Mittwoch, IS. Dezember 1934 14. Jahrgang E'mzelprets 70 Kelter (emschlieWich S IMlar AmM 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xh., fochova«2. telefon sm. Administration telefon sxoi. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR> WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Französische Rüstungskredite angenommen Paris. Die Deputiertenkammer genehmigte mit 460 gegen 130 Stimmen die Regierungsvorlage, durch welche die Regierung ermächtigt wird, 800 Millionen Francs für außerordentliche Erfordernisse des Kriegsministeriums auszugeben. Ministerpräsident Flandin griff hauptsächlich deshalb in die Debatte ein, um den Vorschlag der Sozialisten zurückzuweisen, die verlangten, daß die Behandlung dieses Gesetzes verschoben werde. Er erklärte, Frankreich sei zu diesen neuen finanziellen Opfern, gezwungen, um im Hinblick auf die deutschen Rüstungen seine Sicherheit zu schützen, daß es aber fest und unerschütterlich an dem in Genf eingenommenen Standpunkte festhalte, daß die Rüstungen beschränkt und unter Kontrolle gestellt weiten. Frankreich hat Rekrutenmansel Paris.(Havas.) Die Pariser Blätter befassen sich eingehend mit der Senatsdebatte über die Kammer und weisen auf den Unterschied im Heeresstand zwischen der normalen Zeit und den jetzt kommenden Jahren 1835 bis 1940 hin. Während dieser Zeitperiode kommen die während des Krieges geborenen Jahrgänge zur Assentierung, die geringe Lisjeru ausn»e,,'en. Jeder umfaßt, wie das.Petit Journal" schreM nur 115.000 an Stelle von 230.000 Wehrpflichtigen Der zweijährige Dienst, schreibt das Blatt weiter, erweist sich dccher als technisch notwendig, doch könne man sich ihn aus inneren und äußeren Gründen nicht wünschen. Es sei auch eine Frage, ob ein französisch-deutsches Uebereinkommen mit einer Beschränkung und Kontrolle der Rüstungen die Befürchtungen des französischen Generalstabs, zu besestigen vermag. Leiter der Saarpolizei zurückgetreten Saarbrücken. Der Leiter der saarländischen Polizei, Ministerialrat H e m s l e y, hat dem Präsidenten der Regierungskommission sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Ein 25-Jahresplan in USA? London. Nach Blättermeldungen aus Wa« fhington hat das Amt für nationale Hilfsquellen dem Präsidenten Roosevelt einen 25-Jahresplan unterbreitet, der eine Gesamtausgabe von 105 Milliarden Dollar(zirka 2500 Millionen KL) für öffentliche Arbeiten vorsieht. Die Annahme des Planes wird abhängen: 1. von der Bereitwilligkeit des Präsidenten, die Vorschläge ganz oder teilweise anzünehmen, 2. von der Haltung des Kongresses und 3. von der Art der Finanzierung des Planes. Die Geldaufwendungen sollen in vier Richtungen erfolgen. Die Pläne des Ausschusses, dessen Vorsitzender der Innenminister Ickes ist und dem fünf weitere Kabinettsmitglieder angehören, beziehen sich auf Wasser, Mineralschätze und Organisation. U. a. wird darin vorgeschlagen: Jedes Jahr sollen 5 Millionen Acres(etwa 8 Millionen Morgen) verhältnismäßig wenig ergiebigen Landes unausgenutzt gelassen werden. Neue landwirtschaftliche Gebiete sollen erschlossen werden. Eine Bundeskontrolle über Weideland soll eingerichtet werden. Die Gebiete, der staatlichen Forste und der nationalen Parks sollen erweitert werden. Die Wasserkräfte des Landes sollen intensiver ausgenutzt werden. Die Ueberschwemmuygsgefahr soll beseitigt werden. Die Gewinnung der Bodenschätze fÄll unter öffentliche Aufsicht gestellt werden. Schließlich sollen noch ständige amtliche Stellen für öffentliche Arbeiten für das Land, für das Wasser und für die Mineralschätze gebildet werden. Die„New Dork Herald Tribüne" sägt, der ganze Plan ziele darauf ab, dem amerikanischen Volke eine unabänderliche Wohlfahrt zu geben. Plötzlicher Rücktritt des Jugoslawischen Kabinetts Ans Inncrpolltlsdicn Gründen Belgrad. Minister des Aeußeren I e v t i L und Landwirtschaftsminister K 0 j i L überreichten Dienstag mittags dem Ministerpräsidenten UzunoviL ihre Entlaffungsgesuche. Als Ursache der Demission gaben die beiden Minister Meinungsverschiedenheiten mit einzelnen Mi- nisterkollegcn in Fragen der inneren Politik an. Daraufhin unterbreitete der Ministerpräsident mittags dem königlichen.Regentschaftsrate die Demission der gesamten Regierung. Diese wurde angenommen. Die Regierung UzunoviL wurde mit der Leitung der Staatsgeschäfte bis zur Bildung der neuen Regierung beauftragt. Wie in parlamentarischen Kreisen erklärt wird, wird es als s i ch e r erachtet, daß Minister IeftiL auch weiterhin das Reffort des Acutzern veibehalten wird, selbst für de« Fall, daß ihm die Bildmrg der neuen Regierung an vertraut werden würde. Das zurückgetretene Kabinett hatte bekanntlich nach dem Attentat von Marseille seine Demiffion gegeben, doch wurde sie damals vom RegentschastSrat nicht angenommen, da sie als eine bloße Formalität infolge des Thronwechsels angesehen worden war. Außer dem Präsidenten des Senates Dr. T 0 m a s i 6 und dem Präsidenten der Skupschtina Dr. Kumanudi wurden DienStag nachmittags auch der Führer der altradikalen Partei Aca StanojeviL, der ehemalige Führer der flowenischen Volkspartei Dr.. K 0 r» s k L sowie Außenminister Dr. Jestic vom Prinzregente» Paul empfangen. Der Rücktritt der beiden Minister wird auch im Auslande als ein vorwiegend innerpoli- t t l sv e O Ereignis angesehen. Dabei ist freilich nicht ganz klar, welche innerpolitischen Differenzen es zwischen den beiden Ministern und dem übrigen Kabinett UzunoviL gegeben hat. Vielleicht rührt die Spannung noch aus den Tagen nach dem Thronwechsel her, in denen I e v t i k als ernster Anwärter auf die Führung des Kabinetts genannt wurde. Jevtiö steht an der Spitze einer großen Bauernbe we g n n g, die genoffen- schasts-sozialistische Tendenzsst verfolgt und in den testen Jahren grwatrrg nngewachfe»' ist. Das Bild de» notwendigen Entwicklung Serbiens zu einer kollektwistischen Bauernrepublik, das diese Bewegung entwirft, fügt sich schwer in die gegenwärtige Politik der Regentschaft. Es ist Wohl denkbar, daß hier die entscheidenden Ursachen des Konflikt zu suchen sind. kür ein sozialistisches England I Massenkundgebung in London Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Labour-Party in der Albert-Hall, dem größten Bersammlungssaal Londons, ein Massen-Meeting zur Feier der Wahlsiege bei den Gemeindewahlen und den Nachwahlen zum Parlament. Die Versammlung, die von 9000 Personen besucht war, wurde mit dem Gesang des Liedes„Die Rote Fahne" eingeleitet. Der neugewählte Parteisekretär Middleton betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß für die Labour-Party jetzt die Vorbereitung zu den Parlamentswahlen beginne, die in einem Jahre staüfinden werden. George L a n s b u r y, der Oppositionsführer im Unterhaus, erklärte: Diese Versammlung ist ein Gelöbnis, uns der großen Aufgabe zu widmen, unser Land für den Sozialismus zu gewinnen. Nach einer Kritik an der Politik der„nationalen" Regierung bezeichnete er es als das Ziel der Labour-Party, den Wiederaufbau der Gesellschaft und der Industrie nicht im Interesse des Privatprofits, sondern des Gemeinwohls vorzunehmen. Die Jugend solle nicht den Glauben daran verlieren, daß die Ideale der Partei msi demokratischen Mitteln erzielt werden können. Der Gewerkschaftsführer Citri n e wies darauf hin, daß es der Partei gelungen sei, jhre schwerste Niederlage nach drei Jahren in einen Sieg zu verwandeln. Der Erfolg beweise, daß der Gedanke des Sozialismus in allen Volksschichten verbreitet werden könne. Die Partei, erklärte darauf Ernest B e v i n, der Vorsitzende der Transportarbeiter-Gewerkschaft, habe im Jahre 1931 in Wahrheit ihren größten Sieg errungen. Denn sie habe, als MacDonald und Snowden sie verließen, deutlich gezeigt, daß sie nicht von einzelnen Männern abhängig sei. Zum Schluß ergriff der Londoner Läbour-Führer M 0 r r i son das Wort und bezeichnete es als die Lehre der Londoner Gemeindewahlen, daß auch der englische Mittelstand auf dem Wege zum Sozialismus sei. Es gelte, eine vernünftige sozialistische Aufklärung in die Massen zu tragen, damit der nächste, entscheidende Wahlsieg nicht ein bloßer Sieg der Unzufriedenheit, sondern ein Sieg des Sozialismus werde. Schimpfkanonade des„Angriff Segen die„Frankfurter Zeitung“ Berlin. Der„Angriff" bringt an leitender Stelle einen Artikel seines Cheftrdaktenrs, des sich scharf gegen die„Frankfurter Zeitung" richtet. Die„Frankfurter Zeitung" hatte es beklagt, daß bei vielen Läden die Auffchrift „Deutsches Geschäft" wieder auftaucht. Darüber ist der„Angriff" in Zorn geraten und wettert zunächst gegen die„jüdische Zähigkeit", die immer wieder eine geschäftliche Hintertür findet, um nach jeder geschichtlichen Entscheidung oben zu bleiben. Das Verordnungsblatt der nationalsozialistischen Partei und das Reichsgesetzblatt hätten keine aufmerksameren Äffet, als die Juden. Sobald ein Nazi einen Schritt im Sinne der siegreichen Bewegung tue, stürzten sich die Juden mit einem Netz von Paragraphen über ihn her. Die„Frankfurter Zeitung" werfe sich feit Monaten geradezu zum Staatsanwalt gegen die nationalfoziali-- stifche Partei auf:-sie mache sich zum Kronjuri- sten des Staates gegen die Partei. Das fei eine voreilige Unverschämtheit! Neuer Judenboykott Der Ausfall des„Angriff" gründet sich aller Wahrscheinlichkeit nach aus die Tatsache, daß die jüdischen Geschäftshäuser in Frankfurt schon seft einigen Wochen boykottiert werden. SA-Männer patrouillieren vor den jüdischen Geschäften und raten den Leuten,'ihre Weihnachtseinkäufe in christlichen und deutschen Geschäften zu'besorgen. Das gäpze Vorgehen erinnert stark an den großen Boykott der jüdischen Geschäfte'am 1. April 1933 im ganzen Reiche. Die antisemitische Bewegung greift übrigens in den Ortschaften längs des Mains weiter und dringt auch nach Hessen hin- I über. Her fascistische Rüstungswahn und die Abwehrmafinahmen der Demokratie Von Abgeordneten Rudolf Heeger Die Verlängerung der militärischen Dienstzeit hat in der Oeffentlichkeit die verschiedensten Auffassungen wachgerufen und dazu geführt, daß manche politischen Kreise die Sozialdemokraten als begeisterte Militaristen hinzustellen versuchen nur deshalb, weil sie für die Verlängerung der Militärdienstzeit gestimmt haben. Dazu sei folgendes festgesteflt: Die Sozialdemokraten waren, sind und werden immer Gegner des Krieges sein. Die Sozialdemokraten vertreten auch heute noch die grundsätzliche Anschauung, daß die größte Gewähr für den Frieden die allgemeine Abrüstung ist. Diesem Grundsatz folgend, sind wir immer für die Einschränkung der Rüstungen, für die Verkürzung der Dienstzeit, für die Herabsetzung des Präsenzstandes und des Rekrutenkontingentes eingetreten. Daß die Abrüstung nicht erfolgt ist, kann man doch den Sozialdemokraten nicht als Schuld beimessen und am allerwenigsten dürfen, sich die Christlichsozialen erlauben, uns als begeisterte Militaristen hinzustellen. Den Christlichsozialen sei gesagt, daß das internationale Bild vom Jahre 1928 nicht das vom Jahre 1934 ist. 1926 hat kein vernünftiger Mensch an eine Kriegsgefahr gedacht, 1926 war das Jahr von Locarno, 1926 hielt Deutschland fernen.Einzug in den Völkerbund und wurde vom französischen Außenminister Briand mit den Worten begrüßt:„Der Krieg ist aus". Bald darauf erfolgte die Rheinlandräumung und viele Konfliktstoffe aus der Nachkriegszeit wurden beseftigt. Diese friedliebenden Bestrebungen ließen damals die Hoffnung zu, daß die Abrüstungskonferenz nicht erfolglos enden werde, lind in dieser sicheren Friedenszeit haben die Christlichsogialen ohne zwingenden Grund, ohne daß eine Gefahr bestand, für die Verlängerung der militärischen Dienstzeit und für den Rüstungsfonds gestimmt und sie haben angesichts dieser Tatsache am allerwenigsten die moralische Berechtigung, anderen, die in gefahrvollen Zeiten für die Verlängerung der Dienstzeit gestimmt haben, Vorwürfe zu machen. Warum kam es nicht zur Abrüstung? Deutschland wurde fascistisch, ist aus dem Böllerbund ausgetreten, um eine unkontrollierbare, wahnsinnige Aufrüstung zu betreiben. Aus diesem Grunde haben alle Staaten die militärischen Vorbereitungen auf die höchste Stufe der Leistungsfähigkeit getrieben mit der Begründung und unter Hinweis auf die wahnsinnige Aufrüstung und die bis zum Kriegstaumel betriebene Verherrlichung des soldatischen Heroismus in Deutschland. Ganz Deutschland ist militarisiert, Hit- lerdeutschland eine einzige große Waffenschmieds Alles steht im Dienste der militaristischen Propa» ganda: Rundfunk, militärische Aufmärsche, Massenherstellung von Militärflugzeugen, Bau von strategischen Straßen, Errichtung von Flugplätzen, Hangars unter der Erde, die im Auslande als Schokoladefabriken bezeichnet werden. Militärischer Arbeitsdienst, militärische Jugenderziehung sind die sichtbaren, im Ausland aber verleugneten Kriegsvorbereitungen. Trotz der großen finanziellen Schwierigkeiten, die Deutschland hat, trotz der Ungeheuern Schuldenlast, trotz erheblicher Einschränkungen der sozialen Lasten ist eine ungeheuere Steigerung des Rüstungsetats vorhanden. 1933 betrugen die Kosten für die Reichswehr 485 Millionen Mark, 1934 658 Millionen, also eine Steigerung um 173 Millionen' Mark, für die Reichsmarine 1933 186 Millionen Mark, 1934 236 Millionen, Steigerung um 50 Millionen Mark, für das Luftwesen 1933 75 Millionen, 1934 210 Millionen Mark, also eine Steigerung um 135 Millionen, für die SA und SS 1933 nichts, 1934 250 Millionen Mark. Dabei sind die Beträge für die SA und SS vorsichtshalber nicht im Militäretat, sondern im Etat des Finanzmini- steriums eingestellt. Aus diesen Ziffern allein geht hervor, daß seit der Machtergreifung Hitlers das deutsche Volk eine marschierende Armee geworden ist. Um recht viel Soldaten auszubllden, werden die bei der Reichswehr eingestellten vielfach anstatt der vorgeschriebenen Dienstzeit von 12 Jahren nur anderthalb Jahre ausgebildet. Die Formationen der SS und SA, sowie di« Stahl Helmleute werden durch die Reichswehr militärisch Sette 2 Mittwoch, 19. Dezember 1934. Nr. 29« ausgebildet, ebenso Polizisten, Studenten, Arbeitsdienstler, ja selbst Erwerbslose. In der letzten Zeit wird auch die Militarisierung der Betriebe duvchzuführen versucht. Die Arbeiter muffen so wie der Soldat unter einer Parole stehen, täglich an dem Appell teilnehmen. Man sieht also, daß Deutschland in aller Stille mit ungeheuerer Intensität eine Millionenarmee für den Krieg nicht nur schult» sondern auch richtig bewaffnet. Es sind daher die Angaben im Motivenbericht des französischen Parlamentes über die Kriegsstärke Deutschlands durchaus nicht übertrieben, nach welchen Deutschland zirka 2,600.000 Mann geschulter Soldaten, 100.000 Mann geschulter Autolenker und mehrere tausend geschulter Piloten zur Verfügung hat. Aber nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen fascistischen Staaten Italien, Polen, selbst'das kleine Oesterreich rüsten bis zum Wahnsinn, was zur Folge hat, daß auch die anderen Staaten ihre Verteidigungsmaßnahmen erhöhen. Frankreich verfügt über eine Armee von 660.000 Mann. Im Kriegsfälle stehen ausgerüstete Reserven von 4.6 Millionen zur Verfügung. Die Friedensstärke der Roten Armee Rußlands beträgt 562.000 Mann. Bei der Gesamtmobilmachung aber ist Rußland allein imstande, 4 Millionen Mann aufzustellen und zu bewaffnen. In Polen beträgt bei einer Bevölkerungsziffer von 27 Millionen der Stand einschließlich des östlichen Grenzwachtkorps 299.000 Mann, außerdem besitzt Polen ausgebildete Reserven von 3 Millionen. Italien hat neben seinem aktiven Heer eine durch Jugendausbildungskurse ergänzte Nationalmiliz. Die Friedensstärke des Heeres beträgt 638.300-' Mann, die Kriegsstärke 3.5 Millionen. So sieht es in allen Staaten aus. Vergeffen ist die schreckliche Bilanz des Weltkrieges: 10 Millionen Tote, 20 Millionen Verwundete, 6,854.000 rentenbezuchsberechtigte Kriegsinvalide, Hunderte von Millionen Goldmark wurden vergeudet, eine Summe, die allein ausgereicht hätte, ganz Europa in blühende Gärten zu verwandeln, hunderttausende gesunde Wohnungen zu erbauen. Es wird weiter gerüstet und die Staaten stehen bis an die Zähne bewaffnet da. Dazu kommt die Entwicklung der Kriegstechnik. Diese Rüstungen bringen es mit sich, daß die demokratischen Staaten nicht ruhig zusehen können, daß es die Selbsterhaltung verlangt, Abwehrmaßnahmen zu treffen. Muß doch selbst Rußland dem Rechnung tragen und so erklärte der Oberkommandierende der Sowjetarmee General Blücher bei dem letzten kommunistischen Kongreß wörtlich:^Unsere Tanks und unsere Flugzeuge werden ihre sozialistische Pflicht nicht nur an der Grenze Japans, sondern auch sehr tief im Hinterland des imperialistischen Gegners erfüllen". Wir wollen Tanks und Flugzeuge nicht so beurteilen, aber daraus kann die Berechtigung gezogen werden, daß auch die Tschechoslowakische Republik zum Schutze der Demokratie und zur Abwehr fascistischer Angriffe ihre Verteidigung so gestalten muß, wie die Verhältnisse es erfordern. Aus diesem Grunde haben auch wir für die zweijährige Dienstzeit gestimmt in der Annahme, daß diese Maßnahme nur für die gefahrvolle Zeit zur Durchführung gelangt, da in dem neuen Gesetze die Bestimmung enthal! n ist, daß das Ministerium für Landesverteidigung selbst eine Aende- rung der Dienstzeit im geeigneten Zeitpunkt herbeiführen kann. Wie schaut nun die Dienstzeit in anderen Staaten aus? Die Dienstzeit beträgt bei den Frei- willigen-Heeren durchschnittlich 12 Jahre. Außerdem bestehen in Groß-Britannien, den Vereinigten Staaten und Mexiko Freiwilligenheere, die Dienstzeit beträgt 3 bis 7 Jahre. Dann verfügen CopyrigMJtr PrMMdlanat K. Prager-Verlag. Wien 2 Jeden Morgen überzählte sie ihre Barschaft, die in peinlicher Weise dahinschmolz. Mit der Einsamkeit wuchsen aber ihre Gedanken und der Drang, zu schreiben. Sie erkannte jetzt, daß ihre frühere Lebensweise sie narkotisch beeinflußt hatte. Nun war sie erwacht. Befreit von Luxus und seidenen Sorgen begann sie ernstlich über ihre Arbeit und ihre Sendung nachzudenken. Schreiben — das war jetzt das wichtigste. Sie schämte sich der Flachheit ihrer bisherigen Arbeiten. Die Jugend ist die Zeit feierlichen Ueber- mutes. Man hängt festliche Fahnen verschwenderisch aus, auf daß sich das Herz freue. Run fühlte sie sich innerlich uralt. Die Jahre des Wohlstandes hatten ihr Lebensklugheit gegeben, aber alle Lebensweisheit genommen, jene schwere und unweibliche Lebensweisheit, die schon der kleinen Babiola prophetisch innewohnte. So waren ihre Verse eigentlich nur das Ergebnis fruchtbarer Augenblicke gewesen. Sie sehnte sich sentimental nach der einstigen Not auf dem Strande. In heißer Scham mußte sie bekennen, wie wenig sie der Vergangenheit gedacht hatte. Sie schloß die Augen, um sich die Erinnerungen an das Meer, den Vater, ihre Kindheit und die salzigen Groschen recht deutlich vor Augen zu führen. Lange und bewegungslos saß sie da und merkte nicht, daß die Nacht sich senkte. Endlich raffte sie sich auf und trat ans Fenster. Unten lag Paris in blauem Schimmer wi» eine reife Traube für das abendliche Festmahl eines Lebenskünstlers. Montparnaffe glich heute einer langweilige« Abendzeitung mit den üblichen Dänemark, die Niederlande, Norwegen, Persien, Schweden und die Türkei über Rahmenheere, das heißt, es ist dort ein Rahmen von aktiven Offizieren und Unteroffizieren vorhanden, der durch die Rekruten aufgefüllt wird. Die Dienstzeit ist dort verschieden. Sie beträgt fünfeinhalb bis 15 Monate. Dann haben wir das Milizsystem in der Schweiz. Die Dienstzeit erstreckt sich bei der Infanterie, der Genie-, Sanitäts- und Fahrtruppe auf 60 Tage, bei der Kavallerie auf 90, bei der ArtiUerie und Kraftwagengruppe auf 75 Tage. Unter den Staaten, die ein stehendes Heer mit afl- gemeiner Wehrpflicht haben, steht Rußland mit einer Dienstpflicht von 2 Jahren(3 Jahre für die Spezialtrupprn) an erster SteUe. Ebenso beträgt die Dienstzeit in Polen, Rumänien und Spanien zwei Jahre. In der Tschechoslowakei waren es in der letzten Zeit 14 Monate, die durch das neue Gesetz auf zwei Jahre erhöht wurden. In Italien, Börsenberichten. Mädchen schritten dahin, armselig gekleidet, fünf Franken für den Tagesunterhall im zerschlissenen Handtäschchen, Arbeiter in Blusen, die mit Oel, dem Blute der Maschinen, beschmutzt waren. Babiola gehörte nicht zu diesen Menschen, konnte sich aber ohne falsche Sentimentalität die Eintönigkeit all dieser Leben vorstellen. Eine Grünwarenverkäuferin pries Schoten und Obst mit lebendiger, lauter Stimme an. Ein Zeitungsjunge lief vorbei und rief die Erinnerung an Raoul in Bidar wach. Sie atmete schwer und kam sich sehr arm und verlaffen vor. Ihr war, als sähe sie Paris das erstemal. Mit hungrigen Augen schlich sie auf die Straße; da gingen junge Männer, die Zigarette an die Unterlippe geklebt. Vielleicht waren alle Künstler: ihr Blick war kindlich, ihr Benehmen unbefangen. Keiner sah Babiola an. Da fiel ihr ein, daß keiner dieser ehrlichen Burschen, die mit ihren ausgefransten Aermeln prunkten, sich ihr nähern würde, solange sie in ihrem kostbaren Pelzmantel modisch einherstolzierte. Auf dem Quai-'Orleans lächelte sie einen jungen Mann verwegen an. Der. zwinkerte verlegen und scheu, blieb stehen und lief dann, einem plötzlichen Entschluffe folgend, seltsam und ratlos fort, als fliehe er vor einer Torheit. Auch die Herzen schienen standesgemäß organisiert zu sein. Langsam ging sie heim und rechnete aus, wieviel sie für den Pelzmantel bekommen werde, den sie in Kürze werde verkaufen müffen. Das Geld verdunstet in Paris wie Waffer in der Sonne. Jeder Tag ist ein Gläubiger. Babiola wußte, daß sie nicht Hungers sterben werde, genau so wie damals, als sie am Strand Limonade verkaufte. Sie mußte sich nur nach neuen- Bonnetiers umsehen. Ihr Gesicht war wohl kein besonderes Kapital. Das sagte ihr der Spiegel tagtäglich. Aber sie war schlank, gescheit, jugendfrisch, bestimmt aber zu ernst. Zwei schöne Falten, die vorzeitige Legitimation des Denkens lagen zwischen den Brauen. Wem sie für chr Aeußeres danken sollte. Lettland, Südflawien beträgt die Dienstzeit 18 Monate, in Japan 16 Monate, die einjährige Dienstzeit besteht in Frankreich, mit einer längeren Dienstzeit für die Spezialtruppen. Außerdem gibt es noch einzelne Begünstigungen für einzelne Berufe und Gruppen. Wir haben daher für die Verlängerung der Dienstzeit, die nicht größer ist als in anderen Staaten und weil es sich unserer Meinung nach um eine vorübergehende Maßnahme handelt, gestimmt, um den fascistischen Angriff abzuwehren. Fascismus bedeutet Rechtlosigkeit, Willkür, Versklavung der arbeitenden Menschen. Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterklaffe dieses Staates ist gewillt, die demokratischen Rechte und Freiheiten gegen alle Angriffe ganz- oder halb- fascistischer Kreise zu verteidigen und zu schützen. Aus diesen Motiven hat die sozialdemokratische Parlamentsfraktion für die Verlängerung der Dienstzeit gestimmt. wen sie anflagen sollte, wenn der Boden des Lebens zu heiß für ihre Füße würde, war wohl unergründbar. So wenig sie die Tochter des Ehepaares Bonnetier war, so wenig war sie die Tochter des alten Cloture. Schicksachaste Folgerichtigkeit begrenzte ihr Sein. So wie sie von der Straße gekommen war, in Mantel, Hut und Handschuhen, setzte sie sich auf ihr Bett. Arbeiten! Eine Arbeit leisten, die groß und mächtig war, die monatelang ihr Leben aus- füllen konnte. Plötzlich hielt sie den Atem an und hielt die Hand vor den Mund, um nicht laut aufzuschreien: einen Roman! Tausend Formen und Handlungen quollen auf. Verwirrt und aufgeregt fiel sie auf das Bett zurück, dann sprang sie will» empor, lief im Zimmer umher und fühlte, daß sie beginnen, sofort beginnen müsse. Die Blüten an der Wand chres Hotelzimmers schloffen die Augen. Matt leuchtete das Licht der einzigen Lampe, die nicht begriff, was dieses Mädchen bewog, bis in den Morgen in chrem Schein zu verweilen. Babiola schrieb; ihre linke Hand stak noch immer im Handschuh, der Mantel lag auf ihren Schultern und ihre Rechte flog über das Papier. Sie schilderte das Schicksal eines Menschen, der ihr vorläufig selbst noch unbekannt war. Wer dieser Mensch war ihr Kind und sie war seine Mutter. Sie fühlte weder Hunger noch Schlaf. Sie mußte ihre tollgewordene Phantasie bändigen. Angstvoll bahnte sie sich den Weg. Als Babiola nach einigen Tagen nach ihrem Gelbe sah, erschrak sie: sie konnte gerade noch die Hotelrechnung bezahlen. Jetzt mußte sie etwas unternehmen. Sie machte sich auf den Weg. In dem Hause, in dem die Redattion des „Diable bleu" untergebracht war, wurden auch Tageszeitungen gedruckt. Auf einer Tür stand die Aufschrift: Eingang verboten. Beherzt drückte sie die Klinke nieder. Niemand war im Borraum zu sehen. Die letzten Nummern der Blätter hingen wie Fahnen an der Wand. Babiola wartete und las— und las, daß die Bonnetiers sie dringend baten, heimzukehren. Der Stll des Jnsera- F«harzte für alle Gebiete aufweffen. Diese Anleihe wird sich rentteren, wird der Volksgesundheit dienen und damit auch dem Gedeihen des Staates! (Beifall.)• Antimarxismus schafft es nicht An die Adresse der,.Deutschen Fleischer- Zeitung“ Der Umstand, daß der»Kleine Landwirt" die neugebackene Freundschaft zwischen den Land- bündlern und Fleischern richtig als Anschlag gegen die Kleinlandwirte eingeschätzt hatte, hat die »Deutsche Fleischerzeitung" rasend gemacht. Es dreht sich um das alte selbstverständliche Recht der Landwirte, ihr eigenes Vieh selbst auszuschroten und das Fleisch an jedermann zu verkaufen, unter Einhaltung der veterinär- unfinanztechnischen Vorschriften. Da die Not der Kleinlandwirt« groß ist und die Fleischer für das Vieh wenig zahlen, helfen sich die, Landwirte durch die Selbstausschrotung. Die Landbündler haben sich g e g e n diesen.Mißbrauch" eines verbrieften Rechtes in der Hoffnung gewendet, daß ihnen das heimische Vieh zu besseren Pressen in erhöhtem Maße abgenommen werde. Meist bezogen die kerndeusschen Fleischer das Vieh aus dem— tschechischen Gebiete. Die durchaus begreifliche Abwehr der organisierten Kleinbauern hat die Wut der»Deutschen Fleischerzeitung" hervorgerufen. Im Wesentlichen dreht es sich ihr doch darum, einen Sündenbock dafür zu finden, daß die Flesscher nicht mehr soviel verdienen wie in Konjunkturzeiten. Für das Versagen des Kapitalismus werden die Marxisten verantwortlich gemacht! Da ist der»Prager Börsen-Courier" doch aufrichttger. Dort heißt es«. a.: Dort heißt es n. a.: Es ist traurig, daß der Landwirt beim Mäst« daraufzahlt, doch ist das ständige Absinken der Preise daS Resultat des schon fett Jahr« g l e i ch b l e i b e» d e u Fleischkonsums, aufgeteilt von Jahr zu Jahr auf ei« immer größer werdende Zahl von Fleischern und Selchern. In der Fleischer» und Selcherbranche werden von Jahr zu Jahr mehr und mehr Lehrlinge und Gesellen freigesprochen. Mit der Zeit wird eine unverhältnismäßig große Anzahl von Meistern gezüchtet, was zur Folge hat, daß sich der Konsum derart bei den Fleischern verteilt, daß heute sehr viele Fleischer höchstens 100— 300 K g. Fleisch verkaufen, wahrend in Friedenszeiten ein Flesscher oder Selcher per Woche mindest 800— 1000 K g. Ware umsetzte. Der kleine Konsum im Detail drückt die Preise, v e r u r s a ch t S ch l e u d er« der Ware um jeden Preis, was im Endeffett die unrentable Viehzucht beim Landwirt verursacht. Die unrentable Viehzucht ist aber auch die Folge der großen Ärbeitslosig- keit und des Unterkonsums. Hier liegt das Kernproblem. Wenn die„D. F. Ztg." von dieser Erkenntnis ausginge, würde sie trachten, vorerst in den Reihen der Fleischer Ordnung zu schaffen. Dann würde sie di« Bedeutung einer gehobenen Kaufkraft der breite» Massen erfassen. Statt einzusehen, daß höherer Verdienst in erster Reihe den Gewerbetreibenden zugute kommt, stürzt man sich auf die paar Konsumvereinsschlächtereien und auf jene, die ein ganz selbstverständliches Recht der Landwirte verteidigen. tes ließ erkennen, daß es Frau Bonnetter zur Verfasserin hatte. Herr Bonnetter hätte es nicht gewagt, von„Verzeihen" zu sprechen. Sie kehrte der Zeitung den Rücken. Lieber Hungers sterben, als nochmals diese Hände küssen. Irgend jemand schritt durch den kahlen Raum, ohne sie zu beachten. Da ging sie den anschließenden Korridor entlang. Auf einer Tür las sie plötzlich: Redaktion des„Diable bleu". Sie klinkte auf und wußte gar nicht, ob sie vorher angeklopst habe. In jeder Redaktion sitzt ein Jemand mft einem gepanzerten Herzen. Hier geriet Babiola just an diesen Mann. Sein Ressort war„Der Gerichtssaal" und»talentterte Mädchen." Er hatte in seiner Jugend unglücklich geliebt und so verstand er sich darauf, Fräuleins hinauszuwerfen. Er nahm die Brille ab, um weniger zu sehen, unterdrückte jedes Mitgefühl und trat vor. Er sah die Frauen wie ein Photograph: mit den Füßen nach oben und verkehrtem Kopf. Babiola las ihm diese Anschauung von der Nasenspitze ab und wandte sich mit einem Satz, der fest wie eine Betonbrücke war, unverzüglich an den Herrn am zweiten Schreibttsch. „Bitte, wer ist hier der Klügste?" Die Herren der Redaktton des„blauen Teufels" schienen nicht eitel zu sein. Keiner meldete sich auf diese Frage. „Meine Herren," sie sprach plötzlich anmutig und durchaus weiblich,„eS handelt sich um«ne bizarre und heikle Sache..." Die Herren Redakteure schielten. Einer bot ihr einen Stuhl an. „Kurz", sagte sie,»ich komme, um mich Ihnen vorzusteflen..." „Was wollen Sie eigentlich hier, Fräulein" fragte der Redakteur mit dem gepanzerten Herzen. „Ich bin der.Bagabond'", meine Herren. Ein junger Redakteur, der neben dem Gepanzerten saß, sprang auf. Die andere» blieben ruhig sitzen und lächelten nur. iForssetzu« folgte für den Ausbau der Krankenhäuser Genosse Dr. Höllischer verlangt eine große Anleihe Prag. Die Budgetdebatte im Senat wurde am Dienstag in ganztägiger Sitzung zum Abschluß gebracht; daS Schlußwort des Referenten sowie die Abstimmung ist für Mittwoch vormittags festgesetzt. Für unsere Fraktion sprach in der Debatte noch Genosse Dr. H o l i t s ch e t, der die Aufmerksamkeit des Hauses auf die bedenklichen Folgen der Krise für die B o l k s g e s u n d h e i t lenkte, die sich nunmehr schon kratz bemerkbar machen. Die Kindersterblichkeit nimmt wieder zu und sogar die Krätze— eine seit dem Krieg unbekannte Erscheinung— beginnt sich wieder auszubreiten, weil die Leute keine Seife mehr kau- sen können. Auch die Syphilis greift wieder um sich. In diesem Kampf um die Volksgesundheit spielen die Krankhäuser eine große Rolle. Darum ist es unbedingt notwendig, daß das Krankenhauswesen planmäßig ausgebaut und gefördert wird, wobei man selbst große finanzielle Belastungen nicht scheuen dürfte. In diesem Zusammenhang erinnert der Redner den Gefundheitsminister Dr. Spina daran, daß von den vielen Vorlagen, die er in der Budgetdebatte vor zwei Jahren unmittelbar in Aussicht stellte, bisher nur drei Gesetze verwirklicht wurden, und leider nicht die wichtigsten. Die Organisatton der gesundheitlichen Verwaltung, die Schutzmaßnahmen gegen die Tuberkulose und insbesondere der'Fonds für den Bau und die Unterstützung von Krankenhäusern und anderen Heil- und Sanitätsanstalten lasse« bis h.e u t e. a u.f sich w a r t ein.... Die Zahl r von 19.308^ünkmb'etten in öffentlichen Krankenhäusern in Böhmen, die die letzte Statistik verzeichnet, reicht, wie Redner ausführte, nicht mehr hin, denn der Andrang in die Krankenhäuser ist heute aus vielen begreiflichen Gründen außerordentlich gewachsen. Unsere Krankenhäuser sind aus wirtschaftlichen Gründ« heute in eine sehr unerfreuliche Situation gekommen. Ein Krankenhaus erforderte heute schon angesichts der moderuen Apparatur« ganz andere Summ« als früher. Um alle diese Kost« zu deck«, reich« dir Brrpflegsgeiühr« heute nicht mehr aus. Allein dem Komotauer Krankenhaus ist der Landesfonds an Verpflegskosten und anderen Rückständen fast zweieinhalb Millionen KC schuldig. Die Folge ist, daß das Krankenhaus seinerseits wieder 1.9 Millionen für(Steuern, Verköstigung der Kran ken, Medikamente, Kleidung, Waffer, Beheizung, Strom usw. schuldig ist, wofür es allerdings Zinsen bezahlen muß. Wenn der Landesfond einmal wieder 50.000 bis 60.000 Kä schickt, dann reicht dies gerade für die Zinsen. So kommen die Krankenhäuser und ihre Erhalter immer tieferinSchul- d e n hinein. Wir kenen den schönen Plan, der in der Landesvertretung vom Landesvertreter Novak ausgearbeitet wurde und der d« Dau von zwölf Landeskran- kenhäusern Vorsicht und wir können nur hoffen, daß er in absehbarer Zeit auch durchgeführt wird. Die Verhältniffe der Krankenhäuser find bei uns ja so verworren, daß sie mit der Zeit unhaltbar werden. Es gibt Krankenhäuser, die dem Lande gehören, solche, die dem Bezirke oder privaten Gesellschaften gehör«,und in Schlesien und der Slowakei gibt es eine Reihe von sta a t l i ch e n Krankenhäusern. Die Bürokratie ist aber leider überall maßgebend und die Aerzte, die in diesen Fragen die Entscheidung haben sollten, werd« nur so nebenbei um Rat geftagt, gewöhnlich aber geschieht nicht das, was sie Vorschlag«. Wir brauchen Krankenhäuser, die eine Ergänzung für das Allgemeine Kranrmhaus in Prag und für die dortigen Kliniken geben, welche nicht mehr ausreichen, um den ärztlich« Nachwuchs heranzubilden, um alle diese komplizierten ärztlich« Fragen zu lösen, die heute, wenn es sich um eine richttge, wissenschaftlich fundierte Behandlung der Kranken handelt, gelöst werden müßten. Wir brauchen bei jedem Krankenhaus Abteilung« für Augenkranke, Geschlechtskranke, Frauen- krankheiten, ein Laboratorium, dann brauchen wir chemische und serologische Einrichtung« zur Feststellung der Diagnose als auch zur Behandlung der Kranken. Das alles finden wir aber nicht. Wir habe» am Lande andere Krankenhäuser, die aus Sie- cherthänscttl«kstanbekl sisib. Wir müssen a n ihrer Ste^? moderne Krankenhäuser bekommen; das kostet frellich sehr viel Geld, das schwer aufzutretö bcn sein wird. Wenn es aber eine Anleihe gibt, die ihre Zins« durch eine Berieffe«ng der Volksgesundheit reichlich trag« würde, so wäre eS diese. Alle Jststanz« müffen dafür sorg«, daß der Ausbau der Krankmhäuser möglichst rasch in die Hand genommm wird. Ich bitte den Her« Gesundheitsminster, die große Energie, die er auf anderen polittschen Gebieten zum Vorteil seiner Pattei aufbringt, auch in der Richtung einzusetzen, um die Widerstände, die sich gegen den Ausbau der Krankenhäuser erheben, zu beseittgen, bannt wir eine Anleihe bekommen, durch die es möglich wird, daS Land mit einem Netz gut ausgebauter Krankenhäuser zu überziehen, die Str. 30« Mittwoch, 19. Dezember 1934 Seite 9 Diätenabzüge gestaffelt Prag. Der ursprüngliche Koalitionsantrag, die bisherigen Abzüge von den Diäten der Parlamentarier unverändert bis Ende 1938 zu verlängern, wurde am Dienstag im Budgetausschuh nach einem Referat des Abgeordneten Bergmann(Nat.-Soz.) ziemlich überraschend geändert, indem eine Staffelung der Abzüge je nach dem Wohnort der Abgeordneten, bzw. Senatoren angenommen wurde. Der bisherige Abzug von 14 Prozent(d. i. 700 Kc monatlich) bleibt für die Parlmnentarier aufrecht, die ihren ordentlichen Wohnsitz in Prag haben. Bei jenen, die außerhalb Prags in Böhmen oder Möhren-Schlesien wohnen, wurde der Abzug auf 10 Prozent, bei den Parlamentariern, die in der Slowakei'oder Karpathoruhland wohnen, auf 5 Prozent herabgesetzt. Die sonstigen Abstriche von den weiteren Bezügen der Vizepräsidenten(14 Prozent) und der beiden Präsidenten(19 Prozent) bleiben unverändert. * Im Plenum des Hauses erklärte Je zek (Nat.-Dem.), er sei dagegen, daß die Abzüge gemildert werden, solange die Abzüge der Staatsange- stcllten aufrecht bleiben. Bergmann erwiderte, daß Jezck als Mitglied des Zwölferausschusses der Staatsangestellten ja wiffen müsse, daß der Vorsitzende der Regierung dieser Kommission das b i n- dende Versprechen gegeben habe, dah die Gehaltsabzüge der Staatsangestellten im Jahre 1935 allmählich gemildert werden. Das sei eine hinreichende Garantie und es liege kein Grund vor, dieser Erklärung des Ministerpräsidenten, die sicher im Einvernehmen mit den übrigen Regierungsmitgliedern erfolgt sei, nicht zu glauben. Daraufhin wurde die Vorlage in der AuS- schuhfassung mit der einzigen, von der Koalition beantragten Aenderung angenommen, dah die Abzüge für die slowakischen und karpathorussi- schen Parlamentarier nicht fünf, sondern sechs Prozent betragen sollen. • An und für sich ist eine Staffelung der Diäten nach dem Wohnort sicher nicht unbillig. Die Auffaffung, ob sie aber gerade jetzt erfolgen und sich in einer Milderung der Abzüge für die außer- halb Prags ansässigen Parlamentarier auswirken soll, war in den Couloirs jedoch geteilt. Zweifellos will man mit diesem ersten Durchbruch in das System der Gehaltsabzüge eine allgemeine Milderung der Abzüge für die Staatsangestellten überhaupt einleiten, von der in der letzten Zeit so viel die Rede ist. Immerhin haben sich die Bedenken gegen diese Lösung auch in den Senat übertragen, der die Vorlage am Mittwoch zugewiesen erhalt, so dah augenblicklich eine nochmalige Abänderung der Vorlage in den Bereich der Möglichkeit fällt. Qualifizierte Mehrheit im Parlament noch nm 19 Stimmen überschritten Prag. Im Parlament gab es am Montag eine ungewöhnlich starke Präsenz: Auf der Tagesordnung stand die Abstimmung über die Regelung der Grenze mit Rumänien, wofür nach der Verfassung eine qualifizierte Mehrheit von 180 Stimmen vorgeschrieben ist. Die Koalition hatte deshalb heute strengste Präsenz angeordnet, um diese Vorlage, deren Verhandlung sich schon über zwei Jahre hinausschleppt, endlich zur Annahme bringen zu können. Tatsächlich ergab sich bei der ersten Lesung eine hinreichende Mehrheit von 199 Stimmen gegen 12, bei der zweiten Lesung sogar eine solche von 203 gegen 13. An der Abstimmung beteiligten sich auch sämtliche Regierungsmitglieder. Nachher wurden noch zwei weitere Verträge mit Rumänien über die Regelung der gegenseitigen Forderungen in alten Kronen und über die vlc fasclstisdie Internationale unter römischer Führung M- n t r e n x.(Havas.) Montag ist in Montreux der internationale Rat, der vom»Aktionsausschuß für die Universa- litätRoms" einberufen wurde, unter dem Vorsitze des italienischen Delegierten General 8 o- s e l s ch i zusammengetreten. Es gelangten zwei Resolutionen zur Annahme, in denen erklärt wird, daß der korporative Fasrismus die einzige Grundlage für die friedliche Entwicklung Europas ist und der Marxismus, der Kapitalismus und der falsche bonrgeoisr Rationalismus verurteilt werden. Unter den Teilnehmern des Kongresses befinden sich vor allem Vertreter der österreichischen Heimwehren, der nationalistischen Aufteilung des Vermögens gewisser Waisenkassen aus den Grenzgebieten angenommen. Ausgeliefert wurde der Ungarisch-Nationale Szentivänyi nach 8 14, 1, und der Kommunist Vallo nach 8 16, 3 des Schutzgesetzes. — Nächste Sitzung Mittwoch, den 19. Dezember, um 12 Uhr mittags. Vie Arbeitslosigkeit In Nordböhmen Im November um 8.78 Prozent gestiegen Die Anzahl der Arbeitslosen ist in Nordböhmen im Laufe des Monates November 1934 von 119.982 auf 128.093, d. i. um 8111, also 8.78 Prozent gestiegen. Im gleichen Monate des Vorjahres war die Anzahl der am Ende des Monates gemeldeten Arbeitslosen 131.273, was heuer also ein Minus von 3180, d. i. 2.4 Prozent bedeutet. Bon den einzelnen Zweigen sind anzuführen(zum Vergleich mit den früheren Jahren sind auch in den Klammern die Daten vom Anfang November 1934 und vom Ende des Monates November 1933 angeführt): die Textilindustrie mit 23.222,(22.492, 24.748), Hilfsarbeiter mit 18.821(17.914, 20.625), Glasindustrie mit 16.975(16.169, 19.318), Bauindustrie mit 14.258, Metallindustrie 11.783(10.761, 11.878), Taglöhner mit 10.823(9749, 10.849) usw. Auf dem Arbeitsmarkte machte sich vor allem die Beendigung der Saisonarbeiten geltend. In den Industriezweigen ist fast durchwegs eine Verschlechterung zu verzeichnen, besonders in der Textilindustrie, was sich hauptsächlich in der Vermehrung der zeitweisen Aussetzungen zeigt. Derselben ist auch die große Erhöhung der Anzahl der arbeitslosen Bauarbeiter zuzuschreiben, die heuer bedeutend größer ist, als wie in den früheren Jahren. Boykott-Aufruf der Londoner Frauen Während die von den Nazis neuorganisierte deutsche Handelskammer in London die jüdischen Kausteute Englands zur Aufgabe des Boykotts reichsdeutscher Waren bewegen will, ist der deutschen Ausfuhr in London ein neuer Gegner erstanden: die.EinkaufS-Liga der Frauen" hat sich rechtzeitig vor Weihnachten mit einem Aufruf an die Londonerinnen gewandt, in dem auf die Entrechtung der Frauen im Dritten Reich und auf Deutschlands Kriegsrüftungen hingewiesen wird. Der Schlußsatz des Aufrufs lautet:»Es ist eure Pflicht als Frauen, die deutschen Waren zu b o y- koitieren, denn damit kämpst ihr für die Freiheit und für den Frieden!" Bewegung in Griechenland, der sogenannten holländische»»Schwarzen Front", der portugisischen faseistischen Bewegung, der rumänischen»Eisernen Front" und der spanische»»Falanga". Der Internationale sascistische Kongreß nahm ferner eine Resolution über die„soziale" Aktion des Fasrismus und gegen die jüdisch c n und internationalisierenden sowie die dem Christentum feindlichen Elemente an. Der Kongreß sandte an Mussolini als Haupt des italienischen Fasrismus, ein Begrüßungstelegramm. Vor zwanzig Jahren ging Masaryk Ins Ausland Dienstag abends wurde in Prag im Repräsentationshaus vom Tschechoslowakischen Nationalrat und den Legionärsorganisationen die 20. Wiederkehr des Tages, an dem der damalige Professor Masaryk die österreichische Grenze überschritt, um den nationalen Abwehrkampf gegen Oesterreich zu organisieren, festlich begangen. Namens der Regierung, die durch fünf Minister vertreten war, sprach Dr. Derer, für die Legionäre Dr. S Y ch r a v a und Jng. Pavel. Mildes Urteil gegen tschechische Jungfasclsten aufgehoben Brünn. Das Oberste Gericht in Brünn fällte am Dienstag die Entscheidung in Angelegenheit der faseistischen Jungmannschaft. Der Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwalts gegen das Urteil des Kreisgerichtes in Pilsen gab das Oberste Gericht statt und hob das Urteil auf. Ferner fällte das Oberste Gericht ein Urteil, durch das der Hauptangeklagte B. B r o Z i k aus Pilsen wegen Verbrechens nach dem Gesetze zum Schutze der Republik zu einem Jahr schweren Kerkers und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte unbedingt verurteilt wird. Ursprünglich lautete das Urteil auf zwei Monate strengen Arrests unbedingt. Der Straffall der übrigen 55 Angeklagten wurde an das Kreisgericht in Pilsen zu neuer Verhandlung zurückverwiesen. Im Falle Johann K o n r ä d aus Pilsen, der wegen eines ähnlichen Delikts mit einer Gruppe von 46 Fascisten in Klattau vor Gericht stand und zu einem Monat strengen Arrest, verurteilt wurde, hat das Oberste Gericht die Nichtigkeitsbeschwerde abgewiese». Vorschlag an die Postdirektion. Wir haben neuerdings auf einen Uebergriff der deutschen Postbehörden aufmerksam zu mache». Ein Exemplar des„Sozialdemokrat", adressiert an die „Danziger Volksstimme" in D a n z i g, kam mit folgendem Vermerk zurück: „Zeitung in Deutschland verboten. Infolgedessen auf Grund Artikel 45, Ziffer 3 des Weltposwer- trages zurück." Dieser Vermerk stammt vom Bahnpostamt 20, Dresden A 7, Kellstratze 12. Der Zeitungsumschlag befindet sich in der Redaktion des„Sozialdemokrat".— Da die Zeitung nicht nach Deutschland, sondern nach Danzig adressiert war, hat keine.deutsche Postbehörde das Recht, die Beförderung zu verweigern. Wir schlagen deshalb unserer Postdirektion vor, gegen die ständigen Ueber- griffe der reichsdeutschen Poststellen einzuschreiten. Anläßlich der Weihnachtsfeiertage wird unser Blatt bereits am Dienstag, den 25. Dezember» zeitlich früh, als Weihnachtsnummer in verstärktem Umfange in allen Orten sein, und können unsere Kolporteure die Zeitungen schon um 6 Uhr früh von der Bahn abholen. Die Ausgaben von Mittwoch, den 28., und Donnerstag, den 27. Dezember, entfallen. Unser Blatt erscheint erst Freitag, den 28. Dezember, wieder normal. Am Dienstag, den 1. Jänner 1985, erscheint unser Blatt als NeujahrSnummrr im verstärkten Umfang, die Mittwoch- ausgabe vom 2. Jänner erscheint zur gewohnten Stunde. Die Verwaltung. Entflechtung Aus Berlin wird uns geschrieben: Eine deutsche Zestschrift hat endlich den Mut gefunden, gegen das Verbrechen der Kastration und Sterilisatipn Stellung zu nehmen. Schützend stellt sie sich vor die Opfex. Vor die Menschen? Rein, vor die Sprache. Es. ist. das Organ des Deutschen Sprachvereins, das in der Nununer vom Brächet 1934 die Vergewaltigung der deutschen Sprache bedauert, weil»hier, wie sonst ganz überflüssiger Weise die Wahl des. fremden Wortes. den irrigen Anschein erweckt, als ob die deutsche Sprache nicht über die notwendigen Ausdrucksmittel, verfügte.". Fort mit der Kastration. Man sage: Entmannung. Ganz besonders ärgerlich findet der deutsche Sprachverein das Wort sterilisieren. Sein Gebrauch ist geradezu unappetitlich, da man ja leider Gottes noch immer das Einkochen von Obst, die Entkeimung von Milch als Sterilisation bezeichnet. Dabei ist auch dieses Wort längst überflüssig geworden, seitdem der-Gebrauch der Weckesche» Gläser zum Verbum»einwecken"- geführt hat. Was liegt näher als denselben Stamm für Menschen und Kompott zu verwenden. Und wie schön reimt sich dann auf entwecken— verrecken. Leider bestehen Bedenken bei der Zeitschrift, aber es gibt Ersatz. Die Sterilisation des Menschen durch das Dritte Reich soll Entfruchtung genannt werden. Das fordert sie. Im übrigen ist Entfruchtung zur Zeit das große Arztgeschäft in Deutschland. Hunderte bestürmen die Aerzte in der Provinz, entfruchtet zu werden. In Berlin haben sich nach Angabe des Stadtarztes Dr. Klein allein etwa 1000 gemeldet. Auf einem deutschen Kongreß wurde neulich berichtet, daß eine Frau sich„ostisch überlagert" fühlte und schuldbeladen um Entfruchtung flehte. Man sieht, es ist nur ein Schritt vom Wahnsinn der erweckten zu den entweckten Deutschen. Der hübsche, kerngesunde Bauernjunge, der sich sterilisieren läßt, weil sein Vater etwas zu viel getrunken hat, ist der Liebling des Dorfes geworden. Er kann sich vor Anträgen kaum mehr retten. Wie aus der Postkutschenzeit mutet der Kampf um die Abtreibung an. Hitler ist gründlicher. Deswegen hat auch kürzlich das Hauptblatt des Reichsnährstandes vorgeschlagen, daß benachbarte Dörfer einem„Zqchtwaxt". unterstellt werden sollen. Er hat„die. wertvollen Ehegatten zu verpflichten, eine möglichst.große. Zahl von Kindern zu haben". Die.Liebe, bleibt, wie man sieht, ein Reservat der wilden. Tiere und Emigranten, die sich von keinem Zuchtwart verkuppeln lassen. Ist aber erst die Liebe gänzlich eugenisch mechanisiert, dann verschwinden aus Deutschland die letzten Reste des liberalistischen. Zeitalters.—dd. Brücken Brücken sind wie Arme, die dich Sergen, Wenn du nichts mehr siehst als deinen Weg, Endlos, grau—, kem Ziel, nur einen Steg, Und du lebst in einer Welt von Särge«... *' Brücken sind wie gute, milde Sterne» Wenn im Retz der Straßen d« erschrickst. Und erschauernd in die Zukunft blickst. Zeigen sie das Ziel dir in der Fern«—! * Brücken find wie schwingend« Gedanke«, deine Last—, läßt du sie nicht zurück—? Geh' hinüber—. Drüben wohnt das Glück, Den« die Hoffnung stäßt auf kein« Schranken. * Brücken find eS, die«ns weiter tragen, Laßt fie täuschen—. Rur der Mensch zerbricht, Dein der Glaube an sei« Ziel erlischt— Laßt uns zueinander Brücke« schlagen! Pierre. Der Taucher von San Martino Scharf und zackig ragt das Eiland an sonnigen Tagen aus der blauen Spiegelflut des Mit- telmeereS. Mit einem weißen Saum, wie Brüsseler i Spitzen, schmücken die Wellen die FelSküsten. Aber meterhoch spritzen die Wogen, rennen wütend und toll gegen das Gestade an, bricht ein Sturm los. Dann ist die friedliche Fischerinsel nicht wieder. zuerkennen und der Fremde, den hier ein Unwetter überrascht und festhält, befürchtet, die nächste heranbrausende Wafferwoge würde alles verschlingen. An solch einem Tage sah ich einen Mann am Ufer stehen, dort, wo es besonders steil abstürzte. Aus seinem wettergebräunten Gesicht leuchteten zwei übergroße Augen, in denen sich die aufzuckenden Blitze widerspiegelten. Durch das volle schwarze Haar zog die silberne Furche einer hellen Strähne, die Lippen hatte er fest aufeinandergepreßt, die Flügel seiner schmalen Nase— die ihn als Sohn dieser Insel kennzeichnete— bebten in heftigster Erregung. Ich schätzte den Mann auf höchstens vierzig Jahre. Er stand mit nacktem Oberkörper in lauernd vorgebeugter Stellung, den Blick starr in die Tiefe gerichtet. Die weiten Beinkleider um seine Füße schlenkerten im Sturm wie zerfetzte Segel am Mast. Zuweilen hob er den rechten Arm, holte zu einem mächtigen Schlag aus und ließ ihn ins Leere niedersausen. Dabei entrang sich ein unendlich qualvolles Stöhnen seinem Munde. Eine Weile betrachtete ich gebannt das unheimliche Schauspiel, dann zog ich es vor, in die kleine Schenke am Hafen zurückzukehren, l Der alte Pedro, dick und gutgelaunt wie immer, begrüßte mich mit spanischer Grandezza und fragte nach meinen Wünschen. Ich erzählte ihm mein Erlebnis. «Ach, Sie meinen Joft, antwortete der Wirt und kratzte seine braune, ölige Glatze.„Tja, das ist ein armer Junge und er verdient es, daß man Mitleid mit ihm hat... Sehen Sie, mein Herr, Jose hatte Annabell« sehr geliebt. Sie wuchsen als Kinder zusammen auf und er träumte davon, sich mit ihr einst ein kleines Wirtshaus drüben auf dem Festland aufzumachen. Aber die schöne, vielumworbene Annabella trug kein Verlangen nach solch einem häuslichen Glück— und verschwand eines Tages von San Martino. Joft raste wie ein junger andalusischer Stier, als er es erfuhr-— wir gingen ihm aus dem Wege und wollten ihn austoben lassen. Er sprang in sein Boot und segelte nach Westen... Fünf Jahre blieb er aus, wir dachten alle, er sei längst tot. Inzwischen begruben wir seine Mutter und auch sein Vater kam von einem Fischfang nicht mehr heim. Nach fünf Jahren, am Himmelfahrtstage, tauchte unser Joft groß, heiter und männlich wieder auf. Zeigte lachend und stolz sein erspartes Geld. Erzählte so manches von seinen Abenteuern als Taucher in den verschiedenen Meeren. Bon Annabella sprach er kein Wort mehr, die blieb verschollen, wir hüteten uns, an sie zu erinnern und so schien alles bei bestem Wind. Da kam die Sache mit der„Granada". Sie erinnern sich doch, mein Herr, die vor zehn Jahren an der afrikanischen Küste mit Mann und Maus versoff? Den Rettungs- und Bergungsarbeiten stellten sich ungeahnt große Schwierigkeiten entgegen, weil das Gerücht umging, die„Granada" gehörte zu den schwimmenden Särgen, Schiffe, auf deren Untergang die Gesellschaft hofft, um die hohe Versicherungssumme zu erlangen— und das Betreten eines solchen Fahrzeuges bringt jedem ehrlichen Seemann Unglück.. Deshalb fanden sich auch keine Taucher, die gewillt gewesen wären, hinabzusteigen. Trotzdem mußte wenigstens eine Anzahl der verunglückten Passagiere geborgen werden, um einen internationalen Skandal zu verhüten. Der erste Taucher, der sich bereit ercklärte, J war Josk. Wir warnten ihn, versuchten ihn zurückzuhalten und erinnerten ihn an den Fluch, der auf dem Schiffe laste—• er verlachte unsere Mahnung. Stieg hinunter, in der Hand das kleine scharfe Beil, mit dem er'sich einen Weg durch das Grauen bahnen wollte. Der Alte schwieg. In' der Finsternis tastete ich heimlich nach meinem Glas, um die Erregung zu meistern.„Und—?" „— und als man Jose nach banger Frist mit unendlicher Mühe wieder an Deck des Rettungsschiffes gezogen hatte, lag er stundenlang in tiefster Ohnmacht. Wohl, kam er wieder, zu sich. Doch sein Geist blieb zerrüttet.... Später wurde die „Granada" doch gehoben.und. die Leichen agnosziert. Es müssen sich herzzerreißende Szenen während des Unterganges abgespielt haben. Viele waren bis zur Unkenntlichkeit aufgedunsen und man sah noch die Todesangst in ihren verzerrten Gesichtern. Mütter hielten krampfhaft die Kinder an die Brust, manche waren in den Kabinen erstickt. Fast alle waren von Fischen angefressen. Den Kapitän fand man mit durchschossener Schläfe >n seiner Kajüte, engumschlungen mit einer jungen, schönen Frau." „Annabella", sagte ich leise. Pedro nickte.„Ihr war die Kugel mitten ins Herz gedrungen. Sie hat bestimmt nicht lange gelitten. Nur des Kapitäns Kopf soll überdies gräßliche Wunden aufgewiesen haben. Wie von frischen Beilhieben..." Das Unwetter fdfiten vorüber. Draußen lichtete es sich.„Noch ein Glas mein Herr?", fragte Pedro höflich. Hams Leo Reich. Tcilc 4 Mittwoch, 19. Dezember 1931 Nr. 296 vor allem für— Kriegsschiffe ganze Wüste bereits pazifiziert sei. aus LolensGWe nach denen auch im Jahre 1934 die werden. Binson, der erklärt hatte, sich mit allen Kräften für die Annahme dieses Vorschlages, der bereits 35 Jahre alt ist, einsehen zu wollen, ist der Meinung, daß dieser Kanal für die Vereinigten Staaten einen unermeßlichen Wert besitzt und zwar nicht nur vom Standpunkte des Handels, sondern auch vom Standpunkte der Nationalverteidigung und daß er in der nächsten Zeit über dieses Projekt mit dem Präsidenten Roosevelt konferieren werde. Der Kongreß der Bereinigten Staaten ist in seiner Mehrheit für die Durchführung des Kanals. Der Kanal würde eine Länge von 172 Meilen haben. wird Mituooch abends um 6.50 Uhr im Rundfunk in der Sozialen Information, von Geirossen Franz K r e j c i besprochen. Wir brauchen nicht besonders zu betonen, daß gerade jetzt dieses Thema hochaktuell geworden ist und bei den N a- diohörern Beachtung finden wird. Es hat nach einer Reihe von Ländern eine bedeutende Ausfuhrsteigerung in diesem Jahre erzielt werden können. So konnte nach der Türkei für den dreifachen Wert der gleichen Zeit des Vorjahres ansgeführt werden. Nach Großbritannien, Schwede«, Norwegen, der Schweiz, Jugoslawien und Griechenland fällt die Erhöhung der Ausfuhr ebenfalls ins Gewicht. Zucker zurückgegangen, während sie sich bei allen anderen Warengruppen erhöht hat. Bei Holz macht die wertmäßige Steigerung derAusfuhr b e i n a h e 100 P r o z e n t aus! Interessant ist ein Vergleich unserer Ausfuhr nach Ländern geordnet. Hier liegt das amtliche Material vorläufig nur für die ersten zehn Monate 1934 vor. Die tschechoslowakische Ausfuhr betrug nach: Jänner bis Oktober 1934 1933 in tausend KL Htnrtchtirag einer Fra« i« London? London. Blättermeldungen zufolge wird Mittwoch die 43- jährige Ethel Lillie Major, die wegen Giftmordes an ihrem Gatten zum Tode verurteilt worden war, durch den Strang hingerichtet werden. Es ist dies seit elf Jahren die erste Frau, die unter der Hand des Henkers stirbt. Ihre Berufung ist Montag verworfen worden. Ehinefifche Grenelmärche«? Shanghai. Nach einer Depesche aus Peiping hat sich die Nachricht bestätigt, daß die amerikanischen Missionäre, die vor einigen Tagen von angeblichen Kommunisten entführt worden waren, öffentlich hingerichtet worden sind. Die Kommunisten hätten erklärt, daß sie mit dieser Tat eine Aktion zur Ausrottung aller Fremden eröffnen wollten. Die Amerikanerin Stamm verbarg ihre Tochter Helene, die eine Chinesin während zweier Tage fällte, und die dann vollständig unversehrt nach Buhu zu chinesische« Missionären gebracht wurde. 500 Verhaftungen! Sofia. Bei den Nachforschungen nach der kommunistischen Geheimorganisation in Haskovo wurden 325 Zivilpersonen und 175 Soldaten verhaftet. Es wurden zahlreiche Gewehre, Munition und Bomben gefunden. Zweck der Verschwörung war, einen Aufstand in den Kasernen herbeizuführen, Offiziere zu verhaften und die Leitung der Armee in die Hände der Zivilpersonen zu legen. Bei den Verhaftungen haben sich keinerlei Zwischenfälle ereignet. Washington. Der alte Plan quf Schaffung eines Kanals durch die Republik Nicaragua, der ungefähr einen Kostenaufwand von 722 Millionen Dollar erfordern würde» wurde vom Vorsitzenden der Senatskommission im Repräsentantenhause, Binson, auf die Tagesordnung gesetzt. Binson erklärte, daß ein Kanal quer durch die Republik Nicaragua unerläßlich werden wird, da bereits in einigen Jahren die Schleusen des Panama- kanals nicht mehr hinreichend breit sein würden, um einige Kriegsschiffe ohne Gefahr durchzulassen, die zur Zeit in den Wersten der Bereinigten Staaten gebaut Unter den hier aufgeführten Ländern befinden sich vier, tschechoslowakische Ausfuhr weiter abgenommen hat: Frankreich, Rußland, Polen und Ungarn. Prozentual am stärksten ist die Abnahme der Ausfuhr nach Rußland, hier beträgt sie fast 50 Prozent! Empfindlich ist auch der wettere Verlust in Frankreich, der unserer Exportindustrie vor allem durch die französische Handelspolitik, so durch die Einfuhrkontingentierung bereitet wird. Um so beachtlicher ist die beträchtliche Ausfuhrsteigerung nach Deutschland, die allerdings im wesentlichen durch die besondere deutsche Einfuhrkonjunktur bedingt war und die in diesem Umfang nicht gehalten werden kann. Doch wird aus der obigen Tabelle ersichtlich, daß eine Förderung unseres Exports durchaus nicht nur auf Deutschland eingestellt sein darf. „Die Organisation der Fürsorge in der Tschechoslowakei** Vom Rundfunk empfehlenswertes au« den Programmen« Freitag: Prag, Sender L.: 9: Außerordentl. deutscher Schulfunk, 10.05: Deutsch« Nachrichten, 12.10: Slowakische Volkslieder, 16.45: Tschechischkurs für deutsche Hörer, 18.20: Deutsche Sendung: Prof.Bullirschr Gabelsberg und sein Werk, 18.45: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.55: Deutsche Presse, 22.15: Schallplatten. Sender S.: 14.20: Schallplatte«, 15: Deutsche Sendung: Für die Frau. — Brünn 13.40: Leichte Musik, 16.45: Walzer auf Schallplatten, 17: Das mährische Quartett, 18.20: Deutsche Sendung: Prof. Müller: Deutsche Weihnachtsbräuche, 21.15: Buntes Programm-— Mähr.- Ostrau 18: Deutsche Sendung: Kinderszene. Für Sowjet-Argentinien? New Aork. Laut Blättermeldungen Buenos Aires hat die Polizei>n der argentinischen Hauptstadt eine Verschwörung aufgedeckt, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, in Argentinien eine Sowjetregierung zu errichten. Die Polizei verhaftete etwa 150 Personen. Der amtliche Bericht spricht von einer feindseligen Agitation des argenttnischen kommunistischen Ausschusses, der sogenannten Unidad Sindicalista, die insbesondere unter den Hafenarbeitern gegen die Regierung ausgebrochen ist. Heimkehr«ach zwanzig Jahren. Nach zwanzig Jahren ist vor einigen Tagen der in russische Kriegsgefangenschaft geratene Simon Spießberger in seine Heimat Weyregg(Oberösterreich) zurückgekchrt. Spießbcrger befindet sich auf der V e r m i ß t e n- liste des Wehregger Kriegerdenkmals. Vor nicht langer Zeit erhielten seine Angehörigen ein Lebenszeichen von ihm aus Rußland, daß er in die Heimat zurückzukehren gedenke, weil man ihm das in Rußland erworbene Haus und seine Ersparnisse abgenommen habe. Seine Angehörigen schickten ihm das Geld für die Rückreise und nunmehr befindet sich Spießberger. wie- der in seiner Heimat. Nazi- Anwalt veruntreut Klirntengelder. Montag wurde in Graz der Rechtsanwalt Dok- tor Herbert G a ß n e r verhaftet und dem Leobe- ner Kreisgericht eingeliefert. Gaßner, der vor drei Jahren aus Klagenfurt nach Leoben gekommen ist, hat Klientengeldcr in größerem Maßstab« veruntreut. Während der Militärgerichtssession hat er öfter angeklagte Nationalsozialisten verteidigt. 1 Rundfrage über studentische Gegenwartsfrage«. Die Tchriftleitung des„Werkstudent", Prag II., Jungmannova 29 wandte sich in einer Rundfrage be- treffend die Köllegiengelderhöhung, die Staffelung der Hochschulgelder, den Ausbau der studenttschen Krankenfürsorge durch Pflichtversicherung, die Aspirantenfrage. den Jnsignienstreit und verschiedene Mittelschulstagen an die deutsche Profefforenschast und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die genannten Fragen wurden in der Dezemberfolge des „Werkstudent" ausführlich erörtert und zum größte« Teil auch in einer Denkschrift niedergelegt, die Schulminister Krcmär Ende November überreicht wurde. Das Ergebnis der Rundfrage wird in der Jänner- und Feberfolge des„Werkstudent" veröffentlicht werden. Der Postverkehr zu Weihnachten u«d Neujahr. Sonntag, den 23. Dezember, wird im Postdienst wie an Feiertagen amtiert und die Post wird nur im Ortsbestellbezirk, und zwar bis 12 Uhr, zugestellt. Montag, den 24. Dezember, enden die Amtsstunden für'den Parteienverkehr im P o st dienste um 13 Uhr; die Zustellung der Briefpost wird auf höchstens ztoei legraphen« und Telephon verkehr ist. der Dienst normal. Dienstag, den 25. Dezember, wird der Dienst wie an Sonntagen und Mittwoch, den 26. Dezember, wie an Feiertage« versehen. Wie an Sonntagen wird auch Dienstag, den 1. Jänner, amttert. Bei eiuer Hochzeitsfeier in Mudania(Türkei) stürzte der Fußboden eines SaaleS ein, in dem sich etwa 100 Frauen versammelt hatten. Acht Frauen wurden schwer verletzt. Wahrscheinliches Wetter heute: In den böhmischen Ländern vom Westen her erne«te Zunahme der Bewölkung und der Regenneigung mit nachfolgender Erwärmung. Nachts ftellenweffe etwas stärkere Abkühlung. Auffrischender Südwestwind. Im Karpathengebiet zunächst keine wesentliche Aendernng, ruhig. Später ebenfalls allmähliche Verschlechterung. Alles^pazifiziert"— in der Wüste.. ♦ Paris. Militärabteilungen, die aus Innerafrika nach Nordafrika gelmigt sind und unter denen sich auch zwei Gruppen befinden, die in der Wüste auf Kamelen eine Entfernung von etwa 1000 Kilometer zurückgelegt haben, brachten Nachrichten, die besagen, daß sie während ihrer ganzen Reise durch die Sahara mit keinem feindlichen Stamm zusammengetroffen seien.„Le Matin" fügt dem hinzu, aus der Nachricht gehe hervor, daß die Zu der Hoffnung, daß der Ausstieg der Ausfuhr anhalten wird, berechtigt das neue Vordringen auf einigen überseeischen Absatzmärkten. Eine Voraussetzung ist dazu allerdings unerläßlich, nämlich die, daß die Exporttndustrie nicht nur alle Hoffnungen auf staatliche Unterstützung und Exportförderung setzt, sondern daß sie auch selbst alle Möglichkeiten der Exportsteigerung erspäht und ausschöpft. Auf diesem Gebiete könnte sie mehr tun als bisher, und dafür weniger für die Subventionierung antidemokratischer Kräfte und Organisationen. Das geht die Industriellen deutscher und stschechoslowakischer Nationalität an! TagcsncnlgkcMcn Ein Landesinstitut hilft den Arbeitslosen Die Direktion der mährischen Hypotheken- und Landwirtschafts- bank in Brünn erörterte die schwere Wirtschaftslage und dse mit ihr verbundene Arbeitslosigkeit und beschloß, zur Linderung des Elends, das durch die Arbeitslosigkeit hcrvorgerufen wurde, den Betrag von Kä 300.000.— zum Ankäufe von 100 Waggons Kartoffeln zu widmen. Dieser Betrag wurde beim Landesamt in Brünn in der Erwartung hinterlegt,, daß auch andere Geld- und Wirtschaftsinstitutionen sich dieser Aktion a n sch l i e- ß e n werden. Tödlicher Unfall eineS Eisenbahners. Montag gegen Abend lud im Heizhaus der Staatsbahnen in Pilsen der 45jährige verheiratete Arbetter Eduard Jirovec aus Pilsen Asche auf einen Waggon. Nach Beendigung der Arbeit wurde er aufgefordert, den Waggon zu verlassen. Er leistete der Aufforderung keine Folge und wurde von der den Waggon verschiebenden Lokomotive drei Meter tief in den Schlackenkanal hinabgeschleudert. Er wurde in das PUsner Krankenhaus geschafft, wo er tnehrere Stunden später den erlittenen schweren Verletzungen, einem Schädelbruch und einer Gehirnerschütterung, erlag. Neue Rußland-Marken. Demnächst wird in Sowjerrußland eine Serie neuer Briefmarken zur Ausgabe gelangen. Diese Marken werden Begebenheiten von der Tscheljuskin-Expedition zeigen. So werden Abbildungen des Professors Schmidt, des Kapitäns Woronin, der heldenhaften Sowjetflieger, welche die Tscheljuskin-Schiffbrüchigen in Sicherheit brachten, usw. auf den Marken zu sehen sein. Mit der Novemberbilanz unseres Außenhandels, die wir in der Sonntagsausgabe unseres Blattes veröffentlicht haben, ist in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres der Außen- handelsgesamtumsatz höher als im ganzen Jahre 1933. Er erreichte im vorigen Jahre im reinen Warenverkehr den Wert von 11.7 Milliarden XL; vom Jänner bis November 1934 beträgt er 12,3 Milliarden XL. Besonders günstig muß in der Bilanz die Entwicklung der Ausfuhr bezeichnet werden, die in den ersten elf Monaten 1934 gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres eine Erhöhung um knapp 25 Prozent verzeichnet: von 5.3 Milliarde« XL auf über 8,5 Milliarden XL. Die Fertigwarenausfuhr allein ist um fast eine Milliarde XL gestiegen. Der Anteil der einzelnen Warengruppen an der Zunahme ist aus dieser Aufstellung zu ersehen. Es betrug die Spegialausfuhr dem Werte nach: Jänner bis November Das Thema des erschütternden Romans von Traben„Das Totenschiff", der vom Schicksal jener Heimat- und hoffnungslosen Seeleute erzählte, die sich auf die zum Untergang bestimmten, weil über- allerten, aber noch hoch versicherten Schiffe an- heuern lassen, ist jüngst in seiner ganzen Aktualität erwiesen worden; denn es wurde zum Thema einer Debatte im englischen Unterhaus. Die Labourabg. A. Greenwood und Dr. Addison forderten im Namen ihrer Partei— freilich vergeblich— die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die englischen Seeleute. Und Greenwood wies dabei auf die„schwimmen- denSärge" hin, die von gewinnsüchtigen Reedern ausgeschickt werden, obgleich sie nicht mehr seetüchtig und für die Besatzung eine Hölle sind. Der Dampfer„M i l l p o o l", der im Ottober dieses Jahres, an der Küste von Labrador unterging und 27 Matrosen mit sich in die Tiefe riß, sei ei» solcher schwimmender Sarg gewesen,— und Paülä Walli sch: Ein Held stirbt Leben, Kampf und Tod de« Koloman Walfisch Preis im Bachhandel K4 40.—, für die Parteienausgabe Kc 22.—. Und wenn's auch nur ei« paar Mark sind, der gleichgeschaftete Verleger nimmt sie gern von einer sozialdemokratischen Zeitung. Er versucht es wenigstens, mit ausländischen marxisttschen Zeitungen Geschäfte zu machen. Nicht zum ersten Male wurde uns eine Korrespondenz aus Berlin angeboten, diesmal eine„Frauenkorrespondenz", die wichttge Arttkel für die Hausfrau verspricht, auch„Berichte über die berufstätige Frau". So sehr uns das„kulturell wertvolle Material" interessieren würde, besonders die Berichte über die Zurückdrängung der berufstätigen Frauen, — wir müssen doch verzichten, weil wir nicht gleich vorurteilslos sind und auf die Zusainmen- arbeit mit gleichgeschalteten Verlagen keinen Wert legen, selbst wenn sie in den Ausländsbriefen das Hxil HUler! preisgeben und sich mit einem schlichten„deutschen Gruß" begnügen. Die Steigerung der Ansfnhr Ein Erfolg, der ausgebaut werden muß dieselbe Schiffahrtsgesellschaft, die an der„Mill- Pool" verdiente, habe noch einen zweiten Dampfer in Betrieb, der schon einmal in höchster Seenot war und auf dem die Mannschaft unter den schrecklichsten Bedingungen arbeiten müsse. Um diese Zustände nach Möglichkeit zu verschleiern und um die Löhne der Seeleute aufs äußerste zu drücken, beschäftigen die englischen Reeder immer mehr farbigeMatrosen, vor allem Chinesen, auf ihren Schiffen, obwohl die'Arbeitslosigkeit unter den englischen Seeleuten immer größer werde. Dr. Addison brachte die groteske Tatsache zur Sprache, daß die englischen Reeder, die am Tode ihrer Matrosen Geld verdienen und um des Profites willen englische Seeleute vom Arbeitsplatz verdrängen, von der Regierung vier Millionen Pfund jährlich Subvention zur Linderung der Arbeitslosigkeit eichalten... Ein bezeichnendes Bild der„Seemannsromantik" > in der kapitalistischen„Wirtschaftsordnung". 1934 in tauft 1933 nd XL Eisen und Eisenwaren.,. 762.644 435.610 Glas und Glaswaren.,. 530.484 476.095 Obst, Gemüse, Pflanzen,. 247.105 179.536 Baumwolle, Garne und Waren daraus»,.. 546.790 546.423 Kohlen 411.305 365.564 Wolle, Wollengarne und Waren 524.600 374.521 Holz 345.068 173.544 Leder und Lederwaren... 324.089 291.375 Unedle Metalle und Waren daraus....... 239.312 179.114 Seide und Seidenwaren... 257.733 233.819 Getreide, Malz, Hülsenfrüchte, Mehl, Reis 188.044 243.925 Flachs, Hanf, Jute; Garn« und Waren daraus... 274.792 199.840 Konfettionswaren.,.. 248.153 142.744 Juifcr••••««•8 126.968 174.786 Papier und Papierwaren 204.221 179.059 Maschinen und Apparate.. 172.018 108.191 Tonwaren 158.058 138.703 Tierische Produkte,,,, 170.395 125.884 Mineralien 128.026 97.425 Holzwaren 102.410 87.048 Es ist demnach nur die Ausfuhr von Agrar- Produkten, besonders von G e t r e i d e. und von Deutschland 1,354.708 938.399 Oesterreich. 621.089 577.084 Vereinigte Staaten von siord- amerika 404.571 362.941 Großbritannien 371.077 284.278 Schweiz.. 236.897 211.793 Holland.. 219.975 207.213 Frankreich. 216.871 254.221 Jugoslawien 212.893 164.676 Rumänien. 211.194 188.130 Türkei., 138.283 43.036 Italien.« 164.083 133.481 Schweden.. 133.775 90.958 Belgien., 126.692 116.705 Ungarn., 124.134 153.472 Polen.., 112.257 138.527 Argentinien. 81.268 54.180 Britisch-Jndien 76.851 64.593 Dänemark 69.885 59.980 China.. 67.273 41.415 Südafrika. 50.383 40.888 Norwegen.. 46.531 38.776 Aegypten.. 43.985 38.242 Griechenland 42.548 17.589 Brasilien, 41.392 31.721 Spanien.« 41.023 35.399 Kanada.. 33.277 24.273 Australien, 23.674 15.727 Rußland., 23.200 58.117 Japan., 20.866 19.803 Bulgarien. 16.777 13.854 Xc. 396. Mttwoch, 19. Dezember 193t «^ostaftemrfnrt- Warten Sie nicht auf den Andrang der letzten Tage Wir sind schon jetzt vorbereitet Ihnen mit da passenden Geschenken zu dienen. J 315 Napoleon-Briefe Paris. Die französische Regierung hat bei einer Versteigerung in London für 15.000 Pfund Sterling d. s. 1.25 Millionen Franken, 315 Briefe erstanden» die Napoleon hauptsächlich aus Deutschland und vom russischen Feldzug an seine Freunde und größtenteils an seine Gemahlin MarieLouise schrieb. Diese Briefe werden nunmehr in der Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt werden. Der Narrenturm der Rassenforscher. Im Verlag Adolf Klein-Leipzig ist eine nationalsozialistische Schrift aus der Feder eines gewissen Hermann Gauch erschienen, die den Titel„Neue Grundlagen der Rassenforschung" trägt. Dieser Gauch ist ein richtiger Gauch und macht sich entweder aus dem ganzen nationalen Sozialismus einen guten Tag, oder er ist selber ein kompletter Narr. Den Gipfel seiner Wissenschaftlichkeit bilden folgende Sätze: „Der nichtnordische Mensch nimmt eine Zwischenstellung zwischen nordischen(Gauch schreibt immer den„Nordischen" Menschen mit großem, den„nichtnordischen" mit kleinem Anfangsbuch- ftaben. Die Red.) Menschen und den Tieren, zunächst den Menschenaffen, ein. Er ist darum kein vollkommener Mensch, er ist so überhaupt kein Mensch im eigentlichen Gegensatz zu dem Tiere, eben nur ein llebergang dazu, eine Zwischenstufe.....Der grundsätzliche Gegensatz in den Merkmalen würde also die Gegenüberstellung Nordischer Mensch—Tier ergeben, so daß der nichtnordische Mensch zur Tierwelt mit ihrer Gesamtheit der mchtnordischen Merkmale rechnen würde, in Anbetracht seiner Zwischenstellung der Mehrheit seiner Merkmale eben nur als Untermensch ange- sproche» werden könnte. Somit können wir das rassenkundliche Grundgesetz aufstellen: ES gibt kein körperliches und seelisches Merkmal, das einen Begriff Menschheit im Unterschied zu den Tieren rechtfertigen wüttw, sondern nur Unterschiede zwi- Ken dem Nordischen Wenschen einerseits und dem Menschen oder Untermenschen als der UebergangS- kines bliebe der Aufklärung bedürftig: In welche Kategorie find Goebbels und Göring einzureihen? Greßer Fabrikirand bei Berlin. Wie die Ber- liner Zeitungen berichten, wurde die von Friedrich dem Großen begründete Papierfabrik in SpechtShauseu bei Eberswalde von einem Großfeuer heimgesucht. Im dritten Stockwerk des FabrikkomplexeS, wo feinfaseriges Papier für Zwecke der Notenherstellung der Deutsche» Reichsbank erzeugt wird, gerieten Montag abends mehrere Hundert groß« Papierballen in Brand. DaS Feuer fand in dem leicht brennbaren Material reiche Nahrung, so daß das dritte Stockwerk und der Dachboden in wenigen Minuten ein einziges Flammenmeer bildete. Das ganze Dachgeschoß in einer Ausdehnung von mehr als 2000 Quadratmetern wurde völlig in Asche gelegt. Eine große Anzahl von Mowren und Maschinen wurde vernichtet. Der. Gesamtschaden wird auf mehr als 100.000 Reichsmark geschätzt. Der Verkehr auf der an der Fabrik vorbeiführenden Chaussee muhte von der Polizei und Arbeitsdienst gesperrt werden.' Eia zweites schweizerisches Alpine-Mnsemu. In diesen Tagen wurde in Bern das neue schweizerische Alpine-Museum eröffnet. Die Hauptstadt der Schweiz wird nunmehr zwei Alpine-Museen besitzen. Das erste galt als Muster eines landeskundlichen Museums und wurde zum Teil als Vorbild für das Alpine-Museum in München und für das Tatra-Museum in Zakopane. Die Entwicklung des Berner Museums nahm derart zu, daß neu« Räume erstellt werden mußten. DaS Museum besteht ans mehreren Abteilungen, und zwar für physikalische Geographie der Alpen, Gletscherkunde, Mineralogie und Geologie, die Fauna der Alpe», die Alpenflora usw. Geschenke, die„beglücken". Jetzt kommt wieder die Zeit, in der sich mancher den Kopf zerbricht, was er schenken soll. ES soll etwas brauchbares sein, soll Freude machen, darf aber nicht viel kosten. Wer in dieser Lage ist, der schenke Lose der Jugendfürsorge- Lotterie. Ein Los kostet nur 5 Kd, der Besitzer aber kann damit sein Glück machen! 6184 Treffer im Werte von 250.000 Kd kommen zur Verlosung, darunter di« Haupttreffer zu 100.000, 20.000, swvie viele andere. Treffer im Werte von 5000, 3000,1000, 500 Kd usw. Dazu kommt, daß nicht lange auf das Ergebnis der Ziehung gewartet zu werden braucht, denn dieselbe findet schon am 16. Jänner 1935 statt. Der Ankauf von Jugendfürsorgelosen stellt aber gleichzeitig auch ein gutes Werk dar, da der Ertrag dieser Lotterie ganz der notleidendeii deutschen Jugend zukommt. Lose sind zu haben bei der Deutschen Bezirksjugendfürsorge, in Trafiken, Losverschteiß- stellen, Banken oder direkt zu beziehen von der Deutschen Lansteskommiffion, Reichenberg, Waldzeile 14. GEDENKET M allen Anlassen der Arbeitertünorgel 91tor$ für Sie Mutter dine furchtbare Xraodöie vor den Präger GefcHtvorenen «SecHzeyuZührßger von der Mutter zur« tXattbmorö gehetzt? Prag. Der auf zwei Tage berechnete Mordprozeß, der am Dienstag vor dem Prager Schwurgericht eröffnet wurde, zählt zu den ganz großen Sensationsprozessen, die in diesem Jahr verhandelt wurden. Gegenstand der Anklage bildet die Ermordung der Klavierlehrerin Julie Malat, die am 23. August in ihrer Wohnung in der Belcredistraße in Prag VII erdrosselt aufgefunden wurde. Der unmittelbaren Begehung dieser Mordtat ist ein sechzehnjähriger Bursche angeklagt, ein Jugendlicher, dessen Name nach dem Gesetz nicht genannt werden darf. Neben ihm aber sitzt als eigentliche Hauptperson dieses Prozesses die uneheliche Mutter des jugendlichen Angeklagten, die 37jährige, geschiedene Gattin eines Gesandtschaftsbeamten, M a r i e L« l ey, als Anstifterin und moralische Urheberin dieser schrecklichen Tat. Die Verhandlung leitet OGR. Dr. Hruöka, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. S t i b r a l. Zmn Verständnis des Sachverhaltes muß von de» die abenteuerliche Lebensgffchichte der Marie Luley Anfang an berichtet werden. Die Schicksale der Mutter Marie Luley, geboren 1897, war während Krieges als Beamtin bei einer Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen in Stkedoklnky bei Lau» angestellt, wo sie eine Bekanntschaft mit einem Beamten anknüpst«, aus welcher 1918 der heute angeklagte Jugendliche als uneheliches Kind geboren JuurK. d«^uch^MW-M^HEutty. Zwei Jahre später«hielt Marie Luley einen Posten, äl» Kanzlistin im Außenministerium und wurde später als Beamtin den Gesandtschaften in Stockholm und später in Budapest zugeteilt. Hi« machte sie Bekanntschaft mit.' dem Gesandtschaftsbeamten Josef Luley. Nachdem sie 1926 ein zweite» Kind zur Welt gebracht hatte, legalisierte Josefs Luley die Verbindung durch Eheschließung. Die Ehe, in welcher die Luley 1928 noch ein drittes Kind zur Welt brachte, war unglücklich und im Jahre 1929 überreicht« ihr Gatt« di« Scheidungsklage wegen Verschwendungssucht und Ehebruchs seiner Frau. Gleichzeitig ließ sich Josef Luley nach Indien versetzen, weshalb sich der Scheidungsprozeß ganz« vier Jahre hinzog, bis endlich im Jahre 1982 di« Ehetrennung ausgesprochen wurde. Sie leben von Alimenten Josef Luley gab bei der Auflösung der Ehe sei- n« gewesenen Frau«ine einmalige Abfindung von 21.000 Kd und zahlte außerdem für das jüngst« in der Ehe geborene Kind Alimente von 200 Kd monatlich. Seines älteren Kindes nahm sich ein« Verwandte an. Der älteste Sohn Jaroslav, der lange vor der Eheschließung geboren war, stand allerdings außerhalb des legalen Familienverhältnisses, bezog aber von seinem unehelichen Bat« 800 Kd monatlicher Alimente. Marie Luley, welche die Abfindung in kurz« Zeit durchbrachte, befand sich bald in schweren Geldnöten. Sie lebte gemeinsam mit ihrer Mutter, die eine Gnadengabe von monatlich 50 Kd bezog, und ihrem Sohn Jaroslav, der das Lackierergewerbe lernte, in letzter Zeit aber ohne Beschäftigung war, in Prag VII. Sie war ohne Beschäftigung, bezog aber an Alimenten zusammen 500 Kd pro Monat. Die religiöse Verbrecherin Im Jahre 1929 lernt« sie di« Klavierlehrerin Julie Mala t kennen, di« als Tochter eines bekannten Musikpädagogen in der Belcredistraße Nr. 10 wohnte und Klavierunterricht erteilte. Marie Luley zählte selbst zu ihren Schülerinnen, denn sie hatte sich aus der Abfindung ein Klavier angeschafft und wollte sich auf diesem Instrument vervollkommnen. Bei dies« Gelegenheit brachte sie in Erfahrung, daß die Klavi«lehr«in Malat sehr vermögend sei und größer« Geldbeträge zu Hanse lieg«» hab«. DaS Leben der Familie stand im Zeichen ständiger Geldnot und die Gläubiger machten ihr sehr zu schaffen. Da sie offenbar ein ziemlich rcBustes Gewissen besaß, reiste allmählich unter dem Einfluß dey Detektivgeschichten, die sie massenhaft las, in ihr der Plan, sich durch ein Berbrechen in den Besitz einer größeren Geldsumme zn setzen. Als Opfer haste sie sich die Klavierlehrerin Malat auSersehen und den letztenAnstoß gab nach ihrem eigenen Geständnis ein« Detektivgeschichte, in der erzählt wurde, wie«in Mord durch Erdrosselung dadurch maskiert wurde, daß der Mord« später die Leiche des. Ermordeten aufhängte und dadurch mit Erfolg Selbstmord des Getöteten vortäuschte. Marie Luley war eine bigotte Person, die fleißig die Kirche besuchte. Mit eigenen Händen wollte sie den Mord nicht vollbringen. Sie sah sich nach einem tauglichen Werkzeug um. Als solches betrachtete sie—«S ist schauerlich auszusprechen— den eigenen sechzehnjährigen Sohn! Die Mutter drängt zum Mord Die Ausführungen der Auflage basieren einer- seits auf den Aussagen des Sohnes, aber auch auf den Geständnissen der Marie Luley selbst, die bei der Polizei und vor dem Untersuchungsrichter eine sehr detaillierte Beichte abgelegt hat. Kurz vor Weihnachten 1933 machte sie bei einem Spaziergang im Baumgarten ihrem Sohn den ersten Vorschlag, ihr« Notlage durch Ermordung und Be» raubungderMalatein Ende zu machen. Sie gab ihm eingehende Instruktionen, händigte ihm eine Seidenschnur aus, mit der er die Klavierlehrerin erdrosseln sollte und belehrte ihn eingehend, wo" er di« Sparbücher seines Opfers zu suchen habe. Um in die Wohnung der Malat zu gelangen, sollte er vorspiegeln, daß er Klavierstunden nehmen wolle. Nach anfänglichem Sträuben gehorchte der Junge und begab sich, mit der Schnur ausgerüstet, in die Wohnung der Klavierlehrerin, wo er sich über die näheren Bedingungen informierte, sich dann aber wied« entfernte. Seiner Mutt« sagte er, es seien fremde Leute bei d« Malat gewesen, weshalb er seinen Plan nicht habe ausfüh- ren können. In d« Folgezeit bearbeitete nun di« Luley ihren Sohn systematisch, um ihn für das Ber- ..-t s«»’ breche« reif zu machen, Tödlich,^km August T9M;aat> der JuNge nüch mehr als halbjährigem Widerstand dem unablässigen Drängen seiner Mutter nach. Am 23. August kam es zur Katastrophe. Bor der Katastrophe Einige Tage vorher hatte der Jung« den -Wunsch geäußert, mit zwei Kameraden eine Tour in den Böhmerwald zu unternehmen, wozu die Mutter auch ihre Zustimmung gab, ihren Sohn aber aufforderte, sich da» Reisegeld bei der Malat zu hole». Und diesmal erwie» sich der Junge ihren Einflüsterungen zugänglich. Seine Widerstandskraft war zu Ende. Noch einmal kehrte er unverrichteter Dinge zurück, weil er nicht die Kraft zu dem Mord aufbrachte. Dann aber faßte er den festen Enffchluß, der auch zur Ausführung kam. Am 20. August fuhr Marie Luley auf Sommerwohnung. Ihrem Sohne hint«lietz sie nebst neuerlichen genauen Instruktionen zur Ausführung der Mordtat«in Verzeichnis ihrer Schuld««, die« an» d« Mordtente bezahle« sollte. Ihre letzte Mahnung beim Abschied lautete:.Laß mich nicht lange warten!" Der Sohn verabredete mit seinen zwc' Wanderkameraden Josef Martinovsky und Rudolf Friesz die Wanderung, wobei« bemerkte,« werd« genügend Geld haben, weil er für seine Mut- t« Außenstände eintreiben werde. Der Mord Am Montag, den 28. August, stellte sich der angeklagte Jugendliche frühzettig bei der Klavier- lehrerin ein. Sin« seiner Kameraden, dem« eingeredet hatte,« hole sich Geld von einer Schuldnerin sein« Mutter— einer angeblichen Frau Kokinek—, wartete ahnungslos vor dem Hau», in welchem sich die Tragödie vollendete. Der Angeflagte fand Einlaß, verhandelte mit der Klavierlehrerin und verabschiedete sich sodann. Julie Malat galt nicht mtt Unrecht als Sonderling. Sie pflegte sich auch hinter jedem Besuch« die Türe zuzuriegeln, so daß sie ihre Besuche selbst wieder zur Türe geleiten mußte, um ihnen zu öffnen. Diese Gewohnheit wurde ihr verhängnisvoll. Als sie vor dem Angeklagten durch das Vorzimmer ging, packte« sie von rückwärts am Halse und drosselte sie, bis st« nach schwach« Gegenwehr bewußtlos zur Erde siel. Er ließ sie liegen und durchstöberte die Wohnung nach Geld. Er fand in einigen Pappschachteln einige Fünfzig- und Hundertkronennoten und Sparbücher nebst verschiedenen Werffachen, von denen er zwei einsteckte. In diesem Augenblick wurde er durch Läuten der Türllingel gestört. Durch daS Guckloch sah er seinen Kameraden, dem das Warten vor dem Hau» zu langweilig geworden war. Da der Jugendliche di« Ihm von der Mutter übergeben« Seidenschnur an diesem Tage nicht mtt« genommen hatte, schnitt er die feste Schnur einer im Vorzimmer liegenden Gardine ab und hängte d«l leblosen Körper in deren Schlinge an der Wasserleitung auf. Er zählte das erbeutete Geld— insgesamt 3700 Kd—und verließ die Wohnung. Noch am gleichen Tag wurde die Leiche aufgefunden. Der Sekttonsbefund ergab mit Sicherheit» daß es sich um keinen Selbstmord handeln könne. Di« Erhebungen der Polizei, führten-schnell zum Ziel. Am 27.-August wurde der Jugendliche und seine Kameraden, die sich inzwischen auf ihre Tour begaben hatten, in Winterberg verhaftet. Kurz darauf auch Marie Luley. Mutt« und Sohn waren geständig. Dies ist der Inhalt der umfangreichen Anklag« schrift. ». Dramatische Einvernahme Die Einvernahme der beiden Angeflagten gestaltete sich überaus dramatisch. Der jugendliche Angeflagte, der mit seinem blqpde.n Haarschopf und seinen Touristenpumphosen einen fast kindlichen Eindruck machte, bestätigte vollinhaltlich die'Anflag«. Dagegen widerrief die Angeflagte Marie Luley ihr« früheren Geständnisse und beteuerte auf einmal, daß i^r sechzehnjährig« Sohn selbst die Mordpläne geschmiedet habe. Ihre früheren Geständnisse habe sie" bloß aus Liebe zu ihrem Sohn abgelegt, um ihn zu entlasten. Als sie beftagt wurde, warum diese Liebe auf einmal bei der Hauptverhandlung versage, wußte sie freilich keine Antwort zu geben. Hiezu ist festzustellen, daß ihr« früheren Geständnisse Einzelheiten enthalten, die sich mtt dies« Verteidigung nicht'güt' vertragen.■» Bemerkenswert Ist, daß Marte Luley verlangte, daß ihr Sohn in ihr« Gegenwart«invernommen werde, was der Gerichtshof aus guten Gründen ablehnte. Wie au» dem später erstatteten pshchiattischen Gutachten Hervorgeht, ist dieser Junge, der mit fanatischer Liebe an seiner Mutter hing, suggestiven Einflüsse» leicht zugänglich. Der Vorsitzende OGR. H r u i l a sorgte daher dafür, daß die Aussage des jugendlichen Angeflagte« von allen Beeinflussungen freigehalten werde. Als man dem jungen Menschen die neue Aussage sein« Mutter vorhielt, brach er in k r a m p f h a f t e S Weinen aus. Auf die eindringlichen Anfrage» des Vorsitzenden, ob die'Aussagen sein« Mutt« wahr seien, v e r n e i n t e der Junge zuerst mit leidenschaftlichem Kopfschütteln und- spät«, alS er wieder sprechen konnte, auch mit ausdrückliche« Worten. ES kam zu ein«., c, aufregenden Konfrontation zwischen Mutter und Sohn,--- wobei die Angeflagte Marie Luley völlig in die Roll« einer Bittstellerin- verfiel..Iarousku, ich bitt« dich um GotkeS'wtlleü das war die ständig wiederkehrende Redewendung. Nichtsdestoweniger beharrte der- Junge auf- seiner Aussage, die die bereits geschilderte« Ausführungen du Anklage bestätigt und die, wie bereits erwähnt, auch durch die ursprünglichen. Geständnisse der Mari« Luley gestützt sind. Diesx Konfrontaffon war«ine d« erschütternsten Szenen, die wir je vor Gericht «lebt haben. Das Beweisverfahren, daS am ersten Verhandlungstag zu Enste geführt wurde, wobei sämtliche 18 Zeugen zur' Vernehmung kamen, brachte nichts- wesentlich Neues/ Die einvernommenen Zeugen sind kein« Tatzeugen!' sondern indirekte Zeugen Und ihre Bäwutung liegt in der Erhärtung des Indizienbeweises.- Am bemerkenswertesten sind die Aussagen du Wand er» kameraden. Als sie.in. den Zeitungen lasen, daß man sie suche, legt« her. Angeklagte seinen Kameraden ein Geständnis ab, das in den Worten gipfelte: „Ich habe«S nicht mn meinetwillen getan, sondern um meiner Mutter willen..-I“ Die ärztlichen Sachverständigen berichten einerseits über den Obduktionsbefund, anderseits(Prof. Dr, Herfort) über den Geisteszustand des jugendlichen Angeflagten. Rach diesem Gutachten ist der Junge ungeachtet sein« etwas getrübten Vernunft strafgesetzlich verantwortlich. Da» Gutachten hebt, wie bereits erwähnt, die Zugänglichkeit deS jugendlichen Angeflagten gegenüb« suggestiven Einflüssen hervor. Am Schluß der DienStag-Verhandlung, die bis in die-späten Abendstunden währte, stellten die Verteidiger verschieden« Beweisanträge, über di« der Gerichtshof am Moroen des zweite« ProzeßtageS entscheiden wird. rb. Sette- „Sozialdemokrat" Mittwoch, 19. Dezember 1934. Nr. 298 Volkswirtschaft Bud Sozialpolitik Die fette« Jahre Die Brauereien haben vor einiger Zeil zu einem Anschlag gegen die Bierkonsumenten ausgeholt: sie forderten mit dem Hinweise auf die ungünstige Entwicklung ihrer Lage eine Erhöhung der Bierpreise. Wie wenig begründet dieser Hinweis ist, wird aus der Uebersicht über die Dividendenbewegung der tschechoslowakischen Aktiengesellschaften ersichtlich. Es werden da für 1926 68 Aktiengesellschaften der Brau- und Malzindustrie aufgeführt,-die zusammen über ein Aktienkapital von 164 Millionen Kronen verfügen. Die Uebersicht erfaßt die Jahre von 1926 bis 1932. Kür 1932 konnten die Bilanzen von 67 Gesellschaften erfaßt werden. Das Aktienkapital ist auf 236 Millionen Kronen angestiegen. Die Entwicklung der Dividende gestaltete sich so: Zahl der Gesammtsumme d. Dividende Jahr Akt.-Ges. ausbez. Dividende in% 1926 >48 18,114.892 XL 16.3 1927 49 20,543.300 XL 16.3. 1928 49 26,308,600 XL 18.6 1929 53 34,198.500 XL 21.1 1930 54 40,350.100 XL 21.0 1931 41 32,953.800 XL 19.0 19Ü2 40 27,271.900 XL 14.5 Ein kleiner Teil der Brauerei- und Malz- fabriken-AG. schüttete keine Dividende aus. Die iü der vorstehenden Tabelle aufgeführten Aktien- gesellschaften haben in sieben Fahren den Aktionären mehr als 1 2 7 Prozent Dividende ausgezahlt. Im Fahre 1933 ist die Dividende nicht wesentlich niedriger gewesen als 1932, und selbst 1934 erreicht si e bei einer ganzen Anzahl Brauereien noch einen außerordentlich günstigen Stand. Eine Prager Brauerei konnte sie für das abgelaufene Geschäftsjahr sogar auf 50 Prozent festsehen, während eine andere 20 Prozent zur Auszahlung bringt. So schlecht, daß die Brauereien ohne Bierpreiserhöhung nicht durchkommen könnten, ist ihre Lage also in Wirklichkeit nicht. Getreideabkommen Deutschland, Polen, Rußland Berlin.(DRB.) In Moskau hat in der Zeit vom 10. bis 14. Dezember l. I. eine Zusammenkunft der Vertreter der staatlichen Getreidewirt- fchafisstellen Deutschlands, Polen und der Sowjetunion stattgefunden, die am 26. September 1934 in Warschau, das bis zum 31. Juli 1935 laufende Roggenabkommen paraphiert haben. . Nachdem-sich hierbei die Sowjetunion endgültig für die geoieiasoive Regelung der Ausfuhr von Roggen und Roggenmehlen ausgesprochen hatte, wurde vereinbart, daß die gemeinsame Ausfuhrregelung durch die Getreidewirtschaftsstellen der drei genannten Länder mit dem 1. Jänner 1935 beginnen soll. Die drei Stellen, in deren Händen die Durchführung der Uebereinkunst liegt, sind die Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse in Berlin, das Polnische Getreideexportbüro in Danzig und die Handelsvertretung der Sowjetunion in Hamburg. Als Stelle, die für die Zusammenarbeit mit den beiden änderen Stellen, zu sorgen hat, ist für die ersten vier Monate die Reichsstell« für Getreide bestimmt worden, für die weitere Zeit das polnische Exportbüro in Danzig und, sofern das Abkommen über den 31. Juli 1935 hinaus verlängert wird, für die letzten vier Monate des Jahres 1935 die Handelsvertretung der Sowjetunion in Hamburg. Hilfe für Krisenbezirke in Großbritannien Eine interefsante Hilfe für besonders schwer von der Arbeitslosigkeit betroffene Bezirke wird aus Großbritannien gemeldet. Die Grafschaft S u r r e y, in der nur 6 v. H. der versicherten Personen als arbeitslos gemeldet sind, hat sich bereit erklärt, die Stadt Jarrow-on-Tyne, in Nordengland gelegen, die 65 v. H. der versicherten Personen als Arbeitslose hat, besonders zu betreuen mit dem Zielenden Arbeitslosen von Jarrow neue Arbeitsgelegenheiten zu beschaffen. Zunächst sollen Rotstandsarbeiten unverzüglich eingeleitet iverden. Desweiteren sollen neue Industrien nach Jarrow verpflanzt werden, da auch bei weiterer Berbeflerung der Wirtschaftslage dieser Krisenbezirk kaum an der Verbesserung der Wirtschaftslage teilhaben würde. Auch die ll m, s i e d l u n g v o n A r b e i t s l o s e n in ändere Bezirke ist in Aussicht genommen. Prodnktionssteigerung— Arbeiterentlaffung. Beim, Wcstböhm. Bergbau-Aktienverein betrug die Kohlenförderung vom 1. Jänner bis 30. November 1933 672.000 Tonnen, vom 1. Jänner bis 30. November 1934 806.000 Tonnen. Der Arbeiterstand war Ende November 1933 3183 Mann, End« November 1934 3126 Mann. Obwohl di« Fördrrung in diesem Jahre um 134.000 Tonnen oder um rund 20 Prozent höher ist als im Borjahr«, ist dennoch di« Arbeiterzahl um 47 geringer! PRAGER Schutz gegen Luftangriffe In der Karolinenthaler Ortsvertretung wurde gestern einstimmig der Antrag des Vertreters der Poale Zion, des Genossen Dr. Arthur Heller, angenommen, die Stadt Prag möge wirkungsvolle. Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung gegen Luftangriffe treffen. Der Anrtag fordert u. a., daß in jedem Haus Tafeln angebracht werden, in denen die nächsten Zufluchtsorte für den Fall eines Luftangriffs genau bezeichnet sind. Ferner sollen dort die Signale bekanntgegeben werden, die der Zivil- bevölkerung einen drohenden Angriff anzeigen. In einem Raum jedes Hauses sollen entsprechende Heilmittel aufbewahrt werden und ein Apparat zum Auffangen von Bomben(den«s gibt, der aber leider bei uns bisher nicht verbreitet ist). In jedem Haus sollen zwei. Zivilisten namhaft gemacht werden, von denen der«ine imstande ist, Sanitätsdienst zu leisten, der andere, mit dem Bombenabwehr-Apparat umzugehen. Dr. Heller beantragte, daß für die finanzielle Bedeckung der Schutzmaßnahmen zu drei Siebentel der Staat, zu zwei Siebentel die Gemeinde, zu ein Siebentel der Hausherr und zu ein Siebentel die Mietspart«ien aüfkommen sollen. Der Annahme des Antrages ging eine längere Debatte voraus. Hilfsaberrd für Rotha«-Ne«dek heute Mittwoch, den 19. Dezember im großen Urania-Bühnen-Saal abends 8.15 Uhr. Ein« Montage aus Prosa, Lied und Dichtung: W« i.h- nacht! Zusammenstellung und Leitung Fritz Walter Nielsen. Die Reineinnahmen fließen Rothau-Neu- dek zu! Preise der Sgal-Plätze von 5 XL bis 18 XL.— Vorverkauf täglich an der U r a n i a k a s s e, bei Andre und Wetzler. Preise müsse» kundgemacht werden! Der Magistrat der Stadt Prag erläßt eine Kundmachung über die Preisbezeichnung von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Gebrauchs. Die Kundmachung ruft ältere Verordnungen in Erinnerung. Die in den Auslagen ausgestellten Gebrauchsmittel müssen eine deutliche Preisbezeichnung tragen. Ausgestelltes Fett muß neben dem Preis auch die Anmerkung, ob es sich um inländische oder ausländische Ware handelt, haben. Gleiches gilt im Eierhandel. Beim Brotverkauf ist Gewicht und Preis zu bezeichnen. Schließlich wird die Magistratskundmachung über die Preisbezeich- nuna im Kohlenhandel in Erinnerung gebracht. Der AnwiüSverkebr am^NewnachtSäßenH. Dkk Staatsbahndirektion in Prag macht darauf aufmerksam, daß am 24. Dezember lam Hl. Abend) die Straßenautobuffe der Tschechoflowakischen Staatsbahnen auf den Strecken Prag—Zbraflav und Brä- nik—Modkany nur bis 19.80 Uhr verkehren werden. Nähere Informationen an den Aushängetafeln in den Autobussen. Maria Ray in dem neuen Gustav Machath-Film„Nocturno", der in der Weihnachtswoche im Bw Metro zur Prager Uraufführung gelangt. Das unsterbliche Lied Ein Weihnachtsfilin, der weder rührselig, noch traut, noch kirchenfromm ist,— das hieße von der Filmindustrie zu viel Kühnheit verlangen, besonders von der österreichischen, die jetzt der Aufficht des allerchristlichsten Mißständestaaates unterstellt ist Man kann also feststellen, daß dieser von dem bewährten Wiener Schauspieler Hans Marr geschaffene Film, der das zu Metternichs Zeiten vom Pfarrer Mohr erdachte und vom Schulmeister Gruber komponierte Weihnachtslied„Stille Nacht,' heilige Nacht" mit einer halbhistorischen Handlung umgibt, keine Ansätze zur Kühnheit zeigt und den Bedürf- ZEITUNG niffen der Frommen und Empfindsamen weitgehend Genüge tut. Denn am Ende gibt es«ine Christmette, bei der das Herz des harten Vaters erweicht wird, der seinen Sohn verloren und seine Tochter verstoßen hat. - Aber von allen katholischen Filmen, die wir in letzter Zeit sahen, ist dies der am besten gemachte. Er ist nicht so ungeschickt, uns Wunder auf der Leinwand zu zeigen(die dort nur lächerlich wirken können),— und er beschäftigt sich auch nicht mit Fragen der Sexualmoral(die in kirchlicher Ausdeutung immer primitiv oder verzerrt erscheinen). Nein, er wirbt mit Bildern von der Bischofsstadt Salzburg und von trachtenfrohen Wallfahrern, mit Kirchenmusik und Klosterwein, mit Dingen Also, für deren Reiz auch der Kirchengegner zumeist nicht unempfänglich ist. Schauspielerisch fr«ilich ist dieser Weihnachtsfilm auftallend schwach. Neben Hans Marr kann nur noch Paul Richter bestehen.—eis— Kunst und wissen Uraufführung„Mädels im Nachtbetrieb" von Dunning Dienstag in der Kleinen Bühne. Dienstag, halb 8 Uhr, Erstaufführung„Der singende Traum", Operette von Richard Tauber, mit dem Komponisten am Pult.(A 2.) Preise: 6 bis 64 X£.— Tags darauf halb 8 Uhr Gastspiel Richard Tauber als Jose in„Carmen"(BI). 6 bis 64 XL. Buenos Aires und Ferdinand Bruckner. Das „Teatro Comico" in Buenos Aires, wo es am Sonntag abends bei der Aufführung eines Stückes, von Ferdinand Bruckner zu M a n i f e st a t i o n e n gekommen war, wurde auf Anordnung der Stadtver- waltung polizeilich geschloffen. Wochenspielplan deS Neuen Deutschen Theaters. Heute Mittwoch halb 8 Uhr: Der Kreidekreis, B 2.— Donnerstag halb 8 Ahr: Luciavon Lammermoor, neuinszeniert, C 2.— Freitag halb 8: Menschen in Weiß, D 1.— Samstag halb 8: DerCharmeur von London, Enfemblegaftspiel des Scala- Theaters-Wien mit Albert und Else Basser- m a n n, Ernst Deutsch etc. C 2.— Sonntag halb 3. Giud i t t a, halb 8: DerCharmeur von London, DI. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Mittwoch, nachmittags 4 sh Uhr:Max und Moritz, 8 Uhr: Schul« fürSteuerzah- ler.—Donnerstag 8: Schule fürSteuer- zahle r.— Freitag 8^:,Sch ule fürSteuer- zahler.— Samstag 4%: Max und Moritz, Gastspiel der Sudetenbühne: 8:Das Gottes- kind.— Sonntag 8l4: Max und Moritz, 8: Schule für Steuerzahler. Spart• Spiel• Kürperpflege Der Zustand ist unhaltbar Das„A—Zet" j befaßte sich mit der hiesigen Schiedsrichtermisere und schreibt zutreffend u. a.: .In den Berichten über Fußballspiele mehren sich in letzter Zeit dieBeschwerdenüber die Fußball-Schiedsrichter.. Es sind dies nicht nur Beschwerden, die sich allgemein mit einer „mäßigen" oder„schwachen" Leistung befassen würden, sondern es sind ost Beschwerden, welche die O b-. jektivität der Schiedsrichterleistung^treffen. Wir meldeten unlängst, daß der internationale ungarische Schiedsrichter Klein wegen einer voreingenommenen Leitung beim Spiele Hungaria—Kispest suspendiert wurde. Sofort danach erhielten wir eine Reihe von anonymen und gefertigten Mitteilungen, in denen die Schreiber auf die Schiedsrichter einiger Ligaspicle hinwiesen und sie ganz offen der Borein- genommenheit beschuldigten, die dem„ganzen Publikum und selbst den eingefteffensten Fanatikern ganz klar und auffallend" waren und empfehlen, daß man gegen derartige Schiedsrichter auch bei uns gleich scharf«inschreste. Es ist mäst unsere Sache, über die Leistung einzelner Schiedsrichter zu entscheiden, aber wenn wir die Stimmung des Fußballpublikums in Betracht ziehen und durch unsere eigenen Feststellungen ergänzen, müssen wir unbedingt die betreffenden Instanzen erinnern, ein Augenmerk auf die Tätigkeit ihrer Mitglieder zu werfen und sofortige Abhilfe zu schaffen. Der Zustand ist unhaltbar, daß die Presse ganz offen vom „zwölften Mann" spricht, um so mehr, als sich di« Beschwerden nicht so sehr gegen ein und denselben Schiedsrichter wenden, als gegen Spiele eines btstimmten Klubs." Anm. d. Red.: Mit dem„bestimmten Klub" ist wahrscheinlich die Slavia gemeint, bei deren Ligaspielen die Schiedsrichter manchmal zu offen den „zwölften Mann"(besonders im Spiel gegen Zide- nice) machten. Belgischer Arbeiterfußball. In Brabant hält „Avenir" mit einem Punkt vor„Bilvorde" die Spitze. In Antwerpen wird der Kampf zwischen „Sokres" und„Groen Wit" ausgetragen, welche beide 19 Punste haben; dann folgt„Turnhout" mit 18 Punkten.„Groen Wit" hat bereits 65 Spiele abfvwiert, ohne geschlagen zu werd«». 15 Spiele endeten unentschieden. Das ist jedenfalls ein seltener Rekord! In Haimaut schlug„Permollez"„Brutzel- les". An der Spitze steht freilich„Ath". Es wird daher noch einen interessanten Entscheidungskampf geben. In Flandern siegten„Mouscron" und „Entracht" über„Menin". In Lüttich dauert der Kampf um di« Entscheidung noch an. An der Spitze stehen vier Mannschaften.„Tougres" spielt zunächst gegen den Sieger im Spiele„Mous" gegen „Moniegerö".— Nach Flandern hat auch die Provinz Antwerpen einige Schülermannschaften organisiert. „Erzlehunss- und Propaganda* mittel der Gegenwart" Ein kulturpolitischer Kursus des Bezirksbildungs- ansschuffes der DSAP in Prag Donnerstag, den 20. Dezember, um halb 8 Uhr im Parteiheim, Närodni tr. 4, letzter Kursabend: Die Fra« und die Politik Vortragende: Dr. Karla S ch w e I b. Internationales Schwimmertreffe«. In Rou» baix(Frankreich) fand unter Beteiligung der Schwimmer von Tournai und Gand(Belgien) sowie Lille und Roubaix ein Schwimmertreffen statt. Ungefähr 1000 Zuschauer sahen gute Leistungen, von denen u. a. erwähnenswert sind: 10X50 Meter Freistil: Roubaix 4:47 Min., 3X50 Meter Freistil: Roubaix 1:51 Min., Lille 2:01, Tournai 2:07 Min., 100 Meter Freistil: Lacombe(Frankreich) 1:18 Min., 100 Meter Brust: Gowie(Belgien) 1:82 Minuten. Eigentümliche Einheitsfrontbestrebuugen in Frankreich. Es wird uns mitgeteilt, daß die fran- zösischeSektionderSASJ mit dem kommunistischen Verband eine einheitliche Korporation bildet. Beide Verbände treten aus ihreü Internationalen aus!~ Das ist doch eigenartig in einer Zeü. wo man die Einheitsfront des Arbeitersports in der ganzen Welt anstrebt. Die endgültige Entscheidung über die Zusammenfassung in Frankreich soll auf dem zu Weihnachten stattfivdenden Kongreß fallen. Der Sekretär der romanischen Länder, Genosse Devlieger, wird auf dieser Konferenz anwesend sein. Jüdische Sportler in Deutschland von iuter- itationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Vor kurzem erhielt der Prager bürgerlich-jüdische Sportklub Hagidor eine Einladung, im Jänner an einem Schwimmeeting der Maffabi Berlin teilzunehmen. Da aber die reichsdeuffchen jüdischen Vereine aus dem DSV. ausgeschlossen sind und deshalb auch nicht der Fina(bürgerliche Schwimmer-Internationale) angehören, richtete der hiesig« Staatsverband (CsAPS) an den Deutschen Schwimm-Verband eine Anfrage bezüglich der Startgenehmigung. Ein« Antwort ist bis dato noch nicht bekannt geworden.— Damit wird aber gleichzeitig das Märchen von der ungehinderten Sportbetätigung der Juden in Deutschland widerleg. Lus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. g Heute, 8 Uhr abends, Gruppen- A, M abende. S. I. Zentrum: gemeinsam ■ mit der M. S. D. Prag l, II, V. w® J W Weltreportage. Prag I, U Sedmikü. ~ J S. I. Holleschowitz: Geschichte,' der . tschechischen bürgerlichen Partei««. S, I. MWxrg.e-SWjchoH: DüZ Staatsbudget 1935. Referent Genosse Neuwirt h. Vcrclnsnadiriditcn SPD-Emigranten. Donnerstag, 7 Uhr, Per§- tvn, Versammlung mit Vortrag. Weihnachtsfeier Sonntag, den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr. Nähere Mitteilungen in der Versammlung. Atus Prag, Donnerstag, den 20. Dezember, Ausschußsitzung im Parteiheim. Beginn 8 Uhr. Literatur Das neue Statistische Jahrbuch der Tschechoslowakische» Republik für das Jahr 1935 ist soeben erschienen. Der Redaktion dieser Veröffentlichung fft es gelungen, die Ergebnisse aller statistischen Arbeiten der letzten Jahre in reicher Auswahl zufammen- zufaffen, soweit die betreffenden Daten weitreichendere Bedeutung haben. Daher wurden nicht nur die Ergebnisse der amtlichen statistischen Erhebungen des Statistischen Staatsamtes, dessen Daten den Hauptinhalt des Jahrbuches 1935 bilden, sondern auch die Mitteilungen anderer Aemter sowie öffentlich- und privatrechtlicher Körperschaften verwende. Mit dem Jahrbuch 1935 kommt daher ein informatives Sammelwerk verschiedenster, sonst schwer oder überhaupt nicht zugänglicher Daten auf den Büchermarkt, das ein verläßliches Bild aller Zweige unseres öffentlichen Lebens gibt. In 18 Abschnitten und mehr als 400 Tabellen find dort neben den Daten über die Bevölkerung und das Staatsgebiet auch die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Verhältnisse zahlenmäßig charakterisiert, und zwar nicht nur durch die neuesten aktuellen Daten, sondern auch durch vergleichende Retrospektiven aus den Vorjahren. Da es sich um eine neuartige statistische Veröffentlichung handelt, die sich erst eine Tradition schaffen muß, ist es begreiflich, daß gegenüber dem ersten Jahrgang die diesjährige Ausgabe sowohl formell als auch inhaltlich in vielen Einzelheiten verbessert und ergänzt wurde. Das Jahrbuch 1935 ist für die weiteren Bedürfnisse und die breiteste Oeffentlichkeit bestimmt, d. h. für alle, die unparteiische und objektive Daten suchen und die sich einen wahrheitsgetreuen Ueberblick über die gegenwärtige Lage verschaffen und gleichzeitig verläßliche Schätzungen für ihre weitere Entwicklung durchführen wollen. Kein volks- wirtfchaftlicher, sozialer oder kultureller Arbeiter, keine größere Bücherei kann ohne diesen unentbehrlichen Behelf, der eine ffchechoflowakische statistische Enchklopädie dauernder Werte darstellt, auskommen. D«r Preis dieser Neuerscheinung(35 XL) ist im Verhältnis zu ihrem Inhalt und Umfang(über 300 Seiten normalisiertes Format Bö) sicherlich für alle Interessenten erschwinglich. Bestellungen nimmt jeder Buchhändler oder unmittelbar der Verlag OrbiS, Prag Xll., Fochova tk., entgegen. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— RLMellung von Manuflripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.8Ö0/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Drück-. Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.