1 Mittwoch, 5. Dezember 1934 14. Jahrgang Einzelpreis 70 HfUtr (•imchlteMch 5 Heiter MH 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii.,fochova a. telefon sm77. Administration telefon 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. SA-Führer Ernst Die Stimme aus dem Grabe gesteht die Reichitagibrandttiftung Die Verwaltung. j Van der Lübbe wurde engagiert, um die Spur auf die Kommunisten zu lenken Wieder eine Säule der NSDAP geborsten I Genf weicht der Entscheidung aus außer, daß sie eines gewaltsamen Todes stürben. Das ist vier Wochen später eingetreten. Nun kommt, zu guter Stunde, da Goering und Hitler eben wieder die Welt ihrer Friedfertigkeit, Biederkeit und Unschuld versichern, die Wahrheit ans Licht. Aus Berlin wird dem Tsch. P.-B. gemeldet: Die sensationelle Maßregelung des Oberpräsidenten von Schlesien und Gauleiters Hellmuth Brückner ist ein Blitzstrahl aus heilere m H i m m e l. An amtlichen Stellen ist über Am 27. Feber 1833, sechs Tage vor der Reichstagswahl brannte der deutsche Reichstag. Zweierlei wurde damit bewirkt: die Regierung Hitler-Goering-Hugenberg hatte nun eine Handhabe zu stärkstem Terror gegen die Opposition. Sie setzte sofort mit diesem Terror ein und nahul der Opposition jede Möglichkeit, in den ent- ' scheidenden fünf Tagen noch in den Wahlkampf einzugreifen, ja auch nur sich zu wehren. Zugleich entstand eine Massenpanik, denn ohne daß man im Inland widersprechen durste, konnte die offizielle Propaganda behaupten, Kommunisten und Marxisten hätten den Reichstag angezündet. Eine Reihe verdächtiger Umstände machten jedem objektiven Bettachter vom ersten Augen- blick an die Tatsache deutlich, daß der Brand nicht von den Kommunisten und nicht von dem verhafteten Holländer van der Lubde gelegt worden sein konnte. Die Linke«nd daö Ausland bezeichneten die Nazi als die Täter.- Im Herbst 1933 findet der große Reichstagsbrand-Prozeß statt. Am Vorabend des Prozesses erscheint das Braunbuch, in dem der Versuch unternommen wird, auf Grund von Zeugenaussagen, Indizien und Wahrscheinlichkettsbe- weisen die Anklage gegen Torgler und die Bulgaren zu widerlegen und die Nazi der Brandstiftung zu überführen. Das Gewissen der Welt wird wach. Die deutsche Justiz ist blohgestellt. Bänder L u b b e macht den Eindruck eines Irren oder eines— Vergifteten. Jeder Tag kann furchtbare Ueberraschungen für die Inszenatoren bringen. Goering verliert als Zeuge die Nerven und hat im Gerichtssaal einen Tobsuchtsanfall. Man wagt nicht, die völlig Unschuldigen dem Henker auszuliefern. Torgler und die Bulgaren werden freigefprochen. Nur der irre van der Lubbe wird zum Tode verurteilt und enthauptet. Die Gerüchte über die Brandstiftm»- durch die Nazi wollen nicht erlöschen. Immer wieder verdichten fie sich, immer wieder tauche« neue Zengen auf. Die Freunde der Wahrheit geben die Hoffnnng nicht auf, daß eines Tages einer der Täter spreche« werde. Da läßt Goering am 30. Juni 1934 mit Hunderten anderen Gegner« der kapitalistisch-reak- ttonären Naziführung auch alle Männer ermorden» die vermutlich an der Brandstiftung beteiligt waren. Die Hoffnung scheint begraben, daß ei« Tatzeuge sprechen werde. Da tritt im Spätsommer 1934 der Stockholmer Rechtsanwalt SenatorGeorgBran- t i n g mit, daß wichtige Dokumente in seine Hände gelangt seien, Dokumente aus dem Besitz des ermordeten SA-Führers E r n st, Dokumente, in denen einer, der dabei war und mittat, die Brandstiftung im Reichstag schildert. Die Welt Berlin.(DRB.) Der preußische Ministerpräsident General Goering hat den O b e r- präsidentenvouSchlesie« und preußischen Staatsrat Brückner seiner sämtliche« staatlichen Aemter»nd Funktionen enthöbe«, nachdem der Gauleiter Brückner seittnS des Führers wegen Parteischädigenden Berhaltens seiner sämtliche» Barteiämter verlustig erklärt«nd a«S der Partei ausgeschlossen worden ist. Oberpräsident Brückner aller Aemter enthoben I Ob Hitler von dem Plan gewußt hat, ist Ernst selbst unbekannt. Er vermutet, daß der Reichskanzler erst nach der Tat informiert wurde. Die Niederschrift Ernsts ttägt das Datum vom 3. Juni 1934. Rur er, Fiedler und Mohrenschild sollten über die Beröffentlichung entscheiden. Genf.(Tsch. P. B.) Zur Gesamtlage meldet der Berichterstatter der Agence Havas"r Ueber das jugoslawische Memorandum wird im Vülkerbundrat nicht vor Freitag verhandett Wahrscheinlich ist, daß der Bölkerbundrat eine den Marseiller Mord, seine Vorbereitung und den Terrorismus verurteilende Resolution beschließen wird. Die Debatte über die allgemeine Sanktion, die auf der Tagesordnung der Verhandlungen eingetragen sein wird, toird jedoch vertagt werden. Leben wolle. Seine Mitwisserschaft am Reichstagsbrand erschien ihm als das sicherste Mittel» sein Leben zu retten. Er wollte sich durch eine Erpressung das Leben retten. Er deponierte die Dokumente im Ausland und rechnete damit, daß Goering nicht wagen werde, ihn zu Men, wenn er mit der Veröffentlichung der Dokumente drohe. Ernst hatte sich getäuscht. Er wurde erschossen. Aber nun hatte der Treuhänder freie Bahn. Die Dokumente waren in Sicherheit. Me Versuche Goerings, ihrer habhaft zu werden, scheiterten an der Umsicht und Ehrlichkeit Dr. Bran- tings. Der Tote spricht aus dem Grabe. Man erfährt nun, wie es war. lag i« de« Hände« von Goering, Goeb- war— auch das haben wir«. zw.»«mittelbar die näheren Ursachen des plötzttchen Sturzes nichts zu erfahren und man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß zunächst nur den leitenden Männern der Pattei die eigenüichen Verfehlungen Brückners bekannt sind. Brückner galt bisher als einer der Paladine der Pattei und ihm wurde noch gestern das Verdienst zugeschrieben, die Pro-» vinz Schlesien zu einem Bollwett des Nattonal- soziattsmus gemacht zu haben. Ob Brückner auch noch vor das Parteigericht zittert werden wird, ist noch nicht bekannt. Er wurde 1896 geboren und war Redakteur der„Zeitsttmme" und einer der Neubearünder der Nationalsozialistischen Pattei im Jahre 1926. Nach dem Umsturz des 30. Jänner wurde er zum Gauleiter und zum Oberpräfidenten von Schlesien ernannt. Furtwängler geht! Spätes Erwachen aus dem deutschen Wahn. Berlin.(Tsch. P.-B.) Staatsrat Dr. Wil- helm Furtwängler hat den Reichsminister Dr. Goebbels um Entlassung aus seinen Aemtern als Vizepräsident der Reichsmusikkammer und als Leiter des Berliner Philharmonischen Orchesters, ersucht- Gleichzeitig bat er den preußischen Ministerpräsidenten, ihn von seinem Amte als Opern- djrettor der Berliner Staatsoper zu entbinden. Beide Reichsminister haben die an sie ergangenen Gesuche bewilligt. Bekanntlich hat sich Futtwängler sehr warm für H i n d e m.i t h eingesetzt, der wegen„nichtarischer Versippung" und bolschewistischer Gesinnung von den Nazis in letzter Zeit heftig angefeindet wurde. Das Kesseltreiben, das darauf gegen Furtwängler einsetzte, hat nun zu seiner Absägung geführt. Durch den Gang gelangte Ernst in de« Sitzungssaal, in dem alles Brennbare mst Pttrolenm begossen«nd mit einem Phosphat Präparat— das man bereits aus dem Gutachten der Profeffove« i« Prozeß kennt— imprägniert. Ban der Lubbe wurde von Sanders durch ein Fenster eingelassen«nd arbetttte selbständig. polen will vermitteln? Warschau. Einige Warschauer Blätter verzeichneten ein Gerücht, wonach die polnische Regierung, die mit, Jugoslawien und Ungarn befreundet ist, bereit wäre, in dem Konfiitte zwischen diesen beiden Staaten die Vermittlerrolle zu übernehmen. In Verbindung mit. diesen Gerüchten wird von polnischer Sette darauf hingewiesen, daß der polnische Gesandte in Belgrad, Schwarzburg-Günther mit dem jugo- slawischen Außenminister Jevtie konfetterte und an demselben Tage Außenminister Beck den jugo- fiawischeu Gesandten in Warschau Minister Laza- reviä empfangen und mtt ihm konferiert hat. I horcht auf. Branting ist nicht irgendwer. Branting ! hat einen Ruf zu verlieren. Er wird nicht bluffen, er wird Beweise bringen. In wenigen Tagen soll das Wei ß.b u ch Brantings erscheinen, tyie Pariser Presse druckt Teile davon ab.„Le Journal" veröffentlicht als erstes Blatt das Dokument über die Brandstiftung. Von Kleinigkeiten abgesehen hat sich alles genau so abgespielt, wie die so zialistische Presse«nd das Braunbuch es aus Grund der Indizien längst behauptet Haven. . Ernst, der an einer Verschwörung gegen Goering mitarbcitete, fürchtete, daß man ihm ans Die Borbereitnng des Reichstagsbrandes b e l s, Graf H e l l d o r f und E r«st. Znerst nach dem Brande gemeldtt— ein Schein-Attentat auf Hitler geplant. Dan« eine Brandstiftung im Schloß. Beide Pläne wurde« anfgegcbcn. Goebbels beantragte de» Reichstagsbrand. Heines, Hclldorf«nd Ernst organisierten die Brandstiftung. Die Durchführung besorgte Ernst mtt seinen Kumpane« Fiedler und Mohrenschild, die beide den 30. Jnni nicht überlebt habe«. Röhm, Kill inger«nd Sanders wußte» ebenfalls do« der Sache. Goering stellte den unterirdischen Gang zur Verfügung Unser Blatt erscheint Sonnte», den 9. Dezember nicht Ole Feiertagsnummer vom Samstag, den 8. Dezember wird somit 3 Tage auffliegen Nützen Sie diese im Hinblick auf die nahenden Weihnachten besonders vorteilhafte Propaganda-Gelegenheit aus. Einschreiten unserer Partei beim Innenminister und beim Landesprüsidenten Prag. Die von uns bereits gemeldeten Vorgänge in der Heimaffrontversammlung in Saaz haben weit übet die Streife der arbeitenden Bevölkerung hinaus eine große Erbitterung hervorgerufen. Es ist offenkundig geworden, daß die Polizei sich einseittg zum Wettzeug der Heimat- front gemacht hat. Es wurde auch festgestellt, daß einige ehemalige Rattonalsozialisten die Gelegenheit benützten, um an den verhaßten Sozialdemo- traten ihr Mütchen z« kühlen. Unsere Partei wird diese»nertzotte Provokation selbstverständlich nicht ruhig hinnehmen. Deshalb habe« in Vertretung der Pattei die Genossen Dr. Heller, Kaufmann, Kremse r und T a u b am Dienstag beim Minister des Innern Dr. E e r n h«nd beim Landespräsidenten Dr. S o v o t k a Vorgesprächen, nm gegen die unerhörten Vorfälle in Saaz und gegen das Vorgehen der Polizei schärfsten Einspruch zu ttheben. Der Minister deS Innern hat eine gründliche Untersuchung der ganzen Angelegenheit in Aussicht gestellt.< Interpellation im Senat Die Genossen Dr. Heller, Dr. H o l i t- scher und Palme haben im Namen unserer Senatsfraktion in derselben Sache eine Interpellation an denJnnenmin ist er gerich- tet, in der u. a. festgestellt wird, daß, obwohl es sich ton eine öffentliche Versammlung handelte, die Wahl eines Präsidiums von den Einberufern a b g e- l e h n t wurde. Daß die SHF in ihrer antidemokratischen Einstellung solche Versuche macht, die anwesenden in der Mehrzahl befindlichen Gegner der Redefreiheit zu berauben, ist nicht weiter verwunderlich. Daß sie aber dabei vonden öffentli- chenOrgunen unterstützt wird, muß be- denklich stimmen. Nach der Auflösung wurden die abmarschierenden Arbetter von den Anhängern der SHF beschimpft, wodurch es zu Zusammenstößen kam. Anstatt daß nun die Polizeiwache gegen die Ruhestörer, das ist gegen die Anhänger der SHF, vorge- gangen wäre, stürzten sich einige Polizisten wie Berserker auf die den Saal verlassenden Arbeiter schlu- ! gen auf sie ein und verletzten 16 wehrlose Perso nen. darunter die meisten von rückwärts. Ein Be weis. daß die Polizei auf die schon abmar- kchierendenArbeiter losschlug. Sehr wohltättg von diesem brutalen Vorgehen der städttschen Polizei stach das Verhalten der Gen- k darmerie ab, welche die Polizei amSchlagen! z n hindern versuchte. Wie parteiisch die I Polizei vorging, geht auch daraus hervor, daß sie| die Arbeiter, als sie in den Saal gingen, nach Waffen durchsuchte, während sie die Anhänger der SHF ■ Unbehelligt liefe. Die Polizei ging sogar so weit, den Abgeordneten Kaufmann, obwohl er sich i legitimiette, zu durchsuchen. Da während dieser Vorgänge sowohl, der Berittshauptmann, als auch Beamte der Bezittsbe- l Hörde anwesend waren, wäre es Sache dieser Beamten gewesen,. dem Vorgehen der Polizei Einhatt, z« tun. Das geschah leider nicht. Die Interpellanten stellen an den Innenminister schließlich die Fragen: 1. Ist er bereit, dafür z« sorge«, daß auch bie Anhänger der Sudetendeirtschen Heimatfront bei von ihnen einberufeneg öffentlichen Versammlungen die Vorschriften des VereinsgesedeS und die demokratischen Gepftogenheiten einhalten? 2. Welche Bottehrnnge« wird der Herr Minister deS Innern treffen,«m diese Uebergriffr der städtischen Polizei in Saaz z« ahnden»nd in Zukunft solcheü Uebergttffe« vorzubeugen? Sette S Mittwoch, 5. Dezember 1934 Nr. 288 ncnldniascismus, polizeilich gesdiOtzt Ein Nachwort zur SHF-Versammlung In Saaz Wir haben gestern über die Vorfälle, die sich am Sonntag in der Hcimatfrontversammlung in Saaz abgespielt haben, objektiv berichtet. Wie Vorauszusehen war, ist die bürgerliche Presse bemüht, die Ereignisse anders und zwar so darzustellen, als ob die Sozialdemokraten die Schlägerei, bei der sich die Saazer Polizei so unrühmlich auszeichnete, provoziert hätten. Eine genaue Klarstellung des Sachverhaltes ist deswegen unbedingt notwendig und wir wollen daher einmal aufzeigen, wo die wirllichen Schuldigen zu suchen sind. Die getarnten Fascisten entfalten seit Monaten im Saazer Bezirk eine fieberhafte Tätigkeit. In allen Gemeinden versuchen sie Ortsgruppen zu gründen und das ist ihnen da und dort— freilich auf Kosten des Bnudes der Landwirte— auch schon gelungen. In den Versammlungen, die sie zu diesem Zwecke abhielten und wobei ihnen die Landjugend eifrigst Zutreiberdienste leistete, war vor allem die Sozialdemokratie das Angriffsobjekt. Die Agitatoren der Hühnerfarm verbreiteten feie, gemeinsten Lügen über unsere Partei und hetzten gegen den ihnen so verhaßten Marxismus in einer Weise, daß sich unserer Genoffen im Saazer Land eine begreifliche Erregung bemächtigte. Da die Henleinleute fast nur 8 2-Versammlungen machten, war unserer Partei leider keine Möglichkeit gegeben, den Verleumdern entgegenzutreten. Es war darum begreiflich, daß unsere Genoffen, als sich später die Henleinfrontler doch entschlossen» auch einige öffentliche Versammlungen abzuhalten, von der Parteileitung verlangten, die Versammlungen zu besuchen, um die Burschen einmal stellen zu können. So kam es dann zum Besuch der öffentlichen SHF-Versammlung in L i e b e- s ch itz, die am 25. November stattfand und für die Einberufer sehr unrühmlich verlief, und aus dem gleichen Grunde wurde auch die Teilnahme an der sonntägigen Versammlung beschlossen. Volksgemeinschaft— Theorie und Praxis. Für diesen Beschluß war aber noch ein zweiter Umstand maßgebend. Die Henleinfrontler hatten für ihre Saazer Versammlung in der ganzen Umgebung die lebhafteste Propaganda gemacht und überall herumerzählt, daß sie es diesmal den Sozialdemokraten«schon zeigen werden". Man sprach davon, daß sich die«400 Henleinordner", die an dieser Versammlung teilnehmen werden, auf die„Auseinandersetzung mit den Marxisten" bereits„außerordentlich freuen" und unsere Genossen hätten es unter solchen Umständen direkt als Feigheit empfunden,, der Henleinversammlung fernzubleiben. Dazu kam noch, daß die Henleinleute auf ihren Plakaten ausdrüÄich erklärten, wer die Volksgemeinschaft wolle, müffe unbedingt in ihre Versammlung kommen. Dieser Einladung konnten die sozialdemokratischen Arbeiter nicht widerstehen, denn gerade das Kapitel„Bolksge- meinschaft" interessiert: sie im höchsten Maße. Wir wollen hier nur einige Beispiele anführen, um darzulegen, wie die Henleinfrontler und die mit ihnen verbündeten Landbündler die Volks- gemeinschast verstehen. Im Saazer Land find unsere Genoffen sett geraumer Zeit dem schärfsten wirtschaftlichen Terror der Herren Volksgemeinschaftler ausgesetzt. Für Marxisten gibt es dort fast keineArbeitmehr. Sozialdemokraten wur den Heuer in vielen Orten nicht einmal mehr als Hopfenpflücker beschäftigt. Die„treudeutschen" Bauer« holten sich ihre Ar. beitskräfte lieber von auswärts und stellten eher Tschechen ein alS sozialistisch gesinnte deutsche Volksgenossen. Ueberall bekamen unsere Genoffen den Haß der Antimarxisten deutlich zu fühlen. In M i e ch o l u p z. B. führten die Henleinfrontler eine Sammlung zugunsten der Arbeitslosen durch, die ein ganz hübsches Ergebnis an Naturalspenden bracht«. Betritt wurden natürlich nur jene Leute, die es mit den Böllischen hatten. Kein sozialdemokratischer Arbeitsloser hat etwas bekommen. Lediglich ein kommunistischer Gemeindevertreter, der übrigens gar nicht arbeitslos, sondern heute noch vollbeschäftigt ist, wurde berücksichtigt. Bei einem Landwirt und Müller in H o r a- t i tz, deffen Sohn dort Ortsgruppenleiter der Henleinfront ist, war bis vor kurzem unser Ge- nosse Josef Wagner beschäftigt. Seine Entlohnung entsprach durchaus den Begriffen, die unsere Gegner von der Volksgemeinschaft haben. Wagner erhielt die Kost und täglich drei Kronen, also 18 Kronen pro Woche. Weil eraber für die öffentliche Versammlung, die unsere Partei unlängst in Horatitz veranstaltete, agitiert hatte, wurde er prompt entlassen. So also sieht die Bollsgemeinschast der Henlein- und Hackerbrüder in der Praxis ausl Wer will es da unseren Genoffen verargen, wenn sie infolge dieses„völlischen Brauchtums" für daS Thema:„Volksgemeinschaft" ein lebhaftes Jnter- effe zeigen? Die Henleinfrontler mußten deshalb von vornherein damit rechnen, daß wir ihre Versammlung besuchen werden. Die Versammlungs-,»Demokratie* der Henleinfascisten Als unsere Genossen aber dann wirklich an ihrer öffentlichen Versammlung teilnahmen, war es den Einberufer« gar nicht recht. Die Henlein- Nazi wünschen zwar, daß recht viele Menschen in ihre Versammlung kommen, aber reden wollen sie dort ganz allein. Daß die Abwicklung einer öffentlichen Versammlung nach demokratischen Grundsätzen zu erfolgen hat, ist diesen Patentdemokraten scheinbar unbekannt. Bon einer Wahl des Präsidiums und davon, daß sich in einer derartigen Versammlung die Teilnehmer selbst die Geschäftsordnung geben, wollen die sudetendeutschen Fascisten einfach nichts wissen. Sie möchten nur kommandieren und alle ander« fällen sich nach ihrer Meinung— ihren Anordnungen bedingungslos fügen. So gedachten sie es auch in der Saazer Versammlung zu machen. Die Bocksprtinge der Pseudodemokraten- Wie ist es denn in Saaz zu den ersten„Zusammenstößen" gekommen? Lassen wir die Tatsachen sprechen: Bon den rund 1500 Teilnehmern der Versammlung waren über 1000 Sozialdemokraten, die den Saal längst besetzt hatten, bevor noch die„Massen" der Henleinfront anrückten. Als der SHF-Bezirksleiter Bock mit seinen„Ordnern", die erst beim Betreten des Schützenhauses rote Armbinden erhielten, um als„Bersammlungsschutz" kenntlich zu sein, durch eine« Seiteneingang in den Saal marschierte, wünschte er nichts weniger, als daß ihm unsere Genoffen bereitwilligst Platz machen sollten. Er wollte mü seiner Garde just vor dem Präsidium stehen. Das hätte er auch haben können, wenn er eine Stunde früher gekommen wäre. So aber hatten unsere Genossen nicht die geringste Veranlassung, seinem„Wunsche" Rechnung zu tragen, denn er stand ja an der Settenfront des Saales auch ganz gut. Die Weigerung unserer Genossen, so zu tanzen, wie der Bock zu meckern beliebte, machte den Mann vollends verrückt und er besaß sogar die Sttrn, vom Regierungsvertreter zu verlangen, daß er ihm und seinen Leuten„die Bahn ftei mache". Wie sich der kleine Moritz das vorstellt I Unsere Genossen lachten den Herrn Bezirksleiter, der sich wie ein Goering in der Westentasche spreizte, einfach aus. Der Regierungsvertreter bemühte sich, dem Bock klar zu machen» daß eS keinen Sinn habe, in einer Versammlung, die zu Zweidritteln von Gegnern besucht ist,„aufzuttumpfen". Im übrigen ersuchte er die Vertreter der beiden Gruppen, sich über die Stteitftage zu einigen» da er sonst gezwungen sei, die Versammlung aufzulösen. Unsere Genoffen machten daraufhin den Vorschlag, vor dem Präsidium durch die Polizei und Gendarmerie eine gewissermaßen„neuttale Ordnerkette" zu bilden. Das wurde auch akzepttert. Plötzlich siel im Saal ein Stuhl um und in diesem Moment brach der Tmnull los. Henleins Knüppelgarde— die Polizei Was nun folgte, spottet jeder Beschreibung Die Saazer Polizei hieb ichne jede vorherige Warnung wie besessen auf unsere vorne stehenden Genossen ein. Einige Polizisten gebärdeten sich gerade-« wie toll und schlugen mit ihren Gummiknüppeln blindwütig drauflos. Selbstredend nur solange» als sie sozialdemokratische Arbeiter vor sich hatten. Den Henleinfrontlern krümmten sie kein Haar, lleber dieses parteiische Verhalten der Saazer Polizei, die bestimmt noch ärger gewütet hätte, wenn ihr nicht schließlich die Gendarmerie in den Arm gefallen wäre, muß einmal etwas ausführlicher gesprochen,werden. Die Hermandad von Saaz Wir lieben nicht Pauschalverdächtigungen. Deshalb sei gleich vorweg gesagt, daß ein Teil der Saazer Polizei, allerdings der weitaus klei- nere, sich bisher und auch in dieser Versammlung vollkommen korrekt verhalten hat. Dje besonnenen Polizisten sahen ohne weiteres ein, daß man einen vollbesetzten Saal, der nur zwei Ausgänge hat, nicht binnen weniger Minuten„räumen" kann.> Die Leute, die„hinaus" sollen, können ja nicht durch die Fenster abgehen oder durch die Wände kriechen, sondern müssen alle die Treppe hinunter. Dabei geht eS ohne Gedränge natürlich nicht ab und es braucht selbstredend auch eine gewisse Zeit, bis der Saal leer ist. Die vernünftigen Polizisten begnügten sich daher damit, auf die Teilnehmer durch wohlmeinende Wort- einzuwirken, die chr« gute Wirkung auch keineswegs verfehtten. Die Mehrheit der Saazer Polizei trachtete hingegen, den Wirbel nur noch zu vergrößern. Bon diesen„Hütern der Ordnung" weiß man nicht erst sett gestern, daß sie antimarxistisch eingestellt find. Allerdings nicht in jedem Falle Wenn dies« Herren etwas brauchen, dann finden sie regelmäßig den Weg zu den„bösen" Sozis. Wenn es um definitive Anstellung, um Ausbef» serung der Bezüge, um Remunerationen oder andere materielle Vortette für sie geht, dann kennt ihre„Sympathie" für die Partei schier kein: Grenzen. Dann laufen sich diese Herren fast die Beine ab, nur damtt sich unsere Genossen wärmstens für sie einsetzen. Nachher aber zeigen sie immer wieder ihre wahre Gesinnung. Und wie es damit aussieht, wissen die Saazer Arbeiter zur Genüge. Lange Zeit konnten sich in Saaz die Hakenkreuzler trotz de« Verbot ihrer Partei nach Herzenslust austoben. Die Hitlerfascisten konnten Flugzettel vertellea und kleben, Papierhakenkreuze zu tausenden ausstreuen, Hakenkreuzfähnchen über Telegraphen« drähte werfen, ohne daß es der doch sonst sehe tüchtigen Saazer Polizei gelungen wäre, die Täter zu fassen. Die Herren«Märten vielmehr, daß den Hakenkreuzlern derartige Bubenstücke Mtt nicht zuzutrauen wären und daß als Täter wohl nur Marxisten in Frage kämen. Diese„Einstellung" der Polizei sagt genug. Die Saazer Polizei hatte schon bei vielen politischen Demonstrationen Gelegenheit zum Ein» schreiten. Dabei fiel allgemein auf: Gegen die Arbetter bewies sie noch jedesmal ein Maß von Forschheit, das kaum mehr zu überbieten ist. De« Nazis und Henleinftontlern gegenüber war sie aber immer„wohlwollendst neutral". Am Sonn« tag beispielsweise wurden Wohl die Sozialdemo« traten nach„Waffen" untersucht, die Anhänger der Henleinfront hingegen durften unbelästigl passieren. Polizeiliche„Disziplin* Für die antimarxistische Haltung der Saazer Polizei sprechen auch die Vorfälle in der sonntägigen Versammlung. Als unsere Genossen de« Kommandanten der Polizei, Herrn Polizeirat O r l i t e I, wegen des brutalen Vorgehens seiner Leute zur Rede stellten, erklärte dieser, er habe keinen Befehl gegeben, daß die Polizei de« Saal räumen M. Was besagt dies? Nichts anderes, als daß die Polizisten ganz eigenmächtig eingegriffen und gleich wie verrückt drauflosgedroschen habe«. Ihr Haß gegen die Arbetterschaft ist eben so groß, daß chre Gummiknüppel sofort von selbst„losgehen", wenn- sie Marxisten vor sich eMicken. Daran ist aber Herr Orlikek nicht ganz unschuldig, denn sei« „Erziehungsarbeit" hat ja bei vielen Polizist«« die Auffassung geweckt, daß sie vor allem„zu« Prügeln" da find. Das Verhalten der Saazer Polizisten hat unter der Arbeiterschaft ungeheure Erbitterunhervorgerufen. Die Knstppelgarde des getarnte« FasciSmuS wurde nach der Versammlung von de« Arbeitern mit den Rufen:„Henleinpolrzi« st en!" immer wieder apostrophiert. Biele Genoffen sagten, daß der Großteil der Saazer städtischen Polizei weder wUenS noch fähig erscheint, seine Funktion als wirkliche Ordnungstruppe zu erfüllen. Eine Polizei, so sagten die Arbeiter, die dem FasciSmuS so offen die Mauer macht, können wir in einem demokrafischen Staate nicht brauchen.-• Die Saazer Wachleute- Von einer uns maßgebenden Sette wird«ns aus Saaz mitgeteiü, daß in der von uns aufge« zählten Reihe der Wachleute, die sich besonders hervortaten, Stelzig und Wewerka zullnrecht genannt wurden; an ihrer Stell« wären dagegen die Wachleute B r a b e e und Hauser anzuführen gewesen. Copyright by Pressedienst E. Prager-Verlar, Wien „Komm, wir wollen vor dem Hanse warten, bis sie kommen." Schwer wuchtete die Nacht und war voll Flüstern und Schatten. Das Meer rauschte wie verschüchtert durch den Tod eines Menschen. Die Felsen schienen kleiner und die Wege rückten aus dem Bereich der Augen. Der ^Knabe dachte sich:„Wie sonderbar hat Vaters Tod doch die Welt verändert." In den Fischerhütten war es dunkel; nur in zweien sah man ein kleines Licht blinken. Hie und da sprang eine bleigraue Welle auf; ober die anderen mahnten sie sogleich zur Ruhe. Die Schiffe am Ufer schienen wie von Stein. Sie rührten sich nicht. „Welch furchtbare Stille", sagte Raoul verschüchtert. Er hätte schr gern etwas Lautes, Lebendes gehört. Sterne...", sagte Babiola, die gewohnt war mit dem was sie sah und was geschah, zu rechnen und sie sprang über die Steine, um sich zu erwärmen, denn die Nacht war kühl und kroch zudringlich unter ihre dürftige Gewandung. Da wankte in der Ferne ein Licht. Jetzt erst, nach getaner Tagesarbeit, konnten die Knechte aus dem Bauerngut kommen und den Verstorbenen in die Totenkammer ttagen. Die Kleine dachte daran, wie Raoul im Zelle ihr Bein gefaßt hatte. Heute wußte sie noch nicht, warum dies damals geschehen war, aber noch heute fühlte sie, wie widerlich das gewesen war und sie sagte rasch: „Komm zu uns. Heut« wirst du bei uns schlafen, Raoul." Dann steckte sie die Zunge weit hinaus, well die beiden Knechte lachten. „Schäme dich, du Fratz, die Zunge zu zeigen. Du bist für solche Ungezogenhetten schon zu groß." „Wenn ich groß sein werde, werde ich sie erst recht zeigen". Daheim brachte sie alle Segll und Säcke, die sie im Hause hatte, zum Zudecken. „Und schlaf, Raoul, und denk nicht nach. Damit änderst du nichts." Da fing der Knabe bitterlich zu weinen an und Babiola hatte Angst, daß sich in der Dunkelheit die drohende Hand des aus dem Schlafe geweckten allen Cloture zeigen könnte. Sie drückte sich eng an Raoul; jetzt fühlte sie nichts als Angst. „Heule nicht, dummer Junge. Denen drüben ist Wohler als uns hier. Weine nicht mehr. Kauf ihm ein Kreuz und eine Einfaffung aus Grantt. Ich werde dir sparen helfen." Do» vierte Kapitel Herr Bonnetier war Herr Bonnetter. Er war zwar ein gewöhnlicher, ober dafür ein ungewöhnlich reicher Mann. Er wußte gar nicht, wieso er eigentlich so rasch reich geworden war. Wahrscheinlich war eS nicht auf die allerfeinfte Art geschehen und so kam es, daß sich Herr Bonnetter nicht an den Ursprung seines Reichtums erinnern konnte. Er pflegte jedem, der ihn ob seines rätselhaften Vermögens bewunderte, zu sagen:„Geld verdienen, das ist keine Kunst. Aber es ist eine Kunst, eS zu behalten." Außer einer Wohnung in Paris besaß er eine Billa. Denn eine einzige Wohnung konnte seinen Wohlstand nicht beherbergen. Er war verheiratet und hatte überdies eine Geliebte. Denn ein Paar Ohren konnten unmöglich die Brillanten tragen, die er zu kaufen vermochte. Seine Frau war wohl gebildeter als er selbst, aber viel düauner. Sie verstand eS nicht, sich ihr Leben einzurichten. Um ihren Mund wuchsen vom vielen Gähnen Falten und ihre Augen verloren vor ewiger Schläfrigkett allen Glanz. Frau Bonnetier hatte aus Mitleid mit ihrem Gewissen und ihrem Geschmack den Grund ver harr Bonneti«f gessen, aus dem sie vor zehn Jahren ihren Mann geheiratet hatte. Diese zehnjährige Ehe bestand auS einer zehnjährigen Langeweile, der sie ratloS gegenüberstand. Als sie heiratete, war sie schön gewesen; sie wußte aber mit ihrer Schönheit nichts anzufangen und Herr Bonnetier war häuslichen Einrichtungen gegenüber sehr kurzsichtig. Frau Bonnetier wünschte sich Kinder und kränkte sich die ganzen zwecklosen zehn Jahre darüber, daß sie keine bekam. Herr Bonnetier kräntte sich nicht so sehr, trotzdem er gern gewußt hätte, auf wen er die Gebirge Goldes überwälzeu solle. Sein Bermögen war selbst für wohltätige Zweck« zu groß. Darum sagte er manchmal zu seine« Frau:„Warte, wtt sind noch nicht zu all." Abe« die Jahre vergingen urtt> damtt die Hoffnung de« Frau Bonnetter. Sie forschte nicht nach; sie vermutete nur, daß ihr Mann eine Geliebte haben müffe. Si« kannte seine erottschen Bedürfnisse und wußte, daß sie einmal nicht so bescheiden waren wie jetzt. Einmal, in Gesellschaft, deutete man ihr zart an, daß sie sehr dumm sei. Die Folge davon war, daß sie gelegentlich zu ihm sagte:„Gehen Sie. rühre« Sie mich nicht an; ich vertrage das nicht." So schwand die letzte Hoffnung auf einen Erben. Die Jahre vergingen und der schlechte Ruf Herrn BonnetterS wuchs. Die Frau stand diese« Ereignissen zu nah, um sie richtig zu überblicke«. Aber unter den Frauen findet sich immer eine- deren Herz„glaubt nur, weicher als das de« andern ist", die dann starr über die Seine blicke« und mit der Dämmerung schonender Trauer i« der Stimme sagen:„Well ich Sie so liebe, Madame, muß ich Ihnen sagen..." „Ja, ja, ich weiß." Frau Bonnetier wußte WiMich viel. Abe« wie arm war dieses„viel" im Vergleich zu« reichen WiMichkeü. Einmal fand sie in der Tasche ihres Mannes den dünnen Seidenstrumpf einer schlankfüßige« Schönen. Tragische Kraft bemächtigte sich ihre« Hände und die Maschen des Strumpfes liefen nach allen Richtungen auseinander. Im Nebrigen llangen in dieser wie in jede« anderen Ehe nach Passagen von Kakophonien auch versöhnende Akkorde, Herr Bonnetter versprach dann-— nebst einem neuen Fauteuil oder eine« Reise in die Pyrenäen— ein neues Leben zu beginnen. Er hielt es einm ganzen Tag in der Nähe der beleidigten Gattt« aus. So wie es aber Abend wurde, lief er seinen guten Vorsätzen davon—• wie ein Schüler, der seinem gestrengen Lehrer entwischt. (Fottsetzuna fofatl Rr. 285 Mittwoch, 5. Dezember 1984 Seite 3 Nach der Ermordung Kirows Nervosität In Moskau: zahlreiche Verhaftunsen Das Budget im Senat Exposee Dr. Trapls Prag. Im Senat wurde Dienstag nachmittags das Budget für 1935 in der Fassung des Abgeordnetenhauses aufgelegt, wobei'Finanzminister Dr. T r a p l ein längeres Expose hielt, das sich in den Grundzügen mit jenem vom 26. Oktober im Parlament deckte. Der Minister hob u. a. den Erfolg der Devalvation hervor. Unter Betonung des . Umstandes, daß für die Staatswirtschaft auch weiterhin der Grundsatz größter Wirtschaftlichkeit und ■ Sparsamkeit gelten müsse, unterstrich Trapl, daß der Voranschlag bei den Personalausgaben mit den Gehaltsabzügen nach dem Gesetz Nr. 204/38 und der Verordnung 255/33 in unverändertem Aus- matz rechne. Im Jahr« 1934 ist es gelungen, bei der Prolongation und bei Neuemissionen staatliche Kassenanweisungen auszugeben, die erst in einigen Jahren fällig find; dadurch wird die Prolongation der Kassenscheine im nächsten Jahre etwas erleichtert werden, da nur 2.8 Milliadren Kö gegen 8.8 Milliarden KC im heurigen Jahr zum Umtausch kommen werden. Hinsichtlich der Investitionen vertritt der Minister die Meinung, dass die Unterstützung des Arbeitsmarktes durch öffentliche Investitionen ihre Grenzen in den finanziellen Möglichkeiten des Staates finde. Er stellte eine Novellierungdes Strasse nfonds kn Aussicht, wobei durch Erhöhung der Einnahmen des Fonds eine entsprechende Grundlage für die Erweiterung des Strahenbamprogramms gewonnen werden soll. Bei Bestrrechung der Anforderung der ausländischen Papiere und Zahlungsmittel stellte der Minister fest, dass diese dem Jnlandsmarkt zurückgegebenen Kapitalien keinem Risiko ausgesetzt sein werden, da ihre Sicherheit durch die absolute Stabilität derWährung garantiert ist, die wir nach wie vor aufrechterhalten werden. Die Kursbefferung der Staatspapiere hält der Minister für wirtschaftlich begründet, weniger jedoch den einigermassen über« I stürzten Anstieg auf dem Aktienmarkt, der in der gelinden Besserung in einzelnen Produtionszweigen keine wirtschaftlich« Begründung finden könne. Es würde sich sicher ein vorsichtiges Vorgehen in der Bewertung der Aktienkurse empfehlen. Auch rr unterstrich ebenso wie seinerzeit der Ministerpräsident, daß rS Aufgabe deS Staates sein wird, orgauisatorisch in die Produktionsverhältnisse in der Industrie und Landwirtschaft wie auch in den Distributionsprvzrß einzugreifen; nicht zuletzt komme hier die Frage der ArbeitSzeitverkÜr- zung in Frag«. Mit der zweckmässigen Produktion-- und Di- stributionSautonomie, von der der Ministerpräsident sprach, habe dieser sicher nicht Abkommen gemeint, die die Sicherung der Unternehmergewinne auf Kosten der Verbraucher oder der Betriebsangestell- '■ ten im Sinne hätten. Dem Staat falle auch die D Aufgabe zu, die Produktion durch geeignete Regu- hs lierung der Steuervorschriften nicht mtt öffentlichen Lasten in Anspruch zu nehmen, die über das Mass de» . Erträglichen hinausgehen. * Die nächste Senatssitzung wird auf schrist- lnhcm Wege einberufen werden. Nach der Sitzung trat der Budget« uS- schuß zur Verteilung der Budgetreferate zusammen. Zum Generalreferenten wurde Senator S t o d ol a gewählt. Der Ausschuß wird bereits Mittwoch früh die Budgetdebatte eröffnen. Legionäre für demokratische Front Am 3. Dezember fand in Prag eine Tagung der tschechoslowakischen Legionärgemeinde statt/ die von 75 Delegierten besucht war und unter den Borsitz des Abgeordneten Dr. P a t e i d l veichan- delte. Zur politischen Lage wurde eine Resolution gefaßt, in der der Ueberzeugung der Legionäre Ausdruck gegeben wird, „daß in der schweren heutigen Situation das Interesse der Ration und des Staates keineswegs eine neue Zersplitterung, sondern eine Konzentratton aller Kräfte des demokratischen Lagers gebiettt. Rur im Wege einer solchen Konzentratton lassen sich erfolgreich und recht- zeitig großangelegte wirtschaftliche, soziale und Rechtsreformen durchführen, dir dttnglich not- «wendig sind. Für dieses große Ziel wollen wir in allen polittschen Parteien arbeiten, denen wir angehören. Insbesondere aber rufen wir nach einer sofortigen engen Zusammenarbeit der sozialistischen Parteien, die nebm der Partei des landwirtschaftlichen Volkes durch ihr Programm vor allem dazu berufen find, verläßliche Hüter der demokrattschen Ordnung und eine Garantte der sozialen Gerechtigkeit in der Republik z« sein." Ole Heimatfront in der Slowakei lieber die Tätigkeit der Heimatfront in der Slowakei erzählen die ,Lidove Noviny" u. a.: Zu den Ende Oktober ftattgefundenen Gemeindewahlen in Kesmark kandidierten außer der deutschen sozialdemokrattschen Partei zwei bürgerlich; Gruppen, und zwar die Zipser deutsche Partei und die karpathendeutsche Partei. Die erstere steht mit' den ungarischen Oppositionsgruppen in Fühlung, während die zweite jetzt Verbindungen mit der Henleinschen Heimatfront eingegangen ist. Am vorigen Freitag wurde eine Kundgebung von dieser Partei an die Deutschen in der Slowakei erlassen, welche die Unterschriften Konrad Henleins und des Ministers Spina trägt. In der Kundgebung wird die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Sudeten- und Karpa- thendeutschen hervorgeholrn. Moskau.(Taß.) Das Volkskommissariat des Innern hat die mit dem Tode Kirows zusammenhängenden näheren Umstände ermittelt und veröffentlicht. Danach hat Kirow am 1. Dezember den Bericht über die Ergebnisse des Novemberplenums des Zentral-Exekutivausschusses der kommunistischen Partei der Sowjetunion vorbereitet, um ihn am gleichen Tage der Versammlung des Partei- aktivs der Leningrader Parteiorganisation vorzulegen. In einem dem Arbeitszimmer Kirows nahegelegenen Zimmer, in dem gewöhnlich Besucher empfangen werden, schoß Nikolajew, hinter Kirow stehend, diesen in dem Augenblick, als er sein Arbeitszimmer betreten wollte, in den Nacken. Während der Täter sofort angehalten wurde, brachte man den tödlich verwundeten Kirow in bewußtlosem Zustande nach seinem Zimmer, wo Aerzte ihm die erste Hilfe leisteten. Als die herbeieilenden Professoren Dobrotworski, Sceienalidse, Geffe und Andred eintrafen, fanden sie Kirow bereits ohne Puls und ohne Atem an. Trotz den sofort getroffenen Maßnahmen, wie Injektionen von Adrenalin, Aether, Kampfer, Kollein und Einleitung künstlicher Atmung, gelang es nicht mehr, Kirow wieder zum Leben zu erwecken. Die Aerzte konstatierten nurmehr den eingetretenen Tod. -» Sanktionen gegen die angeblich schuldigen Beamten Moskau.(Taß.) Wegen fahrlässiger Erfül- lung ihrer Pflichten hinsichtlich des Schutzes der staatlichen Sicherheit in Leningrad wurden der Chef der Verwaltung des Volkskommissariates des Legen die ffasdstische „Dreifaltigkeit“ Eine Erklärung des Gen. Dr. D6rer Preßburg. In der Bezirkskonferenz der tsche- choslöwakischen sozialdemokratischen Partei und in einer öffentlichen Versammlung in Galant« sprach am 2. Dezember Justizminister Genosse Dr. D e r e r über die letzten innerpolitischen Ereignisse, wobei er u. a. ausführte: Die wahren Ziele der sogenannten nationalen Einigung sind durch drei Kundgebungen ihren führenden Faktoren charakterisiert. Wie Dr. H o- d ä k am Samstag im Parlament erklärt hat, bezweckten die Demonstrationen, daß die Straße die Durchführung des Gesetzes erringe. Abgeordneter H Lia{ a erklärte in der vorigen Woche in Wien, sein Ideal sei die Politik und das Verhalten deS Bundeskanzlers Dollfuß gegen die Sozialdemokratie und, damit die Dreifaltigkeit vollständig sei, sprach sich e i n g e w i s s e r a k t i v e r G e n e- r a l unserer Armee in recht klarer Weise über die Möglichkeit von Konzentrationslagern für die Unterbringung politischer Gegner aus. Es ist in den heutigen Zeitläuften sehr notwendig, erklärte der Minister weiter, daß wir hier an den Grenzen der Tschechoslowakischen Republik die Herren in Prag, die mit dem Feuer spielen, nachdrücklich aufmerksam machen, daß wir hier in der Slowakei alle ohne Unterschied für eine starke und einheitliche Armee sind, und wir, die wir hier an der Grenze die drohende Gefahr unmittelbar vor unseren Augen haben, warnen vor jedem Versuch, der durch das Hineintragen der Politik in die Armee unsere Wehr- und Kampfkraft schwächen würde. Doktor Derer erklärte ferner, daß die Tendenz der sogenannten Nationalen Einigung gerade von den Slowaken abgelehnt wurde, die das größte Interesse daran haben, daß in der Tschechoslowakei Ruhe und Ordnung herrsche. Unsoziale Praxis del der Gewährens von UnterhaltsbQjträsen Die gesetzgebenden Körperschaften beraten eben über verschiedene Wehrvorlagen. Bei den gegenwärtigen Verhältnissen herrscht so ziemlich allgemein die Auffassung vor, daß man dem Staate geben müsse, wessen er zu seinem Schutze bedarf. Anderseits müssen fteilich auch di; Behörden so vorgehen, daß dem zum Militärdienst, besonders zu den.Waffenübungen einberufenen Staatsbürger nicht unnütze Schwierigkeüen gemacht werden. Die gegenwärttge Praxis bei der Gewährung der Unterhaltsbeiträge an die Familien der zu den Waffenübungen Eingerückten ist nun solcher Art, daß sie keineswegs der Förderung des Staatsgedankens dient. So wurde dieser Tage von einer Bezirkskommission,im deutschen Randgebiet die Urgenz eines am 10. Juli(!) eingebrachten Gesuches damit beantwortet, daß mitgeteilt wurde, ,es werde in dieser Sache in den nächsten Tagen ein abschlägiger Bescheid zugestellt werden, da die Frau des zur Waffenübung Einberufenen nicht nachgewiesen habe, daß sie durch die Einrückung ihres Mannes in ihrer Ernährung bevroht sei, tvas auch durch amtliche Erhebungen' bestätigt wurde. Während der Zeit der Waffenübung lebte sie von Ersparnissen und war auch arbeits- und verdienstfähig.(Der Umstand, daß sie keine Ar- beit finden konnte, ist noch kein Grund für die Zuerkennung des UnterhaltSbeitrageS.)" Den letzten Satz unterstreichen wir, damit die Oeffentlichkeit besser beurteilen kann, wie nun eigentlich vorgegangen wird. Die Behörde stellt Innern für das Leningrader Gebiet, M e d w e d, sein Stellvertreter Fomin und sechs weitere Mstarbeiter vom Volkskommissariat ihres Amtes enthoben und dem Gerichte übergeben. Es soll gegen sie ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit beim Schutze der Sowjetbehörden eingeleitet werden. * In der letzten Zett wurden im Leningrader Gebiet 39 und im Moskauer Gebiet 32 Weißgardisten verhaftet, die wegen der Vorbereitung von Terrorakten gegen die Funktionäre der Sowjetmacht angeklagt werden. Die Anklageschrift wurde dem Militärkollegium des Gerichtshofes der Sowjetunion zur Ueberprüfung überwiesen. Unter den im Zusammenhang mit der Ermordung Kirows Verhafteten befinden sich auch sechs Frauen, die angeblich einer gegenrevolutionären Gruppe angehört haben, darunter mehrere Verwandte des Mörders Nikolajew. Die acht verhafteten Beamten der Leningrader OGPU werden wahrscheinlich zum Ausschluß aus der Partei und zum Verlust ihrer Armier verurteilt werden. Drei Todesurteile vollstreckt Moskau. Die Todesurteile gegen drei am 2. Oktober wegen eines Ueberfallrs auf einen Beamten der OGPU verurteilte Personen wurden auf Grund des Gesetzes vom 3. Dezember, daS keine Milde Terroristen gegenüber mehr zulüßt, vollstreckt. fest, daß die Frau des Eingerückten arbeiten könnte, worauf eS für sie gänzlich unerheblich ist, ob sie auch tatsächlich Arbeit hat. Bei der Arbeitslosenfürsorge hat man diesen mehr als unsozialen Standpunkt schon längst aufgeben müssen und ist gezwungen, mit den vorhandenen Tatsachen und nicht nur mit den ge.,ebenen Möglichkeiten zu rechnen. Bei orn unschuldigen Familienangehörigen der zur Waffenübung einberufenen Bürger des Staates sollte man nun anders vorgehen? Früher mußten die Unternehmer wenigstens den Eingerückten die Entschädigung nach 8 1154 bezahlen. Nunmehr hat ein besonderes Gesetz die Unternehmer von dieser Berpftichtung befreit, der Staat weigert sich, den Familien den an sich ohnehin absolut unzureichenden Unterhaltsbeitrag zu leisten und so ist die .die..Erhaltung, der Familie während der Waffenübung dem selbst nolleidenden Arbeiter auferlegt. Dieses Vorgehen ist nickit nur in höchstem Grade unsozial, sondern vom staats- politischen Standpunft auch mehr als unvernünftig. Wie soll jemand etwa mit Begeisterung dem Staate dienen, wenn er gleichzeitig seine Familienangehörigen in Not weiß? Die Kosten für den Unterhaltsbeitrag sind so minimal, daß sie wahrlich das Staatsbudget oder das Budget des Berteidigungsministeriums keineswegs besonders belasten können. Hinter den Kulisse« der Hochschnlaffäre. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, war vom Rektorat der Deutschen Universität eine Vollversammlung des akademischen Lehr- k ö r p e r s einberufen worden. Der Rektor wollte in ihr seine Haltung erklären und die Stellungnahme seiner Kollegen erbitten. Diese Versammlung hat dann nicht stattgefunden. W a r u m sie nicht stattfand, ist offiziell nicht mitgeteilt worden. Genügte dem Rektor die Ber- trauenskundgebung der Studenten? Oder fürchtete SanNieolü, daß er vor dem akademischen Lehrkörper die Karten auflegen müßte und daß sein Werck dort, wo man den Hintermann und Urheber der gefährlichen Treibereien nur zu gut kennt, nicht ungeteilt Beifall finden würde? — Interessant wäre es auch zu erfahren, welche Rolle Konrad Henlein in dem Jnsig- nienkampf gespielt hat. Die«Rundschau" teilt mit, daß er nach Prag geeilt sei, um den Kämpfenden zur Seite zu stehen. Was hat er also konkret in Prag gemacht? Mit wem hat er verhandelt? In wessen Namen, mit welchem Ende? Beschränkte sich seine Tättgkeit etwa nur darauf, die Studenten zu dirigieren, die in der Redaktion der «Bohemia"— wie diese in einer Polemik gegen die«Rundschau" mitteilt— einen«Trubel" verursachten, welch selber anscheinend auch dem Herrn Dr. Bacher so auf die Nerven fiel, daß er in seinem Wiener Bericht sehr merkwürdige Auffassungen vertrat?! Wie immer dem sei, die Kulissenpolitik an den Hochschulen müßte endlich aufhören und dem Zustand, daß ein sorgsam gesiebter und von San Nieolö und seinen Freunden beherrschter«Akademischer Senat" die Hochschul- polittk als geheime Kabinttspoli- tik betreibt, müßte baldigst ein Ende gesetzt werden. Austu rischer Aufstandsführer verhaftet Madrid.(Havas.) In der Villa Ablana in der Provinz Oviedo wurde der sozialistische Führer Gonzales P e n a verhaftet, der als Führer der revoluttonören Bewegung in Asturien bezeichnet wird. Dienstvorlage angenommen Subkomitee für die beiden anderen Vorlagen Prag. Dienstag nachmittags befaßte sich der Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses in Anwesenheit deS Verteidigungsministers mit den drei Vorlagen wehrpolittschen Charakters. Nach einem Referat des Agrariers M a ch n i k und nach kurzer Debatte, in der lediglich Jng. Kallina und ein Kommunist sprachen, wurde die Vorlage ohne Aenderung genehmigt. Zur Beratung der Dienstzeiteinrechnung und des Wehrbeitrages wurde ein siebengliedriges Subkomitee eingesetzt. In der Plenarsitzung des Hauses am Mittwoch wird also nur die Dienstzeitverlängerung verhandelt werden. Rach den bisherigen Disposi- ttonen soll für die Koalitton außer den Referenten nur noch Abg. David als Vorsitzender des Wehrausschusses sprechen. Da zu den beiden anderen Vorlagen auch von Koalittonsseite verschiedene Verbesserungen vorgeschlagen werden(Be- freiüng der Mütter vom Wehrbeitrag, Rückwirkung der Dienstzeiteinrechnung usw.) ist es noch unbestimmt, ob sich das Plenum noch in dieser Woche auch mit diesen beiden Vorlagen beschäftigen können wird. Japan kündigt den Marinevertrag Tokio.(Tsch. P. B.) Die japanischen Botschafter in London, Washington, Paris und Rom sind beauftragt worden, die betreffenden Regierungen von dem Beschluß des japanischen Kabinetts über die Kündigung des Flottenabkommens in Kenntnis zu setzen. Die amtliche Kündigung wird am 10. Dezember durch den Kaiser vollzogen werden. Lpüte Erkenntnis eines Linzer klerikalen Sattes Linz. Das christlichsoziale„Linzer Volks- blatt" richtet in seiner letzten Nummer heftige Angriffe gegen die völlischen Turnvereine, die zum großen Teile in der letzten Zeit wieder akttviert wurden, und verlangt, daß auch die ehemaligen sozialdemokratischen Turnvereine wieder zugelassen werden. Das Blatt schreibt: Man hat bei den roten Turn- und Sportvereinen daran gedacht, sie nicht wieder erstehen zu lassen, sondern sie durch Neuschöpfungen auf vaterländischer Basis zu ersetzen. Für diese Gedanken sind auch wir eingetreten, aber dann muß das gleiche mit den deutschvülki- schen Turnvereinen geschehen. Wir könnten sogar verstehen, daß man die Arbeiterturnvereine gegenüber den deutschvölttschen Turnvereinen b e- vorzugt. Dem Staate müßte daran gelegen sein, die ehemalige sozialdemokrattsche Arbeiterschaft zu gewinnen, weil sie einen weitaus wertvolleren Bestandteil der Bevölkerung bilden als der in verlogenen Phrasen befangene, betont nattonale Teil der Bevölkerung, mit dem man ohnedies niemals in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft eine vernünftige, gerade, ehrliche und zielführende Po- litik führen konnte und führen kann. Ein neuer Nenn In der Kelchswehr Berlin.(AP.) Während noch die Diskussion über die Stellung der Generale Fritsch und Blomberg im vollen Gange ist, taucht ein neuer Mann am polittschen Horizont auf, der noch eine große Rolle spielen dürfte und der glaubt, daß bei den kommenden Auseinandersetzungen seine Stunde bald schlagen wird. Das ist der Leiter des Heeres- truppenamteS, Generalmajor Beck, dessen Namen man sich für die Zukunft merken muß und der sich Hoffnpngen macht, bei der Umwandlung des Heerestruppenamtes in den Generalstab dessen Chef zu werden. Generalmajor Beck hat sich schon vor Jahren bei den Nationalsozialisten beliebt gemacht. Er war nämlich der Kommandeur des 5. Artillerie-Regiments in Ulm und als solcher der Vorgesetzte der drei Reichwehroffiziere Scheringer, Wendt und Ludin, die vor das Reichsgericht kamen und später eine so verschiedene Entwicklung genommen haben. Er trat damals für die drei Leutnants ein und erleichterte dadurch Hitlers Position. Die„revolutionäre" Unterschriftenaktion, die die Kommunisten eben' jetzt zur Bekämpfung der Teuerung veransiaüen, erstreckt sich auch auf die Gemeindevertretungen. Die Herren Geschäftsführer jener kommunistischen Konsumvereine, die nicht im Traume daran denken, bei der Preis- Senkungsaftion mit gutem Beispiel voranzugehen, haben allen Gemeindevertretungen vorgedruckte. Formulare zur Verfügung gestellt, auf die jene Gemeindevertreter, die die kommunisttsche Demagogie mitmachen wollen, nur den Namen zu setzen brauchen. Es ist selbstverständlich, daß sich kein sozialdemokratischer Vertreter für die neue Schwindel-Aktion der Kommunisten' mißbrauchen lassen wird. Solange die Kommunisten die einzige politische Kraft, die den Kampf um die Besserung der Lebenslage aller arbeitenden Schichten mft Erfolg zu führen vermag, die Sozialdemokratte, zu zersetzen und zu schwächen trachten, kann in ihren Aktionen nichts anderes gesehen werden, als em neues Manöver Seite 4 Mittwoch, 5. Dezember 1934, Nr. 288 Aus der Vorgeschichte des 30. Duni Ernst schreibt an Heines Wir bringen im folgenden den Brief von Ernst an H e i n e s, der sich unter Brantings Dokumenten befindet und aus dem wir gestern nur eine Stelle zitiert haben, im Wortlaut nach der„P r a g e r Presse" zmn Abdruck. Der Brief ist eines der intereffan- teften Dokumente zur Zeitgeschichte, nicht nur weil sein Inhalt eine Reihe„Greuelmär- cheu" bestätigt— die Hysterie und Entschluß- losigkeit des„Führers", den Hatz der Röhm- Gruppe gegen Goering und Goebbels, die Methoden des innerparteilichen Kampfes in der NSDAP— sondern auch durch den Stil. D a s ist die Sprache der Herren Deutschlands! In diesem Rotwelsch, das fie aus ihrer Vergangenheit als Strichjungen, Ganoven, Zuhälter und Fememörder mitgebracht haben, unterhalten sich die offiziellen Repräsentanten .eines 70 Millionenvolkes und Sachwalter der deutschen Kultur! S. Juni 1934. ., Lieber E.» der Chef ist endlich bei ihm gewesen! Lange Aussprache. Der Chef erzählte mir, es ging bis in die Morgenstunde. E r hat wie oft bei solchen Gelegenheiten geheult und den Chef beschworen, ihm doch zu glauben, daß er hundertmal lieber ihn an der Spitze einer vereinten Armee sehen würde, als einen alten Knak- ker aus dem Neudecker Altersverein. Aber es ginge nicht. Allgemeine Schwierigkeiten, dann Rücksicht auf das Ausland, Zusammenkunft in Venedig und ähnlichen Quatsch. Kurz und gut, Du wirst ja den Chef bald treffen und ausführliches von ihm hören. Das Ende vom Lied war gegenseitiges Versprechen, nichts zu unternehmen, abzuwarten, bis der alte Herr abkratzt. Dann wird man sehen. Das heitzt aber für uns jetzt losarbeiten. Denn es ist a r s ch k l a r, tvenn wir warten, bis es diesem hinterhältigen Aeghpter gelungen ist, den Lahmen mit dem Kleider- ständer gegen uns zusammenzubringen, gehen wir vor die Hunde. Wir müssen handeln und diesen Kerlen zuvorkommen! Der Hermann geht aufs Ganze. Und wenn er auch den Lahmen nicht riechen kann, gegen uns geht er sogar mit dem Schwarzen! Wir muffen ihnen einFeuerchen anzünden, daß sie mit dem Arsch hochgehenl Ich persönlich mutz den Lahmen bekommen. Schade, daß mir R. damals in den Arm gefallen ist, als ich ihm auf den Schädel hauen wollte für seine dreckigen Anspielungen wegen meiner Heirat. Ich habe mit dem Chef auch über Deinen Brief gesprochene Du weißt,'ich halte'sonst von dem vielen Reden und Schreiben nichts. Er ist Deiner Meinung, datz wir auf alles gefaßt sein müssen. Der Lahme kann die tollsten Dinger drehen. Der Chef hat sein wichtiges Material bereits an sicherer Stelle. Ich habe nach der Unterredung mit ihm die Erklärung über die Februargefchichte unterschrieben, die M. nach meinen Angaben geschrieben hat. Es ist in sicherer Hand. Wenn mir das geringste paffiert, platzt das Ding. Ich schicke Dir beiliegend auf alle Fälle eine unterzeichnete Kopie. Heb sie gut auf. Du solltest auch Deine Sacheir irgendwo sicherstellen. Lies Dir das Ding> nial durch. Es istdasStärkste, was wir haben, wenn alle Stränge reitzen. Vielleicht hilfts was, vielleicht hilft eS nichts. Denn im Schreiben ist uns der Lahme über. Unsere Stärke liegt auf anderem Gebiet und da müssen wir losgehen. Aber diesmal mußt Du bis zuletzt mitmachen. Ich hab da schon so einen Plan, gegen den die Dinger vom Lahmen nichts sind. Aber Du darfst nicht wieder losfahren, bevor die Sache richtig kitallt. Die Hauptsache ist, den Lahmen zu treffen. Das ist meine Meinung— während der Chef nur ein Ziel hat, dem Hermann mit der Uniform auch die Haut abzuziehen. Man kann beides haben. Aber die erste Maßnahme ist, die beiden von i h ni zu trennen. Ihn müssen wir haben, er mutz mit uns gehen, dann ist die Geschichte schon richtig. Ueber meinen Plan wird Dir Fi. Näheres flüstern. Du kannst Dich blind auf ihn verlassen. Schade, datz ich nicht dabei bin, wenn Ihr die Sache begießt. Ich bin mit allem, was der Chef sagte und was Du bald hören wirst, einverstanden, aber d en Lahmen schmore ich, das verwehrt mir keiner, nachdem er seine Prügel bekommen hat. Daß der.Hund mich damals in die Ge- Vom Rundfunk Empfehlenswertes et» den Programmen i Donnerstag: Prag, Sender L: 10.06: Deutsche Nachrichten, 11: Schullplatten, 13.45: Lieder aus Tonfilmen, 16.40: Kindermusik, 17.20: Basken-Volkslieder, 17.55: Jugendstunde, 19.15: Wir lernen russisch, 20: Das unbekannte Finnland, 20.15: Konzert der Prager Sendestation. Sender S.: 14.20: Jaros: Medizin unserer Vorfahren, 15: DeutscheSen- d u n g: Dr. Schmied!: Die neue Altersrente in der Pensionsversicherung, 15.20: Opernarien auf Schallplatte«, 18.20: Konzert des Salonorchesters, 19.15: Italienische Chansons.— Brünn 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 15.55: Orchester- Konzert, 18.25: De utsche Sendung: Arbeiterfunk: Harrens: Die Frau in der Arbeiterdichtung, 18.25: Axien aus Verdi-Opern.— Mährisch-Ostra» 17.55: Deutsche Sendung: Liederabend, 19.30: Unterhaltungsprogramm.— Preßburg 17.20: Liederkonzert.— Kascha» 17.20: Violinkonzert. schichte hetzte und hinterher noch aufzog, das vergesse ich nicht. Der Chef glaubt, wir sollen nicht vor dem Parteitag losgehen. Er hat Mitteilung, daß der alte Herr noch zehn Jahre leben wird. Ich bin nicht der Meinung. Da aber alle beistimmen, kann ich nichts machen. Aber nach dem Parteitag mutz es klappen. Ich gehe in den nächsten Wochen auf Urlaub. Ich muß mal mit ihr wegfahren. Schick mir durch Fi. eine Kopie, Deines Materials. Schieb das nicht auf die lange Bank. Sei vorsichtig mit Sch.! Es wird allerhand gemunkelt. Zeig Dich nicht so oft mit ihm. Der Chef erzählte, daß er eine Bemerkung deshalb gemacht hat. TagcsncDlgkcltcn Arberter-Maffenunglück Mexiko. In einer hiesigen Werkstatt für Feuerwerkskörper ereignete sich eine schwere, Explosion. Ein Arbeiter wurde getötet. 18 Arbeiter wurden so schwer verletzt, datz an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. 60 Millionen verlumpt! Paris. Die gerichtliche Untersuchung gegen Charles und I o s e f L e v y, die Leiter einer Finanzgesellschast, hat bisher ergeben, daß die beiden Angeklagten seit dem Jahre 1929 für ihre persönlichen Bedürfnisse nicht weniger als 60 Millionen Franken veruntreut und vergeudet haben. Heuschreckenplage in Südafrika London. Wie aus Kapstadt berichtet wird, hat die Heuschreckenplage in Südafrika in diesem Jahr ungewöhnliche Ausmaße angenommen. Gegenwärtig haben die mittleren Bezirke der Kap- Provinz ganz besonders schwer zu leiden. Eisenbahnzüge, die vom Norden her in Kapstadt eintreffen, haben gewöhnlich bis zu zwei Stunden Verspätung. Die Heuschrecken sammeln sich auf dem Bahndamm und bedecken die Schienen in einer Höhe bis zu 15 Zentimeter. Kommt ein Zug, so werden sie zermalmt und machen die Schienen so schlüpfrig, daß die Züge kaum von der Stelle kommen. Der von der ReAekunssf"dt'gäMsserke Feldzug, Set'bent Gift angewandt wird, hat den Nordwesten der Provinz fast völlig von der Plage befreit, aber in den mittleren Bezirken sind bisher kaum Fortschritte gemacht worden. Die Methode der Vergiftung der Heuschrecken mit einer Arseniklösung ist eine zweischneidige Waffe; denn wenn dasselbe Gebiet immer wieder damit besprengt wird, um neue Heuschreckenschwärme zu vernichten, setzt sich das Gift im Grase fest und weidendes Vieh und Vögel, die die Hauptverbündeten der Farmer im Kampfe gegen die Heuschreckenplage sind, finden den Tod. Die Vorhut der Heuschrecken ist nur noch 160 Kilometer von Kapstadt entfernt und, wenn kein Südostwind einsetzt und die heranrückenden Jnsektenheere zurückweht, dann werden die ausgedehnten Obst- und Weinbezirke des südwestlichen KaplandeS in höchste Gefahr gebracht werden. Strenges Uniformverbot in der Türkei Auch Priestergewänder verboten. Istanbul.(Reuter.) Das neue türkische Gesetz, mit welchem das öffentliche Tragen der Priesterkleidung verboten wird, verbietet auch das Tragen sämtlicher fremdländischer Abzeichen und Embleme. Das bedeutet, daß nicht bloß Schwarz« und Braunhemden und fascistische Abzeichen, sondern auch die Skautuniform verboten ist. Das Verbot des Tragens des Priestergewandes hat in den fremden religiösen Organisationen Bestürzung hervorgerufen. Wahrscheinlich werden infolgedessen einige religiöse Organisationen ihre Tätigkeit in der Türkei einstellen. Arbeßtsdierrftpfttcht in Lhima Schanghai. Zur Beschleunigung der Wiederaufbauarbeit in China hat Marschall Ts ch i a n g- ka i s h e k in einem längeren Rundschreiben an die Gouverneure von 16 Provinzen, mit Ausnahme der Provinzen Kwangtung, Kwängsi, Kweitschau und Szetschuan, die Einführung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht angeordnet. Die Pläne'für die Wiederausbauarbeiten,. Deichbauten, Bewässerungsanlagen, Straßenbau und Ausforstung müssen innerhalb einer hestinunten Frist beim Hauptquartier des Marschalls in Nantschang eingereicht werden. Die Heranziehung der Bevölkerung zur Arbeit soll unter Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Bedürfnisse turnusmäßig erfolgen. Die Umgehung der Verordnung durch Gestellung von Ersatzleuten ist verboten. Beamte, die sich bei Durchführung der Arbeitsdienstpflicht Nachläffig- keiten zuschulden kommen lassen, sollen streng bestraft werden. Der Marschall hat außerdem befohlen, daß jede Division des chinesischen Heeres monatlich 30 Kilometer Straßen bauen muß. Räume Deine Bude auf. Unser Freund aus der Albrechtsstrahe erzählte mir, datz der Schwarze demnächst bei verschiedenen von uns rmchsehen lassen will. Bei mir kann er ja, ich leg ihm eine schöne Ueberraschung hin. Machs güt, alter Junge, Dein Karlos. * E r läut e r u n gen: Chef— Stabschef Röhm; Er— Hitler; Aeghpter— Stellvertreter Heß, weil in Aegypten gebaren; Der Lahme— Goebbels; Kleiderständer— Goering; Der Schwarze— Reichsführer der SS Himmler; R.—?; M— von Mohrenschild, Adjutant von Ernst; Fi.— Oberführer Fiedler. Vertrauter von Ernst; Sch.— Adjutant von Heines Schmidt, genannt Frl. Schmidt, Freund aus der Albrechtsstraße— Freund aus der Gestapo; Karlos — Spitzname von Ernst. Sobeefprimg des Skimeisters Bilgeri Innsbruck. Oberstleutnant Georg Bilgeri ist am Dienstag am Patscherkofel bei Innsbruck tödlich verunglückt. Er hielt dort seinen ersten Skikurs in diesem Jahre ab. Bei einem Sprung kam er so unglücklich zum Sturz, datz er schwere innere Verletzungen erlitt, denen er bald darauf erlag. Bilgeri, der im 64. Lebensjahre stand, hatte als Pionier des Skilaufes europäischen Ruf. Schon vor dem Kriege erschloß er die österreichischen Alpen dem Wintersport. Er war der Organisator der Wintersportausbildung der alten österreichischungarischen Armee und bildete ein eigenes System des alpinen Skilaufes aus. Die von ihm geschaffene Bilgeri-Bindung hat seinen Namen in der ganzen Welt bekannt gemacht. In den letzten Jahren veranstaltete Bilgeri in Oesterreich und in der Schweiz zahlreiche alpine Skikurse. Der Jubilant. Die magyarische und die ma- gyarophile deutsche Presse feiern in hohen Tönen das fünfzehnjährige Jubiläum der Horthydikta- tur. Nikolaus Horthy, der in Szegedin wartete, bis die Rumänen die ungarische Revolution niedergeworfen hatten, der dann noch immer zuwartete, bis alles sicher war, um endlich, Monate nach dem Untergang der Räterepublik, seinen „Siegeszug" durch das eigene Land anzutreten, einem durch Blut und Galgen gezeichneten Weg, wird jetzt als der große Sieger gefeiert. Wie sahen diese Siege in Wahrheit aus? Paula Wal- l i s ch, die auch die Passion der ungarischen Revolution durchlebt hat, lange bevor sie ihrem Mann in den letzten Kampf in Bruck folgte, erzählt in ihrem demnächst erscheinenden Buch„E i n ' He ld st i r b t", ergreifende Episoden aus dem" Leiden ungarischer Menschen in jener Zeit. Auf ihrer Flucht kam sie einmal zu einer barbarischen Szene: Ein„Bolschewik" wurde unter Assistenz des ganzen Ortes zur Hinrichtung geführt, seine Frau und seine Kinder führten den gefesselten Mann auf dem letzten Weg: Die Frau weinte und wehklagte laut, die Knaben, vielleicht vierzehn und sechzehn Jahre alt, weinten ebenfalls laut und riefen ununterbrochen:„Edes apjä, ödes apjä!"(Lieber Vater, lieber Vater!) Paula Wallisch erzählt weiter: Ich war davongelaufen.— Nicht lange . darauf hörte ich Schüsse. Der arme Held Ivar vor den Augen seiner Familie erschossen worden, wie ich später in dem Park nahe dem Bahnhofe, wo ich mich erschöpft auf einer Bank niedergelassen hatte, den Gesprächen einiger Frauen, die dort, mit Kindern saßen, entnahm. Diese Frauen aber hatten Herz, sie sprachen von der Ungerechtigkeit gegen den Herrn O b e r l e h r e r, der ein so guter Mensch gewesen. Nun wußte ich auch, warum man den armen Mann vor die S ch u l e geführt hatte. Das waren Horthys„Siege". Dafür wird er gefeiert- Wie klein ist dieser große General! Wie groß ist eine schlichte Frau wie Paula Wallisch, die all das ansah und 15 Jähre später ohne Zaudern in einen Kampf zog, dessen Ende die gleichen Schreckensszenen bringen mutzte! ! fSestelM das Walliscft-dBucft Ein unverständliches Verbot. Die zunehmende Arbeits- und Erwerbslosigkeit veranlaßten den schnapsbüden- und überhaupt alkoholfreundlichen Amtsschimmel, den ungefähr 500 Prager Milchverkaufsstellen— dieser billigsten und gesündesten Form des Restaurants ohne Schnaps-, Bier- und Weintrinkzwang— die Verabreichung von warmer Milch, warmen Milchgetränken und gekochten Eiern'zu verbieten. Die vielen Zehntausende, die heute oft ihre ganzen Mahlzeiten in Milchhallen einnehmen, werden nichts mehr Warmes zu trinken, bezw. zu essen bekommen. Der australische Flieger Ulm startete mit einem zweiten Piloten und einem Navigator zum Flage von Kalifornien über den Stillen Ozean nach Australien. Dienstag vormittag sandte er nach vergeblichem Versuchen den Flugplatz von Honolulu zu erreichen, SOS- Rufe aus. Gegen Mittag hatte Ulm bereits gefunkt, datz er vom Kurs ab geraten sei, Brennstoff für nur noch 45 Flugminuten habe und genötigt sein werde, auf dem Meere zu landen, worauf ein Geschwader Marineflugzeuge sofort ausstieg, um Ulm zu fu« Ausweis für den Monat November (Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, die ein-, geklammerte Zentralwahlfonds.) Bodenbach 3200 X£(800), Karlsbad 5760 Kt(1440), L a n d s k r o n 400 Itt (100),P ilsen- Budweis 990 XL(230k Prag 654 Itt(160), Preßb» rg 100 K£ (25), Sternberg 1200 KC(300), Tcp- l i tz- Saaz 3200 XL(800)»Trauten«« 800 XL(200), Troppau 1360 XL(340). chen und nach Honolulu zu geleiten. Nach einem später aufgefangenen Funkspruch hat der amerikanische Dampfer„President Coolidge" Ulm aufgefunden. Todcsfahrt mit einem Betrunkenen. In der Nähe des Urnenfriedhofes in Linz ereignete sich Montag nachts ein schwerer Motorradunfall, der zwei Menschenleben erforderte. Der Fleischhauer Mayerhofer fuhr in angeheitertem Zustande auf seinem Motorrade nach Hause, wobei er auf dem Soziussitze den Kutscher Zellendorfer mitnahm. Er fuhr an einen Randstein auf, die Kuppelung zerriß und das Motorrad fuhr in den Straßengraben. Zellendorfer erlitt einen Schädelbasisbruch und blieb tot am Platze liegen. Mayerhofer würde mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Kran-, kenhaus gebracht, wo er bald verschied. Die kroatischen Terroristen. In Ollieules bei Toulon wurde der 26jährige Kroate Bin ko P a j l o v i L verhaftet, dessen Ausweispapiere auf den Namen Biotan Molinar lauteten. Der Verhaftete behauptet, sich die falschen Ausweise deshalb verschafft zu Hecken, weil gegen ihn, als er wegen Diebstahls abgeurteilt worden War, ein Ausweisungsbefehl erlassen wurde. Es besteht jedoch der Verdacht, daß es sich.um einen kroatischen Terroristen handelt. Nene furchtbare Dchneestürme haben am Montag den amerikanischen Mit tel- Westen durchrast. Der Flugverkehr mutzte allenthalben eingestellt werden und bei den übrigen Verkehrsmitteln träten sehr erhebliche Verspätungen und Unterbrechungen ein. In Nisconsin« n t- gleisten zwei Eisenbahnzüge auf der tiefverschneiten Strecke. In Minneapolis und St. Paul muhten die Schulen geschlossen werden, um die Kinder vor den Gefahren der Witterung während des Schulweges zu bewahren. Das Sturmgebiet breitet sich über Michigan aus und ziÄht in nordöstlicher Richtung weiter.' Geistliche Gewänder nnr im Dienst. Das türkische Parlament hat einstimmig das Gesetz angenommen, demzufolge es den Geistlichen aller Konfessionen nur innerhalb der Gotteshäuser und Klöster gestattet ist, religiöse Gewänder zu tragen. Außerhalb der Gotteshäuser und^Klöster ' dürfen nur die höchsten Repräsentanten aller in der Türkei zugelassenen Konfessionen geistliche Gewänder tragen. Krawalle um den Herzog von Kent. Den Dubliner Kinos wurde verboten, die Hochzeit des Herzogs von Kent im Film vorzuführen. Die Ursache hievon sind Ausschreitungen, die sogenannte Kommunisten und extreme Republikaner veranstalteten» in einem Kino mit den Zurufen „Fort mit dem Imperialismus" demonstrierten. Die Demonstranten zerschnitten die Projektiqns- wand und begossen sie mit schwarzer Tinte. Erst die Polizei konnte die Ruhe wieder herstellen. Das Flugzeug, in dem der G o u v e r n e u r des mexikanischen Staates Michoacan, General Benigno Serratos, eine Reise unternahm, stürzte am Montag morgens infolge eines Motors schadens in der Nähe von Barranca Honda im Staate Michoacan ab. Dabei fand der Gouverneur den Tod. Der Adjutant des Gouverneurs sowie der F l u g z e u g f ü h r e r und ein M e- chaniker wurden schwer verletzt. Dynamit in der Hosentasche. Eine Bäuerin in Chrudichrom schickte den Kutscher Eduard S y ch r a aufs Feld, damit er dort einige Tyna- mitpatronen eingrabe. Sychra steckte die Patronen in die Tasche, wo sie plötzlich explodierten. Der Unglückliche erlitt schwere Verletzungen und wurde in das Brünner Arbeiter-Unfallspital gebracht. Wölfe überfallen einen Autobus. Der zioischan Kalafat und Krajowa verkehrende Autobus wurde beim Passieren des Waldes von Radovan von einem Rudel von 20 hungrigen Wölfen überfallen. Die Tiere umringten den Autobus und sprangen auf das Trittbrett. Der Passagiere bemächtigte sich eine Panik. Erst als der Chauffeur zur höchsten Geschwindigkeit überging, sprangen sie ab- und blieben zurück. Todessprung a«8 dem Fenster. Gestern vor 12 Uhr stürzte sich aus einem Bodenfenster eines zweistöckigen Hauses.in Pilsen die 48jährige Bedienstete E. Anderlova. Sie war sofort tot. Gefrirrheringe. In der letzten Zeit finden in England sehr zahlreiche Versuche, mit der Ge- frierung von Heringen statt. Obwohl bisher, kefn vollkommenes Ergebnis erzielt wurde, seien die Versuche dennoch sehr vielversprechend. Budweiser Sehenswürdigkeiten. Im Museum in Böhmisch-Budweis wurde eine Ausstellung der neuerworbenen historischen Denkwürdigkeiten eroffnet. Zu den werwollsten Stücken gehört der Christi" aüs dem ehemaligen Kloster zum Grabe Gottes aus dem Jahre 1380 und der Torso einer Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert, sowie ein« Reihe künstlerischer Arbeiten der Malerei und Holzschneidekunst und Glasmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Wahrscheinliches Wetter heut«: Vorwiegend bewölkt, Neigung zu Niederschlägen, relatw Ivarm,- auch im Osten weitere Erwärmung, überwiegend nordwestlicher Wind. Jtr. 385 Mittwoch, 5. Dezember 1934 Sette 5 Großer Kokainschmuggel aufgedeckt Silin.(Tsch. P.-B.) Die Gefällsbehörde ist einem umfangreichen Kokainschmuggel auf die Spur gekommen, durch den schon für mehrere hunderttausend XL Kokain auS Deutschland nach der Tschechoslowakei gebracht wurde. Das Kokain wurde an private Kunden, Drogerien und angeblich auch an ein Teplitzer Nachtlokal zu hohen Preisen abgegeben. Ein Kilogramm wurde zu etwa 60.000 Ki verkauft, während der Einkaufspreis nur etwa 6000 XL betrug. Den Transport des Tistes von der Grenzstadt Weipert ins Inland besorgte der Mietautobesitzer Hartwig Bartl auS Weipert. Als dieser jetzt wieder, wie schon öfter, nach Bilin kam, überraschte ihn die Gendarmerie in seinem Hotelzimmer. Man fand bei ihm vier Tuben zu je 100 Gramm. Außerdem wurde auf der Straße eine wettere Tube gefunden, die ein Beteiligter weggeworfen hatte. ES wurden sämtliche 800 Gramm Kokain beschlagnahmt. Bartl wurde verhaftet. Gleichzeitig wizxde in Bilin der Kellner Josef Weber sowie dessen Bruder Karl Weber, ein ehemaliger Bankbeamter, der auch an einer großen Stempelfälscheraffäre beteiligt war, verhaftet. Die beiden Weber hatten den Weiterverkauf des Giftes besorgt. Durch die Aufdeckung des Kokainschmuggels sollen viele Personen, darunter ein Fabrikant in Weipert und ein Brüxer Arzt kompromittiert sein. Die Untersuchung wird energisch fortgesetzt. GewichtSbezeich«»» schwerer GtLckgitter Im Senat wurde eine Regierungsvorlage über die Ge- wichtSbezeichnung schwerer für den SchiffStranSport bestimmter Stückgüter vorgelegt. Demnach muß jede» Stückgut im Bruttogewicht von mindesten» 1000 Kilo, das zur Beförderung mit einem Schift— gleichgültig ob für die Meeres« oder Flußschiffahrt — cmfgegeben wird, in deutlicher und dauerhafter Weise äußerlich eine Angabe über das Bruttogewicht tragen. Damit soll eine internationale Konvention durchgeführt werden, die von der Jnterna- ttonalen Arbeitskonferenz im Jahre 1029 beschlossen wurde.— Das Abkommen hat den Zweck, die Transportarbeiter vor schweren Unfällen zu schützen, die häufig bei Verwendung von zu schwachen Kranen, Stricken und ähnlichen Vorrichtungen beim verladen und Einlagern schwerer Stückgüter sich ereignen, weil deren Gewicht nicht angegeben ist und sich auch nicht aus dem Umfang des Stückgutes erschließen läßt. Das Abkommen soll für die Tschechoslowakei am 1. Jänner 1988, international am 26. März 1985 in Wirksamkeit treten. Die Danziger«Wahlen-. Der Danziger Korrespondent des»Glos Poranny" berichtet, daß bet den Danziger Dahlen massenhaft Fäk> f ch u n g«'N»ottzekommen seien. Er habe.mif Grund genauer Untersuchungen festgestellt, daß in zahlreichen Fällen die Wahlscheine der Opposition verschwunden seien. In einigen Wahlbezirken habe die oppositionelle Liste bis zu 80 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten I— Die sozialdemo- kratische Danziger Volksstimme berichtet, daß die Zahl der allein in 18 Orten verwundeten Personen 100 betragen habe. Die Polizei habe auf die einzelnen Anzeigen nur das eine unternommen, daß sie die Protestierenden ins Gefängnis oder auf die schwarzen Listen der Nationalsozialisten brachte. In Wotans Namen. Aus Danzig wird gemeldet: Die bedeutende Gruppe protestantisch e r P a st o r e n, die zur Kirche der„deutschen Christen" gehört, hat diese Kirche verlassen und sich der deutschen Glaubensbewegung angeschlossen, deren Bekenntnis sich auf den altgermanischen Wotanskult gründet. Goebbels bei den„Alten Kämpfern". Nach und nach kommen tropfenweise noch einige Details über die Versammlung am Friedrichshain, in der Goebbels von den„Alten Kämpfern" ausgepfiffen wurde, an die Oeffentlichkeit. In der Versammlung kam eS auch zu Schlägereien, wobei der■ Bezirksbürgermeister von Weißensee und Kreislei-1 ter der NSDAP» B o m b a ch, verprügelt wurde. Bei den vielen Zwischenrufen, vor denen der Gauleiter Görlitzer Goebbels vergeblich zu bewahren suchte» verlor Goebbels die Nerven, besonders als er an einen Arfikel im Angriff aus dem Jahre 1929 über„Schacht, den Beauftragten des jüdischen Finanzkapitals" erinnert wurde. Zuerst mahnte er, fast bettelnd, man möge sich doch so verhalten, als wenn zwei Journalisten der Emi- grantenpreffe im Saal anwesend seien(trotz aller Beschimpfungen scheint diese die Rolle des mahnenden Gewissens zu spielen). Als da nichts half, verflieg er sich, wenig diplomatisch, zu der Drohung, hier am Friedrichshain sei er schon mü ganz anderen Leuten ferfig geworden. Das löste begreiflicherweise einen Sturm der Empörung aus. Während dieser erregten Szenen wurde auch Da- luege angepöbelt. Nikolo.. Alte Mythen klingen leise Schatten gleich durch dunkle Straßen» Ganz verweht ertönt die Weise, Die wir länge schon vergaßen... Kinderherzen höher schlagen. Und die bstnten Träume schweben, Bon der Phantasie getragen» Weit—, fernab von unsrem Leben—. Hinter hellen Fensterscheiben Glitzert, was sie heiß ersehnen—, Bielen wird es Sehnsucht bleiben, Sehnsucht wird zu Kinderträumen. Wer kann solche Schuld ertragen? Kinder, die noch gar nichts wissen. Und die doch, ans Kreuz geschlagen. Immer nur verzichten müssen—! A i s Vom Prager Rundiunh Das Schwergewicht des vergangenen Wochenprogrammes ruht« in den Hörspielen. Am Beginn stand die von Demi aus Aussprüchen, Briefstellen und Worten des Dichters zusammengestellte, von Fischer geleitete Folge„DieNacht des Gott- frieb"August Bürger". Der Sonntag löste dieses düstere, in die Tiefe der Schwermut gerichtete Bild ab durch Kotzebues„Drutsche Kleinstädter". Leider entsprachen von den Mitwirkenden nur Frau Wünsche, und die Herren Lewitt und Lttten dem fröhlichen Narrenstil der Satire, die Sordan leitete. Für die Jugendstunde am Donnerstag hatte Prof. Klein ein sehr nettes Gespräch zweier Quartaner,„GroßmachtEisenbahn". zusammengestellt, das von zwei munteren Stimmen weitergegeben wurde. Zum Wochenende brachte der Samstag ein von Otto Pick nach Tfchechovs Satire »Unteroffizier Prischibejew" gearbeitetes Hörspiel „Ordnung muß sei n", das seinen künstlerischen Höhepunkt in Demls prächtig gesprochener Titelrolle erreichte.(Leitung: Sordan.)— Dem musikalischem Teile des Programms sprach Professor Kraus den Prolog. Für den Nichtprivatier roaren innerhalb der deutschen Sendung nur erreichbar die' Liede rWesselyS, um deren Interpretation sich mit. kultiviertem Singen Martha T h a m a r a bemühte. Leo Schleißner führte die Hörer den dritten Gang durch„8 OOJahreK lavier» musik"; die von Prof. Franz Langer vorgetragenen Beispiele der verschiedenen Stile waren wie immer ein Genuß.— Bon heimischen Dichtern kam R. Fuchs zu Wort; er las ein Kapitel aus seinem neuesten Roman; es bedeutet nicht viel mehr, als eben ein Bruchstück vom Ganzen geben kann. Den gewohnten allwöchentlichen Tribut an konservative, im Katholizismus wurzelnde Weltanschauung entrichtete Frau Stracholtnsky mit dem Vorträge „Frauenantwort auf Zeitrufe und Zeitaufgaben". Die krittsche Schau über das Augenblicksbild der schaffenden Kräfte gab Genosse Ernst Paul in den aktuellen zehn- Minuten am Freitag. Die Arbeitersen-. duna cnn'Mitttvoch entfiel'mtt Rücksickkauf die Ucber-^ tragung der 15jährigen Bestandesfeier der Mdac(Alt-' städter Rathaus, Prag). Die Zeitspanne von acht Tagen vermochte nicht die lebendigen Reiseeindrückc zu trüben, die Dr. Mauthners Bericht von einer achttägigen„Fahrt um den Peloponnes" hin- terließ. Landschaft, Menschen und Siedlungen zeichnete er in buntem Pastell, dessen Farben im Lichte südlicher Sonne strahlend leuchteten.— Der in die Prager Welle eindringende fremde, wohl noch anonyme Sender stört andauernd den Empfang in der Provinz. Ernst Th ön er. Raubmord an einem armen Kutscher Zweitägiger Schwurgerichtsprozeß Erdrückende Indizien gegen den Angeklagten Prag. Vor dem hiesigen Schwurgericht wurde am Dienstäh die Verhandlung über einen Raubmordprozeß eröffnet, dessen Verhandlungsdauer für zwei Tage berechnet ist. Die Mordtat, die diesem Prozeß zugrundeliegt, hat seinerzeit in Prag besonderes Aufsehen erregt. Am 4. Feber d. I. wurde morgens auf dem Hofe des Ful'rwerksunternehmers Franz Mrvik in Straschnitz die Leiche des Michal Forgak aufgefunden, der als Kutscher bei Mrvtt qngestellt war. Die Leiche wies schwere Axthiebe am Schädel auf. Der Ermordet« war ein slowaki- scher Landarbeiter, der vor Jahren bei dem Fuhrwerksunternehmer Mrvik Anstellung gefunden hatte.' Er war ein fleißiger und arbeitsamer Mensch, der es fertiggebracht hatte, von seinem kargen Lohn noch Ersparnisse zurückzulegen, was allgemein bekannt war. Bereits am 1. Feber hatte ein unbekannter Täter versucht, den Forgak zu bestehlen. Der Dieb brach in das im Stall befindliche Quartier des Forgak ein und entwendete verschiedene Wäschestücke und Gebrauchsgegen- stände. Bares Geld erbeutete der Einbrecher nicht, denn diese» pflegte Forgak stets bet sich zu tragen. Ein armseliger Drahtbinder wurde dieses Einbruches bezichtigt, mußte aber, da er einen einwandfreien Alibibeweis erbracht«, später frei- gelassen werden- Vier Tage später fand man Forgak e r s ch l a gen auf. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß der Ermordete im Schlaf überfallen und mit Axthieben umgebracht wurde. Er lag unter der Futterrauft im Stallraum, bloß in Nachthemd und Unterhosen. Er lebt« noch und röchelte, war aber bewußtlos und erlag noch am gleichen Tage seinen schweren Verletzungen,. ohne das,Bewußtsein j tyivdeierlanät" zu Lachen... V Die zunächst ratlosen Sicherheitsbehörden würden durch ein« Anzeige au»„Publikumskreisen" aus eine sehr beachtliche Spur gclenkt, nämlich durch die Anzeige der QuartierSftan Anna R e z b a, welche beim Straschnitzer Polizeikommissariat erschien und erklärte, daß ihr Untermieter Karl Kopkiva sich höchst verdächtig benommen habe. Dieftr Kopkiva habe in der Nacht de» Diebstahls(vom 1. Feber) ein umfangreiches Paket nach Hause gebracht. In der Mordnacht(vom 8. auf den 4. Feber) war Kopkiva überhaupt nicht zu Hause. Am nächsten Tag, dem 4. Feber, war er auffällig versonnen und verschreckt und kaufte sich— gegen seine Gewohnheit— Morgenzeitungen, in denen er mit großem Interesse die letzten Nachrichten las. Gleichzeitig bemerkte die Quartiersfrau bei ihrem Untermieter auch«ine Brieftasche, die er vorher nicht besessen hatte. Die darauf durchgeführte ,, Haussuchung brachte schwerwiegendes Beweismaterial zustande Man fand bei Kopkiva eine Krokodilledertasche, drei Achtellose der Klassenlotterie, ein Taschenmesser und ein Paar neuer Bakaschuhe— Sachen, die seinerzeit dem ermordeten Forgak gehört hatten. Außerdem wurden noch verschiedene andere Gegenstände im Besitz des Karl Kopkiva aufgefunden, die unzweifelhaft dem unglücklichen Forgak gehört haben. Der Beschuldigte Karl Kopkiva ist 28 Jahre alt, von Beruf Kutscher und in Straschnitz wohnhaft. Neben den bereit» angeführten Indizien ist noch das Mordinstrument zu erwähnen, die blutbefleckte Axt, die nach der Mordtat im Magazin hinter Kisten versteckt aufgefunden wurde und welche der Fuhrwerksunternehmer Birka als sein Eigentum erkannte. Bei Birka war der Angeklagte früher atigestellt gewesen und hat offenbar das Mordinstrument diesem früheren Dienstgeber entwendet. Zu bemerken ist noch, daß der ermordete Forgak am Mordtag den ausgezahlten Lohn für den kommenden Monat(d. h. 880 XL) bei sich trug. Karl Kopkiva hat in den auf die Mordnacht folgenden Tagen in verschiedenen Gasthäusern hohe Zechen gemacht! Im übrigen hat Kopkiva den aller- s ch l e chst e st e n.^L g-u mund.. Sein- LeumundS- rkllister weü't ihm allerhand Gaune^nem-nacho>■:- rr Den ihm zur Last gelegten Raubmord leugnet Kopkiva und behauptet, überhaupt nichts von dieser Affäre zu wissen. Es ist ein Jndizien- p r o z e ß, wobei die Indizien freilich geradezu erdrückend erscheinen. Die in diesem Prozeß am ersten Prozeßtag auftretenden Zeugen(insgesamt sind ihrer 27 vorgeladen) bestätigten die Anflage. Gegen Abend wurde die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Die Verhandlung leitet QGR. Hellriegel;. di« Anflage vertritt Stqatsanwalt Dr. Sima. Der««geklagte Maharadscha Bon Ruth Körner. Die Verfasserin dieft» Berichtes spricht am Mittwoch, den 5. Dezember, um 18.80 Uhr in der Prager deutschen Arbeitersendung. Vor kurzer Zeit hielt ein Prozeß die Oeffent- lichkeit Englands und Indiens in Atem, dessen AuSgang zumindest ebenso überraschte, als seine ganze Vorgeschichte. Der Prozeß lief vor dem obersten Gericht in London und es wurde ihm damit seine schwere, in der bisherigen Prozeßgeschichte Wohl einzigartige Entscheidung zuge- wiesen. ES sollte nämlich zwischen dem Oberhaupt eines Staates und seinem Volke richten und dieses letztere sozusagen auf„gütlichem Wege" von seinem Tyrannen und Ausbeuter befteien. Der AusgangSpunft der Anzeige bildete ein fleines, elegant in grünes Leder gebundene» Büchlein, das eine Zeit lang in allen Schaufenstern der indischen Buchläden ausgestellt war und auf dem in schlichten Buchstaben:„Jndietment of Patiala" stand. ES ist unmöglich, alle Borwürfe aufzuzählen, die in jenem Buch von den Untertanen gegen ihren Fürsten— den Maharadscha von Patiala— erhoben werden, der fonderbarerweife auch heute noch in den Ehamber of Princes in Delhi eine so hervorragende Rolle spielt. Doch sollen einige der krassesten heranSgenommen werden, um einmal nicht den Glanz und den Reichtum jener fast märchenhaften Maharadscha-Höfe, sondern eine weniger ruhmvolle, dafür aber"umso interessantere Seite eines Fürstenlebens zu beleuchten. Sa dar Lal, ein weitläufiger Verwandter des Maharadscha» heiratete eine ungewöhnlich schöne Frau: Dilip Kaur. Als sie dem Maharadscha vorgestellt wurde, verliebte er sich in sie und sann auf Nittel und Wege, sie mit ihrem Gatten zu entzweien. Da die Ehe SadarS und DlipS jedoch sehr glücklich war, halfen keine noch so geschickten Jntri- guen. Do hielt der Fürst Frau Dilip eines Tages ist seinem Palast zurück. Allerdings konnte er sich seines Glückes nicht offiziell erfreuen, da Sadar unter keinen Umständen in die Ehescheidung einwilligen wollte. Es verging lange Zeit, während Demonstration Indischer Frauen und Kinder in Allahabad. Im Zuge werden rote Fahnen und Fahnen in den indischen Nationalfarben getragen der Dilip im Palast wohnte, dem Maharadscha zwei Töchter schenkte und keiner der beiden Männer einen entscheidenden Schritt zur Lösung der Affäre unternahm. Als Sadar schließlich drohte, daß er sich an die englische Regierung um Hilfe wenden und den Maharadscha wegen Menschenraubes verklagen werde, gab der Fürst den Auftrag, den lästigen Nebenbuhler beiseite zu schaffen. Da der Chef der Kriminalpolizei jedoch den Mord nicht selbst ausführen wollte, nahm er einen berüchtigten Verbrecher, Gumdur Singh in seine Dienste, gab ihm einen Teil des Bestechungsgeldes, das er vom Maharadscha erhalten hatte und ver anlaßte ihn, den Mordbefehl durchzuführen. Nach dem ersten mißlungenen Versuch wurde Sadar von Gumdur ermordet; gerade zu einer Zeit, in der der Maharadscha in London weilte und so von jedem Verdacht der Mordanstiftung scheinbar weit entfernt war. Als der Maharadscha von dem Gelingen der Tat verständigt wurde, vergaß er sich jedoch so weit, daß er seine Umgebung mit reichen Ge- fchenken überhäufte. Unmittelbar nach seiner Rückkunft heiratete er Dilip Kaur, die auch heute noch „Ihre Hoheit die Maharani" ist. Doch begnügte sich der Fürst keineswegs mit Dilip. Auch Frau Amar Singh gefiel ihm und auch sie behielt er— nach bewährter Methode— in feinem Palast. Die Eltern Frau Amars bekamen ein monatliches Honorar von respektabler Höhe, ihr Gatte wurde lange Zeit verfolgt. Als es der Polizei nicht gelang, feiner habhaft zu werden, bot ihm der Maharadscha ein Lösegeld t|,:i 20.000 Rupies. Singh lehnte diese» Angebot ab und wandte sich an die englische Verwaltung des Punjab, mit der Bitte, ihm bei der Befreiung seiner Frau in irgend einer Weise behilflich zu sein. Die Verwaltung weigerte sich jedoch einzugreifen und riet Singh, das Lösegeld anzunehmen und auf alle weiteren Rechte über die Frau zu verzichten. Als Singh nun selbst versuchte, Schritte zur Wiedererlangung seiner Gattin zu unternehmen, wurde er verhaftet. Seit diesem Tage hörte man nichts mehr von ihm. Aber nicht nur persönliche Ränke wurden im Palast des Maharadschas geschmiedet. Auch politisch versuchte er seine Gegner mit allen Mitteln zu verfolgen, zu unterdrücken und zu kompromittieren. In der Absicht, Beweismaterial gegen feinen Nachbarn, den Maharadscha von Nabha, herzustellen, mit dem er seit langem in Fehde lebte, eröffnete der Fürst im alten Fort Bahadurgarh eine Bombenfabrik. Er stellte zwei junge Arbeiter aus Bengalen an, jener indischen Provinz, die für private Bombenfabrikation maßgebend ist und über ebenso verläßliche als geschulte Leute verfügt, engagierte einen Dr. Baxis als Leiter des„Unternehmens" und ließ die Arbeit beginnen. Der Fall wurde jedoch bald entdeckt und kam vor da» oberste Gericht in London, das Dr. Baxis als Zeugen berief. Während der Abwesenheit Baxis ließ der Maharadscha dessen Frau und die beiden Kinder verhaften, da er annahm, daß die Sache nur durch den Verrat von Baxis bekannt geworden war. Einmal noch wurde der Sohn Baxis gesehen, als er dem Maharadscha im Palast übergeben wurde. Dann waren und blieben die drei Menschen verschollen. Allgemein war man der Ansicht, daß sie vom Maharadscha aus Rache ermordet wurden. In der Verhandlung sagte Baxis aus, daß unter seiner Leitung nicht weniger als 1826 Bomben hergestellt und nach den Sonderbefehlen des Maharadschas verteilt worden ivaren. Dock verurteilte das Londoner Gericht sonderbarer Weise nicht dem Maharadscha von Patiala, sondern den Maharadscha von Nabha und entzog ihm wegen grober Verletzung der mit der britischen Regierung eingeganger.cn Verträge und Verpflichtungen sowie schlechter Staatsverwaltung den Thron. Und weiters wurde der Maharadscha wegen der unzähligen, unrechtmäßigen Verhaftungen innerhalb des Landes angeflagt, wegen der Konfiskation des Eigentums der reichsten und angesehensten Bürger, wie z. B. Harchands, wegen Verurteilungen ohne gerichtlichen Verfahrens, wegen der Beiseiteschaffung aller unbequemen Personen, wegen unmenschlicher Folterungen, die mit vielen Beweisen belegt werden, wegen der Mißstände im Steuerwesen, der verheerenden Folgen der fürstlichen Jagdpartien, der Erhöhung der Boden- steuern und der Einbebung neuer Abgaben, wegen der Tyrannisierung durch Zwangsarbeit, wegen der Aneignung von Geldern aus dem öffentlichen Fonds durch den Maharadscha und der Zurückbehaltung der Kriegsanleihen etc., etc. Ob die Untersuchung dieftr Anklagen vom Maharadscha angeregt oder direkt von der englischen Regierung geführt wurden, konnte niemals einwandfrei festgestellt werden. Doch sprach es nicht gerade für die Objektivität der Unterfuchung, daß der englische Beamte seinen Bericht, trotz dieser offensichtlichen Beeinflussung, füx den Maharadscha ungünstig gestaltete. Als der Bericht bekannt wurde, verschwand er in den Akten und wurde auch zu den späteren Gerichtsverhandlungen nicht wieder hervorgeholt. Man sprach den Maharadscha frei, doch wurde jenes kleine, aufklärende Büchlein von der Regierung weder verboten noch dementiert. Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 5. Dezember 1934. Nr. 285 PRAGER ZEITUNG Ein vornehmer Gast in Prag Der Straffella! Als Gast des Autoklubs weilt heute G e o r g Straffella in Prag. Der Namen hat einen guten Klang. Dtraffella hat als Direktor der Grazer Straßenbahn einen Streik abgewürgt. Das setzte ihn bei den Christlichsozialen, besonders bei S e i p e l, in großes Ansehen. Er sollte znm Generaldirektor der Bundesbahnen ernannt werden. Lange fand sich kein Präsident, der den Straffrlla ernannt hätte. Schließlich wurde ein bis dahin wenig bekannter kleiner Mann, der Dr. Engelbert Dollfuß, Sekretär der Landwitt- schafskammer, eigens zu dem Zweck zum Präsidenten der Bundesbahnen ernannt, damit er den Straffrlla zum Generaldirektor ernannte. Es war der große Glücksfall im Leben des klemm Dollfuß. Man vergaß ihm nie seine Opferbereitschaft und von da an stieg er rasch empor. Der Vertrag, den er mit Straffrlla geschloffen hatte, wurde freilich annulliert, als die Regierung B a n g j t it — Starhemvetg, die wegen des Falls Straffella sich auf Neuwahlen eingelassen hatte, dem Kabinett Ender weichm mutzte. Aber Dollfuß blieb der kommende Mann. Die„Arbeiter-Zeitung" hat damals schwere Beschuldigungen gegen Straffella erhobm. Er klagte, aber das belastende Material war so stark, daß ein Gericht der Republik Oesterreich— dieser Republik der Dollfuß, Seipel und Starhembrrg— dem Straffella bescheinigen mußte, daß seine Geschäfte(vor allem Häuserschiebungm in der Inflationszeit) „unsauber«nd nnkorrekt" gewesen seien. Diesen Heldm, der nachmals noch der Schrittmacher Tollfuß in Steiermark war, bringt «ns der Autoklnb als Vortragenden ins Land! Die Bourgeoisie des Hodak verdient ja diesm Gast, aber wie kommm andere Staatsbürger dazu? Die Polizei, sonst so rasch bei der Hand, wenn es gilt, den Vortrag eines Ausländers zu verbieten, ent- deckt am Straffella wahrscheinlich keinen Schönheitsfehler. Hoffentlich fehlt Sttibrny nicht bei denr Vortrag. Denn schöne Seelen solltm sich inrmer findm... Die Motoler Todesschleife Die Reichsstraße. Prag—Beraun—Pilsen, die durch das Motoler Tal führt, hat mehrere gefährliche Biegungen. Die gefährlichste ist bei dem neuen Villenviertel Pod Homolkou, wo sie sich wie ein 8 windet und wo jeder Ausblick durch das Terrain verhindert wird. Donnerstag stieß hitr wieder ein Personenauw mit einem Lastauw zusammen, das auf den Weg zum neuen Krankenhause einbiegen wollte. Das Personenauto wurde vollständig zertrümmert, der Besitzer erlitt schwere Verletzungen am Kopfe. Das ist nur ein Fall von vielen. Vor einem Jahre wurde an dieser Stelle ein Zieglermeister getötet und das schwer beschädigte Auto rannte etwas weiter an einen Alleebaum. An derselben Stelle wurden in den letzten zwei Jahren ein sechsjähriges Mädchen und ein 20jährig«r junger Mann getötet und eine ganze Reihe von Personen leichter und schwerer verletzt. Die Situatwn wird dort immer schlimmer, weil nun die Kinder der Kolonie Hlinik an dieser gefährlichen Stelle die Sttaße überqueren müssen, um in ihre neue Schule zu gelangen. Durch den Golfplatz und den Neubau des Krankenhauses wird der Autoverkehr und dadurch die Gefahr immer größer. Es ist daher höchst« Zeit, daß die neue breite Sttaße durch das Tal Koschirsch- Motol so rasch als möglich erbaut wttd. Dann könnten auch die Verlängerung der Elektrischen in diese schöne Gegend und der Bau der neuen Remise in Motol endlich in Angriff genommen werden. Die spanische Gesandtschaft teilt unD mit, daß sie n i ch t, wie wir in unserer Nummer vopr 30. November behaupteten, ihren Sitz in der Krocinova Nr. 1, sondern in der Spanelflä 14 hat und daß sie nicht den Titel„Königliche Gesandtschaft", sondern den ihr vgrgeschriebenen..Legacion de Espakla" führt. In der Krocinova 1 befindet sich die Königlich ägyptische Gesandtschaft. Wir be- ' dauern, eine falsche Information weitergegeben zu haben. Postsparkasse SamStag geschloffen. SamStag, den 8. Dezember 1934 wird bei der Postsparkasse in Prag im Parteienverkehr nicht amttert. Kunst and Wissen „Carmen." Die diesmalige Wiederaufnahme dieser Oper in den Spielplan des Deutschen Theaters hätte größere Teilnahme des Publikums verdient; eine im allgemeinen recht hörenswette Aufführung, die noch besser sein könnte, wenn Kapellmeister Max Rudolf als ihr musikalischer Leiter noch sorgfältiger in den instrumentalen Details und sparsamer in den dynanrischen Steigerungen wäre und wenn sich ihrer endlich ein Regisseur annähme(der Theaterzettel verschwieg ihn wieder'einmal), der für'eine lebensgetreuere Haltung und Agierung des Chores sorgt. Ihre besondere Anziehungskraft besitzt diese„Carmen"-Aufführung in dem Don Jose des lyttschen Tenors Josip Riavec, der die Rolle zum ersten Male sang. Sein in der letzten Zeit auffallend schön sich entwickelnder, echt lyttscher Tenor kam diesmal besonders glücklich zur Geltung. Denn Riavec Verfügt nicht nur über den enffprechenden wundervollen Glanz und einschmeichelnden Wohllaut der Stimme, sondern er ist auch ein großer Gesangskünstler, der eine schöne Stimme richttg zu behandeln und auszunützen versteht. Auch der Darsteller Riavec hat als Don Jose nicht übel gewirkt; er zeigte vor allem Gefühl und auch das notwendige Maß von Leidenschaftlichkeit. Seine beiden Hauptpartner, Frau Rose Pauly als Carmen und Theodor Scheid! als Escamillo, legten weniger Wett auf schönes Singen als auf dramattsch übertriebenen Ton, der der musikalischen Sauberkeit und Tonreinheit nicht immer förderlich war. Eine gesanglich und darstellerisch sehr gute Micaela stand in Fr. Lotte M e d a k auf der Bühne. Auch einige kleinere Pattien der Oper waren neubesetzt; ausgezeichnet vor allem die Fras- quita mit der stimmlich überraschend aus sich herans- aehenden updsogar im Ensemble sich sehr schön durchsetzenden Hetta Rahn und der Sergeant Morales mit Reinhold PopoviC, der nur noch etwas sicherer werden muß. E. I. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Mittwoch>ch8: Menschen in Weiß, B 2.— Donnerstag haD 8: Fremdende r keh r, C 2. — Freitag 7: Peer Gynt, D 1, Bankbeamte und fteier Verkauf.— Samstag halb 8: Der Enkel des Golem. B 2, Uraufführung.— Sonntag halb 3: Menschen in Weiß, haD 8: Der Kreidekreis, AI, Erstaufführung. Spielplan der Kleine« Bühne. Mittwoch 8%: Hoch klingt das Lied vom braven Mann.— Donnerstag 8: Sensation s- An unsere Abonnenten und Genossen! Wir werden wie im Vorjahre die Neujahrs-Enthebunsen in unserem Blatt veröffentlichen, wodurch den Genossen die mit den Neujahrsgratulationen verbundenen erheblichen Unkosten erspart bleiben. Die Enthebung kostet Kc 10*— und wird nach Orten geordnet, lediglich Namen und Beruf enthalten. Wir ersuchen alle Abonnenten die tieferstehende Enthebungsbestellung frdl. auszufüllen und umgehend an uns einzusenden. Die Bestellungen müssen bis spätesten 16. Dezember bei uns einlangen. Die Verwaltung ■'»■■— Leserlich Ausfällen!■■ 1 1 1■■■■■■■ Neujahrs-Enthebung für„Sozialdemokrat** Ich bestelle hiemit unter dem Namen: Beruf: Ort: eine Neujahrsenthebung zum Betrage von K<510’-— und sende ihnen diesen Betrag per Erlagschein ein. Unterschrift: Prozeß, zum zwanzigsten Male.— Freitag 8%: Hoch klingt das Lied vom braven Mann, Kulturverbandsfteunde und fteier Verkauf.— Samstag^Fremdenverkehr.— Sonntag 3)4: HochklingtdasLied vom braven Mann, 8: Nacht vor dem Ulttmo. Der Film Brigitte Helm wird, während sie in Berlin ihre zwei Monate wegen Autorasens absitzt, in Prag auf der Leinwand zu sehen sein, und zwar in dem Film„W o r o n- z e f f"(Metto und Julis). Chopins Abschiedswalzer Wir haben Filme mit Schubett und mit Goethe gesehen. Aber in diesem(reichsdeutschen) Chopin- Film ttitt nicht nur der junge, verliebte und geniale Frldettc Chopin auf, es erscheinen auch noch Pa- ganini und Liszt, Dumas und George Sand, Müsset, Balzac und Victor Hugo, so daß dem gewöhnlichen Sterblichen im Zuschauerraum vor so viel Unsterblichkeit bange wird, zumal alle Jllustten auf der Leinwand ihren Nachruhm hellsichtig vorausahnen und in dem Stile sprechen:„Ich bin der berühmte Kaiser Napoleon." Ein stümperhafteres und kitschigeres Manuskript als das dieses Films ist fdjtoer auszudenken. Daß man im Dtttten Reich das Emigrantenschjck- sM oe? Pol?n Cyöpm nicht eMich gestalten dürste,' ist kein Wunder. Denn er wollte mit seiner Musik sc leidenschaftlich di« Welt für den Freiheitskamps seines Volles gegen den Zaren interessieren, wie heute die vertriebenen deutschen Dichter und Gelehrten für den deuffchen Freiheitskampf gegen Hitler werben. Aber daß man die revolutionäre Haltung des jungen Komponisten durch lächerliche Phrasen ausgedrückt hat und daß man nach einer(vom Auswättigen Amt angeordneten) Verbeugung vor Polen in die fadeste Liebesgeschichte abgleitet, ist dümmer als notwendig war. Wie die Friedettke ihren Goethe verlor, als er berühmt wurde, so verliert hier ein Warschauer Mädchen ihren„Friedrich" Idem sie heimlich nach Paris nachgerefft ist),— und wie wir Schubert seine„Unvollendete" aus Liebesschmerz komponieren(und zerreißen) sahen, so sehen wir hier Chopin aus vermeintlich verschmähter Liebe die ersten Taffe seiner Polonaise auf eine Speise- katte schreiben. Der Regisseur dieses Kitsches heißt Geza von B o l v a r y,«in Mann, der viele seicht« Singspiele auf dem Gewissen hat und dem angesichts der vielen Berühmtheiten in diesem Film sichtlich nicht ganz wohl war. Er schwankte zwischen ttagischem Pathos und neckischem Unsinn und erreichte seine Höhepunkte mit dem hervorragenden.Wortspiel„Das ist ein« List vom Herrn Liszt" und mit dem feierlich-wehmütigen Schlußakkord, für den er das vor geraumer Zett erftmdene aus dem Klavier tönende Orchester bemüht.. Die Musik dieses Films, die ein Herr M e l i- char frei nach Chopin und Mozart monttett hat, und von der wir glauben sollen, daß sie von Chopin und Liszt selbst gespielt wird, ist für Unmusikalische bestimmt. Und die Darstellung ist für Airsprijchs- lose. Der begabte Wolfgang Liebeneiner ist für«inen verkitschten Chopin so ungeeignet, daß er hilflos wirkt, die Jugerälliche Konftanzia wird von einer ftassen Dilettanttn(Hanna Waag) deklamiert, ein Herr Hermann als Muffet macht sich lächerlich,— und nur Gustav Waldau und Roma n o w s k v, die komische Uebertteibungen liefern, und Sybille Schmitz, die intereffant aussieht, beanspruchen hin und wieder Aufmerksamkeit. —«is- ®in Film von Lourdes Der rasende Repotter E. E. Kisch hat in seinem letzten Buche einen Besuch im Wallfahrtsort Lourdes beschrieben und dabei behauptet, daß es dort zwar sehr viel Unappetitliches, aber keine Wunder zu sehen gebe. Worauf die Gläubigen wahrscheinlich erwidern werden, daß es zur Natur der Wunder gehött, sich nur selten— und nur vor den Augen der Gläubigen zu ereignen. Es hat also wenig Zweck, über Mirakel zu diskutieren,— und der katholische Propagandafilm, der hier unter dem Titel„Die wunderbare Nacht" in einer Sondervotttellung vorgefühtt wurde, bittet auch gar keinen Anlaß zur Disffiffion. Denn er ist undiskutabel. Er stellt die.heilende Wirkung der Jungfrau von Lourdes als erwiesene Taffache bin „Erzlehungs- und Propagandamittel der Gegenwart** Ein kulturpolitischer Kursus des Bezirksbildungs- ausschusses der DSAP in Prag Donnerstag, den 6. Dezember, halb acht Uhr im Parteiheim, Närodni tk. 4, v i e r t e r Kursabend: Großmacht Rnndfunk. Vortragender: L. Goldschmidt. und umgibt sie mit einer mehr als einfältigen Handlung. Da fällt ein Kind aus dem Fenster, weil seine Eltern, statt ftomm die Nacht zu Haus zu verbringen, am Abend ausgegangen sind(und weil sie leichtsinniges Hauspersonal haben). Und dann wird das Kind in Lourdes geheilt, und zwar ebenfalls bei Nacht, allein im Hotelzimmer, also nur zufällig vor einem zweiten Fenstersturz bewahtt. Die Bilder von Lourdes, die man sieht, lassen erkennen, daß dort ein guwrganisietter Wunderkurbettieb und ein schwunghafter Andenkenhandel blüht. Vorträge „Das soziologische System Frankreichs" ist da? Thema eines Vortrags des Prof. Dr. Anton U h l i r in der Masarhk-Gesellschaft für Soziologio. Der Vorttag findtt Donnerstag, den 6. d. M., um . halb 20 Uhr im Sitzungssaal des Ministeriums - für soziale Fürsorge, Prag II, Palackeho näm. 4, statt. Einttitt ftei. Sport• Spiel• Körperpflege Die Wiener Austria trug am Montag ein wei-- teres Spiel in England, und zwar gegen F u I h ä m (zweite Division) aus, das 1:1(1:0) endete. Teplitzer FK. verliert wtttere Puuffe. Wie bekannt, hatte der S K. Pilsen einen Protest gegen den TFK. wegen Verwendung von mehr als den zwei bewilligten Ausländern eingebracht. Diesen Protest haben nun die Pilsener in der Montagssitzung der Ligakommiffion gewonnen. Ihre Niederlage von 4:1 in Teplitz verwandelte sich nun am grünen Tisch in ttnen Sieg von 8:0 und den Gewinn von zwei Punffen.— Für die Teplitzer sieht die Situation nun sehr böse aus, da di« Berttettr derLbttgen Ligaklubs eine Ueberprüfungaller Spiel« verlangten, in denen der Spieler Roth mit- wirffe. Wie verlautet, wird der TFK. Protest bei der CfAF. einbringen. Zidenice protrstiett. Wie wir schon andeuttten, ylwenvie Brunner gegen oke Verifizierung des Spie« les mit Slavia Protest eingelegt mü der Begründung, daß eS nicht regulär durchgeführt werd« konnte. Wembley Lions, die Eishockeymannschaft ans London, schlugen am Montag im P r a g e r Wi' Urstadion den LTC. mtt 3:2(0:0, 1:1, 2:1). Am Dienstag wurden sie von einer Auswahlmannschaft 8:1 geschlagen. Vcrdnsnadiriditcn. Allgemeiner Angestellten-Berband, Ortsgruppe Prag. Amtsstunden jeden Mittwoch, 6 bis 8 Uhr, Narodni 4/lIl.— Mittwoch, den 5. Dezember, 8 Uhr abends, im Heim, Rarodni, Vorttag Kollegin Riedl: Die Frau in der' Wirtschaft.—- Winterreifen und Ski-Kurse, Winterurlaube äußerst billig. Auskünfte mündlich im Heim. Unser Kinderturnen hat unter der neuen Leitung bei den Kleinen viel Begeisterung hervorgerufen. Bon Woche zu Woche ist di« Zahl der Keinen Turnfreunde gestiegen. Viele Genoffen scheinen dies nicht zu wis- sen und schicken ihre Kinder noch immer nicht in die Turnstunden. Am SamStag, den 16. Dez eucher, nehmen wir unseren Turnbetrieb in der Turnhalle des Realgymnasiums, Stöpanskä, wieder auf. Turnzeit: s^3 bis 5 Uhr nachmittags. Kinderfreunde Prag. Freitag, den 7. Dezember, abends 6 Uhr in der Redaktion„Sozialdemokrat", Prag XII, Fochova 62» wichtige Ausschußsitzung. PKW Filme in Prager Lichtspielhäusern Avion:„Abenteurer u. Kapitän."— Beranrk: „Der letzte Mann."— Flora:„Skandal im Atlantic-Hotel."— Gaumont:„Bei uns in Krähwiickel." — Julis:„Bei uns in Krähwinkel."— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Repott.— Koruna: „Abenteurer u. Kapitän."— Kotva:„D e r Mann aus Aran."— Lacerna:„Der Mann aus Aran."— Olympic:„In d. Wüste Karakum." „Eroberer des Himalaya."— Passage:„Der Kongreß tanzt."— Radio:„Der letzte Mann."— Svctozor:„Bei uns> in Krähwinkel."— Alma: „Klein Dorit". D.— Bajkal:„Der letzte Mann." Tsch.— Belvedere:„Oer letzte Mann." Tsch.— Carlton:„Maskerade.," D.— Favorit:„Skandal im Atlantic-Hottl." D.— Illusion:„Skandal im At- lanttc-Hotel." D.— Kapitol:„Frasguita." D.—> Lido:„Der letzte Mann." Tsch.— Louvre:„Der letzte Mann." Tsch.— Roxy:„Der letzte Mann." Tsch.— Spott Smichov:„In den Herrschastsstand." Tsch.— Baldek:„Skandal im Atlantic-Hotel". D. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfttren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeit»ngsftankatur wurde von der Bost« und Telegraphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei:„Orbis" Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.