1 A Einzelpreis 70 Holler (einschließlich S Heiler Pc-to) IE NT RALOR GAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK BESCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«. telefon sm. Administration Telefon sw«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Dienstag, 27. November 1934 Nr. 278 Drei unruhige Tage Nicht das Volk- die Gasse Pie Insignien tiberaeben Prag. Seit drei Tagen lebte Prag in einer Fieberstimmung, die von unverantwortlichen Elementen zu einer skrupellosen nationalen Hetze mißbraucht wurde und darüber hinaus zu einer bedauerlichen Demonstration reaktionärer Faktoren ansartete. Die aussichtslose Protestaktion der deutschen Universität gegen die durch das Gesetz aas dem Jahre 1920 angeordnete Herausgabe der Universitätsinsignien an die tschechische Universität endete damit» daß am Montag diese Insignien von der deutschen Universität ausgefolgt und von den Vertretern des Unterrichtsministeriums übernommen wurden. Aus dem Ministerium wurden sie dann vom Rektor der Karlsuniversität, Dr. Drachsiovskh Deutsches Industriellengeld demonstriert für den tschechischen FascismusI Jterr Jlodai dirigiert die Gasse An.den Demonstrationen am Samstag, in deren Verlauf im Slawistischen Institut der Deutschen Universität Einrichtungsgegenstände zertrümmert, im Volksbildungshaus„Urania“ Scheiden eingeschlagen wurden, an diesen Demonstrationen verantwortungsloser, unreifer und— wie Augenzeugen berichten— teilweise sogar angeheiterter halbwüchiger Burschen, haben anscheinend auch einige sehr verantwortlich e Leute teilgenommen. Wir meinen nicht den G a j d 1, der in die Gesellschaft paßte. An der Spitze eines der Züge marschierte aber der Sekretär des Industriellenverbandes dr JVodal der auch eine Ansprache an die demonstrierende Und demolierende Zlatä generace, die goldene Jugend des tschechischen Fascismus hielt. Herr Dr. Hodä£ bezieht als Angestellter des tschechisch-deutschen Industriellenverbandes ein nachweisbares Jahreseinkorn m e n von 300 000 JCl die mindestens zu ei ne m V iertelvon deutscher Industriellen a u f g e b rächt werden. Was sagen die deutschenlndustriel- len zu diesem Angestellten? Was.sagt das tschechische Volk zu diesem„nationalen“ Vorreiter, dessen Sporen nach deutschem Gold klingen? Was sagt Henlein zu solcher„Volksgemeinschaft“? Hat Hodää die Kundgebungen dirigiert, so hat der Direktor der Zivnobank, Dr. Freies (Verehrer Hitlers) sie immerhin inspiziert Er stand am Wenzelsplatz, als die von der Polizei streng verbotene Zusammenrottung am Montag erfolgte. Preise, Hodäd, die Zivnobank — hier haben wir die wahren Interessenten an den Krawallen. Die Dornin und San Ni- colö sind bloß die Statisten, die das Stichwort liefern. Als sich Henlein vor 14 Tagen in W a l- lern und B.-Krumau von seinem Adjutanten S a n d n e r einführen ließ, glaubte dieser, zu seinen üblichen Angriffen auf die Sozialdemokratie noch die unerhörte Provokation hinzufügen M dürfen, daß er das Wort von dem„sozialdemokratischen Gesindel" gebrauchte. Vielleicht meinte dieser Renegat, daß die geduldige Arbeiterschaft des Böhmerwaldes die Beschimpfung ruhig ein- stecken werde. Aber Henlein, und seine Trabanten täuschten sich: die Partei rief das arbeitende Böh- Merwaldvolk zu einer Kundgebung für Freiheit Und Brot; gegen den getarnten Fascismus auf und innerhalb zehn Tagen erreichte diese Kunde den ganzen südlichen Böhmerwald und fand überall begeisterten Widerhall. So wurde in einigen Tagen die mächtigste sozialdemokratische Kundgebung organisiert, die B.-Krumau in den letzten Jahre« überhaupt gesehen hat. Zwei Sonderzüge, die von Wallern aus abgefertigt wurden, brachten an die tausend Personen Nach Kriimau und daneben eilten auch aus den Entferntesten Bezirken des südlichen Böhmerwaldes unzählige Menschen in Autobussen,, auf Rädern und zu Fuß herbei. Alsbald stand die ganze Stadt unter dem Eindruck, der sozialdemokratischen Invasion. Nach halb zwei Uhr nachmittags bewegte sich vom Bahnhof-Vorort durch die ganze Stadt der imposante Demonstrationszug, in dem die Teilnahme der Frauen und vieler Jungarbeiter besonders freudig auffiel. Das Kommen des Zuges kündigte eine, große Standarte mit der Aufschrift »Es lebe Masarykl" und je eine Staats- klagge und eine rote Fahne an. An der Spitze mar- «nd den Dekanen feierlich eingeholL Prag hat drei erregte Tage hinter sich— drei Tage bedauerlicher nationalistischer Ausschreitungen. Es begann am Samstag, als bekannt wurde, daß die deutsche Universität die Herausgabe der„altehrwürdigen Upiversitätsinsignien", die bereits vor 14 Jahren im Universitätsgesetz. festgesetzt worden war, mit einem aussichtslosen Demonstrationsstreik beantworten wolle. Unter verschiedenen Ausschmückungen kursierten die phantastischesten Gerüchte von „Barrikaden der deutschen Studenten^ im Caroli- nimn n. dgl. Die sattsam bekannte Hetzpresse griff wirkungsvoll ein. Die Folge war, daß sich verschiedene, tschechische studentische Organisationen, bei denen die Vertreter des„integralen Rationalismus" ein gewichtiges Wort zu sprechen haben, Versammlungen einberiefen, bei denen eine wenig wählerische nationale Hetze entfaltet wurde, die zu bedauerlichen Entladungen führen mußte. Die deutschen, nationalistisch eingestellten Hochschüler blieben hinter diesem löblichen Beispiel nicht zurück. Sie besetzten das deutsche Rektorat und Teile des Carolinums, fest entschlossen, die„altehrwürdigen Insignien" nicht auszuliefern. Der Appell der sozialistischen Studenten zu Vernunft und Besinnung blieb vergeblich. Die Folge dieses Entschlusses der nationalistischen Studenten waren sehr unakademische Prügeleien und Raufszenen. Denn die tschechischen schierten die strammen Republikanischen Wehrleute aus Prag und ihnen folgten unsere Wehrleute aus den Böhmerwaldbezirken und die großen Scharen der demonstrierenden Proletarier. Einige Orte hatten ihre eigenen Musikkapellen mitgebracht. Auf Standarten wurden die wirtschaftlichen und sozialen Forderungen der Partei und der entschlossene Wille unserer braven Arbefter verkündet, Schluß mit dem Henlein-Fascismus zu Machen. Eine große Standarte rief es weit hinaus:‘ Der Böhmerwald bleibt rot! Eine nicht anzuzweifelnde Feststellung angesichts dieses großartigen Aufmarsches, an dem sich 2500 bis 3000 Menschen beteiligten! Zwei Massenversammlungen Nach dem Demonstrationszug füllten die Masten der sozialdemokratischen Arbeiter, Kleinbauern, Frauen und Jugendlichen sämtliche Säle des„Neuwirtshauses"-und die„Schießstätte". An den Kundgebungen haben sich bestimmt mehr als dreitausend Menschen beteiligt. Im Neuwirtshaus sprach. Abgeordneter Genosse de Witte aus Karlsbad, in der„Schießstätte" Genosse Ernst Paul aus Prag. Beide Redner fanden leidenschaftliche Worte gegen den Arbeiterbetrug. der Henlein-Fascisten und forderten mit nachdrücklichem Ernste von den verantwortlichen Faktoren des Staates, daß auch den hungernden und darbenden Menschen im Böhmerwald Arbeit und Brot gegeben werden. Die Leitung der einen Kundge- bung hatte Genoste Zapf, der zweiten Genoste Pfahl inne. Auf beiden Kundgebungen wurden unter großem Beifall Begrüßungstelegramme an den Staatspräsidenten befchloffen. nationalistischen Studenten hatten es"ch in den Kopf gesetzt, das von ihren deutschen Gesinnungsgenossen besetzte Rektorat zu. stürmen, was zu solchen Aus- schreitungen führte. Daß die Polizei den von den akademischen Bürgern selbst entwürdigten„akademischen Boden" mit Gummiknüppeln säubern mußte. Im weiteren Verlaufe des Samstags fanden dann vereinzelte Demonstrationen kleinerer Gruppen vor verschiedenen deutschen Gebäuden statt(wie: Deutsches Haus, Urania, Deutsches Theater, deutsche Reaktionen ü. dgl. m.) die.aber im.galizen harmlos verliefen, d. h. ohne größere Gewalttätigkeiten. Wie nicht anders zu erwarten, zeigten die am Sonntag fortgesetzten Demonstrationen ein ganz anderes Bild. An diesem Tage wuchsen sich die Kundgebungen zu regelrechten Ausschreitungen aus, bei denen nicht mehr die Studentenschaft» sonder» die Prager Gaste den Ton angab. Die beruhigenden Aufrufe des Rektors Dr. Drach- novsky hatten offenbar keine Wirkung gezeitigt. Schon am Vorabend hatten die Demonstranten stellenweise nicht nur ein deutschfeindliches, sondern ein antisozialistisches und antisemitisches Gepräge angenommen. Nicht nur vor dem„Prager (Schluß auf Seite 2) Professor Barth entlassen Der Professor für evangelische Theologie an der Universität Bonn, Dr. K a r l B a r t h, ist suspendiert worden, weil er sich weigerte, den Eid auf Hitler zu leisten. Außerdem wurde em Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Die Verfügung hat der seinerzeit wegen Irrsinn von seinem Amt als Mittelschullehrer beurlaubte Minister R u st getroffen. Professor Barth ist seit Harnacks Tod der führende evangelische Theologe Deutschlands. Er hat unmittelbar nach dem Machtantritt der Nazi eine wissenschaftlich-theologische Streitschrift erscheinen lasten, die in drei Wochen in einer Auflage von Zehntausenden' Exemplaren verbreitet war.- 20 Prozent 6er Stimmberechtigten angefochten Saarbrücken.(Havas.) Bon den 107.000 von Bürgern der Saarregierung eingebrachten Reklamationen gegen die Wählerverzeichnisse haben die Inspektoren der Plebiszitkommission 83.000 Beschwerden abgewiesen. Die Berufungsfrist ist am Sonntag abgelaufen. Dem Obersten Plebissitgericht gingen noch 3000 Berufungen zu. Diele Ziffer dürste sich jedoch noch erhöhen. Das„Volksgericht** wütet Berlin.(DNB.) Dkr Volksgerichtshof verurteilte den 39jährigen ehemaligen Instrukteur des Zentraläusschustes der KPD Hans Pfeiffer wegen Vorbereitung zum Hochverrat zur zuläs- sigen Höchststrafe von drei Jahren Zuchthaus, den 29jährigen Hugo Paul aus Remscheidt zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus. den 39jährigen Rudolf Hennig aus Düffeldorf zu zwei Jahren Gefängnis* und die Mitangeklagte 28jährige Ellen Ltzeg, die Pfeiffer als Schreibhilfe zur Verfügung gestanden hatte, zu einem Jahr drei sssionaten Ge- jängnis. Schach dem fascistischen Treiben! Als vor kurzer Zeit das Parlament zusammentrat und Abgeordnete ebenso wie die Regierung sich mit den zu lösenden Aufgaben befaßten, da war die Auffassung allgemein, daß kein dringenderes Problem vorhanden sei, als die B e l e- bung der darniederliegenden W i r t s ch a f t und die H ilfe für die Opfer der Krise im sechsten Krisenwinter. Wer an die hunderttausenden Arbeitslosen denkt, an die Männer und Frauen, Greise und Kinder, die hungern und frieren, inuß zu der Ueber- zeugung gelangen, daß die Hauptaufgabe der Regierung und Verwaltung die Lage für die unverschuldet in Not Geratenen ist. Gerade jetzt ist auch in tschechischen Kreisen die Erkenntnis durchgedrungen, daß d i e H i l f e d o r t geleistet werden muss, Nfo die Not am g r ö ß t e n i st und"das sind die industriellen Gebiete des Staates,, deren Bewohner in der Mehrh eit Deutsche s i n d. Der Ministerpräsident hat in seiner Rede dies soziale Moment betont, die Minister für öffentliche Arbeiten und soziale Fürsorge haben in wirkungsvollen Darlegungen all die Fülle von soziale)! Aufgaben Hervorgehabewan die wir Herantreten müssen, der Landespräsident von Böhmen hat eine Reise nach dem Nordwesten des Landes unternommen, um auch den Verwaltungsapparat den sozialen Bedürfnissen der Bevölkerung stärker anzupassen.' Diese Einstellung der Regierungspolitik aus die Durchführung bedeutsamer sozialer Maßnahmen hat aber jenen nicht gepaßt, die sich trotz der lange» Dauer der Krise weigern, Opfer zu bringen. Das sind die Vertreter der Großindustrie und deren Hauptangestelller, der Herr Abgeordnete H o d ä i, sowie diejenigen, welche es als ihre besondere nationale Aufgabe erwählt haben, dem Bank- und Industriekapital die Kastanien aus dem Feuer zu holen, das ist die von Herrn Stribrnh geführte Menge. Einem Großteil jener, welche auf den Prager^ Straßen Schmährufe gegen die Deutschen und Juden ausgestoßen, Fensterscheiben nicht nur an deutschen, sondern auöhan anderen Objekten eingeschlagen haben, ist vielleicht gar nicht bekannt, was die Insignien Her Universität, um die der Streit ging, sind und sie haben wohl für diese altertümlichen Symbole sehr wenig Interesse. Für den Herrn Strlbrnh bedeutet jeder Straßenauflauf, mag es sich worum immer handeln^ nur eine Gelegenheit, die Stimmung einzelner Elemente, auf deren Zugehörigkeit keine Partei stolz zu sein braucht, gegen die demokratischen Parteien zu lenken. Von denselben Absichten ist der Generalsekretär des Jn» dustriellenverbandes, Dr. Hodak erfüllt, der die denkbar traurigste Rolle gespielt hat, als er an der Spitze der johlenden Menge über die größte Straße Prags gezogen ist und der noch vor einem Fahre die Gemeinschaft mit jenen Leuten, bei denen er sich heute wohlfühlt, mit Entrüstung abgelehnt hätte. Die Verbindung de§ Fndustriellenverbandes mitder AnhängerschaftStkibrnHs in den Prager Straßen, ist ein Zeichen dafür, wes s e n die Industrie im Zeitalter-des Zusam m enb tu. ches ihrer Wirts ch a ft fä h i g ist. Wie die tschechische Bevölkerung, jene Bevölkerung, die arbeitet und schafft, und auf der der tschechoslowakische Staat ebenso beruht wie die tschechoslowakische Wirtschaft, gesinnt ist, hat man in den letzten Tagen zu erkennen Gelegen- heit gehabt. Es ist festzustellen, daß, sich die a»ständige tschechische Bevölkerung Prags von dem Treiben der tschechischen Fascisten fern- g e h a l t e n hat und daß auch die anständige tschechische Presse Worte der Verurteilung der Drahtzieher der Demonstrationen gefunden hat. Wichtig ist. daß die tschechischen Linksparteien sich Roter Aufbruch im DOhmcrwuld Imposante Kundgebungen der Partei In B.-Krumau Seite L Dienstag, 27. November 1934 Nr. 278 dessen bewußt find, daß der ganze Rummel um hie Insignien, der da von den tschechischen Fasci- sten ausgeführt wird, keinen anderen Zweck hat, als die Parteien der Demokratie zu schwächen und die Prager Gasse für die dunklen Ziele.des FasciSmuS zu gewinnen. Ebenso wie es die Aufgabe der tschechischen Demokratie ist, mst aller Kraft dem Treiben des tschechischen Fascismus Einhalt zu tun, ist es Pflicht der deutschen dem okra- tischenParteien— und die deutsche Sozialdemokratie wird auch da die führende Partei der deutschen Demokratie sein— der nationalistischen Hetze im deutschen Volke entgegenzutreten. Denn eine Lehre der letzten Tage ist es, daß sich d i e Nationalisten von hüben und drüben gegenseitigin die Hände arbei- ten. Wie eS ungeschickt war gerade in der jetzigen Zeit wirtschaftlicher Not und außenpoliti- scher Spannungen, die Frage der Insignien überhaupt aufzuwerfen und das in einer durchaus unzweckmäßigen Form, so ist auch die Handlungsweise einzelner deutscher Faktoren unüberlegt und leider ftei von Erwägungen gewesen, was auS einem solchen Vorgehen erwachsen kann. Ueber diese Seite der Angelegenheit wird noch gesprochen werden müssen. Wer die nationalistische Verhetzung durch seine Ungeschicklichkeit und durch seinen Mangel an politischem Sinn fördert, versündigt sich schwer am deutschen Volke. In einer Zeü, wo hunderttausende Deutsche schwere Not leiden, wo jeder sozial fühlende Mensch, der nur noch ein bißchen Verbindung mit den Massen seines Volkes hat, kein grö» ßeres politisches Nahziel haben sollle, als seinen schwer leidenden Volksgenossen zu helfen und eine politische Atmosphäre zu schaffen, in der allein eine der» artige wirksapie Hilfe geleistet werden kann, muß jeder Schritt, der ge- tan wird, doppeft überlegt werden. Es wird auch auf die Dauer nicht geduldet werden können, daß der Kampf um-die Linderung der sudetendeutschen Not von Politisch unverantwortlichen Ele- menten durchkreuzt wird. Jede nationalistische Verhetzung, wie wir sie in den letzten Tagen miterlebt haben, führt zu einer Stärkung des Fascismus, zu einer Bedrohung der Rechte der Massen der arbeftenden Bevölkerung und zu einer Schädigung des Gesamtdeutschtums. Wenn die Nationalisten von beiden Seiten eine Stimknüssg enkfachen wollen," m"der die Pflanze des Fascismus gedeihen soll, muß die Sammlung aller demokrati- scheu Elemente des tschechischen und deutschen Volkes die Antwort sein. Die tschechischen und deutschen demokratischen Parteien müssen das Heft noch fester in die Hände nehmen, noch zielbewußter das Staats- schiff steuern und noch entschiedener dem offenen und getarnten Fascismus beider Lager entgegen- treten. Sie müssen es tun im Zeichen einer Demokratie, die entschlossen ist, die Freihesten und Rechte des Staatsbürgers zu wahren und jenen Hilfe zu bringen, die unter den Schlägen der Wirtschaftskrise zusammengebrochen find. Nichts wird den Radaufascismus und den Phrasen-Na- tionalismus stärker niedertreten können, als eine schöpferische sozialq.Demokra- t i e. Um ihre Fahne müssen sich alle sammel«, die eine bessere Zukunft des tschechischen und fu- detendeutfchen Volkes wollen. Drei unruhige Tage (Schluß von Seile 1) Tagblatt" und der„Bohemia" demonstrierten die Schreier, sondern sie schlugen auch einige Glasscheiben beim„Prävo Lidu" ein. Ebenso demonstrierte der Pöbel auch vor dem„Manes", einem Klub bildender Künstler, der den Ramm eines der größte» tschechischen Maler trägt. Die Demonstranten trugm Steine in dm Taschei. mit. Am Sonntag bestanden die demonstriermdm Massm bereits zum größtmteil aus typischen Repräsentanten der Prager Gaffe, wie die Personalien der fest- genommenm Personm sattsam beweisen. Die Polizei hatte unstreitig einen schweren Stand, wobei dahingestellt bleiben mag, ob sie überall jene Energie einsetzte, die wir bei anderen Gelegenheiten bei ihr feststellen konnten. Bereits der Sonntagsvormittag setzte mit demonstrativen Ansammlungen tschechischer Studenten auf dem Obstmarkt vor dem Carolinum und vor dem Repräsentationshaus ein. Der Herr Prorektor Dr. D o m i n unterließ es natürlich nicht, eine entsprechende Ansprache an seine Schüler und Jünger zu halten. Es kaiy mehrfach zu Zusammenstößen mit der Polizei. In dm Nachmittagsstunden verschob sich die Haupttätigkeit der Demonstranten auf den Wen» zelsplatz, wo die Polizei mit dem Gummi- knüttel einschreiten mußte und viele Verhaftungen vornahm. Je mehr der Tag vorschritt, desto zweifelhaftere Individuen zeigten sich in immer größerer Zahl unter der»national begeisterten Menge". Richt nur auf dem Wenzelsplatz selbst, sondern auch in besten Nebenstraßen bildeten sich immer nme Brennpunkte demonstrativer Ansammlungen. Hiebei nahmen verschiedene Geschäfte empfindlichen Schaden, auch solche, die nicht im mindesten deutscher oder jüdischer Inhaber„verdächtig" wären. In den Abendstunden stattete eine Horde von etwa 800 Personen dem„Radiojournal" einen Besuch ab, offenbar in der Absicht, die eben im Zug befindliche deutsche Sendung zu stören. Die Front des Palais wurde mit Steinen beworfm, wobei einige Fensterscheiben entzweigingen. Das energische Einschreiten der Polizeibereitschast zerstreute indessen die Demonstranten in kurzer Zeit. Z« dm wciterm„Ruhmestatm" deS ani- msttten Pöbels zählte ein Angriff auf die Bll» deranSstellnng im Myflbekpavilloü aüf dem Graben, wobei als Borwand diente, daß diese Ausstellung keine Staatsflagge ausgehängt habe. Bei dieser Gelegmheit mußte die Polizei dm Säbel ziehm. Attacken gegen das Deutsche HauS konnten rechtzeitig vereitelt werden. Sehr schlimm erging es am Sonntag dem Künstlerverein„Mänes", der schon am Samstag attackiert worden war. Ein Steenbombarchement zertrümmerte einige Fmsterscheibm und brachte die in der Nähe sitzenden Gäste in emste Gefahr. Der Schaden im Mänes wird auf 50.000 K£ geschätzt. Daß das deutsche Theater nicht verschont blieb, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Der Menge gelang eS, den Kordon der Polizei zu durchbrechm, doch konnte durch eine Reservemannschaft in letzter Minute größeres Unheil verhütet und die Maste der Angreifer zurückgetrieben werden. In den späten Abendstunden kam es noch zu Zusammenrottungen auf dem Wenzelsplatz, wobei die Polizei nicht besonders gut abschnitt. Neben zahlreichen Verhaftungen weist die Bilanz dieses Sonntags auch einige Verletzte auf. * Am Montag vormtttags wurde bekannt, daß die deutsche Universität sich berett erklärt habe, die Insignien herauszugeben. Vorher hatte die Polszeidirektion bereits Plakate affichiert, in welchen strenges und rücksichtsloses Vorgehen gegen alle angedroht war, die die öffentliche Ruhe stören und Zusammenrottungen verursachen. Daß damit ater die Ruhe noch lange nicht hergestellt war, bewies eine Versammlung auf der tschechischm Rechtsfakultät, bei welcher vereinzelte linksstehende Studmtm von nationa- listischm Stoßtrupps überfallm und schwer »» Die tschechische Presse Za den Unruhen auf den Prager Gassen Die tschechischen Blätter nehmen zu dem Universitätsstreit und den durch dadurch hervorgerufenen Unruhen auf der Prager Straße naturgemäß einen verschiedenen Standpunkt ein. Die Blätter der tschechischen Rechten gießen Oel ins Feuer— Närodni Lisch sprechen sogar von einer „deutschen Revolution"— und mochten die ganze Angelegenheit zu einem Deuffchen-Pogrom ausnützen. Die Blätter der ffchechischen Linken dagegen befleißigen sich mit wenigen Ausnahmen einer ge- wisten Mäßigung. Zu den Blättem, welche die wahren Hintergründe der Krawalle aufdecken, gehört vor allem das„P r ä v o L i d u", welches in nachstehender Weise schreibt: „ES ist nicht genug verständlich, daß die Umbergabe der Insignien in einer so erregten Zett angeordnet wird, da das UniversitäkSgesetz fast 16 Jahre alt ist. Umso weniger verständlich ist, daß sich für die Abzeichen der mittelalterlichen Universitätswürde, für MuseumSobjekte, eine solche Erregung wachgerufen wird, welche unheilvolle Fol- gen nach sich ziehen kann. Die Ansprüche der tschechischen Universität sind durch das Gesetz gesichert, zur Durchführung des Gesetzes find die berufenen Faktoren da und man kann nicht dulden, daß dieses Recht von der aufgehetzten fascistischen Gaste an sich tzeristen wird und daß man sagen kann, die Exekutive im Staate seien schreiende halbwüchsige Menschen, die jenen Leuten oder Korporationen die Fenster einschlagen, welche die Herren Stkibrnh und Hodaö als national lau anl sehen." Es wird dann auf die Rolle der ProreftorS D o m i n hingewiesen und zum Schluß gesagt: ES handelt sich hier um den regulären Antritt der fascistischen Kräfte bei unS. Auch in Deutschland begann der Antritt deS Hakenkreuz- tumS mit Krawallen an der Universität, mit der mißhandelt wurden. Einer der Mißhandelte» erlitt eine schwere Verletzung am Auge. In den Abendstunden wurden die Insignien unter starker Polizeibedeckung in dar Gebäude der tschechischen Juristenfakultät überführt. Diese altertümlichen TradttionSsymbole wurden vom Rektor der KarlSuniversität Prof Drachüov- s k h nebst den Fakultätsdekanen seierlichst begleitet. Die massenhaft erschienene Studentenschaft wies den„Kleinodien" die entsprechenden Ehrenbezeigungen. Damit war aber den Demonsttationen noch keineswegs ein Ende gesetzt. In den späten Abendstunden des Montag kam es auf dem Wenzelsplatz neuerlich zu massenhaften Ansammlungen, die von der Polizei auseina'ndergejagt wurden. Der Großtest dieser Leute zählte zu den bekannten fragwürdigen Elementen. Es wurde behauptet, daß Herr San Nicolo befand sich Samstag im Rektorat. Was hatte er dort zu suchen? Er mag als Privatmann dort gewesen sein, aber es ist auffällig, daß er seit seinem Doppelrektorat wie selbswerständlich immer dabei ist. Unter Gesemann war er noch Prorektor (Stellvertreter des Rektors). Was ist er jetzt? Etwa Alt-Prorektor? Im deutschnatio- nalen Sprachschatz gibt es ja derlei Witze. San Nicolo ist der Erfinder der S t a a t s- Prüfungen in Pankrac, die für verhaftete Nazi eingeführt wurden und natürlich politische Demonstrationen waren. Es ist sonst nicht bekannt, daß San Nicolo zu Prüflingen und Studenten sonderlich entgegenkommend wäre. Aber für die Nazi fuhr er nach Pankrac und rettete ihnen den PrüiungStermin. Unter der Rektorschaft San Nicolos gab es große Hochschulkrawalle, bei denen die völkischen Studenten ihre sozialistischen und jüdischen Koll gen und Kolleginnen, wo sie ihrer einzeln habhaft wurden, barbarisch mißhandelten. Was tat San Nicolo? Sein Hauptaugenmerk galt der F e r n h al tu n g d e r P ol iz e i vom akademischen Boden. Wo immer sich ein Polizist nur in'der Ferne zeigte, intervenierte San Nicolo, daß er ja nicht akademischen Boden betrete und den völkischen Raufbolden ein Opfer entreiße. San Nicolo wahrte das akademische Recht, den Andersgesinnten zu prügeln. San Nicolo wurde zum»Führer" der akademischen Jugend schlechthin. Er sprach bei allen möglichen und unmöglichen Anläffen, er nahm Ovationen oft und gern entgegen^ er redete über alles und maßte sich Zensorenrecht, über alle an. Zugleich. Ehrenbursch der nationalen Barden und Schirmherr der klerikalen Ferdinandea, hat er zwischen Schwarz und Braun feste Stellung gefaßt. Als sein Rekioratsjahr ablicf, kam es zu der unentschiedenen Doppelwahl Gierach— Kraus, die damit endete, daß Nicolo ein zweite s in a l gewählt wurde und ein zweites Jahr die Nicht geringen Einkünfte eines Rektors genießen konnte. Auch damals erhielt sich die— niemals dementierte— Version, daß' dieWiederwähl des verdienten Altrektors eine abgekartete Sache gewesen sei, die über die Verbindungen der.Akademischen Sängerschaft Barden gemanäget wurde, die ebendamals die Mehrheit der Fakultäten beherrschte. Das Rektoratsjahr Gesemann brachte einen Fauxpas des neuen Rektors über den andern. -Zwischen dem Ministerium und der deutschen Universität wurden die Beziehungen abgebrochen. Das Rektorat rächte sich an den sozialistischen Stu- . denken. Man erzählt sich, daß- hinter dem naiven Gesemann als böser Geist der rotbackige Prorektor Signor Mariano stand, eine lebfrische Figur aus der italienischen Opera busfa. Und jetzt war er wieder dabei, als der Rektor, der Prorektor und der Kanzleidirektor Prochaska die„Verteidigung" der Gebäude berieten. Er ist ganz das Gegen st ück zum Domin, beide Rektoren für die Ewigkeit, die sich nicht von ihren Würden trennen können, und wie jener noch eine politische Zukunft im tschechischen Fascismus, so erwartet dieser den Tag, da Henleins Mission scheitert und em neuer„Führer" gesucht wird. . Tagcsncuigkcitcn 53 Bergarbeiter ertrunken Nagasaki. In einem im Gouvernement Nagasaki bestehenden Bergwerk wurde vor einiger Zeit ein neuer Stollen angelegt» derunterdem Meeresboden vorgetrirben wurde. Sonntag ist unvermittelt das Meerwasser mit kolossaler Gewalt in diesen Stollen eingebrochen und hat das Bergwerk vollständig überschwemmt. 53 Bergarbeiter sind ertrunken. Im Augenblick des Waffereinbruches sollte ein Förderkorb mit 15 Arbeitern hrrabgelaffen werden, der jedoch noch im letzten Angenblick gestoppt und hochgehoben werden konnte, so das? diese Arbeiter gerettet wurden. Zwei schauerliche F,mde Gelsenkirchen. Ein schauerlicher Fund wurde am Samstag in der Wohnung eines Bergmannes namens Stanislaus N o z o l l in Buer gemacht. Man entdeckte die Leiche seiner 22jährigen Tochter Hedwig, die bereits am 18. Mai 1932 g e st o r b e n ist. Nozoll hatte jedoch den Sterbefall nicht an g e- zeigt, sondern die Leiche,"uftdicht abgeschlossen, in einem Bett die ganze Zeit über aufbewahrt. Da von der Verstorbenen nur noch das Knochengerippe vorhanden ist, ließ, sich auch noch nicht feststellen, ob das Mädchen eines natürlichen Todes gestorben ist. Nozoll wurde festgenommen. Er ist ein überspannter Mensch, der sich viel mit okkulten Dingen beschäftigt hat. So erklärte er seinen Angehörigen, das Mädchen dürfe nicht beerdigt werden, da es wieder aufer- st e h e n würde. Carlisle(Pensylvanien). Auf einem stark bewaldeten Berghange wurden unter zwei Bettdecken dreiMädchenim Alter von 8, 10 und 13 Jghren, offenbar Schwestern aus einer wohlhabenden Familie, tot aufgefunden. Sie hielten einander fest umarmt. Haust du meinen Juden... Wiener Judenhatz als Antwort auf Prager Judenhatz! Wien. Montag mittags sammelten sich vor dem Gebäude der Wiener Universität einige hundert Studenten, hauptsächlich gewesene Nationalsozialisten an, die stürmisch gegen die Prager tschechoslowakischen Studenten undgegendie Luden demonstrierten. Polizei und Abteilungen der ostmärkischeir Sturmschaden ränmtesik^n Platz vor dem Universitätsgebäude und verdrängten die Demonstranten in die Seitengaffen. Eine kleinere Gruppen der Demonstranten wurden von der Polizei zerstreut. Stawiski-Prozeß auf einem Rebengeleise Montag begastn vor dem Pariser Geschivorr- nengericht der Prozeß des Polizeünspektors Bonny, der das Wochenblatt„Gringoire" und seinen Direktor, den Deputierten de Carbucci wegen Ehrenbeleidigung im Zusammenhang mit dem im Sommer erfolgten Verhör Bonnys vor dem parlamentarischen Stawiski-Untersuchungs- ausschuß geklagt hat. Inspektor Bonny fordert 200.000 Franken Entschädigung: Die Verhandlung wird einen politischen Charakter haben und sich hauptsächlich um den S tawiski-Skandal und um den Tod des Obergerichtsvates Prince drehen. Das Blatt»Gringoire" und der Mäger füh- ren unter den vorgeladenen Zeugen auch die ehemaligen Ministerpräsidenten Chautemps und Tardieu, den Minister Mandel, den ehemaligen Justizminister Cheron und den ehemaligen Pariser Polizeipräfekten Chiappe. Die Verhandlung wird etwa drei Tage dauern. 200.000 Ouadratmeilen neuen Landes? Klein Amerika. Admiral Byrd sandte dem Präsidenten Roosevelt einen telegraphischen Bericht über seinen Flug nach dem Südpol und teilt darin mit, daß er 200.000 Quadratmeilen neuen Landes entdeckt hat. Die wunderwirkenden Insignien. Die Insignien der Prager Universität haben in diesen Tagen eine Zauberkraft ausgestrahlt, wie sie nur den merkwürdigsten Gegenständen zukommt, also etwa dem Heiligen Rock von Trier, dem Präputium Christi, sp in vier garantiert echten Ausgaben vorhanden ist, den Reliquien des Johann von Nepomuk oder dem Ring, an dem der Heilige Wenzel Halt suchte, als sein Bruder Bole- flav(übrigens nach allem, was man von ihm weiß, ein Parteigänger Stkibrnhs und Vorkämp- fer der,„Nationalen Opposition") ihn niederschlug. Nun sind diese Insignien also in den Bc- sitz der tschechischen Universität übergegangen. „6000 Studenten warten auf sie", konnte Stri- brnh noch Montag mittags schreiben. Sie haben nicht vergebens gewartet. Aber was wird jetzt geschehen? Welche Wunder werden sich ereignen? Zunächst müßten sich an den deutschen S t u d e n t e n, denen bisher der Abglanz der hehren Zeichen leuchtete, üble Folgen zeigen. Sie haben doch hoffentlich nicht umsonst für die goldenen Stecken gekämpft und— zwar nicht ihr Blut— aber Wasser aus den Fenstern des Carolinums vergossen, um zwei Tage länger im Besitz der Heiligtümer zu sein! Man müßte annehmen, daß nun aus keinem deutschen Studenten mehr ein brauchbarer Arzt oder Anwalt wird, daß sie vergebens über den Büchern sitzen werden, außerstande, noch etwas zu kapieren, da doch der Segen fehlt, der von den Szeptern ausging. Und die tschechischen Studenten, die mit den echten Instrumenten graduiert werden? Die dürsten also jetzt bei keiner Operation mehr danebenschneiden, keinen Prozeß verlieren, alles müßten sie begreifen, als hätten sie den Nürnberger Trichter zur Verfügung! 6000 haben gewartet. Werden diese 6000 jetzt allesattund zufrieden sein? Friert keiner in seiner Bude? Hungert keinen, läuft keiner mehr a^f zerrissenen Sohlen? Wenn man sieht, wie S t r i- v r n H sich für die Insignien schlägt(als sei das Gold dazu aus denMutejowicer Bergwerken gegraben worden), so müßte man meinen, nun könnte es den tschechischen Studenten an nichts mehr fehlen. Es ist aber leider auch bei diesem Wunder in Wirklichkeit anders. Kein Deutscher hat weniger, kein Tscheche mehr zu essen, keinem fällt eine Prüfung leichter oder schwerer, keinem wird das jahrelange Betteln um eine Stelle angenehmer oder lästiger durch den Umstand, daß die Insignien ihren Besitzer gewechselt haben. Und was den G e i st betrifft: die deutschen Studenten haben— zum großen Teil wenigstens— in der Abschiedsstunde noch bewiesen, daß sie trotz der Insignien dumm genug sind, den Hodäc und StkibrnH die politischen Schlagworte zu apportieren, und die tschechischen Studenten, soweit sie dem Domin folgen, verraten keineswegs, daß die Ausstrahlung der gewonnenen Heiligtümer sich fördernd auf ihren Geist auswirkt! Eine Kleinigkeit. Diese ganze Woche steht London im Zeichen der Hochzeit des Herzogs von Kent und der Prinzessin Marina von Griechenland. Also meldet das Tschechoslowakische Pressebüro, das dabei das Interesse unserer Bürger für den englischen Rummel reichlich zu überschätzen scheint. Wenn das Interesse von Englands Bevölkerung an dieser Hochzeit wirklich so„unersättlich" ist, wie nun in alle Welt berichtet wird, so beweist das eben, daß eben ein gut Teil der Bewohner der großen Briteninsel immer noch im Glanze der Monarchie sich zu sonnen liebt, vielleicht auch, daß man dort weniger Sorgen hat— oder aber ihnen in Festlichkeiten zu-entfliehen sucht. Aber um eines Satzes, einer kleinen Tatsache willen, erscheinen uns auch die Mitglieder des englischen Königshauses, selbst in ihren Familienangelegenheiten, sympathischer als sämtliche öffentlichen und prida- ten Dinge, die man beispielsweise über die regierenden»Herren" in Deuffchland von heute kennt. Nach der Eheschließung werden nämlich die Neuvermählten„unter den Klängen des Hochzeitsmarsches von Mendelssohn" die Westminster-Abtei verlassen. Jenes Mendelssohn, dem man in Rasse- Deutschland nicht mehr auf den Namen kommen will; des Hochzeitsmarsches aus jener Mendels- sohnschen Sommernachts-Musik, die fast ein Jahrhundert alt und berühmt werden mußte, ehe sie unter dem Kommando des Herrn Richard Strauß als deutschunwürdig bezeichnet wurde, so daß seine Musikfeldwebel sich nun bemühen müssen, Shakespeare zu solchen Sommernachtsträumen zu verhelfen, wie sie etwa der Musikalität des 30. Juni angemessen sind. Und da ist's, wenn auch nur eine Kleinigkeit, so doch erfreulich, daß sich der Herzog von Kent, der immerhin nicht zu Shakespeare, sondern auch zur Kultur überhaupt bessere Beziehungen unterhalten dürste als der Duce aus Braunau, sich Mendelssohn zur Hochzeit aufspielen läßt. Im Rahmen der Aktion„Die Demokratie für das Kind" wurde Sonntag in der Mährisch- O st rau e r Bergbauschule ein Kongreß der Vertreter der Sozialgesundheitsvereine und-Korporationen dieses Bezirkes unter Beteiligung der Vertreter der Behörden und der Stadt abgehalten. Neber»Die Demokratie für das Kind" sprach Professor Dr. K a I l ä b und über ihre praktische Durchführung der Instruktor des Sozialfürsorgeministeriums K o t e k. Ein Vertreter der deutschen Vereine und Korporationen meldete sich zur Mitarbeit an dieser Aktion. Die Zahl der Kinder, die durch die Aktion„Die Demokratie für das Kind" im Mährisch-Ostrauer Bezirke verköstigt werden, ist von 4000 auf 5000 gestiegen. Eisenbahnunfall. Die Staatsbahndirektion in Königgrätz gibt bekannt: In der Nacht zum 25. November ü b e r f u h r der Lastzug Nr. 8388 auf der Strecke zwischen Reichenau bei Gablonz a. N. und Liebenau zwei frei weidende Zigeunerpferde, wobei es zur E n t g l e i- sungeinesWaggons kam, der die Bahnstrecke verrammelte. Die Passagiere der Züge Nr. 1102 und 1112 mußten umsteigen, um die Reise fortsetzen zu können. Die Strecke war Sonntag nrorgens wieder steigelegt.— Sonntag entgleiste in der Haltestelle Velkh Valtinov beim Verschieben eines Lastzuges ein Waggon, wobei die Strecke versperrt wurde. Zu den Zügen 90? und 910 stiegen die Fahrgäste um. Die Ursache wird untersucht. Samuel Jnsull, der in Verbindung inst dem Zusammenbruch der Corporation Securities Company wegen Betruges zum Schaden des Staates Gauhauptversammlung der »Naturfreunde" in Reichenberg Die am 17. November in Reichenberg stattgefundene Gauhaupwersammlung der im Gaue„Nordböhmen" vereinigten Ortsgruppen erfreute sich einer besonders regen Teilnahme aller nordböhmischen Ortsgruppen, die fast ausnahmslos vertreten waren- Auf die Berichte zurückkommend, kann sestgestellt werden, daß unsere Naturfreundebewegung hierzulande den Erschütterungen der Zeit standzuhalten vermochte.. Nur allein das wirtschaftliche Elend erschwert vielen die Teilnahme an unserer kulturellen Arbeit. Naiurfreundetätigkeit umfaßt nicht nur das Wandern, sondern auch das Bildungswesen durch Vorträge naturwissenschaftlicher, seelenkundlichcr und soziologischer Tendenz, die ost draußen bei Mutter Grün abgchalien wurden. Den malerisch-ronianii- schen Waldschulen und Bezirkstreffen der nördlicheren Ortsgruppen, wie diese auch weiterhin durchgeführt werden, stellt sich die geradezu mustergültige Arbeit der Ortsgruppe Böhm.-Lewa besonders durch ihre intensive Jugendarbeit(besitzt eigene Wandcrzelte) würdig zur Seite. Auch in Ostböhmen wurde vorbildliche Arbeit im Interesse der Bewegung geleistet. Eine Bezirkswanderung in Reichstadt sah 300 Teilnehmer versammelt. Auch sei der Pflege des Esperanto durch Lehrkurse(Leitung: Genosse Schiller) nicht vergessen. Die neue Gauleitung wurde wieder der Ort- grnppc Warnsdorf übertragen: zum Vorsitzenden wurde Genosse F r i c s e r wiedergewählt, zu seinem Stellvertreter Genosse V ö lk e l t. Beim Wintersport beginnend, der die nächste Naturfreundearbeit darstellt. sei vorläufig das Gautreffen am 13. lläuuer 1935 in Jägerdörfel sowie auch Arbeiter-Winter« sporttreffen auf der Königshöhe bekanntgegeben. Tas Wort„Naturfreunde-Führer" soll für die Zukunft immer mehr zu einer sogenannten Ehrenbezeichnung werden, die erst durch den Nachweis touristischtechnischer Eignungen und Kenntnisse der Wandergebiete richtig erworben werden kann. Dieser, von der Sektion für Rattkr- und Volkskunde besonders be- iriebene Gedanke soll unter ihren besonderen Weisungen durch einen im Frühjahr 1935 festgesetzten Wanderführerlehrgang in der neuen Lausitzer Hütte in Szene gesetzt werden. Dieser Wanderführer-Lehrgang, der mehrere aufeinanderfolgende Sonntage beanspruchen wird, beinhaltet Kartenlesen. Sanitäts-, Heimatkunde, Geologie und Botanik. Schon heute besteht die sichere Gewähr, daß uns zu jedem Thema besondere Fachleute zur Verfügung siehe«. Frohe Begeisterung löste die Nachricht aus, daß wir bald und mit uns die ganze Arbeiterbewegung im Riesengebirge wiederum eine neue, eigene Heimat finden werden. Die pachtweise, von uns betriebene Rübezahlbaude auf der Stufenseite bei Petzer erweist sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Fast zur gleichen Zeit nun geht ein Grundstück im Ausmaße von 31.600 Quadratmeter, vom Walde begrenzt, am Lenzenberg zwischen der Bohn- wiese und der Fuchsbergbaude liegend, in Natur- freundebesitz über und bald soll von dort noch mehr zu hören sein. Neben einigen internen Anträgen fei noch ein besonders beifällig aufgenommener erwähnt. Dem „Meister unseres Wanderns", unserem Genossen Hansel, der berests sei« 60. Lebensjcchr kürzlich überschreiten konnte, sei ein Gedenkschreiben für seine unvergänglichen Naturfreundeverdienste zu übermitteln. Wir zweifeln nicht daran, daß unsere herrliche Naturfreundebewegung weiterlebt und solange leben wird, solange der Mensch überhaupt ein Recht über sein eigenes Denken besitztujid solange es gelingen wird, die Seuche des Fascismus abzuwehren. Sko. angeklagt war, wurde in Chicago von den Geschworenen freigesprochen. Auch fäint- liche 16 Mstangeklagten erzielten ein freisprechendes Urteil. Die Geschworenen berieten zwei Stunden. Der Jnsull-Prozeß hat im ganzen acht Wochen gedauert. Nach der Bekanntgabe des Freispruches veranstalteten die im Gerichtssaal Anwesenden eine Kundgebung für Jnsull und die übrigen Freigesprochenen.— Der Staat Illinois beabsichtigt übrigens, einer anderen Meldung zufolge, seine Anklage gegen Jnsull auftechtzuerhalten und das gerichtliche Verfahren gegen ihn fortzusetzen. Matuschka nach Oesterreich. Blättermeldün- gen zufolge wird Matuschka von Budapest wie* derum nach dem Gefängnis Stein in Oesterreich gebracht werden. Selbstmord im Gefängnis. Der 34jährige Kurt Erich Röhler, der am Dienstag abends in Wittgensdorf bei Chemnitz den Chemnitzer Heilpraktiker Oskar Heidevogel in einen Hinterhalt gelockt und erschossen hatte, um sich dessen Stellung zu beschaffen, hat, nach dem Bericht des DNB, im Chemnitzer Uuterfuchuugs- gefängnis Selbstmord begangen. Brigitte Helm im Gefängnis. Dem Anträge des Staatsanwalts entsprechend, verurteilte die fünfte Strafkammer des Berliner Landgerichtes am Montag die Filmschauspielerin Brigitte Helm wegen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Monaten Gefängnis und zu den Kosten des Verfahrens. Die Angeklagte hatte am Abend des 27. August mit ihrem Wagen in Berlin eine Frau angefahren. Der Vorsitzende hob in der Begründung des Urteils hervor, daß skne Geldstrafe nicht in Frage kommen könne, da die Angeklagte schon einmal aus gleichem Anlasse vor Gericht gestan- den habe. Wahrscheinliches Wetter Dienstag: Etwas auffrischender West- bis Nordweftwind, milde, vorwiegend bedeckt, strichweise etwas Regen. Auf den Bergen leichter Frost zeitweise stürmisch. Nur in der Südslowakei geringere Bewölkung.— W ett e r- aus sichten für Mittwoch: Unbeständig. West- bis Nordweftwind. Im allgemeinen noch immer mffoe. Str. S78 Dienstag, 27. November 1934 Seite 5 Zum SS. Geburtstag Gustaf DalLus Der berühmte schwedische Physiker und Ingenieur Nils Gustaf Daltn, der 1012 durch die Verleihung des Nobelpreises für Physik ausgezeichnet wurde, vollendet am 30. November das 68. Lebensjahr. Sein Schicksal hat sich dadurch besonders tragisch gestaltet, daß er bei einem seiner Experimente durch die Explosion eines Gasbehälters das Augenlicht verlor. Prinzenhochzeit und Arbeiterschaft Der jüngste Sohn des Königs von England erhält infolge seiner Verheiratung einIahreS« gehalt von 28.000 Pfund, während er als Junggeselle„nur" 10.000 Pfund bekam. Diese gewaltige Aufbesserung wurde von dem unabhängigen Arbeiterparteiler Marion im Unterhaus zum Gegenstand einer Anfrage an die Regierung gemacht: ob die Volksvertretung Gelegenheit haben i würde, darüber zu sprechen. Premierminister Macdonald berief sich darauf, daß diese Regelung durch das Gesetz von 1910 über die Zivilliste vorgeschrieben sei. Auf die weitere Frage, ob es also nicht zu einer Diskussion im Hause kommen oder dessen Bewilligung erforderlich sein würde, antwortete Macdonald lakonisch: „Nein, gar nicht!" Nun aber fragte der Arbeitervarteiler Pal in g:„Wird dieser Betrag für Mann und Frau von der Leitung der Arbeitslosenversicherung bei der Bemeflung der Unterstützungssätze für Arbeitslose in Betracht gezogen werden?" Aus der Regierungspartei ertönten Rufe„Zur Ordnung". Eine Antwort wurde dem Abgeord- neten Paling nicht erteilt.— Schatzkanzler Neville Chamberlain kündigte an, daß die Neuwahl deSUnterhauses vor November 1938 vorgenvmmeN'werden wird.- Den liberalen Koalitionsbrüdern sagte er bereits den Abschied an. »««erliche Selbsthilfe Paris. Verschiedene Landwirte der Bretagne sind zwecks Verwertung ihrer überschüssigen Getreidevorräte zur Selbsthilfe geschritten. Sie beschlossen, das Getreide, welches sie nicht absetzen konnten, selbst zu vermahlen, Brot zu backen und dieses unter dem Bäckerpreise direkt an die Konsumenten zu verkaufen. In der Umgebung von Renne- sind bereits drei solcher Backöfen in Betrieb, in denen täglich 1800 Kilogramm Brot verarbeitet werden. Die Bäcker erklären, auch besseres, dem Borkriegsbrot ähnliches Brot Herstellen zu wollen. London—Stapstndt London. Die englische Fliegerin Bruce startete Montag um 7 Uhr 80 Minuten mit einem Windmühlenflugzeug zum Fluge nach Kapstadt. Es ist dies der erste Langstreckenflug mit einem Flugzeuge dieser Bauart. SechS Nazis vor einem Schweizer Gericht. Gestern begann vor dun Bundesgericht in St. Gallen der Prozeß gegen fünf österreichische und einen reichsdeutschen Nationalsozialisten, die im Juli d. I. im Auftrage der Landesleitung der österreichischen nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei in München Spreng st offe über die schweizerische Grenze nach Oesterreich zu schmuggeln versuchten, ivobei von der schweizerischen Polizei alle bis auf zwei festgenommen wurden. Die Angeklagten sind geständig. Havrman-Brncke in Pilsen. Sonntag vormittags wurde in Pilsen-Doubravka die vom Bezirke Pilsen unter staatlicher Beihilfe mit einem Bauaufwande von 620.000 XL errichtete Habr- Man-Brücke feierlich dem Verkehr übergeben. Die Feierlichkeit eröffnete der Vorstand des Bezirksamtes Pilsen, Regierungsrat Belik, der ein Glückwunschtelegramm des Arbeitenministers Dr. C z e ch an den Bezirk Pilsen zur Verlesung brachte. Der Bürgermeister der Stadt, Abgeordneter P i k, sprach dem Bezirke Pilsen den Dank aus und gedachte der vielfachen Verdienste Senator HabrmanS, dessen Namen die neue Brücke tragen wird. Nach Jntonierung der Nationalhymne wurde die neue Brücke der öffentlichen Benützung Wergeben. , Bon einem schweren Brandnnglück betroffen wurde die im Thüringer Notgebiet liegende Wald- armeinde Viernau. In der Nacht zum Sonntag brannte das mehrstöckige Fabriksgebäude der Firma Friedrich Henkel völlig nieder. Mit ihr wurden wertvolle Maschinen sowie Halb- und Fertigwarenvorräte vernichtet. Das Maschinenbaus und das Büro- Eine frievttGe Rekordfayrt Hollandifches Unterfeeboot auf der Weltreise Kartoffel««xd Zwiebel« im Torpedorohr Am 14. November hat das holländische Unterseeboot„K. 18" den Hafen von Nieuwediep I verlassen, um eine Rekordfahrt um den halben Erdball anzutreten. Wenn es am 11. Juli des nächsten Jahres in Surabaya eintreffen wird, hat es eine Strecke von fast 37.000 Kilometern zurückgelegt. Wenn alles glatt verläuft, ist damit ein neuer Langstreckenrekord für Unterseeboote aufgestellt worden. Dieser Rekord ist allerdings nicht der Hauptzweck, den die holländische. Regierung mit der Entsendung dieses Kriegsschiffes verfolgt. Nachdem erst im Luftrennen England— Australien eine holländische Maschine eine wahrhaft phantastische Leistung vollbracht und damit bewies, daß die holländische Luftfahrt berufen ist, eine große Roste im internationalen Flugwesen zu spielen, soll nunmehr„K. 18" zeigen, daß Holland auch auf maritimen Gebiet Großleistungcn vollbringen kann. Forschung auf der einsamsten Insel der Welt Die Reise des 707 Tonnen großen Bootes führt zunächst um Afrika. Auf dieser ersten Etappe werden die Häfen von Madeira, St. Vincent und Dakar berührt. Danach soll der Südatlantik überquert werden, um Pernambuco, Rio de Janeiro, Montevideo, Buenos Aires anzulaufen. Auf der zweiten Ueberquerung des Atlantischen Ozeans wird man der Insel Tristan da Cunha und den Häfen von Kapstadt, Durban, Mauritus und Fremantle einen Besuch abstatten. Am bedeutsamsten dürfte der Abstecher zu der. einsamsten Insel der Welt, Tristan da Cunha, sein. Dieses Eiland hat gegenwärtig. etwa 180 Ein- und Wohnhaus konnten gerettet werden. Etwa 120 Arbeiter sind durch das Brandunglück zum Feiern gezwungen. Ein tüchtiger Heiratsschwindler. Berliner Kriminalbeamte konnten in Hamburg den berüchtigten Hochstapler und Heiratsschwindler Eduard Schröder festnehmen. Schröders Strafliste reicht bis in das Jahre 1910 zurück. Bor dem Kreige gelang es ihm, unter dem Namen eines Barons Prittwitz eine Frau um 80.000 Reichsmaä zu schröpfen. Nach dem Kriege kettete er im Jahre 1924 als angeblicher Villenbesitzer eine Frau an sich, die ihm 6800 RM überließ. Beide wollten nach Zop- pot fahren. Am Tage der Abreise verschtvand der Gauner mit dem Gelde auf Nimmerwiedersehen. Nach weiteren Verurteilungen wegen Heiratsschwindels näherte sich Schröder/.erneut einer Dame, der er erzählte, daß er stin Rittergut in Mecklenburg kaufen wolle. Die Frau überließ ihm schließlich 20.000 RM in Goldpfandbriefen, die er für sie bei einer Dresdener Bank sicherstellen wollte. Kurz darauf kaufte sich der Schwindler, der sich in diesem Falle als Rittmeister a. D. ausgegeben hatte, einen Personenwagen und nahm auch einen Kraftwagenführer in seine„Dienste". Zusammen mit der Frau unternahm er eine lustige Fahrt ins Rheinland. Allmählich kamen der Frau Bedenken und sie schüttete ihr Herz einem Bekannten aus. Auf dessen Veranlassung hin wurde schließlich die Anzeige erstattet und es gelang nunmehr den Schwindler in Hamburg festzunehmen. Von den 20.000 RM wurden noch 2000 gefunden. Wolfsrudel i» Bulgari«. Infolge der plötzlichen Abkühlung, die in ganz Bulgarien eingetreten ist, sind heuer, ebenso, wie zu Beginn des Winters in den zwei vorhergegangenen Jahren, in der Umgebung der Stadt BurgaS am Schwarzen Meer wiederum die gefürchteten Rudel schwarzer Wölfe auf« getaucht, deren Zahl trotz verschiedener Maßnahmen der Behörden bedeutet zugenommen hat. Die große Vermehrung dieser Wölfe hat u. a. auch seinen Grund darin, daß die Bevölkerung dieser abgelegenen Gegend sie als geheiligte Tiere ansieht, die nicht getötet werden dürfen. An verschiedenen Orten haben die Landbewohner den Wölfen sogar Nahrungsmittel in den Feldern, auf den Wiesen und. in den Wäldern niedergelegt. Die Wölfe bewegen sich auch.vollkommen ungezwungen und richten in der Gegend großen Schaden unter den Herden an. Auf den Weiden nm das Dorf Djul- geri im Bezirk Burgas und rings um das Dorf Gjoktepe in der Nahe der Stadt Malko Tarnowo an der türkischen Grenze wüten zwei starke Rudel, die bereits mehr als 100 Schafe geriffen haben. Die Behörden haben umfangreiche Maßnahmen zur Ausrottung d-r Wölfe ergriffen. Neterfall ans einen Vritffchen Vizekonsul. Wie aus Teheran berichtet wird, ist der britische Bizekon- sul Hart am 18. November bei Mesch ed von Banditen überfallen und beraubt worden. Er erhielt einen Schub in den Arm. Zwei Perser, die sich in seiner Begleitung befanden, wurden schwer verwundet. Die Behörden haben Maßnahmen getroffen, um der Räuber habhaft zu werden. Explodierende Feuerwerkskörper Universität, Staatsbibliothek und Hochschule für Politik. Bor einigen Tagen ging durch die Weltpresse die Nachricht, daß in der Berliner Staatsbibliothek und im Universitätsgebäude Feuerwerkskörper explodiert seien, die beim Explodieren antinationalsozialistische Handzettel in den Saal gestreut hätten. Das amtliche„Deutsche Nachrichtenbüro" hüllte sich in Schweigen. Jetzt ist an den Berliner Anschlagsäulen fol- wohner, die gänzlich abgeschlossen von der übrigen Welt leben. Sie besitzen keine Telegraphenstation und auch keine Rundfunkempfänger. Bor drei Jahren hat ein Dampfer die Insel zum letzten Mal besucht. Trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deswegen, sollen sich die Bewohner sehr glücklich fühlen. Die Ankunft des Unterseebootes dürfte für sie eine riesige Sensation darstellen. Die Besatzung von„K. 18" hat die Aufgabe, die genaue geographische Lage des Eilandes fest« tu stellen und Nachforschungen über die Nachkommen des ersten Königs von Tristan da Cunha, eines holländischen Seemanns namens Pieter Groon, zu erheben, der sich dort vor etwa hundert Jahren ansiedelte. Auch sonst handelt cs sich um ein durchaus friedliches Unternehmen. Ueberall, ist den angelauseney Häfen sollen holländische Filme vorgefiihrt werden, die das Leben in Holland zeigen. Weiter werden wissenschaftliche Messungen durchgeführt werden. Zu diesem Zweck nimmt der berühmte holländische Forscher, Pro- fesspr Dening Mainesz, an der großen und strapazenvollen Reise teil. Die Besatzung besteht aus 35 Offizieren nnd Seeleuten, die besonders für diesen Zweck ausgesucht und geschult wurden. Waffen werden auf dieser friedlichen Reise nicht mitgeführt. So befinden sich beispielsweise in den Torpedorohren Kartoffeln und Zwiebeln, die ' der Ernährung der Mannschaft während der Fahrt dienen sollen. An die Besatzung werden die höchsten Anforderungen gestellt, da sie viele Monate lang in beschränktestem Raum leben muß und schutzlos der Kälte und der tropischen Hitze ausge- sctzt ist. gende amtliche Bekanntmachung des Berliner Polizeipräsidiums erschienen: „Am letzten Mittwoch wurden im großen Lesesaal der Staatsbibliothek und in der Hochschule für Politik und am Donnerstag in der Universität je ein Feuerwerkskörper in Form einer Buchst- trappe zur Entzündung gebracht. Für die Aufklärung ist von Wichtigkeit: 1. Wer kennt den Hersteller? 2. Wer hat sich zur Zeit der Tat in der Nähe des Platzes(Platz A 70) verdächtig zu schaffen gemacht? 3. Wer hat dieses Buch auf dem genannten Platz vor der Entzündung liegen oder bei einem Besucher gesehen? Für Angaben, die zur Ermittlung des Täters führen, ist eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt, deren Verteilen unter Ausschluß des Rechtsweges erfolgt. Gez.:,Der Polizeipräsident von Lewetzow". !<^....Weiterhin wird bekannt, daß zivei Tage nach ldem Vorfall das Mit nehme n von Hand- tuschen, Stadtkoffern und g r ö ß e« r e rr M a p p e n i n den Les e s aal der S t a a tsbibliothek untersagt worden ist. Volkswirtschaft end Sozialpolitik Streiks und Aussperrungen im Oktober 1934 Nach den Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes waren im Oktober 16 Streiks(im September 14), davon 14(12) Einzel, und 2 (2) Massenstreiks in 21(31) Betrieben. Die Streiks betrafen 1861(8438) Angestellte, von denen 1667(8717) streikten und 88(8) infolge des Streiks nicht arbeiteten.' Die Streikenden versäumten'11.483(8916) Arbeitstage und verlören an Lohn 203.278(112.476) Kronen. Die infolge des Streiks nicht Arbeitenden versäumten 389(87) Arbeitstage und verloren an Lohn 9624(1231) Kronen. Vier Streiks entfielen auf das Baugewerbe (1260 versäumte Arbeitstage), je zwei Streiks auf die Steinindustrie(7016 Tage) und die Glasindustrie(230 Tage), je ein Streik auf den Bergbau(1207 Tage), die Metallverarbeitung (16 Tage), die Maschinenfabrikation(1031 Tage), die Textilindustrie(672 Tage) und die Bekleidungsindustrie(21 Tage). In fünf Fällen wurde verlangt die Lohnaufbesserung(8276), in drei Fällen die Nichtent- lassung von Angestellten(1898), in einem Fall Nichtherabsetzung der Löhne(1031), in drei Fällen waren verschiedene Forderungen(281 y und in vier Fällen sind die Ursachen noch unbekannt. Das Ergebnis war in einem Fall günstig (221), in acht Füllen teiÜveise günstig(9911), in drei Fällen ungünstig(1321) und in vier Fällen ist. es noch unbekannt. Aussperrungen gab es im Oktober nicht. Ueberzeit-Arbeit im Oktober stark zurückgrgangen Nach den vorläufigen Daten des Statistischen Staatsamtes wurde im Oftober eine Bewilligung (im Vorjahr 166) zu Uberzeitarbeit an eine Firma (163) mit 238 Angestellten(81.163) erteilt. Diese Bewilligung gilt für di« Dauer von vier Wochen(689) für insgesamt 48 Stunden (384.288), das sind sechs Arbeitstage(48.063). Betriebsstillegungen r« der Textilindustrie• Durch die Nichtbezahlung der nach Deutschland gelieferten Waren und die sich daraus erge- EMIL STRAUSS; Die Entstehung der Tschechoslowakischen Republik broschiert K£ 45— gebunden K< 55*— Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Siezski 13 bendcn Exportschwierigkeiten hat die Bcfchäfti- gung in einigen Zweigen unserer Textilindustrie eine erhebliche Verschlechterung erfahren. Die Firma I. Etrich in Oberaltstadt hat ihren Be- j trieb, in dein in der letzten Zeit 40 Stunde»>vö- ! chcntlich gearbeitet wurde, vorübergehend gänzlich eingestellt. Die Arbeit dürste voraussichtlich erst nach Beginn des neuen Jahres wieder ausgenommen lverdcn. Der Betrieb der Finna A. Haase in Parschnitz, der Nach zwölfjährigem Still- I stand erst im Laufe des letzten Sommers wieder ausgenommen wurde, und in dem 100 Arbeiter Beschäftigung gefunden Hattens ist wieder stillgelegt wordetr. Die gesamte Arbeiterschaft wurde ! entlassen. ticrichfssaal Schießender Einbrecher ver dem Prager Schwurgericht Polizist schwor vorletzt— Täter simuliert Geisteskrankreit—. Zweitägiger Prozeß Prag. Der 28jährige Josef Dej m, der Mon- tag dem Prager Schwurgericht auS der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, ist ein gefährlicher Kunde. Unter seinen elf Vorstrafen sind schwere Kexkerstrafen von bielmonatiger Dauer. Vor.- dem SchwurgerichiShof des OGR. Dr. Sv t m- bera war nun dieser Josef Dejm angeklagt des zweifachen Verbrechens des nicht vollendeten Mordes, deS zweifachen Verbrechens der gefährlichen Drohung, de- Verbrechens deS versuchten Einbruchs- diebstahles und der Uebertretung gegen daS Waffenpatent. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. T r Z i> k h. In der Nacht auf den 21. Juli d. I. beobachtete■ der Nachtaufseher derVinohradskaZalosjna (Weinberger Sparkasse), wie sich ein unbekannter Mann aus den vergitterten ÄuSlagescheiben der Firma Kettner zu schaffen machte und verständigte telephonisch die Polizei. Wie später fesigestellt wurde, hat der Einbrecher, als welcher Josef Dejm -festgestssMwuxde,-Hin WeHk.-nicht tzMepden könnestiI -weil ein Ttzil I»«r.SicheeheitSschlchje»iseinen Be»,- 'mühungen widerstand. Dcrtzcrbeierlende Polizeiinspektor Boukal kam eben noch zur rechten£:it... um den Einbrecher flüchten zu sehen. Er nahm,' unterstützt' von mehreren mutigen Passanten, die Verfolgung auf. Der Einbrecher, wehrte sich gegen, bie' Verfolger,"dir, ihm hart auf den Fersen waren, zunächst mit Hieben mit seinem Handwerkszeug l Brecheisen und einet mit DiebSgerät gefüllten Aktentasche). Im Lauf der weiteren Verfolgung zog er dann den Revolver und feuerte drei Schüsse ab. Inspektor Boukal erlitt einen schweren Lungenschuß, dem Nachtwächter der" Firma Beranek, der stch an der Verfolgung beteiligte, wurden durch einen Nah schuß die Haare versengt, ohne daß ihn das Geschoß erreicht hätte. Ein Schuß ging inS Leer« und beim vierten Abdrücken versagte der Revolver deS Verbrechers. Er wurde fest.e- nommen, an Ort und Stelle gründlich verprügelt und sodann der Polizei übergeben. Bei seiner Festnahme bedrohte er seine Verfolger mit dem Tode. Ein klarer und eindeutiger Sachverhalt. Eben deshalb nahm Josef Dejm seine Zuflucht dazu, daß er - den„Magor" spielte. Den„Magor spielen" bedeutet imKriminalsargon die Simulation einer Geisteskrankheit. Josef Dejm hat sich ein besonderes Schema für diese Simulation zurechtgelegt. Er betrachtet unausgesetzt seine. Fingernagel und wenn jemand zu ihm tritt, nimmt er dessen Finger in seine Hand und unterwirft die Nägel des Betreffenden einer eingehenden Besichtigung. Ab und zu kratzt er die Leute, mit denen er jeweils zu tun hat, weiß aber sehr gut die Amtspersonen von gewöhnlichen Sterblichen zu unterscheiden. Die Simulation, die er fest fast einem halben Jahr durchführt, erfordert einen beträchtlichen Aufwand von Willenskraft, ist aber recht unsachgemäß durchgeführt. Die Gerichtsärzte bezeichnen den Angeklagten als ungeschickten Simulanten, dessen vorgespiegeltes Krankheitsbild absolut unglaubwürdig ist. Der als.sachverständiger Zeuge vorgeladene Gefängnisarzt Dr. N a v a r a berichtete dem Schwurgericht eine Reihe ergötzlicher Episoden zu diesem Punkt. Man hat z. B. den„unzurechnungsfähigen" Josef Dejm dem Strahl einer Wasserspritze ausgesetzt. Er verbarg sich prompt hinter dem Rücken des G e f ä n g n i s a r z t e s, wo er sich. mit Recht sicher fühlte. Dejm erhielt diese Simulationstaktik auch bei seiner Einvernahme vor den Geschworenen aufrecht. Er reagierte auf keine Fragen und betrachtete un« ausgesetzt.seine Fingernägel.. Es wurde eine Reihe von Zeugen einvernommen, unter denen der angeschossene Polizeiinspektor Boukal die größte Aufmerksamkeit erregte. Inspektor Boukal ist bis zum heutigen Tag von den Folgen seines schweren Lungen-, schusses nicht genesen Und noch immer nicht dienstfähig. Er sprach mit leiser Und schwacher Stimme. Es Besteht die Befürchtung, daß er nie..mehr seine frühere Gesundheit wieder erlangen wird. Die Verhandlung wurde auf heute vertagt.< tf.?• Seite 6 „Sozialdemokrat" Doenstag, 27. November 1934. Nr. 278 Mittellungen aus dem Publikum In Prag verschied am 23. November' 1934 nach kurzem Leiden plötzlich Genosse Julius Fischer, Portier des deutschen Studentenheimes in Prag. Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 28. November 1984, um 10 Uhr vormittags im neuen Kre- uiatorium statt. Antonie Fischer.. 2762 «aast und wissen Die Meistersinger Die sonntägige Aufführung der„Meistersinger von Nürnberg" war keine Empfehlung für unser Deutsches Theater. Denn sie war im allgemeinen als verunglückt anzusehen. Man hat Wagners volkstümlichste und beliebteste Oper kaum je so stimmungslos und langweilig zu hören'bekommen, wie diesmal. Einige der Neuste- setzungen dürften an dem Mißlingen dieser ^Meistersinger"-Ausführung schmv gewesen sein. Am meisten die.Neubesetzung des Hans Sachs mit Theodor Scheid!. Denn die richtige Besetzung die- ser Rolle ist entscheidend für die ganze Oper. So sehr wir Herrn Scheidl als genialen Darsteller und persönlicheitsstarkcn Sänger von Charakterpartien (Philipp, Boris, Pizarro, Tcarpia usw.) schätzen, so wenig können wir seinen Sachs anerkennen.' Schon Scheidls Organ eignet sich in seiner spröden und wenig biegsamen Art nicht für den Sachs, dem die warm und voll ausströmende Stimme eignen muß. Dazu kommt bei Scheidl der phlegmatische Zwang, sich schonen zu müssen und mit größter Vorsicht und Tonipariamkeit zu singen."Sein Sachs ist daher in gesanglicher Hinsicht durch tondynamische Ungleichmäßigkeit und Betonung des Deklamatorischen gekennzeichnet. Auch Scheidls Darstellung des Sachs befriedigte nicht, weil zu konventionell und zu wenig warmen Humor offenbarend. Stiiymlich unzureichend war auch Fritz G ö l l v i tz als David, obwohl er geschmackvoll sang und munter spielte. ,Das gleiche gilt von Elisabeth W a n ka s Magdalene, die auch darstellerisch uninteressiert blieb. Sehr gut hielt sich dagegen Julius Gutmann als Pogner, der nicht nur stimmlich imponierte, sondern auch darstellerisch bemüht war, persönlich zu wirken. Bei nur einigermaßen edlerer Tongebung im Forte ckönnte man seinen Pogner liebenswert nennen. Auch Frl. Vera Mansinger war als Evchen sehr zu loben. Anfänglich zurückhaltend im Ton. sang fie sich später immer mehr frei und zeigte namentlich im Taufquintett stimmliche Kultur und schöne Stimmführung. Musikalischer Leiter der Aufführung war Kapellmeister Fritz Z w e i g. Zunächst hätte man ihm noch einige Proben mehr gewünscht, um größere musikalische Genauigkeit zu erreichen. Aber auch seine „Meistersinger"-Auffassung an sich gab zu denken. Ihr fehlt rhythmischer Schwung und. rhythmische Akuratesse, sie liebt allzu sehr die Dehnung der Zeitmaße und leidet unter' dynamischer Farblosigkeit. Vielleicht ist aber der auffallend matte Klang des Orchesters auch auf das Konto der Orchesterredu- Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab....•• 1934 daS täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. „Goaialöetnofrni" Verwaltung Prag Xll.. Fochova tr. 62, zum Preise von 16 lic monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name.. Genaue Adresse: Letzte Post:,»• Unterschrift: PBAGBR ZEITiriggg „Kochende Volksseele" vor dem Pnppenspiel Mit der„kochenden Volksseele" ist es ein besonderes Ding. Wenn sie nicht böswillige Spekulanten unter Dampf setzen, kocht sie gar nicht. Das konnte man an einem schönen Beispiel Sonntag nachmittag auf dem Wenzelsplatz beobachten. In einem Geschäft, nahe der Heinrichsgasse, wurden in einem Schaufenster Puppen- spiele gezeigt. Auch im Schaufenster gab es Prügel, aber es wär nicht ernst gemeint. Eine dichte Menge stand vor dem Fenster, belachte das heiter-kindliche Spiel und dachte nicht an die Insignien. Es standen da Christen und Juden, Tschechen und Deutsche. Keiner fragte den Nebenmann nach Rasse und Nationalität. Aber alle hatten lachende Gesichter. 50 Meter weiter, am Avionhaus, brüllten fragwürdige Exzedenten mit heiserer Stimme: „Raus mit den Juden! Raus mit den Deutschen!" Wie kläglich bestellt, wie künstlich fabriziert der ganze Rummel war, zeigte die kleine^Gratis-Vor- stellung im Kasperle-Schaufenster—I Neber„Das neue Privatangestelltengesetz" spricht Donnerstag, den 29. d. M., um halb 20 Uhr in: Vortragssaal, des Ministeriums für soziale Fürsorge(Prag II, Palackeho näm. 4) Genosse Abg. R. Klein. zierung zu setzen. Das Theater war mäßig besucht, die Stimmung nicht festlich, wie es bei den„Meistersingern" üblich ist. E. I. Tanzabend Harald Kreutzberg. Der Tänzer Harald Kreutzberg, dessen künstlerische Eigenart hier schon anläßlich seines ersten Auftretens in der .Meinen Bühne" gewürdw> wurde, hat sich in kurzer Zeit eine Prager Gemeinde erworben, die gestern das Neue deutsche Theater zwar nicht ganz, aber doch annähernd füllte. Seine große Körpeibeherr- schung, seine darstellerische Phantasie und seine Kunst des szenischen Aufbaues bewies Kreutzberg auch mit den vielen neuen Tänzen, die er(neben seinen Haupterfolgen von damals den ungarischen Tänzen von Brahms und dem spanischen Straßenlied von Albenitz) vorführte. Am eindrucksvollsten wirkte gestern sein« darstellerische Phantasie: in dem grausiggrotesken Henkerstanz, in der bildhaften„Beweinung"(nach Regerscher Musik) und in den „Drei irren Gestalten", in denen Kreutzberg das Schicksal des Verträumten, des Besessenen und des Gehetzten beängstigend und ergreifend verkörpert. Von einer neuen Seite zeigte sich Kreutzberg in der (von Schulhofs komponierten) Wälzergroteske. Er hat hier einen parodistischen Tanz geschaffen, der den Leerlauf der alten Ballettbewegung und ven Kitsch' des durchschnittlichen Tanzgetändels keck und einfallsreich verspottet.—eis— Uraufführung„Der Enkel des Golem" von PaulLeppin, dem Schiller-Preis-Träger, am Samstag, den 8. Dezember. Regie: Gellner,.Bühnenbilder: Prof. Hugo Steiner, Prag. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag halb 8: Menschen in Weiß, A 2.— Mittwoch halb 8: Giuditta, BI.— Donnerstag halb 8: Manon, CI.— Freitag halb 8: Blaubart. Erstaufführung, Bankbeamte und freier Verkauf, D 2.— Samstag halb 8: Menschen in Weiß.— Sonntag 11: Kammermusik, halb^: Nacht vor dem Ultimo, hiflb 8: Carmen, D 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Dienstag halb 8: Großreinemachen, Erstaufführung. — Mittwoch 8: Fremdenverkehr.— Donnerstag 8: Nacht vor dem Ultimo.— Freitag 8: Großreinemachen, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf. — Samstag 8%: Hoch klingt das Lied vom braven Mann,— Sonntag 8: Hoch klingt das Lied vom braven Mann, 8: Großreinemachen. «li Ghito spielt in dem Skifilm Schicksalssprung in Pontresina. Sport• Spiel• Körperpflege DTI-Frauen gegen Fascismus und Reaktion Am 24. und, 25. November hielten im P r a- ger„Lid. dum" die Kreis-Turnwarj.n- n e n der DTJC gemeinsam mit dem Technischen Ausschuß des Verbandes ihre Konferenz ab. Auch auf' dieser Tagung wurde über den schönen Verlauf der lll. Arbeiter-Olympiade, an der die Frauen gleichfalls großen Anteil hatten, berichtet. Das weitere Aktionsprogramm deckt sich zum großen Teil mit jenem der Turner; Werbung neuer Mitglieder, Amerikafährt'und Teilnahme an der III. internationalen Olympiade ja Antwerpen sind die wichtigsten Große antifs seist Ische Kundgebung in den Sälen auf dem Slovenskh Ostrov Mittwoch, 28. November, 8 Nhr abends. Redner: Gen. Abg. Taub. Gen. Sen. Dundr Für S. I. Mitglieder Erscheinen Pflicht.— Veranstalt« von der Kampfgemeinschaft der arbeitenden äugend, Pr ag. Ber Film Bei uns in Krähwinkel Die(von Karel Polakek gelieferte) Vorlage dieses tschechischen Films ist dem Stoff verwandt, aus dem Gogol das dramatische Meisterwerk vom „Revisor" und Chaplin den unvergeßlichen Film vom„Pilgrim" gemacht hat. Aber' trotz der Verwandtschaft ist nur eine sehr entfernte Aehnlichkeit zu entdecken. Denn der Regisseur Miroslav Cikan, der mehr Hang zur Idylle als Sinn für Satire, mehr Liebe zu Genrebildchen als Fähigkeit zum Aufbau hat, machte aus der Geschichte vom diebischen Zirkus-Zauberer, der durch einen grotesken Zufall dem Gefängnis entweicht, durch einen noch groteskeren Zufall als heimgekehrter Held in Krähwinkel gefeiert wird, sich zum Bürgermeister des. Städtchens aüfschwingt und schließlich bei einer zu seinen Ehren stattfindenden Zirkusvorstellung zaubernd in die Hände der Polizei fällt, eine ebenso beschauliche wie umständliche Kleinstadt-Parodie, die von den grotesken Wendungen der Handlung eher gestört als belebt und von den sattrischen Ansätzen vollends verwirrt und beinahe gesprengt wird. Die Satire, die ganz allein von dem Hauptdarsteller Jan W e r i ch ausgeht, der den verschmitzten Sträfling zum pfiffig-dreisten Diktator (in Duce- und Führer-Haltung) entwickelt, ist der stärkste Wert dieser Krähwinkeliade,— aber fie bleibt ein Fremdkörper in einem schwächlich ulkenden Film, der um«inen niedlich gebauten Marktplatz mit der ewig rückwärtsgehenden Rathaus-Uhr und dem ewig nörgelnden Kneipenwirt herumspielt und im ganzen mehr Gewicht auf ein aus Kotzebues„Deutschen Kleinstädtern" in Böhmische verpflanzten Liebespärchen als auf die-hochstaplerische Hauptgestalt des falschen Helden zu legen scheint. So rühmenswert es ist, daß diesem Film der übliche Rührkitsch fehlt, so sehenswert Werichs Darstellung, so hörenswert(mitunter) die Musik von I e z e k und so komisch die Gesangseinlage der„Ko- courkovsti ükitels" ist,— als Ganzes ist es ein Film geworden, der sich nicht entscheiden und deshalb' nicht überzeugen kann und der ebenso oft zum Kopfschütteln wie zum Lachen reizt.—eis— Punkte der nächsten Zeit: In technischer Hinsicht sollen vierteljährlich turnerische Vorbereitungskurse durchgeführt werden. Ferner wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Frauen der DTJ bekanntgeben, daß sie gemeinsam mit den Männern den Kampf gegen,Fascismus und Reaktion und für die Rechte der Arbeiterklasse führen wollen. Die Konferenz nahm einen, sehr schönen Verlauf und wurde u. a. auch von der Abg. Karpiskovä im Namen der Partei begrüßt. Glavia a« der Spitze der Liga DFC gewinnt zwei Punkte Die sonntägigen Ligaspiele brachten durchwegs die erwarteten Siege der Favoriten. Slavia konnte, in Pilsen di« dortige Viktoria glatt mit 4:1(2:1) besiegen und damit die Führung in der Tabelle übernehmen. Bei den Pilsenern versagte der Sturm, welcher sogar einen Elfmeter nicht verwerten konnte. Ein überraschend hoher Sieg gelang der Sparta gegen B o h e m i a n s, die 5:0(3:0) geschlagen.wurden. Die Spartaner zeigten wieder ein flüssiges und rasches Kombinationsspiel, dem die Bohemians nicht lange Widerstand zu leisten vermochten. Nach dem letzten Versager zeigte die D F C.- Mannschaft ein besseres Spiel, obzwar in der ersten Halbzeit die alten^Schwächen.vorhanden waren. Stoj als Sturm sichrer war sehr gut, nur fand, er hei der linken Seite nicht die beste Unterstützung, wo Wicherek am schwächsten war. Der DFC. stellte seinen Sieg über Cechie Karlin mit 2:0 sicher; diese Tore entstanden aber mehr durch, gut placierte Freistöße Mährers, der der beste Mann im Half war. Cechie ist spielerisch nicht mehr so gefährlich auf eigenem Platz, dafür aber in unsportlicher und roher Form. Ein mageres Ergebnis ergab das Treffen T e p- l i tz e r F K. mit A F K. K o l i n jn Teplitz. Nur mit 2:1(2:0) blieben die ohne ihre ausländischen Spieler antretenden Teplitzer dank Patzelt im Tor glückliche Sieger. Jn Proßnitz gab es für den S K. K l a d n o eine 3:2-Äiederlage, obwohl er zur Pause mit 1:0 Oeffentliche Versammlung aller Staats- und öffentlichen Angestellte» Die gemeinsame Arbeitsgemeinschaft der Staatsangestellten-Zwölfer-Kommission und der Exekutive der öffentlichen Angestellten, beruft für Mittwoch, den 28. November, um 19 Uhr in die Produktenbörse in Prag eine öffentliche Kundgebung aller Staats- und öffentlichen, aktiven und pensionierten Angestellten mit dem Programme „Aufhebung der Abzüge von den festen Bezügen und Pensionen zum 1. Jänner 1935 und Einrechnung des Militärpräsenzdienstes" ein. Alle Staats- und öffentlichen Angestellten sowie Ruheständler von Groß-Prag müssen an dieser Kundgebung des einheitlichen Willens der Staatsangestellten-Organisationen teilnehmen. führte. Der SK. Proßnitz war nach Seitenwechsel in Front und gewann schließlich unter etwas Nachhilfe des Schiedsrichters. Divisionen kämpfe««eiter In der deutschen Division(DM8.) befestigte der DSV. Saaz mit einem 7:3(1:1)- Sieg gegen BSK. Gablonz auf dem Platze des letzteren seine Führung. Ein« Ueberraschung gab es in Bodenbach, wo di« SpVg. vom DSV. Brünn knapp mit 2:3(2:1) geschlagen^ wurde, und die Brünner ihre ersten beiden Punkte' erzielten. Der Karlsbader FK. gewann sicher mit 5:1(3:0) über DSV. Troppau. Mittelböhmen: Viktoria ZiAov gegen Rapid Prag 5:1(2:1), Sparta Kosir gegen SK. Liben 2:2(2:0). Böhmen-Land: SK. Nachod gegen Köni- ginhof 4:3(8:1)., Sonstige Fustballergedniffe. B.-Budweis: §SK: gegen£>§(5. 6:2(3:0).— Pilsen: SK. gegen Petkin 9:0(2:0).— Pardubitz: Cecho- slovan Kosik gegen SK. 3:2(2:0).— Brüx: DSK. gegen DSK. Dux 4:2(3:1).— Komo- tau: DM. gegen SK. Most 4:2(3:1).—Kunden: VfB. Teplitz gegen DFK. 7:0(3:0).—> Haida: DSV. B.-Leipa gegen DSK. 8:1^1:1)- — Reichenberg: RJK. gegen Jungbunzlauer SK. 2:2(0:1).— Brünn: Zidenice gegen Ad- mira Wien 4:0(1:0).— Budapest: HUngarin gegen 3.-Bezirk 6:3, Ferencvaros gegen Bocskay 5:1, Ujpest gegen Atilla 5:0.— Wien: Rapid gegen Fav. SK. 7:1, FC. Wien gegen Bienrm 2:01, FAC. gegen Liberias 2:2. Die EsAF. hielt Sonntag eine Sitzung des Vorstandes ab, die sich u. a. mit der Verteilung von 50.000 XL an die Klubs, die Spieler zur Weltmeisterschaft stellten, befaßte. Slavkit erhielt 27.000, Sparta 20.000 und der Teplitzer FK. 3000 Xö. Außerdem wurde ein Beschluß bezüglich der Spielberechtigung von ausländischen Spielern gefaßt. Dieser sieht vor, daß Ausländer, welche vor dem 81. Dezember 1931 schon registriert waren, nicht als Ausländer gelten und daher bei den Meisterschaftsspielen neben den zwei bewilligten Neu-Ausländern mitwirken dürfen. Weltrekord im Franenschwimme» Die Holländerin Rita Mastenbroeck stellte bei einem Meeting in Düsseldorf über 10 0 Meter Rücken in 1:16.8 Min. einen neuen Weltrekord auf. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hielt am Sonntag in Pra" seine Hauptversammlung ab, die bis auf die stürmisch umkämpften Wahlen glatt verlief. Die Oppositton, zum Großteil aus Nordböhmen, wollte den Vorsitzenden stellen, drang aber nicht durch. Als Vorsitzender blieb Jng. Tronner(Wit- kowitz). Bei dieser Tagung wurde auch bemängelt, daß der ADS. über ein Jahr lang keine Sitzungen abhielt und sogar dessen Vorstandsmitglieder kein« Auskunft über seine Existenz geben können! Die Europameisterschaft im Eishockey ist im vollen Gange. Ein Spiel hat ja bekanntlich schon in Prag stattgefunden, wo der LTC. gegen das Londoner Team Richmond Hawks 3:2 gewann. Die Londoner schlugen nun in Berlin den Schlittschuh- klub mit 5:1 und in Paris siegte Stade Francais über Rieffersee gar mit 7:1. Vcrclnsnadiriditen Allgemeiner Angestellten-Berband, Ortsgruppe Prag II. A m t s st u n d e n: Mittwoch von 6 bis 8 Uhr, Närodni Nr. 4.III. Swck. Konferen- sämtlicher Ausschuß-Mitglieder und Funftionäre aus den Bettieben am Mittwoch, den 28. November, um 8 Uhr abends im Heim.„Die Junge Generation" hat ebenfalls Mittwoch Zusammenkunft. Nächst« Mitglieder-Versammlung, Mittwoch, den 5. Dezember, 8 Ühr abends i m H e i m. Vortrag der Kollegin Riedl. Kmderfreuude Prag. Die für Donnerstag, den 29. November, angesagte Sitzung dos Ausschusses kann nicht stattfinden. Schloß Hubertus Ein Goebbels-Film nach einem Roman des wilhelminischen Volks- und Hofdichters Ganghofer, worin ein jagdliebender Graf gegen seine bürgerlich verheirateten Kinder wütet, bisher infolge eines Jagdunfalls(durch Adlermist) erblindet und sich mit der Familie aussöhnt. Läßt man vom Adlermist den Adler weg, dann hat man die richtige Bezeichnung für diesen Film, der teils aus wildem Geschrei, teils aus Gebirgsaufnahmen und teils aus schmierendramatischer Schauspiele'-ei besteht. I 5 rr i! I II i! Die Vollendung meines VI. Liebensdezenniums wurde von vielen Seiten zum Anlasse von Gratulationen und mich überraschender Ehrungen genommen. Ich sage hieftir auf diesem Wege ganz allgemein allen Gratulanten, sowohl den Korporationen, meinen Genossinnen, Genossen und sonstigen Freunden in nah und fern den herzlichsten Dank. Warnsdorf, im November 1934. Anton Augsten. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich Kö 16.-r, vierteljährig Kt 48.—. halbjährig KC 96—, ganzjährig Kd 192.—— Jnierare werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.’800/VII/1930 bewilligt. Druckerei:„Orbis" Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.,