Donnerstag, 13. Dezember 1934 1*. Jahrgang Einzelpreis 70 ffelter (einschlieMich 5 Hellar MH IENTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova<2. telton 53077. Administration telefon sw«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Verrat in Tirol „Versöhnungsaktion“ eines Renegaten Die österreichische Fascistenregierung hat das Westererscheinen der Innsbrucker»Volkszeitung" gestattet, die sich nun als„Organ der Kammer für Arbeiter und Angestellte und des Tiroler Gewerkschaftsbundes" bezeichnet. Diese Gnade ist dem Blatt widerfahren, damit die Tiroler Landesregierung in ihm ein Gegengewicht gegen die gerade in Tirol sehr starke nationalsozialistische Bewegung habe. Bor kurzem hat der gewesene Chefredakteur der„Volkszeitung", Othmar Popp, der das Werk der„Versöhnung" zu unterstützen versuchte, einen recht unsanften Rüffel von seinen Auftraggebern eingesteckt, die Hm bedeuteten,-ah er zwar die Arbeiter im Sinne der Negierung beeinflussen dürfe, fich sonst aber jeder Meinungsäußerung enthalten müsse. Die Aktion schesterte und muhte scheitern, weil es zwischen den Arbeitern und dem fascistischen Regime, das Hnen Freiheit und Leben nimmt, keine Versöhnung geben kann. Trotz diesem Fehlschlag eines vielleicht Hut gemeinten, aber völlig aussichtslosen Beginnens hat nun der ehemals sozialdemokratische Innsbrucker Stadtrat Berger, der in den fascistischen Landtag berufen wurde, eine neue „Bersöhnungsaktion" begonnen. Er hat" in der Men Titzrnß des neuen Tiroler Landtages eine Rede gehalten, in der er zunächst zu erklären versuchte, warum er das Mandat angenommen hat. Er habe zur Bedingung gemacht, dah das einzige Forum, das derzest als Körperschaft der Arbeiter und Angestellten anzusehen sei, die Arbeiter- k a m m e r— die natürlich in ihren Entscheidungen nicht frei ist— der Berufung zustimme. Das sei geschehen. Dieser Feststellung, die Bergers Haltung nicht entschuldigt— ein Mandat könnte Hm nur durch die freie Entscheidung der Tiroler Arbeiter in einem freien Lande übertragen werden—, schickte er folgende Hinweise voraus: Was aber die Arbeiterschaft erwartet, das ist die ehebaldigste Liquidierung der traurigen Feber« Ereigniffe und ihrer gesetzlichen Wirkungen. Solange man ehemalige Vertrauensmänner immer noch von ihren Arbeitsplätzen verdrängt, bloh weil sie einstmals mit ehrlichster Absicht und Aufopferung. durchdrungen von der Idee des Sozialismus, der als geistige Weltanschauung in der kapitalistischen Wellherrschaft nie mehr verschwinden wird, für die schutzbedürftige Arbeiterschaft ge- kämpft haben; solange man unsere politischen Häftlinge, die ebenfalls mir für das Recht im Staat« gekämpft haben, in Gefängnissen und Konzentrationslagern festhält; solange nicht in Wort und Schrift auch eine sachliche Kritik wieder zugelafsen, solange nicht wieder eine freier« Arbeiterbewegung gestattet wird, kann für Versöhnung oder Verständigung, nicht viel Aussicht sein. Dieser Weg wird begangen werden müssen, will man die breite Maffe der Arbeiterschaft wirklich für einen friedlichen Auf- . bau des neuen Staates(I) gewinnen. Der Weg ist gangbar, er ist nicht unmöglich, wenn man den guten Willen dazu hat. Wenn die Verleihung meines Mandats dazu dienen soll, s 0 b i n ich gerne bereit, mitzuarbeiten. Die weiteren Erklärungen Bergers beweisen, dah diese Hinweise nur seinen Verrat beschönigen sollen. Er stellte nämlich fest, dah er fürdasBudgetdesLandesstimmen werde, weil in ihm den Bedürfnisien der Arbeiter und Gebirgsbauern Rechnung getragen sei. Ein Mann, der sich so verhält, hat das Recht verwirkt, sich Sozialdemokrat zu nennen; er ist ein Renegat, der sich noch dazu zu Täuschungszwecken frech auf seine Vergangenheit beruft. In der Nummer der„Volkszeitung", die jener mit dem Bericht über die Landtagssitzung folgte, setzt Berger sein Täuschungsmanöver fort. Er veröffentlicht einen Brief an den Bundeskanzler, in dem er darauf hinweist, dah sich noch einige Tiroler Schutzbündler, die zu schweren Kerkerstrafen verurteilt wurden, im Gefängnis befinden. Er sehe seine erste Pflicht darin,„im Zuge der BerständniSaktion mit der ehemals(!) sozialdemokratischen Arbeiterschaft" diese Schutzbündler zu befreien und bittet ergeben st, sie zu begnadigen. Der Schuschnigg hat darauf geantwortet, er besorge, dah die zu Begnadigenden die Ruhe im Lande wieder stören könnten— ihr Charakter wird also anders beurteilt als des Herrn Berger—, dah er aber Bergers Bitte„i n irgendeiner Form" Rechnung tragen werde.(Wahrscheinlich werden die Verurteilten aus den Kerkern in Konzentrationslagern überführt werden.) Für die Scheinheiligkeü der„Verständigungsaktion" spricht die Tatsache, dah sich noch viele Hunderte von Schutzbündlern in den österreichischen Kerkern befinden; einige unter ihnen sind für die Verteidigung der von Schuschnigg und M i k l a s beschworenen Verfassung zu lebenslänglichem Kerker verurteilt Auhenminister Dr. Benes traf gestern nachmittags um 14 Uhr mit dem Pariser Schnell- zug in Eger ein. Auf dein' Bahnhof hatte« sich ! die Vertreter der Behörden und der tschechischen Minderheit zur Begrühung eingefunden. Doktor Benes dankte in kurzen Worten. Während des kurzen Aufenthaltes, den der fahrplanmähige Zug in Pilsen nimmt, wurde Benes ebenfalls von einer Abordnung, der sich ein zahlreiches Publikum gesellt hatte, begrüßt. Der Bürgermeister der Stadt Pilsen, Genosse Abg. P i k, dankte dem Auhenminister für das Werk des Friedens, an dem dieser in so hervorragendem Mähe beteiligt ist. Außer Pik sprachen noch einige andere Vertreter. Ihnen allen dankte Benes in einer kurzen Rede, in der er die Bedeutung der Genfer Beschlüsse für den europäischen Frieden und für die Zurückdämmung der revisionistischen Bestrebungen hervorhob. Dr. Benes betonte die Notwendigkeit, alle innerpolitischen Kräfte für die demokratische, wirtschaftliche und soziale Sicherung der Republik einzusetzen. Die Kundgebung des, Aussenministers wurde begeistert ausgenommen. Auf dem Prager Wilsonbahnhof lief der Pariser Schnellzug nach 18 Uhr ein. Doktor Benes wurde von seinen Angehörigen und Parteifteunden auf dem Bahnsteig begrüht und begab sich dann an den ausgestellten Abordnungen der Legionäre, Turnvereine und Skauts in den Bahnhofsalon. Dort wurde er von den Gesandten der befreundeten Länder willkommen geheißen, sodann begrühjen ihn der Ministerpräsident Maly- p e t r und dir Minister B r a d& l, Dr. Franke, Dr. D t r e r, Dr. Trapl und Jng. D 0 st ä- l e k. Es hatten sich ausserdem viele Mitglieder des Streicher vor dem Sturz? Der„Prager Presse" wird unter dem 12." Dezember aus Berlin gemeldet: Seit längerer Zeit wird in politischen Kreisen über die V e r s e tz u n g des Nürnberger Gauleiters Julius Streicher gesprochen. Nach der Verstossung Helmut Brückners wurde vielfach erwartet, dass Streicher der Nachfolger Brückners in Breslau werden würde. Durch die Ernennung Josef Wagners zum kommissarischen Obxrpräsiden- ten von Breslau und schlesischen Gauleiter ist diese Frage aber vorläufig erledigt. Nichtsdestoweniger scheint der Fall Julius Streicher an Aktualität nicht verloren zu haben. In der vorigen Woche weilte der Statthalter von Bayern, General pon Epp, in Berlin und wurde von Adolf Hitler in einer längeren Unterredung über die Zustände in Bayern empfangen. Wie verlautet, soll Gene- ral von Epp die Abberufung Streichers von seinem Nürnberger Posten dringend empfohlen haben, weil Streicher bei der Bevölkerung seines Wirkungskreises äusserst unpopulär geworden sei und seine Tätigkeit Grund zur Kritik gebe, die dann Zwischenfälle herbeiführe. Es scheint jedoch. worden. Der rechtmäßige Bürgermeister Wiens befindet sich, von den fascistischen Schurken gesundheitlich fast zugründegerichtet, unter ständiger Bewachung, andere Funktionäre des roten Wien und der Arbeiterbewegung sind in den Konzentrationslagern und die Witwen und Waisen der Hingerichteten hungern. Den Hochverratsprozeh aber, den man Seitz und Genossen angedroht hatte, führt man nicht durch, weil aus den Anllägern Angeklagte würden. An all diesen Scheußlichkeiten geht Berger mit wenigen, vorher zensurierten Worten vorüber. Sein biederes Tirolerherz begnügt sich damit, daß den Tiroler Arbeitern ein£ für ein U vorgemacht wird. Aber die Berger machen die Rechnung ohne die österreichischen Arbeiter. Es gibt keine Versöhnung— es gibt nur die Wiedereroberung der Freiheit, den Sturz der fascistischen Herrschaft. Wenn diese Aufgabe getan sein wird, werden sich auch die Berger verantworten müssen, mit denen die Henker jetzt im Aus- I land Staat zu machen versuchen. Parlaments unter Führung der Genossen Doktor Soukup und S t i v i n eingefunden, sowie der Primator der Statu Prag, Dr. B a a und andere offizielle Persönlichkeiten. Die Reihe der Begrüßungsansprachen eröffnete Dr. B a x a. Außer ihm verdolmetschten u. a. Genosse T 0 m ä s e k, Vorsitzender des Außenausschufles im Abgeordnetenhaus, Genosse Dr. Soukup, Abg. Hummel- h a n s und Vertreter der nationalsozialistischen Partei, der Legionär- und Sokolgemeinde den Dank der Bevöllerung. Dr. Benes dankte in einer Ansprache. Ueber das Marseiller Attentat und die Bereinigung seiner Folgen sagte Benes, es bestehe kein Zweifel, daß vor dem Weltkrieg eine solche Angelegenheit zum Kriege geführt hätte. Im Kampfe um die moralische Genugtuung für Jugoflawien ging es um große politischeFragen und grundsätzliche politische Prinzipien. Der Revisionismus habe eine schwere Niederlage erlitten. Geschlagen seien auch jene Kräfte, die eine Rückkehr zu dem Stande der Dinge vor dem Kriege anstreben. Alle Kämpfe, schloß der Minister, sind noch nicht beendet, aber wir brauchen uns nicht zu fürchten, wenn wir unseren Freunden, unseren demokratischen Grundsätzen treu bleiben und wenn wir daheim Ruhe und Ordnung anstreben werden. Durch das Spalier der Legionäre, Sokoln und Grenadiere begab sich der Minister vor den Bahnhof, wo sich ein sehr zahlreiches Publikum versamnielt hatte, das den Minister mit Hochrufen begrüßte. In einem Zuge, den nationalsozialistische Skauts mit der Staatsflagge eröffneten, fuhr Dr. Benes, immer wieder begrüßt, durch die dichtbevölkerten Hauptstraßen Prags ins Czerninpalais. dah Adolf Hitler zunächst zögere, Streicher, der zu den intimsten Persönlichkeiten des Führerkreises gehört, von seinem Posten abzuberufen. National- sozialistische Kreise glauben trotzdem, dah die Stellung Streichers in Nürnberg auf die Dauer unhaltbar geworden sei. Neuer Notenwechsel In Femost Auf die vielen russischen Beschwerden wegen Mißhandlung, willkürlicher Verhaftung, Folterung und Beraubung russischer Bürger durch mandschurische Behörden hat der mandschurische Sonderbeamte erst am 6. November geantwortet. In seinerNote bestritt er alle russischen Behauptungen, ohne aus Einzelheiten einzugehen. Die Note war überdies in einem groben, undiplomatischen Tone gehalten. Nun hat der russische Vertreter des Generalkonsuls in Charbin, R a j v i d, neuerlich eine Note an Mandschukuo gerichtet, in der er die Beschwerden wiederholt und Abhilfe fordert, ferner auch Schadenersatzansprüche anmeldet. Dr. Benes zurückgekehrt Herzliche Begrüßung in Eger, Pilsen und Prag BeneS;„Bleiben wir unseren demokratischen Grundsätzen treul“ Der Völkerbund als Friedensstifter Moralische Bilanz der Genfer Tagung Vor der Ratstagung in Genf hat der Außenminister Dr. Benes in seinem Expose im Parlament auf die große moralische Bedeutung hingewiesen, die der Erledigung des jugoslawisch-unga- rischen Konfliktes durch, den Völkerbund zukommt. Dr. Benes betonte damals, daß der Völkerbund an diesem schwierigen Problem seine Kraft erproben und seine Leüensberechtigung erweisen müsse. Als die Verhandlungen begannen, hatte es ganz den Anschein, als sollte der Völkerbund scheitern. Der Versuch, Debatte und Entschluß zu vertagen, wäre gleichbedeutend gewesen mit dem Verzicht des Völkerbunds auf seine in 15 Jahren ohnehin oft geschwächte Autorität. Hier lag einer jener Fälle vor, in denen es zu handeln galt, in denen ein Versagen die Institution des Bundes in Frage stellen, das Genfer Weltparlament als einen lächerlichen Diskutierllub charakterisieren muhte. Die Gegner des Völkerbundes warteten auf dieses Versagen und auf ihren Triumph. Vor einem Jahr ist Deutschland aus dem Völkerbund ausgeschieden. FürdieHitlerpropaganda hätte es nichts Besseres geben können, als den Hinweis auf den Zusammenbruch des Genfer Kollegiums, das ohne Deutschland üben nicht arbeits- 'fähig sei. Für die Austragung des Saarkonfl i k t e s ist es von größter Wichtigkeit, vah der Böllerbund, der die Abstimmung- leitet, der Truppen ins Saargebiet sendet, sich als Autorität erweist. Es stand also viel, wenn nicht alles auf dem Spiel, als Jugoflawien vom Böllerbund einen Rechtsanspruch forderte, der ihm Genugtuung leistet. Gerade die Parallelität aller Ereignisse seit dem Marseiller Attentat mitdenGeschehnissenvomSommer 18 14 legte dem Böllerbund die Verpflichtung zu einem verbindlichen Schritt auf. Denn die Abweisung der jugoflawischen Beschwerde» die Niederlage des gekränkten Rechtssuchenden wäre ja die glänzendste Rechffertigung der österreichisch-ungarischen Politik im Juli 1914 gewesen. Man hat Berchtold und der gesamten Diplomatie vom Ballhausplatz immer wieder vorgeworfen, daß sie den Krieg provoziert, daß sie nicht ein internafionales Forum angerufen, daß sie das Haager Schiedsgericht und die von London vorgeschlagene Konferenz schroff abgelehnt haben. Die — freilich spärlich gesäeten Verteidiger der Wiener Diplomatie von 1914 haben immer wieder betont, dah die Monarchie auf diese Weise kein Recht erhalten hätte, daß kein Schiedsgericht, keine Konferenz der Mächte Oesterreich Genugtuung für die Mitwirkung serbischer Offiziere und Behörden an dem Attentat von Sarajewo verschafft hätten. Diesmal war ja die Situation der von 1914 verflucht ähnlich, nur daß die Bühne sich um 180 Grad gedreht hat und Kläger und Beklagte in genau umgekehrter Front standen. Ungarische Offiziere und Behörden sind angeklagt, das Attentat vorbereitet und unterstützt zu haben. In Janka Puszta wurden die Attentäter von 1934 unterrichtet, während der Sitz der Schieß-Schule 1914 Topöider hieß. Die Dimitrijeviü,und Tankosik von 1934 haben magyarische Namen; damals war ein Habsburger das Opfer und die Täter glaubten zu Ehren der Dynastie Karageorgevik zu handeln, diesmal war ein Karageorgeviö das Opfer und die Täter stehen im Schatten des schwarzgelben Doppeladlers. Beidemale haben die Täter serbische unkroatische Namen.,. Aber 1914 wurde eben einKrieg daraus. 1934 wurde der Streit friedlich beigelegt. Nun erst kann man mit vollem moralischen Recht die Vorwürfe gegen die Berchioldsche Diplomatie erneuern: es wäre nicht nötig gewesen, dah die Schüsse von Sarajewo ein milliardenfaches Echo fanden. Es hätte einen andern Weg gegeben. 1934 beweist, daß 1914 ein Verbrechen aus Leichtsinn und Borniertheit way. Die Politikervon 1934 haben in Genf einen weithin sichtbaren Beweis dafür geliefert, dah sie d e n P 0 l i t i k e r n von 1914 überlegen sind. Ieftil ist kein Berchtold. Er lieh nichts unversucht, um sich auf friedlichem Weg« Genugtuung zu schaffen. B e» Seite 2 Donnerstag, 13. Dezember 1934 Nr. 291 Haltens„Sieg“ In Abessinien Rom.(Stefani.) Zu dem Grenzzwischenfall zwischen Italienern und Abessiniern wird mitgeteilt, daß im ganzen 110 Abessinier im Kampfe gefallen find. Die Italiener erbeuteten ISO Gewehre, 70 Maultiere, 125 Zelte, 400 Säcke mit Lebensmitteln, ein Lastauto und 8000 Patronen. Italienische Militärabteilungen eroberten auch das Lager der abessinischen Militärabteilung, die von dem Kommandanten Scifera befehligt wurde. n e s und Laval sind nicht Bethmann und Wilhelm II. Sie haben den Bundesgenossen unterstützt, von Minister Benes darf man wohl sagen, daß er es mit größter Energie tat und die Sache Belgrads zu der seinen machte, aber auch sie hetzten den Bundesgenossen nicht in ein kriegerisches Abenteuer, sondern boten ihm rbre Hilfe auf dem diplomatischen Fechtboden an. Do wie Dr. B e- nes in Genf gesprochen hat, hätte 1914 Beth- mann-Hollweg in London sprechen können. Oder vielleicht doch nicht I Denn daistnocheinUn- t e r s ch i e d, der nicht übersehen werden darf: als Oesterreich 1914 Grund zur Anklage hatte, war sein eigenes moralisches Ansehen bereits durch den Friedjung-Prozeß, den gramer Hochverratsprozeß, die Affäre Prohaska und nicht zuletzt durch die offensichtliche Mitschuld Wiener und Budapester Stellen am Gelingen des Attentats von Sarajewo untergraben. Oesterreich hatte es schwer anzuklagen und Berlin hätte es schwer gehabt, Wiener Anklagen vor einem europäischen Forum zu unterstützen. Wer im Recht ist, wird immer den Mut haben, an den unparteiischen Richter zu appellieren. Das Gefühl, im Recht zu sein, auf langzurückliegende und schwere Provokationen zu antworten, hat den Ministern I e f t i i und Benes ihr Amt erleichtert- Minister Benes ist in Prag im Triumph eingeholt worden. Wäre er der erfolgreiche Diplomat einer Monarchie, so würde eine äußerlich sichtbare und klingende Rangerhöhung ihn lohnen, so wie Äehrenthal 1909 den Grafentitel Heimtrug. Dr. Benes ist der Minister einer demokratischen Republik. Für ihn kann es keine höhere Ehrung geben als den Dank der Nation, das gesteigerte Vertrauen der Bevölkerung in die Ehrlichkeit seines Friedenswillens, in seine diplomatische Kunst, in-seine Kraft, die Interessen seines Landes wirkungsvoll zu vertreten. Dies hat er ost getan, aber selten war es so offenkundig wie diesmal. Noch nie war so deutlich, daß die Interessen, die Dr. Benes als Minister der Republik urü> als Sprecher der Kleinen Entente vertrat, auch die Interessen ganzEuro- p a s waren, das in den letzten Wochen haarscharf an einem Krieg vorübergegangen ist. Die Genfer Resolution ist ein Si e g Jugoslawiens, das in seinem Recht verletzt, in seiner Existenz bedroht worden war. Sie ist ein Sieg der jungen mitteleuropäischen Staaten über den reaktionären Revisionismus. Sie ist ein Sieg, ein nicht hoch genug einzuschätzender moralischer Gewinn des Völkerbundes. Daß es ein unblutiger Sieg ist und daß die Gefühle der ungarischen Bevölkerung nicht unnötig verletzt wurden, macht den Erfolg doppelt wertvoll. Es bleibt nur zu wünschen, daß dieser— seit Jahren erste— große Erfolg des Völkerbundes nicht sein letzter sei, daß in Genf weiter der Geist dominiere, der durch keinen Politiker so symbolisch repräsentiert wird wie durch den Demokraten und ehrlichen Mittler Doktor EdvardBenes I CopyrigWfcy TTwaadlenrt B. Prager-Verlag, Wien Sie erhielt Kaffee und Kuchen und, obwohl sie keinen Hunger verspürte, aß sie gierig, um der Dame Gelegenheit zu geben, sich zu wundern und zu sagen:»Langsam, liebes Kind, langsam." Herr Bonnetier lächelte, als er im Zimmer die Ueberschwemmung von Schachteln, Kleidern und Rechnungen und Frau Bonnetier in Exstase antraf. Die Kleine gefiel ihm und seine Augen wurden wässerig und nachdenklich. Man bepiet, was mst ihrem Namen geschehen solle. Schließlich schnitt man«ihm wie einem Raffehunde ein Stück vom Schwänzchen" ab. Im übrigen hatten die amerikanischen Kinder ähnliche komische Namen wie: Baby. Die Kleine hatte ein Gefühl, als ob man sie bestohlen hätte. Sie sagte zwar kein Wort, aber sie empfand es bitter, daß der Hund, ihr erster Nebenbuhler, mit dem sie die Gunst der Dame teilen mußte, fast ebenso hieß. Herr und Frau Bonnetier besprachen vor Babiola alles, als sei das selbstverständliche Ueber- sehen ihrer Person einer ftemden Sprache gleichzusetzten. Herr Bonnetier schlug seiner Frau vor, sich beim Abendeffen nicht mit dem Kinde zu plagen. Baby müsse erst effen lernen. Aber Frau Bonnetier wollte sich gar zu gerne an Babys Ungeschicklichkeit ergötzen. Sie erlebte tatsächlich mit der Kleinen ein sehr unterhaltliches Souper und konnte eine Menge erzieherischer Weisheiten anbringen. Und als Babiola mü Krebsen und Trüffeln überhaupt nichts zu beginnen wußte, sagte sie ihrem Mann lachend:„Ich liebe Kinder über alles!" Die Industriellen wollen kommandieren Immer schärfer wird sichtbar, daß hinter den antidemokratischen Vorstößen, die auf polittschcm Gebiete erfolgen, die Verbände und Institutionen der Verbände und Industriellen stehen. Kaum eine Verbands- oder Kammertagung geht vorüber, ohne daß ein Angriff auf das demokrattsche Regierungssystem, zu dem das Parlament und die Parteien gehören, erfolgt. Neuerdings werden diese Angriffe immer offener vorgetragen. Ein Beispiel dafür war wieder die Plenarsitzung der Kammer in Brünn. In dem Bericht, der dort gegeben wurde, heißt es u. a.: „Die Situation im Kammerbezirk ist zwar nicht schlechter als zu Jahresbeginn, doch können wir nicht von einer wesentlichen allgemeinen.Besserung sprechen. Die Unruhe in der heimischen Politik ist einer vernünftigen Regelung der Wirt- schaftsftagen nicht förderlich. Die Innenpolitik hat es bisher nicht zuwege gebracht, sich aus der Enge der Parteiinteressen zu wirklich staatsmännischer Höhe, emporzuarbeiten... Es sehlt uns ein ausgl^ichen« der Faktor, der die Auswüchse der Politik paralysieren könnte... Wir wiffen genau, daß bei unseren Verhältnissen nur ein demokrattsches System möglich ist. Es handelt sich nur darum, daß die Organe unsererdemokrattschenVerfassung teilweise reformiert werden, damit die Entscheidung über Wirtschaftsftagen rascher und nach objektiveren Grundsätzen erfolge wie bisher." Die Herren Kammerpräsidenten und die anderen industriellen Würdenträger, die gegen' die Demokratie vorstoßen, sollen doch endlich auch den Mut haben, offen zu sagen, wie sie sich die„teilweise Reformierung der Organe unserer demokratischen Verfaffung" vorstellen. Dann wird vollends klar werden, daß es sich um das Bestreben handelt, Politik und Wirtschaft unter das Kommando der Jn- strie und der Finanz zu stellen. Kurze Senatssitzung Die gestrige Sitzung des Senats dauerte sieben Minuten. Der Senat nahm in beiden Lesungen ohne Aussprache das Gesetz«über die obligate Gewichtsangabe bei Schiffsendungen an. Der Ausschußbericht über das Budget wurde gestern aufgelegt. Die Aussprache beginnt heute, wird morgen mittags unterbrochen und Dienstag oder Mittwoch nächster Woche beendet werden. Am Montag werden die Ausschüsse des Senats zu den zuletzt vom Abgeordnetenhaus angenommenen Vorlagen" Stellung nchmemDas Kräfisahrzeug- gesetz wird im Zuge der Budgetdebatte mit be- handelt werden und noch vor Weihnachten als Senatsbeschluß an das Abgeordnetenhaus gelangen. Die Ergänzung des Landesschulrats. Der böhmische Landesschulrat ist im Läufe der Zeit durch das Ausscheiden von Mitgliedern unvollständig geworden und die Notwendigkeit seiner Ergänzung bzw. Erneuerung wird von keiner Sette ernstlich bestritten werden. Genosse Illner beantragte in der Landesvertretung neuerlich, daß die Ergänzung des Landesschulrates endlich durchgeführt werde. Der Antrag wird vom Landesausschuß behandelt werden. Die Abreise war für den nächsten Tag festgesetzt worden. Hier gab es zu viel Bekannte, die überflüssige Fragen stellten. Baby konnte so engelhaft bittende.Augen machen:»Bitte, bitte, lassen Sie mich spazieren gehen. Ich möchte so gern mein Kleid zeigen". »Nanette, begleiten Sie das Kind, wohin es will." „Danke, Madame." „In Paris wirst du„Mama" zu mir sagen." Nanette war eigensinnig. Sie wollte nur unter den vornehmen Gästen auf der Promenade umhergehen, wo niemand Babiola änsah. Die Kleine wußte aber, wo lyan bei ihrem Anblick vor Freude so auffchreien würde, daß sich sogar das Meer darüber wundern werde. Sie entwischte Nanette und lief zur Stätte ihres einstigen Wirkens. Schon auf dem Wege dahin schien ihr alles verändert. Die Wege, die Häuser, die Steine. Francois Chöre weifte gerade in Bidar und begrüßte sie als erster. Er war gar nicht überrascht. »Welches hysterische Weib hat dich so herausgeputzt?", fragte er und spuckte wie ein Apache auf die andere Seite. Die Flügel ihrer Freude wurden lahpr. Raoul Bonett kam erst nach dreimaligem Rufen; er mußte die letzte Ausgabe des„Echo de Paris" verkaufen. Bei Babiolas Anblick brach er in Tränen aus. Babiola wurde so blaß, als wenn man sie zur Ader gelassen hätte. Raouls Herz zog sich ob der unwiederbringlichen Vergangenheit seiner kindlichen Träume schtnerzhaft zusammen. Er hätte am liebsten in ihr bleiches Gesicht geschlagen und das Seidenkleid zerrissen, das sein Arbetterherz beleidigte. Aber sie war seine fleine Freundin gewesen und so sagte er:„Du bist aber schön!" Sie fühlte, daß er Ungewolltes sagte und entgegnete:„Das ist nicht wahr. Aber ich werde Paris sehen!" An die Adresse des Handelsministers richtete Genosse Reyzl in der Schlußsitzung des Budgetausschuffes das Ersuchen, bei Durchführung der Verordnung über das sogenannte Margarine- g e s e tz mit aller Vorsicht vorzugehen. Selten hat ein Gesetz so viel Widerspruch und so viel Empörung unter den beteiligten Kreisen ausgelöst, und zwar nicht nur bei der Arbeiterschaft, sondern auch bei den Unternehmern. Die Verordnung sieht Dinge vor, die nach dem Urteil von Fachleuten überhaupt undurchführbar sind. So gibt es einzelne Berufe,, die in die größte Bedrängnis kommen, wett ihnen die Verwendung von Fetten vorgeschrieben wird, die sie nicht brauchen können. Das ist z. B. bei den Konditoreien der Fall. Das Margarinegesetz wird durch die Kontingentierung nur die Arbeitslosenziffer erhöhen. In der Weise, wie sie geplant ist, kann die Kontingentierung auf keinen Fall durchgeführt werden. In Deutschland hat man die Erfahrung gemacht, daß durch die Margarinebewirtschaftung zwar der Margarinekonsum zurückgegangen, der Fettkonsum jedoch nicht gestiegen ist; dieses Fiasko droht natürlich auch uns. Durch die unzureichende Kontingentszuteilung sind in den deutschen Gebieten ziemlich große Teile der bettoffenen Betriebe zum Sttllstand gekommen, was eine weitere Verschärfung der Arbeitslosigkeit im deutschen Gebiet zur Folge hat. Redner appelliert weiter an den Handelsminister, dahin zu wirken, daß die Schika^rie- rung der Konsumvereine endlich nachläßt. Es kommen bezahlte Provokateure Kleinigkeiten in Konsumvereinen einkaufen, so z. B. Zündhölzchen, geben sich sogar, was im Drange der Geschäfte oft unkontrollierbar ist, als Mitglieder aus, um nachträglich die Anzeige zu erstatten, daß der Konsumverein an Nichtmitglieder verkaufe. Wer das Konsumvereinsweftn kennt, der wird wiffen, wie streng das Personal unter Androhung der Entlassung angewiesen ist, nur'an Mitglieder zu verkaufen. Es wäre Pflicht der Regierung, die Arbeitergenossenschaften in Schutz zu nehmen, aber nicht, wie es tatsächlich von feiten des Handelsmin» steriums geschieht, den Gegnern der Konsumvereine ein williges Ohr zu leihen und die Konsumvereine selbst zu sekkieren! Vas ist ihre Einheitsfronti Statt Kampf dem Fascismus, Beschimpfung der Sozialdemokratie— Kommunisten als Zutreiber Henleins In Röhrsdorf hatte am 30. November eine Versammlung der S. H. F. stattgefunden, in welcher auch viele sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter anwesend waren. Nach der Rede Sandners sprach der kommunistische Abg. H ö h n e l, es kam dann zu erregten Auseinandersetzungen und schließlich löste der Regierungsvertreter die Versammlung auf. Unsere Genossen beriefen nun für Samstag, den 8. d. M., in Z w i ck a u eine eigene Versammlung ein, zu der sie als Rednerin über das Thema: „Was will Henlein?" die Abg. Genossin Kir- p a l gewonnen hatten. Die Kommunisten meldeten den Besuch dieser Versammlung an und da sie, zusagten, daß ihr Redner sich strenge an die Tagesordnung halten werde, wurde diesem eine Redezeit von einer Stunde zugestanden. Die Versanunlung fand statt und war von etwa 700 Personen besucht, eine Versammlung von Arbeitern, wie sie Zwickau seit den Umsturztagen kaum jemals gesehen hat.. „Paris?" Er dachte daran, wie ost sie von Paris gesprochen hatten und daß sich Babiola dabei meist auf die Fußspitzen gesteift hatte, um größer zu erscheinen. Ganz verändert und wie verkauft sah sie in ihrem Seidenkleid aus und er empfand von ihr Abscheu. „Es ist kalt geworden", sagte er und schüttelte sich. Alles war so bitter und beschämend. Niemand hatte vor Ueberraschung aufgeschrien, wie sie es sich so schön vorgestellt hatte. Francois Chöre war grob und machte dumme Witze. Und das hätte er doch vor Raoul nicht tun sollen. Im übrigen— Raoul. Was ging der sie noch an? Er sah wirklich ganz gewöhnlich aus. Wie plump waren sie, diese groben Burschen. Sie fühlte, daß sie eigentlich nie zu ihnen gehört habe. Ein Fischerweib lachte böse, als sie Babiola erkannte, und die Frau, bei der sie Milch geholt und die ihr öfter zu effen gegeben hatte, prüfte die Seide ihres Kleides mit knochigen Fingern. „Gib acht, daß du keine Dirne wirst!" Babiola erschrak vor diesem Wort. Sie hatte bereits drei Stunden gute Erziehung hinter sich und kam aus dem Hotel„Mon Rsve". Sie hatte das böse Wort früher ost von Fischern oder streitenden Mattosen gehört. „VouS etes möchante, sagte sie angewidert und zuckte zurück, denn die Bäuerin hob die Hand zum Schlag. Es war, als seien alle ob ihres Glückes beleidigt. '„Raoul, komm wenigstens du mit mir." Raoul kam; aber als er ihr Kleid mit seiner schmutzigen Hand berühren wollte, wich sie zur Seite. „Raoul, bis auch du in Paris sein wirst..." „Nicht so bald wie du", sagte er und ein böser Ton schwang in seinen Worten mit. „Dos macht nichts, dann kommst du eben später. Ich werde immer alle Zeitungsverkäufer Abg. Genossin K i r p a l entledigte sich trotz ihrer Kränklichkeit in vorbildlicher Weise ihrer Aufgabe. In ernsten sachlichen Ausführungen sprach sie über den Fascismus, kennzeichnett die S. H. F. als die Fortsetzung der Nazi und der Nationalpartei und verbreitete sich dann über unseren Kampf um Arbeit, Brot und Freihett. In ihren ganzen, fast eineinhalbstündigen Ausführungen hatte sie kein Wortüber die Kommuni st en gesagt. Ein großer Teil der Versammlungsteilnehmer quittierte ihre Darlegungen mit lautem Beifall. Nun kam der Komotauer Kommunist und Rutzlanddelegierte Schenk zum Worte. Er sprach länger als eine Stunde und in dieser langen Zett wußte er über den Henlein- fascismuskein Wort zu sagen, dafür aber fand er es für angebracht, die alten Ladenhüter aus dem Jahre 1914 austtamen, ließ an unserer Partei kein gutes Haar, erging sich in den phantastischesten Wunschttäumen mit hunderten von wenn, als ob es für ibn keine Tatsachen des Lebens gäbe oder er für sie taub und blind wäre. Er faselte von Arbeiter- und Bauernregierung mit einer Naivität, als ob er keine Ahnung davon hätte, mit^oas für Bauern wir es in der Tschechoflowakei zu tun haben. Die bürgerlichen Parteien schonte er liebevoll und begnügte sich damit, unter Einhaltung der„richttgen Linie" und Beachtung aller verttaulichen Rundschreiben der K. P. C. die Sozialdemokraten zu„entlarven". Er fand dabei auch bei einem Tett seiner Getteuen Beifall, aber es muß festgehalten werden, daß sehr viele ehrliche kommunistische Arbeiter von ihm etwas anderes, besseres erwartet hatten und nach der Versammlung unseren Genossen gegenüber durchaus nicht mit ihrer Meinung zurückhielten. In ernsten Ausführungen rechneten nach seinem Spruch die Gen. Arnberg und Katz a b k e, ebenso auch Genossin K i r p a l mtt der Demagogie des Schenk Wb, so zwar, daß er und etliche seiner Getteuen sehr nervös wurden und dem in öden Zwischenrufen Ausdruck verliehen. Die Versammlung wird den Kommunisten keine Früchte tragen.' Der Sinn unserer Arbeiter ist in Zwickau ttotz Krise und Wirtschaftsnot viel zu gesund, als daß sie ehrliche Arbeit von schäbiger Demagogie nicht zu unterscheiden vermöchten. Das Auftreten des Schenk hat nur neuerdings bewiesen, daß es den Kommunisten mtt dem Kampf gegen den Fascismus ebensowenig ernst ist, wie mtt ihrem Geschrei von der Einheitsfront. Die Errichtung einer Bürgerschule in Jungbuch hatte Genosse I l l n e r bereits in der Oktobersession der böhmischen Landesvertretung gefordert. In der Mittwochsitzung brachte er dieses Ver- lanssen oer'interessiertmKreffever Bevölkerung nochmals vor und verwies insbesondere darauf, daß für diese Schule 170 Schüler in Betracht kommen und daß sowohl für>den Sachaufwand als auch für die Räume alles borgesorgt ist. Es ist auch vom sozialen Gesichtspunkt aus eine Notwen- digkett, daß Jungbuch endlich die ihm gebührende Bürgerschule erhäll. Die Vertreter des Landes im Prager Rationalmuseum sollten in der jetzigen Session der Landesvertretung gewählt werden. Unter den Vorgeschlagenen ist auch der durch die nationalistische Kampagne um die Hochschul-Jnsignien bekanntgewordene Prof. D o m i n.—, Die Wahl wurde von der Tagesordnung der Landesverttetung abgesetzt. anschauen und wenn es mir gut gehen wird, werde ich dir helfen. Ihr Versprechen war der Kahn,, mit dem sie still das kameradschaftliche Ufer verließ. Sie hätte ihm am liebsten die ganze Welt versprochen, um ihn aufzuheitern. So gefühllos und leer kam sie sich vor. Raoul schwieg und blieb mit einem würgenden Schmerz im Halse stehen, eip paar unverkaufte Exemplare des„Echo" unter dem Arm. Alte Zeitungen haben die trostlose Traurigkeit abgetaner Dinge. Der Sttand war leer, die abendliche Kälte hatte die Gäste vertrieben und Raoul hätte sich am liebsten vor Gram erttänkt. Er hatte sie sehr lieb, dieses katzenhaste, durchtriebene Ding. Sie war das Ziel der Träume seiner erwachenden Mannheit. Wie gerne hatte er auf dem Strande seine Stimme heiser geschrien, um abends ihr liebes Geplauder zu hören. Sie war fein Mädel, sie war die Vorahnung schwerer Tage, das Gegenteil seines Knabentums, das geliebte Gegenteil mit einer zarten Stimme und einer rosigen Haut unter dem Röckchen. Babiola ahnte, was in ihm vorging. „Ich mutzte doch gehorsam sein, zumal Vater froh war, daß ich ihm Geld ins Haus brachte." „Babiola, sprich wie du immer gesprochen hast!" Sie konnte es nicht mehr. Sie versuchte eS und schämte sich ihrer affenartigen Anpassungsfähigkeit. Alles was sie sagte, hatte rosa Volants und polierte Nägel. Raoul hätte sie prügeln, würgen mögen, um sie dann wie ein Wahnsinniger zu küssen. Aber er war nur der Zeitungsverkäufer von Bidar und kein Apache vom Mont Parnass«, von deren Taten seine Zeitung hie und da berichtete. Babiola hätte gern einen schönen Abschied von Raoul genommen, obwohl sie fühlte, daß sie ihn morgen vergessen werde. (Fortsetzung folgt.) 9tr. 291 Donnerstag, 13. Dezember 1834 Seite 3 u n- Liechten« Gratulationsdepesche erhalten hatte. Die Geheimpolizei hatte daraufhin das Heim Furtwänglers mehrere Tage hindurch überwacht und Furtwängler wurde sogar der Paß abgenommen, um feine Reife inö Ausland zu verhindern. auf Ver- diszipli- Angriff der Gewerbeparteiler auf die Konsumvereine In der Mitkwochsitzung der böhmischen Landesvertretung wurde der Bericht des Landesausschusses zu einem Antrag der tschechischen Gewerbepartei auf gleiche Besteuerung der Konsumvereine und der Privatunternehmungen vorgetragen. Sowohl die Gewerbelommission als auch der Landesausschutz einpfahlen mit Recht die Ablehnung des Antrages. In der Debatte vertrat die Rechte der genossenschaftlich organisierten V.erbrau- cherschaft Genosse Fischer, dessen sachliche und unwiderlegbare Argumentation die grötzte Aufmerksamkeit aller Anwesenden hervorrief. Aufsehen erregte es, als der tschechische Agrarier in schärfster Weise die Gewerbepgrteiler angrifs und ihnen Preistreiberei und Ausbeutung vorwarf. Für den Antrag der Gewerbepartei sprachen nur die Nationaldemokraten und tschechischen Klerikalen. vas Kommando der Saartruppen London.(Reuter.) Generalmajor B r i n d, der Oberkommandierende des Saarländischen internationalen Korps, reist morgen nach dem Saargebiete ab. Jur Weißen HauS wurde betont, daß weder die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, noch eine Vorbereitung auf den nächsten Krieg beabsichtigt sei. Im Gegenteil halte man den jetzigen Zeitpunkt für besonders günstig, weil nirgendwo eine Kriegsgefahr drohe. Als weiterer Schritt wird ein Plan erwogen, wonach die Bereinigten Staaten ihre Stellungnahme zur Frage der Lieferung von Kriegsmaterials« fremde kriegführende Staaten und andere Neutralitätsfragen festgelegt werden. Durch diesen Plan soll auch der Handel mit Munition schärfster staatlicher Kontrolle unterworfen werden. Washington.(Tsch. P.-B.) Das Weiße Haus hat am Mittwoch ein Gesetz angekündigt, das das Wiederauftretcn von„Kriegsgewinnern" in künftigen Kriegen unmöglich machen soll. Präsident R o o s e v e l t bat die Minister für Aeuße- res, Krieg, Marine, Landwirtschaft Und Arbeit, seine Wirtschaftsberater Peek und Baruch sowie den früheren NJRA-Direktor, General Johnson, zu einer Sitzung zusammen und ersuchte sie, einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzubereiten. Diesen Entwurf will Roosevelt bald nach Beginn der Kongreß-Sitzung mit einer Sonderbotschaft dem Kongreß unterbreiten. Berlin. Der Musikkritiker der„D. Z. am Mittag" Hans Stuckenschmidt, ein bekannter Musikschriftsteller Deutschlands ist gematzregelt worden, weil er die liberale Hindemith-Furtwängler- Richtung in der Musik zu sehr begünstigte. Stuk- kenschmidt, der Sohn eines verdienten preutzischen Generals, hat von der Reichskulturkammer die Weisung erhalten, nicht mehr für irgend ein deutsches Blatt zu schreiben. In dem sehr ausführlichen Schreiben der Kammer heitzt es, dah Stuckenschmidt nicht mehr die Qualifikation besitze, die für einen Mann notwendig sei, der mit der Aufgabe betraut ist, die öffentliche Meinung geistig zu beeinflussen. Bei dieser Gelegenheit wird bekannt, daß Furtwängler sich verpflichten mußte, ein Jahr lang keine musikalische Tätigkeit auszuüben und daß er ferner eine spezielle Lohalitätserklärung für das nationalsozialistische Regime unterzeichnet hat. Diese Lohalitätserklärung wurde von ihm verlangt, nachdem Furtwängler von dem gegenwärtig auf einer Amerikatournee begriffenen Virtuosen B ro nisl a» Hubermann eine Geheime Abstimmung Saarbrücken.(Havas.) Die Plebiszitkommission hat der Presse einen amtlichen Bericht zu- gehen lassen, in welchem die Saarangehörigen aufmerksam gemacht werden, datz das Plebiszit absolut und streng geheim sein werde. Die Stimmzettel werden in einem zweifachen Briefumschläge in einem isolierten Raume abgegeben werden. Das Skrutinium wird" vollkommen durch Beamte ausländischer Staaten durchgeführt werden, die an dem Plebiszit nicht beteiligt erscheinen. „Das junge Volk“ erscheint am 1. Jänner „Das junge Volk" ist die Zeitschrift der fortschrittlichen jungen Generation. Es gehört in die Hand jedes jungen Arbeiters, Angestellten und Studenten. Bestellungen sind zu richten an die Verwaltung Prag XII., Fochova 62. Heß reist erst nach der Abstimmung Paris.(Tsch. P.-B.) Entgegen den Meldungen, welche das baldige Eintreffen des Ministers Hetz und Ribbentrops in, Paris ankündigten, teilen heute die Berliner/Korrespondenten der Pariser Blätter mit, datz die Reise verschoben wurde und erst in der zweiten Hälfte des Monates Jänner nach dem Saarplebiszit erfolgen wird. Reichskanzler Hitler, welcher Anhänger direkter Verhandlungen nicht professioneller Diplomaten ist, hat sich schlietzlich der Anschauung des Reichs« Auhenministeriums cmgeschlossen, einstweilen Berufsdiplomaten mit den Verhandlungen zu betrauen. UM Liechtenstein Helmwehr-Revolte— „mehr humoristisch** Vaduz.(DNB.) Vor dem Liechtensteiner Regierungsgebäude fand gestern eine grotze Volkskundgebung statt, die aus allen Gemeinden des Landes beschickt war. Die Versammluirg nahm gegen die derzeitige Regierung des Fürstentums Stellung. Nach Ansprachen der Führer des Liechtensteiner Heimatdienstes Dr. Otto Schaedler, Dr. Alois Vogel aus Balzers sowie des Barons Vogelsang aus Schellenberg, stellte die. Versammlung einstimmig folgende Forderung auf: 1. Rücktritt der Regierung und Auflösung>es Parteilandtages. 2. Sofortige Wiederherstellung des Rechts auf eine Volksabstimmung in der ursprünglichen Form, damit das Liechtensteinsche Volk Gelegenheit habe, auf dem Wege einer Abstimmung frei und unbeeinflutzt zu den gegenwärtigen Fragen Stellung zu nehmen. 8. Uebernahme der Regierungsgewalt durch den Erbprinzen Franz Joseph, unbeschadet der Rechte des regierenden Fürsten Franz I. oder aber Uebernahme der Regierung durch einen anderen Prinzen des Fürstlich-Liechtensteinschen Hauses, der seinerseits unmittelbar dem Thronfolger als Bevollmächtigter des regierenden Fürsten verantwortlich ist. Bestellung einer Regierungskommisiton und eines wahlvorbereitenden Verfassungsausschusses mit der Aufgabe, innerhalb von Jahresfrist eine neue Verfassung auf grundsätzlich demokratisch- st ä n- vil>che» Grundlage. auszuarbeiten und dem Volke zur Abstimmung vorzulegen. 4. Einführung eines Unvereinbarkeitsgesetzes, das die Bekleidung eines Staatsamtes durch einen Geistlichen verbietet. 6. Vereinfachung des Staatsapparates durch Gehalts- und Beamtenabbau. 6. Bekämpfung des zu den sozialen Volksintereffen im Widerspruch stehenden Doppelverdienertums. 7. Neubesetzung des Arbeitsamtes durch eine das Vertrauen der Arbeiterschaft und des Gewerbes genießenden Persönlichkeit. 8. Verzicht geltungsmatznahmen an Teilnehmern nierter Demonstrationen. Die Regierung des Fürstentums stein veröffentlicht folgende Erklärung: „In verschiedenen Blättern sind über eine Versammlung des Liechtensteiner Heimatdienstes vollkommen irrige Nachrichten verbreitet worden. Der Sachverhalt ist folgender: Einem Aufruf des Heimatdienstes, am letzten Sonntag eine Volkskundgebung zu veranstalten, leisteten nur 160 Personen, meist Jugendliche, sogar n o ch i m schulpflichtigen Alter stehende junge Leute Folge. Die Entschlietzung, die hie Kundgebenden annahmen, verlangte u. a. Ausarbeitung einer ständischen Verfassung und Umbildung der Regierung mit dem Thronfolger oder einem Prinzen als Leiter an der Spitze, bei ausdrücklicher Erklärung der vollen Aufrechterhaltung der Rechte des Regenten Franz I. Die kleine Kundgebung dauerte kaum eine Stunde. Sie wird von der Bevölkerung des Landes mehr humoristisch aufgefatzt. Allgemein wird nur bedauert, datz der Versuch gemacht wird, das Fürstenhaus in das politische Getriebe hineinzuziehen. Der Thronfolger verwahrt sich in einer Erklärung gegen den Missbrauch seines Namens für unwürdige und das Land schädigende Aktionen. Tschechoslowakei tritt dem Ostpakt bei Genf.(Tsch. P. B.) In Genf wurde gestern die Abmachung unterzeichnet, durch die die tsche choslowakische Regierung dem französisch-sowjetrussischen Protokoll vom 5. Oktober über den Ostpakt beitritt. Die Tschechoslowakei schliesst sich damit grundsätzlich dem Ostpakt an und'tritt in alle Verhandlungen über die* Pazifizierung Osteuropas ein. Maschinenkarten - Maschinentrust? Die Kartellvereinbarung, die zwischen Skoda und der Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik auf die Dauer von fünfzehn Jahren abgeschlossen worden ist, scheint nur der Anfang eines weitreichenden Zusammenschlussprozesses in der tschechoslowakischen Maschinenindustrie zu sein. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Konzernen wird für alle Abteilungen besonders eng gestaltet und aus Rationalisierungsgründen ist eine weitgehende Arbeitsteilung für die verschiedenen Betriebe geplant. Einzelne Erzeugnisse, die bisher von den beiden Konzernen hergestellt worden sind, sollen den Skodabetrieben reserviert werden, andere wieder den Fabriken der Böhmisch-Mährischen. Eine erhebliche Kostensenkung soll einerseits durch Stillegungen, andererseits durch erhöhte Kapazitätsausnützung in den rentabelsten Werkstätten erreicht werden. Mit den in Aussicht genommenen Stillegungen wird sich auch in diesem Falle wieder die Kartellierung zum unmittelbaren Nachteil für die betroffenen Arbeiter und Angestellten auswirken. Nutzer dem Kartell, das Skoda und die Böhmisch-Mährische eingegangen sind, soll auf dem Gebiete der Automobilerzeugung eine ähnliche Vereinbarung mit denTatra- werken und anderen Automobilfabriken bevorstehen. In der Maschinenerzeugung ist ein weiterer Zusammenschluß insofern schon vorbereitet, als bereits früher Verhandlungen der Böhmisch-Mährischen mit den Witkowitzer Eisenwerken stattgefunden haben. Der Anschluh des! ketztgenannten Konzerns an das errichtete Maschinenkartell dürfte sich daher wahrscheinlich schon in allernächster Zeit vollziehen. Für später steht weiter die Einbeziehung der KkiZik-Chaudoir-Werke in Aussicht. Diese Entwicklung, die bei der blossen Kartellierung nicht stehenbleiben wird, sondern bei dem starken Einfluß, den das Finanzkapital«uf die Maschinenindustrie hat, zur Herausbildung eines riesigen Trusts zu führen scheint, ist von weittragender wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Das Entstehen einer derartigen konzentrierten Wirtschaftsmacht stellt auch die Arbeiterschaft und ihre Bewegung in dem Kampf um die Wahrnehmung ihrer sozialen Interessen vor neue Fragen. Eine unmittelbare Wirkung dieser Kartellierung wird die völlige Ausschaltung des sogenannten freien Wettbewerbs unter den beteiligten Konzernen sein. Es wird keine Preiskonkurrenz mehr geben gegenüber de« Abnehmern ihrer gfawn. Unter diesen Abnehmern hat aber der Staat einen hervorragenden Platz inne. Er ist es also, der sich jetzt einem fest verbündeten Lieferantenkreis gegenüber sieht und der darum für die Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Autobusse und Transportautos für Militärzwecke, für Motoren, andere Maschinen und sonstige Gegenstände der Maschinenindustrie, die im Zuge der internationalen politischen Lage in grösserem Umfange jetzt anzuschaffen er für unumgänglich hält, höhere Preise bezahlen muh. Es wird von den massgebenden Stellen ernsthaft geprüft werden müssen, ob hier nicht ein Abkommen geschaffen worden ist,„welches di« Sicherung von Unternehmergewinnen auf Kosten der Verbraucher oder Abnehmer im Auge hat, oder sogar auf Kosten der Betriebsangestellten". Der Handelsminister hat in seiner Rede vor dem Senat ausdrücklich erklärt, dass der Ministerpräsident derartige Abkommen nicht gemeint hat, als er in seiner Parlamentsrede von einer zweckmässigen Selbstverwaltung der Industrie bei der Regelung der Produktion und Verteilung gesprochen habe. Auf diese Erklärung wird man die verantwortlichen Stellen verweisen müssen, wenn die Zusammenschlussbewegung, die ja auch in anderen Zweigen der Wirtschaft eingesetzt hat, mit einer Steigerung der Auspowerung der Arbeiter und Verbraucher verbunden ist. Die Zusammenballung zu so gewaltigen Wirtschaftsmächten, wie sie der Maschinentrust darstellen würde, kann aber auch direkt zu dem Versuch der Beeinträchtigung der Wirksamkeit der politischen Demokratie in unserem gesellschaftlichen Leben führen. Man mutz diese Entwicklung und si^allc ihre Auswirkungen um so aufmerksamer verfolgen, als sie unter dem besonderen Einfluß der Zivnobank und ihres Oberdirektors Dr. Preis vor sich geht, von dem man weiß, datz er zu den Führern und Geldgebern der Nationalen Bereinigung gehört und ein starker Gegner der gegenwärtigen Regierungsmethoden ist. Waren jüngst die Krawalle in den Prager Straßen ein Symptom für die politische Bereitschaft der Fascisten, so ist die Zusammenballung der wirtschaftlichen Macht, die unter der Führung der gleichen kapitalistischen Hintermänner vor sich geht, ein Signalauf dem wirtschaftliche n Kampffeld, das in seiner Bedeut un g nicht terschätzt werden darf. Zwei Ustascha-Leute In Toulon verhaftet Toulon.(Havas.) In Toulon wurden zwei aus Kroatien stammende jugoslawische Staatsangehörige namens Mirko Cluk und Stulunovic in dem Augenblicke verhaftet, als sie die Reise nach Pams antreten wollten. Stulunovic hatte einen kleinen Koffer bei sich, der Zeitungen mit den ausführlichen Nachrichten über die Ermordung des Königs Alexander und Ministers Barthou enthielt. „Petit Parisien" meldet, datz beide Verhafteten Mitglieder der terroristischen Organisation „Mascha" sind. Rüstungen In aller Welt Washington.(HavaS.) Das Kriegsdeparte- ment der Bereinigten Staaten gibt den Ankauf von 110 Jagdflugzeugen bekannt, die eine Schnelligkeit von 350 Kilometern in der Stunde ent- tvickeln könne«. 400 Menschen In Liverpool verunglückt Liverpool. Hier kam es Mittwoch abends zu einer furchtbaren Emsturzkatastrophc. Im ersten Stockwerk des Schulgebäudes zu St. Clement hatten sich zu einem S ch u l f e st e etwa 400 Personen, zumeist Schulkinder, versammelt. Aus bisher unbekannter Ursache brach der Fußboden des Saales Plötzlich durch und alle 400 Personen stürzten etwa zwölf Meter in die Tiefe. Sofort herbeigerufene Ambulanzen haben bisher 300 Opfer aus dm Trümmern geschafft. Bor dem Gebäude, das zahlreiche Mütter uw* lagerten, spielen sich verzweifelte Szenen ab. Das Einsturzunglück hat sich nach den letz- tm Meldungen als nicht so schrecklich erwiesen, wie es anfangs dm Anschein hatte. Die Mehrzahl der Kinder sind leicht verletzt, nur einige erlittm schwerere Verletzungen. Todesopfer sind nicht zu beklagen. rnrtwdnglcr unter Polizeiaufsicht Maßregelung eines Musikkritikers Ständischer Froschmäusekrieg Offene Kriegsdrohung ——————j i Japans Tokio.(Tsch. P.-B.) Marineminister Admiral O s u m i sprach am Mittwoch im Ausschuß des Staatsra'trs über den Flottenhaushalt. Er betonte dabei, dah der Haushalt genüge, um ein Wettrüsten auszuhalten. Die Zahl der japanischen Marineangehörigen betrage 80.000 gegenüber 80.000 der amerikanischen Flotte. Die Bereinigten Staaten könnten den Borsprung Johans an ausgebildeten Offizieren und Mannschaften nicht einholen. Japan könne nach der Kündigung des Flottenvcrtrages neue Kriegsschiffe bauen, ohne daß es gezwungen sei, dafür alte Schiffe abzurüsten. Diese könnten vielmehr weiter verwendet werden. Die Mandate über die Südseeinseln werde Japan nicht aufgebcn. Nötigenfalls werde es sie durch EinsatzderFlotte zu schützen wissen. Die japanische Regierung wolle gleichzeitig mit der Kündigung des Flottenvertrages einen Zeitpunkt und dm Ort für eine neue Flottenkonferenz Vorschlägen. Sie hoffe, daß hierüber eine veftiedigende Lösung erzielt werden würde. {Wieder neun Hinrichtungen In Rußland Moskau.(Taß.) Am 11. Dezember behandelte die Session des Milftärkollegiums des Obersten Gerichtes der Sowjetunion in Minsk die Angelegenheiten von 12 Weißgardistischen Tcr- roristm, die angeklagt sind, im Gebiete von Sow- irtruKlaud Terrorakte gegen Beamte der Sowjetbehörden organisiert nnd auSgeführt zu haben. DaS Gericht stellte fest, daß die meisten Angeklagten mit terroristischen Weisungen überPolen nach der Sowjetunion gekommen seien und Revolver und Handgranaten bei sich trugen. Rach den Bestimmungen des zentralen Exekutivkomitees vom 1. Dezember, entsprechend den Artikeln des Kriminalkodexes von Sowjetweißrußland verurteilte die Session des Militär- kolleginmS des Obrrstm Gerichtes der Sowjetunion nenn der Angeklagten zum Tode durch Er- schießm. Das Vermögen aller Angeklagten wurde konfisziert. Das Urteil wurde bereits v o l l st r e ck t. In Angelegenheit von drei Angeklagten beschloß daS Gericht infolge neuer Umstände die Untersuchung weiterznführen. Senk gegen Paraguay Genf.(Havas.) Der Beratungsausschutz des Völkerbundes für den Gran Chaco-Konflikt richtete an die Regierung der Republik Paraguay ein Telegramm, in dem er sie auffordert, noch vor dem 20. Dezember auf die von der Völkerbundsversammlung beschlossenen Empfehlungen zu antwor- ten. In dem Telegramm heitzt es, datz jetzt, da Bolivien vorbehaltlos seine Zustimmung zu diesen Empfehlungen gegeben habe, deren Geltendmachung nurmehr von der Republik Paraguay abhangt. Roosevelts Kampf gegen die Nutznießer des Heldentodes Gesetz gegen Kriegsgewinner Seite 4 Donnerstag, 13. Dezember 1934 Nr. 291 TagcsRculgkcltcn Ein deutschnationaler Vorsteher bringt eine Erzgebirgsgemeinde um ein« Biertelmillion! Bei einer behördlichen Revision der Gemeinde Christofhammer wurde ein Fehlbetrag von 204.781 KL festgestellt, den der frühere deutschnationale Vorsteher Willibald Kitzan . unterschlagen hatte. Kitzan war 1929 als Deutschnationaler zum Gemeindevorsteher gewählt worden. Er wußt- seine Amtsführung so einzurichten, daß er sich das blinde Vertrauen der großen Mehrheit der Äe- meindeeinwohner sicherte. Kitzan war bestrebt, für die Arbeitslosen, deren es in Christofhammer nicht wenige gab, Arbeit zu beschaffen, was ihm auch wiederholt gelang. In den letzten drei Jahren leitete er wiederholt Sammelaktionen für die Arbeitslosen ein, und es glückte ihm, von auswärts Lebensmittel und Kleidung für die darbenden Arbeitslosen zu erhalten. Gerade durch diese Täng- keit hatte sich Kitzan so viel Anhänger im Orte erworben. daß hiebei vergessen wurde, den luxuriösen Lebenswandel Kitzans näher zu beobachten. Dabei kam ihm noch zugute, daß er eine kleine Fabrik betrieb und auch als Rauschgifthändler angesehen wurde. Durch das Parteiengesetz im Jahre 1933 wurde dem deütschnationalen Vorsteher die Bestätigung versagt, obwohl er nichts unversucht ließ, sich in seinem Amte zu behaupten. Die Behörde bestellte nun unseren Genossen Roman Kitzan zum amtsführenden Gemeinderat und betraute ihn mit»er Leitung der Gemeindegeschäfte. Eine geregelte Nebergabe der Finanzgebarung wußte der abtretende Vorsteher immer wieder geschickt zu verhindern. Sein Lebenswandel und seine großen Geldausgaben brachten es mit sich, daß sich schließlich die Behörde durch eine Revision Gewißheit über die finanzielle Gebarung in der noch immer von Kitzan beherrschten Gemeinde verschaffte. Das Ergebnis brachte den eingangs erwähnten Abgang von 204.781 KL, welcher Kitzan zur Last fällt. Kitzan entging dem Arm der Gerechtigkeit nur dadurch, daß er bei einer Einvernahm« wegen dieser Abgänge im Amtszimmer der Bezirksbehörde durch einen Schlaganfall plötzlich den Tod fand. Er hinterließ keinerlei Vermögen, und die Gemeinde Christofhammer muß nun den gesamten Abgang als gegebene Tatsache hinnehmen. Was dieser fast Einviertel-Millionen-Abgang für die kleine arm« Gemeinde, die ohnedies bereits arg verschuldet ist, bedeutet, läßt sich noch nicht überblicken. Drei Stockwerke tief abgestürzt Böses Ende einer Trinkerei. Mittwoch nachmittags gingen drei Musiker in Begleitung eines Mädchens aus Weiskirch- l i tz in die Brauerei in T u r n. Das Mädchen ist in einem Gasthaus bedienstet und hatte der Brauerei eine Rechnung zu bezahlen, die drei Musiker begleiteten es. Wie üblich, bekamen die Besucher der Brauerei einige Liter Gratis- b i e r. Gegen sechs Uhr abends verabschiedeten sich die Leute. Der Klavierspieler Gerhard Lehnert aus Weiskirchlitz meinte, er müsse sich beeilen, da er versprochen habe, bei einer Skatpartie zu erscheinen. Wenn er zu spät komme, koste es 20 KL Strafe am Stammtisch. Im ersten Stock beugte sich Lehnert über das Geländer, was von den übrigen bemerkt wurde. Gleich darauf vernahmen sie einen dumpfen Aufschlag. Lehnert war aus dem ersten Stock in den zwei Stock tiefen Keller gestürzt und auf der Stelle tot. Man vermutet, daß er im Scherz auf das Geländer gestiegen war, um darauf herunterzurutschen. Lehnert war etwa 25 Jahre alt und verheiratet. Er war Klavierspieler in einem Gasthaus in Turn. So hatte der harmlose Spaziergang der jungen Leute ein tragisches Ende genommen. Ueberschwemmung, Sturm und Frost Lissabon. In den niedrig gelegenen Teilen von Lissabon, Oporio und anderen Städten sind infolge von starken Regengüssen U e b e r- schwemmungen aufgetreten. Der Hafen von Oporto ist wegen heftiger Stürme gesperrt. Viele Fischdampfer sind in Gefahr. Beim Untergang eines Fischerbootes fanden vier Personen den Tod. Rrw Uork. Drei große Ozean-Berkehrs- danPfer, die„Dkajestic",„Washington" und „Paris", die heute in Reto Uork fällig waren, gaben durch Funkspruch bekannt, daß sie infolge heftigen Sturmes eine Verspätung von 36 Stunden haben. Nach der radiotelegraphifchcn Nachricht, die von der Korporation„Radio Marine" ausgenommen wurde, befindet sich der britische Dampfer „Usworth" in Seenot. Manila(Philippinen). Der Gouverneur der Provinz Cagayan(im Norden der Insel Luzon) berichtet, daß bei den Ueberschwemmungen der letzten Wocbe 29 Dörfer zerstört worden sind. 9000 Personen sind obdachlos. Rew Aork. Für Dienstag wurde mit einem Abnehmen der ungewöhnlichen Kälte, die nahezu eine Woche aydauerte, gerechnet. In New Aork sind bisher sechs Personen erfroren. 3wi-, Schreckensszenen im brennenden Hotel An fünfzig Tote und achtzig Vermißte New Aork. Die Zahl der Todesopfer, die der Hotelbrand in Lansing gefordert hat, steht noch immer nicht fest. Es werden noch etwa 80 Hotelgäste vermißt. Man fürchtet, daß die Zahl der Toten bis auf etwa 50 steigen wird. Mit der Durchsuchung der glühenden Trümmer soll in den Morgenstunden des Mittwoch begonnen werden. Man nimmt an daß sich auch noch mehrere Leiche r unter der Eisdecke des Grand River befinden, in den mehrere Hotelgäste in ihrer Todesangst gesprungen sind. Rach Berichten von Urberlebendrn haben sich schreckliche Panikszenen in dem brennenden Hotel abgespielt. Frauen m i t b r e n n e n d e n H a a r e n undKlei- dern durchrasten di« Korridore, zahlreiche Hotelgäste wurden bei dem Brrsuch, sich zu retten, nieoergctreten. Zwanzig Minuten lang ertönten furchtbare Schreckensrufe, bis das Hotel mit donnerähnlichem Krachen in sich zusammenstürzte. scheu Halifax und Norfolk wüten heftige Stürme, die besonders den Schiffsverkehr behindern. Ans dem Weg zur Schule oder zur Arbeit... Riga. Nachdem erst am Samstag drei S ch ü l e r bei einem Schulausflug auf dem Eise des unweit der Stadt Riga gelegenen Babit-Sees eingebrtzchen und ertrunken waren, wird jetzt ein ähnlicher Unglücksfall aus Mittelkurland gemeldet. Dort ertranken drei junge Arbeiter, die sich zum Teil auf Fahrrädern, zum Teil auf Schlittschuhen über das Tis eines Sees zu ihren Arbeitsstätten begeben wollten. Am nächsten Morgen stellte man das Fehlen von drei jungen Leuten fest und fand später ihre Leichen an einer Stelle des Sees, die nur eine dünne Eisschicht aufwies. Selbstmorde i« der Weihnachtszeit. Wenn die Glücklichen, oder richtiger: die Nichtglücklichen zu froheren Stunden rüsten, werden die wahrhaft Unglücklichen oder jene, die vermeinen, es zu sein, noch tiefer von ihrenr Jammer angefaßt; Freudclächeln in den Augen anderer läßt jene, die sich ausgestoßen fiihlen, ihren Schmerz als besonders brennend empfinden. Und dann gehen sie hin und machen dem Leben, dem sie keine Freude mehr abzugewinnen glauben, ein Ende. An Sonntagen, an Feiertagen überkomint solche furchtbare, tödliche Stimmung erfahrungsgemäß unglückliche Menschen am meisten. Und wenn die Herzen an der Vorfreude zum Feste der Liebe sich entzünden, wenn jene gehobene Stimmung beginnt, die die letzten Wochen vor Weihnachten zu kennzeichnen pflegen, dann erlöscht die Lebenslust jener, die ein großes Leid in sich tragen, dann ertragen sie nicht mehr den Gegensatz zwischen dem, was sie so trostlos bewegt; dann gehen sie von hinnen. Es scheint, daß auch Heuer wieder, und vielleicht Heuer besonders, das Fest der Liebe zum Tag des Leids für viele werden wird. Schon häufen sich in den Spalten der Zeitungen die Selbstmordmeldungen. Unter denen, die den Freitod wählen, ist gar mancher, der seine Verurteilung zu Arbeitslosigkeit und unfreiwilligem Müßiggang, zu Not und Hunger mit selbstgewähltem Tod abschließt; Liebe und Bedürfnis nach Liebe, Krankheit, alle Gestalten, die menschliches Unglück annehmen kann, figurieren unter den Selbstmordmotiven. Und bei vielen ineldet der Bericht lakonisch(und dumm): Lebensüber, druß. Ja, Lebensüberdruß ist das Motiv jedes Selbstmords! Und die Frage erhebt sich wieder, ob sie alle gegangen wären oder gingen, wenn sich eine hilfreiche Hand ihnen geboten hätte; wenn einer da gewesen wäre, der sie beraten hätte; der dem verzweifelten Arbeitslosen gesagt hätte, daß er sein schreckliches Los mit Millionen teilt und daß es gilt, nicht zu sterben, sondern zu kämpfen; dem Liebesselbstmörder einen Ausweg aus seiner Pein gezeigt hätte. Ost genügte eine Stunde menschlich-teilnahmsvollen, klugen Zuredens, um den Entschluß zum Selbstmord wankend, die Stimmung des Tottraurigen erträglicher zu machen. Warum haben wir hierzulande noch immer keine Beratungsstelle für Lebensmüde? Wollte man ihre Schaf, fung in Angriff nehmen, so wäre das ein wahr- haft edles Weihnachtsgeschenk für Tausende, die find, für Tausende, die kommen werden! Tägliche Rundfunkoffensive. Ministerpräsident Malypetr hat jüngst im Parlament erklärt, der tschechoslolvakische Rundfunk müsse sich jeglicher Polemik enthalten. Die deutschen ReichS- sender haben andere Grundsätze. Seitdem man im Dritten Reich die Rundsunkvorträge gegen Oesterreich eingestellt hat, befaßt man sich außer mit dem Saargebiel und dem Memelland besonders viel auch mit der Tschechoslowakei. Der Leipziger Sender läßt kaum eine Nachrichtenreihe aus, ohne die Tschechoflowatei zu erwähnen. Zum größten Teil geschieht das in einer Weise, die unverkennbar Abneigung, Geringschätzung, aber aua, Haß gegen unseren Staat Hervorrufen soll. Am gestrigen Mittwoch zum Beispiel wurde da behauptet, daß in Böhmen 1933 eine ungeheureKinder- sterblichkeit festgestcllt worden sei. die in der Stadt Laun sogar e,n Viertel aller Kinder hinweggerafft Habel Al Grund dafür wurden die„schlechten sozialen Verhältnisse in der Tschechoslowakei" bezeichn er. die freilich den Nazis schon wegen der Koalitionsfreiheit und der ungebindert bestehenden Freien Gewerkschaften in unserem Lande besonders verhaßt sind. Einer Mitteilung in der gleichen Sendung über den starken Ausfuhrrückgang an Prager Schinken war deutlich die Schadenfteude anzumerken, die allerdings bei dem katastrophalen Verfall des deutschen Exports einigermaßen begreiflich ist. Sett einigen Tagen verbreitet der Sender Leipzig-Dresden aber auch unpolitische Nachrichten aus unserem Lande, wie übrigens in den Glückwünschen des Senders Königswustcrhausen zum 90. oder einem noch höheren Geburtsta und zur diamantenen Hochzeit nicht selten auch Jubilare in sudetendeutschen Gebieten angraiuliert werden. Der Zweck ist klar: Durch solche Nachrichten sollen die Radioteilnehmer diesseits der Grenze als Dauerhörer des Senders Leipzig-Dresden gewonnen werden, wodurch sie dann auch von den Hetznach- richtcn ständig erreicht werden können! Zahlen, die z« denken geben. In einer Sitzung des Budgetausschusses am 10. d. M. sprach der Handelsminister Jng. Dostalek und nannte dabei einige Zahlen, die eindringlicher als große Reden den ganzen Umfang der Wirtschaftskrise veranschaulichen. Minister Dostalek bezifferte das Lohn- und Gehalteinkommen der öffentlichen und Privatangestellten und der in Lohn stehenden Arbeiter im Jahre 1929 mit 45.6 Milliarden KL. Infolge der Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Lohn- und Gehaltskürzungen ist dieser Betrag im Jahre 1933 auf 28, also u m v o l l e 17.6 M i l l i a r-. dengesunken, das sind r e i ch l i ch 38 P r o- zent, also mehr als ein volles Drittel. Berechnet man das durchschnittliche Lohneinkommen eines Arbeitnehmers mit 1000 KL monatlich, oder 12.000 KL jährlich, so ergibt die Summe des Lohnausfalles von 17.600,000.000 KL die Jahreslohnsumme von 1,466.000 Arbeitern, oder die Existenzgrundlage von ebensovielen Familien. Diese Zahl entspricht rund dem zehnten T e i l der gesamten Bevölkerung des S t a a t es, die Summe des Lohttausfalles dem Doppelten des Staatsbudgets. Glückwünfchend in de« Tod... In einem Hotel in Lundenburg wurden gestern früh mtt Schußwunden im Kopfe tot aufgefunden: Josef Macsuha-Figulesak, geboren 1909, von Beruf Beamter, und Rosa Sidovä, beide aus Preßburg. Beide hinterließen zahlreiche Briefe und Weihnachtsgratulationen. Es handelt sich offenbar um Selbstmord aus unglücklicher Lieb«. Bei der Biehrettung tödlich verunglückt. Der Landwirt Josef I a n k u aus Lopenik bei Uhersky Brod wurde Montag früh durch einen grellen roten Schein aus dem Schlafe geweckt. Seine Ställe standen in Flammen. Der Landwirt suchte das Vieh ins Freie zu bringen. Es gelang ihm, drei Schweine in Sicherheit zu bringen. Bei dem Versuche, auch die Kühe zu retten, stürzten die brennenden Ballen über dem Landwirte zusam- ! men, der tödliche Verletzungen erlitt und ins Krankenhaus überführt werden mußte. Selbstmord der Witwe Le» Falls. Aus Wien wird berichtet: In ihrer Billa in Lainz hat sich gestern nacht die 54jährige Private Berta Fall vergiftet. Frau Fall ist Inhaberin der Villa, hatte sie jedoch bereits geräumt und wohnte sett einiger Zeit in Untermiete. Sie hatte vermutlich im Laufe der Nacht die leerstehende Billa aufgesucht. Der Arzt konnte nurmehr den Eintritt des Todes feststellen. Das Motiv der Tat ist noch nicht geklärt. Bei der Toten fand man einen Zettel mit der Inschrift:„Endlich daheim, verzeiht mir." — Frau Berta Fall war die Wittoe nach dem 1925 verstorbenen(in Olmütz gebürtigen) Komponisten Leo Fall, dessen Operetten(„Der fidele Bauer",„Die Dollarprinzeffin" u. a.) Weltruhm erlangt haben. Entführt. Aus Nanking wird gemeldet: Der amerikanische Missionär John st am, dessen Frau und sein drei Monate altes Töchterchen wurden von Kommunisten(soll wohl heißen: Banditen, d. R.) in Cingpch, 120 Meilen südlich von Nanking, entführt. Eine Hundertdreißigjährige. Im Dorfe Ko- lom ist die Bäuerin Ajka OmeroviL im 130. Lebensjahre gestorben. Die Greisin tvurde in dem Augenblicke vom Tode ereilt, als sie aus dem Drinafluß Wasser schöpfte Die seit 20 Jahren alleinstehende Greisin hatte in-den letzten Jahren ausschließlich von milden Gaben der Ortsbewohner gelebt. Schiffe im Rebel. Infolge nebeligen und stürmischen Wetters in der Ostsee treffen zahlreiche Schiffe im Danziger Hafen mit einer Verspätung von einigen Tagen im Danziger-Hafen ein. Der englische Dampfer„Glm Head" ist in der Nähe von Bornholm gescheitert. Es verlautet auch, daß zwei andere Dampfer gescheitert sind, worüber Einzelheiten noch fehlen. He«derso» Friedensnobelpreisträger Der Präsident der Abrüstungskonferenz, der Engländer Arthur Henderson, Führer der Labour-Party, wurde zum Friedens- Nobelpreisträger für 1934 bestimmt. Er empfing die Auszeichnung am Montag in-der feierlichen Sitzung des Nobelpreiskomitees in Stockholm. Alm aufgegeben Honolulu. Nach langen und nutzlosen Nachforschungen haben die Behörden die weitere Suche nach dem verschwundenen Transozean-Flreger Ulm und seinen Kameraden aufgegeben. Erich Kleiber nach Wien. Aus Wien wird gemeldet: Da Furtwängler in absehbarer Zeit die Rückkehr nach Wien und seine Wiederbetätigung in der Staatsoper unmöglich gemacht wurde, sind Verhandlungen mit Erich Klei- b e r zwecks Uebernahme des ersten Dirigentenpostens der Staatsoper eingeleitet worden. Verweigerung des Hitlergrußes. Das Vorstandsmitglied der Kölner Anwaltskammer. Rechtsanwalt Dr. Franz Legers, ist durch den Reichsgeschäftsführer de„ R. S. Juristenbundes Dr. Heuber mit sofortiger Wirkung aus dem NS-Juristenbund ausgeschlossen worden. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß der Anwalt es grundsätzlich abgelehnt habe, den Hitler- gruß zu erwidern. Es sollen Schritte unternommen werden, ihn aus der Anwaltskammer auszuschlietzen. Bergsteigers Tod. Der Salzburger Bergsteiger Andreas Strohbichler ist am Hohen Goell aus 80 Meter Höhe abgestürzt. Er Ivar auf der Stelle tot.Die Leiche, die gräßliche Verstümmelungen aufwies, konnte geborgen werden. Hindemith— Hundemist...„Hindemith heißt im Volk Hundemist... Furtwängler macht sich mit seiner Angst, daß Hindemith zu den Emigranten gehen könne, nur lächerlich..." Also schreibt der„Angriff". Auch in Japan gibt es Renegaten. Kijoschi- jakita, der Vorsitzende der Sekukej-Partei, der größten Partei Japans, hat seine Funüion niedergelegt und will eine neue Partei gründen, die wahrscheinlich die gegenwärttge Regierung, welcher gegenüber die Sejukaj-Partei in scharfer Opposition stand, unterstützen wird. Machado in Hamburg. Der ehemalige Präsident der Republik Kuba, Machado, ist in der Nacht zum Dienstag in Hcnnburg eingetroffen. Er hat sich am frühen Morgen von Bord begeben. Kein Strahl in diese Nacht. Der Empfang von Weihnachtspaketen für die Insassen der deutschen Konzentrattonslager wurde auch dies Jahr verboten. Standrecht. In den Provinzen Havana, Santa Clar» und Camayuey wurde wegen der „kommunistischen" Ilm triebe, die sich in diesen Gegenden in der letztem Zeit bemerkbar machten, das Standrecht verhängt. Mord und Selbstmord. Oldkich Krücek, der Magazineur der Konsumgenossenschaft„Budoucnost" in Lndgeiovice, gab Mittwoch nachts gegen seine Geliebte in Mordabsicht mehrere Schüsse ab, worauf er in selbstmörderischer Absicht die Waffe gegen sich wandte'.und sich schwer verletzte. Seine Geliebte namens Elrska Gruskovä wurde mit schweren Verletzungen ins Gewerkskrankenhaus von Petrkovice gebracht, während Krukek ins Allgemeine Kranken-^ haus nach M.-Ostrau gebracht wurde. Bis Mittwoch abends sind beide aus der Bewußtlosigkett nicht erwacht. Vom Rundfunk ■mpfehlenswertas aus den Programm«!»» Freitag Prag: Sender L.: 10.05 Deuttche Nachrichten. 11.00 Schallplatten: Dvokak. 12.10 Unterhaltungsmusik. 12.35 Konzert des Salonorchesters. 13.05 Ar. bettSmarkt. 13.45 Chansons. 16.45 Tschechischkurs für deutsche Hörer. 18.25 DeutscheSendung: Prof. Dr. Nonnenbruch: Tuberkulose als Infektionskrankheit. 48.45 Arbeitersendung: Akttrelle zehn Bti- mtten. 19.10 Tanzmusik.— Sender St.: 14.35 Flötenkonzert. 15.00 Deutsche Sendung: Die Wiener Marseillaise, Hörspiel. 15.45 Deuttche Presse. 18.10 Orchesterkonzert.— Brünn: 12.10 Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 18.20 DeutscheSendung.— Mähr.-Oftra«: 18.00 Deu t- >che Sendung: R. Klar: Schallplattenbar. 19.30 Unterhaltungsmusik.— Preßburg: 15.55 Orchesterkonzert.— Kascha«: 11.00 Schallplattee Nr. 281 Donnerstag, 13. Dezember 1934 Seit« 6 Das Dritte Reich schweigt Die Kulturwelt darf nicht schweigen Seit zwanzig Monaten rast durch das Herz Giropas der Schrecken. Seit zwanzig Monaten werden in einem europäischen Kulturland alle Juden und Christen verfolgt, deren Gedanken und politische Meinungen vom Programm der Partei Adolf Hitlers abweichen. Als die ersten Berichte über das Dritte Reich die Welt in Erregung versetzten, sprach der Reichspropagandamin ister Goebbels von„Greuelnachrichten". Das Wort hat eine Fachbezeichnung für lügenhafte, antideutsche Tendenznächrichten geschaffen, und gute Dienste getan. Aber die Welt hat seit dem Frühling 1933 zu Furchtbares erlebt. Die blutige Flut, die sich vom Reichstagsbrand bis zum 30. Juni wälzte, hat das listenreiche Goebbels-Wort um seinen Sammlung von B e r i ch t e n a u s d e u t s ch e n Konzentrationslagern erschienen. Was diese Sammlung mitzuteilen weiß, ist geeignet, alle bisherigen Berichte, aus dem Dritten Reich in den Schatten zu stellen. Das Buch ist eine gewissenhafte Zusammenstellung konkreter Anklagen. Zu jeder Tatsache werden Daten und Einzelheiten angegeben. Die Namen der Lagerkommandanten, alle SA- und SS-Leute, die für die furchtbaren Grausamkeiten verantwortlich sind und ihrer Opfer— mehr als 850 Namen-7- werden auge- fü.-rt. Leichenschändung, Amtsmißbrauch, Sexualvergehen, schwere Körperverletzung, Mord: das sind die Verbrechen, deren man diese Vertreter der deutschen Reichsgewalt mit allen zur Untersuchung notwendigen Angaben beschuldigt. Aufgabe- und Empfangsbestätigungen für das Buch »Konzentrationslager! Adolf Hitler, Deine Opfer klagen an!“ 1. Rückschein für Äe Sendung an Dr. Bumke, den Präsidenten des Reichsgerichts.— 2. Die, Empfangsbestätigung des Oberreichsanwalts Dr. Werner.— 3. Aufgabe- bescheinigungfür die Sendung an Adolf Hitler. Der Eingang des Buches ist— erst nach mehrfacher Reklamation— am 18. Oktober bestätigt worden.— 4. Quittung für das Reichsjustizministerium und 5. für den Propagandaminister Dr. Göbbels. Sinn gebracht. Dieses Wort„Greuelnachricht" hat den ironischen Sinn verloren, es bezeichnet heute wirklich ein« Nachricht über deutsche Greuel. Mit dem sicheren Tastgefühl des erfolgreichen Rellamefachmanns, hat man in dem Augenblick die Taktik geändert, als sich der Sinn der Goebbels-Bezeichnung änderte. Das Dritte Reich antwortet nicht mehr auf Greuelnachrichten. Das Dritte Reich begann zu schweigen. Es spekulierte: wenn das amtliche Deutschland zu allem, was ihm vorgeworfen wird, schweigt, dann wird es eher gelingen, das Gewissen der Welt taub zu machen. Diese Methode zeigt sich erfolgreich, man gewöhnt sich an die deutschen Greuel, an das täglich vergossene Blut, an die deutsche Schande. Man glaube nicht, datz wir übertreiben. Zwei Beispiele von vielen beweisen unsere Behauptung. Der Spezialkorrespondent des „Manchester Guardian", einer der am besten über Deutschland unterrichteten Journalisten, hat in seinem Blatt, das zu den angesehensten der Weltpresse gehört, nicht mehr und nicht weniger behauptet, als dass Hitler in seiner Reichstagsrede über den 30. Juni die Zahl der Ermordeten unrichtig angegeben habe. Der Korrespondent des „Manchester Guardian" meldet ganz konkret, daß die höchsten deutschen Aemter eine Liste der am 30. Juni Hingerichteten besitzen, die sie geheimhalten und die die Zahl der Toten mit 282 angibt.„In dieser Zahl sind die unoffiziellen Hinrichtungen der Politiker und Braunhemdführer, gegen die nach General Goerings Worten die ursprüngliche Aktion erweitert wurde, nicht enthalten. Objektive Beobachter, sagt der Korrespondent,„schätzen die Zahl der Getöteten auf ungefähr 1000", also genau so viel, wie in der französischen Revolution unter der Guillotine ihr Leben ließen. Der Korrespondent fügt seinem Bericht noch erschütternde Einzelheiten über die Erschießung von vierzehn Gefangenen im Konzentrationslager Lichtenburg hinzu. Ein zweiter Fall, der die geänderte Taktik beweist. In Karlsbad ist im September dieses Jahres bei der„Verlagsanstalt Graphia" eine Kein Verantwortlicher im Dritten Reich kattn behaupten, daß er von diesen in dem Buch„Konzentrationslager" erhobenen Beschuldigungen nichts weiß. Die„Verlagsanstalt Graphia" Hat sofort nach Erscheinen den Verantwortlichen: Adolf Hitler, Josef Goebbels, dem Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumke, dem Oberreichsanwalt Dr. Werner, dem Reichsjustizminister Gürtner, dem Reichsbischof Müller, dem deutschen Gesandten in Prag, Dr. Adolf Koch» und anderen das Buch durch die Post„eingeschrieben gegen Rückschein" u ermittelt und die Empfangsbescheinigungen dafür erhalten. Obwohl dadurch alle in die Lage versetzt wurden, alle Angaben nachzuprüfen, hat das Dritte Reich bisher weder Untersuchungsv erfahren eröffnet, noch ein Wort verlauten lassen, um die erhobenen Anklagen zu entkräftigen. Dieses Schweigemanöver darf keinen Erfolg haben, wenn es in dieser Welt überhaupt noch eine menschliche Solidarität und Gemeinschaft gibt. Der unsittliche Schiller Es tut sich was hinter dem deutschen Zeitungs- strichj Was da, zwischen Konzentrationslager und heiß ersehntem ofsiziellen Händedruck, an unfreiwilligem Humor fabriziert wird, geht selbst auf keine Goebbels-Haut l Jetzt hat sich einer die„Maria Stuart" vorgenommen und sie vom hohen Standpunkt der Streicherschen Weltanschauung aus radikal vernichtet. Darüber hinaus aber nimmt der Nazimann den ganzen deutschen Klassizismus ins Gebet. .Unsere Klassiker", so verkündet er streng,„nehmen. ,. einenichtmehr zeitgemäße Haltung ein." Die„zeitgemäße Haltung" dürste wohl der Finger an der gleichgeschalteten braunen Hosen-Naht sein. Das werden nun Goethe und Schiller, diese gleichsam klassischen Untermenschen, niemals mehr lernen können. Im Fall Dreyfus schrieb Emile Zola 1889: „Solang ein Unschuldiger im Kerker schmachtet, haben wir kein Anrecht, unter den Völkern mit- zuzählen. Erst wenn dem Unschuldigen sein Recht geschehen ist, wird Frankreich wieder das Land der Rechtlichkeit und des menschlichen Empfinden- sein." 1934: aber sind die Kerker und Konzentrationslager des Deutschen Reiches zum Bersten, angefüllt mit Unschuldigen— und die Welt hat begonnen, sich an diesen Zustand zu gewöhnen. Die Welt darf es nicht zulassen, datz der Hilfeschrei der gefolterten Menschen aus dem Dritten Reich im braunen Schweigen erstickt wird. Das wache Gewissen der Kulturwelt muß diesen Schrei vernehmen und ihn hundertfältig wiedergeben, daß er laut genug werde, um die tauben Ohren der deutschen Verantwortlichen hörend zu machen. Nazis suchen Judenhandel Boykottbruchversuch in England Jüdische Geschäftsleute in Großbritannien und Irland haben die Einladung erhalten, einer neuzugründenden deutsch-englischen Handelskammer.beizutreten. Das Unternehmen steht unter der Patronanz des Botschafters Baron Hoesch, und es wird ausdrücklich erklärt, daß die Juden keinerlei Benachteiligung im Handel mit Deutschland erfahren sollen. P. Horowitz vom Jewish Representative Council, der leitenden Boykottkörperschaft, erklärte dem„Daily Herald", datz die Boykottleitung nichts mit diesem Plan zu tun hat, der aber der beste Beweis für die Wirk- samkeit des Boykotts sei; nun versuche der deutsche Botschafter eine Annäherung an jene, denen man die bürgerlichen Grundrechte geraubt hat. Nächste Woche wird in Anwesenheit des Botschafters von Hoesch die erste Versammlung der neuen Handelskammer abgehalten werden. Sehr begreifticherweise wird jeglicher Z u s a m m e n- hang mit der deutschen Schuldenfrage abgelehnt. Eine Anzahl britischer Firmen haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, der Kammer beizutreten. Mitglieder des Weltboykottkomitees werden der Versammlung als Beobachter beiwohnen. England und die wirtschaftliche Isolierung Deutschlands (DG) Deutschlands Kriegs- und Aufrüstungspolitik wäre nicht möglich, wenn England klar und eindeutig mit den anderen Staaten der früheren Entente die Abrüstung Deutschlands verlangen und diesem Verlangen durch die vollständige wirtschaftliche Isolierung Deutschlands Nachdruck verleihen würde. Englands Stellung in dieser Frage ist aber nicht klar und eindeutig. Das wurde besonders deutlich bei der Rede, die der stellvertretende Premierminister Baldwin über das Verhältnis zu Deutschland im Unterhaus gehalten hat. Baldwin hat ganz richtig festgestellt» daß Deutschland gegenwärtig mehr denn je von der Freundschaft und dem Handel seiner Nachbarn abhängig ist. Er hat hinzugefügt, daß die Nachbarn bereit sind, Deutschland zu helfen,„soweit es sich um den Handel und die Stabilisierung der Weltwährungen handelt", wenn Deutschland eine Bedingung erfüllt. Diese Bedingung ist aber nicht die Aufgabe der Rüstungen und die Abrüstung, die im Geheimen erfolgte Aufrüstung, sondern die Aufgabe der Geheimtuerei. Wenn man Deutschland erlaubt zu rüsten, so wird es damit nicht mehr geheim tun. Schließlich kommt es um der Erhaltung des Friedens doch nicht darauf an. daß es die Geheimnistuerei um seine Rüstungen, sondern diese selbst aufgibt. Das Verlangen nach Aufgabe der Rüstungen wird durch eine einschneidende wirtschaftliche Isolierung erzwungen werden müssen, über das Verlangen nach Aufgabe der Geheimnistuerei wird sich Deutschland eines Tages mit England verständigen. Es wird dann aus der teilweisen wirtschaftlichen Isolierung herauskommen, es wird offen weiter rüsten können und die Folge wird der Krieg unter günstigeren Bedingungen für Deutschland sein. Ei» Schachspiel als Weihnachtsgeschenk für unsere Kinder Viele Eltern denken gewiß schon lange darüber nach, womit sie ihre Kinder zu Weihnachten erfreuen sollen. Nach oftmals langem Nachdenken, fällt der Entschluß— ein Spiel. Ja, ein Spiel macht allen Kindern gewiß recht große Freude. Die Eltern kommen nun in das Spielwarengeschäft, wo ihnen ost zehn und mehr verschiedene Spiele vorgelegt werden und sie. ,stehen,-npn neuerdings ratlos»da. Mas, Mag /Wvhl^Ven der kritiklosen Anerkennung „der Liebe an sich", ohne sich um ihre Heiligung durch das Kind zu kümmern.... Sie wird hier als ein Edelweib von besonderer Güte dargestellt, während sie in der Wirklichkeit doch eine schlimme Intrigantin und eine mannstolle Frau war. Man sollte historische Wahrheiten nicht so verdrehen, wie es der Dichter hier tut..." Ins Konzentrationslager mst diesem Schiller, der also an den Wurzeln neudeutscher Arterhaltung nagtl Leider ist er tot, und so kann der unerbittliche Krittler nicht mehr tun, als zornbebend fortzufahren: „WaS... i» der Erotik den heiligen Zweck außer acht läßt... muß in der nationalsozialistischen Kunst als unsittlich behandelt werdenl" Während alle anderen Brettspiele fast ausschließlich der rollende Würfel entscheidet, muß das Schachspiel durch eigene geistige Führung entschieden werden und dqs ist der große, unschätzbare erzieherische Wert dieses erhabenen Spieles. Mit Recht erzieherischer Wert, weil jeder Mensch, der sich daS Spiel zu eigen machen will, freies logisches Denken, .Ruhe und Besonnenheit, Ausdauer, Selbstdisziplin, ^Entschlossenheit,«igeneUrteitSkraft und anderes niehr sich anerziehen muß. Diese EitzeHchaften find in diesem schönsten aller Spiele verborgen. Das Spiel gleicht aber auch einem unerschöpflichen Brunnen, weil die 32 verschiedenarttgen Figuren in Verbindung mit den 64 Feldern unzählbare Möglichkeiten in der Spielführung erschließen. Trotz all diesen guten, nutzbringenden Eigenschaften hat das, Schachspiel doch einen Nachteil und das ist, daß man«S nicht mit einer kurzen"Beschreibung erlernen kann, sondern die Erlernung erfordert monatelanges Studium. Dieser Umstand braucht aber nicht bange machen. Durch die Schachsparte des Arb.« Turn- und SporwerbandeS erscheint allmonatlich ein Schachmitteilungsblatt, welches mit der Jännernummer 1985 beginnend in einem Abschnitt für Lernende das Schachspiel vom Ursprung an behandeln wird und bei genauer Verfolgung dieses Teiles wird es : jedem Interessenten möglich sein, das Spiel zu erlernen. ' Alle Eltern und Schachfunkttonäre müssen natürlich dafür Sorge tragen, daß die Kinder nicht etwa durch das Schachspiel ihre anderen Pflichten vernachlässigen. Das Schachspiel soll nur als Erziehungsmittel Anwendung finden und dem Kind«.nützlich sein. Um nach dem Abschni t für Lernende im Schachmitteilungsblatt üben zu lömren, muß jeder Teilnehmer ein Schachbrett besitzen, auf welchem am Rande die Buchstaben und Ziffern angebracht sind. Die Eltern wenden sich daher beim Einkauf an das Sportgeschäft Aussig, Marktplatz 11, welches die rich« ttgen Schachbretter und Figuren führt. Ein solches Schachbrett mit Figuren kostet ungefähr 50 Kd und wird auf Anforderung per Nachnahme zugeschickt. Das Schach-Mitteilungsblatt muß im voraus für' ein Jahr abonniert werden und kostet mit Zustellung durch die Post liö 14.40.» A. Patz sen, Teplitz-Schönau. Der unsittliche Schiller! Und diesen Vollweisen von Zion haben sie soeben noch anläßlich seines 175jährigen Jubiläums,.gefeiert! Aber der Kunst- und Kulturrichter des„neuen Deutschland" verdammt nicht nur, sondern er motiviert auch sein erbarmungsloses Urteil: „Wenn wir meinen, daß solche Stück« in der Jetztzeit unangebracht find, so ist das keine Prüderie. Die neue Ethik fordert keine Aufgabe der Erottk, sondern ihre Veredelung durch die Elternschaft, deren Aureole mahnend und warnend unaufhörlich hinter.aller geschlechtlichen Sinnlichkeit leuchtet und leuchten muß..." Und trotzdem wissen sie Bescheid:„Wohl wissen wir, daß'bei Lbernormgler Stärke des TriebeS sein höheres Ziel vergessen werden kann..." Gewiß doch! Aber die Krittk hätte bei dem Trieb-Sadisten Goering, bei dem Narziß-Führer und bei allen„röhmischen" Rattonalsadisten einzusetzeu, nicht bei Schillert P, Seite 6 „Sozialdemokrat Donnerstag, 13. Dezemlier 1934. Nr. 291 PftAftEB ZEITIJMG Die„Bohemia" und die Znsignienfrage Von Egon Schwelb. Wie bereits berietet wurde, veranstaltete der tschechische linksbürgerliche Klub„PtitoM- n o st" am vergangenen Mittwoch einen Debattenabend über die Jnsignienfrage, zu dem er Interessenten aller Parteirichtungen des tschechischen und des deutschen Lagers einlud. In der Debatte, die dem Referat des bekannten tschechischen Publizisten R i p k a folgte, habe auch ich das Wort ergriffen. Es ist selbstverständlich, daß ich in meinen Ausführungen den alten Grundsatz wahrer Jnternationalität vertrat und praktisch betätigte, daß der internationale Sozialist insbesondere den Nationalismus im eigenen Lager bekämpfen müsse, und daß ick die a u ß e r o r d e n t l i ch s ch a r s c Ablehn ung der Exzesse des tschechischen Nationalismus seitens des Referenten und der nichtfascijischen Debattenredner durch eine Darstellung jener Vorgänge ergänzte, die wir im deutschen nationalen Lager zu rügen haben. Die„Bohemia" nimmt nun— mit einiger Verspätung■— am 11. Dezember diese meine Rede zum Anlaß, um in einem Artikel„Stadtverordneter Dr. Schwelb unddie Jnsignienfrage", übrigens unter Entstellung meiner Ausführungen, mitzuteilen, daß meine Rede„in deutschen Kreisen nicht nur Erstaunen, sondern große Entrüstung" hervorgerufen habe. Ich könne, meint die„Bohemia", überzeugt sein, daß mein Austreten von dem weitaus größten Teil der Prager deutschen Bevölkerung nicht nur nicht gutgeheißen, sondern schärf- stens mißbilligt werde. Nun: auf däs Urteil der Prager deutschen Bevölkerung möchte ich es recht gerne ankommen lassen. Dabei.will ist sogar von den proletarischen Schichten des deutschen Prag, denen ich doch wohl näher stehe, als die„Bohemia", absehen. Aber die „Bohemia" möge nur unter ihren eigenen Lesern und unter den Wählern des Herrn Abg. Dr. Bacher, den Prager deutschen Kaufleuten, eine Umfrage darüber halten, ob sie berest sind, sich noch ein zweites Mal wegen nichtiger Prestigefragen die Auslagsscheiben einschlagen zu lassen. Und wenn wir schon bei Herrn Abg. Bacher sind: Dieser Polstische Mandatar des Prager deutschen Bürgertmns, überdies auch Redakteur der „Bohemia", hat an dem Debattenabend imKlub„Pbitomnost" teilgenommen, aber espeinlich vermieden, das Wort zu ergreifen und den Standpunkt den er, sein Blatt und seine Partei zu den Ereignissen einnehmen, darzustellen. , Es ist merkwürdig, daß die„Bohemia" erst sechs Tage nach der Versammlung die deutschen Belange gegen mich verteidigt, wenn Herr Dr. Bacher die Möglichkeit hatte, mir an Ort und Stelle entgegenzutreten, ohne sie auszunützen. Noch nach meiner Rede wurde vom Vorsitzenden der Versammlung enunziert, daß auch Angehörige des deutschbürgerlichen Lagers zur Beteiligung an der Debatte eingeladen seien. Aber Herr Dr. Bacher blieb stumm. Es ist offenbar weniger riskant, die Provokation der dcutschnationalen Kreise in einer anonymen Zeitungsno t i z zu verteidigen und zu beschönigen, als in einer tschechischen Versammlung. Der „Bohemia" aber, dieser so konsequenten Vertreterin deutscher Interessen, sei gesagt: Es ist ein Lebensinteresse der deutschen Minderheit Prags und des deutschen Volkes in der Re- publik überhaupt, daß der nationale Friede und das ruhige Zusammenlebender Na tionenimStaatedurch niemanden, aberwirklichdurchnie- m a n d e n g e st ö r t werde. Durch das Verhalten eines Teiles der deutschen Studenten und Professoren, durch die sinn- und zwecklose Gegenwehr gegen die Durchführung eines vor vierzehn Jahren erlassenen Gesetzes, durch die durchaus überflüssige und nutzlose Demonstration der„Permanenzerklärung" des deutschen akademischen Senats durch die Besetzung des Karolinums durch deutsche nationale Studenten, durch diesen Akt der„berechtigten Selbsthilfe", wie Henleins„Rundschau" so schön sagt, durch die Fortsetzung der demonstrativen Handlungen auch zu einer Zett, wo jedem politischen Kind klär sein müßte, was die Herren angerichtet hatten, nämlich durch die dann wieder zurückgezogene Resig-, Nation des Rektors und der Dekane, war dem tschechischen Nationalismus der langersehnte und willkommene Anlaß geboten worden, mtt dem äußeren Anschein einer gewissen Berechstgung auf die Straße zu ziehen und nationale Unruhen her-, vorzurufen. Es war durchaus im Interesse insbesondere der Prager deutschen Minderheit gelegen, klär und auch im tschechischen Lager weithin sichtbar,'zu erklären, daß die deutsche Bevölkerung den nätionalen Frieden will und ihre ohnehin schwere Lage nicht durch Prestigefragen und altertümliche Insignien kompliziert zu. sehen wünscht. Die deutsche Sozialdemokratie hat in ihrer Presse durch die Erklärung ihrer Abgeordneten und auf Prager Boden durch die Kundgebung der Prager Bezirksexekutive diesem Erfordernis Rechnung getragen. Auch ein Teil der deutschbürgerlichen Presse war bemüht, die Wogen der nationalen Verhetzung zu glätten. Die„Bohemia" hat zu ihm allerdings nicht gehört. Ein gütiger Zensor hat es ihr zwar erspart, daß die nationalistische Hetze, die sie sich in der ersten Ausgabe ihrer Sonntagsnummer vom 25. November geleistet hat, einer breiteren Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, wo sie— wohl zum Zweck der im Interesse der Prager deutschen Minderheit gelegenen Beruhigung der Gemüter— vierspaltig von einem„Handstreich auf das Karolinum" schrieb, von der„höchsten Gefahr für das Leben der im Karolinum eingeschloffenen Professoren, Beamten und Studenten", vom„Bluwergießen" und davon, daß geschossen worden sei. Die Bohemia möge zur Kenntnis neunen: immer, wenn sie und ihresgleichen durch chauvinistische Maßnahmen dem tschechischen Nationalismus das Stichwort geben wird, immer, wenn sie und ihresgleichen dadurch die wahren Interessen des deutschen Volkes in der Republik gefährden wird, immer, wenn sie und ihresgleichen dem tschechischen Nationalismus in die Hände arbeiten wird, werden wir dem mit dergleichen Entschiedenheitentgegentreten, wiediesmal. Wir werden nicht dulden, daß die Errungenschaften der jahrzehntelangen Kämpfe der Arbeiterschaft, daß Republik und Demokratie, daß das nackte Leben der Arbeiterklasse und nicht zuletzt die menschenwürdige Existenz der deutschen Minderheit der Republik aufs Spiel gesetzt wird, damit am Ende der Entwicklung etwa die„Bohemia" in die Lage kommt, inländssche Konzentrationslager durch einen ihrer Redakteure wohlwollend besprechen zu lassen, wenn ihr die analoge Betätigung in reichsdeutschen Konzentrationslagern durch die Furcht vor dem demokratischen Staatsanwalt stn- möglich gemacht worden ist. Bezirksverein„Arbeiterfürsorge" Prag Unsere Winterhilfssammluug für Steinschönau steht vor dem Abschluß. Wer seine Spende noch nicht abführte, tue dies sofort. Entgegennahme von Geldmitteln bei allen Vertrauensleuten und bei Maria Deutsch, Prag VII., Vinarflä 21, Anna Appelt, Prag II., Fügnerovo näm. 4, Hilde Franzel, Prag XII, Slezflä 13. Ausgehobene FalscherwerkstStte Am Dienstag unternahmen die Leiter der sogenannten„Taschenbrigade"(Abteilung der Polizeidirettion gegen Taschendiebe) Saläk, Dlast und Tukek ihren abendlichen Rundgang auf dem Wenzelsplatz. Da bemerkten sie bei dem Telephonhäuschen bei derH-inrichsgasse zwei Burschen, die sich auffällig benahmen. Sie glaubten, es mü Telephonautomatendieben zu tun zu haben und nahmen die beiden fest. Bei der Festnahme entfielen der geballten Faust des einen zwei Geldstücke. Es stellte sich heraus, daß man es mit noch nicht ganz vollendeten Falsifikaten von 10-Xä- Stücken zu tun hatte. In den Verhafteten wurde der 25jährige Maschinenschlosser Josef Nobi- lis aus Unter-Krk 191 und der beschäftigungslose 29jährige Arbeiter Alois K u b e c, ebenfalls aus Krk, sichergestellt. Es wurde nun eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Nobilis hatte sein Zimmer in eine Fälscherwerkstätte umgewandelt. Man fand eine Reche von Formen und Probegüssen. Das Zimmer war derart ausgepolstert, daß kein Geräusch ins Freie dringen konnte. In Krö wurde noch die Geliebte des Nobilis, die 30- jährige Barbara F r a n 11, verhaftet. Diese hatte das Unternehmen mtt ihren Ersparnissen in der Höhe von 7000 XL finanziert. Die ersten Fälschungsversuche liegen ein halbes Fahr zurück. Zuerst wollten sie nicht glücken, aber bereits bei der Arbeiterolympiade gelang es in der Nacht bei Speiseeismännern, Würstel- und Gurkenverkäufern einige plumpe Falsifikate anzubringen. Die Erzeugnisse waren aber noch nicht so vollendet, daß man damit hätte^arbeiten" können. Nobilis gibt, an, es seien bisher von den neuen Falsifikaten keine in Umlauf gelangt. HilfSabend für Rothau-Neudek am Mittwoch, den 19. Dezember, im großen ll r a n i a-Bühnen- Saal abends 8.15 Uhr. Eine Montage aus Prosa, Lied und Dichtung:' Weihnacht! Zusauunen- stellung und Leitung Fritz Walter Nielsen. Die Reineinnahmen fliehen Rothau-Neudek zu! Preise der Saal-Plätze von 5 bis 18 KL. Vorverkauf täglich an der Uranjakaffe, bei Andrk und Wetzler.- DerBezirksverein„Arbeiterfürsorge" ersucht seine Gesinnungsfteunde und Gönner, Geldspenden für das Winterhilfswerk für Steinschönau bis zum 15. Dezember cinzuzahlen auf das Postsparkaffen-Konto Nr. 95.839 Prag. Wer Kleiderspenden vorbereitet hat, die noch nicht abgeholt wurden, wird gebeten, diese unserem Sekretariat,' Prag XII., Slezflä 13, Tel. 539,19, bekanntzugeben. Die Abrechnung der Listen und Lebensmittelblocks ist noch diese Woche vorzunehmen. Vorträge In memoriam Joachim Rinselnatz Das„Studio 1934" veranstaltete am Dienstag in der„Urania" einen Ringelnah-Abend, der, trotz mancher Mängel, als Ganzes gewertet, eine« sehr instruktiven Querschnitt durch die alkoholisch ver- träumte Lyrik des zu früh Gestorbenen bot. Es war ein guter Regieeinfall, die Ringelnatz-Berse aus dem rein Deklamatorischen herauszuheben und sie in eine weltanschaulich verbindende Form zu spannen. Ausgezeichnet der Gedanke, den Wehrkreispfarrer Müller fortlaufend als Textbegleiter aufmarschieren zu lassen und so den besinnlich-vagabondie- renden Versen Ringelnatzens die aktuellste Würze zu geben. Nur muß dann der sattrische Text aggressiver, witziger und zielklarer sein, als es hier in den oft billig witzelnden Stichworten Hedda Zinners der Fall war. Als besonders gelungen kann der musikalisch untermalte Vortrag der köstlich vitalen Turngedichte bezeichnet werden. Hier kam man in Rhythmus und Tonfall, wie auch im Darftellungsstil dem skurrilen Geist des verstorbenen Dichters am nächsten. Den wirklichen Sttmmungsgehalt der Ringel- natz-Verse auszuschöpfen, gelang leider nur sehr wenigen Mitgliedern der strebsamen Truppe, die, dies sei ausdrücklich attestiert, mit Eifer und Respett dem Werke des Dichters dienten. Es ist überaus schwer, Ringelnatz zu treffen, gerade aus diesem Grund sei Julius Unruh aus dem Kreis des Ensembles herausgestellt. Hier stand ein Mann auf der Bühne, der den bunten Visionen des Dichters innerlich verbunden war. Nicht nur, daß er in Gestalt, Physiognomie und Gestik dem Original unheimlich ähnlich war, interpretierte er auch meisterlich dessen Perk, und der Seemann Kuddeldaddeldu, versoffen und halb mondsüchtig, so ganz„en passant" herausgelallt, war eine Leistung, die weit über den Durchschnitt stand und zum Aufmerken zwang. Während eine Neuerwerbung des „Studio", Charlotte Küter, weltenweit von Ringelnatz entfernt, weit unter dem Durchschnitt stand. Vermerkt seien weiterhin: einige kluge Ge- diüikMrke‘Cm P icks und der gefällige mustka- lische Rahmen, den Rolf Jakobh geschaffen hatte. Regie führte Hans Burger. Pierre. „Die Jnnenkolonisation als ein Mittel der produktiven Arbeitslosenfürsorge". Ueber dieses Thema spricht heute um halb 20 Uhr im Vortragssaal des Ministeriums für soziale Fürsorge, Prag II., Palackeho näm. 4,• der Ministerialrat im Bodenamt Jng. Anton Pavel.— Eintritt frei. Konst und wissen Brünner deutsches Theater in höchster Not Der Deutsche Theaterverein in Brünn wendet sich mit einem Auftuf an die Oeffentlichkeit, in dem es u. a. heißt: Das Deutsche Theater in Brünn steht vor der Gefahrdes Zusammenbruches. Trotz den ungeheuere«» in die Hundetttausend« gehenden, geldliche« Opfer» die daS Personal vom letzte» Arbeiter und Statisten bis zum ersten Solisten und Direktor gebracht hat, haben auf der einen Seite iinmer drückender werdende Lasten, vergrößert durch den infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse eingettetenen schlechten Geschäftsgang, auf der anderen Seite das Ausbleiben wirksamer Zugstücke, das deutsche Theater in eine Lage versetzt, die, wenn nicht noch in letzter Stunde das Brünner Deutschtum sich auf feine Vergangenheit und seine Sendung besinnt, fchon in nächster Zett zur u n a b ä n d e r- lichen, vorzeitigen Schließung desTheaterbetriebes führen müßte. Der Deutsche Theatervereinsausschuß hat, da seine fast übermenschlichen Anstrengungen, breite, insbesondere leistungsfähige Kreise Brünns von ihrer gegenwärtigen Einstellung gegenüber dem Theater ab- zubringeu, noch nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt haben, in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, seine Mandate zur Verfügung zu stellen und das Ähicksal des Deutschen Theaters in die Hände der Mitgliedschaft. des Vereines. zurückzulegen. Die Generalversammlung, die sahungsgemäß in diesen letzten Tagen des Jahres stattfinden muß, wird vor diese vollzogene Tatsache. gestellt werden. Die wohlhabenden Kreise und insbesondere die deutsche Industrie, die stets eine offene Hand gezeigt hat, werden aufgerufen, daß auch sie alles aufbieten, um die Gefahr des Zusammenbruches von unserem Theater abzuwenden, um so mehr, als ein verhältnismäßig geringer Bettag die Weiterführung des Betriebes zu gewährleisten vermag. Aber auch Staat, Land und Gemeinde trifft.diese Verpflichtung, aus kulturellen und sozialen Gründen— 200 Familien stehen vor der Vernichtung ihrer Existenz— durch außerordentliche Zuwendungen an der Erhaltung des Theaters beizutragen. ob er Mode-, Kolonialwaren oder Drogen vor* kauft, erledigt seine Korrespondenz allein. Mit der Corona gehl das schneller und macht einen hone an Eindruck. Die Bestellungen, Anfragen, Rechnungen sind im Nu geschrieben, deutlich, sauber und vor allem mit vielen Durchschlägen.— Die Corona costet nur halb soviel wie die großen Maschinen, sie hat aber alle ihre Vorzüge, von der Vierreihen» Tastatur beginnend bis zum Zweifarbenband. Sie ist widerstandsfähig, leicht und wird in einem schonen Tragkofter geliefert, in dem sie, gegen Stob und Staub geschützt, überall Platz findet. GIBIAN«ica PRAG, StSpJnsIrf 32, Tel. 351-5-1 Verlang.. Sie unser Sp.zlalangebof für KaufleuteI Theaterabonnement als Weihnachtsgeschenk Die Direftion des Deutschen Theaters gibt, zahlreichen Wünschen Rechnung tragend, zu Weihnachten ein gemischtes Abonnement für das Reue Theater und die Kleine Bühne aus. Das Abonnement beginnt im Januar 1935 und umfaßt: 18 Freitags-Vorstellungen im Neuen Theater und acht Premieren der Kleinen Bühne. Ein guter Galeriesitz kostet Kc 210.—, ein guter Parterresitz kostet Kö 440.—, ein Fauteuilsitz kostet KL 800.—. Auch Logen im Parterre und in den Rängen werden ausgegeben. Ermäßigung gegenüber den Kaffenpreisen bis über die Hälfte. Zahlung auf Wunsch in drei Raten. Ausgabe ab Samstag, den 15. Dezember 1934.(Die Abonnement-Karten werden in einer geschmatwollen Ledertasche ausgefolgt.) Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8: Der Kreidekreis, C 1.— Freitag halb 8: Der Enkel des Golenu D 2. Samstag 7:Tannhäuser, CI. Spielpla« der Kleinen Bühne. Donnerstag, halb 8: Schule für Steuerzahler, Erstausführung,— Freitag 8: Schule für Steuerzahler, Kulturverbandsfteunde und freier Verkauf.— Samstag 3%: Maxund Moritz, Erstaufführung, 8:Schulefür Steuerzahler. fier Film Filme, auf die wir warten Der berühmte französische Regisseur Jacques Fey der hat einen Film„Pension Mimo- s a s" beendet, der, wie angekündigt wird, ein völlig neues Film-Thema behandeln soll. Nach einem Manuflript des englischen Dichttrs H. G. Wells(der auch die Vorlage zu dem in Prag noch immer nicht gezeigten Film„Der unsichtbare Mensch" lieferte) ist in London ein Film „Die Weltin hundertJahren" hergestellt worden, der die Zukunft der Menschhett zeigen will. Der tschechifche(in Prag nicht beschäftigte) Regisseur M a ch a t y hat in Wien einen deutschsprachigen Film„Nocturno" geschaffen, der bei der Wiener Uraufführung starken Erfolg hatte— und sogar von der klerikalen„Reichspost" ttotz„sittlicher Vorbehalte" anerkannt worden sst. In Paris läuft seit neun Wochen ununterbrochen der Russenfilr»„Gewitter", dessen Erfolg noch größer ist, als der des russischen Filmes „Okra! na", der'in Prag gleichfalls noch unbekannt ist. Los der Partei Bezirksvertretnng Prag: Montag Sitzung. Montag, dm 17. Dezember, 8 Uhr abends, im Parttiheim Rckrodni tr. wichtige Sitzung. Vcrcinsnadirldifcn SPD-Emigranten. Die heutige Arbeitsgemeinschaft über Mittelstandsfragen entfällt wegen Verhinderung des Genossen Jaksch. „Erziehunss- und Propaganda* mittel der Gegenwart“ Ein kulturpolitischer Kursus des Bezttksdildungs* ausschusses der DSAP in Prag Heute Donnerstag, den 13. Dezember, um halb 8 Uhr im Parteiheim, Narodni tk. 4, fünfter K u r s a b e n d:■ Der Rassenwahn. Vortragender: Dr. E. Franzel. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kc 16.—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig KC 96.—, ganzjährig Kä 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.—Die Zeitungsfrankatur wurde von der Voll« und Tele- graphendirektton mit Erlaß Är. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:^Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.