Nr. 284 Dienstag, 4. Dezember 1934 14. Jahrgang Einzelpreis 70 Hefler (einschließlich 5 HeUer Porto) IE HTRALORGAN__ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Eft SCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA12. TELEFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 5307«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHHM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Vcrsammlungssdiladil In Saaz Gesprengte Siir-Versammlung Brutalitäten der städtischen Polizei/ Verletzte Arbeiter Die Henleinfrontler hatten für Sonntag in das Schützenhaus nach Saaz eine öffentliche Versammlung einberufen, zu deren Besuch sie auf riesigen Plakaten aufriefen. Die Landarbeiterschaft des Saazer Bezirkes wollte sich die Gelegenheit, einen berufenen Henleinvertteter zu hören, nicht entgehen lassen. Unter Führung der Abgeordneten Kaufmann und Müller hatten schon lange vor Beginn der Versammlung die Massen den Eingang zum Schützenhaus blockiert. Nach der Schätzung des RegierungskommiMrs Dr. Hartmann waren 1000 Sozialdemokraten und 430 Henleinfrontler vertreten. Der Saal Ist zu klein, um nur die von unserer Partei gestellten Versammlungsteilnehmer zu fassen. Wenige Minuten nach der Oeffnung des Einganges,' war der große Saal mit allen seinen Nebenräumlichkeiten besetzt. Auf dem Sttegenhause wurden die Arbeiter von der Polizei einer Leibesvisitatton Unterzogen, um das eventuelle„Einschmuggeln Von Waffen" zu verhindern. Eine große Ordner- .gruppe nahm vor der Bühne Aufstellung. Der ganze Anmarsch vollzog sich vollkommen reibungslos. Vie ersten Provokationen leistete sich der Bezirksleiter der Hrnleinfront Karl Bock, seines Zeichens Obsthändler. Als er ganz aufgeregt«nd ohne Atem z« einem Nebeneingang hereingestürzt kam, verlangte er von unseren Funktionären, das- der Saal für die Anhänger der Henleinbewegung frei gemacht werde. Für die Arbeiter sei Platz genug im Rauchzimmer und in den Rebentrakten. Genoffe Kaufmann teilte diese Forderung der Henleinfrontler unseren Arbeitern mit. Ein stürmisches Hohngelächter war die Antwort. Daraufhin verzog sich der Bock«nd rrschierz bald darauf mit einer größeren Anzahl von sogenannten„Ordnern" wieder, die in der Zwischenzeit in den unteren Gastzimmern wahllos die Armbinden ausgefolgt erhielten. Diese Kuüppelgarde der Henleinfront, unter' der sich viele Komotauer befanden, kennen wir schon äus der Zeit, da sie noch die braunen Nazihem-! den anhatten. Nun verlangte Herr Bock, daß die Arbeiter wenigstens den Platz vor der Tribüne zu räumen hätten, damit seine Leute postiert werden können. Auch dieses Verlangen wurde natürlich avgelehnt«nd selbst dem Eingreifen des RegierungskommiMrs gelang es nicht, eine Einigung zustande zu bringen. Die Absichten 6er Henleinfrontler Es ging den getarnten Fascisten darum, ein größeres Kontingent von ihren Leuten vor die Tribüne zu bringen. Da man nach einer Aei'.ßerung des Herrn Zi-ppelius gar nicht daran dachte, mit der Mehrheit der Versammlung über das Präsidium und die Redezeit zu verhandeln, wäre ihnen die Aufgabe zugekommen, bei dem Versuch eines sozialdemokratischen Redners, zu Worte zu kommen, den entsprechenden Klamauk zu machen. Die Polizei greift ein In diesem Augenblick griff die Polizei ein und schob zwischen die Bühne und die sozialdemokratischen Versammlungsteilnehmer eine Kette. Die Erregung über die fortgesetzten Provokatto- nen der Henleinleute wurde immer größer, um so mehr, als ihre Ordner unter dem Schutze der Polizei nunmehr den Versuch unternahmen, unsere.Leute zurückzudrängen. Wieder waren Zusammenstöße, bei denen einige Henleinleute schlecht abschnitten, unvermeidlich, denn unsere Leute wichen keinen Schritt zurück. Ein heiteres Zwischenspiel folgte, als die Redner der Henleinfront mit ihrem bekannten Stab erschienen. Zippelius aus Teplitz-Schönau und der Redner Jng. Peschka wurden von ihren Anhängern mtt lauten Heilrufen empfangen. Die Versammlungsmehrheit antwortete mit Pfui-Rufen, die schließlich in„Hahnengeschrei" übergingen. Unter der Begrüßungsparole„Kikiriki" nahmen die Henleinleute ihre Plätze ein. Die Arbeiter stimmten die„Jnternattonale" an und unter ihren brausenden Klängen gingen die Heil-Rufe der Nazis völlig unter. Versammlung aufgelöst Die Henleinleute versuchten immer wieder vorzudringen, ohne daß die danebenstehende Polizei eingeschritten wäre. Schließlich setzte der Regierungskommissär eine fünfminutige Frist, während welcher die Ordnung hergestellt werden sollte. Als diese Frist nutzlos verstrich, kam es tatsächlich zur Auflösung. Sturmangriff der Polizei Nach der Auflösung begannen die Arbeiter den Saal zu räumen. Für die Massen war ein einziger Ausgang vorhanden, so daß sich der Abmarsch etwas verzögern mußte. Die abmarschierenden Arbeiter wurden von den Henleinfront- sern beschimpft. Es kam zu neuerlichen Zusam- menstößen.,• Was sich jetzt avspkekte,«ar das Werk einiger schier toll gewordener Polizeiwache:' Wie die Wilden stürzten sie über die bereits bis in die Hälfte des Saales zurückgewichenen Arbeiter her, stürzten Tische und Stühle um und begannen in blinder Wut auf die Arbeiter einzuschlagen. Alte Leute, die wegen körperlichen Gebrechen nicht rasch genug weichen konnten, wurden mit den Gummiknütteln über die Köpfe geschlagen, so daß sie ernste Verletzungen davontrugen. Bei diesem brutalen und überflüssigen Angriff auf wehrlose Arbeiter, der, wie heute feststeht, insgesamt 15 Verletzte auf sozialdemokratischer Seite ge- Sonntag sprachen Goering in Rheinhausen und Goebbels in Stettin. Die Reden beider Minister haben großes Aufsehen erregt. Goering betonte die Notwendigkeit der deutschen Rüstungen und verflieg sich zu der Behauptung, daß Deutschland jetzt wieder etwas in der Welt gelte und daß jeder Ausländsdeutsche es„wiederum als große Ehre und großes Glück empfinde, einem wieder respektierten und starkem Volle anzugehören". Dazu kann man nur sagen, daß. Ehre und Glück der Ausländsdeutschen heute wohl vor allem darin liegen, daß sie nicht in dem Reiche leben müssen, in dem Goering herrscht und in dem sie daher keine Sekunde ihres Lebens sicher wären. Weiter sagte Goering, Deutschland habe sich durchgeseht, es könne keine Weltpolitik ohne Deutschland gemacht werden. Als besonders aufschlußreich wird aber der Ausspruch Goerings verstanden, man müsse für einen Erfolg der Winter- hilfe sorgen, damit der N a t i o n a l s o z i a l i s- m us, wenn er den Winter überstehe, den Beweis erbringe, daß der den Kampf gewonnen habe. Goebbels machte eine Anspielung auf ! künftige Ereignisse und sprach über Bestrebungen/ für die noch nicht die Zeit gekommen sei, und fügte hinzu, daß Deutschland den gewagtesten Versuch unternehmen werde, den die Geschichte bishn kennt. Die Regierung, die Geschichte zu machen beabsichtigt, sagte Dr. Goebbels, mutz den Mut habe», große und gewagte Entscheidungen zu treffen. bracht hat, taten sich folgende Polizeiwachleuie besonders hervor: Stelzig, Rohm, König, Ziegler, We- werka, Friedrich und Kaspar. Eine ganz besondere Würdigung verdient jedoch der Oberwachmann Gö- rifch. Bezeichnend für die städtische.Polizei von Saaz«nd ihr Vorgehen ist, daß die Gendarmen sie bei diesem wütenden Angriff zur Vernunft mahnen mußten. Es ist sogar vorgekommen, daß ein Gendarm einen Polizisten am Schlagen hinderte. Die Staatsgewalt benahm sich also den Arbeitern gegenüber viel vernünftiger als die städtische Polizeiwache. Die Arbeiter haben meist Verletzungen am Hinterkopfe, ein Beweis, daß die Polizei auf die schon abmarschierendrn Arbeiter einschlug. Und die Henleinleute? Als der Saal bereits geräumt und nichts als ein wüstes Trümmerfeld übrig geblieben war, standen die Henleinleute immer noch im Saale. Die Polizei hatte sich ja für sie„gerächt". Erst dann wurden diese Leute höflich ersucht, den Saal zu räumen. Von den Gummiknütteln der Polizei hat man dann nichts mehr gesehen. Das war die Sagzor Polizei^ Die eigene Versammlung die unsere Genossen anschließend in der Turnhalle abhielten, war massenhaft besucht. Die Massen standen bis in das Treppenhaus. Die Stimmung gegen die städttsche Knüppelgarde war außerordentlich erregt. Es sprachen die Genossen Kaufmann, Müller und der Kommunist Ehrlich. Den Vorsitz führte Genosse Uhl.. Genosse Kaufmann war dann noch beim Bezirkshauptmann, wo er die Vorfälle zur Sprache brachte und Abhilfe verlangte. An beide Reden knüpfen sich viele Deutungen. Man vermutet, daß Goering auf k o m- men de'ernste Krisen des Regimes Hinweisen wollte und daß auch Goebbels diese Krisen im Sinne habe. Auch in Berlin ftagt man sich, welche Probleme Goebbels im Sinn hatte. In den Reihen der extremen Nationalsozialisten sind ost Prophezeiungen eines„ausländischen Abenteuers" nach dem Saarplebiszit zu hören, das ermöglichen soll, daß sich die Begeisterung der Nationalsozialisten austöbe. An amtlichen Berliner Stellen werden derartige Gerüchte von einem ausländischen Abenteuer natürlich „kategorisch zurückgewiesen". Wenn man die vielbesprochenen Reden nüchtern liest, ergibt sich, daß beide auch eine h a r m- lose Deutung zulasten. Goering wollte vielleicht, indem er die Ueberwindung des Winters als einen großen Sieg hinstellte, einen billigen Erfolg vorwegnehmen. Goebbels hat oft große Worte gemacht, ohne sich viel dabei zu denken. Andererseits ist es denkbar, daß beide, Goering und Goebbels, auf den seit langem angekündigten neuen 80. Juni Hinweisen Worten, der zur Erledigung von Rosenberg, Darrs, Streicher und Ley führen soll. Weniger wahr- scheinlich ist, daß die Herren tatsächlich dem Ausland drohen wollten. Rosenberg fordert in einem Artikel neuerlich die Verwirklichung des nationalen Sozialismus. Auch das würde darauf hindeuten, daß sich die Gegensätze im Nationalsozialismus neuerlich zuspitze«. rar rrclhcM und Brot Der politische Sonntan Das innerpolitische Ringen zwischen den demokratisch-sozialistischen und den fascistifchen Kräften ist in vollem Gange. Der vergangene Sonntag hat wieder einige Kraftproben geliefert. Die Versammlungsschlacht in Saaz und die Ge- meindewahl in der Duxer Jndustriegemeinde Kkemusch haben die unerschütterliche Widerstandskraft der deutschen Arbeiterschaft gegen den Henleinfascismus wieder unter Beweis gestellt. Was lehrt Saaz? In dieser Hauptstadt eines überwiegenden Agrarbezirkes bildete die sozialistische Arbeiterschaft in einer Versammlung der Heimatfront die überwältigende Mehr- heit. Nach demokratischen Regeln hätte ihr das Präsidium der Versammlung gebührt. Die Sozialdemokraten waren entschlossen, die Auseinandersetzung mit den Saazer Anhängern Heu- leins in gesitteten demokratischen Formen zu führen. Deshalb waren zwei ihrer Parlamentarier als Gegenredner zur Stelle. Die Arbeiter wußten aber, daß die Redefreiheit nur dann verbürgt sei, wenn aus der Versammlung selbst ein Prä- sidium gewählt wird. Sie verlangten mit vollem Recht, daß in dieser Form der ruhige Verlauf der Versammlung gesichert werde. Die Macher der Heimatfront verweigerten auch in Saaz die pri- mstivsten Erfordernisse der Versammlungsdemo- kratie, wie überall, wo sie einer Peinlichen Diskussion cmsweichen wollen. Diese ihre Weigerung trägt an den Zusammenstößen die Hauptschuld. Alles andere fällt auf das Schuldkonto der Saazer Stadtpolizei. Sie hatsich einfach schändlich benommen. Ihr Kommando hat versagt. Ohne ein Kommando des Vorgesetzten hat sich ein Teil der Polizisten einen Raufexzeß geleistet, der vor das Strafgericht gehört. Man fühll sich beim Durchlesen des Berichtes wieder in die Vor- kriegszest versetzt, wo die deutschnationalen Gemeindepolizisten ungestraft in die von den Völkischen provozierten Arbefter hineinprügeln konnten. Die Schuldigen werden zur Kenntnis nehmen müssen, daß wir nicht mehr im Jahre 1908 leben. Wir lassen uns nicht gefallen, daß Leute, die jahrelang den kommunalpolitischen Einfluß der Sozialdemokratie zur Verbesserung ihrer Anstellüngsverhäftnisse auszunützen wuß- ten, nun ihre Uniform zur Anwendung haken- kreuzlerischer Prügelmethoden mißbrauchen. Die reaktionäre Parteilichkeft der Saazer Polizei ist erwiesen. Sie hat Wohl sozialdemokratische Versammlungsbesucher nach Waffen durchsucht, nicht aber die Henlein-Fascisten, die vor nicht allzulanger Zeit noch im braunen Hemd herumgelaufen sind. Sie hat die Arbeüer aus dem Saal geprügelt, während die Stoßtrupps der Heimatfront ungeschoren im Saal bleiben und schadenfroh dieses Schauspiel genießen konnten. Ein solcher Mißbrauch der Amtsgewalt ist noch nirgends vorgekommen, wo der Sicherheitsdienst durch staatliche Organe versehen worden ist. W ir erwarte»zunächst vonderStadt Saaz, daß sie inihrem autonomen Wirkungskreis gründlich Remedur schafft. Wir werden unter kei- nen Umständen die Gemeindepolizei zu einem Instrument der hakenkreuzlerischen Prügel- Methoden mißbrauchen lassen.. Die Gemeindewahlen, die am Sonntag in Kkemusch und in nordböhmjschen Gemeinden durchgeführt wurden, zeigen die granitene Festigkeit der sozialdemokrati- schen Positionen. Niemand möge sich einbilden, daß jemals ohne und gegen die Sozialdemokratie sudetendeutsche Politik gemacht werden kann, solange die Deutschen m diesem Staate überhaupt etwas mitzureden haben. Im Kampfe der Ideen wird die deutsche Arbeiterbewegung stets ehrenvoll bestehen. Wenn wir nach einem halben Jahrzehnt fürchterlicher Krisennot in den notbedrängtesten Jndustriegemeinden auch die Rätselraten um deutsche Ministerreden Goering; Wenn der Nationalsozialismus... den Winter Überdauert Goebbels: Deutschland wird den gewagtesten Versuch unternehmen... «wies Dienstag, 4. Dezember 1934 «r. BSV arbeitslosen Wähler bis auf geringfügige Absplitterungen zur Stange halten können, dann ist daS der beste Beweis, daß unsere verantwortungsvolle PolitikdieBilli- guug aller denkenden Arbeiter findet. Die kommunistischen Niederlagen be- kräftige» nur den politischen und moralischen Bankrott dieser Partei, die ihr Leben von demagogischem Oppofitionsgeschrei fristet. Die So- zialdemokratie hat im ganzen Lande ihre Anhänger gegen das fascistische Gift immunisiert, die Kommunisten aber treiben ihre Anhänger mit immer größerem Erfolge in die Reihen des reaktionären Bürgertums—. Damit ist der Weg aufgezeigt, den unsere arbeitenden Menschen auch weiterhin im Kampfe um Freiheit und Brot zu gehen haben: d er Weg der Einigung unter dem Banner der Sozial, demokratie, die zur unbestrittenen Führerin des demokratisch-sozialistischen Kampfes gegen den sudetendeutschen FasciSmuS geworden ist. Rechts und links Aus der tschechischen Presse Kramtf lobt den Fascismus Wie weit der Verfall des einst demokratischen Politikers Dr. Karel K r a m ä k geht, der im Jahre 1907 einer der Vorkämpfer des allgemeinen gleichen Wahlrechtes gewesen ist, zeigt nachstehende Lobhudelei auf den FasciSmuS im Leitartikel, den Kramäk für die„Närodnk Listy" vom Sonntag, den 2. Dezember geschrieben hat: Nur der absichtlich« oder unabsichtliche Ignorant kann übersehen, was am Fascismus Großes ist, nämlich seine Grundlage: Voll und Staai über alles! Mussolini hat sicherlich geradezu ein Wunder mit der italienischen Nation vollbracht, da es ihm gelungen ist, aus dem italienischen Dolle für den Kriegsfall eine militärische Nation zu machen! Und Polen! Der Marschall Pilsudski ist sicher weder der Freund Frankreichs noch der unsere. Mer was er der Sozialist aus Polen, dessen Verfassung nur die konstitutionelle Verdeckung des Fascismus ist, gemacht hat. ist ohne Zweifel bewundernswert. Er ist nicht dem BriandiSmuS unterlegen, sondern hat in einer gefährlichen Situation Polens nur an eines geglaubt: an die militärische Kraft der Nation. Sie hat beim M- schluß de» zehnjährigen Pakte» mit Deutschland entschieden, wobei vielleicht nur die Frage ist, wer den andern im Rüsten und in der Wehrhaftigkeit der Nation übertrifft. Sie hat auch entschieden in seinem Verhalten uns gegenüber, aus dem daS Selbstbewußtsein des Soldaten spricht, der dem Zauber der Demokratie nicht geglaubt hat. Und erinnern wir uns noch an da» bewaffnete Deutschland und Magyarien und an den leidenschaftlichen Nationalismus beider Rationen... Wie man sieht, hat Kramär Bewunderung für alle Staaten übrig, welche der Tschechoslowakei nicht gemde auf» freundschaftliche gegenüberstehen. Trotzdem wird sich Kramäl weiter für den besten tschechoslowakischen Patrioten halten. Medek schimpft weiter In derselben Nummer der„Närodnk Listy" meldet sich der Schriftsteller und General Medek noch einmal zum Worte. Er entschuldigt sich, zunächst, indem er schreibt, daß nicht derGeneral Medek, sondern der Schrift steiler Medek auf die Kundgebung der tschechoslowakischen Schriftstellergemeinde geantlvortet habe und behauptet, die Bemerkung von den KonzentrationS» lagern wäre„ironisch und scherzhaft", gewesen. Im übrigen glaubt Medek, die Angriffe auf ihn dadurch abtun zu können, indem er behauptet, die Hälfte der Unterzeichner deS Aufrufe» der Gchrist- stellergemeinde seien Kommunisten gewesen. Medek versteigt sich schließlich soweü, zu sagen, die Kundgebung der Schriftsteller sei„analphabetisch"(ne- gramotnh) gewesen und wenn eine gewisse Schichte von Leuten die Generalsstellung Mcdeks zusammenwerfe mit seinen literarischen Arbeiten, dann habe es Medek, wie er sagt, nicht mit„der Demokratie, sondern mit einer pseudodemokratischen und denunziatorischen Bande" zu tun. Medek wird sich keine Freunde schaffen, wenn er sachliche Argumente durch Schimpfworte, die eines Schriftstellers und intelligenten Menschen unwürdig sind, erseht. Karel Capek Ober Studenten* krawalle und nationale Frage In den„Lidove Roviny" von Sonntag schreibt der Führer der Schriftstellergemeinde Karel Capek über die Parolen, unter denen die Studenten marschiert sind. Eine dieser Parolen war der Ruf: Hinaus mit den Deutschen aus der Regierung. Dazu bemerkt der Schriftsteller, indem er sich an die Studenten wendet: Ihr wißt vielleicht etwas aus der jüngsten politischen Geschichte. Ihr wißt, daß die Teilnahme der Deutschen an der Regierung al» Gleiche unter Gleichen das Programm Svehlas war. Ihr wißt, daß die Deutschen zur Zeit eines Rechtsregimes in die Regierung eingetreten sind. Fraget den ehemaligen Minister Iloväk, ob er damals aus der Regierung ausgetreten ist mit dem Rufe: Hinaus mit den Deutsche« au» der Regierung. Und wenn Ihr schon fraget, dann auch den Herrn Generalsekretär Hodaä, ob er in den Jnduftriellenverband mit dem Rufe gehe: Hinau» mit den Deutschen! Fraget ihn, ob er mit diesem Rufe-den deutschen Vizepräsidenten deS Jndustriellenverbande» begrüßt. Und" solcher Fragen waren noch mehrere. Und dann erwäget, was da» bedeutet: Die Deutschen aus der Regierung. Wollt Ihr wirklich unsere Deutschen um jeden Preis in die nationale Opposition treiben? Wollt Ihr sie überzeugen, daß ihr einzig berechtigter Standpunkt der antitschechische und antistaatliche wäre? Wollt Ihr ihnen offenbaren, daß ihre natürliche Stelle nicht in unserem Staate ist, sondern— jenseits der Grenze? Dafür könnten Euch die deutschen Nazi nur danken. Wie Ihr wißt, herrscht heuer«ine starke Nachfrage nach Explosivstoffen, erwäget, daß Ihr tschechische Studenten gratis und franko nationale Lunten der Hitlerjugend in Wien, Berlin, Heidelberg, Köln usw. liefert. Der Mord an Kirow Ein entlassener Sowjetangestellter der Täter Stalin in Leningrad Mo»ka«. Das Volkskommissariat deS Innern teilt mit, daß in dem Mörder deS Generalsekretär» Kirow der ehemalige Angestellte der Leningrader Filiale der Arbeiter-«nd Banerninspektion, der im Jahre 1904 geborene Leonid Wassiljewitsch Nikolajew, festgestellt wnrde. Er hat bereits gestanden, Kirow getötet zu haben, die Gründ« für seine Tat will er jedoch nicht angrben. Er erklärte nur, daß er nach seiner Entlassung auS dem Sowjetstaatsdienst ungerecht behandelt worden sei. Großes politisches Aufsehen erregt die Reise Stalins nach Leningrad. Stalin ist in Begleitung des Kriegskommiflärs Woroschilow und hoher Beamter des Jnnenkommissariates