und die Stabilität sowie die Dauer der Regierungen zu gewährleisten. Sollte eS nicht gelingen, diese Stabilität zu sichern, dann würde die Regierung nicht zögern,„sich an daS Vorgehen zu halten, zu dem sie die Verfassung berechtigt" heißt es in der Regierungserklärung wörtlich.(Anmerkung: Gemeint ist hier die Möglichkeit, di« Kammer aufzulösrn.) Die Regierung vertraut aber der Kammer, daß sie ihr die regelmäßige und nnge- störte Zusammenarbeit gewähren wird. Die Regierung beabsichtigt, die Initiative der Kammern, betreffend die Beantragung neuer Ausgaben, einzuschränken. Ferner wird sie eine entsprechende Regelung bezüglich derBewilli- ging öffentlicher Manifestationen beantragen und jeden streng verfolgen, der ohne Bewilligung im Besitze von Waffen ist. Ferner wird in der Regierungserklärung die Ausarbeitung einrS besonderen Beamten st a- t«t S angekündigt. Außerdem wird sofort an den AuSba« des M i n i st er r a t s p r ä sitz i u m s im Sinne einer einheitlichen Regelung aller Regirrungsmatznahmen und Verfügungen geschritten werde«. Die Schande des Dritten Reichs Hermann Worch, ehemals thüringischer RegierungSrat und Bürgermeister von Langewiesen, jetzt in Dänemark, teilt das Ableben seiner Frau, Friedel Worch(geborene Lahmann), im 48. Lebensjahre mit. Er fügt hinzu: »Von privater Seite erreicht mich die erschütternde Nachricht, daß sie im Konzentrationslager Bad Sulza, Thüringen, wo sie mit meiner 18jährigen Tochter feit Juli 1838 gefangen gehalten wurde, gestorben ist. Nach ihren eigenen brieflichen Mitteilungen, von der Zensur unbeanstandet, wurden ihr trotz jahrelanger schwerer Herzkrankheit die notwendigen Arzneimittel vorenthalten. Nach erneuter schwerer Erkrankung wurde sie nicht in ein Krankenhaus überführt. Im kalten Winter 1833 schlief sie mit unserm Töchterchen in unzulänglichen Räumen mit voller Kleidung und Mantel wochenlang in primitiven Betten, um sich etwas vor der grimmigen Kälte zu schützen. Ein großes, an sie gerichtetes Paket mit warmer Wäsche wurde ihr nicht ausgehändigt. Seit Mai 1934 wurde über meine Lieben völliges Schreibverbot verhängt. Im Konzentrationslager Bad Salza singt meine Tochter Gisela die Totenklage." Hitlers amerikanischer Agent Aus New Jork kommt die Nachricht, daß dort vor wenigen Tagen eine in Amerika sehr bekannte Persönlichkeit gestorben ist: Dr. IoyLee,„der Mann, der Rockcfeller populär gemacht hat." Dieser Dr. Lee» der sich seinen Doktortitel übrigens erschwindelt hat, lebte vom Rellamemachen,— und er lebte nicht schlecht dabei. Als kurz vor dem Kriege die unsozialen Zustände in RockefellerS „Standard-Oil-Company" die amerikanische Oeffentlichkeit zu entrüsten begannen, übernahm es Lee gegen ein Riesengehalt, durch Pressenotizen, Werbetexte, Rellamemanöver und Anekdoten die erregte öffentliche Meinung zugunsten des brutalen Milliardärs umzustimmen, den Lee als Wohltäter und selbstlosen Menschenfreund hinzustellen verstand. Da Lees Reklamefeldzug gelang, erlangte er als Fachmann für wirksame Beschöni- gungspropaganda Weltruf,— und so war es nur konsequent, daß er sich im vorigen Jahre nach Deutschland begab, um Hitler und Goebbels seine Dienste anzubieten. Tatsächlich setzte ihm die Hitler,Regierung ein JahreSgehalt von 5 0 0 0 Pfund auS, damit er in Amerika einen Werbe- feldzug fürs Dritte Reich führe und eine Lügenkampagne gegen die Wahrheit über Judenver- . folgungen und Konzentrationslagergreuel eröffne. Die Regierungserllärung befaßt sich in ihrem Schlußteil mit den WirtfchaftSfragrn. Um der Arbeitslosigkeit, der Verminderung des Umsatzes und der Verlangsamung des Warenaustausches abzuhelfen, werden wir uns, heißt eS in der Regierungserklärung, allmählich wiederum dem Grundsatz der Handelsfreiheit, allerdings einer organisierten und geschützten Freiheit, zn- wende«. Die Regierung wünscht, daß eS möglich sei, de« Zinsfuß herabzusetzen, vor allem aber handelt es sich darum, daß das Vertrauen in die Stabilität der französischen Polittk und in die Pazifizierung der internationalen Beziehungen wieder hergestellt werde, dir in den Augen der Regierung zweifellos der Hauptfaktor bei der Besserung des Finanzmarktes sind. '*** Rach Beendigung der Interpellationen ergriff neuerlich Ministerpräsident Flandin das Wort, der schildette, unter welchen Umständen die neue Regierung gebildet wurde, und um die Unterstützung der Kammer ersuchte, damit eS der Regierung ermöglicht werde, die Wirtschaftskrise, sowie die politische, soziale und moralische Krise im Zeichen einer Fortsetzung der Politik des Waf- fenftillstandeSund der Versöh» nungderParteienzu lösen. Die Regierung ist fest entschlossen, sagte Flandin, die demokratischen und republikanischen Einrichtungen des Staates zu schützen. Die republikanische Form entspricht am besten dem französische« Temperament und Frankreich muß ihr treu bleiben. Flandin teiüe mit, daß die Regierung die Tagesordnung der Abgeordneten Laurent Eynaes und Delbos, worin ihr das Vertrauen ausgesprochen wird, akzeptiert und an sie die Verttauensfragr knüpft. Der neue Vorsitzende deS radikalen Klubs DelboS versicherte namens der Radikalen, daß auch diese ihre Stimmen für die Regierung abgeben werden. Demgegenüber erklärte der Sprecher der Sozialistenpartei Leon Blum, daß die Sozialisten in ihrer letzten Klubsitzung beschlossen hätten, der Regierung das Vertrauen zu versagen. Spat abend» hat die Kammer F l a« d i« mit 428 gegen 118 Stimme« da» Bertraae« ausgesprochen. Auch LeeS Sohn trat als Verbindungsmann zwischen der amerikanischen Propaganda-Agentur und der Berliner Regierung in dieses blühende Geschäft ein,— das aber nicht das größte war, das sich Lee im Lauf« feines Lebens geboten hat. Denn das höchste Angebot, das er je erhielt, stammte von dem großen Gangster AlCapone, der Lee 600.000 Dollar versprochen haben soll, wenn er ihn in Amerika populär mache. Zur Verwunderung vieler, die ihn kannten, hat Lee dieses Angebot seinerzeit abgelehnt. Offenbar hielt er eS für aussichtslos, die Schandtaten des Bandenführers Capon«, die man in Amerika aus eigener Erfahrung kannte, in Wohltaten umzufälschen. Während er im Falle Goebbels, den Amerika nur vom Hörensagen kennt, mehr Hoffnungen in sein Talent setzt«. Klaus Mann über seine Ausbürgerung Klaus Mann veröffentlichte in Schweizer Blättern die folgend« tapfere Erklärung zu seiner Ausbürgerung aus dem Dritten Reich: »Mit meinem großen und schönen Vaterland steht es jetzt so, daß es eine Ehr« bedeutet, verstoßen zu werden von seinen Machthabern. Auf diese Weis« wird uns offiziell bestätigt, daß wir nichts zu tun haben mit seiner Schande, und auch: daß die Machthaber unseren Kampf gegen die Schande sehr wohl bemerkt haben— warum sonst die Wut? Bestätigt wivd uns schließlich, daß wir nicht ganz unwürdig sind, später— eines Tages — Bürger eines Vaterlandes zu sein, das wir als solches wieder anerkennen. Denn: nicht überall, wo es mir leidlich gut geht, ist mein Vaterland; aber dort, wo täglich das Infamste geschieht und wo stündlich das Allergräßlichste vorbereitet wird, ist es nicht. Das hat man mir nur öffentlich bestätigt, wie man es schon vorher einer Anzahl von Männern bestätigt hatte, deren Gesellschaft ich mich nicht zu schämen brauche. Diese„Ausbürgerung" hat wirklich nur den Wert einer ehrenden Geste— etwa eines kleinen Ordensterns—; gemeint war sie vielleicht eher als eine Geste der ziemlich hilflosen Wut. Praktische Konsequenzen hat das gar nicht— wie so Vieles, was diese Regierung proklamiert. Was die Machthaber mir im Praktischen antun konnten, hatten sic mir natürlich schon vorher angetan. Was mir gehört, hatte man schon gestohlen; was es an Gedruckten von mir gibt, war schon verboten, mein abgelaufener Paß war schon nicht mehr verlängert. Die ehrende Geste ändert praktisch durchaus nichts mehr. Was kann sie mir nehmen? Doch nicht die Hoffnung, daß auS diesem unglücklichen, entstellten Stück Welt— Deutschland— einmal wieder mein echtes Vaterland wird." Nachklänge zum 4. November Wir haben die Massen„verschoben“. Noch immer zerbrechen sich die bürgerlichen 'Provinzblätter den Kopf, wie sie ihren Lesern die Tatsache mundgerecht machen sollen, daß die„sterbende" Sozialdemokratie innerhalb einiger Tage 90.000 Kämpfer und Kämpferinnen mobilisieren konnte. Die beste Erklärung für die Massenbeteiligung an unseren sechs Kundgebungen hat zwei-' felloS der in Tachau erscheinende christlichsoziale „Grenzbote" gefunden. Dieses Blatt spricht nämlich die Vermutung aus, daß die Teilnehmer von einem Aufmarsch zum anderen— verschoben tvurden. Demnach sind die Komotauer und Teplit- zer, die vormittags demonstrierten, sofort in Expreßzüge verladen und nach Karlsbad oder Bodenbach verschickt worden, soweit sie nicht von einer geheimen marxistischen Luftflotte(mit Tarnkappe ä la Henlein) nach Jägerndorf transportiert>vur- den. Wir wollen aber dem Berichterstatter des ,:Grenzbote" nachträglich gestehen, daß diese Truppenverschiebungen große Schwierigkeiten verursachten, was unser Parteivorsihender Dr. C z e ch bestätigen kann. Er wollte per Auto vier Kundgebungen besuchen und begrüßen. Nachdem er in Komo- tau gesprochen, erreichte er die Teplitzer Teilnehmer nur mehr auf dem Heimweg. In Bodenbach kam er zurecht, doch in Karlsbad traf er leider erst nach Schluß der herrlichen Manifestation ein. Daraus möge der„Grenzbote" ersehen, daß die von ihm entdeckten Maffen-Berschiebungen garnicht so einfach waren. fehler über fehler machen die Kommunisten. Auch am 4. November sind sie fast durchwegs von der Linie des Politbüros abgerutscht, denn die„Rote Fahne" jammert:*“ „Um so größer ist der Fehler««serrr Genosse«, daß sie sich bei der Demonstration am 4. November nicht z« den Wortführer« der Massen machten, daS anssprachen, was di« Massen bewegte, weshalb sie zur Demonstration gekommen waren. UnsereGenossen, mit wenigen Ausnahmen, nahmen die Parole: Teilnahme an derDemonstration mit« n- seren Losungen, Standarten, Transparenten, FahnenundRed- ner« nicht genügend ernst. Sie mo- bllisterten ungenügend die kommunistische Arbeiterschaft, stellten sich nicht an die Spitze von Be- IriebSbelegschafte« und traten nicht als fest« Gruppe auf, die der ganzen Mass« de« Weg zum Kampfe wieS, für den sie zur Demonstration gr- komme« waren." Ja, wenn die Losungen der Karliner Zentrale von den eigenen Genossen„nicht genügend ernst" genommen werden, we'rsollsiedan« überhaupt noch ernst nehmen? ■•illzi Du Kfton das Arbeiter-Jahrbuch 1935T Selbstverständlich, denn: erstens muß so Jeder gute Genosse haben und zweitens werde Ich doch nicht die Gelegenheit versäumen, ein so billiges und schönes Buch su erwerben! Die Jugendarbeit der Ignoranten Was die Kommunisten der Arbeiterjugend erzählen Die»Rote Fahne" hat soeben entdeckt, daß das Ministerium für soziale Fürsorge Heim- stätten für jugendliche Arbeitslose errichtet. »Bier Jahre hat die arbeitslose Jugend unter Führung des Komsomols(!) um die Errichtung der Heime gekämpft und der Erlaß ist ein Erfolg unseres Kampfes"— bemerkt die »Rote Fahne". Diese Behauptung des Kommunistenblattes wird bei den jungen Arbeitslosen nicht wenig Heiterkeit erregen. Denn Heimstätten gibt eS bereits fest drei Jahren. Die Kommunisten hatten so eifrig um sie gekämpft, daß sie das Ergebnis ihrer »Bemühungen" im Eifer des Gefechts übersahen. Wo die örtlichen Lettungen der KPC die Existenz der Heimstätten zur Kenntnis nahmen, haben sie freilich alles getan» um diese HilfSaktton für die arbeitslose Jugend zu gefährden. In Asch haben sie seinerzeit dieses Ziel erreicht. Die»Rote Fahne" hat aber auch entdeckt, daß die Jugendlichen in den Heimstätten»für die Arbeitsdienstlager vorbereitet" und im nationalistischen und milttaristischen Sinne— unter der Leitung von Offizieren!— erzogen werden. Ja, eS wird sogar behauptet, daß die Insassen der Heimstätten unbezahlte Arbeit leisten müssen. Dem»Jaroflav", der diese Weisheiten unterschrieben hat, ist ein Aufenthalt in den Heimstätten dringend zu empfehlen. Er könnte dort erfahren, daß die sozialdemokratischen Jugendverbände schon vor drei Jahren daS erreicht haben, was die»Rote Fahne" heute fordert und daß sich die Jugendlichen aus den sich plötzlich so ernst gebärdenden kommunistischen Jugendfreund« Höch« tzens einen guten Tag machen Seite 1 Mittwoch, 14. November 1934 Nr. 267 Das Schlachtfeld der Arbeit Roftmanith contra Vulsärsozlalismus oder: Der richtige Mann am richtigen Plata, „Unsere Sozialdemokratie trifft, wie wir in der Parlamentsdebatte hören konnten, alle Vorkehrungen, das alte, ihr an den Leib gewachsene, in Fleisch und Blut übergegangene lieberalistische System durch einen künstlichen Verlängerungshebel in Form von neuen Anleihen, groß angelegten öffentlichen Investitionen, umfangreicher Kreditausweitung, mit einem Wort, durch neue Schulden Äoch einmal neu zu stützen. Das ist vom Gesichtspunkte einer vulgär-marxistisch-sozialistischen Politik verständlich und vollkommen folgerichtig. Die Soziirldemokratie wurde von der Entwicklung der Dinge überrascht. Sie ist unvorbereitet und daher willens, das in seinen Grundfesten wankende liberal-kapitalistische System, dessen Doppelläufer sie ist, noch einmal, koste es was es wolle, und mögen die Arbeitslosen hungern wie sie wollen, zu stützen und zu erhalten." Das ist der neueste Bannfluch, den der Herr Roßmanith— wer denn sonst— gegen den „Vulgärmarxismus" schleudert. Es ist natürlich nicht nötig, sich mit dem Inhalt dieser Philippika zu beschäftigen. Denn daß e r den Arbeitslosen dient, indem er gegen Arbeitsbeschäf- fungspläne zu Felde zieht, wird Herr Roß- manith in seinem treuherzigen Innern wohl selbst nicht glauben! Aber intereffant ist immerhin die Feststellung, daß eine solche Anklage just von Herrn Rotzmanith ausgeht, der unseren parlamentarischen Klub wochenlang u b e r l a uf e n hat, damit er einen Antrag auf Ankurbelung der Wirtschaft durch eine Milliarden-An- leihe einbringe... Die arbeitslose Jugend und das Land Böhmen Die Vertreter der deutschen und tschechischen sozialdemokratischen Jugend sprachen am 13. November beim Landesfinanzreferenten Dr. K u- b i ft a vor. Di« Intervention betraf eine grötzere Aktion für die arbeitslose Jugend im Rahmen der Landes- und Bezirksarbeiten. Es handelte sich vor allem darum, daß der Landesfinanzreferent den Antrag der beiden sozialdemokratischen Klubs in der böhmischen Landesvertretung unterstützt, welcher im Wesen verlangt: DaS Land errichtet bei hiez« geeigneten Arbeiten Arbritsgemeinschaftrn jugendlicher ArbeitS- leser nach den Grundsätzen deS Ministeriums für soziale Fürsorge. In die Bergabebedingnngcn der vom Lande durchgeführten und unterstützten Arbeiten wird die Vorschrift ausgenommen, daß wenigstens 15 Prozent der Arbeiter de« Altersklassen von 18 bis 24 Jahren angehören müssen. Den andern SeltstverwaltungSkirpern werden dieselbe« Maßnahme« empfohlen. Dr. K u b i st a anerkmmte, datz die Forderungen der sozialdemokrktischen Jugend und die im Antrag angeführten Grundsätze berechtigt sind und betonte hauptsächlich auch, datz die Kollektivverträge sowie überhaupt das soziale und Arbeitsrecht der durch diese Aktion Erfaßten gesichert werden müssen. Die Vertreter der sozialdemokratischen Jugend machten aufmerksam auf di« Notwendigkeit, den Antrag noch in der Dezembersitzung der Landesvertretung positiv zu erledigen, denn die.Ver- 'ögerung bis zur nächsten Märzsession würde bedeuten, datz auch ein günstiger Beschlutz der Lan- desvertretung praktisch nicht in Erscheinung treten könnte. Dr. Kubista anerkannte auch die Be- r'ckitigung dieses Wunsches und sagte zu, datz er in diesem Sinne eingreifen werde. Dr. Kramäfs ruhiges Gewissen Dr. Kramak hatte in den„När. Lisch" vom Sonntag in einer Antwort an Pröf. Hora, der wegen des Zusammengehens mit Sttibrny, wie viele andere aus der nationaldemokratischen Partei ausgetreten ist, u. a. den. Satz geprägt: Ich konnte mit ruhigem Gewisien der Partei die Zusammenarbeit mit der Liga empfehlen zur Rettung des Staates aus der furchtbar st en Situation, die ich mir vorstellen kann. Das„Pravo Lidu" stellt fest, datz Dr. Kramäk ivohl gegen jeden anderen Politiker, der so etwas zu sagen sich getraute, den Zensor zu Hilfe gerufen hätte, und fragt dann, wie die„Rettung" der Republik durch den Zusammenschlutz einer zerfallenen Partei von zwölf Mandaten mit dem Grüppchen des Herr Sttibrny aussehen soll. Wenn Kramäk erkläre, alles würde er für die Nation opfern, nur nicht die Ehre und seinen guten reinen Namen, so brauche er sich deshalb keine Skrupeln mehr zu machen: Er habe die.Ehre und den guten Namen bereits geopfert, allerdings nicht der Nation, sondern d e in H e r r n S t i i b r n y. . Das„Nar. Osv." erinnert daran, datz Dr. .Kramär seinerzeit selbst gesagt hat, Sttibrny solle jemandem anderen erzählen, datz er von diesen Dingen nichts gelvutzt habe- Wenn Dr. Kramäk sich jetzt die Rettung des Staates so vorstellt, datz seine Partei in Verbindung mit Sttibrny zu einer„elementaren Kraft" heranwachsen lverde, welche„das jetzige poli- rische System stürzen und es erzwingen werde, datz in der Politik der Staat und alle sein« Bevölkerungsschichten und nicht die herrschenden Parteien entscheidend sind", so sieht das„N ar. Os v." darin eine typisch fascistische Entwicklung. Das„Ceskt Slovo" schreibt u. a.: Eine arme Partei, die ihr Führer Dr. Kramäk soweit gebracht hat, datz er jetzt nicht ohne Sttibrny auskommt. Arm der Staat, dessen moralische und politische Ret- ying von der Hilfe eines Stribrny abhängig wäre! Sechs Arbeiter verbramtt A v a i l o n(Kalifornien). Beim Umladen von 7500 Pfund Sprengpulver aus Kanistern in Säcke in einem Steinbrnch ereignete sich aus bisher ungeklärter Ursache eine E r p l o- s i o n. Die Kleider von neun Arbeitern, die mit dem Umlade« beschäftigt waren, fingen Feuer. Sechs Arbeiter verbrannten bei lebendigem Leibe, zwei trugen lebensgefährliche Verletzungen davon. Ein Arbeiter konnte sich da- TagcsnculgiKiftii „Demokrat.« für das Kind" Eine Kundgebung im Prager Rathaus Der gemeinsame Rat aller sozialen und so- zial-sanitären Landesorganisationen in Böhmen veranstalten gemeinsam mit der deutschen Landesjugendfürsorge und dem Landeszentralkulturverband Sonntag, den 18. d. M. um 9 Uhr 45 Minuten im Sitzungssaal des Altstädter Rathauses in Prag eine Kundgebung für die„Demokratie für das Kind" für das Land Böhmen, die die Einleitung zur Eröffnung einer ausgedehnten Aktion für die notleidende Jugend sein soll. Die Fest r e d e wird der Minister für soziale Fürsorge Dr. M e i tz n e r halten. Im Rahmen der Aktion„Demokratie für das Kind" hat die Arbeiterschaft der Brünner Waffenwerke einmütig beschlossen, am Donnerstag, den 15. d. M., eine Stunde zu Gunsten der von Hunger und Kälte gefährdeten Kinder zu arbeiten und den Lohn für diese Arbeitsstunde der tschechischen Landes-Jugendfürsorge in Brünn zu übergeben. Diese Stiftung wird 25.536.35 Kö betragen und wird auf die Bezirke aufgeteilt werden, aus denen die Arbeiter der Waffenwerke stcnnmen. Aus diesem Betrag werden einen Monat hindurch 2040 Kinder gespeist werden, denen täglich% Liter Milch und Brot zugeteilt werden wird. Der letzte Bogenstrich Professor Herold stirbt während der Konzertprobe Prag. Gestern mittags starb plötzlich im Studio des Radiojournals während der Probe Firi Herold, Mitglied des Böh mi- schen Quartettes und Professor der Kammermusik am Prager staatlichen Konservatorium. Herold hielt gerade Probe zu dem für heute anberaumten Auftreten im Radiojournal. Der Probe wohnte auch seine G a tst i n bei. Plötzlich setzte er im Spiele ab und wurde von einer Ohnmacht befallen. Die sofort herbeigerufenen drei Aerzte gaben ihm eine Injektion, doch erwachte er nicht mehr aus der Ohnmacht. Die Probe wurde sofort abgebrochen und das Radiojournal teilte den Hörern die traurige Nachricht mit, worauf die Sendung zum Zeichen der Trauer unterbrochen wurde. Um 12.25 Uhr wurde im Rundfunk ein pietätvolles Gedenken für den Verstorbenen übertragen. Mittwoch wird das Radiojournal anstelle der angekündigten Symphonie, in welcher Herold auftreten soUte, eine Trauerkundgebung für den Verstorbenen im Rundfunk senden. Jiri Herold war 1875 in Rakovnik geboren. Nach Absolvierung des Prager Konservatoriums war er zuerst Musiklehrer, dann Konzertmeister der Lemberger Oper, seit 1913 Konzertmeister der Tschechischen Philharmonie. Im Jahre 1903 hatte er das Quartett gegründet, dessen Primarius(später Bratschist) er war und das seinen Namen trug. Bis zum Jahre 1906 unternahm er mit ihm zahlreiche Konzerttournee« und reihte sich so unter die ersten Kammermusik-Ensembles der Welt ein. Seit dem Jahre 1922 war er Professor der Kammermusik am Prager Konservatorium. Herold war aber auch ein ausgezeichneter Geigenbauer. Ein Spion in Pilsen abgeurteilt Pilsen. Der Senat des Pilsner Kreisgerichts verhandelte Dienstag unter dem Vorsitze des Obergerichtsrates Elleder in nichtöffentlicher Verhandlung den Fall des Bürgers deutscher Natio- ! nalität N. Lau g, der der Spionage, zugunsten eines N a ch b a r st a a t e s angeklagt ist. N. Lang wurde zu d re i Ja hr en K e r k e rs, vierteljährlich durch einen Fasttag verschärft, verurteilt. Eine GiebzehnjShrige erschient sich Montag abends erschoß sich in der Wohnung des Weinstubenbesitzcrs Sochor in P r a g XI. die 17jährige Rosa S. Das Mädchen war in der Weinstube seit ungefähr drei Jahren beschäftigt, anscheinend nicht nur als Dienstmädchen, sondern auch als Kellnerin. Mit dieser Tätigkeit dürften auch die bisher nicht ganz bekannten Motive des Selbstmordes Zusammenhängen. Es wird Sache der Polizei sein, festzustellen, ob ein Delikt des Arbeitgebers vorliegt. Sa*vergift««g Budapest» In einem Bäckereibetrieb der Stadt Jaszberery entströmten einem mit Holzkohle geheizten Ofen Kohlenoxydgase. Bier Angestellte, die durch retten, daß er mit brennenden Kleidern ins Meer sprang. Drei Arbeiter lebendig begrabe« Madrid. In einer Grube in der Nähe von C o r d o b a entstand durch eine verfrühte Explosiv n bei einer Sprengung ein E r d r u t sch. Eine Reihe von Arbeitern wurde verschüttet. Drei von ihnen konnten nur noch als Leichen geborgen werden, zwei weitere erlitten schwereVer- l e tz u n g e n. in dem Betriebe übernachteten, fanden hiebei den Tod. Einer der Gasvergifteten lag unter dem Fenster. Offenbar hatte er sich noch zum Ofen geschleppt, hatte aber nicht mehr die Kraft, das Fenster zu öffnen. Fascisten-Berbrüdernng im Film. Wie die „Neue Züricher Zeitung" berichtet, finden gegenwärtig bei der Insel Elba unter Mitwirkung der italienischen Kriegsflotte Aufnahmen zu einem großen Napoleon-Film statt, dessen Regie Giovacchini F o r z a n o führt, der mit M u s s o l i n i zusammen das Bühnenstück„Napoleons hundert Tage" verfaßt hat, das auch dem Film zugrundeliegt. Besonders bemerkenswert ist, daß dieser Film in italienischer und deutscher Fassung gedreht wird, zu welchem Zwecke sich die staatlich-italienische Filmgesellschaft„Consortia Vis" mit der nazideutschen„Rota-Filmgesell- schäft" verbunden hat. Die deutsche Regie führt Franz Wenzler, und die Rolle des Napoleon(die auf italienisch Corrado Rocca spielt) hat in der deutschen Fassung WernerKrauß inne: Damit aber auch die österreichische Kolonie Mussolinis nicht zu kurz komme, werden die Szenen vom Wiener Kongreß an der historischen Stätte, im Schlosse Schönbrunn bei Wien, ausgenommen werden(während die Schlacht bei Waterloo nicht auf dem historischen belgischen Schlachtselde, sondern auf dem Campo Maggiore gedreht wird). Im Film scheint also schon jene fascistische Verbrüderung erreicht zu sein, um die sich in der Diplomatie noch die Herren Gömbös ! und Papen angestrengt bemühen. Genosse Franz Görgner, Kaaben, gestorben. Genosse Görgner gehörte mit zu den ältesten Parteigenossen. Er war von Beruf Porzellanarbeiter und arbeitete später in der Egerer Dezirkskranken- kasie. Bald kam er alsLeitet! in die KaadetkerKrün- kenkaffe. Hier baute er nicht nur die.Kassa aus, sondern stellte sich auch ganz in den Dienst der Partei. 1907 kandidierte er in den Reichsrat und kam in die Stichwahl. Er war der unermüdliche Agitator der Bewegung im Kaadner, Podersamer und Duppauer Gebiete. Außerdem schrieb Genosse Görgner auch regelmäßig für die„Saazer Volkszeitung". Nach dem Kriege hat Görgner seelisch schwer gelitten. Er sah, wie. die Organisation, die er mit unendlichen Mühseligkeiten mit aufbauen geholfen hatte, der kommunistischen Ideologie erlag. Er wurde persönlich beschimpft. Und die Vernichter seines Lebenswerkes waren seine ehemaligen besten Freunde. Mit Genossen Görgner ist nicht nur einer der ältesten Parteigenossen, sondern auch ein guter Mensch und ein Freund der Armen zu Grabe getragen worden. Sie werden fein Andenken immer in Ehren halten. „Honigwoche". Die Sektion für die Expfoi- tierung der Produkte der Bienenzucht bei der Landeszentrale der Jmkervereine in Böhmen hat die Anregung zur Abhaltung einer allstaatlichen Honigwoche vom 2. bis 8. Dezember d. I. gegeben. Der Verband der Landeszcntralen hat diesen Antrag angenommen. Die Aktion wird sich auf die ganze Tschechoslowakei erstrecken. Die Jmkerper- eine veranstalten in der erwähnten Woche Propagandavorträge, Kurs« für Honigverwendung und sonstige Reklame-Aktionen. Der„rasende Reporter" darf nicht nach Australien. Nach einer Meldung des Deutschen Nachrichten-Büros aus Melbourne, habe der Schriftsteller. Egon Erivin Kisch, dem die australische Regierung verboten habe, in Australien zu landen, am Dienstag den'Versuch gemacht, von dem Dämpfer, auf dem er zurückbehalten wurde, an Land zu. entkommen. Wenige Minuten, bevor der Dampfer abfahren sollte, sei Kisch vom Deck auf den Kai hinuntergesprungen, habe sich aber dabei den Fuß verstaucht. Die Polizei habe ihn sofort wieder festgenommen und ihn trotz seines Protestes, er sei auf dem Land verhaftet worden und unterstehe daher der Landgerichtsbarkeit, an Bord des Dampfers zurückgebracht, der kurze Zeit darauf abgefahren fei. Fünf Opfer. Der Flugzeugunfall von Cherbourg hat sich jetzt als noch schwerer herausgestellt, als ursprünglich" gemeldet wurde. Nicht drei, sondern vier der Insassen sind als das abstürzende Flugzeug beim Ausprallen auf einer Düne Feuer fing, ums Leben gekommen. Der letzte Ueberlebende mußte mit schweren Knochenbrüchen und Brandwunden ins Krankenhaus eingeliefert werden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. ArtagnanS Schloß verbrannt. Unweit von Tar- bes in Südeftfraiikreich wurde durch einen Brand das Schloß, welches seinerzeit dem Geschlecht Artagnau gehörte, vernichtet. Deutsche Postler Achtung! Pensionisten und Witwe« behebet noch heute oder morgen beim Postamte, das euch die Pension auszahlt, die Kandidatenlisten zur Wahl in den Postheilfonds. Pen- ionsdekret oder Eisenbahnlegitimation mitnehmen! Aktive: Das Ergebnis der Wahl in die Unfallversorgung ist maßgebend für dir Besetzung der Pensonalkommissioncn, daher ist jede Stimme wichtig! Am 15. November gibt jeder deutsche Postler bei seinem Postamte in die v. e r- siegelte Wahlurne dit WM einzige deutsche"i Kandidatenliste Nr. V Kandidatenlisten mit Streichungen, Aende- rnngen oder Zusätzen.sind ungültig. I« den Umschlag darf nur eine Kandidatenliste eingelegt werden. Dir Wahl ist geheim, dafür sorge« die Wahlordnung und unsere Bertrauensmänner. Die japanischen Fischer fast alle gerettet? Tokio. Wie von der Halbinsel Korea gemeldet wird, ist ein großer Teil der bei der kürzlichen Meerrsflut vermißte« Fischer zurückgekehrt, doch werden noch 356 Fischer, die in 65 Rettungsbooten ausgenommen waren, noch vermißt, doch wird ihr Eintreffen noch im Laufe des Dienstag Abends oder des Mittwoch erwartet. Schadenfeuer in Arnsdorf. Am Sonntag in den frühen Morgenstunden brach im Hause des Glasschleifers Sulak aus noch nicht geklärter Ursache ein Brand aus, der ziemlich rasch um sich griffund denDachstuhl vollständig vernichtete. Dem Eingreifen der Wehren von Arnsdorf, Haida u. a. war es zu danken, daß größerer Schaden nicht entstanden ist. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt... Die Korruption in Polen. Der Staatsanwalt des Warschauer. Bezirksgerichts hat sich ap den Sejmmarschall mit der Forderung auf Auslieferung des Abgeordneten des Regierungsblocks Wojciechowski gewandt. Der saubere Herr Regierung sabgeordnete hat im Verband der Eisenbahnschaffner, dem er'als Präses bevorstand. Unterschlagungen begangen. Gasanlage explodiert. Im Kriegshafen von Charleston explodierte«ine Azetylen-Gasanlage. Hiebei kam ein Matrose ums Leben. Ein großer,, in unmittelbarer Nähe des Unglücks befindlicher Benzintank blieb wie durch ein Wunder verschont. Die Erschütterungen des Erdbodens konnte« im Umkreis von acht Meilen wahrgenommen werden. Mord auf der Straße. Unweit der. Börse in Marseille erschoß Montag abends ein Marseiller Kaufmann einen Industriellen durch sieben Revolverschüsie. Der Mörder, der bereits einmal in -einer Anstalt für Geisteskrcmke interniert gewesen war, hatte die Ueberzeugung, daß ihn der Industrielle beleidigt hatte, wofür er sich Genugtuung verschaffen wollte. Lediglich durch das Einschreiten der Polizei wurde verhütet, daß der Mörder von der Menge an Ort und Stelle gelyncht wurde. Der Riesenftaudal von Rone«. Die Pariser Zeitungen melden, daß das Unternehmen für öffentliche Arbeiten, das die öffentlichen Bauten im Hafen von Rouen durchführt, dem französischen Staat einen Schaden von Hund e r t Millionen Franken verursacht hat. Das Ministerium für öffentliche Arbeiten gab bekannt, daß die Angelegenheit bereits untersucht ist.. Es wurde festgestellt, daß der Staat nur ein V i e r- t e l der angegebenen Summe von hundert Millionen Franken ausgezahlt hat, daß aber in die Angelegenheit über eventuelle Betrügergien volles Licht gebracht werden wird. Dauerregen in England. Die Zeit von 72 Stunden von Donnerstao bis Sonntag früh war die regenreichste Periode in Südengland in den letzten sieben Jähren. Die Niederschläge in einigen Landstrichen überschritten während dieser drei Tage die durchschnittlichen Niederschläge während des ganzen Monats November. In der angeführten Zeit zwischen Donnerstag und Sonntag regnete es fast ununterbrochen. Vom Rundfunk Impfehlenswertes au* den Programmen» Donnerstag: Prag, Sender L.: 6.15:'Gymnastik, 10.05: Deutsche Nachrichten, 11.05: Konzert deS Salonorchesters, 12.10: Unterhaltungsmusik, 17.55: Deutsche Sendung: Jugendstunde, mit Musik, 18.20!'/ Dr. Moucha: Neue Bücher, 18.55: Deutsche Presse, 19.15: Wir lernen russisch, 22.15: Konzert des Prager Shmphoniejazzor^-kterS. Sender S.: 14.35: Violincellokonzert, 15.05: Deutsche Sendung: Dr. Simon: Die sudetendeutsche Wirtschaftsstruktur, 15.25: Opern-Arien, 18.20: Schrammelkonzert.-— Brünn 12.35: Orchesterkonzert, 16.55: Musik für Kinder, 17.50: Deüffche Sendung, Dr Brügel: Steigt die Kriminalität? 19.30: Schallplatten: Verdi.— Mährisch-Ostrau 17.50: Deutsche Sendung: Liederkonzert.— Preßburg 17.20: Arien aus italienischen Opern. Rr. 267 Mittwoch, 14. November 1934 Seite 8 .-Z Perlen des Champagners, sie wurde schwer und tief wie das purpurne Dunkel des Burgunders, dann wieder glitt sie in der heiteren Ebenmäßigkeit des grüngoldenen Rheinweins dahin. Man sprach von der Zeit und ihren Menschen, man sprach von der Stellung des Dichters in dieser Zeit und unter diesen Menschen, es ließ sich nicht vermeiden(und man wollte es auch gar nicht), daß Rede und Gegenrede auf die eigenen Werke kam. Der berühmte Gast sagte, daß er keine Ursache habe, sich über seine Mitwelt zu beklagen. Die Auflage seiner Bücher habe eine schwindelnd-hohe Zahl erreicht, seine Einnahmen reichten aus, um ihm ein Leben voller Annehmlichkeiten und Abwechsiungen zu gestatten. Die berühmten Kollegen versicherten, daß es ihnen genau so ginge. Anerkennung im Geist und im Portemonnaie fehlten auch ihnen keinesfalls. Das Diner war mit einem milden, butter« passierten Gorgoncola beendet worden. Mokka wurde serviert, sein Duft weckte in dem einen Gast Gelüste nach Tabak. Er suchte in der Tasche nach dem Zigaretten-Ttui. Aber es fand sich nicht. Er hatte es vergessen. Nun wandte sich der Zigaret- tensüchtige an seinen Gastgeber. Doch dieser lächelte bedauernd. Der berühmte Dichter war Nichtraucher. „Herr Kollege, würden Sie mir aushelfen?* Der Dichterkollege zog zuerst seine Stirn schmerz« hast in Falten und schließlich, mit unbehaglicher Miene, sein Etui aus der Rocktasche. Mit abgewandtem Gesicht hielt er es dem anderen hin. Dieser griff zu. In seiner Hand hielt er— eine Zora.„Auch du, mein Sohn", dachte er vergnügt, „also hast auch du geschwindelt, als du von den enormen Einnahmen aus deinen Büchern sprachst. Sieh mal an, wie lustig." Und während er sich schmunzelnd die billigste Zigarette seines Lebens anzündete, sah er dem Kollegen heimlich auf die Stiefelsohlen. Nicht ohne Schadenfreude stellte er fest, daß sie genau so durchlöchert waren wie die seinen. Oben auf ging eS ja noch, aber bei genauerer Betrachtung... Milde.lächelte er in sich hinein und behielt dieses Lächeln auch dann noch, als sein berühmter Gastgeber ihm gegenüber von der besonnten Höhe seines Lebens, vom Ruhm der Welt und ihrer Dankbarkeit ohnegleichen sprach. Katja. Dreimal Spanischer berichtet: Jndalecio spanische sozialistische Bewegung sehr bald mächtiger sein wird, als je. Diese Gewiß- gibt mir ihre Geschichte. Die Massen wollten die letzte reaktionäre Wendung nicht ertragen. Wenn wir Führer uns diesen Maffenwillen entgegengestellt hätten, wären wir weggefegt worden. Die Arbeiterschaft hatte ihre Hoffnungen auf die Republik gesetzt, aber sie wurde betrogen durch einige Parteien, die sich mst der Reaktion zusammengefunden hecken. Bon Illusionen sind wir jetzt geheilt, wol« len aber damit nicht anderen sozialistischen Parteien, die in gesicherten Demokratien leben, ihr Verhalten vorschreiben. Unser Hauptunglück war der Zusammenbruch der katalonischen Erhebung. Der Generalstreik wurde überall geschloffen durchgeführt, aber die Arbeiter waren gezwungen, in zerstreuten Gruppen zu kämpfen. Die Geschichte der spanischen Arbeiterbewegung aber lehrt, daß ie sich von jeder Niederlage erholt und ihre Kräfte immer nur vermehrt hat." Hiersein zu benachrichtigen. Gleichzeitig ließ er die beiden am Nächsten Tag zum Diner bitten. Sie erschienen pünktlich, formlos gekleidet, wie es sich für Leute gehört, die aus diesem oder jenem Grund nicht nach der Meinung anderer Leute fragen. Immerhin war zu bemerken,. daß sie auch ihre Saloppheit mit Ueberlegung gewählt hatten. Man begrüßte sich sehr herzlich, man setzte sich in bester Laune zur Tafel, die keinen Mangel an erlesenen Leckerbissen aufwies. Speisen waren ohne Tadel zubereitet oder gekühlt. Die Unterhaltung der drei Erlauchten hatte das gleiche Niveau. Sie glitzerte mitunter geistreich wie die wettere Zahlungen in irgendwelcher Form an das Ausland geleistet haben. Umgekehrt kann die Zahlungsbilanz auch mit einem Ueberschuß abschließen, obwohl im Warenaußenhandel die Einfuhr größer ist als die Ausfuhr, die Handelsbilanz also passiv ist. Bei Ländern mit starkem Fremdenverkehr oder solchen, die jährlich mtt größeren Heimat-Gold« sendungen von Ausgewanderten rechnen können, oder die aus SchiffahrtS- oder anderen Diensten Zahlungen erhalten, wird dieser Zustand ost zu vergleichen sein. Welche Entwicklung hat nun die Zahlungsbilanz der Tschechoslowakischen Republik genom« hat Reichsbannermann Karl Jaenicke, Vater von fünf Kindern, aus Schönbeck an der Elbe zum Tode verurteilt. Karl Jaenicke istunschuldig. Der Tatbestand: Am 3. März 1933, zwei Tage vor der Reichstagswahl fand in Schönebeck, einer mittelgroßen Jndustriegemeinde, ein Propä- gandaumzug der„Eisernen Front" statt. An der Spitze des Zuges marschierte in der Musttkapelle als Trommler Karl Jaenicke. Er hat seinen Dienst bis zum Schluß der Demonstration nicht verlassen. Dafür stehen in Schönebeck genügend Zeugen zur Verfügung. Diese Zeugen sind auch verhört worden, aber ihrer Aussage wurde, aus Angst vor den Nazis vom Gericht kein Wert beigelegt. Als der Demonstrationszug schon mindestens 20 Minuten an dem großen Versammlungslokal„Stadtpark" in Schönebeck vorbei war, an seiner Spitze marschierte noch immer Karl Jaenicke— kam es bei dem genannten Lokal zu einem schweren Zusammenstoß. Ungefähr 200 Meter hinter dem Ende des großen Demonstrattons- zuges kam noch ein Nachtrupp von zirka 60 Frauen und Mitgliedern der Sozialistischen Arbeiterjugend aus einem Dorf der Umgegend. Die Polizei hatte vor dem Lokal, das einen großen Restaurationsgarten nach der Straße hin hat, einen starken Absperrungskordon postiert. Als der Nachtrupp den Stadtpark erreichte, durchbrachen die im Lokal versammelten Nazis unter der Führung des Arbeitsdienstführers Haußmann den Kordon und stürzten sich auf die Frauen und Jugendlichen. Dabei wurde selbst der diensttuende Polizeioffizier von den Nazis in daS Gesicht geschlagen. Es entstand eine einige Minuten dauernde schwere Prügelei, in die auch Straßenpassanten eingriffen. Dabei wurde von einem Unbekannten der Nazi Haußmann durch einen Meffersttch am Halse verwundet. Er wurde in das Lokal gebracht, wo er starb. Es muß noch einmal betont werden, daß der offizielle Demonstrationszug überhaupt an diesem Fall unbeteiligt war, die Nachhut der Frauen und Jugendlichen überfaUen wurde und in größtem Entsetzen über die blindlings herumschlagenden Nazis auseinan- derstob, daß selbst die Polizei keinen Ueberblick hatte, alles in größter Erregung geschah und nie« mapd weißr wer byi dem Durchvpanderschlagen aus dem Publikum oder auch aus den Nazireihen selbst"— der Täter war. Eines aber steht ganz sicher fest, Karl Jaenicke war ungefähr zwei Kilometer vom Tatort entfernt und hat mit dem Tode des Haußmann überhaupt nichts zu tun.. Dieser neuerliche Justizmord darf nicht von der Kulturwelt geduldet werden. Rettet der Fran den Mann und den fünf Kindern den Vater. entflohen Sozialistenführer Prieto Gegen die Herabsetzung der Gehälter der belgischen Beamten veranstalteten diese im Brüsseler RegierungSvier tel eine Protestkundgebung, die außerordentliches Aufsehen erregte. Prieto, einer der bekannte« Führer der spanischen Sozialdemokratte und gewesener Finanzminister, ist der Rache der Re- aktton entronnen und in Paris eingetroffen. Dort hat er dem Vertreter des Londoner„Daily Herald" Falgendes erklärt: „Zwar bin ich ein Spezialist im Flüchten zur See aus Spanien, aber um meine Freunde nicht zu gefährden, kann ich nicht genau sagen, wie ich aus dem Gefängnis an die Küste von Biscaya gekommen bin. Mit dem schnellsten Motorboot fuhr ich dann nach Frankreich. Das ist meine dritte Flucht aus meinem Heimatlände. 1917 kehrte ich in Folge meiner Wahl zum Abgeordneten von meiner ersten Flucht zurück. Unter der Diktatur Primo de Rivera war ich wieder im Ausland und kam 1930 als Finanzminister dex Republik Spanien zurück. Wenn ich jetzt abermals geflohen bin, so bin ich doch gewiß, daß die~"WWWK viel heit Mörderischer Haß Mexiko. In der im Staate Puebla gelegenen Ortschaft Allixco kam eS zwischen zwei feindlichen Arbeitergruppen zu einer wilden Schießerei, bei der einePersonge tötet und elf weitere— darunter zwei Unbeteiligte— verletzt wurden. Einwohner deS in der Nähe der Hauptstadt Mexiko liegenden Dorfes Acajete überfielen in der Nacht zum Montag eine Dorfbewohnerin und deren Tochter, die sich sehr eifrig im soziali- stischenSinne betätigt und deswegen das. Mißfallen der Bevöllerung erregt hatten. Die empörten Dorfbewohner versammelten sich unter Glockengeläut, drangen in die Wohnung der Frauen ein und töteten ihre schlafende Tochter durchSteinwürfe. Richt di« Handelsbilanz, die allmonaüich veröffentlicht wird und nur die Einfuhr und Ausfuhr umfaßt, sondern die Jahresbilanz, deren Bekanntgabe jährlich erfolgt, gibt von der Entwicklung der wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte eines Staates im Verkehr mtt anderen Ländern ein genaues Bild. In der Jahresbilanz find alle Posten erfaßt und zusammengerechnet, die diesen Auslandsverkehr ausmachen. ES gibt„Laufende Posten" und„Kapüalposten".' Unter den laufenden Posten finden wir in der tschechoslowakischen Zahlungsbilanz den Außenhandel.(Waren, elektrischer Strom, Filmmonopol, Patente), die Einnahmen und Ausgaben aus den gegenseitigen D i e n st e n mit dem Ausland(Kommissionärprovisionen, Versicherungsspesen, Eisenbahnverkehr, Flußverkehr, Postverkehr, Internationale In» stttute, ausländische Vertretungen wie Gesandtschaften usw. Fremdenverkehr und Auswanderung; hierunter werden auch die Geldsendungen der Ausgewanderten in die Heimat verbucht; desgleichen die Renten, die an die' ausländischen Besitzer von tschechoslowaksschen Wertpapieren gezahlt werden müssen, die Zinsenzahlungen für Staats-^ Kommunal- und Bankkredite und schließlich das Einkommen, das Ausländer aus Grundstücken, Gebäuden und Unternehmungen in der Tschecho- slowattschen Republik beziehen, werden in der Zahlungsbilanz unter den gegenseittgen Diensten verrechnet). Unter den Kapitalposten werden in der ffchechoslowakischen Zahlungsbilanz die A u S- landsschulden an erster Stelle angeführt, dann folgen die Forderungen der Tschecho- fiowakei an das Ausland, der Außenhandel in Wertpapieren und einige lleinere Posten, die mtt den Goldeinkäufen der Nattonalbank abschließen. Wenn nun die Zahlungsbilanz eines Landes mehrere Jahre hindurch ein Defizit aufweist, wenn also der Tschechoflowakei aus ihrem gesamten Verkehr mtt dem Ausland fortlaufend beträchtliche Mehrkosten erstehen würden, dann müßte sie fortgesetzt Zahlungen an das Ausland leisten, die nicht mit Waren beglichen werden können, sondern für die sie sich Gold oder ausländische Valuten verschaffen müßte. Die Tschechoslowakei müßte also in diesem Falle, sagen wir einmal, als starker Käufer von französischen Franken oder von Gold auftreten. Dauert ein solcher Zustand länger an, so würden sich daraus für die Auslandsbewertung der tschechoslowakischen Währung ernste Gefahren ergeben müssen. Darum wird die Ausgleichung der Zahlungsbilanz von allen Staaten angestvcht....i Di»* Ausgleichung der s ZchhIuusSvilanz-chat+ nicht eine ausgeglichene oder' eine aktivt Handelsbilanz zur Boraussetzung. ES gibt Länder, di« mehr Ware« nach dem Ausland aus- als einführe«, deren Handelsbilanz also aktiv ist, die aber dennoch eine passive ZahlungSbllanz Haven. Das ist eben dann der Fall, wenn diese betreffenden Länder über ihr« Warenausfuhr hinaus noch Ihren größten Umfang erreichte demnach die tschechoslowakische Zahlungsbilanz im Jahre 1928 mtt einem Gesamtumsatz von über 64.3 Milliarden KL. 1929 hat sie sich um eine knappe Milliarde verringert. Dann aber setzt die Abnahme rascher ein. Am stärksten schrumpft die Zahlungsbilanz von 1931 zu 1932 zusammen: von mehr als 87.1 Milliarden KL auf 21.1 Milliardent Im Jahre 1933 umfaßt sie nur noch etwaS mehr als ein Viertel von 1928! Die furchtbaren Schläge, mtt der die Weltwirtschaftskrise unsere ganze Wirtschaft und unsere innige Verflechtung mtt dem Ausland getroffen hat, wirken sich in dieser Entwicklung auS! In den letzten sieben Jahren war die Zahlungsbilanz dreimal passiv. Am stärksten 1927 mit 344 Millionen KL. Dieses hohe Paffivum trat ein, obwohl in jenen Jahren die tschechoslolvakische Handelsbilanz mit über 2 Milliarden KL aktiv war. Aber es wurden 1927 u. a. für mehr als 3 Milliarden ausländische W«r- papiere hereingenommen. In den Jahren 1929 und 1932 war das Defizit der Zahlungsbttanz mit. 87, ckzw. 38 Millionen KL nur gering. Daß unsere Zahlungsbilanz trotz der durch die Krise hervorgerufenen Schrumpfung keinerlei Anlaß zu Besorgnissen für unsere Währung im Ausland gibt, ja, daß sie unter Be- irüAsich.tjgupa dxr Mise, als v.e,r häl.t,N,iIr. Ü-st stj.« Angesehen^i>Meu.^no,.dqL lehrt dkeGcgenüoerfiellung der lichten sieben Jahre. Ten hohen Ueberschüssen der Jahre 1930 und 1931 schließt sich im Jahre 1933 ein solcher von 232 Millionen KL an. Der Warenaußenhandel hat dazu nur 21 Millionen KL beigesteuert. Diese hohe Aktivität der Zahlungsbilanz haben in dem schwersten Krisenjahr 1933 die Einnahmen aus den Kapitalposten hergestellt. ein Unschuldiger in den Händen der Nazi-Henker Ein sozialistischer Emigrant, der in unmittelbarer Rahe des Tatortes war, dessen Namen aus Gründen der Sicherheit für in Deutschland befindliche Menschen derzett. nicht genannt werden kann, schreibt der SAJ: Das Sondergericht in H a l l e an der Saale am 12. Oktober den Sozialdemokraten und Der gnadenlose Goering Ei« 23jähriger hingerichtet OelS.(DNB.) Am 13. November 1934 ist der 1911 geborene Joseph K n o s p e in Oels hingerichtet worden. Knospe war am 22. März 1934 vom Schwurgericht in Oels wegen Raubmordes an der Kolonialwarenhändlerin Elsa Wei« nert in Freyhan zum Tude verurteilt worden. General Goeringin seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident hat von dem Begnadigungsrecht nicht Gebrauch gemacht, da Knospe sein Opfer, das ihm früher sogar Wohltaten erwiesen hat, in rohester Weise zu Tode gemartert hat und da der Mörder beretts zahlreich vorbestraft war, u. a. wegen schweren Raubes. Der Ruhm-er Wett Ein berühmter Schriftsteller war in die Stadt der hundert Türme gekommen. Er gehörte zu jene« Dichter«, die sich noch auf den elfen- l'inernen Höhen des Lübens bewegen. Seine Werke Handellen allein von der Liebe und ihren zahllosen Komplikationen, an denen besonders diejenigen zu leiden haben, die noch in der glücklichen Lage find, sich über nichts anderes den Kopf zerbrechen zu müssen. Doch wir wollen dem Dichter nicht Unrecht tun: seine Bücher waren in einer wohlgeschliffenen Sprache geschrieben, Ironie, die geistvolle Tochter der Erkenntnis, gab auch jenen Werken noch Größe und Ueberlegenheit, die von komplizierte» Gefühlen überströmten. Der berühmte Dichter stieg in einem vornehmen Hotel ab, mietete für sich und seinen Sekretär — berühmte Dichter und berühmte Filmstars, mertt euch das, reisen niemals ohne Sekretäre— ein Appartement und nahm huldvoll Nefe Berbeur gungen des EmpfangsHW^WgeKM"d'iü^'hseM dem international-bekannten Gast auf unserer Erde zahllos zuteil werden ließ. Der Dichter bat, man möge sein Inkognito wahren. Unangefochten wolle er die Schönheiten der Stadt, in der er zuletzt vor vielen Jahren geweilt habe, genießen. Man versprach es ihm. Und hiell sogar— welch AusnahmSfall— Wort. In keiner Zeitung stand am nächsten Morgen etwas von der Ankunft des großen Schriftstellers. Dem Empfangschef war eS sogar gelungen, die Reporter zu überlisten. Rur wer einen solchen je leibhaftig gekannt hat, weiß, was das bedeutet. Der Dichter unternahm also manchmal allein, manchmal in Beglettung seines Sekretärs, weit« Spaziergänge. Er streifte an den Ufern des Flusses entlang, er wandelte auf den Wegen der Boulevards und der Parks, er genoß die Stille eines anonymen Lebens solange, his es ihm über war. Denn er war den Ruhm der Welt, ihr Lob und ihre Huldigungen allzusehr gewohnt. So beauftragte er seinen Sekretär, die beiden berühmtesten Kollegen des Landes, die ebenfalls in der Hauptstadt ihren Wohnsitz hatten, von seinem men? Sie zeigt seit 1927 dieses Bild: Einnahmen in Ausgaben Saldo Millionen KL 1927 26.220 26.564— 344 1928 27.170 27.168+ 2 1929 26.661 26.748— 87 1930 24.069 22.970+1099 1931 19.432 17.693+1789 1932 10.636 10.669— 33 1933 7.879 7.674+ 232 Seit« 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 14. November 1934. Nr. 267 PRAQEit ZeiTUMft Die Prager StefLnik-Brürke gab Dienstag Anlatz zu groher Aufregung in der Stadt. Die Reparaturen, welche seit einigen Tagen an der Brückenkonstruktion vorgenommen werden, gaben phantasiebegabten Menschen Gelegenheit, das Gerücht zu verbreiten, daß die Brücke eingestürzt sei. Die Erregung legte sich aber bald. Anlatz zu Befürchtungen besteht nach Auskunft der zuständigen Stellen nicht, im Gegenteil, die Brückenpfeiler werden derzeit verstärkt und der gesteigerten Belastung angepatzt. Wohiürngsanmeldepflicht. Die Polizeidirek- Lion macht mit Rücksicht darauf, Last in der letzten Zeit des öfteren eine veraltete oder unrichtige Wohnungs- oder Aufenthaltsangabe festgestellt wurde, mit Nachdruck darauf aufmerksam, datz bei Wohnungsnahme der Hausbesitzer oder der Hausbesorger, bzw. der neue Mieter sebbst verpflichtet sind, binnen drei Tagen den neuen Mieter, bzw. sich selbst anzumelden unti nach dem Wegziehen binnen drei Tagen abzumelden mit der Angabe, wohin der betreffende Mohnungsnehmer gezogen ist. Bei Gewährung' von Unterkunft oder eines Nachtlagers, selbst wenn es sich um den Besuch von Verwandten handelt, mutz der betreffende Gast bei einem länger als einen Tag währenden Aufenthalt binnen 24 Stunden polizeilich angemeldet und bei seiner Abfahrt binnen 24 Stunden wieder abgemeldet werden. Gcrlchtssaal Defraudant aus unglücklicher Liebe Bedingtes Urteil: Durch drei Jahre Meidnng jedes Nachtlokals! Prag. Tief zerknirscht und reuevoll, zeitweise mit Tränen kämpfend, verantwortete sich gestern der 24jährige Privatbeamte Karl S., der vor dem Strafsenat des OGR. Dr. Päzderskh wegen schwerer Veruntreuung ungeklagt war. Der sympathisch aussehende junge Mann, der bei einer hiesigen Möbelfirma die Stellung eines Buchhalters und Kassiers versah, hat seit Juli d. I. nach und nach seiner Firma 19.800 Ke unterschlagen. Dieser Fehltritt hat ihn seiner Existenz beraubt und auf die Anklagebank gebracht. Der Vorsitzende fragt den geständigen Angeklagten nach dem Motiv seiner Verfehlungen. Der junge Mann berichtet, er habe eine grotze Liebe' zu einem Mädchen gefatzt, datz ihn später furchtbar enttäuscht habe. Üm seinen Kummer zu betäuben, griff der unglückliche Liebhaber zu einem recht Übeln Trostmittel. Er begann sich in Bars und anderen Nachtlokalen herumzutreiben, und verpuwerte solcherart eine Menge Geldes.. Die bescheidenen Einkünfte des kleinen Beamten reichten natürlich zu solchen Zerstreuungen n chc hin und so tat er denn die verhängnisvollen Griffe in die ihm anvertraute Kasse. Der Gerichtshof bewies für den Fall dieses entgleisten Zeitgenossen menschliches Verständnis. Der Angeklagte wurde zwar zu vier Monaten Kerker verurteilt, aber bedingt unter Zubilligung einet dreijährigen Bewährungsfrist.„Wenn Sie sich innerhalb dieser Frist nichts zu schulden konunen lassen und rin ordentliches Leben führen, wird die Strafe gelöscht und Sie gelten als unbescholten wie vorher", > belehrt der Vorsitzende den zerknirschten Verurteilten. Gleichzeitig erlegt ihm das Urteil noch zwei beson- ^>ere Bedingungen für die Bewährung auf. Erstens muß er sich bemühen, den angerichteten Schaden n ach Kräften aut zu machen. Zweitens darf der Angeklagte während der Bewährungsfrist keine Baxs oder sonstigen Nachtlokale besuchen, wenn er die Löschung der Strafe erreichen will. Sicherlich eine weise und praktische Vorkehrung I Bleibt nur zu hoffen, daß der junge Mann in die Lage versetzt wird, den Schäden„nach Kräften gut- znmachen", d. h. daß er eine Stellung bekommt, die ibm diese Gutmachung ermöglicht.- rb. »aast aas Wissen Fremdenverkehr Tiefes gestern in der Kleinen Bühne erstaufgeführte Wiener Lustspiel von F r e d H e l- I e r und Adolf Schütz beruht auf einem sehr hübschen, tvitzig und amüsant und dabei durchaus anständig durchgeführten Einfall. Eine Schriftstellersgattin, deren Hausstand durch'die Krise vom groß- auf ein kleinbürgerliches Niveau gedrückt wurde, benützt ihre Sprachenkenntnisse dazu, um als eine Art Nobelfremdenführerein durch Wien Geld zu/verdie- ntn. Aus einem international zusammengesetzten Kleeblatt, das ihr einmal in die Hände gerät, tut sich ein junger Engländer durch Originalität, Charme und Liebeshunger hervor. Die Frau, die sich aus Geschäftsinteresse als geschieden ausgibt, zündet bei ihm und fängt selbst Feuer. Aber die ganze Gesellschaft gerät scheinbar in. den Verdacht, mindestens einen, Banknotenfälscher unter sich zu haben, und durch den Zusammenstoß mit der Polizei kommt der Gatte auf den Fastfehltritt seiner Frau,, der Engländer auf ihren verheirateten Stand. Natürlich löst sich das in Wohlgefallen auf; vermutlich auch die kriminelle Seite der Angelegenheit, deren Auswalzung der einzige Schönheitsfehler des Stückes oder aber der Aufführung ist. Etliche Szenen hätten da gestrichen, etliche gekürzt werden können. Muß denn jetzt gerade jedes Lustspiel mindestens drei Stunden dauern? Aber davon abgesehen und trotzdem haben die Autoren, der Regisseur(L i e b l) und die fast durchwegs brillante Darstellung einen außerordentlichen Erfolg zu buchen. Frau Meller überzeugt vollkommen als die Frau, die verlockt, lockt und dennoch in der Gefahr nicht umkommt. In Herrn Egon von Jordan hat sie einen eleganten, ausgezeichnet charakterisierenden und nuancierenden, humorvollen Gentleman-Partner, in Herrn Leo Siedler einen sympathischen, warmherzigweltfremden Gatten. DoloresMo.ncasi zeigt sich von der besten, natürlichsten Seite ihrer Schauspielkunst: als lebfrische Wiener Volksschauspielerin, die das Herz und die Goschen am rechten Fleck hat. Lachstürme entfesselt D u d e k in der ergötzlichen, leicht sattrischen Szene auf dem Polizei- kommissarictt; sein Inspektor ist da ein Kabinettstück, das die beiden anderen, überflüssigen Auftritte dieser Figur nicht gebraucht hätte. Herr Volker spricht ein Holländisch-Deutsch von totticher komischer Wirkung, Herr Götz verwandelt sich nicht ohne Erfolg in einen Italiener, Herr Stabiler ist polizeiwidrig verschmitzt als Kriminalbeamter. Die Herren Schmerzenreich, Dörner, Bauer und Tauchen ergänzen in Episoden. Das fast volle Theater hatte einen ungetrübt vergnüglichen Abend. Es gab viel herzlichsten Beifall. Hoffentlich gibts nun auch einen kaffamäßig erfreulichen Dauererfolg. L. G. Druckfehler In der gestrigen Besprechung der „Giuditt«"-Aufführung. war an einer Stelle fehlerhaft„Opernprovinz" zu lesen, wo von „O p e r n p r o v e n i e n z" die Rede hatte sein sollen. Richttgstellung. In dem in der gestrigen Nummer erschienenen Bericht über die„Schillerfeier der Jugend" muß es in der dritten Zeile„den deutschen Name n", nicht„den deutschen Stamm" heißen. Arbeitervorstellung„Zwei Witwen", komische Oper von Smetana, am Sonntag, den 18. November, nm halb 3 Uhr nachmittag im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8—4, 2—6 bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Einmaliges Gastspiel Sybille Binder, Ferdinand Hart, WalterB e r g h o f.in dem Schauspiel „Die Marne"(La Francerie) von Paul Raynal in der Kleinen Bühne am 21. November. Regie: Dr. Alwin Kronacher. Gewöhnliche Preise. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute Mittwoch 7: Peer Gynt, B 1.■— Donnerstag 7%: D o n C a r l o s, C 1.— Freitag 7j4: Giuditta. D l.— Samstag 7%: Racht vor dem Ultimo, C2. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8%: HochklingtdasLiedvombravenMann. — Donnerstag 8:Fremdenverkehr.— Freitag 8:Fremdenverkehr, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Hoch klingt das Lied vom braven Mann. Deutsche sozialyenrokratische Frauenorganisatio« Prag Freitag, den 16. November um 8 Uhr ahxnds im „Monopol" Frauen- und Madchenabend Genosse Ernst Paul wird Mer das Thema „Querschnitt durch das Leben des sudetendeutschen Arbeiters" sprechen. Das Bezirksstanenkomitee. Spart• Spiel• Körperpflege; Statt Dank— lebenslängliche Disqualifikation Am vergangenen Samstag fand in Prag ein Fußballspiel statt, das von den allen Internationalen aus Prag und Wien bestritten wurde und 1:0 für Prag endete. Sonntag spielten die Wiener in Kuttenberg gegen eine Mannschaft 1:1. Für die Prager hat nun das Spiel«in überraschendes Nachspiel gefunden. Die mittelböhmische Gauleitung hat nämlich sämtliche Beteiligte auf Lebensdauer disqualifiziert, weil sie trotz Verbot antraten und weil die Wiener nicht im österreichischen Verband organisiert seien. Unter den nun gesperrten Prager Internationalen befinden sich u. a.: Janda, Kolenath, Horejs. Dvorakek, Pospisil, Po- drazil, Meduna. Also alles Spieler, welche nach dem Umsturz den ffchechisch-bürgerlichen Fußballsport zu Ansehen und Ehren brachten und dem Verband große Einnahmen verschafften. Nun haben sie den Dank erhalten und können in Ruhe über die Vergänglichkeit ihrer glanzvollen Aera nachdenken... Daß aber die Wiener Alt-Internationalen nicht im österreichischen Verband organisiert seien, nimmt Wunder, wenn man die Namen liest; oder will man die Organisation der Wiener Profispieler treffen und damit dem Herrn Meist einen Dienst erweisen. Die Wiener trugen ihre Spiele u. a. mit folgenden auch außerhalb Oesterreichs bestbekannten Spielern aus: Blum, Beer, Jzda, Regnart, Geyer. Diese und die,nichtgenannten sind nach Meinung des Prager tschechischen Mittelgaues unorganisiert« Spieler. Solange fie für Meifls Verband spielten, gewiß nicht. Man weiß wirklich nicht, wie uian so etwas bezeichnen soll. Ignoranz ist das schon nicht mehr... Schließlich aber ist diese Angelegenheit für uns nur insoweit interessant, als daß damit bewiesen wird, wie im bürgerlichen Sport Dank und Anerkennung ausgesprochen wird: indem man lebenslänglich— disqualifiziert. Im Interesse des alleinigen Geschäftsmonopols I Der Westgau wird energisch! Nach langem Zuwarten und ellenlangen Erklärungen hat sich die Westgauleitung im DFV doch aufgerafft und in einer Sitzung der Strafkommission u. a. beschlossen, den DSK. Neudek, auf dessen Platz bekanntlich der Graslitzer Schiedsrichter Müller verprügelt wurde, mit vier Wochen Vereinssperre, 300 Ke Geldstrafe zu bestrafen und seinen Spieler Kraus auf sechs Monate zu distanzieren.— Die übrigen Fälle wurden aber noch nicht bereinigt.— Der KFK.-Tormann Mittlöhner wurde gar auf neun Monate gesperrt, weil sich herausstellte, datz er als reiner Amateur doch Gage erhielt. Proteste in der Liga. Der Protest im Spiele Villoria Pilsen—Bohemians läuft noch imm:r. Bisher hat man in dieser Sache Wer 20 Personen einvernommen und wenn das Tempo so weiter geht, werden die Pilsener wahrscheinlich ein hohes Alter erreichen... ehe sie die Punkte erhalten.— Der Pilsener SK. hat bezüglich der Teplitzer Niederlage ebenfalls Protest eingebracht und begründet ihn damit, daß beim TFK. vier fremdländische Spieler mitwirkten. „Erziehungs- und Propaganda* mittel der Gegenwart" Ein kulturpolitischer Kursus des Bezirksbilimngs- ausschuffes der DSAP in Prag Donnerstag, den 18. November, halb 8 Uhr, im Parteiheim, Narodni tr. 4, erster Abend: Die Schule als Grundlage der Bolkserziehung Vortragender: Prof. Paul Fürstenau(Reichenberg). Las der Partei Versammlung der Sektion der Buchdrucker in Prag. Sonntag, den 11. November, fand eine Versammlung der Prager Sektion der Buchdrucker im Parteiheim statt, die sehr gut besucht war und einen anregenden Verlauf nahm. Zum Sektionsleiter wurde Genosse Hollmann und zum Schriftführer Genosse V. Neubauer gewählt; ferner wurde die Wahl von Vertrauensmännern vorgenommen. Genosse Schönfelder gab verschiedene Aufflärungen und die rege Teilnahme an der Wechselrede bewies viel Interesse. Es wurde beschlossen, öfter Versammlungen abzuhalten, in denen Referate über aktuelle Themen erstattet werden sollen.—r. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute, 8 Uhr abends, im Parteiheim wichtige Kreisleitungssitzung. Vollzähliges Erscheinen ist Pflichil Vcrciasaadiriditea SPD-Flüchtling« Prag. Nächste Versammlung Donnerstag, den 15. November, abends 7 Ahr Na Persthn 11, mit wirtschaftspolitischem Vorttag. Zutritt nur gegen Ausweiskarte. Der Film Berliner Schwänke Seit die Bergner, die Dietrich und Anna Sten, seit sogar die Harvey, die Gaal und die Nagy aus Berlin verschwunden find, ist di« grollende alte AdeleSandrock der einzige weibliche Star des reichsdeutschen Films geblieben. Immer wieder muß fie poltern und donnern, immer wieder schreüen und gespensterst: ein komischer Popanz zur Erheiterung eines Volkes, dem ein blutiger Popanz zum Schicksal geworden ist. Auch in den beiden Goebbels-Filmen, die man in dieser Woche zum ersten Male in Prag zeigt, muß die Sandrock als drohende Ahnfrau die versunkene deutsche Schauspielkunst und den erstickten deuffchen Humor repräsentteren. In dem einen Film, der „Die engttsche Heirat" heißt, muß sie dabei sein, wie die semmelblonde Renate Müller einen reichen Engländer erobert, und in dem anderen Film, dessen Name„Da stimmt was nicht", fft, muß sie dulden, daß ein reicher Herr mtt seinem hochstaple rischen Diener verwechselt wird, um schließlich das von d:..r Diener geköderte Dämchen für sich zu beanspruchen, — was der blödelnde Ralph ArturRoberts mit der an ihm gewohnten Aufdringlichkeit besorgt. Es genügt, diese Vorgänge zu berichten. Sie sind typisch genug für die krampfhafte Geistlosigkeit des hitlerdeutschen FilmS, mit dem Wer seit Anfang dieses Jahres noch immer Millionen Mark im Ärsland verdient wurden. Man rechne aus, wieviel Mordinstrumente, wieviel Sadisten-Ovgien und wieviel Lügenfeldzüge mit dieser Summe finanziert werden konnten. Und wer dann immer noch an solchen Filmen Vergnügen findet, der ist um sein Gemüt wahrhaftig nicht zu beneiden. Es ist ein Trost, daß gerade in dieser Woche wieder ein Prager Kino die Mädchen in Uniform^ vorführt. Es erinnert uns daran, daß es einmal eine deutsche Filmkunst gegeben hat, die Blut, Schmutz und Oede der Hakenkreuzmache Werleben wird.—eis— Der geheimnisvolle Doppelgänger Für einen Kriminalfilm ist der Titel allzu aufrichtig. Denn er verrät im voraus die Pointe. Und da der taubstumme Massenmörder, der im Zentrum der Handlung steht, von vornherein so verdächttg ist, daß niemand(im Zuschauerraum) an seiner Schuld zweifelt, bleibt nur noch die spannende Frage, wo er BfiwMlII„WeitMsM", PW Der Prager Bezirksverein„Arbeiterfürsorge" erläßt gemeinsam mit den übrigen Prager sozialistischen Organisationen einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:- Tas Schicksal der Arbeitslosigkeit macht vor keinem Hause Halt. Wenn es bisher an deiner Tür vorbeigegangen ist, so sei glücklich, datz du zu denen gehörst, die geben können und nicht bitten und nehmen müssen. Vergiß nicht derer, die dir"die Hände entgegenstrecken und deine Hilfe erwarten. Hllf den verzweifelten Vätern und Müttern, hilf den armen schuldlosen Kindern, hilf der arbeitslosen Jugend, der man den Segen der Arbeit genommen hat, die, kaum der Lehre entwachsen, feiern und hungern mutz. Beweise die Kraft der Hilfsberettschaft und die Solidarität-der arbeitenden Menschen, sie ist das Licht, das die Gegenwart erhellt und die Zukunft in einen Hoffnungsschimmer taucht. Wir können nur auf einem kleinen Teilgebiet die Not der Krisenopfer lindern helfen. Wir haben das Steinschönauer Gebiet, wo 48 Prozent der Einwohnerschaft arbeitslos sind, gewählt. In Steinschönau sind von 100 erwerbsfähigen Menschen 71 arbeitslos. In diesen Ziffern malt sich die ganze Not der Glasarbeiter in der Krise,. In diesen Ziffern spiegelt sich das Schicksal der unterernährten Kinder, die kraftlos den Schülerepidemien zum Opfer fallen, das Schicksal der vielen unglücklichen Kleinen, die nicht mehr die geistige Kraft haben, dem Unterricht zu folgen, weil ihnen der Hunger fast das Bewußtsein raubt. Seid ihres Schicksales eingedenk und helfet und gebet uns für sie. Wir sammeln für Steinschöna« und die umliegenden Orte: Geld— Kleider— Wäsche— Lebensmittel. Am 18. und 25. November vormittags kommen unsere Helfer und holen getragene Kleider und Wäsche und was sonst eventuell vorbereitet wurde(Schuhe, Lebensmittelspenden usw.) aus der Wohnung ab. Auch Geldspenden werden angenommen. Wir bitten um Zuwendung von Geldspenden, die von den Obmännern und Vertrauenspersonen der Organisationen fiir den Bezirksverein Arbeiterfürsorge Prag angenommen werden, sowie auf das Posffparkassekonto der Arbeüerfürsorge Nr. 95839 eingezahlt werde« können. den Doppelgänger untergebracht hat— und warum die untüchtige Polizei und der angeblich so tüchtige Kriminalreporter nicht auf die Idee kommen, ihn mittels gründlicher Hausdurchsuchung zutage zu fördern. Daß in diesem(von Phil Rosen sicher inszenierten) amerikanischen Film Witze gemacht werden und ein happy end stattfindet, währeW nacheinander fünf Leichen fallen, deutet darauf hin, daß er für den Geschmack jenen Wildwest-Staaten bestimmt ist, deren Unterhaltungsfilme fast die einzigen sind, die uns im Zeichen des Kontingents von jenseits des Ozeans bekannt wurden. Nun, da das Kontingent eine Leiche ist, werden wir(trotz aller neuerfundenen „Schwierigkeiten") hoffentlich bald auch Filme ans Amerika zu Gesicht bekommen, die nicht mit Leiche« scherzen.—eis—' Filme in Prager Lichtspielhäusern bis inklusive Donnerstag, den 15. November 1934. Adria:„Mutter Kradmerka"(Tsch.)— Alsa: „Hej R u pl" Voskovec und Werich.(Tsch.)—- Avion:„Du bist für mich die schönste."(E.) Beränek:„Maskerade."(D.)— Fenix:„Mutter Kradmerka."(Tsch.)— Kinema, B-Th.: Journal«, Groteske, Reportage. l^2—$£8.— Koruna:„Der geheimnisvolle Doppelgänger."(A.)— Kotva: „Don Juans letzte Liebe."(E.)— Lueerna:„Don Juans letzte Liebe."(E.) Olympie:„M äd ch e n in Uniform."(D-)—; Praha:„Der geheimnisvolle Doppelgänger."(A.)— Radio:„Maskerade." (D.)— Alma:„Vergessene Männer."(E.)— Bajkal:„Vergeffene Männer."(E.)— Belvedere: „Das Lied der Schwarzen Berge-"(Tsch.) Bcseda:„Casanova."(F.)— Carlton:„Das verliebte Hotel."(D.)— Favorit:„Maskerade."(D.) — Illusion:„Maskerade."(D.)— Lido:„Der heldenhafte Kapitän Korkoran." Burian.(Tsch.)—• Maceska:,.Künstler-Kabarett." Szakall, Grünbmmi. (D-)— RoxY:„Maskerade."(D.) Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab., 1934 das täglich erscheinende Zenttalorgan der deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Goaiaröemofrat" Verwaltung Prag Xll.. Fochova tr. 62, zum Preise von 16 Ke monatlich, und sende diese« Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Ke 16, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—,— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. 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