1 Samstag, 1. Dezember 1934 14. Jahrgang EfaztHprera TOlMter (einschließlich 5 Heller Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xu„ fochova«r. telefon sm. Administration Telefon sxm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. fflsclsmus- das Verderben Eine Warnung der Genossin Kirpal an die Lehrerschaft der Schule Prag. Der dritte Tag der Budgetdebatte pflegt das Haus schon in einer ziemlich apathischen Stimmung zu treffen. Ein Redner nach dem ander« wechselt auf der Rednertribüne ab, und wenn auch oft Wertvolles ausgesprochen wird, so vermag doch nnr selten noch ein Redner die zunehmende Ermüdung der nicht allzu großen Zuhörerschaft zu überwinden, und noch weniger aus den Couloirs einen verstärkten Znhörerkreis in den Saal zu ziehen. Dies ist jedoch am Freitag mittags der Grnoffin K i r p a l gelungen, namentlich mit jenem Teil ihrer Rede, der sich mit der zunehmenden Fascifierung unserer Schulen befaßte. Richt nur die eigenen Klubkollegen, sondern auch viele Abgeordnete aus dem Lager der tschechischen Linken und darüber hinaus hörten aufmerksam zu und begleiteten ihre Ausführungen wiederholt mit reichlichem Beifall, der sich am Schluß noch stark steigerte, als sie einen flammenden Appell an die Lehrerschaft richtete, nicht fascistischen Irrlehren nachzujagen, sondern treu zur Demokratie zu stehen. Es war ein Erfolg, wie er im Plenum des.Hauses keineswegs zu den Alltäglichkeiten gehört. Wir nehmen deshalb diesen Teil der Rede der Genossin Kirpal, die sich sonst mit der Sanierung der Sclbstverwaltungskörper und der Arbeitsbeschaffung im deutschen Gebiet befaßte sowie ausreichende Hilfsmaßnahmen für die hungernden Schulkinder verlangte, gleich vorweg: Genosse Bruno Kalnin 3 Jahre Zuchthaus! Riga.(Leta.) Das Kriegsgericht fällte am Freitag das Urteil in dem Prozeß gegen die sozialdemokrattschen Führer, die vor dem Staatsstreich vom 15. Mai verhaftet worden waren. Der frühere Präsident des Saeima Paul K a l n i n wurde Mangels an Beweisen freigesprochen, sein Sohn BrunoKalnin wurde zu d r e i I a h- renZuchthaus verurteilt. Der frühere Abgeordnete Co l m s erhielt vier Monate Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Der frühere Abgeordnete U l p o wurde zn sechs Monaten Gefängnis verurteilt, von denen j vier Monate für die erlittene Untersuchungshaft abgerechnet wurden. Ribbentrop in Paris Paris.(Havas.) Der Sonderbevollmächtigte des Reichskanzlers Hitler, Ribbentrop, ist Freitag früh in Paris eingetroffen. Er wird von feinem Sekretär begleitet. Die Kommentare der Pariser Preise zu dem Besuch Ribbentrops, der wahrscheinlich nur Privatgefpräche mit Laval und F l a n d i n führen wird, sind von Mißtrauen gegen Hit- lerdeutschland erfüllt und wenig freundlich. Es scheint, daß man an der Seine nicht geneigt ist, sich so einseifen zu lassen wie die Kollegen anJber Themse. Asturien kämpft noch immer I Ovied o.(Havas.) Da die Bergarbeiter im asturischen Grubengebiet neuerlich einen Aufstand versuchten, hat die spanische Regierung alle Bergarbeiter-Syndikate in Asturien aufgelöst. europäische Zustände In Aegypten Kairo.(Tsch. P.-B.) König Fuad von Aegypten erließ am Freitag ein Dekret, das die Verfassung außer Kraft setzt und das Parlament auflöst. furcht vor den Memoiren von Ernst Ein Dokument über den Reichstagsbrand I Berlin.(AP) Mit äußerster Besorgnis sieht man in Regierungskreisen der Beröffent- lichung der Aufzeichnungen des ermordeten SA- Führers Ernst entgegen, die sich in Verwahrung von GeorgBrantingin Schweden befinden. Nachdem es den Agenten Papens nicht gelungen ist, diese Dokumente znrückzukaufen» wird man jetzt versuchen, sie, sobald sie in England erscheinen, als Fälschung hinzustellen. Dies wird aber sehr schwer sein, da«. a. Original-Dokumente vorhanden sind, so z. B. ein B r i e f von E r n st an seinen Freund HeineS, in dem er diesen auffordert, falls er, Ernst, verhaftet oder beseitigt werden sollte, seinerseits für Beröffentlichung der Dokumente über den Reichstagsbrand zu sorgen. Aus den Aufzeichnungen von Ernst geht dokumentarisch einwandfrei hervor, daß der Nrichtstagsbrand von G o e r i n g und Goebbels ausgeheckt und vorbereitet, von Ernst und seinen Freunden, wie schon mehr beschrieben, ausgeführt worden ist. Es geht weiter daranS* hervor, daß Goering und Goebbels vor dem ReichSgericht in dem Reichstagsbrandprozeß unrichtige Angaben gemacht haben. Es ergibt sich aber auch weiter, daß Hitler taffächlich von der Brandlegung bis z« ihrer Vollendung nichts gewußt hat und auch nichts gewußt haben kann. Die Tatsache der drohenden Veröffentlichung authentischer Dokumente spielt Momentan eine große Rolle bei den Erörterimgen darüber, ob GoeringReichswehrminl- st e r werden kann. Man will sich nicht der Situation aussehen, daß die Beröffentlichung gerade erscheint, wenn Goering soeben zum Reichswehrminister ernannt worden ist. Ein solcher Angriff würde der Reichswehrgenrralität für die Reichswehr als völlig untragbar erscheine«. An die Spitze ihrer Ausführungen über Demokratie und Schule stellte Genossin Kirpal die Weisung eines Erlasses des Schulministeriums vom April 1933, in dem es heißt: .Daher haben sich die Professoren und Lehrer beim Unterricht und überhaupt bei jedem Zusammentreffen mit der Schülerschaft jeder partei- polttifchen Kundgebung, Bemerkung und Erläuterung zu enthalten, welche in den Schülern den Eindruck einer- nationalen, politischen oder reit» giöfen Voreingenommenheit des Lehrers erwecken und die Erziehung zur Verträglichkeit schädigen oder gar die Ergebenheit- für die Tschechoslowakei bedrohen und untergraben könnten."' Wie sicht eS aber in Wirklichkeit aus? Da null ich' keineswegs Verdächtigungen auSsprechrn, wohl aber einige Tatsachen anfzeige», die in striktem Widerspruch zn diesem Erlaß stehen. Daß der Herd des FasrismuS vorwiegend in unseren Mittel» s ch n l e tt liegt, darüber brauche ich wohl nicht viel zu sagen.(Genosse Ka u f m a n n: DaS ist ein öffentliches Geheimnis.) Genossin Kirpal: ES ist ein öffentliches Geheimnis, aber ich konstatiere mit größtem Bedauern, daß dieses Geheimnis vielfach von einigen Bürokraten im Schulministerium gedeckt wird. Dafür bin ich jederzeit ierett, dir Beweise zu liefern! Einen Beweis will ich Ihnen schon jetzt nicht vorenthalten. Ich habe aus einer Mittelschule die „3-e itschrift für Deutschkunde" entliehen.' die in Leipzig erscheint. Eine hiesige Mittelschule hat sie abonniert. Eine fleine Kostprobe will ich hier vorlesen. Da heißt es u. a.: Die marschierenden braunen Kolonnen der SA trugen als Bekenner der neuen Lebensanschauung Hitlers Idee in die entlegenste Hütte, waren aber zugleich auch in ihrer Straffheit und Schlichtheit sichtbarstes Sinnbild für die Zucht, die die Voraussetzung aller Aufbauarbeit im Innern ist. Gerade durch die Vermittlung dieser Braunhemden, die durch die gemeinsame Tracht, die gleiche Grußform, das gleiche Symbol des Hakenkreuzes, die gleiche Geste und die gleichen Rufe, kurz durch die gleiche Haltung Gemeinschaft schaffen, hat der große Volkspsychologe Hitler wohl am wirkungsvollsten zu den breiten Vollsmaffen gesprochen, ihre seelische Verfassung von hier aus schr stark beeinflußt." Erregte Zwischenrufe auch auf tschechsscher Seite. Genossin Kirpal fährt fort: Sie sind jetzt schon bei dieser kleinen Kostprobe entrüstet, aber ich will Ihnen hier noch eine stärker« Dosis vortragen, einen Teil eines Aufsatzes»Das bolittfche Kampflied der Gegenwart im Unterricht". Lassen Sie sich eines dieser Kampflieder vorlesen: Wir sind die Sturmkolonne. Wir greifen mutig an. Wir sind die ersten Reihen. Wir gehen drauf und dran. Im Ärbeitsschweiß der Stirn Der Magen hungerleer. Die Hand voll Rutz und Schwielen Umspannet das Gewehr! So steht die Sturmkolonr« -Zum Raffenkampf bereit. Erst wenn die Juden bluten. Erst dann sind wir bereit. Kein Wort mehr vom Verhandeln, Was nichts mehr nützen kann, ja kann. Mit unserem Adolf Hitler ‘ Wir greifen mutig an. Mit unserem Adolf Hitler. ES leb« Adolf Hitler! Und wir marschieren schon. Wir stürmen mit dem Zeichen Der deutschen Revolution! Sturm auf die Barrikaden. Der Tod besiegt uns nur. Wir sind die Sturmkolonnen Der Hitlerdiktatur! Das find wir!" Bor der Ministerbank steht eine Menge von Abgeordneten auch von tschechischer Seite, die ihrer Empörung in allerhand Zwischenrufen Ausdruck geben- Frau-Z« m i n v v a rüst: Wohin ist der Geist der deutschen Frauen gekommen? Die deutschen Mütter sollten nicht schweigen! Genossin Kirpal: Kein Wunder, nach dem, was ich vorgelesen habe, daß unsere Jugend von solchen Professoren imfascistischen Gei st erzogen wird. Ich bin mir vollkommen bewußt, daß wir auch freiheitliche Lehrer haben, die bewußte Träger der Demokratie sind. Aber unter hundert Professoren genügt vollkommen ein einziger, der Seele und Geist unserer Kinder vollkommen vergiften kann! Wenn so etwas die ständige Lekttire der Lehrpersonen ist, dann wissen wir, wie viel es bereits geschlagen hät! Den Herren von tschechischer Seite empfehle ich. auch selbst einmal nachzuschauen, ob ihr« Jugend wirklich im demokratischen Sinn erzogen wird. Ich weiß, daß auch in den tschechischen und flowakischen Schulen genügend fascistische Herde zu finden sind. Wir verlangen mit allem Nachdruck, daß dir Lehrer, denen wir unser größtes Gut, unsere Kinder, anvertrauen, bewußte Träger der Demokratie, des Fortschrittes, des Friedens und der Freiheit sein müssen. Allerdings bin ich mir dessen bewußt, daß viele, viele Lehrpersonen sich ihrer jetzigen Freiheit nicht bewußt find. Die jungen Lchrer kennen die Kämpfe nicht mehr, die die Sozialdemokratie für die Freiheit der Lehrer geführt hat, die älteren haben dies vielfach schon vergessen. Ich möchte von hier den Mahnruf ertönen lassen: Ihr alle, denen wir unser größtes Gut, unsere Kinder, anvcrtrauen, seid dessen bewußt, was der Fa- sciSmus bedeutet! FascismuS, daS heißt Euer aller Selbstmord, das heißt für die deutschen Lehrer: dem deutsche« Schulwesen das Grab schaufeln. Wir warnen Euch alle von dieser Stelle aus, und diese Wamung gilt auch für die mrderen Nationen, eheeSz« s v ä t ist! Diejenigen unter den Lehrer« und Lehrerinnen, die so dem FascismuS huldigen, möchte ich fragen, ob sie auch wiEch Ursache haben, Träger des FaseiSmuS zu sein? Ein ganz kleiner Blick über die Grenze,«nb schon steht man, wie rS mit der Freiheit der Lehrerschaft bestellt ist: Alle freiheitlichen und demokratischen Lehrpersonen find ihrer Stellung enthoben, Tausende müssen im Konzen- trationslager schmachten. Der ganze Lehrerstand wird vom Hakeukreuztum verunglimpft. Ich will nur eine« einzigen Satz auS einer Rede deS Gauführers von Sachsen, des Herrn Mutschmann anführrn:»Lehrer sei« ist organisierter Müßiggang!" Meine Herren, wem solche Reden und solche Methoden gefallen, dem steht der Weg ins DritteReich vollkommen offen!(Zurufe: Ausgezeichnet! Beifall.) Auch ein Blick nach Oesterreich genügt, um sich zu vergegenwärtigen, was ein modernes Schulwesen für den Fascismus den Stein des Anstoßes bildet. Die ganze Welt hat auf das herrliche moderne Schulwesen in Wien mit Bewunderung geblickt, von überall her kamen Pädagogen, um dieses Schulwesen zu studieren. Es mußte die brutale (Fortsetzung ans Seite 2.), Auswegloser Nationalismus Henlein und der Hochschulstreit Der nun hoffentlich beigelegte Streit um den Bart Kaiser Karls des IV.— nichts anderes war der„Kampf" um die Hochschulinsignien— hat auf beiden Sellen wieder einmal den Nationalismus auf den Plan gerufen. Man braucht die Ereignisse nicht tragisch zu nehmen, die sich aus diesem Anlaß in Prag abgespielt haben, denn es war daran nur eine verschwindende Minderheit der tschechischen und deutschen Bevölkerung interessiert. Sie haben nur gezeigt und darin liegt ihre Bedeutung, daß dunkle Kräfte auf jeden, auch den geringfügigsten Anlaß lauern, das System der nationalen Zusammenarbeit zu zerschlagen und unbekümmert um innere Sorgen und äußere Gefahren die Brandfackel der Zwietracht unter die Völker zu werfen. Nachdem die breite Konzentration der demokratischen Parteien, auf der die ganze Last der Sorge um die Opfer der Krise und um die wirtschaftliche Zukunft des Landes liegt, diese Belastungsprobe unerschüttert bestanden hat, müssen nun in aller Offenheit die politischen Folgerungen gezogen werden. Die Prager Vorfälle haben der deutschen wie der tschechischen Landesbevölkerung in eindringlicher Form die Ausweglosigkeit des Nationalismus gezeigt. Es ist nicht unsere Aufgabe, der tschechischen Oeffentlichkeit klarzumachen, c» ein nichtswürdiger Anschlag aus die Interessen der Republik ist, in der Zeit der europäischen Hochspannung in Prag die Fenster deutscher Kulturinstitutionen einzuschlagen. Das Echo im Auslande möge dafür Beweis und Warnung sein. Die Sudetendeütschen aber müssen er- kennen, daß in ihrer Lage nichts verfehlter sein kann, als eine Fortsetzung der alten nationalen Prestigcpolitik. Wenn ein Teil der Professoren und Studenten der deutschen Universität sich anschickte, die Symbole einer im Weltkriege verloren gegangenen Machtstellung gegen die Staatsmacht und um den Preis eines großen nationalen Konfliktes zu verteidigen, so haben sie dadurch nur bewiesen, wie weltenweit entfernt von den wqhren Interessen des sudetendeutschen Arbeiter- und Kleinbauernvolks sie leben. Was war das Ziel ihres „Widerstandes"? Was wollten sie damit erreichen? Die böswilligen Drahtzieher werden auf diese Fragen die Antwort schuldig.bleiben; aber auch ihr mißbrauchter Anhang wird darauf keine vernünftige Erflärung zu finden vermögen. Der Nationalismus ist in der Sackgasse. Bester Beweis dafür ist das Verhalten der Heimatfront und ihres Führers Henlein in dieser Affäre. Großsprecherisch verkündete Henlein in B.-Leipa, daß er die„stärkste politische Gruppe" des Sudetendeutschtums vertrete. In ihrem Namen gab er Erklärungen ab, machte nach der tschechischen Seite hin Angebote. Doch siehe da: schon beim nächste« krittschen Zeitpunkt stellte sich die„stärffte deutsche Gruppe" mttsamt ihrem Führer einfach tot! Wer hat in den bewegten Tagen etwas von der Heimatfroitt gehört? Wo blieb Konrad Henlein? Warum ging er nicht wegweisend voran? Warum überließ er seinen studentischen Anhang der Ratlosigkeit und Ungeschicklichkeit einiger Professoren? Man erspare sich die Ausrede, daß die Heimatfront mangels einer parlamentarischen Vertretung nicht in Erscheinung treten konnte. Sie verfügt in Prag über ein Pressequartier, das schon bei weit geringfügigeren Anlässen die Zeitungen mit Erklärungen fiitterte. Henlein hat sich schon mehrfach zu Interviews mft tschechischen Blättern her- abgelaffen, als er damit seinen Parteiinteresse n zu dienen glaubte. Ausgerechnet dann, als Bolksinteressen auf dem Spiele standen — wir meinen damit nicht etwa die Insignien, sondern die politischen Weiterungen bei deren Ueberführung— waren sämtliche Sprachrohre der Heimatfront verstummt. Wenn^ schon bei so mildem Novemberwetter die Posaunen der Henlein und Sandner einfrieren, wie werden sie erst in rauhen Winterstürmen funktionieren? So sehr diese Herrn den Marxismus auch hassen und bekämpfen, sie tasten das Privileg der Sozialdemokratie nicht an, in Zeiten nationaler Erregung eine kaltblütige und besonnene Sprache zum eigenen Volke zu führen. Führer wollen sie Seite 2 Samstag, 1. Dezember 1934 9fr. 28? Genossin Kirpal in Oer Budgetdebatte (Fortsetzung von Seite 1.) Europa so oder so? Wer sich über diese Frage Gedanken macht, kaufe und lese das Arbeiter-Jahrbuch 19351 sein, aber sie sind Sklaven der Borurteile und Kimmungen ihrer Geführten. Kann sein, daß sich deutsche Studenten gekränkt fühlten, um so mehr, als sie im geistigen Bannkreis verkalkter völkischer Professoren leben. Wäre aber dann die Pflicht eines wahren Führers nicht um so größer, die Dinge auf das richtige Matz zurückzuführen, auch um den Preis der Unpopularität? Es gibt nur eine Erklärung für diese Haltung Henleins und seines Generalstabes: sie können kein Wort wagen gegen den Ungeist der völkischen Hochschulpolitik, weil der größte Teil ihres jungen Anhanges von diesem Ungeiste vergiftet ist. Gegen den tragen Strom des sudetendeutschen Nationalismus zu schwimmen, könnte fie kostbare Wählerstimmen kosten und ein« kaum begonnene Karriere. Auf ihm mit geschwellten Segeln zu treiben, verbietet den Führern der Heimatfront die Rücksicht auf die tschechische Oeffentlichkeit. So bleibt chnen nur die Tcütik des Sich-tot-stellenS übrig, di« bereits Ludendorff vor der Münchner FeldherrnhaUe erfolgreich angewandt hat. Es ist auch am besten so, wenn Führeransprüche von selbst aus erledigt werden... Die schweigende Trauer der Heimatfront hat indes noch eine andere Begründung. Mit den Fensterscheiben der»Urania" ist eine große politische Hoffnung in Trümmer gegangen, die Hoffnung auf ein kommendes Regime der deutschen und ts chechischen Faseisten. Freilich war Henlein vorsichtig genug, davon nicht in Leipa zu reden, denn dort war es je seine Aufgabe, auch den demokratischen Tschechen Honig um den Mund zu schmieren. In den Provinzversammlungen aber kündigte S a n d- ner bereits an, daß nach den nächsten Wahlen eine antimarxistische tschechisch-deutsche Regierung ans Ruder kommen und das Parteiengesetz gegen die Sozialdemokraten anwenden werde. Oder er verkündete seinen Zuhörern die frohe Botschaft, daß auch im tschechischen Lager bereits eine v ö l- ,k i s che Reinigung im Gange sei, um auszumerzen alle Volksverräter, die zwischen den Nationen stehen und deren friedliche Einigung heimtückisch verhindern.. Nach den Prager Krawallen wird auch kein Henleinmann mehr behaupten wollen, daß das Programm der tschechischen Faseisten in einem gerechten nationalen Ausgleich gipfelt. Gewisse Fühlungnahmen von deutscher Seite mit der„nationalen Front" der Hodaä und Stiibrny scheinen daher verloren« Liebesmüh gewesen zu sein. Der Hochschulstreit und seine Begleiterscheinungen stellten erneut unter Beweis, daß die nationale Zusammenarbeit und eine ehrliche Versöhnung der Völker nur das Werk der demokratischen Kräfte auf deutscher wie auf tschechischer Seite sein können. Die demokratische Polizei mußte die nationalistische Jugend beider Lager trennen, nicht von stürmischer Umarmung, sondern von erbittertem Faustkampf. Hätten wir keine demokratische Staatsgewalt, dann wäre im Barrikadenkampf um das Carolinum nicht nur kaltes Wasser vergossen worden. Nun möge die deutsche Intelligenz— soweit sie politischen Denkens fähig ist— einmal ernstlich darüber nachdenken, wohin in diesem Lande und in ganz Europa ein blinder Nationalismus führen muß. Faust des FaseiSmuS kommen, um den herrlichen Bau dieses modernen Schulwesens zu vernichten. (Genosse de Witte: Für dieses Schulwesen hat man den Glöckel aufhängen wollen.) Genossin Kirpal: ES war ein Joachimstaler Blatt, das dies verlangt hatl Weil er dieses moderne Schulwesen geschaffen hat, hat man den Genossen Glöckel auf kalte Art-umgebracht, indem man ihn bis zuM vollständigen Niederbruch im Gefängnis hielt. Und erst die Lehrerinnen? Bei unS ist die Frau gleichberechtigt, ihr find auch leitende Stellen überantwortet, fie kann sich in jeder Sphäre des öffentlichen und Kulturlebens frei beweaen. Und in Deutschland und Oesterreich? Dort sind alle Frauen aus dem öffentlichen und politischen wie aus dem kulturellen Leben zurückgedrängt worden, dort werden sie als minderwertige Geschöpfe betrachtet! Deshalb glaube ich dieses Kapitel mit folgendem abschließen zu können: H>• Die sonstige Debatte Aus der sonstigen Debatte sei noch eine Polemik des tschechischen Genossen Benda gegen Hlinka hervorgehoben, der bei seinem letzten Besuch in Wien Dollfuß als sein Vorbild hingestellt hat: Hlinka kössste sich als Vorbild aussuchen, wen er wolle, aber die Richtung und die Taten des Dollfuß dürfen keinesfalls auf die Slowakei übertragen werden! Dr. Hajn(Rat.-Dem.) stellte eine eigenartige Theorie über die Insignien auf: Die deutsche Universität habe schon dadurch, daß seinerzeit deutsche Professoren den verhafteten Razistudenten in Pankraz einen demonstrativen Besuch abstatteten, jeden Anspruch an die Karlsuniverfität und an das gesamte Inventar eingebüßt, weil seinerzeit Karl IV. die Prager Universität nur für die„treuen Bewohner des Königreiches Böhmen" gestiftet habe. Segen Medeks Exzeß Auch der tschechische Genosse Jasa behandelte in einer besonderen Red« die Universitätsaffäre und die bekannten Dkandalerscheimingen, die auch di« Kundgebung der tschechischen Schriftsteller nach fich zogen. Es ist tief zu bedauern, daß der erst« Mann, der bei uns mit Konzentrationslagern drohe, ein Legionär und aktiver General sei. Wir schämen uns, sagte Jasa, der selbst Legionär ist, daß es nach Gajda der zweite Legionäroffizier ist, der bei uns das Hackenkreuz tum einführen will. Die Kundgebung MedekS ist eminent politisch und wir überlassen es den verantwortlichen Faktoren der Arme«, zu beurteilen, ob ein solches Vorgehen in diesen Zeiten der Armee einen Nutzen bringt! Gegen Abend mchm Dr. Rosche(ADG) dem Landbund eine ordentliche Portion von Redezeit weg. Er war diesmal zur Abwechslung sehr staatserhaltend und trat sogar ftzr eine Annäherung im Rahmen der Kleinen Wirtschaftsentente und für HodjaS Pläne ein. Während ein« Polemik gegen Dr. Hodaö, dem er vorhält, daß er nicht zugleich für ein« wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Deutschen(lies„deutschen Fabrikanten") sein und zugleich gegen die Deutschen hetzen könne, wird er durch einen Zwischenruf, siewürdensichschonalledieHände reichen, wenn es um dieUnterdrückung der Demokratie ginge, so aus dem Konzept gebracht, daß er mit Daten über die Bezüge der Dr. Hodai(über die wir kürzlich selbst berichtet haben) herausrückte und austief: ES liegt im Interesse aller, daß ein neue» moderner, freiheitlicher Geist ausnahmslos durch alle»nsere Schulen zieht.(Zustimmung.) Wi- wollen nicht, wie es in Deutschland und Oesterreich geschehen ist, eine Uniformierung deS Geistes, wi- lehnen ,8 ab, wie eS in den fascistische« Staaten geschehen ist» daS Schulwesen verfallen zu lassen! Wir wollen kein Trümmerfeld der Kultur sein! Und da erwächst unS eben eine große Aufgat«. ES ist die Pflicht aller freiheitlich gesinnten Menschen, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für die Sicherung und Festigung der Demokratie zu wirken. Wir haben»ns an die Spitze dieses ganzen Kämpfegestellt und wissen uns darin eins mit dem weitaus größten Teil der hier lebende« Bevölkerung, abe- auch mit dem weitaus größten Teil der Lehrerschaft- (Lebhafter Beifall. Rednerin wird vielfach beglückwünscht.) Hodac ist derjenige gewesen, der die gemeinsame Zusammenarbeit an der Spitz« deS Industriellen—Svaz mit dem Haupwerband der deut- schen Industrie arrangiert hat, und derjenige, der von der Industrie noch heute de» Betrag von 300.000 oder 250.000 AL bekommt, zu welchem Betrage die Deutschen beitragen. Und derselbe Hodac marschiert heute an der Spitze deS FaseiS- mus. Ter Mann kann heute fiir eine Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Tschechen nicht in Betracht kommen. Wir freuen uns über die Bestätigung aus so berufenem Munde, daß der derzeitige Führer des tschechischen Fascismus sein schönes Einkommen teilweise aus deutschen Jndustriellengeldern bezieht. Herr Dr. Rosche muß allerdings sehr betrübt sein, daß Hodac jetzt nicht mehr die gemeinsame deutsch- tschechische antimarxistische Front anführen kann, nach der Rosche noch vor nicht allzu langer Zeit selbst von derselben parlamentarischen Tribüne aus rief. ES ist auch wirklich zu dumm, daß HodaL solche Witze macht und Rosches Konzept derart stört. Wo nimmt Htrr Dr. Rosche jetzt so schnell wieder einen anderen so geeigneten Partner für die antimarxistische Einheitsfront her? Für den Samstag bleiben noch etwa drei Redner übrig? die meisten Klubs habe» ihre Redefrist schon völlig erschöpft. Dann soll sofort die Budgetabstimmung einsetzen, die in den erste» Nachmittagsstunden beendet werden soll. Wie verkantet, dürfte am SamStag auch noch der Schulminister Dr. KrLmät eine offizielle Erklärung über die Univerfitötsaffüre abgebe«. Unsere Partei zesen die Kunstfettabgabe In der Budgetdebatte befaßte sich am Samstag der Theoretiker der tschechischen Agrarier, Prof. B rd li k, mit LandwirtschqftSfragen und verlangte, daß wir Futtermittel aus den übrigen Ländern der Kleinen Entente einführen» um für den eigenen Bedarf tierische Fette erzeugen zu können; andernfalls müßten wir aus der Uebersee Rohstoffe für die Kunstfettproduktion einführen. Dann könnten wir aber den Staaten der Kleinen Entente weniger Futtermittel abnehmen und auch weniger dorthin ausführen. (Sg Roman von Olga Scheinpflugovä Copyright by Pressedienst E. Prager-Verlag, Wien Die Frau nahm Babiola die leeren Flaschen und Gläser ab, warf sie in den Abwaschtisch und machte mit der Kreide an der Wand Striche, um zu wissen, wieviele Sous Babiola gebührten. Sie sagte täglich dasselbe:„Rede nicht so viel und spute dich!" Tagsüber machte sie ein mürrisches Gesicht, abends aber gab sie Babiola hie und da einige Sous mehr und hie und da sagte sie: ^»Schlaf gut. Kleine". Raoul lief mit seinem Pack Zeitungen im Arm schreiend über den ganzen Strand. Er war immer atemlos und hatte es immer eilig. Er pflegte zu sagen:„Nachrichten dürfen nicht älter als drei Stünden werden, sonst erzählen die Gäste einander selbst die Neuigkeiten." Er verschwand hier und tauchte dort auf und manchmal,, wenn sie. gute Geschäfte machten, zwinkerten die beiden Kinder einander zu. Raoul war immer verschwitzt. Durch sein weißes Trikot perlten c':';e Tropfen und sein Gesicht, das stets ftm lächelte, strahlte bei jedem Sou. An kalten Tagen las man Zeitungen und trank weniger. Baviolas Tasche blieb leer und die Frau in der Bude grollte- „Arbeite", sagte sie,«ich halte dich nicht zum Vergnügen". Der alte Cloture fragte Babiola niemals, wieviel sie verdienen, aber wenn sie abends ihre Barschaft zählte, sah er sic manchmal von der Seite an Sie kochte zweimal täglich eine heiße Suppe; hatte sie viel verdient, gab sie Reis hinein. Sie kaufte Oel und briet schon abends die Fische. Am kommenden Tag wurde das Essen aufgewärmt. Sie gab ihrem Vater reichlich zu essen, aber keinen baren Sou. Denn wenn er betrunken war, wurde er grob. Babiola verdiente schließlich nicht sehr viel. Aber an heißen Tagen erübrigte sie doch etwas und das so gesparte Geld versteckte sie in einer kleinen Abend« kam sie mit Raoul zusammen... Schachtel im Bettstroh, um fiit den Herbst vorzusorgen, in dtm der Wind die Zelte schloß. Abends kam fie mit Raoul zusamtnen. Ihre Arbeit, die so ähnlich war, hätte Kameraden aus ihnen gemacht. Sie erzählten einander wieviel sie heute verdient, was si« gelaust, wieviel sie erspart hatten. Sie hatten das gleiche Schicksal und gleich- geartete Väter. Raoul war ein großer, blasser Junge, der am liebsten dreimal soviel gegessen hätte, als er verdiente. Sein Kinn trug eine Narbe, die von einer Flasche herrührte, dir der alte, wütende Bonett einmal nach ihm geschleudert hatte. Seine Hände waren immer naß. Auch im Winter. Babiola ließ sich von ihm niemals streichel». Sie schüttelte sich vor Ekel, wenn er nur ihre Hand berührte. Dabei hatte sie ihn gern. Sie trafen einander auf dem leeren Strande. Wenn es regnete, oder wenn der Wind durch ihre dünnen Kleider fuhr, krochen sie in ein Badezelt und flüsterten einander leise ihre Träume zu, damit die Wirklichkeit sie nicht höre. Sie stahlen einander die Worte vom Mund und die geheimen Wünsche von den Augen. „Wenn ich groß sein werde", sagte einmal Raoul und sah in die Richtung, in der die Stadt seiner Träume lag,„werde ich nach Paris fahren. Ganz gewiß. Ich spare schon jetzt das Reise- geld. Ich beginne schon jetzt damit, Babiola. Die Beine wachsen rasch; aber die Ersparnisse nur langsam. Dort werde ich mein Glück machen, Mädel! Dort gibt es viele Menschen und alle lesen Zeitungen. Ich werde vorwärtskommen. Ich werde nur in der Hauptstraße stehen. Dort gibt es soviel Menschen wie hier auf dem Strande Sand. Und ich werde„Paris Midi" verkaufen und nicht dieses elend«„Echo" mit seinem Provinztratsch.„Paris Midi" bringt die raschesten Nachrichten. Ich habe schon gelernt, wie man es am besten ausruft; hör mal: Die Kleine horchte mit großen Augen und Raoul schrie in die abendliche Flut in singendem Ton dier vier Silben, denen er seine Zukunft anvertrauen wollte. „Hör auf, Raoul, du kannst es wirklich schon güt." „In Paris, Babiola, kann man wahnsinnig viel Geld verdienen^, sagte Raoul,„nur'sputen Muß man sich. Immer muß man eilen und hasten, sonst würden sich die Menschen in den Gassen stauen. Da hat man ost nicht Zeit herauszugeben und es passiert ost genug, daß man ganze fünf Sous für eine Zeitung bekommt. Hier haben die Leute viel Zeit und Langweile. Jeder hat Zeit genug und wartet auf daS Herausgeben. In Paris bleiben die Leute wegen einiger Sous nicht stehen. „Wer hat dir das alles erzählt?" Mit dieser Beweisführung will Brdlik da? Verlangen der Agrarier nach Einführung einer Abgabe von Kunstfetten unterstützen, die nach einem Vorschlag zur Sanierung der Selbstverwaltung verwendet werden soll. Bon unserer Seite hat sich am Freitag jedoch Genossin Kirpal mit aller Entschiedenheit im Namen unserer Partei gegendie beabsichtigte Kunstfettabgabe ausgesprochen und nachdrücklich erklärt, daß wir natürlich für die Sanierung der Selbstverwaltungs- körper sind, daß aber die Sanierung nicht auf Kosten einer noch größeren Not der Bevölkerung gehen darf! Verhandlungen der Staatsangestellten über die Milderung der Gehaltsabzüge. Am Freitag, den 30. November, nachmittags, fand eine Beratung der Arbeitsgemeinschaft des Staatsange« stellten-ZwölferauSschuffes und der Exekutive der öffentlichen Angestellten in Anwesenheit des Vorsitzenden der Regierung Malypetr statt. In einer eingehenden Darlegung konstatierte der Vorsitzende der Regierung, daß die Regierung im Hinblick auf die Lage der aktiven und pensionierten öffentlichen Angestellten für das Jahr 1935 eine allmähliche Milderung der durch die Regierungsverordnung Nr. 252/1933 durchgeführten Maßnahmen vorbereitet. Weiter gab der Vorsitzende der Regierung die Grundsätze des vorbereitenden Entwurfes über die Einrechnung der militärischen Präsenzdienstzeit bekannt. Die Arbeitsgemeinschaft verlangt«, daß im Laufe des nächsten Jahres das Gesetz über die Gleichstellung der Pensionisten der IV. Etappe durchgeführt werde. Ist die Henlein-Presse für oder gegen Hitler? Henlein selbst kann sich, wie er sagt, noch kein Urteil über Hitler bilden. Seine Presse aber verrät fast tagtäglich, wie sie zu Hitler und dem Nazismus steht. Das hat sich deutlich wieder an dem Fall Hildebrand gezeigt. Hildebrand (Franke-Grieksch) hat bekanntlich seinen Freund Otto Strasser schimpflich verraten und sich zu Hitler geflüchtet, nachdem er noch einen, sichtlich aus dem Büro Goebbels stammenden Offenen Brief verbreitet hat, der Hitler und seine Politik hundertprozentig billigt. Die„B r ü x e r Zeitung",ein Henleinblatt reinsten Wassers, berichtet über den Fall, wobei sie sich die Argumente des Judas Hildebrand ganz zu eigen macht und Otto Strasser verhöhnt, dem sie ankündigt, seine Rolle werde bald ausgespielt sein. Ein deullicheres Bekenntnis zu Hitler ist eigentlich kaum nötig! „Wir wollen kein« zweite Gajda-Affäre". Unter diesem Titel wendet sich im heutigen Leitartikel des„Pravo Lidu"'Genosse Koudelk« heftig gegen den politisierenden General M e d ek, der den linken tschechischen Schriftstellern gedroht hat. Koudelka schreibt u. a„ man müsse dem Medel, wenn man seinen Stll kopiere, sage»-: Wir möchten nicht das Bild sehen, daß uns ein neuerGajda geboren wird, ein neuer po« litisierender General, damit sich dann in der Re« piHlik irgendeine Gajda-Astäre Nr. 2(Bajdov- Stina-„Gajdelei") wiederholt mit allem, was ihr notwendigerweise von neuem folgen müßte. Wir wollen das nicht sehen. Wir wollen nicht! Der Artikel wendet sich weiter an die Oppositionsparteien, insbesondere die Nationaldemokratie, deren moralischer Bankrott zu solchen Exzessen führe. Francois Chere." Das war möglich. Francois Chere verdiente schon lange. Allerdings hatte er damit nicht st früh anfangen müssen wie di« beiden. Er hatte einen breiten Rücken und trug lange Hosen wie ein Erwachsener. Er kam alljährlich auf Urlaub und besaß eine schöne Krawatte und ein buntes Hemd und erzählte den Bewohnern Bidars von Paris. .Weißt du", sagte sie zu Raoul, um ihm nicht nachstehen zu müssen,„ich weiß noch nicht recht, was ich eigentlich beginnen werd«. Aber eines weiß ich: ich werde es besser machen als alle anderen Menschen." „Warum?" „Weil ich schon heute alles besser mache als die andern. In der Schule kann ich alles am besten, ich sorge für mich selbst und andere, die scheu erwachsen sind, können das nicht." Sie gab sich Mühe, das ganz einfach zu sagen, damit Raoul nicht glaube, daß sie sich wichtig machen wolle. „Na ja," antwortete Raoul. „Siehst du, und ich beneide nicht die Frauen und Kinder auf dem Strande. Ich weiß ganz genau, daß ich viel reicher sein werde als alle, wenn ich einmal groß bin. Und wenn ich im Sommer auf dem Strande liegen werde, werd« ich immerfort Limonade bestellen." Sie lachten, als wäre das Glück schon ganz nabe-und drückten sich in die Ecken des ZelteS. Kühl wehte der Wind. „Wenn ich groß sein werde, werde ich dick heiraten, willst du?" sagt« Raoul und fühlte, daß er von nun an vor ihr größer« Achtung werde ha- den müssen.„Ich werde dich ganz gern heiraten." „Wenn ich dich nehmen werde," sagte die Kleine und kam sich wie eine große Dame vor. Der Mond schien auf den Sand und die Zelte warfen lange, schwarz« Schatten. Der Geruch des Meeres war abends milder und das Wasser rauschte weich. '(Fortsetzung folgt.) 9t. 282 Samstag, 1. Dezember 1934 «ei«- 3 tapeks Antwort an den Medek Karel Cape! antwortet in den gestrigen »Lidovö Novinh" dem General-Dichter Medek auf seinen dreist-fascistischen Offenen Brief zunächst mit einer sachlich-vornehmen Anprangerung der »Wahrheitsliebe" Medeks; Eapek stellt dann weiter fest, daß die Herren der heutigen tschechischnationalen Opposition zwölf Jahre lang in der Regierung Zeit gehabt hätten, sich um das Universitätsgesetz zu kümmern, dessen Erfüllung gerade im gefährdeten Jahr 1934 denkbar ungünstig war. Dann aber gibt Eapek dem Herrn Medel als einem Freund der Konzentration s- la g e r folgenden genug deutlichen, wenn auch für den Medek zu noblen Bescheid: „Du schreibst, daß Du nicht sehen wolltest das„Bild, wo Karel Capck, S. K. Neumann und A. M. Tylsovä gemeinsam mit Jindrich Vodak und Bitezslav. Rezval in irgendeinem Konzentra» . tionslager Gelenksübungen machen". ES wird um nähere Einzelheiten gebeten. Ist hier etwa der(bei einem hohe« tschechoslowakischen Offizier verwunderlichen) Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Tschechoslowakei dem Dritten Reich einverleibt und von SS-«nd SA-Leuten beherrscht werden wird? Konzentrationslager sind doch keine tschechoslowakische, sondern eine reichsdeutsche Institution, nickt wahr? Ungern würde ich nämlich Deinen Ausspruch in dem Sinne auslegen, daß dem tschechischen Volk damit die Sehnsucht znge- sprachen wird, tschechische Schriftsteller in Konzentrationslager zu sperren und wie preußische Feldwebel Gelenksübungen exerzieren zu lassen; so «in« grobe Beleidigung, Rudolf Medek, kann doch «in tschechischer Schriftsteller vom tschechischen Völk nicht schreiben. S. K. Neumann ist schwer krank, A. M. Tylsovä ist eine Frau, Jindkich Vodak ist «in alter Mann, wen, ich bitte Dich, beschuldigst Du der unmenschlichen Absicht, sie Gelenksübun- gen üben zu lassen? Es hilft nicht, Rudolf Medek, dieser Ausspruch von den Konzentrationslagern wird näher«nd sehr deutlich erklärt werden müssen." Und auf diese Erklärung Medeks warten mit Karel Eapek alle Demokraten in der Republik ohne Unterschied der Nation! Unternehmer sabotieren Arbeitszeit* Verkürzung im Handeltgewerbe Eine Interessante Bede des Gesandten Osusky: Für die Demokratie der organisierten Arbeit Gesandter Dr. Osusky(Paris) wird Anfang Dezember in Preßburg vier Vorträge über die internationale Lage und die Organisierung des Friedens halten. Freitag sprach er in Preßburg über die Wirkungen des Antirevisionismus im Ausland. Seine Rede wurde zu einem wirkungsvollen Appell an die junge siowakische Generation und zu einer interessanten Analyse der angeblichen„Krise der Demokratie". Dr. O s u s k tz führte u. a. aus: „Warum ist Europa krank? Deshalb, weil es der Wahrheit nicht ins Gesicht schauen will. Europa hat den Kampf gegen die Feudalmächte geführt, welche durch die Dynastie verkörpert war. Mit Hilfe des Volkes hat es gesiegt, hauptsächlich aber deshalb, weil es das Volk unter der Fahne der Demokratie in den Kampf führte. AlS aber Europa über die priviligierten organisierten Interessen der Feudalmächte gesiegt hatte, hat es statt die Demokratie zu organisieren, einen neuen Schutz der Interessen «nd Privilegien organisiert. Jetzt büßt Europa dafür, daß es der Demokratie untreu geworden ist, in deren Namen es den Sieg errungen hat. Statt die Demokratie als Lebensäußerung zu organisieren, hat es sie zu einer bloßen Zeremonie erniedrigt, welcher einmal in vier oder sechs Jahren an den Wahlurnen Genüge getan wird. Eine solche Demokratie wollen die Völker Europas nicht. Schon deswegen nicht, weil die Bedürfnisse des modernen Lebens eine solche Demokratie einfach nicht ertragen. Jedes Volk sucht einen Ausweg aus dieser Illusion und aus der Not und ein jedes sucht ihn je nach seinem Charakter. Jedes Volk macht eine solche Politik, für die es die moralischen, geistigen, intellektuellen und materiellen Mittel besitzt. Wen will die siowakische Jugend nachahmen? Wenn sie fremde Vorbilder nachahmen wird, wird sie verlieren. Sie kann nur das gewinnen, wofür sie die geistigen. Moralischen und materiellen Mittel besitzt. Die Staaten Europas greifen nicht deshalb zur Gewalt, weil etwa die Demokratie versagt hat» sondern deshalb, weil Europa die Demokratie nicht organisieren wollte. Sie hat den Schutz«nd die Förderung von Interessen und Privilegien organisiert, anstatt das z« organisieren, was jeder Einzelne besitzen soll: physische«nd geistige Arbeit. Die Demokratie ist weder ein Almosen, noch eine bloße Zeremonie. Sie ist die Brüderschaft der Arbeit. In der Demokratie soll jeder arbeiten, jeder schaffen, jeder soll entlohnt werden und die Möglichkeit haben/ sein Fortkommen zu finden, damit das Leben gefördert werde. Die Demokratie bedeutet Schutz und Unterstützung der Arbeit. Gesandter Dr. Osusky stellte zum Schlüsse seines Vortrages die siowakische Jugend vor eine große Lebensentscheidung: Die siowakische Jugend darf nicht Halt machen auf dem Wege zur Freiheit des Menschen. Sie wird ihn befreien, wenn sie den Schutz und dl'e Förderung der Arbeit organisiere» wird, denn das- ist etwas, was jeder haben soll, das ist Demokratie und diese Demokratie hat noch nie versagt, weil sie noch niemals verwirklicht worden ist. Dr. Osusky wünscht, daß die junge flowaki- sche Generation den Beweis erbringe, daß die Demokratie ein lebensfähiges Gebilde sei, allerdings nicht als Demokratie der orgauisierten Privilegien, sondern als Demokratie der organisierten Arbeit. sm allerbesten!" - sagt Onkel Boby Wenn selbst Onkel Boby so begeistert urteilt, dann sollten auch Sie Onkel Boby’s Rat beherzigen: Nimm Vitellol Der Datumstempel bürgt für unbedingte Frische und dadurch für den allerhöchsten Wohlgeschmack von allen Speisen, die mit Vitello zubereitet sind. Achten Sie ouf die Packung mit dem Vitellowappen Freitag, den 30. November, fand im Ministerium für soziale Fürsorge eine Sitzung des am 12. Oktober eingesetzten engeren Ausschusses, bestehend aus Vertretern der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber, zur Beratung der Frage der Arbeitszeit tge r k ü rzung im H a n del s- g ew e r Zwecke-d«rEiiirechung von Ar beitslosen statt. Schon nach kurzer, dafür aber erregter Wechselrede erklärten die Sprecher von der Arbeitgeberseite— Dr. Anthropius, Dr. Krakora Und Dr. Mayer-Erner—, daß sie sich an den Verhandlungen nicht mehr beteiligen, worauf sie den Sitzungssaal verließen. Den Grund für dieses eigenartige Verhalten behaupteten diese Arbeitgebervertreter darin erblicken zu wollen, daß die Prager Landesbehörde vor einigen Tagen den sogenannten silbernen Sonntag, der übrigens in Prag, sowie in Mähren und Schlesien schon lange nicht mehr besteht, auch für Böhmen- Provinz aufgehoben und die Verkaufszeit am sogenannten goldenen Sonntag neu geregelt hat. Die Herausgabe dieser Verordnung sei eine unloyale Handlung gegenüber der Kaufmannschaft l Die Aufklärung durch den Vorsitzenden Dr. Vo- mäöka, daß eine von der Landesbehörde im eigenen Wirkungskreise erlassene Verordnung mit den Beratungen im Fürsorgeministerium nichts zu tun habe, blieb wirkungslos. Ebenso fanden die Bemühungen der Angestelltenbertretcr, die Frage der i Einführung der g a n z st a a t l i ch e n Sonntagsruhe und e.inheitlichen Geschäftssperre durch di« Verhandlungen im i Ausschuß der einvernehmlichen Regelung entgegen-! zuführen, keine Berücksichtigung bei den Arbeit-! gebervertretern. Interessant war eine Art Hauptschlager, den Herr Dr. Mayer-Exner mit als Grund für das Verlassen der Sitzung vorbrachte.| Das Handelsgremium in Liebenau, einem steinen Orte bei Reichenbcrg, habe kürzlich die Siebenuhr- Ladensperre eingeführt. Die dort bestehende Filiale, des(kommunistischen) Reichenberger Kreiskon-[ sumvereins Vorwärts, welche früher, als die Kaufleute die Geschäfte um 8 Uhr abends geschlos-! sen, immer um 6 Uhr sperrte, lasse jetzt, seit- dem die Kaufleute um 7 Uhr schließen, ihrerseits bis 8 Uhr abends offen. Ausdrücklich muß festgestellt werden, daß die| Arbeitgebervertreter die Verhandlungen über die> Arbeitszeitverkürzung und Einreihung von Arbeitslosen in die Arbeit im Handelsgewerbe, sowie! über die Sonntagsruhe und einheiüiche Regelung' der Ladensperre mit Begründungen abgebrochen j haben, die mit diesen Verhandlungsgegenständen und den Zwecken der Beratungen nichts zu tun haben. Vermutlich bestand bei den Herren von dornherein nicht die ernste Absicht, die Beratungen zu einem einvernehmlichen, fortschrittlichen Ergebnisse gelangen zu lassen. Dabei ist es interessant, daß zahlreiche Kaufleute und Handelsgre- mien selbst bei verschiedenen Anlässen immer wieder betonen, und auch in Beschlüssen aussprechen, für die Sonntagsruhe zu sein, wenn sie im ganzen Staatsgebiete eingeführt wird, ebenso auch für di« gleichmäßige frühere WochentagSladen- sperre. Die Arbeitgebersprecher in obiger Sitzung scheinen also durchaus nicht im Sinne aller jener Al handel«, als deren Vertreter M auftrete». Unsere Forderungen des Genossen Müller an den Gesundheitsminister Aus dem christlichen Ständestaat " Im Bubgetausfchuß verlangte Genösse M üller am Donnerstag beim Kapitel Gesundheitsministerium eine durchgreifende Aktion zugunsten der jüngsten Generation, die in Rot und Elend heranwächst wld von einer Reihe Infektionskrankheiten, wir Scharlach und Diphtherie, schwer in Mitleidenschaft gezogen wird. Mit aller Energie trat er für eine auSgiebige Förderung des auf die Kräfttgung«nd Ertüchtigung der Massen abzielenden wahren Volkssports ein und forderte eine reinliche Scheidung vom Berufssport. Er führte u. a. aus: DaS Gesundheitsministerium müßte die gesundheitliche Fürsorge und.die sozialhygienische Betreuung der hungernden Menschen in diesen Zeiten ganz besonders sich angelegen sein lassen. Die Kinderkrankheiten, insbesondere die epidemischen, haben in der letzten Zeit in erschreckendem Maße zugenommen. Das ist auch nicht zu verwundern, denn Tausende von proletarischen Kindern sind unterernährt und fallen so den Krankheiten viel früher anheim. Die Vorbereitungen für die Bekämpfung größerer Seuchen sind leider ganz ungenügend. Vor allem sind die K r a n k e n h ä u s e r ganz überfüllt; dadurch wird jede Möglichkeit einer planmäßigen Bekämpfung dieser Krankheiten verhindert. Leider fehlt es den Erhaltern der Krankenhäuser, den Gemeinden und Bezirken, infolge der Finanznot an den Mitteln zu ihrer Ausgestaltung. Unsere seit Jahren vorgobrachten Wünsche, dem Pflegepersonal der Krankenhäuser, dessen aufteibende Tätigkeit wir voll anerkennen, eine sozial annehmbare Stellung zu geben, waren leider in den Wind gesprochen. Wir müssen darauf beharren, daß das Ministerium hier endlich Wandel schafft. Wir begrüßen es, daß Heuer zum erstenmal im Voranschlag Summen für die Schulung von Fürsorgerinnen enthalten sind; nur sollte man diese Kurs« auch in deut- s ch e r Sprache abhalten. Eine der wichttgsten Aufgaben des Ministeriums müßte rS sein, die sozialhygienischen Einrichtungen der Selbstverwaltungskörper zu sichern«nd dafür zu sorgen, daß sie infolge der Rot der Gemeinden nicht zugrunde gehen. Wir wollen den guten Willen des Ministers gern anerkennen, aber etwas mehr Energie«nd etwas mehr Schärfe in den Forderungen an den Finanzminister wäre am Platz. Auch von der Körpererziehung, dem zweiten Teil d«S Aufgabenkreises des Ministeriums, hört man nicht viel. Ich meine nicht den Sport, der berufsmäßig betrieben wird und der aus den Sportklubs direkt kaufmännische Unternehmungen macht, sondern den Sport, dem Tausende von hingebungsvollen Mensche« ihre freien Stunden widmen, und jene Korporationen, di« Männer, Frauen und Kinder gesundheitlich zu erziehen suchen. Dieser Sport hat für unseren Staat politisch eine ganz besondere Bedeutung. Wenn bei der Prager Arbeiter-Olympiade 6900 deutsche Arbeiter gemeinsam mit den tschechischen durch die Straßen Prag« marschiert sind, Herz- lich begrüßt von der tschechischen Bevölkerung, so ist das für den Staat gewiß eine größere Tatsache als hüt' DrmLnstratiouen einiger hundert randalierender Studenten! Mit Recht können unsere proletarischen Sportorganisationen staatliche Förderung verlangen, da sie für di« Volksgesundheit und damit für den ganzen Staat eine gewaltige Bedeutung haben. Was aber im Voranschlag für die Förderung von Sport und Leibesübungen eingesetzt ist, bedeutet ü b e r» hauptnichts. Man redet sehr viel von Wehrhaftigkeit. Man gebe nur den Sportvereinen die nötige staatliche Unterstützung und die Wehrhaftigkeit in geistiger und körperlicher Erziehung wird so gehoben werden, daß auch auf diesem Gebiet der Staat gewaltige Werte gewinnt! Mit der„ch r i st l i ch e n" Erziehung der Jugend, die Herr Z a j» c e t hier gefordert hat, sind wir nicht einverstanden. Das sollen die Ettern, wenn sie wollen, auf eigene Kosten besorgen. Wenn die christliche Erziehung in jenem Sittlich- Paula Walllsth: Ein Held stirbt Laban. Kampf und Tod daa Koloman Wef/iscfi ▼ Erscheint noch vor Weihnachten. Vorbestellungen auf die wohlfeile Organisationeausgabe bei den zuständigen Parteistellen keitsbegriff und in jener Nächstenliebe gipfelt, die wir vor einiger Zeit in W i e n gesehen haben, dann danken wir dafür bestens! Nach unserer Meinüng soll jeder Mensch, sobald er vernünftig geworden ist und Lebenserfahrung hat, sein Seelenheil und den Weg dazu s e l b st suchen. Uns ist die Erziehung der Kinder in gesundheitlicher Hinsicht viel wichtiger und auch für den Staat und di« Allgemeinheit ist sie gewiß viel-nutzbringender!' Die Sportverbände, die sich um die körperliche Erziehimg der Kinder kümmern, werden aber nicht nur nicht gefördert, sondern noch schikaniert und behinderst. Die Schulbürokratte nimmt Erlässe, die schon längst überholt sind, zur Hand, um das Kinderturnen unserer Arbeiterturnvereine zu hindern. Unter den Lehrern werden direkt« Femegerichte gebildet, wenn sie herausbekommen, daß Kinder beim Arbeiterturnverein find. Redner wendet sich dagegen, daß man den Turnvereinen außer der Umsatzsteuer auch noch die Lustbarkeitssteucr, das Gebührenäquivalent und Gebühren von Amtshandlungen vorschreibt, und das auch bei den sogenannten Serienspielen, bet *■ teil sich die Arbeiterjungens und Mädels allsonn- käglich auf den Sportplätzen herumtummeln. Sogar die Polizeiassistenz muß eigens bezahlt werden, die bei anderen Sportübungen gewiß viel notwendiger wäre als bei unseren. Man müßte überhaupt klar««terschriden zwischen dem Sport aus Beruf»nd jenem Sport, der unseren Menschen dir Möglichkeit gibt, sich körperlich z« bilden..Hier muß endlich einmal Remedur i geschaffen werden!(B e i f a I l.) . In Wien hat eine Konferenz der österrei- chischen Bischöfe getagt, die sich mit sozialen Frager» beschäftigte. Sie beschloß, demnächst einen gemeinsamen Hirtenbrief zu erlassen,„dessen Grundlage die ans den Kreise»» des Klerus und der christliche»» Arbeiterschaft eingelangten Beschwerden über die Mißstände und d a S u n soziale Verhalten von Arbeitgeber»» bilden werde". Nachdrn. also die Kirche und der Klerus in scharnloser Weise dazu veige- tragen habe»», den Ständestaat, will sagen die Diktat« rderUnternehm er, einzusetzen»nd die Rechte der Arbrtter zu vernichten, helfen sie ihnen mit einem— Hirtenbrief! Immerhin ist interessant» daß die Bifchöft z« g e b e n müssen, daß die Unternehmer sich unsozial verhalten./ Leider sagen sie nicht, daß erst die Aufrichtung der Heimwehrdittatur unter Jnnitzers Patronanz den Unternehmern die Macht gegeben hat, ihre unsozialen Auffassungen in die Tat umznsetzen. Am interessantesten aber ist die Ueberprü- fung des praktischen Verhaltens der Kirche, die doch heute in Oesterreich der tatsächliche Inhaber der Staatsgewalt ist. Was tut sie denn, um den Uebelständen abzuhelfen und die Unternehmer zu erziehen- In diesem Zusammenhang ist eine Meldung gleichen Datums zu beachten, die besagt, daß im Bundesgesetzesblatt eine Novelle zu den Steuergesetzen veröffentlicht ist, in tyr die H e r a b- setzung der Tantiemen st euer— also einer der wenigen wirklichen Besitz steuern von 40 auf 15 Prozent durchgeführt erscheint. Bor wenigen Tagen wurde geineldrt, daß dir Steuer auf Theaterkarten, die man abgeschafft hatte(eine der verschrieenen Breitner- Steuer!) ab 1. Jänner wieder eingeführt wird. Allerdings mit einer kleinen Abweichung gegen früher. Die Theaterabgabe Breitners war sozial stark gestaftelt, nunmehr wird jeder Käufer einer Theaterkarte eine Steuerkarte mitkaufen müssen. Bon einer Staffelung verlautet nichts. Anscheinend wird der Logenbesucher nicht mehr Steuer zahlen als der Galeriegast, Wie die Wiener Abendblätter mitteilen, haben zahlreiche Mieter und Gewerbetreibende im Wiener Arseiml, von welchem mehrere Objekte seit dem Umsturz vermietet, bzw. verpachtet wurden, die gerichtliche Kündigung erhalten oder werden sie in den nächsten Tagen er-' hatten. Durch diese Maßnahme wurden bisher 70 Mieter und 14 größere Gewerbetriebe betroffen. Die Lcitu»»g des Arsenals— das Landesverteidi- gnngsministerium— macht bei diesen Kündigungen von dem Kündigungsrecht des Eigenbedarfes Gebrauch. Ein fteiwerdendes Objekt wird in eine Kaserne umgewandelt werden, aber auch die übrigen Gebäude werden für m i l i-, tärilch« Zwecks verwendet werde», Seite 4 Samstag, 1. Dezember 1934 Nr. 282 Was darf nicht gepfändet werden? Zur Vermeidung der sich in letzter Zeit mehrenden Differenzen bei der Durchführung von gerichtlichen und Steuerexekutionen hat das Finanzministerium in einem besonderen Erlaß alle jene Gegenstände zusammengestellt, die von diesen Exekutionen ausgenommen sind. Es sind dies: 1. Kleider, Bettfedern, Wäsche, Haushalt- und Küchengeräte, insbesondere Oefen und Herde, sofern diese Gegenstände vom Schuldner und seinen Familienangehörigen sowie von dem mit ihm im gemeinsamen Haushalt lebenden Gesinde gebraucht werden. 2. Lebensmittel und Heizmaterial für den 14- tägigen Gebrauch des Schuldners, seiner Familienangehörigen und des mit ihm gemeinsam lebenden Gesindes. 3. Eine Milchkuh oder— nach Wahl des Schuldners— zwei Ziegen oder drei Schafe mit Futter- und Strohvorräten bis zur nächsten Ernte. 4. Unterstützungen in Naturalien, die dem in Rot befindlichen Schuldner aus öffentlichen oder privaten Mitteln gewährt wurden. 5. Bei Beamten, Geistlichen, Lehrern, Advokaten, Notaren, Aerzten und Künstlern sowie bei anderen Personen, die einen geistigen Beruf ausüben oder sich für ihn vorbereiten, sind alle jene Gegenstände von'der Exekution ausgeschlossen, derer sie für die Ausübung ihres Berufes oder für die Vorbereitung dazu benötigen, sowie ein guter Anzug. 6. Bei Handwerkern und Kleingewerbetreibenden, Hand- und Fabrikarbeitern sowie anderen eine manuelle Arbeit versehenden Personen und bei Geburtshelferinnen jene Gegenstände, die sie zur Ausübung ihrer weiteren manuellen Arbeit bedürfen und zur Arbeit benötigte Rohstoffe bis zu 800 Kc nach Wahl des Schuldners. 7. Bei Personen, deren Gehalt gang oder teil- weise von der Exekution ausgenommen wurde, jener Teil des vorgefundenen Bargeldes, welcher den Bezügen gleichkomurt, die dem Schuldner vom Zeitpunkt der Pfändung bis zur nächsten Gehaltsauszahlung als exekutionsfrei gebühren. 8. Unterstützungen aus privaten oder öffentlichen Mitteln in Bargeld. 9. Schul- und Gebetbücher. 10. Eheringe, Familiendokumente und Familienporträts ohne Rahmen, Orden und Ehrenzeichen. 11. Künstliche Gebisse, Augengläser und ähnliche Behelfe, sofern esi dem Bedarf des Schuldners oder seiner Familienangehörigen dienen. 12. Arzneien und sonstige Heilmittel. 13. Gegenstände, die den integrierenden Bestandteil von Immobilien darstellen und für die Betriebsführung eines landwirtschaftlichen Immobilienbesitzers unerläßlich find. Diese Zubehöre können nur gemeinsam mit dem Jmmobilienbesitz selbst gepfändet Werden. »ei' Austrofasdsmus gegen die Lehrer Moderne PSdasogen kann Schmilz nicht gebrauchen Nach den Feberereignissen wurden in Wien über 200, das ist mehr als die Hälfte der WienerSchulleiter ohne jede Untersuchung enthoben und darauf pensioniert, die meisten bei nicht vollendeter Dienstzeit. Dies war ein politischer Racheakt und diente zur Unterbringung klerikaler Protektionskinder. Im November erhielten gegen 200 verheiratete Lehrerinnen die Verständigung, daß sie mit Ende des Jahres abgebaut werden, angeblich damit Junglehrer angestellt werden können. Nun geschah aber das Ungeheuerliche: 33 Hilfslehrer, die erst seit einem Jahre im Dienste sind, erhielten mit 1. Dezember die Kündigung, so daß sie mit Ende des Jahres postenlos dastehen. Gegen diese jungen Lehrer und Lehrerinnen liegt nicht das geringste vor und die Schulinspektoren bestätigen dies ausdrücklich. Sie haben sich vollständig dem neuen Schulsystem unterworfen, keinerlei politische Tätigkeit entwickelt, find sogar alle Mitglieder der„Vaterländischen Front", viele gleichzeitig Mitglieder der„Deutschchristlichen Lehrerorganisation". Einige sind verheiratet, da ja viele davon zirka 80 Jahre alt sind. Sie werden in dem christlichen Oesterreich heuer sehr traurige Weihnachten haben und dabei besteht für sie keine Aussicht, in einem anderen Berufe unterzukommen. Und warum dies alles? Was haben diese armen Opfer der christlichen Gewaltherrschaft verbrochen?—Sie wurden in dem von Glöckel errichteten Pädagogischen Institute herangebildet, sind also durchaus im neuen Geiste vorgebildet. Sie wurden auch noch von Glöckel in den Schuldienst gestellt, das ist ihr einziger Fehler. Und wer wirft sie hinaus ins Elend und gerade vor Weihnachten? Es ist der christliche Bürgermeister Schmitz, der täglich die Messe hört, häufig die Kommunion empfängt und seine täglichen Gebete nicht vergißt. Es geht das Gerücht, daß weitere 50 Junglehrer noch von demselben Schicksal ereilt werden sollen. Dafür stellt man die nationalsozialistischen Lehrer, die man pensioniert hatte, wieder indenDte nst. Es ergeht an alle Lehrerverbände der Welt, wie an alle demokratisch gesinnten Menschen der Ruf, gegen diese grausame Tat zu protestieren und durch Spenden die unglücklichen Opfer der österreichischen Gewaltpolitik zu unterstützen. TagcsncuigKcitcn Ein neues Opfer des wilden Bergbaues Wiederum hat der von den Arbeitslosen betriebene sogenannte wilde Bergbau ein Opfer gefordert. Am Donnerstag, dem 29. November, wurden die beiden Arbeitslosen Alfred Tau und Johann Baier von plötzlich hereinbrechenden Erbmassen in einem Schachtloch beiOberleutens- dorf verschüttet. Während es gelang, Baier noch zu retten, fand T a« den Tod. Der Unfall ereignete sich kaum zwei Meter von dem Orte entfernt, wo im Borjahr« der ebenfalls arbeitslose Hejzl verschüttet wurde und nur noch als Leiche geborgen werden konnte. Goldene Jugend Hodäk junior amüsiert sich. „Närodni Lisch", das Blatt des Herrn Hodäk, meldeten Donnerstag mit Empörung, welcher Rücksichtslosigkeit manche Autofahrer fähig sind. Das Blatt der großindüstriellen Fascisten berief sich dabei auf einen Bericht der,Prager Polizei-Korrespondenz, welcher im Wesen besagte: Mittwoch gegen Mttternacht fuhr daS Per- sonenenauto P—99 mit offenem Auspuff durch die Mpslikova. Der Lenker beachtete die Aufforderung eineS Wachmannes, stehenzubleiben, überhaupt nicht, sondern fuhr weiter zum Restanrant Manes und von dort in der Richtung znr Jiräsek- Brücke, wobei er ungefähr 80 Meter weit auf dem Trottoier fuhr und Passanten am Leben bedrohte. AlS bei der Jiräsek-Vrücke ein Wachmann den Wagen aufhalten wollte, fuhr der Chauffeur mit solcher Schnelligkeit direkt auf de« Beamten zu, daß dieser sich erst i« letzten Augenblick rette« konnte. Die„Närodni Listy" haben sich mit dieser Meldung bös in die Nesseln gesetzt. Wie später festgestellt wurde, ist der Wagen P—99 Eigentum des Sohnes des Herrn Abgeordneten Hodäk, des Chefs der Rattonaldemokraten und vereinigten Fascisten und somit der„Närodni Listy". Daraufhin erschien im Abendblatt der „N. L." eine neue Meldung, in welcher es ungefähr hieß: „Der Eigentümer des Autos saß an jenem Abend in der Restauration Manes, wo einer seiner Freunde«inen Festabend veranstaltete. Eia Unbekannter mochte sich eine« Scherz und fuhr mit seinem Aut» spazieren." Leider vergaßen die«N. L." mitzuteilen, wieso dieser Unbekannte das Auto dann vor der Wohnung des Herrn Hodäk stehen gelassen hatte. Auch sonst durste manches nicht stimmen. In der Prager Oeffentlichkett hat aber das Abenteuer des Fascistensöhnchens— der junge Hodäk ist nach glaubwürdigen Quellen mit 21 Jahren Besitzer eines Einkommens von 10.000 KL monatlich— und der Hereinfall der„Närodni Lisch" größtes Aufsehen gemacht. Die ganze Geschichte gewinnt einen besonderen Beigeschmack dadurch, daß die Leute von der„nationalen Vereinigung", die zu Hodäks Freundeskreis gehören, ihre Feste ausgerechnet im Mänes abhalten, welchem sie wenige Tage zuvor die Fensterscheiben hatten einschlagen lassen. Die unglücklichen Philippinen Manila. Der mittlere Teil der Philippinen wurde von einem neuen Taifun heimgesucht, der noch hefttger war als der vorhergegangene. Der Wind erreichte eine Geschwindigkeit von 200 Kilometern und verursachte ungeheure Schäden. Die Zahl der O p f e r des Taifuns ist noch nicht bekannt. Radioreportage vom Meeresgründe Moskau. Donnerstag nachmittags um 2 Uhr 15 Minuten wurde zum ersten Male eine Radioreportage vom Meeresgründe gesendet. S e b a- st o p o l e r Taucher haben vom Meeresgründe aus einige interessante Episoden ihrer Tätigkeit geschildert. Mord««d versuchter Selbstmord Brüx.(Tsch. P.-B.) In Oberleutensdors hat Donnerstag abends der 24jährige Malermeister Ernst Lösch aus Wiese die 18jährige Buchdruckerstochter Elisabeth Fischer erschossen. Nach der Tat richtete er die Waffe gegen sich selbst und brachte sich zwei Schußverletzungen bei, die aber nicht tödlich waren. Er wurde ins Brüxer Krankenhaus gebracht. Die Ursache dieser Bluttat war der Umstand, daß Lösch mit dem Mädchen ein Liebesverhältnis angeknüpft hatte, das jedoch mit Rücksicht auf die Charaktereigenschaften des Lösch von der Fischer im Einverständnis mit ihren Eltern gelöst worden war. Sfinf Jahre im Gismeer Moskau. Der ehemalige Verwalter des Wrangellandes im nördlichen Eismeer, Min' e- j e w und seine Gattin sind nach Moskau zurückgekehrt. Im Wrangelgebiete weilten sie volle fünf Jahre und trugen zur Erforschung dieses Landes, sowie seiner Fauna und Flora viel bei. Sie brachten zahlreiche Vögel, darunter viele wertvolle Exemplare, sowie verschiedene Pflanzen mit, die bisher völlig unbekannt waren. Im Wrangelgebiete erlegten sie während dieser fünf Jahre fast 600 Bären. Miniejew und seine Frau zeichneten auch eine sehr eingehende Karte dieses Landes. Miniejew erklärte, daß sich die Lebensbedingungen der dorttgen Eskimos in den letzten Jahren bedeutend gebessert haben. Erfolgreichere Wildjäger können jetzt jährlich für 1500 bis 2000 Rubel Nahrungsmittel und andere Waren in den Niederlassungen einkaufen. 287 Jahre Kerker Linz.(Tsch. P. B.) Gestern abends hat das Militärgericht in Linz gegen 28 Nationalsozialisten, die an den blutigen Juni-Ereignissen in Lamprechtshausen beteiligt waren, das Urteil verkündet. Insgesamt betragen die Kerkerstrafen 257 Jahre. Die Hauptangeklagten Gregor Gruber, Gottfried Stadtler und Johann Stadtler erhielten je 10 Jahre. Grdbebe« Prag. Am 30. November verzeichnete der Seismograph des Staatsinstitutes für Geophysik einen interessanten Fall von Ueberlagerung dreier seismischer Störungen, und zwar seismischer Unruhe periodischen Charatters, vergleichbar mit der Meeresbrandung, weiters ein Fernbeben ziemlich starker Identität, das bei uns um 3.22 Uhr 20 Sekunden M.E.Z. verzeichnet wurde, und schließlich ein Beben, dessen Epizentrum von Prag, etwa 470 Kilometer entfernt ist, also offenbar in den Ostalpen liegt, das bei uns um 3.59 Uhr 44 Sekunden verzeichnet wurde. Alle drei Erscheinungen ergaben bei der Registtierung eine sehr interessante Kombinatton. * Laibach.(Tsch. P.-B.) Freitag gegen 4 Uhr früh wurde hier ein starkes Erdbeben verspürt, das unter der Bevölkerung große Beunruhigung hervorrief. Die Erdstöße waren so heftig, daß in ven Häusern die Möbel ins Wanken gerieten. Das Erdbeben dürfte 250 Kilometer von Laibach entfernt gewesen sein. Etwas früher wurde ebenfalls ein Erdstoß, doch wesentlich schwächer wahrgenommen, diesmal aber in einer Entfernung von etwa 10.000 Kilometern. Ein Irrt««. In einer Serk„Oesterrei- chische Volksschriften"(Propagandaschristen für das heute in Oesterreich herrschende kleriko-fasci- sttsche System) ist kürzlich eine Sammelbrofchüre unter dem Tstel„Arbeitsfriede" erschienen; darin unter anderem ein Beitrag über„Die Irrlehre des Marxismus" aus der Feder des Herausgebers, Dr. Josef A. T z ö b l, Bundesrat und Generalsekretär des christtichen Landesverbandes der„freien"„geisttgen" Berufsstände Niederösterreichs. Dieser Herr Tzöbl traut sich wirklich zu, auf vier Seiten die ökonomischen Lehren von Karl Marx abtun zu können! Da er aber die deutsche Sprache schlecht beherrscht, klingt sein Aufsatz erfreulicher Weise in die Sätze aus: „Die Verneinung des Marxismus muß endgültig vorbei sein.— Sie war ein Irrtum,'der sich n i e wiederholen darf." Recht, vollkommen recht so! Aber wir wissen, daß eine derartige„Fehlleistung" nicht auf Zufall zu beruhen pflegt. In unserem Fall ist sie wohl aus der in Herrn Tzöbl und Seinesgleichen dunkel ruhenden Erkenntnis zu erklären, daß der Marxismus siegreich bestehen wird, während nach den unterschiedlichen Vaterländlern und Hahnen- schwänzlern schon nach wenigen Jahren kein Hahn mehr krähen wird. Bergarbeitertod. Am Donnerstag abends wurden drei Bergarbeiter eines Tiefbauschachtes in Zwittau, die nach Beendigung der Schicht ihren Arbeitsplatz verlassen wollten, durch E i n- stürz eingeschloffen. Die Rettungsarbeiten wurden sofort ausgenommen. Zwei Bergarbeiter wurden erst Freitag früh als L e i ch e n geborgen. Zu dem dritten Verschütteten ist man vorgedrungen; er lebt, doch konnte stoch nicht festgestellt werden, ob er verletzt ist. Z« Tod« geprügelt. In der slowakischen Gemeinde Bksa bei Velkh Kapusany überfielen Donnerstag abends vier ortsansässige junge Burschen den Landwirtssohn Bartoloniäus Sipos und verletzten ihn durch Knüppelhiebe so schwer, daß der Unglückliche noch im Laufe der Nacht seinen Verletzungen erlag. Die Gendarmerie forschte die Täter bald aus und verhaftete sie. Der Haupttäter Stöpan Fekete aus Besä sprang, als in den frühen Morgenstunden die Gendarmerie zu ihm kam, in einen Brunnen und e r t r a n k, bevor ihm Hilfe zutell werden konnte. „Staatsfeind Rr. 1" verhaftet? Am Donnerstag fuhren überraschend an einer Autobushaltestelle im Bandenviertel von Chicago fünf vollbesetzte Kraftwagen mtt Geheimpolizisten vor, die sich auf einen Mann und eine Frau stürzten, die an der Haltestelle warteten. Der Mann leistete anscheinend Widerstand, er wurde jedoch überwältigt. Die Polizei glaubt, daß der Verhaftet« der neueste„Staatsfeind Nr.°1" John Hamilton, Wohl das letzte Mitglied der Dillinger- Bande, ist, das noch nicht unschädlich gemacht worden ist. Seine Begleiterin soll die Nichte des am Mittwoch erschossenen Verbrechers Nelson sein. Tödlicher Absturz. Freitag nachmittag unternahm die bekannte französische Rekordfliegerin H. B o u ch e r einen Versuchsflug unweit von Paris. Sie stürzte ab und fand den Tod. Der Retter der KarlsuniverfitLt Pros Dr Drachovsky teilt mit, daß nach der Rektors-Installation am 5. Dezember kein Umzug der Studenten durch Prag stattfinden wird. Botschafter Metternich gestorben. Kn starb Freitag der Botschafter a. D. Wirklicher Geheimer Rat Paul Graf Wolff-Metternich im 81 Lebensjahr Einen großen Teil seiner Laufbahn hatte er schon m London zugebracht als er Ende 1901 dort Nachfolger des Grafen H a tz f e l d t wurde. Er bemühte sich, das damals kühle Verhältnis Englands zu Deutschland zu verbessern, was ihm aber anae- sichts des immer lebhafteren Flottenbaues in Deutsch- land nicht gelingen konnte, obwohl er stets mit-iü-r in Botschasterberichten seltenen Freimüttgkeit in Berlin für eine Flottenverständigung mtt England einttat. In einem seiner letzten Berichte schriÄ er- „Ich kann meine Ueberzeugung selbst nicht für die Gunst meines Souveräns verkaufen. Auch ist mir zweifelhaft, ob Seiner Majestät mtt einer glatten und wohlgefälligen Berichterstattung gedient wäre bis wir uns plötzlich in einem Krieg mtt Enalind sähen." Graf Wolff-Metternich wurde in Deutschland heftig angegriffen und mußte 1912 seinen Abschied nehmen. Er wurde durch den früheren Staatssekretär Freiherrn von Marschall ersetzt nach dessen raschem Tode Fürst Lichnowsky folgte, der in Metternichs Futzstapfen trat und ebenfalls für die deutsch-englische Verständigung wittte. Eine Skireise in die Hohe Tatra wird vom Touristenverein„Die Naturfreunde" in der Zeit vom 22. Dezember 1934 bis 1. Jänner 1935 veranstaltet. Standort: Sporthotel„Javorina". Die Reisekosten betragen ab Brünn 480 XL für Mitglieder und 520 XL für Nichtmitglieder; ab Aussig 600 bzw. 640 XL. Im Teilnehmerpreis sind inbegriffen: Bahnfahrt 3. Klaffe Schnellzug bis Tatra-Lomnitz und zurück, Verpflegung, bestehend aus vier Mahlzeiten, beginnend mtt der Ankunft am 23. Dezember im Sporthotel bis 31. Dezember 1934. Ferner Führerspesen, Trinkgeldpauschale und Gepäckbeförderung. Letzter Meldetermin: 14. Dezember. Auskünfte, Anmeldungen und Prospekte durch die Vereinskanzlei Brünn, Masarykhochschule, oder durch die Geschäftsstelle des Touristenvereines„Die Naturfreunde", Aussig, Marttplatz 11, Telephon 3033. Das enropäifche Konzert. Nach einer Versammlung im Garten der philosophischen Fakultät der Budapester Universität versuchten Freitag vormittags die Studenten vor den Gesandtschaften der drei Staaten der Kleinen Entente zu demonstrieren, wurden jedoch von der Polizei daran gehindert, die die Demonstranten zerstreute. Später rotteten sich auf dem Elisabethring etwa 50 Studenten zusammen und begannen zu demonstrieren. Sie wurden auch hier von der Polizei sofort auseinandergetrieben. Sanierungsaktion für die deutschen Theater. Eine Abordnung des Bühnenbundes und des deutschen Theatervereines in Brünn hat am Donnerstag beim Unterrichtsminister Dr. Krkmäk vorgesprochen. Der Minister hat sich Über all« Belange des Theaters überhaupt, wie auch des Brünner Theaters im besonderen informiert gezeigt. Er hat die Abordnungen darüber unterrichtet, welche Schritte er zur Sanierung der Theater eingeleitet hat und gab die Zusicherung, daß er bemüht sein wird, die Mion ehebaldigst zum Abschluß zu bringen. Neuer Labour-Sekretär. Der bisherige stell- verttetende Sekretär der Arbeiterpartei, Mid« d l e t o n, ist als Nachfolger des zurückgetretenen Henderson zum Sekretär der Arbeiterpartei ernannt worden. Wahrscheinliches Wetter Samstag: In Böhmen ruhig, nebelig oder Rebelgewölk, nachts etwas kühler, nur vereinzell heiter. In den mittleren und östlichen Teilen des Staates wechselnd bewölkt bis vorwiegend heiter, Nachtfrost. Abflauen des Nordwestwindes. Wetteraussichten für Sonntag: Ruhig, vielfach nebelig, untertags milde, schwacher Südostwind. Vom Rundfunk ■mpfehlenswertes aus«Ian Programmen« Sonntag Prag: Sender L.: 10.08 Deutsche Nachrichte«. 9.1ö Konzert der Prager Sängervereinigung. 13.45 Sozialinformattonen. 14.45 Deutsche Arbeiters«' düng: Franz Lehnert-Bodenbach: Weihnacht« in dieser Zeit. 17.55 DeutscheSendung: Ueb«^ tragung aus Brünn. 18.55 Deutsche Presse. 20.00 Uebertragung aus dem Smetanasaal: 11. Konzert des Beethoven-Zyklus, tschechische Philharmonie. 22.25 Deutsche Presse. 22.30 Populäre Kompost- ttonen tschechischer Autoren.— Sender St.: 14.80 Deutsche Sendung: Landwirtschaft. 15.00 Tanzmusik.— Brünn: 17.55 Deutsche S en- dun g: Dr. Preibisch: Das.Bauerntum als Brücks zur Bölkerversöhnung. 18.10 Konzertstunde: Mals ler.— Mähr.-Ostrau: 15.45 Leiter« RaLminaa 19.05 Tanzmusik, *t. 282 Samstag, 1. Dezember 1934 Seit« b Schweres Unglück auf der Befnv Bahn Eine Ansicht der auf den Besuv führenden Eisenbahn, auf der ein Motorwagen aus den Gleisen sprang und an einem Mast der elektrischen Stromleitung zerschellte. Aus seinen Trümmer« wurden sieben Tote und neun Schwerverletzte geborgen. Was wird aus Südwestafrika? er klassischen Operette zurückfanden. Wenn man anderswo auch diesen Eindruck erhalten haben sollte, dann wird's wohl rötlich erscheinen, Offenbach doch lieber aus seinem Geiste zu musizieren und zu spielen, als, wenn auch noch so viel Intelligenz und Theatergeschicklichkeit, an ihm herumzuexperimentieren. Es wird sich zeigen, daß gerade Offenbach das nicht notwendig hat. Die solistischen und chorischen Leistungen, vor allem aber die Stabführung durch Hans Georg Schick, der sich neuerdings als geschmackvoller Musiker und tüchtigen Dirigenten erwies, sind fast durchaus* zu loben. Vor allem der Blaubart des Herrn P r e g e r, an dessen schöner, großer, nobel behandelter Stimme man wiederum sich ebenso erfreute wie an seinem ungezwungenen, humorvollen Spiel; dem jungen Sänger ist aber unbedingt einige Schonzeit zu empfehlen— die sich vielleicht auf auswärtige Gastspiele erstrecken könnte—. denn frisch, wie sonst, klang sein Tenor durchaus nicht den ganzen Abend! Die Boulotte der Frau Lord ist, wie nicht anders zu erwarten, temperamentvoll und durchaus anerkennenswert die etlichen großen Töne, über die sie, den Soubrettennachwuchs beschämend, verfügt; nichtsdestoweniger wird man sich doch um den Nachwuchs kümmern müssen. Für den Humor sorgte vor allem Frau Lotte S t e i n, die durch ihre Persönlichkeit jvirkt, auch wenn sie sich hier vor allem auf das Pantomimische beschränken muß; dann Herr D u d e k, der mit seinen Zeitftrophen sehr glücklich aus dem etwas aufgezwungenen MenelauS- Charakter hdraustrat, weiter die Herren P a d l e- fak und Stadler. Fräulein Rahn und di« Herren Guttmann und Göllnitz steuerten singend ein weniges bei; sehr erfreulich. sämtliche „verstoichenen Gemahlinnen", vor allem die Damen Gerland, Eisner und Walden. Das Publikum unterhielt sich ausgezeichnet und applaudierte kräftig. Bei Offenbach, wir wünschten, daß sich das kassamäßig auswirke I Auch wenn Offenbach jedesmal an etlichen Stellen— ohne aber dem Kapellmeister nahetreten zu können— kräftig fluchen dürfte! L. G. Arbeitsgemeinschaft für alte Tonkunst in Prag nennt sich eine neueMusikvereinigung. die sich u. a. auch die Aufgabe gestellt hat, die Schönheiten und den Wert der alten Musik den breitesten Kreisen des Volkes bekannt zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden von der Vereinigung historische Musikabende veranstaltet, die gegen ein möglichst niedriges Eintrittsgeld zugänglich sind, um jeden Musikfreund den Besuch zu ermöglichen. Die ersten derartigen, in die alte Musik einführenden Vortragsabende fanden diese Woche statt und waren der alten Cembalo-Musik gewidmet. Beim zweiten Konzert- und Vortragsabend, den wir besuchten, wurden Kompositionen des alten Meisters G. Fr. Händel, I. S. Bach, F r o b« r g e r, Kunau, Böhm und Philipp Emanuel Bach zu Gehör gebracht. Das Cembalo spielte die Reichenberger Konzertpianistin und E'embalovirtuo- s i n Fr. Maria Heller, eine Künstlerin, die für das Cembalospiel alles mitbringt, was für die richtige Behandlung dieses intimen, alten Konzertinstrumentes erforderlich ist, nämlich feinnervigen Anschlag, klare Technik, plastische Phrasierung und sicheres Stilgefühl. Ganz besonders gerieten ihr die auf spielerische Wirkungen berechneten, klanglich und tondynamisch weniger anspruchsvollen Stücke, die sich ja überhaupt für die intime Art des Cembalo am besten eignen. Den einführenden und aufklärenden Vortrag sprach die Konzertgeberin selbst; es behandelte das Thema„Die bedeutendsten Komponisten der Cembalozeit— Rekonstruktion des Cembalo und seine Wiedererweckung". Leider war der Besuch der Veranstaltung nur kehr schwach, was neuerdings bewies, daß es unserem Publikum nur um Kunstsensationen zu-hin ist.nicht aber um die Kunst selbst, weil diese sie nicht einmal lockt, wenn sie sozusagen umsonst geboten wird. Die Konzertveranstaltung begann um halb 9 Uhr statt um 8 Uhr; eine Rücksichtslosigkeit gegenüber den pünktlich erschienenen Zuhörern. E. I. Wochenspielplan deS Renen deutschen Theaters. Samstag halb 8:Menschen in Weiß, C 2.— Sonntag 11: Kammermusik, halb 8: Nacht vor dem Ultimo, halb 8: C a r m e n, D. 1. — Montag 7: Der Vogelhändle r, Theatergemeinde der Jugend.— Dienstag halb 8: Blaubart. Al.— Mittwoch halb 8: M e n- scheu in Weiß, B 2.— Donnerstag halb 8: Fremdenverkehr, C 2.— Freitag 7: Peer Gynt, D 1, Bankbeamte und freier Verkauf.— Samstag halb 8: Der Enkel des Golem. B 2, Uraufführung.— Sonntag halb 3: Menschen in Weiß, halb 8: DerKreide- kreis, A 1, Erstaufführung. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8%: Hoch Hingt das Lied vom braven Mann. Sonntag 3: ßo* klingt daS Lied vombravenMann, 8:Großreinema-- ch e n.— Montag 8: Hedda Gabler, volkstümliche Vorstellung.—Dienstag 8: Großreinemachen.— Mittwoch 8%: Hoch klingt das Lied vom braven Mann.-— Donnerstag 8: Sensationsproze zum 20. Male^— I Freitag Hoch klingt das Lied vom braven Mann, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Fremdenverkehr.— Sonntag 3?4: Hoch klingt da sLied vombravenMann, 8: Nacht Por dem Ultimo. Ans der Partei Genosse Josef Kord sBilin) 70 Jahre. Am Freitag. den 30. November, ist der in weitesten Kreisen der Partei bekannte und geschätzte Genosse Josef Korb in Bilin 70 Jahre alt geworden. Korb ist einer der verdientesten älteren Genossen des Teplitzer Kreisgebietes. Seit frühester Jugend in der Arbeiterbewegung tätig, hat er schon am 1. Mai 18$0 an der Maifeier in Teplitz teilgenommen. Zu Beginn der neunziger Jahre hat er die politische Bewegung im Teplitzer Gebiete organisiert und mit Josef Seliger, mit dem er befreundet war, zusammengearbeitet. Er hat für die Partei große Opfer gebracht. Schon im Jahre 1890 wurde er gemaßregelt und später, da er keine Arbeit finden konnte, im Konsumverein Teplitz-Schönau angestellt. 1909 begründete er den Konsumverein in Bilin, in dem er viele Jahre verdienstvoll gewirkt hat. Rach dem Weltkriege wurde Genosse Korb Bezirkssekretär in Bilin, welches Amt er bis 1924 bekleidet hat. Auch als Gemeindevertreter und Stadtrat hat Korb energisch für die Interessen der Arbeiterschaft gewirkt. Die Arbeiter des Biliner Bezirkes können auf ihren Korb Seff stolz sein, denn er gehört mit zu den markantesten Gestalten der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung dieses Gebietes. Auch die Genossen außerhalb des Teplitzer Kreisgebietes bringen dem Genossen Korb die herzlichsten Glückwünsche entgegen. vcrelnsnadiriditen ® Ortsgruppe Prag. S onntag, den 2. Dezember, um 8<4 Uhr bei der Endstation der Fünfer-Elektrischen in HlorchLtin: Wanderung in die Jirnaer Wälder. Führt Ka- Puschinsky. OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy B e z ug Sb e di n g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.-j-, ganzjährig KL 192.. stnserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post» und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1980 bewilligt. Druckerei: jDrbiS". Druck-, Verlags» und Zeitungs-A.-G.. Prag.