Sonntag, 18. November 1934 14. Jahrgang Nr. 271 Hszttereit 7D Helltr (einschließlich 5 Heller P«M IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG MAG XII., FOCHOVA<2. TELEFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Völhcrbundrat verschoben Dreleraussdiufi muß erst Saorbcrldit iertlRstellen Genf. Das Bölkerbundssekretariat teilte Samstag abends mit, daß ans Ersuchen des Vorsitzenden des Dreieransschuffes für daS Saar-Plebiszit, Baron A l o i s i, die außerordentliche Sitzung des Bölkerbundsrates, die am 21. d. M. stattfinde» und sich mit dem Saarproblem befassen sollte,.verschoben wurde. Die römischen Verhandlungen über das Saargebiet sind nämlich noch nicht abgeschlossen und werden noch einige Tage andauern. . Da der Völkerbundsrat das Saarproblem erst in Beratung ziehen kann, bis der Bericht des Barons Aloifi fertig ist, wird das Datum der Tagung des Bölkerbundsrates bekanntgegeben werden, sobald der Drrierausschuß in Rom seine Aufgabe erledigt haben wird. Masaryk dankt den sudetendeutschen Arbeitern Bon den großen sozialdemokratischen Kundgebungen in Karlsbad, Teplitz-Schönau» Komo- tau, Bodenbach, Jägerndorf und Mährisch-Schön- berg hatten 90.000 sudetendcuts her Arbeiter an den Präsidenten Masarhk Begrüßungsdepeschen gesandt, in denen sie ihrer Verehrung für den großen Waatsmann und Demokraten Ausdruck gaben. Die Kanzlei des Herrn Präsidenten hat das Zentralsekretariat unserer Partei gebeten, den su- detendeutschrn Arbeitern für diese Ehrung den Dank Masaryks zu vermitteln. Badische Landeskirche sagt sich vom Beichsbischof los Berlin. Die badische evangelische Kirche hat sich von der Reichskirche getrennt. In einem Schreiben an den Rerchsbischof Müller teilte der Bischof von Baden, Kühlewein, diesen Entschluß mit dem Bemerken mit, daß er im Interesse des religiösen Friedens die Autonomie der badischen Kirche unter seiner Leitung tviedcrherstelle. Dabei hatte Bischof Kühlewein noch vor zwei Monaten der feierlichen Inthronisation des Reichsbischofs Müller im Berliner Dom beigewohnt. Der Austritt der badischen evangelischen Kirche aus der mühsam geeinten Reichskirche ist bezeichnend für die Schwäche der Stellung des Reichsbischofs Müller, der nicht imstande ist, seiner Position di« allgemein« Anerkennung zu verschaffen. Massenverhaftungen in Spanien Barcelona.(Havas.) Die Verhaftungen von Personen, die der Teilnahme an dem letzten Auf- skmrd verdächtig sind, werden fortgesetzt. Unter anderen wurden das Mitglied des katalanischen Parlaments E s p a n a und der Abgeordnete der Madrider Cortes A g u a d e, ehemaliger Bürger- stleister von Barcelona, verhaftet. Andererseits wurden zahlreiche Personen entlassen, denen die Teilnahme an dem Aufstand nicht hinreichend vachgewiesen werden konnte. Oesterreich und PertevK Die Regierung Schuschnigg und ihre Presse bemühen sich verzweifelt, die Wahrheit über den Herrn PeräeviL, der bekanntlich zusammen mit dem Herrn Percic der Hauptinfor- vrator der»Reichspost" in Balkanangelegenheiten war und mit den öster- teichischen monarchistischen Kreisen engste Verbin- dung hatte, zu vertuschen. Doch werden inzwischen immer neue belastende Nachrichten über den Herrn Peröeviö bekannt. Zunächst einmal ist festgestellt worden, daß Perceviö einer der besten Freunde des gegenwärtigen Generalsekretärs der Vaterländischen Front und kommenden Bundeskanzlerkandidaten Obersten Adam ist. Roch belastender für Peröeviö und für Oesterreich ist die Tatsache, daß die Mörder Barthous und des Königs Alexander unmittelbar vor ihrer Abreise nach Marseille eine Zusammenkunft in Wien, und zwar in der Wohnung des PeräeviL hatten. Dies ist das Hauptmotw des Auslieferungsbegehrens,, das Frankreich in der Sache Percevic an Oesterreich gestellt hat. neue Sabotageakte ragen«Ile chinesische Luftflotte Shanghai. Nach Meldungen aus Han^au brach in den Schuppen des Militärflugplatzeswon Nantschang, der Hauptstadt der Provinz Mangsi, Feuer aus, das eine Anzahl von Flugzeugen der chinesischen Luftstreitkräfte vernichtete. Einige Schuppen fielen den Flammen zum Opfer. Die chinesischen Militärbehörden sind der Ansicht, daß es sich um Brand st iftung handelt und haben eine strenge Untersuchung angeordnet. Mehrere Personen.sind bereits unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet tvorden, über deren Nationalität bisher nichts mitgeteilt worden ist. Schon Ende August des Jahres war auf demselben Flugplatz Feuer ausgebrochen, durch das zwölf Bombenflugzeuge, die seinerzeit aus Amerika für die Nanking-Regierung. eintrafen, vernichtet wurden. Nach einer späteren Meldung aus Paris 24. d. M., zusammentreten, der Aufschub also Saar-Verfassung bei Status quo London.(Havas.)„Morning Post" meldet: Ein neuer Vorschlag, der die Möglichkeit der Angliederung des Saargebirtes an Deutschland sichert, falls die Abstimmung im Saargeviet für den Status quo ausfällt, ist vorbereitet, um dem Völkerbund vorgelegt werden zu können. Der Vorschlag wurde von einer Gruppe deutscher P a-r i s. Der ständige jugoslawische Dele- gierte beim Völkerbünde Fotikist nunmehr nach seinen Unterredungen mit Außenminister Laval und den leitende« Beamten des französischen Außenamtrs nach Genf zurückgekehrt. Außenminister Laval wird wahrscheinlich Montag abends nach Genf zurückkehren. An amtlichen französischen Stellen wird über diese Unterredung absolutes Stillschweigen mit dem Hinweis darauf bewahrt, daß die jugoflawische Regierung bisher dem Böl- kerbundsrate kein Memorandum unterbreitet und bisher auch keine amtliche Intervention beim Völkerbünde betreffend die Verantwortlichkeiten für das Marseiller Attentat unternommen habe. Der jugoflawische Außenminister 2 e v t i k ist Samstag abends von Belgrad nach Genf abgereist. Das Tsch. P B. meldet zu dieser Reise Jev- tic's, daß er das Memorandum der jugoslawischen Regierung über die politischen Beweggründe des Marseiller Attentats mitbringen und dem Völkerbund zur näheren Prüfung vorlegen wird. In diesem Einschreiten gegen die Marseifler Attentäter werde Jugoflawien durch Rumänien und die Tschechoflowakei volle Unterstützung finde«, so daß also die Staaten der Kleinen Entente in Genf solidarisch vorgehen werden. Eventuelle Beschwerden würden im Bölkerbundrat Paris.(Havas.) Rach Schluß der Aussprache, die vier Tage dauerte und hinter geschlossenen Türen stattfand, präzisierte am Samstag der Exekuüvausschuß der II. Internationale seinen Standpunkt hinsichtlich einer gemeinsamen Aktion mit der III. Internationale. In der gefaßten Resolutton heißt es: Während in Frankreich und in anderen Ländern die einheitliche Mtton zustande kam, wurden in Großbritannien, Holland, den skandinavischen Länden», der Tschechoslowakei«. a. die kommunistischen Anträge a b g c l e h n t. Unter diesen Umständen hat jede Settion der wird der Bölkerbundrat am Samstag, den nur drei Tage betragen. Emigranten ausgearbeitet. Nach diesem Vorschlag würde das Saargrbiet eine Ber/assung erhalten, fall- das Plebiszit für den Status quo ausfiele. Es würde eine autonome Regierung unter dem Schutze des Völkerbundes eingesetzt werden. Rach diesem Projekt würde nach fünf Jahreneine neue Abstimmung stattfinden, die endgültig darüber entscheiden würde, ob das Saargebiet Deutschland angegliedert wird oder nicht. wahrscheinlich er st s-äter,und zwar vielleicht im Fänner 193 5, eingebracht werden. Rur unvorhergesehene Ereignisse oder plötzliche Enthüllungen könnten verursachen, daß das Marseiller Verbrechen schon während der außerordentliche» Tagung des Bölker- bundrates behandelt würde. Man nimmt an, daß der Bölkerbundrat die Beschwerden der jugoflawische» Regierung wohl schon diesmal, aber in geheimer Sitzung behandeln wird, wobei er sich hauptsächlich mit der Form der Behandlung und Erledigung der Beschwerde befassen würde. Die Angelegenheit hat schon jetzt in Genf eine ungewöhnliche Erregung verursacht. Ein zu einfaches Rezept I Gömbös antwortet nicht anf die sechs Fragen der„Vreme” Budapest. Ausländische Journalisten haben an den Ministerpräsidenten Gömbös die Frage gerichtet, was er auf die in sechs Punkten zusammengefaßte Anfrage zu antworten wünsche, die das Belgrader Blatt„V rem e" im Zusammenhang mit der Untersuchung des Marseiller Attentates an ihn gerichtet hat. Ministerpräsident Gömbös antwortete:„Der königlich- ungarische Ministerpräsident hält es unter seiner Würde, auf solche Fragen überhaupt zu antworten." II. Internationale bei ihrer vollen Autonomie volle Handlungsfreiheit. Mehrere Delegattonen haben zwar diese Resolutton genehmigt, daneben aber eine eigene Resolutton unterfertigt, in welcher der Wunsch ausgesprochen wird,^ daß in nächster Zeit'n e u e Versuche auf Initiative der II. Internationale mit dem Zwecke unternommen würden, eine Vereinbarung herbeizuführen, die von einer Fusion mit der kommunistischen Internationale gefolgt sein.würde. Diese Resolution haben die französische, die schweizerische, die spanische, die italienische, die polnische, die russische"(sozialdemokra- ttsche) und österreichische Delegation unterzeichnet.' Sicherung des Weltfriedens Isolierung Deutschlands 1 Von Ulrich Hütten. Hitler bemüht sich in den letzten Wochen intensiver um seine„Verständigung" mit den Westmächten. Der Sondergesandte Ribbentrop ist erneut in Marsch gesetzt worden: in London, Paris und Rom soll er der sogenannten Isolierung Deutschlands entgegenarbeiten. In den deutschen amtlichen Mitteilungen wird nur erzählt, daß Ribbentrop Verhandlungen führt, nicht gesagt wird, über was er verhandelt und was die Ergebnisse seiner Bemühungen sind. Auch in der Presse der Länder, mit deren Regierungsmännern der Beauftragte Hitlers verhandelt, ist nicht viel Positives über Gegenstand und Erfolg der Verhandlungen zu erfahren. Einige Aufschlüsse gibt die besondere Funktion Ribbentrops, der als Sondergesandter des Führers in der Abrüstungsfrage bezeichnet wird. Daraus ergibt sich, daß Ribbentrop vornehmlich über die Anerkennung der Aufrüstung Deutschlands verhandelt und daß Hitler berett ist, wieder in den Völkerbund zurückzukehren, wenn seine Aufrüstungswünsche befriedigt werden. Als Hitler im Herbst des vergangenen Jahres den pompösen Ausmarsch aus dem Völkerbund vollzog, wurde das als eine große Dummhett der Hakenkreuz-Diplomatie bezeichnet und die fast allgemeine Schlußfolgerung war, daß sich Hitler- Deutschland damit endgültig isoliert habe. Die damalige provokatorische Aktion Hitlers hätte diese Wirkung gehabt,— wenn die übrigen Völkerbundstaaten darauf mit einer ebenso entschlossenen, energischen Aktion geantwortet hätten. Das war nicht der Fall und darum schädigte Hitlers Auszug aus dem Völkerbund nicht ernsthaft die Position Deutschlands, sondern viel mehr die Autorität des Völkerbundes, der sich dem auftrumpfen- den deutschen Störenfried gegenüber als machtlos erwies. Hitler-Deutschland hat damals bewußt das? Ansehen des Völkerbundes schädigen und seine Fundamente untergraben wollen, weil sein Ziel ist, anstelle des unter Frankreichs Hegemonie stehenden Völkerbundes einen unter der Hegemonie der fascisttschen Staaten stehenden neuen europäischen Staatenbund zu schaffen. Auf dem Wege des von Hitler erstrebten Zieles ist der alte Völkerbund ein Hindernis. Dieses Hindernis wollte Deutschland durch seine Aktion beseitigen oder zumindest schwächen. Das Ziel wurde durch die Ge- genaktton Sowjettußlands nicht voll erreicht. Die bewußte Absicht der Sowjetunion war, den Völkerbund durch seinen Eintritt zu stärken und die Gruppierungen des Staatenbundes unter fasci- stischer Hegemonie zu erschweren. In der durch den Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund geschaffenen Situation hat Hitlers Außenpolitik nicht ihre Grundsätze und Ziele, sondern nur ihre Taktik verändert. Sie glaubt jetzt ihr Ziel besser zu erreichen, wenn sie nicht weiter von außen gegen den Völkerbund stürmt, sondern die Neugruppie- imng von innen her versucht. Darum besteht jetzt in Berlin anscheinend die Neigung, in den noch nicht verstorbenen Völkerbund zurückzukehren und das Seltsame ist, daß Hitler bei diesem Bemühen gar keine großen Schwierigkeiten findet. Im Gegenteil, ein Teil der wichtigsten Völkerbundsstaaten ist nicht nur ftoh, wenn Deutschland zurückkehrt, sondern ist bereit,' Deutschland um seine Rückkehr zu bitten. Darum besteht bei den Verhandlungen Ribbentrops auch nicht der Wieder» eintrttt Deutschlands. im Vordergrund, sondern die Frage der Aufrüstungswüttsche, vdn deren Erfüllung Deutschland feine Rückkehr nach Genf abhängig machen wifl. Normalem Weis« müßten alle Völkerbundsstaaten die Wiederaufnähme Deutschlands davon abhängig machen, daß Deutschland gewisse Sicherungen gewährt und.Bcdingungxn erfüllt;,, tatsächlich. aber ist'.es umgekehrt und Deutschland macht seine Rückkehr von der Erfül-' lung der von ihm gestellten Bedingungen abhängig. Das charakterisiert die heusige'Weltsituation: Der Störenfried wird nicht ernsthaft isoliert und zur Ordnung gezwungen, sondern die von dem Störenfried Bedrohten, die die Erhaltung des Status quo. und um diesetwillen den Frieden wünschen, gehen in dem Bemühen, sich mit dem Störenfried zu verständigen und ihn zu befriedigen flock keine Intervention Jugoslawiens Voile Handlungsfreiheit der Sektionen der SAI bezüglich des Verhältnisses zu den Kommunisten Seite 2 Sonntag, 18. November 1934 Nr. 271 immer Wetter. Dabei werde« ihm Konzessionen gemacht, durch die seine militärische Macht, seine BündntSfähigkeit und seine Weltgeltung so gestärkt wird, daß er umso sicherer in dem ihm günstig er» scheinenden Zeitpunkt den Krieg vom Zaune brechen wird. Auch Frankreich und seine Verbündeten stehen den Borständigungsbemühungen Hitler- Deutschland» nicht mehr so ablehnend gegenüber. Kommt diese Verständigung in irgend einer Form zustande, so wird durch das Entgegenkommen an Hitler-Deutschland der Krieg nicht verhindert, sondern sein Ausbruch nur verschoben und augenscheinlich auf einen für Hitler günstigeren Zeitpunkt. Jedenfalls zeigt die Entwicklung» daß die sogenannte Isolierung Deutschlands nicht besteht und von den Böllerbundstaaten auch nicht an- gestrebt wird. Ferner erweist sich immer deutlicher, daß die bürgerlichen Regierungen der europäischen Staaten prinzipiell die grauenhafte Hitler-Diktatur nicht ablehnen, daß sie das System in Deutschland anerkennen und mit ihm zu paktieren bereit sind, wenn fie damit ihren nationalen Jn- tereffen zu dienen glauben. Im Interesse der Verhinderung des weiteren faseistischen Vormärsche» ist aber eine tatsächliche Isolierung Hitler-Deutschlands unbedingt nötig. Eine vollständige Isolierung, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiete würde die deutsche Aufrüstung hindern und die wirtschaftliche Krise im Lande und dadurch die Er« folgSauSsichten des antifascistischen Kampfes in Deutschland so steigern, daß das die Welt mit Krieg bedrohende Hitler-System wahrscheinlich gestürzt würde, bevor es den Weltkriegsbrand ausgelöst hat. Da die bürgerlichen Regierungen der europäischen Staate« nicht planmäßig und energisch auf diese wirtschaftliche Isolierung Hitler- Deutschlands hinwirken, ist es die Aufgabe der Arbeiterbewegung in allen Ländern, mit aller Energie und aller Leidenschaft in dieser Richtung zu wjxken und ihr Land zu der Politik zu veranlassen, durch die allein der Friede der Welt ge- sichert werden kann. das Preisniveau durch geeignete Regelung der Ein- und Ausfuhr einzutvirken. Die Regelung des Pieh- auftriebes in die Konsumentenzeatrim. vor allem in Prag. Pilsen, Brünn. Mähr.-Ostrau, einer nordböhmischen Stadt, Kaschau, Preßburg und Ujhorod ist der Ausgangspunkt der ganzen Regelung des Viehmarktes. Der Minister teilte schließlich mit, daß sein Ressort an einem Entwurf über die Landwirtschaftskammern arbeite, da die Landeskulturräte kaum in Zukunft ihre Aufgaben erfüllen könnten. Das Landwirtschaftsministerium wird auch beantragen. daß das gesamte landwirtschaftliche Schulwesen in angemessener Weise verstaatlicht werde. In der vorausgegangenen Agrardebatte sprach von unserer Seite Genosse Dchweichhart ausführlich vor allem über das Problem der Planwirtschaft, über das Getreidemonopvl und das Viehsyndikat und ging dann auch auf verschiedene politische Aeußerunzen ein, die von deutscher agrarischer Seite in den letzten Debatten gefallen sind. Wir werden die Rede im Auszug in der nächsten Folge unseres Blattes nachtragen. für die Aufhebung der PersonalsparmaBnahmen Am Freitag, den 16. November, tagte in Prag das Kartell der Verbände der staatlichen und öffentlichen Angestellten im Deutschen Gewerk- schaftsbund(Reichenberg) im Beisein von Vertretern der Zentralgewerkschaftskommission. Die Mitglieder der Zwölferkommission berichteten über die bekannten Verhandlungen mit der Regierung wegen der Aufhebung der Personalsparmaßnahmen. In der Aussprache wurde zunächst die Tätigkeit der Zwölferkommission anerkannt und auS- gesprochen, daß diese Körperschaft der Verhandlungspartner der Gewerkschaften mit der Regierung ist und daher aufrecht erhaltm bleiben muß. In der Besprechung der weiteren Aktion für die Aufhebung der Gehaltskürzungen wurde insbesondere auf die Härte verwiesen, welche der Wegfall des vorherigen Existenzminimums für die Angehörigen der niederen Gehaltsgruppen gebracht hat. E» wurde beschlossen, die Aktion in der Richtung der Aufhebung der Sparmaßnahmen insbesondere der Verordnung L2 282/88 wetterzuführen. Die„Deutsche Landpost" hält es für zweckmäßig, sich über„die berühmte Spürnase" der sozialdemokratischen Presse lustig zu machen. Die .Landpost" habe die Hacker-Rede richtig wieder- gegehen, aber, in der Setzerei sei ein Fehler passiert. Wir hätten also zu Unrecht behauptet, daß die„Deutsche Landpost" lediglich die Aeuße- rung Hackers über seine persönliche Haltung zur Henleinfront habe passieren lassen.— Dazu ist festzustellen, daß es bei uns nicht einer„Spürnase", sondern lediglich der Schere bedurfte, um den Widerspruch zwischen Hackerrode und Landpostbericht herauszufinden: wir beschränkten uns nämlich darauf, di« Richtigstellung der „Brüxer Zeitung" wiederzugeben. Wenn die„Deutsche Landpost" durch schlechte Witz« über uns von dem Faktum ablenken will, daß ihr von einem hackerfreundlichen Blatte eine„Retuschierung" vorgeworfen wurde, so ist das ihre Sache. Wie nehmen aber gerne zur Kenntnis, daß sich die„Deutsche Landpost" nunmehr in vollem Umfange zu den Aeußerungen Hackers bekennt, so daß also, was Hacker u n d sie betrifft, völlige Klarheit herrscht. Die politische Woche Da in der internationalen Politik einige Beruhigung eickgetreten ist und die großen Entscheidungen erst nach dem Zusammentritt des außerordentlichen Völkerbundrates gegen Ende der kommenden Woche zu erwarten sind, konzentrierte sich in der abgelaufenen Woche das ganze Interesse auf die innerpolitische Situation. Hiezu gaben die parlamentarischen Verhandlungen reichlich Gelegenheit^ Es gibt kein wichtigeres Problem politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Art, da» nicht im Zuge der großen parlamentarischen Aussprache im Plenum aufgerollt worden und dann nicht auch während der Ausschußberatungen über das Budget zur Sprache gekommen wäre. Gleichzeittg arbeitete die Regierung an den aktuellen Fragen, die in der Regierungserklärung erwähnt sind. Zwei große Fragen stehen hier voran. Die eine betrifft die durch die internationalen Ereignisse ausgelöste Verlängerung der militärischen Dien st pflicht und alle jene Fragen, die damit im Zusammenhang stehen, die andere die Sanierung der Selbstverwaltungskörper, die von allen Seiten als wahres Schicksalsproblem nicht nur für die Selbstverwaltung» sondern für die gesamte Bevölkerung bezeichnet wird. Die Fragen- auf deren richttge Lösung es hier ankommt, sind vor allem die finanzielle Bedeckung und die Fundierung der Sanierung, für welche naturgemäß neue Mittel aufgebracht werden müssen. Die Auseinandersetzungen darüber bewegen sich in der Richtung, ob Überhaupt, bzw. welche neue Quelle« für diesen Zweck erschlossen werde» können. Daß daneben auch die ganze Konstruktiv» der Sanierungsvorlage,— soweit es sich um di« Autonomie der Selbstverwaltung handelt— auch ihre politische Sette und damit ihre besonderen Schwierigkeiten hat, muß Wohl nicht erst besonders hervorgehoben werden. Soviel ist sicher, daß der Wille besteht, eine alle Teile wenigsten» zur Rot befriedigende Lösung zu finden. Aber es dürfte damit noch gute Weile haben. Ueberein- stimmend besteht aber der Wille, gerade in diesem Punkte die Lösung nicht allzuwett hinauszuschieben. Von Wichtigkeit ist auch da» Schicksal einer ganzen Reihe terminierter Gesetze, die mit Ende d. I. ablaufen und für den Fäll, als ihre Verlängerung beschlossen werden sollte, sehr rasch geklärt und legislativ vorbereitet werde» müßten. Die Fragen sind zumeist polittscher Natur, wie das Partetengesetz, zum Teils wirtschaftlicher Natur, so der Exekutionsaufschub für Landwirte und Arbeitslose, das Moratorium für die vom Unwetter betroffenen Gebiete usw. Es stehen aber auch sozialpolitische Fragen zur Verhandlung, wie die sich Jahr für Jahr wiederholende Frage der Valorisierung der Unfallsrenten und die Steuerabzüge der Privatangestellten. Daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer terminierter Gesetze, über die schon in kürzester Zeit eine Entscheidung gettoffen werden muß. Im großen und ganzen herrscht jetzt in der Politik rege« Leben, wozu die wachsende Wahl» animiertheit und Aggressivität der diversen„na« tivnalen Fronten" sehr viel beiträgt. Wie die Dinge liegen, wird es nach dieser Richtung hi» wohl viele enttäuschte Hoffnungen geben. Den» wer in unserem Lande sich umsteht und sehen will, der wird sich sehr bald überzeugen können, daß die Demokratie unseres Lande« in der Tradition und in den Menschen viel zu stark verankert ist, als daß dem reaktionären Ansturm ein Erfolg beschie- den sein könnte I Agrarische Planwirtschaft notwendig Exposee Hodias Im BudgetausschuB Prag. Landwirtschaftsminister Dr. H od za erstattete Samstag im Budgetausschuß ein Exposee. in dem er einleitend in einer Polemik gegen Dr. Rosche erklärte, die ununterbrochene Teilnahme der Agrarpartei an der Regierung führe die Partei nicht in Extreme, sondern zu christlicher Geduld(!) und zu Kompromißbereitschaft. Getreu dem Vermächtnis S v e h l a s bleibe die Partei in dieser und in den künftigen Regierungen. Auch in der Außenhandelspolitik sei die Partei zu einem konstruktiven Programm gelangt, hemm« also keineswegs die Han» delsbezieHungen mit dem Ausland. Der Minister erklärte u. Der Agrarpolitik ist es«Äungen, die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte au» den Agrarländern zu un» nach einem Grundsatz zu regeln, der sich bewährt hat. Er beruht nicht auf bloßen Kontingenten und Kompensationen, sondern auf P e r z e n- tualquoten. Wir gewähren jedem Agrarland, da» in Betracht kommt, einen gewissen Prozentsatz. Selbstverständlich wird die überwiegende Mehrheit, fast, 106 Prozent, der Agrarimporte au» dem Gebiete Mitteleuropa» bezogen. Rur soweit e» unsere handelspolitischen Interessen und KompensationS- rückflchten erfordern, überlassen lvtr eine bestimmte Quote den Ueberseestaaten. Da» Gotroitzeuwnopol bezeichne« der Minister vom Standpunkt des Jnlandmarktes,«der auch der AuhenhtmdelspelUÄ als ein« r, ß,» P tn«. « sei daher rin unerklärliches Rätsel, daß sich gerade di« Industrie s, hartntckig»ege» das Monatzel stelle« kennte. Infolge de» Monopols habe man bereit» gleich nach der Ernt« 8000 Waggon» Weizen in Iugo« stawien kaufen und weitere«000 durch iöption sichern können, obwohl diese Mengen zunächst nicht auf den Markt kommen. Da» wirkt sich, ohne unsere landwirtschaftlichen Schichten zu beunruhigen, zum Vorteil unserer Industrie au», denn diese kann im Rahmen de» Aeguivalent» nach Jugoslawien ihre Produkte ausführen. Auch zur Einfuhr einer bestimmten Getreidemenge au» Ungarn erklärt sich der Minister bereit, nur müßte Lequi» välent auch Holz cn»Sg«führt werden. Aus wirtschaftlichen Rücksichten müssen wir alle Bemühungen unterstützen, die auf die Belebung des AgrarblockS der mitteleuropä- sche« Staaten gerichtet sind, der in letzter Zett nicht gut funktioniert. Der Minister appelliert an alle Faktoren dieses Blocks, sich für ein große» und enge» Regionalabkommen mit einem bestimmten Aktionsprogramm einzusetzen, das in der Anknüpfung handelspolitischer Beziehungen mit Westeuropa gipfeln wütt>e. Die Ueberseestaaten führen nach Europa rund 100 Millionen Zentner Getreide ein. Die Ueber- schüsse Mitteleuropa» betragen nicht mehr als 18 bi» 20 Millionen Zentner. E» verbleiben also noch genug Exportmöglichkeiten für die Ueberseestaaten. Vor zwei Jahren habe der Minister al» Ziel der Agrarpolitik die Beseitigung der PrersdiSparität zwischen Landwirtschaft und Industrie und die Hebung des Preisniveau» der Agrarprodukte bezeichnet. Tatsächlich hat sich seither da» Preisniveau gehoben, und «vor durch Auftauf der Ueberschüsie, die auf da» Preisniveau drückten. Aber diese Injektion war keine Therapie, deshalb mußte man zu einer organischen Wirtschaftsreform greifen. Das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte bewirkt Ueberproduktion, die die Quelle der Krise ist. Daher mußte der autorit ative Eingriff de» Staate» erfolgen. Dieser Ein« griff bedeutet btn staatlichen Jnterventionalisniu» und nichts mehr, er bedeutet keinen Staatskapitalismus und keinen Staatssozialismus. Wir haben einen Mittelweg gefunden. Da» Landwirtschaftsministerium ist im allgemeinen mit den Ergebnissen des Monopolshstem» zufrieden. Selbstverftänd« lich ist die Reform kein vollkommene» Werk, im allgemeinen haben sich aber alle Komponenten der Ge- treideaesellschaft bewährt. Es gibt fteilich gewisse organisatorische Mängel und auf Grund der gewonnenen Erfahrungen wird an einer Rovellie» rungderMonopolveror'dnung gearbeitet, die jedoch weder die Struktur de» Monopols noch sein Programm und seine Prinzipien tangieren wird. Der Minister betont, daß die Gettoideanban- flächen nicht vermehrt, senden« in einzelne« Gerieten n» ch verringert»erden müsse». Wir haben noch ständig Ueoerschüss«; an deren Stelle must man Srsatzfrüchte«nsguen. Diese» Problem ist kompliziert und nicht leicht, ater«an darf sich davor nicht fürcht«. Wenn e»»ntee Mitwirkung der Industrie gelinge, die feste Abnahme zu festen Preisen soweit zu sichern, hast«an ans einer bestimmten Flicht die Ersatzfrüchte anbauen könnte, so wirr damit die Dan« de» Monopols und aller damit auch für die Industrie verbundenen Vorteile gesichert. Eine Planwirtschaft, bei der die Prodnktionsfreihrit ihre Grenze in dem Kampf gegen bi« Uebrrschüsse findet, ist notwendig. Die Regelung des Viehmarkte» kann keine blinde Nachahmung des Getreidemonopol» sein. Das bisherige Viehshndikat wird nach Möglichkeit bereit» 0^1. Jänner durch die Gesellschaft ersetzt, die nm allen Befugnissen au»gestattet sein wird, mn aus Anna Brügge lebt»och... EriLhl««S vom SV. J««i 1984 Von PeterTutei«. »Wo warst Du hin, Johann?" Anna Brügge richtete sich von der Waschbalge auf und sah fragend auf Johann. „Ich war nur spazieren." „Du weist doch, daß Du nicht zu den heimlichen Versammlungen gehen sollst. Vater hat es Dir doch verboten. Und mit der SA schon überhaupt nicht. Bleibe Du man schön ruhig zu Hause. Es ist besser für Dich." Es war aUerdings nicht so gemeint, aber man soll ja in dieser Zett auf seine Kinder aufpassen. ES ist doch merkwürdig, daß man beim Wasche» immer auf Gedanken kommt, Gedanken, di««inen nur unruhig machen. ES ist wohl besser, wenn man überhaupt nicht dentt. Es wäre doch am besten. Denn vom vielen Denken kann e» einem so sehen wie Onkel Hans. Onkel Han» wollte auch nur mal frische Lust schnappen. Und beim Spazierengehen kann man gleicherzeit viel sehen. Aber was man in diesen Lagen zu sehen bekommt, davon geht einem die Galle über. Und zum lieber« fluß hatte Onkel Han» die Angewohnheit, mit sich selber zu sprechen, leider zu laut, so laut, daß einer von den unzähligen Spitzeln, die sich in den Sttaßen herumtreiben, Onkel Hans anzeigte. Und nun, nun saß er im Konzentrationslager.—— Waschen bringt absolut kein Spaß. Heber» Haupt wenn die Taschen so dreckig sind wie Johanne» Taschen. Immer voller Tabak. Hundertmal hatte fie e» ihm wohl gesagt, aber immer wieder wurde es vergessen. „Johann, Du sollst doch daran denken, daß Du die Pfeife ausklopfst, bevor Du sie in die Tasche steckst.« Ja—* Anna sah nach ihm. Er saß und sah andauernd sein« Stiefelspitzen an. Denn die Stiefel waren neu... „Aber doch,— wo in Allerwelt hast Du die Stiefel her?— Hast Du Arbeit bekommen?— Nu red doch'n Ton, Johann." DA.—" „Herrjesu» nochmal— was sagst Du? Du bist bei der SA?— DaS ist aber schön. So bekommst Du wenigstens Attcett. viel Glück mein Junge.. Anna war froh. Nun bekam Johann doch nochmal Arbeit. Allerdings— bet der SA. Aber, was soll man machen. Anna konnte zuerst kein Wort sagen. Heutzutage bedeutete SA. Arbeit, Brot und Verdienst. Aber dann fand sich Anna rasch hinein. Das lernt man in dieser Zett, in einer Zett, wo jeder Tag neues brachte. Aber jetzt mußte man aufpassen. Jawohl, aufpassen. Nicht mehr die Zeiten vergleichen. Run, da Johann bei der SA ist. heißt es doppelt aufpaffen. Nicht darum, daß Johann sagen könnte, seine Eltern sind Sozialdemokraten. Nein, das wird er nicht machen. Aber, es könnten Freunde kommen, und dann ein Wort zuviel, dann ist der Teufel los. Ja, ja. aufpassen mußte man. Sonst könnte eS einem so gehen, wie Frau Wiese, die hier im Haufe wohnt. Ihr Sohn ging auch zu der SA, Freunde kamen und gingen. Rur Frau Wiese konnte nicht den Mund halten. Nein, das konnte sie nicht. Was ihr nicht paßte, da» sagte sie. Und die Folgen? Frau Wiese sitzt nun schon lange im Gefängnis, wegen Verächtlichmachung der Regierung.— Aber wie soll Anna es Hermann, ihren Mann, beibringen? Hermann der schon als„Roter" weit und breit bekannt war. Wenn der hörte, daß sein Sohn bei der SA ist, Freudensprünge wird er nicht machen, und zum Ueberftuß war Hermann noch so hitzig. Anna sah auf die Uhr. Es ist Zeit, daß Anna zur Fabrik ging, wo Hermann arbeitete. Auf keinen Fall durfte Hermann von anderen Leuten erfahren, daß Johann zu der SA gegangen ist. Hermann ist so jähzornig. E» könnte etwas passieren. Hermann Brügge wurde rasend, wie er diese Neuigkeit erfuhr. Er schimpfte in allen Tonarten. Er, Hermann, ein Sozialdemokrat. Und sein Sohn ein— Nazi. Da soll doch der. Hermann wurde viel rasender als Anna eS befürchtet hatte. Sie hatte Not und Mühe, ihn einigermaßen zu beruhigen. Anna beeilte sich mit Hermann, daß sie nach Hause kamen. Hermann konnte auf offener Straße verhaftet werden, so laut fluchte er. Hermann mußte sich selber zuletzt sagen, daß es keinen Zweck hatte, Krach zu machen. Aber aufpaffen. Zum Donnerwetter,— ja, aufpaffen vor seinem eigenen Sohn. Jawohl. Aufpaffen. Sich selber in acht nehmen vor seinem eigenen Sohn. — Zum Teufel nochmal. Das ist ja zum Kotzen. Zuletzt hatte Anna Hermann ooch soweit, daß er versprach, keinen Krach zu schlagen. ES ist nun einmal geschehen. Auch mußte Hermann versprechen mit Johann nicht mehr über Politik sprechen zu wollen. Die erste Zett blieb Johann noch bei den Eltern wohnen. Es war eine schwere Zeit. Hermann wurde zuletzt nervös. Sogar sein Radio, den er selber gebaut hatte, diel ihm auf die Nerven. Alle»,—— alle». Glücklicherweise wurde Johann in kurzer Zett versetzt. Johann wurde befördert. Er kam zu einer Leibwache bei einem höheren Führer. Anna und Hermann atmeten auf.— Aber wenn Anna Johann in seiner Uniform sah, wurde sie sogar stolz auf ihm. Er sah ja so schneidig und niedlich aus. Und dann geschah da» Unglück. Eine» Abends kam Johann nach Hause Anna und Hermann saßen in der Küche. Johann war lustig und aufgeräumt. Er roch nach Wein. Na ja, man' war ja bei der SA. Anna konnte an Hermann sehen, daß es ihm nicht paßte. Hermann sagte nichts. Er wußte auch, daß Johann keinen Wert darauf gelegt hätte. Abend." sagte Johann und legte 28 Mark auf den Tisch,„da habt ihr beide etwa», macht euch auch mal'n guten Abend." Hermann sprang auf. Er war ganz weiß im Gesicht. „Nimm Dein gottverdammtes Berrätergeld vom Tisch.— Weg mit dem Dreck." Anna legte ihre beiden Hände auf den Arm von Hermann und sagte ruhig: „Aber Hermann, sei doch still." „Laß mich in Ruh'". Hermann sprang auf. Er sammelte da» Geld vom Tisch und warf e» plötzlich Johann in» Gesicht.— Klirrend fiel da» Geld auf den Fußboden.— Hermann und Johann starrten sich an. Johann zog langsam seine Hand züm Revolverhalter.— Es war still, unheimlich still.—— „Hermann,— Johann.—" schrie Anna. Keiner hörte auf sie. Dann ballte Hermann die Jaust und schlug Johann in» Gesicht. Johann taumelte so stark, gegen die Tür, daß sie aufging. Hermann ging auf Johann zu, aber da war Jo^mn schon au» der Tür. (Schluß folgt!) 9z. 271 Sonntag, 18. November 1934 Seit« 3 Die Sowjetwahlen Moskau.(Tatz.) Auf dem gesamten Staatsgebiet der Sowjetunion finden seit 1. November l. I. die Wahlen in die Sowjets statt. Nach Angaben der Zentral-Wahlkommiffion für Inner- Rußland haben bis zum 13. November die Wahlen in 979 Dorf-Sowjets Inner-Rußlands stattgefunden. Insgesamt haben 607.216 Personen gewählt. davon 293.686 Frauen. In di« neue« Dorf-Sowjets wurden 22 987 Bettreter gewählt. Im Vergleich mit den früheren Wahlen ist die Wahlbeteiligung der Frauen von 20.9 auf 24.4 Prozent gestiegen. Hw Hildebrand, ein deutsche» LOmpchen i dem Millionenheer der Sozialdemokratie hat es Ueberläufer gegeben, auch unter den Tausenden marxistischen Emigranten sind einige— meist aus wirflicher Not— der Fahne untreu geworden, aber Erscheinungen wie sie Strasser nun schon zu Wiederholtenmalen erlebt, kennt die marxistische Linke nicht. Es zeigt sich eben, daß dietotge- sagte mar xistische Idee doch ein anderes Band ist und eine andere Verpflichtung schafft als das Bekenntnis zur Schwarzen Front, die bei allem ehrlichen Wollen ihres Führers doch die Eierschalen der’ Hitlerei noch nicht abgestreift hat.„Qui mange du Pape, en meurf, sagen die Franzosen: Wer vom Papst ißt, stirbt daran. Wer durch Goebbels Schule gegangen ist, scheint die Anlage zu Verrat und Lumperei schwer loszuwerden. Otto Strasser wird seinen 2euten schon das stärkere Gegengift des Marxismus eingeben müssen, wenn er sie gegen die Silberlinge und den Lügendreck des Goebbels immun machen will! Strassers läuft zu Hitler über Bon Zürich aus hat einer der bisherigen Hauptmitarbeitcr Otto Strassers in der Leitung der Schwarzen Front, ein gewisser Franke-Grieksch, bekannter unter dem Kamen Hildebrand, einen Offenen Brief an Otto Strasser gerichtet und der Presse übergeben. In diesem Brief bekennt sich lHildebrand rückhaltlos zu Hitler und den braunen Mordgesellen. Er sucht(übrigen- auch in einem »ns vorliegenden Privatbrief an einen seiner Prager Bekannten) den Eindruck zu erwek- ken, als' habe er lange mit sich gerungen und Otto Etraffer aus innerster Ueberzeugung verlassen, dem widerspricht mancherlei. Z. B.: daß im selben Augenblick, da Hildebrand in Zürich von der„Liebe zu Deutschland" übermannt wurde, ein anderer Mitarbeiter Strassers in Prag dabei betrete« wurde, wie er de« Schreibtisch StrasserS erbreche» wollte (auch aus Liebe zu Deutschland!), daß Hildebrand sich nicht etwa politisch mit Strasser auscinandersetzt, sondern in dem Offene« Brief Beschuldigungen erhebt» die in Tonfall und Substanz dem Atelier des Goebbels entstammen, daß Hlldebrand in dem Offenen Brief durch Preisgabe privater Kenntnisse alles' versucht, «m Strasser nach Möglichkeit persönlich zu schaden, daß gewisse Behauptungen Hildebrands offensichtlich erlogen oder doch arge Entstellungen eines wahren Kerns sind, sich jedoch ausfallend gut in die gegenwärtigen Propaganda-Interessen Hitler- Goebbels' e^i«fügen, daß Hildebrand, wie er schreibt, sofort nach Absendung deS Briefes«ach Deutschland zurückkehrt„unabhängig von den Folgen" und entschlossen,„lieber im offenen Strom deuffchen Geschehens zu ertrinken, als im Sumpf der Emigration zu ersticken". Er wird wissen, warum er zurückkehrt, um den Judaslohn z« kassieren! _ Der Offene Brief ist eine widerliche ' Kriecherei vor Hitler. Unzähligem«!« wird kt Emigration„Verrat an Deutschland" vorge- Hllten. Worte wie„antideutsch, Landesverrat, «erbrechen gegen Deutschland" spicken das Send- »hreiben des angeblich aus freien Stücken Bekehr- ten. Die Erfüllung der deutschen Revolution sei einzig und allein die Aufgabe des deutschen Ren- schen unter Führung Adolf Hitler-. Die Emigration sei antideutsch, deutsch« > ndli ch,-bei Kampf gegen Hitler sei zu kmem Kampf gegen' Deutschland geworden. Aber' »as sind allenfalls noch politische Argumente, idenn sie auch dumm und verlogen sind.(Als ob Een i n antirussisch, rußlandfeindlich gehandelt hätte, als er in die Emigration ging, um den Zarismus zu bekämpfen, als ob Victor Hugo, als er London Louis Bonaparte bekämpfte, antifran» iäsisch gesinnt gewesen wäre!) Dann erzählt Hildebrand aber Räubergeschichten über einen«S a a r p l a«" Dito Strassers, einen angeblich vorbe» seitcten Putsch und Einfall im Saargebiet, Be- iprechungen in Frankreich und ähnliche Dinge, die Krade jetzt in Deutschland gebraucht werden und »le sich Goebbels im Zug der Saarpropaganda »hne Zweifel schweres Geld kosten läßt(in solchen I-Enthüllungen" über die Emigration wird jetzt *» Berlin überhaupt viel geleistet, auch über die «PD kursieren ähnliche Berichte, die Goebbels ^»scheinend serienweise herstellt). Weiter wird 1 Strasser vorgeworfen, er Hetze zum Kriege und berichtige Deutschland kriegerischer Gelüste, obwohl K genau wisse, daß Deuffchland friedliebend sst mck> war und daß das deuffche Volk und die deutsche Regierung unter keinen Umständen einen Krieg will. Als Beweis führt der Kämpfer Hilde- drand die Reden Hitlers und Heß an! Dann wird Strasser— was ihn freilich nur ehren «ann— beschuldigt, daß er mit Hitler nicht zu- iwnmenarbeiten wolle, daß er ihn hasse(wahr- lcheinlich soll er ihn für die Ermordung seines Ins Dritte Reich geflüchtet Freitag um neun Uhr abends wurde die Bodenbacher Polizei verständigt, daß bei Königs» dtühle, hart an der Grenze ein herrenloses Auto Hn Straßengraben stehe. Das Auto wurde als dem ^ietautobesitzer Eckert in Ullgersdorf gehörig sschergestellt, das der Thauffeur Löbl Friedrich Affte. Der Sachverhalt war rasch geklärt: Löbl 9 als Nazi bekannt und hätte sich sollen nach dem «chutzgesetz vor Gericht verantworten. Er zog es ^er vor. über die Grenze zu gehen. . Es ist natürlich nicht anzunehmen, daß Löbl den Entschluß, über die Grenze zu gehen, spontan laßte. Wer weiß, wie schwer es ist, die ständig der SA bewacht« Grenze zu überschreiten— “nb doch schon wiederholt Personen festgenommen Und wochenlang in Gefängnissen sestgehalten worden— kommt zu der Ueberzeugung, daß Löbl nur nn Einverständnis mit reichsdeutschen Nazistellen über die Grenze gelangen konnte. ES bestätigt sich also abermals, daß zwischen hüben und drüben kotz aller Ableugnung, recht rege und enge Be- äichuogen bestehe« müsse«. Wir haben bereits berichtet, daß an der sozialdemokratischen Kundgebung am Donnerstag inGablonz auswärtige Henleur-Anhänger in größerer Zahl teilnahmen. Das war um so merkwürdiger, als im„Gablonzer Tagblatt" vorher verlautbart wurde, daß sich die Gablonzer Mitglieder der Heimatftont an unserer Versammlung nicht beteiligen werden, weil sie keinen Parteihader wollen. Entweder handelte es sich dabei um ein Manöver, um zu verhindern, daß ortsiekannte Gablonzer Nazis plötzlich alS loyale Demokraten auftreten, oder es war eine Störung geplant, zu der nur auswärtige Stoßtrupps eingesetzt werden sollten. Tatsächlich kam der Reichenberger Bezirksführer der SHF, Prof. Jng. Weller, mit zwei Autobussen voll Henlemleuten aus Reichenberg herüber und auch aus dem Gebirge warm zahlreiche Anhänger der SHF erschienen. Das klare Uebergewicht der Arbeiterschaft in der Versammlung scheint aber den FeldzugSplan der Weller und Konsorten umgestoßm zu babm. Nichtsdrsto» weniger interessierte sich die Gablonzer Staatspolizei für die Reichenbergrr Stoßtrupps, um so mehr als sie in einheitlicher Kleidung, braune Westen und Sporthosen, angerückt kanlen. Sie hielt die Autobusse hei der Heimfahrt an der Stadtgrenze an und nahm die Personalien der Insassen auf.. Nun wird sich wohf, f^ststelley^lpssen» ob in Nordböhmen unter der Flagge der'Hrimatfront hakenkrenzlerischc Stoßtrupps weiter ihr Unwesen treibe» und ob die radikalen Henlein-Nazi von Reichenberg gegen dm Willm der Gablonzer Ortss- fübrung der SHF einen Uebrrfall auf dir sozial- demokratische Versammlung planten. * In diesem Zusammenhang« mit unserer Gablonzer Versammlung berichten die „Lidovc Novinv" über das Verhal» ten der Reichenberger Nazis folgendes: Auf dem Reichenberger Altstädter Platz beobachteten die Detektive der Polizeidirektion vor Die bodenlose Niedertracht der Danziger Behörden besteht nun darin, daß man die beiden Verhafteten nicht etwa vor ein Danziger Gericht gestellt hat, das zu überprüfen gehabt hätte, ob sie sich einer in Danzig strafbaren Handlung schuldig gemacht haben, sondern daß man sie, die Reich-deutsche sind, kurzerhand als„lästige Ausländer" abschob— obwohl natürlich hundert» Menschen aus Deutschland in der Danziger SA und anderen Dienststellen Danzigs politisch verhetzend tätig sind. Aber man ließ dm beidm„listigen Ausländern" nicht, wie da- in gesitteten Staaten üblich ist, di« Auswahl der Grenze, an die sie gestellt werden sollen, sondem übergab sie ganz einfach dm reichSdcuffch« Behörden, das bedeutet für sie Konzmtta tionslager oder Tod. Diese neue Schurkerei der Danziger Regierung beweist, daß man es bei ihr mtt einer Gesellschaft von politischen Strauchritte r n zu tun hat, die um der politischen Freundschaft willen, die sie zu Hitler hat, der reich-deutschen SA Opfer zuschiebt und dadurch zugleich die sozialdemokratische Arbeit in Danzig schädigen will. Danzig ist in mehr als einem Fall« auf den Völkerbund und die in ihm vertretenen demokratischen Staaten angewiesen. Es ist unbedingt notwendig, der fascistischen Danziger Regierung sehr scharf auf die Finger zu sehen und sie für die gemeine Henkerstat an Hirschfeld und Lola Berlow zur Verantwortung zu ziehen. Eine S(liurhciita( der Danziger Regierung Die Danziger Regierung, die vor einigen Tagen die„Danziger Volksstimme" eingestellt hat, hat einen neuen Schurkenstreich geliefert: sie ließ bei zwei Redakteuren der„Danziger Volksstimme" Haussuchungen vornehmen und einen Redakteur, den Genossen Fritz Hirschfeld, wegen„Greuelpropaganda" verhaften. Hirschfeld würde beschuldigt, mit ausländischen Stellen in Verbindung gewesen zu sein und „Lügenmeldungen" an antideutsch« Propagandazentralen weitergeleitet zu haben. Er habe eine Broschüre„Der Kampf um die BolkSberrschaft in Danzig" geschrieben, die„auf illegale Art und Weise veröffentlicht" werden sollte und Beschimpfungen der Danziger Regierung enthalte. Dazu stellt die Redaktion der„Danziger BolkSstimme" fest, daß Hirschfeld nie mit ausländischen Stellen in Verbindung war und an einer solchen Broschüre nicht mitgearbeitet hat. ES handelt sich gar nicht um eine Broschüre, sondem um eine Rrdcanlei- tung, die beim jetzigen Wahlkampf in Danzig Bertvendung finden sollte. Hirschfeld hat dm WirtschaftSteil und daS Feuilleton der „Danziger BolkSsttmme" bearbeitet, war also gar nicht polittscher Redakteur. Mit Hirschfeld wurde auch dessen Freundin, die an dem Danziger Stadttheater tätig gewesene Schauspielerin Lola Berlow, beschuldigt, „Kurierdienste verrichtet und Greuelmeldungen an Mittelspersonen weitergeleitet" zu haben. Lola Berlow war überhaupt nicht Sozialdemo k r a t i n, sie hat sich selbstverständlich auch nie politisch betätigt. Gesprochenes Wort verhallt, gedrucktes wirkt weiter! Kauft und verbreitet das Arbeiter-Jahrbuch 1935! BrudedS noch lieben), daß er sich zur„anti- sascistischenFront" bekenne und sich m i t dem Judentum versöhnt habe. Die Emigration wird als„geistige Fremden,legion'" beschimpft, von Deutschland ausgesagt, daß sein Weltbild Europa neu gestalten werde. Hoffentlich ist diese neue Erfahrung für Otto Strasser, dessen ehrlichen sozialistischen und revolutionären Willen wir nicht bezweifeln Wölfen,' umsomehr da er durch das GoebbelS-Hilde- brand-Dokument nur bestätigt wird, eine Lehr«. Otto Strasser hat seit Jahr und Tag nicht aufgehört zu verkünden, daß„der Marxismus tot", daß die Marxisten nur Emigranten und Gestrige, die Leute von der Schwarzen Front aber die einigen Revolutionäre seien. Nun, auch in Vie neue antimarxistische Aktion DaS Innenministerium hat auf Ansuchen des „Bundes der Deutschen" die„2 u d etendeut- sche Volks Hilfe" bewilligt. Dieses HilfWverl dient der Unterstützung der deutschen Erwerbslose«. DaS Hiffüwerk wird laut den Mitteilungen der büe- gerlichen Presse getragen von sämtlichen deuffche« Verbänden und unterstützt von allm deuffchen nichtmarxistischen Parteien. Die„Deuffche Landpost" fugt ihrerseits noch nachstehende Bemerkung bei:„Eine selbstverständliche Forderung des BdL. ist mit der Genehmigung Wirklichkeit geworden. Fest und zäh arbeitet die Partei des deuffchm Landvolkes weiter daran, dem drutschen Volke-»«ützen und zu helfen." I« welcher Weise dem deuffchm Volke genützt und geholfen werden soll, konnte man den Kurzberichte» deS— D t u t s ch l a n dsend er entnehmen, der sich seit Wochen auffällig viel mit tsche- chosiowakischm Angelegenheiten beschäftigt, dabei durchaus nicht in wohlwollender Weise. Die Mitteilung über die Gründung der„ Sudetendeutschen Volkshilfe" war dagegen von offenkundigem Wohlwollen getragen. Es wurde mitgeteilt, daß man der Not der Arbeitslosen begegnm wolle durch Spendm in Form von Leben-Mitteln, Kleidern und durch Arbeitsbeschaffung. Das ganze ist zweifelsohne nach dem Muster deS Goebbel'schen„Winterhilfswerkes" eingerichtet und dient vor allem den:— Wählerfang. Unsere Genossen werden gut tun, dieser neueste» antimarxistischen Aktton ihr Augemnerk zuzuwenden und unsere„Arbeiterfürsorge" eifrigst auszubauen. dem Rathaus einen Haufen Anhänger der Heimatfront, die sich auffallend benahmen. Ts waren durchwegs junge Leute, die den Polizeibeamten als ehemalige Mitglieder der deuffchen Nationalsozialistischen Partei bekannt waren. Alle hatten Sporthosen, braune Westen und Militärmützen. Auf diesen Mützen trugen sie außer dem Heimatfrontabzeichen noch ein Embleme, bestehend aus einer Stecknadel und einem Totenkopf. Einer der Jünglinge verteilte Flugzettel, die die fette Aufschrift hatten:„Sudetendeutsche T r a u e r h y m n e". Als die Henleinleute sich beobachtet sahen, zerstreuten sie sich, bevor noch einer von ihnen sichergestellt werden konnte. Später gelang es den Detektiven, in der Schückerstraße den 18jährigen Rudolf Hassek aus Reichenberg festzunehmen. Hassek trug auch Stecknadel und Totenkopf als Abzeichen. Bei dem Verhör wollte er eS zuerst in irgendeinem unbekannten Laden gekauft haben. Schließlich gestand er, daß diese Abzeichen die Mitglieder der Heimatfront um 1 XL verkauften. Ueber den Sinn der Symbole sei er sich nicht im klaren. Hassek ist ehemaliges Mitglied der Hakenkreuzpartei. Gegen ihn und Mei seiner Freunde wurde die Anzeige wegen Vergehens gegen 8 20 des Schutzgesetzes erhpbep«,Er-, der.2,4jährige, Franz T H oss' a ß-.., em.Faustischer, Atleranhäyger, u$>- der Speisen träger Wilhelm Lang Haffen mit anderen noch nicht festgestellten Haken kreuz lern vor der tschechoslowakischen Staatsflagge wiederholt„Pfui" gerufen und vor ihr ausgespuckt. Auf dem Tuchmachcrplatz kam et deS Abends zu neuen Zusammenrottungen der Henleinleute, die wieder auffallend uniformiert waren. Unter ihnen sah man den Leiter der Reichenberger Heimaffront, den Professor der Gewerbeschule Jng. Heinrich Weller, der den Heimatftontlern verschiedene Anleitungen gab. AuS der Menge hörte man Rufe wie:„Nach dem Ersten(gemeint war der 1. Dezember) schlagen wir los!" Die Zierde der„Deutsche» Landpost", der berüchtigte Mitarbeiter„Spreu st Körner"(den Spina und die Redaktion der „Landpost" aus unerklärlichen Gründen nicht abstellen können, obwohl sich die Herren über das alte Möbel schieflachen) zeichnet sich in seinem SamStagartikel wieder einmal besonders aus. Unsere Kundgebungen haben«S ihm angetan. Er schildert mtt bewegten Worten, wie leicht wir«S hatten, 90.000 Menschen in sechs Städten zu mobilisieren, während Henlein eS ungeheuer schwer hatte, in Leipa 15.000 bis 20.000 aufzubringen. Der gute Mann hat in seiner warmen Amtsstube offenbar gar keine Ahnung, daß eS einen Unterschied auSmacht, ob Arbeitslose stundenweit marschieren, oder oö seinesgleichen im Auto zur„Demonstration" fährt! Zwischendurch liest man die schlicht« Unwahrheit, wir hätten nirgends Henleins Zahl erreicht, obwohl wir in Bodenbach mindestens, ebensoviel wie Henlein und in Karlsbad um einig« tausend Teilnehmer mehr hatten. Ganz unverhüllt zeigt der olle Komiker der so demokratischen„Landpost" wieder seine Sympathien für Hitler und vor allem seinen Haß gegen den(chm gründlich unbekannten) Marxismus. Während die Not zum Zusammenhalten ztvinge, predige der Marxismus den Klassenkampf. Nun, wir wollen mtt Herrn Spreu st Körner nicht polemisieren. E r erkundige sich doch dabei bei den Bauern s e l b st, ob sie der Ansicht sind, daß sie ihre Not durch enge Zusammenarbeit mit den Bankiers und Konzernmagnaten oder nicht vielmehr im Kampf gegen diese beheben können! Mit jeder Nichtachtung von Vernunft und Wahrheit, die ihm eigen ist, behauptet S.& K., daß unsere RW(der Witzbold nennt sie„rote SA"), gegen„die Bauern, Gewerbetreibenden, Arbeiter und Angestellten" kämpf«. Dann zitiert er den B r e i t n e r, weil er auch wieder keine Ahnung hat, daß heute 80 Prozent aller Wiener den Breitner sehnlich zurückwünschen. Schließlich kommt die„Stimme des Blutes" vor— die ihn augenscheinlich zu Hitler und Goering zieht, und in diesem ebenso dummen wie gehässigen Kauderwelsch geht e> weiter. ES ist Sache der„Deutschen Landpost" und nicht di« unsere, sich der literarischen Tätigkeit dieses Herrn zu schämen, aber wir möchten Herrn Minister Spina doch einmal fragen, ob er glaubt, daß den gemeinsamen* Interessen von Bauern und Arbeitern und dem Interesse der Demokratie und deS Staates gedient ist, wenn er den dreisten Giftmischer S. st K.(der obendrein rin Beamter in öffentlichem Dienst und Kostgänger des dauernd verhöhnten demokratischenStaates ist), immer wieder auf die Leser der.Landpost" loSlätzt, statt ihm zu empfehlen, er möge, wenn er sich als heller Kopf erscheint, mit OetkerS Backpulver kochen, aber seinen Pudding anderswo servieren! Braune Stosstrupps in Nordböhmen Vor- und Nachspiele der Gablonzer Versammlung Zwei Antlfascisten nach Deutschland abgeschoben Seite 4 Sonntag, 18. November 1934 Nr. 271 Befehl von Hitler Tagcsnculghcltcn i Selbstmord in der Tatra Flieger soll ein umfangreiches Programm von öffentlichen Banditen sahen sich sech s s chußber e i t e n >s. Arbeiten durchgeführt werden, dessen Aufwand etwa eine Milliarde Dollars(24 Milliarden Kä) betragen wird. Für den Fall seiner Durchführung würde es an die Stelle allex direkten Hilfsmaßnahmen treten. Geplant ist vor allem die Elektrifi- fizierung der Provinzgegenden, eine Vervollkommnung des elektrischen Ueberland-Netzes auf dem amerikanischen Kontinent und schließlich der Bau von Wohnhäusern, um das Wohnungsniveau zu heben. Nach der Rüstung die Kriegsvorberettung Berlin.(AP.) Da die Regimenter der Reichswehr heute bereits dreifach aufgestellt sind(die Zähl der Divisionen ist, wie bekannt, von 7 aus 21 angewachsen), werden Maßnahmen ergriffen, um den dadurch entstehenden Bedarf an Offizieren zu decken. Zunächst einmal sind frühere Reserveoffiziere in großer Zahl einberufen worden und erfahren Ausbildung, um sie mit dem neuesten Stand der Militärtechnik angesichts der vielen vorgegangenen Veränderungen vertraut zu machen. Eine große Anzahl von Reichswehroffizieren ist zu Kursen über„Planwirtschaft"(will heißen: Kriegswirtschaft) kommandiert. Am wesentlichsten ist jedoch, daß alle Reichswehroffiziere Ausbildung in der nächst höheren Einheit erhalten, um sofort nach Kriegsausbruch befördert zu werden. Das heißt ein Leutnant oder Oberleutnant, der.bisher yur Zugsdieust machte, muß jetzt zur Vorh^reuung ,auf die Hauptmann-Charge Kompagniedienst machen, ein Hauptmann cntspre- cbcnd Bataillonsdienst usw. Heue japanische Terrorakte an der Ostchina-Bahn Chabarowsk.(Taß.) Wie Mitteilungen aus Ehärbin besagen, hat das willkürliche Verhalten des japanischen Kommandos der Ostchinabahn nicht aufgehört. Am 2. November teilte der Direk tor der Ostchinabahn Rudij der Bahndirektiop mit, daß er vom Leiter der japanischen Militärmission ein Telegramm erhalten habe, welches das Ersu chen enthielt, die Arbeiten in der Lederfabrik an der Ostchinabahn einzustellen und die Fabrik an eine andere Stelle zu verlegen, da im derzeitigen Gebiet der Fabrik Kasernen für japanische Solda ten erbaut wurden. Rudij antwortete, das Gebiet in der Nähe der Fabrik der Ostchinabahn, auf wel chem die Kasernen erbaut wurden, sei zwangsweise ohne Einverständnis der Direktion besetzt worden und er werde deshalb die Angelegenheit an die Bahndirektion zur Ueberprüfung weiterleiten.— Am 22. Oktober bestiegen japanische Militär beamte ohne Fahrkarten einen Zug in der Station Maoerfhan und berschten dem Wagenschmicrer Iaklowew mehrere Schläge ins Gesicht, weil er von ihnen die Fahrkarten verlangte und sie am Ein dringen in den für die Zugsbrigade bestimmten Waggon hindern wollte.— Am 31. Oktober be setzte ein japanisches Kommando willkürlich die Wohnungen zweier Sowjetbürger in der Station Chendaochedi. Sie stellten in diese Wohnungen Möbel aus dem gleichfalls willkürlich besetzten Eisenbahnerklub der Station Progranitschnaja ein. — Alle diese Tatsachen wurden dem Generalkon-■ Mahlzeit zu halten, in einer großen Hütte ver- sulat der Sowjetunion in Charbin mitgeteilt, da- i sammelt, als der Blitz einschlug. Weitere neun mit dieses die entsprechenden Maßnahmen einleite.! Eingeborene wurden schwer verletzt. SS Reger vom Blitz erschlage« Wie Reuter aus East-London in Südafrika meldet, wurden in der Nähe des Kap der Guten Hoffnung bei Clarksbury 66 Eingeborene durch einen Blitz getötet. Sie waren, um ihre Revolvern gegenüber. Es entwickelte sich ein wilder Kampf in dessen Verlauf zwei Beamre leichte Schußwunden erlitten...Die vier Verbrecher wurden schließlich überwältigt und ins Gefängnis gebracht. Matuschka zurechnungsfähig Budapest. Nach dem Zeugenv.erhör erteilte Matuschläprozeß der Vorsitzende dem Ge* ------——--- vom medizinische« Hitler-Orangen wollen die Londoner nicht Paris. Das Havasbüro meldet aus London, daß Freitag am Londoner Niarkt 40.000 Stück Orangen aus Spanien eintrafen, die in Papier mit dem Bilde Hitlers eingewickelt waren. Die Bevölkerung von London lehnte es ab, diese Orangen zu kaufen. Wie festgestellt, gelangten diese für Berlin bestimmten Orangen durch einen Irrtum auf den Londoner Markt. 200 Tote durch einen Taifun Manila.(Reuter.) Den letzten Nachrülltc« zufolge sind bei dem heftigen Taifun in Mau««« an 200 Personen ums Leben gekommen. Aus bei Insel Luzon fanden 30 Personen den Tod. 2« diesen Ziffern sind auch zahlreiche Personen inbegriffen, die in der durch den Taifun verursachte« Brandung ertranken. Dem Arbeiterkind das sozialistische Kinderbuch! Fritz Rosenfeld: Tirilin reist nm die Wett In einer Gesamtauflage von 25.000 Exemplare« deuffch, tschechisch, schwedisch, norwegisch, holländisch und ungarisch erschienen. In Halbleinen gebunden, reich illustriert, n«r 12 Konen Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XU., Slrzka 14. Kolporteure erhalten Rabatt! Rund um die Welt ohne Zwischenlandung Auckland(Neu- Seeland). Der Pangborn, der sich an dem Fluge London—• Melbourne beteiligte, plant einen Flug um die Welt o h st e Zwischenlandung. Er will im Juli nächsten Jahres an der Ostküste der Vereinigten Staaten starten, wird die Betriebsstoffvorräte in der Luft ergänzen und hofft, den Flug in 101 Stunden zu absolvieren. Pangborn wird wieder der Flieger Turner begleiten, mit dem sich P a n g b o r n bei dem Fluge London— Melbourne an dritter Stelle placierte. im_ richtssachverständigen Nemeth das Wort, ser gibt eine Beschreibung t Standpunkte, wobei er die körperlichen Merk- male Matuschkas eingehend behandelte. Matus^a. fühle, so sagte der Sachverständige, Reue uD der Angeklagte selbst? habe einmal gesagt, ive«« er damals zurechnungsfähig gewesen wäre, hätte.! er den Tod verdient. Erst jetzt, nach dem Ablebe« Leos, sei er vollauf geheilt. Der Sachverständige nennt Matuschka eine« Mann krankhaften Ehrgeizes, der stets die Sw besitze aufzufallen, der welchem dies aber nicht z«s Manie wurde. Das fromme Verhalten sei blob äußerlich. Matuschka sei im großen und ganze« als zurechnungsfähig anzusehen.M Arbeitsbeschaffung In USA Aufwand eine Milliarde Dollar Washington.(Reuter). Im Rahmen der Federalaktion, betreffend die Arbeitsbeschaffung, Zipser Neudorf. In Mlynickä dolina in der Hohen Tatra fanden dieser Tage Arbeiter, die eine Sprungschanze reparierten, den 24jährigen Loses O n d e r k a aus N e u- T i t s ch e i n schwer verletzt auf. Der Unglückliche, der stark erschöpft war, gab an, daß er unterhalb des Berggipfels Patrie mit seiner Verlobten Lydia Veselkovä gemeinsam Selb st mord verüben wollte und daß die Veselkovä dort tot liege. Eine Rettungsexpedition des Klubs der tschcchosl. Touristen machte sich sofort auf, um nach dem zweiten Opfer der Tat zu forschen. Nach längeren Nachforschungen tvurde die Leiche des Mädchens auf dem Gipfel Brigant unterhalb des Gipfels Patrie bei dem bekannten Wege von S t r b s k e nach P o- pradske Pleso aufgefunden. Die erste Hilfe wurde dem verletzten Onderka in Strbske Pleso zuteil, wo er auch von der Gendarmerie verhört wurde. Er gab neuerlich als Beweggrund der Tat Selbstmordobsicht au, die er.gemeinsam mit der Vcscllövä gefaßt hättt^ Eine Ehrung Viktor Adlers an seinem Todestag. Obwohl das Grab Viktor Adlers auf dem Zentralfriedhof in den letzten Tagen von einer größeren Polizeiabteilung streng betvacht war, ist es einer Gruppe von Favoritncr Sozialisten gelungen, am Sonntag zwei große Buketts roter Nelken auf das Grab zu legen. Die Buketts Ivaren mit Schleifen versehen, die folgenden Text trugen: „Wir kommen wieder, wir vergessen nicht!" Das Leichenbegängnis des Ministerialrates Genosse« Dr. Beleminskh fand Samstag vormittags in der Halle des Prager Krematoriums unter zahlreicher Beteiligung statt. Nachrufe hielten u. a. ein Vertreter des^ Schulministeriums, Genosse P a c z ä k für den Vollzugsausschuß der tschechischen sozialdemokratischen Partei und der„Dkl- nicka Akademie" und als Vertreter der deutschen Pestalozzigesellschast Dozent Dr. Weigl.-— Ms Vertreter der deutschen sozialdemokratischen Partei sowie des Klubs der deutschen sozialdemokratischen Landesvertreter nahm an dem Leichenbegängnis'Genosse Dr. Strauß teil. Piccards Bruder war 11 Meilen hoch. Der Aeronautische Verband ir. Detroit hat die Meßinstrumente des Stratosphärenballons Piccards geprüft und sestgestellt, daß Piccard und seine Frau am 23, Oktober die Höhe von 11 i Meilen(17.672 Meter) erreicht habe». Piccard hatte damals die Absicht, bloß his zur Höhe von 9 y s Meilen aufzusteigen. Bon heißem Sirup tödlich verbrüht. In einer Zuckerfabrik in Dürnlraut auf dem Marchfeld ereignete sich ani.Samstag ein Unglück. Aus einem großen Kessel begann plötzlich heißer Sirup zu entweichen. Der 55jährige Michael Reinwald, der den Kessel bediente,"wurde von der glühenden Flüssigkeit erfaßt und erlitt Verbrennungen, dennen er, bald irr Krankenhaus erlag. Von vier Männern vergewaltigt. Am Mittwoch wurde in Lodz ein schweres Tittlichkcitsver- brechen verübt. Die 19jährigc Lola P. begab sich nach dem 2. Ambulatorium der Sozialversicherungsanstalt an der Pctrikauer Straße 17. Auf dem Hofe traf sie ihren Bekannten, den im Hause Poludniowa 21 wohnhaften Abram Kozlowski. Dieser lockte sie unter einem Vorwande in den Keller. Dort warteten drei andere junge Männer, die sie zusammen mit Kozlowski zu Boden warfen und der Reihe nach vergewaltigten, worauf die Burschen die Flucht ergriffen. Die UeberfaUene begab sich zur Polizei und erstattete Meldung. Kozlowski wurde verhaftet.. Nach den anderen drei Wüstlingen wird noch gefahndet. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programme«’ Montag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichtl«- 10.40: Operettenmusik auf Schallplatte», 13.8«' Mittagskonzert, 13.45: Chansons, 16.55: Kindes' ecke, 17.20: Schallplatten: Tschaikotvsky, 174«’. ViolincellküUzert,. 18.20: Deutsche Sendung:!th!' ter: Aus dem neuen Pensionsversichcrungsgofctz T«*. die Privatangestellten, 18.40: Dr. Moucha: Volksbildung in unserer Zeit, 18.55: Deutsche Prelis' 10.30: Uebertragung aus dem Nationaltheatcr: Meistersinger von Nürnberg, 22.15: TanznyW 22.30: Deutsche Nachrichten. Sender S.: 14:2«’ Deutsche Sendung: Viertelstunde für die Fr««' 14.50: Deutsche Presse. 19.15: Caruso auf Scho«, platten.— Brünn 12.10: Arbeitsmarkt, 13.4«' Schallplatte»: Zeller, 17.45: Deutsche Sendung: M Allerhand: Abbmi des Hasies, 18: Naturwunb« Finnlands.— Btähr-Ostrau: 18.20: Deutsche düng: Arbeiterfunk: Prof. Rapp: Opernarien W Schallplattem— Preßburg. 17.10: Konzert. Dirnstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachricht^!' 11: Schallplatten, 11.05: Deutscher Schnlfu«-- 12.10:' Chöre auf. Schallplatte«, 16.45: Kin?cl stunde, 17.05: Opernarien. 17.50: Klavicrkoinp^ sitionen, 18.20: Deutsche Sendung: Benda: Wi4 schaftliches Relief, 18.30: Romantische.KlabicrnE' 18.55: Deutsche Preffe, 19.10: Konzert derhr«n Namen. Bo« der Schönheit des KatzenlebenS. Sind die Katzen schön und worin beruht ihre Schönhctt? Sie haben nicht die Mannigfaltigkett «i Erscheinungsformen des Hundes, wachsen kör- prrlich nicht über«in gewißes Maß und können ^«»sowenig auf di« Dauer unter diesem Maß gehalten werden. Ein gewiße» Farbenspiel und ein Avisier Farbenwechsel ist alle», wa» die einzelnen Exemplare im allgemeinen voneinander unterscheidet. Pitt, Fox, Nero. Läsar, Waldl, so nennen I stir unsere Hunde und unterscheiden sie durch ihre Amen. Di« Katzen aber find namenlo». Mietz, «ter, Schnurl, Tschitschitschti rufen wir schließlich alle Katzen, wir finden für die Einzelkatze fast stin charakteristische» Merkmal, wir begreifen die stoße nur als Typus. Und diese überindividuelle Vstichart, die Harmonie, die alle» Katzenleben Archzieht, sei e» nun da» Leben einer Katze beim königlichen Hof oder einer Katze im Lichthof einer oinskaserne, die Solidarität der Lebensgestaltung den Katzen, denen es offenbar ganz gleich ist, sie am Tische deS Reichen schmausen oder am Hungertuch de« Armen mittnagen, die da wie dort Miauen, knurren, schnurren, stehlen, Mäuse fcm» Meinl-Tee Direkter Import gen oder auch nicht fangen, in Kellerlöcher oder auf Dachstühle kriechen, den Mond ansingen oder in die Sonne blinzeln: die Großartigkeit ihres F r e ih eitsb e g riffes und ihres freien LebenS, das empfinden wir Menschen als schön. Katzenmoral. Auf leisen Sohlen schleicht die kleine Bestie heran. Man sieht sie nicht und hört sie nicht, auf einmal ist sie da. WaS wir in Märchen geträumt, in Experimenten der Technik und Phantasie erstrebt, was Gyges mtt seinem Ring und Siegfried mit seinem Wunderhelm versucht hat, hier wirds Erlebnis: die Katze hat das Problem des Nichtgesehen« und NichtgehörtwerdenS gelöst. Die Sanftpfoten als Tarnkappe. Der kleine Katzenkörper, der sich durch alle Lucken zwängt, über Stück und Stein springt, klettert, kriecht, er kann sich ducken und ist nicht da, er kann sich dehnen und wächst ins Maß des Ueberirdischen, er kann Zwerg und Riese sein. Was immer er aber ist, er ist es immer l e t s e, er ist es immer diskret. Ob die Katze in wildem Wirbel eine Maus zu Tode hetzt oder ob sie in gemächlichem Räkeln zur Ofenbank aufs Spielplätzchen schleicht, sie macht kein Aufsehen davon. Tragödie und Idylle, beides spielt sich ab wie auf schwerem Brokat. Nur ein leises Knistern, sonst nicht». Wozu der Lärm? Es starb ja nur eine MauS und es handelt sich ja nur um eine ganz private Siesta. Die Katze hat eben Lebensart. Vielleicht am deutlichsten zeigt sich das und ihre ganze Moral in ihrem ReinlichkritsfänatiSmu». Sie liÄbt für ihre Lebensfunktionen, wie gesagt,«icht die Oeffentlichkeit. Sie weiß, daß man die Angelegenheiten des Stoffwechsels beßer im Verborgenen besorgt und daß die Liebe eine Angelegen- heit lauschiger Plätzchen ist. Selbst ihre Mahlzeiten nimmt sie am liebsten in irgendeinem versteckten Winker! ein. Doch mit einem wagt sie sich ins Volk Tageslicht: mit ihrer Katzenwäsche. Denn es ist keine Mohrenwäsche. Sie versteht, daß Reinlichkeit eine Tugend ist. mit der man sich offen vor jedermann zeigen kann. In Paris, wo man für Katzen bekanntlich eine besondere Verehrung hat, sah ich einmal einen ausgewachsenen Kater mitten im größten Straßen« lärm und»verkehr über den Boulevard Mon» martre queren. Es war lebensgefährlich, aber den Kater chokiert« es nicht. Er überließ die Sorg« um sein Leben den Chauffeuren und Autobusschaffnern. Sie enttäuschten seine Erwartungen nicht. Es entstand eine Verkehrsstörung, wett die Auto» stehen blieben, um den Kater vorüberzulaßen. Der aber hatte gar keine Eile. Inmitten der Fahrbahn machte er plötzlich halt und dachte angestrengt nach: Richtig, richtig, er wollte ja zur Mohme Maumaumau, da mußte man sich doch ordentlich herausputzen. Also streckte er sich der Länge nach hin und begann ein eifriges Lecken und Scheuern des Felles, bis ein Thauffeur herbeikam, den Kater auf die Arme nahm und fürsorglich auf den Gehsteig setzte. Hat der Kater Lebensart, so haben die Franzosen nicht weniger. »Sie soll ein« Katze bleiben!" So herrlich frei und ungebunden leben die Katzen. Ein kleiner Junge, dem wir, so oft er zu uns kam, Märchen erzählen mußten, war immer überglücklich, wenn der brave Prinz oder die wunderschöne Prinzessin, die von der bösen Fee in einen Storch oder eine Hirschkuh verwandelt worden waren, nach mannigfaltigen Erlebnissen wieder Menschengestalt zurückgewannen. Als aber so eine unglückliche Prinzessin eines Tages vom bösen Zauberer Witschliwi in eine Katze verwandelt worden war und der Märchenerzähler nun schilderte, WaS alles dieser Katze an niedlichen Abenteuern zustieß, da ereignete sich am End« folgende Sensation: wie alle guten Märchen sollte auch dieses gut ausgehen und di« Prinzessin von ihrer Katzengestalt erlöst werden.»Nein, nein!", rief da fast mit Tränen in den Augen der Bub, »sie soll eine Katze bleibyr. Da hat sie's ja viel besser!"... Kinder sprechen die Wahrheit. Wir lieben die Katzen, wett wir sie beneiden dürfen... s.h. Iss WWW! II MW In Mexiko ist ein neues sozialistisches Schulgesetz in Kraft getreten, als Kampfmittel des Staate» gegen katholischen Aberglauben. Angesicht» des Widerstände» der kachÄli» schen Bevölkerung in Mexiko wurde ein Demonstrationszug durch die Stadt Mexiko veranstaltet, durch den für die Durchführung de» Schulgesetze» Propaganda gemacht wurde. im Song von den beiden Hosen und in der Szene an der Himmelspfort« von stättster Wirkung ist. Von den Mitwirkenden traten Dudek, Taub und Carpentter in den Vordergrund.— Am Mittwoch fesselte vor allem die Arbeitersendung mit Franz Rehwalds ganz ausgezeichnetem Bortrage über die»Wirtschaftlichen Hintergründe der poltttschen Spannung im fernen Osten". Ein in gründlicher Arbeit zusammengettagene» Zahlenmaterial stützte die Darstellungen der phantastisch«» wirtschaftlichen Entwicklung de» Lande» der Kirschblüten und sein« planmäßige Eroberung de» Weltmärkte». Die konsequent und zielbewußt weitergreifende Expansion dies«» vor keinem Mittel zurückschreckenden Volke» ist zur ernsten, nicht nur für den europäischen Westen, sondern für da» gesamte Abendland geworden und verlangt die gespannteste Aufmerksamkeit der Kulturwelt, soweit sie noch verantwortungsbewußt ist für die Erhaltung des Weltfrieden».— Sehr lehrreich waren die Aufklärungen, die Genosse Tr. Brügel in den Sozialinformationen Aber Heimatrecht und Staatsbürgerschaft vermittelte.— Der Freitag brachte eine Begrüßungsansprache anläßlich der Eröffnung der Radioausstellung in Bodenbach.— Das Zwiegespräch zwischen Mm Techniker und dem Philosophen über die Arlbergbahn und-Straß« verriet manch« wissenswerte Einzelheit aus Geschichte und Gegenwatt, aus Histotte und Technik. Di« beiden Sprecher werden sich aber beim nächsten Male au» dem übertttebenen Patho» wieder auf den natürlichen Ton zurückziehen müssen; schon, um leichter verständlich zu sein.— Au» der.Wochenschau" de» Genoßen Dr. Brügel in der Frettag- Arbeitersendung sei festgehalten, daß man nun doch zu wirkungsvoller Unterstützung der Elendsgebiete am deutschen Rande der Republik entschlossen zu sein scheint; daß auch nach Doumergues Demission und der Konstttuierung der neuen Regierung Frankreich seine Tradition al» Republik wahrt und jeden Versuch, die Polittk der Dikratur zu nähern, weit von sich weist; daß die.Times" ein überaus treffendes Urteil über die Entwicklung der österreichischen Politik und die»Prager Presse" ein sehr bedeutsame» Bild von der Stimmung in England unb der besonderen Vertrauensstellung der■ Labour Patty veröffentlicht hat.— Bon vielen Hörern wird dem Berichterstatter die Beobachtung bestättgt, daß auch der Liblitzer Sender seit etwa 14 Tagen sehr schlecht zu hören ist und unter argen Störungen leidet. Sache der Radioleitung muß es sein festzustellen, ob diese Störungen an der technischen Einrichtung in Prag liegen oMr zurückzuführen sind auf einen Fremdling, der im Wellenbereich Obdach sucht. Die Empfangs- intensität hier ist jedenfalls um mindesten» drei Fünftel zurückgegangen, auch dott, wo immer ungestörter Empfang gesichert war. Ernst Thöner. Mattoni's Gießhübler mtt heißer Mich... ein altbewährte», natürliches Heilmittel bei H u st e« und Heiserkeit. Früh und abend» 1—2 Gläser; % heiße Milch,% Gießhübler. Aerztltch empfohlen. 2749 642*7 Millionen Kö Arrsfuhrüberschutz Setänbetttttgtn in der A«tze»ha«del»btt»»- Bei Besprechung der Bilanz des tschecho- slowakischen Außenhandels für den Monat September haben wir festgestellt, daß die günstige Entwicklung derAusfu h r im wesentlichen durch die Einfuhr-Son de r- konjunktur in D e u t s ch l a n d hervorgerufen wurde. Die Oktober-Bilanz des Außenhandels unterstreicht diese Feststellung.. Der Rückgang der Ausfuhr im reinen Warenverkehr von 758 Millionen XL im Septem ter auf 724 Millionen XL i« Oktober entfällt hauptsächlich auf Waren, die in den letzten Monaten von Deutschland besonders begehrt wurden.„•. Do ist die Ausfuhr von Holz von 40.8 Millionen auf 31,8 Millionen XL gesunken. Die Ausfuhr von Wolle ist von 71 auf 48 Millionen XL, die von Flachs, Hanf, Jute war von 32H auf 21 Millionen zurückgegangen. ES erreicht also allein bei diesen drei Posten dir Ausfuhrvrrminderung die Höh« von mehr alS 45 Millionen XL, während der Gesamtrückgang der Ausfuhr nur 2S Millionen XL beträgt. Mit dem Nachlassen der AuSsuhr-Eonderkonjunk» tur nach Deutschland mußte gerechnet werden; die Mahnungen an die Industrie, bei den Bemühungen um die Exportsteigerung nicht nur auf die Chance des deutschen Rohstoff- und Halbfertigwarenhungers aufzubauen, waren bei den Schwie- ttgkeiten, die Deutschland bei der Bezahlung seiner neuen Handelsschulden nur zu berechtigt. Diesem Ausfuhrrückgang, der außerdem noch beträchtlich bei Maschinen und Apparaten. ,deren Ausfuhrwett von 25,8 Millionen Xi im September auf 13,7 Millionen im Oktober gesunken, steht eine Steigerung der Ausfuhr in einzelnen industriellen und agrattschen Erzeugnissen gegenüber; Die Entwicklung der E i n f u h r, die vom September zum Oktober rin« Zunahme von 88 Millionen Xe ctuf'888 Millivneck'XLnüfweist, Ist recht bemerkenswert. Sie bringt vor allem eine weitere beträchtliche Erhöhung der Einfuhr von Textil rohstoffen. Die Baumwyll. und Wolle-Einfuhr ist von 77,2 im September auf 04,7 Millionen XL im Oktober gestiegen. Die Einfuhr von Maschinen und Apparaten ist um rund 8,5 Millionen XL, die von Obst, Gemüse und Pflanzen von 82,8 aus 50,2 Millionen XL gesttegen; ebenso verzeichnet di« Einfuhr von Südfrüchten eine erhebliche wertmäßige Zunahme. Noch plastischer wird die Entwicklung der Einfuhr, wenn man die ersten zehn Monate 1034 mit der gleichen Zeit des Vorjahres vergleicht. Es betrug die Einfuhr bei den wich- i g st e n W a rengrupp en der Senge nach: 1884 1988 Jänner« Jänner«> Ott. Okt. in Tonnen Nettogewicht Kohlen.... . 1.182.444 1,118.893 Eisenerze... . 387.484 099.864 Mineralöle.. . 292.872 281,852 Oelreiche Samen. . 108.988 111.589 Kochsalz,,, . 104.290 108,609 Mai»«.,, , 198.182 142.657 ^0^8*•■ i , 100.175 111.819 ReiS..,, . 84.174 48.883 Baumwolle,, . 68.188 59.487 Rohessen.., . 85.203 28.654 Dungmittel.. . 48.804 48.92« Unedle Metalle, roh 33.856 29.559 Felle u. Häute, roh 84.985 22.641 Wolle.... 24.843 22.640 Speisefette., . 11.446 17.540 Hier tritt die bedeutende Ein- f u h r st e i.g e r u n g bei Eisenerzen und Roheisen, den unedlen Metallen, Fellen und Häuten, Baumwolle und schließlich— alS«ine Folge unserer schlechten Ernte—■ auch bei Mais, deutlich hervor. Die Einfuhr von industttellen Rohstoffen, die im Oktober für die letzten drei Jahre den Höchststand erreicht hat, darf Wohl zu der Annahme berechtigen, daß wichttge Branchen unserer Produk- ttonSwittschaft mit einem weiteren Fortgang der eingettetenen leichten Belebung rechnen. Insofern ist auch die Steigerung der Einfuhr durchaus nichts bedenkliches; nur muß e» gelingen, den Exportrückgang durch die Lockerung im Geschäft mit Deutschland durch das Vordringen ans anderen Absatzmärkten auszugleichen, und vor allem darf di« Jndusttte nicht durch immer neue Vorstöße gegen dir Arbttterlöhue die Absatzmöglichkeiten auf den Binnenmarkt immer weiter verringern. Teil« 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 18. November 1931. Nr. 23f■. Gummieinfassung und Sohin, Diptomatenschuhe der Schuh des eleganten Mannes. Winterschuh- warmer und sehr bequemer Schuh für j den Winter, jb Mit Leder- Einfassung, Sohle, Schaf- Fellfutter. 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November erfolgt die Sammlung in folgenden Bezirken: 1., 2.,(teilweise) 5., 3., 4., 7., 8.. 9., 10., 16., 18., und 19. in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags. Die Genossen werden gebeten, die Spenden vorzubereiten. Gesammelt werden: Kleider, Wäsche, Schuhe und Spielsachen für Kinder und Geldspenden. Billigere Milch. Die Preise für pasteurisierte Milch wurden von der Vereinigung der Prager Molkereien ab 15. November von 1.80 auf 1.60 Kc je Liter herabgesetzt. Die Verhandlungen mit den landwirtschaftlichen Molkereien, deren Milch in Prag um 1.40 bis 1.50 Kc verkauft wird, führten nicht zum Ziel.■ Der erste Ski-Sonderzug ins Riesengebirge wird von der Staatsbahndirektion in den Tagen vom 7. bis 9. Dezember veranstaltet. Preis 142 KL für die Reise-hin und zurück, Autobusfahrt. Verpflegung, Wohnung. Unfallversicherung und Entlohnung an die Führer bei den Touren. Anmeldungen unter Angabe von 20 KL beim Ausflugszugsrefwat im Bazar neben dem Wilsonbahnhof. Tel. 383—35. > Der Lesesaal drS Kunstgewerbe-MuseumS in Prag macht auf seine öffentliche Fachbibliothek aufmerksam. In dem Lesesaal sind alle bedeutenden Fach- zeiffchttften über. bildende Kunst, Kunstindustrie, Architektur und verwandte Branchen aus ganz Europa und Amerika aufgelegt. Die Fachbücher find in 25 Abteilungen verteilt und werden ständig ergänzt. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Bildermaterial gewidmet. Die Bücherei ist unentgeltlich und ohne Formalitäten an Wochentagen außer Montag von 9 brs 12 und von 16 bis 19 Uhr und an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr allgemein zugänglich. Bei Gallen- und Leberleiden, Gallensteinen und Gelbsucht regelt das natürliche„Franz-Josef"- Mfterwaffer die Verdauung in geradezu vollkommener Weise und fördert nachhaltig den gesamten Stoffwechsel. Aerztlich bestens empfohlen. Kunst und Wissen Arbeiter»orftell««g„Gutditta" Wegen plötzlicher Erkrankung von Fräulein Mansingcr gelangt heute anstatt„Zwei Witwen" die erfolgreichste Operettenneuheit'„G ui d i t t a" mit Käthe Walter und Kurt Erich P r e g e r zur Aufführung. Gelöste Karteu behalten heute Gültigkeit. Weitere Karte« an der Theaterkasse. Beginn 2^j Uhr. „Michael" »der die braven Aristokraten und die bösen Proletarier. War das Freitag im Nationältheater eine.Premiöre von Courths-Mahler? Nein, von dem ehemals fortschrfttlichen, jetzt sehr weit rechts stehenden Dramatiker Jaroslav Hilbert. Ein Stück, in welchem edle Grafen, seelenreine Komtessen, fesch«, junge Fürsten in Zivil und Uniform, Aebttffin- uen und Nonnen,- biedere Gärtner, Heger und Lakaien austreten. Also nach einer Vorlage aus der „Gartenlaube" geschrieben? Nein, dieses vieraktige Schauspiel„Michael" hat wahrhafttg ein modernerer Autor geschrieben, welcher es auf die Proletarier scharf hat. Das Proletariat repräsenttert in dem Stuck ein zerfahrener, durchaus unsympathischer Geselle, welcher die ganze Welt mit seinem Abscheu erregenden Nihilismus vergiften will. Es gelingt ihm aber nicht, denn fester als seine, steht die gute, alte, konservative Welt, deren Repräsentanten die charakterfesten, auf uralte sittliche Tradition sich stützenden Adeligen sind. Es geschah ihnen viel Unrecht I Man Mitteilungen aus dem Publikum. Wenn alle Arzneien enttäuschen, bleibt nur die eine... Gerade so, wie es eine große Meng« Jn- fettionskrankheiten gibt, wird eine noch weit größere Anzahl Arzneimittel zur Bekämpfung derselben auf dem Markt geworfen. Obwohl die guten Eigenschaften dieser Arzneimittel anerkannt werden müssen, kann doch die Frage nicht außeracht gelassen werden, ob dieselben manchem Pattenten auch zuttäglich find. Ein sehr wirffames Heilmittel, ist heiße Milch mit natürlichem Mineralwasser, am besten.Mattoni's Gieß- hübler", gemischt. Ja,. sehr ost ist gerade dieser „Mattoni's Gießhübler" mit heißer Milch das einzige Mittel, welches der Arzt dem von einer hartnäckigen Bronchitts und Husten behafteten Pattenten verordnet und auf welches er sich voll verlassen kann. Ein halbes Glas heiße Milch wird durch„Mattoni's Gießhübler" (Zimmertemperatur) ergänzt. Diese Mischung wirkt schleimlösend und reinigt die Atmungsorgane. Täglich einige Gläser dieser so zubereiteten Mischung hat eine rasche und angenehme Verkürzung der Krank- heit und deren dauernde Beseittgung zur Folge. 2749 Der Film Kleine Frauen Das ist kein schlechter Film, obwohl ihn die amerikanische Außenseiterfirma, die im Schatten des Konttngents so viel Wildwestfilme liefert«, noch kurz vor Toresschluß— oder richtiger: vor Toresöff- nung zü uns gesandt hat. Im Gegenteil: ein anständiger, liebevoll inszenierter, ernsthaft gemeinter und trefflich dargestellter Film,— der nur den Fehler hat, wenig zu interessieren. Drüben, jenseits des Ozeans, scheint der Roman der Louise Alcott, den man hier filmisch bearbeitet hat, ein vielgelesenes Buch zu sein. Drüben ist die Zeit des amerikanischen Sezessionskrieges eine bedeutungsvolle historische Erinnerung. Drüben läßt man sich— zwischen Wolkenkratzern und Plan- wirtschaft— von der Familienromantik des vorigen Jahrhunderts leichter rühren als bei uns. Was dort vielleicht poettsch erscheint, wird hier sentimental und kitschig wirken, was dort interessante Erinnerung ist, wird hier ermüdend uninteressant. Es regt uns nicht an und nicht auf, daß vier junge Matchen in wallenden Röcken, während ihr Vater im Kriege ist, eine Jugend in Freud und Leid verleben: mit einer groben Tante, die Geld hat, mit einem edlen Nachbar, der einen hoffnungsvollen Sohn hat, und mit einer armen Witwe, die hungernde kranke Kinder hctt. ES erscheint uns nicht bedeutsam, daß diese vier Mädchen, sich verlieben, daß eines davon stirbt und eins(mit knaben- aufzuhalten ist. Die finanziellen Reserve», dis aus einer besseren Zeit stammen, find schon aufge» zehrt und die schöne Aera der Sportmäzen mich vorüber. Und die Z u s ch a u e r? Sie werden je der Zahl immer kleiner und selbst Eintrittspreise von 2 bis 3 Kc werden als z» hoch empfunden. Der Ruf nach einer Reorganisation der Divisionen, besonders jener in Böhmen, ist schon erfolgt und auch ein diesbezüg- licher Plan ausgearbeitet worden, der ein«.Staatsdivision Böhmen" mit Unterabteilungen Und Ei«' schluß der deuffchen Division vorfieht. Die Verein« z. B. der Division„Böhmen-Land" haben derzM Reisen von manchmal beinahe 30 0 Kilometern zurückzulegen, um den Ort des Gegnech zu erreichen. Die Einnahmen langen dann kauny um die wichtigsten Auslagen zu decken, geschweige denn, den bezahlten Spielern ihre Gagen zu sichert Die Organisatoren des bürgerlichen FußballverbarU des haben wieder einmal mehr bewiesen, daß sie falsch gerechnet haben. Das macht ihnen zwar nichts aus; die Vereiste aber wurden dadurch schneller zu« finanziellen Ruin gebracht. Der Schweizer Arbeiter-Handballmeister 1934 ermittelt. Di« Handballmeisterschaft des Satus 1934 ist zu Ende gegangen. Das Endspiel bestritttrs Zürich-Wiedikon und Aarau. Dabei ging Wi e di« kon mit 9:2 als Sieger hervor und wurde danrü Handballmeister des Satus für das Jahr 1934.., Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:.Mutter Kracmerka"(Dsch.)— Alstck .Hej Rupl" Boflovec und Werich(Tsch.) Avion:„Der Sohn des Scheichs" Rudolf Valentin» («.)— Beränek:„Maskerade"(Tsch.)— Feuili .Mutter KraLmerka"(Tsch.)—Flora:„Stnol der Fluch der Tropen.(Tsch?— Kinema, B-Th.« Journale. Groteske, Reportage, halb 2 bis viertel» Koruna:„Das Geheimnis von Loch Reß"(E.)"•* Kotva:„Kleine Frauen"— Lueerua:„ÄleW Frauen", Katharine Hepburn(A.)— Olympier „Das Geheimnis vom Loch Neß"(E.)— Passage- „Bengal"— Praha:.Das Ende der Krise"(Frj — Radio:„Am Heiligen Berg"— Skaut:„SuiWF (Fr.)— Svttozor:„Das Ende der Krise" Alma:„Der Mann zweier Welten", Fr. Lederet (A.)— Baikal:„Am Heiligen Berg"— Beftdal „Die Versuchung der Frau Antonie"(Tsch.)■* Favorit:„Maskerade"(D.)— Illusion:„Amok, der Fluch der Tropen"(Tsch.)— Lido:„Die Schloßherrin vom Libanon"(Fr.)— Louvre:„SM Heiligen Berg"— Roxy:„Am Heiligen Berg (Tsch.)— Spott Smichov:„Frasquita"(D.)— Baldek:„Am Heiligen Berg"(Tsch.) nahm ihnen Tttel und Besitztümer weg, schaltete sie aus der Diplomatie und Staatsverwaltung aus, trotzdem blieben sie unerschüttett. Mag auch der Gendarm den Herrn Grafen mü„Herr Großgrundbesitzer" titulieren, er kränkt sich nicht darüber. Wenn auch die Bank dem jungen Fürsten, der sich in der Eisenindustrie betättgen will, den Kredit sperrt, er kann doch seine Pläne durch die Mitgift der Komtesse verwirklichen. Ein schöner senttmentaler Kitsch, der die Herzen aller Backfische erbeben macht: Der Fürst liebt die Komtesse, aber in sie verliebt sich ihr Spielkamerad aus der Kindheit, der Sohn des sozialistisch gesinnten Herrschastskutschers, der schlimme Proletatter. Wegen Mordverdachts an einer Prostituietten wird er verhaftet,' aber freigesprochen, dann in die Dienste des Grafen aufgenommen, aber am Tage der Verlobung der Komtesse mit dem Fürsten zündet er die Getteidescheune an, um sein Leben durch die Sttafe für dieses Verbrechen zu vernichten. Auch diesmal fällts gut für ihn aus. Am Tage der Hochzeit der Komtesse jagt er sich eine Kugel in die Brust, genest aber zum neuen Leben, als ihm im Fiebertraum die Komtesse erscheint und ihm kundgibt, ihn geliebt zu haben. Die gute Regie, die Aus- statttmg und das verständnisvolle Spiel retteten das Stück. r. ft. danalorlumMarlinsl^ SMdtUI t.2>. Leitender Arzt Dr. A. Gaube ÜÄZ Phys, diätet. Heilanstalt für alle inneren u. Stoffwechselkrankheiten, rheumatische Erkrankungen, Ischias, Nervenkrankheiten Prospekt« g u. Auslünstc durch die Verwaltung. Telefon W Wochenspielplan deS Renen Deutschen Theaters. Sonntag 10: Deutscher Turnverband, Arbeitervorstellung: halb 3: Giltditta, halb 8: Die Hugenotten, A 2.— Montag halb 7: Der Zigeunerbaron, Theatergemeinde der Jugend. — Dienstag halb 8: Zwei W i>t,w en A 2.— F r emd enverkehrB2.— Donnerstag halb 8: Giuditta, C 2.— Freitag%8: LaBoheme Festvorstellung des Verbandes der deuffchen Journalisten in Böhmen.— Samstag halb 8: Menschen in Weiß, Erstaufführung, D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 3: Hoch klingt das Lied vom braven Mann, 8: Fremdenverkehr. — Montag: Bankbeamte und fteier Verkauf: Nacht vordemUltimo.— Dienstag 8: Fremden- berkeh r.— Mitttvoch halb 8: Die Marne, Gastspitt Binder-Hart-Berghof.— Donnerstag 8: Fremdenverkehr.— Freitag 8: Sensationsprozeß, Kulturverbandsfreunde und fteier Verkauf.— Samstag 8%: Hoch klingt das Lied vom h^aven Mann. Hafter Keckheit und dichterischen Neigungen) am längsten allein bleibt, bis es schließlich einen deutschen Professor findet, der Tschaikowsky verehrt und Goethe unbeholfen ins Englische übeffetzt. Aber eS ist(unter Georg Cukors Regie) Vitt Kunst an diese Geschichte gewandt worden. Vitt wehmütig-heitere Kindheits-Szenen leuchten auf, viel Zartes und Lustiges erklingt und manches Menschliche wird sichtbar, von einer gedämpften Musik umspiell und in einen stimmungsvoll historischen Rahmen gestellt. Man hat selten einen amerikanischen Film gesehen, der so sehr wie dieser auf grobe Effekte verzichtet. Und man hat feiten einen Film mit so viel guten Darstellern gesehen. Voran die Spielerinnen der vier Mädchenrollen: Joan Bennett, Francis De«, Joan Parker Und die mit Recht berühmte Katherine Hepburn, deren Herbheit, Geradheit und Ausdruckskraft auch in dieser altmodischen Backfischfigur bezwingend zur Geltung kommt, obgleich vom Typ der Hepburn zum Stil des vorigen Jahrhunderts«in endlos weiter Weg ist.—eis—- Spott• Spiel• Körperpflege Divisionsvereine vor dem finanziellen Zusammenbruch Das Ende bürgerlicher Organisteruugskunst Man wird wohl noch die Frühjahrsaison abwar- ten müssen. Heute sieht man noch nicht so schwarz. Aber das eine ist jetzt doch ersichtlich, daß nämlich di« finanzielle Situation der Mehrzahl der Divifionsklubs sehrschlecht und durch nichts B Mitteilungen Ker»Urania« Heute 11 Uhr:„Aus der Werkstatt des Ruick- funks". Matinee. Rttonstruktion einer Jugend- uni einer Schallplattensendung. „Sonnenaufgang". Preisgekrönter Film dtt Meister-Regisseurs F. W. Murnau O'Brien, Jmtzt Gaynor in den Haupttollen. In der Reihe: Unvek» geßliche Filme. Montag*49 Uhr. „Die Deutsche Himalaya- Expedition 1934“- Peter Aschenbrenner berichtet vom kühnen Verso« der Besteigung des Nanga Parbat(8136 Meter) und seinen hoffnungslosen Kampf gegen die Gew«!' ten der Natur zur Rettung Merkls. 100 Original Lichtbilder.. Mittwoch 8 Uhr:„Die Deuffche Himalaya« Expedition". Peter Aschenbrenner. Mit 100 Lichb bildern. Nur für Schüler. Donnerstag 4 Ahr., „Kindernachmittag". Mittwoch 3 Uhr. Masaryk-Dolkshochschule Heute 11 Uhr:„Das Handwerk der alten ster und die moderne Malerei— ohne Handwed- Prof. Rudolf Braun. Treffpunkt: Galette der alte* Meister(Stadt. Bücherei) Mattenplatz. „Beethoven und wir". Ministettalrat a.-?■ Prof L. Keftenberg Die Ztttgenosse». Das üscerM chische Musikleben um 1820. Der vaterländW Künstlerveein. Battattonen über den Diabelli-MM' zer von Schubett, Liszt, Hummtt, Tomaschek, W der, Moschttes, Josef und Karl Czerny usw. M»' tag 8 Uhr. Biologisches über Erfrieren, Gefriere« Wärmebildung im Tier- untf Pflanzenreich. Uni*' Prof. Dr. I. Gicklhorn. Montag 8 Uhr. „Erziehungsberatung". JndividualpshchobA Paul Fischl. Wie sag' ich's meinem Kinde? Entlob lungsgespräche. Dienstag 8 Uhr. „Entwicklung der Tierwelt in de« Erdttll' altern". Univ.-Prof. Dr. A. Liebus. Die PaläA tologie vermittttt uns die Kenntnis der körperlich Organisaffon, die historffche Geologie orientiert w’’ über ihr relatives Alter. Mit Lichtbildern. DonuesiF tag 8 Uhr. „Menschenkenntnis". Dr. B. Fürst. Gesicht ausdruck, Handschrift und Handform des Menschs unterliegen steten und unwandelbaren Gesetzen, ren Kenntnis für jeden erfolgreich ist, der sich in dff menschlichen Gesellschaft bewegt. Mit Lichtbild«» Karten 3 KL. Donnerstag 8 Uhr.