IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova 62. telefon»77. Administration Telefon 5307«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Einzelpreis 70 Heller (•inschließlich 5 Heller Porto) 14. Jahrgang Freitag, 14. Dezember 1934 Nr. 292 „vcn Riemen enger sdinallcn“ Goebbels erläutert den Nationalsozialismus Schuschnigg lässt delogieren Wien. Am Mittwoch wurden im 19. Bezirk zwölf Parteien delogiert, weil sie seit Monaten den erhöhten Mietzins nicht zahlen konnten. Das Hans hatte seinerzeit von der Gemeinde Wien den zehnjährigen Steuernachlatz erhalte«, wofür die Parteien nur einen geringeren Zins zu zahlen hatten. Im vergangenen Jahre ist der Vertrag abgelaufen und gleichzeitig wurde der Mietzins auf das Sechs- bis Achtfache gesteigert. Für Zimmer, Küche und Kabinett wurde der Zins von sieben auf 40 Schilling pro Monat erhöht. Da die Parteien den erhöhten Zins nicht zahlen konnten, wurden sie delogiert. 35 Personen, darunter elf Kinder, wurdet: auf die Straße gesetzt. Jeftifc auf der Heimreise Begrüßung in Agram Agram. Außenminister Jestic traf Donnerstag mittag, aus Genf kommend, in Agram ein. Obzwar der Minister den Wunsch ausgesprochen, hatte, daß ihm zu Ehren keine öffentlichen Kundgebungen veranstaltet werden sollen, hatte sich doch lange vor der Ankunft des Zuges in der Nachbarschaft des Bahnhofes eine riesige Men- scheumcuge und Zahlreich- mett. Nach dem Verlassen des Waggons sprach der Minister mit den ihm vorgestellten Persönlichkeiten, und als die stürmischen Ovationen nicht aufhörten, war er gezwungen, zur Menge zu sprechen. Derartige Manifestationskundgebungen sind hier in Agram besonders bedeutungsvoll, sagte der Minister, da durch sie das Marseiller Attentat nicht nur als Verbrechen gegen Jugoslawien, sondern auch als Verbrechen gegen die nationale Einheit Jugoslawiens, gegen die inter- patiynale Moral und gegen den Frieden verurteilt wird. Agram und alle Kroaten können mit der vom Völkerbundrate getroffenen Entscheidung voll zufrieden sein. Unter ununterbrochenen stürmischen Ovatio-, nen der versammelten Bevölkerung setzte Jeftik die Reise nach Belgrad fort. Schuschniss in Budapest Demonstrativ betonte Freundschaft Budapest. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und der österreichische Minister für Auswärtiges, Berger-Waldenegg, trafen Donnerstag abends 7 Uhr auf den Budapester Ostbahnhofe ein. Den Gästen wurde ein außerordentlich f e st l i ch e r E m p f a n g bereitet. Die Vertreter des ungarischen Ministerpräsidenten und des Ministers des Aeußeren waren ihnen bis an die ungarische Grenze entgegengereist. In Budapest erschienen der Ministerpräsident persönlich, weiters die Mitglieder des Kabinettes, Honved- obrrkommandierender General Karpathy, der Oberbürgermeister Sipöcz sowie der österreichische und der italienische G e sandte zur Begrüßung auf dem Bahnsteig. Die Gäste begaben sich unter Ovationen des Publikums in ihre Budapester Logis. KSudergut für die Gleichgeschalteten Oesterreiehische Arbeiterheime für die Einheitsgewerkschaft Wien. Die sozialdemokratischen Arbeiterheime in ganz Oesterreich, die nach den Feber- Ereigniffen geschlossen, versiegelt und, beschlagnahmt worden waren,' wurden nun zum Teile dem von der Regierung ins Leben gerufenen Gewerkschaftsbund. zur Verwaltung übergeben, der ihre Aktiva und Passiva übernimmt. Ein weiterer Teil dieser Arbeiterheime wird von der genannten. Organisation in der nächsten Zeit über-, uommen werden. In einzelnen Fällen hat der Gewerkschafisbund die Arbeiterheime bereits geöffnet und aus ihnen Zentralen seiner Organisationen gemacht. Trier. Dr. Goebbels sprach am Dkittwoch abends in Trier. Es hatten sich zur Versammlung auch viele tausende aus dem nahen Saargebiet eingefunden, darunter auch saarländische Hitlerjugend. Dr. Goebbels sagte n. a., das, das deutsche Volk für einige Jahre de« Riemen enger schnallen müsse. Alle Anstrengungen hätten nur den einen Zweck, Deutschland aus den Klanen des internationalen Finanzkapitals zu befreien, es aus seiner Verschuldung heranszuführen und ihm damit die Handlungsfreiheit wirderzugeben. Der Ratio- Aussig. Die Massen der arbeitenden Bevölkerung stehen treu zur Sozialdemokratie— das bewies erneut der Besuch und der Verlauf der öffentlichen Versammlung in Aussig am Donnerstag abends, in der der Vorsitzende der tschechischen Bruderpartei Genosse H a m p l und Vizepräsident Genosse Taub sich mit dem Thema„Wirtschaft und Politik" befaßten. Die überfüllte Versamm- lung bereitete den beidui Parteiführern Men ! herzlichen Empfang. Ihre Reden wurden oft von Zustimmungsäußerungen unterbrochen und üm Schluß ihrer Referate ernteten die Redner stürmischen Beifall. Genosse H a m p 1 analysierte eingehend daL außenpolitische Geschehen, beschäftigte sich gründlich mit dem Faseismus und dem Einheitsfrontgerede der Kommunisten, denen er nachwies, daß er in einem Artikel im„Prävo Lidu" bereits feiste Ansichten über die Grundlage zur Bildung einer wirklichen Einheitsfront dargelegt hat. Seine mit großenr Beifall aufgenommrnen Schlußausführungen kleidete Genosse Hanrpl in die Mahnung, treu zusammenzustehen. Genosse Taub betonte eingangs seiner Rede das freundschaftliche Verhältnis zwischen beiden Parteien und zerstreute die Gerüchte, daß Differenzen vorhanden feien. Man sei sich in den grundsätzlichen Fragen stets einig gewesen. Weiter beschäftigte sich Genosse Taub eingehend mit den wirtschaftlichen Verhältnissen, legte die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkte dar, die sich seit Prag. Die Regierung hat Donnerstag im Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf über die Wahlen in die Landes- und Bezirksvertretungen und über ihre Funktionsperiode eingebracht. Darin wird bestimmt: 8 1. Die Wahlperiode der bisherigen Landes- und Bezirksvertretungen wird vis Ende d. I. 1935 verlängert. 8 2. Die Landes- und Bezirksvertretun- gen(Ausschüsse und Kommissionen) bleiben — wenn es nicht früher zu ihrer Auflösung nach den geltenden Vorschriften kommt— in Tätigkeit, so lange sich nicht die neuen Vertretungen konstituieren. Das gilt auch für die gegenwärtigen Landes- und Bezirksvertre- tungen. § 3. Dieses Gesetz erlangt Wirksamkeit mit dem Tage der Verlautbarung; mit der Durchführung wird der Innenminister, beauftragt. .., Im Motivenbericht wird angeführt, daß die Wahlen in die Landes- und Bezirksvertretungen Ende 1834 stattfinden sollten, während im.Herbst 1935 die Wahlen in daz Abgeordnetenhaus stattfinden. Es sollten. also innerhalb eines Zeitraumes von weniger als einem Jahre dreierlei Wahlen in Vertretungskörper stattfinden. Das sei keineswegs zu begrüßen, weil- jedes-Wahlverfahren neben der Beunruhigung des öffentlichen und.des Wirtschafts- »alsozialismus werde die politische Bühne nicht in zwei oder drei Jahren räumen, seine Führer fassen ihre Berufung als auf Lebenszeit auf. Zum evangelischen Kirchenstreit, bemerkte der Minister, daß der Zeitpunkt kommen könne, an dem der Staat erkläre, daß die Protestantisch»: Kirche ihre 28 Landeskirchen selbst finanzieren möge, wenn sie sie mit allen Mitteln aufrecht erhalten wolle. Der Staat habe dafür kein Geld. Tie Parole des Nationalsozialismus lautet: „Bete und arbeite." dem Eintritt der Sozialdemokratie in die Koalition vollzogen haben, und kennzeichnete die Wirtschaftslage in der Republik, die besonders im deutschen Gebiet trostlos ist. Es war eine der er st en Aufgaben der Sozialdemokratie, Hilfe für die Arbeitslosen zu verlangen und das Verständnis für die Not«nd das Elend der aus dem Prodnk- tionsprozeß auögcstoßenen Menschen zu wecken. Selbstverständlich mußte Rücksicht genommen werdest auf die Finanzen des Staates. Die Kennzeichnung der Sudetendeutschen Heimatfront durch den Redner als Hafserder Demokratie löste bei der Versammlung ungemein starken Beifall aus, der als Treuegelövnis für die Partei und Demokratie gewertet werden muß. Sehr drastisch sagte Genosse Taub den Kommunisten, wie wir«ns die Einheitsfront vorstellen. Die Kommunisten, die ihre Versuche, bei Beginn der Versammlung recht anmaßend anfzutre- ten, bald aufgabrn, schickten drei Redner vor, darunter den Abgeordneten Babel, die sich alle mit der Einheitsfront und der Demokratie beschäftigten, aber nichts Neues zu sagen hatten. Die Versammlung ließ sehr deutlich ihre Absicht erkennen, daß sie mit kommunistischen Phrasen nichts z« tun haben will. Die Versammlung war ein blendender Erfolg und eine glänzende Rechtfertigung der Taktik der sozialdemokratischen Parteien! lebens auch eine beträchtliche Belastung der öffentlichen Verwaltung mit sich bringt. Namentlich für die politischen Behörden und die Gemeinden bedeutet die Durchführung des Wahlverfahrens, daß alle anderen Aufgaben in den Hintergrund gedrängt werden. Durch die Zusammenlegung der Wahltermine für das Parlament' und die Vertretungskörper würde man wenigstens das erreichen, daß nicht zwei Jahre nacheinander die öffentliche Verwaltung von der Erfüllung anderer, dringender Aufgaben abgehalten wird. Außerdem könnte man gewisse Ersparungen im Personal- wie im Sachaustvand erzielen. Endlich kommt noch der Umstand in Erwägung, daß wir unmittelbar vor notwendigen Reformen in der Finanzwirtschaft a e r S e l b st v e rw a l t u n g s k ö r p e r stehen. Um diese Reformen erfolgreich einführen zu können, wäre es erwünscht,■ daß wenigstens die»anfängliche Durchführung die jetzigen' eingearbeiteten Funktionäre der Selbstverwaltung übernehmen. Bei ihnen könnte mäst‘ auch ein erhöhtes Verantwortungsbe- wußisein für.»den Erfolg der SanierungsmaßNahmen voraussehen, als man. von neugewählten Orgasten erwarten könnte, die keine Kontinuität aufweisen, könnsn. Durch Paragraph 2 soll klar ausgedrückt werden. daß die Wahlperiode,' von der Durchführung der Wahlen gerechnet, durch sechs Jahre mtdauert und daß die Funktionsperiode von der Konstituierung der Vertretungskörper bis zurKonstituie- rung der neu gewählten Körper- schalten andauert. Landjugend und Demokratie Einige sachliche Feststeifunsen Unser Hinweis auf den Widerspruch, der zwischen dem Bekenntnis Gustav Hackers zu den von Herrn. Minister Dr.«Hodßa vor der deutschen Landjugend vorgetragenen Auffassungen und den bisher bekannten Ansichten der landständischen Jugendführer besteht, hat die„Deutsche Landpost" zu einer ausführlichen und sachlichen Entgegnung veranlaßt. Es sei nicht zweckmäßig, schreibt sie, nachzuprüfen, was dieser oder jener Führer der deutschen Landjugend einst dachte und sprach, sondern man müsse fragen:„Was erklären jetzt ehrlich Minister Dr. HodZa und Gustav Hacker?" Dabei habe man Hackers und seiner Freunde Entwicklungsgang bis heute zu beachten— tue man dies nicht, so tue man bewußt unrecht und verleumde. Schließlich behauptet die„Deutsche Landpost", Minister Spina habe schon getan, was wir forderten: er habe Ordnung gemacht; er habe,nun-mit den Führern der landständischen Jugend die Verständigung auf jener Grundlage gefunden, die er als die parteioffizielle vertreten könne. Leider erfahren wir von dieser Grundlage nichts. Insbesondere bleibt unbekannt, ob die ständischen,■ demokratiefeindlichen Grundsätze der landständischen Jugend durch demokratische abqe« löst sind oder ob die Uebereinstimmimg zwischen Spina-HodZa und Gustav Hacker lediglich durch Hackers nichts- und allessagende Erklärung hergestellt wurde, auch der Bund der Landjugend hab« sich— wie angeblich HodZa-—schon immer zur„ständisch gebundenen. Demokratie" bekmmt Gewiß— man kann nicht immer daraus Hinweisen, was dieser oder jener e i n st gesagt hat; wir haben aber weder aus dem Munde Hackers, noch aus dem des Dr. Hetz vernommen, daß das einst Gesagte keine Geltung mehr hat. Wir sehen nur, daß es für dieErziehung S- arbeit im Bund der Landjugend weiterhin richtunggebend ist. Das von uns bereits erwähnte Heftchen „Führerschulung" aus der Schriftenreihe der deutschen Landjugend ist noch immer eine Zierde landständischen Schrifttums. Es enthüllt auch die Absichten, die z. B. Dr. Hetz mit seiner Berufung an führende Stellen im Bunde der Landwirte verbindet. „Wir bauen fester und besser, wen» wir auf die alten Fundamente aufbauen. Wichtig ist es nur, daß wir beim Einbau unsere Absichten auf Neuorientierung nicht vergessen. Anstatt also aus den bekriiisierten Verbänden heraus-,.werden wir in sie bewußt mit aller Macht hineinstürmen und werden die Verantwortung in ihren und für sie suchen. Wo Lücken entstehen, dort treten wir ein und füllen sie, durchsetzen s« den ganzen Bau..." Wie der Bund der Landwirte organisatorisch mit der Ausführung solcher Absichten fertig wird, kümmert uns nicht. Wir haben nur zu untersuchen, was die Bestrebungen des Herrn Dr. Hetz für die Demokratie bedeuten. Darüber gibt ein Lehrbuch Aufschluß, das für die Erziehungsarbeit in der landständischen Jugendbewegung richtiggebend ist. Es erschien 1933, also nicht gerade in der Zeit der durch die Kriegs folgen verursachten Gärung in den Reihen der Jugend und heißt:„D e r Vortrupp, Richtbuch für die Amtswalter des Bundes der deutschen Landjugend hv’ der Tschechoslowakischen Republik" und wurde ausgearbeitet und verlegt bei der Reichsverbandsleitung des Bundes der deutschen Landjugend in Saaz. Es handelt sich also gewissermaßen um die B i b e I des Bundes der deutschen Landjugend; ihr Vorhandensein ist jedenfalls beweiskräftiger als jene Verständigungsgrundlage zwischen Spina und Hacker, über die die Oeffentlichkeit nichts Konkretes erfahren hat. In diesem aufschlußreichen Richtbuch— über das noch einmal gesondert gehandelt sein soll— gibt es Anleitungen für die Vereidigung der neuen Mitglieder auf den Stände-und Führergedanken. In den Schriften, die es für die BildungLarbeit unter der Landjugend empfiehlt, finden wir neben der schon genannten„Schriftenreihe" noch: FladihollcMsammlong in Aussig Die Genossen Taub und nampl referieren Aufschub der Landes- und Funktlomperiode bis Ende 1935 verlängert Bezirkswahlen Seife 2 Freitag, 14. Dezember 1934 Str. 232 „Ständisches Leben", herausgegeben von dem geistigen Vater der nationalsozialistischen Gesellschaftslehre Othmar Spann; die gleichgeschaltete Zeitschrift„Die Tat", erscheinend in Jena; Bepmelsburgs Kriegsbuck „Sperrfeuer um Deutschland"; Günthers „Kleine Rassenkunde des deutschen Volkes"(noch in den letzten Wochen vom Hauptorgan des Bundes der deutschen Landjugend empfohlen); Spann:„Haupttheorien der Volkswirtschaft"; Walter Heinrich: „DaS Ständewesen"; FranzvonPapen: „Appell an da- deutsche Gewissen"(Reden zur nationalen Revolution)" u. a. Was aber hat das Lehrbuch der deutschen Landjugend zu den Grundfragen der Demokratie zu sagen? Lesen wir: „Unsere letzte Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens war ganz im Individualismus untergegangen, woher anch die allgemeine Zerrüttung kommt; wir leben noch in seinen Politischen Forme«(Demokratie, Republik). Geistig ist aber die Hinwendung zum U n i v e r- salismns Ilies: faseistische Totalität. Die - Red.) erkennbar, Träger dieses neuen inneren Aufstieges des öffentlichen Lebens ist die Jugend."(Seite 248.) Die Folgerungen aus dieser Gesinnung finden wir auf Seite 281: ,,... die republikanisch-demokratische StaatS- form wurde nun in Europa fast die alleinherrschende, aber sie scheint auch da ihrem Wendepunkt nähergerückt zu sei«, denn die Krise der Demokratie ist bereits z« offenbar, ihre E» t» artungSerscheinnngen find z« stark und allgemein und deutlich erhebt fich ja eine ne»e geistige Welle, die Volk und Staat viel tiefer wieder als eine natürliche Gemeinschaft von gewachsenen«nd dadurch notwendig innerlich verbundenen Gliedern auffaßt und die vor allem aller unnatürlichen, die Gemeinschaft nur zersetzenden Gleichmacherei entgegen, de« deutschen Führergedanke« wieder ins öffentlich« Gemeinschaftsleben einbaue» will." Wundert man sich, daß in der Tschechoslowakischen Republik eine solche Schrift überhaupt erscheinen kann, so ist die Verwunderung darüber nicht geringer, daß ihr Vorhandensein Herrn Spina weder beunruhigt, noch zu einer tatsächlichen Klärung veranlaßt. Dieses „Richtbuch" ist konkreter als alles, was Gustav Hacker Herrn Dr. HodZa und— anläßlich der kürzlich durchgeführten Vorsprache der deutschen Landjugend beim Ministerpräsidenten— Herrn Malypetr, gesagt hat. Wir kennen die Verbindungen viel zu gut, die vom Bund der deutschen Landjugend zur Henleinfront und zum Deutschen Turnverband laufen, also zu Organisationen, die die Prinzipien der Demokratie verneinen und— wie wir demnächst wieder einmal beweisen werden— jene des Nationalsozialismus bejahen, als daß wir die Behauptungen der „Deutschen Landpost" als K l ä r« n g werten könnten. Hier stehen Tatsachen gegen Worte— auch zum Bedauern der jungen sozialistischen Generation, die an der Sicherung der Demokratie durch die Jugend und an der Zusammenarbeit aller, denen es um die Demokratie ernst ist, großes Interesse hat. Faseistische Gedankengänge und von ihnen erfüllte Jugendgemeinschaften haben in einer Demokratie, die sich selbst achtet, kein Lebensrecht. Dies ist allein die Plattsbrm, auf der sich Herr Spina verständigen kann— mit den Demokraten und einer Jugend, die tatsächlich der Freiheit des Volkes und seinem nationalen Fortschritt dienen will. Tarnungen und Verschleierungen sind gefährlich. Sie mögen der „Deutschen Landpost" als die richtige Taktik zur Erhaltung ihrer Jugendgeneration erscheinen; für uns schließen sie die Verneinung demokratischer Grundsätze in sich. Die„Deutsche Landpost" hat am 12. Dezember die Stellung der deutschen Landjugend zur Totalität in einem zweiten Artikel ausführlich behandelt. Sie hat ihn überschrieben:„Ein Kapitel aus dem Katechismus der Bauerndemokratie". Die vorstehenden Feststellungen lassen keinen Zweifel darüber, daß die deutsche Landjugend nicht über einen Katechismus der Bauerndemokratie verfügt, sondern daß ihr Katechismus eben das genannte „Richtbuch" ist. Zwar bekennt man sich im zweiten Artikel zur„ständisch-gebundenen Gliederung" des Sudetendeutschtums, also zu dem nach HodZa bereits vorhandenen System der Standesparteien und lehnt die Totalität als volksschädlich ab, ja, man spricht sogar einer Gemeinschaft mit dem arbeitenden Volke das Wort — wo aber ist das klare Bekenntnis der Hacker und Hetz zur Demokratie? Wir lesen Erklärungen der„D rutschen Landpost"— wo sind die der landständischen Jugendführer? Die haben offenbar keine Zeit, weil sie sich der Gemeinsamkeit mit der henleinschen Totalitätsfront widmen müssen. Dabei wird ihr Bekenntnis sichtbar. Wir hören Worte— Worte des land- bündlerischen Parteiorgans. Wo bleibt die demokratische Tat? Die Tat der I u g e n d? Kontrollier- die Wählerverzeichnisse I Nur jene Staatsbürger, die im Wählerverzeichnisse eingetragen sind, können sich im Wahljahr 1936 an den Wahlen beteiligen. Daran zu erinnern ist in diesen Tagen außerordentlich wichtig, denn in der Zeit vom 15. bis 22. Dezember liegen die Wählerverzeichnisse in allen Gemeindeämtern, insofern es sich um Gemeinden bis zu einer Einwohnerzahl von 20.000 handelt, zur öffentlichen Einsichtnahme auf. In Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern muß in jedem Hause eine Liste der in dem Hause wohnenden Wähler ausgehängt werden. In den Wählerverzeichnissen muß jeder Staatsbürger eingetragen sein, der am 15. Dezember 1934 das 21. Lebensjahr überschritten hat, mindestens drei Monate in der Gemeinde wohnt und nicht aus gesetzlichen Gründen vom Wahlrecht ausgeschlossen wurde. 1935 werden bekanntlich die Wahlen für das Abgeordnetenhaus und den Senat, für die Bezirks- und Landesvertrctungen durchgeführt, es ist also die erste Wahlvorarbeit, die jeder Sozialdemokrat zu leisten hat, in den Tagen zu erfüllen, da die Wählerverzeichnisse aufliegen. Kein Arbeiter und Angestellter versäume diese Pflicht der Kontrolle der Wählerverzeichnisse, die zugleich eine der ersten Pflichten eines jeden Staatsbürgers ist. Wer nicht rechtlos werden will, muß sich durch die Einsichtnahme in das Wählerverzeichnis von der Eintragung seines Namens überzeugen und gleichzeitig auch feststellen, ob die Namen seiner Familienangehörigen sowie seiner Bekannten und Parteigenossen vorhanden sind. Wer nach dem Gesetz wahlberechtigt ist und nicht im Wählerverzeichnis vermerkt wurde, muß innerhalb der Zeit vom 15. bis 22. Dezember d. I. schriftlich beim Gemeindeamte verlangen, daß er in das Wählerverzeichnis eingetragen wird. Formulare für diese Einwendungen gegen das Wählerverzeichnis können bei den sozialdemokratischen Parteisekretariaten kostenlos bezogen werden. Tie genaue Kontrolle der Wählerverzeichnisse in Stadt und Land wird der sozialdemokratischen Bewegung allein tausende Stimmen bringen. Deshalb nehmt Einsicht in die Wählerverzeichnisse! VILtenIcürllungen bleiben Ein gleichfalls am Donnerstag eingebrachter Koalitionsantrag setzt sich dafür ein, daß die Gültigkeit des Gesetzes 247/33 über die Abzüge von den Diäten der Mitglieder der Nationalversammlung für das Jahr 1935 verlängert werde. 'In der Begründung heißt es, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht soweit gebessert haben, daß es möglich wäre, ohne Störung des Gleichgewichtes des Staatsbudgets die P e r s o- nalsparmaßnahmen aufzuheben, die im Jahre 1933 unter dem Drucke der Verhältnisse beschlossen werden mußten. Zu diesen Sparmaßnahmen gehören aber auch die Abzüge von den Diäten der Parlamentarier, mit deren Fortdauer überdies das kürzlich angenommene Budget für 1935 bereits rechnet. Die Wintersaison der Landesvertretung Böhmens wurde Donnerstag vom Landespräsidenten Dr. S o b o t k a mit einer kurzen Ansprache geschlossen. Ahrcdinnng Im Abgeordnetenhaus mit dem tschechischen fascismus Di« sogenannte„nationale Opposition" der Herren H o d a c und Sttibrnh hat nun schon zum zweiten Male auf dem Boden des Parlaments eine schwere Niederlage erlitten. Anläßlich der Budgetdebatte war es Dr. R o s ch e, der dem Herrn H o d a L die peinliche Frage vorlegte, wie fich denn seine Funktion als Generalsekretär des gemischtnationalen Jndustriellenverbandes mit der Rolle eines Anführers von Prager Straßendemonstrationen gegen deutsche und jüdische Mitbürger vertrage. Gestern hat der tschechische Rattonalsozialist Abgeordneter Stranskh die Debatte über die Berlängerung des Parteiengesetzrs zu einem forschen Angriff auf das Doppelspiel der„nationalen Opposition" ausgenützt. Die Antwort HodaLs fiel mehr als kläglich ans. In normalen Zeiten— so führte Stranskh aus— würde die Demokratie kein Gesetz über Parteienverbote brauchen. Die Wirtschaftsnot mache aber das Volk für eine Agitatton empfänglich, die für die wirtschaftliche Desorganisation der Welt die Regierung verantwortlich mache. In solchen Zeiten sei Demokratte nicht Diskussion, denn ihr Sein oder Nichtsein hänge von Tatkraft und Disziplin ab. Jede vernünftige Regierung begrüße oppositionelle Krittk. Loyale Oppositton schwäche nicht die Autorität des Staates. Staat und Demo» krrttie sind aber bedroht, wenn die Oeffentlichkeit durch tägliche Lügen und Verleumdungs-Invektiven einer gewissen Presse bearbeitet wird. Dagegen müsse sich die Demokratte wehren. Zu Verfaffungsrefvrmen sei heute sicher keine Zeit. Wichttg sei, daß die nächsten Wahlen Koalitionswahlen seien, a»S denen die Demokratie siegreich hervorgeht. Dann könne bei der Lösung der weiteren Aufbauaufgaben der positive Wille einzelner Oppositionsgruppen herangezogen werden. Auch in den Reihen der Oppositton findet fich genügend Bereitschaft zu ruhiger Arbeit. Eine Ausnahme bildet das Wahlkartell Kramak—Sttibrnh—Mares. Der Zersetzungscharakter der ligistischen und fascistischen Organisationen liege auf der Hand. Stranskh plädiert aber nicht für di« Auflösung dieser Kartells, obwohl sich schließlich auch die Nationaldemokraten in d e r- selbenLage befinden, in der sich die Deuts ch» nationalen infolge ihrer Nachbarschaft mit den Hakenkreuzlern befanden. Stranskh rechnete sodann mit der Rational» demokratte ab. die den Kern der nattonalen Oppo» sition bilde, wiewohl sie jahrelang die Mitverantwor- tung in der Regierung getragen hübe. Dr. Kramak hat kein Recht, s i ch an die Spitze einer nattonaliftt- schen radikalen Oppositton zu stellen. Die nationale Polittk Kramak' im alten Oesterreich war nicht oppositionell, sondern positiv«nd loyal. Er hat dies selbst in einem Brief an den Kaisers betont, wo er sich nach seiner Verurteilung mit Recht als unschuldig hinstellte, aber auf die tschechi-' scheu Radikalen hinwies, deren Verfolgung er von seiner Person getrennt wissen"wollte. Stransttz führte weiter an, daß Kramak nach dem Umstürze bei der Auswahl seiner Mitarbeiter, Dr. Benes, des zweiten großen Führers der tschechischen Revolution, ausschließen wollte. Mit diesem Vorgehen müsse das heutige Verhalten Kramak gegenüber Sttibrnh konftontiert werden. Die Bankkontts, auf welche die Lieferungsprovisionen eingezahlt wurde», seien hinreichender Beweis, daß keiner der Abgeordneten, die seinerzeit für das MißtrauonSvotum des Abgeordnetenhauses gegen Sttibrnh die Hand gehoben habe«, Sttibrnh Unrecht getan habe. Auch in bezug auf die Straftaten sei er nicht voll rehabilitiert worden. Dr. Sttanskh warf am Schluffe seiner Rede die Frage auf, ob die Nationaldemokraten nicht auch deutsch« Gelder dazu verwenden, um den Staat unter dem Vorwand der nattonalen Einigung zu zersetzen. HodaC„antwortet** Im Laufe der Debatte meldet« sich Abgeordneter H o d a t zu einer Antwort, wozu er übrigens— wie verlautet— erst von seinen Klubkollegen g e- z w u n g e n. werden mußte. Hodai beteuerte in großer Verlegenheit die demokrattsche'Einstellung seiner Partei und trat für die Freiheit der Gesinnung ein. Von den Bänken der tschechischen Linken wurde er an dieser Stelle mit stürmischen Zwischenrufen an die Seelenkauf-Methoden der natto« naldemokrattschen Gewerkschaften erinnert. Das Echo dieser Entschuldigungsrede war zeitweise so lebhaft, daß Abgeordneter Stejskal und Frau Zeminovä vom Präsidenten Roudnickh zur Ordnung gerufen wurden. Unter großer Heiterkeit des Hauses behauptete schließlich Hodak, daß auch di« Demokratte mit einem System der ständischen Korporationen vereinbar sei. Nur spärlicher Beifall seiner Freunde tröstete HodaL über die erlittene Abfuhr. Die„nattonale Opposition" ist seit diesem Rededuell um eine parlamentarische Blamage reicher geworden. Copyright by Pressedienst E. Fiwr-Vniat, Wien »Bei uns, oben auf dem Boden, unter dem Balken, in den du das Herz für mich eingeschnitzt hast, liegt eine Schachtel mit Geld. Dreiundsiebzig Franken sind drin. Die habe ich für den Winter gespart. Nimm sie dir. Er hat jetzt genug." Sie sah, daß er am liebsten geweint hätte. Er unterdrückte die Tränen und fluchte. --Ich Pfeif auf deine Franken, blödes Dingi" ■ Dann schwieg er verbissen. »Gut. Dann werde ich gehn." Sie drehte sich um und fühlte, daß sie wirklich nicht mehr hierher gehörte, daß sie weiterstreben müsse, ohne fich umzuwenden, daß ihr die Menschen hier niemals ihr Seidenkleid verzeihen würden, daß sie sie haßten. Gefühllos und verachtungsvoll blickte sie nun auf die einstigen Genossen der Küste hinab; sie kam sich dabei selbst widerlich und undankbar vor. Sie hatte aber nicht den Wunsch, fich zu ändern. Sie ging zurück, so rasch es die neuen, schönen Schuhe erlaubten und sah sich nicht mehr um. Das Meer hinter ihr rauschte. Cs klang wie das Murren der Menschen, die sie eben verlassen hatte. Eine plötzliche Brise wehte den Geruch der See hinter ihr her und erinnerte sie an die harte Hose ihres Vaters, mit der er sich, ohne sie auszuziehen, zu Bett legte, müde von der Schwere des Ruders und seines Schicksals. Die Brise legte sich und ein neuer Dust stieg in ihre Nase, ein künstlicher, gekaufter, der Geruch ihrer Kleider und des Parfums mit dem dreisilbigen Namen, den sie vergessen hatte. »Raoul", sagte sie halblaut— aber nicht einmal die Spur seiner müden Füße war im Sande zu sehen. Im Hotel»Mmr Rßve" brannte» alle Lichter. Da« sechste Kapitel Mama Bonnetier kümmerte sich komischerweise um Babiola. Junge Mädchen sollte man eigentlich nie stagen, was sie machen. Die ehrliche Antwort würde in allen Fällen lauten: wir wachsen und warten. Babiola war gewachsen. Sie war jetzt ein fünfzehnjähriges Fräulein mtt aufrührerischem Blute, französischen Waden und dem Charme, den man in Paris an allen Straßenecken findet. Sie wußte, daß sie schön sei und noch mehr: fiie wußte, daß ihre Schönheit eine Macht war. Aber Mama Bonnetier hatte sich ein Kind gekauft und wollte das Wachstum nicht wahr haben. Sie kleidete Babiola weiterhin sehr jugendlich. Babiola kämpfte in der ersten Zeit dagegen, begriff aber dann, daß Frau Bonnetter in ihr das Kind liebte. Herr Bonnetter sah sie mit anderen Augen an und das war nicht angenehm. ♦ Dreimal in der Woche spazierte Babiola allein über den Boulevard des Capucines, wenn sie ihrer Klavierstunden halber zu einer ältlichen Französin ging, mit deren Kunst es nicht weit her war und die„Baby" sehr bewunderte. »Ah, Mademoiselle, Sie sind ein Talent, ein gefährliches Talent!" Die Pariser Straßen gleichen mit Zucker be- streuten Ananasschnitten. Die Pikanterie der großen Welt vereinigt sich mtt der intimen Süße des eigenen Heimes. In den Schaufenstern lockten einfache Kleider mit teuren Linien; ihr Anblick bot Babwla nichts Neues- Der llebergang aus der öden Fischerhütte in Bidar in das große Pariser HauS war eine Selbstverständlichkeit. Es war ihr schon selbstverständlich erschienen, als man sie das erstemal in einem Zimmer schlafen legte, dessen Decke ein Künstler für sehr viel Geld sehr häßlich bemalt hatte. Sie machte sich das Leben dadurch einfacher als eS wirklich war. Die schmackhafteste Frucht des Lebens ist die Gegenwart und sie schmeckte sie mit den tausend Lippen ihrer Sinne. Lung und stark wie sie war, sah sie in ihrem Egoismus nicht die Wett, sondern nur sich selbst. Und darum war es nicht großartig, daß der Boulevard deS Capucines existierte, sondern, daß sie dort spazieren ging. Wer Frankreich vergast Gleiches mit Gleichem: und wenn es von Babiola nicht beachtet wurde, so nahm es seinerseüs von ihr nicht die geringste Notiz. ♦ Baby war durchaus nicht der Mittelpunkt der Familie, wenn sich auch das Interesse Frau Bonnetters hauptsächlich um sie drehte. Herr Bonnetter war zwar Ater geworden, fühlte sich aber um zehn Jahre jünger. Er stand in dem Alter, in dem Frauen die Zahl ihrer Jahre resignierend erfassen, die Männer aber aufhören zu zählen. Die Dienstboten wechselten bei Bonnetters ebensooft wie früher. Frau Bonnetier hatte es aufgegeben zu seufzen und ihre ttänenfeuchte Nase in Taschentücher zu versenken. Resigniert ertrug sie die Ueberschwenglichkeiten ihres Mannes bei anderen als gottgewolltes Manko in ihrem Leben. Die Hälfte aller Ehen scheint den Beteiligten schließlich nur dann erträglich, wenn es gelingt, einige Sehnsüchte über ihre Grenzen zu schmuggeln. Herr Bonnetier ging durch das Kinderzimmer, stolperte über die ttndlichen Spiele des großen Mädchens und wartete wie ein Kakteen- züchter auf die erste Blüte. Frau Bonnetier hatte nun das Kind, das sie sich immer gewünscht hatte — mehr noch— dessen Ergebenheit sie bezahlt hatte. Sie redete fich die Wichtigkeit ihrer Sendung ein, obwohl sie die ganze Sache eigentlich nicht mehr interessierte. Baby wuchs in scharfem Bildungsttaining unter zahlreichen Lehrern und Lehrerinnen heran, die von ihrer Auffassungsgabe und ihrem Eifer begeistert waren. So wurde die Welt allmählich ihrer Phantasie untertan und erschien ihr schwächer und kleiner als sie sie sich vorgestellt hatte. DaS Leben, wie sie es in den Büchern beschrieben fand, konnte sie sich selbst bedeutend besser ausmalen. Die Philosophie erschien ihr wie eine Re- zeptsammlung für geistige Unselbständige. Sie kannte nun alle theologischen Thesen, die Gott be- ttafen, zu dem sie als armseliges Fischerkind nur in Zeiten der Ängst und des Schreckens gebetet hatte. Sie kam sich wie ein geistiger Tourist vor; Daten und Jahreszahlen versteckten die Schönheiten der Ereignisse. Darwins Theorie, Bergsons vital, Maistres Katholizismus wurden ihr serviert; sie verschlang sie, und brachte trotzdem ihren täglichen Hunger nach neuer Geistesnahrung mit. Frau Bonnetter sagte stolz: »Mein Kind!" Sie hatte vergessen, daß sie es einmal auf einem durstigen Strande aufgelesen hatte. In Babiola stak noch ein tüchttges Stück Strand und Meer, wenn sie auch jetzt ein Fräulein aus gutem Hause war, in dem Brillantenüberraschungen und Zehntausend frankhündchen keine Seltenheiten waren. Obwohl sie manchmal nur ein mit Wissen und Zukunstsplänen erfülltes Gehirn zu sein schien, blieb ste doch ein Backfisch, der sich freut, weil die Türmchen seiner Brüste durch die dünne Bluse himmelwärts streben. Man konnte die künfttge Dame in ihr ahnen, trotzdem sie die Bewegungen eines Girls hatte. Im Casino dö Paris streute ste jedem „Stern" des Programmes Rosen, klatschte vor Begeisterung, gleichzeittg erfüllte sie aber haßerfüllter Reid gegen diese Rivalinnen der Weiblichkeit. * Frau Bonnetter war immer nervös und immer besorgt. Sie hatte ja nichts anderes ga tun. Babiola hatte sich längst daran gewöhnt, acht Bedienten für deren Gruß zu danken, bevor ste fich zu Tisch setzte.»Baby" war schon lange nicht mehr Babwla. .(Forffetzung folgt.) Nr. 282. Freitag, 14. Dezember 1934 Sette S Wer wird bei Henlein draufzahlen? der Leiter des mit 178 von der freisinnig- Prag. Der Senat eröffnete am Donnerstag früh die Aussprache über das Budget, die am Freitag fortgführt und nächsten Dienstag beendet werden soll. Als erster Redner von Koalitionsseite kam Genosse Nießner zu Wort, der, ansgehend von der seltenen Erscheinung, daß ein Parlament seine volle Legislatnrperiodr ausschöpft, überzeugend darlegtr, daß es stch bei den Wirren der heutigen Zeit nicht»m eine Krise des Parlamentarismus und der Demokratie, sondern um eine Krise der Menschen handelt, die durch die Berhältniffe aus dem Geleise geworfen wurden und denen man nun einzureden versucht, daß die Regierungsform für ihre Rot verantwortlich sei. Im Oktober hatten die Klubs der deutschen und der tschechischen Sozialdemokraten in der böhmischen Landesvertretung auf Wunsch der sozialistischen Jugendverbände einen Antrag eingebracht, in welchem vom Lande Böhmen und den Bezirken die Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten für jugendliche Arbeitslose gefordert wurde. Als Borbild dienten dabei die Maßnahmen, welche auf Einschreiten der sozialistischen Jugend das Ministerium für soziale Fürsorge bereits ergriffen hat. Schwierigkeiten in der sozialen Kommission und im Landesausschuß, welche über den Antrag Bericht erstatten sollen, hatten zur Folge, daß die Angelegenheit nicht auf die Tagesordnung der Landesvertretung kam. Nachdem sich jedoch in einer vom Sozialistischen Jugendverband einbe- rufenen Sitzung die drei sozialistischen Verbände, ferner die tschechische agrarische und die deutsche christlichsoziale Jugend hinter den Antrag gestellt hatten,-beschloß die Mehrheit der Landesvertre- Donnerstag wurde vom Genossen H l a d k y der Antrag nochmals in unveränderter Fassung vorgebracht und von der Mehrheit, die aus den drei sozialistischen, den beiden agrarischen und der deutschen christlichsozialen Partei bestand, angenommen. Der Beschluß der Landesvertretung lautet: 1. In die Vcrgabebedingungen für Landesarbeiten und für Arbeiten, welche mit Unterstützung des Landes durchgrführt werden, wird die Bedingung ausgenommen, daß wenigstens 15 Prozent der bei diesen Arbeiten beschäftigten Arbeiter im Alter von 18 vis 24 Jahren stehen muß. Den übrigen Selbstverwaltungskörperm wird empfohlen, bei Vergabe von Arbeiten denselben Vorgang einzuhalten. 2. Bei Durchführung geeigneter Arbeiten wird das Land Arbeitsgemeinschaften nach den Grundsätzen des Ministeriums für soziale Fürsorge errichten. Weiters wird den andere« Selbstverwaltungskörpekn empfohlen, solche Ar» dann werden wir imstande sein, alle Vie letzten Todesfälle In München München.(AP.) Zu der Meldung von Sundatz Referee über sieben Tote in München wird jetzt bekannt, daß es sich nicht um Hinrichtungen handelte. Vielmehr war es zu einem Zusammen st oß in München zwischen Reichswehr und SS gekommen, bei dem sieben Personen, darunter ein unbeteiligter Passant, getötet und 24 verwundet wurden. nicht überwältigend, aber er ist da u«d es heißt achtgebenk Ich habe das Vertrauen zum tschechischen Volke, daß es imstande sein wird, sich von der Pestsruche des FasciSmuS frei zu halte«. Die tschechischen Patrioten haben den Ruf geprägt:„HinausmitdenDeutschen ausderRegiernn g!" Würde dadurch dem Staat« und dem tschechischen Volke irgendwie geholfen werden? Eher das Gegenteil wäre der Fall. Gewiß bietet di« Regierungsbeteiligung der Deutschen auch für sie Vorteile, wenn sie auch vorläufig noch nicht allzu groß sind. Aber das tschechische Volk hat ein g r ö ß e r e s Interesse daran: Ein Sieg des tschechischen Fascismus, der mit der Unterdrück- kung der Deutschen verbunden wäre, das würde bedeuten, daß Sie dreieinhalb Millionen Menschen dieses Staates zu den erbittertsten Feinden de? Staates machen und daß diese sich sagen würden: wenn schon Fascismus, dann gleich den deutschen! Wissen Sie, was das im Kriegsfalle bedeuten würde? ES ist also sicher notwendig, allen Händen, welch« daS heutige friedliche Verhältnis zwischen den beide» Rationen störe» wollen, eins ordentlich draufznhauen. Es vollziehen sich überhaupt ganz merkwürdige Ding«. Ist es nicht nlerkwürdig, wenn ein General, allerdings ein Bürogeneral, mit dem Konzentrationslager droht, auch wenn er eS nachträglich als Scherz hinstellt? Dieses Flirte« gerade der allergrößten Aeberpatriote« mit dem HitlerfascismuS ist rin« der perversesten und absonderlichsten Erscheinungen im tschechische» Lager. Es ist merkwürdig, daß die tschechischen Fasci- sten gerade«inen solchen Eifer in der Nachahmung nicht etwa des alten Tschechentums, sondern der modernenHakenkreuzfittensich befleißen. Früher war die deutsche Kultur Gegenstand der Bewunderung und der Nachahmung durch andere Völker, heute ist es di« Unkultur des Dritten Reiches! Sattel heben werden, dann haben Sie kein« Ahnung von der Seele deS deutschen Arbeiters, von feiner Treue, seiner politischen Reife und seiner Ueberzengnngskraft. Jeder dentsche Arbeiter weiß, daß wir in der Regierung unter den heutigen Verhältnissen daS Menschenmöglichste getan haben und immer tun werde». Was sollte denn den deutschen Arbeiter an den bürgerlichen Parteien so locken? Glguben Sie, er weiß nicht, daß im Bürgertum keiner anderen Nation ein so geringes Verständnis für das soziale Ringen der Arbeiterklasse vorhanden ist, wie bei den Deutschen? Sehen Sie sich an, wie man in der Provinz dem Arbeiter aus dem Wege geht, ihn gesellschaftlich boykottiert, mißachtet und verachtet. Und dieses Bürgertum hat der deutsche Arbeiter immer nur als Bremsklotz bei seinem Aufstiege kennen gelernt und darum werß er, was er von ihm zu erwarten hat! Beweisen wir, meine Herren, daß die Demokratie auch den Schutz der armen Menschen bedeutet. Stürme und Krankheiten dieser Zeit zu über dauern!(Lebhafter Beifall.) Monarchistentreffen In Budapest Wien. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Außenminister Berger-Waldenegg reisten Donnerstag vormittag zu dem angekündigten offiziellen Besuch nach Budavest ab Ich sage darum nochmals, wir haben« a ch s a m z« sein. Die Demokratie darf vor allem nicht dumm sein und sich auch durch Verkleidungen nicht täuschen lassen. Es ist ja jetzt geradezu eine Aeberschwemmung an Loyalitätsbeze»gungen eingetreten. Aber solche Erklärungen sind heute»och kei« großes Verdienst. . Auch die Henleinfront istnichtöandereS als verkleideterFasrismus. Diejenigen, die eine znwartende Haltung dieser Front gegenüber einnehmen oder sich sogar zu ihrer Unterstützung hrrgeben, die suchen vielleicht sich und anderen einzureden, daß durch die SHF viele tausende Menschen der StaatSidee zugeführt und dem Hakenkreuzfascismus abspenstig gemacht werden können. Aber solche Behauptungen werden in den Kreisen der Nazi und der Deutschnationalen, die ja den.hauptsächlichen Kern der Henleinfront bilden, stets und immer eine Quelle ungetrübte st er Heiterkeit sein! Ich bin Überzeugt, daß über kurz oder lang diese Blase mit wenig angenehmem Geruch platzen wird, und beneide die Hintermänner der SHF schon heute nicht um die ungeheure Blamage, die sie sich dann holen werden! tung, den Antrag trotzdem noch in dieser Session I beitsgenieinschaften bei geeigneten Gelegenheiten zu erledigen.| zu errichten. Man raubt auch In Asturien Oviedo.(Havas.) Der Generalgouverneur der Provinz Asturien hat eine Aktion zur Beschlagnahme des beweglichen und unbeweglichen Eigentums der sozialdemokratischen und der kommunistischen Partei sowie der Gewerkschaftsorganisationen der beiden Parteien eingeleitet. DaS beschlagnahmte Eigentum soll zur Wiedergutmachung der durch die Revolution verursachten Schäden verwendet werden. Die mit den Erhaltungsarbeiten in den asturischen Gruben betrauten Arbeiter haben die Arbeit wieder ausgenommen. SÜD Es ist nur zu bedauern, daß die Menschen durch die Krise schon so abgestumpft werden, daß sie be- reits fatalistisch den heutigen Zustand als etwas Normales anzusehen beginnen und daß man es an genügenden Anstrengungen, aus diesem furchtbaren Zustand herauszukommen, doch besonders im Weltmaßstäbe fehlen läßt. Es wird Aufgabe aller Verantwortlichen Faktoren sein, in diesem Punkt« nicht zu erlahmen und das Menschenmöglichste zu tun, um die Maffennot zu lindern! Eine andere schwere Sorge ist die Frage, ob es einen Krieg geben wird. Einen Beweis für die ungeheuerenSpannungen, die in der Luft liegen, hat uns inden letzten Tagen Genf geboten. Es gibt allerdings Leute, denen das, was in Genf erreicht wurde, zu wenig ist Wir können darauf nur sagen: Wen« man doch auch im Jahre 1914 lieber mit einer Debatte und Resolution den Mord von Sarajevo abgeschlossen hätte,«S wäre für»ms alle besser gewesen! Während Außenminister Benes in Genf schwer um den Frieden gerungen hat, der an einem Haare hing, hat man hier im Lande sozusagen das Hausangezündet. Es waren dies die FascistenbeiderLager. Man kann gewiß nicht behaupten, daß der Schulminister bei der Durchführung des Universitätsgesetzes, die sicher eine vollkommen gesetzmäßige war, eine glückliche Hand bewiesen hätte. Zweifellos war di« Form und der Zeitpunft nicht so gewählt, wie es hätte sein müssen. Andererseits sst es ja bekannt, daß das Verhalten der deutschen Professoren und Studenten alles eher als ein die tschechische Oef- fentlichkeit beruhigendes war. Für die Fascisten der anderen Seite war dies wieder ein gefundener Anlaß, dies« Angelegenheit für ihr« Ziele auszunützen. Wir habe« in der letzte« Zett zum ersten Male gesehen, wiedertschechisch« Fascismus drohend sein Ha»pt erhoben hat. Er ist»och Labour Party für Indien London. Das Unterhaus nahm am Mittwoch gegen Mitternacht die Regierungsvorlage über die indische Verfassungsreform mit 410 gegen 127 Stimmen an. In dieser Vorlage heißt es: Das Unterhaus billigt die Empfehlungen des interparlamentarischen gemischten Ausschusses über die BerfassungSreform Indiens als Grundlage für die Revision der indischen Verfassung und ist damit einverstanden, daß sich das BerfassungS- gesetz auf den allgemeinen Richtlinien des Ausschußberichtes aufbaut.■ Ein Abänderungsantrag der Arbeiterpartei- Indien zuerst die Rechte eines Dominions znzn» erkennen, wurde mit 491 gegen 49 Stimmen abgelehnt. Persisch-afghanischer Grenzzwischenfall Teheran. Wie die persische Telegraphenagentur meldet, überfielen bewaffnete Afghanen persische Grenzdörfer, die sie ausplünderten. Sie verschleppten 2000 Dorfbewohner. Der ange« richtete Sachschaden beträgt fünf Millionen R«ck (zirka acht Millionen KC). Neuer schweizerischer Bundespräsident Bern. Die vereinigten Bundesversammlungen schritten am Donnerstag vormtttag zur Neuwahl des Bundespräsidenten und zur Wahl des Vizepräsidenten des Bundesrates für das Jahr 1935. Mit 139 von 164 gülttgen Stimmen wurde der gegenwärtige Vizepräsident Bundesrat D, M i n g e r, Leiter des Militärdepartements(Bürger- und Bauernpartei) zum Bundespräsidenten gewählt. Vizepräsident wurde Bundesrat Dr. Albert Meyer, Finanz- und Volksdepartements 184 Stimmen. Meyer gehört demokrattschen Partei an. Novelliertes Partelensesetz angenommen Prag. Das Parlament nahm am Donnerstag zunächst das Nachtragsbudget von 80 Millionen für das Fürsorgeminifterium an, wobei der Referent Genosse R e m e s den Staridpunkt vertrat, daß nur für den Betrag von 41 Millionen wirklich die Zustimmung der Nationalversammlung erforderlich sei, da der Entfall der 30-Millionen» Einnahme aus dem Regreß und die Ausgaben von 9 Millionen aus dem Titel der Novellierung der Sozial- und Pensionsversicherung bei Abfassung des Budgets nicht vorausgesehen werden konnten. Eine lebhaftere Debatte entspann sich zur Verlängerung des Parteienauflösungsgesetzes, über dessen Aenderungen durch den Ausschuß Abg. P a t e j d l referierte. Das Rededuell Stransky— Hodac schildern wir an anderer Stelle. Sonst sprachen außer zwei Kommunisten nur noch Dr. Peters(AWG.), der es begrüßte, daß durch die Aenderungen die Möglichkeit gegeben wird, das Gesetz nicht schablonenmäßig, sondern unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände anzuwenden. Vom Standpunkt der deutschen Poliftk wäre das Gesetz eigentlich gar nicht notwendig. Nächste Sitzung Dienstag, den 18. Dezember, um 15 Uhr. Am Mittwoch sollen bereits die Weihnachtsferien beginnen. Handln siegt in der Kammer Paris. Die Kammer hat in ihrer gestrigen Nachtsitzung die Verhandlung über das Getreidegesetz noch nicht zum Abschluß gebracht. Die Regierung erzielte einen Sieg bei der Abstimmung über einen Abänderungsantrag, welcher mit 312 gegen 257 Stimmen abgelehnt wurde. Ministerpräsident Flandin hatte sich gegen diesen Abände- rungsantrag ausgesprochen, in welchem gefordert wurde, daß die Regierung zu genau festgesetzten Preisen die Ueberschüffe der Getreideernte ankaufen, ihren Abverkauf leiten und Getreidespekulationen bestrafen soll. Die Debatte wird heute fortgesetzt werden. Arbeit für die duzend bei Landes- und Bezirksarbeiten Ein wel erer Erfolg planmäßiger sozialdemokratischer Bemühungen Das sroBe Zeitungssterben Im Dritten Reich Berlin. Verlag und Schriftleitung der „D e u t s ch e n Z e i t u n g" Berlin, teilen ihren Lesern auf Grund eines Beschlusses des Aufsichtsrates mit, daß die„Deutsche Zeitung" am 31. Dezember d. I. mit Abschluß des 39. Jahrganges ihr Erscheinen einstellt. Die Demokratie dieser Herrn muß man so auffassen: Könnte es die Herrschaft eines'deutschen Fascismus geben, dann wären wir schon dafür, aber nachdem es nur ein tschechischer FasciSmuS sein kann, der hier im Staate zur Macht kommen könnte, dann find wir lieber schon für die Demokratte. Aber demokratisch istdaS nicht und auch nicht ehrlich! Ist«S vielleicht„demokratisch", wenn eine Partei auf dem Führerprinzip aufge- bant ist, den Anhängern daS eigene Denken verbietet, den„Führer" unabsetzbar macht»nd keine Opposition zuläßt, wen« sie ans ihre» Anhängern nur Pagode« und Staffage macht und in ihren» ganzen Tun und Lassen nichts anderes ist, als eine Nachäffung des HitlerfascismuS? Niemand wird unS einrede«, daß das irgend etwas u»it Demokratte zu tun hat! Die Aufmachung ist groß, aber sonst steckt in dieser ganzen Bewegung auch nicht, eine einzige neue Idee. In der heutigen Zeit, wo ein Großteil gerade der deutschen Bevölkerung unter der Wirtschaftskrise aufs furchtbarste leidet, hat der MesfiaS Hennin kein einziges Wort zu sprechen gewußt von der Not der deutschen Arbeiter und Angestellten. Jetzt kommt man, nachdem man vielleicht die Unterlassungssünde eingesehen hat, mit der Gründung der „Sudetendeuffchen Volkshilfe". Bei der gründenden Versammlung hat der Vorsitzende die Geschmacklosigkeit gehabt, zu bedauern, daß nicht auch die deutschen Sozialdemokraten mittun. Wir sind überhaupt nstht«ingeladen worden, aber wir brauchen die sudetendeutsche Bolkshilfe nicht, um uns der deutschen Arbeiter anzunehmen, denn wir find zehn Jahre früher aufgestanden: Wir haben unsere Arbeiterfürsorge schon zehn Jahre früher gegründet»nd sie hat ungezähltes Gute für die Arbeiter getan, während die Sudetendeutsche Volkshilfe nichts anderes ist, als eine Ergänzung des Betriebsterrors, mit dem die deuffchnattonalen Fabrikanten die Arbeiter mrd Angestellten in die Henleinfront zu pressen bestrebt siird. Der Christlichsoziale, Dr. Hilgen« reiner provoziert bei diesen Worten eine große Szene, spricht von„Verleumdung eines wohltätigen Werkes" etc. Genosse R e y z l ruft ihm zu: Das wissen wir draußen besser als Sie. Nachdem wieder Ruhe«ingetreten ist, erklärt Nießner: Ich konstatiere nochmals: Nnibersitätsprofeffor Hilgenreiner ist groß im Schimpf«« und ebenso groß in der Verteidigung von Niederttäch- tigketten. Daß er gerade aufschreit in einem Moment, wo ich von Betriebsterror der deutsch- nattonälen Fabrikanten sprech«, zeugt davon, daß ich ins Lebendige gettoffen habe und daß er der B e r* teidigerdieses Betriebsterrors ist! Neue Zwischenrufe Hilgenreiners, auf die die Genossen R e y z l und P o l a ch reagieren. Nießner ruft Hilgenreiner zu: UnS werden Sie nicht vorspiegeln, daß es Verständnis für di« Not der denffchen Bolks- genoffcn ist, wen« Sie gerade jetzt,««»gerechnet ein Jahr vor den Wahlen, die Sudetendeutsche Bolkshilfe schaffen! Warum habe« Sie es nicht viel früher getan? DaS ist nichts anderes als Wählerfang und politische Berechnung. Dir ganze Art der Tätigkeit dieser Bolkshilfe ist ein Beweis, daß eS um nichts andere» geht al» darum, den Betriebsterror mit dem Seelenfang der Sudetendeutschen Bolkshilfe zu ergänzen. Sie werden mit dieser Sndetandeutschen Bolkshilfe kein Glück haben. Die Henlein- partei ist heute nicht» anderes als der Sturmbock gegen den Marxismus, d. h. in Wirklichkeit gegen die Arbeiterschaft, gegen ihre politische, wirtschaftliche«nd soziale Betätigung! Was können Sie mit der Heimaffront erreichen? Bestenfalls kann es sich um ein paar Mandatsverschiebungen handeln und ich glaube nicht, daß es unsere Mandate sein wenden! Die Herren haben große Rosinen im Kopf— gehäbt. Sie haben geglaubt, nach vier bis fünf Jähren der Re- gierungsbeteiligung müsse ein« Partei, wie die Sozialdemokratie„verbraucht" sein, und man werde uns darum bei den Wahlen zu Hackfleisch ver- arbeitrn können. Wilhelm Busch hat da«in treff- liches Wort geprägt: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Bei den letzten Gemeindewahlen haben Sie gesehen: Wir haben unseren Besitzstand erhalten, haben sogar Fortschritt« gemacht. Wir werden vielleicht hie und da einen Rückschlag erleben, aber di« Zeche der Heimaffront werden schließlich nicht wir bezahlen, sondern die bürgerli chen Parteien, wie überall in allen Staaten, wo der Fascisums hochgekommen ist! Wenn Sie Selbstmordgedanken haben, in GotteS Namen, Herr Kollege Hilgen- reiner, tun Sie das! Aber wenn Sir wirklich glauben, daß Sie di« Sozialdemokratie aus dem Vergebliche Tarnungsversuche Genosse Nießner Uber die hiesigen Ableger des HitlerfascismuS Seite 4 Freitag, 14. Dezember 1934 / Nr. 393 11 WM er! Wen- um einiger Wümme willen! Der Tod eines Arbeitslosen— Schuldspruch der Geschworenen Mildes Urteil und Freilassung des Verurteilten Prag. Die donnerstägige Schwurgerichtsverhandlung wurde mit besonderem Interesse erwartet, denn an diesem Tage stand der berüchtigte Heger Josef Nitl aus dem Dorf Nenacovice bei Kladno vor den Geschworenen, dessen Dienstgetvehr am 18. September d. I. den Arbeitslosen Johann KuLera aus Drahelöice vom Leben zum Tode befördert hat— um einiger Schwämme willen! Dieser 29jährige Heger der staatlichen For st Verwaltung ist den Gerichten nicht unbekannt. Vorerst trat er allerdings nur als Kronzeuge in diversen Prozeffen wegen A m t sehren- beleidigung und öffentlicher Gewalttätigkeit auf und hat durch seine unter A m t s e i d abgegebene Aussage verschiedene arme Teufel wegen angeblicher Widersetzlichkeit gegen eine „Amtsperson" hinter Schloß und Riegel gebracht. Nach dem, was die Zeugen im Gerichtssaal aussagten und was sic uns sonst erzählten, war dieser Heger durch seine Brutalität und Gewalttätigkeit geradezu ein Schrecken der Umgegend. Die armen Leute, die in den Wald gehen muhten, um Streu, Fallholz, Beeren oder Pilze aufzulesen. fürchteten diesen beamteten Schinder wie den leibhaftigen Satan. Dah dies keine leeren Redereien sind, beweist der Umstand, dah dieser Heger schließlich selbst ans die Anklagebank kam und wegen einer beispiellosen Roheit auch vernrteilt wurde. Daumls hatte diese famose Amtsperson eine Häusle- rin, die bei der Waldarbeit in einer Arbeitspause ihrem zweijährigem Kind über einem Feuerchen ein bihchen Brei kochte, zum Gegenstand einer„Amtshandlung" gemacht, die darin bestand, dah er unter wüstesten Beschimpfungen ihr armseliges Geschirr zertrat und der armen Mutter drohte, den„G e- stank"(d. h. das kleine Kind!) in den Bach zu werfen. Ferner war Ritl wegen körperlicher Beschädigung angeklagt, weil er zwei Schwammsucher durch Stockhiebe ins Gesicht mißhandelt hatte. Dies ist also die Persönlichkeit des Hegers Josef Niti, der in der von Staatsanwalt Dr. T r z i c k H vertretenen Anklage beschuldigt ist, gegen den Arbeitslosen Johann Kukera aus Dra- h e l c i c e„zwar nicht in der Absicht ihn zu töten, aber in anderer feindseliger Absicht, in einer Weise gehandelt zu haben, dah daraus besten Tod erfolgte." Diese Tragödie, die einen blutigen vorläufigen Abschluh der Tätigkeit dieser Amtsperson darstcllt (wir haben übrigens nicht gehört, dah bisher von den vorgesetzten Stellen gegen ihn eingeschritten wurde) trug sich folgendermahen zu. Arn 18. September ging der arbeitslose Johann Kukera mit seiner Braut Agnes Haäek 'Schwämmt suchen, die bekanntlich um"diese Zeit rn solcher Menge Vorhänden waren, dah sechst die Zwischenhändler zu Spottpreisen verkauften. Als die beiden sich mit einem etwa 2 Kilogramm schweren Bündel gesammelter Pilze auf den Heimweg begaben, wurden sie von dem Angeklagten gestellt, der in barschem Ton Vorzeigung des Erlaubnisscheines verlangte. Kukera erklärte, er besitze keinen solchen, gab aber seinen Namen und Adresse an. Mtl bestand aber auf Herausgab« der Schwämme. Kukera weigerte sich, diese Ausbeute des stundenlangen Suchens herzugeben und die. mühsam aufgele« sene Nahrung zertreten zu lasten," wie es der unsinnigen Vorschrift entspricht. Er und der Heger stand sich auf zivei Schritte Aug in Auge gegenüber. Auf einmal rih Heger Mtl mit der rechten Hand sein auf der linken Schulter hängendes D ienstgewchr herab(eine Lancaster- Schrotllinte), wobei die Mündung aufwärts gegen den Kopf des Kukera gerichtet war. Die Zeugin Hasel konnte in ihrer Todesangst die Details der sich nun blitzschnell abspielenden Handlung nicht genau verfolgen. Sie nahm nicht wahr, wie der Heger mit seinem Gewehr manipulierte, aber sie sah, wir ihr Bräutigam plötzlich leichenblaß wurde. Warum? Sah er etwas, was die Zeugin nicht sehen konnte? Gleichzeitig wiederholte der Heger in gröbstem Ton seine Aufforderung und unmittelbar darauf krachte ein Schuß. Kukera, in den Hals getroffen, war nach wenigen Augenblick«» tot. Als der Schuh krachte, kam zufällig der Zeuge S i r ü i e k des Weges und es ist bezeichnend, dah dieser angesichts des raucherrden Gewehrs in der Hand des gewalttätigen Hegers zunächst hinter einem Baum Deckung suchte. Dann aber sprang er vor und entrih dem Nitl die Waffe. Er bemerkte bei deren Besichtigung, dah der linke Lauf auSgeschoffen war u»»d der Hahn natürlich zugeschlagen. Der rechte Hahn aber war gespannt! Da kein Mensch mit gespannter Büchse im Wald umhergeht, nimmt die Anklage an, dah Nitl die Hähne, der Flinte erst bei der Auseinandersetzung gespannt hat. Nitl selbst hat dem Zeugen Sirükek gegenüber gleich nach der Tat bedauert, einen jungen Menschen um„ein paar elender Schwämme willen erschossen zu habe n." Später aber leugnete er jede feindselige Absicht gegen Kukera und behauptet, es handle sich lediglich um einen unglücklichen Zufall. Er erklärt das so, dah während seines Dienstganges die Hähne sich im Unterholz verfan- gen hätten und gespannt wurden, ohnedah eresmerkte. Durch einen weiteren Zufall habe sich dann der linke Lauf, vielleicht zufolge einer Erschütterung entladen. Die Anklage erachtet diese Verteidigung, als unglaubwürdig. Die Waffensachverständigen räum- ten mit Rücksicht auf einen Defekt der Waffe die Möglichkeit ein, dah der Hahn durch eine Erschütterung zugeschlagen sei. Probcschüsse im Gerichtssaal. Der Schwurgerichtshof(Vors. OGR. S v a m- b e r a) machte eine radikale Probe aufs Exempel. Das Gewehr wurde mit blinden Patronen geladen und dann solchen Erschütterungen ausgesetzt, wie sie in der blutigen Wirklichkeit beiläufig gegeben waren. Tatsächlich entlud sich dasGe- wehr b-c i drei solchen Versuchen, wodurch die Verteidigung des Angeklagten in einem Punkt freilich gestützt wird. Eine andere Frage ist, ob die Hähne des Gewehres tatsächlich durch Anstreifen am Gebüsch ge- Tagcsncuighcltcn Die Einsturzkatastrophe in Liverpool Mehrere Kinder lebensgefährlich verwundet London. Zu dem Einsturzunglück in der Aula der St.-Clements-Schule in Liverpool wird noch gemeldet: Die Katastrophe ereignete sich während eines Weihnachtskonzertes, dem ungefähr 300 Eltern und Schulkinder beiwohnten. Während der Darbietung erlosch plötzlich das Licht und mit lauten Getöse brach ein Teil des Fußbodens zusammen. Hunderte von Männern, Frauen, Knaben und Mädchen stürzten etwa acht Meter tief in das Erdgeschoß. Polizei, Feuerwehr, Rettungsmannschaften und freiwillige Helfer waren in kurzer Zeit zur Stelle und begannen mit der Bergung der Verunglückten. Biele Verletzte wurden teils in Krankenwagen, teils in schnell requirierten Privatautos, Taxen, Trambahnwagen und Last-, kraftwagen nach den verschiedenen Krankenhäusern gebracht. Nach dem Bericht aus sechs Krankenhäusern wurden 211 Personen verbunden. Davon mutzten insgesamt 36 Personen, darunter eine Anzahl Kinder, in den Anstalten verbleiben, mehrere befinden sich in Lebensgefahr. Es ist als ein Glück zu betrachten, daß der größte Teil des Fußbodens in einem Stück ins Erdgeschoß stürzte. Dadurch wurde das Werk der Helfer, die die Fensterscheiben einschlugen und in den Raum drangen, sehr erleichtert. Große Geistes- gegenwart zeigte der S ch u l d i e n e r, der nach dem Unglück sofort in den Keller lief und alle Gashähne absperrte. Hiedurch wurHe eine große Katastrophe verhindert, da bei dem EinstuHT mehrere Gasrohre zerbrachen und das Gas frei herausströmte. 70 Leichen unter Trümmern Lansing(Michigan). Aus den Trümmern des Kern-Hotels wurden am Mittwoch sechs völlig verkohlte Leichen geborgen. Die Zahl der Toten erhöht sich damit auf 23. Es sollen jedoch noch sehr viele Leichen — man spricht von 70— unter den Hoteltrümmern liegen. Drahtlose Bilder aus der Arktis Moskau. Das sowjetrussische Arktische Institut bereitet für nächstes Jahr 40 Expeditionen vor, deren Aufgabe es sein wird, die Tschuktschen-Halbinsel und den Unterlauf der Lena zu erforschen. Die Leningrader Werft ist mit Baue zweier besonderer Schiffe für die Zwecke des Arktischen Institutes beschäftigt. Das Zentralinstitut für das Nördliche Eismeer will im Radio mit Hilfe eines besonderen Televisionsapparates Bilder aus den arktischen Gegenden aussenden. Die Aussendung wird am 13. Dezember auf Welle 7690 Meter eröffnet werden. Eine halbe Million polnischer Arbeiter in Frankreich Nach einer Statistik der polnischen Konsularbehörden lebten zum 1. Jänner d. I. in Frankreich 523.000 polnische Angehörige, die meist als Industrie-, landwirtschaftliche und Bergarbeiter beschäftigt waren. In der ersten zehn Monaten dieses Jahres kehrten etwa 15.000 Personen zurück, so daß heute in Frankreich noch etwa 508.000 Polen leben, von denen etwa 100.000 landwirtschaftliche Arbeiter, 90.000 Bergarbeiter und 60.000 Fa- briksarbeiter sind. Die größte polnische Kolonie lebt im L i l l e r Distrikt. Sie zählte etwa 200.000 Personen. Weingartner Wiener Operndirektor Wien. Wie die„Reichspost" erfährt, sind die in den letzten Wochen mit Felix Weingartner geführten Verhandlungen, die seine Berufung als künstlerischen Direktor an die Wiener Staatsoper zum Ziele hatten, jetzt zum Abschluß gekommen. Offiziell wird sein Antritt am 1. September 1935 erfolgen, doch hat sich der Künstler verpflichtet, schon ab 1. Jänner, soweit es seine Verpflichtungen an' ! spannt werden können und das einem waidgerechten Mann uribemerkt passieren kann. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage auf Totschlag mit acht Stimmen und bejahten gleichfalls die Zusatzfrage auf Niedrigkeit und Unehrenhaftigkeit der Motive, Das Urteil wurde mit begreiflicher Spannung erwartet. Der Schwurgerichtshof des OGR. S v a m- b e r a macht von dem ihm zustehenden außerordentlichen Milderungsrecht sehr weitgehenden Gebrauch. Er ging weit unter Pas gesetzliche Strafausmaß,(b—10 Jahre) und verurteilte den Angeklagten nur zu dreizehn Monaten schweren Kerkers. Staatsanwalt Dr. T r j i c k h meldete Berufung an. Der Angeklagte nahm die Strafe an und bat um Strafaufschub. Tatsächlich gab der Schwurgerichtshof des OGR. Svambera diesem Ansuchen statt ui»d setzte den Verurteilten vorläufig auf freien Fuß, ein Vorgang, den wir beim Schwurgericht bisher nur sehr selten zu beobachten Gelegenheit hatten. rb. der Baseler Oper gestatten, der Wiener Staatsoper zur Verfügung zu stehen und in ihren künstlerischen Angelegenheiten beratend mitzuwirken. Drei Bergleute verbrannt Auf der Kohlengrube Shotts in L a n cash i r e(England) ereignete sich eine große Explosion. Drei Bergleute verbrannte«. Pilsner Tiergarten vernichtet Eine private Gesellschaft war seit Jahren bemüht, der Stadt Pilsen zu dem Ruhm ihrer Brauereien noch den eines zoologischen Gartens zuzugesellen. Mit großer Mühe und unter großen Opfen» schaffte man den Raum für die Unterbringung der Tiere. Nun hat plötzlich ein Unglück die verheißungsvolle Arbeit und den ganzen Besitz zerstört. Die Räume, in denen die kleine Zähl von Vierfüßlern unter anderm einige sehr schöne Affen, Waffertiere und sehr viele Vögel untergebracht waren, mußten während des Winters geheizt werden. In der Mittwochnacht kam es offenbar durch einen Mangel der Heizanlage zu einer Explosion von Rauchgasen» wobei sämtliche Tiere umkamen. Die Tierfreunde wurden durch dieses Unglück um den ganzen Erfolg ihrer Arbeit und ihrer Opfer gebracht und müffen wieder von vorn anfangen. A«to»«fall mit tödlichem Ausgang Zwischen K r a d r o b und H o st o m i tz stieß ein Personenauto mit einem Wagen zusammen. Bon den auf dem Wagen sitzenden Personen wurde Frau Anna Borna durch die Wucht des Zusammenstoßes auf die Straße geschleudert und schwer tierletzt. Auf dem Transporte ins Bezirkskrankenhaus verschied die Frau. Der Landwirt Adolf Zikesch aus Krcmusch, der auch schwer verletzt wurde, rnußte ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sein Zustand ist ernst, doch ist mit seiner Genesung zu rechnen. Der Erzbischof als Filmzcnsor. Der New Docker Erzbischof Hayes hat am letzten Sonntag in allen katholischen Kirchen der Vereinigten Staaten Unterschriften für eine Aktion gegen den unsittlichen Film sammeln lasten und nachher der Preste erklärt, daß sich 16 Millionen Katholiken unterzeichnet hätten. Der Erzbischof, den offenbar die klerikalen„.Kultur"-Erfolge in einigen europäischen Staaten nicht ruhen ließen, behauptet, daß es höchste Zeit fei, gegen die Schamlosigkeit der amerikanischen Filmiirdustrie vorzugehcn, und er hat zu diesem Zwecke von„Sachverständigen" alle in Amerika laufenden Filme in drei Gruppen ordnen lasten: in die einwandfreien Filme, in die nur für Erwachsene geeigneten Filme und in die „obszönen" Filme, die zur öffentlichen Borfüh- rung überhaupt nicht mehr zugelaffen werden fällten. Wie das Filmprogramm aussehen würde, wenn man den Forderungen der erzbffchöflichen Filmfachleute folgte, kann man sich vorstellen, wenn pum in der Gruppe der„obszönen" Filme neben dem letzten Marlene Dietrich-Film„Die rote Kaiserin" auch die beiden letzten Elisabeth Bergner-Filme findet: die deuffche„Ariane" und die englische„Katharina die Große". Das Gesetz über das Fahren mit Motorfahrzeugen. Die Regierung legte dem Abgeordnetenhause den Gesetzentwurf vor, durch welchen die Gültigkeit des Gesetzes Nr. 124/1931 Slg. d. G. u. B. über das Fahren mit Motorfahrzeugen neuerlich bis zum Inkrafttreten der neuen allgemeinen gesetzlichen Regelung des Fahrens mit Motorfahrzeugen, längstens aber bis 30. November 1935 verlängert wird. Mit Goldfedern davongeflogen. In der Nacht drangen Diebe in eine Goldfederfabrik in Hamburg und entwendeten aus zwei Schränken fertige und unfertige Goldfedern im Gesamtwerte von 40.000 Reichsmark. Die Diebe sind mit ihrer Beute entkommen. Das Militärgericht in Sofia fällte- das Urteil gegen vier Mitglieder der Organisation Orim, von denen es einen zum Tode und die übrigen drei zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilte. Die Verurteilten hatten sich dadurch schuldig gemacht, daß sie auf Befehl der mazedonischen Organisation einen mazedonischen Kaufmann hängten. Weingartner nach Wien. Die schweizerische Tepeschenagentur erfährt, daß sich Dirigent Wein- aartner nächsten Sommer nach Wien begeben, Norman Angell der englische Schriftsteller, dem der bisher nicht ausgegebene Nobel-Preis des Vorjahres zuerkannt wurde werde, nm die Direktorstelle der Staatsoper anzutreten. Sein Nachfolger in Basel wird voraussichtlich der Berliner Dirigent Furtwängler sein. Ein Schiff gesunken. Ein Schiff, das eine Gruppe von Bürgern der Gemeinde zum Besuche der Kirche über den Fluß Saone befördern sollte, ist gesunken, wobei vier Personen ertranken. 20 Straßenbauarbeiter verbrannt. Ein japanisches Blatt in Dairen meldet, daß bei Dingkow in einer Baracke, in der etwa 45 Straßenbauarbeiter schliefen, ein Brand ausbrach, der über 20 Todesopfer forderte. Di« übrigen Arbeiter erlitten meist schwereBrandwunden. Gtaatsbeitrag für die Zeit des MilitSrdte«ste» während des Krieges gemäß 8 176 des Peufiens- verficherimgsgefetzeS Am 31. Dezember 1934 läuft endgAtig die Frist zur Geltendmachung des Anspruches auf Zuerkennung des Staatsbeitrages ab. Ansuchen, die nicht spätestens an diesem Tage beim zuständigen Versicherung-träger einlangen, müßten schon wegen Fristversäumnis abgelehnt werden. Spätestens am 81. Dezember 1934 müßen auch entweder beim zuständigen Versicherungsträger die Belege über die Anspruchsberechtigung(über die Militärdienstzeit während des Krieges, Gefangenschaft, Internierung u. ä.) vorgelegt sein, oder es uwß wenigstens noch am 31. Dezember 1984 bei den hiefür zuständigen Zivil- oder»Militärbehörden um Ausstellung der Belege angesucht werden. In diesem Falle können die Belege auch noch nach dem 81. Dezember 1984 dem zuständigen Versiche-, rüngsträger rechtsgültig vorgelegt mxroeck^ es n»Utz aber auf diesen Belegen von der zuständigen Militär- oder Zivilbehörde ausdrücklich vermerkt sein, daß»roch bis 81. Dezember 1934 um die Ausstellung dieser Belege angesucht wurde, wenn dies nicht schon aus dem Inhalte der ausgestellten Belege selbst ersichtlich ist. Bestätigungen über die nach 8 4 des Kricgslei- stungsgesetzes zurückgelegte Zeft(sogenannte persönlich« Kriegsleistungen)-oder über den Dienst in Landfturmarbeiterabteilun- g e n stellt ausschließlich das Ministerium für na- tionale Verteidigung in Prag, Abteilung VI/3, aus. Versicherte oder Rentner, die bereits Belege, welche von einer anderen Zwil- oder Militärbehörde ausgestellt worden sind, dem zuständigen Versicherungsträger vorgelegt oder bei einer anderen Militärbehörde unterdeffen um Ausstellung dieser Belege angesucht haben, brauchen sich nicht mehr an das Ministerium für nationale Verteidigung zu wenden. Diese Belege werden vielmehr in solchen Fällen von den zuständigen Versicherungsträgern bzw. Militärbehörden von amtswegen an das Ministerium für nationale Verteidigung zur Ueberprüfung und Bestätigung weitergeleitet-werden. Versicherte oder Rentner dagegen, die dem Versicherungsträger nur eine Bestätigung des Dienstgebers oder überhaupt noch keine Bestätigung vorgelegt haben, müffen sich unverzüglich, spätestens jedoch bis zum 31. Dezember 1934, an das Ministerium für nationale Per- teidigung um Ausstellung der Belege wenden. Ansuchen um Zuerkennung des Staatsbeitrages, die in der Zeit vom 30. Juni 1930 bis 1. Juli 1934 überreicht wurden und seinerzeit als verspätet überreicht gegolten haben, werden nunmehr auf Grund der Novelle Slg. Rr. 117/34 als rechtzeitig überreicht angesehen und müffen nicht mehr erneuert werden. Wohl ccher gilt hinsichtlich der Be- schaffung der Belege auch für diese Ansuchen das unter 1 bis 3 Gesagte. Vom Rundfunk tapfthleiuwartei aus den Programmen! SamStag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten 15.55 Dvorsky und seine Mclodtchohs spielen zum Tanz auf. 16.40 Runkfunk für die reifere Jugend. 17.05 Liederkonzert. 18.05 Deutsche Sendung: Heller: Die bedeutendsten Komponisten der Cenchalozeit. 18.30 Lieder von Wessely. 19.10 Schallplatten. 20.25 Buntes Programm. 22.15 Slowakische Volkslieder.— Sender St.: 15.00 Deutsche Sendung: Lieder von Liszt.— Brunn 17.05 Schallplatte«: Mozart. 17.50 Deutsche Sendung: Kasperl sucht Arbeit, Hörspiel für die Jugend.— Preßburg: 17.25 Spanische und argentinische Lieder. Hörspiel eines Jugendgenoffen. Die deutsche Sendung(Sender Straschnitz) bringt heute um 15 Uhr das revolutionäre Hörspiel, die Wiener Marseillaise, von unserem Jugendgenoffen und Studenten Karl Hans Neumann. Nr. 292 Freitag, 14. Dezember 1934 Sozialdemokrat" Seite 8 Millionen-Froftschaden Tallahassee(Florida). Die Obst- und Gemüsezüchter in Florida schätzten die in den letzten Tagen an der dortigen Obst- und Gemüsekulturen verursachten Frostschäden auf einige Millionen Dollar. Das Landwirtschaftsministerium rechnet mit einer 50- bis 60prozeitigen Ernteeinbutze an Südfrüchten. Der Verlust an der Orangenernte wird auf 35 Prozent geschätzt. Malaria-Epidemie auf Ceylon. Die Insel Ceylon wird zur Feit von einer Malariaepidemie heimgesucht, wie sie seit 20 Jahren nicht so verheerend aufgetreten ist. Nicht weniger als eine halbe Million Menschen liegen schwer trank darnieder. Viele sind der Krankheit bereits erlegen, vor allem Kinder. Die Zahl der Todesfälle ist noch nicht bekannt, doch dürfte sie mehr ercheblich sein. In manchen Gebieten sind 90 von 100 der Bevölkerung erkrankt. in unseren„Schneeschuh" mit Reissverschluss, Ledereinfassung und starker Kemledersohle. Warm gefüttert mit Schaf-Fefl.-- Drei Zwangssemester Sport. Der„Völki- Whe Beobachter" meldet, dass schon mit Beginn »es Wintersemesters eine neue Hochschul- Sportordnung in Kraft getreten ist, »ach welcher in Zukunft jeder Student während dreier Semester Sport treiben mutz, ft. zw. nicht, wie bisher, nach freier Wahl der Srundausbrkdungsplan. Als Bescheinigung der pflichtmätzig durchgeführten Leibesübimgen erhält der Student«st>er die Studentin eine Grund- larte, ohne deren ordnungsmätzige Ausstellung und Vorweisung ein weiteres Studium oder gar Examina unmöglich find. Befreiungen er- folgem nur durch den Rektor. Als Grundausbildung gelten Leichtathletik, Schwimmen, Boxen ftnd Turnen. Dreimal sechzehn. Das Berehover Schwurgericht fällte das Urteil über die Urheber des Raubmordes an Olena Mikitovä in der Ortschaft Jlnice im Bezirke Presov, die in der Nacht zum 6. Mai über Anstiftung ihrer Nichte erwürgt wurde. Gabriel K a l i n i c, Juraj S« stak und die Richte der Ermordeten. OndkiSkovä, wurden zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Ber- urteilten und der Staatsanwalt legten Berufung ein, Ertrmcken. Eia Schiff, das eine Gruppe von Bürgern der Gemeinde Vesoul zum Besuche der Kirche über den Fluh Saone befördern sollte, ist gesunken, wobei vier Personen ertranken. Gezeitenändernng durch das Abschließen der Znidersee. Datz technisch« Bauten schwerwiegende Aenderungen in den Meeresströmungen im Gefolge hoben können, erweist sich nunmehr nach Abschluss des Wieringer Damms, der die Znidersee von der Nordsee abschlietzt. Man hatte von vornherein damit gerechnet, datz bei Abschlutz des Dammes auf den Wat, ten zwischen den Inseln und dem Abschluhdamm, also bei Texel, Terschelling und Vlieland, stärkere Gezeiten auftreten würden. Die Flutstieg dort auf das Doppelte, nämlich von 86 Zentimeter auf 1.52 Meter. An der ftiesischen Küste stieg sie sogar auf 1.72 Meter. Auch die Strömungsgeschwindigkeit zwischen Texel und Nordholland sind um«in Viertel grötzer geworden. Starke Veränderungen in der Lage der Sandbänke sind dadurch unvermeidlich. In Voraussicht desien hatte man schon eine kürzere und billigere Ausführung des Dammes, die den Hafen Harlangen geschädigt hätte, unterlaffen und den Damm weiter nördlich an die Küste herangeführt. Bemerkenswert ist" aber, datz alle diese Aenderungen im Modellversuch festgestellt waren und die daraus gezogenen Konsequenzen sich als richtig erwiesen. Denkmal für einen Unbekannten. Dieser Tage konstituierte sich in Athen unter dem Vorsitz des Dichters Costi Palampas ein AuSschutz, der«in« Sammlung zum Bau eines Denkmals für den unbekannten Autor der griechischen Volkslieder ausschreibt, die viele Generationen inspiriert haben. Wahrscheinliches Wetter honte: Vorwiegend bedeckt, strichweise Regen, besonders in den mittleren Teilen des Staates; bei vorwiegend südlichem Wind mässig warm.— Wetteraussichien für Samstag: Allgemeine Wetterlage ohne wesentliche Aenderung. Das politische Wildwest in Bulgarien Legale und Illegale Henker Sofia. Die bulgarische Regierung hat zwar bisher etwa 160 Mazedonier, denen vorläufig nichls nachgcwiesen werden konnte, aus den Internierungslagern entlaffen, geht aber andererseits mit aller Strenge gegen die großen und kleinen Funktionäre der aufgelösten revolutionären Organisation Iwan Michajlows vor. In den mazedonischen Städten Görna Dschumaja, Nazlog, Newrokop und Sveti Wratsch tagen die Feldgerichte fast in Permanenz. Seit dem 1. Dezember hatten sich vor ihnen über 100 Personen wegen Mordes, Entführungen und Gewalttätigkeiten aller Art zu verantworten, denen Anhänger der Protogerow- und der föderalistischen Richtung zum Opfer fielen, von denen seit dem Jahre 1928 über 1000 im brudermörderischen Kampfe der Mazedonier getötet wurden. Die Bevölkerung verfolgt die Prozeffe mit regem Interesse. Bei den Gerichten langen täglich neue Klagen ein. Gegen den Gehilfen Iwan Michajlows, N a st e w, allein wurden mehr als 200 Klagen eingebracht. Bisher wurden zwölf Todesurteile gefällt. Von den Verurteilten spielte die grötzte Rolle der reiche Geschäftsmann und Industrielle M o- tikarow in der Stadt Radomir, der der Vertreter der illegalen Organisation für das Gebiet von Newrokop und Gorna Dschumaja war und der nutzer zur Todesstrafe noch in einer ganzen Reihe weiterer Prozesse zu mehreren Dutzend Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. In einem Prozetz in Gorna Dschumaja gegen die Entführer und Mörder des Protogerow-Anhängers Dimitrij Markow, der vor Weihnachten 1932 aus einem Kaffeehaus in Gorna Dschumaja entführt und später in der Nähe der Brücke über die Struma erhängt aufgefunden worden war, trftt als Hauptperson der ehemalige Gemeindeangestellte in Gorna Dschumaja Kiril P a u n o w, genannt der »schwarze Kiro", auf, der die Funktion des Henkers in der revolutionären.Organisation versah, in welcher Funktion er laut eigener Aussage mehr als 50 Personen„hingerichtet" hat. In nächster Zeit werden die Mitglieder des Zentralexckutiv- ausschusses der revolutionären Organisation Iwan Michajlow, der zur Zeit in der Türkei weilt, aber nach Mexiko, wo ihm der Aufenthalt bewilligt wurde, auszuwandern gedenkt, in contumaciam sowie sein Gehilfe Nastew und der Auslandsvertreter der Organisation Kiril D r a n g o w, die sich in der Donaustadt Lom im Gefängnis befinden, abgeurteilt werden. Es werden ihnen mehrere Morde und Entführungen zur Last gelegt. Ein Land der Frauenherrschaft. Eine amerikanische Expedition hat im östlichen China, im Quellgebiet des Gelben Flusses, einen unter dem Namen R o- T u n g bekannten Stamm mongolischer Rasse gefunden, der von Frauen beherrscht wird. Nach den Mitteilungen der amerikanischen Reisenden und Gelehrten verdanken di« Frauen chre Vormachtstellung in erster Linie ihrer überragenden Körperkraft, di« sie sich bis ins hohe Alter bewahren. Die Frauen haben mehrere Männer, und die Kinder fallen dem Manne zu, den die Mutter als Vater angibt. Nur die Frauen haben das Recht, Handel zu treiben. Ausserhalb des Hauses darf der Mann nichts ohne die ausdrückliche Genehmigung der Frauen unternehmen. Im Hause schalten die Frauen von Ro-Tung erst recht mit unumschränkter Machtvollkommenheit. Betrügereien mit Einlagebücheln der Postsparkasse. Von der Postsparkasse in Prag wird mitgeteilt, dass Betrügereien, die infolge der rechtzeitig getroffenen Massnahmen nur einen geringen Umfang erreicht haben, ausserhalb der Postsparkasse begangen wurden. Keiner von den Angestellte» der Postsparkasse ist daran beteiligt. Die Angelegenheit wird noch untersucht. Wintersport und Jugendherbergen. Die zahlreichen sudetendeutschen Jugendherbergen in unseren Randgebirgen erwarten ihre ZLintorgäste. i.. Ist es doch schon Gepflogenheit vieler geworden, ihren.Urlaub in einen Sommer- und Winterurlaub zu teilen. Wer«inen einfachen und billigen Aufenthalt im winterlichen Gebirge sucht, der findet ihn in einer Jugendherberge. Die sudetendeutschen Jugendherbergen stehen allen Mitgliedern deß/ Herbergsverbandes offen, vornehmlich den jugendlichen Sportlern. Die Mitgliedschaft solltx daher rechtzeitig erneuert werden. Die neuen Jahresmarken für 1935 können bereits bei den einzelnen Ortsgruppen und beim Verbände angefordert werden. Auch di« Eisenbahnbegünstigung 1935 für Jugendliche und Erwachsene kann bereits durch Lösen der Eisenbahnkontrollmack erworben werden. Lamettahermann wird veräppelt h. b. Aus Berlin wird uns berichtet: Gegenwärtig tritt in der Berliner Scala mit grossem Erfolge unsere alte Freundin Claire Wal- doff auf, die sich trotz ihrer herrlichen Kodder- schnauze noch immer in Deutschland halten konnte. Und immer noch sind cs die lieben alten Gesänge, in denen sie in ihrer- kessen Art Berliner Volkshumor vorträgt, die das Publikum begeistern. Un mann. Da bei der Claire Waldoffschen Kunst eigentlich alles am Vortrag liegt, war es dem Berliner nicht schwer, dieses Couplet auf Lamettahermann zu beziehen. Das führte dazu, datz dieses Couplet allabendlich in der Berliner Scala stürmisch als Zugabe verlangt wurde. Claire Wal- doff überwandt ihre Bedenken, trug das Gewünschte vor und erntete stürmische Erfolge mit diesem alten Schmarren. Das ermutigte sie dazu, noch ein wenig mehr aus ihrer Reserve herauszugehen und deutlicher zu werden. Sie fügte der bekannten Stelle: „Hermann heest er", eine neue zu: „Durch die Lüste manchmal chaist er. In Preuhen ist er Jeegameester. Hermann heest erl" Die Berliner toben vor Freude. Die harmlose Veräppelung wurde gewertet als das, was sic wirklich war: als eine Aeuhxrung von Mut. Die Angelegenheit wurde in Berlin Tagesgespräch. Auch der Reichspostenjägermeister Goe- ring erfuhr davon. Er wollte der Sache persönlich ein Ende bereiten und fuhr kurz entschlossen eines Abends, mitten im Programm, zur Skala: „Ist die Waldoff schon aufgetrei.u?" „Nein!" „Bitte eine Loge!" Der Kassiererin schwant nichts gutes. Sie gibt nach hinten Bescheid, Goering sei gekommen, wohl vonwegen dem Couplet. Claire Waldoff pub- bert das Herz ein bisschen. Sie beschliesst, den Hermann heute nicht zu singen. Inzwischen bemerkt das Publikum den Lamettahermann. Eine Welle unfassbaren Humors(In Gestaposinne unfassbarl d. Red.) ergiesst sich in Lachaskaden in das Theater. Claire Waldoff erscheint. Stürmischer, ostentativer Applaus. Sie singt. Zu Ehren des„hohen Gastes" sind es alte Soldatenlieder, die sie von sich gibt. Ihre Nummer ist vorbei. Applaus. Sie verschwindet. Applaus. Neue Verbeugung. Applaus. Stürmischer Applaus. Schliesslich fragt sie, ein wenig unsicher:„Ra, Kinder, wat soll ick denn nun noch singen?" Das Publikum tost von der Galerie bis zum Parkett:„Das Lied vom Hermanni Das Lied vom Hermanni" Die gute Claire erschrickt ehrlich und versucht zu bremien. Es glückt ihr nicht. Sie muh ihn singen, den Refrain vom starken Hermann. Hermann Goering aber fitzt in seiner Loge ...„„. und kneift die Lippen aufeinander. So hatte er ter chren Gesängen befmdet sich der vom Her-sich sein Erscheinen hier nicht vorgestellt. Das Li-d ist vorbei. Wohl selten hat ein Berliner Theater einen derartigen Orkan an Beifall vernommen. Ms Goering merkte, dass er eine komische Rolle spielte, applaudierte er mit, um den schlimmsten Eindruck zu verwischen. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Einstellung von Arbeitern bei Notstandsarbeiten Mit Erlass G.-Z. E 3310-21/9 vom 20. Sep- tember 1934 hat das Ministerium für soziale Fürsorge neue Weisungen an alle Bezirksämter für die Einstellung von Arbeitern bei Notstandsarbeiten herausgegeben. Der Erlass bestimmt, datz die öffentlichen Bauherren, welche auf Grund der Bestimmungen des Artikels IV des Gesetzes Nr. 74/1930 den Staatszuschuh für Notstandsarbeiten erhalten, in allererster Linie nur jene Personen beschäftigen dürfen, die von einer Organisation die Arbeitslosenunterstützung mit dem Staatsbeitrag beziehen, oder in der staatlichen ErnährungSaktion stehen. Datz dieser Erlass strikte durchgeführt werden mutz, beweist eine andere Bestimmung? worin es heisst, datz sich alle diese Arbeiter mit einer Bestätigung der zuständigen Arbeitsvermittlung guSweisen müssen, wo diese Tatsachen: Bezug der Arbeitslosenunterstützung mit Staatsbeitrag oder Bezug der Ernährungskarte beglaubigt sind. Auch ein gutgemeintes Gesetz kann sich bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen in sein Gegenteil verkehren. Ganz allgemein betrachtet, könnten Einwendungen auch gegen diesen Erlass nicht erhoben werden, denn er sichert in erster Linie allen Gewerkschaftern, di« im Genuss der Arbeitslosenunterstützung stehen und darüber hinaus, den Beziehern der Ernährungskarte, das Recht auf staatlich unterstützte Arbeit. Aber nun kommt eben die praktische Auswirkung des Erlasses und da mutz leider festgestellt werden, daß er di« soziale« Ungerechtigkeiten steigert und neue Differenzen in den Reihen der gewerkschaftlich organisierten Arbeit« trägt. In den Herbstmonaten beginnt irgendwo eine vom Staate unterstützte Notstandsarbeit. Ein Arbeiter, der ans Grund seiner bitteren Not in de« Sommermonate« seine Unterstützung mit StaatSbeitrag bezogen rmd mm erschöpft, darf bei dieser Arbeit nicht eingestellt werde«, wenn er nicht daS Glück hat, im Bezüge der EmährungSkarte ,« stehen. Die Unterstützung nach dem Genter System mutzte er aber in den Sommermonaten beziehen, da er zu jenen Opfern der Krise gehöck, die auch während des Sommers keine Ar- beit fanden. Auf die Ernährungskarte besteht aber kein Rechtsanspruch. Die Zuecknnung derselben wird von den einzelnen Bezickbehärden günz verschieden gehandhabt,, und nicht siebten find«S ganz arme Teufel, die vom Bezüge ausgeschlossen werden. Dieser Arbeiter, in den Sommermonaten mußte er die Knterstützung auS Not beziehen, die ErnährnnzS- karte erhält er nicht, darf bei dieser Arbeit nicht eingestellt werden. Ein anderer Fall: Ein Arbeiter hatte daS^Glück, über die Sommernwnate durch 13 Wochen Arbeit zu erhalten, eS ist das nicht viel und auch dieser Arbeiter hat mit seiner Familie, da ja noch Schulden zu bezahlen waren, bestimmt gehungert, aber er brauchte im Sommer seine Arbeits- loseuunterstützung nicht zu beheben. Kurz vor Beginn der Notstandsarbeit hat er sich bei seiner Organisation um die Unterstützung gemeldet und dieser Arbeiter hat ein Recht darauf, bei dieser Arbeit eingestellt zu werden und die Arbeitsvermittlung ist auch verpflichtet, di« Zuweisung vorzunehmen. In beiden Fällen handelt«S sich um notleidende Proletarier. Aber wenn keiner Wer nennenswerten Besitzstand(ein Häuschen) verfügt, dann müßt« vom sozialen Standpunkte doch jener in Arbeit eingestellt werden, der anch im Sommer als Arbeitsloser mit seiner Familie hungern mußte. Nicht selten kommt es vor, datz zwei solch« Arbeiter, wie hier geschildert, einer Gewerkschaft angehören. Di« Auswirkungen dieses Erlasses im Organisationsleben(sie machen sich bereits bemerkbar) kann man sich ohne weiteren Andeutung:» vorstellen, denn letzte« Endes wird ! doch der Verband und die Packi für alles verant- lich gemacht. Nehmen wir aber einen dritten Fall: Ein Arbeiter, der nie seine Klassens siichtea kannte, «och niemals seiner Gewerkschaft und dieS auch in bessere« Zeiten, nicht angehöck— steht im Bezug« der ErnihrnngSkack. Anch dieser Arbeiter hat nach dem präzisen Wortlaute deS neuen Erlasses ein Recht darauf, bei der Notstandsarbeit eingestellt zu werden, nnd der Arbeiter, der immer seine Pflichte« erfüllte, bleibt ausgeschlossen. Wenn der Erlaß keine Abänderung erfahre« sollte, vom gewerkschaftlichen Standpunkte mutz er unter den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen direkt alS unhaltbar bezeichnet werden, dann wird nicht nur eine llnwillenSwelle in den Gewerkschaften einsetze«, die gewerkschaftliche Moral mutz bei längerer Dauer auch untergraben werden. Der Erlaß liesse sich mit einem geringfügigen Zusatz abändern und der böse Stachel, den er besitzt, völlig beseitigen. Ein Zusatz in dem Sinn«, dass Such jene Arbeiter, die von der Unterstützung nach dem Genter System ausgesteuert und nicht in der ErnährungSaktion stehen, ein Anrecht auf die Einstellung bei diesen Notstandsarbeiten besitzen, wenn die Voraussetzungen für den neuerlichen Bezug der Unterstützung mit Staatsbeitrag gegeben sind. Eine bestimmte Präzisierung eines derartigen Zusatzes liesse sich immer finden, nur mühte Sinn und Zweck desselben sein, daß die Härte des derzeitigen Erlasses vollständig beseitigt wird.—me— Sette 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 14. Dezember 1934. Nr. 292 Der Bezirksverein.Arbeiterfürsorge" ersucht seine Gesinnungsfreunde und Gönner, Geldspenden für das Winterhilfswerk für Stein- schönau bis zum 15. Dezember einzuzahlen auf das Postsparkafsen-Konto Nr. 95.839 Prag. Wer Kleiderspenden vorbereitet hat, die noch nicht abgeholt wurden, wird gebeten, diese unserem Sekretariat, Prag XII., Slezskä 13, Tel. 539,19, bekanntzugeben. Die Abrechnung der Listen und Lebensmittelblocks ist«och diese Woche vorzunehmen. PBAGgR ZEITUlift Jeden S^.tag Ausflugszug i«S Riesengebirge. Die Staatsbahndirektion in Prag, Referat der Aus- flugszüg« verlautbart, daß sie stets am Samstag Abend(Abreise um 18 Uhr 33 Minuten)«inen Sondermotorzug nach Freiheit a. d. Aupa— Johannisbad zum Preis« von 75 XL veranstaltet. In diesem Preise inbegriffen der Fahrpreis hin und zurück, der Fahrpreis für den Autobus nach Johannisbad und zurück, Nachtlager und Frühstück, sowie Unfallsversicherung, oder Sonntag früh zum Preise von 06 Kc.(Fahrkarten hin und zurück, und Autobus nach Johannisbad und zurück). Anmeldungen nimmt stets spätestens bis zum vorhergehenden Freitag 17 Uhr, das Referat der Ausflugszüge Prag, Bazar neben dem Wilsonbahnhof Telephon Nr. 383.55 entgegen. Jahres- und Halbjahreskarten. Zwecks Vermeidung des Andranges in den letzten Dezembertagen macht die Staatsbahndirektion in Prag darauf aufmerksam, daß die Jahres- und Halbjahreskarten, die ab 1. Jänner 1935 gelten, bereits bei der Ausgabestelle des Masarykbahnhofes in Prag von 8 bis 13 Uhr ausgefolgt werden. Vom 17. Dezember bis 12. Jänner werden die Jahreskarten täglich von 8 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr ausgegeben. Am Heiligen Abend, zum Silvester und am Samstag nur von 8bis 12 Uhr. An Sonn- und Feiertagen wird nicht amtiert. Kunst und wissen Billiges Weihnachtsab»nnement z« Geschenkzwecken. Ausgabe ab 15. Dezember 1934. 18 Vorstellungen rm Neuen Theater und acht Premieren in der Kleinen Bühne, beginnend im Jänner 1935. Ein guter Galeriefitz 210 XL, ein guter Parterresitz 440 XL usw.«sw. Ermäßigung gegenüber den Kassenpreisen bis über die Hälfte! Drei Raten- Zahlungen möglich! Spielplan des Uenen Deutschen Theaters. Freitag halb 8: Der Enkel des Golem. D 2.— Samstag 7: Tannhäuser, CI« Spielpla« der Kleinen Bühne. Heute Freitag 8 Uhr: Schule für Steuerzahler, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8%: Maxund Moritz, Erstaufführung, 8:Schulefür Steuerzahler. Gcriciitssaal Die Geliebte erstochen Eine Eifersuchtstragödie vor den Prager Geschworenen. Prag. Die gegenwärtige Schwurgerichtsperiode steht im Zeichen der M o r d- und Sittlichkeitsverbrechen, die das Hauptkontingent der verhandelten Fälle stellen. Nach einer wahren Serie schwerer Anklagen wegen Notzucht und Blutschande stand am Mittwoch wieder ein Mordfall zur Verhandlung. Angeklagt war der 24jährige Kellner Stanislav K v a p i l des Mordes an seiner Geliebten Anna L u l e Z. Die Verhandlung leitete Vizepräsident C h a r y p a r, als Ankläger fungierte Staatsanwalt Dr. S p i n a r. Der Angeklagte war mit der Anna Lukes vor vier Jahren bekannt geworden. Damals war sie noch ledig und hieß Mare s. Es kam häufig zu Auftritten zwischen dem Paar und einige Zeugen behaupten, Kvapil habe seine Freundin mißhandelt. Im ganzen aber wird ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt. Er soll brav und arbeitsam gewesen sein und außerordentlich verliebt in seine Freundin, die ihrerseits, kein gerade musterhaftes Leben führte, nebenbei verschiedene andere Bekanntschaften und Beziehungen unterhielt rind in allerlei Nachtlokalen wie zuhause war. Als ihre Mutter ihr einmal Vorhaltungen machte, antwortete sie: „Wenn ich nicht ausgehen darf, müßte ich verrückt werden." . Später heiratete sie den Kaufmami Lukes, den sie aber bald wieder verließ, um mit dem Angeklagten zusammenzuleben. Da sie sich auf die Dauer mit ihm nicht vertrug, kehrte sie zu ihrem Manne zurück. aber nur, um ihn alsbald zum zweitenmal zu verlassen. Sie hat im Laufe eines Jahres geheiratet, stch scheide» lasten und ihre« früheren Gatten noch einmal geheiratet. Schließlich verteilte sie ihre Gunst zwischen dem Gatten und dem Freund, wobei sie auch ab und zu noch verschiedene Abenteuer hatte. Kein Wunder also, daß bei der Verliebtheit Und Eifersucht Kvapils die Situation allmählich bedrohlich wurde. Bereits im Juni d. I. kam es zu solchen Gewalttätigkeiten, daß die Lukes gegen den Angeklagten Strafanzeige wegen leichter Körperverletzung und gefährlicher Drohung erstattete. In der Nacht auf den 15. Juli kam es zur Katastrophe. Anna Lukes saß mit ihrem Bekannten Karl Petrläk im Nachtlokal„P e k l o"(„Hölle") in der Waffer- gasse, als der Angeklagte ins Lokal kam. Beim Anblick ' seiner Freundin und deren Kavaliers geriet er in größte Erregung und verursachte einen gewaltigen Exzeß, wobei er Gläser gegen die beiden schleuderte und schließlich mit Gewalt aus dem Lokal entfernt werden mußte. Kvapil lief hierauf nachhause und holte stch en» großes Küchenmeffer. Mit diesem bewaffnet lauerte er in der Erbengaste vor dem Haus, in welchem die Lukes wohnte. Als diese in Begleitung ihres Galans sich endlich näherte, sprang Kvapil auf sie zu und rief sie an. In Ahnung der drohenden Gefahr flüchtete die Lukes und Kvapil verfolgte sie. In der Londhnfkä holte er ste ein und stieß ihr das Mester zuerst in den Kopf, dann in de» linken Arm und endlich in die linke Brustseite. Anna Lukes verblutete in wenige» Minuten. Der Täter warf dann das Mester weg und ließ sich widerstandslos festnehmen.. Bei der Verhaftung äußerte er noch seine Befriedigung über die vollbrachte Tat. Bei der Hauptberhandlung bestritt er die Mordabsicht und erklärte, er habe seine Geliebte nur erschrecken wollen. Er zeigte sich zerknirscht und reumütig und weinte bei seiner Einvernahme. Di« Verhandlung dauerte bis gegen Abend und endete damit, daß die Geschworenen die ersteHaupt- frage auf Mord einstimmig verneinten. Dagegen bejahten sie gleichfalls ein- stimmigdie Eventualfrage auf Totschlag. Der Schwurgerichtshof verurteilte Stanislav Kvapil zu fünf Jahre» schweren und verschärften Kerkers. rb. Der Film Die Siebzehnjährige Als gäbe es keine neuen Filme von Rene Clair, von Benoit-Levy, von Gustav Machaw und von Jacques Feyder(und noch ein gutes Dutzend äfiderev Filme. vk'e wir noch nicht Usnftn haben), stürzen sich unsere Verleiher und Kinodesitzer auf die Abfälle aus Goebbels' Küche— und wundern sich über den Streik des Publikums. Aber wer soll— zum Beispiel— an dieser »Siebzehnjährigen" Gefallen finden, die man einem verschollenen Theaterstück des schon halb vergeffenen Max Dreher entnommen hat, der um die Jahr- hundertwende ein Mitläufer des dramatischen Naturalismus war— und dessen Schaffen schon einmal als Vorlage für eine dumme Parodie auf die „Mädchen in Uniform" benützt wurde(die„Reifende Jugend" hieß). Wer soll sich für dieses adelige Töchterchen interessieren, das vom jungen und vom alten Baron Schletiow gleichzeitig geliebt wird und auf diese Weise zu unbeschreiblich komischen Auseinandersetzungen zwischen Vater, Sohn. Mutter und Großpapa Anlaß gibt und dem Erntefest auf dem Rittergut beinahe einen tragischen Abschluß geben würde, wenn nicht die schleunige Abreise des Mädchens alles wieder in Ordnung brächte? Diese sterbenslangweilige Geschichte wäre nicht einmal durch gute Darstellung zu retten. Wenn aber der Regisseur so plmnp ist, wie dieser Herr Rabenalt und im ganzen Ensemble sich nur«in einziger wirklicher Schauspieler(nämlich Alfred Abel) befindet, dann bleibt nichts als ein« gähnende Leere.— eis—. Spott• Spiel• Körperpflege Die DTI-Leichtathlettk L Z. 1934 14 neue Berbandsbestleistnngen, davon drei bei den Frauen— Die zehn besten Durchschnittsleistungen I. Die Leichtathlefik in der DTJC hat ihren eigentlichen Aufstieg im Jahre 1933 genommen und im heurigen Jahre durch die Prager Arbeiter-Olympiade eine Verstärkung erfahren, di« auch in d«r Erzielung neuer BerbandSbesileistungen bei den Männern wie bei den Frauen Ausdruck fand. In. organisatorischer und technischer Beziehung war die Arbeit bei der Olympiade ein großer Fortschritt und der im nächsten Jahre folgende Schulungskurs der Spartenleiter wird hierin weitere erfolgreiche Tätigkeit gewährleisten. In allen zwölf Kreisen nimmt, das Jntereffe für die Leichtathletik zu. Ein großes Hindernis für eine erfolgreiche Ausbildung und Weiterentwicklung bilden die kleinen, für die Leichtathletik ungeeigneten Sportplätze. Daß aber die tschechischen Arbeitersportler gerade trotz diesem großen Handicap ihre Leistungsfähigkeit stark verbessern konnten, das zeugt von großer Liebe für den Sport und im besonderen für die Arbeitersportbewegung. Daher ist es auch zu begrüßen, daß die leichtathleti- schen Techniker nun darangehen, eine Leistungstabelle zu veröffentlichen, di« in übersichtlicher Form das Vorwärtsstreben in der Leichtathletik veranschaulicht. Unerklärlich ist, daß der Sportler Hally in der Leistungsliste auffcheint, wo dieser doch kurz nach der Olympiade zu den Bürgerlichen ging(Sparta Prag). Bei den Leistungen der zehn Besten find die Ergebnisse der Ersten oft besser als die Bestleistung; sie fanden als solche nur deshalb nicht die Anerkennung, weil die Protokolle darüber nicht dem Technischen Ausschuß zur Genehmigung vorgelegt wurden. Die neuen Bestleistungen 100 Meter: Hally(Prag) 10.8 Sek. 800 Meter: Kraft(Pilsen) 2:05.5 Mia. 1500 Meter: Kolin(Prag) 4:20 Min. 10.000 Meter: Hrdlicka(Brünn) 35:02.4 Min. 4X100 Meter: DTJ Brünn V 46.4 Sek. Schwedenstafette: DTJ Brünn V 2:12.4 Min. Hochsprung: SmrLka(Prag) 1.76 Meter, Weitsprung: Goth(Prag) 6.64 Meter. Dreisprung: Goth(Prag) 13.38 Meter. Kugel: Schöps(Prag) 12.38 Meter. Diskus: Jgnacek(Brünn) 38.52 Meter. Frauen: Olympische Staffel: DTJ Brünn V 58.8 Sek. Kugel: Kucerovä(Prag) 9.93 Meter. Diskus: PaLikovskä(Preßburg) 28.92 Meter. Die Leistungen der zehn besten Sportler (Der Ort des Wettkämpfers bedeutet den Sitz des Kreises, welchem er angehört.) Kurz- und Mittelstrecken 10V Meter: 1. Hally(Prag) 10.8, 2. Kral« (Proßnitz) 11, 8.-6. Mirek(Proßnitz), Poupa (Königgrätz), Saulich(Proßnitz) 11.1, 6. Kugler (Brünn) 11.3, 7.—8. Brzicky und Sandtner(Prag) 11.4, 9.—12. Bubak(Preßburg), Pokorny und Sindler(Pilsen), Zanaska(Brünn) 11.5 Sek. Durchschnitt: 11.22, 1933: 11.39 Sek. Bestleisiung: Hally(Prag) 10.8 Sek., erzielt im Jahre 1934. 200 Meter: 1. Mirek(Proßnitz) 22.9, 2. Kra- lik(Proßnitz) 23.2, 3. Hally(Prag) 23.8, 4. Kugler(Brünn) 23.9, 5. Saulich(Proßnitz) 24.1, 6. Sandtner(Prag) 24.2, 7.—8. Holubec und Pokorny(Pilsen) 24.3, 9. Rozboril(Brünn) 24.4, 10. Brzicky(Prag) 24.6 Sek. Durch sch nit.t: 23.97, 1933: 24.51 Sek. Bestleistung: Brzicky(Prag) 23.3 Sek., erzielt 1930. 400 Meter: 1. Kralik(Proßnitz) 52.8, 2. Sekot (Proßnitz) 53, 3. Saulich(Proßnitz) 53.4, 4. Kvas- niLka(Proßnitz) 54.1, 5. Zanaska(Brünn) 54.2, 6. Cerny(Prag) 54.6, 7. Kugler(Brünn) 55.2, 8..Holubec(Pilsen) 55.3, 9.—10. Krajikek(Pilsen), und Rozbokil(Brünn) 55.8 SÄ. Durchschnitt: 54.42, 1933: 54.94 SÄ. Bestleisiung: Skala(Pardubitz) 51.6 SÄ., erzielt 1931. 800 Meter: 1. Sekot(Proßnitz) 2:08, 2. Sau-, lich(Proßnitz) 2:03.8, 3. Kvasnikka(Proßnitz) 2:04, 4. Kraft(Pilsen) 2:05.5, 5..Karafiat(Prag) 2:05.9, 6. Kralik(Proßnitz) 2:06.8, 7. Purchart (Brüx) 2:07, 8. Dolezel(Proßnitz) 2:09, 9. Flegr (Brüx) 2:09.2, 10. Kolin(Prag) 2:09.5 Min. Durchschnitt: 2:06.3, 1933: 2:10.7 Min« Bestleisiung: Kraft(Pilsen) 2:05.5 Min., erzielt 1934. 1500 Meter: 1. Kolin(Prag) 4.20, 2. Kraft (Pilsen) 4:23.2, 8. Gallo(Preßburg) 4:26.4, 4. Dolezel(Proßnitz) 4:29, 5. Huüka(Proßnitz) 4:29.1, 6. Saulich(Proßnitz) 4:30.9, 7. Lanik (Brünn) 4:31.4, 8. Smutny(Brünn) 4:32, 9. Bo- senile!(Pardubitz) 4:33,10.