Dienstag, 18. Dezember 1934 14. Jahrgang Nr. 295 Einzelpreis 70 Retter (einschlieSlich 5 Haller Fette* ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii» fochova a. Telefon 53077. Administration tbson sjom, HERAUSGEBER; SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Krupp durch Schacht gestürzt Berlin. Der Führer des Reichsstandes der Industrie, Krupp von Bohlen, hat demissioniert. Sein Stellvertreter wird der Vertrauensmann Schachts, Ewald Hecker, der bisher Leiter der Rcichswirtschaftskammer war. Der Rücktritt Krupps wurde schon im Zuge der großen Reini- gungsaktion erwartet, die Hitler im Auftrage seiner Einpeitscher dnrchführte und deren erste Opfer Brückner, Furtwängler und andere waren. Krupp scheint sich bis zum äußersten gegen da» Angriff feines Widrrpartners in Finanzfragen, des Reichsbankpräsidenten Schacht, verteidigt zu haben, ist aber dem System schließlich unterlegen. Seine Demission hat in der Welt große Aufmerksamkeit hervorgerufen, weil nunmehr Schacht unumschränkter Beherrscher der Wirtschaft im Deutschen Reich geworden ist. Terroristenprozeß im März in Aix-en-Provence Paris. Der Prozeß gegen die drei wegen des Verdachtes der Teilnahme an der Ermordung des Königs Alexander verhafteten Terroristen Maliiy, Benes und Rovak wird im Monate März vor den Geschworenen in der südfranzösischen Stadt Aix- en-Provence stattfinden. Nach dem bisherigen Stand der Untersuchung zu schließen, dürfte der Prozeß mindestens zwei Wochen dauern. Es gart In Snanienl Die Arbeiter wehren sich gegen den schwanen Terror Paris. Private Agenturen melden aus Madrid, daß sich in Spanien Anzeichen einer neuen G ä r u n g bemerkbar machen. Die extremen Elemente des Allgewerkschaftlichen Arbeitsverbandes sollen bemüht sein, einen neuen Generalstreik hervorzurufen. Der Mittelpunkt dieser Propaganda ist Saragossa. Auch in Katalonien wurden Versuche zur Entfesselung des Streikes gemacht. 20 Führer der Gewerkschaftsbewegung Kataloniens wurden in einer geheimen Sitzung verhaftet. Im asturischen Kohlenbecken wurden am Samstag die Gruben geöffnet, doch stellten sich die Arbeiter nur in sehr geringer Zahl zur Arbeit ein. Der Großteil von ihnen weigert sich, den von der Regierung festgesetzten Bedingungen zu unterwerfen, d. h. der amtlich bestätigten Legitimation und gezwungenen Fingerabdrücken. Außerdem mehren sich in Spanien terroristische Handlungen, so daß die Regierung Schnellgerichte eingesetzt hat. 48 aufrechte Danziger Pastoren Danzig. 48 protestantische Pastoren von einer Gesamtzahl von 60 auf dem Gebiete der Freien Stadt Danzig haben eine Resolution angenommen, in der sie erklären, daß sie sämtliche Beziehungen zur nationalsozialistischen Organisätion der deutschen Christen abbrechen. Die Pastoren erklären, daß sie der konfessionalen Organisation der protestantischen Kirche treu bleiben. „Wahlen" in einem Ständestaat Lissabon.(Tsch. P.-B.) Bei den Wahlen zur Nationalversammlung konnte die Regierung 80 von Hundert der abgegebenen Stimmen für sich buchen. Die 90 Kandidaten für die Nationalversammlung standen auf einer Einheitsliste. Die Namen der Kandidaten konnten von den Wählern einzeln gestrichen, aber nicht ergänzt werden. Vor der Wahl mußten die Kandidaten eine Versicherung abgeben, daß sie auf den Grundprinzipien des„neuen Staates" stehen. politisches Attentat in Linz Linz.(Tsch. P. B.) Das Heimwehrmtt- glied Fritz Payer-Leitner wurde gestern in der Ottenheimerstraße in Linz von dem Hafenarbeiter Wilhelm Schaffner überfallen,, der Payer- Leitner mit einigen Schüssen zu Boden streckte. Der Heimwehrmann wurde ernstlich verletzt und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Schaffner wurde verhaftet und gestand, daß er die Tat aus politischen Beweggründen verübt hat.'■’ Die SS entwaffnet! Voller Sieg der Reichswehr Berlin.(E. B.) General von Fritsch als Ehef der Oterste« Heeresleitung drängt den kränklichen Reichswehrminister von Blomberg mehr«nd mehr zur Seite. Innenpolitisch und außrnpolltisch setzen sich die konservativen Ziele durch, die General von Fritsch seit einer Reihe von Monaten verfochten hat. Die SA ist seit dem 30. Juni erledigt, fteilich durch Methoden, die dem General von Fritsch nicht gefallen und ihm einige nahe politische Freunde gekostet haben. Run wird die SA entmachtet. Die Entwaffnungsaktion gegen die schwarze Garde schreitet fort. Das SS-Heer mutz alle Gewehre«nd Maschinengewehre abliefern und darf nur Revolver und Ehrendolche behalten. Nur die Leibstandarte Adolf Hit» lers, die von aus dem ganzen Reiche ausgesuchten Gardisten besteht, behält ihre militärische Bewaffnung. Die Entwaffnung der SS hat nicht nur innen-, sondern auch außenpolitische Gründe. Man will so zunächst Frankreich und dann dem Bölkerbund beweisen, daß es eine bewaffnete Miliz nicht gibt«nd weder SA noch SS militärischen Charakter tragen. Vie Lehrerschaft gegen den Fasdsmus Samstag, den 15. Dezember, fand in Aussig eine erweiterte Hauptleitungssitzung der Reichs- vereinigung deutscher si-ziqldc|NLlräsijchF.T S&tor statt. Die Tagung war von Vertretern aus allen Gebieten der Republik beschickt. Dr. Robert Wiener sprach über die schifl- polttische Lage, die Abgeordneten Grünzner und Kirpal über den Stand der Gehaltsfrage, Bürgetschuldirektor Fritsch über die Aufgaben jf r Aussprache an der sich fast alle Delegierten beteiligten, wurden di« meisten die Lehrerschaft berührenden Fragen besprochen. U. a. wurde auch folgender Aufruf beschlossen: An die sudctcndcutsdie Lehrerschaft! Die Freiheit des Lehrers«nd der Schule war- den in langen, schweren Kämpfen errungen. In den fafeistischen Ländern wurde sie in wenigen Stunde» vernichtet. In Deutschland z. B. entfernte man alle Lehrer aus dem Schuldienste, die nicht sofort gewillt waren, nationalsozialistisch za denken. Der österreichische Kleriko-FasciSmus ist um nichts Vesser, er vernichtete ebenso gründlich dir Freiheit der Lehrerschaft wie der reichsdeutsche Nationalsozialismus. Der stärkste Schlag wurde gegen die KoalittonSfteiheit geführt. Di« ehemaligen stolzen Lehrerorganisationen Deutschlands und Oesterreichs wurden gewaltsam zertrümmert«nd an ihrer Stelle Scheinorganisattonen geschaffen, in denen jedes freie Wort unmöglich ist. Die Lehrerschaft Vieser Länder blickt mit Wehmut auf die O r g a- uisationSfreihei t in der Tschechoslowakei und beschwört«ns eindringlich, an den letzten Resten der Freiheit, deren sich deutsche Lehrer noch erfreuen können, festzuhalten und sie mit allen Mitteln gegen den Ansturm der Reaktion gtt verteidigen. Auch bei«nS zeigen sich die ersten Anfänge ähnlicher Bestrebungen. Der FasciSmus kann auch bei«ns bereits Erfolge Nachweisen, er verwirrt nicht«ur vereinzelte tschechische Köpfe, sondern »«begreiflicher Weise a«ch ziemlich starke Schichten der s»detendr«tschen Intelligenz. Wenn bei»ns der FasciSmus weiter erstartt»nd schließlich zur Herrschaft kommt, bedeutet das für das Sudetendeutschtum im allgemeinen«nd seine Lehrer im besonderen das Ende der organisawrische««nd nationalen Freiheit. In allen fafeistischen Ländern erfolgte der erste groß« Angriff auf die Schule. A«S der Erkenntnis dieser gefährlichen Tatsachen ergitt sich für»nS die lebensnotwendige Frage: WaS ist zu tun, um diese vernichtenden Gefahren abzuwenden? Das Wichtigste ist, daß alle Lehrer, die für die schwer errungenen Freiheiten einzutreten bereit sind, sich ohne Rücksicht auf politische Anschauungen verständigen»nd in gemeinsamer Front gegen FasciSmus in jeder Form, ob getarnt»der nicht, kämpfe«. Dieser Kampf kann nur mit Ausficht aus Er- folg geführt werden, wen« sich deutsche und tschechische Lehrer aufrichtig zu gemeinsamem Borgehen finde». Die Bölkerver- ständig una ist m der Tschechoflowakei die Voraussetzung für den Sieg übe- den FasciSmuS. Wie der FascismuS den Untergang deS D«detenbe«tfchtmnS bedeutet, f» ist die BSlkerverfShnung der einzige Weg zur Erhaltung und Sicherung der sudetrndeut- schen Schule. Die Lehrerschaft, welche fich zu dieser Einficht bekennt, dient in höchster«nd verantwortungsvollster Weise dem Sudrtendeutschttmr. * Ein Schritt auf dem Wege von der Theorie zur Praxis wird die in der Osterwoche nächsten Jahres stattsindende Pädagogische Woche in Teplitz- Schönau sein, die der»Schule und Völkerversöhnung" dienen soll Kein Geringerer als Außenminister Dr. Eduard Benes wird über„Die kulturellen Aufgaben der Deutschen und Tschechen" sprechen. Weiter wird Minister Dr. Ludwig C z e ch über die Frage sprechen:.Wie kann der, sudetendeutsch« Lehrer für die Volksverftändigung wirken?" Diese Veranstaltung zu einer großen Kundgebung für Freiheit und Frieden, für die deutsche Schule und ihre Lehrer, gegen Krich und Fascismus zu machen, ist Pflicht aller sudetendeutscheu Lehrer. * Das genaue Programm der in der Zeit vom 14. bis 19. April in Teplitz stattfindenden„Pädagogischen Woche" lautet: 1. Die kulturellen Aufgaben der Deutschen und Tschechen. Redner: Außenminister Dr. Ed- vald Benes, Prag. 2. Wie kann der sudetendeutsche Lehrer für die Völkerverständigung wirken? Redner: Minister für öffentlichen Arbeiten Dr. Ludwig Ezech. Prag. 3. Wie soll die Demokratte nationale Konflikte lösen?. Redner: Univ-Prof. Dr. Emanuel Rädl, Prag. 4. Wie betreibe ich in Geschichte und Muttersprache Böllerversöhnung? Redner: Prof. Dr. Kleinberg, Karlsbad. 5. Der Gedanke der Völkerversöhnung in den neuen Lehrplänen für Volls-, Bürger- und Mittelschulen. Redner: Doz. Dr. B. Pkihoda, Prag. 6. Wie wirke ich für die Völkerversöhnung in der Bollsschule? . Die Teilnehmergebühr für die ganze Veranstaltung betragt 30 Ke. Der Besuch eines Einzelvor- ttages kostet 8 Auswärtige Teilnehmer erhalten billige und gute Unterkunft mit sehr guter Verpflegung zum Preise von 200 Xö für die ganze Dauer der.Pädagogischen Woche". Junglehrer bis zu zehn Dienstjahren zahlen 150 KJ. AnmeKungen und Auskünfte bei: Professor Dr. Ludwig Kohler, Teplitz-Schönau, Duzer Str. 16. I Rochdale Zur Erinnerung an die 28 redlichen Pioniere Am 21. Dezember jährt sich zum neunzigsten Male der Tag, in dessen Wendstunden 28 schlichte Arbeiter die Rolläden eines für unsere hcuttgen Begriffe lächerlich armselig ausgestatteten Ladengewölbes hochzogen. Es war die Geburtsstund» jenes ersten Konsumvereines, der bald zum Muster aller Konsumvereine von nah und fern werden sollte. Daß die»28 redlichen Pioniere von Rochdale" in jener Zeit eines unerhörtesten Elendes, wie es der englische Frühkapitalismus massenhaft schuf, nicht den Kopf hängen ließen und an die eigene Kraft glaubten, toar ihre politisch bedeutungsvolle Tat.. Grund genug für uns als sozialdemokratische Arbeitet, ihrer in diesen Tagen zu gedenken. ♦ Besonders in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nahm die Ausbeutung des englischen Proletariats und ganz besonders des Textilproletariats die krassesten Formen und die größten Ausmaße an. Ein von brutaler und doch trockener, sächlicher Wirllichkeit gesättigtes Bild der damaligen Zustände entwirft Friedrich Eng e l s in seinem 1846 erschienenen Buche»Die Lage der ar» bettenden Klasse in England". Erschütternd muß auf jeden die Leftüre dieses Buches wirken. Ein überaus wirklichkettsnahes Bild vom Lebe» des Arbeiters in der Zeit des englischen Frühürpttalis- mus ersteht vor unserem geistigen Auge. Der Fabrikant, dem das Tempo der Zunahme seine« Reichtums zu langsam ging, war rücksichtslos in der Ausnützung der Arbeitskraft seiner Arbeiter. Von irgendeiner Arbeiterschutzgesetzgebung keine Spur. Der Mann, die Frau und das Kind, sie waren Freiwild für die Profitgier des industriellen Raubritters der Periode des englischen Frühkapitalismus. Nach dem Fabrikanten stand der Wohnungswucherer bereit, ost auch nur für einen sttnkigen Winkel auf blanker Erde den unverschämtesten Mietzins abzuverlangen und wehe, er wurde nicht rechtzeitig bezahlt. Der Drttte im Bunde aber war der Lebensmittelhändler. Das Borgunwesen war in der damaligen Zeit eine stark verbreitete und aus der sozialen Lage der Arbeiterschaft zu erklärende Unsitte. Die große Mehrzahl der Arbeiterfamilien hatte zumindest bei einem, wenn nicht bei mehreren Krämern Schulden. Sie waren so einer schrankenlosen Willkür der Lebensmittelhändler ausgeliefert. Die Preise der Lebensmittel richteten sich nach der Höhe und der Dauer des Kredites, den der Arbeiter in Anspruch nahm. Doch damit begnügte sich der biedere Kaufmann nicht. Er verfälschte dem Arbeiter noch die Lebensmittel. Schließlich errichtete der Fabrikant noch einen sogenannten Werksladen(heute sind es Werkskonsumvereine) und lieferte dem Arbeiter genau so verfälschte Lebensmittel wie der Krämer. So behielt er am Ende der Woche gleich den größeren Teil des Lohnes seines Arbeiters zurück: Dreifach beutete der Fabrikant seine Arbeiter aus. Er bezahlte ihnen Schundlöhne für eine 16stündige Arbeitszeit, er nahm ein zweitesmal Profit, in dem er bei den Lebensmitteln verdiente, die seine Arbeiter in seinem Werksladen beziehen mußten und er bereicherte sich ein drittesmal, indem er ihnen diese Lebensmittel verfälschte." In dieser Zest traten 28 Arbeiter in dem südenglischen Städtchen Rochdale auf den Plan. In der Mehrzahl Textilarbeiter und einige wenige Angehörige anderer Berufe. Sie diskutierten viel, sie überlegten gut und sammelten inzwischen Pence um Pence, bis sie endlich ein Jahr später das bescheidene Anfangskapital von 28.Pfund beisammen hatten und am 21. Dezember 1844 ihren Konsumvereinsladen eröffneten. Von den 28 Pfund bezahlten sie Miete und die notwendigsten Einrichtungsgegenstände, wonach ihnen noch etwa »14 oder 15 Pfund" für den Einkauf der Waren verblieben.»Mehl, Butter, Zucker und Hafergrütze" in geringen Mengen, das war ihr»Warenlager", das sie feilboten. Diese Armseligkeit mtt der die braven 28 die Durchführung ihrer kühnen Pläne begannen, ernüchterte sie an jenem trüben Dezemberabende sehr und keiner der 28 wollte zunächst den Laden aufsperren. Holyoak, der Geschichtsschreiber der redlichen Pioniere, erzählt darüber:„Schließlich riß.ein kühner Geselle, dem dir Folgen ganz egal waren, die Läden auf und Seite 2 Dienstag, 18. Dezember 1934 Nr. 29ü Wenige Minute« später schüttelte sich die Krötengasse vor Lachen." In der Tat mutzten die Pioniere viel Spott und Hohn über sich ergehen lassen. Ihren Konsumverein liessen sie unter dem Namen »Genossenschaft der redlichen Pioniere von Rochdale" in das Gerichtsregister eintragen. Das geschichtliche Verdienst der redlichen Pioniere ist es nicht, dass sie etwa den ersten Konsumverein überhaupt errichteten, denn selbst in Rochdale war es nicht einmal der erste, da auch dort schon vorher ein Konsumverein, wie im damaligen England so viele andere, bestand und— zugrunde gegangen war. Die»Genossenschaft der redlichen Pioniere" war aber Wohl der erste Konsumverein, der nicht wieder nach kurzer Zeit zusammenbrach, sondern im Gegenteil, dessen Erfolge in verhältnismässig kurzer Zest in ganz England und darüber hinaus auf dem europäischen Kontinent von sich reden machte. Die Grundsätze und Prinzipien, dir das Fundament der redlichen Pioniere ausmachten, find heute noch in ihren wesentlichen Teilen die Grundprinzipien der Arbeit der grossen internationalen Genossenschaftsbewegung, die heute an die 89 Mil-. Nonen Mitglieder in aller Welt umfasst. Prag. Sonntag vormittags fand auf der Slawischen Insel in Prag eine gesamtstaatliche Kundgebung der in der Jnteressenzentrale der Genossenschaftöverbände vereinigten Konsumgenossenschaften statt, die eine außerordentlich starke Beteiligung aufwies. 668 Genossenschaften waren durch fast 1100 Delegierte vertteten. Unsere Partei hatte den Genossen T a« v, die tschechische Sozialdemokratie die Genossin K a r- p i s k o v ä und die tschechischen Nationalsozialisten den Senator P ä« ek delegiert; auch die zuständigen Ministerien waren vertteten. Aus den einleitenden Begrüßungsworten der Genossen Lustig(tschechisch) und K r e j s k h (deutsch) ging der Zweck der Tagung hervor; den Feinden der GenossenschaftSbewegung, die in der letzte« Zeit ans dem Hinterhalt heraus ungewöhnlich rührig find, entschlossen die Stirne zu bieten und den Wünschen der 3.6 Millionen organisierte« Berbrancher und deren Familienmitglieder auch an gewissen Regierungsstellen— so vor allem im HandelSmini sie r i« m •— den entsprechenden Nachdruck zu verleihen. Die breite Oeffentlichkeit und die Staatsverwaltung müssen sich dessen bewußt werden, daß jede Verschlechterung der Position der Genossenschaften ans die Preisbildung der wichtigsten Nahrungsmittel«nd Bedarfsgegenstände eine sehr ungünstige Rückwirkung zeittgen müßte, da die Genossenschaften der wichttgste Preisregnlator sind. Alle Versuche, die Genossenschaften etwa noch höher zu besteuern, müßten sich also zu Ungunsten der gesamtem Volkswirtschaft auswirken. Der unfaire Kampf der Kaufmannschaft gegen die Konsumgenossenschaften wurde vom Direktor Vesely von der Velkonäkupni ausführlich geschildert. Bon den politischen Patteien sind es die National- Die 28 Arbesterpioniere von 1844 waren aber nicht nur sehr nüchtern rechnende Menschen in bezug auf ihre geschäftlichen Grundsätze, sie waren zugleich erfüllt von einem ernsten, hohen Idealismus, der ihnen die Energie und den Schwung sicherte, den sie zur Ueberwindung so mancher Schwierigkeiten brauchten. Ms sozialdemokratische Arbeiter erfüllen wir darum nur eine selbstverständliche Pflicht, wenn wir in diesen Tagen der 28 Genossenschaft-Pioniere gedenken, denn es muh gerechter Weise als ihr Verdienst anerkannt werden, dass sie den damals noch recht steinigen Boden für die Ausbreitung sozialistischen Gedankengutes mft Erfolg bearbeiteten. Unsere Zeit erfordert es, dass wir uns enger und dichter um die Fahnen unserer Partei scharen und in unverbrüchlicher Treue zu unserer Sache stehen. Die 28 Pioniere verstanden diese Kunst meisterlich. Gedenken wir ihrer und nehmen wir uns an ihnen ein Beispiel für unsere Gegenwartsarbeit. L. K. demokraten und die Gewerbeparteiler, die diesen Kampf nach jeder Richtung hin schüren«nd unterstützen. Die Hauptargumente des gegnerischen Lagers gegen die Konsumvereine wurden vom Referenten eines nach dem andern objeftiv analysiert und als völlig haltlos erwiesen. Was die„Bedrohung und Vernichtung der Existenz des Gewerbes und des Handels durch die Konsumgenossenschaften" betrifft, so lehrt die Statistik für 1930, dass in der Tschechoslowakei die Zahl der selbständigen Lebensmittelund Gemischtwarenhandlungen 64.000 bettug, denen nur 5000 konsumgenossenschaftliche Betteilungsstellen gegenüberstanden. Don einer Bedrohung kann also ernsthaft nicht die Rede sein. In letzter Zeit mehren sich die Fäll^ dass die Organisationen der Kaufmannschaft absichtlich Scheineinkäufe bei Konsumgenossenschaften durch bezahlte Provokateure tätigen, um dann im Falle des Gelingens die Genossenschaft sofott bei den Behörden wegen„Verkaufes an Nichtmitglieder" zu denunzieren und die Bestrafung der Funktio- näre, sowie die Aberkennung der Steuerbegünstigung zu erreichen. Redner warnt vor solchen Provokationen, da die Genossenschaften sonst zu wirksamen Abwehrmassnahmen schreite« mühten. Die^ängebnchÄ Frächtb^unstrFungen bestehen' nur für die Eisenbahnerkonsume in Form eines 50pro- zentigen Nachlasses und find schon in die Bezüge des Personals mehr als einkalkuliett. Was die S t e u e r- begünstigungen bettifst, so ist die andersartige Besteuerungsmethode der Genossenschaften mehr steuertechnischer Natur. Die Steuerleistunge« der Genossenschaften sind im Verhältnis zum Pttvathandel sogar größer«nd di« Genossenschaften müssen verschiedene anderr Steuern und Gebühre» entrichten, die der Pttvathandel überhaupt nicht z« entttchten braucht. Dabei kommen die Genossenschaften ihren Steuerpflichten voll und ganz nach, während die Milliarden an Steuerrückständen von den Privatunternehmern und dem Privathandel herrühren. * Referent Senator Pantt befasste sich mit der Steuerbegünstigung der Genossenschaften und dem Vorgehen der staatlichen Finanzverwaltung. Er er- innette daran, dass die Genossenschaften schon im alten Oesterreich als gemeinnützige Unternehmungen gesetzlichen Anspruch auf Steuerbegünstigungen hatten. Nach ungarischem Recht waren sie überhaupt erwerbssteuerfrei. Selbst-der Bürgerblock hat bei der Steuerreform im Jahre'1927 nicht gewagt, diese Begünstigung ganz aufzuheben, sondern begnügte sich mit einer allerdings wesentlichen Einschränkung. Die Genossenschaften, die auf dem Prinzip der Selbsthilfe beruhen und ihre Tätigkeit statutengemäss und tatsächlich auf ihre Mitglieder beschränken, zahlen an Erwerbssteuer(auch wenn sie einen Verlust aufweisen l) zwei Promille des eingezahlten Grundkapitals. Dazu tteten aber noch Rentabilitätszuschläge. Aber nur eine Minderheit der Genossenschaften erfreut sich dieser Begünstigung, da de» B«nrff«ngS- behördm jeder Borwand gut genug ist, um den Konsumgenossenschaften auf Grund einer»«logische« willkürlichen Auslegung der Statuten»der auf Grund von Anzeige« irgend eine Tätigkeit mit Nichtmit- gliedem nachzuweise««nd ihn deshalb von der Begünstigung auszuschlirßen. Die betteffenden Vereine werden dann nach dem Reingewinn besteuett und sind dann gegenüber dem Privathandel sehr stark im Nachteil, wie der Referent an Beispielen ziffern-I mässig nachweist. Redner protestiett dagegen, dass die' Steuerbchörden oft blosse anonyme Anzeigen, es sei an Nichtmitglieder verkauft worden, zu einem Vorgehen gegen die Genossenschaften benützen und dabei nicht einmal untersuchen, ob diese Statu- tenüberschreitung wissentlich und wiederholt vorgekommen ist! Die Genossenschaften find es, die in dieser schweren Zeit eine Erhöhung der Preise verhindern und so die Regierung in der Erfüllung ihres Programmes unterstützen. Sie werden es deshalb nicht zulaffen, dass ihre öffentlich- gemeinnützige Tätigkeft durch«in unverantwortliches Treiben«nterwühlt werde. Gegen das geplante Gesetz Mer die Filialen erstattete Genosse Dittl ein deuffches Referat. Die Gegner der Genossenschaften verlangen seil langem Ausnahmsgesetze und Erschwerungen. Siner! ihrer neuesten Schlager ist her Ruf nach dem R u J merus clausus und nach der Belegung dost Filialen mit Separatsteuern. Neuerdfngs muh auch der Vorwand, für die Sanierung der Selbstverwaltung neue Einnahmequellen zu verschaffen, als Vorwand herhalten. Ziffernmässig weist der Referent nach, dass von einer wirklichen Bedrohung des pttvateni Handels drtrch die Konsumvereine n i ch t die Rede sein kann. In Amettka z. B. ist der Filialbe- ttteb einzelner Firmen riesenhaft auSgedaut, aber niemandem fällt es ein, diesen Gesellschaften das Absahgebitt einzuengen. In der letzten Zett gehen planmässige Angttffe seitens der Handelsgremien dahin, die Konsumver- einsfilialen einer Sonderbesteuerung in Form einer Gemeindeabgabe zu unterwerfen. Das gehört sicher nicht zum Aufgabenkreis dieser Körperschaften. Nach anderen Meldungen soll das Handels- ministettum daran gehen, die Zahl der VerkaufS- stellen empfindlich«inzuschrärrken. . Es ist bezeichnend, dass zur Begutachtung dieses Gesetzentwurfes zwar die Handelskmnmern und Gremien, nicht aber die Konsumgenossenschaften eingeladen wurden! Jede Besteuerung der Fisialen»nd überhaupt jede weitere Belastung der Genossenschaften wäre aber für sie untragbar. Der Weg z«r wirtschaftlichen Selbsthilfe ist ein unantastbares Menschenrecht, welches heute von a l le« Berufsgruppe» praktisch angewendet wird. Gestützt auf dieses natürliche Recht, verwahren wir«ns gegen jeden Ein- gttff, er möge kommen von welcher Seite immer! * Die Tagung verfolgte die Referate mit großem Interesse«nd«nterbrach sie wiederholt durch spontane Zustimmnng. Die vor- Erklärung Zu dem in unserer Zeitschttft vom 24. Oktober 1934 unter der Ueberschrift„Hetze gegen Emigranten" veröffentlichtem Artikel erklären wir, dass wir den dott enthaltenen, auf Herrn Rudolf Zeidler, Schriftsteller in Dresden bezüglichen Ausdruck„versoffener Krakeeler" mit dem Ausdrucke des Bedauerns widerrufen. Die Redaftion. geschlagenen Resolutionen, von denen die eine an das Innen- und daS Handelsministerium, di« andere an das Finanzministerium gettchtet ist, wurde« unter lautem Beifall einstimmig angenommen. Die erste Resolutton protestiett u. a. gegen die Praxis der Gremien,„Verkäufe an Nichtmitglieder" durch gedungene Leute absichtlich zu provozieren, und stellt fest, dass die Konsumenten es nicht verstehen, dass die Behörden dieses Treiben der Provokateure dulden und den darauf bafietten Anzeigen ohne weiteres Gehör schenken. In dieser Richtung wird energische Abhilfe gefordett. Da sich die Handelskammern in diesem Kampf immer gegen die Konsumgenossenschaften stellen, so wird verlangt, dass btt der Reform des Gesetzes über die Handelskammern die Genossenschaften aus deren Wirkungsbereich herausgenommen werden. In der Resolutton an das Finanzministerium wird die Zurückziehung des Erlasses über die streng« Beuttttlung der Steuerbegünstigung für Genossenschaften und dessen Ersetzung durch neue Weisungen verlangt, dass Anzeigen von Agent-Provokateurs in Hinkunft nicht beachttt werden sollen. Ferner wirb das Finanzministettum ersucht, genaue Statistiken über die Steuettttstnng der Konsumgenossenschaften und des Privathandels «nd über die Ste«errückstände z« veröffentliche«, damit«npatteiisch beurteilt werden könne, ob die Konsumgenossenschaften gegenüber den Kaufleuten mehr oder weniger Steuern zahlen. eine velesstion del Malypetr Beide Resolutionen wurden überdies zn- glttch mit einer Denkschrift von einer Abordnung über Beschluß der Tagung am Montag dem Ministerpräsidenten zur Kenntnis gebracht. Wie amtlich gemeldet wird, versprach der Ministerpräsident die Prüfung der Beschwerden der Genossenschaften durch die zuständigen Behörden«nd objektive Beuttttlung derselben,«m das Mißverhältnis zwischen dem Pttvathandel und den Kok- lekttvunternehmungen einer Regelung zuzufügen. Senatsansschüffe. Am Montag tagten im Senat mehrere Ausschüsse, um die letzten Vorlage» für die Vorweihnachtssession vorzubereiten. Die drei W e'PflD trtX a'tft'ft«nrtWlt W Mstvesenlstft des Ministers B r a d a ä, der auch in die Debatte eingriff, unverändert genehmigt. Zn der Bestimmung, wornach der Dienstplatz gewahrt bleibt, wenn der betreffende Angestellte binnen 15 Tagen nach Entlassung vom Militär anttitt, wurde eine Resolution angenommen, dass die Regierung für den Fall Vorsorge treffen soll, dass der Angestellte in der Zwischenzeit erkrankt, bezw. krank vom Militär entlassen wird.— Das Parteienäuf- lösungsgesetz wurde in der Fassung des Abgeordnetenhauses vom Verfassungsausschuß gleichfalls genehmigt. Ferner wurde die Regierungsvorlage über das Veäot von Zugaben beim Warenverkauf mft einigen vom Subkomitee vorgeschlagenen ge- ttngen AenderUngen angenommen. Protestkundgebung der Genossenschaften Gegen die Angriffe seitens des Privathandels Gegen die Schikanierung durch die Steuerbehörden Gegen jede weitere Besteuerung Copyright*by Pressedienst I. Prager-Verl ar, Wien Herr Bonnetter fasste ihre Handgelenke und rang lachend mit ihrem Zorn. Sie hasste die Berührung seiner Hände. Sie erzählte ihm von ihrer Begabung und er— er küsste ihre Gelenke.„Ich möchte Sie umbringen, Papa Bonnetter l" Sie glitt auf dem Eisbärfelle, auf dem sie gerade stand, aus und schlug hatt zu Boden. „Mein Gott, armes Kind!" Baby blieb liegen und biss die Zähne zusammen; Herr Bonnetier erfuhr dadurch nicht, wer wirklich„Vagabond" war, hingegen begttff er, dass ein Schlag auf den Ellbogen sehr Weh tun könne. Er kniete neben ihr nieder und streichelte sie. Sie stteh ihn von sich— es geschah aber nicht sehr überzeugend, denn es war interessant zuzusehen, wie sich Atem und Gesicht dieses Mannes veränderten. Aber Herr Bonnetier war rascher als ihre Neugier. Plötzlich küsste er sie., Sie wollte aufspringen. Aber sie wäre die erste Frau gewesen, die den Händen Bonnetters entfliehen konnte. Frau Bonnetier hatte die beiden schon lange beobachtet. Plötzlich stand sie da und stiess ihren Mann schweigend in den Rücken. Diesmal sagte sie nicht:«Vous ätes admi- rable..."(„Sie sind bewunderungswürdig") zu Baby, sondern wies ihr die Tür. Baby hörte den erregten Wortwechsel des Ehepaares und ahnte, dass ihr spielerisches Leben wie ein abgeschnittener Kinderluftballon in unbekannte Weiten segeln werde. Und so war es auch. Frau Bonnetiers Geduld war zu Ende. „Undankbares Kind..." „Schlange an meinem Herzen.. Das ausgewachsene Spielzeug, dem man die Bänder und Rüschen nicht mehr glatt stteichen muhte, war schon lange ihrem Gefühl entschwunden, Wie Baby hier stand, an die Tür des Salons gelehnt, erschien sie Frau Bonnetier geradezu widerwättig. Das war ja kein Kind mehr, das war ein Weib» das mft seinem glatten Gesicht der Alternden spottete und die Frechheft hatte, sechzehn Jahre alt zu sein. Es gibt auf der Welt nur eine einzige versöhnende Beziehung zwischen zwei Frauen: die der Mutter zur Tochter. Baby war hier ein fremdes Weib, das unter seinen Kleidern das Geheimnis eines weihen Körpers verbarg, ein Weib, das bereit war, ihr mit rosiger Hand den Mann zu stehlen. Frau Bonnetter begttff nicht, wie sie sich dieses Kindes annehmen und es lieb gewinnen konnte. Sw begriff es ganz und gar nicht. Die Gefühle reicher Leute sind Wertpapiere; sie steigen, sie sinken und wenn sie ganz entwertet sind, streicht man sie vom Kursblatte. Baby wusste, dass sie gehen müsse und stand mft unerschütterlicher Ruhe an der Salontüre. Die Augen der Frau Bonnetier schossen Blitze. Es schien Baby aussichtslos, ihr zu erklären, dass sie auf dem Eisbärfell auSgeglftten sei und dass Papa sich diesen Unfall zunutze gemacht habe. „Beruhigen Sie sich, Mama, ich werde gehen." Frau Bonnetter erstartte ob soviel Hochmut. Auf den Knien rutschend, reueflehend, so wollte sie das Mädchen vor sich sehen. Aber Baby stand und schwieg. Drei Stubenmädchen besorgten Babys Gepäck. Wenn ein Skandal angefangen wird, wird nie etwas anderes daraus. In Baby war kein Fünkchen Entsetzen oder Leid. Die Eile, mit der man ihr Bündel schnürte, kam ihr komisch vor. Während sie an der Tür des Salons stand, fielen ihr Verse ein. Sie wand sie wie Blumen zu einem Kranz und weil sie die samtne Weichheit der Trauer hatten, ertappte sie sich dabei, dass sie ein bisschen weinte. Aber das war sicherlich nur wegen der Verse. Herr Bonnetter schlich wie ein begossener Pudel in sein Zimmer. Bei Babiolas Anblick wurde er dunkelrot. Er wagte sich nicht in ihre Nähe, begann aber aus der Ferne Verhandlungen zu führen. „Kind, das geht vorüber. Meine Frau wird Sie sicherlich übermorgen.zurückholen. Ich kenne sie." Baby kamen wieder Verse in den Sinn: „Vom Monde fielen tausend grüne Funken;" „Nun glitzern sie auf dünnen Blüten blättern," „Im Traum der Menschen, die in Schlaf . gesunken."... Herr Bonnetier kam auf den Fussspitzen näher, entschlossen, beim geringsten Geräusch in sein Zimmer zu flüchten. „Hier haben Sie Geld. Biefleicht wird es doch längere Zeft d.ern." Sie hätte es ihm am liebsten aus der Hand geschlagen. Aber Geld war für sie jetzt von grösserer Bedeutung, als bisher. Sie nahm es mft rascher Bewegung und sein Gesicht hellte sich auf. Sie zählte. „Das ist alles, Papa?" Herr Bonnetter griff neuerdings iy die Tasche. Frau Bonnetter mft ihrem unerbittlich erbitterten Gesicht kam:„Ihr Gepäck ist bereit," „Ja", sagte Baby zerstreut und wiederholte den Rhythmus, um ihn nicht zu vergessen: „In die böse Nacht des armen. Der an böser Krankheü krantte..." Sie lächelte und die Verse schienen ihr wichtiger als die Ereignisse der letzten Stunde. „Adieu", sagte sie leichthin,„und schönen Dank für alles." Im Gesicht der Frau Bonnetter zuckte es und ihre Augen waren umflort. Aber Baby achtete nicht darauf. Stolz zog sie als„Vagabond" ab. Ein Stuhenmädchen trug ihr Gepäck auf die Strasse. „Viel Glück", sagt sie zu Baby, als sei diese eine Kollegin, die man entlassen hatte.' Babiola ahnte, dass Mama in einer Fensternische stand und darauf wattete, dass sie, ratlos auf den Koffern fitzend, zu weinen begänne, um sie grossmütig zurückzurufen. Aber Babiola hatte einstmals Limonade verkauft und so fürchtete sie sich nicht vor Not. Frau Bonnetter schaut herunter? Lass sie schauen! Sie winkte einem Taxi mft der Geste einer grossen Dame und lieh das Gepäck in den Wagen heben. „Geradeaus", sagte sie dem Chauffeur. Langsam rollte die erste Träne aus ihren Augen, andere folgten und unter Tränen skan- diette sie: „Im Teiche spiegeln sich des Abends Lichter, Schwer duftet das Heu, die Grillen werden still..." Ja, Vagabond war ein Dichter. Der Chauffeur schimpfte. Ein Strahenver- käufer kreuzte unversehens den Weg. Beinahe hätte er ihn überfahren. Die letzten Häuser des Boulevards zogen vorbei. „Wohin soll ich Sie führen, Mademoiselle?", fragte der Chauffeur. Das siebente Kapitel Das Hotel Monaco verlangte einen Zimmerpreis von sechzehn Franken pro Tag und bot auch wirklich nicht um einen Sou mehr Luxus. Drei Tage lang lief Babiola in den äusseren Bezirken von Paris umher, die bislang als verpönt gegolten hatten. Sie ass sehr einfach. Ihr goldener, monogrammgezierter Serviettenring war vergessen. Sie strich alle Ausgaben, die sich nicht auch eine Pariser Verkäuferin hätte leisten können, deren Magen schliesslich dem ihren glich. (Fortsetzung folgt.) Nr. 295 Dienstag, 18. Dezember 1934 Seite 3 Arbeitslosenfürsorge 1918-1933: 4.1? 6 Millionen P r a g. Im sozialpolitischen Ausschuß des Senats gab der Vorsitzende Johannis eine lieber-, sicht über die bisher geleistete Arbeitslosenfürsorge. Demnach hat der Staat vom Jahre 1918 bis Ende 1933 an Unterstützungen für die Arbeitslosen, für die Ernährungsaktion und für die produktive Ar- britslosenfürsorge insgesamt 4126.2 Millionen ausbezahlt. Nach Abschluß der Debatte über das Exposee des Fürsorgeministeriums gab der Ausschuß seiner Anerkennung Ausdruck, daß die Staatsverwaltung durch Vermittlung des Fürsorgeministeriums sich bemühe, der Arbeitslosigkeit auf jede nur mögliche Weise zu steuern, und daß man namentlich die Gemeinden und Bezirke in der produktiven Arbeitslosenfürsorge unterstütze. Der Ausschuß ersucht jedoch das Ministerium, seine Tätigkeit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit noch mehr zu steigern und verspricht jede zweckmäßige Unterstützung. kin Sowjetrusse wird hoher Beamter des Völkerbundes Der Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund hat nicht nur politische Folgen für die Mitgliedstaaten des Völkerbundes gehabt, sondern auch zu personellen Veränderungen in dem Beamtenstab des Völkerbundes geführt. Der Generalsekretär des Völkerbundes M. Avenol hat den Völkerbundrat informiert, daß er den jetzigen Charge d'Affaires der Pariser Sowjetgesandtschaft Marcel Rosenberg zur Ernennung als Unter-Generalsekretär des Völkerbundes vorgeschlagen hat. Diese Ernennung bedeutet einen weiteren Schritt zur Durchdringung des Völkerbundes mit sozial und politisch fortschrittlichen Elementen, die durch den Austritt Deutschlands und Japans und die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund ermöglicht wurde. Die Bestellung eines bolschewistischen Unter- Generalsekretärs entbehrt aUerdings nicht einer gewissen Pikanterie. Jahrelang haben die Russen — und vor allem die kommunistischen Parteien der verschiedenen Länder— die Sozialisten der zweiten Internationale aufs heftigste angegriffen und auch vor persönlichen Verdächtigungen nicht zurückgescheut, weil die Sozialisten die Pflichten erfüllten, die die Beteiligung an der Regierung ihres Staates oder der Mitgliedschaft zum Völkerbunde mit sich brachte. Diese intransigente Haltung hat sich in den letzten Jahren geändert, Rußland rückte den ande- renLMdem^vMels. Labernder Eintritt.in den Völkerbund ,st nur der äußere Abschluß einer durch die Ereignisse in Deutschland aUerdings beschleunigten Entwicklung. Eine der Folgen dieser Entwicklung Rußlands vom isolierten Gegner zum geschätzten Mitgliede des BöUerbundrates ist die Bestellung eines russischen Generalsekretärs des BöUerbundrates. Damit wird sein Einfluß nicht nur auf die großen Linien der Völkerbundpolitik, sondern auch auf die Ueineren, nicht weniger wichtigen Entscheidungen gesichert. Also Koalitionspolitik im internationalen M a ß st a b.—4). Rom. Dir italienische Regierung hat dem Sekretariat des Völkerbundes ein Schreibe« zugehen lassen, in dem sie alle Behanptmtgen der abessinischen Rote bestreitet und im Gegenteil z« ihr beä hanptet, die Schuld liege ans abessinischer Seite. Die italienischen Behauptungen ändern nichts an der Tatsache, daß offensichtlich wie bei de» meisten Unternehmungen der italienische» Politik ein nackter imperialistischer R a» b z u g vorliegt. Berlin. Lord Rothermere, der Eigentümer der„Daily Mail" und anderer großer Zeitungen Englands, ist Sonntag von Reichskanzler Hitler empfangen worden. Neber diesen Empfang ist für die deutsch« Presse keine Meldung auSgegeben worden. Paris. Einer Information der„Daily Mail" zufolge, soll P a p e n Sinne« kurzem zum reichsdeutschen Kommissär für das Saargebiet ernannt werden. Pari». SamStag wurde hier unter großen Feierlichkeiten ein Denkmal für die im Kriege gefallenen tschechosiowakischen Legionäre enthüllt. Es befindet sich am Palais Royal. Pari». In zahlreichen französischen Buttern wird die Frage diskutiert, ob Frankreich— wie angekündigt— in Nordafrika Gebietskonzessionen an Italien machen soll. Die meisten Blätter lehnen die Absicht mehr minder energisch ab und fordern, ehe über Afrika verhandelt wird, die Bereinigung der Konflikte, die zwischen Paris und Rom durch die mitteleuropäische Politik Italiens entstanden sind. Saloniki. lHabaS.) Die Arbeiterschaft der hiesigen Tabakfabriken hat den Streik proklamiert und die Fabriksräumlichkeiten besetzt. Die behördlichen Organe gestatteten, daß die in den Tabakfabriken eingeschlossenen Arbeiter sich ihre Ver- köftigung beschaffen und über die Auftechterhaltung der Ordnung um die Fabrik herum wachen. Uz-orod. Sonntag hat sich in Uzhorod ein kar- tzathorussisches WirtschaftSkollegium konstituiert. Amerika will keinen zweiten Wilson-Kreuzzug für den Profit der Rüstunsskapitallsten Washington.(Tsch. P. B.) Die Sonn- tagsblätter bringen in sensationeller Aufmachung Meldungen, wonach die Bereinigten Staaten in einem künftigen Krieg anf die nach bisherigen amerikanischer Auffassung einem neutralen Staat zustehende„Freiheit der Meere" verzichtenwürden. Im Staatsdepartement und im Weißen HauS verneint man daS Borliegen endgültiger Entschlüsse oder Gesetzentwürfe in diesem Sinne. Jedoch wird zugegeben» daß diese Frage Gegenstand sorgfältigen Studiums ist. Innerhalb der nächsten Monate plant der Präsident tatsächlich seine Stellung zu de« gesamten Neutralitätsrechten neu zu definieren. Er kann dies jedoch nicht ohne Zustimmung des Kongresses tun, und dort dürfte sich über diese Frage ein scharfer Kampf entspinnen. Die europäischen Miniaturstaaten Die Kleinstaaterei blieb nicht allein auf das Deutsche Reich, wo sie allerdings die üppigsten Blüten treiben konnte, beschränkt. Noch heute bestehen in Europa Miniaturstaaten, die sogar in der jüngsten Zeit zu einer gewissen Berühmtheit gelangten. Vor kurzer Zeit ging durch die Presse die Nachricht, daß ein verschrobener Kapitalist, der von einem krankhaften Ehrgeiz geplagt ist, der kleinen Republik Andorra den Vorschlag machte, ihre Schulden zu bezahlen, sofern die An- doresen bereit seien, ihn zu ihrem König zu wählen. Der Vorschlag wurde abgelehnt und Andorra bleibt also Republik. Dieser Zwergstaat liegt in den Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Der Staat umfaßt 452 Quadratkilometer und hat etwa fünfzehntausend'Einwohner, baskischen Stammes. Die Gründung führen die Andoresen auf Karl den Großen zurück, der den Staat gegründet und unter den Schutz des Bischofs von Urgeb gestellt haben fort- Heute steht Andorra als neutraler Staat unter dem gemeinschaftlichen Protektorat von Frankreich und des spanischen Bischöfe» von Urgeb. Die kleine Republik wird durch einen„Generalrat" von 24 Mitgliedern regiert. Präsident des Staates ist ein Syndikus, der von den Räten alle vier Jahre gewählt wird. Die Justizverwaltung ruht in den Händen von zwei „Viquiers", die abwechselnd von Frankreich und dem Bischof von Urgeb ernannt werden. Seit 1882 residiert ein ständiger Delegierter Frankreichs, der die französischen Hoheitsrechte gegenüber den einheimischen Autoritäten und dem Bischof von Urgeb vertrjtt. Die Bewohner nähren sich von Ackerbau und Viehzucht, doch spielt der Schmuggelhandel i Die Beschäftigung der Regierung mit diesem ganzen Fragenbezirk wurde veranlaßt durch die bekannten Rüstungsverhöre de» unter Senator R y e tagenden Ausschusses, bei denen man sich vornehmlich mit der Verschiffung von amerikanischen Kriegsmaterial an dritte Staaten zu beschäftigen hatte. Dir Feststellungen in diesem Ausschuß haben im ganzen Lande die weitver- breitete Forderung wachgerufen» Vorkehrungen zu treffe«, daß das amerikanische Volk nicht abermals in«inen blutigen Krieg ziehe» müsse, um der Rüstungsindustrie ihre riesigen Gewinn« an der Belieferung fremder Staaten mit Todeswerkzru- gen sicherzustzillen. eine große Rolle im Erwerbsleben. In letzter Zeit war Andorra öfters als Zufluchtsort spanischer Emigranten nach dem Sturze des Diktators Primo de Rivera und des Königtums genannt worden. Das kleine Fürstentum L i e ch t e n st e i n ist die letzte deutsche Monarchie in Europa. Der Fürst und ein Landtag von 15 Mitgliedern teilen sich in die Rechte der Staatsgewalt des Ländchens, das etwas mehr als 10.000 Einwohner zählt. Freilich residierte der Fürst meist in Wien oder auf den riesigen Besitzungen in Oesterreich, Sachsen und Preußen. Als Kuriosum sei erwähnt, daß Liechtenstein sich eigentlich noch im Kriegszustände mit Preußen befindet. Im Kriege 1868 stellte Liechtenstein als Mitglied des Deutschen Bundes sein „Kontingent" von einem Zug Infanterie und einem Offizier Oesterreich zur Verfügung und erklärte an Preußen den Krieg. Bei dem Friedensschluß hat man auf Liechtenstein vergessen, das stillschweigend aus dem Deuffchen Bund ausschied. Die liechtcnsteinsche Staatsangehörigkeit wurde in letzter Zeit ein sehr gesuchter Artikel für reichsdeutsche Waren- und Devisenschieber und Liechtenstein der Sitz vieler Geschäftsfirmen, die dadurch ihre Steuerdefraudationen zu verschleiern suchten. Das Großherzogtum Luxemburg hat zivar auch noch eine deutsche Dynastie in weiblicher Linie des Hauses Nassau, das 186» von Bismarck in Nassau entthront wurde, später aber den luxemburgischen Thron bestieg. Jedoch ist die Bevölkerung fast ganz französisch. Das klein« Fürstentum Monaco ist berühmt geworden durch die Spielhöllen von Monte Carlo. Der Fürst, gestattete dem Inhaber des Wiesbadener Spielsalons Louis Blanc sich in Monaco niederzulaffen, nachdem er Deutschland ver-i Anläßlich der Weihnachtsfeiertage wird unser Blatt bereits am Dienstag, den 25. Dezember, zeitlich früh, als Weihnachtsnummer in verstärktem Umfange in allen Orten sein, und können unsere Kolporteur« die Zeitungen schon um 6 Uhr früh von der Bahn abholen. Die Ausgaben von Mittwoch, de« 26.» und Donnerstag, den 27. Dezember, entfallen. Unser Blatt erscheint erst Freitag, den 28. Dezember, wieder normal.• Am Dienstag, den erscheint unser Blatt als im verstärkten Umfang, ausgabe vom 2. Jänner wohnten Stunde. Die Verwaltung. Polnische Zinklleferungen für Japan Warschau.(AP.) Vertreter des japanischen Mitsui-Konzerns verhandelten hier mit den drei großen Unternehmungen der oberschlesischen Zinkindustrie und erteilten der Giesche A-G. in Katto- witz einen Austrag von 7000 Tonnen Zink im Werte von 70.000 englischen Pfund. Der Betrag entspricht einer Vierteljahresproduktion bei Giesche. Es ist der erste große japanische Auftrag, der an die polnische Industrie vergeben wurde. Die Japaner wollen den polnischen Markt jetzt intensiver bearbeiten und versuchen, ihre Baumwollgarne in Polen abzusetzen. Die griechischen Monarchisten Athen.(AP.) Im Zusammenhang mit den Nachrichten über Pläne der Wiederherstellung der griechischen Monarchie unter dem englischen Prinzen Georg wird gemeldet, daß die Monarchisten eine große Aktivität, besonders unter den jungen Intellektuellen und unter der Landbevölkerung, entfalten. Unlängst wurde eine neue Partei„Nationale Ranaissance" gegründet, die die Wiederherstellung der Monarchie anstrebt. Eine monarchistische Wochenschrift mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren wurde gegründet. Auffallend sind auch die großen Rüstungen Griechenlands. Auf den Inseln Korfu und K r e ta hat man mit dem Bau neuer Flugplätze begonnen. Das griechische Parlament hat einen außerordentlichen Kredit von 365 Millionen Drachmen(zirka 83 Millionen KL) für die Vervollkommnung der Kriegsflotte bewilligt. Kundgebung in Saaz. Am Sonntag, den 16. Dezember vormittags fand in der Deuffchen Turnhalle in Saaz eine von unserer Partei einberu- fene öffentliche Kundgebung statt. Die Versammlung stand noch unter dem Eindruck des 2. Dezember und war gut besucht. Für die Partei sprach als Referent der Genosse R e i ch l. Er besprach die Krise und die Rolle der Henleinbewegung. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Die Kommunisten waren zu dieser Versammlung mst K r e i b i ch erschienen, dem eine halbe Stunde Redezest gewährt wurde. Kreibich hat sich jedes Angriffes auf unsere Partei enthalten. Im Schlußwort forderte Genosse D i t t r i ch, den Kampf gegen den Fascismus unerbittlich zu führen und alle Kräfte des Proletariats zu mobilisieren.. Die Kundgebung war eine kraftvolle Demonstraffon gegen den Fascismus im Saazer Agrargebiet. Die Henleinfascisten hatten es vorgezogen, unserer Kundebung fernzubleiben. lassen mußte. Auf dem öden Felsen enfftand das Paradies des weltberühmten Monte Carlo, wo Vermögen gewonnen und verspielt werden. Bei der nationalen Einigung Italiens bliÄb die Zwergrepublik San Marino bestehen, ein Staat von kaum 10.000 Einwohnern. Vor wenigen Tagen ist der frühere Kardinalstaatssekretär Gasparri verschieden, der mit Mussolini den neu erstandenen Kirchen st aat im Jahre 1928 geschaffen hat.— Der neue Kirchenstaat, der kaum 50 Hektar Grundfläche mit etwas weniger als 600 Einwohnern hat, ist zw^r unter die Miniaturstaaten Europas zu zählen, aber auf seinem Gebiet thront in dem vatikanischen Palast die Weltmacht des Katholizismus.— Eine fast grotesk anmutende Tatsache ist, daß dieser Stadtstaat, der Sitz einer geistlichen Macht ist, zugleich, natürlich nur relativ genommen, der größte Militärstaat ist, denn von seinen 600 Bewohnern gehören mehr als die Hälfte der päpstlichen Schweizergarde und der päpstlichen Gendarmerie an. Auch regiert der Papst als Iveltlicher Fürst dieses Gebiet tzanz absolut,da seine Staatsgewalt, die er durch einen Gouverneur ausüben läßt, durch kein Parlament eingeschränkt ist.— Im Deutschen Reich gibt es auch heute noch zahlreiche Enklaven und Exklaven der einzelnen Bundesstaaten. Die lächerlichste aller Exklaven ist wohl das Dorf Achberg am Bodensee, das zu Preußen gehört. Im Kriege 1866 zog die bayerische Landwehr Lindaus aus und besetzte Burg und Dorf Achberg, aber nach dem Friedensschluß mußte die weißblaue Fahne wieder verschwinden. Achberg am Bodensee wurde wieder preußisch und der Major des Bürgerwehrbataillons Lindaus, der seines Zeichens Notar dortsclbst war, ist der„Herzog von Achberg" zeitlebens geblieben. Peinlicher Zwischenfall in Saorbrnfflcn Ein anscheinend betrunkener Pollzel-Oinzler Mhrt eine rrau nieder und wird von der nenne mißhandelt Saarbrücken.(DRB) Der Präsident der Regiernngskommission Knox gibt folgende amtliche Mitteilung heraus: In der Rächt zum 16. Dezember 1934 versuchte ein Polizrioffizier mir seinem Kraftwagen in der Goebenstraßr zu drehen und verletzte, als er bei dieser Gelegenheit mit dem Wagen auf den Bürgersteig kam, eine dort stehende Person. Dies war der Anlaß zu einer Menschenansammlung. Die Menge nahm gegen die Insassen des Wagens— es waren außer dem Polizeioffizier noch zwei weitere Personen in dem Wagen— aus einem bis jetzt noch nicht endgültig geflärten Grunde, eine drohende Haltung ein, ins. besondere gegen den Polizeioffizier. Es kam zu einem Handgemenge, wobei mehrere Schüsse fielen, durch die eine Person durch einen Bauchstreiffchuß verletzt wurde. Der Polizeioffizier wurde durch Hiebe und Schläge ebenfalls verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Die bisher getätigten Ermittlungen werden von der Polizei nach Abschluß dem zuständigen Gericht übergeben werden. Die Polizei hat für die Behandlung dieses Falles die besondere Weisung erhalten, bei den Erhebungen mit aller Strenge vorzugehen und Verfehlungen ohne Ansehen der Person«nnach« sichtlich z« verfolgen. Bis zur endgültigen Klärung der Angelegenheit ist der Polizeioffizier seines Amtes enthoben worden. Der Pariser„Matin" schildert den Saarbrückener Zwischenfall nach einer aus englischer Quelle stammenden Depesche folgendermaßen: Der britische Kapitän James I u st i c e, der der Saarpolizei zugeteilt ist, fuhr in den frühen Morgenstunden mit einem Auw, in dem sich noch sein Freund Lord Aylesford und die junge Deutsche Katherina Braun befanden, durch die enge Straße eines ärmeren Viertels von Saarbrücken. Beim Nehmen einer Kurve geriet der Wagen ins Schleudern und fuhr auf den Gehsteig auf, wobei er in mehrere Personen stieß. Kapitän Justice hielt den Wagen an, stieg aus und bot einer Frau, die durch den Anstoß des Wagens niedergefallen war und sich hiebei den Mantel aufgerissen hatte, eine Entschädigung an. Diese saarländische Angehörige wollte das gebotene Geld auch annehmen, wurde jedoch daran durch eine Gruppe von Männern verhindert, die aus dem nahen Kaffeehaus herbeigeeilt waren und jetzt eine drohende Haltung gegen den englischen Offizier einnahmen. Ein Mann stieg auf das Trittbrett des Autos, forderte- die Menge zur Ruhe auf und sagte, er werde sich um alles selbst kümmern. Kapitän Justice zeigte über dieses Vorgehen des Unbekannten Ueberraschung, worauf ihm jedoch gesagt wurde:„Schweigen Sie und achten Sie auf meine Befehle". Als der Offizier dagegen prote- sfferte, rief dieser unberufene Vermittler seinen Genossen zu: „Da er nicht folgen will, soll er auch die Konsequenzen tragen.” Die Menge stürzte sich auf den britischen Offizier, der sich nur mit großer Mühe befreien konnte und, neue Angriffe befürchtend, drei Schüsse abgab, wobei einer der Angreifer verletzt wurde. Die übrigen ergriffen die Flucht. Kapitän Justice, der eine Kopfverletzung erlitt, wurde ins Krankenhaus überführt. Nach einer Schilderung aus deutscher Quelle, di« u. a. auch vom„Echo de Paris" wiedcrgegcben wird, spielte sich dieser nächtliche Zwischenfall folgendermaßen chb: Gegen 3 Uhr ftchr ein mit drei Personen besetztes Auto, das von einem britischen Polizeioffizier, der betrunken war, gelenkt wurde, auf den Gehsteig auf, wobei vier Personen zu Boden gestoßen und verletzt wurden. Es folgte ein Volks- auflauf, und die Menge forderte den Offizier auf, die Ankunft der Polizei abzuwarten. Dieser aber kümmerte sich um diese Aufforderung nicht und versuchte wegzufahren. Er zog den Revolver und schoß, ohne von jemanden bedroht zu sein, zweimal in die Menge. Eine Person wurde verletzt. Der Offizier traf Anstalten weiter zu schießen, doch wurde er von der Menge entwaffnet. Da er sich, wie es in der deutschen Version weiter heißt, wie toll benahm, wurde er gewaltsam abgeführt. 1. Jänner 1935, ReujahrSnnmmer die Mittwoch- erscheint zur ge- eite 4 Dienstag, 18. Dezember 1934 Nr. 295 Sandner fräst an Das Arbeitsgebiet des Herrn Sandner ist in der SHF die P r o p a g a n d a. Es ist bezeichnend, daß just er in der letzten Nummer der „Rundschau" einen Offenen Brief an den Genossen R e y z l wegen dessen Senatsrede über die„Sudetendeutsche Volkshilfe" richtet. Wenn in Berlin Goebbels das Winterhilfstverk betreut, weshalb sollte sich dann nicht Sandner auch der Volkshilfe annehmen? Kann man schon nicht eingestehen, daß man gleichgeschaltet ist, so tuts eine Parallelschaltung auch. Der Angriff Sandners geht vollkommen fehl. Wir haben dem Bürgertum nie verwehren wollen, den Arbeitslosen zu helfen. Wir haben ihm aber vorgeworfen, daß es dies noch nie getan hat. Durch fünf Jahre hungern die Arbeitslosen; erst jetzt erbarmt es die Sandner und Genossen. Erst jetzt— weil mittlerweile das Werk „Demokratie den Kindern" geschaffen wurde und die Gemeinden mit aller Kraft an die noch Gebefähigen zugunsten gemeindlicher Hilfsaktionen appellieren. Freilich— auch jetzt ist eine Hilfe allen Arbeitslosen noch willkommen. Aber es muß gesagt werden, daß die Sudetendeutsche Volkshilfe, entstanden, aus der Beschämung, die das deutsche Bürgertum angesichts des— von ihm sabotierten — Werkes„Demokratie den Kindern" erfaßt zu haben scheint, zu einem Propagandamittel der Henleinfront geworden ist. Es liegen bereits Aeußerungen verantloortlicher SHF-Leute vor, die beweisen, daß zwar die S a m m e l aktionen umfassend sind, deren Gelder jedoch nicht an marxistisch verseuchte Arbeiter gelangen werden. Die Gebefähigen haben noch immer die Tasche zugehalten, wenn die Gemeinden, die„A r b e i t e r f u r s o r g e" oder andere Organisationen zu ihnen kamen. Jetzt machen dieselben Leute, die ununterbrochen marxistische Arbeiter aufs Pflaster werfen und bei Neuaufnahmen benachteiligen, großes Aufheben von ihrer Opferfreudigkeit und sind erbost, daß man ihnen den Spiegel ihrer antisozialen Gesinnung vorhält. Dies aber konnte ihnen nicht erspart werden. Wenn die„Sudetendeutsche Volkshilfe" den Beweis ihres unparteiischen Wirkens liefern will, so wollen wir sie daran nicht hindern. Sandner scheint ja sehr großen Einfluß auf sie zu haben. Er möge also nicht Offene Briefe schreiben, sondern öffentlich Rechnung legen. Deutschlandsender Im Dienste der SVH Hetze gegen die deutschen Sozialdemokraten. Es ist nicht das erstemal, daß, reichsdeutsche Sender im Interesse der„Sudetendeutschen Bolkshilfe"— lies Henleinfront— Propagandavorträge funken. Alle Reden, welche bisher über die SVH. in den Sendestationen des Dritten Reiches gehalten wurden, strotzen von Lob über die Hilfsaktion der deutschen Parteien in der TSR. und Lberschäumen vor Groll ob der „niederträchtigen Haltung der deutschen Sozialdemokraten, die sich abseits des großen Bruderwerkes stellen". So wurde auch Montag, den 17. Dezember, über den Erfolg der Sammlungen der „Sudetendeutschen Volkshilfe" auf den deutschen Sendern gesprochen, der durch das Zusammenarbeiten aller deutschen Parteien und Organisationen zu verzeichnen sei und den hungernden deutschen Arbeitslosen eine große Hilfe bringen werde. So im ersten Teil der Rede. Im zweiten klang es anders. Der war dem Kampf gegen die deutsche Sozialdemokratie gewidmet. Obzwar die Deutschlandsender vor ganz kurzer Zeit meldeten, daß die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" nur die antimarxistischen Parteien umfasse und die Sozialdemokratie sowohl im aktiven als auch im passiven Sinne von der Teilnahme an der Aktion ausschließe, berichteten die deutschen Sender am Montag, daß sich die deutschen Sozialdemokraten an der Hilfsaktion für die deutschen Arbeitslosen nicht beteiligen, sondern einen wüsten Kampf gegen die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" entfesseln.„So stellen sie sich gegen das Wohl der Armen im deutschen Gebiet der§SR.", hieß es in der Rundfunkrede, die danrit den Charakter einer Propagandasendung für die deutschbürgerlichen Parteien in der CSR. gegen die Sozialdemokraten wurde. Eine Propaandaveranstaltung schlimmster Art, die zweifellos von der politischen Ab- teilung für die Tschechoslowakei in Deutschland, an deren Spitze einige aus der CSR. geflüchtete Hakenkreüzler stehen, geleitet wird. Die Zusammenhänge zwischen der SDB. und den Propagandastellen des Dritten Reiches werden durch diese Veranstaltungen immer offenkundiger und der Zweck der„Sudetendeutschen Bolkshilfe" von Tag zu Tag klarer. Die„Deutsche Landpoft" befaßt sich in ihrer Sonntagsausgabe mit unseren Feststellungen über die deutsche Landjugend und stellt ein Bekenntnis der Dr. Hetz und Hacker zur/ Demokratie in Aussicht. Das wirabwartenwollen. Was den Hinweis der„Deutschen Landpost" auf das von uns zitierte Richtbuch betrifft, haben wir zu sagen: Es ist völlig gleichgültig, wann das Richtbuch erschien. Wichtig ist lediglich, ob es heute noch im Gebrauch ist. Wenn die„Deutsche Landpost" den Nachweis führen kann, daß dies Nicht der Fall ist, werden wir das gern feststellen. Tagcsnculglfcltcn Nach bett Heuschrecken- Papageien London. Nach einer Meldung aus Adelaide wird Jnneraustralien, das fich eben von einer großen Heuschreckenplage erholt hat, von einer neuen Plage bedroht. Millionen grüner Papageien befinden sich auf einem Fluge von der Grenze Westaustraliens nach dem Osten. Sie bilden so dichte Massen, daß der Erdboden, wo sie sich niederlassen, weithin grün gefärbt ist. Die Bogel machen die Wasser- vorräte für Mensch und Vieh ungenießbar. Man ist Tag und Nacht damit beschäftigt, die Wasserquellen vor den Pa-iageien zu schütze». Man befürchtet, daß die Vögel, wenn sie in die Farmgebiete kommen, auch die von den Heuschrecken noch übrig gelassenen Saaten und Früchte vernichten. Ein katastrophales Erdbeben S t a m b u l. Bei dem heftigen Erdbeben im Innern Anatoliens wurden 2 0 Personen getötet und etwa 100 verletzt. Einige tausend Personen sind obdachlos, 25 Dörfer wurden vom Erdbeben heimgesucht und teilweise zerstört. Die Regierung hat sofort einen Hilfsdienst organisiert. Im Lause der letzten Nacht wurden schwächere Erderschütterungen verspürt. Entgeisttgung— Vergeistlichung Wien. Im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen in Oesterreich ist der Besuch an der Wiener Universität u. zw. an der philosophischen Fakultät zurückgegangen. So sank die Zahl der Hörer an der philosophischen Fakultät um 15, an der juridischen Fakultät um 11, an der medizinischen Fakultät um 3.5 und an der evangelischen theologischen Fakultät sogar um 20 Prozent. An der katholischen theologischen Fakultät hingegen hat die Zahl der Hörer zugenommen. Emanzipiert— militarisiert... Aus I st a m b u l wird gemeldet: Bekanntlich stehen der türkischen Frau nunmehr die vollen Bürgerrechte zu. In diesem Zusammenhang trat in gewissen politischen Kreisen der Gedanke auf, besondere Frauen Regimenter zu errichten, die im Falle eines Krieges hauptsächlich im Hinterland und im Saflitäts- d i e n st zu verwenden wären. Mit 29 Mann gesunken Söul auf Korea. Der japanische Dampfer „Toma-Maru", der am 8. Dezember 1934 mit Ladung nach Formosa ausgelaufen war, ist in einen schweren Sturm geraten und mit seiner 29 Mann starken Besatzung gesunken. In der Nähe von Dairen sind mehrere Leichen japanischer Matrosen angetrieben worden, die als Mitglieder des gesunkenen Dampfers erkannt worden sind. Hitler verfiigt schon über die Saar! Kürzlich berichtete das„Prager Tagblatt", daß ein Telegramm seines Berichterstatters aus dem Saargebiet in Deutschland mrgehallen und mit einem Vermerk versehen zurückgelettet wurde. Ueber einen ähnlichen Fall bewußter und frecher Verletzung internationaler Verbindlichkeiten können wir heute aus eigener Anschauung berichten. Die Druck- und Derlagsan- stalt Teplitz-Schönau hatte eine Sendung der Zettschrift„Der Kampf" als Drucksache, ordentlich frankiert(mit 9 Kc) an die Adresse Buchhandlung der„Volksstimme" Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 aufgegeben. Die Sendung kam zurück mit dem Vermerk„retour" auf der Adreßseite. Auf der Rückseite trug sie den Vermerk: Broschüre in Deutschland verboten. Auf Grund , Artikel 45 Ziff. 3. des Weltposwertrages zurück. Deutsches Bahnpostamt 20. Deutschland hat natürlich kein Recht, den Transttverkeht zu unterbinden. Der Weltposwer- trag berechttgt es lediglich, Sendungen nach Deutschland, die dort verbotene Druckschriften enthalten, nicht zu befördern. Was aus der Tschechoslowakei nach dem neutralen Saargebiet befördert wird, geht die deutschen Behörden, mit Respekt zu sagen, einen Schmarrn an. Wenn sie widerrechtlich diese Sendungen retournieren und in räuberischer Weise den Aufgeber um die Portoauslagen Prellen, so beweist das nur, daß man in Httlerdeutschland die Saar bereits als deutsches Hoheitsgebiet ansieht. Dabei rechnet man damit, daß die vielen kleinen Rechtsbrüche, die man sich so zuschulden kommen läßt, als Bagatellsachen schon vor kein internattonales Forum kommen werden. Helfen könnten nur Repressalien. Man müßte eben deutsche Büchersendungen, die dprch demokratische Länder gehen, ebenso erbrechen wie die Banditen in deutschen Aemtern fremde Sendungen, und ihnen, wenn sie Nazi- ltteratur enthüllen, das gleiche Los bereiten, wie jene den unerwünschten demokratischen Drucksachen. 100 Jahre„Kde domov müj?" Vor hundert Jahren haben I. K. Tyl und Frantisek Skroup das einfache und eindrucksvolle Lied„Kde domov müj?" geschaffen, das schließlich als Siegeshymne des befreiten Volkes die Nationalhymne des tsche- choslowakischen Staates wurde. Dieser Jahrestag wurde am Sonntag im Smetana-Saal des Prager Gemeindehauses festlich begangen. Es sprachen, nach einem musikalischen Vorspiel, u. a. der Vorsitzende des tschechoflowakischen Nationalrates Prof. Dr. Nömec, dann als Vertreter der tschechoslowakischen Regierung Unterrichtsminister Dr. K r c m ä k. Chöre, Rezitationen, Gesangssolo und Orchesterdarbietung umrahmten die Feier, an der der Präsident des Abgeordnetenhauses Dr. Stanök, die Minister Bradäö, Jng. Dostälek und Dr. Meißner und zahlreiche Mitglieder beider Kammern der Nationalversammlung, teilnahmen. — Gleichfalls am Sonntag brachten die Soldaten des 28. Jnf.-Reg. gemeinsam mit dem Verband tschechoslowakischer Rottmeister einem der Schöpfer der Nationalhymne, Josef Kajetan Tyl, ihre Huldigung dar. An der Kaserne des Regimentes Jikiho z Podkbrad auf dem"Nam. Republiky, in der Tyl gedient und den Text der Nationalhymne gedichtet bat. wurde eine Gedenftafel gestiftet. Pirandello in Prag. Montag früh ist aus Stockholm kommend, der italienische Dramatiker Luigi Pirandello, der Laureat des heurigen Nobelpreises für Literatur, in Prag eingetroffen. Er wird in Prag einen Vortrag halten, in den Rundfunk sprechen und außerdem an der Weltpremiere seines neuen Stückes(„Man ahnt nicht Fecht, wie") im Nationaltheater teilnehmen. Berhinderter Mord. Sonntag nachmittags wurde die Gendarmerie von H o d o n i n aufmerksam gemacht, daß dort aus der Slovakei ein gewisser Mach eintreffen soll, der einen gewissen Kolar aus Sastin ermorden will, der zur Zeit in Hodonin weiü. Zwei Wachtmeister trafen auf dem Bahnhof ein und verhafteten Mach sofort nach seinem Eintreffen. Als sie ihn auf dem Bahnhof verhörten, zog Mach einen Browning aus der Tasche und wollte schießen. Einer der Beamten kam ihm jedoch vor und schoß früher. Mach wurde ernstlich verletzt und ins Krankenhaus nach Ung.- Hradisch gebracht. Tragödie unserer Zett. Am Samstag wurde in dem Klosett der Schulverwaltung in Dolni Lo- pasov bei Pistyan die Leiche einer Neugeburt gefunden. Der Vorfall wurde sofort der Gendarmerie angczeigt, die Mit einer Gerichtskommission an Ort und Stelle eintraf. Durch die Untersuchung wurde ermittelt, daß das Kind am 10. November von der bei der Schulverwaltung bediensteten The- reite Flanäkövä geboren wurde, tweS ihr zur Last fiel, von ihr in das Klosett geworfen wurde. Sie behauptete, daß das Kind damals bereits tot war, doch wurde durch die gerichtliche Obduktion festgestellt, daß das Kind noch lebte. Die Zlanäkovä hat sich beim Verhör bei Gericht zu ihrer Tat bekannt, entschuldigt jedoch ihre Handlung mit der Angst, daß sie ihren Po- stenverloren hätte. Ein Nnterstaatssekretär als Komplize Moellers. Ueber die in die hunderte Millionen gehenden Betrügereien des dänischen Bankiers Moeller wurde ermittelt, daß die politische Persönlichkeit, die den Bankier vor neun Jahren vor der Ausweisung aus Frankreich gerettet und ihm die Ausübung weiterer Betrügereien ermöglicht hat, der gewesene Unterstaatssekretär des Kriegsministeriums in den Kabinetten Painleves, der radikale Abgeordnete O s s o l a war, der vor zwei Jahren bei einem Autounglück den Tod fand. Es wird untersucht, ob Moeller nicht auch noch mit anderen Persönlichkeiten in Fühlung stand. Zwei Flieger verbrannt. Ein kalifornisches Militärflugzeug, das mit Leutnant Reeves und dem Sergeant Peterson besetzt war, stieß gegen eine Hochspannungsleitung und geriet in Brand. Beide Flieger verbrannten. Selbstmord eines Chirurgen. Der 71jährige Universitätsprofeffor und weltbekannte Chirurg Dr. Hans Lorenz, der Leiter der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der Wiener Kaufmannschaft hat Montag nachts Selbstmord durch Erhängen verübt. Einige Stunden vorher hatte Dr. Lorenz im Krankenhaus in vollkommener Ruhe eine schwierige Operation vollführt. Grauenhafter Mord. Sonntag abends wurde in Pusterwald(Steiermark) der sieben Jahre alte Waisenknabe Viktor Heinisser, der bei seiner Großmutter untergebracht war, durch Axthiebe in bestialischer Weise ermordet. Auch die Großmutter des Knabens, die 69 Jahre alte verwitwete Katharine Heinisser, wurde in ihrer Wohnung durch Axthiebe schwer verletzt aufgefunden. Unter dem Verdachte der Täterschaft wurde der Knecht Johann Wogensberger verhaftet. Ein Scherz— zwei Menschenleben. Vor dem Schwurgericht in Berehovo kam der Fall des Notars Johann Popovic aus der Gemeinde Sa- lanka zur Verhandlung. Popovic wurde am 16. Dezember v. I. spät abends plötzlich von seinem Dienstmädchen aus dem Schlafe geweckt, das ihm mitteille, daß Räuber im Hause seien. Popovic, der gerade an diesem Tage einen größeren Betrag an Steuergeldern behoben und in der Dienstkasse verwahrt hatte, ergriff einen Revolver und lief in die Küche. Dort erblickte er zwei zerlumpte Gestalten mit geschwärzten Gesichtern. Ohne lange zu überlegen, feuerte er sechs Revolverschüffe los. Einer der Männer, der Schlosser Stefan Gagan, wurde auf der Greta Garbo schafft sich eine eigene Bühne? Die große Filmschauspielerin soll beabsichtigen, eines der größten Stockholmer Konzerthäuser aufzukaufen, um es zu einem Theater umbauen zu lassen. Sie will dort namentlich in Strindberg- Rollen auftreten. Stelle getötet, der andere, der Aushilfslehrer Emil Radik, erlag bald darnach seinen Verletzungen. Vor seinem Tode erklärte er noch, daß es sich um einen Scherz gehandelt habe. Gagan und Radik hatten sich nämlich verkleidet und waren in verschiedene Gehöfte eingedrungen, um deren Inwohner zu erschrecken. An verschiedenen Stellen war ihnen dies auch gelungen und sie wurden bewirtet. Der Besuch im Hause des Notars wurde ihnen jedoch zum Verhängnis. Der Notar Popovic wurde nach durchgeführter Verhandlung freigesprochen. Abgesprungen und tödlich verunglückt. Montag früh kehrte der 45jährige Eisenbahner Josef Loukota aus dem Dienste von Pilsen nach Koterov bei Pilsen zurück. Er benützte einen Lastzug, der in Koterov nicht hält und sprang in der Station während der Fahrt ab, um ftüher nach Hause zu kommen. Hiebei kam er unter die Räder, so daß ihm beide Beine abgetrennt wurden. Loukota starb während des Transportes in das Krankenhaus an Verblutung. Ein ungewöhnlich heftige Malariaepidemie nähert sich unaufhaltsam der Stadt C o l o m b o. Auch in ganz unbedeutenden kleinen Dörfern sind 75 bis 100 Tote zu beklagen. In der Stadt Madras und auf der Insel Java treften ständig Eiltelegramme ein, in denen um die Entsendung von Chinin gebeten wird. 21 Pferde verbrannt. Auf der Thorncliffe- Rennbahn brach in Toronto in sechs verschiedenen Stellen infolge Brandstiftung Feuer aus, das sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitete und 21 Renn- pserde t 2 tu te, M einen Wert von 6Ö.000 Dollars darstellen. Mehrere Tiere rannten zurück ins Feuer, nachdem sie bereits in Sicherheit gebracht waren. Kirchenraub. In Z u b r t bei Roznov pod Radhostöm wurde in der Nacht auf Montag die römisch-katholische Kirche ausgeraubt. Die Einbrecher raubten namentlich das werwolle vergoldete Ci- borium und einen Keinen Reliquienschrein. Vor Ankauf der entwendeten Gegenstände wird gewarnt. Lohnender Einbruch. Ein schwerer Einbruchsdiebstahl, der dem odek den Einbrechern Kunstgegenstände und Bargeld in Höhe von etwa drei Millionen Francs einbrachte, wurde in der Nacht zum Montag in Paris in der Wohnung der geschiedenen Frau des amerikanischen Milliardärs G o u l d. Miß Hellen Margaret Kelly, verübt. Die Wohnungsinhaberin, die mit ihrer Dienerschaft das" Wochenende außerhalb von Paris verbracht hatte, stellte bei ihrer Rückkehr fest, daß die Einbrecher ihre Wohnung von oben bis unten durchsucht hatten. Neben einem wertvollen indischen Dolch, der mit Smaragden und Diamanten besetzt war, und einem großen, massiv goldenen Standbild der Jungfer Maria, das ebenfalls mit Diamanten besetzt war, schleppten die Einbrecher den Geldschrank fort, in dem sich.-eine große Summe Bargeld, zahlreiche Wertpapiere und mehrere Serien von Losen der französischen.Staatslotterie befanden. Ein ehemaliger Diener der Amerikanerin ist der Tat verdächte- Bärenschutz in Bulgarien. Aus S o f i a wird uns berichtet: Da es in Bulgarien in der letzten Zeit immer weniger Bären gibt, hat sich das Polkswirt- schaftsministerium veranlaßt gesehen. Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen. Die Bärenjäger müssen sich besondere Bewilligungen verschaffen, um weiterhin der Bärenjagd nachgehen zu können. Behördlicherseits wird das Einfangen von Bärenjungen verboten. Alle gefangenen Bärenjungen werden ihren Eigentümern abgenommen und in Freiheit gesetzt werden. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen» Mittwoch: Prag, Sender L.: 6.15: Gymnastik, 10.05 Deutsche Nachrichten, 12.10: Opern-Arien, 13.45: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.45: Theater für Kinder, 17.30: Bücher guter Autoren, 17.50: Schallplatten, Schubert; 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.35: Arbeiterfunk: Tejessi- Auffig: Mensch und Staat im Wandel der Jahrtausende, 18.50: Sozialinformationen, 20: Ilebertra- gung aus dem Smetauäsaal: Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.30: Nachrichten fürs Ausland. Sender S.: 14.15: Junge sprechen, 15: Deutsche Sendung: H. Weiß liest auch Buch„Fritz und Kuno", 15.15: Wiener: Das lustige Theater, 18.20: Kinder, wir wollen turnen, 19.10: Tanzlieder.— Brünn 17.50: Deutsche Sendung: Anton Wildgans In Ewigkeit Amen, Gerichtsstück.— Mähr.-Ostrau 12.35: Älasorchesterkvnzert.— Preßburg 17.05: Konzert des Klavierquartettes.— Kascha» 17.05: Russische Kammermusik. Nr. 295. Dienstag, 18. Dezember 1934 „Sozialdemokrat Sette 5 FARMAR, starke Wollsocken für Herren...... WELLINGTON, Damen-Wollsocken für Frost und Unwetter ZIMKA, starke Wollstrumpfe für Frauen...... * KOLUMBUS, Strapaz-Wollstrümpfe für Kinder. früher Kc 4 und L-, jetzt Kc 3"- Und 4"- Weihnachts-Preisermässigung früher Kc 7-, Jetzt KI 6”" IIM^| CAfban . früher Kc 6-, jetzt Kk 5' ÄOCKCfl . früher Kc 7-, jetzt KL 5 Das große Geschenk für Weihnachten: MkUsWtk Des MlllkiW" von Magnus Hirschfeld, zwei Bünde, je 500 Seiten, reich illnstriert» statt«ü 400.— KL 140.—. An beziehen von der Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezkä 13. Die Agrarkrise in der Schweiz. Die lleber- produktion in der Landwirtschaft hat fich durch die Hilfsaktionen, die große öffentliche Mittel verschlangen und im letzten Jahr annähernd 100 Millionen Franken, d. h. ein Viertel des Bundeshaushaltes gekostet haben, noch verschlimmert, zumal die Ausfuhr teilweise durch die Abriegelung der Absatzmärkte auf ein Drittel zurückgegangen ist. Die Zahl der Milchkühe ist dieses Jahr weiter gestiegen, und zwar auf 920.000. Dabei betrug die Milchproduktion mit 28 Millionen Zentner schon um 5 Millionen mehr als vor dem Kriege. Die Käseproduktion ist mit 55.5 Millionen Kilo um 12 Prozent höher als im Vorjahr. Bei Butter (25.5 Millionen Kilo) ist die Situation ähnlich. Dabei ist die Buttereinfuhr fest 1931 von 10.5 auf 0.5 MMonen Kilo zurückgegangen. Trotz der Bundesmaßnahmen zur Absatzförderung, wie Bei- mischungsKvang, liegen 250 Wagenladungen unverkäuflicher Butter in den Kühlhäusern. Rundfrage über studentische Gegenwartsfrage«. Die Schriftleitung des.Werkstudent", Prag H., Junginannova 29, wandte sich in einer Rundfrage betreffend di« Kollegiengelderhöhung, die Staffelung der Hochschulgelder, den Ausbau der studentischen Krankenfürsorge durch Pflichtversicherung, die Aspi rantenfrage, den Jnfignienstrett und verschiedene Mittelschulfragen an die deutsche Profefforenschaft und Persönlichketten des öffentlichen LebsiS. Die genannten Fragen wurden in der Dezemberfolge d«S .Werkstudent" ausführlich erörtert und zum größte» Teil auch in einer Denkschrift niedergelegt, die Schulminister Krkmak Ende November überreicht wurde. Das Ergebnis der Rundfrage wird in der Jänner» und Feberfolge des.Werkstudent" veröffentlicht werden. Ein Manuskript-Fnnd. Aus Moskau wird berichtet: Im Archiv der Nowosybkower Bezirksbibliothek wurde eiy seltenes Manuskript gefunden, das den Titel trägt„Denkwürdige Erzählungen und Reden Peter des Großen". Verfaffer ist ein gewisser Andrej N a j t o w, der angibt, er habe die Erzählungen über Peter den Großen und dessen Reden gesammelt, wie er sie entweder selbst aus dem Munde des Zaren oder von glaubwürdigen Persönlichkeiten, die länger als 20 Jahre am Hofe lebten, vernommen habe. Das Manuskript stammt aus dem Jahre 1727, ist 404 Seiten stark und in einen schwarzen massiven Einband gebunden. ES enthäll viele werwolle, bisher vollkommen unbekannte Tatsachen über das Leben Peter des Großen. In die Bibliothek gelangte das Manuskript vermutlich zusammen mit Büchern aus dem Besitz des Fürsten Dolgorukow, der in Rowosybkow lebte. _