Einzelpreis 70 Helfer (eimchliefiiich 5 Halter Pate) ZE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQS1OWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung präg»i, fochova a. telefon sm. Administration telefon sw«. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHE REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Freitag, 3V. November 1934 Nr. 281 * Im Motivenbcricht wird erklärt, daß die Maßnahmen, die seinerzeit di« Voraussetzung für die Dienstzeitverkürzung auf 14 Monate bildeten, nicht in hinreichendem Umfang Lurch- Bestimmnngen über das beschleunigte Verfahren znr Anwendung gelangen werden, da man annimmt» daß keine Delegation die Verantwortung für einen Aufschub der Erledigung der Beschwerde auf stch nehmen wird. Bei der Behandlung der jugoslawischen Beschwerde vor dem Rat wird voraussichtlich der portugiesische Delegierte den Ratsvorsitz führen. Berichterstatter wird voraussichtlich einer der Diplomaten der sogenannten neutralen Staaten sein. Man nennt hiebei insbesondere den spanischen Botschafter Mada- r i a g a, doch ist ein endgültiger Beschluß in dieser Angelegenheit noch nicht gefaßt. Prag. Im Abgeordnetenhaus wurde Donnerstag nachmittags die seit längerer Zeit ange- ! kündigte Regierungsvorlage über die Wnge der Präsenzdienstzeit vorgelegt. , Nach 8 L beträgt die normale Präsenzdienstzeit zwei Jähre. Das gilt mit den§ 4, Absatz 5, angeführten Ausnahmen auch von jenen, die v o r der Wirksamkeit dieses Gesetzes assentiert wurden, die aber bisher ihrer Verpflichtung zum aktiven Dienst nicht nachgekommen sind. In§ 2 wird die Länge der militärischen Ausbildung der Angehörigen der Ersatz- r e s e r v e, die bisher 12 Wochen betrug, auf fünfMonate erhöht. 8 3 setzt fest, daß Absolventen von Mittelschulen mit Matura, die noch nicht im assentpflichtigen Mer sind, der freiwillige Mntritt in die Wehrmacht(bei Tauglichkeit) so bewilligt werden mutz, daß sie den Präsenzdienst gleich nach Absolvierung der betreffenden Schule am nächsten Einrü'-kungstermin antreten können. In den Uebergangsbestimungen des§ 4 wird festgesetzt, daß die Angehörigen der Pioniertruppen, wel ♦ im Oktober 1933 den Präsenzdienst antraten und nach Beendigung der vierzehnmonatigen Dienstzeit(mit 1. Dezember d. I.) in die Reserve übersetzt wurden, zu einer weiteren Aktivdienstzeit in der Dauer von zehn Monaten verpflichtet sind. Diesen Dienst haben sie am 3. Januar 1938 anzutreten. Die Angehörigen der übrigen Waffengattungen, welche den Präsenzdienst im November 1933 angetreten haben, werden mit 1. Januar 1938(zu welchem Termin sie nach Hause gehen sollten) auf dauernden Urlaub geschickt, sind aber verpflichtet, den Präsenzdienst ab 4. Februar 1938 fortzusetzen. Diejenigen jedoch, welche nicht auf Urlaub gehen wollen, sind im Mtivdienst zu belasten, damit sie sofort im weiteren Präsenzdienst nach§ 4 fortfahren können. Die Militärverwaltung ist berechtigt, diese in 8 4 genannten Soldaten schon vor Beendigung der weiteren aktiven Dienstzeit auf dauernden Urlaub zu schicken. Die Verpflichtung zur Fortsetzung der Prä- senzdienstzeit bis zur Erreichung von 24 Monaten gilt jedoch nicht für Aerzte und Magister der Pharmazie, welche zwischen dem 17. Juli 1933 und dem 18. Juli 1934 den Präsenzdienst antraten. § 8 setzt fest, daß der höhere Aufwand vor allem durch Ersparungen in den Ausgabe der 1. Gruppe des Staatsbudgets(die eigentliche Staatsverwaltung) gedeckt werden soll. Insoweit diese Bedeckung nicht ausreicht, wird der Finanzminister zu K r e d i t o p e r a t i o n e n ermächtigt. geführt werden konnten. Daher habe sich die Regierung entschlosten, den Antrag auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit zu stellen. Zur zweijährigen Dienstzeit sind nicht nur die heuer oder später Assentierten verpflichtet, sondern überhaupt alle/ die die vierzehmnonatige Dienstzeit «ach dem Gesetz 6&IS& noch nicht absolviert habkn. Das gilt auch für den Jahrgang 1933, der mit Ende Dezember d. I. abrüste» sollte. Die einzige Ausnahme, daß nämlich jene Aerzte und Apothker, die zwischen dem 17. Juli 1933 und dem 15. Juli 1934 eingerückt sind, nicht weiter- zu dienen brauchen, ist daraus zu erklären, daß kür sie seinerzeit spätere Einrückungstermine festgesetzt waren. Ihre sonstigen Alterskollegen aus den Reihen der Mittelschulabsolventen wurden früher einberufen und haben daher schon im September d. I. abgerüstet, so daß sich die Verpflichtung zum Nachdienen für sie nicht mehr bezieht. Deshalb Hai man auch die Aerzte und Apotheker dieses Jahrganges von der Dienzeiwerlängerung ausgenommen, um sie gegenüber ihren gleichaltrigen Studienkollegen nicht zu stark zu benachteiligen. Die finanzielle Seite Hinsichtlich der finanziellen Seite bemerkt der Motivenbericht, daß die Auslagen für die zweijährige Dienstpflicht gegenüber der 14monatigen um rund 1.18 Millionen höher sind, während die Dienstzeitverlängerung für die Ersatzreserve weitere vier Millionen erfordert. Andererseits müssen entsprechende Summen für die sonst notwendige Arbeitslosenunterstützung der abgerüsteten Soldaten in Abzug gebracht werden. Für 1935 muß man mit Rücksicht auf den durchschnittlichen Mannschastsstand in dieser Uebergangszeit mit Mehrausgaben von 164,5 Millionen rechnen, die durch Ersparnisse in den anderen Refforts, bzw. durch Kredit- operattonen aufgebracht werden sollen. Steinwurf gegen unsere Berliner Gesandschaft Vom Münchener Konsulat das Staatswappen heruntergerissen Berlin. In der Nacht auf Donnerstag wurde im Gebäude der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Berlin durch einen Steinwurf ein Fenster eingeschlagen. Der Täter blieb unbekannt. Im Verlaufe der Demonstrationen, die am Mittwoch in München von Hochschülern vor dem dortigen tschechoslowakischen Generalkonsulat veranstaltet wurden, ist das tschechofiowafische Staatswappen herabgerissen worden. Protest und Bedauern Berlin.(Tsch. P.-B.) Der tschechoslowakische Gesandte in Berlin Dr. Mastny sprach Donner.' ag vormittags im reichsdeutschen Außenamte vor und protestierte energisch gegen die Demonstrationen, die gegen die tschechoslowakische Gesandtschaft und einige tschechoflowakische Konsulate in Deutschland unternommen wurden. Gesandter Dr. Mastny protesfierte auch gegen die Art und Weise,»wie über diese Ereignisse in der reichsdeutschen Presse geschrieben wurde. Der Vertreter des reichsdeutschen Außenamtes sprach dem Gesandten Dr. Mastny das lebhafte Bedauern über diese Ereignisse aus. Die Einheitsfront in Frankreich Das kommunistische Programm „zu wenig sozialistisch** I Paris.(Tsch. P.-B.) Die BerwalttmgS- kommission der sozialistischen Partei genehmigte Dienstag abends die Antwort auf das Anzrbot der kommunistischen Partei nach Erneuerung des politischen Zusammenschlusses der Arbeiterklasse in Frankreich. Die Sozialisten erklären in ihrer Antwort, sie seien gleich den Kommunisten diesem Gedanken ergeben und haben in diesem Geiste das gemeinsame Vorgehen der Sozialisten und der Kommunisten gegen den Fascismus und die Reaktion akzeptiert. Die Sozialisten find aber der Ansicht, daß„das kommunistische Programm auch nicht eineeinzige Maß- nahmesozialistischenGeisteö enthält und demnach auch nicht als Programm der Arbeiterklasse bezeichnet werden könne". Die Sozialisten schlagen deshalb den Kommunisten vor, die Erweiterung des gemeinsamen Vorgehens auch auf die offensive Aktion gegen das wirtschaftliche Regime unverzüglich auszndehnen, und unterbreiten der kommunistischen Partei gleichzeitig ein gemeinsames Programm sozialistischer Gedanken zur Bekämpfung der Krise, zur Verstaatlichung der Wafienproduk- tion und des Waffenhandels, ferner verschiedene Vorschläge sozialen Charakters u. dgl. Auf dieser Grundlage sind die Sozialisten bereit, mit den Kommunisten behufs Erneuerung der Einheit der Arbeiterklasse in Frankreich unter Zugrundelegung des Paktes vom Jahre 1905 zu verhandeln. Genf.(Tsch. P.-B.) Der amtierende Bor- ! sitzende des Bölkerbundsrates, Dr. Benes, hat ! die außerordentliche Ratssitzung für Mittwoch, den ! 5. Dezember einberufen. Bis zu dieser Zeit wer- !den in Rom die Vorbereitungen für die Genfer -Behandlung des Saarproblrms abgeschlossen sein. ! Man erwartet, daß der Rat die Ergebnisse der Verhandlungen des römischen Sonderausschusses für die Saarfrage spätestens in zwei Tagen überprüft haben wird, so daß die jngoslawifche Beschwerde bereits am 7. Dezember vor dem Rate werde behandelt werden können. Bereits heute scheint sicher zu sein, daß die Schon am 7. Dezember Behandlung der jusoslawischen Beschwerde? Zweijährige Dienstzeit eingebracht Auch für die heute aktiv dienenden Soldaten Landespräsident Dr.Sobotka in Nordböhmen Reichender g.(Tsch. P. B.) Der Lan- despräfident Dr. I. Dobctka setzte heute seine Inspektionsreise in Rordböhmen fort und besuchte die polifischen Bezirke Friedland und Reichenderg, wo er sowohl mit den behördlichen Faktoren, als auch mit den Vertretern der Städte» der Bezirksvertretungskollegien» der politischen Parteien und der tschechischen Minder- , heile« über die Verhältnisse in diesen Städten und Bezirken, insbesondere mit Rücksicht auf die A r- beitslosen und die möglichst schleunige Durchführung verschiedener Bau- und Wasserprojekte verhandelte, die wenigstens einem Teil der Arbeitslosen' einen Erwerb ermöglichen würden. In Friedland und in Reichenberg besuchte der Landespräsident die schöne» Rathausgrbände dieser Städe. Im Rathause in Reichenberg begrüßte den LandeSpräsidrnten der Bürgermeister der Stadt Senator Kostka mit den Mitgliedern des Stadtrates. Schreckenszene auf dem Turner Bahnhof Mailand. Am Bahnhof Porta Susa von Turin ist Donnerstag nachmittags um 2 Uhr der Schnellzug Mailand—Turin bei der Einfahrt mti dem Schienenauto der Linie Turin—Aosta zusammengestoßen, das den Hauptbahnhof von Turin um 13 Uhr 80 verlassen hatte. Nach dem Zusammenprall fing das vollbesetzte Schienenauto sofort Feuer und unter den Reisenden brach eine Panik aus. Da die Ausgänge durch Trümmer versperrt waren, konnten de Reisenden nur durch dieFenster den Wagen verlassen. Ter Schnellzug Mailand— Turin wurde vom Zusammenstoß nicht so stark mitgenommen. Sobald sich die Reisenden vom ersten Schrecken erholt hatten, beteiligten sie sich am Rettungswerk und suchten, aus dem brennenden Motorwagen de verletzten Reisenden zu bergen. Nach dem ersten Bericht sind 80 Reisende mehr oder weniger schwer verletzt worden, doch konnten die meisten narb Anleaunn von Verbänden vulassen werden FUhrer Nicolos kleiner Krieg Knrz vor Redaktionsschluß erreicht uns die Meldung, daß die Würdenträger der deutsche« Universität ihren Rücktritt wideren f e« haben. Sie begründen de» Widerruf damit, daß sie jetzt erfahre» hätten, daß man ihnen neue Insignien geben werde, die von deutschen Künstler» eigens für sie««gefertigt werden. Wir haben leider auch nach dieser Meldung keine Ursache, Inhalt und Ton unseres — vor ihrem Einlangen geschriebenen— Artikels zu ändern, oder unsererseits irgendetwas zu widerrufen. Das ganze Komödienspiel mit Rücktritt und Widerruf, zeigt nur, daß die Führer der deutschen Universität sich nicht von große« wirklich„nationalen" Gesichtspunkten, sondern von kleinlichen und»st geradezu primitiven Erwägungen leite« lassen. Auch daran, daß die Sache von Sa» Rieol» arrangiert war, ist nicht zu zweifeln. Rektor und Dekan der Deutschen Universität haben es für nötig befunden, ihre Würden niederzulegen. Sie wollen mit diesem Akt, wie sie erklären, dem bedeutsamen Augenblick Rechnung tragen, den die Auslieferung der Insignien in der jahrhundertealten Geschichte der Universität darstellt. Der Schritt stellt nicht nur eine über- flüssige und sinnlose Demonstration dar, er bedeutet n a ch der Beilegung des Jnsignienstreits eine neue Kriegserklärung an die tschechische Oeffentlichkeit, an die Regierung der Republik und an die tschechische KarlSuniversität, deren Rektor sich in den letzten Tagen kn anerkennenswerter Weise bemüht hat, eine bessere Atmosphäre zu schaffen und die ganze Angelegenheit in jene Grenzen zurückzuführen, die ihrer Bedeutung im Leben der Nation entsprechen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man den Inszenator des neuen Theatereffekts nicht in dem amtierenden Rektor Grosser erblickt. Er trägt natürlich nach außen die Verantwortung für die Provokationen und wir bedauern das um so mehr, als Professor Grosser zu jenen Persönlichkeiten gehört, denen man auch als politischer Gegner Achtung und Anerkennung entgegenbringen kann. Hinter dem neuen Vorstoß kann nur einer stellen, der San Nicolö. Auch wenn man uns darüber nicht informiert hätte, wüßten wir's. Aber es ist ein übriges geschehen: man hat uns über die Rolle San Nikolos in der neuesten Phase des Universitätskonflikts informiert. Signor Mariano war nicht umsonst im Rektorat', als der Kampf seinen Höhepunkt erreicht hatte, als tschechische Fascisten Türen und Tafeln zertrümmerten und deutsche Studenten— mitten in Prag, mitten in einer zu mehr als 90 Prozent tschechischen Stadt! — Barrikaden bauten und Wasser aus den Fenstern gossen. Signor Mariano scheint auch weiter auf der Szene geblieben zu sein. Wie die Intriganten in der italienischen Oper steht er in einem Winkel der Bühne und läßt in die versöhnlichen und schmelzenden Tenorarien den grollenden Kontrabaß einfließen, der für den nächsten Auftritt— kaum daß der Held die Arie zu Ende gesungen hat— Uebles verheißt. Denn diese Spara- fucile und San Nicolo führen immer den Dolch im Gewände... • Da die Alten und Lehrer mit gutem Beispiel vorangehen, dürfen die Jungen und Jünger nicht zurückbleiben. Die bürgerlichen Studentenorganisationen teilen mit, daß die Vertreter der verschiedenen nationalen, klerikalen und, daß Gott erbarm', auch liberalen. Verbände„sowie afler nicht organisierten Studenten"(wie die zu einer Vertretung kommen, da sie doch nicht organisiert sind, bleibt einigermaßen chleierhast) in„ausführlichen Beratungen" zu dem Schritt der Würdenträger Stellung genommen haben. Sie sprechen ihnen Dank und Vertrauen aus und geloben, daß sie während des Semesters von allen festlichen Veranstaltungen Abstand nehmen. Auch würden sie an keinerlei anderen Veranstaltungen teilnehmen. Die bierehrlichen Jungens nehmen sich viel vor. Aber schließlich endet das Semester Ende Jänner und der Fasching liegt kaum angebrochen noch vor ihnen! Da haben sich also die deutschen Regierungsparteien, obwohl Rektor und Senat sich mit ihnen vor dem ersten Protest nicht in Verbindung gesetzt hatten, um die Beilegung des Konflikts bemüht. Man hat einen Mittelweg gefunden, von dem selbst Herr Hilgenreiner, UniversitätZprofessor, Sette 2 Freitag, 30. November 1934 Nr. 281 Prorektor und oppositioneller Politiker, zugestehen mußte, daß er ein ehrenhafter Ausweg war. Die tschechische Oeffentlichkeit hat sich durch ihre politischen und kulturellen Sprecher vernünftig, einsichtsvoll, versöhnlich geäußert. Regierung und Behörden haben der randalierenden Gaffe Halt geboten. Der tschechische Rektor hat sich deutlich von D o m i n distanziert und in umsichtiger Weise die nationalistische Flut in seinem Wirkungsbereich einzudämmen versucht. Man sollte glauben, daß die deutschen Herren inzwischen eingesehen hätten, w a s sie angerichtet haben, was sie noch hätten anrichten können, wenn eS nicht gelungen wäre, der entfeffelten Elemente Herr zu werden, daß sie ruhig in sich gehen und Schweigen bewahren. Weit gefehlt! Nun erst recht, immer feste druff wie Blücher! Es ist leider nicht ausgeschlossen, daß die Herrschaften sich dabei von den unrühmlichen Vorfällen in Wien, Berlin, Köln und anderen deutschen Städten beeindrucken ließen. Statt zu erkennen, daß ihre Prestigepolitik zu schwersten Schäden für das ganze deutsche Volk im Staate, zur Stärkung des tschechischen Fascismus und nun auch noch zu einem gefährlichen Echo aus der barbarischen Umwelt der Republik geführt hat, und zu größeren Nebeln führen könnte, sind sie wahrscheinlich über den SukkurS erfreut und glauben, mit der Rük- kendeckung der Lausbuben, die da und dort im fascistischen Ausland für die Rechte der„Alma mater antiquissima“ handgreiflich demonstoiert haben, ohne vermutlich von Prag, der Tschechoslowakei und den slawischen Völkern mehr zu wissen, als man aus„Mein Kampf" eben erlernen kann, hier in Prag Staat machen zu können. Es muß den Herren mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß sie mit einem Feuer spielen, an dem sich vorläufig leider immer die Unbeteiligten die Finger verbrannt haben, das aber einmal auf ihr eigenes Dach Lbcrgreifen könnte! Sie haben es nicht f ü r nötig befunden, mit den deutschen Parteien über ihre neue Demonstration zu verhandeln. Sie sind ja autonom, beinahe souverän. Sie machen sich ihren Dreck alleene... Der San Nicolü, von Gottes Gnaden Rettor auf Lebenszeit und durch Gottes Wunder ein„deutscher" Nationalheld, kaust sich eine Kanone und führt Krieg. Wenn dabei ein Unglück geschieht, dann sind ja die Parteien da, es wieder gutzumachen, und im besonderen die deutschen Sozialdemokraten, die Sache einzurenken und zum Dank den Ehrentttel von nationalen Verrätern zu beziehen. So ist's doch Magnifizenz Nicolo? Ob im Gefolge solch turbulenter Nicvlo- Feiern die Früchte jahrelanger Verständigungspolitik in Trümmer gehen, ob der Gabensack des biederen Nicolo sich als eine Ladung fauler Aepfel entpuppt und aus den Insignien, die der w e l sch e Krampus drohend schwingt, wirklich Zuchtruten werden, mit. denen die Aermsten der Nation gestäupt werden, all das kümmert einen hohen Akademischen Senat ja nicht. Wir sind Wir und schreiben uns Uns! Das ist der Standpunkt, um den die akademische Polittk kreist. Und wenn die in R o t h a u Baumrinde fressen, die Herren von der Hohen Schule haben andere Sorgen! Und wenn in den deutschen Bezirken nur noch rachittsche Kinder aufwachsen, wenn die Tuberkulose wieder wütet wie im Frühkapitalismus— das Weltall kreist um Belange^ Insignien und Urkunden! Die Herren könnten wissen, daß sich die Zeiten ändern, daß in Deutschland die akademischen Freiheiten nicht das Zeitungspapier wert sind, auf dem sie beschrieben werden, nicht zu I Copyright by Pressedienst E. Prager-Verlag, Wien An den Haaren zerrte er sie in die dunkle Stube und schlug sie. Kein Laut kam aus ihrem Munde und sie zuckte nur wie ein geschlachtetes Tier. Er wußte, daß man Weiber nicht schlagen dürfe, aber er schlug sie unbarmherzig. Er erschrak, als sie mit einem dumpfen Auffchrei zu Boden fiel. Er machte Licht. Da sah er, daß sie totenblaß und ohnmächtig war. Er stieß sie mit dem Fuß in den Rücken. Sie sollte wissen, daß er ihr Herr war. Am nächsten Morgen nahm er ihr das Bündel aus der Hand, als sie in ihrer einzigen Bluse, die er Lestern an ihr zerrissen hatte, aus dem Hause wollte, und schickte sie um Milch. Das bedeutete, daß sie bleiben durfte, obwohl er sie nicht mehr liebte. Und dann begann er zu trinken, so oft Geld im Hause war. das heißt, so oft er Fische gefangen hatte. Obwohl er sie zumeist ohne Geld ließ, kochte sie für ihn täglich; er ahnte, daß die blauen Flecke, mit denen er sein Essen bezahlte, mit den Franken des Mannes auf dem Strande gekühlt wurden. Eines Tages aber stand auf dem Tische ein leerer Teller... lieber die Straße fuhren nun täglich Wagen, hinten und vorn mit Gepäck beladen: der Sommer war vorbei. Der alte Tloture trank und seine Frau weinte. Eines Tages weinte sie mehr und lauter und starrte einem Wagen nach, der in der Ferne in einer Staubwolke verschwand und dessen gelbes Reisegepäck nur mehr wie ein Punkt leuchreden von dem Pergament, auf dem sie verbucht sind! Eine Demonstration wie die der Nicolö- Trabanten würde in Deutschland damit erledigt, daß ein SA-Sturm den Sitzungssaal räumen und die Jnsignienttäger ins Konzentrationslager abführen würde. So liegen die Dinge heute, Magnifizenz und Spektabilitäten! Aber sie wissen eS wahrscheinlich tete. Und ein Punkt wurde auch hinter das gesetzt, was ihr geschehen war. Sie schämte sich nicht, laut aufzuschreien und warf sich in den staubigen Straßengraben. An diesem Abende bekam Cloture nichts zu essen. Und nach geraumer Zeit hatte er eine Tochter im Hause. Sie kam ohne Hebamme zur Wett, gerade, wie wenn sie vom Himmel gefallen wäre. Die Mutter suchte in ihrem Gesichte eine Aehn- lichkeit mit jemand, den sie nur in der Dunkelheit gekannt hatte. Und der Alte wandte ihr den Rük- ken zu. Sie erhielt den Namen Babiola, weil sie so klein war und eher einem Spielzeug glich, als einem Menschenkinds. Eine Frau aus dem Dorfe erbettette bei den begüterten Familien von Bidar Wäsche und die Kleine sah in diesen Hüllen sonderbar genug aus. Eine Hoteliersfrau hÄb sie aus der Taufe. Der alte Tloture stand in der Ecke und zog mit der Nase auf. Man hörte ihn viel deutlicher als den Pfarrer und seine Frau dachte: wie ekelhaft und aü ist er doch. Daheim legten sie die Kleine auf den Boden, damü sie nicht hinunterfalle, wenn beide Eltern außer Haus arbeiteten. Und das Kind weinte wenig, als wüßte es, daß es niemand schaukeln und wiegen werde. Die großen Augen waren von unbestimmbarer Farbe und es hielt sie zumeist ängstlich geschloffen, als ob es sich vor dem Schmutz und der Not entsetzte, in die es durch die Li^be zweier törichter Menschen geraten war. Wenn Cloture heimkam, ging er in der Kammer auf und ab und stieg mit unsicheren Schritten über das Kiffen mit dem Kind. Er sah das kleine Bündel auf der Erde eigentlich nie genauer an. Einmal— nach einem schlechten Fang— erwartete ihn daheim weder ein Mittagmahl noch eine Frau. Nur das Kind lag auf dem Boden und er hörte es das erstemal vor Hunger schreien. Er wartete zuerst und wanderte gewohnheitsmäßig auf und ab. Das Kind schrie unerträglich und die Mutter kam nicht. Da nahm er das Kind endlich w i r k l i ch nicht. Sie sind nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Sie erfinden allenfalls Giftgase und Bomber, aber wenn die Flieger über dem Carolinum erscheinen sottten, werden sie ihnen mtt erhobenem Zeigefinger drohen und sie auffordern, unter Respektierung des„akademischen Bodens" die Bomben ausschließlich auf die Sttaße zu werfen... auf den Arm, um das Geschrei los zu werden. Er spähte aus dem Fenster auf den Weg zum Meer und als niemand kommen wollte, wurde ihm schwer zu Mut. Jetzt erst bemerkte er, daß ein Zettel unter dem Wickelband des Kindes stak. Er nahm ihn und zerriß ihn ohne zu lesen. „Das ist der Schluß, Kleine", sagte er,„entweder ist deine Mutter ins Wasser gegangen oder sie ist eine Dirne geworden. Ich will es gar nicht wissen." Und er warf den zerrissenen Zettel in das erlöschende Feuer des Herdes. Die Kleine verstummte und riß die Augen auf, als zeige man ihr das Leben wie es wirklich ist. Dann ergriff sie mit ihren winzigen Finger- chen einen Knopf seines Aermels. „Du kleines Luder", sagte Cloture und lä- chette unter Tränen. Er stützte das Kissen auf sein verkrüppeltes Knie und betrachtete unentwegt das Kind bis es endlich einschlief. Da« dritte Kapitel Babiola bekam eine Anstettung. Sie ver- dankte sie der Frau, die auch Raoul zum Zeitungsjungen gemacht hatte. „Ich helfe nur aus Feigheit. Ich kann die große Not nicht mitansehen", sagte diese Frau und ihre Worte waren härter als ihr Herz. Die Flut kam niemals zu den Oliven. Und deshalb ließ die Frau dort einen Verkaufsstand aufstellen. Der lag schön im Schatten und die Sonnenstrahlen schütteten durch die Olivenblätter goldene Funken. Die Frau hatte dort bisher allein gewirtschaftet. nun mußte ihr Babiola helfen und sie befahl dem Kinde ohne Unterlaß bald dies und bald jenes und die karge Entlohnung stand eigentlich gar nicht im Verhältnis zu den vielen Befehlen. Die Gäste auf dem Strande hatten nach den üppigen Mahlzeiten Durst und auch die Sonne' Lesen den antifasdstischen Aufruf der Schriftsteller Dreistigkeit eines tschechoslovakisehea Generals In den„Närodni Lisch" richtet der Drama- ttker Rudolf M e d e k ein offenes Schreiben an den Schriftsteller Karel C a p e k, welcher der führende Funktionär der tschechischen Schriftstellergemeinde ist, die den bekannten Aufruf gegen den Fascismus und die Prager Straßenkrawalle herausgegeben hat. Schon der Ton, in dem Me- dek seine Antwort vorträgt, ist verletzend. Medek sagt zu Beginn der Antwort, die Kundgebung der Schriftsteller hätte bei ihm ein Lächeln hervorgerufen und auch im weiteren Verlauf seiner Darlegungen meint Medek, daß die Schriftsteller mit der jungen Generation nicht fühlen und alle lange Bärte haben. In dem offenen Brief wird ferner behauptet, daß es in der Tschechoflowakei keine fascistische Gefahr gebe und Medek selbst betont sein demokratisches Bekenntnis. Das Auftreten der Schriftsteller helfe den deutschen Stu- dxnten und nähre ihren Hatz gegen die tschechoslowakischen Studenten. Am verletzendsten ist der Schlutz des offenen Briefes, in welchem gesagt wird:„Wahrhaftig, ich möchte nicht das Bild sehen, da Karel Capek, S. K. Neuman und A. M. Tilschovä zusammen mtt Jindtich Vodäk und Vi- tkzlav Nezval Gelenksübungen in irgendeinem Konzentrationslager machen. Ich will es nicht sehen! Ich will nicht! Aber Kameraden, wenn Ihr so die tschechoslowakische kulturelle Oeffentlichkeit hetzt, die Geistesarbeiter in linke und rechte scheidet, während eS uns allen um die grotze Kulturarbeit für die ganze Nation geht, dann rechnet Euch die Schuld zu, wenn Ihr bemerken werdet, dah Euch die Nation nicht braucht." Der Brief Medeks mutz um so mehr Aufsehen erregen, als es sich hier nicht nur um einen dramatischen Schriftsteller handelt, dessen reak- tionäre Gesinnung seit langem bekannt ist, sondern auch um einen akttven tschechoslowakischen General— wenn auch nur um einen Bürogeneral. Medek ist nämlich der Leiter des Archivs der ffchechoftowakischen Befreiung beim Ministerium für Nationalverteidigung. Die ftowakischen Autonomiepläne ftizzierte in der Budgetdebatte Dr. R a v a s z folgendermatzen: Die Slowaken wollen zu keinem anderen Staat, aber sie wollen hier eine bessere wirtschast- liche und kuüurelle Lage, eine bessere politische Machtstellung. Sie sind aber nicht gegen de» Staat, den sie gemeinsam mit den Tschechen aufgebaut haben. Die flowakische Landesverttetung soll zu einem Landtag ausgebaut werden. Dieser soll einen Dize-Landespräfidenten wählen, der die Landesverwaltung besorgt und dem Landtag verantwortlich wäre. Der Landespräsident soll dem Kabinett angehören und mit einem Vetorecht gegen die Beschlüsse deS Landtages, bezw. die Verfügungen des Bize-Landespräsidenten ausgestattet sein. Alle ftowakischen Personalangelegenheiten einschlietzlich der Ernennungen sollen von den zuständigen Ressortministern auf den Landespräsidenten übertragen werden» dem alle Staatsangestellten in der Slowakei zu unterstellen wären. Ueber Einzelheiten lietz« die flowakische Vottspartei mit sich diskutieren. verhalf der Frau zu mancher Einnahme. Babiola lief mit Vichy-Wasser und Limonade über den Strand. Von jedem Glase erhieü sie von der Frau einen Sou und manchmal vom Gaste einen zweiten. Die Leute werden am Strand zumeist freigebig. Auch schimmerte der bläuliche Körper der Kleinen gar zu armselig durch das zerrissene Kleidchen. Babiola liebte ihre Gläser. Sie waren die Vermittler zwischen ihr und dem Hunger. Man kannte ihre Helle Kinderstimme bald auf dem Strande, die„L'orangeade, s'il vous platt" rief. Und wenn sie den buntgekleideten, reichen Kindern, die im Sande spielten, die Erfrischungen brachte, glich sie einem kleinen, grauen Schrnet- terling, der von Tulpe zu Tulpe flog und dem die Not den Schmelz von den Flügeln gewischt hatte. Die Mütter der reichen Kinder heuchelten Gefühl. Ihre Augen sahen aber doch nur die eigenen Kinder. Sie fragten Babiola: „Und du mutzt schon selbst verdienen?" Oder:„Hast Du keine Mutter?" „Sie ist gestorben", sagte Babiola. Das war kürzer. Die reichen Damen seufzten vor Mitgefühl. Sie, die selbst Mütter waren, konnten sich nicht vorstellen, wie man ohne sie auskäme. „Und Dein Vater?" „Der Vater trinkt". «Armes Kind". „Nun, ja—“ Das alles rührte Babiola nicht sehr. Mechanisch sammelte sie die zackigen Verschlüsse ihrer leeren Flaschen und lief zum Stand, um frische zu holen. Sie fühlte, wie die Menschen ihr nachsahen. Seit sie wussten, wie arm Babiola war, gaben sie ihr manchmal zwei Sous Trinkgeld und tranken, auch wenn sie keinen Durst hatten. Die Reichen lockt der Geruch der Not, denn in dieser nüchternen Welt ist die Not das Einzige, das noch ein Stück trauriger Romantik birgt (Fortsetzung folgt.X Unsere Forderungen zur Sozialpolitik Aus der Rede der Genossin Dlafnu in der Budgetdebatte Prag. Der zweite Tag der Budgetdebatte brachte vor allem die Erörterung wirtschaftlicher und sozialpolitischer, aber auch kultureller Fragen. Bon besonderem Interesse war die Darstellung eines Autonomieprogrammes für die Slowakei durch Dr. Ravasz von der ftowakischen Bottspartei. Am Nachmittag wurde die erwartete Dienstzeitverlängerung aufgelegt, während die beiden anderen Militärvorlagen nach der grundsätzlichen Genehmigung durch den Ministerrat noch der letzten Feile der Juristen bedürfen. In Linkskreisen wurde der Brief des General Medek sehr abfällig kritisiert. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch von der Rednertribüne aus diesem Mißfallen noch entsprechend Ausdruck gegeben wird. Von unserer Fraktion sprach zum Kapitel „Soziale Fürsorge" Genossin Blatny, deren von tiefstem Mitgefühl für die notleidenden Be- völkerungsschichten getragene Rede beifällig ausgenommen wurde. Am Abend sprach Genosse Müller über Gesundheitswesen und Sport und legte dessen Bedeutung für die Volksgesundheit ausführlich dar. Wir werden seine Rede im Auszug nachtragen. * Genossin Blatnh unterstrich die ganz besondere Bedeutung des Kapitels„Soziale Fürsorge" angesichts des sechsten Krisenwinters, der uns bevorsteht. Wir hörten schon im Budgetausschutz, wie die Arbeitslosigkeit in unserem Staate sich auswirkt und dass die deuffchen Randbezirke perzentuell an ihr am stärksten beteiligt sind. Dadurch ist b e- stätigt, was wir immer schon w u tz t e n, daß nämlich die Arbeitslosigkeit in den deutschen Randgebieten doppelt und dreifach wütet. Bei unseren sechs Riesenkundgebungen des 4. November mutzte man mit ansehen, wie diese braven opferbereiten Menschen heute schlecht aussehen, wie dünn sie gekleidet sind— da war kein großer Unterschied mehr zwischen dem Arbeitslosen und dem Kurzarbeiter und jenen, die noch in Arbeit stehen. Auch diese sind ja ständig von Lohnabbau und Bettiebssttllegungen bedroht, ja auch noch von wirffchastlichen Nationalismus, von anonymen tschechisch-nationalistischen Körperschaften. Auf der anderen Seite übt der d e u t s ch e nationalistische Betriebsterror der Henreinfabrikanten und der Hetlbknidirekibttn, einen ungeheueren Druck auf die Arbeiterschaft aus. Demgegenüber muß man heute nicht nur im Interesse der Arbeitslosen, sondern auch im Interesse der Arbeitenden nach der Verkürzung der Arbeitszeit rufen. Es ist außerordentlich b» bedauern, daß anläßlich der ArbeitSkonferenzrn in Genf der Antrag auf Einführung der 4vstündigen Arbeitswoche infolge deS kurzsichtigen Egoismus der Unternehmervertreter gefallen ist. Daß-- Roosevelt in Amerika, dem Land der guten Geschäftsleute, in der Baumwoll- und in der Bekleidungsindustrie ab 1. Dezember sogar die 36stündige Arbeitszeit einführe» kann, und zwar ohne Lohnvcrkürzung, sollte auch unseren Herrschaften etwas zu denken geben! Wir werde« nicht ruhen noch rasten, bis endlich diese wichtige Forderung auch bei uns durchgesetzt ist! Genossin Blatny setzt sich dann dafür ein, daß auch der berufstätigen Frau das Recht auf Arbeit gewahrt und gesichert werde. Wir brauchen zur Sicherung gegen den Unternehmerterror die obligatorische Arbeitsvermittlung, wir brauchen zur Sicherung gegen die im Gefolge der Rationalisierung ganz verhängnisvoll angewachsenen Unfallsziffern ein« Ausgestaltung unse rer Gewerbeinspektion. In die Fabriken müssen auch Aerzte, auch Arbeiter und Arbetterinnen im Rahmen einer ausgebauten Gewerbeinspektion Eintritt haben! Durch die Sozialversicherungsnovelle ist im 8 126 ein großes Unrecht an de» provisionierte» Bergarbeitern verübt worden, die im Bezug einer Sozialverficherungsrente stehen. Sie erhalten jetzt nicht mehr die ganze So- zialversicherüngsrente, sondern nur die geringfügigen Steigerungsbeträge. Wenn wir in Bettacht ziehen, daß die Rente der Bergarbeiter nur sehr niedrig ist und nur 88 bis allerhöchstens 300 KC monatlich beträgt, so haben diese Leute durch die Sozialversicherungsrente von etwa 120 K£ doch eine kleine Beihilfe gehabt, die ihnen jetzt zum großen Teil genommen wird. Wir erwarten bestimmt, daß wenigstens bezüglich jener Rentner, die schon vor dem Inkrafttreten der Novelle im Bezug der ganzen Sozialversicherungsrente standen, dieses Unrecht wieder gut gemacht wird! Genossin Blatny setzt sich dann für die von der furchtbaren Bergkrankheit bedrohten Joachims- talerBergarbeiter ein. Im wetteren Verlauf ihrer Rede verdolmeffcht sie unsere weiteren Forderungen auf dem Gebiete der Sozialpolitik und der sozialen Fürsorge, des Gesundheitswesens, deS Armenwesens und der Jugendfürsorge, deren Ausgestaltung sie' als eine der dringendsten Pflichten des Staates bezeichnet. Sie weist u. a. auf die Landeskommissionen für Kinderschutz und Jugendfürsorge hin und verlangt deren ausreichende Sub- venttonierung. Wir fordern Heimstätten für die Kinder der berufstätigen Frauen, Ausgestaltung unserer Schulhygiene und SchulauSspeisun» gen. Noch vor Weihnachten soll man der Kinder gedenke»/die draußen keine Schuhe, keine Kleider und nicht genügend Nahrung haben! Wir verlangen die Ausgestaltung der Berufsberatung, Heimstätten für Jugendlich«, Subventionierung der Arbeitslager, Erholungsstätten für Jugendliche. Die Forderung nach Erhöhung der Schulzeit— vorderhand um ein weiteres Jahr — ist nicht nur aus kulturellen und arbeitsmarkt- politischen Gründen, sondern auch aus sozialhygienischen Gründen dringlich. Die langandauernde Arbeitslosigkeit der Jugendlichen ist ja in hohem Matze geeignet, die Betroffenen ganz aus dem seelischen Gleichgewicht zu bringen. Daraus erwächst nicht nur der proletarischen Familie, sondern auch für die gesamte Gesellschaft eine grotze Gefahr. Denn die Zukunft stellt die höchsten Anforderungen an den Geist, an die Kraft und vor allem an die hohe sittliche Lebensauffassung jener Menschen, die berufen find, ihr den Weg zu bereiten!(Beifall.) Rr. SSL Freitag, 30. November 1334 Seile 8 Vie /^rmee nimmt den eigenen 5tastsprssirienten gefangen Das beste Mittel, den Kries zu beenden I Was dem Völkerbund nicht geglückt ist, scheint der bolivianischen Armee auf kürzerem Wege zu gelingen. Nach den lehten großen Niederlagen der bolivianischen Armee im Gran Chaeo-Gebiet hat sich der Präsident Salamanca an die Front begeben, um die Verhältnisse in der Armee persönlich zu untersuchen> DaS Militär, das längst kriegsmüde ist und die Politik der Regierung Salamanca verurteilt, hat den Präsidenten kurzerhand gefangengenommen. Es fehlt jede Nachricht von ihm. Nach einer Version sollen auch seine beiden Töchter und derKriegSministe e gefangen sein. Der Vizepräsident T e j a d a hat angeblich die Regierung übernommen, nach einer anderen Meldung ist«wer auch der Vizepräsident Gefangener der eigenen Armee. Nach Berichten, die in den chilenischen Häfen Antotagasta und Arica vorliegen, soll die bolivianische Grenze gesperrt sein. In La Paz und in anderen bolivianischen Städten sei es zu kriegSfeindlichen Kundgebungen gekommen. DaS Heer sei mit der Zusammensetzung de? Kabinetts Salamanca nicht zufrieden. Vizepräsident Tejada mache verzweifelte Versuche, bei den neutralen Nachbarstaaten, um diese zu einer Vermittlung von Friedensverhandlungen mit Paraguay zu veranlaffen. Den Paraguaynischen Truppen soll es gelungen sein, die bolivianische Front zu durchbrechen. Sie bemühen sich jetzt, die Bresche zu erweitern, um den Hauptteü der bolivianischen Heeresmacht zu umzingeln. vis junge Generation auf das schwerste bedroht Genosse Taub über die Folgen der Krise für die Volksgesundheit und Baldwins Rede den Großmächten offiziell Obermittelt werden i Genf.(DRB.) Der Führer der ungarischen Abordnung Tibor Eckhardt hat am späten Abend des Mittwoch zur jugoslawischen Denkschrift eine Gegenerklärung herauHgegeben, in der die in dieser Denkschrift enthaltenen Behauptungen zurückgewiesen werden. Auf Einzelheiten geht die Gegenerklärung Ungarns nicht ein. Sie betont aber, daß es der jugoslawischen Regierung lediglich auf eine beabsichtigte Diffamierung Ungarns zu rein politischen Zwecken ankomme. Der Mörder sei in Ungarn vollkommen unbekannt und habe dort niemals gewohnt. Die bulgarische Regieruftß habe die Nachricht, der Mörder habe Bulgarien mit dem Reiseziel Ungarn verlaßen, schon widerrufen. Trotzdem habe die jugoslawische Regierung es für richtig gehalten, sich in ihrer Denkschrift dieser unwahren Behauptung zu bedienen. Richtig sei, daß drei der Verschwörer vor dem Attentat in Ungarn gewohnt Haven, Andere Persönlichkeiten gleicher Art seien aber aus anderen'Ländern gekommen und die Verschwörung selbst sei außerhalb Ungarns geplant worden. Wenn die jugoslawische Regierung Ungarn beschuldige, auf seinem Boden die Verschwörung orjzanisieri und für ihre Aufgaben vorbereitet zu haben, so sei das das Gegenteil der Wahrheit. Die ungarische Regierung habe der jugoflawischen Regierung schon verschiedentlich eine volle Aufklärung über daS Lager von Janka Puszta gegeben. Es müsse nochmals betont wer- Bater orrftorben, in acht Fällen die Atntter. I« acht Fällen steht der Vater als Kurzarbeiter in Beschäftigung, in allen übrigen Fällen ist der Vater gänzlich erwerbslos. Die Mutter ist in 13 Fällen als Kurzarbeiterin beschäftigt. Die Wohnverhältnisse sind sehr schlecht. 20 Familien bewohnen zwei Räume, 30 Familien einen Raum. Bon den 50 Jugendlichen haben elf das eigene Bett, die übrigen müssen das Nachtlager mit Familienangehörigen teilen. Der ärztliche Befund lautet bei 13 Jugendlichen auf„ohne Besonderheiten", bei allen übrigen sind besondere Mängel festzustellen. Drei Jugendliche benötigen dringend den Aufenthalt in der Lpngeuheil« anstatt. Ein Jugendlicher ist im Vergleich zur Größe sind Alter um 15 Kilogramm zu leicht. Die jungen Bursche» kommen aus starken Familien, die bis zu 12 Köpfen zählen. Nach einem Bericht des Herrn Dozenten Dr. S l a v i k, des leitenden Arztes des Kindererholungsheimes in Dittersbach, sind für das Jahr 1033/34, das sind sechs Belegsperioden mit 554 Kindern, folgende Feststellungen gemacht worden: Blutarmut in 122 Fällen, Drüsrnin2S Fällen. Und eS wird in diesem Bericht festgestellt, daß und Nebels zu beseitigen.. Es müsse auch einen Teil der Besorgnis, des Argwohns und der Ueber- treibung, die bestanden hätten, beheben. Die Mitteilungen an andere Regierungen bildeten eine neue Entwicklung und es könne sein, daß sie eine neu« Lag« schafften.,- Auf eine Frage antwortend, wozu die britische Regierung die Zustimmung der anderen Nationen erbitte, erklärte Simon: Wenn wir eine Vereinbarung erzielen können, so würden wir gern eine vereinbarte Abrüstung auf einem niedrigen Stand sehen. Wenn wir nicht ein unerreichbares Ideal erreichen können, so müssen wir suchen, eine Vereinbarung zu niedrigstem Stand, zu dem sie erreicht werde» kann, zu erzielen. Wir erklären von neuem, wie wir znvor erklärt haben» daß wir für geregelte Beschränkung find im Gegensatz zu Wettbewerb und ungeregelten Rüstungen. den, daß auch vor dem Rat bewiesen würde, daß die ungarische Regierung seit dem letzten Frühjahr die nötigen Maßnahmen ergriffen habe, nm zu veranlassen, daß die jugoftawischrn Emigranten Janka Puszta verlassen. Im übrigen sei Janka Puszta kein Lager, sondern die Zahl der wegen Blutarmut eingrwiesrnen Kinder gegen das Vorjahr fast gleich ist, die der Blutarmut und Körperschäde« bezeichneten dagegen um 5 Prozent höher. Im Sammelbericht der Schulärzte im Bezirke Tetschen seien noch folgende Daten angeführt: Es wurde» 3870 Knaben und 4042 Mädchen Untersucht. Bei 36 Prozent Knaben wurde Blutarmut, bei 1.1 Prozent Rachitis, bei 10 Prozent Tuberkulose, bei 4 Prozent Skrofulose und bei 15.1 Prozent Drüsen festgestellt. Bei den Mädchen»ar daS Verhältnis: 34.5 Prozent Blutarmut, 0.8 Prozent Rachitis, 11 Prozent Tuberkulose, 5 Prozent Skrofulose, 11 Prozent Drüsen. Im Bezirk Bensen wurden 1502 Knaben 1434 Mädchen untersucht. Hier wurde festgestellt bei Knaben: 30.3 Pro- Blutarmut, 0.5 Prozent Rachitis» 1 Prozent 1 Prozent Skrofulose, 16.5 Prozent Bei Mädchen: 20.4 Prozent Blutarmut, London.(Tsch. P. B.) Der Staatssekretär des Aeußern Sir John Simon, der die Aussprache im Unterhaus für die Regierung beendete, beantwortete einige Fragen, die während der Erörterungen über di« Punkte in Baldwins Rede gemacht worden waren.' Zur Rede Baldwins bemerkte er, es handle sich heute nicht um «ine einfache Erklärung. Die Regierung habe bereits seit einiger Zeit eine besondere Prüfung des Problems vorgenommen. Bevor die Rede gehalten worden sei, sei ihr Inhalt dem deutsche» Reichskanzler, Frankreich, Italien und den Bereinigten Staaten mit vollen Erläuterungen mitgrteilt worden. Dieses Verfahren sei eingeschlagen worden, weil es sich nicht um eine englisch-deutsche Frage, sondern um eine europäisch« und eine Weltfrage handle. Durch dieses Verfahren habe die Regierung geholfen, einen großen Teil des Argwohns Aus der Fülle des erschütternden Tatsachenmaterials über den Notstand in weiten Kreisen unserer deutschen Arbeiterschaft, das Genosse Taub in der Vorwoche im sozialpoli- ' tischen Ausschuß vorbrachte, seien in weiterer Folge die Feststellungen über die unheilvollen Folgen für die Volksgesundheit wiedergegeben. In den unterernährten Kindern unserer Arbeiter ist» die künfttge Generation des Sudetendeutschtums auf das schrecklichste bedroht, wenn ' nicht noch in letzter Stunde den Notstandsgebieten ausreichende, dauernd- Hilfe gebracht wird. Genosse Taub führt: hiezu aus: Dir Erhebungen, die ich nach dieser Richtung hin angrstellt habe, habrn ein Bild zutage gefördert, das geradezu als erschreckend bezeichnet'werden muß. Bor allem muß es daher unsere Pflicht fein, dafür zu sorgen, daß unsere Kinder ausgespeist und bekleidet w e r d e n. Ich möchte Ihnen aus der Fülle des Materials, das mir zur Verfügung steht, nur einiges anführcn: So wird mir aus dem Dux?Biliner Bezirk! gemeldet: Die Wirtschaftskrise macht sich besonders bei dem! Msnndhritszustande der proletarischen Bevöl kerung in ganz erschreckender Weise bemerkbar. Tie llnterernährnng der arbeitenden und arbeits losen Proletarier ist jedem Laien in die Augen sprin- lend, der ans anderen Bezirken in den Duz-Biliner lommt. Die Zahl- der Arbeitslosen ist höher als die derBersicherten der Krankenkassen, die zusammen 7500 Bersichertr haben, von denen dir größte Zahl Kurzarbeiter ßnd. Die Folgen dieser Unterernährung sind das ge häufte Auftreten der Tuberkulose und der Rachitis. Wenn sich auch die Jugendfürsorge, die Masarykliga, die Krankenkassen und verschiedene andere Organisationen bemühen, hier helfend einzu- grrifen, so sind deren Erfolge infolge der großen Zahl h« Hilfsbedürftigen und der geringen zur Verfügung iikhenden Mittel nur gering. Während früher Erkältungskrankheiten, Influen zen oder sonstige geringfügige Erkrankungen in weni- S'ett Tagen geheilt waren, so haben diese Krankheiten infolge der geschwächten Widerstandskraft der Be fallenen eine viel längere Dauer und find häufig Verbunden mit dem Auftlackem von bereits zum Etillftand gekommenen Tuberkulosen. Die Folgen der Krise sind besonders bei den Schulkindern auffällig, wo ein noch viel »rißerer Schaden entsteht als bei den Erwachsene«. Die Infektionskrankheiten(Diphtherie, Scharlach) änd in unserem Bezirke schon durch fünf Jahre e p i- v r m i f ch geworden. Infolge Mangel an Kleidung find E r k ä l t u n g s e r k r a n k u n g e n an der Tagesordnung und führen mfolgr der Un- strrrnährung zu»st schwierigen Komplikationen und dauernden Schädigungen. Mehr als 70 Prozent der Schuttinder sind blut- »«n und unterernährt; ihr Körper ist den an sie ge hellten Anforderungen nicht gewachsen. Dir Kinder Hunnen ohne Frühstück in die Schule und Lhnmachtsanfälle kommen fast täglich in den Schulklassen vor. WaS die kleinen Kinder betrifft, so sind vor allem diejenigen bedroht, welche infolge Ünterernäh- eang von den Müttern nur kurze Zett gestillt werden können und wo dann dir Aiittel fehlen, um künstliche diährmittel zu beschaften. Deshalb sehen wir die Zahl vrr Todesfälle an Fraisen und Darmkatarrh in den lebten Jahren bei Kleinkindeni besonders steige«. Durch die Unterernährung wird die Knochenbildung verzögert, die Zuführung von kalkhaltigen Nährmit- stlu fehlt und die Folge sind dann rachitische derändernngen des Skeletts, die man fett der Hnngersnok des Weltkrieges schon auSgerottet »lanbtr, icke jetzt aber wieder viel häufiger zu sehen sind. Diese Schwächung des kindlichen Organismus v«rch ungenügende Ernährung ermöglicht auch der Tuberkulose eine vermehrte Ausbreitung, deren folgen sich erst im späteren Alter der Kinder zeige» vftrdcn. Wie schwer der Gesundheitszustand der arbeits losen Bevölkerung durch Krise und Unterernährung beschädigt ist, beweisen die Ausgabe» der BrbettSlosen- Heilfürsorge, welche monatlich nur für Medikamente über 5000 K£ betragen. Infolge dieser hohen Aus gaben war dieses Hilfswerk schon mehrmals in sri- ver Eristenz bedroht. ES muß getrachtet lverden, daß dieser so segensreichen Hilfsaktton die Votwendigrn Mittel z» ihrer Fortführung zur Ver fügung gestellt werden. Ebenso Muß für die Kinder genügend Milch zur Verfügung sei», da die Arbeitslosen nicht imstande sind, die Kosten hiefür onfzubringe». Dasselbe gilt in der Frage der Be kleidung; auch hier find wettgehrnde Hilfsmaß- vahmen angezeigt. Aus einem schulärztlichen Bericht, der mir vus Tchönlinde zugegangen ist, entnehme ich fal tende Daten: In dm ersten Klaffm wurden 34 Knabm und 11 Mädchen untersucht. Bei diesm wurden festgestellt: «lutarmut in20Fällm, Reste vmRachitis «13Fällm,Drüsen in43Fällm,Zahnfänle m 38 Fällm. In dm fünstm Klaffen wurde bei 64 »vabrn und 50 Mädchen festgestellt: Blutarmut 'n 36 Fällm, Rachitis in 30 Fällen, Drüsen in ^Fällen, Zahnfä»lein61 Fällen, Blih- <•(8 in 76 Fällen. Aus Eger wird mir mitgeteilt: Nach einem Bericht des SanitätSrateS Dr. Wil- Vel« T h i e b e n sind in der Mütterberatungsstelle i •0 Prozent der Säuglinge unterernährt. Nach vr« schulärztlichen Bericht find von 2643 untersuch en Kindern, also 85 Prozent, unter dem Normal- «wicht! Ein ganz besonders erschütternder Berscht «ht mir von der Tagesheimstätte für erwerbslose Tugend in Karlsbad zu: In der Tagesheimstätte für erwerbslose Jugend. lichr sind 50 junge Burs»:n im Alter von 15 bis 20 ! Jahren untergebracht. Bon dm 50 Jugendlichen ! Üaben 26 einen Bemf erlern', 21 davon mußten die Eehrzeit wegen ArbeitSmangelS unterbrechen. Fünf ' jugendliche Haven auSgelernt und fitid mit dem Tage vkr Freisprechung arbeitslos. I» 20 Fällm ist der zent Tuberkulose, TrÜsm.<»-» wiuDuiw; ss.» vrvz-nr«luinnniu, 1.2 Prozent Rachitis, 1 Prozent Tuberkulose, 3 Prozent Skrofulose, 11.5 Prozmt Drüsen. Im Bezirk Böhm.-Kanmitz wurden 1610 Knaben und 1566 Mädchen untersucht. DaS Bild stellt sich wie folgt dar: Bei Knaben: 20.6 Prozent Blutarmut, 10.9 Prozmt Rachitis, 5 Prozmt Tuberkulose, 7 Prozmt Ssrofulose, 18.2 Prozent Drüsen. Bei Mädchen: 25.1 Prozmt Blut- armut, 7 Prozmt Rachitis, 4 Prozent Tuberkulose, 7 Prozent Skrofulose, 16.3 Prozmt Drüsm. Das ist wohl ein erschreckendes Bild, daS uns dazu berechtigt, die Forderung zu erheben, daß alles geschehe, um diesem fürchterlichen Not stand wmigstens teilweise z« steuern! England will ein Minimum geregelter Rüstung Die««bescheidene Farm“ Janka Puszta und das..reine Gewissen*« der magyarischen Machthaber eine bescheidene Farm, die 30 oder 40 kroattsche Emigranten beherbergt habe. Das ganze sei eine private Angelegenheit. Die Räumung von Janka Puszta sei am 1. Okto- ber beendet gewesen. Die ungarische Regierung habe durch die Auflösung des„Lagers" die Forderungen Jugoslawiens vollständig erfüllt. Dann heißt es weiter: Ich protestiere auf das energischeste gegen alle Anspielungen der jugoflawischen Regierung, in denen offiziellen ungarischen Persönlichkeiten oder Offizieren der Armee eine Rolle zugewiesen wird, oder Absichten, die sie für das Attentat selbst verantwortlich machen oder für irgendeinen anderen Terroristenanschlag oder auch nur für die verabscheuenswerte Verschwörung. Dann heißt es u. a. weiter: Die jugoflawischen Flüchtlinge haben niemals von feiten Ungarns etwas anderes als ein einfaches Asyl erhalten, das alle anderen Länder ihnen ebenfalls gewährt hätten. Die revolutionäre kroatische Bewegung habe niemals ein« finanzielle Unterstützung von Ungarn erhalten. Soweit die Emigranten eine strafbare Tättgkeit betrieben, sind die», irden stets gegen sie mit unnachsichtiger Strenge vorgegangen. Die revolu- tionäre kroatische Bewegung kann in keinerlei politische Beziehungen zur gegenwärtigen Politik Ungarns gebracht werden. Es sei eine bekannte Tatsache, daß das ungarische Streben nach einer friedlichen Revision sich nicht auf Kroatim bezieht. Diese revoluttonäre Bewegung, die mit legalen und illegalen Mitteln überall betrieben wird, wo Kroaten leben, habe ihre ausschließliche Quelle in einer Unzufriedenheit, die aus der inneren Lage Jugoflawien kommt. Angesichts seiner geographischen Lage habe auch Ungarn unter den Auswirkungen det inneren Lage Jugoflawiens zu leiden gehabt. Um es zusammenzufaffen: Das Marseiller Attentat sei nichts anderes als die natürliche Folge einer Verschwörung, die im Innern von Jugoflawim selbst angezettelt worden sei. Die ungarische Erklärung schließt mit der Feststellung, Ungarn habe trotz seiner Leiden infolge des Vertrages von Trianon niemals zu Mord und Verschwörung seine Zuflucht genommen, sondern wende für die Erfüllung seiner nattonalen Aspirationen nur friedliche und ehrliche Mittel an. Die ungarische Nation und ihre Regierung verurteitten alle Terrorakte, lehnten die Verleumdungen der jugoflawischen Denffchrist ab und stellten sichmitreinemGewissen vor die Oeffentlichkeit der ganzen Welt, um ihre Ehre zu verteidigen und die Wahrheit zu beweisen. Das Abbröckeln der Konservativen London.(Reuter.) Bei den Ergänzungswahlen ins Unterhaus in Putneh wurde der konservative Kandidat Marcus Samuel mit 15.509 Stimmen gegen den Kandidaten der Labour Party gewählt, der 12.936 Stimmen erzielte. Bei den vorhergehenden Wahlen hatten die Konsewattven eine Mehrheit von 21.146 Sttmmen zu verzeichnen. »le spanische Konterrevolution San Sebastian.(Havas.) Das Gericht verurteilte acht spanische Eisenbahnangestellte zu insgesamt 14 Jahren Gefängnis, da die Verurteilten versuchten, in den Aufftandstagen einen Teil der Eisenbahnstrecke bei Jrun mit Dynamtt in die Luft zu sprengen.— In Oviedo wurden 89 Personen, die als der Beteiligung an dem Aufstande verdächtig erscheinen, verhaftet. Japan bleibt allein Tokio. Das japanische Außenministerium erhielt am Donnerstag die Mitteilung, daß die italienische und die französische Regierung es a b- gelehnt hätten, das Washingtoner Flottenabkommen gemäß den japanischen Vorschlägen zu kündigen. Trotz dieser oblehnenden Haltung der beiden Mächte wird die japanische Regierung ihren Standpunkt nicht ändern, sondern das Washing- toner Flottenabkommen am 10. Dezember kündigen. Seite 4 Nr. 281 sssessleuiskellca I In sämtlichen Gruben find Der Bergbau gehört nach der Zahl der beschäftigten Arbeiter und nach dem Anteil der Koh- lenansfuhr an dem tschechoslowakischen Gesamt- Außenhandel zu den wichtigsten Zweigen der Wirtschaft. Rationalisierung und Wirtschaftskrise haben in den letzten Jahren zu einer erheblichen Verringerung der Grubenbetriebe, der Arbeiterzahl, der Löhne und der Produktion geführt. Es betrug die ter. Von diesem Jahres-Gesamtlohn gehen gesetzliche Abzüge ab im Steinkohlenbergbau 81? Kö bezw. 761 Kö, im Braunkohlenbergbau 801 bezw. 742 Kö. Einschließlich aller Naturalbezüge und Raturaleistungen beträgt demnach der durchschnittliche Wochenverdienst eines Bergarbeiters— die gesetzlichen Abzüge abgerechnet— kaum 166 Kö. 166 Kronen— für die gafahrcnreiche Arbeit, bei der dem Bergarbeiter dauernd der Tod droht! Die Gesamtlohnsumme einschließlich der Naturalbezüge. die im Jahre 1929 1377 Millionen Kronen betrug, ist im Jahre 1933 auf 814 Von diesen Arbeitern wurden Insgesamt 17,268.775 normale und 533.431 Ueberschichtcn verfahren. Verhältnismäßig am höchsten ist die Zahl der Ueberschichten im Braunkohlenbergbau, wo sie annähernd 4 Prozent der normalen Schichten ausmachen. Aufschlußreich ist die Zusammenstellung des Statistischen Staatsamtes, dessen Mitteilungen wir das Zahlenmaterial entnehmen, über die Löhne der Bergarbeiter im Jahre 1933. Wir geben den Barlohn einschließlich der Zuschläge für Frau und Kind und den Gesamtlohn, also unter Hinzurechnung aller Naturalbezüge, wie Deputatkohle, Deputat-Grubenholz, freie Wohnung und freies Licht, billiger überlassene Wohnung, Quar- Neuer Brand im Nelson-Schacht Brüx.(Tsch. P.-B.) Auf dem Nelson- Schachte in Ossek Ivurde durch Heißwerden eine* Absperrungsmauer eine starke Brühung in den» Weihnachten in dieser Zeit. Wir haben schon einmal darüber berichtet, daß unsere Falkenbewegung auch in diesem Jahre ihre Weihnachts-Solidaritätsaktion.Jedem Kinde eine Weihnachtsfreude" durchführt. Im Vorjahr waren es mehr als 10.000 Spielsachen und Bekleidungsgegenstände, die durch di« fleißige Arbeit unseret Fallen an Kinder arbeitsloser Familien verteilt werden konnten. Dieses Jahr sollen es mindestens 15.000 Stück werden. Damit die Oeffentlichkeit etwas eingehender über diese Solidaritätsaktion informiert werde, wird Genoss« Franz Lehnert (Graupen) am Sonntag, dem 2. Dezem- jber, um 14.45 N h r in der deutschenArb eilte rsendung des Prager Rundfunks über diese Aktion sprechen. Alle Gruppen sollen zn auf tschechoslowaki- schem Staatsgebiet waren 1933 62.053 Grubenarbeiter und 23.809 Obertagearbeiter beschäftigt. Sie verteilen sich auf die einzelnen Produktionsgebiete wie folgt: Zwischen den einzelnen Bergbaubecken in den Schichtlöhnen erhebliche Differenzen festzustellen. Im Steinkohlenbergbau sind die Löhne im Becken Ostrau« Karvinna mit 65.87 bzw. 51.95 Kronen am h ochste n. Im Becken Rosice-Oslavantz mit 28.94 bezw." 31.58 Kronen am t i e f st e n. Fast ebenso hoch ist die Spanne zwischen den Schichtlöhnen im Braunkohlenbergbau. Das B e ck e n N o r d b L h m e n steht hier am g ü n st i g st en, während in Sü d m ä h r e n die niedrigsten Löhne gezahlt werden. Aus dem errechneten Durchschnitts-Schichten- kohn ist nicht ohne weiteres der wirkliche Wochenverdienst des Bergarbeiters abzuleiten. Nach den Ermittlungen des Statistischen Amtes entfielen auf ein Jahr und einen Arbeiter berechnet ein Gesamtlohn im Steinkohlenbergbau von 9015 Kö für Grubenarbeiter und 9238 Kö für Obertagearbeiter; im Braunkohlenbergbau 10.224 Kö für Grubenarbeiter und 9509 Kö für Obertagearbei- Millionen Kronen, also um 563 Millionen Kronen, zurückgegangen. Beträgt demnach der Rückgang der Gesamtlohnsumme mehr als 40 Prozent in vier Jahren, so hat sich die Arbeiterzahl in der gleichen Zeit um etwa 25 Prozent verringert. Gibt die vom Statistischen Staatsamt veröffentlichte Statistik Aufschluß über die ungünstigen Rückwirkungen der Wirtschaftskrise auf den* Bergbau und auf die Bergarbeiterlöhne im besonderen, so kann diese Betrachtung nicht abgeschlossen werden, ohne mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß es den Anstrengungen der Union der Bergarbeiter im Zusammenwirken mit den sozialdemokratischen Parlamcntarieren gelungen ist, ein weiteres Durchsetzen der Tendenzen zur Verschlechterung der sozialen Lage der Bergarbeiterschaft zu verhindern. Ihr besonderer Erfolg ist es, wenn in den letzten zwei Jahren ein weiteres rapibes Ansteigen der Arbeitslosigkeit im Bergbau und neue>-—-> Senkungen der Löhne verhindert werden konnten.; 5®^ da Vom Rundfunk Empfehlenswertes mm de« Programme«: Samstag: Prag: Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.85: Konzert des Salouquartettes, 18.05: DeutscheSendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.15: 300 Jahre Klaviermusik, 18.55: Deutsche Presse, 19.10: Chöre und Lieder, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.25: Lieder. 15.00: Deutsche Sendung: Edwin Janetschek: Musikalische Zeitgeschichte. 15.80: Kulturrelief.— Brünn: 17.50: Deutsche Se n d u n g: Mozarts 7. Geburtstag, musikalisch-s Hörspiel, 20.05: Humor tschechischer Komp"nisten.— Mähr.-Ostrau: 18.10: Südslawische Lieder.— Preßburg: 20.35: Violakonzert.— Kascha«: 17.25: Slowakische Volkslieder. Der Byzantinismus des Tschechoslowakischen Pressebüros hat schon öfters unseren Unmut hervorgerufen. Und wir haben auch schon darauf hingewiesen, daß jetzt wieder, gelegentlich der welterschütternden Hochzeit in London, das Pressebüro in völliger Ahnungslosigkeit über die Sorgen und Bedürfnisse tschechoslowakischer Zeitungsleser sich über diese Familienangelegenheit in einer Wesse verbreitet, die alles nur nicht republikanisch ist. Aber das Pressebüro fährt anscheinend unbeirrbar aus diesem Abwege fort. Gestern hat es den Höhepunkt läppischer Schmockerei erreicht. Da wird, und dazu noch wiederholt, ausführlich berichtet, wie's um den Nebel stand, als die hohen Herrschaften erwachten, und um den leichtcnDunst, als sie den Kirchgang antraten; da wird— doch nein, das mutz man zitieren: Prinzessin Marina ist heute kurz vor steben Uhr aufgestanden und frühstückte in ihrer Privatwohnung im Buckinghampalast. W a s sie gefrühstückt und lvas sie sonst noch zwsschen Aufstehen und Ausgehen gemacht hat, unterschlägt der Königsstenograph unseres republikanischen Korrespondenzbüros; dafür registriert er gewissenhaft, daß die Prinzessin„ringe- h ä n g t i n d e n A r m ihresVaters in denDomka m", damit nur ja kein Arbeitsloser bei uns besorge, man hätte das liebe Kindlein allein gehen lassen. Aber während bei der Trauzeremonie„der Herzog von Kent mit sehr klarer Stimme antwortete"— bitte, trotz des immer nvch-worhandeneN leichtes» Nebels!—„antwortete die Braut, sehr lei se", so daß es wiederum ein Glück für sie war, daß sie„eingehängt in den Arm ihres Gatten" und„lächelnd" den Dom verlassen konnte und also der Telephonstenograph keinen Unfall zu verzeichnen hat. Aber immerhin: Dir Königin war während der ganze« Trau zeremvnie sehr ergriffen und hielt das Taschentuch vor den Augen. Die Ergriffenheit wirkte noch in unserer Redaktion nach: wir ergriffen nämlich die Schreibebogen des Tschechoslowakischen Pressebürovehement und beförderten sie in den Papierkorb. Aber bezahlen müssen wir sie doch. Jedoch weder das eine noch das andere dürfte als der Hauptzweck der Korrbüro-Arbeit angesehen werden, weshalb wir nochmals zur Mäßigung bei Prin- zeffinnen-Frühstücken und königlichen Hochzeitsnebeln samt Taschentüchern und Stimmstärke raten! betreten dürfen, nicht zugänglich. Sonst geht alles gut, bloß nähen können wir nicht... Das ist kein Ausspruch aus der Kriegszeit, das ist eine bittere Feststellung auS Hitler-Deutschland, die mehr als große Artikel die katastrophale Rohstoffnot im Hitlerreich erkenne« läßt.„Wir haben keinen Zwirn. Bekommen in der ganzen Stadt keinen Faden," so schreibt verzweifelt eine Verwandte aus Dresden an eine Genossin im Aussiger Bezirk. Hitler braucht die Rohstoffe» die Schacht unter Umgehung der Zahlungsverpflichtungen dem Auslande abluxte, zu Kriegsrüstungen. Die Bevölkerung hat leinen Nähfaden und hungert, das sind die Herrlichkeiten deS Fascismus. denen gewisse Drahtzieher die sudetendeutsche Beböllerung zuftihren wollen. Der Tod des Gemeindewachmannes Anton Helm in Pomeisl ist nunmehr aufgeklärt. Helm hatte in einem Gasthause gezecht. Als er sich schwankend entfernte, stürzte er in einen Fensterscheibe und durch die Glassplitter erlitt er eine Verletzung an der Pulsader der rechten Hand. Obwohl ihm bald ärztliche Hllfe zuteil wurde, starb er in kurzer Zeit infolge Verblutung. Tollkraut. Im polnischen Städtchen Augu- stowo erkrankte eine fünfköpfige Familie unter schweren Bergiftungserschei« nungen nach dem Genuß von Tollkraut, das zwischen das Gemüse geraten war. Die ganze Familie erlitt Tobsuchtsanfälle und mußte nach Anlegung von Zwangsjacken in das Krankenhaus überführt werden. Rosenbergh wird nicht ausgeliefert. Die polnische Presse erfährt aus Paris, daß Alexander Rosenbergh, der über Ersuchen der polnischen Gerichtsbehörden in Frankreich verhaftet wurde, wieder auf fteien Fuß gesetzt wurde, da er nachgewiesen hat» daß er seit dem Jahre 1932 naturalisierter Franzose sei. Infolgedessen wird Rosenbergh den polnischen Behörden nicht ausgeliefert werden. Die französische Polizei hat jedoch eine Untersuchung eingeleitet, um festzustellen, ob Roscn- bergh nicht vielleicht in Frankreich irgendwelche Betrügereien begangen hat. Zwei neue Zigarrensorte« bringt die Tabakregie am 1. Dezember in den Handel. Die Sorte „SanFelix", die erste tschechoflowakische Zigarre aus vorwiegend brasilianischem Tabak, wird 1.80 K/ kosten und in Packungen zu 5 und 25 Stück verkauft werden. Neu ist die.Packung der"einzelnen Stücke in Zelophan, wodurch das Aroma bei läng«' w Lagerzeit erhalten bleibt. Eine weitere neue billig« Zigarre ist die Sorte„E« 61 n e i“(die billigste iß bisher„Cigarillos"), die aus einem Drittel.Havanna- und zwei Dritteln Brasiltabak besteht. Sie wird, mit einem Papierring versehen, zu zehn Stüch zum Preise von 1 Kc pro Stück, verkauft werden. Katastrophe auf der Besuv-Bahn 7 rote, 9 leberrsgefLhrlich Verletzte Rom. Auf der sogenannten Besuv-Bahn, die von der««fernen Seildahnstation zu Tal und zwar nach Pugliano führt» kam es zu einem schweren Unglück. Der erste Wagen, der von der oberen Station der Besuv-Bahn abwärts fuhr, war hauptsächlich mit Bahnprrsonal, ferner mit einigen Fremdenführern und zwei Touristen besetzt. Kurz vor der Station Eremo bemerkte der Führer, daß der Wagen ins Gleiten kam, vermutlich infolge der dnrch Rebel feucht gewordenen Schienen. Obwohl der Beamte sofort die Bremse zog, rutschte der Wagen in immer schnellerer Fahrt abwärts und entgleiste in einer Kurve, wobei er an einen Leitungsmast stieß«nd vollständig zertrümmert wurde. Aus den Trümmern wurden zwölf Verwundete und vier Tote gezogen. Unter den Toten befindet sich ein Fremdenführer«nd ei« französisches Ehepaar, das sich auf der Hochzeitsreise befand und in Tunis seinen Wohnsitz hatte. Fn der Rächt starben noch drei Verletzte, so daß die Zahl der Toten nunmehr sieben beträgt. Di« übrigen neun Berletzten, die in den Krankenhäusern von Loreto und Neapel liegen, sind fast durchwegs lebensgefährlich verletzt. Der General- Dichter. Die tschechischen Schriftsteller haben anläßlich der Prager Stra ßenkrawalle einen Aufruf erlassen, in welchem fie sich aufs schärfste gegen die fascistischen Strö^ mungen im tschechischen Volke wenden, wobei fie das schöne Wort prägten, daß der Fascismus etwas dem Tschechentum Fremdes sei und daß die ganze Vergangenheit ihres Volkes fascistischen Auffassungen widerstreite. Gegen diesen Aufruf wendet sich nun, wie wir an anderer Stelle berich ten, im HodKkblatt der Dramatiker und General Rudolf M e d e k, der in einem unernsten, eines Schriftstellers unwürdigen und überheblichen Ton den Vorsitzenden der tschechoslowakischen Schriststellergemeinde, Karel E a p e k, angreist. Wahrlich Medek hat zu dieser Ueberheblichkeit keinen Grund. Der dichtende General hat ein paar Romane und Dramen geschrieben, zuletzt zwei Theaterstücke, von denen eines die Tragödie des Obersten Svec zum Gegenstände und das andere Georg von Podöbrad zum Helden hat; 'vllide im Präger Näfionältheater'aufgeführt, aber lediglich wegen ihrer„nationalen" Tendenz.(Die Darstellung des Freitodes des Obersten Svec hat selbst in Legionärkreisen Widerspruch erregt.) Nach Ansicht der objektiven tschechischen Krüik hat keines der Stücke Medeks stärkeren künstleri schen Wert und das dichterische Ingenium des Generals findet in seinem eigenen Volke höchstens bei den„Narodni Lisch" und in den Kreisen Stkibrnhs Anerkennung. Ganz anders bei Karel Eapek, der nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller der Tschechen in der Nachkriegszeit, sondern auch weit über die Grenzen der Republik hinaus bekannt geworden ist, dessen Werke in mehrere ftemde Sprachen— auch ins Deutsche — übersetzt worden find und der dem tschechischen Volke bei den übrigen Kulturnationen neue Ach tung und Anerkennung geschaffen hqt. Der dich tende General hätte also allen Grund, seinem bedeutenderen Kollegen gegenüber bescheiden zu sein. Gerade er wird umso lächerlicher werden, je mehr er sich aufbläht. Seine Dramen werden längst im Theaterarchiv verstaubt sein, während Eapeks^ Werk Tausenden noch geistiges Erleben sein wird. Gegen die falschen Heldenideale, des Fascis mus zu kämpfen, ist eine Hauptaufgabe sozialisti scher Erziehungsarbeit in dieser Zeit. Wir wer den die Götzen am sichersten entthronen, wenn wir den Söldnern und Zuhältern der herrschen den Klaffe, die vom Nazismus als Helden gefeiert werden, das Bild wahrer Helden entgegen halten. Der wirkliche Held hat nichts vom Pathos und dem bombastischen Schwulst ter Goering und Mussolini an sich. Der wirkliche Held ist schlicht, bescheiden, tapfer um der Sache, nicht um des Ruhmes wfllen. Ein solcher Held im schönsten Sinne war unser KolomanWal- lisch. Jeder Arbeiter, der ihm in seinem Herzen ein Denkmal errichtet hat- wird nicht zögern, die Kunde von unserem Wallisch weiterzutragen. Das Buch„Ein Held stirbt," das die Erinne rungen unserer Genossin Paula Wallisch wiedergibt, wird den Arbeitern dabei Wegweiser und Waffe sein. Der Staat erwirbt das Strahvver Dürer- Bild. Im Stift Strahov in Prag befindet sich ftit dem Jahre 1793 eines der berühmtesten Gemälde des großen Nürnberger Meisters Albrecht Dürer„Das Rosenkranzfest", eine Madonna mit zahlreichen Nebenfiguren. Dürer hat das Bild 1506 in Venedig gemalt. Es ist fast zwei Meter breit und 1.62 Meter hoch. Kaiser■ Rudolf N- erwarb es für sein« Prager Samm-^^^ Aktion sprechen. All- l»llr,.-- lungen, wahrend des 30;ahrtg«n Krieges wurde diesem Zwecke Hörgemeinscha-ften bild« es aber nach Wien gebracht, vermutlich um eS und alle Kinder sowie die Eltern und Freunde unse- gegen Brandschaden oder Staub im dauernd rer Bewegung hiezu einladen. Tatsächlich ist die Zähl der beschäftigten Arbeiter für 1932 und 1933 noch um ein Kleines geringer, da eine Anzahl Gruben die Arbeiter wechselweise bis zu einem Monat ausset- z e n lassen. Von den im Jahre 1933 gezählten 330 Grubenbetrieben entfallen auf den Steinkohlenbergbau 82, den Braunkohlenbergbau 183, den Eisenerzbergbau 23, den sonstigen Erzbergbau 22 und sonstigen Mineralienbergbau 20, 38 meist größere Gruben befinden sich außer Betrieb, cs werden auf ihnen nur die zur Erhaltung des betriebsfähigen Zustandes notwendigen Arbeiter beschäftigt. Knapp ein Viertel der Gruben, genau 80» sind kleine Betriebe, die unter 20 Arbeiter beschäftigen. Einschließlich dieser Gruppe ergibt sich das folgende Gröhenbild: Art her Produktion Anz. d. Gruben m. beschält. Arbeitern Bergbau«nd Bergarbeiterldhne Zm Z hre<933 Rekordtiefstand erreicht Die Grsamtlöhne seit 1929 um 563 Millionen Kronen gesunken Freit"".' 30: November 1934' kriegsumbrandeten Prag zu sichern. 1793 er- ls Stift Strahov das Gemälde um 22 Dukaten. Nunmehr hat es der Staat um Walder imWerte vo n 9 Millionen Kögt- abgeschlossenen Grubenfeld festgestellt. Die Maue„ I k a u f t, damit es nicht ins Ausland komme, wurde geöffnet und von einer mit Sauerstoff».! Das Bild soll renoviert werden und in der Neuen apparaten ausgerüsteten Mannschaft wurde d'e Staatsgalerie Aufstellung finden. In Strahov Bekämpfung des im Entstehen begriffenen Feuers! war das Bild F rau e n, die das Kloster nicht mit großen Schwierigkeiten durchgeführt. In den: betreffenden Streckenteil herrschte eine Hitze von 77 Grad Celsius. Die mitunter glühen. den Kohlenvorräte wurden abgefördert, was sehr rasch und vorsichtig vor sich gehen mußte, denn zeitweise zeigten sich schon offene Flammen. Mn der Gewältigung dieses Brandherdes'ist es ge lungen, eine schon längere Zeit als gefährlich empfundene Stelle der Grube zu sichern.- Klndcrireundebcwegung 1935:„Jahr der Freundschaft!" Der Jahres-Arbeitsplan für 1935 trägt die ^Parole:„Jahr der Freundschaft mit -den tschechischen Arbeiterkindern!" , Wir wollen die im Prager Zeltlager angeknüpste j Freundschaft im nächsten Jahr weiter ausbauen. Gemeinsame Zeltlager, gemeinsame Treffen, gemeinsame Feiern, K n- deraustausch und Kinder-Briefwechsel sollen dieser Aufgabe dienstbar gemacht werde». Der verstärkten nationalistischen Verhetzung unserer Jugend durch die deutschen und tschechischen^dan- vinisten wollen wir erhöhte Zusammenarbeit und Freundschaft der deutschen und tschechischen Arbeiterkinder entgegensetzen. t Zahl der Grubenbetriebe Durchschnittliche Arbeiterzabl 1927 394 110.577 1928 383 110.324 1929 374 112.742 1930 372 110.933 1931 355 101.865 1932 , 335 93.531 1933 330 85.862 van 1—100 V. 100—500 Von 500 bis über 1000 Steinkohle.. 31 11 40 Braunkohle.. 100 72 11 Eisenerz... 14 8 1 Sonstige Erze. 13 9 — Mineralien,. 15 5 Grubenarbeiter Obertaaearbeiter Steinkohlenbergbau . 36.880 10.192 Braunkohlenbergbau 21.064 10.316 Eisenerzbergbau. . 1.749 1.174 Sonstige, drze-.. ., 1.117 1.044 Mineralien.,,'.,.. . 443 1.083 tiergeld usw. wieder. Es betrug der Lohn pro Schicht in Kronen Bärlohn mit Gesamtlob« Zuschlag für einschl. Natural- >rau u. Kinder dr-lüaen Steinkohlenbergbau: - Grubenarbeiter.. 43.55 48.53 Obertagearbeiter. 34.40 38.07 Braunkohlenbergbau: Grubenarbeiter 44.43 48.72 Obertagearbeiter. 36.35 39.29 Eisenerzbergbau: Grubenarbeiter 32.96 35.07 Obertagearbeiter. 26.44 27.91 Sonstiger Erzbergbau Grubenarbeiter 31.94 33.20/ Obertagearbeiter. 28.88 29.86 Sonst. Mineralbergbau: Grubenarbeiter 45.06 46.61 Obertagearbeiter. 28.52 29.37 Ur. 281 Freitag, 30. November 1934 Seite 5 UU'I dorr Der Rektor der Karls-Universität, Prof. Dr. Drachovsky, hatte für Donnerstag vormittags die Vertreter der Tagespreise ga einem Empfang im Sitzungssaal des akademischen Senates im Gebäude der tschechischen Rechtsfakultät eingeladen. Der Zweck dieser Einladung war, den Preffevertretern die umstrittenen Universitätsinsignien zu zeigen Dieser Besichtigung ging ein«, von keinerlei überflüssigem Zeremoniell belastet« Aussprache des Rektors mit den Journalisten voraus. Rektor Dr. Drachovsky, der während des beschämenden Konfliktes eine Mäßigung und Besonnenheit an den Tag gelegt hat, di« wohltuend von dem Gehaben mancher seiner akademischen Kollegen(tschechischer wie deutscher) absticht, gestaltete diesen Empfang zu einer zwanglosen und von akademischen und romantischen Pose freien Unterhaltung. Rektor Drachovsky, der sich selbst als Journalist bekannte(unter Unterstreichung der kulturellen Aufgaben der Journalistik), stellte den Preffevertretern Fragen frei. Die gestellten Fragen betrafen z. T. recht interessante Punkte. Zu einer näheren Erörterung der überstandenen Zwischenfälle kam eS allerdings nicht. Aber man kann mit Genugtuung verzeichnen, daß Rektor Dr. Drachovsky 3■■■■■— Adresse r Kunst und Wissen Theater-Zusammenarbeit Ostrau—Olmütz. In Mähr.-Ostrau fand eine Konferenz von Vertretern der tschechischen Theater-Genossenschaft in Olmütz und von Vertretern des Vereines des Mährisch schlesischen Rattonaltheaters in Mähr.-Ostrau statt. Dft Konferenz war der Frage der Zusammenarbeit| der beiden Theater hinsichtlich der Erzftlung von Ersparungen und der Erhöhung des künst lerischen Niveaus der Vorstellungen gewid-> met. Den Gegenstand des beiderseitigen MeinungS-1, D austausches bildeten praktische Fragen, wft z. B. dft sik, Tanz, Geschenke. Beginn: 8 Uhr. Ort: Volks- Anschaffung gemeinsamer Dekorattons- und Kostüm- Haus(Turnsaal), Prag VII., VeletrZni tt. Geschenke Ausstattungen für Schauspiele, Opern und Operet- sind dortselbst von 8 Uhr nachmittags abzugeben.