Mittwoch, 21. November 1934 14. Jahrgang 1 ü Einzelpreis 70 Heiter (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHENSOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii.,fochova«2. Telefon m Administration Telefon 53074. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR; WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. War ein Attentat Dreiviertel Jahre auf Dr. Bene§ geplant? sozialistischer Arbeit 40-Stundenwoche bei Staatslieferunsen in W entschlossen, diesen auch im kommenden ihm an Investitionen Genosse Dr. Czech Ober die geleistete Arbeit und die Pläne seines neuen Ressorts Personen vorgenommen die Dinge im Kommuni- Von den Staatsstraßen allein gar nicht zu reden— haben Der In Paris verhaftete Terrorist KIB der Absicht verdächtigt Paris. sTsch. P. B.) Die Polizei verhaftete am Samstag in Nizza den im Jahre 1893 in Gäta in Ungarn geborenen ungarischen Terroristen Ladislcv Kiß, welcher von allen europäischen Polizeibehörden als gefährlicher Ter- korist bezeichnet wird. Kiß wurde Montag abends »ach Paris gebracht, wo er einem Berhör der staatlichen Sicherheitspolizei unterzogen werden >vird. ! Dazu melden einige Pariser Blätter, daß Kiß verdächtigt wird, ein Attentat gegen ben tschechoslowakischen Außen- 'Minister Dr. Bcnes geplantz« haben. * L Kitz wurde am Dienstag abends von der Polizei an die Grenze abgeschoben. Durch die an- stestellte Untersuchung wurde festgestellt, daß Kiß »ein Terrorist ist, und daß er mit dem kroatischen Terroristen nicht in Verbindung stand. Auf Grund einer vom Attbeitenministerium durchgeführten Zählung befinden sich unter den 16.682 Gemeinden unseres Staates 7060, also rund 46 Prozent mit 8.6 Millionen Einwohnern, die bisher noch immer nicht der Wohltat ler Elektrifizierung teilhaftig find. Augenblicklich erliegen 990 neue Elektrifizierungsansuchen im Arbeitenministerium. Die bloße Bewilligung eines I n v e- stitionsaufwandeS von 100 Millionen KL könnt« 2000 weiteren Gemeinden die Durchführung der Elektrifizierung ermöglichen, 1.2 Millionen weiteren Einwohnern Licht und elektrische Kraft gewähren, und Beschäftigung und Verdienstmöglichkeiten im Ausmaße von 600 Millionen geben. Auf unseren Flüssen werden jährlich 26 hiS 30 Millionen Meterzentner unserer Ware befördert. Aber unser Schiffahrtspark vermag nur ein Drittel dieser Frachten zu bestreiten, während zwei Drittel von fremden Schiffahrtsgesellschaften verfrachtet werden, denen für die Beförderung tsche- choslowakischer Waren jährlich 130 bis 150 Millionen zufallen. Durch einen verhältnismäßig geringen Jnvesttttonsaufwand, der die Erbauung neuer Schiffe oder zumindest den Umbau und die Motorisierung der alten ermöglichen würde, könnten jährlich in der Gebarung unserer Schiffahrtsgesellschaften Ersparnisse von vielen Millionen erzielt^ ihre Gebarung aktiv gestaltet, und überdies eine Vermehrung des Schiffahrtspersottals um tausende werden. Aehnlich liegen kationswesen. — von den übrigen nur 67 Prozent eine gute Fahrbahn, während die anderen der raschesten und gründlichsten Ausbesserung bedürfen. Und ebenso liegen die Verhältnisse auch auf allen anderen, die das Arbeitenministerium zu betreuen hat und bei denen es mit den geringen budgetären Zuteilungen nur zur Not durchzukommen, nicht aber den ihm zufallenden Aufgaben in vollem Maße gerecht zu werden vermag. Indem ich an den wenigen vorangeführte« Fällen die großen wirtschaftlichen Auswirkungen auf- gezeigt habe, dir eine planvolle und groß- zügigeJnvrstitionStätigkeit für den Staat im Gefolge habm würde, habe ich auch implicite zum Ausdrucke gebracht, waS sie für vieleZehntansendevonArbeitslosrn bedeute« könnte, denen dadurch die Zurückführung in den Arbeitsprozeß und damit dir Linderung des vielfach jahrelangen kümmerlichsten Daseins ermöglicht würde. Prag. Der DienStag brachte im Parlament zwei bedeutungsvolle Exposees der im Kampf gegen die Arbritslofigkeit exponiertesten, aber hiezu auch durch persönliche Qualitäten und ressortmäßig berufensten Mitglieder der Regierung, der Genossen Dr. Czech und Dr. Meißner. Beide Minister stellten natürlich die Arbeitsbeschaffung für das große Heer der Arbeitslosen in de« Vordergrund ihrer Ausführungen. Genosse Dr. Czech gab in seinem anderthalbstündigem Referat zugleich einen ausführlichen Bericht über die feit seinem Amtsantritt im Arbeitenministerium, das bis dahin in der Krise unter bürgerlicher Lettung stand, geleistete Arbeit. In jedem einzelnen Zweig des ausgedehnten Ressorts ist das Bestreben fast ausschließlich auf die Arbeitsbeschaffung gerichtet, wobei allerdings anch auf den Schutz der dabei beschäftigten Arbeiter vor der Unternehmerwillkür streng geachtet wird. Hunderte von Millionen wurden im heurigen Jahre bereits für neue Arbeiten ausgegeben, für 1935 find neue Investitionen im Gesamtbeträge von 670 Millionen KL vorbereitet. Biel z« wenig von der Oeffentlichkeit beachtet ist jedoch die Tatsache, daß Genosse Dr. Czech wenigstens bei der produktiven Arbeitslosenfürsorge, wie überhaupt bei allen Jnvestitionsärbeiten, die von seinem Ministerium finanziert werden, die 40-Stundenwoche bereits via facti eingeführt hat! Wer auf öffentliche Lieferungen reflektiert, muß dabei die 40-Stundenwoche einhalten» muß die Arbeiter durch die öffentlichen Arbeitsvermitt- lungsämter anfordern, die natürlich die Arbeitslosen nach dem Grad ihrer Bedürftigkeit einreihen, und muß vor allem auch die Kollektiv Verträge, bzw. die ortsüblichen Löhne einhalten. Die Hauptforderungen der Arbeiterschaft in der Krise find dank der Tatkraft des Genossen Dr. Czech in der öffentlichen Arbeitsbeschaffung bereits in die Tat umgrsetzt. Sie für alle Sektoren unserer Wirtschaft d«rchzntämpf«n, m»ö für die nächst« Zeit die wichtigste Aufgabe aller Sozialisten sein! Genosse Dr. Czech führte u. a. aus: Nichts ist selbstverständlicher,' als daß die schwere Wirtschaftskrise den wichtigsten Aufgaben kreis des Arbeitenministeriums, das Gebiet der öffentlichen Arbeiten, in den Vordergrund des allgemeinen Interesses gerückt hat. Alle bis herigen Bemühungen, der industriellen Pro duktion einen stärkeren Antrieb zu geben und dadurch den Krisennotstand wenigstens einigermaßen zu lindern, haben vorläufig keine nennenswerte Erfolge gezeitigt, und so wendet sich denn natur gemäß das ganze Interesse den öffentlichen Arbeiten zu, di« in diesem Augenblick die große Hoffnung der arbeitenden Schichten und insbesondere der. nach Hunderttau senden zählenden arbeitslosen Menschen sind. ' Leider sind aber nach dieser Richtung der Wirk- samkeit des Arbeitenministeriums sehr enge Grenzen gezogen. Seit vielen Monaten wird der Kampf um planmäßige und weitausgreifende 'Investitionen geführt, doch war diesem Rin gen bisher jeder Erfolg versagt. Niemand be dauert dies mehr als das Arbeitenministerium, das in diesem Ringen auf Seit« der Wortführer eines großzügigen Arbeitsbeschaffu n gs- planes gestanden ist, im Bewußtsein, daß man ohne planmäßige Lösung des Investitionsproblems um die bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und um die Lösung der schicksalsschweren Arbeits losenfrage besonders in jenem Sektor, der die Opfer der planmäßigen Rationalisierung umfaßt, umnöglich herumkommen kann. Arbeitsbeschaffung Das Arbeitemninisterium kann angesichts die ser Situatton in diesem Augenblick nichts anderes tun, als für den Zeitpunkt, in welchem die Frage eines großenJnvestitionsplanes spruch reif sein wird, seine volle Bereitschaft ficherzustellen. Auch in diesen bescheidene« Grenzen bleibt die Arbeitsbeschaffung di« zentrale«nd angesichts des schweren Krisennotstandes die primäre Sorge deS Arbeitenministeriums. Dabei liegt es ihm selbstverständlich ganz fern, sein« so mannigfalttgen, für den Staat»nd seine Wirtschaft so bedeutsamen technische« Aufgaben in dm Hintergrund z« stellen, zumal sie zum großen Teile— und zwar jede in ihrer Art— gleichfalls den Zwek len der Arbeitsbeschaffung dienen. Anch in normalen Zeitm wird ja der wettauS größte Teil der dem Arbeitmministerium zur Verfügung stehen den finanziellllen Mittel in den Dienst der Arbeitsbeschaffüng gestellt. Sinken der Budgetkredlte Gerade deshalb ist es in der. Zeit des wach enden Arbeitshungers zu beklagen, daß bas Budget des Arbeitenministeriums von 1931 bis 1934«in« steüg finkende Tendenz, wie in keinem anderen Zweige der öftentlichen Verwaltung, aufwieS. Innerhalb dieses Zeitraumes war eine Herab brückung des Aufwandes deS Arbeitenministeriums Da dem Arbeitenministerium größere Mittel nicht zur Verfügung standen, mußte es alles daran setzen, um aus den ihm gegebenen Möglichkeiten die günstigsten Ergebnisse herauszuholen, das Arbeitsquantum. das seinen beschränkten finanziellen Mitteln entsprach, aufeinen möglich st größten Kreis von Arbeitsbewerbern aufzuteilen und dabei insbesondere dafür vorzu- sorgm, daß vor allem die sozial Bedürftig ft en wieder zu einem Verdienste gelangen. In Anknüpfung an den vorjährige» Regierungsbeschluß hat daS Arbeitmministerium verfügt, daß bei dm vom Staate vergebenm oder von ihm subven- ttoniertm Arbritm lediglich 40 Stunden wöchentlich gmrbeitet»nd dadurch die Heran- zichung eines größerm Kreises von Arbeiter« zur Arbeit gesichert wird. Diesem Zwecke diente auch der Regierungsbeschluß, daß maschinelle Einrichtungen bei den vom Staate vergebenen oder subvmttonierten Arbeiten nur ganz ausnahmsweise verwendet werden dürfen. Gleichzeitig wurde dafür Vorsorge getroffen, daß die Aufnahme von Arbeitern nur durch die öffentlichen Arbeitsvermittlung-stellen zu erfolgen habe,' damit vor allem die örtlichen Arbeitslosen, und hier wieder- vorerst die F a m i l i e n e r h a l t e t zum Zuge kommen. Selbstredend wurde verlangt, daß die Arbeiterschutz- und Sozialver- si ch e r u n g s g e s e tz e sowie die K o ll ektiv- verträ g/e g en au e st e i n g e h alten werden und daß, wo solche nicht bestehen," die Zahlung des ortsüblichen Lohnes gesichert ist. von 800 auf 439.5 Millionen, d. i. um 45 Prozent, zu• verzeichnen. Für das Jahr 1935 ist es dem Atbeftenministerium endlich gelungen, die sinkende Tendenz seines Budgets aufzuhalten, und eine, wenn auch nur minimale Erhöhung des Budgets zu erwirken. Dem Arbeitenministerium stand im Jahre 1934 zur Erfüllung seiner Aufgaben ein, wenn auch nur kleiner Rest der Arbeitsanleihe zur Verfügung. Für das Jahr 1935 fällt aber diese Beihilfe— bis auf einen kleineren, noch nicht vollkommen verwendeten Rest— aus. Das Arbeitenministerium wird daher im kommenden Jahre vor ganz außerordentlichen Schwierigkeit« n stehen, die um so größer sein werden, als di« erhoffte wirffchaftliche Besserung vorläufig noch immer auf sich warten läßt. Vie Notwendigkeit der Investitionstätigkeit Für die Notwendigkeit großzügiger, planmäßiger Jnvestitionsarbriten sprechen— von der Massenarbeitslosigkeit abgesehen— auch dringlich« staatliche«nd wirtschaftliche Notwendigkeiten. Der Völkerbund und die Marseiller Morde In Bölkerbundskreisen besteht eine gewisse ^«gung, die heiNe Frage des Marseiller Alten- '«ts, d. h. vor allem der Mitschuld Ungarn-»nd kdeutucll Oesttrreichs erst im Jänner 1935 auf Tagesordnung zu setzen. ES ist die beliebte genfer Taktik, Schwierigkeiten auszuweichen, die '» diesem Falle natürlich nicht Ungarn gegenüber, d>ohl aber angesichts der Großmacht, die Ungarn ichützt und an den Vorgängen in Marseille minde- insoferne beteiligt ist, als zwei der Urheber 'n den Händen seiner Polizei find. Die französische Presse lehnt im allgemeinen d'r Berschiebung der Debatte ab und erklärt, daß für Jugoslawien untragbar ^i, wenn nicht wenigstens die Großmächte eine ü g c für Ungarn beschließen würden, «n diesem Fall könnte es fteilich geschehen, daß Italien Ungarn für Leistungen rügt, die Mussolini "'cht gehindert haben, eben noch aufs freundlichste "lit Gömbös umzugehen. Autoabenteuer des rumänischen Königs . Paris,„Le Journal" meldet über London, W in einer der Hauptstraßen Bukarests, der Ca- *4 Bikto rieu, das Automobil des rumänischen Königs Carol mit einem anderen W^gen zu- ilstnmenstietz, der vorschriftswidrig fuhr. ■_ Das Automobil, das den Zusammenstoß ^schuldete, fuhr mit einer solchen Schnelligkeit» Ms die Zeugen des Zusammenstoßes den Einduck hatten, es handle sich um ein Attentat auf das königliche Auwmobil. Die Polizei konnte ben Chauffeur nur schwer vor der aufgeregten Menschenmenge schützen und verhaftete ihn. Die Geistesgegenwart des Chauffeurs des königli- chen Automobils rettete bei diesem Unfall das ^ebeu des Königs. Paris. Mit Spannung wurde die Stel- ^ugnahme der ftanzösischen Regierung und des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten ^ttvartet. Die Rede Lavals bei der Pietätsfitzung °kr Bölkerbundversammlung und insbesondere ftin ostentatives gemeinsames Mittagessen mit **» Außenministern der Kleinen Entente wird in daris als offene Aeußerung des einzig richttgen Standpunktes ohne Rücksicht auf italienische «uipfindlichketten Jugoslawien recht z« t r b e n, angesehen und gewertet. Völkerbundrat erst Montag Genf. Der Bölkerbundmt wird erst nm Montag zusammentreten, da der Lorsitzende des Ausschusses für die Vorbereitung des Saar- *trbiszites, Baron Aloist, erst Montag in Genf Eintreffen wird. Diese vom Ministerium grttoffenen«nd seit mehr als acht Monaten in Kraft stehenden Maßnahmen haben, wie aus den einlaufendrn Kontrollberichten der Gewerbeinspettorate»nd der staatlichen Bauauf- sichtSorgane hervorgeht, ihre W i r k« n g nicht verfehlt. Es läßt sich sagen, daß bis auf gewisse AusnahmSfälle, die selbstverständlich Ker strengsten Ahndung zugeführt werden, sich die neuen Ber- gebungSbedingungm immer mehr einlebe«. Neue Arbeiten um 670 Millionen Kronen Wenn man bedenkt, daß das Arbeitenministerinm der Zeit. vom 1. Jänner bis Anfang November 1934, also innerhalb von zehn Monaten, insgesamt neue Arbeiten mit einem Gesamtaufwande von 384 Millionen Kc vergeben hat, wird man sofort verstehen, daß die Neuordnung der Arbeftsvergabe vielen Zehntausenden arbeitsloser Menschen den langersehnten Weg zum Nährstande wieder erschlossen, aber auch gleichzeitig dem Staate ein Stück seiner Lasten abgebürdet hat. Diese Regelung der Vergebungsbedingungen war um so unerläßlicher,. als unsere Industrie— im Gegensatz zu den anderen Industriestaaten—• an den schweren Lasten der Ar- beitslösenfürsorge überhaupt nicht partizipiert, so daß die ganze Last vom Staate und der Arbeiterschaft gettagen wird! DaS Arbeitenministerinm nun einmal betretenen Weg Jahre zu gehen, in welchem Seite 2 Mittwoch, 21. November 1934 Nr. 273 669.6 Millionen zur Beifügung stehen werden, die! zum weitaus größten Teil« den Straßen-, und Brückenbau, Straßenverbcffenrngen, die wasserwirtschaftlichen Bauführungen, Hochbauten sowie dringende Investitionen für die Luft- und Dampfschifffahrt und die staatliche« Berg- und Hüttenwerke betreffe«. Novellierung der Lieferungsordnung Da sich die vom Arbeitenministerium in Durchführung der seinerzeitigen Regierungsbeschlüsse getroffenen Maßnahmen als wirksam erwiesen haben und eine einheitliche Regelung der Vorschriften für die Vergabe aller wie immer gearteten öffentlichen Arbeiten und Lieferungen notwendig erscheint, hat das Arbeitenministerium eine Novellierung der Vergabeordnung vorbereitet, durch welche die im Vorstehenden festge- lrgten sozialpolitischen Maßnahmen, vor allem aber jene über die Arbeitszeitverkürzung,. dje. Zuhaltung der Kollektivverträge sowie die Arbeitsvermittlung für alle öffentlichen Arbeiten als verbindlich erklärt werden. Und. nun will ich mich den einzelnen Aufgaben des Arbeitenministeriums zuwenden. Straften- und Brückenwesen Das im Jahre 1931 novellierte Gesetz über den Straßenfonds aus dem Jahre 1927 ermöglichte es, auch in unserem Staate ausgedehnte Aktionen zur Herrichtung und Rekonstruktion der Staatsstraßen und jener BezirkSstraßen einzuleiten, die für den Fernverkehr Bedeutung haben. Dabei mußte natürlich gleichzeitig auch in der Ausgestaltung unseres Straßennetzes durch den Bau neuer Straßen fortgefahren werden. Aus den im staatlichen Budget vorgesehenen Mitteln werden einerseits die Kosten der Erhaüung und des Baues von Staatsstraßen und, Brücken gedeckt, andererseits werden Beiträge zum Bau nichtstaatlicher Straßen und Brücken bewilligt, wodurch die Erbauung neuer von den.Selbstverwaltungskörpern errichteter Straßen unterstützt wird. Dadurch gelang es. eine große Reihe von bedeutenden Straßenprojekten zu verwirklichen. So wurden bis zum Jahre 1933 mit staatlicher Unterstützung neue Bezirksstraßen in einer Gesamtlänge von 8633 Kilometer und einem Gesamtaufwand von über einer halben Milliarde errichtet; es ist nur zu bedauern, daß es notwendig war, diese Aktion in den letzten Jahren mit Rücksicht auf den stetig finkenden Budgetkredit bedeutend einzuschränken. Die Mittel, die der Straßenfonds bietet, find zur Verbesserung und neuzeitlichen Herrichtung der Staatsstraßen und zur Beitragsleistung für denselben Zweck bei den Selbftverwaltungskörpern bestimmt. Dadurch wurde die Errichtung von 4989 Kilo- meter Fahrbahnen auf Staatsstraßen ermöglicht! In dieser Leistung drückt sich die Herstellung von 87.6 Prozent des gesamten staatlichen Straßennetze» aus. Der Gesamtaustvand für diesen Zweck betrug bisher 1658 Millionen K£.„..... ES Wirtz notwendig sein, durch eine geeignete Novellierung-drS DtratzenfondsgosetzeS die Einnahme- gurllen deS Straßenfonds zu vermehre». Zur Unterstützung der Arbeiten zur Verbesserung nicht st aatlicher Straßen wurde in den Voranschlag des Straßenfonds ein Betrag von 212 Millionen eingereiht. Mangels an finanziellen Mitteln war es allerdings bisher nicht möglich, die beab- sichfige Jnkamerationsaktion durchzuführen/ Die Beträge, die bisher durch das Staatsbudget für Brückenbauten zur Verfügung gestellt wurden, längen nicht zur Durchführung der dringendsten Umbauten von Brücken an Staatsstraßen. Darum ist es zu begrüßen, daß für d. I. 1935 eint wenn auch mäßige Erhöhung der einschlägigen Budgetpost erzielt werden konnte. Auch der Bau von nichtstaatlichen Brücken muß eine ausgiebige Sub- venttonierung erfahren. Bis jetzt wurde der Bau von 465 nichtstaatlichen Brücke« mit einer Gesamtsumme an StaatSbeiträgen von 63 Millionen Uö subventioniert. Mit der Straßenwirtschaft hängen auch verschie- dtne legislative Arbeiten zusammen, und zwar das in Vorbereitung befindliche Gesetz über öffentlicheStratzenund Weg« und die vorbereitete Verordnung über die Straßenordnung und Wegpolizei. Schiffahrt Es ist ein Gebot der Verkehrspolifik unseres Landes, mit allen Mitteln für die Befriedigung der Notwendigkeiten unserer Fluhschiffahrt zu sorgen, deren Schiffpark einer Ergänzung und Erneuerung dringend bedarf, zumal jetzt in den Nachbarstaaten für die Ausgestaltung des Schifisverkehrs und Erneuerung des Schiffsparks große Summen aufgewendet werden. Der Donaudampfschiffahrt entgingen z. B. infolge des Mangels an Tankschiffen, die für die Be- fördermig von ruumnischen Mineralölen benötigt werden, in den letzten Jahren etwa 12 Millionen flö, die zum großen Teil fremden Schiffahrtsgesellschaften zufielen. Gegen di« tschechoslowakische Donaudampfichiff- fahrtsgesellschaft wurde in letzter Zeit eine ganze Reihe von Beschwerden erhoben. Diese wurden vom Akttonsausschuß flowafischer Parlamentarier in einer Beschwerdeschrift zusammengefatzt und der Regierung überreicht. Die Regierung hat zur Untersuchung eine eigene viergliedrige Untersuchungskom- mission eingesetzt. Sv/ilfiugwesen Die Einrichtung der neuen Flugstrecken Pisttzan ^Bratislava—Wien im Betrieb der staatlichen Aerolinien und Prag—München—Zürich—Genf— Marseille im Betrieb der tschechosloivakischen Luftverkehrsgesellschaft ist in Vorbereitung. Auch dem Ausbau des Sportflugwesens wendet das Ministerium eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu. wenn auch die Bemühungen um die budgetäre Sicherung dieser Aufgabe bis jetzt nicht von Erfolg begleitet waren. Obwohl Unfälle in unserem BerkehrSflugwesen sehr jelteu find, kam es doch im Laufe dieses Jahres Zentralisierung des staatlichen Investitionsdienstes Im Zuge der einschlägigen Beratungen wird daS Arbeitenministerium auch die sehr brennende Frage einer Reorganisation des gesamten ö f f e ntli ch en I n v e sti t i o n sd i en st e S durch Zentralisierung sämtlicher, von der öffentlichen Hand zu vergebener Arbeiten in einer einigen, mit den nötigen Fachkenntnissen ausgestatteten Zentralbe h ö r d e zur Enffcheidung stellen. Gesetz gegen Machenschaften im Lieferungswesen Aus dasselbe Gebiet fällt auch daS vom Arbeitenministerium beantragte Gesetz gegen Machenschaften im Bereiche des öffentlichen Lieserungswesens, welches Gesetz den in letzter Zeit immer deutlicher zutage getretenen und den Staat auf daS schwerste kchädigenden Umtrieben gewisser Unternehmerkreise einen Riegel borschiebt. zu der bedauerlichen Karlsbader Flugkatastrophe. Das Ministerium hat sofort eine besondere unparteiische Kommission eingesetzt, die beauftragt wurde, sowohl die Ursachen der Katastrophe zu klären, als auch den Zustand anderer FluPeuge des vom Unfall betroffenen Typus zu untersuchen und über die Flugeioenschasten und Sicherheitsverhältvlsse der übrigen Verkehrsflugzeuge der staatlichen Aerolinien und der tschechoslowakischen Luftfahrtgesellschaft ein Gutachten zu erstatten. Die Kommission hat alle notwendigen Erhebungen durchgefübrt und ist bereits mit der genauen Untersuchung deS gesamten FlugschiffparkeS befaßt. Fluginspektion Damit aber die Sicherheit im Verkehrsflugwesen noch mehr gewährleistet wird,, errichtet das. Ministerium eine eigene Fluginspektion. die die bisherig« technische Flugabteilung deS Ministeriums für öffentliche Arbeiten mit Hilfe zlveier Piloten, welch- für diese Zwecke bestellt werden, ausüben wird. In Zukunft werden all« neuen Flugzeuge von Piloten der staatlichen Fluginspefiion geprüft werden. in welche Prüfung auch die Kontrolle deS Zustandes der Flugzeuge und die Erhaltung ihrer Be- triebsfähigkeit einbezogen werden wird. Flugplätze Die Entwicklung des Flugwesens machte die Errichtung einer weiteren Zahl von Flugplätzen notwendig/ Als zentraler Flugplatz ist der im Bau begriffene, in Ruzyne in Aussicht genommene Flugplatz vorgesehen. Die notwendigen Vorarbeiten lassen erwarten, daß es Ende 1936, bzw. Anfang 1937 möglich sein wird, den Zivilflugverkehr aus Kbel nach Ruzyni zu übertragen. Hochbauten Die sukzessive Herabsebung des staatliche« Jn- vestittonSvorlMschlagcs hatte zur Folge, daß sich das Arbeitciuninisterium im Jahre 1934 lediglich auf die Fortführung und Beendigung der bereits begonnenen Bauten staatlicher Gebäude beschränken mußte. Auch daS Budget für 1935 gestattet die Inangriffnahme von neuen Banaktionen nicht. ES werden daher auch im Jahre 1935 nur die bereits begonnenen Bauten fortgesetzt werden. - Di« Bedeutung moderner und zweckentsprechender Amtsgebäude darf nicht unterschätzt, doch muß bei Lösung dieser Frage jeder überflüssige Luxus vermieden werden. Es kann nicht in Abrede gestellt werden, daß in den ersten Jahren nach dem Umsturz bei der Projekfierung und Ausstattung von Amtsgebäuden nicht in allen Fällen sparsam vorgegangen wurde. Aber schon die finkende budgetäre Bedeckung hat den zuständigen Organen die notwendige größere Wirtschaftlichkeit vor Augen geführt, so daß eS jetzt das Bestreben aller beteiligten Faktoren ist, mit den beschränkten finanziellen Mitteln den größten Effekt zu erzielen. Das Ministerium arbeitet an der Neuredaktion des Entwurfes der neuen Bauordnung, und zwar vorläufig für die wichtigeren Städte und Gemeinden. Wasserwirtschaftliche Bauten Infolge Kürzung der Staatsdotation im Voranschläge, aber auch deswegen, weil die Beiträge der Länder nicht voll eingezahlt wurden^ befindet sich der wassesrwirtschaftlichen Fonds,in e i n e r K r i s e, die sich hauptsächlich in der Richtung bemerkbar macht, daß er ins heurige Jahr mit einer Schuld an die Unternehmer in der Höhe von 63 Millionen Xi eingetreten ist. Bei diesem Stand der Dinge konnte allerdings an Neubauten in größerem Maßstab nicht geschritten werden; im heurigen Jahr wird bloß an schon früher begonnenen Bauten gearbeitet und die. Vergebungen des heurigen Jahres beziehen sich fast ausschließlich auf Arbeiten und Lieferungen, di« zur Beendigung schon früher durchgeführter Bauten unbedingt durchgeführt werden müssen. Auch im Jahr 1985 wird eS nicht möglich sein, die Vergebung neuer Bauten und Arbeiten vorzunehmen. Elektrifizierung Um die Wohltat der Elektrifizierung der ganzen Bevölkerung unter den günstigsten Bedingung«« zugänglich zu machen, wird das Ministerium die Durchführung der systematischen Elektrifizierung nach wie vor unterstützen. ES wird auch das Bestreben des Ministeriums sein, dprch die Zusammenarbeit der gemeinnützigen Unternehmungen eine besser« Ausnützung der bisherigen Einrichtungen zu erzielt«, um einem sukzessive engeren Zusammenschluß di« Wege zu ebnen. An der Verwaltung der gemeinnützigen Unternehmungen nimmt der Staat durch seine Vertreter teil. Das Ministerium hat angeordnet, daß die Funktionen der Vertreter des Staates nicht mehr in der bisherigen Weise kummuliert, sondern vielmehr auf einen größeren Kreis von Beamten und gleichmäßiger aufgeteilt werden. Das Ministerium hat den Entwurf einer Regierungsverordnung über einige Vorkehrungen m der Eleftrizitärswirrschast verfaßt; da sich besonders aus den Kreisen der Selbswerwaltungskörper gewisse Widerstände gegen die Vorlage erhoben haben, Hai das Arbeitenministerium den geäußerten Wünschen Rechnung getragen. Gaswirtschaft Obzwar die wichtigste Voraussetzung für Gaserzeugung— nämlich ausreichende Lager- stättengeeigneterKohle— in der Tschechoslowakei gegeben sind, hat sich bei uns die Gas- wirtschaft bisher«Ur im geringsten Maße, der staatlichen Fürsorge erfreut. Deshalb hat sich das Ministerium in diesem Jahre entschlossen, den ersten, Über auch entscheidenden Schritt zugunsten einer Aufwärtsentwicklung der GaSwirtschast zu unternehmen. Die Grundlage hiefür bildete das von der Nafionalversammlung beschlossene Gesetz über di« Gaswirtschaft, das eS ermöglicht, den Gaswerken gewisse Begünstigungen zuzuerkennen, die in der Richtung des Rechtes auf Benützung fremder Liegenschaften, des Enteignungsanspruchcs sowie der Beschaffung von finanziellen Mitteln zum Bau von Gaswerken und deren Einrichtung liegen. Zu die-' sem Behufs kann den Gaswerken die Herausgabe von Teilschuldverschreibungen mit Pupillar-Sicherheit bewilligt werden. Vie Krise im versbsu Die Weltwirtschaftskrise hat auch vor unserem Bergwerkswesen nicht halt gemacht. Der Stand der im Bergbau beschäfttgten Arbeiter, der im Jahre 1925 114.079 betrug und im Jahre 1931 sogar auf 127.380 angestitgen war, sank im Jahre 1933 auf 85.862. In den Kohlengruben betrug die Zahl der Arbeiter im Jahre 1925 101.383, im Jahre 1983 bloß 76.201 und im Durchschnitt der ersten neun Monate deS Jahres 1934 lediglich 71.584. Die Gesamffumme der Bergarbeiterlöhne betrug im Jahre 1925 rund 1133 Millionen Xö, im Jahre 1929 1377 Millionen, im Jahre 1933 aber bloß 794 Millionen, sohin um 40 Prozent weniger. Die Gesamtförderung der Kohle betrug im Jahre 1926 33,294.000 Tonnen, im Jahre 1933 25,765.000 Tonnen und in den erste» neun Monaten des Jahres 1934 18,572.000 Tonnen. Von der Krise wurde auch unser Kohlenexport aufs schwerst« betroffen. Im Jahre 1926 wurden alles in allem 6,422.000 Tonnen Kohle ausgeführt, im Jahre 1933 3,384.000 Tonnen, was einem AnSfuhrrückgang von 50 Prozent gleickckommt.. Im Jahre 1934 ging der Niedergang deS Exportes weiter, denn in den ersten neun Monaten wurden bloß 2,417.000 Tonnen ausgeführt. Auch der heimische Bedarf ist zurückgegangen. Im Jahre 1926 betrug der inländische Bedarf an Kohle und Briketts 24,752.000 Tonnen, im Jahre 1932 lediglich 20,813.000 Tonnen und in den ersten neun Monaten des Jahres 1934 lediglich 14,712.000 Tonnen. Diese Ziffern zeigen, in welch furchtbarer Weise die Krise unseren Bergbau heimgesucht hat. Sie führen uns aber auch an den zuletzt angeführten Export- und Konsumziffern vor Ange«, in welch empfindlicher Weise unsere- VolkSw irisch aft von der Krise betroffen wurdet i».' C.U C?*» Bergarbeiterschutz Die unerfreulichen Verhältnisse im Bergbau und insbesondere die Notwendigkeit, einer Erhöhung der Sicherheit, an die vor allem die große Katastrophe in der Grube„N e l s o n" gemahnt, hat zu einer Reihe von gesetzlichen Maßnahmen geführt. Die Novellierung deS Berggesetzes vom 24. Jänner 1934 enthält nicht nur verschärfte Strafbestimmungen, sondern auch die Entziehung der Bergbauberechtigung nist» sieht schließlich zür Erzwingung der Erfüllung gewisser Verpflichtungen die Zwangsverwaltung des BergbetriebeS vor- Die Notwendigkeit der Reotganisie- rung der Berginspektion war durch die Häufung der Unfälle begründet. Im Jahre 1983 trugen sich in den der Aufsicht der Bergbehörden unterliegenden Betrieben 82 tödliche und 5120 schlvere Unfälle zu. In der Zeit vom 1. Jänner bis 80. September 1934 Wurden 203 tödliche Unfälle, verzeichnet, von denen 141 auf die Osseker Katastrophe entfallen. Erst nach der schweren Offtker Katastrophe kam«S über Regierungsbeschluß zu einer Verdichtung des JnspektionS- d i e n st e S. Das genügt« aber nicht. Deshalb hat daS Arbeitenministerium bei den Revierbergämtern selbständige InspektionSabteilun» gen errichtet und schließlich die Grubeninfpektion durch Errichtung von acht der zentralen Führung deS Ministeriums direkt unterstehenden Berginspektoraten verselbständigt, wobei im Ministerium«ine Zentralstelle für den JnspekttonSdienst geschaffen wurde. Gleichzeitig wurde einer seit Jahrzehnten- erhobenen und hart umkämpften Forderung der Bergarbeiterschaft nach Eingliederung des Laienelemen- teS in den Grubeninspektionsdienst durch Bestellung von Arbeiterinspektoren Rechnung getragen. Durch zwei Regierungsverordnungen wurden die Fnspektionsbefugnissr der Betriebs ratSmitgliedererwei- t e r t und ihnen größerer Schutz vor Entlassung gesichert. Weiter Ware die Errichtung einer besonderen Kommission für Sicherheitsvorkehrungen beim Bergbetrieb zu erwähnen. Schließlich sei noch erwähnt,.daß es unter Mitwirkung des Arbeitenministeriums gelungen ist, den weiteren Bestand der im Jahre 1932 zustaride- gekommenen und inzwischen abgelaufenen Prager Vereinbarung, welche der willkürlichen Kündigung oder Entlassung der Bergarbeiter vorbeugen soll, für ein« weitere Zeit zu sichern. UeberdieS wurden durch Regierungsverordnung die K o l- leftivvertrage bis 81. März 1985 für un■ kündbar erklärt. Die außerordentlich brennende Frage der Sanierung der Berg die Zivilingenieurberechttgung teilweise geändert. Eine besondere untz!ebr starke Gruppe der i* 1 den letzten zehn Monaten durchgeführte» Arbeite» bieten die Gesetze und Verordnungen zur Sicherung des Bergwerkbetriebes swvie bei Bergarbeiterschutzes, von denen bereits an einer früheren Stelle die Rede war. II. Im interministeriellen Verfahren befindlich« Vorlagen: Die Gesetzesvorlage über einige Vorkehrung«" io Sachen des übersichtlichen Regulierungt- und Verbauungsplanes für die Hauptstadt.P r a g und deren Umgebung, durch die bi* staatliche Regulierungskommission liquidiert werde» soll. Den Enttvurf eines Kesselgesetzes, demzufolge der obligatorischen Aufficht sowohl Dampfkessel als auch das Bedienungspersonal unterliege^ Der Entwurf einer Regierungsvorlage, durch die«il> Beirat für wasserwirtschaftliche Fragen errichtet wird. III. Im Stadium der Vorbereitung befindliche Vorlagen: Die-Vorlagen über die neue Bauordnung m>b die Sanierung der Bruderladen sowie weitere ztve' Verordnungen über das Flugwesen. UeberdieS ist bereits die Durchführungsverordnung zum Gesetze übet die Fahrt mit Motorfahrzeugen fettiggestellt. Zusammenfassung: Alles in allem wurde, Hie sich aus dem mtt- stehenden Tätigkeitsberichte ergibt, seitens des Arbett trummistettumS binnen weniger Monat« ein WM> vollbracht, das sich am so mehr sehe« lassen kann, off eS in einer unruhigen Zeit und uater den schwierig- sten durch die Wirtschaftskrise bedingten Berhältnisst* geleistet werden mußte. Wenn i-gendetwaS, so ist gerade eine solche Leistung daS beste Zeugui' für die Demokratie, die gute Arbeit S* leisten vermag, da ihre stärkste Unterlage die ZusaB' menarbeit der brttteften Bevölkern ngSschichten istk Die technischen Aufgaben des Ressorts Ur. S7» Mittwoch, 21. November 1934 Sekte 8 Ag dem Exposee des FOrsorgefnlnlsters Genossen Dr. Meißner i als auch zum großen Teil finanziell vorbereitet sind,! vermehren. 8 17 18 27 41 SS wirklich zur Entlassung von 8811 Arbeitern in 77 Fabriken. Ausserdem wurde von 68 Fabriken mit 9270 Arbeitern um die Bewilligung zur Einstellung des Betriebes auf weniger als drei Monate angesucht, es kam zur Einstellung von 62 Betrieben mit 8271 Arbeitern. Im Verlaufe des halben Jahres konnte durch Beschaffung von Rohstoffen oder Kredit erbleicht werden, dass 16.483 Arbeiter vor der Entlassung bewahrt wurden. Bezirke mehr als 10.000 Arbeitslose, Bezirke zwischen 8000 und 10.000 Arbeitslosen,. Bezirke-wischen 6000 und'8000 Arbeitslosen, Bezirk« zwischen 4000 und 6000 Arbeitslosen, Bezirke zwischen 3000 und 4000 Arbeitslosen, Bezirke zwischen 2000 und 3000 Arbeitslosen, Bezirke zwischen 1000 und 2000 Arbeitslosen, Bezirke weniger als 1000 Arbeitslose. Den verhältnismässig grössten Prozentsatz Arbeitsloser weist der Bezirk Graslitz auf(36.1 Prozent), dann Sternberg(30 Prozent), Rumburg (29.1 Prozent), Neudek(26.4 Prozent). Friedland(23.4), Freudental(22.7), Elbogen(21.4), Karlsbad(21.3). Die Arbeitslosigkeit ist in: politischen Bezirk(GraSlitz) grösser als 80%, Investitionen! Besonderes Gewicht muss auf die Investitionstätigkeit gelegt werden. Gegen diese Arbeiten wird häufig der Ein- waiid erhoben, dass sie kein Heilmittel seien, sondern äm Gegenteil durch erhöhte Belastung der Finanzen des» Staates und der öffentlichen Korporationen in ihren Auswirkungen wirtschaftlich schädlich wirken. Man verweist darauf, dass das einzige Mittel zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit di« Belebung der privaten Unterneh-- mertätigkett ist. Dagegen kann man anführen, dass ein grosser Teil der privaten Unternehmertättgkeit auch in normalen Zeiten, auf Aufträge öffentlich.«! Korporationen angewiesen war. Durch Ausfall dieser regelmässigen Investitionstätigkeit wurde die Arbeitslosigkeit vergröbert. Wenn a«8 Mangel an finanziellen Mitteln Jn- vrstitionSarbeiten nicht im demselben Umfang durchgeführt werden können, wie in normalen Zeiten, müssen sie wenigste ns anf einem erreichbare» Ma tzee.r halten werden. Wenn die öffentlich« Investitionstätigkeit jedoch ihre Aufgabe erfüllen soll, ist es notwendig, daß sie systematisch»nd» r g a n.is i e r t durchgeführt wird. ES ist nicht nur anf ihre Zweckmäßigkeit»nd ihre« Ertrag zu achten, sondern auch darauf, ob sie zür Berringerung der ArbeitSlostgkeit beiträgt^> Dckmit diese Tätigkeit s h st e an a t i s ch erfolgen kann, hat daS Minsirerium vor allem den Umfang der Arbeitsgelegenheiten festgestellt. Dabei kam man darauf, dass viele Projekte, welche von den Ländern sowohl, technisch Einleitend machte der Minister darauf aufmerksam, dass unsere Arbeitslosenstatistiken u n genüg e n d sind. Aus seinen Ausführungen und den vorliegenden statistischen Daten lässt sich ttohdem nachweisen, dass die Besserung unserer wirtschast- llchen Situation seit Beginn des heurigen JahreS sich n i ch t in einer grösseren Anzahl von Versicherten äußert— wenn auch die Zahl der Arbeitsuchenden etwas gesunken ist— und dass der Besse- rungSprozess stillsteht und wiederum die Arbeitslosigkeit steigt. Bemerkenswert ist, daß unter dem Einfluß der Aationalisiernng ein Uebergang von der manuellen zur geistigen Arbeit sich vollzieht. Unter normalen Verhältnissen hatten wir ein Ventil gegen die Ueberlastung des Arbeitsmarktes in der Auswanderung. Wie ihr Rück- Sang beweist, ist auch dieses Ventil fast vollkommen verschlossen: Im Jahre 1929 fanden 48.488 Personen Arbeit im Ausland, im Jahre 1983 nur 13.877, davon waren im Jahre 1929 28.319 Auswanderer, im heurigen Jahre 4834. Ein« Entlastung des Arbeitsmarktes hat di« Tatsache zur Folge, dass jetzt die schwachen Kriegsjahrgänge nach- tticken, denn die Zahl der lebend geborenen Kinder sank von 402.474 im Jahre 1913 auf 174.970 im Fahre 1918; seit Ende des JahreS 1980 bis Ende 1933 sank die Zahl der im Alter von 18 bis 79 Jahren Stehenden in Böhmen und Mähren mm 180.000. j Nicht äusser Acht gelassen werden darf auch die soziale Seite der Arbeitslosigkeit, das ist die Frag«, w i e l a n g e die Arbeitslosigkeit bei den einzelnen Personen dauert und wie gross die Anzahl oer Beschäftigungslosen innerhalb der einzelnen Familien ist. Denn ganz anders wirkt di« Arbeits- -losigkeit, wenn wenigstens durch die Familie für den Arbeitslosen gesorgt ist oder wenn mehrere Familienmitglieder arbeiten oder wenn schliesslich ein« «ehrköpfige Familie vollkommen arbeitslos ist. Statistik der ArbettstoslskeK: In dem Bestreben, die wirksamste« Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit z» finden, hat da- Rinisterium festgeftellt, welche Gebiete und «elche Produktionszweig« durch dir Ar- vritSlostgkeit betroffen werden. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den einzelnen ProdnktionS- Kveigen stellt sich folgendermaßen dar: , In der Textilindustrie ist die Beschäftigungslosigkeit Heuer durchwegs kleiner als im vorigen Jahr und fie geht insbesondere seit dem Marz zurück. Im Mai war sie um 22 Prozent kleiner als in derselben Zeit des Vorjahres. Seither bewegt sie sich mit kleinen Abweichungen auf demselben Niveau. Ebenso zeigt die Metallindustrie Heuer durchwegs eine geringere Arbeitslosigkeit als im Jahre 1933. Die Zahl der Beschäftigungslosen sank bis zum August ständig; im September zeigte sich ein kleines Ansteigen. Der günstigste Zeitpunkt War der Monat Juni. Bis zum Juli wies auch das Baugewerbe ttn« kleinere Arbeitslosigkeit auf, in den Monaten Feber bis April um 13 bis 10 Prozent gegenüber dem Vorjahre. Vom August an verschlechtert sich die Sittiation und di« Arbeitslosigkeit war End« September um vier Prozent grösser als im Jahr« 1933. In der Holzindustrie ist di« Siiuatton von Jänner bis zum September'besser, am günstigsten vom März,.bis Juni(12 bis 14 Prozent). Dann beginnt ein rückschreitender Prozess und im September ist die Zahl der Arbeitslosen tmr um vier Prozent kleinex als im September 1933. Die Glasindustrie, welche am schwersten durch die Kris« betroffen war, bietet während der ganzen neun Monat««in Bild der Besserung. Im April war die Arbeitslosigkeit um 28 Prozent geringer als im April 1933; im September betrug die Differenz noch IP Prozent. Die Bekleidungsindust rie konnte im Feber auf eine bis 29proz«ntige Besserung Hinweisen. Auch in diesem Produktionszweig trat später ein Rückschlag ein und im August und September betrug di« Differenz nur noch zehn Prozent. In der Aeinindustrie äußerte sich die Besserung im ersten Halbjahr in einem Rückgang bis nm 19 Prozent. Hierauf verschlechterte sich di« Situation und Ende September werden schon um zwei Prozent mehr Arbeitslose gemeldet. Im Berg- und Hüttenbau ist die Arbeitslosigkeit in den ersten'vier Monaten grösser gewesen als in der Zeichen Zeit des Vorjahres. Vom Rai angefangen geht die Arbeitslosigkeit ständig zurück. Im Septencker betrug die Diffirenz 26 Prozent. Auch in der Land- und Forstwirtschaft erreicht« der Rückgang der ArbeitSlosenzähl ün Mai 12 Prozent, der September zeigte eine unbedeutende Erhöhung gegenüber dem Vorjahre. Am 31. Juli wiesen» die absolut»grösste Arbeitslosigkeit Brünn, Gross-Prag, Reichenberg und Karls» bad oarf. Bon allen politische» Bezirken hatten: aus dem einzigen Grunde nicht verwirklicht werden können, dass einzeln« der öffentlichen Faktoren, welche zu einem Beittag verpflichtet sind, aus finanziellen Gründen dazu nicht in der Lage sind. Es handelt sich hauptsächlich um Gemeinden und Bezirk«, Nach vorläufigen Berechnungen gibt es in den Ländern Böhmen, Mähren, Schlesien Und Slowakei solcher Arbeiten für 240 Millionen AL, wobei ein Betrag von rund 45 Millionen AL aussteht. Nach dem Beschluss der Regierung werden die Beträge, welche die Gemeinden oder Bezirke.in diesen Fällen beizusteuern haben, diesen Körperschaften vom Staate kreditiert. Dadutth erzielt man, dass Arbeiten für fast eine Viettelmilli- arde Kronen in Gang kommen. Diese Aktton steht in einem gewissen Zusammenhang mit der„produktiven Arbeitslosenfürsorge". Diese entspricht am besten der Forderung, daß Jn» vestitionsarbeiten in Gebiet« geleistet werden sollen, die am meisten»nter der Arbeitslosigkeit leiden. Bei dieser Aktton wird nicht nur die Bedingung der Vierzigstundenwoche gestellt, sondern auch die weitere, dass ausschliesslich nach dem Genter System oder durch Ernährungskärten unterstützte Personen, darunter wenigstens 15 Prozent der Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahren beschäftigt werden. Die Ergebnisse dieser Aftion können als befriedigend bezeichnet werden. Bisher wurden 1561. Gesuche günstig erledigt und Lohnbeiträge in der Höhe von 24,423.000 AL bewilligt. Nach den Angaben der ansuchenden Gemeinden und Bezirken wird daditrch Arbeit für 85.557 Personen in der Dguer bis zu12 Monaten erinüglicht. Bei der Feststellung der Arbxitsniöglichkeiten von Bezirken mit größerer Arbeitslosigkeit lieh das Ministerium auch die Gründ« erheben, welch« der Durchführung der Projekte im Wege, stehen. Heute schon lässt sich sagen, dass es für,.annähernd eine Milliar' e Arbeitsmöglichkeiten gibt, dass aber ohne Hilfe des Staates der Aufwand nur für ein Viertel gesichert ist. Ferner daß die Durchführung der Axbeittzn vornehmlich durch.die t r a ur i g e fina-tzi»ll« Lage der Gemeindenund Bezi.r- tegehindert wird.. Um hier teilweise Abhilfe zu schäften, nahm die Regierung in das Finanzgeseh..eine Be'stimmWg auf, der zufolge der Finanzminister eine Garantie bis zur Höh« von 60 Millionen AL für solche Anleihen aufnehmen kann, welche von den S« lsist- verwaltungskä r p e r n für Investitionszwecke eingegangen werden..... Di« genaue Ueberficht über die ArbeitSmöglich- keiten wird daS Ministerium veranlassen, an dj« Organisierung dieser Arbeiten in den am schwersten betroffenen Gebieten z» denke«. Neben der Unterstützung der Exporttlchustrie durch Uebernahme der Garantte ist der Finanzmini- ster ermächtigt,' eine Staatsgarantie bis zu 50 Millionen als Verlustgarantte bei d«r Landesbank, für Hypothekardarlehen an Industriebetriebe im Jahre 1936 zu übernehmen. Dadurch wird es ermöglicht, dass gesunde Betrieb« mit genügend Aufträgen ihre Arbett fortsetzen können. Arbeitszeitverkürzung I Nicht daS letzte Mittel zur Beschäftigung einer größeren Anzahl Arbeitsloser ist die Verkürzung der Arbeitszeit. Diese Verkürzung ist anf dem Vormarsch. Bei uns wurde zuerst e i n V ers u ch jttr Einigung zwischen den Vertretern der Industrie»mb der Gewerkschaften gemacht. Diese Beratungen.stok- ken vor dem Lohnproblem. Sicher ist, daß es viele Bettiebe gibt, in welchen bisher weniger als 40 Stunden wöchentlich gearbeitet wurde. ED kann keine Hindernisse geben weder auf Seiten der Unternehmer, di« schon weniaer als 48 Stunden wöchentlich ohne technische und finanzielle Schwierigkeiten arbeiten ließe» ,noch von- seit«», der. Arbeiterschaft, welche außerhalb des Arbeitsprozesses stand und sicher lieber 40 Stunden wöchentlich.arbeiten würde, als überhaupt ausgeschaltet zu werden. Vorläufig stellt der Staat bei Anfragen, die Bedingung, dass bei Arbeiten, welche für ihn'bestimmt sind, höchstens 40 Stunden wöchentlich, gearbeitet werde. Dieselben Bedingungen werden bei der produktiven Arbeitslosenfürsorge der Gemeinden und Bezirke gestellt. Diese Frage kann nicht anf dem tote« Punkt stehen bleiben, sondern es wird notwendig sein, daß d e r S t a a t sie auf ein« geeignete Weise löst, wen« die Parttien sich nicht einigen können! Im Zusammenhang mit der Arbeitszeitver- kürzung besprach der Minister dann die U. e b e r- zeitarbeit, welche auf ein Minimum h'eräh-. gedrückt wurde. Er schloß sein Exposö mit der Feststellung, dass die Regierung das äusserste. Bestreben zeigt, alles zu tun, um di« Zahl der Arbeitenden zu Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass vom heurigen Frühjahr angefangen die Beschäftigung in der Industrie und teilweise auch die Ausfuhr gestiegen sind. Dass.die Statistik der Beschäftigten diesem Aufstieg nicht entspricht, ist vor allem durch zwei Umstände zu erklären. Einerseits kam die bessere Beschäftigung der Industrie hauptsächlich den Kurzarbeitern zugute, ohne eine wesentliche Einreihung von Arbeitslosen in deck Arbeitsprozess zur Folg« zu haben. Andererseits muss der Grund in der Rationalisierung gesucht werden, die früher durchgeführt worden ist oder noch durchgeführt wird. Vie Ursachen: Die Untersuchung bet' zur Arbeitslosigkeit führenden Ursachen ergibt: Vor allem gingen einige Am slands- Märkte vorübergehend oder dauernd verloren. Eine Abhilfe wäre nur durch eine Umorientierung der Industrie oder Erschließung neuer Absatzgebiete oder durch Hebimg des inländischen Bedarfes möglich. Es steht weiter fest, daß einzelne Betriebe zum Untergang verurteilt sind und für die entlassenen Arbeiter kein« Hoffnung auf Rückkehr besteht. Das Problem dieser Arbeiterschaft läßt sich nicht dauernd durch Zuweisung von Notstandsarbeiten oder durch Unterstützungen lösen, sondern wird als ein eigenes Problem beurteilt werden müssen. Nach dem von den Gewerbe-Inspektoraten ge- fsihrten Kataster gab es 1928 11.803 Fabrikbetriebe, Ende März 1934 nurmehr 11.159. Als dauernd aufgelassen wurden also 644 Fabrikbetriebe aus der Evidenz gestrichen. 6.4 Prozent aller Fabriken schieden definitiv aus utib ihre Angestellten verloren die Arbeit. Von den anderen Betrieben waren Ende März 1934 10.001 in Tätigkeit. Es arbeiten also 1168 Betrieb« n i ch t und es ist unsicher, ob sie in Zukunft wieder in Gang kommen werden. Seit dem Jahre 1928 schieden— auch wenn man die neu errichteten berücksichtigt— 1802 Betriebe, das sind 15 Prozent,"aus. Von 383 Bergwerksbetrieben im Jahre 192^ blieben im Voriahre 329. Außerdetn wurde in 38 Bettieben nur Erhaltungsarbeit geleistet. In dieser Zeit sank die Zahl der Arbeiter von 110.324 auf 85.862. Die Zahl der in Tätigkeit befindlichen Hochöfen ging von 17 auf 5 zurück, die Zahl der Angestellten in den Eisenhütten überhaupt von 8119 auf 1327. Im Jahr« 1928 beschäftigten 11.803 Fabriken 1,005.000 Arbeiter, Ende März 1934 waren bloss 655.000 Arbeiter beschäfttgt, so dass sich ein Abgang von 850.000 Personen ergibt. Betriebsstillegungen, Bei der Durchführung des Betriebsftillegungs-' gesetzeS beschränkte sich das Ministerium für soziale Fürsorge nicht auf die vorgeschriebenen Amtshandlungen, sondern es war bestrebt, in jedem einzelnen Falle die administrativen, finanziellen und anderen Hindernisse zu beseitigen, die die Fortführung des Betriebes verhindert hätten. Das Ministerium intervenierte zu diesem Zweck« bei den verschiedenen Behörden und Anstalten. Seit Inkrafttreten des Gesetzes bis Ende Oktober d. I. kiefern 140 Anzeigen von beabsichttg-. ten Stillegungen ein, von welchen 121 unter die Bestinunungen des Gesetzes fielen. In 30 Fällen ist daS Verfahren noch im Gange. Von 91 Fabriksbetrieben mit 12.132 Beschäftigten stellten nur 67 Betriebe mit 6072 Beschäfttgten die Arbeit wirklich ein, so dass einer bedeutenden Anzahl voy Arbeitern die Existenzmöglichkeit bewahrt wurde. In derselben Zeit wurde den Bezirksbehörden und Gewerbeinspektoraten mitgeteilt, daß 12.205 Arbeiter aus 108 Fabriken entlassen werden sollen. Es kam Vie folgen: Der im Gefolge der Arbeitslosigkeit Rückgang des Verbrauches hatte wiederum einen ungünstigen Einfluss auf die Beschäftigung der Gewerbetreibenden, deren wirtschaftliche Situatton stark erschüttert wird. Zur Beschäftigungslosigkeit der Arbeiter tritt jene der Gewerbetteibenden. Die Entlassung von Arbeitern aus Gewerbebettiehen schädigt schliesslich die Gewerhetteibenden selbst, denn die arbeitslosen gewerblichen Arbeiter helfen sich durch Ausführung kleinerer Arbetten oder machen sich selbständig. Jns- besondere vermehrte sich die Zahl jener, die ohne Gewerbeberechtigung den Verkauf verschiedener Waren betteiben. WaS von den Gewerbetreibende» gesagt wurde, gilt in erhöhtem Maße von der I n d»st r i e. Die Sorge um die Finanzierung der Unterstützungen»end der Arbeiten für arbeitslos gewordene Industriearbeiter und Angestellte lastet ausschließlich auf dem Stabt und den öffentlich-rechtlichen Korporationen, obwohl der Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht nur Sache deS Staates, sondern auch der Industrie ist. Ohne Hebung des inländischen Konsums kann der Industrie nicht geholfen werden. Auch wenn die Ausfuhr ins Ausland wieder ganz frei werden würde, hätte»»»vir ständig rin Manko im Inland Sv erbranch, wenn hnndert- tauscude Arbeitslose außerhalb der Fabriken blieben. Das Interesse des Staates an der Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist selbstverständlich kein bloss finanzielles, sondern ein weit tteferes. Beachten wir, wie verheerend die schwere wirtschaftliche Situatton auf die P o p u l a t i o n wirkt. Die Jahre der Wirtschaftskrise beginnen sich genau so zu äußern, wie die Kriegsjahre. Noch im Jahre 1930 gab es 333.253 Geburten, im Jahre 1931 318.452, im Jahre 1932 312.643, im Jahre 1933 287.623. Im Jahrei933 waren wir auf derselben Höhe wie imJahre 1915, die Difterenz gegenüber dem Jahre 1930 betrug 45.630. Zwischen den ersten Halbjahren 1930 und 1934 ist eine Differenz von 23.614 und der allgemeine Geburtenrückgang macht weitere Fortschritte.- All« Produktionskreise müsse» daher bestrebt fein, die Not zu mildern. Das kann nicht nur durch bloßes AnSzahlen von Geld«der Raturalunter- ftützungen erreicht werden, sondern durch Wiedereinreihung der Arbeitslosen kn d,aS Arbeitsverhältnis. Unterstütznn- gc» hält das Ministerium für die letzte Zuflucht. So wie es mehrer« Ursachen der großen Arbeitslosigkeit gibt, so gibt eS auch verschieden« Mittel zu ihrer Beseitigung. Niemand erfaßt daS Problem richtig, der die Rettung in der Anwendung nur eines Mittels erblickt. Kein Mittel zur Arbeitsbeschaffung darf unterschätzt werden! Einer der wichtigsten Arbeitsfaftoren ist die Baubewegung.'Zu ihrer Belebu»»g wurde ein Versuch durch die Verordnung Wer Steuer- erleichterungen bei Hausreparaturen gemacht. Vorläufig ist die Wirkung dieser Verordnung nicht allzu durchdringend, wahrscheinlich deshalb, weil sie erst während der Sommersaison erlassen wurde. Das Mirüsterium beschäftigt sich mit der Frage, in, welchem Masse neben den bisherigen Begünstigungen noch weitere gewährt werden sollen. Der Belebung der Baubewegung würden gewisse Maßnahmen. zur Flüssigmachung des Geldes dienen. Es ist zu hoffen, daß die beschleunigten Erledigungen von Baubewilligungen und Kollaüdakionen der Baubewe- gung zum Vorteil gereichen werden. Einhaltung des Gesetze* Uber die achtstündige Arbeitszeit Eine der Ursachen drö Anwachsens der Arbeitslosigkeit ist darin zu erblicken, daß die Vorschriften über die achtstündige Arbeitszeit nicht eingehalten werden. Einer Reihe von Beschäftigungslosen könnte gewiß Arbeit beschafft werden, wenn diese Borschriften eingehakten würden, insbesondere wenn die Urberzeitarbeit auf das Mindestmaß beschränkt würde. Wie wir erfahren, wurden alle Organe der staatlichen Verwaltung, denen die Durchführung des Gesetzes über die achtstündige Arbeitszeit obliegt, beauftragt, einerseits bei der Entscheidung über Ansuchen um Bewilligung von Ueberzeit- arbeit möglichst rigoroS vorzugehen, andererseits jede eigenmächtige Verlängerung der gesetzlichen Arbeitszeit mit drr größten Beschleunigung zu strafen. Neberttetungen des Gesetzes über die achtstündige Arbeitszeit werden mit Geldstrafe biK zu 2000 XL, bei Uneinbringlichkeit mit Arreststrafen dis zu drei Monaten, im Wiederholungsfälle mit Geldstrafen bis zu 5000 Xi odetk Arreststrafen bis zu sechs Monaten geahndet. Systematische Investitionen das Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Den Ausführungen des Genossen Dr. Meißner im sozialpolittschen Ausschuß war zu entnehmen, welch wertvolle Arbeit das Fürsorgeministerium unter seiner Leitung durch shstematische Erhebungen über den Umfang der ArbettSlofigkeit, über ihre Verteilung nach Gebieten und Berufszweigen sowie über ihre Dauer geleistet hat. Der Hauptgedanke des Exposees des Fürsorgeministers ist die Analyse der Folgen des heutigen Arbeitslosenstandes«nd eine Ueberficht der Bemühungen seines Ministeriums, einer möglichst großen Zahl von Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen. Der Minister will nunmehr an die systematische organische Brkäntpfung der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Gebiete« gehen, wobei er nach wie vor die öffentliche Investitionstätigkeit in den Vordergrund all dieser Bemühungen stellt. Seine Darstellung, wie die Rot des Arbeiters automatisch auch die anderen ErwerbSzweigr mit ins Verderben reißt, sollte auch den bürgerlichen Kreisen zu denken geben. 8 10 12 politischen Bezirken zwischen 20 und 30%. 14 politischen Bezirken zwischen 16 und 20%, 20 politischen Bezirken zwischen 12 und 15%, 12 politischen Bezirken zwischen 10 und 12%, 15 politischen Bezirken zwischen 8 und 10%, 15 politischen Bezirken zwischen 6 iinb 8%, 18 politischen Bezirken zwischen 5 und 6% und in 118 politischen Bezirken kleiner als 5 %. Seite 4 Mittwoch. 21. November 1934 Nr. 27» Oesterreich will Rüstungsgleichheit! Genf.(Tsch. P.-B.) Dienstag tagte hier das Präsidium der Allgemeinen Abrüstungskonferenz. In der Debatte betreffend die einzelnen Vorschläge des Vorsitzenden Henderson ergriff insbesondere der sowjetrussische Bolkskommissär für AeußereS Litwiniw das Wort, wobei er seines Vorschlages betreffend Umwandlung der allgemeinen Abrüstungskonferenz in eine ständige Friedenskonferenz gedachte. Der Botschafter der Vereinigten Staaten Wilson teilte mit, daß seine Regierung einen besonderen Vorschlag betreffend die Regelung der Erzeugung und des Handels mit Waffen unterbreiten werde. Ausdrücklich st i m m t e n mit der Fortsetzung der Abrüstungsberatungen nach dem Vorschläge Hendersons nicht überein- die Vertreter Oesterreichs und I t a l i e n S.' Baron Pflüg!, der Vertreter Oesterreichs, gab die Erklärung ab, daß O e st e r r e i ch d i e Gleichberechtigung in den Rüstungen fordere, ohne die Oesterreich in ständiger Gefahr sei. Solange Oesterreich nicht die Gleichberechtigung erhalte, werde die österreichische Regierung keine Verpflichtung betreffend die Abrüstung unterzeichnen. Im gleichen Sinne sprach sich auch der italienische Delegierte d i Sora g n a ans, der die Richtanwesenheit der Ber. treter mehrerer Staaten hervorhob. Der Vatikan im Dienste Hitlers Paris.(Tsch. P. B.) Der Berichterstatter des„Petit Journql" in Rom meldet zu den Verhandlungen, die Außenminister Laval vor seiner Abreise aus Paris mit dem apostolischen Run-, tius in Paris, Maglione, und dem französischen Botschafter beim Vatikan, Roux, hatte, der Vatikan. habe nach reiflicher Ueberlegung der französischen Regierung.den Standpunkt zur Kenntnis gebracht, den er hinsichtlich der Saarabstimmung Die Rationalisierung im Bergbau Eine Masdilne sdiaitet 80 Hauer aus Wie sehr neben der allgemeinen Wirtschastskrise die Rationalisierung an der Arbeitslosigkeit und dem ganzer damit verknüpften Massenelend schuld ist, zeigte Arbeitenminister Genosse Dr. Czech in seinem Expose für das Teilgebiet des Bergbaues an Hand von krassen Beispielen unwiderleglich ans!. Noch im Jähre 1926 betrug in der Tschechoslowakei die maschinelle Gewinnung t er Steinkohle lediglich 53.2 Prozent, im Jahre 1980 aber schon 78.7 Prozent und im Jahre 1931 sogar 81 Prozent der Gesamtförderung. Ja es gibt bei um sogar Gruben, wo die maschinelle Förderung 94 Prozent der gesamten Förderung beträgt, während das reiche Land England, das typische Kohlen'rodyktionsland, mit nur 86prozentiger maschineller Kohlenförderung das Auslangen findet! Man sieht, wie die Rationalisierung förmlich mit Riesenschritten vorwärts schreitet und daß ihr selbst in der Zeit nicht Einhalt geboten wurde, in der die Lage des Bergbaus alles andere als Ratio- aalifiernugümaßnahmen erheischte, die eilte Restriktion von Schächten und eine weitere Ausschaltung von Tausende« und aber Tausenden von Bergarbeitern aus den Gruben zur Folge haben mußte. Den besten Beweis liefert hier vor allem die Tatsache, daß m der Zeit von 1929 bis 1933 45 von den damals bestehenden 374 Grubenbetrieben eingestellt wurden. Um die Tragweite der Rationalisierungsmaß- nahmen zu illustrieren, seien hier einige von den zahllosen Maßnahmen angeführt. In den großen Gruben werden die früher manuell durchgeführten Schramm arbeiten durch große, mit Drucklust betriebene Schrämmappa- raie geleistet. Die Leistungsfähigkeit einer großen modernen Schrämmaschine beträgt im Laufe einer achtstündigen Schicht 120 Schramm, wofür früher die Arbeit von 80 Alrmn Häuern erforderlich war» deren Arbeit dadurch entbehrlich geworden ist. Einige große Steinkohlengruben haben Maschinen der Systems Korfmann zum Bortreiben der Strecken eingestellt, die die Leistungsfähigkeit der Maschinen um 100 Prozent pro Schicht vergrößerten, was der normalen Arbeit einer doppelten Zahl von Häuern entspricht. Die Firma Bata benützt zum Vortreiben der Strecken und zum Abtransport des gehauenen Materials eine Gangmaschine System»Allgemeine Transportgesellschaft" in Berlin, wodurch sie Keim Bortreiben der Strecken einen Effekt von 24 Metern pro Schicht, das ist die Arbeit von 24 Häuern Und mindestens 12 Karrenläufern, erzielt. Eine der Braunkohlengruben hat den Abbau sowie die ganze Förderung mechanisiert. Diese Grube hat vorher 1100 Arbeiter beschäftigt, nach der durchgeführten Mechanisierung haben 550 Arbeiter dieselbe Förderung erzielt. Die Leistung des einzelnen HäuerS stieg um 200 Prozent, die Löhne verblieben m gleicher Höhe. Eine Braunkohlennrube hat die Förderung dermaßen mechanisiert,-daß, abgesehen von der Aufficht über die Maschinen, eine menschliche Kraft zur Bedienung überhaupt ui'chtnotwendrg rst.Die Seilbahn, deren Hunte sich konstant im Umlaufe he- finden und die in einer Entfernung von 26 Meter voneinander aufgehängt sind, führt sie zum Füllorte in der Grube und löst dort an der Zielstation den Hunt automatisch aus. Der mit Kählt gefüllte Hunt fährt an die selbständige Kippvorrichtung, wo die Kohle in den Kohlenbehälter ausgeschüttet wird. Der nächste Hunt stößt den leeren Hunt aus der Kippvorrichtung, dieser fährt ab, hängt sich selbst an die Seilbahn ein urü» kehrt zur neuen Füllung in die Grube zurück. In der Fördergrube ist eine Förder- einrichwng des Systems Zurstraße«, dessen Fördergefäß im Umfange von 5 Tonnen unter den Behälter der Kippvorrichtung der Seilbahn fährt, sich füllt, den Behälter schließt und an die Oberfläche geht, wo es sich automatisch in den Kohlen stiller entleert, während sich das zweite Fördergefäß am Füllort in der Grpbe aus dem unter der Seilbahn befindlichen Behälter füllt. Aus diesen wenigen Beispielen, die ganze Bände sprechen, ersteht man, wie der Bergbau, dessm Mechanisierung und Rationalisierung Zehntausende von Bergarbeitern überflüssig gr- macht und dem schweren Schicksal der ArbeitSlostg. I kett überantwortet hat, langsam, aber sicher dem menschenleeren Betriebe-»strebt, der auch in de« übrigen Industriezweige« immer weiter an Rau« gewinnt. Denn wir diese wahrhaft erschütternden Feststellungen machen, fällt es unS selbstverständlich nicht ein. den technischen Fortschritt, den die neuen Produktionsmethoden in sich bergen mögen, von der Hand zu weisen, insbesondere dort, wo er den Arbeitern die Arbeit erleichtert oder sich gesundheitlich zu ihren Gunsten auswirkt. Wogegen wir uns aber entschieden wenden müssen, ist die völlige Planlosigkeit, in der Durchführung der Rattonali« sierung des Bergbaus und vor allem die überaus betrübliche Erscheinung, daß sie wohl an die Leistungsfähigkeit der Arbeiterschaft die höchstgespannten Anforderungen stellt, aber an den Früchten der technischen Errungenschaften überhaupt nicht partt- zipierm läßt. Und so stehen wir, erklärte Genosse Dr. Czech, vor der Rotwendigkeit, im Rahmen der planvollen Regelung unserer gesamten Wirtschaft auch den Bergbau einer Neuregelung-» unterziehen, bei welcher vor allem die Interessen der Bergarbeiter in vollem Maße gewahrt werden sollen, wie dies im Expose deS Herrn Ministerpräsidenten zum Ausdruck kommt. für den dorttgen Klerus einzunehmen sich entschlossen habe. Die Saarbevölkerung würde von ihren Priestern, wenn auch nicht Ratschläge, so doch den Hinweis erhalten, daß die Stimmabgabe für die R ü ckkehr nach Deutschland als Ausdruck ihrer vollkommen w o hl- berechtigten(legitimen) Ansicht angesehen werden würde. Kataloniens Autonomie beseitigt * Madrid. Die Regierung hat beschlossen» ebenso wie sie dies zur Unterdrückung des Aufstandes in Asturien tat, auch jetzt einen höchsten militärischen Bevollmächtigten für Katalonien zu ernennen^ Dieser Militärbevollmächtigte wird mit der Leitung der katalanischen Provinzialregiernng betrank werden und gleichzeitig die Oberaufsicht über die Äufrecht- erhaltimg der öffentlichen Ruhe und Ordnung in Katalonien führen. Englische Thronrede Dienstag wurde die Herbsttagung des englischen Parlaments mit dem gewohnten Gepränge sind der Thronrede des Königs im Oberhaus eröffnet. Neben allgemeinen Phrasen über Außenpolitik und den zu erhoffenden wirtschaftlichen Aufschwung bringt die Thronrede an konkreten Ankündigungen die Verhei^ing der neuen i n d i- schen B«>rfasfung, das-Versprechen off e n t l i ch e n W o h n b a irt e n zur Beseitigung der großstädtischen Elendsviertel (Slums) und das Aviso eines weiteren Ausbaues der Luftfahrt. „Planwirtschaft" auf. kapitalistisch. Die Besitzer der dänischen Groß-Schlächtereien wollen eine gemeinsame„Destruktionsanstalt" errichten, wo die -.überflüssigen" Rinder und Schweine auf billigste Weise in Knochenmehl oder Seife verwandest werden können. Nachrufe in Genf In der außerordentlichen Völle cbundSber- sammlung, die Dienstag in Genf eröffnet wurde, hielt der Vorsitzende des Völlerbundsrates-, Minister Dr. Benes den Opfern von Marseille einen Nachruf. Die Versammlung erhob sich zürn Zeichen der Trauer von den Sitzen. Dann antwortete I e f t i c und endlich Laval. Im weiteren Verlauf der Sitzung referierte Dr. Benes über den Konflikt Bolivien—Paraguay. DcsdUennuinng der öUenUKhca Arbeiten in Böhmen Einer bei ihm erschienenen Deputation erklärte der Landespräsident von Böhinen, Dr. Sobotka. dieser Tage, er habe den Bezirkshauptleuten Weisungen gegeben, das Verfahren in allen Angelegenheiten von Bauten, welche die Länder, die Bezirke und Gemeinde» unternehmen, zu beschleunigen. Der Lan- deSpräsident wird in der nächsten Zett eine Inspektionsreise unternehmen, um sich von der Durchführung dieser Weisung zu überzeugen.— Das Vorgehen des Landespräsidenten ist zu begrüß«» und unsere Vertreter in den Bezirken und Gemeinden werden Gelegenheit haben, den Landes« Präsidenten auf seiner Inspektionsreise auf verschiedene Unzukömmlichkeiten aufmerksam'z» machen. Zahlungsabkommen mit Deutschland Zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland wurde Dienstag ein Abkommen über den Zahlungsverkehr mit Gülttgleit ab 1. Dezember abgeschlossen. Zugleich kam ein Protokoll über den Warenverkehr zustande, da die in den letzten Monaten stark überlegene Ausfuhr der Tschecho- siowakei durch gesteigerte deutsche Einfuhr wettgemacht werden soll. Der Autell der StaatSgruben an der Gr- samtproduktton. In seinem Exposee stellte Arbci- lemninister Genosse Dr. Czech u. a. fest, daß die staatlichen Braunkohlengruben in B r ü x im Jahre 1933 mit 10.7% an der gesamten Braunkohlenförderung partizipierten und die staatliche» Steinlohlengruben in Poruba 4.5% der gesamtem Steinkohlenförderung der Republik bilden. Der Erzeugungseffekt der staatlichen Stahl- und Hüttenwerke bildet 3.2% der Gesamtproduktion der Republik. Dafür beträgt aber die Del» Produktion für das Jahr 1933 63 H der gesamtstaatlichen Produktton amd die Produfi ti«n von Blei?^Silber, Gold,' Uranpräparaten. Radium und Satz ist auSschAietzlich in den Händen der Staatsverwaltung konzentriert- Weg von Prag! Dem„Pravo Lidu" wird aus Nixdorf bei Rumburg berichtet, daß dort Henlein-Anhänger in der Nacht die Straßen mit Aufschriften wie„W eg von Pragl" beschmieren. Die Gemeinde muß diese Ausschriften dann auf eigene Kosten entfernen lassen. Das Blatt stellt diese Tatsachen mtt Recht den ständigen Loyalitätsbeteuerungen Henleins gegenüber. Die Dadit des Denkers Eine Legende aus China Von Fritz Rosenfeld. Kung, der Diener, schüttelte stumm den Kopf, als Tschcng-Ki-Tong, Mandarin der dritten Rangklasse und Statthalter des Kaisers in der Provinz Ho-Nan, ein Kleid aus braungrauer, grober Baumwolle verlangte, wie es die kleinen Kaufleute trugen, die auf den Straßen von Kai« Fong ihre Waren feilboten oder die Handwerker, die im Schatten eines Strohdaches Holzschalen mit goldenen, roten und schwarzen Farben bemalten, Becher und Schalen hämmerten und Bastmatten flochten. Wollte Tscheng-Ki-Tong sich unter die Kupferschmiede und Reisweinperkäuser, unter die Mattenflechter und Holzschuhschnitzer mischen, um ihre Gespräche zu belauschen und als heimlicher Horcher zu erforschen, ob die Preise, d'ie sie forderten, zu hoch, die Steuer, die sie bezahlten, zu niedrig war? jtung fragte nicht, er gehorchte; als der Mandarin sein Haus verließ, hätte ihn niemand vyn den tausend armselig gekleideten, hastig dahinjagenden, mit unsichtbaren Peitschen gehetzten Menschen unterscheiden können, die die Straßen von Kai-Fong bis in die Stunde der anbrechenden Dunkelheit erfüllten. Tscheng-Ki-Tong nghm den Weg über die Brücke der Blühenden MandelbäUme, durch die Gasse der Glückseligen Träume und kam, an der Pagode der Sieben Schweigenden Dämonen vorüber zu dem Platz, auf dem die Riksha-KuliS, vergeblich gnädiger Fahrgäste härtend, sich im Schatten ihrer Wägelchen die Zeit mit Würfelspiel vertrieben. Sie sprangen auf, als sie Tscheng-Ki- Tong erblickten, seine Kleidung versprach zwar keinen hohen Lohn, aber es war besser, eine Kupfermünze zu verdienen, für die man abends eine Schal» Reis kaufen konnte, als den gqnzen Tag hier faul im Staub zu liegen. Sie umringten den Mandarin und bestürmten ihtt mit lauten Worten. Er aber hob die Hand und fragte mit harter, klarer Stimme:' „Wo ist Li-Hang? Li-Hang soll mich in seiner Riksha durch die Stadt führenI". Als der Nam« Li-Hang fiel, wichen die Ku lis zurück. Der Kreis öffnete sich, und Tscheng- Ki-Tongs Blicke fielen auf einen Greis, der mit schlaff herabhängenden Armen vor ihm stand. Weiße Stoppelhaare bedeckten feinen Schädel, das Gesicht lag in ledernen Falten, spitz und dünn stach das Kinn hervor, die Augen hockten,tief in dunklen Höhlen.. „Du bist Li-Hang?" „Euer unwürdiger Diener, erhabener Herr". „Die Sage geht, daß die Götter die Gabe der Güte Und die Gewalt der WeiSheit auf dein Haupt gesenkt, Li-Hang." „Die Menschen lieben Märchen, erhabener Herr, und wenn der Reichtum der asten Legenden erschöpft ist, erfinden sie neue". „Du weißt deine Worte zu setzen, Li-Hang. Sind deine Arme so stark, wie dein Mund klug ist? Wo ist deine Riksha? Ich bin fremd in dieser Stadt, führe mich und zeige mir, was es hier Sehenswertes gibt!".~~• „Meine Riksha steht dort drüben, sie ist die armseligste von allen, Herr, und eper nicht würdig. Ihre Kissen sind schlissig, ihr Sonnendach ist zerfetzt. Läßt euch von einem mejner Freunde führen, erhabener Herr, sie laufen schneller". Tief beugt sich Li-Hang in den Staub. Die Kulis hatten den Atem an. Drei Tage ist es her, seit Li-Hang das letzte Kupferstück verdient hat. Der Hünger sitzt in seinen Eingeweide», ein ungnädiger Gast, der nicht gehen will. „Ich will in deiner Riksha fahren, Li-Hang; hörst du: in deiner!" Da hebt Li-Hang den Blick, starr ist er und hart: „Ich bin alt,, Herr, meine Füße sind müde. Nicht ein Drittel der Stadt würdet ihr sehen, ehe die Dunkelheit einbricht". Der Mandarin trttt vor, er vqckt Li-Hang an dtp Brust, er zieht ihn nähe an sich heran: „Du willst nicht. Sprich offen: du willst nicht. Seit wann ist es üblich, daß ein Rikshakuli, welliger als ein Nichts, sich die Fahrgäste auswählt?"^~ Sie sagen: Li-Hang ist weiser als der Mandarin Tscheng-Ki-Tong, sie sagen: er ist gütiger, würdiger des Platzes, an den der Kaiser mich gestellt hat. Er soll mich durch die Straßen der Stadt ziehen, der Knecht seinen Herrn. Immer härter, immer starrer wird der Blick Li-Hangs: „Ich kann die Last eines Leibes ziehen, erhabener Herr, doch nicht die Last einer Träne, die an den Händen eines Menschen hastet. Ich kann das Gewicht eines Körpers schleppen, doch nicht das Gewicht der tausend Flüche, die der Mund der Bettler und Gefangenen, der hungernden Kinder und der verzweifelten Frauen auf as Haupt eines Menschen geladen hat. Seid gnädig, Herr, die Riksha meines Freundes Aü-Kwan, des schnellsten Läufers von Kai-Fong, ist für euch bereit". «Der Hochmut ist in dich gefahren, Li- Hang", schreit der Mandarin.„Wachsen die Kupfermünzen auf den Bäumen, daß du mein Geld verschmähen kannst? Hast du einen Schatz gefunden oder mit deinesgleichen nachts oinen Kaufmann überfallen?" „Du lebst nach deinem Gesetz, Herr, ich nach dem meinen. Du schätzt die Menschen nach deinen Freunden ein, Herr, ich nach meinen. Ein Lamm wird keinen Löwen anfallen, und ein Löwe nicht friedlich unter Lämmern weiden. Sieh, die Riksha Dü-Kwans ist bereit". Die Ruhe Li-Hangs peitscht das Blut des Mandärins auf. Ein Knecht widerspricht ihm, in einem Kreis von Knechten, die ihn heimlich verlachen. Sie lachen nur, weil sie das Zeichen seiner Macht nicht sehen, das unter dem hraungrauen Kleid aus grober Baumwolle verborgen ist. Er reißt das Kleid auf, weinrote Seide schimmert darunter und auf seiner Brust ein hellgelber Fleck, auf den ein PfaüMit ausgebreiteten Federn, blau- glitzernd und grünschilletnd, gestickt ist. Die Kulis fallen zu Boden und berühren den Staub mit ihren Stirnen, Li-Hang aber bleibt aufrecht stehen und siebt dem Mandarin fest in die Augen. „Ich habe das Zeichen der Träne gesehen, Tscheng-Äi-Fong. Es leuchtet heller als der Pfyu auf deiner Prust". „Äp ist deine Riksha?" brüllt der Mandarin. Li-Hang ist wie eine Säule äuö Stein. Rur in seinen Augen ist Leben. Der Mandarin stampft Wit dem Fuß auf:„Wo ist deine Riksha?". All-Kwan springt auf, er will sie holen, aber Li-Hang gibt ihm ein Zeichen, und er sinkt wieder in den.Staub der Straße. i„Ein Goldstück, Li-Hang; zehn Goldstücke!" Die Münzen flimmern vor Li-Hangs Blik- ken wie Sterne, die von dem Weichen, dunkle» Samt des nächtlichen Himmels losgebrochen wurden. Aber sie haben keine Stimme für ihn, P» sibd fern. Da rafft Tscheng-Ki-Tong das braungraue, grobe Baumwollkleid über der Brust zusammen, er winkt einem Kuli, steigt in eine Riisha, er blickt Li-Hang nicht mehr an, es ist- als wäre er in sich selbst versunken, ein Mann, der einsam seinen Weg geht. Die Riksha rollt die Straße hinunter, an der Pagode vorüber, über die Brücke. Ein Bettler erkennt den Mandarin, er berührt den Boden mtt seiner staubgräuew verwitterten Stirn. „Versteck dich," sagt All-Kwan.„Er wird deine Worte an dir rächen. Nie wird er dir verzeihen, daß du, ein Kuli, weniger als ein Nichts, dem Statthalter des Himmelsohns zu trotzen gewagt hast. Ich weiß eine Höhle in den Bergen von Schan-Si, dort findet dich niemand. Wen» die Sonne sinkt, brechen wir auf." „Wenn die Sonne sinkt," sagt Li-Han- langsam,„stelle ich meine Riksha hinter dein Wirtshaus in den Schuppen, ich gehe meine» Lieblingsweg, am Ufer entlang, unter den Weiden, ich bewachte die Lamprcns, die sich im Wasser spiegeln, ich halt« einen Herzschlag lang ein, Musik dringt herüber aus dem Teehaus, ich gehe weiter und weiter, bis an den Rand der Hügel, wo meine Hütte steht. Vielleicht liegt noch ein Stück trockenes Brot in einem Winkel, und wenn nicht— der Hunger und ich, wir sind alte Freunde. Ein Krug Wasser vom Brunnen' wenn du auf seinen Grund siehst, blitzen dir alle Sterne entgegen— und dänn werde ich schlafenschlafen, als hätte ich heute hundert Gäste kreuz und quer durch die Stadt gefahren und jeder hätte wir einen Sack Gold geschenkt. Ich werde besser schlafen als Tscheng-Ki-Tong, Freunde— und wenw er morgen wrederlommt, dann fahre ich ihn mit meinen müden Füßen und meinen zerbrochenen Armen wie ein rasender Sturmwind durch die Stadt und über die Berge und donnere mit ihm über dir Brücken und jage mtt ihm durch alle Provinzen bis ans Meer, und zerre die Riksha. mag er schreien und wben, mag er Wettern und betteln, mitten in die Flut«» und «t. 273 Mittwoch, 21 November 1934 Seite 5 einer Politik, welche den Erfordernisse» der Arbeiterschaft in der Tschechoslowakei entspricht, Rechnung tragen will oder nicht. genau festgelegetn Bedingungen und in sehr beschränktem Umfange erfolge? wird. Durch die Durchführung dieser Absicht würden die t s ch e- choslowakischenArbeiterinFrank- reich sehr fühlbar betroffen werden. Bisher war es nämlich Brauch, daß nach fünfjährigem ununterbrochenen Arbeitsaufenthalt in Frankreich ihre Ausweise automatisch erneuert wurden. In der letzten Zeit wurde zahlreichen seit Jahren in Frankreich ansässigen tschechoslowaki- schen Arbeitern die Verlängerung ihrer Ärbcits- auSweise verweigert. Nach einer Statistik der tschechosloivakischen Kolonie beträgt die Zahl der während der letzten drei Jahre nach Frankreich eingewanderten tsche- choslowakischen Arbeiter 19.000, während die Zahl der in'ihre Heimat zurückbeförderten tschechoslo- wakischen Arbeiter 20.000 übersteigt. Nur bei den Tschcchosiowaken und den Portugiesen übersteigt die Zahl der in die Heimat zurückbeförderten Ar-' beiter diejenige der eingewanderten Arbeiter. Das»Journal" verlangt ausdrücklich, daß bei der Entlassung von Arbeitern darauf Rücksicht genommen werde, welcher Nationalität sie sind, ob es sich um deutsche Flüchtlinge, um Israeliten, Neutrale oder um Angehörige befreundeter und verbündeter Staaten »Pfeffermünzmühle" gastiert( und versuchte die Aufführung mit Gewalt zu verhindern. Rach dem Vorbild des Kulturkämpfers Goebbels warfen die Demonstranten Stinkbomben und Steine in den Zuschauerraum und mußten von der Polizei mit Schreckschüssen Vertrieben werden. Bei den Verhaftungen ergab sich, daß viele der Demonstranten mit Revolvern und Schlagringen ausgerüstet lvaren. Ihre Abhängigkeit vom hitlerdeutschcn Vorbild bewiesen sie auch noch dadurch, daß sie iin Sprechchor»Juda verrecke I" brüllten und Rufe gegen die deutschen Emigranten ausbrachten. Es ist selbstverständlich, daß aus diesem Anlaß das Verhältnis der beiden Internationalen zueinander zur Sprache kam. In den letzten Monaten haben nicht, nur die österreichischen, spanischen und italienischen Parteien sich mit den kommunistischen Parteien über ein gemeinsames Vorgehen in ihrem vom Fascismus beherrschten Ländern geeinigt, sondern es hat auch die französische Partei, also die Partei eines Landes mit bürgerlicher Demokratie, ein Abkommen mit der französischen kommunistischen Partei über gemeinsame Aktionen, Unterstützung bei Wahlen usw. getroffen. Die französischen Genossen begründeten ihr Verhalten mit den Ereignissen in Frankreich, wo seit dem Feber dieses Jahres die realtionär-fascistische Bewegung immer größer wurde und sich des Schutzes der damaligen Regierung Doumergue erfreute. Angesichts dieser akuten Gefahr habe sich die französische Partei zu ihrem gemeinsamen Vorgehen mit den Kommunisten entschlossen. Sie bezeichnet den Sturz der Regierung Doumergue als ihren Erfolg. Naturgemäß mußte nun die Frage eines allgemeinen Paktes der Parteien in allen Ländern erörtert werden. Die große Mehrheit, iusbcsonders die Vertreter der Länder der Demokratie, lehnten einen solchen Pakt sowohl mit Rücksicht auf die Situation in ihren Ländern, als mit Rücksicht auf die internationale Lage ab. Sie erklärten, daß Verhandlungen ohne vorangehende grundlegende Aenderung in der Taktik und den Grundsätzen der Komintern zwecklos seien und nur Schaden anrichten könnten. Sie anerkannten, daß durch die in einigen Ländern mittlerweile getroffenen Abmachungen der Parteien beider Richtungen die bisherige Anschauung, daß nur Verhandlungen von Internationale zu Internationale zweckmäßig seien, überholt ist, daß sich die Situation in den einzelnen Ländern verschieden gestaltet und somit auch die Voraussetzungen für solche Einheitsaktionen in den Ländern von einander abweichen, und daß es somit den Parteien selbst überlassen bleiben möge, solche Abkommen zu treffen oder nicht. Zu Verhandlungen mit den Komintern, die von diesen übrigens allem Anscheine nachgarnicht gewünscht werden, sei kein Anlaß und fehlen die Voraussetzungen. Es ist begreiflich, daß die Vertreter jener Parteien, welche Einheitsaktionen bereits durchführen, einen abweichenden Standpunkt einnahmen und der Ansicht Ausdruck gaben, daß Verhandlungen zwisckvn den beiden Internationalen zweckmäßig seien. Sie begründeten dies insbesonders mit der drohenden Kriegsgefahr. Zu einem Beschlüsse in dieser Richtung.kam cs schon deshalb nicht, weil ja die Ko- Mintern auf das vorjährige Anbot nicht geantwortet Has, somit eine Grundlage für einen Neuerliche» Beschluß nicht gegeben war. Die Resolution wurde schließlich nahezu einstimmig angenommen. Geeint ist die Internationale in den grundlegenden Fragen, insbesonders der Stellung zur Demokratie. Hier zeigte sich, daß Verhandlungen mit der Ko- sind. wenn diese ihren bisherigen Standpunkt aufrecht hält. Ob trotzdem derzeit, der Versuch zu Mächen wäre, eine Aenderung dieses Standpunktes herbeizuführen, ist eine taktische Frage, deren Beantwortung verschieden lauten kann. Die große Mehrheit negiert sie umsomehr, als ja Sowjetrußland selbst zwar mit bürgerlichen Staaten Bündnisse abschließt Und in den Völkerbund eintritt, bisher aber nichts getan hat, den sozialistischen Parteien des eigenen Landes Bewegungsfreiheit zu geben.. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Frage die S. A. I. noch oft beschäftigen wird. Für«ns ist die entscheidende Frage die, ob die kommunistische Partei ihren Standpunkt zur Demokratie ändern und ob sie den in den gege- benne Verhältnissen liegenden Notwendigkeiten Sonntag beginnen wir mit dem Abdruck unseres neuen Romans: i 11 i Paris.(Tsch. P.-B.) Die Regierung Flan- din hat zu einem ihrer grundsätzlichen Programmpunkte die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und den erhöhten Schutz der heimischen vor den ausländischen Arbeitern gemacht. Eine besondere interministerielle Kommission, bestehend aus Vertretern des Landwirtschafts-, des Arbeits- und des Innenministeriums tagt täglich unter dem Vorsitz des Staatsministers Herriot und plant sehr strenge Maßnahmen zur weiteren Beschränkung der Zahl der ausländischen Arbeiter. Die Presseführt eine scharfeKam- pagnegegendieausländischcnAr- beiter und Arbeitsminister Jacguier erklärte gestern im Gespräch mit einem Redakteur des„Paris Soir", es sei notwendig, den französischen Arbeitern die Sicherheit zu geben, daß sie die Folgen der Krise erstmach den ausländischen Arbeitern spüren. Der Minister fügte hinzu, daß das Verhältnis der ausländischen Arbeiter in zahlreichen, hauptsächlich industriellen Unternehmungen herabgesetzt werden müsse. Nach privaten Informationen soll die Zahl der ausländischen Arbeiter in Frankreich um 100.000 herabgemindert werden. Der Minister sagte ferner, daß die Erneuerung der polizeilichen Identitätsausweise für die fremden Arbeiter(diese Ausweise dienen gleichzeitig als Aufenthaltsbewilligung) künftighin nur unter| handelt. • Die Exekutive der S. A. I. befaßte sich in ihren Sitzungen, welche vom 13. bis zum 16. November in, Paris stattfanden, in der Hauptsache mit den Vorgängen in Spanien und mit dem Verhältnisse zu den kommuni st ischen Parteien. Ueber die Lage in Spanien berichteten der spanische Genosse P r i e t o uttd der französische Genosse Vincent A u r i o l, der im Auftrage des Büros der S. A. I. durch fünf Tage Erhebungen in Spanien durchgeführt hatte. Beide Genossen stellten fest, daß die Schuld an den spanischen Ereignissen ausschließlich die Regierung trifft, daß die spanische Partei unversehrt ist und ihre Tätigkeit fortsetzt. Genosse Vincent Auriol hat einwandfrei sichergestellt, daß die»on der bürgerlichen Presse verbreitete« Nachrichten über Greueltaten der spanischen Arbeiter durchaus erlogen find und daß, wenn von Greueltaten gesprochen wird, diese ausschließlich von den Regierungstruppen— Farbigen und Fremdenlegionären— begangen wurden. Die Exekutive beschloß im volfen Einvernehmen mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund alles vorzukehren, um sowohl den inhaftierten als den in Rot geratenen spanischen Genosse« die größtmöglichste Hilfe zu bringen. Die spanische Partei hat eine Niederlage erlitten; ihre Kaders stehen aber unge- brachen da, sie hat in dem ihr aufgezwun- grnen Kampfe'einen Grad von Schlagfertigkeit, Opferbereitschaft und Mut bewiesen, der ihr die Bewunderung jedes Sozialisten sichert. Wir sind stolz auf unsere spanischen Genossen! Am 11. Oktober hat die kommunistische Internationale an die S. A. I. die Aufforderung zu gemeinsamen Aktionen für die spanischen Genossen gerichtet. In dieser Zeit war die spanische Reaktion bereits siegrelch. Am 14. Oktober sand in Brüssel eine Besprechung der Genossen Bänder- Velde und Fritz Adler mit den Vertretern der Komintern C a d i n und T h o r r e z statt. Unsere Genossen verwiesen auf das schon im vorigen Jahre seitens der S. A. I. an die Komintern gerichtete Anbot zu Verhandlungen über rin gemeinsames Vorgehen, erhielten aber nur ausweichende Antworten. Sie erllärten ferner, daß die S. A. I. auf das Anbot der Komintern nicht gewartet, sondern sich sofort bei Beginn der spanischen Ereignisse mit einem Aufruf an die ihr angeschloffenen Parteien gewendet und auch bereits alles vorge- irhrt hab«, nm den spanischen Sozialisten zu Hilfe zu kommen. Das Anbot der Komintern müsse de, Exekutive der S. A. I. vorgelegt werden. -Die Exekutive kam zu dem Beschlüsse, daß das Anbot der Komintern auf gemeinsame Kundgebungen für die spanischen Arbeiter schon zu der Zeit überholt war, als es die S. A. I. erreichte, daß aber solche Einzelaktione« zwecklos und verwirrend wären, insolange der Kamps der Kommunisten gegen die sozialdemokratischen Parteien a«f der ganzen Linie mit«nverminderter Heftigkeit weitergrht. Kabinett Flandin gegen ausländische Arbeiter Tschechoslowakische Kolonie gefährdet ßabiola von O. iffteinp/Iu^ot a Illustriert von G. H. TRAPP. Goebbels-Schüler in der Schweiz Am Freitag und Samstag der vergangenen Woche kam es in Zürich zu fascistischen Demonstrationen gegen das von Erika Mann(der Tochter Thomas Manns) geleitete Kabarett »Pfeffermühle". An beiden Wenden fand sich eine Schar von 80 bis 100 Mitgliedern der fascistischen Verbände»Nationale Front" und»Neue mintern von vornherein zum Scheitern verurteilt! Schweiz" vor und in dem Kursaal ein, in dem die Vie Tagung der Exekutive der S. A. I Von Dr. Carl Heller rufe ihm zu, wenn er versinkt: Du hast es gewollt, erhabener Herr, ich habe gehorcht, dein unwürdiger Diener!" ' Die Äugest Li-Hangs flammen, seine Hände sind zum Himmel erhoben wie die Hände eines Priesters beim Geber. Er sieht über die Kulihinweg, die einen.Kreis um ihn schließen. Dann senkt sich seine Stimme, und matt, fast leise, sagt er: „Aber er wird nicht kommen, Freunde, er kommt nicht. Er setzt sich zu Hause vor seinen goldenen Spiegel und betrachtet machtstolz das Zeichen des schillernden Bogels auf seiner Brust. Er geht durch das Zimmer und freut sich darüber, daß die Sonne seinen Schatten auf den Boden zeichnet. Stünde es in seiner Gewalt, er würde ihr gebieten, nur den Menschen einen Schatten zu schenken, die er auswählt. Es gibt Menschen, die ihren Schatten nicht wert sind- Bor diesem Schatten soll ich in di« Berge von Schan- Si fliehen, in deine Höhle, Dü-Kwan?" Die Kulis schweigen. Sie kennen Li-Hang, er vermag hunderten mit seinem Rat zu helfen, doch wein, hundert ihm raten, er schlägt ihr Wort in den Wind. Winkt ihnen ein Gast, verschmelzen ihre dürren Arme mir den Stangen der Riksha, rollt das grauweiße Band der Straße sich endlos und wimmelnd vor ihren Augen auf, trommeln ihre Füße mit eintöniger, erbarmungsloser Regelmäßigkeit auf das Pflaster, dann werfen sie einen Blick zurück auf Li-Hang, und es ist, als nähmen sie Abschied von ihm. Sie keNnen Li- Hang, aber sie kennen auch Tscheng-Ki-Fong; seine Hand schließt sich fest um die Kehle des Opfers, der Sohn des Himmels müßte kommen, um es zu befreien. Im Morgengrauen wird Li-Ha«g aus seiner Hütte geholt/ feine Hand- werden gefesselt, zwei Reiter nehmen ihn in die Mitte; er geht gemessenen Schrittes an den derben Stricken zwischen ihnen her. Sie führen ihn am User entlang, die Hügel im Osten sind rot überhaucht, noch spiegelt ein Stern sich im Strom. Lang ist der Weg und spitz die Steine am StraßenrctNd. Die Füße Li-HangS blute», aber er wendet kein Wort an die Reiter. Dang wird ihn suchen, in der Stunde, da sie zur Schule geht; er hat ihr«in kleines Holzpferdchen geschnitzt, noch ist es nicht fertig, sie bewachtet täglich sein Werden mit brennenden Augen. Es liegt im Schuppen, hinter dem Wirtshaus, bei seintr Riksha. Dü-Kwan wird es finden, aber seine Hände sind nicht geschickt genug, um eS zu vollenden. Arme Dang! Der Mandarin läßt di« Richter rufen. Mit großen Worten erzählr er ihnen, was vorgefallen; Li-Hang habe den Kaiser gelästert in der Gestalt seines Statthalters, keine Strafe sei zu hoch für fen Verbrechen. „Wir lassen ihn köpfen," sagt Tsing-Fu, der dickste unter den Ricksiern,„wir lassen ihn köpfen. Wir haben von ihm gehört. Ein Narr. Hält Reden auf dem Marktplatz. Dünkt sich weiser als die Berater des Kaisers. Ein Narr. Nur ein Narr konnte ungehorsam sein gegen dich, Tscheng-Ki-Tong. Doch Narren seiner Art sind gefährlich. Wir lassen ihn köpfen." ^Tscheng-Ki-Tonz lächelte Tsing-Fu an, er rieb die Hände vor der Brust und neigte sich, als Zeichen, daß er die hohe Weisheit seines obersten Richtxrs anerkenn«. Da piepst die dünne Sttmm« eines kleinen, zitterigen Männleins dazwischen. „Wir lassen ihn köpfen, den Narren, gewiß. Doch es wird eine Schwierigkeit haben." Tscheng-Ki-Tong fährt auf, seine Züge verdunkeln sich, er drückt di-: Hände flach an den schimmernden Fleck mit dem glitzernden Vogel. „Schierjgkeiten? Wenn mein Wille vollstreckt werden soll?" Wieder piepst das dünne Stimmlein: „Eben, eben; der ihn tollstrecken soll, fehlt." D«r Mandarin lieht Tsing-Fu verständnislos an. Der Henker fehlt? Wo ist der Henker? Dsing-Fu blickt ratlos im Kreis umher, als suchte er Hilfe bei einem Unsichtbaren, bei einer Fee, die plötzlich aus dem Böden zu wachsen vermag. Er neigt seinen Mund nahe an das Ohr j Tsch«ng-Ki-Tongs und sagt leise: „In Kan-Su werde-: heute hundert Rebellen gerichtet. Der Mandarin von Kan-Su bat Mich— ich wollte nicht ungefällig sein-— es kann der Fäll eintreten, daß auch wir— versteht mich, Herr—/ Tscheng-Ki-Tong zieht die Augenbrauen zusammen. „Wann kehrr er wieder?" Ehe Tsing-Fu geantwortet hat, piepst das Stimmlein: „Wenn mein armseliges Wort Gewicht hat in diesem Kreise— ich rate, nicht zu warten. Ein Narr macht viele Narren— es ist gut, wenn Li-Hangs Mund bald verstummt". „Wir werden den tapfersten Soldaten des Heeres holen," sagte Tsing-Fu und wirft sich in die Brust.„Ein Krieger schreckt nicht davor zurück, das Schwert gegen einen Narren zu erheben." Aber Tscheng-Ki-Tong hat sich noch nicht zu dem Vorschlag geäußert, als das Stimmlein sich wieder meldet: »Verzeiht mir Unwürdigen— aber wenn mein Wort Gewicht hat in diesem Kreis— es ist nicht gut, einen Krieger das Schwert erheben zu lassen, wenn nicht Krieg ist. Es Hann geschehen, daß er es morgen aus eignem Antrieb erhebt, und wir das Haupt nicht mehr bestimmen können, gegen das er es richtet." ES ist still, als das Stimmlein verebbt. Rach einer Weile sagt der Mandarin: «Dein Wort ist weise. Es ist nicht ratsam, in den Zetten des Friedens einem Menschen den Befehl zu erteilen, andere Menschen zu töten. Der Pöbel verwechselt zu gerne Feiertag und Werktag. Wir müssen einen andren Ausweg finden." Der Mandarin sieht Tsing-Fu fragend, an, der dreht den rechten Daumen um den linken, den linken um den rechten und schweigt. »Weise Berater habe ich—" sagt Tscheng- Ki-Tong.»Ich werde noch Li-Hang holen und ihn fragen müssen, woher wir einen Henker für ihn nehmen sollen." »Vielleicht weiß dec Narr selbst dies", piepst das Stimmlein, aber nur ganz leise. Dann sprübt es lauter: »Nimm einen Sträfling aus dem Gefängnis. Schenk ihm die Freiheit, wenn er den Schwertstreich tut. Das ist reicher Lohn für einen kurzen, schnellen Hieb." Tsing-Fus Augen leuchten auf. »Der Bauer, der fern« Frau erschlug, der um sein Leben bettelte, als er vor dem Henker stand, den deine Milde, Tscheng-Ki-Tong, zu lebenslänglichem Kerker begnadigte- L- er wird uns retten." »Retten? Wähle deine Worte besser, Tsing- Fu", rügte der Mandarin. Das Stimmlein piepst:„Retten! Retten? Ein Bauer— uns?" „Verkünde ihm meine Gnade, Tsing-Fu", sagt der Mandarin,»und erstatte mir Bericht. Macht es kurz mit Li-Hang. Hört ihn an und sprecht das Urteil. Morgen, wenn die Sonne aufgeht, fällt sein Kopf." » Zwischen moosgrünen, feuchten Steinen ist Lung-Kwen angekettet. Durch einen Spalt, nicht breiter als eine Kinderhand, fällt spärliches Licht in seinen Kerker. Er hat die Augen geschlossen, er träumt. Felder, die in der Sonne liegen wie satte schlafende Tiere, in deren Fell der Wind svielt. Das Meer, ein großes, dunkles Rauschen, ein brüllendes Volk von Millionen Tropfen, keiner will an den Uferfelsen in ein weißes Nichts zerstieben, und jeden Augenblick werden tausend und tausend von der malmenden Brandung gegen das spitze Gestein geworfen. Ob jetzt Frühling ist und die ersten Schmetterlinge über die Wiese tanzen? Ob di« Bäume kahl sind und die Felder verödet? Der Schlüssel raffelt, Tsing-Fu tritt ein. «Das Licht der Gnade ist auf einen Unwürdigen gefallen", sagt er feierlich.«Der Mandarin Tsckieng-Ki-Tong, Statthalter des Kaisers in dieser Provinz, schenkt dir die Freiheit." Lung-Kwen faßt den Inhalt der Worte noch nicht, die er hört. Die Freiheit? Die Felder? Das Meer? Den unendlichen Himmel? Er legt die Hände an die Schläfen, er wiederholt'sich die Worte, Silbe um Silbe: Tscheng- Ki-Tong schenkt ihm die Freiheit. Leise sagt er: »Ist dem erhabenen Mandarin eines großes Glück widerfahren, dankt er den Göttern mit feiner Güte?" Tsing-Fu weiß keine Antwort. Es braucht eine Weile, bis er die Worte gefunden hat. »Der Mandarin bittet dich um einen Dienst." «Fortsetzung folgt.) Geile 6 Mittwoch, 21 November 1934 Nr. 273 Theunis der neue belgische Ministerpräsident Die Saar-Enquete der„R6publique“ Straßburg.(AP.) Die„Republique" setzt die Berichterstattung über die Saar-Enquete fort. In der„Neuen Saarpost" wurde dem Vertreter der„Republique", Hecker, erklärt, daß 90 Prozent von den rund 480 katholischen Geistlichen des Saargebietes antihitlerisch eingestellt seien. Was die Saarkatholiken erwarteten, sei 1. eine Erklärung des Völkerbundes über den provisorischen Charakter der Abstimmung, eine Garantie der Erhaltung der religiösen und kulturellen Einrichtrln- gen und Rechte, schließlich eine Erklärung des Vatikans, das jeder Katholik am 13. Jänner absolut frei in seiner Abstimmung sei. Eine saarländische katholische Volkspartei stehe in ihrem Gerüst bereit zum Eingreifen da. Sie werde den Tag und die ,Stunde zu finden wissen. Von anderer Seite wurde Hecker mitgeteilt, daß auch von den Rcichsstimmen Neinsager zu erwarten seien, die die Gelegenheit, dem Regime ihren Abscheu auszudrückcm nicht ungenützt verstreichen lassen würden. Die Danziger Terrorwahlen. Danzig.(AP.) Wie bekannt, haben die Danziger Wahlen mit einem Tieg der Nationalsozialisten, die sdgar noch ihre Stimmen gegenüber dem Vorjahr steigern konnten, geendet. Unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahltcrmins hatte man die Wahlen in ihrer Bedeutung überschätzt und zu Unrecht mit der Saarabstimmung verglichen. Zur Würdigung des Wahlergebnisses muß man berücksichtigen, daß 1. nur in einem kleinen Teil des Freistaates gewählt.wurde,. 2. daß es sich nur unt Landkreise handelte, 3. daß diese schon immer fester nationalsozialistischer Besitz waren, 4. daß in de» meisten Gemeinden nur nationalsozialistische Listen ausgestellt waren, 8. daß abgesehen vom Terror die Wahlbehinderung zuletzt ins Unerträgliche gesteigert wurde(Presseverböte. Massenverhaftungen) und die Verängstigung der Bevölke-> rung unvorstellbar war, wie aus der massenhaft vorgekommencn Zurückziehung von Unterschriften zu ersehen ist. Disziplinierung spanischer Generäle Madrid. Das spanische Amtsblatt enthält ein Dekret, durch das der Divisionsgeneral der Provinz La Coruna, der Oberkommandant der vierten Jn- fanteriebrigade und der Qberkommandierende der spanischen Truppen in Marokko ihrer Funktionen enthoben werden. Außerdem wurden Sanktionen und Disziplinaruntersuchungen gegen einige höhere Offiziere wegen der noch unaufgeklärten Aufgabe, die sie bei der Unterdrückung des Aufstandes in Asturien gespielt haben, angeordnet. Gleich und gleich geseilt sich gern Annäherung Deutschland—Japan London.(Tsch. P.-B.)„Daily Telegraph" berichtet aus Tokio, daß dort eine zahlreiche Gruppe Journalisten aus Deutschland eingeiroffen sei und daß ihr Erscheinen verschiedene politische Kommentare über das Verhältnis zwischen Deutschland und Japan hervorgerufen habe. Das erhöhte Interesse Deutschlands für Japan in der letzten Zeit, das sich u. a. eben durch die Anwesenheit, zahlreicher deutscher Journalisten in Tokio zeige, beweise, daß im Verhältnis zwischen den beiden Staaten eine wichtige Entwicklungsphase eingetreten ist. Es scheint tvahrscheinlich, daß Deutschland Mandschukuo anerkennen dürfte und daß ein deutsch-japanisches Defensivabkommen abgeschlossen werden wird. Es gibt viele Anzeichen,! die darauf hindeuten, daß die öffentliche Meinung in Japan einer Verständigung mit Deutschland 'günstig gesinnt sei. In den Berichten, die der japanische Botschafter in Berlin nach Tokio sendet, wird angedeutet, daß in Deutschland eine ähnliche Tendenz für eine größere Annäherung an Japan wahrzunehmen sei. Der beabsichtigte Ankauf von drei Zeppelinen aus Deutschland für den Luftverkehrdienst zwischen Japan und Hsinking.wird als ein weiteres Glied der wachsenden Freundschaft zwischen den beiden Staaten angesehen. Japan wird abwarten, wie die Londoner Marine-Ab- rüstungsdiskussionen ausfallen und wie sich die Hoffnung auf das englisch-japanische Abkommen gestaltet, bevor es eine Regelung seines Verhältnisses zu Deutschland in Erwägung ziehen wird. Tagesiiciilglfcltcii Bruder, Schwester, Schwager und Schwägerin ermordet! K o w n o. Im Kreise Utrna verübte, wie erst jetzt bekannt wird, am vergangenen Sonntag ein gewisser Jurys eine furchtbare Bluttat. Wegen eines alten Familienzwistes geriet er mit seinen Angehörigen in einen Streit, in dessen Verlauf er seinen Bruder, dessen Fra« und seine S ch w e st e r, die bei ihrem Bruder zu Besuch weilte, ermordete. Noch im Blutrausch raunte er zu seinem Schwager, dem Ehemann der ermordeten Schwester, und tötete auch diesen. Dann ergriff der Massenmörder die Flucht. Er konnte bisher noch nicht festgenommen werden. Matuschka zum Tode verurteilt Budapest.(MTJ.) Das Budapester Strafgericht hat den Eisenbahnattentäter Matuschka wegen vorsätzlicher Tötung, begangen in 22 Fällen, zum Tode verurteilt. Der Präsident ersuchte die Vertreter der Geschädigten zur Anmeldung ihrer Ansprüche. Der Vertreter der ungarischen Staatsbahnen meldete eine Schadenersatzforderung von 550.000 P e n g ö an. Zwei Geschädigte erklärten, daß sie auf zivilrechtlichem Wege ihren Schaden anmelden würden. Das Urteil im Matuschka-Prozeß ist dem allgemeinen Erwarten nach ausgefallen. Die Vollstreckung der Todesstrafe kann jedoch nichtstattfinden, da Matuschka österreichischer Staatsangehöriger ist und da zur Zeit der Begehung des Attentates die Todesstrafe in der österreichischen Republik nicht bestand. Nach internationalen Rechtsgrundsätzen kommt die Todesstrafe nicht in Anwendung, wenn in dem Heimatland des Verurteilten die Todesstrafe aufgehoben ist. wühlt hat. Während sie die alte k. k. Herrlichkeit wieder aufleben lassen, während der„Feschak" wieder regiert und den Ton angibt, während sie nicht genug von Tradition reden können, sperren sie einen der wenigen kaiserlichen Generale, die siegreich waren, in den Kerker. Wider alles Recht. Körner i st unschuldig, er hat keine Verantwortung für den Auf- stand getragen. Das wissen sie längst. Sie klagen ihn nicht an. Sie halten ihn aus reinen Rachemotiven gefangen. Und sie dienen dabei ihrem wahren Herrn, dem„Erbfeind" bojt gestern: dem italienischen Imperialismus. Mussolini kann es dem General Körner nicht verzeihen, daß die Mauer am Jsonzo zweieinhalb Jahre ohne Wanken stand und daß Italien seinen„Sieg" bei Vittorio Veneto erfinden, erlügen, der Weltgeschichte abschwindeln mußte. Mussolini, der von nationaler Eitelkeit geblähte Ueber-Jtaliener, will sich andemSiegervom Jsonzo rächen und die schwarzgelben Halunken, die jetzt wieder Oberwasser haben, sind ihm willig zur Hand. Das ist die tragikomische Seite des sonst so er- I schütter»den Falles des Generals Körner, der, > schwer krank, unschuldige Hast ertragen muß. Kolportiert das Arbeiter Jahrbuch 1935 Das billigste Bucht A r b e i t e r• Jahr buch 1935 903 Seiten Text, 16 Seiten Kunstdruck— nur Kl 10- Belehrung, Unterhaltung, Ermunterung Ein Flug nach der Polar'msel Berläugerung der Linie des russischen Polarflugdienstes Moskau.(Tag.) Die Zentralvcrwaltung der Nordmeer-Reisen veranstaltet Mitte Jänner 1938 den ersten Flug von Moskau nach der Polarinsel Dickson. Der bekannte Polarforscher Molokow, der an den Rettungsarbeiten der Tscheljuskin-Expedition teilnahm und zum Nationalhelden der Sowjetunion wurde, wird das Flugzeug auf dieser Reise steuern. Während einer Unterredung Molo? kows mit Pressevertretern erklärte er, Zweck dieses Fluges sei es, die Linie des Polar-Flugmenstes, die bereits zwischen Krasnojarsk und Igarka eröffnet wurde, bis zu der Dickson-Jnsel zu verlängern, wo bereits Arbeiten auf breitester Grundlage vorgenommen werden, un» den größten arktischen Flughafen und die Zentrale der Radiostation zu errichten. Bisher ist noch niemand im Winter nach der Dickson-Jnsel geflogen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß es notwendig sein wird, den Flug bei Schneestürmen und starkem Frost durchzuführen. Molokow wird diesen Flug aus einem Flugzeug desselben Typ unternehmen, welches er bei den Flügen zur Rettung der Schiffbrüchigen des Tscheljuskin im Schmidt-Lager benützt hat. Es ist dies das Flugzeug PH, welches mit Motoren sowjetistischer Erzeugung versehen ist. Molokow glaubt, daß es ihm gelingen wird, die ganze Entfernung des 8000 Kilometer langen Fluges von Moskau nach der Insel Dickson in 46 Flugstunden zurückzulegen. Die Vaterländischen, der Erbfeind nnd der sozialistische General. In einem Artikel, den die Züricher Internationale Information ausgibt, macht Otto Bauer mif die Verlogenheit des Patriotismus der österreichischen Fascisten aufmerksam, die sich in dem Vorgehen der eidbrüchigen Machthaber gegen den General. T h e o d o r Körner in krasser Weise offenbart. General Körner ist einer der wenigen wirklich erfolgreichen Heerführer der alten k. u. k. Armee gewesen. Er war General st abschef der Jsonzo- Armee, die in elf gewaltigen Schlachten den an Zahl und Material gewaltig überlegenen Gegner geschlagen hat. Während die österreichischen Ar- meen in Rußland und Serbien mit wenig Erfolg, oft geschlagen und zuletzt nur durch die deutschen „Fischbeine" gestützt, fochten, hat die Jsonzo- Armee Wunder an Tapferkeit und militärischen Leistungen vollbracht. Sicher war das in erster Linie dem Umstand zu danken, daß am Jsonzo Kroaten, Slowenen, Bosnier, Deutsche, Tschechen und Magyaren vereint gegen einen räuberischen Feind föchten, der flawisches und deutsches Land, der-den Völkern der Monarchie den Zugang zum Meere rauben wollte und daher ihrer aller Feind war, gegen den sie gemeinsames Interesse der- band. Aber große Verdienste um die elf großen Defensivschlachten am Jsonzo hat sich auch G e- neral Körner erworben, er war der Organisator dieser Siege. Erschüttert durch seine Kriegserlebnisse, wandte sich Körner dem Marxismus zu, las Engels und I a u- res, wurde ein überzeugter Sozialdemokrat. Darum haßt ihn das Geschmeiß der Fey und Starhemberg, darum haßte ihn der bösartige Zwerg, der die österreichische Demokratie unter- durch das Arbeiter Jahrbuch 1935 Die Leiche des erurordeten Brünners identifiziert. Wir haben gestern mitgeteilt, daß in einem Wald bei Mährisch-Trübau die Leiche eines jungen Mannes gefunden wurde. Bei der Gendar- merie-Fahndungsstation in Brünn meldete sich nun ein Mann, der angab, der Ermordete könnte der 24jährige Handelsgehilfe Franz Molken- t o p f aus Brünn sein, der in einer Brünner Drogerie ailtzcsteflt' war.' Die GendarmKie fuhr mit dem Mann zu der Leiche und dort gab der Zeuge an, daß es sich tatsächlich um Molkentops handelt, mit dem er am 7. d. M. in Brünn zusammengetroffen sei und den er seither nicht gesehen habe.. Die Gendarmerie glaubt auch, bereits dem Täte» auf der Spur zu sein. Den Gatten und Bater erschlagen. Der Besitzer Johann Bracke aus St. Anton in Steiermark war seit einigen Tagen auf unerklärliche Art verschwunden. Alles- Suchen nach ihm war vergebens. Ein sechsjähriger Knabe fand nun am Montag in einer Talmulde zwischen den Feldern eine Leiche, die furchtbare Verletzungen aufwies und als die des vermißten Besitzers Bracke erkannt wurde. Die Untersuchung ergab, daß Bracke, der mit seiner Frau seit langem in Zwietracht gelebt hatte, von dieser mit Hilfe der 18- jährigen, Tochter des Ehepaares während der Nacht erschlagen und dann von beiden aufs Feld hinausgezerrt worden war, um einen Unfall oder einen Raubüberfall vorzutäuschen. Frau und Tochter haben, unter der Last des Beweismaterials zusammengebrochen, den Gatten- und Vatermord eingestanden. Sie wurden dem Gericht eingeliefert. Tödlicher Unfall. Montag, gegen dreiviertel sechs Uhr abends überfuhr in Hostomitz der Fleischer Vopalinsky aus Dux den 20jährigen taubstummen Schuhmachergehilfen Ewald Trnec mit seinem Motorrad. Trnec erlitt dabei derart schwere Verletzungen, daß der. Tod auf der Stelle eintrat. Der Motorradfahrer erlitt durch den Sturz Gesichtsverletzungen und wurde dem Duxer Krankenhaus übergeben. Wettflug um die Welt? Der Flieger Haegelen, der Vorsitzende des Verbandes der Zrvilpilo- ten, beschäftigt sich im„Le Journal" mit dem Gedanken eines Wettfluges um die Welt, der im Jahre 1936 stattfinden würde. Endlich eine Deckung für Schachts RMk! Wie die Blätter melden, stießen Handwerker auf einem Bauerngut in Langenbrück bei Neustadt in Oberschlesien auf drei große Töpfe, die bis zum Dand mit Gold- und Silberstücken gefüllt waren. Im ganzen waren es 80 Kg. Silber und etwa 1 Kg. Gold. Der Bauer benachrichtigte sofort die Behörden. Es wurde festgestellt, daß es sich um Münzen aus verschiedenen Gebieten Mitteleuropas handelt. Die Münzen stammen aus dem 1>7., 18 und 19. Jahrhundert. Man nimmt an, daß sie eine Kriegskaffe darstellen, die etlva um das Jahr 1813 verborgen werden mußte. 14 Todesopfer eines Sturmes. Bei einem schweren Sturm, der an der Küste des Stillen Ozeans wütete, fanden in San Francisco und Los ! Angeles 14 Personen den Tod. Im Golf von San Francisco kenterten einige Boote, wobei drei Fischer ums Leben kamen. Joachim Ringelnatz gestorben Berlin.(Tsch.^P. B.) Wie Berliner Blätter melden, ist der bekannte deutsche Dichter und Maler JoachimRingelnatz im Alter von 81 Jahren gestorben. Seine Einäscherung hat am Dienstag in Berlin in aller Stille stattgefnn- den. Ringelnatz, dessen eigentlicher Name Hans Bötticher war, hat testamentarisch festgesetzt, daß sein Tod erst nach seiner Einäscherung bekanntgegeben werden dürfe. ■* Ringelnatz ist als Dichter und Mensch eine der originellsten Gestalten der deutschen Literatur des letzten Menschenalters gewesen. Er liebte das Groteske und erinnerte in Form und Themen seiner Gedichte vielfach anChriftianMorgen- st e r n, den Schöpfer des„Palmström". Rur war Ringelnatz weniger abgeklärt als Morgenstern, seine groteske Lyrik fand ost frivole, auch aggresive Töne. Die Sphäre seiner Erlebnisse war das Reich des Seemanns. Die Stimmung der Hamburger Hafenkneipen, den rauhen und nicht immer dezenten Humor des Matrosen wußte er wie kein zweiter festzuhalten. Den Alkohol mochte er als poetische- Attribut so wenig wie im Leben missen. Auf dem Vortragspodium erschien er in Matrosentracht, die Rumflasche in der Hand(er hätte allerdings, ein urwüchsiger Kraftkerl, der er war, in solcher Haltung nie über Kant oder Goethe gesprochen; diese Geschmacklosigkeit überließ er Schlieferln und Lausbuben; er blieb in seinen Bezirken). Aus seiner ganzen Weltanschauung heraus glossierte er den deutschen Spießbürger, in diesem Punkt den Meyrink, Reimann und Erich K ä st n e r verwandt. K ä st n e r, der in diesem Reigen der jüngste ist, verrät ost den Einfluß Ringelnatz'. Oft blieb es bei Ringelnatz unklar, ob er cs ernst, ob er es satirisch meine. In seinen„Turnlieder«"verulkt er den Sportfimmel, aber er besingt auch die Freude an der körperlichen Leistung. Wieder, wie schon beim Tode Max Adalberts und Pallenbergs, der Senta Söneland und Julius Falkensteins, fragt man sich beim Tode Ringelnatz', ob es zu den Zeichen der Zeit gehört, daß die deutschen Humoristen die Bühne fliehen, auf der blusige Clowns mit toternsten Mienen lebensgefährlichen Schabernack treiben. Schutz der mexikanischen Kirchenschätze. Jin Kirchenlonflikt in Mexiko ist in den letzten Tagen eine Beruhigung der Lage eingetreten. Die Bun-' desregierung ordnete an, daß sämtliche eingezogenen, das heißt konfiszierten Kirchen, dem Finanzministerium unterstehen, um zu verhindern, daß tvertvolle Kunstwerke einzigartiger Bedeutung gexauht.odep gar vernichtet werden. Die mexikanischen Byndedtruppen find überall angewiesen, den Schutz besonders wertvoller Kirchen sofort zu übernehmen. Ein japanischer Schnellkreuzer. In Jokusuca wurde der neue japanische Kreuzer„Suzuja" von Stapel gelassen. Dem Akt wohnten dey'Kaiser von Japan, die Mitglieder der japanischen Regierung sowie etwa 20.000 Personen bet. Der neue japanische Kreuzer weist einen Rauminhalt von 8800 Registertonnen auf, und ist 190 Meter lang. Die Maschinen des Kriegsschiffes entwickeln eine Stärke von 90.000 HP, die Schnelligkeit beläuft sich auf 33 Knoten. Ausgestattet ist der Kreuzer mit 16 Kanonen von 188 Millimeter Kaliber und acht Flugzeugabwehrgeschützen von 127 Millimeter Kaliber. Außerdem besitzt dieses neue japanische Kriegsschiff zwölf Torpedogeschütze. Der Dampfer ist auch als Flugzeugmutterschiff konstruiert und tiägt die Nummer 1 in dieser Kategorie von Schiffen, die durch das Washingtoner Marienabkommen bewilligt sind. Mord an zwei Mädchen. In einem Walde in der Nähe von Clifton-Forge auf Virginia wurden die Leichen von zwei Schwestern.im Alter von 13 und neun Jahren mit eingeschlagenen Schädeln aufgefunden. Zwei Neger wurden unter dem Verdachte dieses Doppelmordes verhaftet, um sie vor d^r Lynchjustiz zu bewahren. Zulukafier-Krieg. Im Gebiete von Weene« brachen zwischen zwei Zulukafier-Stämmen heftige Kämpfe aus. Die in dieses Gebiet entsandte Polizei-Patrouille wurde aus dem Hinterhalt überfallen und mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen! Donnerstag Prag, Sender L.: 10.03: Dcusiche Nachrichten. 11.05/ Konzert. 12.10: Verdi-Opernfantasien. 12.33: Jazzorchesterkonzert. 13.45: Chansons auf Schallplatten. 17.55: Deusiche Sendung: Jugendstunde: Luftrennen England—Australien. 18.55: Deusiche Presse. 19.10: Wir lernen russisch. 19.80: Aus dem Nationaltheater: Die Meistersinger von Nürnberg. 22: Konzert des Syrnphoniejazz.— Sender S.: 14.35: Lieder zeitgenössischer russischer Komponisten. 15.05: Deusiche Sendung: Kisling: Der Gewerbe stand und seine Schule. 15.25: Opernduesie auf Schallplatte«. 15.40: Deutsche Presse. 18.20: Tamburlzzenkonzert. 19.15: Tanzmusik.— Brünn: 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt. 15.55: Orchesterkoa- zert. 17.50: Deuts che Sendung: Arbeite r- funk:RgtSchufter:VomJugend- strafgesetz. 18.05: Dr. Spielman«: Praktische Menschenkenntnis.— Mährisch- Ostrau:'17.50: Deutsche Sendung: Klavierkonzert.— Preßburg: 18.15: Liederkonzert. Wr. 273 Mittwoch, 21. November 1934 Sette 7 So sdiant die Volksücmclnsdioit aus Der 18« Januar San Bertold«recht San der Binns bis an die Memel dn läuft ein Stacheldraht, dahinter kämpft und blutet jetzt das Proletariat. Haltet di« Saar, Genossen, Genossen, haltet die Baar. Dann werden das Blatt wir wenden ab 13. Januar. DaS Bahern und das Sachsen, das haben nnS Räuber besetzt nnd Württemberg und Baden nach sind fürchterlich verletzt. Haltet die Saar, Genossen.•. In Preussen steht General Go«ring, der Thyssen räubert am Rhein, in Hessen und in Thüringen setzten fie Statthalter rin. Haltet die Saar, Genossen... Die nnS das grosse Deutschland zerfleischten ganz und gar, jetzt strecken sie die Hände aus, nach unserer kleinen Saar. Haltet die Saar, Genossen... Da werden sie sich rennen, an der Saar die Köpfe ein, da» Deutschland, da» wir wollen, muss ein andere» Deutschland sein. Haktet die Saar, Genossen, Genossen, haltet die Saar. Dann«erden da» Blatt wir wenden ab 13. Januar. Dir Staatsbürgerschaft der Fran. Der Hauptausschutz des Zentralvereins der deutschen Lehrerinnen in Böhmen fatzte eine Entschließung, in der cs u. a. heißt:„ß 106 der Brrfaffungs- urkunde sichert die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Frau. In Bezug auf ihr Heimat- und Staatsbürgerrecht ist dieser demokratische Grundsatz jedoch noch nicht zur Gänze in die Praxis umgesetzt, da eine tschechoslowakische Staatsbürgerin im Falle ihrer Verehelichung mit einem Ausländer ihr Heimatrecht verliert oder staatenlos wird. Gerade für die im öffentlichen Dienste stehende Frau ist diese Rechtsfolge von ungeheurer Tragweite, weil damit zwangsläufig der Verlust des Arbeitsplatzes und jedes Pensionsanspruches verbunden ist, selbst dann, wenn die Frau weiterhin im Jnlande verbleibt. Die Haager Konvention zur Kodifizierung des Völkerrechtes hinsichtlich der Staatsangehörigkeit vom Jahre 1930 unterbreitete über den Weg des Völkerbundes den einzelnen Regierungen praktische Vorschläge zur Beseitigung der rechtlichen Benachteiligung der Frau in Bezug auf das Staatsbürgerrecht. In Wahrung der allgemeinen Frauenintereffen und der beruflichen' Sicherung der weiblichen Maatsangestellten tritt der HäuptauSschuß des Zentralvereines der deutschen Lehrerinnen in Böhmen mit allem Nachdrucke dafür ein, datz die Regierung der Tschechoslowakischen Republik in Weiterverfolgung und ergänzendem Ausbau ihrer demokratischen Prinzipien mit Rücksicht auf die sich im Gange befindliche Novellierung des Bürgerlichen Gesetzbuches den Grundsatz festlege, datz der Frau im Falle der Verehelichung mit einem Ausländer di« freie Wahl ihrer Staatsbürgerschaft zugesicheri werde, wie es in den Vereinigten Staaten von Nordamerika bereits geschieht. Ein Mann von fetten gutem Ruf. Rach«in- iährigen vergeblichen Bemühungen ist es der polnischen. Polizei gelungen, den bekannten Räuber Wladyslaw Maczug zu verhaften. Er wurde in dem Dorfe Gwizdas in einem unterirdischen, von einem Hunde bewachten Versteck gefunden. Die Meldung über seine Verhaftung rief unter der Bevölkerung grotz« Erregung hervor, denn über den Räuber ging das Gerücht um, datz er Reich« beraube und Arme beschenke. war sehr aufgeregt. Am meisten regte ihn auf, datz man so viel weggetragen hatte. Kampf, in dem die Sympathie der übrigen Arbeiterschaft auf ihrer Seite steht. Freudenthal ein industrieller Friedhof Am Fuße des Altpatergebirges liegt die alte schlesische Stadt Freudenthal, in der einst viel tausende fleißige Weber, viele hunderte Spuler, Sticker und Näher Arbeit gefunden haben. Die Wirtschaftskrise hat aber aus diesem regen Leben einen Friedhof gemacht. Der„Textilarbeiter" schreibt darüber: Freudenthal ist auf dem Wege/ eine sterbende Stadt zu werden. Ein stiÜgelegter Betrieb neben dem anderen ist anzutreffen. Erst in der letzten Zeit hat der Niedergang der Leinenindustrie in Freudenthal die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Es handelte sich um die Betriebsstillegung bei der Firma E. Marburg u. Söhne. In guten Jahren waren in diesem Betriebe bis zu 1100 Menschen beschäftigt. Aber auch in Krisenjahren befanden sich im Betriebe noch immer 500—600 Personen. In der letzten Zeit allerdings ist die Zahl der Beschäftigten bis auk 180—250 zurückgegangen. Nach dem Jahre 1931 sanken die Absatzmöglichkeiten dieses Betriebes rapid. Die Zahl der Beschäftigten verminderte sich vorübergehend sogar bis auf einige 20 Leute. Wenn das Argument der Unternehmer, daß niedrige Löhne konkurrenzfähig machen, wahr wäre, dann müßte gerade die Freudenthaler Textilindustrie, und insbesondere die Firma Marburg, eine Hochkonjunktur aufwei- sen, denn derartige Trinkgelder, die hier an Stelle eines ordentlichen Lohnes gezahlt wurden, mühten es jedem Fabrikanten ermöglichen, selbst die japanische Textilindustrie aus dem Felde zu schlagen. Wenn es trotzdem nicht der Fall ist, dann ist es ein Beweis dafür, daß die Konkurrenzfähigkeit nicht allein eine Frage der Löhne ist, ja, daß niedrige Löhne geradezu den Niedergang unserer Industrie herbe igeführt haben. Unsere Gewerkschaften sind nun mit aller Kraft bemüht, die Behörden dazu zu veranlassen, irgend etwas für das Freudenthaler Textilindu- striegebiet zu tun und habtzn bei den maßgebenden Stellen in Prag interveniert, um die ärgste Katastrophe von Freudenthal abzuwenden. Er sagte:„Das ist eß ja, was ich nicht begreife. Ich habe immer einen sehr leichten Schlaf. Immer strecke ich mein» Füße vor dem Tore aus. Cs ist unmöglich, daß man über mich zwei Sacke Zucket woggeschleppt hat." Der Verlvalter meinte: „Tw hast verflucht fest geschlafen, du Hünde- sohn. Schrecklich, wieviel man gestohlen hat!" .. Der Wächter sagte:„Datz man viel gestohlen hat, ist nicht möglich, ich wäre bestimmt erwacht." Der Verwalter erwidert«: „Nun/wir werden gleich ein Protokoll aufnehmen, und da wird sich ja zeigen, was für ei» Maulaffe du bist. Dem Staat einen solchen Schaden zuzufügenl" Sie nahmen also ein Protokoll auf, in Gegenwart der Miliz. Die Zahlen begannen zu reden. Man rechnete ab, man rechnete zu. Der arme Wächter schlug die Hände zusammen und Ivar dem Weinen nahe, so sehr litt der Mann, so voller Anteilnahme war er für den Staat und so reute ihm seine Verschlafenheit. Der Verwalter sagte: „Schreibt: Neun Pud Würfelzucker. Zigaretten„Ant"— 100 Pakete. Damenstrümpfe zwei Dutzend. Acht Würste..." Er diftierte. Der Wächter ging fast bei jeder neuen Ziffer hoch. Plötzlich sagte die Kaffierin:„Schreibt: Aus der Kaffe hat Man Bons im Werte von 132 Rubel gestohlen. Außerdem drei Tintenstifte und die Schere." Bei diesen Wopten Hub der Wächter zu grunzen an und kauerte verzweifelt nieder, so Mensche« der Kwuz-ah Bon Erich Gottgetreu, Jerusalem. Früher umgab sie die Stadt mit ihrer lärmenden Geschäftigkeit, ihren Vergnügungen, ihrem Komfort. Jetzt leben sie in Zelt und Baracke; vor ihren Augen fahren nicht Straßenbahnen, sondern Dreschmaschinen und Traktoren. Die Gesichter bräunen, die Hände Härten sich. Sie säen, ernten, graben, schleppen Säcke, binden den Wein. Die einen arbeiten auf dem Feld, die anderen in Werkstatt, Magazin und Küche. Alle genießen gemeinsam den Erfolg ihrer Arbeit. Es gibt kein Geld. Es gibt kaum Jndividualbesitz. Den meisten jungen deutschen Reueinwanderern gelingt in den jüdischen Kollektivsiedlun- gen Palästinas, den„Kwuzzoth", die Umstellung auf ein völlig verändertes Leben. AuS individualistischen Bürgern werden Menschen der Gemeinschaft. Da ist Ch■■ Zu begehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XU, Slezskä 13 Sport• Spiel• Körperpflege Tur«-««d Sportfront Ur Oesterreich In Oesterreich ist ein Gesetz für alle Verbände und Vereine, die Leibesübungen betreiben, erlassen worden. Diese Verbände und Vereine müssen in Zukunft der„Turn- und Sportfront" angehören, die den Zweck hat, die Mitglieder im vaterländischen Sinne ssu erziehen. Der oberste Führer wird von der Bundesregierung ernannt, der Führer ernennt wieder seinen Stellvertreter und seinen Sekretär. Die Verbände sollen auch in Zukunst ihre Funktionäre selbst wählen, im Gegensatz zu Deutschland, wo auch die Verbandsleiter vom Reichssportführer ernannt werden. Als erste Tat dieser neuen Einrichtung, der die Arbeitersportler selbstverständlich nichtangehören, ist ein« Standes- erhebung über die Zahl der sportbetreibenden Oesterreicher.„Oberster Sportführer" ist der Führer der Heimwehren, Starhemberg. Durch das Ausscheiden der österreichischen Arbeitersportler befindet sich der österreichische Sport in einer schweren Krise. Die Arbeiterfportler bildeten das akttvste Element. Nun liegt alles brach. Die Sportfeste der bürgerlichen Verbände sind sehr schwach besucht. Aus diesen Gründen versucht man mit allen Mitteln, die Arbeitersportler für die„Vaterländische Front" zu gewinnen. Die österreichischen Ar- beitersvortler stehen aber auch diesem Gesetz gegenüber Gewehr bei Fuß, bis die christliche Henkerregierung verschwunden ist. Futzball bet der Nazi-Olympiade! Der Umfall der Fifa Die Exekutive der Fifa hielt dieser Tage in Paris eine Sitzung ab, die als wichtigsten(?l) Punkt der Beratungen die Forderung Nazi-Deutschlands zur Abhaltung eines Fußballturniers bei der Olympiade'1936 aufwies. Da nun das Internationale olympische Komitee schon dieser Forderung im Prinzip zugestimmt hatte, gab die Fifa zu diesem Turnier ihre Einwilligung mit der Einschränkung. daß nurAmateure antreten dürfen und sie selbst die technische Leitung übernimmt. Des weiteren wurde auch über das finanzielle Ergebnis der Weltmeisterschaft berichtet. Die Einnahmen betrugen 3,683.000 Lire, die Ausgaben 2,243.000 Lire, so daß der Reingewinn 1,440.000 Lire beträgt. Das borgelegt« Projekt eines internattonalen Amateur st a tu ts sand jedoch nicht die Würdigung, die der Autor erwartete und !vird wohl kaum mehr auftauchen.- Mehr als merkwürdig ist aber das Verhalten der Fifa selbst, die seinerzeit den Beschluß faßte, daß Fußball vom Programm der Olympiaden abgesetzt werde. Nun hat sich ihren damals vielleicht aus ehrlichem Bestreben gefaßten Beschluß wieder verworfen. Daß nur Amateure das Turnier bestreiten werden, glaubt die Fifa wohl leibst nicht. Es gibt nämlich fast gar keine Amateure und Nazi-Deutschland hat die allerwenigsten. Mit diesem Beschluß hat sich die Fifa unsäglich lächerlich gemacht und auch dokumentiert, daß der Fußballsport«ine reine Geschäft s- a n g e l e g e n h ei t und daher der olympische Eid eine Farce geworden ist. Rach der Londoner»Schlacht** Die italienischen Fascisten-Fußballer haben nach dem Länderspiel gegen England von der ausländischen bürgerlichen Sportpresse, die noch etwas auf sich und den Sport hält, eine Kritik bekommen, die einfach vernichtend wirkt und das knappe Ergebnis in einem ganz anderen Lichte erscheinen läßt. „Telegraf"(Amsterdam) schreibt u. a., daß dieses Match kein« Propaganda und eines Weltmeisters u n w ü r d i g war.„Das war kein Fußball mehr, sondern eine Parti« von Tritten und zu Bodenhauen. Was sich die Italiener erlaubten, überschritt alle Grenzen!" Der Schiedsrichter O l s s o n erklärte, daß das Spie^ der Italiener„nichts mehr mit Fußball ju tun" hatte und daß er den Elfmeter gegen Italien deshalb gab, weil Monti einem Engländer„beide Beine unter dem Leih wegkickte"! Interessant ist aber auch di« Aeußerung o. s. im„Pr. TaM.", der diese Vorfälle als Schuld Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Einladung zur zweite« Generalversammlung am Montag, den 26. November, um acht Uhr abends im Hotel„M o n o v o l"(beim Masaryk-Bahnhof)„Wintergarten". Bestimmtes und pünktliches Erscheinen Pflicht! Der Ausschuß. der passiven Leitung der Fifa erttärt und weiter folgender schreibt: „Wenn zu den skandalösen Vorfällen der Weltmei st erschüft bis heute, kein einziger maßgebender Funktionär der Fifa'öffentlich Stellung genommen hat, dann darf es nicht Wunder nehmen, daß die Italiener weiter das als Fußball bezeichnen, was andere unter einer solchen Bezeichnung entrüstet ablehnen. Es lassen sich nicht alle Vorfälle durch diplomatischeKunststückchen und Beschwichtungen beilegen....'Und wer von den Fifa-Funktionären sich der Gefahr, die durch diese rohen Rücksichtslosigkeiten drohen, noch immer nicht bewußt ist, den werden die kommenden„Spiele" der Azzuri(die Italiener; d. R.) sicher eines besseren belehren." Diesen Feststellungen braucht man nicht mehr hinzufügen; sie kennzeichnen die Fifa, ihre Weltmeisterschaften usw. und den ganzen bürgerlichen Fußballbetrieb besser, als wir es vielleicht vermöchten. Internationales Arbeiter-Turnfest 1935 in Brüssel. Anläßlich der Allgemeinen internationalen Ausstellung in Brüssel im Jahre 1935 findet in Brüssel ein großes Arbeiter-Turnfest statt. Diesem Turnfest sind auch Fußball- und leichtathletische Veranstaltungen angeschlossen. Deutsche Turner— Hitlerjugend. In diesen Tagen wird sich die Eingliederung der Turnerjugend in die Hitlerjugend vollziehen. Dadurch werden die Grundlagen der turnerischen Jugendabteilungen wesentlich geändert, die Auswirkungen auf den Bestand der Turnerschaftsvereine sind derzeit noch nicht zu übersehen. Zur Eingliederung selbst wurden folgende Weisungen gegeben: Die Eingliederung ist durch die Turnvereine zu fördern. Damit wird di« Kriegserziehung der deutschen Turnerjugend vollendet. Film« in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Mutter Kracmerka"(Tsch.)— Alfa: „H ej Rup!" Bostovec und Werich(Tsch.)— Avion:„Der Sohn des Scheichs" Rudolf Valentine. (A.)— Beränek:.Maskerade"(Tsch.) Fknix: „Mutter Kradmerka"(Tsch.)—Flora:„Amok, der Fluch der Tropen.(Tsch?— Kinema, B-Th.l Journale, Groteske, Reportage, halb 2 bis viertel 8. Koruna:„Das Geheimnis von Loch Neß"(E.)— Kowa:.Kleine Frauen"— Lucerna:„Kleine Frauen", Katharine Hepburn(A.)— Olympier „Das Geheimnis vom Loch Neß"(E.)— 1 Passage: „Bengal"— Praha:. Das Ende der Krise"(Fr.) — Radio:„Am Heiligen Berg"— Skant:„Judex" (Fr.) f— Svitozor:„Das Ende der Krise"— Alma:„Der Mann zweier Welten", Fr- Lederer- (A.)— Baikalr„Am Heiligen Berg"— Beseda: „Die Versuchung der Frau Antonie"(Tsch.)— Favorit:„Maskerade"(D.)— Illusion:„A m ok, der Fluch der Tropen"(Tsch.)— Lido:„Die Schloßherrin vom Libanon"(Fr.)-- Louvre:„Am Heiligen Berg"— Rory:„Am Heiligen Berg" (Tsch.)— Sport Smichov:„Frasquita"(D.)—: Baldek:„Am Heiligen Borg"(Tsch.) Verlanget überall Volkszünder Paris schützt sich gegen Flieger Der Turm von Babel ersteht? Die breite Oeffentlichkett in' Frankreich befaßt sich in leidenschaftlicher Anteilnahme mit dem Schutz von Fliegerangriffen, und es gibt kaum eine Zeitung oder Zeitschrift, die nicht einen Beitrag zu diesem Thema lieferte. Die Pläne des Marschalls Petain sehen ein. weitverzweigtes Netz von bombensicheren Unterständen ipr Gebiete von Paris vor. Vor kurzem wurde in Paris eine Ausstellung gezeigt, die sich mit Abwehrmaßnahmen beschäftigte. Das Neueste auf diesem Gebiete ist jedoch ein Projett des bekannten französischen Ingenieurs, Henri L o s s i o r und des Architekten Fäure-Dujarrie, das den Bau eines für die Abwehr von Fliegerangriffen bestimmten Turmes aus Eisenbewn in der Höh« von zweitausend Metern vorsieht. Beide Urheber dieses Planes sind der Ansicht, daß die Flugabwehrarttllerie nicht auf dem Erdboden, sondern möglichst in gleicher Höhe mit dem Gros der angreifenden Flieger zu placieren sei. Auch sollen die eigenen Flieger nicht vom Erdboden, sondern aus bedeutender Höhe abfliegen. Der Turm soll auf dem Erdboden im Durchmesser 210 Meter, aus dem Gipfel 40 Meter breit sein. Die Dicke der Eisenbetonwände nimmt von oben nach unten zu, auf dem Erdboden beträgt sie 12 Meter. Der Turm soll drei Plattformen in einer Höhe von 600, 1300 und 1800 Metern über dem Erdboden tragen, die man sich wie die Kappe eines Pilzes vorstellen muß, nur mit dem Unterschied, daß der Sttel über die erst« und zweite Plattform hinauswächst und erst mit der dritten seinen Abschluß findet. Diese Plattformen sollen ungeheuere Gqragen für Flugzeuge darstellen Dadurch, daß ihr Dach nicht horizontal, sondern ungefähr 30 Grad geneigt sein wird, hofft man die Wirksamkeit von Fliegerbomben beeinträchttgen zu können. Außerdem werden sich die feindlichen Flugzeuge dem Turm nur mit äußerster Gefahr nähern können, da er mit Flugabwehrkanonen gespickt werden soll, die ost horizontal und daher mit erheblich größerer Treffsicherheit werden schießen können. Jnr Innern des Turmes, der auch eine eigene Kraftzen- trale besitzen würde, werden Aufzüge angebracht, die eigen« Flugzeuge nach deren Landung auf dem Erdboden wieder in ihre Garagen in den„Pilzkappen zurückbefördern. Weiterhin soll der Turm Spitäler, Vorratskammern, Speisesäle und Reparaturwerkstätten enthalten, so daß er im Ernstfälle nicht aus die Außenwelt angewiesen sein wird. In den Grundmauern, die einen Durchmesser von 400 Metern haben, sollen riesige bombensichere Unterstände untergebracht werden. Als Standort ist die Eben« von Jssy-les-Moulineaux vorgesehen, wo Blkriottund Farman die ersten Flugrekorde aufftellten. Man muß abwarten, ob der phantastisch klingende Plan, der Unsummen kosten würde, verwirflicht wird. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch Vie Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Telegraphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei:„Orbis" Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.