Nr. 272 Dienstag, 20. November 1934 14. Jahrgang Einzelpreis 70 Metin (einschließlich 5 Heiter Forte) IE NTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XIU FOCHOVA«2. TELEFON 53077. ADAMNISTRATION TELEFON 5307«. HERAUSGEBERS SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. For- üver 100.000 Mann militärisch geschulter Po- Kasernen, insgesamt also 600.000 Mann ste- besondere auf dem Gebiete der Tarifbegünstigungen. wird immer untersucht, ob sie nicht als feindseliger Akt gegen Italien aufgefaßt werden konnte. Terrorwahien in Danzig Danzig.(Tsch. P. B.) Bei den Kreistagsund Gemeindewahlen in Danzig-Niederung«nd Danzig-Werder, die Sonntag ohne ernsteren Zwischenfall vor sich gingen, erzielte, wie das DRB meldet, die NSDAP die Mehrheit. Sie konnte teilweise mehr als vier Fünftel aller abgegebenen Stimmen ans sich vereinigen. kisüsser Sozialisten . gegen Zusammenarbeit mit den Kommn- . nisten Straßburg. Die elsässisch-lothringische Föderation der sozialistischen Partei lehnte auf ihrem am Sonntag unter dem Vorsitze des Deputierten Weil abgehaltenen Kongreß die sozialistisch- sommunistische Einheitsfront im Elsaß ab und sprach sich für die Notwendigkeit der nationalen Verteidigung und eine intensivere staatsbildende Politik der Sozialisten aus. Z« diesem Stande find hinzuzurechnen: 300.000 ordentlich geschulter Militärreservisten, 400.000 junge Reservisten und militärisch geschulte Mannschaften der Hitlerorganisationen, 1,400.000 ältere, militärisch gut ausgebildete Reservisten, meistens ehemalige Frontkämpfer im Alter von 35 vis 45 Jahren, 200.000 Mann der halbmilitärischen mationrn, 2,500.000 Mann der SA Hitlers, 100.000 geschulte Autolenker, insgesamt also 4,900.000 Mann. Wenn man nun zu dieser Zahl die 600.000 Mann der reguläre« Armes-.hinzuzählr, führt *» Auch Oesterreich rüstet! In-er Hirtenberger Patronenfabrik wird gegenwärtig an der Erzeugung von 150.000 Gasmasken gearbeitet. Andere Fabriken sind mit der Erzeugung von Geschützen, Gewehren und Munition voll beschäftigt. Die Frist, die Jugoslawien wegen Ausfol- gung des Kroatenführers Sarkotican Österreich gestellt hat, ist Sonntag abgelaufen. Die österreichische Regierung hat die Auslieferung abgelehnt. Rost von Tonnigen, der Beauftragte des Völkerbundes und der Präsident der Nationalbank Dr. Kienböck haben bei der österreichischen Regierung ernste Vorstellungen erhoben wegen der hohen Budgetpost für die Erhaltung der Wehrformationen. Oesterreich hat heute 80.000 Mann unter Waffen und will diesen Bestand noch weiter erhöhen,, um im Ernstfälle den Verpflichtungen des italienisch-österreichischen Geheimpaktes gerecht zu werden. Die österreichische Eisenbahnpolitik ist heute vollständig der italienischen Einflußsphäre unterworfen. Jede Maßnahme» die getroffen ist, ins- Paris, Montag nachmittag wurde in der Kammer der Motivenbcricht des Hauptberichterstatters des Kriegsministeriums verteilt. Der Motivenbcricht ist insbesondere insoweit interessant, daß er zum ersten mal einige genaue Details über die Rüstungen Deutschlands gibt. Diesem Motivenbericht zufolge besitzt Deutschland eine Reichswehr von 300.000 Mann, ferner 100.000 Mann militärisch geschulter Polizisten(Sandcspolizei), 80.000 Mann militärischer SA-Männer, insgesamt somit 480.000 Mann in Kasernen. Zu Beginn des Jahres 1935 wird Deutschland über eine Armee von 400.000 Mann, die Flieger nicht eingerechnet, verfügen, ferner lizei und 100.000 Mann SA-Abteilungen in hende Armee. Lenk in Spannung Die gesamte Aufmerksamkeit in Genf richtet sich auf das Dokument, das der jugoslawische Minister I e f t i L dem Bölkerbundrat übergeben wird und das sich mit den Ergebnissen der Untersuchung gegen die Attentäter des Marseiller Attentates befaßt. Montag nachmittags hatte Minister Dr. Benes als Vorsitzender des Rates eine längere Beratung mit dem Generalsekretär des Völker- bundes A v e n o l«brr alle Fragen, zu denen der Hat Stellung nehmen so«, s, auch über dir Be» ichwerde der jugoslawischen Regierung, Obwohl die Arbeiten des Völkerbundrates verschoben wurden, hat der französische Außenminister Laval die Dispositionen für seine Mreise nicht geändert und wird Dienstag vormittags in Genf sein. Die freien Tage wird er dazu benützen» um mit den anwesenden Staatsmännern Person l i ch Ko n t cr k t a n z u k n ü p f e n, hauptsächlich mit den Ministern der Kleinen Entente. Die drei Außenminister der Kleinen Entente- Staaten sind schon in Genf mrgelangt. Minister Jeftic kam Sonntag nachts an, Minister Ti- t u l e s c u Montag vormittags und mittags traf Außenminister Dr. Benes ein. Sofort nach Eintreffen der Staatsmänner der Kleinen Entente fand die erste Sitzung des Ständigen Rates der Kleinen Entente während eines Mittagessens bei Minister Jeftic statt. „Unter Umstünden" forcier» Japan Flottenparität London. Der japanische Botschafter hat im Laufe des Montag abend dem Staatssekretär des Auswärtigen die Antwort der japanischen Regierung zu den englischen Vorschlägen in der Flottenfrage überreicht. Die Antwort ist, wie Reuter hört, in einem sehr höflichen, aber bestimmten Tone abgefaßt. Sie ist völlig negativ. Ihr Inhalt läßt sich wie folgt umschreiben: Japan wünscht nicht eine Flotte, die so groß ist, wie sie etwa von den Bedürfnissen des britischen Weltreiches erfordert wird. Aber die japanische Regierung will, daß man auch Japan das Recht zugesteht, unter Umständen seine Flotte durch Neubauten biS auf den gleichen Umfang zn bringen.' Hitler als Friedensengel Paris. Der Deputierte Jean G o y, Generalsekretär des Verbandes ehemaliger Frontkämpfer, und das Mitglied des Pariser Stadtrates R. Monnier wurden von Hitler empfangen, und schildern im sonntägigen„Matin" ihr zweistündiges Gespräch fttü ihm. Hitler weist die Gerüchte zurück, als ob Deutschland an der Saar einen Putsch plane, im Gegenteil, er sagte ausdrücklich, daß Deutschland das Ergebnis des Saarplebiszits, mag es wie immer sein, respektieren werde. Das heutige Deutschland denke nicht an die Eroberung eines einzigen Quadratkilometers neuen Gebietes, ebensö wie das frühere Deutschland nicht daran dachte, aber es wolle dem Volke das Leben sichern. Worauf es nun ankommt, fuhr Hitler fort, ist an der Schaffung einer neuen sozialen Ordnung zu arbeiten. Hitler wies weiters den Vorwurf zurück, als ob er Zeit zur Beendigung der Kriegsvorbereitungen Deutschlands gewinnen wolle. Sie werfen uns unsere Rüstungen vor, sagte Hitler, aber ihr rüstet selbst und begründet eure Rüstungen mit der Erklärung, daß wir es ablehnen, abzurüsten. Kann denn in direÜen Gesprächen diesem Stand der Angelegenheiten nicht ein Ende gesetzt werden? Das römische Kommunique Rom. Der österreichische Pressedienst(An) meldet über die Unterredung zwischen Mussolini, Suvich, Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Minister Berger-Wald en egg, daß die Politik engen Einvernehmens zwischen Italien und Oesterreich im Sinne der schon mit Dollfuß vereinbarten Richtlinien neuerlich bekräftigt wurde. Es wurden die Voraussetzungen erörtert, um Oesterreich ehestmöglich in die Lage zu versetzen, in vollem Maße der ihm, eigenen historischen Aufgabe wieder gerecht werden zu können, dem Ausgleich der im Donauraum zusammentreffenden Kräfte zu dienen. Es wurde bestätigt, daß die römischen Vereinbarungen keinen ausschließenden Charakter haben und sich auf andere Staaten ausdehnen lassen, welche die eine grundsätzliche Voraussetzung bildenden Bedingungen dieser Vereinbarung annehmen. Stärker als 1914 Französischer Parlamentsbericht über die deutschen Rüstungen 600.000 Mann aktiv/ 4,900.000 sofort mobilisierbar Eine tschechische Frage an Henlein Der bekannte tschechische Nationalitätenpolitiker Dr. E. S o b o t a, dem man ein gewisses-Verständnis für die nationalen Bedürfnisse der Sudetendeutschen nicht absprechen kann, veröffentlicht in der Zeitschrift„Pkitomnost" einen Artikel über die Stellung der Deutschen zum Tschechoslowakischen Staat unter dem bezeichnenden Titel„Hat unsere Republik einen Wert für unsere Deutschen?" Sobota gibt zunächst einen historischen Ueberblick über die Stellung der Deutschen zur Republik seit der Entstehung des Staates. Er schildert,> wie die Deutschen 1918 und 1919 dem Staate gegenüber gestanden sind und sagt, daß wegen der Polstischen Stellungnahme der Deutschen zur Republik m jener Zeit die jetzige Positive Einstellung großer Teile des Sudetendeutschtums zur Tschechoslowakischen Republik in tschechischen Kreisen noch einiges Mißtrauen erweckt. Es werde vielfach nicht daran geglaubt, daß sich wirklich eine Wandlung vollzogen | habe, es lagern also über dem deutsch-tschechischen Verhältnis noch immer„dje Schatten der Vergangenheit". Sobota betont aber, daß, wer dieses Mißtrauen gegenüber den Deutschen hege, das Verhältnis der Deutschen zur Republik nicht richtig beurteile. Gewiß sei, was in den Jahren 1918/19 geschehen ist, für das Sudetendeutschtum ein historisches Erlebnis, welches die Stimmung der Deutschen geformt habe. Aber die historischen, Tatsachen von 1919 sind verdrängt worden durch andere gewichtige historische Tatsachen, die auf die Sudetendeutschen einen bedeutenden Einfluß ausgeübt haben, so vor allem die Teilnahme der Deutschen an der Regierung, das ist also die positive Mitwirkung an der Gestaltung der Verhältnisse in der Republik. Dazu kommt nun nach der Auffassung Dr. Sobotas, daß gewisse deutsche Parteien dadurch in ein anderes Verhäünis zur Tschechoslowakischen Republik geraten sind, daßdieLe- bensinteressen der von ihnen vertretenen Bevölkerungsschichten, bzw. die Anschauungen, welche von diesen Parteien vertreten werden, mit dem Be- st and der Tschechoslowakischen Republik— eng verbunden sind. Das gilt nach Sobota für die deutschen Agrarier, die Christlichsozialen und die deutschen Sozialdemokraten. Die deutschen Agrarier haben ein Interesse an einem Staat, in dem ihre tschechischen Klassengenossen eine so hervorragende Rolle spie- len, die deutschen Christlichsozialen sehen, wie man mit der katholischen Religion in Deutschland verfährt und wünschen keine religiöse„Gleichschaltung" und die deutschen Sozialdemokraten sind fiir die positive Mitarbeit im Staate deswegen, weil sie die Früchte ihrer jahrzehntelan- gen Arbest für das Proletariat nicht preisgeben wollen. Man kann also dieser Parteien wegen beruhigt sein, es sind starke Interessen, die sie an den Staat ketten. Anders aber sei es, so führt Sobota aus— und darin sehen wir den Kern seiner Ausführungen— mit der Sudetendeutschen Heimatfront. Wenn die Heimatfront unter-hren Leuten„weder Sozialisten noch Katholiken, weder Arbeiter noch Landwirte, weder Bourgeois noch Proletarier, kennen will, sondern nur Sudetendeutsche, muß sie uns sagen, welcher besondere Grund dafür vorhanden ist, daß sie mit ihren, Landsleuten in diesem Staate verbleiben will und welchen Grund sie g l e i ch z e i t i g f ü r a l l e anführen will.... Wir haben die deutschen Agrarier, Sozialisten und Katholiken gehört, warum sie jeder von ihrem demokratischen Standpunkt, in unserer demokratischen Republik tür sich einen Vorteil sehen... Die Heimatfront müßte auch sagen können, daß und welchen Wert unsere Republik für die Sudetendeutschen von ihrem national- sudetendcutschen Standpunkt hat." Die Frage, die da der tschechische Schriftsteller an die Sudeten» Die ausländischen Arbeiter In Frankreich Paris. Die unter dem Vorsitze des Ministers Herriot zusammengetretene interministerielle Kom- Hiission beschäftigte sich mit der Frage der Er- Iverbslosigteit. Es wurde festgestellt, daß die Zahl der in Frankreich beschäftigten ausländischen Arbeiter,, die zu Ende des Jahres 1932 rund 1,500.000 betrug, auf 814.000 zurückgegangen ist. Die Kommission will diese Zahl noch weiter herabsetzen und die ausländischen Arbeiter durch ttiverbslose Inländer ersetzen» deren Zahl 314.000 beträgt. der Motivenbericht ans, dann komme man zu dem Ergebnis, daß Deutschland zu Beginn des nächsten Jähres in wenigen Tagen eine effektive Armee in der Stärke von 5,500.000 Mann anfstellrn könne. Der Referent bemerkte ferner, daß die deutsche Aviatik über 3500 vis 4000 ordentlich< geschulte Piloten und eine große Zahl von Flug- zeugen verfügt. Er erteilt ferner eingehenden Bericht über die wachsenden deutschen Rüstungen, über die leichte, schwere und weittragende Geschütze erzeugenden Kruppwerke und schließt seinen Bericht: In einigen Monaten wird Deutschland stärker sein, als es im Jahre 1914 war. Wir. sind: weit vom Versailler Vertrag! •.» Am Schlüsse sprach, Hitler den Wunsch nach einer baldigen französisch-deutschen Annäherung aus. i — aber die französische Presse geht nicht auf den Lelm Soweit französische Blätter diese Unterredung kommentieren, sehen sie diese Unterredung als ein neues Manöver des Kanzlers an. Das Linksblatt„O e u v re" schreibt: Hitler will mit Frankreich sprechen? Nichts leichter als das! Und es gibt sogar einen Zusammenkunfts- ort: Genf. „Journal" sagt: Hitler wolle der Welt einreden, daß die Ursache des Rüstens Deutschlands, dessen Furcht vor einem Kriege sei. Wir fragen nur, warum ein Volk, das von niemandem bedroht wird, um jeden Preis rüsten will? Hier erblicken wir hinter der Loyalität der Worte ein politisches Manöver, das allzu grob ist, um von uns verdaut werden zll können. „Ere Nouvelle" lehnt gleichfalls die Maske Hitlers ab. Liebe müsse man durch Taten beweisen. Die Rüstung dürfe nicht eine Drohung sein, der gegenüber Frankreich gezwungen ist, besorgt z« sein und sich zu wehren. Seite 2 Dienstag, 20. November 1934 Nr. 272 deutsche Heimatfront stellt, ist klug gewählt und begründet und es wäre sehr angebracht, wenn die Heimatfront und ihr Führer Konrad Henlein eine Antwort darauf erteilen würden. Das wird, soweit man die Heimatfront kennt, kaum geschehen, denn noch immer ist die bedeutungsvolle Frage, die man an Henlein gestellt hat, nämlich wie erzuHitlersteht, unbeantwortet geblieben. Daß Henlein der Beantwortung dieser Frage in Böhmisch Leipa auSgewichen ist, hat in jedem objektiven und vorurteilslosem Beobachter der Vorgänge im sudetendeutschen Lager den Eindruck Hervorrufen müssen, daß Henlein die Frage nach seinem Urteil über Hitler nicht beantworten will, weil seine Anhänger die Hitler-Methoden gutheißen. Auch die von Sobota gestellte Frage wird Henlein kaum beantworten, Wohl aber kann jeder Sozialdemokrat, ja jeder wirkliche Kulturdeutsche, das sind nämlich alle, die im Dritten Reiche den Ausdruck der Unkultur und Barbarei sehen, Antwort geben. Das Sudetendeutschtum hat das große Interesse an diesem Staat, weil die Tschechostowakei neben der Schweiz das Land ist, in dem größere Massen von Deutschen leben, und in welchem die deutsche Kultur sich frei entfalten kann, ohne von Barbarei niedergetreten und im Blut erstickt zu werden. Der deutsche Geist, wie ihn die größten Dichter und Denker des deutschen Volke- vertreten haben, von Immanuel Kant bis zu Albert Einstein, ist heute aus den beiden deutschen Staaten, aus Deutschland und Oesterreich, verbannt und hat seine Zufluchtsstätte in der Schweiz und in der Tschechoslowakei gefunden. Die demokratischen Sudetendeutschen wissen, daß sie in der Tschecho- slowakei das Erbe der deutschen Kulmr hüten und an der Fortentwicklung der deutschen Kultur ar- beiten können. Aus dem Interesse ihrer nationalen Kultur heraus halten sie an der Tschechoslowakischen Republik fest. Das aber kann Konrad Henlein nicht sagen, weil er sich in Gegensatz zu Hitler-Deutschland stellen würde. Die- sen Gegensatz zu betonen, daß fürchtet der Führer der Sudetendeutschen Heimatfront mehr als der Teufel das Weihwasser. Endlich Anfänge zur Planwirtschaft Genosse Schweichhart in der Budgetdebatte Wir tragen nachfolgend dir Rede des Ge- noffen Schweichhart im Budgetausschuß zu« Kapitel„LandwirtschastSministerinm"" im Auszug»ach, Genosse Schweichhart stellt« einleitend mit Genugtuung fest, daß nun auch schon rein konservativ eingestellte Parteileute wie Senator S t ö h r von den.Verkehrtheiten eines überalteten Wirtschaftssystems" und von Planwirtschaft sprechen. Sie kommen erst heute auf Ideen, die wir schon immer verfochten haben! Minister Dr. H o d j a ist der Bahnbrecher dieses wirklich großen Gedankens und wir freuen uns, daß er mit Energie und Sachkenntnis diesen Weg verfolgt. Wir wissen, daß bei allen diesen Aktionen die Preisfrage eine ausschlaggebende Rolle spielt. Dabei muß aber das Interesse der Gesamtheit berücksichtigt werden. Nachdem durch das Monopol die Getreidepreis« stabilisiert find, müssen wir fordern, daß nun auch die Arbeitslöhne stabilisiert und gesichert werden, damit die Konsumenten imstande find, die nötigen Nahrungsmittel zu kanfen. Di« Kollektivverträge müssen gestchrrt und jeder Arbeitgeber verpflichtet werden, seine Arbeiter durch dir staatlich« Arbeitslosenvermittlung zu beziehen. Zum Getreidemonopol haben unsere K l e i«- landwirte verschiedene berechtigte Beschwerden. So ist die Aufteilung der Orte auf die einzelnen Lagerhäuser nicht immer glücklich und.die Aufkaufkommissäre kommen' oft sehr fpät7 Wir stütz hegen den freien Einkauf seitens der Mühlen, sowie dagegen, daß die monatlichen Zuschläge den Lagerhäusern zugute kommen. Genosse Schweichhart ist überzeugt, daß das Getreidemonopol sich bewähren wird; ohne den staatlichen Eingriff wäre der Brotpreis sicher noch um 20 Prozent höher. Eine Ausgestaltung des Diehsyn- d i k a t eS wäre dringend notwendig. Wir sind entschieden dagegen, daß die Selbstschlachtungen der Landwirte zugunsten der Fleischer unterbunden werden. Die landwirtschaftlichen und die Konsumgenossenschaften sollten sich auch in diesem Punkte einigen. Genosse Schweichhart geht dann auf die Erklärung Zierhuts im Plenum des Abgeordnetenhauses ein, daß eine loyale Zusammenarbeit der Bauern und Arbeiter in beiderseitigem Interesse liege. Wenn Zierhut dabei von den Sozialdemokraten„Verständnis und eine zurückhaltende« KampfeSmethode" verlangt, so erwidert Schweichhart, daß man uns nicht vorwerfrn kann. Wir hätten die Interessen der Landwirtschaft irgendwie verletzt. Er warnt die agrarische Politik vor dem Gedanken der ständischen Gliederung und verweist auf Oesterreich, wo im neuen Staatsrat im ganzen nur drei Bauern und überhaupt keine Arbeiter vertreten find, dafür aber um so mehr Großgrundbesitzer und Offiziere. Zum Problem der Entschuldung der Landwirtschaft erklärt Schweichhart, daß wir dafür im R a h m e n des Möglichen eintreten, aber man muß gleichzeitig auch die übrigen Stände und vor allem > di« Arbeiter aus ihrer Verschuldung befreien. Nach unserer Meinung müßten die größeren Besitzer statt Bargeld zur Entschuldung Grund und Boden beistellen, den man dann zu Siedlungszwecken für KleinlaniUvirte verwenden sollte. Redner spricht sich für die Verlängerung des ExekuttonsschutzeS der Landwirte und Arbeitslosen aus und bemängelt, daß bei der Hilfsaktion für die durch die Dürr« geschädigten Landwirt« zehntäu- fende Kleinlandwirte vollkommen leer ausgegangen sind. Die Agrarier wollen die Margarineproduktion einschränken, um eine Erhöhung des Buttetabsatzes und der Butterpreise zu fördern. Wir halten das für ein falsches Beginnen, weil dadurch nur den armen Teufeln die Margarine verteuert wird, die sie auch in Zukunft essen werden: zum Butterkonsum können dies« Schichten eben auf keinen-Fall übergehen. Die Pasteurisierung der Milch ist ein sehr fragwürdiges Kapitel. Wir wollen, daß die Bevölkerung überall gute und reine Milch bekömmt, aber wir wollen nicht, daß-durch eine Art Monopol zugunsten gewisser kapitalistischer Unternehmungen die Milchpreise für den Konsumenten unnötig verteuert werden. Redner setzt sich weiter für eine obligatorische Altersversicherung der Landwirte«in. Mit der Regierungsverordnung über den Pachtschutz sind wir nicht zufrieden; wir verlangen, daß der Pächter auch gegen den Willen des Verpächters den Boden auf länge« Zeit neu erhalten kann. Man sollte den Zustand nach 1820 wieder Herstellen. Auch ein« Revision der Pachtzinse ist erforderlich. Anschließend erklärt Redner, I daß wir das Budget des Landwirtschaftsministe- riums im allgemeinen billigen und hoffen, daß im Laufe der Zeit gewisse Klagen überflüssig werden. Wer ist„staatstreu“? Die Aufteilung der beschlagnahmten Güter In Besprechung des Kapitels„Bodenamt" polemisierte Genosse Schweichhart im Budget- auSschutz gegen hen Berichterstatter, der erklärte, daß der Boden. aus der Bodenreform auS staatspolitischen Gründen in tschechischen Händen bleiben sollte und fragte, ob unter den„staatS- trcuen" Tschechen auch die Fascisten gemeint seien und wie man sich andererseits zu den dem»- kratischen deutschen Kleinbauern und Arbeitern stelle, die mtt aller Entschiedenheit zum Staate stehen und ihn um jeden Preis verteidigen wollen. Wir möchten nicht, daß die Art,-wie der Referent gesprochen hat, vom Deutschlandsender auSgenützt wird! Die Herren wissen gar nicht, wie so etwas im deutschen Gebiete wirft. Gern möchten wir auch wissen, wie viele Restgutbesitzer heute sanierungsbedürfttg sind. Wir sind dagegen, daß man Restgutbesitzer saniert, denn sie haben ohnedies durch den billigen Kaufpreis pro- fitiert, den sie überdies vielfach auch noch schuldig geblieben sind. Verkrachte Restgüter sollen für kleine Landwirte und für Siedlungsaktionen aufgeteilt werden. Wenn auch Siedlungsakttonen nicht billig sind, so mutz doch der Versuch unternommen werden, Leuten, die in der Industrie nicht mehr existieren können, wieder Arbeit zu beschaffen. Notwendig ist die Rekultivierung der durch den Bergbau verwüsteten Gebiete, die sich vielleicht mit Hilfe eines freiwilligen Arbeitsdienstes lösen ließe. An die staatliche Güterverwaltung richtete Genosse Schweichhart das Ersuchen, den durch die Dürre geschädigten Kleinlandwirten die Streu aus ! den staatlichen Wäldern u m s o n st oder wenigstens nur gegen ein geringes Entgelt zu überlassen. Im deutschen Gebiete sollten die staatlichen Forstämter auch im schriftlichen Verkehr die Doppelsprachigkeit anwenden. Rektor und Staatspräsident Gerichtliches Nachspiel zur Affäre des ehemaligen Rektors Gesemann Vor der Neuwahl des Präsidenten, welche am 24. Mai 1634 stattgefunden hat, hat die»Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker" dem damaligen Rektor der Deutschen Universität, Gesemann, ein Plakat zur Bidierung eingereicht, in welchem die Studentenschaft aufgefordert werde, sich an der Huldigung für den neugewählten Präsidenten zu beteiligen. Der Reftor Dr. Gesemann lehnte eS ab, dieses Plakat zu vidieren und dessen Anschlag auf akademischen Boden zu gestatten. Obwohl er als Grund hiefür disziplinäre Momente anführte, war sich die Oeffentlichkeit doch im klaren darüber, daß es sich um«inen Affront gegen -den Präsidenten der Republik gehandelt hat. Hkekauf'brätPe ttun die„Bohemia" in ihrer Nummer vom 20. Mai 1934 einen Artikel»Sozialistische Angriffe gegen die Deutsche Universität. Grober Mißbrauch des Namens des Präsidenten", in welchem sie nicht etwa die Handlungsweise des Rektors, sondern diejenige der sozialistischen Studenten angriff und die Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker beschädigte, den Namen des Präsidenten der Republik mißbraucht zu haben. Die Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker überreichte gegen den verantwortlichen Redakteur der„Brchemia", Ferdinand Demi, wegen des Inhalte- dieses offensichtlich vom Rektorat der deutschen Universität inspirierten Artikels durch Gen. Dr. S ch w e l b«ine Preffeklage. Ueber diese Klage sollte die Hauptverhandlung am 16. November 1934 vor dem Straf- Kreisgerichte in Prag-Pankräc stattfinden. Unmittelbar vor der Verhandlung stellte jedoch der Verteidiger der„Bohemia", Herr Dr. Ewald Stein, das Ersuchen um vergleichsweise Beilegung der Angelegenheft und es wurde ein Ver- gleich abgeschlossen, mit welchem sich die„BohemÄ" verpflichten mußte, die nachstehende Ehrenerklärung abzugeben und die Prozeßkosten zu be- ! zahlen: Erklärung. Unter Bezugnahme auf unseren in der„Bohemia" vom 20. Mai 1934, Nummer 117, veröffentlichten Artikel unter der Ueberschrist„Sozialistische Angriffe gegen die Deutsch« Universität. Grober Mißbrauch des Namens des Präsidenten" erklären wir, daß die darin gegen die„Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker der deutschen Hochschulen in Prag" erhobenen Vorwürfe auf unrichtigen Informationen beruht, haben. DawirunsvouderHaltlosigkeit der Beschuldigungen überzeugt haben, stehen wir nicht an, sie hiemit als gänzlich unbegründet zu widerrufen. Die Redaktion der„Bohemia". Durch diesen AuSgang des Prozesses ist nicht nur die Handlungsweise der„Bohemia", sondern insbesondere diejenige des Rektors der Deutschen Universität gebührend gekennzeichnet. Einrechnung des Militärdienstes In die Sozialversicherung Macht den Anspruch geltend! Nach dem Sozialversicherungsgesetz zahlt der Staat für die zum Präsenzdienste oder in die Ersatzreserve Eingerückten die Mitgliedsbeiträge zur Sozialversicherung. Dies« Bestimmung bezieht sich auf Personen, welch« vor Antritt de- Militärdienstes entweder schon versichert waren oder aber nach Heimkehr vom Militärdienst innerhalb 12 Monaten in die Versicherung eintraten.(8 108a.) Den Anspruch mutz jeder Betroffene selbst geltend machen, weil von Amts wegen die Einrechnung der Zeit beim Militärdienst in die Sozialversicherung nicht durchgefuhrt wird. Wenn auch die Zeü des Militärdienstes in der niedrigsten Klaffe in die Sozialversicherung eingerechnet wird, kann dieselbe bei Inanspruchnahme der Versicherung entscheidend für die Bemessungen der Leistungen für den Versicherte« sein, weswegen wir alle unsere Mitglieder aufmerksam machen, sich nach Absolvierung des Militärdienstes oder des Dienste» in der Ersahreserve um ihre Rechte aus der Sozialversicherung(8 253) entweder schriftlich(am besten mittels eingeschriebenen Briefes) bei der ZentralsozialversicherungsanstaÜ zu kümmern. Dem Gesuche mutz der Ausweis beigelegt werden, den der vom Militär Entlassene bei seinem Truppenkörper, bei dem er gedient hat, erhält. Machet also im eigenen Interesse von diesen gesetzlichen Bestimmungen Gebrauch. Die Gesuche um Einrechnung der Zett des Militärdienstes sind an die Adresse der Zentralsozialversicherungsanstalt in Prag XVI., KktZovä 1292, zu senden. Ole Gewerkschaften gegen die Teuerung Die gemeinsame Gewerkschaftszentrale in Prag hat in den letzten Tagen der Regierung eine Denkschrift über daS Steigen der Mehl- und Brotpreise vorgelegt, gegen welche Vorgänge entschieden protesttert, weil dadurch die lohnarbeitende Klaff« stark benachteiligt wird. Die gemeinsame Landeszentrale verlangt von der Regierung diesbezügliche Maßnahmen, welche eine Verteuerung der LebenSmittel hintanhalten, insbesondere die Verteuerung von Mehl, Brot, Milch und Bier. Anna Brügge lebt«och... ErzShl««g vom 30. Juni 1984 Von Peter Tutein. (Schluß.) „Hermann", rief Anna,„geh' schnell hinter ihm her.— Bitte ihn um Verzeihung, er kann Dich ja ins Zuchthaus bringen." „Du bist wohl verrückt, ich soll Johann um Berzeihung bitten, den? Diesen, der auf mich, seinen Vater, schießen wollte?— Nein.—" „Du muß' Hermann,— Du mutz'. Johann kann Dich unglücklich machen. Er läßt Dich verhaften. Du wirst sehen, er lätzt Dich verhaften." Anna weinte. Hermann sah Amm nur verwundert an und schüttelte mit dem Kopf. „Verhaften lassen, von meinem eigenen Sohn? Ne' Anna. Du bist doch Wohl nicht ganz klug.— Hör bloß auf mit deinem Getue." Hermann ging wütend aus der Küche. Eine viertel Stunde später kam eine Keine Abteilung der SA, und Hermann wurde verhaftet. Hermann leistete Widerstand. Anna hörte ihn so viele Schimpfwörter sagen, daß es ausgereicht hätte, ein« Keine Stadt ins Gefängnis zu bringen.— „Johann, so hilf doch Deinem Vater." schrie Anna. „Kann nicht. Er hat die Ehre unserer Uniform gekränkt und— überhaupt, kümmer' Du Dich nicht darum. Du kannst es ja nicht verstehen." Und die SA schleppten Hermann Brügge davon. Drei Tage später kam Johan». „Mutter eS ist noch gut abgegangen.— Fünf Jahre Zuchthaus.— Es wäre schlimmer gekommen, wenn ich mich nicht für ihn so ins Zeug gelegt hätte. Eigentlich könnte Later mir noch dankbar sein,-— ja, es hätte bös auSlaufen können." Anna war starr. Ja, das stimmt, Hermann ist noch gut davon abgekommen. Aber, was Anna wunderte, daß Johann in solchen Sachen auch noch ein Wort mitreden konnte. Ihr Johann, der noch so jung war. Jawohl. Johann ist ein mächtiger Mann geworden.— Da Anna die 25 Mark verbraucht hatte, bekam sie mit der Zeit noch mehr Geld von Johann. Er schien gut zu verdienen. Hermann durfte eS allerdings nicht wissen. Aber Anna mutzte doch leben. Und für Anna war eS auch unmöglich, irgendwie Arbeit zu bekommen. Sie mutzte froh sein, daß sie Noch waschen durfte, für die alte Kundschaft. Mit der Zeit kam Johann seltener. Denn, Johann ist wieder einmal befördert worden. Und damit stieg auch die Arbeit. Er hatte dann auch keine Zeit, viel nach Hause zu kommen. Aber, — um Anna wurde eS einsamer. Sie ist den ganzen Tag allein«, denn da- merkte sie eines Tages, dah die Nachbarn ihr aus dem Wege gingen. Ja, keiner sprach mehr mit ihr, und wenn sie zum Wäscheaufhängen auf den Hof kam, wurden die offenstehenden Fenster geschloffen. Anna sagte nichts. Sie ließ sich auch nichts merken, wie weh es einem tut. Sines Tages begegnete sie Frau Rieper. Frau Rieper war schon seit langer Zeit eine Feindin von ihr. Aber das lag schon lange zurück..Aber heute blieb Frau Rieper stehen und sagte: „Na, wie gehts Ihnen denn, Frau Brügge." „O, danke ganz gut, Frau Rieper." „Dann ist eS ja ganz gut. Auf Wiedersehen. Frau Brügge." Und damit ging sie. Anna blieb ganz verwundert stehen. Was hat die den», dachte Anna. Kopfschüttelnd nahm Anna ihren Korb mit Wäsche und ging weiter. Sie sollte doch noch die Wäsche abliefern. Da hieß es sich beeilen. Wie Anna nun zum HeineS-Platz kam, sah sie das Stratzenschild am Boden liegen. Na, wieder so ein Dummenjungenstreich, dachte Anna, und ging weiter. In der Röhmallee mutzte sie doch den Korb absetzen, wenn er auch nicht schwer, aber man wird alt, und der Atem will nicht mehr recht. Unwillkürlich sah Anna nach dem Straßenschild,— auch das lag auf dem Boden, aber vollkommen verbogen und zertrampelt. Nanu? Jetzt sah Anna erst, daß immer Keine Truppen von Reichswehr, feldmarschmäßig ausgerüstet, Handgranaten, Gasmasken und Gewehre, durch die Straßen zogen. Auch SS-Abteilungen fuhren, mit einem Kara- biner bewaffnet, auf Rädern durch die Straßen. Aber Anna konnte keine SA-Truppen sehen. Was in aller Welt war los? Sie ging zu einem Verkehrspolizisten und frug danach. Der sagte aber nur kurz:„Bon mir können Sie keine Auskunft bekommen." Da dachte Anna an Johann. Der wird es wohl wissen. Anna fuhr mit der Straßenbahn in die Stadt und ging dann zu der Wache, wo Johann Dienst hatte. Da sah Anna, daß in der Wachstube, andere Leute saßen. Anna ftug nach Johann. Keiner kannte ihn. Der Wachthabende wies Anna in da- Büro.— Im Büro saß ein Mann in Zivil und schrieb. „Was wünschen Sie?" ftagte der Mann. „Ich möchte gerne Johann Brügge sprechen," antwortete Anna. „Johann Brügge?" erwiderte der Mann erstaunt. Anna bekam ein Gefühl, als stände ihr etwa- bevor. Sie dachte an Frau Rieper. Warum war die denn mit einemmal so freundlich zu ihr? Und dieser Mensch hier. Wa- ist denn loS? „Ich bin die Mutter vom Brügge." sagte Anna. „©ooo? Sie sind die Mutter. , ja dann warten sie bitte einen Augenblick." Anna wurde von Minute zu Minute.unruhiger. Sollte Johann krank sein? Plötzlich wurde Anna herzen-angst. Was war geschehen?— Der Mann nahm das Hörrohr und Anna hörte ihn ftagen: „War Johann Brügge gestern Abend auch dabei?— Ja?— Wer?— Hermann Brügge auch?— So, den haben sie au- dem Zuchthaus geholt.— Ja, ja.— Auch? Hm." Der Mann legte den Hörer wieder hin und sagte: „Frau Brügge. Hermann und Jo hann Brügge wurden gestern Abend wegen Hochverrats hm,— ja— erschossen.' Der Mafin versuchte eS schonend zu sagen. Aber, heutzutage— werden eben viele erschossen. „Kann ich Ihnen irgendwie helfen, Frau Brügge?" Keine Antwort. Anna saß wie tot da. Leichenblaß.— „Frau Brügge, ich bin nicht befugt, Ihnen das Geschehen« zu sagen. Bitte sprechen Sie mst niemanden darüber. Es könnte Ihnen von Nachteil sein. Verstehen Sie?" Anna stand langsam auf. Ihr war es, al- ginge die Tür von selber auf. — Erst, wie sie auf der Straße mit einem Menschen zusammenstieß, erwachte sie wie von einem bösen, schweren Traum. Dann lief sie— und lief. Im Laufen schrie Anna immer wieder und wieder: „ES lebe der Führer.— Es lebe der Führer —. Leute ruft mit. Sonst werdet ihr auch noch erschossen. Warum ruft ihr denn nicht mtt? Wollt ihr auch erschossen werden? Hört ihr denn nicht? — Es lebe der Führer——-.* Und dann sank Anna Brügge wie leblos auf den Asphalt. Aber Anna Brügge lebt noch...» AuS dem Dänischen übersetzt von O. O. Jens«. 9fr. 37» DienStag, 20. November 1SS4 Seite 8 Arbeiterorganisationen ihre eigenen Interesse« zu vertreten. Zur Politik gehöre nicht nur Sarcherkeit und guter Wille, sondern auch— Verstand. Sekretär Köhler sprach in ähnlichem Sinne, wobei er den Gedanken der Einheitsfront propagierte. Das Schlußwort Mays war ebenso mager wie sein Referat. Er suchte sich u. a. als Freund der Planwirtschaft hinzustellen. Am meisten Beifall hatte er bei seinen Freunden als er die Sozialdemokratie auffordert«, ihnen(den Henleinleuten) Brot und Arbeit zu verschaffen. Um die Stellungnahme zu Hitler drückte sich May. Die ruhig endende Versammlung zeigte mit voller Klarheit, daß die Meinung des Herrn Mays, di« Henleinfront sei»ein ernst zu nehmender Konkurrent der Sozialdemokratie", eine Illusion ist. Die SHF hat den Proletariern wirklich nicht- zu bieten. Rur politische törichte Arbeiter können ihr nachlaufen. Henlein auf Arbeiterfans Eine lehrreiche Versammlung i vor hatte »rat er zurück und wurde durch Kardinal P a c e l l i ersetzt, von dem bekannt ist, daß er Vie F a s e i f i e- cung der Kirche gefördert, ihre Zusammenarbeit mit den Henkern und Bluthunden aller Länder diplomatisch geleitet hat. Aus Madrid schreibt man uns mm, daß dieser Reporter des katholischen Weltblattes ein sicherer Lhermann-Ullmann ist, der sich kürzlich noch in Mitteleuropa und zwar in Brünn aufgehalten hat. Nachdem die sozialde- mokrat. Presse einen Steckbrief ausgegeben hatte, verzog er sich ins schöne Spanien. In der»Reichspost" erzählt er, er habe ritterliche Abenteuer erlebt und eine„Senorita" durch die Kordons der Bewaffneten sicher geleitet. Auch die Seriorita soll aus Brünn stammen, eine schlichte„däma" sein und ebenso wie ihr Ritter hat auch sie mit dem Katholizismus nichts gemein als das Alte Testament. Besagter Lhermann-Üll- m a n n tat vor nicht langer Zeit noch sehr„links", gab die„Bl auen Hefte" heraus, wurde im Juli dieses gesegneten Jahres in Paris wegen Urkundenfälschung und Betrug in contumaciam zu einer netten Gefängnisstrafe verurteilt. Im Stammlande der.Reichspost" soll man ihn wegen eines kleinen Devisenvergehens suchen. Alles in allem ein jüdischer Hochstapler, der sich vor den mittel- und westeuropäischen Gerichten nach Spanien geflüchtet hat rmd von dort der katholischen Presse dir Unterlagen für ihre gottgefällige Lügenpropaganda liefert. Wie wäre es, wenn sich der Bundeskanzler und Justizminister Schuschnigg statt um die Auslieferung von Menschen, di« dem Feh unangenehm sind, um die Verfolgung von Hochstaplern bekümmerte, die in seinem Leibblatt schreiben?! turellen Werten besitz«, hatsieausschliehlich dem jahrzehntelange n Kampf der internationalen Sozialdemo- kratie zu verdanken. Es gibt nur eine Entscheidung: für oder gegen die Arbeiterklafle; die„Volksgemeinschaft", dieses politisch«„Ein- topsgericht" ist ein alter, längst durchschauter Schwindel. Genosie Schweichhart schilderte dann die politischen Kräfteverhältnisse in der Tschechoftowakei, wobei er die Hoffnungsfreudigkeit Mays dämpfte, besprach unsere sozialpolitischen Erfolge und Forderungen, zeigt« das Versagen Hitlers, die Notwendigkeit der internationalen Aktion, riet den jungen Henleinleuten lieber in der Gewerkschaft und in anderen Paraguays Trappen siegreich? Asuncion. Aus paraguayanischer Quelle stammenden Meldungen zufolge verfolgten paraguayanische Truppenabteilungen am Samstag bolivianische Truppen, welche im Sektor der Front in der Umgebung von Pileomayo die Flucht ergriffen. Da- paraguayanisch« Oberkommando teilt mit, daß die paraguayanischen Truppen sich zum letzten Angriff rüsten, um die bolivianischen Truppenabteilungen aus dem Gebiet von Gran Chaco zu vertreiben und es für Paraguay zu annektieren. Obwohl die seriöse Presse aller Länder die Greuelnachricht von den geblendeten Kindern in Asturien bereits als Verleumdung gebrandmarkt hat, wurde sie von der„D e u t s ch e n P r e s s e", die anscheinend auf Seriosität keinen Wert legt, kürzlich von neuem aufgetischt. Sogar die gleichgeschaltete^Frankfurter Zeitung" hatte die Meldung widerrufen und ihrer Empörung über die Lügenpraktiken der katholischen Propaganda in Spanien Ausdruck gegeben (dies in dem Zusammenhang, daß die Ankunft der geblendeten Kinder in Madrid dreimal avisiert War, die Preffevertreter die Opfer erwarteten, diese aber nach Wochen noch immer nicht eingetroffen und überhaupt unauffindbar sind l). Dem Blatt der Hilgenreiner und Mayr- H a r ti n g fehlt es nicht nur an dem Anstand, die Falschmeldung zu widerrufen, eS ist abgebrüht genug, sie zu wiederholen. 2m Advent gehen die Verantwortlichen ja beichten, da wird der Seelsorger die Sünde gegen das achte Gebot wegen des guten Zweckes Nachsehen! Während die„Deutsche Presse" in spanischen Revolutionsgreueln macht, hat sich ihr Wiener Schwesterblatt, die fascisttsche„Reichspost" kürzlich über uns und unsere„Lügenkampagne" gegen das ständische und-— von Fey bis Star- hemberg, ach, so tugendhafte— Oesterreich erhitzt. Daneben hat FunderS Blatt freilich Raum genug, seinerseits über Spanien zu schreiben. Seine Sonderberichte liefert ein W. M. ll. Die Enttäuschung, die der 4. November dem Henlein bereitete, hat ihn veranlaßt, sich nun mit allem Eifer auf den Arbeiterfang einzustellen. Im Wahlkreise Böhmisch-Leipa ist es vor allem der Kreisleiter Franz May aus Niedergrund bei Warnsdorf und der ehemalige kommunistische Rußlanddelegierte Ferd. G ü t t l e r aus Türmitz, die sich dieser einigermaßen schwierigen Aufgabe unterziehen. Sie waren u. a. auch für den 18. November als Redner in einer Henlein- Versammlung in H o ch d o b r r n bei Bensen angekündigt. Unsere Genossen wollten sich einmal die neuesten Arbeiterfreunde näher ansehen, denn ein Programmspunkt lautete dirett:»Der Arbeiter in der SHF". Die Versammlung war zwar als allgemein zugängliche Versammlung bei der Bezirksbehörde angezeigt und als solche auch bewilligt worden. Aber die schon um halb ein Uhr ' Wittags mittels zwei Autobussen der E. B. ll. aus T e tz ch e n eingetroffenen Henleinord- n e r, die vor dem Gasthause»Stadt Wien" auf der Straßenmauer standen, ließen nur jene ein. die einen besonderen Einladungszettel hatten, wobei sie sich unfinnigerweise auf S 5 des Ter- rorgesetzeS beriefen.(Dieser Trick der Henleinfront wird allgemein angewendet und manche Be- zirkshauptleute tolerieren ihn, obgleich das Gesetz nur öffentliche Versammlungen und geschlossene nach 8 2 kennt.) AlS die erste Gruppe unserer Genossen unter Berufung auf die Oeffentlichkeit der Versammlung in das Lokal gehen wollte, wurde sie von den Naziordnern unter Führung eines gewissen Ahn auS Tetschen zurückgeschlagen. Mit Gummiknütteln etc. gingen sie los, wobei in der entstehenden Rauferei ein Ge- nossc aus Bensen am Kopfe eine starkblutende Wunde erlitt. Nur der Besonnenheit unserer erbitterten Genoffen ist eS zu danken, daß dies keine Weiterungen zog. Die meisten Naziordner, außer den Anführern, waren erbarmungswürdige arme T e u f e l, die in ihrer politischen Unwissenheit sich zu schändlichen Handlangerdiensten gegen die eigenen Klassengenoffen hergaben. Später kam es zu einer zweiten Schlägerei, wobei ein Genofle mit einem Autoschlüssel im Gesichte ve r- letzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war weder ein Vertteter der Bezirksbehörde noch Gendarmerie am Platze.) Unter diesen kritischen Umständen war daS Schicksal der Versammlung sehr unsicher. Die Veranstalter mußten sich schließlich Herbeilaffen, die zahlreichen Sozialdemokraten und eine Anzahl Kommunisten einzulassen. Die Marxisten waren schließlich in der Mehrzahl. Es wurde vereinbart, daß Herr May eine Stunde spricht, Abg. Genosse Schweichhart und der kommunistische Sekretär K ü h l e r al- Gegenredner je eine halbe Stunde.(Güttler ließ man fallen.) Als die Versammlung nach drei Uhr schon im Gange war, erschien Herr Rat Hermann aus Tetschen als Regierungsvertteter, der mft dem Ueberfall- kommando der Gendarmerie in deffen Auto angekommen war. Was Herr Kreisleiter May, der nach eigenem Geständnis erstseitOktobrr 1933 in der politischen Bewegung steht, seinen Kameraden und den anwesenden Marxisten als„ernster Konkurrent der Sozialdemokratie" (sein wörtlicher Ausdruck) über Arbeiterfragen zu sagen hatte, war wirklich verteufelt wenig. In seiner begreiflichen Verlegenheit und bei dem Mangel eigener progranun sicher Forderungen der Henleinfront, schoß er einen geistigen Purzelbaum um den anderen. Sprach von der Not des sudetendeutschen Bolles, ohne den mindesten Fingerzeig zu geben, wie diese behoben werden könnte, lobte die Sozialdemokratie, daß sieun en blich viel getan habe und suchte hinterher den Träger zu verdächtigen, schimpfte^ auf jene Unternehmer, die Bluthunde sind, ohne den Kapitalismus an sich als Urheber der Krise und Ausbeutung der breiten Massen zu bekämpfen, lehnte den marxisttschen Klaffenkampf ab, nicht aber den kapitalistischen und meint naiv, erst durch di« Henleinfront fei Ministerpräsident Malypett veranlaßt worden, für das sudetendeutsch« Notstandsgebiet eine beffxre Versorgung in Aussicht zu stellen. Als einzig praktische Hilfe der Henleinfront zugunsten der Arbeitslosen nannte er die— Schnorraktion der neugegründeten„Sudetendeutschen Bolks- hilfe". Abg. Genoffe Schweichhart, der dann zu Worte kam, wies nicht nur die Unwissenhei t der Henleinleute in Versammlungsfragen nach, sondern auch in der Beurteilung der politischen und wirtschaftlichen Fragen. Er legte kurz das Wesen des Kapitalismus und. der marxistischen Lehre dar, zeigte, daß einzig und allein die kapitalistische Wirtschaftsweise die Massen verelendet, die Krisen verursacht, der Klassenkampf unauSlöslich mit der kapitalistischen„Ordnung" verbunden ist und nur durch Ueberwindung deS Kapitalismus die llaffenlose Gesellschaft geschaffen werden könne, in der Not und Elend angesichts der Fülle der schon jetzt vorhandenen Güter verschwinden müssen. Er stellt fest, daßdieHen« leinfront mit ihrer Arbeiterfreundlichkeitzu spät kommt. Was die Arbeiterschaft heute an materielle»»ad tul- Schwlerlge Kabinettsbildung In Brüssel Brüssel. Die Zusammensetzung d«S neuen Kabinetts T h e u n i s konnte nicht, wie vorgesehen, am Montag abend bekanntgegeben werden. In letzter Minute sind kulturpolittsche Fragen aufgetaucht. Am späten Abend ttafen sich die für daS Kabinett in Aussicht genommenen Liberalen, um über ihre Forderungen in dieser Beziehung zu beraten. Zwischenfall In Abessinien Italienische« Konsulat überfallen Meiland. Die Presse beschäftigt sich lebhaft mft einem italiensich-cckcheffinischen Zwischenfall. DaS italienische Konsulat in Gondar in Abessinien ist dieser Tage von Eingeborenen überfallen wor« den. Die Schutzwache deS Konsulats konnte den Ueberfall zwar abwehren, dabei wurde jedoch ein Askari getötet und zwei verwundet. Von der italienischen Press« wird dieser Zwsschenfall als ernst angesprochen. Kardinal Gasparri gestorben Der letzte„demokratische“ Minister des Vatikans Rom.(Tsch. P.-B.) KardinalstaatSsekretär Gasparri ist Sonntag abend gegen 10.30 Uhr 82jährig an einer Lungenentzündung, die er sich wenigen Tagen zugezogen hatte, gestorben. Zwei Milllarden- Anlelhe Italiens Rom.(Stefani.) Der Ministerrat genehmigte einen Entwurf, demzufolge die Emission von Kaffenschatzanweisungen in der Höhe von 2 Milliarden Lire auf die Dauer von neu«^Jahren bewilligt wird. Diese Emission ähnelt den ihr bereit- vorauSgegangenrn Emissionen. Die Verzinsung bettägt 4 Prozent, der EmisstonSkurs 100.—- Als Leiter der vatikanischen Politik Gasparri regen Anteil an den Versuche» deS Papstes Benedikt XV., die Böller und Regierungen zu einem anständigen und ehrlichen Frieden zu bewegen. Diese, iw Jahre 1917 in der päpstlichen Rundnot« zum Ausdruck gebrachten Bestrebungen scheiterten an dem Widerstand der Mordpatrioten in beiden Lagern. Während England, Oesterreich-Ungarn und Belgien bis zu einem gewissen Grade auch Frankreich, die Friedensschritte des Papstes unterstützten, haben sich Deutschland, das die Erklärung über die Herausgabe Belgiens verweigerte, und Italien, das von seinen größenwahnsinnigen Aspirationen auf deutsch« und südslawische Gebiet« nicht ablaffen wollte, unzugänglich gezeigt— also bezeichnenderweise die beiden Mächte, die auch heute noch die Kriegsgefahr in Europa am stärksten nähren. PiuS XI. setzt« zunächst die demokratisch orientierte Politik seines Dorgängers fort. Als er sich aber mit dem Fascismus in Italien aussöhnte, und die Kirch« überall zum Sachwalter der Reaktion würbe, war Gasparris Stellung erschüttert. 1930 Wie christlichsoziale Presseberichte Spanien entstehen Ein jüdischer Hochstapler als Reporter des katholischen Weltblattes„Reichspost* Fritz Kreisler vor der Freilassung? Die Ratskammer, die über die Berechtigung der Gicherheitshaft im Falle Dr. Kreisler zu entscheiden hatte» ist z« dem Beschluß gelangt, de« Akt an die übergeo.dneten Stellen abzntreten. Wenn diese sich die Rechtsauffaffung der Verteidigung zu eigen machen, dürfte die Haftentlassung Kreislers bald erfolgen. Wir hoffen, daß die österreichische Regierung dann keinen weiteren Versuch macht» ihre juridisch sinnlos« Forderung durch irgendeinen neuen Dreh nochmal- zu servieren. Man könnte ein solches Verhakte» nur als Belästigung unserer Behörden und Gerichte anfehen» die man zwingt, sich aus internationaler Höflichkeit»(die wir in diesem Fall nicht für angebracht halten) mit einem Fall erst umständlich zu befassen» der rechtlich von allem Anfang e i n- heutig war. Erschwerend für die Feyleute kommt hinzu» daß dieselbe Regierung» die den Pereevik' nicht auslirfrrt, sich das Stückerl geleistet hat» die Auslieferung eineS Menschen zu verlangen» der im Ausland das„Delikt" begangen hat, über den Fey die Wahrheit zu sagen! Verzweiflungsakt bedrohter Bergarbeiter Unter eigenartigen Umständen ist Montag morgens dje 17 Mann starke Frühschicht des Pan- kraz-Schachtes im Karbitz-Aussiger Revier, eingefahren. Der Belegschaft des Schachtes ist das Arbeitsverhältnis für Ende des Monats aufgekündigt worden, weil der Schacht wegen Auskohlung stillgelegt werden soll. Verhandlungen der Direktion des Pankraz-Schachtes mft der Brüxer Kohlenbergbau A.-G. wegen Abtretung eines Stückes kohlehaltigen Geländes, wodurch die Fortführung des Pankraz-Schachtes ermöglicht würde, sind von der„Brüxer" brüsk abgelehnt worden. Die Frühschicht faßte nach der Einfahrt den Beschluß, die Arbeit nicht aufzunehmen und nicht früher auszufahren, als bis sie die Zusicherung der Weiterbeschästigung erhält. Wie wir kurz vor Schluß der Redaktton erfahren, ist die Mittagsschicht dem Beispiel ihrer Kameraden gefolgt. Hoffentlich zeitigt der heroische Entschluß der Bergarbeiter, sich ihr Lebensrecht zu sichern, einen Erfolg. Betrlebselnschrönkunsen In der ostböhmischen Flachsindustrie Mit Rücksicht auf die Clearing- und Exportschwierigkeiten mit Deutschland hat sich in der letzten Zeit die Beschäftigung einiger Flachsspinnereien in Trautenau und Umgebung bÄeutend verschlechtert. So hat die Firma I. Etrich in Oberaltstadt, die schon in der letzten Zeit nur 4.0 Stunden wöchentlich beschäftigt war, den Betrieb gänzlich eingestellt. Der Betriebsstillstand dürfte voraussichtlich bis Ende dieses Jahres dauern. Auch die Firma A. Haase in Trautenau hat ihren Betrieb in Parschnitz eingestellt, der nach Istjährigem Stillstand erst im Laufe des heurigen Sommers auf Grund der Erhöhung des Exportes nach Deutschland wieder ausgenommen wurde. In diesem Betriebe waren 92 Arbeiter beschäftigt, die erftlassen wurden, im Trautenauer Betrieb, der seinerzeit die alten Arbeiter des Parschnitzer Unternehmens übernahm, wird bis auf weiteres 40 Stunde» wöchentlich gearbeitet werden. Die Spalter and der Proletarierkongreß. In dem kommunistischen Blättchen, das sich fälschlich ,,K lassenkam pf" nennt, obwohl es nur die Aufgabe hat, zu stänkern und die sozialdemokratischen Arbeiter gegen die Partei aufzuhetzen(waS ihm fteilich nicht gelingt), erklärt die Redaktion ihrem Gehilfen— dem m Bodenbach auS der Partei ausgeschlossenen und darum bei den Kommunisten als„großer Klassenkämpfer" fungierenden Hermann Mandler — wie sie zum Proletarierkongreß steht. Da liest man folgende offenherzige Erklärung: 1920 zum Beispiel hat Seliger ebenfalls die Einberufung eines Proletarierkongrrffes vorgcschlagen, aber damals, wo eS eine lebhafte Kampfbewegung unter den Arbeitern gab, war diese Forderung nach Abhaltung eines Kongresse- der gesamten Patteibürokratte gegen diese Bewegung gerichtet. Er kommt somit darauf an, in welcher Situation und Unter was für Bedingungen ein« Forderung aufgestellt wird. Mft anderen Worten: Als Seliger den Proletarierkongreß forderte, um die Einheit der Ar- beiterklaffe zu erhalten, war das reaktionär, weil eS den kommunistischen Apparatschitt nicht in den Kram paßte. Jetzt, wo der kommunistische Karren tief im Dreck steckt, soll der Proletarierkongreß dazu dienen, ihn auf Küsten der intakten Arbeiterorganisationen wieder herauszuziehen, daher ist der Proletarierkongreß, so wie ihn Gottwald versteht, jetzt eine revolutionäre Parole. BleM nur di« Frage, ob die Herren den Dummen finden, der ihren den Vorspann>""chil eite 4 Dirnstag, 20. November 1934 Nr. 272 lagcsncDighdtcn Mit 60 Mann gesunken Philippinen neuerdings heimgesucht Tod und Zerstörung durch einen Taifun Tocul. Wie die Hafenverwaltung in Wön- san meldet, ist der 3440 Tonnen große japanische Dampfer„Eiro-Maru" mit einer Besatzung von 60 Mann im Golf von Korea in der Nähe der Küste gesunken. Mord bei Mähr.-Trübau Sonntag, um 7 Uhr früh fand der Land- nmnn Seidl in einem Wald bei Mähr.-Trübau die Leiche eines jungen Mannes. Er verständigte die Gendarmerie, die feststellte, daß der junge Mann durch Hiebe mit einer Hacke ermordet worden war. Der Ermordete ist ungefähr 30 Jahre alt, von größerer, schlanker Gestalt und war elegant gekleidet. In einer Rocktasche hatte er ein Taschentuch mit dem Monogramm M. F. und zwei Karten in das Brünner Kino»Kapitol". Die Leiche wird seziert werden. Die Gendarmerie forscht nach der Identität des Toten und nach dem Täter. Zwischen Motor- und Schleppwagen Tödlicher Unfall in Brünn Brünn. Der 82jährige Beamte des städtischen Gaswerkes in Zabovkesky bei Brünn sprang in den fahrenden Zug der Straßenbahn Nr. 3 auf die hintere Plattform des Motorwagens auf. Beim Aufspringen glitt er aus und fiel zwischen den Motorwagen und den Schleppwagen, wobei ihm vom Schleppwagen der Kopf vollkommen eingedrückt wurde. Gebauer war auf der Stelle tot. Mord und Selbstmordversuch Samstag, den 17. November, erschoß der bei dem Fabrikanten Max Nowotny beschäftigte Hausmeister Birke aus Weckersdorf seine 19 Jahre alte Tochter Rosa. Das Diädchen erhielt einen Herzschuß und war sofort tot. Die Tat geschah gegen 7 Uhr abends am Sternwege, und zwar an der Abzweigung zum Schlögelteich, das sind etwa 800 Meter außerhalb der Kolonie, die in den letzten Jahren auf der Grenze zwischen Braunau und Hauptmannsdorf erbaut' wurde. Nach dieser entsetzlichen Tat richtete der Mann den angeblich erst am Samstag erworbenen Revolver gegen sich selbst und brachte sich drei Brustschüsse bei, die aber wahrscheinlich nicht lebensgefährlich sein dürften. Die Tote und der Schwerverletzte wurden kurz darauf von Passanten aufgefunden, worauf die Gendarmerie mit den Erhebungen begann. Kenner des Familienlebens bei Birke neigen zu der Ansicht, daß sich diese Tragödie aus einem Verhältnis zwischen Vater und Tochter ergab und das einer vollständigen Klärung bedarf. Birke gab zwar an, daß ein Ueber- sall vorliege, doch konnte im Zuge der bereits laufenden Erhebungen festgestellt werden, daß die wirklichen Ursachen mit größter Wahrscheinlichkeit dort zu suchen sind, wie wir sie bereits vorstehend ausführten. Birke wurde in das Krankenhaus nach Braunau übergeführt und dürfte dort in absehbarer Zeit wieder hergestellt werden, wenn sich nicht Komplikationen seines jetzigen Zustandes ergeben. Tödlicher Unfall ans Profitsucht Am Samstag verunglückte auf dem Mischka- Bau in Arnau, wo die Firma Pittel und Brausewetter einen Betonbau aufführt, bei dem keinerlei Gerüst— nicht einmal ein Schutzgerüst am Dache angebracht ist.— der Maurer Stranskh aus Pilnikau tödlich, indem er vom Dache abstürzte und kopfüber in einen Haufen Bausteine fiel, die kurz zuvor vor dem Baue abgeladen wurden. Stranskh war Vater von vier Kindern. wollte am Dache einen Draht der elektrischen Lei- tung entfernen und dürste dabei auf dem nassen und daher rutschigen Bodendache ausgerutscht sein. Wenn das vorgeschriebene Schutzgeländer angebracht gewesen wäre, hätte sich dieser tödliche Unglückssall nicht ereignen könnten und vier Kinder und eine arme Witwe weinten heute nicht nach ihren: Ernährer. Franzosen schießen auf Japaner Mukden. In der Nähe von Schanhaikwan beschoß eine stanzösische Patrouille eine japanische Truppe. Der französische Generalkonsul sprach den japanischen Behörden sein Bedauern aus und erklärte, daß gegen die verantwortlichen französischen Militärpersonen eine Untersuchung eingcleitet werden wird. Postbeamter und Polizist. Aus Kiskunhalesz (Ungarn) loird gemeldet: Der Postbeamte Bano griff in angeheitertem Zustande auf der Straße einen Polizisten an, riß ihm den Säbel aus der Scheite, schnitt ihm drei Finger ab und brachte ihm noch andere schwere Verletzungen bei. Der am Leben bedrohte Polizist griff zur Waffe und brachte dem Postbeamten tödliche Verletzungen bei, denen er nach einer Stunde erlag. Der Polizist wurde in schwer verletztem Zustande ins Spital gebracht. Manila. Die Philippinen wurden am Samstag abends neuerdings von einem schweren Taifun heimgesucht. Am schwersten betroffen wurde die Insel Luzon. Vielfach traten große Ueberschwemmungen ein, wobei zahlreiche Häuser zerstört wurden. Es handelt sich um die schwerste Katastrophe, die jemals über die Insel hereingebrochen ist. Die Zahl der Toten beträgt nach den neuesten Nachrichten 266, darunter befinden sich allein 225 Personen, dir in dem Dorf Mauban Der Wahnsinn des Monarchismus Tokio. Auf einer Besichtigungsreise, die der Kaiser von Japan nach den Manövern machte, wurde durch ein Versehen eines Polizeisergeanten der kaiserliche Kraftwagen in eine falsche Straße geleitet. Dieses Vorkommnis hat nun für europäische Begriffe recht schwerwiegende Folgen gehabt: Der Polizeisergeant versuchte, durch Harakiri seinem Leben ein Ende zu machen. Er stieß sich seinen Dienstsäbel in den Hals und verletzte sich so schwer, daß sein Zustand ernst ist. Die Regierung hat einen Unter suchu na sauss chuß eingesetzt, der alle für die Fehlleitung des Kraftwagens des Kaisers verantwortlichen Beamten ermitteln soll. Der Gouverneur der Provinz Guma, der Polizeichef und der Polizerdirek- tor von Guma wurden zu einer Geldstrafe verurteilt, die jjO Prozent ihres Jahresgehaltes beträgt. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß auch hohe Beamte in der Regierung zum Rücktritt gezwungen werden. Wie weiter bekannt wird, hat bei den letzten Manövern auch ein S o l- dat Harakiri begangen, da er sein Seitengewehr verloren hatte, das, wie alle Waffen der Soldaten, als persönliches Eigentum des Kaisers angesehen wird. 100 Bergarbeiter verschüttet Shanghai. Wie die Zeitung„Schun- bao" mitteilt, kam es in den Fuschun-Kohlengruben in Mandschukuo zu einer Explosion, durch die 100 Bergarbeiter verschüttet wurde«. So wahr wie gelogen. Als kürzlich die deutsche Arbeitsordnung publiziert wurde, erklärte die Goebbels-Propaganda, dieses Gesetz sei einzigartig und habe in der Welt nicht seines, gleichen. Welch wahres Wort! Es ist eben die Kunst der deutschen Lügenpropaganda, immer so zu lüge kl, daß der nackte Wortbe- st a n d zugleich eine erweisbare Wahrheit ist. Das hat Goebbels von den General- stählern des Weltkrieges gelernt, die ja auch bis in den Oktober 1918 alle deutschen Niederlagen in Siege umzulügen wußten, ohne ein J-Tüpferl am nüchternen Tatbestand zu fälschen. Es kommt auf den T o n f a l l an. Goebbels macht das aus dem Handgelenk. Jetzt hat er wieder zu den deut- schen Journalisten gesprochen. Die Emigranten, sagte er, verkünden, daß in Deutschland nicht mehr soviel Hurrah geschrien wird. Das sei, gab der Mahatma Propagandi zu, durchaus richtig, jetzt „komme es eben auf die sachliche Arbeit an". Das deutsche Pressegesetz sei„das mo- d e r n st e der Welt". Wieder ein Treffer. Ist es nicht das modernste, neueste, nie dagekvesene? Kann sich England, Frankreich, selbst Italien daneben sehen lassen? Na, also! Wieder wie im Weltkrieg, wo die Deutschen jeweils die modernsten Gase und schließlich sogar die Lungenpest als Kampfmittel hatten; es war das modernste, was sich erfinden ließ. Denn in Hun- nien ist die Barbarei„man immer mit dem Fortschritt, denn uns kann keener, nicht um die lamäng, nichwahr"? Sie haben also jetzt das m o d e r n st e Pressegesetz,'ne dolle Sache, mst allem Komfort der Gesinnungsschnüffelei, des Terrors, der Korruption, da kann ihnen wieder einmal keiner an die Wimpern klimpern. 200.000 Mark jährlich opfern sie für die„Heranbildung des journalistischen Nachwuchses"— lies: für die Korruption der jungen Journalisten, denn man muß früh anfangen mit der vaterländischen Erziehung. Am glücklichsten in Goebbels Rede ist aber wohl das Bild: Presse und Regierung ziehen an einemStrang, denn das ist nun so unerschütterlich wahr wie ein großes deutsches Ehrenwort mit Doppelboden und zehnjähriger Garantie, man könnte auch schlicht jüdisch sagen, es sei goldrichtig. Presse und Regierung ziehen an einem Strang. Niemand wird es bezweifeln und am wenigsten die so an dem Sttang aufgehängt werden und ihn sichtbar oder unsichtbar am Halse tragen und würgend an der Kehle spüren, die nicht gleichgeschalteten Insassen des modernsten Kerkers der Welt. Großbetrüger. Die Pariser Polizei hat Sonntag Karl Levy, den Vetter und Gesellschafter des verhafteten Josef Levy,. Administrattvdirektors, verhaftet, der, wie bekannt, verschiedener Betrügereien in der Höhe von mehr als 150Millio- ue« Franken beschuldigt wird. ertrunken sind. Bon Mandan ist wenig übriggeblieben. Tansende von Einwohnern find obdachlos. Auf weite Strecken sind 90 Prozent der Kokosnuß-, Bananen-«nd Reiserntezerstört, was allein einen Verlust von schätzungsweise einer halben Mil- lion Pfund Sterling bedeutet. In der Provinz Camarines sind 24.000 Personen ohne Unterkunft. In der Provinz La Laguüa wurden 7000Häuserzerstört. Das Prager diplomatische Korps. Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten hat dieser Tage das Mitgliederverzeichnis des Prager diplomatischen Korps nach dem Stande vom Beginn des heurigen Novembers in Hestfcrm veröffentlicht. Nach diesem Verzeichnis befinden sich in Prag 33 Gesandtschaften ausländischer Staaten. Davon sind 28 mit Gesandten und bevollmächtigten Ministern besetzt, eine mit einem Gesandten mit der Würde und dem Titel eines Ministersresidenten, vier Gesandtschaften besitzen diplomatische Leiter(charges d'affaires) und zwei Gesandtschaften besitzen provisorische diplomatische Vertreter(charges d'affaires ad interim). Von den für die Tschechoslowakei bestimmten Gesandten haben sechs ihren Sitz außerhalb Prags, da sie gleichzeitig auch für einen anderen Staat be- sttmmt sind. Vier von diesen sind z. B. auch in Polen betraut und haben ihren ständigen Sitz in Warschau. Von den Gesandten und bevollmächtigten Ministern ist in Prag am längsten der deutsche Gesandte Dr. Koch, der aifi 29. Oktober 1921 seine Antrittsaudienz hatte, die kürzeste Zeit in Prag weilt der litauische Gesandte Eduard Ta- rauskas, der am 26. Oktober 1934 seine Beglaubigungsschreiben überreichte. Die Würde des Doyen des diplomatischen Korps gebührt also derzeit in Prag dem deutschen Gesandten. Insgesamt befinden sich nach diesem Verzeichnis im Prager diplomatischen Korps 112 Gesandtschasts-Kon- zeptsbeamten und Militärattaches. Die Beamten des Preffedienstes, das Kanzlei- und Hilfspersonal sind im Verzeichnis nicht angeführt. Mit dem Leben bezahlter Uebrrmnt. In Namiest a. d. Oslawa kletterten zwei Schüler, die Vieh weideten, auf einen Mast der elektrischen Leitung. Zuerst kletterte der 13jährige Emil C h a l u p a auf den Mast. Er kam mtt der Leitung in Berührung und wurde sofort getötet. Sein Vetter, der 9jährige Ludwig C h a l u p a, der nach ihm den Mast erklettern wollte, wurde gleichfalls vom Strom erfaßt und blieb am Mast hängen, Sein Vater wurde durch andere Knaben auf das Unglück aufmerksam gemacht und befreite ihn aus seiner furchtbaren Lage. Der Knabe, der schivere Verbrennungen erlitten hatte, wurde ins Trebitscher Krankenhaus gebracht. Der Tote konnte erst abends, nachdem der Strom abgestellt worden war, vom Mast heruntergeholt werden. Sein Körper war vollkommen verbrannt. Die Einäscherungen im Oktober. Im Monat Oktober wurden in den einzelnen Krematorien der Republik insgesamt 449 Personen eingeäschert. Davon in Prag 186, in Reicheiwerg 60, in Pardubitz 33, in Brüx 16, in Nimburg 15, in Ostrau 22, in Budweis 13, in Pilsen 23, in Brünn 37, in Olmütz 16, in Fischern 20, in Schreckenstein 9. Die Trunksucht? Dr. Henri Revilliod- M a s a r y k, der Schwiegersohn des.Präsidenten Masaryk, Leiter der Genfer Trinkerfürsorgestxlle, hat bei 680 Alkoholkranken, die fett 1928 betreut werden, nachgeforscht, welche Getränke am meisten genossen werden. In 84 Prozent aller Fälle tranken die Alkoholiker Wein, Bier und Branntwein; die„reinen Schnapsttinker" machen nur.9 Prozent aus. Bei allen Fällen handelte es sich um Trinker, die Vergehen und Verbrechen begangen und ihre Familien ins Unglück gebracht hatten. In unserer Republik ist in Böhmen der B i e r- alkoholismus, hingegen in Mähren-Schlesien und der Slowakei der Schnaps- alkoholismus vorherrschend. Trotz des Rückgangs des Verbrauches alkoholischer Getränke ist keine besondere Abnahme der Trunksucht zu verzeichnen. Schutzmaßnahmen für die österreichische Regierung. Seit dem 25. Juli ist die österreichische Regierung um ihre Sicherheit sehr besorgt. Sie hält ihre Sitzungen nurmehr im Landesverteidigungsministerium ab. Vor jeder Sitzung muß die Kanalbrigade der Wiener Polizei die gesamten Kanäle unter dem Gebäude besetzt halten. Oberst Byrd über dem Südpol. Auf seinem Flug über das Gebiet des Südpols entdeckte Oberst Byrd u. a. einen ausgedehnten Meeresstteifen, der die einzelnen Teile des südlichen Polargebietes von einander trennt. Dieser Wasserstreifen ist von Treibeis-Schollen bedeckt. Der Flug des Obersten Byrd dauerte insgesamt sieben Stunden, während welcher der Flieger eine Fläche von 50.000 Quadratmeilen durchforschte. Deutsche Schiffahrtspleite. Hapag und Norddeutscher Lloyd sind durch den Weltboykott gegen Nazrdeutschland schwer getroffen. Selbst die Herabsetzung der Fahrpreise hat nichts geholfen. Alle Vorstellungen dieser Trusts bei der Regierung blieben nutzlos. Nachdem bereits vor Wochen drei Direktoren zurückgetreten sind, folgten ihnen jetzt drei weitere und Herr Oboussier, der Vorsitzende der Hamburg-Amerika-Linie, da alle Bitten um ReiöWilfe vergeblich geblieben sind. Westböhmischer Arbeitersport Der vergangene Sonntag brachte neuerdings Beratungen der Wintersportler in Rothau, wo das Krenswintersportfest am 13. Jänner stattfindet. Die, Schanze wird bereits verbessett und ein besonderer Festabend soll vom Kreisverband veranstaltet werden.’ An dem Skispringen werden Wettkämpfer des DTJ teilnehmen. Weiters wurde die zweite Sitzung der■* Kreisarbeitsgeineinschaft Atus-Aruk durchgeführt. Zum Obmann wurde Genosse M Y k u r a- Atus und» zum Schriftführer Genosse K u ö e r a- Aruk gewählt. Die Fußballer hatten einen Tag der Unent-■, schlossenheit. Von sieben erstklassigen Spielen waren’J vier unentschieden. Zum erstenmal mutzte der Spitzen-; sichrer der ersten Klaffe, Meierhöfen, einen> Punkt ablassen, der glückliche Partner Eger mutzte J aber trotzdem auf den vietten Platz der Tabelle, da Sportbricher Eibenberg siegreich waren. ASK Altrohlau steht mit 13 Punkten aus acht Spielen. an zweiter Stelle. Der er sie Spielbezirk hat bereits seine Tabellen in der zweiten und dritten‘ Klaffe aufgestellt. Es führt nun in der zweiten Klasse_ nach sieben Spielen Atus Bernau bei Neudek ptit 14 Punkten, in der dritten Klasse, welche in zwei' Gruppen durchgeführt wurde, Atus Tr i n k s e i f e n in der Erzgebirgsgruppe und Arus Taschwitz in J der Karlsbader Gruppe. Wilkinson und Listowell aus Spanien ausgc- J wiesen. Um die Zustände in A st u r i e n nach der Niederkämpfung der Arbetter zu erforschen, loaren■ zwei bekannte englische Sozialisten, EllenWil-‘ kinson und Lord L i st v w e I l dorthin gereist,< wie stt auch in den Reichen Goerings und Feys gewesen sind. Der Speziäloffizier zur Entwaff-' nung der Arbeiter ließ beide zwei Stunden war- i ten, bevor er geruhte, mit ihnen zu reden. Dann, erklärte er ihnen, daß ihr Herumfahren im Lande bereits sehr unerfreulich empfunden worden sei. Weshalb sie ihre Besichtigungen nur in Begleitung eines Offiziers fortsetzen dürften. Darauf ver-. J zichteten di/ englischen Genossen, mußten sich aber auch auf der Reise an die Grenze militärische Ge-: sellschaft gefallen lassen. Bei der Verfolgung eines Wohnungseinbrechers in Oppeln wurde der Lichtspielpächter Moczko durch Revolverschüffe des aufgescheuchten Einbrechers schwer und der SA-Truppführer Flo-< rek durch einen Kopfschuß tödlich verletzt. Zwei Leiche«. Ein kalifornischer Fischdampscr teilte funkentelegraphisch mit, daß er am Strand. einer Insel der Galapapos- Gruppe zwei Leichen, eine männliche und eine weibliche, gefunden habe. Ein ebenfalls aufgefundener deutscher Patz trage den Namen Alfred Rudolf Lorenz. Aus einer französischen Ettennungskatte gehe hervor, daß sich Lorenz zuletzt in Paris aufgehalten habe. Auch seien Briefe, die den Namen Margarete Wittmer trugen, gefunden worden. Wie aus Guayaquil(Ecuador). 1 ergänzend berichtet wird, haben zwei Deutsche namens Rolf Blomberg und Martin Foagli, die am Ende der vergangenen Woche von den Galapagos-Inseln nach• s Guayaquil zurückkehrten, den dortigen Behörden ge-.' meldet, daß die auf der Galapagos-Jnsel Santa Maria lebende Baronesse Wagner-Wehrborn und. ihr Begleiter vermißt würden. Ob die Vermißten mit, den von dem Fischdampfer aufgefundenen Toten identisch find, konnte bisher nicht festgestellt werden. Reunzigjähttge als Kulturarbeiter. In K w a-.. raly(Georgien) wurde eine Gruppe von 2&'■ georgischen Greisen gebildet, die sich mit i der Pflege alter Volkslieder und g e o r g i- i scher Nation« ltänze befaßt. Die Mitglie-- der der Gruppe stehen durchwegs im Alter von 5 0 bis 90 Jahren. Einer der Neunzigjährigen namens Afgarozachvili ist der beste Sänger der«'’ Gruppe und ein anderer, der 88jährige Diamagmch- vili, gilt als der beste Interpret georgischer Bolls-. i tanze. Die beiden Genannten stammen aus Gremi, der ältesten Siedlung Georgiens. Fortbildungskurse für Aerzte. Die Prager medizinische Zettschrift„Beiträge znr ärztlichen Praxis" hat mit Unterstützung des Reichsverbandes der deutschen Aerztevereine ständige, für Aerzte frei zugängliche Fortbildungskurse ins Leben gerufen. Die Kurse finden monatlich einmal, und zwar jeden letzten Sonntag UM 10 Uhr vormittags an den entsprechenden Prager Kliniken statt. Den nächsten Kurs liest Prof. Nonnenbruch am 25. November über„Blutkrankheiten". Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westen des Staates wechselnd bewöltt, vereinzelt aufkkärend und leichter Frost, ruhig. Im Karpathengebiei vorwiegend bedeckt, stellenweise etwas Niederschlag, ein- wenig kühler, besonders im äutzersten Osten.— Wetteraussichten für Mittwoch: In den böhmischen Ländern wieder etlvas^wärmer, Winddrehung«ach Südwesten. Im Osten strichweise' verringerte Bewölkung und stärkere nächtliche Abkühlung. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmeni Mittwoch Prag, Sender L.: 6.15: Gymnasttk. 10.05: Deutsche Nachrichten. 11: Schallplatten. 11.05: Sawnorchesterkonstett. 12.10: Ouverturen auf Schallplatten. 13.35: Ärbeitsmattt. 13.45: Deutscher Arbeitsmarkt. 16.45: Theater für die Jugend. 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten. 18.30: Arbeitersendung: Kurl Schmidt, Tep^-• l i tz- S ch L n a u: BomBergbauuttd seinen Arbeitern. 18.50: Sözialinformatio- nen. 19.10: Opern-Arien. 20: Ueberttagung aus dem Smetanasaal: Tschechische Philharmonie. 22.25: Tanzmustt.— Sender S.: 14.15: Die Jungen spre-; chen. 15.15: Deutsche Sendung: Hiebsch liest Skizze „Zweimal Bayreuth". 15.15: Kinderstunde,— Brünn: 17.50: Jugendstunde: Der Weg zu fich selbst. 18.05: Kinderstunde. 21: Alte Instrumente- — Mährisch-Ostrau: 13.45: Chansons auf Schallplatten. 17.30: Orchesterkonzert.— Preßburg: 21.20: Klavierkonzert. «r. 272 Dienstag, 20. November 1934. Seite 5 M Der M per M zu rwMklu NeW Gangsterstück eines ehemaligen Beamten Siebzehn Zahre schweren Kerkers für zwei Banditen Prag. Montag wurde bei dem Prager Kreisgericht die fünfte und letzte Schwurgerichtsperiode d. I. eröffnet, die bis Mitte Dezember währen dürfte. Auf dem Programm dieser Session stehen mehrere aufsehenerregende Prozesse. Eingeleitet wurde di« Schwurgerichtsperiode mit einer Anklage wegen Verbrechens des Raubes. Angeklagt waren der 32jährige ehemalige Beamte Miloslav Kittl und der 31jährige ehemalige Schuhmachergehilfe Emanuel Spivak, die in der Nacht auf den 4. September d. I. im Dorf« Hospozin in daS Häuschen deS 78jähri- gen Pensionisten und HäuSlerS Wenzel K e j t eindrangen und den wehrlosen Breis beraubten. Den Vorsitz der Verhandlung führte OBR. Dr. Mare i e k, di« Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Sima. Der erste Angeklagte, Miloslav Kittl, war einmal Privaibeamter und es ist Wohl nicht die Stellenlosigkeit allein, die diesen jungen Menschen in die Kriminalität getrieben hat. Er ist offenkundig eine völlig haltlose Natur. Seine Strafkarte weist acht, z. T. sehr schwere Bor straf en aus. Die Montag verhandelte Banditentat stellt den Gipfelpunkt seiner kriminellen Tätigkeit dar. Sein Komplize, der zweite Angeklagte, Emanuel SPitz a k, ist n e u,n mal vorbestraft. Im Komplott war noch ein dritter Kumpan, ein gewisser Franz D r a- b e k, ein polizeibekannter Vagabund, der bisher nicht dingfest gemacht werden konnte. Bezeichnend ist, daß der Plan zu dem heimtückischen Raub in einer• Prager Bar ausgeheckt wurde. Man beschloß,„sich auf dem Lande Geld z,i holen" und einer der Komplizen riet zu einem Anschlag auf den ihm bekannten alten Kejk, in dessen Häuschen man einen Geldbetrag von etwa 18.000 Kd vermutete. Die Gelegenheit war schon„ausbaldowert" und der verbrecherische Plan wurde sofort in die Tat umgesetzt. Spivak mietete ein T a j i, vereinbart« mit dem Chauffeur ein« Entlohnung von 160 KL für die Fahrt nach Hospozin und um 2 Uhr nachts waren die drei an Ort urch Stelle. Das Auto liehen die Räuber auf dem, Dorfplatz stehen und Spivak blieb im Wagen, mn den Chauffeur zu überwachen, während Kittl und Drabek mit schwarzen Masken vor dem Gestcht sich auf den Weg zum Häuschen des alten Kejk machten. Nachdem sie in den Garten vingestiegen waren, versuchten st« die Haustür aufzubrechen, was ihnen aber nicht gelang, worauf sie zu einer List griffen. Sie klopften den Kejk aus dem Schlaf und taten so, als ob st« V e r w a n d t« wären, waS Kejk glaubte, weil am Tage vorher Kirchweih gewesen war. Als der Greis die Tür geöffnet hatte, zwangen sie ihn, die Schlüssel zum Schrank herauszugeben und entwendeten aus diesem 1500 KL in bar und eine goldene Uhr. Dann fuhren sie nach Prag zurück. Die Ausforschung der Täter wurde durch einen Zufall erleichtert. Einem Gendarmen war das auf dem Dorfplatz wartende Auto aufgefallen und er hatte zur Sicherheit den Chauffeur, wie auch den diesen bewachenden S p k v a k sichergestellt, ohne aber zunächst Verdacht zu schöpfen, weil ihm SpL- vak di« Anwesenheit des Wagens mit einer Ausrede plausibel zu machen wußte. Als am nächsten Morgen der Ueberfallene Anzeige erstattete, hielt sich die Gendarmerie natürlich an diese Spur. Auf dem Umweg Aber die Bar„Duterfly", wo die räuberische Expedition ihren Ausgang genommen hatte, führten die Nachforschungen schließlich zur Verhaftung Spivaks und Kittls. Drabek aber ist vorläufig unauffindbar. Er führt ein unstetes Vagabundenleben und ist daher schwer zu packen. Kittl war im ganzen geständig, behauptet aber, dem alten Kejk keinerlei Gewalt angetan zu haben; Spivak erklärte, er habe nicht ge- wußt, daß ein räuberischer Anschlag geplant war. Er schob die ganze Schuld auf Kittl und Drabek. Nach Bejahung der Schuldfragen durch die Geschworenen fällte der Schwurgerichtshof das Urteil, durch welches Miloslav Kittl zu zehn Fahr« und Emanuel Spivak zu sieben Fahren schweren und verschärften Kerkers verurteilt wurden. rb. I« Matuschka- Prozeß wurde am Montag das Beweisverfahren geschlossen und es begannen die Plädoyers. Der Staatsanwalt ließ in seiner eineinhalbstündigen Anklagerede das ganze Leben Matuschkas Revue passieren. Das Hauptmotiv, das Matuschka zu dem Verbrechen verleitet habe, sei seine grenzenlose Eitelkeit. Der Staatsanwalt steht keine mildernden Umstände; sogar das Geständnis und die bekundete Reue könnten nicht als solche gelten. Erschwerend dagegen seien die Kum- mulierung der Verbrechen, die Planmäßigkeit und der durch die Attentate verursachte Materialschaden. Der Staatsamoalt,' der Matuschka der vorsätzlichen Tötung in 22 Fällen und der versuchten Tätung in 14 Fällen beschuldigt, verlangt mit Berufung auf den 8 278 des Strafgesetzbuches die strengste Bestrafung des Angeklagten. Dieser Paragraph sieht für das Verbrechen der vorsätzlichen Tötung die T o d e s st r a f e vor. Matuschka hörte die Anklagerede scheinbar zusammengebrochen, die Hände ringend und manchmal unverständlich vor sich hinmurmelnd an. Räuber in Palästina. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, haben am Samstag abend sechs bewaffnete Räuber auf der Straße Jerusalem—Haifa in der Nähe des Dothan-Tales fünf Kraft wagen angehalten und 3 0 Personen'ihres Geldes und ihrer Kleider beraubt. Drei Reisende» die den Befehlen der Räuber nicht sofort nachkamen, wurden niedergeschossen, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Religion und Raffe. Anläßlich der 100. Stiftungsfeier der Universität Bern hielt der neugewählte Rektor Prof. Haller einen bemerkenswerten Vortrag über das aktuelle Thema«Religion und Raffe", wobei er u. a. ausführte, daß die Religion nicht allein von der Raffe bedingt sei. Wohl können raffische Einflüsse mitgespielt haben, aber nur im Zusammenhang mit solchen der Familie, der Sippe_und der wirtschaftlichen LebenSbedin- gungen. Dabei sei nicht vergeffen, daß.Raffe" ein dynamischer Begriff ist, der einem ständigen Wechsel unterliegt. Früher machte die Wissenschaft den Fehler, Sprachgruppen, wie Semiten oder Indogermanen, mit Raffen zu identifizieren. Der Ethnographie und der Archäologie gelang es aber, primitive Regeln und Kulte bei allen Religionen in übereinstimmender Gemeinsamkeit festzustellen al» etwas, was quer durch sie hindurchgeht ohne Geschränkung auf Sprache oder Raffe. Mit dem Auto in eine Arbeiterkolomie. In der westfälischen Stadt Lüdenscheid fuhr der Sohn des Fabrikanten Koch mit seinem Auto In eine Kolonne des Freiwilligen Arbeitsdienstes hinein mid verletzte 20 Mann zum Teil schwer. Erdbeben in Australien. Das Observatorium von Sydney verzeichnete ein ziemlich starke» Erdbeben, dessen Zentrum etwa 140 Meilen südwestlich von der Stadt gelegen war. Es folgten zehn Erdstöße aufeinander, von denen der erste um 7 Uhr 59 Minuten Ortszeit registriert wurde. Bisher sind keine Verluste an Menschenleben geweidet worden.’'' Ein Reger im Repräsentantenhau». Jetzt hat auch das amerikanische Parlament in der Person des demokratischen Abgeordneten Arthur Mitchell gleich dem französischen Parlament seinen Negerabgeord- uetcn. Daß gerade die demokratisch« Partei einen Neger entsandte, also«ine Partei, die früher, ungeachtet ihre» Namens, die Interessen der schroff neger. feindlichen Plantagenbesitzer der Südstaaten vertrat, zeigt den Wandel der Zeiten. Sein« Stellung wird nicht leicht sein. Er gilt im Grunde als Sprecher von zehn Millionen Negern. Wie wird er sich Gehör verschaffen? Denn noch immer find die Vorurteile und die gesellschaftlichen Trennungsmauern riesig groß. Die Akte der Lynchjustiz haben keineswegs aufgehört. Im Gegenteil, in der letzten Zest hat man mehr denn je davon gehört. Der fortschrittliche Wind, der durch die Vereinigten Staaten weht, vermochte dies« alten Ueberreste nicht hinwegzufegen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die die USA zweifellos durchmachen, tragen eher zur Verschärfung der Gegensätze, ja zur Wiedererweckung solcher Vorurteile, die man schon im Absterben wähnte, bei. ES ist kein Zufall, daß der Ku-Kux- Klan zu neuem Leben erwacht ist. In Perioden der Krise jucht man nach Sündenböcken. Wie beliebt es ist, den AnderSrassigen zur Zielscheibe zu machen, hat man ja gesehen. Dafür braucht man nicht erst den Blick nach den Bereinigten Staaten zu lenken. Der Ku-Klux-Klan bedenkt Juden und Neger in gleicher Weise mit seiner Aggressivität. Schon kom- Men Nachrichten, daß er ein« große Kampagne im Lande entfalten wolle, angesichts der.unerhörten Tatsache", daß ein Neger ins Repräsentantenhaus seinen Einzug hielt. Man darf daher nicht denken, daß die» neuartige Ereignis«inen völligen Bruch wst der Bergangercheit bedeut«. Auch die Geschichte kennt Rückfälle, und sie sind, wie bei jeder Krankheit, meist besonders schlimm. Kommt es zu einem bankerott der Nira, eine Frage, die noch keineswegs entschieden ist, find in dieser Richtung sogar sehr schwer« Explosionen zu erwarten. Der Abgeordnete Mitchell kämpft als einzelner auf einem vorgeschobenen Posten. Lob der Elefantin In den„TimeS" findet sich folgende Plauderei über die Elefanten: „Elefanten sinw heutzutage sehr billig, und sie kosten in Affam weniger als Pferde. Allerdings kommt das Porto hinzu. Sie stellen eine Anlage dar, die hinter den besten Aktien keineswegs zurücksteht, denn Elefanten werden sehr, sehr alt, verlieren keineswegs an Wert— wie zum Beispiel Häuser I— selbst in zwanzig und dreißig Jahren nicht! Elefanten haben zwar Appetit, sie verbergen ihn auch nicht, ober' sie sind Vegetarier, und ihre Nahrung besteht aus Produkten, die sich jeder ohne weiteres beschaffen kann und die nicht zerstört oder kontingentiert werden. Eine Keine Subvention vom Landwirtschaftsminister an eingetragene Elefantenzüchter— eine Subvention, die im Vergleiche zum Umkange des Elefanten wahrlich nur geringfügig zu fein brauchte— würde den Markt für Dinge, die so leicht wachsen und die Elefanten so leicht essen, beträchtlich erweitern. Da gäbe es keinen Abfall und keine Reste. Elefanten sind eine erstklassige Reklame. Man sieht sie schon von weitem und kann in aller Ruhe die Schlagwörter entziffern, die an ihnen angebracht sind. Ihr gutes Gemüt und ihre ungewöhnlichen Gaben, die sie zu stets gern gesehenen Spaßmachern und „Unterhaltern" machen, haben ihnen di« uneingeschränkte Bewunderung aller eingebracht, die ihr Geschäft mit diesen Geschöpfen zu verbinden wünschen. Die Zeiten sind vorüber, da der Besitz eine? großen Wagens eine ungewöhnliche Angelegenheit war, und alle, denen mehr an Zerstreuung al» an Fortbewegung liegt, tun gut daran, sich elefantenwärtS zu orientieren. Man kann nicht behaupten, daß Elefanten lawgsym seien, weil alle Fahrzeuge jetzt langsam sind Md noch langsamer werden werden. Und jeder Besitzer eines Elefanten wird ungeheure» Ansehen genießen. DaS Borurteil gegen den Umgang mit Elefanten-— falls e- ein solches Vorurteil über- baupt gibt— geht auf Ztiten und Ort« zurück, da Menschenwerk noch schwach und gebrechlich war. Aber im Zeitalter des StahleS und deS Beton- hat ein solcher Einwand keine Gültigkeit mehr. ES gibt überhaupt keine Einwände gegen den geruhsamen Einfluß dieser noblen Kreaturen in unseren hektischen modernen Großstädte«. Man sollte ihnen zu unser aller geistigen Nutzen getrost gestatten, unserem Kom- nien und unserem Gehen das Tempo vorzuschreiben und unseren verwilderten und unglücklichen Straßen eine gewiffe Leichtigkeit und ernste Würde wiederzugeben." Bigamist aus Zeitmangel Ein stürmischer Greis.— Milde Richter. Das Gericht von Oradea Mar« (Rumänien) hat dieser Tage«inen merkwürdigen Fall von Bigamie zu verhandeln gehabt. Auf der Anklagebank saß nämlich ein Achtzigjähriger namens Petru Tomoreanu, der sich dafür zu verantworten hatte, daß er eine zweite Frau geheiratet hatte, bevor er noch von der ersten geschieden war. Der Angeklagte war in vollem Umfang geständig. Im übrigen gab er eine merkwürdige Darstellung von dem Sachverhalt, daß nicht nur daS anwesend« Publikum wiederholt zur Ruhe er« Satirisches Kabarett irr Aussig Da» politische Kabarett ist schon längst zu einer Form der politischen Agitation geworden und erweist sich als eine besonders wirksame Waffe. Lachen befreit, Lachen reißt aber auch manche verdeckende Maske vom Gesicht. Das haben die französischen Revolutionäre genau so gewußt wie die deutschen Burschenschafter des Vormärz, di« Verspotter des satten Bürgerideals der neunziger Jahre, wie die scharfen Beobachter des Wiener Wahlkampfes 1927 oder des Befreiten Theater» in Prag, das jetzt die Wut der Stkibrnh-Leute erregt und damit den glänzendsten Beweis der Notwendigkeit seines Bestehens erbracht hat. Die Wirkung wird— tat Gegensatz zum bürgerlichen Kabarett— nicht durch derb-erotische Zoten, Unanständigkeiten, Geschmacklosigkeiten oder Plattheiten erreicht, sondern durch politische Wort- und Bildwitze, durch Couplets mit bekannten Melodien und unterlegten Texten, durch ernste Sprechchöre und Bewegungschöre. Die Weltgeschichte selbst ist Autor, der Betrieb einer Zeitung, da» Gespräch eine» vielbeschäftigten Diplomaten, ein Tagesereignis, ein karikierter Ausspruch gebest Anlaß zur Stegreifszene.... mahnt werden mußte, sondern daß sogar der Richter sich daS Schmmizeln nicht verbeißen konnte. Petrn Tomoreanu ist mit seiner ersten Frau Niculina über 50 Jahre glücklich verheiratet gewesen. Im vergangenen Frühjahr sah er sich dann seine Niculina einmal etwa» genau an, und dabei stellte er dann fest, daß seine Lebensgefährtin doch eigentlich recht alt geworden war und für ihn nicht mehr in Frage kam. Da mußte wa» Junges her. Noch am gleichen Abend begab er sich daher auf ein Tanzvergnügen und angelte sich dort die 25jährige Anna Rediu. Für Tomoreanu war es eine ausgemachte Sache, daß er die Rediu heira- ten würde. Schon am nächsten Tag reichte er daher einen Antrag auf Scheidung seiner Ehe eün i Statt nun abzuwarten, was au» der Scheidung würde, setzte der stürmische Greis seiner jugendlichen Angebeteten so zu, daß sie sich bereit erklärte, sich schon in der Zwischenzeit mit ihm zu verehelichen. Die Ehe ist kirchlich getraut worden. Soweit wäre alle» in Ordnung gewesen, wäre nicht Niculina, wohl mit Recht, enttäuscht und erbost gewesen. Sie lief zum Richter, plauderte alles aus, und so kam den Petru Tomoreanu unter der Anklage wegen Bigamie vor Gericht. «Warum haben Sie denn eigentlich mit Ihrer zweiten Eheschließung nicht gewartet, bis Ihre erste Ehe rechtsgültig geschieden war?" fragte der Richter den Angeklagten. „Aber, Herr Rat", meinte der Greis treuherzig,„bei meinem Alter muß man sich in solchen Dingen beeilen. Konnte ich wissen, ob ich noch so viel Zeit haben würde, meinen Herzenswunsch erfüllt zu sehen und mit meiner Anna glücklich zu sein?" Diese seltsame Begründung seine» Verhaltens hat natürlich im Gerichtssaal allgemeine Heiterkeit erregt, aber von dem Vergehen der Bigamie konnte der alte Schwerennöter deshalb nicht freigesprochen werden. Trotzdem hatten seine Richter ein Einsehen und haben den Fall milde beurteilt. Die zweit« Ehe deS Petru Tomoreanu wurde vorläufig für ungültig erklärt, außerdem ist er von dem Richter für«ine Woche ins Gefängnis gesteckt worden. Versteckte Feindschaft In Ländern, in denen der Fascismus eine breite Bewegung geworden ist, hat er bei seinem Aufstieg die tatkräftigste Unterstützung maßgebender industrieller Kreise erhalten. Die Geschichte der verbotenen nationalsozialistischen Partei und die Erfahrungen mit der Sudetendeutschen Hei- nratfront geben uns die Lehren, daß auch in der Tschechosloloakischen Republik große Teile des industriellen Unternehmertums trotz aller Scheinbekenntnisse zur Demokratie ideologisch und politisch bei den fascistischen Strömungen der verschiedensten Art beheimatet sind. Da die Demo-, kratie bei uns nicht still hält, wenn ihre Feinde sie erledigen wollen, so erwählen diese Kreise zunächst di« Vorsicht als den besseren Teil der Tapferkeit im Kampf« gegen Demokratie und freiheitliche Rechte. Das wurde uns wieder klar, als wir die Rede des Präsidenten L i e b i e g von der Handelsund Gewerbekammer in Reichenberg lasen, die er kürzlich in der Plenarsitzung der Berwaltungs- kcmmission der Kammer gehalten hat. Der Kampf gegen den Parlamentarismus, die Anprangerung seiner.Unfähigkeit", das Zuschieben der Verantwortung für die durch die Wirtschaftskrise verursachte Massennot, alles das waren auch die Hauptbestandteile der nationalsozialistischen Agitation in anderen Ländern, und sind es auch heute noch. Nun hören wir Herrn Liebieg, der über di« Wirtschaftslage in Nordböhmen sprach. Er ist ein Mann, der seine Worte wohl zu,setzen versteht. Er sagte u. a.: .lieber den so dringend geforderten Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Industrie hinweg ist man zu einer von parteipolitischen Interessen diktierten parlamentarischen Tagesordnung übergegangen, die anscheinend einseitig orientiert ist. Gesetzgebung und Verwaltung sind von den Diktaten der Mehrheitsparteien durchsetzt, die trotz allen Appellen an die wirtschaftspolitische Einsicht nicht sehen wollen, daß wir infolge der dauernden Vernachlässigung der Lebensnotwendigkeiten der Industrie und deS Gewerbes in eine Verarmung hineingetrieben werden, aus der wir uns wahrscheinlich nicht mehr werden emporraffen können. Und die wohl letzten Endes sowohl die gesamte Arbeiterschaft wie di« Landwirtschaft unaufhaltsam auf einen unzureichenden Lebensstandard herunterdrücken wird." An einer späteren Stelle seiner Rede beruft er sich völlig zu Unrecht auf den Ministerpräsidenten, um gegen die Parteien und den.unseligen Parteihader" Stimmung zu machen. Ist der Handelskammerpräsident so klug, die Bekräftigung fascistischer Tendenzen in der Industrie recht vorsichtig zu formulieren, so ist die Arbeiterschaft zu gut geschult, um nicht ihre ganze Bedeutung zu xynessen^. Es find die. gleichen Tön«, die aus de» Reden der Agitatoren.der Sudetendeutschen Hei», matfront erklingen— nur etwas anders nuanciert. Befindet sich der Handels« und Gewerbekammer-Präsident im bewußten Irrtum, wenn er das parlamentarische System für die bestehend« wirtschaftliche Not verantwortlich macht, so irrt er gleichfalls, wenn er meint, mit derartigen Reden der Wirtschaft und insbesondere der Arbeiterschaft helfen zu können. Die Rezepte, die er und die Unternehmer von gleicher Gesinnung bereit halten, sind in einigen Ländern lang« genug erprobt worden und haben den Beweis erbracht, daß sie weder die Wirtschaftskrise mit chren Wirkungen, noch ihre Ursachen beseitigen können. Es scheint uns aber dringend notwendig, daß die Arbeiterschaft nicht nur di« Demagogen der Sudetendeutschen Heimatfront nicht aus den Augen läßt, sondern auch aufmerksam beobachtet, waS im Lager deS industriellen Unternehmertums unseres Landes vor sich geht. Europa so oder so? Wer sich über diese Frage Gedanken maeht, kaufe und lese das Arbeiter-Jahrbuch 1935! gen veranstaltete. Au» verschiedenen Ursachen trat dann ein Stillstand ein. der jetzt durch das Eingreifen VaSa HochmannS urck> Ernst Hirsches überwunden ist. Reaktionäre Kunst und reaktionärer Kitsch, die durch ihre Oberflächlichkeit und Lügenhaftigkeit im Dienste der Bourgeoisie die Nerven der Arbeiter betäuben, ihr Denken lähmen, ihre Instinkte verfälschen, finden hier ihr wirksames Gegengift. Tucholsky, Brecht, Mühsam, Sladek. Mehring, Wei« nert, Traven, Eisner rsw. und die Komponisten Eisler, Weill und vor allem Hirsche selbst warben Samstag im Volkshaussaale um die Herzen der Proletarier mit künstlerischen Ausdrucksmitteln hoher schicke der Menschen regiert werden. Erschütternd die deutschen Wiegenlieder 1934, der Dong vom Regen, zum Brüllen die Verspottung der charatterlosen Presse mit ihrem Phrasenschatz und ihrer Angst um die lieben Abonnenten, beklemmend und zugleich aufpeitschend die Szene: Sin Mensch sucht Arbeit, aufwühlend bi» in» Mark der Emigrantenchoral, befreiend und werbend im besten Sinne der AuSklang. Die Hauptlast ruhte auf Vaöa H o ch m a n n, der fast ununterbrochen drei Standen auf der Bühne mit vollendeter Künstler^chast, echt bis in die Fingerspitzen. spielte und sang, von DSdl Walz wirksamst unterstützt. Für den heiteren Teil sorgte der„Auffi- : mit Witz und Unvergeßlich war allen Teilnehmern der Wiener Weltgewissen scheint tot zu sein, aber die Songs der Olympiade das Polittsche Kabarett der sozialistischen weißen Arbeitssklaven in deutscher, tschechischer, fran- Studenten. Es la« nahe, dieses Mittel revolutionärer! zösischer oder englischer Zunge rüttelten ebenso Propaganda für die Idee de» Sozialismus auch heftig daran wie die der Neger oder Baumwoll- anderswo zu probieren. So entstand eine Sozia- Pflücker oder der kleinen Japanerin. Auf der and'eren listische VeranstaltangSgruppe, di« mit starker Wir«! Seite zeigt» sich im Licht der Sattre, etwa bei der kung in A u s s i g und in der Umgebung Aufführun. Macdonald-Szene. mit wie wenig Weisheit die Be lohne selbstverständlich die anderen zu schmälern, da e» sich hier um ein Kollekttv und nicht um Star» Mt einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln handelt.) Der ganz besetzte große Saal war von Be- hatte Erich Jungwirth die Kulissen gemalt, die geisterung erfüllt. rf. daS Kabarett»zum Weltgewissen" umrahmten. Da»l Qualität. Die Einstudierung durch Vasa Ho ch-. ger Boskovec" Herr Wtllner t>...~~. v mann, der auch die Auswahl traf, vieles selbst dazu Humor, von der Auffiger Beranstaltungsgruppe sind dichtete und verarbeitete, im Verein mit Kapellmeister! rühmlich zu nennen: A. Liebreich(kn der Szene H i r sch e, dem musikalischen Leiter und Komponisten,! de» arbeitslosen Buchhalters). I. Cerv in ka, der feinfühlig die Aufführung vom musikalischen Jany Loi», Franz Bachmann, Karl Franzl Standpunkte aus betteute, besaß Grotzstadtformat. Seät« .Sozialdemokrat* Dienstag, 20. November 1934. Ä. 933 PRAGER Kunst und Wissen Ausstellung Walter Trier Die Sammlung von Oebbildern und Aquarellen Walter Triers, die in der Galerie Andre ausgestellt ist, enthält nur wenig Unbekanntes. Denn der Prager Künstler, der seit Jahren in Berlin lebt, hat dort nicht fürs Atelier und für private Liebhaber, sondern für Zeitschriften und Buchverlage gearbeitet, — und wer die„Lustigen Blätter" und die„Dame" hin und wieder zu Gesicht bekam, der wurde mit Triers färben- und lebensfroher Kunst bekannt. Wer nun die Originale jener originellen Bilder betrachtet, erkennt von neuem, wie glücklich sich in Walter Trier der Humorist und der Maler Vereinen, wie vollkommen sich bei ihm der heitere Einfall ins Bunt« und Rundliche, in Schnörkel und Striche umseht. Ihm führt der Humor den Stift und den Pinsel, ein milder, kindlich unbeschwerter Humor, der alle Gestalten zu Spielzeugen und alle Schauplätze zu Marionettenbühnen macht. Ein wunderlich gelungenes Gemälde, das von Falstaff bis Chaplin und von Don Quixote bis zum Struwelpeter alle'„lustigen Gesellen" in einer Tafelrunde zeigt, ist charakteristisch für Triers heitere Märchenkunst— und die (für die Kölner Aufführung 1981 gemalten) Bühnenbilder zur„Verkauften Braut" sind bezeichnend für seine Liebe zum Sinnenfrohen und Bunten, die allerdings auch eine Liebe zur Verniedlichung der Welt ist.—eis—- Arbeiter- Vorstellung. Di« plötzliche Erkrankung einer Sängerin verschuldete am Sonntag nachmittag eine Aenderung im Programm der Arbeitervorstellungen. Statt der Oper„Zwei Witwen" von Smetana wurde Franz Lehars neueste O p e- rette„Giuditta" gegeben. Ein nicht sehr vorteilhafter Tausch, wenn man bedenkt, daß eine wirklich komische Oper durch eine unwirklich tragische Operette ersetzt wurde und ein Meisterwerk durch ein Dnrchschnittsopus. Da hätten wir dem treuen Pu- blikmn unserer Arbeitervorstellungen, wenn schon der Spielplan des Theaters eine andere komische Oper als Ersatz nicht zu bieten vermochte, doch lieber Verdis„Don Carlos"(der übrigens gleichzeitig eine sinnige Schiller-Feier im Rahmen der Arbeitervor- stellnngen hätte bilden können) oder Massenets Oper „Manön" gegönnt, zwei Opern, diettN ihrer Art wertvolles Musikgut darstellen. Bei der sonntägigen „Giudiita"-Aufführung mutzte sich das Publikum an ihre reproduktiven Leistungen halten, die allerdings — was hier schon gelegentlich der Erstaufführung des Werkes gesagt wurde— teilweise hervorragend güt sind.- Denn selbst die kleineren Partien dieser Pseudo-Operette und Talmi-Oper sind mit ersten Kräften besetzt(Dörner, Pad le sak, Taub, H e h, G ö l l n i tz ustv.). Ilnd in den beiden Hauptpartien bereiten Kurt P r e g e r und Käthe Walte r Sondergenüffe; jener für das Ohr, diese für das Auge. Auch bi« schöne szenische Aufmachung der Operette und ihre bassettymssigen Nummern, die leider stark gettirzt waren,ennchädigten das Publikum für positivere musikalische Gewinne. Musikalischer Leiter der Aufführung war diesmal Opernkapellmeister H. G. Schick, ein Dirigent und Musiker, dessen sorgfältig differenzierende Stabführung der Mustk Lehars sehr zustatten kam. Das Theater war trotz oder wegen der Stückänderung ausver- kaust. E. I. • Konzert des Tüeaterorchefters im Deutschen Hans, Mittwoch, 8 Uhr. Dirigent: Szell. Solisten: Book und Konehni, Aus dem Programm: Ouvertüren zu„Fledermaus" und„Nacht in Venedig", Delirien-Walzer, Frühlingsstimmen-Walzer, Perpetuum mobile, Dhnamiden-Walzer, Arie der Zer- binetta aus„Ariadne", Rosenkavalier-Walzer. Nur drei Preise: 7. 10, 12 Kc. Karten an der Theaterkasse und im Deutschen Haus. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters. Dienstag HÄb 8: Zwei Witwen A 2.— FremdenverkehrB?.— Donnerstag halb'8: Giuditta, C 2.—Freitag sh8: LaBohemc Festvorstellung des Verbandes der deutschen Journalisten in Böhmen.— Samstag halb 8: Menschen i n iW eiss, Erstaufführung, D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Dienstag, abends 8 Uhr: Fremdenverkehr. Mittwoch halb 8 Uhr: Die Marne, Gastspiel Binder-Hart-Berghof.— Donnerstag 8: Fremdenverkehr.— Freitag 8: Sensa- tionsprozetz. Kulturverbandsfreunde uick> freier Verkauf.— Samstag 8%: Hoch klingt das Lied vom braven Mann. »«i- Film Bengal Der Schöpfer dieses Dschungelftlkds, Mister Schenck aus Hollywood, will für einen grossen Jäger gehalten werden. Und er ist es wahrhaftig; ein groster Sensationsjäger nämlich, und zwar einer von der übelsten Sorte. Mit einem Riesen-Trost von Eingeborenen, mit einer Karawane von Elefanten und Ochsenkarren hat er sich— unter dem Protektorat eines hinterindischen Schahs— auf den Weg in die Wildnis gemacht, um dort knallig-rohe Abenteuer zu arrangieren, deren Unechtheit selbst der Ungeübte erkennen mnst. Wie da zufällig vor dem Kamera-Objektiv ein Affe von einer Riesenschlange abgewürgt wird, wie da ein Dutzend Tiger gleich Zielscheiben abgeschossen werden, wie da die Eingeborenen mit Krokodilen, die auf Kommando starten, nm die Wette schwimmen Müssen, bis der Lieblingsdiener des Mister Schenck wahrhaftig angedissen wird, um dann in Grossaufnahme mit dem Tode zu ringen, wie sein« Geliebte weint und betet und wie die nur zu diesem Zweck engagierte Reisebegleiterin einen Malaria-Anfall spielt,■— das ist so aufdringlich und: niederträchtig geschwindelt, daß man nicht ZEITUNG etwa belustigt, sondern empört ist. Hier werden Tierquälereien als Jagdheldentaten und roheScherze als Forschungsabenteuer ausgegeben. Hier wird mit dem Wert der filmischen' Naturaufnahmen schlechtester Spott getrieben, so datz man nicht einmal die paar echten Bilder dieses Films mehr anerkennen kann, unter denen eine so hübsche Szene wie das erste Bad des Elefantenbabys und so interessante Aufnahmen wie die antilopenartigen„Sla- dangs" sind. Dast man hier diesen Film, der in Hinterindien spielt und im Original„Jenseits von Bengalien" (Behond Bengal) heisst, falsch betitelt, ist zwar blamabel, aber unerheblich. Wenn der Film schon die Natur verfälscht, warum soll dann der Titelmacher nicht auch noch die Geographie verfälschen? —eis— Der kühne Schwimmer Man kann über diesen neuen Goebbels-Film nichts Neues sagen. Er strotzt wieder von beleidigendem Blödsinn und von plumpen Scheutzltchkeiten, er ist wieder eine auf Kommando erfolgte und nach Kommando herunter exerzierte Jdiotte mit Verwicklungen, Verwechflungen, Verdrehungen und mit drei Paaren am Ende. Dast unter der geschmackmordenden Regie des Georg I a k o b y«in Mann wie Harald Paulsen spielt, der einst Berlins erster Mackie Messer(in der.Dreigroschenoper") war und eine früher so wertvolle Humoristin wie Ida W ü st(die übrigens beide nur die Staffage für die Clownerien des Herrn R. A. Roberts bilden), das könnte Anlast geben, Klagen anzustimmen, wenn ein solcher Film-Unrat überhaupt zu ernsthafter Betrachtung Anlast sein könnt«— und wenn nicht Schlimmeres geschehen wäre und noch „Erziehunss- und Propasandamittel der Gegenwart" Ein kulturpolitischer Kursus des Bezirksbildungsausschusses der DSAP in Prag Donnerstag, den 22. November, halb 8 Uhr im Parteiheim, Naroldni tk. 4, zweiter Kvrsabend: Da» gedruckte Wort Vortragender: Josef Hofbauer(Prag). Vorträge Vortragsabend der Poale Zion. Mittwoch, den 21. November, spricht im Cafe Aschermann im Blauen Saal mn 8 Uhr abends Abg. Genosse Ch o- oot über die Minderheitenfrage in der Tschechoslowakischen Republik. Eintrift frei; anschliessend Diskussion. Sport• Spiel• Körperpflege DT3: Für Sowjetsport ohne RSJ 1940 die nächste Tschechoslowakische Olympiade Fahrten nach Amerika und Antwerpen— Kein« Einheitsfront mit den Kommmnsten Samstag und Sonntag tagte in Prag die Jahreskonferenz der Bezirks- und Kreisfunktionäre d er D TIE. Die Konferenz befasste sich mit den Ergebnissen der III. Tschechoslowakischen Olympiade und es wurde festgestellt, dast die Olympiade ein groster Erfolg in kultureller, politischer wie auch in finanzieller Hinsicht war. Es wurde beschlossen, die nächste Olympiadeim Jahre 1940 oder 1941 abzuhalten und schon jetzt einen Garantiefonds dafür in den Kreisen der Mftgliedschaft zu schaffen. Rach dem Referate über die internationale Situafton im Arbeitersport wurde der Beschluss ge- fastt, die Einheitsfront-Angebote der Kommunisten abzulehnen und die SASJ zu ersuchen, sich für den Sportverkehr mit Sowjetrustland unter Ausschlust der Roten Sport-Internationale einzusetzen. Die Konferenz befatzte sich auch mit dem inneren Leben in der DTJ, im besonderen mit der arbeitslosen Jugend und fordert für sie Ar- beit und Brot; weiter besprach sie u. a. di« Werbung für die DTJ, Verlängerung der Militärdienstzeit, wobei sie sich, den Standpunkt der Partei zu eigen machte, und die Erziehung zur Wehrhaftigkeit des Volkes. Ferner wurde«ine erhöhte Aktivität gegen Fascismus und Kle- rikalismus beschlossen sowie Vorbereitungen zur Wahlkampagne getroffen. Aus dem für die nächste Zeit festgesetzten Ar- beitsProgramm ist zu erwähnen, dass die DTJ im Jahre 1936 zum ersten Male eine Turnfahrt nach Amerika veranstalten wird und auch zur lll. Internationalen Olympiade, die 1937 in Antwerpen stattfindet, für eine starke Teilnahme Sorge tteffen wird. An den Präsidenten der Republik wurde ein Begrüstungstelegramm gerichtet. Für die Partei be- grühte Abg. Tomasek die Konferenz. Die Schweizer Arbeiterwintersportler gehen an dir Arbeit! In den Bergen des schönen Schweizerländ ist der erste Schnee gefallen. Aber schon Wochen vorher setzte die Tätigkeit der Arbeiterskifahrer des Satus ein. In erster Linie galt es die vielen Berghäuser für den Winter instand zu stellen, Schäden auszubessern und das nötige Holz einzubringen. Gleichzeitig wurden Trockenskikurse organisiert, die gegenwärtig noch andauern und sich überall einer sehr regen Beteiligung erfreuen. An den nächsten Sonntag beginnt dann wieder die Völker-; Wanderung in die Berge. Der Skispott nimmt Massencharakter an. DFD— versagt TFK— imponiert Am Sonntag fanden auf dem Prager Slavia- platze zwei Ligaspiele statt, die ein volles Haus brachten. Das erste Spiel bestritten Teplitzer F K. und S l a v i a und überraschenderweise mutzte Slavia als Favorit einen Punkt ochgÄben. 2:2(1:1) endete der Kampf, in dem die Teplitzer die technisch besseren waren, aber auch die sichersten Torchancen ausliehen. Slavia war reif für eine Niederlage, ihr Spiel konnte, gemessen an der Leistung gegen Cechie Karlin, gar nicht gefallen. Nach der Pause, als der TFK. die Führung inne hatte, begann die Slavia recht hatt zu spielen und fand dabei— leider— milde Beutteilung beim Schiedsttchter. Der Vetteidiger Fiala„glänzte" besonders durch krasse Fouls. Das AuSgleichstor der Slavia war ein Elfer,' dessen Verhängung nur ein Entgegenkommen an die Slavia bedeuten konnte, da Fialas Wüten nur einmal mit gleichem bestraft wurde. Trotzdem können di« Teplitzer mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein. So erfreulich der Erfolg der Teplitzer war, so erstaunt konnte man über das„Gespiele" des DFC. gegen Sparta sein. Die DFC.-Mannschaft wird in dieser. Zusammensetzung auch weiterhin keine Lorbeeren ernten. Man war von früher her gewohnt, datz der DFC. das schönere Spiel'zeigt, diesmal war es Spartas Team, das den Ton angab und den DFC. direkt die Rolle eines Statisten aufzwang. Sehr bedauerlich für den DFC., dessen Existenz mit der Staatsliga verbunden ist. Doch das ist eine Angelegenheit der Leitting und die Weitz anscheinend nicht mehr ein noch aus. In diesem Match traten die Schwächen der Mannschaft noch mehr zutage wie gegen Bohemians. Die schwere Niederlage ist ein« mal darauf zurückzuführen, datz der Sturm kemen Führer— obzwar man einen besitzt, der aber kaltgestellt sein soll— hat; dann kommt die Achillesferse: ein unmöglicher Mittelläufer, und das ärgste: ein mehr wie untauglicher Tormann, der auch die grötzte Schuld trägt, da er Bälle halten und abwehren wollte, wie sie eben nur ein Laie meistern will. Das brauchbare Material ist an fünf Fingern «ufgezählt und eine Mannschaft hat doch elf Spieler. Daher braucht es einen eigentlich nicht wundern, Wenns dann raschelt und man sieben bekommt und nur drei erzielt, weil das übrige für den Gegner nicht existierte. lieber den von Bodenbach kommenden Mittelstürmer Stuchlik kann kein Urteil gefällt werden; er kam sich zeitweilig überftüssig vor. Spartas Sieg war das Ergebnis einer fchönen Zusammenarbeit und mehr als verdient.—en— Bohemians hatten S K. Protznitz als Gegner. Mit 8:3 teilten sich beide die Punkte.ob- zwar die Protznitzer bis zur 60. Minute^mit 3:0 führten. Eine Ueberraschung kommt aus Pilsen, wo das Lokalderbh zwischen Viktoria und S K. mit 3:1(3:1) für den letzteren endete. Die längst erwattete Niederlage derZideni- ter traf im Spiele mit SK. Kladno ein; sie ist immerhin noch sehr knapp ausgefallen. Die Kladnoer gewannen 2:1(2:1). Cechie Karlin war nach der zweistelligen Niederlage gegen Slavia nicht entmutigt und holte sich vom AFK Kolin, heute schon sicherer Ab« stiegskandidat, Sieg und Punkt«. Das Spiel, endete 3:2(1:0)« Dioiftone« erhalten Führung DFB: Eine Ueberraschung bedeutet das torlose Unentschieden des DSV. Saaz auf eigenem Platz gegen KarlsbaderFK. Die Karlsbader waren stets in der Defensive und verteidigten oftmals mit der ganzen Mannschaft.— Der Reichenberger FK. schlug den BSK. Gablonz nach überlegenem Spiel mit 3:0(2:0). Mittelböhmen: Viktoria Zizkov schlug Sparta Kosir 3:0(1:0) und fühtt nun mit 18 Punkten aus zehn Spielen.— CAFC. gewann gegen Meteor VIII 4:0(3:0). Böhmen-Land: Nachod besiegte SK. Kopisty mit 7:1(4:0) und steht mit 18 Punkten aus elf Spielen an der Spitze. Sonstige Fußvallergebnisse. B.- B u d w e i s: §SK. gegen DFC. 4:3(2:2).— Königgrätz: SK» gegen SK. Pardubitz 6:2(4:1).— Brüx: VfB. Teplitz gegen DSK. 2:0(2:0).— Dux: DSK. gegen DFK. Kaaden 4:3(2:1).— Komo- tau: TFK. gegen DFK. Bilin 5:3(4:3).— Ausfi g: DFK. gegen TFK. Nestomitz 5:1(3:0).— Bodenbach: SpVg. gegen SK. Raudnitz 6:0 (5:0).— B.-Lei Pa: TSV. gegen DSK. Haida 4:0(1:0).— Tropp au: DSV. gegen komb. tschechisches Team 3:3(1:1).— Pressburg: CSK. gegen VAS 2:1(1:0), Ligeti gegen Mak- kabea 7:1(3:1).— Budapest: Bocskai gegen Huugatta 2:0. Ferenevaros gegen Szeged 2:2(10 Min. vor Schluss wegen Nebel abgebrochen), Njpest gegen Phöbus 5:3.—- Wien: Admira gegen FÄC. 1:1, Aufttta gegen FC. Wien 1:1, Vienna gegen WAC. 2:0, Rapid gegen Sportklub 3:2, Wacker gegen Hakoah 4:3, Liberias gegen Fav. SK. 3:1. Paris: Arsenal London gegen Racing 8:0. Neuer tschechoslowakischer Staffelrekord im Schwimmen. Beim Hagchor-Meeting in Prag erzielte über 4X100 Meter Brust(Männer) Hellas Tetschen mit 5:38.5 Min. einen neuen Rekord. Die tschechosiowakische Landhockeymeisterschaft gewann die.D EH G. Prag, welche im Endiviel gegen SK.^Podoli mit 2:0(2:0) erfolgreich blieb. Verlanget überall Volkszünder Andrä Gide Am 21. November wird der bekannte französische Schriftsteller AndrL Gide, dessen Romane wett über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus bekannt sind, 65 Jahre att..»' Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Heute, Dienstag, den 20. November, um 8 Uhr abends im grossen Saale des Gewerk- schaftshanses Perstijn Partei-Mitgliederversammlung gemeinsam mtt der Sozialistische« Fugend.— Zutritt nur gegen Mitgliederausweis der Partei oder der S. I. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Mutter Kracmerka"(Tsch.)— Alfa: „Hej Rupl" Voskovec und Werich(Tsch.)— Avion:„Der Sohn des Scheichs" Rudolf Valentin«. (A.)— Bcränek:„Maskerade"(Tsch.)— Feuix: „Mutter Kracmerka"(Tsch.)—Flora:„Amok, der Fluch der Tropen:(Tsch?— Kinema, B-Th.- Journale, Groteske, Reportage, halb 2 bis viettel 8. Koruna:„Das Geheimnis von Loch Netz"(E.)-* Kotva:„Kleine Frauen"— Lueerna:„Klein» Frauen", Katharine Hepburn(A.)— Olympier „Das Geheimnis vom Loch Netz"(E.)— Passage: „Bengal"— Praha:.Das Ende der Krise"(Fr.) — Radio:„Am Heiligen Berg"— Staut:„JudexZ (Fr.)— Svktozor:„Das Ende der Ärtfe"—■ Alma:„Der Mann zweier Welten", Fr. Lederer, (A.)— Bajkal:„Am Heiligen Berg"— Beseda: „Die Versuchung der Frau Antonie"(Tsch.)— Literatur Ein neues Ibanez-Buch. Die Büchergilde Gutenberg, die bereits sechs Bände von Vincente Blasco Ibanez herausgebracht hat, lässt jetzt den siebente« Band dieses Autors folgen:«Die Suche nach dem Grotz-Khan"(Christoph Columbus) i« der bewährten Uebersetzung von Otto Albrecht va« Bebber.(Mitgliederpreis 25 AL.) Ibanez erzähÜ in Romanform die Kämpfe des Columbus um die Entdeckung Amettkas. Er zeigt diesen Mann, dessen Entwicklung bis zum Erfolg in Dunkel gehüllt ist und um dessen Person sich ein Dickicht von Sage« und Legenden gezogen hat, in allen seinen menschlichen Vorzügen und Schwächen.„Christoph Columbus war kein Gelehtter und kein Heftiger. Er war weiter nichts als ein ausserordentlicher Mansch, begabt mit grösster Einbildungskraft und eisernem Willen, mit der Seele eines Dichters und der Gier des Händlers, manchmal verwegen und manchmal übermässig vorsichttg, genial in vielen seiner Auffassungen und dann wieder auf unverständliche Att verblendet und starrköpfig. Kurz, ein Mann von sehr grossen Qualitäten und grossen Fehlern; ei» Mann, der auf seiner ersten Fahtt vom Glück ungewöhnlich begünstigt und auf der folgenden misshandelt wurde, der, ohne es zu wissen, auf ein« neue Welt stiess."— Achtzehn Jahre widmete Ibanez dem Studium dieser räffelhasten Persönlichkeit. Er hat, indem er als letztes seiner Werke„Die Such» nach dem Gross-Khan" schrieb, auch eine lehrreiche kulturhistorische Schilderung des damaligen Spaniens gegeben. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab., 1984 das täglich erscheinende Zenftalorgan der deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Goaial&emotrat" Verwaltung Prag XU., Fochova ti. 62, zum Preise von 16 AL monatlich, und sende diese« Betrag nach Erhall des Erlagscheines ein. Name:.• Genaue Adresse:■■■■■■■■■,» Letzte Post:»»»,«,,>»»» v. Unterschrift: Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich AL 16.—, vierteljährig AL 48.—, halbjährig AL 96.—, ganzjährig AL 192.—.— Inserate werden läut Tarif billigst-berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.—Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post» und ’ Telegraphendirektton mit Erlass Nr. 13 800(VII/1930 bewilligt. Druckerei:.Qrbis" Druck-. 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