Sonntag, 25. November 1934 Nr. 277 14. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 IMIer (einschließlich JHeHirfMe) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«s. telefon sm. Administration Telefon smf«. HERAUSGEBERS SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. greift den Hochschulzank auf Lebensjahr kaum überschritten haben dürften! Dadurch sind die Meldungen einer Extra» Ausgabe der„Rär. Lisch"» die den vierspaltigen Titel»Schlägerei im Karolinum, DieD rutschens ch i e ß e n" trug, gebührend gekennzeichnet! ! jahres die Dividenden der Aktionäre, die Gehälter, Tantiemen und sonstige Vergütungen der Generaldirektoren, Direktoren, Vorstands- und Auf- j sichtsratsmitglieder eine Kürzung erfahren haben. Beträge, die dem hungernden Arbeiter phantastisch Vorkommen müssen und die kein Staatsbeamter, kein Minister als Gehalt erhält, zahlen die Industrie- und Bankenkonzerne auch in den Krisenjahren ihren Direktoren und Generaldirektoren! Die Krise trifft eben nicht alle Klassen und Gruppen in unserem Volke gleich schwer.■ In den Berichten, die der Arbeitsminister Dr. C z e ch und der Fürsorgeminister Dr. Meißner vor ein paar Tagen dem Parlament erstattet haben, wurde oiese Tatsache nachdrücklichst hervorgehoben. Die Arbeit dieser sozialdemokratischen RegierungSmtt- glieder kennt nur den einen Sinn, die Opfer der Krise zu schützen und den Staat zu einer Einfluß- sition"(die vereinigten fascistischen Parteien) ausgebracht. Der sozialen Zusammensetzung nach waren die Demonstranten zum größten Teil weder Studenten noch etwa „B o l k", sondern die„goldene Äugend", gut gekleidete Bürge rsöhnchen, halbwüchsige Eckensteher, aufgeregt« Backfische. Die Masse der Passanten blieb den Demonstrationen nicht nur fern, sondern zeigte auch für den Krawall-Betrieb wenig Interesse. Die Polizei behauptet am Abend, daß sie der Krawalle Herr geworden sei. blutjunge Burschen und Der sechste Krisenwinter Steinwürfe gegen die„Urania** In der fünften Nachmittagsstunde zog eine „Abteilung" der tschechisch-fascistischen Demonstration vor das deutsche Volksbildungshaus „Urania" in der Klimentskä und warf dort unter Gejohle drei Scheiben des Portals ein. Die Direktion der„Urania" hatte sofort, als die Ran- dalisten sich dem Hause genähert hatten, Polizeischutz angesprochen. Ws die Polizei eintraf, waren die He l d e n b ereitsverschw u n den. Es wurde dann veranlaßt, daß Polizei das Haus bis nach. Schluß der samstägigen Veranstaltungen schütze. Aus der„Urania" wird" uns mitgeteilt, daß Karolinum-Besatzuns abgezogen Am Bormittag hatte sich eine Deputation des deutsch«« akademische« Senates, bestehend aus dem Rektor« he« Prorektor und Prof. Dan Nicola, bei« Ministerpräsidenten«ingefunden. Neber den Verlauf der Unterredung ist offiziell leider nichts bekanntgegeben worden. Nm 8 Uhr abends verließen die deutschen Studenten, die bis dahin die Universitätsräume besetzt gehalten hatten, unter dem Schutz der Polizei das Karolinum. Auch in der Rettoratskanz- lri meldete sich am späten Abend«uf telephonische Anruf« niemand mehr. * WaS wir gestern über die drohenden Weiterungen des an sich so lächerlichen Streites um die Insignien der Universität gesagt haben, hat ' Samstag bereits seine Bestätigung gefunden. Die Haltung des Akademischen Senats der deutschen Universität gegenüber einem Erlaß, der sich aus «in G e s e tz gründet, war denkbar ungeschickt und durchaus geeignet, den Hetzern auf tschechischer Seite das Stichwort zu stärkeren Aktionen zu liefern. Statt sich in eine, durch den historischen Prozeß seit 1918 bedingte, Entwicklung zu fügen und ihre Energien nützlicher zu verwenden, haben die Letter der deutschen Universität ein„Unannehmbar" ausgesprochen, das vielleicht als Antwort auf die Form des tschechischen Auslieferungsbegehrens erklärlich war, aber dem Inhalt gegenüber völlig deplaciert ist. Die tschechische Presse nationalistischer Richtung begann Freitag abends mtt einer maßlosen Heh e. Die „Rärodni Polit ika", überall voran, wo «s gilt, nattonalistischen Stunk zu machen, bildete das Corpus delicti, die fünf Szepter, wb und erklärte, daß auf ihnen jetzt die„Ehre der Ration" kuhe. Als ob eine Ration, die M a s a r h k hervorgebracht hat, ihre Ehre an fünf Museumsstücke hängen müßte! ES. ist der alte Fall eiues fehl-; geleiteten nationalen Stolzes, wie er die nationalistischen Tschechen schon im Kampf um die König inhoferHandschrift bewegt hat. . Die deutschen Studenten hatten Freitag versucht, einen Streik zu entfesseln. Das mißlang. Aber der Versuch provozierte die Tschechen von neuem. Samstag zogen tschechische Studenten zur deutschen Universität und begehrten Einlaß, der ihnen von den deutschen Studenten verweigert wurde. Polizei schritt ein. Die Demonstranten auf tschechischer Sette wuchsen rasch an Zahl. Der Rektor Drachovsky hielt an die tschechischen Studenten im Hof der tschechischen Universität eine Ansprache. Inzwischen sammelten sich die Demonstranten vor dem Rektorat der deutschen Universität. Diese Demonstranten waren z« m g r ö ß- ten Teil keine Studenten. Das geht schon daraus hervor, daß sie sich durch eine Ansprache des Prorektors Sinti« nicht beschwichtigen ließen. Diese Demonstranten kannten anscheinend den— allen tschechischen Studenten genau bekannten— Tomin gar nicht. Trotz seinem Beschwichtigungsversuche zerschlugen sie die Tafeln an den deutschen Amtsgebäuden. - Angesichts der Krawalle hatte das Rektorat der deutschen Universität die Tore geschlossen. Run forderten tschechische Studenten— und leider auch Professoren, die sich dazu hergaben, dem Gewaltakt den Schein von Legalität zu geben— die Oeffnung der Tore. Als sie verweigert wurde,! stürmten die Demonstranten das Nachbargebäude, brachen in das slawistische Institut des Professors Spina ein und versuchten von dort aus, in das Rektorat einzudringen, zu dem eine Berbindungstür aus dem eroberten Nachbarhaus führt. In diesem.Augenblick forderte Rektor Grosser von einem Fenster aus die Polizei zum Betreten akademischen Bodens und zum Einschreiten auf. Run säuberte die Polizei den Obstmarkt von den randalierenden Elementen. Die tschechische Rechtspresse setzte die Hetze fort und behauptete, die Deutschen hätten g e- s ch o s s e n. Der Polizei ist von Schüssen nichts bekannt. Es scheint sich also um die berühmte »Provokation" zu handeln, die bei solchen Krawallen immer im nachh-nein erfunden wird. Die Demonstrattonen, die sich im Laufe des Nachmittags an verschiedenen Stellen und gegen verschiedene deutsche Gebäude wiederhol-' ten, hatten ausgesprochen f a s c i st'i sch e n Charakter. Ap einer Stelle sprach G a j v a. Ueberall wurden Hochrufe auf die»Rationale Oppo- Der amtliche Bericht lieber die Vorfälle des Samstag veröffentlicht die Prager Polizeidirektton folgenden offiziellen Bericht: Infolge der Durchführung des Univerfitäts- gesehes und des daraus entstandenen Konfliktes versammelten sich SamStag vor der Mittagsstunde etwa 200 tschechische Hochschüler vor dem Portal des Gebäudes drr Deutschen juridischen Fakultät in der Eisengafle, Prag I., wo sie eindringen wollte«. Als Jit.» o« d« r Sicher» heitvwache von dort«Sgedrängt wurden, begaben sie sich iu den Hof der ehemaligen tschechischen juridischen Fakultät am Obstmarkt, wo sie eine kurz« Versammlung abhielte« und sich dann zum Gebäude des deutschen Rektorat- begaben, und dort die Oeffnung der Tür verlangen wollten, die zu de« den beiden Universitäten gemeinsamen Räumen führt. Da das Tor, das in das Gebäude des deutschen Rektorats führt, verschlossen war«nd lange nicht geöffnet wurde, drückten sie dasselbe ein«nd dränge« in den Borhof. Dort wurde, wie die Studenten angaten, Schmutz«nd heißes Wasser aus den Fenstern auf sie geschüttet, was die Studenten derart erregte, daß sie vom Borhof durch daS seitliche Stiegrnhaus in die Räumlichkeiten des deutschen slawischen Instituts im ersten Stock eindrangen. Hiebei kam es zu einem Zusammenstoß mit deutschen Studenten» die diese Räumlichkeiten besetzten und verteidigten. Hiebei wurde die Einrichtung beschädigt. Außerdem versuchten die tschechischen Studenten über die Räume des psychotechnische« Institutes im zweiten Stockwerk desselben Gebäudes in die Kanzlei des deutschen Rektorates eiuzu- dringen. Dieser Versuch mißlang jedoch, da die in die erwähnt« Kanzlei führende Türe verbarrikadiert war. Mit Rücksicht auf diese Vorgänge wurde» die tschechischen Studenten aus de» Räumen «nd dem Gebäude sowie auch aus dem Hofe des Nachbar- gebäudes von der Sicherheitswache heraus gedrängt. Die Eingänge in die Gebäude wurden dann von der Wache verschlossen. Die demonstrierenden Studenten wurden von der Sicherheitswache auch vom Obstmarkt abgedrängt. worauf sie sich in einem geschloffenen Zuge auf den Graben«nd von dort auf den Wenzelsplatz begaben, wo sie beim Wenzelsdenkmal kurze Antzira- chen einiger Redner anhörten. Kein SchuB gefallen! In einer ergänzenden Meldung der Polizei über die abendlichen Demonstrationen wird erklärt, daß bis 9 Uhr abends 22 Personen angehalten wurden, gegen die das Strafverfahren eingeleitet werden wird. Ausdrücklich stellt der Bericht dann fest: WaS die mehrfach verlreitetm Meldungen anlangt, daß bei den Demonstrattonen g e- schossen wurde»der daß einige Personen verletzt wurden, muß konstatiert werden, daß amtlich nichts derartiges festgestellt wurde. Auch wurde keine dieSbezügslche Anzeige bei Polizeiorganen erstattet, noch hat sich jemand als verletzt gemeldet. Am späten Wend wiederholten sich die D e- monistrassionen imStadtzentrum. DaS Deutsche Haus auf dem Graben war durch eine Abteilung Polizei gesichert, außerdem patrouillierte in den Straßen berittene Polizei. Demonstranten, die auf dem Graben auftauchten, wurden in der Richtung des B r ü ck e l abgedrängt und zogen daraufhin vor das Ständetheater. Die Eisengaffe, der Obstmarkt und alle Zu-| gange zum Karolinum waren durch Polizei abgesperrt. In der Rittergaffe hielten mehrere Redner kurze Ansprachen. Dann zogen die Demonstranten, gefolgt von berittener Polizei, zum Brücke! zurück, wo sich der Zug teilte. Die eine Hälfte zog den Wenzelsplatz hinauf, die andere Wetter zur Perlgasse und von dort durch die Jungmannstraße zum Osvobozenö di- v a d l o. Dort brachen sie in Schmährufe aus und zertrümmerten mit Steinen und Stöcken die Aushängekasten des Theaters. Die ausgehängten Bilder wurden heruntergeriffen. Der Ueberfall war offensichtlich vorbereitet. Berittene Polizei setzte den Angreifern nach, die fluchtartig den scherben-< Wenn auch nicht kalendermäßig, so haben wir doch tatsächlich den Winter begonnen— den sechsten Krisenwinter. Millionen Menschen in unserem Staate werden ihn hungernd und frierend durchleben müssen, nachdem die schwachen Hoffnungen auf Arbeit und Erwerb unerfüllt geblieben sind. Rot und Elend haben eine so unheimliche Ausdehnung angenommen, daß immer häufiger selbst industrielle Führer Gelegenheit nehmen, in ihren Reden und Artikeln zwischen den Klagen über ihre eigene Lage und ihren Forderungen an den Staat Feststellungen über die furchtbaren Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Arbeiterschaft einzustreuen. Wenn diese Aeußerungen mehr sein sollen als eine Flucht in die Demagogie, dann müßte ihnen das Bekenntnis folgen, daß das industrielle Unternehmertum bis in die jüngste Zeit hinein ohne Rücksicht auf die Folgen füb die Arbeiterschaft Maßnahmen durchgeführt hat, die ihre Begründung nur in dem Bestreben der ungeschmälerten Wahrnehmung der Profitintereffen finden;, und es müßte dann gleichzeitig auch der Wille bekundet werden, den Maffenopfern der Krffe der kapttalistischen Wirtschaft wirklich zu helfen. Wer gerade in jenen Kreisen, bei denen Worte des Mitleids recht billig zu sein scheinen, finden wir so viele Tatsachen, die lehren, daß sie davon noch wett, recht weit entfernt sind. Sonst ! könnten nach den umfangreichen Kürzungen, die in den Kristnjahten an den Arheiteklöhnen und Angestelltengehältern in allen Branchen unserer Industrien vorgenommen worden sind, nicht bis auf den heuügen Tag die Unternehmer mit immer neuen Angriffen auf die tief gesunkenen Löhne kommen. Wer da das geschieht, so beweist das, daß das Unternehmertum die qualvolle Notlage der arbeitenden Menschen ausnützt zu Vorstößen, die daS eigene Wohlleben auf Kosten der hungernden und verelendeten Massen sichern sollen. Dje Sorge um den Arbeitsplatz, die Angst vor dem drohenden Verlust des Erwerbs schwächt die Wwehrkraft drr Arbeiter und Angestellten gegen alle Attentate der Kapitalisten. Es ist nicht wahr, daß die Industriellen selbst i sich in einer so drückenden Lage befinden. Man zeige uns einmal den Kapitalisten, dem es so schlecht geht», daß er sein und seiner Famllie Leben mit dem gleichen-Geldbetrag fristet, den er den Arbeitern als Lohn zahlt!, Er wird im ganzen Lande nicht zu finden sein. Seine„Not" beginnt eben schon» wenn nach fetten Jahren der Profit einmal um einige Prozent tiefer liegt, oder wenn er von dem Vermögen zu zehren beginnen muß» das ihm in guten Zeiten die Arbeiter durch ihre Arbeit angehäust haben. Kurzarbeit» Betriebseinschrankungen, Betriebsstillegungen, die noch immer zunehmen, sind wohl für die Arbeiter und Angestellten von den schwersten Folgen, bedeuten für sie recht oft die völlige Vernichtung ihrer ohnehin schivachen Existenz, für den Aktionär der betreffenden Unternehmungen aber bringen sie bei der Vertrustung und Verschachtelung unserer Industrie in vielen Fällen nicht einmal eine Schmälerung des Prosits. Zahlreiche Belege ließen sich anführen dafür, daß Unternehmungen Maffenentlaffungen vdn Arbei- übersäten Schauplatz verließen. Die Polizei be- kern, ja sogar Stillegungen ganzer Bettiebe durchsetzte den Eingang in die Theaterpaffage und ließ j geführt haben, ohne daß am Schluß des Geschäfts- die Gittertore schließen. i jahres die Dividenden der Aktionäre, die Gehälter» eö sich.bei den Türscheibenschützen durchwegs um nähme auf die Wirtschaft zu bewegen, durch die die ,7''Z 1 un d M ä de l s Arbeitslosen wieder Arbeit erhalten. Die program- handelte.^die durchschnittlich das fünfzehnte.matischen Kundgebungen der Sozialdemokratie und ‘* Jt—'■" f I der freien Gewerkschaften zur Bekämpfung der Das Bedauerliche ist, daß sich auch ein Teil der Presse der demokratischen Regierungsparteien in die Reihen stellte, in denen ein Korruptionist und Dieb am Staatsgut, einige Bankmagnaten unh ein wegen Spionage abgedankter General die „Führer der Nation" spielen. Die Herren, die | sich in dieser Weise von Stribrnh ködern ließen, i scheinen nicht zu wiffen, was ihnen— und ihnen als den intimsten Feinden Stkibrnys und Gajdas vor allen anderen— blüht» wenn erst die „Nationale Opposition", durch derartige Krawalle ermutigt, die Hand nach der Macht ausstreckt. Die Ereignisse vom Samstag beweisen, daß die Beilegung des so gänzlich überflüssigen Spektakels ehestens und energisch erfolgen muß. So sehr man der Ansicht zustimmt, daß die Regierung I andere Sorgen hat, als sich um alte Prunkstücke zu kümmern, so dringend muß man wünschen, daß I sie den Streit um die Hochschulen definitiv löse. Nationalistische Demonstrationen Der tschechische Fascismus in DwaA in prall «eite 2- Sonntag, 25. November 1934 Nr. 277 Krise zeigen ihnen die Richtung ihres Wirkens. Sie stoßen dabei auf schwer zu nehmende Hindernisse. Aber die Erkenntnis, daß da« demokratische System in den kampfbereiten Volklmassen um so entschlossenere Verteidiger hat, je eindeutiger e» den Beweis erbringt, daß der Staat st« der schlimmsten Not nicht schutzlos überläßt, heißt die sozialdemokratischen Minister den Kampf auch auf diesem Boden weiterführen. Ein Heer von 90.000 Männer und Frauen der werktätigen sudetendeutschen Bevölkerung demonstriert« jüngst, daß die Bewegung der sozial demokratisch und freigewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft eine Macht in unserem Staate ist. Diese Macht wird nicht zerbröckeln. Wenn ander« darauf spekulieren, daß e» nach fünf langen schweren Krisenjahren doch noch so kommen werde, so muß di« Arbeiterklasse ihr erst recht-u jener at'.Sschlaggebenden Stärke verhelfen, deren sie bedarf, um die Wirtschaft von den kapitalistischen Fesseln zu befreien, um die Neugestaltung der wirtschaftlichen Grundlagen unserer Gesellschaft zu vollbringen, damit e« endlich ein End« hab« mit den Krssenwintern. Mobilmachung andererseits ins Unermeßliche gesteigert. Und das ist überhaupt das Doppelgesicht des Fascismus! Er erzeugt den Krieg, aber kann ihn nur schlecht führen. Aus diesem Grund« sind die führenden deutschen Militär« Gegner des Nationalsozialismus, Gegner des heutigen Regime«. Der Fascismus ist die Vergewaltigung und Knebelung des Volkes. Der moderne Militarismus braucht aber da« Volk! Und er kann«» nicht durch Knebelung, sondern nur durch ein« besser« Staats- und Wirtschaftspolitik gewinnen, oder wenigstens den Versuch dazu unternehmen. Die Miliz, eine alte sozialistische Forderung, wird heute unter völlig veränderten Umständen und tn einem ganz anderen politischen Raum zur Notwendigkeit. Der Sozialismus hat dies« Miliz vor all«m darum gefordert, weil durch ste der Friede garantiert werden sollt« und au« KabinettSkrie- gen Volkskrieg« werden sollten. Die ist mit der Demokratie verbunden, selbst ein Stück davon. Der Fascismus glaubt aber, die Demokratie, die Selbstbestimmung des Volkes, wie Jaures sie sich dachte, beseitigen zu können, um von der Miliz lediglich das Volk in Waffen zu bejahen. Der moderne Militarismus will und kann in Deutschland zwar nicht di« alt« Demokratie wieder Herstellen» wohl aber erstrebt er«in« gewisse Mitbestimmung der Massen, ohne die seine Fiele nie zu erreichen sind. Aus der Denkschrift des Generals Fritsch geht auch dies klar hervor. So enthüllt uns der Fascismus sein Doppelgesicht. Drei Gruppen ringen in Deutschlatch. Goering- Thyssen stellen den reaktionärsten Flügel dar. Sie sind di« gewaltsamsten nach innen, schwächen also objektiv am meisten die Kraft nach außen. Wenn Goering Reichswehr- Minister werden sollte(solche Bestrebungen sind vorhanden, dürften aber nicht von Erfolg sein), dann ist die Reichswehr zwar ein ausgezeichnetes Instrument gegen den inneren Feind, aber die ander« Funktion, welch« di« Armeen heute noch zu erfüllen haben, nämlich die totale Mickilmachung durchzuführen, müßte vernachlässigt werden. Das Volk wäre gegen Goering! Er ist ohnehin der gehaßteste Mann Deutschlands, und unfähig, den modernen Kriegsanforderungen gerecht zu werden. Die zweit« Gruppe stellt Hitler-Blomberg-Reichenau dar. Hier wird der Versuch unternommen, das heutige Regime aufrechtzuerhalten, aus dem Widerspruch mit der totalen und wirksamen Mobilmachung jedoch durch Biegsamkeit und Konzessionen an di« verschiedensten Machtgruppen heranzukommen. Die dritte Grupp« könnt« als die Fritschar u p p«(gesternSchleichergruppe) gekennzeichnet werden. Theorie und Praxis dieser Gruppe ist auf di« total« Mobilmachung ausgerichtet. Militärisch« Wissenschaft, realpolitisches Denken, wehrpsychologsche Einsicht und außenpolitisch« Klugheit sind bei ihnen eher vorhanden als bei anderen. Hitler hat sich mit ihnen noch nicht aussühnen können, weil sie ebenso wie er die Totalität nötig haben. Daß Hitler sich von seiner mittleren und vermittelnden Stellung zu Fritsch hinüberztehen läßt, ist für die Person Hitlers nicht ausgeschlossen. Bisher kam sein« Zwischenposition darin zum Ausdruck, daß er zwar die Reichswehr als einzigsten Waffenträger anerkannte, zugleich aber das Offizierskorps reinigt« usw. Di« gegenwärtigen Ereignisse sind von größter Dichtigkeit für die weitere Entwicklung Deutschlands und Europas. Siegt die Fritschgrupp«, so erleidet das heutig« Regime einen neuen Stoß, dem dann sofort neue folgen müssen, weil die Wehrmacht in var Doppclgcsidit des Fascismus Der sinn der Denkschrift des Generals Fritsch Von Fred War Während die Welt der Meinung ist, daß von der deutschen Entwicklung niemand begeisterter fein sollte als di« R«ichs»v«hr, haben die Ereignisse vor und nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus in manchem die gegenteilige Ansicht bestärkt, die allerdings kaum beachtet wurde. Immerhin haben nach dem 30. Juni, nach dem Angriff auf die S.A. einerseits, und nach der Ermordung Schleicher» und Anhang andererseits, weitere Kreise ihren Standpunkt überprüft. Die Denkschrift de» General» Fritsch sollt« weitere Veranlassung dazu sein. Sie bestätigt, soweit ihr Anhalt bekannt geworden, in allen Einzelheiten da», wa» wir seinerzeit anläßlich de» 80. Juni im Leitartikel.^kriegSfähig oder nicht? Was wollte Schleicher?" ausgesprochen haben. An der jetzt vorliegenden Denkschrift Fritschs wird so ziemlich alle», was al» Stärke de«„Dritten Reiche»" und wirksame Krieg»vorbereitung angesehen wird, als sehr negative» vorgehen bezeichnet. Freilich heißt da» nicht, daß in Deutschland nicht wahnsinnig gerüstet wird, aber es wird eben wahnsinnig gerüstet, wie wahnsinnig gewirtschaftet wird. Schon heut« sind viele Ding« technisch überholt und mancher Rüstungsauftrag war nicht» weiter al» ein Geschenk an bestimmte Andustrtegruppen auf Kosten derGesamtwirtschast und Bevölkerung. Andererseits wurde auf di« Erfassung der Massen von innen her kein Gewicht gelegt, alles war deklamatorisch. Je totaler der Staat wurde, desto mehr entfremdeten sich die Massen diesem System und wurde Deutschland also militärisch geschwächt. Notwendigerweise mußten di« Ausbildungsformen der Reichswehr, dir von der militärisch notwendigen, mehr oder weniger fteiwilltgen Bereitschaft der Massen au»- aehen und als solche auf dem Boden der Weimarer Zeit entstmrden, wo Staat und Nation, Wehrpracht und Boll, bet weitem nicht so voneinander entfernt waren, wie es feit Hitler der Fall ist, zu einer Gefahr werden. Die Wehrmacht war zu modern für den wtalen Staat, sie ist durch di« Tatsache ihrer Existenz schon allein«in« Bedrohung der heutigen Herrschaft. Und hier haben wir nun einen eigenartigen, viel zu wentg beachteten, aber doch höchst bemerkenswerten Tatbestand festzustellen, der folgendermaßen ausgedrückt werden kann: Der Fascismus ist zwar durch di« Tatsache seiner Existenz und seiner Ideologie, seine» Machtstandpunktes nach außen und tnnen ein« unmittelbare Bedrohung anderer Böller, er züchtet zwar kriegerische Ideologien und auch kriegerische Bereitschaft, ist aber andererseits zur völligen Entrechtung der Bolksmaffen, insbesondere i der Arbeiterschaft, gezwungen, weil er der Preis- s fechter bestimmter kapitalistischer Mächtegruppen ist, die innerhalb der bestehenden Nation di« rückschrittlichsten Kräfte sind. An Deutschland find biese Kräfte, denen der Nationalsozialismus— wenigsten» bisher— diente, Schwerindustrie und Großgrundbesitz. Diese Kräfte verhalfen ihm zur Macht, und diese soziale Machtbasis de» Regimes erzwingt auch eine bestimmte Form der Machtausübung, den totalen Staat. Er ist der Ausdruck der Tatsache, daß die Nation tn sich zerrissen und zerfetzt und etgentltch schon keine Nation mehr ist. Je totaler ein Staat nach innen, desto schwächer ist er nach außen. Und darum rennt Fritsch auch gegen die Totalität des heutigen Staate» an. Richtig erkennt er, daß die heutige Einheitlichkeit eine Selbsttäuschung darstellt und im Moment der Gefahr auf weite Kreise der Bevölkerung nicht zu rechnen ist. Die nationalsozialistisch« Erziehung reiche allein nicht au», meint er weiter, wodurch er den Nationalsozialismus nur als eine Meinung, nicht aber al» die Meinung gelten läßt. Fritsch spricht von der Notwendigkeit überparteilicher Jugenderziehung und betont di« Notwendigkeit eine» g e- samtnationalen Standpunktes, wodurch dem Nationalsozialismus nicht nur sein politischer, sondern auch sein nationaler Wert strittig gemacht wird. Die NSDAP, erscheint hier al» eine ganz gewöhnliche Partei, nicht aber als die Bewegung de» Volkes. Dahinter verbergen sich Gegensätze von solcher Schärfe, die nur mit der Preisgabe de» Wesens enier der beiden ringenden Kräfte enden können. Der Kampf ist hier vor allem darum immer noch so« scharf, weil beide Gruppen di« Totalität — jede in anderer Weise nötig haben. Die militärisch notwendigen Bestrebungen der Wehrmacht sind unvereinbar mit der heutigen Form der Herrschaft. Da» ist d«r Kern der Gegensätze. Der FasciSmu» sichert zwar die Interessen bestimmter kapitalistischer Gruppen, aber auf Kosten anderer Kreise, und vor allem auf Kosten der Gesamtbevöllerung. Der moderne Krieg ist aber nur als Volkskrieg zu führen. Vor allem ist di« industrielle Bevölkerung unentbehrlich. Der Philosoph des modernen deutschen Mill« tariSmu», Ernst Jünger, sagt: die totale Mobilmachung ist nur in dem Maße möglich, wie e» gelingt, Beziehung zur Gestatt de» Arbeiters zu bekommen. Das heutige Regime hat sich aber von niemanden weiter als vom Arbeiter entfernt ünd entfernen müsse«. Es hat darum die Diskrepanz zwischen seiner kriegerischen Außenpolitik einersett» und der wirksamen totalen Copyright by Pressedienst E. Prager-Verlag, Wien Da» erste Kapitel Die schönste grüne Farbe hatte da» Meer im Golfe von BiSkaya bei dem Dorfe Bidar. Ganz entschieden; die anderen Dörfer behaupteten frei« sich dar gleiche von ihrem Meere. Aber sie hatten nicht recht. Bet Bidar war e» am schönsten. Zuweilen war da» Meer auch blau. Aber immer nur für kurze Zett, wenn der Himmel siegt«. Und der Sand war nirgend» so fein und weich wie hier, nirgend» in der ganzen Umgebung. Die Füße versanken biS zu den Knöcheln und fühlten die Wärme und Feinheit als versänken sie tn Lust. Da» Dörfchen Bidar— das war der Soldat an der Front. Manchmal brachte die Nacht Frieden. An heißen Tagen aber war Waffenstillstand. Meer und di« Felsen führten einen ewig unentschiedenen Krieg gegeneinander und die Häuschen auf der Anhöhe sahen gewohnheitsmäßig zu. Einmal waren die Felsen Sieger; da» Meer rollt« weiter und Wetter zurück und wurde still. Da reckten sich die Felsen wie verwundete Krieger; dann aber kamen die Wellen mit neuer Macht und Kraft wie tapfer«, unermüdlich« Soldaten tn grünen Uniformen, bis die Augen vor der Einförmigkeit ihrer Reihen übergingen. Sie demütigten die Felsen, nahmen sie gefangen und überschwemmten ste, so daß kein Stückchen Stein mehr hervorsah. Und di« Häuschen wußten, daß der Kampf solange währen würde, wie die Welt besteht: heute siege ich— morgen siegst Du l E» kamen fremd« Menschen; es gibt kein Land, da» Menschen nicht erobern würden; st« hatten Augen wie wehende Fahnen, sahen das Meer und sagten: warum ist da» Meer hier so grün? Die einheimischen lachten steudig: warum? weil e» bei uns ist. Weil e» unser Meer ist, weil unser Meer da» schönst« ist! Auf den Felsen waren einige Häuschen, in denen die Aermsten wohnten. Dies« Häuschen lagen dort oben wie von der Flut htngesvült und flam» merten sich ängstlich fest, um nicht htnabzufallen. Eine ungeheure Lebenszähigkeit und ein« himmlische Geduld mit der Ungerechtigkeit der Welt sprach aus ihnen, wie aus dem Gesicht jede» Armen. Abend» flammten die Lampen auf, um deren Abglanz die Wellen kämpften; schmale Wege führten vom Strande her, eng: hier gingen nur einzeln«. Da» Meer führt« manchmal sonderbare Stückchen auf. E» gab Tag«, an denen r» voll Wut, Krachen und Verderben war und Rächte, schwarz und verschüchtert vor Schrecken, in denen sich, angsterschüttert, nicht einmal die Sterne hervorwagten. Babiola fürchtete sich nicht vor dem Meer. Kinder lieben ihre Mutter und haben kein« Angst vor ihr. Babiola war«in kleines Mädchen und ihr Schicksal glich dem der Muscheln, die das Meer an den Strand spült. Dort verdursten ste. Sie war so klein, daß sie die Euter der Eselinnen unter deren Bauch sehen konnte. Sie fürchtete sich vor nicht», weil der Arm«, der nichts besitzt, Mut hat. Ost saß sie auf den Steinen, die von Lust und Salz geschwängert waren und dachte daran, wa» st« alle» unternehmen würde, bis sie einmal groß wär«. Sie stammte au» einer Bütt«, deren Leben, gleich dem ihren tn ständiger Gefahr schwebte. Sie kannte das Meer— und den Himmel»Vor beiden", pflegte ihr Later Llo« ture zu sagen,»vor beiden muß man sich fürchten". Am Leben armer Kinber gibt es keine Stunden und keine Geburtstage, durch welche die Zett gezeichnet wird; nur di« Röckchen werden kürzer. Babiola war wohl noch sehr klein, aber nicht so Nein, daß sie sich an nichts erinnern konnte. Sie wußte, daß sie früher noch Keiner war und daß ihr Vater damals nicht erlaubte, daß sie ans Meer ging. Er trug sie auf dem Rücken zu seiner Arbeit, denn er hatte niemand, der sie hütete. St« schlug mit der Ras« auf seine Schulter» wenn er über die Stein« schritt und haßte den dumpfen, salzigen Geruch seiner Kleider. Er setzte sich manchmal mit ihr auf einen Stein, um auszuruhen. Sie war zwar nicht schwer, aber der Vater war alt. Dann setzt« er sie tn den Kahn, der vor dem Losketten wild schaukelte, wie ein Tier, das sich aufs Laufen freut. Und der Vater sagte:»Fürchte Dich nicht, Babiola, ich bin hier." Und wenn«S kalt war, wickelt« er ihr Körperchen in ein altes Tuch, das er einmal auf dem Strande gefunden hatte. Das Wasser droht« Gefahr und manchmal kamen Tier« geschwommen, di« wie geronnenes Wasser aussahen. Der Later rudert« und seine Adern auf den Händen schwollen im Takte an; heutiger Gestalt ihre eigenen Entwicklungsgesetze hat, die denen des Nationalsozialismus zuwiderlaufen. Sinnlos« Rüstungen werden sich dann in sinnvolle verwandeln, di« Frage der Gewerkschaften würde neu gestellt werden, im Arbeitsdienst, im Sportbetrieb und der Jugendbewegung würde sich ebensoviel ändern wie auf anderen Gebieten. Aber noch gehen die Kämpfe, und man weiß nicht, ob ein Sieg Fritsch' nicht wieder von ähnlichen Maßnahmen begleitet sein wird, wie der Sieg der Reichswehr am 80. Juni über die S.A., der schließlich nur ein halber Sieg war, wie die danach folgenden Maßnahmen zeigten. Andererseits kann Fritsch auch durch einen Mann ersetzt werden, der sich von ihm nur durch den Namen unterscheidet, wie es seinerzeit bei der AuÜwechsiung Hammersteins durch Fritsch der Fall war. S o oder s o, nach außen und nach innen ist die Wehrfrage eine entscheidende Frage des Regime», woran der kriegerische Nationalsozialismus kurtoserweise noch zerschellen kann. Ole Rolle Darris Berlin. Wie Aero-Preß gemeldet, geht neben dem in Goslar deutlich zutage getretenen Konflikt Darrk-Schacht«in solcher zwischen Darrt und Goerdeler einher. Äoerdeler, der übrigen» bestimmt hat, daß die Preisüber« wachung»behörden enge Fühlung mit den nationalsozialistischen Gauleitern halten sollen, zwingt den Reichsnährstand, ihm Mitteilung von allen Preisbindungen für lebenswichtige Gegenstände de» täglichen Bedarf«» zu machen. Er erklärte, eine Reihe landwirtschaftlicher Mindestpreise sei zu hoch, und einige müßten überhaupt ganz ver- schwinden. In kaum mißzuverstehender Form bezichtigte er gewisse Teile der Landwirtschaft de» krassen Eigennutzes. Sie seien nicht gewillt, an der gemeinsamen Not zu gleichen Lasten tetlzunehmen. Darrk setzte sich nicht minder massiv wie tn seine» Angriffen gegen Schacht in einem Artikel in der Parteikorrespondenz dagegen zur Wehr und er- klärte, wer di« nationalsozialistische Agrarpolitik zu verdächtigen wage, stelle sich außerhalb der Volksgemeinschaft, und wer die neudeutsche Bauernpolittk mit landwirtschaftlicher Interessenpolitik verwechsle, also die sozialistische Grundhaltung der Arbett de» Reichsnährstände» anzwetfle, der werd« nicht nur del, deutschen Bauern, sonder» auch die Partei zu seinem schärfsten Gegner habe». Die Kräfte, die die Agrarpolitik gegen die allgemeine Wirtschaftspolitik auszuspielen versuchten« müßten al» Brunnenvergifter gebranntmarkt werden. Und etwa» vorsichtiger fügt« er hinzu, besonder» Dr. Goerdeler habe vielleicht Veranlassung, sich vor sogenannten Freunden zu schützen. Natürlich ist Goerdeler selbst gemeint. Man steht also, daß Darrssich zur Wehr setzt, ebenso wie L e y und der Führer de» Handwerk», Schmidt.ES erhebt aber darüber hinaus die Forderung, daß die Gründliche der gesamt« Wirtschaft denen der Reichsbauernführung untergeordnet würden. Reichswirtschaftsminister Schmitt hatte sich zwar auch gegen alle Experimente gewehrt, aber dem Reichsnährstand keine Hindernisse in den Weg gelegt. Jetzt ist da» aber ander» geworden, settdem Schacht durch Goerdeler Verstärkung bekommen hat. Der Kampf gegen ihren.Liberalismus" ist natürlich ein Kampf um die eigene Position, um die Erhaltung de» eigen« Apparate», wobei die Unzufriedenheit der Massen geschickt ausgenutzt und in die erwünschte Richtung abgebogen wird. und wenn der Kahn langsam vorwärts glitt, dann lächelte er: denn dann war das Netz doll. Auf dem Uftr klaubte er die kleinen Fisch« aus und warf st« gleichzeitig mit den Einsiedlerkrebsen und Muscheln zurück. Manchmal schenkte er ihr«ine Muschel. E» gab d-ren auf dem Strande bet Ebbe tausend«; aber die waren nicht vom Vater. Wenn viele Fische im Netze zappelten, reichte er Babiola zum Nachtmahl Käse und Brot und sagte:.Iß, iß viel, Babiola, heut« war ei» glücklicher Tag." Er lehrte ste sprechen:.Wasser, Fisch, Kahn". Da» waren die ersten, wichtigsten Wort«. Manche Fischerkinder kannten da» Wort»Mutter". Aber da» war hier überflüssig. Dann fiel et ihm einmal ein, sie da» Wort.Vater" zu lehren. Er lachte und warf sie in die Lust, al» ste et das erstemal lallte. Zweimal täglich fuhren sie auf das Meer. Man brauchte viele Fische, um einen Laib Brot zu kaufen. DaS Boot schaukelte manchmal verdrossen, angewldert durch den ewig« Alltag. Flache Flundern lagen zusiefst aus dem Boden de» Boore» und schlugen wild um sich, i» verzweifelter Sehnsucht nach ihrer nassen Heimat. Manchmal packte di« Kleine«inen der Fische und warf ihn hinter dem Rücken de» Vater» in» Meer zurück. Aber ihre Hände waren naß und der Vater merkte e». Aus seinen Augen glomm erzürnt der Verlust von drei Sou». Und er sagte:»Laß da». Babiola. Wer essen will, darf kein Mitleid haben." Die liebte die Wellen, die silbern glänzten und sich überstürzten. Wenn da» Meer ruhig war, zog daS Boot eine lange Spur hinter sich. Die war wie eine Trauerfahne für di« gefangenen Fische. An den Rudern des VaterS fing sich SeegraS, singen sich rätselhafte Gebilde, Blumen vom Meeresboden. Die Welt war voll voy Gerüchen. Aus dem Meere von Fischen und Salz, auf dem Strande im Sommer von den guten Mahlzeiten für die Badegäste. (Fortsetzung folgt.) Sonntag, 35. November 1934 Seite 8 Italien unterstützt diese Forderung Dieser ungarische Standpunkt wird von den italienischen Vertretern im Völkerbund selbst klar unterstützt werden. Die verantwortlichen italienischen Kreise sind der Ansicht, daß eine Nation nicht unter so schweren Anklagen bleiben kann, Wie es die im jugoslawischen Memorandum gegen Ungarn erhobenen sind. Die verantwortlichen italienischen Kreise halten die Lage für h e i- k e l, glauben aber nicht, daß sie unmittelbar zu enrsteren Verwicklungen führen könnte. Die der da« mit ten zwar jährlich 8 Kd pro Arbeiter, für Lehrling« und Landarbeiter 3 KL. In den Bereinigten Staate« zahlen all« Arbeitgeber, die mehr als 10 Arbeiter laus« genommen Landarbeiter, Hauspersonal, Lehrer und öffentliche Beamte) beschäftigen, 2 Proz. der Lohnsumme in di« Arbeitslosenkasse. In Groß-Britannien zahlen Arbeitgeber und Arbeiter je'/». Die Beiträge sind nach Alter und Geschlecht abgestuft. Die Ausgaben haben betragen im Jahre 1930—1931 101.8 Millionen Pfund. Es hat sich in diesem Zeitabschnitt ein Abgang von 86.4 Millionen Pfund ergeben. Da« Defizit trägt der Staat, der außerdem vorübergehende Unterstützungen leistet. In Italien leisten Arbeitgeber und Arbeiter je 80 Prozent der Beiträge. Die Ausgaben haben im Jahre 1930 betragen 118.6 Millionen Lire. In Polen zahlen die Unternehmer für Saisonarbeiter 2 Proz., für die übrigen 1.8 Proz. des Lohne-, die Arbeiter 0.8 Proz., Saisonarbeiter 2 Proz. Die Ausgaben betrugen im Jahre 1931 für Arbeiter 111.1 Millionen Zloty, das Defizit 67 Mil- lionen. Wie seine Behörden Aufreizungen und Beschuldigungen weiterhin ausgesetzt bleiben. Unter diesen Umständen glaubt die ungarische Regierung, basier höchst notwendig wäre, datzder 'BMkerbünLsrai s o f o r t in die Pküfun'g der An-' gelegenheit cintritt, mit der er von der jugoslawischen Negierung befaßt ist. Das Ersuchen der ungarischen Delegation sti'itzt sich auf den Artikel 4 dcL Völkcrbundpaltcs. währte. Nach dieser Beratung begaben sich di« Minister über den Semmering nach Oberstciermark zur Jagd. In den Vormittagsstunden des Samstag ist mittel« Flugzeuges in Wie« et« italienischer Funktionär ringe- troffen. Seine Ankunft wird gleichfalls mit dem Besuch der ungarischen Staatsmänner in Verbindung gebracht. In politischen Kreisen wird erklärt, daß den Gegenstand der Beratungen di« Vormonate, der Jnlandstransport verzeichnet zufolge der Zuckerkampagne und als Folge der Koh- lentransporte einen markanten Saisonzuwachs. Die Kursentwicklung der tschechoslowakischen Krone war auf den Auslandsmärkten ruhig und beständig. Die Devisenreserve der Notenbank ist weiter gestiegen. Die jugoslawische Beschwerde wirb deshalb wahrscheinlich bereit« Anfang Dezember behandelt werde«. Rom. Amtlich wird mitgeteilt: In verantwortlichen italienischen Kreisen verfolgt man mit großer Aufmerksamkeit die Entwicklung, die durch die Ueberreichung des Anklageaktes von Jevtiä und der Kleinen Entente beim Genfer Völkerbund und anderwärts hervorgerufen werden kann. In diesen- Kreisen erkennt mgn voll das Recht Ungarns darauf an, eine sofortige Aussprache im Völkerbundsrat über diese Anklagen zu verlangen. Der Budgetausschuß hat Samstag vormittag« die Abstimmung über das Budget durchgeführt. Während in früheren Jahren am Budget und am Finanzgesetz nie etwas geändert wurde, ist diesmal, wie bereits berichtet, die Kreditermächtigung betreffs der Eisenbahninvestitionen um 198 Millionen Xä erhöht worden; außerdem wurde in der Klausel über den Jndustriekredit von 80 Millionen nicht, wie ursprünglich, nur die Landesbank in Prag, sondern allgemein die LandeSgeld- anstalten angeführt, so daß auch die mährischen LandeSgMnnstttut« darunter zu verstehe» Pud. In seiner kürzlichen Rede im BudgetauSschutz legte Genoss« Taub an Hand einer Publikation de« Internationalen Arbeitsamtes dar, wa« die Unternehmer in einer Reihe anderer Staaten zur Arbeitslosenversicherung beitragen müssen. In Deutschland war der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung am 80. September 1980 mit 6H% des Grundlohnes festgesetzt. DieAufwendungen für dre Arbeitslosenversicherung haben im Jahre 1930 2814 Millionen, im Jahre 1931 2973 Millionen betragen. Davon wurden je 21 Prozent von den Arbeitern und den Arbeitgebern und der Rest aus öffentlichen Mitteln beigesteuert. Davon entfielen 1800 Millionen auf ordentliche Versicherung, wovon je 29.8 Prozent durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgebracht wurden! Der Rest wurde vorschußweise vom Reich beigestellt. In Oesterreich zahlt der Bund jährlich ein Drittel der BerwaltungSkosten rind als Krisenunterstützung ein Drittel der 100 Schilling jährlich übersteigenden Unterstützung. Die Unternehmer tragen gleich den Arbeitern 27—135 Groschen wöchentlich, je nach der Klasse bei. Für die außerordentliche Versicherung trägt der Bund’/», die Länder’/» Arbeiter und Unternehmer je% bei. Die Aufwendungen betrugen 1930 für beide Arten der Versicherung 206.7 Millionen Schilling, davon leisteten Arbeitnehmer und Arbeitgeber je 28.1 Proz. I« Bulgarien zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je 1 Lewa wöchentlich für die obligatorische Versicherung. Der Aufwand im Jahre 1929 hat 15.9 Millionen Lewa betragen, im Jahre 1980 für die Zeit vom Jänner bis Juni 6.5 Millionen. In Dänemark leisten die Arbeitgeber Beiträge zu einem nationalen Arbeitslosenfonds, und Die politische Woche Trotz der wachsenden innerpolitischen Unruhe, für die di« nationalistischen Kreise in ausgiebigster Weise gesorgt haben, konnte das Parlament, in dem diese Tendenzen keinerlei Reflex fanden, in Ruhe und sogar in einem überraschend schnellem Tempo die Ausschußarbeiten am Budget fortsrtzen und Samstag beenden. Die nächste Woche ist für die Debatte im Plenum reserviert. Plangemäß wird also zunächst da« Budget unter Dach und Fach gebracht und durch seine beschleunigt« Erledigung sodann der notwendige Rahmen für die anderen dringenden politischen und parlamentarischen Arbeiten geschaffen werden. Wie nicht anders zu erwarten war, haben in du Ausschußdebatte die sozialen und wirtschaftlichen Fragen überwogen und ein wirkliche» Abbild der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Staates geboten. So hat die Budgetdebatte— und das ist eine ihrer Lichtpunkte— der ganzen Bevölkerung zum Bewußtsein gebracht, daß alle» daran gesetzt werden muß, um durch planvolle und weitreichende soziale Maßnahmen für die von der Krise betroffenen Bevölkerungsschichten vorzusorgen und dadurch wieder dem wirtschaftlichen Lüben «eue Kräfte zuzuführen. Die Debatte hat der Oeffentlichkeit auch vor Augen geführt, in welch hohem Maße sich die sozialistischen Parteien in den Stunden der schweren Not ihrer großen Aufgabe bewußt sind unb wie sie die khnen leider nur im geringen Maße zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Linderung de» Notstandes der Arbeiterschaft nutzbar gemacht haben. So ist e» vornehmlich ihnen zu danken, daß man einesteils durch Bemühungen nach Arbeitsbeschaffung Hunderte von Millionen in den Dienst dieser Aufgabe stellt und andererseits für jene Schichten Vorsorgen konnte, die leider noch immer nicht an die Arbeit herangeführt -werden konnten und denen daher andere Hilfsmöglichkeiten erschlossen werden mußten. Ganz ta Sinne der Darlegungen de» Mini» ftrrprifidrnten wurden diesmal den von der Krise detroftrnen Gebiete« im Rahmen der staatliche« ErnährnngSaktion größere Quoten »«gedacht und auch größere Ra- turakzuweisungen»»gebilligt. Arm kommt in nächster Zeit auch die K i«- derauSspeisun«, deren Durchführung den LandrSkommissionen für Kinderschuh und Jugendfürsorge abliegt, wieder in Gang. Diese Aktion wird durch eine Weihnachtsgabe ergänzt werde«, für welche die Regierung einen Betrag von acht Millionen bewilligt hat. Für»ehn- tausend Kinder arbeitsloser Bergarbeiter ist die Verabreichung von Kleidungsstücke» in Aussicht genommen und auch dir Kohlenakti»», welche durch Zuteilung«» aus Staat»- gruben wie auch au« den Privatgrubea zustande gebracht wurdr, ist gesichert. Inzwischen hat die Regierung bereit» die Vortage über die Verlängerung der Militärdienstzeit im Mtnisterrat verabschiedet, wobei vor allem dem Verlangen der svzia- Kstischen Parteien nach vokllommener Gleichstellung aller Staatsbürger und Ausschaltung jedweden Privileg» in der Erfüllung der Dienstpflicht Rechnung getragen wurde. Die Vorlage über die Einrechnung der militärischen Dienstzeit wurde in der Regierung noch nicht verhandelt, sondern einem späterem Zeitpunkt Vorbehalten, da im Hinblick auf den nahe bevorstehenden Termin der Abrüstung des Asseptjährgange» 1933 dir beschleunigte Verhandlung der Dienstzeiworlage sich al« rwtwendig erweist. Die Beratungen über die Sanierung der S e l b ft v e r w a l t u n g 8 k ö r p er werden fortgesetzt. Die finanzielle Sicherung der Sanierung ist leider immer noch umstritten, doch hofft «»an, in den allernächsten Tagen auch hier über diese Schwierigkeiten Hinwegzukommen und gewisse Quellen ausfindig machen zu können, die die Fundierung des Sanierungsplanes ermöglichen. Die kommende Woche soll auch dazu benützt werden, um die terminierten Vorlagen borznbcreiten und sie, soweit sie in den Wirkungskreis des Parlamentes fallen, zur Vorlage an das Parlament fertigzustellen. So ruhig sich die Arbeiten im Parlament und in der Regierung abwickeln, so unruhig gestaltet sich In den letzten Tagen das öffentliche Leben infolge der nationalistischen Quertreibereien, die an den Konflikt um die UniversitätS-Jnsignien anknüpfen und sehr ernste Formen angerwmmen haben. Auch darüber hinaus geht eine Unruh« im irmerpolifischen Leben weiter, wie sie sonst nur für knapp bevor-\ stehende Wahlkämpfe charakteristisch ist. Dabei denkt, niemand, wenn num von irgendwelchen außer- 1 ordentlichen Ereignissen absieht, an«ine Vorder«; legung der Parlamentswahlen in die FrühjahrS- monate. Die nafionalistischen tschechischen wie deut«, scheu Kreise dürsten sich also in ihrer agitatorischen Leidenschaft bald erschöpfen, falls sie sich weiter bemüßigt fühlen sollten, in der überhitzten Atmosphäre, die sie hervorgerufen haben, noch durch «in volle» Jahr durchzuhalten. Der Bericht des Ban krater Situation fast unverändert— Staatspapiere gefragt Der Bankrat der Nafionalbank hielt am .Samstag seine ordentliche Monatssitzung ab. Dem vorgebrachten Geschäftsberichte für den abgelaufenen Zeitabschnitt entnehmen wir folgendes: Die Wirtschaftsberichte aus dem Auslande brachten im letzten Monate keine bedeutenden Aenderungen. In den außereuropäischen Gebieten schreitet in der Mehrzahl die Besserung fort, während sich die Entwicklung in Europa uneinheitlich gestaltet. Im Vordergrund des politischen Interesses stand das Saarproblem mit dem nahenden Plebiszittermin. Die Sitnatton in der Tschechoflowakei hat sich gegenüber dem Vormonate fast nicht geändert. Auf dem Geldmärkte wurden die herbstlichen Kampagneansprüche ohne Schwierigkeiten aus den heimischen Kreditqürllen befriedigt. Vom Kapitalmärkte laufen in den letzten Wochen günstigere Nachrichten über das Einlagengeschäft ein. Bei den Geldinstituten steigt die Anzahl der Spareinlagebü- chel, hauptsächlich mit! leinen Einlagen. Die Flüssigkeit des Geldmarttes beginnt auf! den langfristigen Kapitalmarkt überzugehen. Auf dem Anlagenmarkte der Prager Börse wurden bedeutende Käufe von Staatsobligationen bei erhöhtem Interesse und steigenden Kursen verzeichnet. Die Beschäftigung der Industrie bleibt »hne größere Aenderungen. Bei«ns zahlen dir Herren Unternehmer bekanntlich bis heute nicht einen Heller zur Arbeitslosenunterstützung. Ja sie haben auch den N o t f o n d«, der einen einmaligen Beitrag der Unternehmer in unbedeutender Höhe vorsah, init Hilfe dcr Rationaldemokraten, di« damals noch in der Regierung waren, glücklich zu Fall gebracht. Und dabei haben sic noch die Kühnheit, bei jeder Gelegenheit über die„hoben sozialen Lasten" z« jammern, die jedes Unternehmen ruinieren müssten. Kann«nd darf das so weitergehen? Der tschechische Rektor rügt die Demonstranten Der Rektor der KarlSuniversität, Prof. Dr. Drachovsky, erließ eine Proklanration an die Studentenschaft, in der e» n. a. heißt: Die verantwortlichen Mitglieder der Regierung haben mir und der Oeffentlichkeit gegenüber wiederholt erflärt, daß sie Sorge tragen werden, daß das Universitätsgesetz durchgeführt wird. Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, daß diese« Versprechen erfüllt werden wird. Kann uns eine Demonstration, insbesondere wenn sie mit Erscheinungen verbunden ist, die sich mit der geltenden Rechtsordnung und mit der öffentlichen Ordnung nicht vereinbaren lassen, schneller und besser zum Ziele führen, als das gesetzmäßige Vorgehen? Ist derzeit ein Gruird dafür vorhanden, die Geltendmachung des Rechtes der Notwehr zu versuchen? Ich glaube nicht, daß diese Fragen zugunsten einer Forffetzung von Kundgebungen de« bisherigen Charakters beantwortet werden könnten. Genf. Die ungarische Delegation in Genf erhielt Samstag abends die Instruktion, den Bölkarbundrat um die Behandlung der Beschiverde der jugoslawischen Regierung in einem sogenannten beschleunigten Verfahren z« ersuche«. Die ungarische Delegatton hat diese« Ersuchen der ungarischen Regierung dem Sekreta- riat de« Völkerbundes sogleich vorgelegt. In der diesbezüglichen Note heißt es u. a.i Die jugoflawische Regierung erlaubt sich, Ungarn zu belasten und seine Behörden für die odiosen Geschehnisse in MarseiNe. vnantioortW -ü machen. Man LbertreW' nicht, wenn erklärt wird, daß ernste Folgen für den Frieden, dessen Wahrung die wichtigste Aufgabe des Völkerbundes ist, eintreten könnten, wenn diese Lage andauert und wenn Ungarn, seine Regierung so- Gegen chauvinistische Verhetzung I Für Arbeit und Brot Die Exekutive unserer Prager BezirN« organisation erläßt an die deutsch« Bevölkerung von Prag folgeren Aufruf: In einer Zeit, in der Hunderttausend« hungern und dem größten Elend au-geliefert sind, in einer Zeit, in der die Vertrauensmänner der tschechischen und deutschen Arbeiterschaft sich in einträchtiger Arbeit bemühen, das Los der Arbeitslosen zu lindern und das zu beschaffen, wonach die Massen rufen, Arbeit und Brot, finden e« gewissenlose Hetzer für notwendig» wegen nichtiger Prestigeangelegenheiten ernste Unrichen hervorzurufen und das friedliche Zusammenleben der Nationen der Republik zu gefährden. Gerade in dieser schweren Zeit, in der Staat, Republik und Demokratie bedroht sind, hat man einen alten Streit um UniversitätSinsignicn ausgegraben, um die arbeitende Bevölkerung von dem Kampf gegen ihren wirklichen Feind, den internationalen Kapitalismus, abzulenken. Männer, die Reden von der Liebe zu Staat und Nation immer im Munde führen, haben durch die Entfesselung eines sinnlosen Kampfes um Antiquitäten dem tschechischen Volk und dein Staate einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Während wir auf der einen Seite auf das Treiben tschechischer chauvinistischer Kreise Hinweisen, p r o t e- stieren wir aber auch auf das schärf st e gegen das Vorgehen der Funktionäre der deutschen.Universität und unverantwortlicher Kreise aus dem deutschen nationalistischen Lager, die in voller Kenntnis der Sinnlosigkeit jedes Widerstandes gegen die Durchführung eines im Jähre 1920 beschlossenen Gesetzes mit durchaus überflüssigen Demonstrationen die nattonalen Leidenschaften aufpeitschen und die Sache, der sie zu dienen vorgeben, nur»wch mehr gefährden. Die Würdenträger der Universität, die sich für die Zierden der deutschen Natton halten, haben sich nicht gescheut, einen Kampf aufzunehmen, der zu nicht« anderem führen kann al« zu einer schweren Schädigung des Kulturgutes, dessen umsichtige Hüter sie sein sollten. ,,—'N? arbeitende Bevölkerung von Prag wird sich durch das nationalistische Geschrei hüben und drüben nicht irre machen lassen und klar erkennen, daß cs sich auch bei dieser Aktion nur um eine Schützenhilfe handelt, welche die Fascisten der einen Nation ihren Gesinnungsgenossen der anderen Natton leisten.— Die deutsche arbeitende Bevölkerung von Prag wird treu an ihrer tnternattonalen proletarischen Gesinnung festhalten. Eg lebe die Einigkeit de» ffchechischen und deutschen Proletariats, es lebe die Demokratie, es lebe der internationale Sozialismus! Jagd bei Starhemberg Unerwarteter Besuch Gömbfts In Wien— Unter Italienischer Kontrolle Ungarn verlangt sofortige Verhandlung Und bei uns? Was die Unternehmer anderswo zur Arbeitslosenversicherung beisteuern In den Baubranchen wird heuer die Saison früher beendet al« in den Borjahren. In den übrigen Jndnstrirbranchen, hauptsächlich insofern sie in der Ausfuhr auf ein breitere« Ex- porttnarktgebiet eingerichtet find, ist die Beschäftigung besser als im Vorjahre. Die günstigere Ausfuhrentwicklung, die im September konstattert wurde, hielt auch im Oktober an. Die Fertigwarenausfuhr ist wieder b e- deutend höher als imVorjahre. Von der Einfuhrerhöhung entfiel ein bedeutender Teil auf den Zuwachs der Rohstoffeinfuhr. Oktoberbilanz de» Außenhandels weist wie- ein beträchtliche« Aktivum auf, auf eine Reihe von Staaten entfällt und so- auch in hohem Maße einen effektiven direk- Devisensaldo bedeutet. Der EisenbahnttanSport im Verkehr, mit dem Auslände behauptet sein hohes Niveau vom Budapest. Ministerprästdent Gömbös und Ackerbauminister Kallay haben fich am Freitag überraschend mit dem Nachtschneklzug nach Wien begeben. Wie»Pesti Naplo" meldet, sind Gömbös und Kallay einer Einladung Star- hcmbergs zur Teilnahme an einer Jagd gefolgt, an der auch Schuschnigg und einige andere Kabinettsminister teilnehmen sollen. Sie begaben fich SamStag früh in Wien vom Bahnhof auf die ungarische Gesandtschaft, wo...._... kurz daraus Bundeskanzler Dr. Schuschnigg! Situation bilden wird, die durch die jugoslawffch« zu einer Beratung erschien, die etwa eine Stunde I Note beim Böllerbund entstanden ist. Seite 4 Sonntag, 25. November 1934 Nr. 277 Die Streitobjekte der nationalistischen Giftmischer: Die Hoheitszeichen der Karls-Universität Vie antimarxistische Front InB.- Leipa fand am 21. November di-, konstituierende Sitzung der dortigen„Sudetendeutschen Volkshilfe" statt. Vorsitzender war Herr Dr. Max K r i e g e l st e i n, ein alter Antimarxist, der als Vertreter und Berater großer Firmen finanziell recht hochkam. Die„S. V." ist bekanntlich eine Gründung der antimaristischen Parteien zu„sozialen Zwek- ken", richtiger— zum Wählerfang angesichts der kommenden Wahlen. Es ist nun wertvoll zu wissen, welche Korporationen und Organisationen sich diesem„löblichen" Beginnen im Bezirk B.-Leipa zur Verfügung stellen. Es sind dies: Bund der deutschen Landjugend, Bund deutscher Gewerkschaften, Bund der deutschen landwirtschaftlichen Genoffenschaftsverbände, Bund der Eghalanda Gmoin, die christlich- deutsche Turnerschaft, Deutscher Turnverband, Deutscher Hauptausschuß für Leibesübungen, Deutscher Kulturverband, Deutsche L a n d e s k o m m i s s i» n für .Kinderschutz und Jugendfürsorge, Deutscher Lehrerbund, Deutscher Verband für Heimatforschung und Heimatbildung, DHB, Deutscher Böhmerwaldbund, Rordböhmi- scher Kraftfahrerbund, Charitas, Kreditanstalt der Deutschen, Landesbund der Verein« gedienter Soldaten, Reichs- Gewerbeverband, Reichsverband der deutschen Gastwirte-Ge- nossenschastsverbände, Sängerbund der Sudetendeutschen, Verband deutschvölkischer Lehrer, Verband der deutsche» Akademiker, Verband der dentschen Sparkassen, Verein deutscher Lehrerinnen für Handarbeiten und HauShaltungskunde, Verband deutscher weiblicher Angestellter, Zentralverbanddeutscher Lehrerinnen, Deutsche ArbeitS- und Wirtschaftsgemeinschaft, Deutsche christlichsoziale Volkspartei, Sudetendentscher Ständebund für Handel und Gewerbe, Sudetendeutsche Heimatfront. Es ist ein buntes Gemisch von politischen Parteien,„Ständeorganisationen" u. dgl. mehr, das sich hier zur antimarxistischen Front einträchtig zusammengefunden hat. In allen Bezirken und größeren Orten wird sich ungefähr dasselbe Bild ergeben: alles was bürgerlich denkt und fühlt (ohne selbst wirtschaftlich mit dem Kapitalismus verbunden zu sein), stellt sich gegen den Marxismus, d. h. gegen die aufstrebende Arbeiterklasse. Durch eine möglichst"großzügige Schnorr- aktion nach dem System der deutschen Winterhilfe Goebbelsscher Prägung will man sich proletarische Wähler— kaufen! Ob dieses edle Ziel erreicht wird, ist fraglich., Sicher ist jedoch, daß auch nach Ansicht amtlicher Kreise die Hilfsaktionen der Gemeinden und Bezirk e unter dieser partei- politkschen Mache der antimarxistischen Front leiden werden. Ob die Bewilligung der«S. V." unter diesen Umständen klug war, ist eine Frage für sich. Die Heimatfront kopiert Goebbels Ein Leichenbegängnis sorgt für die fehlenden„Massen“ Bekanntlich hat die Henlein-„Rundschau" den aussichtslosen Versuch unternommen, unsere wuchtigen Massenkundgebungen vom 4. November nachträglich in Wort und Bild zu verkleinern. Wenn aber die Heimatfront selbst eine Veranstaltung hat, dann wird die stärkste Vergrößerungs- brille aufgesteckt. So fand am 11. November in B.- Krumau eine Heerschau der SHF für ganz Südböhmen statt. Die bürgerliche Presse berichtete zuerst von 800 bis 900 Teilnehmern. Je größer die Entfernung dieser Blätter von Krumau, desto mehr wuchs auch der südböhmische Henleinschtvarm. So wußte das„Pilsner Tagblatt" schließlich von 1800 Teilnehmern zu berichten. Dabei faßt das Krumauer Theater, wo Henlein und Sandner sprachen, bestenfalls 600 Menschen. Das schönste Glanzstück haben sich aber die Heimatfrontler, wie die„Zukunft" berichtet, mit photographischen Aufnahmen geleistet. Als zum Schluß der Versammlung die Teilnehmer sich auf die Straße begaben, zog gerade ein, starkes Leichenbegängnis beim Stadttheater vorüber, welches nun als willkom- menes Obsekt für ihre Aufnahmen benutzt wurde. Die Aufnahme wurde dann einige Tage später in den Schaukästen ausgestellt und die Teilnehmer am Begräbnis als Versammlungsbesucher ausgegeben. Dabei kann man auf der Photographie ganz deytlich erkennen, welches Versammlungsteilnehmer oder solche vom Begräbnis sind. Daß, nun auch schon Leichcnzüge herhaltcn müssen, um die Massenbasis der SHF zu vergrößern, ist don symbolischer Bedeutung. Köter Vorstoß Im Böhmerwald Als Antwort auf die SHF-Kundgebung am 11. November findet in B.- Krumau heute ein Aufmarsch der sozialdemokratischen Arbeiter und Kleinbauern statt. Auch die Holzhauer und Glasmacher des Wallern-Oberplaner Gebietes kommen mit einem Sonderzug nach Krumau. Das rote Böhmerwaldvolk marschiert im Geiste des 4. November für Brot und Freiheit, gegen getarnten Fascismus. Tagcsnculghcltcn Drei schwere Explosionen Bromberg. Auf dem Artillericschieß- gelände bei T h o r n ereignete sich Freitag eine schwere Explosion, bei der zweiPersonen getötet und drei schwer verletzt wurden. Eine Batterie der Thorner Garnison veranstaltete ei» Scharfs chieß^en. Bei den Schießübungen ereignete sich ein Rohrkrepierer, der das Geschütz auseinanderriß. Zlvei das Geschütz bedienende Kanoniere wurden auf der Stelle getötet, drei andere Soldaten mußten in schwerverletztem Zustande nach dem Krankenhaus gebracht werden. * Madrid. In Valencia ereignete sich ein schweres Explosionsunglück. Ein Lumpensammler hatte einige mit Erde beschmutzte Bomben gefunden und versuchte sie in einer verkehrsreichen Straße zu reinigen. Plötzlich explodierten die Bomben und verletzten sieben Kinder schwer. Dem Lumpensammler wurde die rechte Hand abgerissen. Bier weitere Personen, die an jener Stelle vorübergingen, erlitten leichte Verletzungen. Omaha. In einem Getreidespeicher ereignete sich eine Staubexplosion, durch die eine Person getötet und acht Menschen schwer verletzt wurden. Zwei Personen werden vermißt Der Sachschaden wird auf eine Million- Dollar beziffert. Das Unglück in Brüssel Brüssel. Bei dem Halleneinsturz ans dem Gelände der Weltausstellung sind acht Arbeiter ums Leven gekommen. Die Zahl der Verletzten hat sich nicht erhöht und beträgt 21. Die Mehrzahl der Toten«nd Verwundeten muß auf Rechnung des Einsturzes jenes Teiles des Daches gesetzt werden, der die Arbeiter bei den Rettungsarbeiten nach dem Gernsteinsturz verschüttete. Die mit der Befreiung der Verletzten nach Einsturz des Gerüstes beschäftigten Arbeiter wnrdrn nämlich durch den Dacheinsturz ebenfalls verschüttet. Keiner der Verwundeten befindet sich in Lebensgefahr. Die belgische Telegrafenagentur ist ermächtigt, alle Gerichte zu dementieren, daß das Unglück auf Böswilligkeit zurückzuführcn sei. Eine paraguyanis che Schlacht Asuncion. Das paraguyanische, Kriegsministerium teilt mit, daß sich paraguhanisches Militär der F e st u n g Celina bemächtigte, 500 Soldaten gefangen nahm und große Beute machte. Die Verluste der paraguhanischen Militärabtei- 'ungen betragen 4 5 0 Tote, darunter zwei Kapitäne und ein Leutnant. Der Pariser Finanzskandal Paris.„Echo de Paris" meldet, daß der Finanzflandal Levy und Genoffen p o l i t i- scheu Hintergrund habe. Es seien darin zahlreiche Politiker, hauptsächlich der Linken, u. a. der ehemalige Kabinettsdirektor Chau- temps Dubois, und der ehemalige Finanzminister Georges Bonnet, der Levy mit dem Orden der Ehrenlegion für„außerordentliche Verdienste" dekoriert hatte, verwickelt. Ein Vater erschießt feinen kranken Sohn Wien. Im vierten Bezirk hat sich Samstag ein Drama abgespielt, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Das ehemalige Mitglied des Orchesters der Staatsoper und der Philharmonie Prof. Dyonis Martens, der in Künstler kreisen sehr bekannt ist, schoß aus unbekannter Ursache während des Frühstücks seinen 2 0 j ä h- rigen kranken Sohn Richard Martens nieder und verletzte ihn durch zwei Schüsse tödlich, worauf er die Waffe gegen sich kehrte. Martens war auf der Stelle tot. Sein Sohn starb nach der Ueberführung ins Krankenhaus. Sturm Istanbul. Am Bosporus wütete ein heftiger Sturm. Die Verbindung des Schwarzen Meeres mit den Dardanellen und dem Marmarameer fft unterbrochen. Viele Schiffe scheitertest. Auch auf dem Festlande ist die Eisenbahnverbindung an vielen Stellen unterbrochen. Karl Kraus klagt die„Arbeiter-Zeitung". Seine Klage betrifst eine Notiz des Blattes, in welcher ausgesprochen wurde, daß er sich gehorsam gleichgeschaltet und damit vor Wöllersdorf bewahrt hat. Die„Arbeiter-Zeitung" wird den Wahrheitsbeweis führen. Zu Tode geschleift. Am Freitag abend wurde der Lieferwagen einer Bäckerfirma aus Bornum beim Ueberfahren des nichtgeschloffenen Bahnüberganges der Strecke Wolfenbüttel-—Jerxheim von einem Güterzuge erfaßt und mitgeschleift. Hortung, seine Stieftochter und sein Sohn wurden schwer verletzt. Die beiden ersteren sind im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Güterzug«nd Motorzug. Die Staatsbahn- direktion Königgrätz meldet: Der Güterzug Nr. 8351 stieß am 23. November um 17 Uhr 54 bei der Einfahrt in die Station Reichenberg mit einem leeren Matorzug, der in die Garage fuhr, zusammen, wobei der Motorzug mit einer Achse entgleiste. Vcrltzte wurde niemand, der Verkehr wurde nicht unterbrochen. Einige Züge erlitten Verspätungen. Die Ursache wird untersucht. Diebspech. Auf einem'steilen Abhang beim Spälenh mlhn auf der Straße von Karlice nach Rachotice im Bezirk Trebitsch stürzte dieser Tage ein Personenauto, in dem außer dem Chauffeur fünf Personen saßen, um. Sämtliche Personen kamen ohne Unfall davon und l i e- fen davon. Die Gendarmerie forschte sie aus, da festgesteUt war, daß das Auto einem Geschäftsmann in Brünn vom 20jährigen Mechaniker Emil Korinek entwendet worden war. Vor 36 Jahren wurde im Walde bei Stu- denec im Trebitscher Bezirk der F o r st h e g e r Ferdinand R o u s e k aus Studenec von Wilderern e r s ch o s s e n. Der Täter konnte damals nicht ergriffen werden. Dieser Tage verhaftete die Gendarmerie zwei Personen, die mit dem damaligen Mord in gewiffen Zusammenhang gebracht werden. Die beiden Verhafteten sind fast 70 Jahre alt. Sie werden außerdem der Entlok- kung von fremdem Eigentum beschuldigt. Ihre Namen werden einstweilen geheimgehalten. Paris wird„renoviert". Im Rahmen der Arbeitsbeschaffungspläne, die noch von Marquet stammen, soll Paris systematisch renoviert werden. Der Louvre soll eine Verschönerung erfahren. Für die Unterbringung der Werke der modernen Malerei werden neue große Säle entstehen. In der großen Galerie werden Umbauten vorgenommen, um die Werke der Italiener, Spanier und Holländer wirkungsvoller in Erscheinung treten zu lassen. Einige der Adelspctläste, die vor sünf Jahrhunderten errichtet wurden,.werden erneuert werden. Neue Straßen werden gebaut, die bestehenden verschönert. Am Etoile wird alles aufgeriffen und die nicht mehr benutzten Straßenbahnschienen .entfernt. Mit einem hohen Kostenaufwand werden 'zwei Ausfallsstraßen ausgebaud, die eine von Paris nach Le Bourget, dem Flughafen, die andere nach Rambouillet, der Sommerresidenz, des Präsidenten. Der Boulevard nach'Saint-Germain wird gleichfalls ausgebaut. Die Untergrundbahn wird erweitert werden. Die Elendsviertel werden zum Teil abgeriffen, so die Brutstätte der Tuberkulöse an der Rue St. Martin. Mitteilungen des ArbettervereiNA »Kinderfreunde" Mitglirdsbeitrag für Arbeitslose. Einer am 11. November in Prag stattgefüa- denen Sitzung der Exekutive des Reichsvorstandes tag ein Antrag auf Einführung einer Beitragsmarke für arbeitslose Mitglieder vor. Dieser Antrag wurde damit begründet, daß durch die lange Arbeitslosigkeit viele Mitglieder auch bei bestem Willen nicht mehr.in der Lage sind, den vollen Monatsbeitrag regelmäßig zu bezahlen. Durch die Einführung einer Ä r b e i ts- losenmarke soll einem Mitgliederverlust vorge- I beugt werden. Die Ortsgruppen können a b 1. J ä nner 1935 vom zuständigen G a u Bei- tragsmarken für arbeitslose Mitglieder zum Preise von 40 Heller pro Marke beziehen und an ihre arbeitslosen Mitglieder um 50 Heller abgeben. „Der Kinderfreund" für alle Mitglieder! Auf Beschluß des Reichsvorstandes wird ab 1. Jänner 1935 der Bezug des.Minderfreund" füralle Mitglieder eingeführt. Seit einem Jahr besteht bereits ein Beschluß, daß in allen neugegründeten Ortsgruppen sofort ein Beitrag von 2.50 Kc monatlich einzuheben und allen Mitgliedern der,Mn- derfreund" auszufolgeu ist. Bei der Durchführung handelt es sich also nur um jene Ortsgruppen, die schon länger bestehen und bisher das Obligatorium für ihre Mitglieder noch nicht eingeführt haben. Die Verrechnung der Zeitung erfolgt wie bisher direkt mit der Zentrale in Bodenbach. Für arbeitslose Mitglieder, welche die Arbeitslosenmarke kleben, wird die Zeitung kostenlos geliefert. Bis zum 20. Dezember ist der Zentrale die genaue Zahl der Vollzahler und Arbeitslosenmitglieder zu melden, damit bereits' die Jännernummer nach diesen Meldungen zugestellt werden kann. Die„Junge Welt" für alle Kinder! Aus Ersparungsgründen mußte die Partei di^ Frauenzeitschrift„Gleichheit" umgestalten, wodurch die Beilage„Junge Welt" wegfiel. Um aber den Kindern weiterhin eine Kinderzeitschrist mit sozialistischem Inhalt geben zu können, hat die. Exekutive beschlossen, ab 1. Jänner 1985 die„Junge Welt" als Beilage dem.Kinderfreund" beizugeben. Die „Junge Welt" wird bis auf weiteres einen Umfang von 4 Sellen haben. Sollte sich diese Einführung bewähren und der Umsatz gesteigert werden können, ist eine Erweiteruna des Umfanges auf 8 Sellen geplant. Durch diese Beilage erfolgt keine Erhöhung der Bezugsgebühr für den.Mnderfreund". Die Mitgliederzahlen der italienische« Fascisten.(AP.) Die Turiner Stampa veröffentlichte kürzlich die Zahlen der fasciftischen Organisationen. Danach haben die Fascios 1,851.000 Mitglieder, die Jugendfascios 657.000, die weiblichen Fascios 304.000, die weiblichen Jugend- fascios 83.000. Die Intellektuellen sind abgesondert. Es gibt Üniversstätsfascios-mit, 66.000, llstiversitätsdozenten mit 2500, Bibliothekare und Künstler mll 1300, Fascios der höheren Knabenschulen mit 100.000 und der höheren Mädchenschulen mit 24.000 Mitgliedern. Die fasciftischen Syndikate fehlen leider in der Statistik. Angegeben sind lediglich die Beamten mü 300.000 und die Eisenbahner mit 74.000 Angehörigen. Die Balillas haben 2.1 Million Mitglieder.' Fahrplauänderungen. Ab 1. Dezember 1934 treten folgende Fahrplanänderungen ein: St«ecke H a n n s d o r f—B e l k h O s e k: Zwischen.de» Stationen Lichtenau—Jablonne nad Orlici wird die neue Motorhaltestellq Jaume nad Orlici dem Verkehr übergeben, in welcher fünf Rotorzugspaare halten werden. Die diesbezüglichen Fahrplanänderungen sind aus der fünften Berichtigung zum Aushangsfahrplan. Blatt 7. ersichtlich. Der Motorpersonenzug 5811 fährt von Geiersberg 17.07 Uhr ab und kommt in Senftenberg um 17.19 Ubr an. Motorpersonen- zug 833 fährt von Nieder-Lipka um 4.22 Uhr ab und kommt in Lichtenau um 4.30 Uhr an. Vom Rundfunk Empfehlenswerte* aus den ProgrimmM) Montag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachröcht en. 12.10 Duette aus Opern von Smetana. 16.55 Kinderstunde. 17.20 Schallplatte«. 18.20 Deutsche Sendung: Stachotinsky:; Frauenantwort auf Zeitrufe. 18.40 Prof. Krauß: Vorschau auf das Musikprograuim der tschechoslowakischen Sender. 18.45: Dr. Mauthner: Reise in achj Tagen nm den Pelopones. 19.10 Schallplatte»: Schumann. 20.10 Klavierkompositionen. 21.05 Liederkonzert. 21.25 Konzert des tschechischen Nonetts. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 14.25 Leichte Musik. 15.10 Deutsche Sendung: Bunte Schallplattenfolge. 15.40 Deutsche Presse.— Brünn: 13;40 Opernfantasien. 15.15 Orchesterkonzert. 17.45 Deutsche SendungKrommer: Malerfahrt.durch Jugoslawien.— Mähr.-Ostra«: 18.20 De« tich« Sendung: Arbeiterfunk: Klaschka: Die Jugendkrisis. Haas: Neueste Nachrichten. Kabarett.■— Prrtzburgr 12.35 Orchesterkonzert.—- Kascha«: 21.05 Lieder von Dvoraf.: Dienstag v Prag: Sender L: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.05 DeutscherSchulfun f. 11.50 Schallplatten. 12.10 Chansons. 13.45 Hawaimüsik auf Schallplatten. 18.20 Deutsche Send urig: Bei Jazz- und Schrammelmusik. 18.55 Deutsche Presse. 21.00 Orchesterkonzert.— Sender St.-: 14.25 Schallplatten. 14.40 Klavierkonzert. 15.05 Deutsche Senduna: Dr..Hahn: Bahnbrecher der Heilkunst. 15.30 Schallplatten: Wagner.-— Brünn: 10.15 Salonorchcster. 17.15 Tanzmusik. 17.45 Deutsche Sendung: Soziale Informationen. 17.50 Arbeitersendung: Orlet: Neber Kalenderreform. 18.05" Jstg. Kunst' Generationsvroblem. 18.20 Schallplatte«: Tschai- kowski.— Preffbnrg: 19.10 Violinkonzert.— K» -ichau: 11.05 Orchesterkonzert. Nr. 277 Sonntag, 25. November 1934 Sei« 5 beiden Verbände hoffen, dass die ganze Situation Die Stärksten befördert er Knall und Fall »ermittelst Pistolenschuß nach Walhall. Dir Schwächeren erben ein Amt al» Leiter, mit Berechtigung, von den untere« Mördern wiederum welche z« befördern. Und so geht da» weiter. lind wie tüchtig sie ist! Ole unangenehmste Arbeit ist Putzfrau VIM gerade recht. Im Handumdrehen läst sie das Fett aus Töpfen und aus Pfannen» entfernt den Ruß, wäscht Gläser blank und Teller blendend rein. Deshalb stellen ihr alle Hausfrauen das beste Zeugnis aus. Und Sie- Sie quälen sich noch immer? Lassen Sieslch helfen von Putzfrau VIM—das ist bequem und billiger. Denn alles putzt sie schnell und schonend. wenn in diesem Unternehmen schon früher verständig gewirtschaftet worden iväre und wenn man in besseren Zeiten der Konjunktur auch für genügende Reservefond» gesorgt hätte, wäre e» für da» Unternehmen ein leichte» gewesen, die Absatzkrise zu überstehen. Anstatt dessen hat jedoch da» Unternehmen die Konzentrierung mit der Spiegel« glaSfabrik der Firma Weinmann in Schwaz (Tschechoslowakei) zum Ziele gehabt, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die betreffenden Verhandlungen im Internationalen Spiegelglas kartest. Ein solches Vorgehen würde den»ehtenOOO Angestellten und ihren Familien zur Katastrophe werden. Die tschechoslmvakiche Regierung hat sich-er Arbeiter und Angestellten des Unternehmen» angenommen, die Einstellung de» Betriebe» nicht zugelassen und sich darauf berufen, datz auch bei dem heutigen Stande der Bestellungen und bei einer verständigen Wirtschaftsführung die Möglichkeit bestünde, den Betrieb, wenn auch in verkleinertem Äiatzstal», zu erhalten. Die Aktionäre haben sich nun an dir belgische Regierung gewandt und-lese hat bei der tschechoslowakischen Regierung interveniert. Von feiten Belgien» wurden nun Repressalien angedeutet, welche darin bestehen, datz die Kündigung tschechoslowakischer Bergleute in Belgien in Erwägung gezogen werden mützte, wenn die' tschechoslowakische Regierung die Einstellung de» Betriebes in Holletschen nicht bewilligen würde. Au» diesem Grunde wenden sich die Arbeiter und Beamten der Glasfabriken in Hollei» Dem»Halenkreuzbanner" ist das nicht recht, drum beantwortet e» die ersitz Frage nur halb und kühl: „Das Programm der NSDAP ist dadurch, daß die Partei der Staat ist, zum Staatsgefctz geworden. Da» Parteiprogramm lehnt jede Vermischung deutschen Blute» mit fremdrassigem grundsätzlich ab." Die zweite Frag« hat den Redakteur vom .Hakenkreuzbanner", der nie an der Front war und dessen Later noch in Polen lebte, geradezu geärgert, drum spricht er so:„Ihre Frage zeigt, wie wenig Sie sich mit der Rassenfcäge beschäftigt haben. Taufe wandelt das Blut nicht." Die Antwort auf die dritte Frage ist dem Herrn Schrift» leiter besonder» schwer gefallen. Und er hat sie erst beantwortet, nachdem er sich vergewissert hat» datz e» sich nur um eine»Kleine Anzeige" handelte — von einer halben Seite an lässt sich die nationalsozialistische Presse durch die bewiesene Tapferkeit vor dem Feind zu Konzessionen bewegen." ^»goh'Rn Angestellte in der Holleischner Glasfabrik übrig, nicht» zu tun, wa» die Existenz der Arbeiter der welche in der letzten Zeit unzulänglich beschäftigt beiden genannten Fabriken bedrohen würde. Die waren. Z■ E» ist sicher, datz die Weltwirtschaftskrise auch von-er belgischen Regierung Werprüft werden auf diesen Betrieb ihren Einfluss aurübte, jedoch| wird. Trauung vollzogen, sofern die Nichtarierin(Jüdin) christlich wird?" „Hakenkreuzbanner" Rr. 462 vom 7. Oktober:»Kann ein Halb-Jude(Vater Christ, Mutter Jüdin) im„Hakenkreuzbanner" eine Anzeige aufgeben? Machen Sie eine Ausnahme, wenn derselbe im Felde war und da» Eiserne Kreuz erster Klaffe und da» Eiserne Kreuz zweiter Klasse besitzt und Offizier im Felde wurde?" Das steht so da. Und wir sind gewiss, dass diese drei Fragen für den Herrn Briefkastenredakteur im Braunhemd nur ein paar alberne Lappalien waren. Cs wäre kein getreuer Soldat Adolf Hitler», könnten diese Schrei« au» Angst und Ratlosigkeit auf ihn irgendwelchen Eindruck machen. Er hat sein Schema, tr hat sein Programm, und da» bestimmt die Antwort. Zwar hat der Führer ungezählte Male erklärt, dass nichtarische Abstammung oder Mischehe im Wirtschaftsleben keine Rolle spielen dürften. Weieh ein Fortschritt! In Jedem Heus Jetzt Briefkasten-Tragödie Wir lesen im„Wrstland" folgende bezeichnende« Geschichten: Da».Hakenkreuzbanner" so stolz e» auch im Sturme weht, hat manchmal schlappe Stunden— da» liegt so am deutschen Wind. Und am deutschen Gemüt. Wie jeder aufrechte Mann weiss, erscheint das^.Hakenkreuzbanner" als Nationalsozialistische» Kampfblatt Nordwestbaden» tu Mannheim. Irgendwo im Radiu» de» Paradeplatzes, zwischen Schloss und Wasserturm, sitzen die Schriftleiter stahlharte, in vielen Saalschlachten erprobte Kämpen. Und schreiben. Und lesen, was ihnen ihre Leser schreiben. Der„Briefiasten" schlägt nieder, wa« den Redakteuren die braune Galle hochtreibt. Der Briefkasten ist neben der Selbstmqxdchronik der Platz in der deutschen Press«, welcher von den Tragödien de» deutschen Menschen unserer Zeit berichtet. Drei Anfragen: Hakenkreuzbanner Nr. 460 vom 30. September 1984.»Kann ein junger Mann, der schon seit längerer Zeit(vor der Machtübernahme de» Führer» Adolf Hftler) mit einer Jüdin von wirtlich anständigem Charakter Verhältnis hat, deren Eltern auch gut beleumundet sind, deshalb von seinem Arbeitsplatz verdrängt werden?"»Ist e» möglich, dass zur Zeit ein pri- datangestellter katholischer junger Mann, Arier, sich mit einer Nichtarierin, deren Familienstamm über dreihundert Jahr« in Deutschland und der Pater derselben Frontkämpfer war, verheiraten kann, d. h. wird«ine standesamtliche und kirchliche OIE PUTZFRAU IN DER DOSII Um die Erhaltung der Glasfabrik in Holleischen Eingabe der Glasarbelterverbflnde an die belgische Regierung Beförderrmge« Die ultima ratio der Diktatur bewegt sich noch immer auf gleicher Spur. Der Oberdiktator mutz vo« den Mörder«, die ihm helfen, den Gegner überzurollen, wenn sie die Lust nicht verlieren solle«, mal welche befördern. Genosse Zohn-Aufsig Ab Jahre Sekretär de» Fatrikarteiterverbande» In diesen Tagen feiert Genosse Juli«» John, Aussig, sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum al» Sekretär de» Fabrikarbeiterverban« -et bzw. seine» Vorgänger», des Verbandes der Afleiterschast der chemischen Industrie Oesterreich». Genosse John, der aus dem Erzgebirge stammt, kam in Aussig, wo er in Lehre war, früh« zeitig mit der Arbeiterbewegung in Berührung An den Vorbereitungen für die Parlamentswahlen im Jahre 1897 nahm er, damals erst 18 Jahr« alt, schon Anteil. Nachdem er 1900 in die Ausfitzer chemische Fabrik gekommen war, schloss er sich ter Organisation an und wurde im Fahre 1909 zum Leiter des Landessekretariat» der Gewerkschaft gewählt. Der Auflau der Organisation ist ohne Johns Arbeit nicht denflar. Nach dem Kriege kehrte Genosse John, der vorher in der lttzten KriegSzeit in Wiener-Neustadt gewirft hatte, nach Aussig zurück und wurde im Jahre 1919 zum Zentralsekretär des inzwischen gegründeten Fabrikarbeiterverbandes gewählt. Vorübergehend gehörte Genosse John auch dem tschecho» ssowakischen Parlament an. Seine 26jährige Tätigkeit ist eine Kette harter Äfleit, die jedoch grosse Erfolge brachte. Wir hoffen, dass Genosse John noch lange seine volle Kraft dem Wohle der Arbeiterschaft widmen kann. V VlM Befördert wird jeder des Stamme» Nimm. Ma« hängt sich voll Tresse« und treibt eS schlimm. Dach kommt«i«st die Abrechnung mit den Mördern»^Stankau und Karüachhütte) über 900. wird da» Volk I« geeinter, zorniger Masse alle die Herrn der betreßte« Rasse »am Teufel befördern. „Oi- D« t e H a«» Die vereinigten Verbände der Glasarbeiter i« Trplitz-Schönau haben an die Regierung de» Königreiche» Belgien eine Eingabe gerichtet, in der sie sich mit der geplanten Betriebseinstellung der Glasfabrik in Holleischen befassen. In diesem Do kument heisst e» u. a.: Das Unternehmen, um da» es sich handelt, ist eine» der grössten in der SpiegelglaSbranche, dessen Aktionär« zum überwiegenden Teil« belgische und französische Staatsangehörige find. Die Ge« sellschaft hat ganz bedeutende Gewinne erzielt, welche bis zum Jahre 1930 in 13 Jahren nachweisbar 71 Millionen XC betrugen. Beschäftigt waren 1800 Arbeiter, davon in der Holleischner Glasfabrik(Filialbetriebe sind in " Dies« Betriebe haben für die dortige arme Böhmerwald- gcgend während ganzer Jahrzehnte einen wirt schaftlichen Halt bedeutet. Boe vier Jahren, nach dem Weggang« de» ehemaligen Direktor» Pierre begann da» Unter nehmen geschäftlich zu verfallen und wirtschaftete schlecht,«»hat nachweisbar«ehr als 26,000.000 UL Mr* « wirtschaftet, ti hat auch über 800 Arbetter entlassen. Der Be trifl in Stankau und Karflachhütte wurde voll kommen eingestellt, so dass im Verlaufe dieser Jahre mehr als 800 Arbeiter und Beamte um j. ihre Existenz kamen. Es blieben noch gegen 600 i schon an die belgische Regierung mit dem Ersuchen, Angestellte in der Holleischner Glasfabrik übrig,, r‘*‘*••• 1—*““* k!* wk- Vom Prager Rundfunk Im Mittelpunkt« der deutschen Wochensendung stand da» bedeutsam« Orchestirkonzert am Sonntag, in dem Zemlinsky eigene Konwositionen Mn« «irrt«. An dem Programm richteten sich mit voller Beglückung vor allem jene Hörer auf, die in der Musik Antwort erwarten für da» ewige Kragenspiel einer unlösbar an romantische Vorstellungen gebundenen Seele— st« erwarten im vollen Wohllaut der Empfindung. Tilly d« G a r m o, Hilde K o n e tz n i Und Josef Schwarz dienten mit vornehme» Künn- lerschaft dem soliftischen Teile de» Konzertes.—- In der Vorschau auf da» Dkusikprogramm der Woche gedachte Redakteur Genoss« Leopold Goldschmidt diese» Ereignisse» mit einer liflevollen Einführung für die Hörer, mit ehrenden Worten für den Meister, in dessen Lebenlwerk Prag einen bedeutsamen Platz«innimmt.>— Die im vollen Glanz der unsterblichen Partitur erstrahlende Aufführung der .Meistersinger"(Prager Nationalcheater) beanspruchte Wohl in einer Vorverlegung der Ueber- tragung entgegen der Programmansage den Raum der deutschen Montag-Sendung. Der Dienstag setzte da» musikalische Erleben fort in der»Romantischen Klaviermusik", die au» Prof. Wagner» virtuos gestaltenden Händen Schubert und Schumann bescherte, eingeführt und geleitet von den erklärenden Worten der Frau Dr. Wien« C l a u d i. Ein in d«n einzelnen Züge» erschütternde» und leider nur allzu wahr«» Bild vom Leben und'Schaffen de» Bergarbeiters entwarf Karl Schmidt in der Afleitersendung am Mittwoch. Genosse Adolf Schmidt gab in den darauffolgenden Sozialinformationen Aufklärung in ÄersicherungSftagen für-ie Landbevölkerung.— Eine sehr fesselnd« historisch-kritische Arbeit gab Univ.-Prof. Doktor Ehrenberg in dem Bortrage„Ein autoritärer Staat de» Altertum»". Der Männerstaat Sparta, der Staat der Lakedämonier mit den fünf Ephoren an der Spitze gibt mit seinem unbedingten Gehorsam, der Struktur setne» politischen Leben» und de» Lebensfühning der Menschen, der Art der Jugend« erziehung und der völligen Unterordnung dr» Ein, zelnen, der doch immer Gleicher unter Gleichen bleibt, da» Beispiel einer autoritären StaatSform. Die Entwicklung ging über sie hinweg. In Legende««ud Anekdoten lebt diese» Volk heute noch weiter; aber die völlige Abschlietzung nach aussen, di« einseitig« Ausbildung nur kriegenscher Tugenden und die restlose Unterwerfung aller Jchgefichle entschieden übe« da» Schicksal: Inzucht führte zum körperlichen und moralischen Verfall eines so überaus berühmten, in seinen Heldentaten einzig bestehenden, in seiner Hinopferung unerreichten Volkes, das aber nicht imstande war, einen künstlerisch schöpferischen Menschen hervorzubringen.— Zu den Tagesereignissen sprach in der Afleiters«iü)ung Genosse Dr. Emil Franzel. Uebersteht man da» Programm der Woche, so können die einzelnen Erlebnisse besonderer Art nicht über die Dürftigkeit der Sendung hinwegtäuschen. Sie vermag berechtigte Ansprüche nicht zu erfüllen; es ist daher nicht zu Wundern, wenn ein immer grösserer Teil der Hörerschaft vom Prager Sender weg zu den ausländischen Programmen gedrängt Wird,-ie in ihrer Aufmachung und Vielfalt zeigen, dass man sich anderwärts weit mehr der Bedeutung und der suggestwen Kraft de» Rundfunk» bewusst ist al» bei uns. Nur der eigene deutsche Sender kann da Abhilfe Äaften. Ernst Thöner. Richtungswandel im tschechoslowakischen Außenhandel In den Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes wird eine Ueberstcht über den tsche- choflowakischen Autzenhandel in den Jahren 1920 bis 1933 gegeben. Daraus ist zu ersehen, dass sich der Gesamt-Aussenhandel seit 1923 mit einem Rückschlag im Jahre 1926 bis zum Jahre 1930 in dauerndem Aufstieg befunden hat., einzelnen Länder an der tschechoslowakischen Gesamt-Ausfuhr. Sie betragen 1938, gegen 1924 bei Österreich 8.7LH. Deutschland».4%, Großbritannien 8.8%, Ungarn 8.5%, Italien, 2.6%. Eine Erhöhung des Anteils weisen unter den europäischen Staaten auf: Frankreich um 3.9%, die Niederlande um 8%, Belgien und die Schweiz um 1.9%; ferner die Bereinigte« Staaten um 3%. Geringere Zunahmen haben noch Dänemark, Norwegen, Spanien, Russland und fast alle überseeischen Staaten aufzuweisen, mit denen die Tschechoflowakei Handelsbeziehungen unterhält. Dabei, ist bemerkenswert, dass der allerdings geringe Anteil dieser Länder an der tschechoslowakischen Ausfuhr fast ausnahmslos höher ist als im besten Autzenhandelsjahr 1929. Recht interessant ist die Ueberstcht über den prozentuellen Anteil der 30 wichtigsten Länder an der tschechoflowakischen Ausfuhr. Es betrug der prozentuale Anteil an der Gesamt-Ausfuhr in den folgenden Jahren 1938 1932 1929 1924 in Prozenten Deuffchland., 19.8 19.6 22.2 24.2 Oesterreich.» 12.2 18.9 1ÖX) 20.7 US«...» 7.2 6.8 7.2 4.2 Großbritannien. 6.0 5.5 6.9 9.8 Frankreich mit Saargebiet» 6.8 5.0 1.6 1.7 Schweiz.,. 4.6 4.2 2.7 2.6 Niederlande.. 4.6 4.0 2.2 1.6 Rumänien.» 8.7 4.1 8.8 4.7 Jugoslawien., 8.8 5.5 5.6 4.9 Ungarn..■ 8.2 2.7 6.4 6.7 Italien... 8.2 8.4 8.8 5.8 Polen mit Danzig 2.8 2.8 4.4 8.4 Belgien.., 2.5 2.5 0.9 0.6 Schweden'«» 1.9 1.9 1.5 1.1 Russland.., 1.3 1.6 1.8 0.4 Britisch-Jndien« 1.8 1.8 1.8 1.1 Dänemark». 1.8 1.2 1.5 0.8 Türkei..» 1.2 1.7 1.0 0.8 Argentinien.» 1.1 1.0 0.9 0.8 Südafrikanischer Staatenbund. 0.8 0.8 0.4 0.1 China.,» 0.8 0.7 0.4 0.2 Aegypten.». 0.8 0.7 1.0 0.7 Norwegen.. 0.8 0.9 0,5 0.4 Spanien..■ 0.7 0.6 0.6 0.1 Brasilien.•» 0.8 0.4 0.4 0.1 Columbien H» 0.8 0.1 0.2. - 0.1 Litauen.,, 0.6 0.6 0.2 0.1 Palästina.» 0.6 0.3 0.1 — Kanada... 0.6 0.7 04. 0.1 Persien... 0.5 0.2 0.1 —- Es ergeben sich demnach zum Teil recht be deutende Rückschläge des prozentualen Anteils der «»Mche Aufträge Die HandelSvertragSverhandlungen mit Russland sind noch im Zuge. Doch besteht bereit» begründete Aussicht, datz vor allem unsere Metallindustrie eine Reihe recht ansehnlicher Aufträge hereinbekommen wird. Go sollen russische Bestellungen in Blech, Schienen usw. im Werte von einigen 10 Millionen Kronen bei den WItkowitzer Eisenwerken unmittelbar vor dem Abschluss stehen. Die Berg- und Hüttenwerks-Gesellschaft hat chon einen Auftrag auf Walzmaterial in Höhe wn 4,6 Millionen XL erhalten; einen Auftrag ür zwei Turbinen mit Zubehör im Werte von drei Millionen XL kann die Erst« Brünner Maschinenfabrik buchen. Die KarlShütte steht vor dem LieferungSabschlutz von 1800 Tonnen Kistenblech für etwa 8 Millionen XL. Industrielle Kreise hoffen, dass die russischen Aufträge, sofern die Kreditbedingungen eine zufriedenstellende Regelung finde«, bald die Höhe von 120 Millionen Kronen erreichen dürsten. Abonnements- Bestellschein. Abonnier« ab, 1984 va» täglich erscheinende Zentralorgan der deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei „©osmiaemofrat" Verwaltung Prag XU., Fochova tt. 62, zum Preise von^16 XL monatlich, und sende diese« Betrag nach Erhalt de» Erlagscheines ein, Name: Genaue Adresse: ,,,,,,,,,,, Letzte Post:...,,,» Unterschrift:......... Seite 6■ »Sozialdemokrat" Sonntag, 25. November 1934. Nr. 277 PBAGBR ZgmJMft lackierte Türen Theater spielen können, versuchten in verdienstvoller Weise trotz der Szene das Stück zu spielen. Ihnen dankt man es, wenn einiges von dem Schauspiel verständlich wurde. E. F. Hilfsaktion für Arbeitslose des Steinschönauer Gebietes Am Sonntag, bett 25. November erfolgt die Sammlung in folgenden Bezirken: 2., 11., 12., 13., 14. und 15. in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags. Die Genossen werden gebeten, die Spenden dorzubereitem Gesammelt werden: Kleider, Wüsche, Schuhe und Spielsachen für Kinder«nd Geldspenden. Gajda meldet sich Die Volksseele brodelt. Rund um das Hus- dcnkmal stehen Kopf an Kopf tschechische Studenten. Unter der hoheitsvollen, übermenschlichen Steingestalt des Johann Hus. steht, der eifernde Redner auf den Stufen des Denkmals. Mit heftiger, weitausholender, theatralischer Gebärde zeigt er hinauf zum steinernen stillen Mann und redet dazu vom Recht der Nation. Beifall der Demonstranten umbrandet seine Redx. Jeder hältchen anderen durch Geräusch und. Geschrei in Stimmung, in nationaler Stimmuyg. Zum Schluß ernennen sich die Randalierenden.auf die übliche, aber üble Weise zu Vertretern der Nation. Mit raschen Schritten springt ein Mann die Stufen empor. Schnelle Worte wirft er. unter die Studenten. Sein rechter Arm hebt sich vor. ein Finger zeigt hinüber über den Platz, hinein in die Menge: Gajda. Die Regie klappt. Die Arrangeure ziehen an den Strippen. So.steht er da. Bieder und zufällig dazugekommen wie alle Exgeneräle. Getreue reden auf ihn. ein:„.Sie müssen reden". Und so„vom Volke selbst gerufen" steht er schon vorne und redet. Der Beifall ist mehr spärlich als allgemein. Es ist noch nicht ganz Zeit für den General." Aber die Drahtzieher sind am Werk. Männer, die schon etwas zu alt sind Mr- Studierende schreien die Parolen. Aus zur-Deutschen Technik! Ta und dort halten Sprechchöre das Süppchen am Kochen. Die rechten Studenten kennt man heraus aus diesem Zug, der sich nun durch das Judenviertel ivälzt. Sie sind mehr fröhlich beim Skandal. Heute erst halb verführt v»m-jungen Gel- tnngsbedürfnis und hochtrabenden Worten, aber allzu bereit hinter eitlen Akteuren fascistischer Abenteuer zu marschieren. Gleichsam zur Probe springt man einen Juden vor seinem Laden an. Schlägt ihn ins Gesichts schreit ihn an: Fahr nach Palästina. Alles gleichsam zur Probe. An'der Rutschen. TeiHnil sicht die Polizei Mann an Mann. Pfeifende und johlende Jünglinge tanzen um sie. Schimpfchöre gegen die Polizisten steigen, weil diese„unnationalen" Männer ihnen nicht erlauben, die Deutsche Technik vielleicht auch-ein wenig zu demolieren. Ehrliche Empörung tobt, weil man die Deutschen hier in Prag noch nicht verprügeln darf. Nieder mit den Deutschenschützern, schreit eine hysterische Studentin. Nieder, brüllt der Chor. Irgendwo hebt ein Akteur die Hand: Achtung! Er gibt neue Parolen, für neue Radauaktionen. Menschenquülerei. Gegen Tierquälerei schreitet die Polizei ein, warum nicht auch gegen Menschenquälerei? Auf dem Graben kann man zur Zeit einen bedauernswerten Arbeitslosen beobachten, der, in ein wahres Ungetütst gehüllt, das einen„Maschinenmenschen" darstellen soll, Mr irgendeine Firma Reklame geht. Die Füße dieses Menschen stecken in viereckigen, käfigartigen Holzkasten, er kann offensichtlich nur unter größten Anstrengungen einen Schritt vor den anderen setzen. Trotzdem muß er seinen ganzen, weiten Bezirk kontraktgemäß ablaufen. Sollte man einen derartigen empörenden Mißbrauch mit hungernden Opfern der Gesellschaftsordnung nicht verbieten? Der Bau der Effektenbörse auf dem Grundstück des deutschen Theatergartens soll im Frühjahr beginnen. In der nächsten Woche wird der Bauausschuß neuerdings über den schon seit 1928 geplanten Neubau beraten. Bon der Landes- bank würde ein Kredit-aufgenommen werden. Die Baukosten sollen 15 Millionen Kö nicht über- schreiten. Bei Magen- und Darmbeschwerden, Stuhlträgheit, Aufblähung, Sodbrennen, Ausstößen, Eßunlust, Benommenheit, Schmerz in der Stirn, Brechreiz bewirken 1 bis 2 Glas natürliches„Franz-Josef"- Binerwaner gründliche Reinigung des ganzen Ber- dmmngsweges. Aerztlich bestens empfohlen. Freie Vereinigung sorialistischer Akademiker. Einladung zur zweiten Generalversammlung am Montag, den 26, November, um acht Uhr abends im Hotel„M o n o v o l"(beim Masaryk-Bahnhof)„Wintergarten". Bestimmtes und pünktliches Erscheinen Pflicht! Der Ausschuß. Konst und Wissen Sanatorium Dr. Eger Der Weg des Theaters von Richard Wagner zu Waldek& Wagner könnte man die Aufführung des Schauspiels von Sidney Kingsley nennen, die gestern ihre Premiere hatte und zu deren Generalprobe neben den Journalisten auch die Aerzte gelaßen waren, um zu prüfen, ob die Darsteller ihre weißen Mäntel mit Anstand tragen, die vielen Fachausdrücke richtig aussprechen und alle Handgriffe zünftig ausführen. Es sei vorweg bemerkt, daß Sidney Kingsleys Schauspiel„M enschen in Weiß" kein schlechtes Stück sein muß. Es hat nur den einen großen Mangel, daß es durch die Regie hindurch überhaupt nicht mehr erkennbar ist. Soweit sich die Umrisse eines Dramas aus den Schaubildern abzeichneten, läßt sich feststellen, daß„Menschen in Weiß" wie viele moderne Stücke eine viel zu lange und primitive Exposition hat(es müßte im siebenten Bild be- Benjamino Gigli Der ungeheure Andrang des Publikums zum Gastspiel Benjamino Giglis am Prager Deutschen Theater als Rudolf in Giacomo Puceinis Oper„Boheme" hat wieder einmal Aar bewiesen, daß bei uns nur Sensationen volle Häuser machen. Den italienischen Startenor Gigli, dessen Gesangsruhm zwei Weltteile erfüllt, mußte man sich doch anhören, man mußte dabei sein, wenn er im Theater sang, um über ihn mitreden zu können, wenn er in den nächsten Tagen das Gesprächsthema der Stadt sein wird. Abxr viele werden ein wenig enttäuscht gewesen sein über den Wundertenor, wenn sie es öffentlich auch nicht zu sagen wagen. Denn Gigli hat die hochgespannten Erwartungen, die sich an sein erstes bühnenmäßiges I Prager Auftreten knüpften, nicht restlos erfüllt: er . war keineswegs die erwartete große Sensation. Seine eher herbe als süße Stimme ist nur im kunstvoll- endeten Piano überzeugend schön und blendet nur im Forte der offen herausgeschleuderten hohen Töne. WaS seiner Stimme aber fehlt, ist die dynamische Ausgeglichenheit und die gleichmäßige Verwendbarkeft der Register. Ueber diese Mhlbaren Stimmmängel hilft auch die ausgezeichnete, echt italienische Gesangstechnik des Künstlers nicht hinweg, die in der vorbildlichen Kunst des PortamentS und Tonginnen), daß es das Problem des ärztlichen Berufs in dieser Zeit sehr«inseiftg als das Problem des überarbeiteten und am Heiraten gehinderten jungen Aerztes ansieht und daß es daher die wesentlichen und die Oeffentlichkeit interessierenden Krisenerscheinungen, Uebel und Auswüchse der Medizin nicht sieht oder nur oberflächlich streift.. In die Problematik wird eine tragische Liebesgeschichte ein-1 felt. spinnens, in der vollendeten Kunst des Schwelltones und in der flüffigen gesanglichen Phrasierung gip- Ueber den Darsteller Gigli wollen wft einen Erwartet heute die Sammler der„Arbeiterfürsorge“! geflochten. Ein Arzt hat eine Liebelei mit einer Pflegerin. Diese läßt die Folgen der Beziehung von einem Kurpfuscher beseitigen. Auf dem Operationstisch verrät sie das Geheimnis nicht nur den operierenden Aerzten— zu denen der schuldige Liebhaber gehört—, sondern auch der millionenschweren Braut diese? Arztes, die zufällig bei der Operation kiebitzt(wie weiland der ahnungsvolle Moiffi in Salzburg). Aber diese und jene Handlung, die Erotik des Spftals-Jnternats und die Krise des moderney Aerzteberufs, treten zurück hinter der Aufmachung. Die Regie frißt das Stück. Es ist eine Inszenierung Max Reinhardt- L i e b l, wenn man will auch schon ein Ueber- Reinhart, aber sie entstammt dem Ideenreich des Salzburger Kulissenzauberers, der Shakespeare zur Wirkung zu helfen glaubte, wenn er echten Rasen auf die Bühne brachte. Die Prager Aufführung imiftert nur, was anderswo, zuletzt in Wien mit Kassenerfolg probiert wurde. Sie verzichtet darauf, die Leute noch mit dem Argument ins Theater zu rufen, daß hier Theater gespielt, Kunst reproduziert wird. Wichtig ist nicht, daß Herr V a l k einen von seiner Aufgabe besessenen Primarius gut verkörpert, wichftg ist, daß er sich die Hande an einem echten, Mr Chirurgen erzeugten Waschbecken wäscht, daß er Gummihandschuhe anzieht und Diagnosen mit allen mediziüi- schen Einzelheiten stellt. Ob das Stück gut oder schlecht ist, besuchen werden-die Leute es einzig aus dem Grunde, aus dem sie ins Anatomische Museum gehen: sie wollen den Operationssaal sehen und das Gruseln erleben, Zeugen von gut gespielten Collapsen, richtig gefingerten Injektionen, von Sterilisafton, Narkose und Toilette der Chirurgen zu sein. Vielleicht halten wir bereits dabei, daß Theater anders nicht leben können. Warum aber behalten sie dann die überalterte Form bei, wozu haben sie Dramaturgen, Schauspieler, Direktoren, von denen man— mindestens was die beiden erstgenannten Kategorien betrifft— glauben sollte, daß sie al?.Künstler und aus innerer Berufung zur Bühne kommen? Dann ist doch all das überflüssig! Der Auslagendekorateur von Waldek& Wagner macht«s, nicht der Regisseur Liebl! Der Monteur ist die Hauptperson, nicht Herr Klippel. Die Nähterin, die Mr den Schnitt der Mäntel verantwortlich ist, erscheint bedeutender als Frau Wünsche, die den"Mantel trägt. In Wien spielt man bereits im Zirkus Theater und Herr Marischka tröstet das Publikum darüber, daß er kein zugkräftiger Tenor mehr ist, mit dem Beweis seiner Kunstferttgkeit als Roffelenker. In einem andern Theater wird ein richtiges Schnitzel auf der Bühne ausgebraten und die Leute kaufen Orchestersitze, damit sie im Theater Schnitzel riechen können (so wie sie es früher gern hatten, wenn im Restaurant oder bei einer privaten Tafel ein Schauspieler als Rezitator oder Sänger auftrat). Wenn wir wirklich hier halten, dann baue man doch den künstlerischen Stab der Theater radikal ckb und übergebe die Aufführungen der jeweils zuständigen Firma. Ein Stück, das im Kolonialwarenhandel spielt, könnte Meinl inszenieren, Mr Schuhe wäre Bala zuständig und er würde es ohne Zweifel groß- arttg machen, die Schnitzel backe der Koch von Sroubek und den„Wilhelm Tell" lasse man ruhig von einem Oberförster in Szene setzen. Vielleicht ist es der lang gesuchte Ausweg aus der Theaterkrise! Vielleicht bekommen wir dann wirklich einmal die Shakespeareschen Königsdramen zu sehen, denen Herr Dr. Eger sonst kein Interesse abgewinnen kann— nur müßte man dann nicht etwa die hiesige Kriminalpolizei, sondern schon den Goering alsRegisseur gewinnen, denn wo der Blutbann beginnt, ist er Meister. Tannhäuser könnte im Rahmen eines Maffagesalons auftreten, und bei der Generalprobe müßten alle„Inhaberinnen" als Kontrollorgane zugegen fein— kurzum das Repertoire ist unerschöpflich, die Möglichkeiten unbegrenzt, die Kaffenausfichten glänzend. Aber man müßte es konsequent und ehrlich angehen l Übrigens: Valk, Klippel, Marli, Marion Wünsche, Volker und viele andere Künstler, die auch ohne Gummihandschuhe und weiß strengeren krittschen Maßstab lieber nicht in Anwen- dung bringen. Er agiert auf der Bühne so gut er es kann und wie es sein Temperament zuläßt. Manchmal wirken seine zappeligen und konventio- nellen theatralischen Gesten eher komisch als ernst. — Eine bemerkenswerte Neubesetzung wies diese „Boheme"-AufMhrung auf; die Mimi Frl. Vera Mansingers. Die durchaus lyrisch geartete Stimme dieser Sängerin und ihr mehr passives als lebendiges Darstellungstalent eignen sich ganz besonders Mr die Rolle der sentimentalen und leidenden Mimi. Ihrer gesanglichen Leistung ist vor allem kultivierte Tonbehandlung und warmfühlender Vor- trag nachzurühmen. Auch daß die Künstlerin dem italienischen Partner und Stargast zuliebe ihre Par- tie italienisch zu singen in der Lage war, sei ihrer Kunst hoch angerechnet. Musikalischer Leiter des Opernabends war Kapellmeister Max R u d o l f, der auf-alle Eigenheiten des berühmten Sängergastes bereitwillig einging. E. I. Wochenspielplan des Neue« Deuffchen Theaters. Heute Sonntag, halb 3 Uhr: Sensationsprozetz, halb 7: Meistersinger von Nürnberg, B 1.— Montag 8: Tanzabend Harold Kreutzberg.— Dienstag halb 8: Menschen in Weiß, A 2.— Mittwoch halb 8: Giuditta, BI.— Donnerstag halb 8: Manon, CI.— Freitag halb 8: Blaubart, Erstaufführung, Bankbeamte und freier Verkauf, D 2.— Samstag halb 8: Menschen in Weiß.—• Sonntag 11: Kammermusik, halb 3: Nacht vor dem Ultimo, halb 8: Carmen, D 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 3: Straßenmusik, 8: Fremdenverkehr.— Montag 8: Straßenmusik.— Dienstag halb 8: Großreinemachen, Erstaufführung. — Mittwoch 8: Fremdenverkehr.— Donnerstag 8: Nacht vor dem Ultimo.— Freitag 8: Großreinemachen, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf. — Samstag 814: Hoch klingt das Lied vom braven Mann,— Sonntag 3: Hoch klingt das Lied vom braven Mann, 8: Großreinemachen. »er Film Der junge Baron Neuhaus Daß die Berliner Ufa sich Stefan Kamares dumm-frivoles Monarchistenstück von der Wiener Bühne ins Babelsberger Filmatelier geholt hat, beweist aufs neue, daß ihr Geist und Geschmack verhaßt sind und daß sie, die von ihrem edeldeutschen Regisseur Gustav von Ucicky so ost den Preußenkönig Friedrich filmisch illuminieren ließ, auch von demselben Herrn die Maria Theresia anhimmeln läßt, wenn nur die Möglichkeit besteht, etwas pomphaft Reaktionäres mit pikanten alkoholischen und pseudolvrischen Einlagen daraus zu machen. Der Ufa-Ucickh hat das Abenteuer des jungen Barons, der ein Hofamt ergaunert, eine Kammerzofe verführen will und zum Lohn dafür, daß er den Verdacht abzulenken versteht und das liebende Mädchen im Sttch läßt, eine Hofdame der huldvollen Kaiserin heiraten darf, in den gehörigen Rahmen gestellt: da wird kutschiert und geritten, da werden Hofknickse, Handküsse und Toilettenszenen vorgeMhrt, da sieht man das ordinär betrunkene Volk b:im Heurigen und den charmant-galanten Adel in den Gemächern der Hofburg,— und daß dort ein Diener zum Oberhofkammerheizer ernannt wird, wird als Großtat des Humors aufdringlich betont. An dieser kostümierten Oede gemessen, waren die vorhitlerischen Ufa-Operetten(die auch*chon ärgerlich genug waren) wahre Schatzkammern voll szenischen und dramatischen Einfällen,— und die einstigen Ufa-Lustspiele waren dagegen wahre Musterleistungen darstellerischer Kunst. Hier sieht man die inzwischen fchimpflich dabongejagte KÄhe vonNagyin krampfhaftem Bemühen, vornehm zu erscheinen, und Victor de Kowa, der als kesser Berliner nicht unbrauchbar war, wirst in der Rolle des Baroys Neuhaus wie einer, der versehentlich in die falsche Aufnahme hineingeraten ist..^ans Moser, der vermutlich das Wienerische und 10 Prozent Sonder-Nachlaß auf diese Anzeige! Anerkannt allerSege BezugSguelle! BiMgeBettfedern in»ur erstnassiac« Qualitäten. 1 Ha. neuer grauer Halbschleift Kc 12.— u. 15.—, balbwetßz Haumitte Ke. 18.— u. 20.—, Weiße aeschlifsene flaumige XL 25.—, 30.—- u. 35,—, bessere Kc 40.— u. 50.—, feiner Weiber Herr- schaftsschleiß. Kc 60.— u. 70.—, feinster schneeweißer Halbflaum Kc 80.—, Daunen weift Kc 90.— U. 110.—, allerfeinfi Kc 120.—. Rupsfederit unaefchl.. weiß Kc IS.— u. 26.—, Landruvf sein Kc 36.—, Klaumrupf Kc 45.—. gcrtiae große Tuchente aus prima Inlett, aut gefüllt Kc 60.—, 80.—, 120.—, 140.—, 160.— und 220.—.«opfpolfter Kc 20.—, 23.—. 26.—, 35.—, 40.—, 50.— und 65.— gegen Nachnahme. Nichtvafsendes umgetauscht oder Geld zurück, daher kein Risiko. Ausführliche Preisliste über alle Bettware« sowie Muster kostenlos. Führendes Bettfcdern- Großhaus Mill Müllt Böhmerwald 2756 Komische zu Ehren bringen sollte, kopiert nur noch sich selbst und redet mehr als selbst ein guter Film ertragen könnte.—eis—-i. Vcrclnsnadirldifcn SPD- Emigranten. Arbeitsgemeinschaft Par« teiprogamme: Dienstag, den 7. November: 5 bis 7 Uhr Parteiheim Närodni tk.— Arbeitsgemeinschaft: Iaksch: Donnerstag, den 29. November, 6 bis 7 Uhr Parteiheim Närodni tk.— Arbeitsgemeinschaft: Organisationsfragen: Donnerstag, den 29. Novembers halb 8 bis halb 10 Uhr Letna-Heim, Kamenicka 1. Film« in Prager Lichtspielhäusern bis Donnerstag, den 29. November Adria:„Mutter Kracmerka." Tsch.— Alfa: „Hej Rupl" Tsch. Boskovec u. Werich.— Bera- nek:„Jud Süß." E.— Fen ix:„Mutter Krakmerka." Tsch.— Flora:„Im Morgenrot." Tsch.— Gaumont:„Bei uns in Krähwinkel." Tsch.— Julis: „Bei uns in Krähwinkel." Tsch.— Kinema: Journale, Groteske, Reportage. s^2 bis%8.— Koruna: „In fremdem Revier." Tsch.— Kotva:„Kleine Frauen." A.—Hepburn.-— Lucerna:„Kleine Frauen." A.— Hepburn.— Olympier„Der heldenhafte Kapitän Korkoran." Tsch.— Burian.— 1 Passage:„Bengalien." Kulturfilm.— Radio:„J-d Süß." E.— Skaut:„Sabr a." Palästina-Tonfilm.— Svktozor;„Bei uns in Krähwinkel." Tsch. Mitteilungen der»Urania« Heute halb 11 Uhr:„Unter südlicher Sonne." Eine" Mittelmeerfahrt. Ausgezeichnete Landschastsaufnahmen. Das Land der klassische» Schönheit. „Das letzte Kommando." In der Reihe: Unvergeßliche Filme. Emil Jannings als Großfürst Alexander Sergius. Regie: Sternberg. Einzige Vorführung: Montag,%9 Uhr. „Urania-Radiobund." Vortrag Jng. Kny:„Spulen im modernen Empfängerbau und Störschutz., Dienstag, 8 Uhr. „Kinder-Lachmittag." Sechs ausgelassene Lustspiele, darunter Charlie Chaplin. Der Märchenonkel und der Kinderwettbewerb. Mittwoch, 3 Uhr. Mafaryk-Bottshochschale Heute 11 Uhr:„Der handwerklich« Bildaufbau bei den alten Meistern." Prof. Rudolf Br a u n. Treffpunkt: Galerie der alten Meister(Städische Bücherei), Marienplatz. „Beethoven»nd wir." Ministeriarat a. D. Prof. L. Kestenberg. Letzter Abend: Montag, 8 Uhr. „Die schöpferische Bedeutung des Widerspruches in der Philosophie." Dr. F. W e l t s ch. Die großen Fragen, die uns das Leben stellt, werden immer wieder naiv stepttsch, mystisch oder realistisch beantwortet. In diesem Kurs soll eine Uebersicht über diese Beantwortung und eine Wertung derselben gegeben werden. Beginn: Montag, 8 Uhr. „Gedächtnisausbildung." Dr. B. Fürst. Beginn des neuen Kurses: Montag, 8 Uhr. „Berkanfeu— keine Kunst." Dr. Else Go- derHermann. Beginn eines neuen, Mr jedermann wichtigen, praktischen Kurses. Montag, 8 Uhr. „Biologisches über Atmung und Berdammg." Univ.-Prof. Dr. I. Gicklhorn. Montag, 8 Uhr.- „Erziehungsberatung." Jndividualpsychologe Paul F i s ch l. Zärtlichkeit und Verzärtelung in der Erziehung. Dienstag, 8 Uhr. „Wie forme ich mein Leben«nd meine Versöu- lichkeit." Dr. Arnold Hahn. Wie groß ist das Maß unserer Kräfte? Experimente mit sich selbst. Prüfung des Charakters. Dienstag, 8 Uhr. Verlangen Sie In lecker Verkaufsstel'e des Konsumvereines SELCHWAQEN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa.HEGNER• Cie.. PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I B e z trgsbed i n g u n g e n: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljäürip KC 48.—. halbjährig KC 96—, ganzjährig Kö 192—— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitnngsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mft Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.