Donnerstag, 20. Dezember 1934 14. Jahrgang Einzelpreis 70 H»n«r (einschließlich 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA«2. TELEFON 53077. ADAMNISTRATION TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. ! Pas Geebbels-Manöver der SVH Hyänen tragen Herz— Wohltätigkeit- die große Mode des Vor-Wahl- kampfes— Unternehmerterror, Antimarxismus und Volksgemeinschaft— Hodäcs Brotgeber als Retter der Sudetendeutschen Goerins Reichswehrminister 7 Paris. Der Berliner Korrespondent des„Journal" verzeichnet sich verdichtende Gerüchte, daß General Goe- ring zum Nachfolger des General Blomberg und zum Neichskriegsmiuister ernannt werden soll, und zwar ungeachtet der Opposition zahlreicher aktiver Generäle. Der Zweck dieser Ernennung Goerings würde sein, das Problem der SA und SS gegenüber der Reichswehr einer Lösung zuzuführen. DiätenabzUse unverändert Senat entscheidet für Status quo Prag. Wie wir bereits gestern angedeutet haben, stieß die mit einer Milderung verbundene Staffelung der Abzüge von den Diäten der Parlamentarier, wie sie im Abgeordnetenhaus etwas. übereilt angenommen worden war, im Senat auf entschiedenen Widerspruch. Dort wurde Mittwoch früh im Budgetausschuß beschloffen, den Beschluß des Abgeordnetenhauses abzuändern und die Abzüge in der bisherigen Höhe auch für 1938 zu belassen. Jin Plenum i>eo Senuie» erklärte nachmittags K r o i h e r als Referent, daß der Ausschuß zwar anerkenne, daß für die Parlamentarier aus der Provinz und namentlich aus der Slowakei und Karpathorußland mit der Ausübung des Mandates viel höhere Ausgaben verknüpft sind; bei einer Neuregelung fiele das sicher in die Wag-! schale. Der Senat habe aber erst am Vormittag das Budget für 1935 angenommen, das mü dem 14prozenttgen Abstrich bei allen Parlamentariern rechnet, und könne daher am Nachmittag nicht etwas anderes beschließen. Jeder Antrag, der das Budget belaste, müsie mit einem Bedeckungsvorschlag versehen sein; der fehle in diesem Falle. Daher beantrage er eine Aenderung des Beschlusses des Abgeordnetenhauses im Sinne des ursprünglichen Initiativantrages, das heißt die Beibehaltung der jetzigen Abzüge. Dieser Antrag wurde denn auch mit 95 gegen sieben Stimmen der slowakischen Volkspartei angenommen und die Vorlage an das Ab- geordnetenhaus zurückgeleitet,, das sofort die neuerliche Zuweisung an den Budgetausschuß vornahm. Dieser erklärte sich am Abend mü dem Senatsbeschluß einverstanden, so daß am Donnerstag die Vorlage glatt verabschiedet werden dürste. Es bleibt also bei den bisherigen Brutto- bezügen von 4300 Kronen monatlich. Davon sind allerdings die Einkommensteuer, ferner 2000 Kronen jährlich für die Eisenbahnfahrkarte und vor. allem die sehr beträchtlichen Klub- und Parteiabzüge in Abzug zu bringen, die bei unseren Parlamentariern diese Diäten auf die Hälfte und noch weniger reduzieren. Bei den meisten Klubs ist ja eine Staffelung je nach dem Wohnort in Form differenzierter Klubabzüge bereits seit langem durchgeführt. Das Budget vom Senat angenommen Prag. Mittwoch vormittags nahm der Senat nach dem Schlußwort des Generalberichterstatters S t o d o l a das Budget für 1935 in beiden Lesungen unverändert an. Stodola betonte in seinem Schlußwort, daß bei uns die bewährte innere Zusammenarbeit siegen müsse; wir würden weder Moskau noch Berlin nachahmen, die Fortbildung unseres demokratischen Regimes müsse ihre eigenen Wege gehen. Staatsanstalt kür Körpererziehung Der Gesundheitsausschuß des Abgeordnetenhauses genehmigte am Donnerstag unter Vorsitz des Genossen Taub den Antrag Hummel- Hans und Genossen auf Errichtung einer I Staatsanstalt für Körpererziehung. Zum Referenten wurde Genosse Hummelhans gewählt. I Landbündler und Christlichsoziale liegen einander In den Haaren In der Wehrdebatte im Senat trug der Landbündler S t ö h r eine offenbar für die Budgetdebatte bestimmte Rede über die Not der Landwirtschaft nach, die mit dem zur Verhandlung stehenden Thema nicht das geringste zu tun hatte. Interessant wurde die Sache erst, als Stöhr auf die kürzlichen Angriffe Hilgenreiners gegen Spina zu sprechen kam und feststellte, daß diese alles bisherDagewesene übersteigen. Der Bund der Landwirte werde auch wetterhin für die Religion eintreten, sich aber auch gegen jeden Mißbrauch der Religion für parteipolitische Zwecke wenden. Zwischen Stöhr und einigen streitbaren Chrisüichsozialen kam es dabei zu heftigen Auseinandersetzungen, in die auch andere Landbündler eingriffen. Besonders Senator L u k s ch erging sich in erregten Zwischenrufen. Als Stöhr die Rednertribüne verließ, wäre es bei einem Haar zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen. Nur im allerletzten Moment traten andere Senatoren da- zwisthen und verhüteten Tätlichkeiten. JevttL hat Mittwoch mittags die Beratungen über die Bildung des neuen Kabinetts ausgenommen. Es heißt, daß JevtiL eine tleber- gangsregierung bilden will, die die spätere entscheidende Entwicklung vorbereüen wird. JevtiL werde neueMän ner aus den parlamentarischen Kreisen der jugoftawischen Rationalpartei, sowie außerhalb des Parlamentes stehende Persönlichkeiten mn ihre Mitarbeit ersuchen. Er hofft nicht, seine Beratung vor Donnerstag beenden zu können. Seine Bestrebungen werden von dem ehemaligen Ministerpräsidenten General Z i v k o v i L voll unterstützt. Im neuen Kabinett dürste JevttL neben dem Präsidium auch das Aeußere behalten. Die Besetzung der anderen Portefeuilles mit Ausnahme des Kriegsportefeuillrs, das General Zivkovik veibehalten wird, hängt von dem Ueberrinkommen ab, welches JevtiL mit den einzelnen parlamentarischen«nd altparlamentarischen Gruppen über das innerpolittsche Arbeitsprogramm der neuen Regierung erzielen wird. Die äußere Politik Jugoslawiens wird durch den KaVinettswechsel nicht berührt. # Mit der Betrauung des bisherigen Ministers des Aeußeren JevtiL mit der Mission der Kabi- Italien war der Angreifer Nene Feststellungen von Seite Abessiniens. Genf. Die abessinische Regierung hat durch Vermittlung des Völkerbunds-Sekretariats auf die Note der italienischen Regierung betreffend den Zwischenfall in Ualual geantwortet. In ihrer Rote erklärt die abessinische Regierung u. a., daß während'der Aussprache der abessinisch-englischen Kommission mit dem Kommandanten der italienischen Truppen italienische Flugzeuge die abessinisch-englische Kommission gefährdeten. Das Zei- Seit es in den Randgebieten der Sudetenländer Industrien und Unternehmer gibt, und das ist seit mehr als hundert Jahren, gibt es dort auch ! hungernde Arbeiter und Arbeitslose. Man hat aber in den mehr als hundert Jahren, auf die von Asch bis Oderberg die sudetische Not zurückblicken kann, nichts davon gehört, daß sich die Herren der Bergwerke, F a briken und Banken, die in der Konjunktur von der Arbeit der Proleten und in der Krise, indem sie die Arbeüer hinauswerfen und selbst ihr Erspartes verzehren, gewissermaßen von der Arbeitslosigkeit leben, in all den Jahrzehnten Sorgen darüber gemacht hätten, wie der Hunger der Volksgenossen zu stillen wäre. Seit vier Jahren steigt die Not der Arbeitslosen und Kurzarbeiter in den deutschen Randgebieten von Jahr zu Jahr, von Winter zu Winter. Mit den Arbeitslosen werden die Gewerbetreibenden, die Kaufleute, die Bauern von der Krisennot heimgesucht. Ganze Bezirke, große Gemeinden, im Gebirge weite Landstriche weisen unter 100 Einwohnern keine 20 auf, die von sich sagen könnten, sie hätten noch ein sicheres Einkom- nettsbildung wird, wie in parlamentarischen Kreisen erklärt wird, vor allem der Absicht des ermordeten Königs Alexander Rechnung getragen, welcher nach seiner Rückkehr aus Paris an einen Abbau des diktatorischen Regimes herantreten wollte, welches durch die Verfassung vom 3. September 1931 nur gemildert, aber sachlich nicht beseittgt worden war. Dieser Absicht hatte sich Ministerpräsident U z u- noviL durch eine Rede entgegengesetzt, in welcher er erklärte, daß an eine Regierungsänderung nicht gedacht werden könne, bevor man mit hundert Prozent feststellen könnte, daß das neue Regime besser sein würde, als das bestehende. Gleichzeitig hatte Uzunovic erklärt, daß die ge- genwärttge Regierungspartei die einzige politische Organisatton im Lande sei, welche die Aufrechterhaltung der nattonalen und staatlichen Einhett Jugoslawiens gewährleiste. Diese unversöhnliche Haltung des Ministerpräsidenten Uzunovic gegenüber aller anderen polittschen Strömungen im Lande stieß schließlich auch innerhalb der Regierungspartei auf Widerstand und deshalb zog die Demission der Minister JevttL und KojiL auch^ die Demission der gesamten Regierung nach sich. chen zum Kampfe sei auf italienischer Seite gegeben worden, und zwar durch Signalpfeifen und Alarm-Befehle, worauf drei italienische Militär- flugzeuge die abessinischen Truppen mit Bomben und Maschinengewehren angegriffen hätten. Im Augenblick des italienischen Angriffes seien die zwei einzigen Maschinengewehre der abessinischen Truppen nicht in Kampfposition und zerlegt gewesen. Heute hält man es in Genf für sicher, daß der Völkerbundsrat gezwungen sein wird, sich während seiner Jännertagung' mit dem abessinischitalienischen Zwischenfall zu beschäftigen. men und mit ihm ein bequemes Auskommen. Die Menschen leben buchstäblich von der primitiven „Sozialisierung der Armut", davon daß ein armer Teufel den andern unterstützt, ein Hungernder beim andern borgt und bettelt. Man hat nicht gehört, daß in diesen Krisenjahren die U n t er- nehmer und Bankiers eine laute und übertriebene Sorge für die Opfer ihrer Wirtschaftskunst an den Tag gelegt hätten. Der Beitrag der deutschen Besitzflasse zur Linderung der Not sind seit Jahren: Lohnabbau, Entlassungen, Betriebssperrungen oder Betriebsverlegungen, G e- sinnungsterror gegen die freigewerk- schastsich Organisierten, maßlose politische Hetze gegen alle Maßnahmen des'Staates und der Gemeinde- die der Krisenbekämpfung, der Behebung der Rot dienen könnten. Als die Wogen der Wirtschaftskrise zu steigen begannen und das Unglück noch nicht abzusehen war, hat die zielbewußte Jnittative eines Mannes, der rasche Zugriff eines, der Verantwortung fühlte und sein Herz nicht mit einem Panzer bürokratischer Bedenken wappnete, jene Einrichtung ins Leben gerufen, die für Hunderttausende seither Schutzwehr gegen das Aergste,.letzter Rückhalt und die dünne Wand wurde, die sie von der nackten Verzweiflung trennt: die Lebensmittelkarten, die Czech-Karten Aber neun Zehntel der bürgerlichen Politiker und Meinungsmacher haben in eben der Zett, da die Czech-Karten bestehen und für den ausgesteuerten Arbeitslosen letzte Rettung bedeuten, chren antimarxistischen Kampf mit der Hetze gegen die Czechkarten bestritten. Die deutschen Christlichsozialen, deren Hilgenreiner sich jesuitisch-salbungsvoll gegen die mangelnde Nächstenliebe der Sozialdemokraten ausläßt, nicht minder als dieLand- b ü n d l e r, die auf einmal ihr völkisches Gemeinschaftsgefühl und ihr chrisllichcs Gewissen entdeckt haben, sind gegen die Czech-Karten mit der gleichen Leidenschaft zu Felde gezogen wie ihre Gesinnungsgenossen im tschechischen Lager, die Unternehmergarde des Herrn H o d ä c. Plötzlich— im denkwürdigen Winter 1934-35— entdecken die deutschen Kapitalisten ihr Herzl Das Datum muß festgehalten werden, denn es ist ein historischer Termin, der Entdek- kung Amerikas vergleichbar. Die Arbeiter und Arbeitslosen wußten nicht, daß es so etwas gibt: das Herz des Kapitalisten, das Gewissen des Unternehmers, die christliche Nächstenliebe der Bankdirektoren, daS soziale Verständnis bürgerlicher Polittker! Aber man liest es täglich schwarz auf weiß, daß es das jetzt gellen soll. Man bekommt Zahlen vorgesetzt, man muß es wohl glauben. Oder sollte sich hinter Christentum, Volksgemeinschaft und sozialem Mitgefühl etwas anderes verbergen? Denn warum sind die nicht sichtbar geworden, als die Gemeinden ihr Hilfswerk ausbauten? I Wo waren sie, als die Sozialdemokratie die Schaffung des Krisenfonds förderte, zu dem die Unternehmer beisteueru sollten?! Haben wir damals schlecht gehört, hat es uns Fieberbilder vorgegaukelt? Jedenfalls erinnern wir uns, an den gleichen Stellen, wo jetzt die Druckerschwärze vor Rührung wie Schmalz fließt und aus Zeitungen Fabrikantenherzen stöhnen, nicht nur kühle Ablehnung, sondern l e i- denschaftlichen Protest gegenden Krisenfonds gehört und gelesen zu haben. Es war von einem Prozent Besteuerung die Rede — die Unternehmer erklärten, daß die Wirtschaft darüber zugrundegehen müßte. Es war die Rede von einem halben Prozent— auch das war unerträglich. Ein Viertel Prozent— nein, dreimal nein! Der Krisenfonds bleibt indiskutabell Aber es scheint, daß der Gott Spinas und Hilgenreiners noch Wunder wirkt, daß er sich selbst zu wandeln vermag aus dem Gott«Nimm" von gestern in einen bisher unbekannten Gort »Gib"! Denn in vorwurfsvollem Ton belehrt Kabinett Jevtic wahrscheinlich Innerpolitische Kursänderung im Sinne des Abbaues der Diktatur Belgrad.(Avala.) Amtlich wird bestätigt, daß Außenminister Doktor JevtiL mit der Kabinettsbildung betraut wurde. Es wird versichert, daß JevtiL unbeschränkte Vollmacht hat, die Bildung eines Konzen- trationskabinetts auf breitester Grundlage zu versuchen. Die Beratungen des designierten Ministerpräsidenten JevtiL mit den Politikern über die Bildung der neuen Regierung nehmen nach den letzten Meldungen einen sehr befriedigenden Verlauf. Die politischen Kreise sind Überzeugt, daß die Regierungskrise beretts am Donnerstag mit der Bildung der neuen Regierung gelöst werden wird. Nr. 297 Sette 2 Donnerstag, 20. Dezember 1934. uns die„Landp ost", daß bei der Gründung der Sudetendeutschen Volkshilfe„die sozialdemokratischen Macher eigentlich die ersten Mitarbeiter hätten sein muffen" und sie erklärt als das Motiv der agrarischen„Macher", mitzutun, daß sie»einfach unseren Brüdern und Schwester« helfen in ihrer Rot, wie es unö Christus gelehrt hat und wie eS uns unser Gewissen und völkisches Bewußtsein vorschreibt". Es ist noch nicht lang her, da hat der berüchtigte Landbündler Wagner auS Südmähren die Arbeitslosen als Lumpen und arbeitsscheues Gesindel beschimpft; auf C h r i st u s berief er sich dabei nicht und ob eS das Gewissen oder das völkische Bewußtsein war, das ihm die Worte eingab, verriet er auch nicht. Aber nun haben, wie man sieht, die Agrarier— Feinde jeder Sozialpolitik, Gegner deS Krisenfonds, der Czech-Karten, der Altersversicherung, der Kran- kenunterftützung— plötzlich Umgang mit Christus(obwohl von Herrn Spina verlautet, daß seine Berater im allgemeinen vom Taufwasser unberührt sind). Auf einmal sind sie alle s o s o- zial, daß sie ganz vergeffen, wie albern es ist, der Sozialdemokratie Belehrungen über soziale Hilfe geben zu wollen. Dazu hätten die Herrschaften schon etwas ftüher aufstehen müssen! Denn wären nicht, lange, sehr sehr lange vor dem temperamentvollen Kindchen der SHF, der neugeborenen SVH die Arbeiterfürsorge, die Gewerkschaften, die Jugendfürsorge, die Fürsorge von Staat und Gemeinde« gewesen, also alles Einrichtungen entweder der fatalistischen Arbeiterschaft oder aber der öffentlichen Hand, aber auf Anregung und unter Mitarbeit der Sozialdemokratie geschaffen und geleitet, dann wärendie„Volksgenossen",deren-man sich jetzt im bürgerlichen Lager erinnert, längst verhungert und Herr Henlein mit seinen Trabanten könnte auf den Friedhöfen Progaganda machen I Das Famose ist nun, daß gerade durch die Schaffung der SVH die bestehenden und gerade die wirklich allgemeinen, dem Volke ohne Parteiunterschied zugute kommenden Einrichtungen, die Mionen der Gemeinden und die Aktion„Die Demokratie für die Kinder", die Jugendfürsorge, dir wirklich neutrale«, dem ganze« Volke dienende« Aktionen geschädigt oder sabotiert werde«! Dabei haben sich die Herren nicht gescheut, mit den dreckig st«n Verleumdungen zu arbeiten. Sie verkündeten gleich bei der Gründung der SVH, daß nunmehr das Geld in s a u- bere Hände komme und sie lassen in allen Werbenotizen durchblicken, daß„ÄebenVer- t r a u e n s s a ch e" sei. Die Nachahmer al>o der deutschen Winterhilfe, in der nicht soviel gesammelt werden kann, wie gestohlen wird, die Schüler Goebbels'(als die sie sich offen bekennen), der in Ostböhmen sattsam bekannte Hubert B i r k e in Braunau sprach von einer Aksion„nach dem Vorbild im Mutterlauge") erdreisten sich, gegen die Fürsorgetätigkeft der deutschen Gemeinden, gegen Funktionäre, die seit Jahrzehnten treu und ehrlich ihre Pflicht im Dienste des Volkes erfiillen, schmutzige Pauschalverdächtigungen zu erheben. Die Folge dieser skrupellosen Propaganda ist die Gefährdung des Großteils deutscher Fürsorgeeinrichtungen im Staate. So wurde in Braunau der Gemeinde mitgeteilt, daß die freiwilligen Beiträge, die von den Angestellten der Firma Novotny bisher der öffentlichen Arbeitslosenfürsorge zugeleitet wurden, nunmehr an die SHV gehen. InWei- p e r t erklärte der Redner der SHF-Bersammlung im Sporthotel, man werde sich die Leute schon ansehen, die es wagen sollten, nicht für die SVH, sondern für die Fürsorge der Gemeinde zu spenden! Die Zusammenfassung und Erweiterung der Fürsorge durch die SVH stellt sich bei näherem Zusehen als eine Zerstörungsarbeit großen Stils dar, deren einziger Zweck die Wahlpropaganda für die fascistische Henleinfront ist. Woher komme« die Gelder der SVH? Auch dafür liegen schon Beispiele vor. In Theresienthal wurden die Arbefter mft sanftem Druck genötigt, sich einen Lohnabzug zugunsten der SVH gefallen zu lassen. Jn H e r r- m a n n s e i f e n hat sich der Leiter der Texttl- fabrik Herbeigelaffen, nach bewährtem Muster aus dem„Mutterlande" persönlich zu den Arbeitern — Pardon: zur„Gefolgschaft"!—'zu sprechen und sie zu Spenden aufzufordern. In Braunau haben die Sammler der SVH keinen Volksgenossen ausgelaffen und auch an Dienstmädchen unter Nachhilfe der Herrschaft ihre Ueberredungskunstgeübt. JnDeutsch-Wer- nersdorf hat man den Bauern eine förmliche Naturalsteuer von zwei Kilogramm Brotgetreide pro Hektar und Monat vorschreiben wollen» so daß einer schließlich sagte:„Ihr glaubt wohl, wir sind schon im Driften Reichl" Es ist also alles wie im„Mutterland", wie bei der Winterhilfe G o e b b e l s'. Die armen Teufel sollen zahlen, damit den Reichen nicht das Herz über der sozialen Rot bricht, will sagen, damit die Reichen ruhig schlafen können und keine Angst vor der Rebellion der Hungernden haben müssen. Man wird vielleicht einwenden, daß doch auch die Fabrikanten und die Banken große Spenden gezeichnet haben. Ader gerade das ist das Auffälligste an der Finanzierung der SVH. Wir sind die letzten, die den Kapitalisten untersagen, einen Teil ihres Gewinns an die abzugeben, denen sie den Gewinn verdanken. Aber wir kennen die soziale Gesinnung der deutschen Kapitalisten zu gut, als daß wir ihrem guten Herzen ftauen würden. Uns ist es verdächtig, daß Geschöpfe, die wir in 60 Jahren eines Nebeneinander, das unsererseüs ein ost verzweifelter Kampf gegen die Habgier und die Unmenschlichkeit der Kapitalisten war, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als Hyänen und Haifische kennen gelernt haben, sich plötzlich in gütige Götter und lichte Engel wandeln. Solange der deutsche Unternehmer auf den Tisch haut und die Hungerpeitsche schwingt, ist er ein gefährlicher Gegner. Aber wenn er„Herz", trägt, ist er nochgesähxljcher. Die Brot» Herren des Dr. H o d ä k gehen ihr Geld nicht um Gotteslohn her. Wenn sie für, die SVH zeichnen, dann wissen sie, daß eS eine gute Kapitalsanlage ist. Am sich einige Millionen z« ersparen, die sie der Krisenfonds kosten würde, zeichnen die deutschen Unternehmer gern ei« paar Zehntausender für die SDH! Und zu diesem Zwecke ist von allem Anfang die SVH aufgezogen worden. Darum hat man die Sozialdemokratie zur Mitarbeit gar nicht erst aufgefordeft. Und der„Deutschen Presse", die es bester wissen will, hatten wir ein Schreiben entgegen, das von der Leitung des B. d. D an verschiedene Vereine gegangen ist(unter dem 17. September 1934) und in dem eS ganz eindeutig heißt: „Darum müsse» wir das Wiuterhilfswerk als ein große- deutsches Gemeinschaftswerk der Bolls- Hilfe zusammen mit allen deutschen Berbände» und nichtmarztstisch e» Parteien a»S- bauen...* Der B. d. D., der übrigens, um zu zeigen, wie ernst es mft der Unpafteilichkeft und Zusammenfassung ist, erst dieser Tage in der Presse aufgefordeft hat, eine Sonderattion für die„Bundesbrüder in Rothau" durchzuführen, wäre ja allein schon eine Garantie des AntimarxismuS, der Rundbrief aber beweist eS auch schwarz auf weiß, daß die SVH von Haus aus nur eine Deckorganisation des AntimarxiSmuS war. Daß die Antimarxisten vorgeben, im Namen des Volkes zu sprechen, ist ein alter Trick. Er schüchteft uns nicht ein. Wir wissen, wer das Volkist, und was das Volk braucht. Es imponiert uns nicht, wenn die„Deutsche Landpost" aufgeregt ruft: „Sollen unsere deutsche« Arbeiter eher verhungern, als daß wir ihnen helfen dürfen?" Nein, wir hindern niemanden. Der Wohltätigkeit und dem Opferwillen sind keine Schranken gezogen. Wir haben zwar jahrzehntelang die Last des Kampfes für das nackte Leben der Arbeiter allein geftagen und brauchen nur zwei, drei Monate zurückzugreifen, um zu entdecken, daß die Agrarier samt den Christlichsozialen sich weder Sorgen um die hungernden Arbeiter machten, noch sich zur Hilfsaktion drängten, aber wir find erfreut, daß die hartgesottenen Anwälte der kapitalistischen Interessen augenscheinlich be- kehrt sind. Es wird zwar noch manchen unserer Ver- ttauenSleute so gehen wie einem Genossen in Ronsperg, der zu einer Beratung über die SVH ging und, wie er uns mitteill, baß erstaunt war, doft dieselben Leute vorzufinden, mft denea er sich seit Jahren um jeden Heller für die Ar« beftslosen herumschlagen muß und die noch jede Hilfsattion scchotieft, jeden Antrag der Sozialdemokratie für die Arbeitslosen abgelehnt haben. Aber wir alle, die wir unseren Augen und Ohren nicht ftauen, werden es schon lernen und fteuen uns schon jetzt unserer eigenen Bekehrung. Die Agrarier sind verängsttgt, weil wir ihnen nicht erlauben wollen, den hungernden Arbeitern zu helfen? Keine Angst! Wir hindern keinen Votts- genoffen, seiner Pflicht zu genügen. Im Gegenteil» wir wollen alles tun, um den Bürgerttchen jeder Richtung reichlich Gelegenheit zur Betättgung ihrer neuen Gesinnung zu geben. Wir fordern unsere Genossen auf, überall unsere allen, so oft abgelehnten Anträge zugunsten der Krisenopfer zu erneuern. Nunmehr werde« die Bürgerlichen sie doch nicht ablehnen? Wir werden in der nächsten Zeit mit gesteigerter Energie für die V e r» Kürzung der Arbeitszeit Notstandsarbeiten, für Erweiterung der Lebensmit» telaktionen, für Kohlenaktion, Gesundheitsfürsorge und für die Heranziehung der Kaptta- liste« zur Krisenfürsorge eintrete«. Wir nehmen die Herren von der SBH beim Wort! Sie wollen dem Botte helfen? Sie haben Angst, daß sie nicht„dürfen"? Sie dürfen, so viel sie wollen! Wir werden ibnen den Weg weisen und wir fteuen«ns, nach 60 Jahren sozialer Arbeit endlich auf Verständnis»nd auf gerühfte Herze« zu stoßen. Hoffen wft alle, daß wft keine Enttäuschung erleben! Der russisch-französische Pakt Paris.(Tsch. P.-B.) Der Wortlaut des französisch-sowjeftuffischen Protokolles lautet wie ftlgt: Der ftanzösische Außenminister und der sowjeftuffische Volkskommissär für auSwäftige Angelegenheiten, sind zu der Feststellung gelangt, daß beide Regierungen gemeinsam entschlossen sind, den Abschluß der vorgesehenen internattonalen Akte zu betreiben. Sie sind in dem Augenblick, in dem die Verhandlungen eine aktt- vere Wendung genommen haben, übereingekRn- men, folgende Haltung einzunehmen: **'W RssiAEWMrKMA’wff’TO’ ryft den Regierungen, die zur Teilnahme an dem Östpakt aufgefordeft worden find, und insbesondere mit denen, die ihren grundsätzlichen Bei- ftitt noch nicht erklärt haben, in Verhandlungen einlassen, die zum Abschlüsse von zwei- oder mehr- seittgen Verträgen führen könnten, die die Vorbereitung und den Abschluß des regionalen Ost« Paktes und der mit ihm verbundenen Berftäge kompromittieren könnten, oder die dem Geiste widersprechen, dem sie entsprungen sind. 2. Zu diesem Zwecke wird jede der beiden Regierungen die andere über jeden Vorschlag auf dem Laufenden hatten, der eine derarttge Tragweite haben könnte, auf gleich welchem Wege er ihr von einer der in Frage kommenden Regierun gen unterbreitet werden würde.. Diese Verpflichtungen gelten für die Dauer des laufenden diplo- mattschen Unternehmens(entrepftse) und aller folgenden Unternehmen, die gemäß der gleiche« allgemeinen Auffassung und mft der gleichen Absicht an seine Stelle gefetzt werden könnten. Beide Regierungen verpflichten sich, auf dieses Unternehmen nicht zu verzichten, ohne durch gemeinsame Uebereinkommen festgestellt zu haben, daß es nutzlos wäre, sie weiter zu verfolgen. In diesem einen Falle würden sie über die neuen Versicherungen beraten, die sie sich im gleichen Geiste und MM ZMttk'MUV^^Wstyen GHM-" standes zu geben für zweckmäßig erachten würden. Die beiden Regierungen sind überzeugt, daß eine solche Garantie der Kontinuität und der Wirksamkeit in der diplomattschen französischrussischen Zusammenarbeft den Erfolg der laufenden internattonalen Verhandlung erleichtern und gleichzeitig dazu dienen werden, allgemein den Geist des gegenseitigen Verftauens in den amtlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu stärken. Im Verftauen darauf haben die Unterzeichneten, die von ihren Regierungen dazu ermächtigt waren, das vorliegende Protokoll unterzeichnet. Genf, den 8. Dezember 1934. Litwinow, Laval. 21 Roman von Olga Scheinpflugova Copyright by Praasedietiat». Prager-Vertag. Wien „Sie wollen wohl sagen. Sie find eine Verehrerin„Vagabonds?", ftagte einer von ihnen. «Ich bin„der Vagabond". Ich heiße Bon- netier— nein, ich heiße Babiola Cloture. Ich bitte nicht zu lachen." „Warum haben Sie sich bis heute nicht gemeldet?" „Weil ich Sie nicht gebraucht habe— und weil ich fürchtete, daß Sie, meine Herren, mft unsympathisch sein könnten." „Aber Fräulein!" Der Lokalberichterstatter, der mft allen Sorten Menschen verhandeln mutzte, machte ihrem Körper ein Kompliment. Er umfaßte sie mit einem Blick, der vom Kopf bis zu ihrer hohen Knabenstirn reichte. Dann sagte er: „Vagabond, sagen Sie, mein Fräulein. Sie wollen also der Neugiererreger von ganz Pafts und der Rebus der Redaktion sein? Sie wollen der energische Vagabond der Polittk und des nächtlichen Pafts sein? Können Sie das beweisen?" „Wie soll ich Ihnen das beweisen?", ant- woftete Babiola gequält und errötete. Ihre nassen Augen ließen das Lachen verstummen. Die Herren glaubten, eine Hysterikerin vor sich zu haben. „Ich schreibe seft meinem fünfzehnten Jahre. Ich sandte Ihnen meine Manuskripte in blauen Kuverts, mit allen Korrekturen und Stftchen. Ich hatte keine Lust zu Reinschriften. Zeugen habe ich nicht. Ich konnte nicht ahnen, daß der erwachsene Vagabond einer Hebamme bedürfe. Das war ein wenig ihr Stil. Das andere stimmte auch. Sie fühlte, daß sie sich Respekt verschafft hatft. Zwft Herren standen auf, um die Manuskripte zu holen. „Hier bringe ich Ihnen neue Verse, genügt das noch immer nicht? Uebrigens, wolle« Sie Schriftproben anstellen?" Ohne die Handschuhe auszuziehen, schfteb sie einige Verse nieder, die im Vorjahre erschienen waren. Man verglich sie mit den allen Manuskripten. Das Blatt ging von Hand zu Hand, die Bewunderung wuchs und mft ihr die Enttäuschung; Ein Radaktaur de»„Dlable blau“ das Rätsel„Vagabond" war gelöst. Die Herren wurden plötzlich äußerst galant und fteundlich. Man bot ihr Sessel an, soviel sie wollte und bat sie, einiges aus ihrem Leben zu erzählen. Und sie erzählte. Erzählte vom Meer, von Bonnetter, vom Montparnaß, vom Roman... „Ein Roman, Fräulein? Sind Sie nicht zu jung? Woher haben Sie die Erfahrungen?" Die Herren lauschten. Anfangs wohl nur auf das Knistern der seidenen Strümpfe, wenn sie die vollendeten Beine übereinanderschlug. Sie erzählte aber selbstverständlich und gescheit. Dft Redakteure saßen auf den Tischen. Und sie fteuftn sich schließlich über jedes Wort. So etwas Geniales— das konnte nur„Vagabond" sagen. Sie machte eine Pause. Es war nach der Sonne und ihrem Hunger zu schließen schon Mittagszeit. Sie hatte Hunger. Es kostete zwar ein Erröten, zu bitten— aber es mußte sein. „Ich muß jetzt gehen. Aber ich werde wiederkommen und werde dft Manuskripte selbst bftngen — weil— weil ich nicht einmal das Geld für dft Bftefmarken habe." Die Redalleure lachten. „Nein, wirllich; ich habe kftnen Sou und deshalb bin ich eigentlich gekommen.„Vagabond" will die rückständigen Honorare holen." „Geld?" Und plötzlich nahmen die Herren an ihren Tischen Platz und erinnerten sich an ihre eigenen Arbeiftn. Niemand konnte ihnen ansehen, daß sie noch vor einigen Minuten von„Vagabond" begeisteft waren. Honorar? Ach so? Deshalb sind Sie gekommen? Sie sprachen alle, als dächten sie mit einem gemeinsamen Hirn. Geld wollte sft für ihre alten Sachen. Mein Gott, für altes Zeug gibt ein Zeitungsmensch keinen Sou. Und der„blaue Teufel" schon gar nicht. Ein junges Blatt— viel Reklame — und wenig Abonnenten—. Wenn sie sich glftch informiert hätte, man hätte ihr gesagt: Honorar, das gibts nicht. Ungezählte Beiträge junger Talente liegen vor; die arbeiten gern umsonst... „Run ja. Aber.Vagabond'!" Zugegeben: er war eine Sensation.„Wer sind Sie denn wirklich Vagabond?" „Die Schriftprobe hat eS doch erwiesen." „Die Ähnlichkeit ist ja da, Fräulein. Wer die genügt nicht. Die ist noch lange kein rechtsgültiger Beweis." Babiola errötete hilflos, am liebsten hätte sie geweint. Ihre Kehle war wft zugeschnüft; das Geld, das war doch der zweite Sauerstoff, den der Mensch zum Leben haben mutz... Grußlos wandft sft sich und ging. Im Borraum war niemand, sie schluchzte durch die Rase wie ein gepcügetter Borstadtjunge. Der Hunger brannte. Die ersten Erfahrungen des Dichters„Vagabond" waren recht unglücklich. Daß sie ein Licht aus dem Osten sei, das hatten diese unheiligen Zeitungskönige erkannt— aber essen? Müssen Lichter und Dichter auch essen? Da» achte Kapitel Unerforschlich ist der Undank der Well. Babiola wandefte nach dem Montparnaffe zurück. Es geschehen aber heute noch Wunder; nur wir wundern uns nicht. Babiola hatte einen Ar- ttkel, den sie zwar für dumm gehallen hatte, vor einer Woche an„La Fimille" gesandt. Ein Honorar, dessen Höhe sie überraschte, erwaftfte sft daheim. In dem Briefe der Redaktton stand: Wft erwaften weitere Beiträge und bitten um Bekanntgabe der Bedingungen. Der Wend war schon wie noch nie und sie hatte Geld, selbstverdientes Geld. Sie ging in ein Kaffeehaus. Doft leuchtete die Orangeade in den Gläsern wie Sonnenfunkeu. Babiola bestellte ftotz ihres Hungers zunächst ein solches Glas und erwog, ob sie die Kunst, Limonaden zu verkaufen, jetzt noch verstünde. Biele Damen waren im Kaffeehaus, aber keine war so einsam wie sft. Selbst dft allein saßen, hatten ihren Geliebten in den Augen. Mit kurzem Gruß setzte sich ein junger Mann— bestimmt ohne Nebenabsichten— an ihren Tisch. In seinen Bewegungen lag keine Sehnsucht. Babiola sah ihn an und sagte sich mft Sicherheft: dieser soll es sein. Nachlässig gönnte sie ihm den Blick auf die schönsten Beine der Welt. (Fortsetzung folgt.) 297 Donnerstag, 20. Dezember 1934 Sette 3 Das Margarine-Kontingent Sozialdemokratie schützt die Arbeiterinteressen festgesetzt Wo blieb das deutsche Bürgertum? Ein Beispiel der Verlogenheit der Schriftleiterpresse Prag. Wie wir erfahren, ist nach lang en Verhandlungen in der Regierung die strittige Frage der Produttionskontingente in der Margarine-Industrie endlich in fachlicher Weise bereinigt worden. Eine nachteilige Behandlung deutscher Betriebe konnte bei dieser Regelung vermieden werden. Gegenüber dem im Sommer bekannt gewordenen AufteilungSplan Haven die Schicht- und Eentra-Werke eine«m 400 Waggons höhere Quote erzielt und dafür die bindende Verpflichtung übernommen, keine Entlastungen oder sonstige Arnderungen innerhalb ihrer Belegschatten vorzunehmen. Datz in dieser äußerst schwierigen Frage die Interessen der beteiligten Arbeiterschaft in vollem Umfange gewahrt worden stnd, dafür gebührt daS Hauptverdienst dem politischen und gewerkschaftlichen Einfluß der Sozialdemokratie und vor allem unserem Arbeitenministrr Dr.(5 z e ch. Eine Stimme der Genugtuung llcber die vorliegende neue Regelung schreibt das Organ des Fabrikarbeiter-Verbandes, die„Verbandszcitung": „Die allgemeine Festsetzung der Produktionskontingente in der Margarine-Industrie ist, wie wir erfahren konnten, beretts erfolgt. Es handett sich um die Erzeugung für das Jahr 1935, da eine Regelung für das heurige Jahr, obwohl dieselbe geplant war, unterblieb. Die Ar- bereitschast der Schicht- und Centra- werke war über das Ausbleiben der heurigen Regelung gar nicht ungehalten, denn es bestanden Absichten, die Produktion der beiden Firmen in einer Weise zu kurzen, die sich chatte katastto- phal auswirken müssen. Es war daher für unseren Verband eine selbstverständliche, aber auch sehr schwere Aufgabe erwachsen, die Margarine- nnd Kunstfettarbeiter vor schwerster Bedrohung der Existenz zu schützen. In zäher und unermüdlicher Arbeit, unter ernster und tatkräftiger Mithilfe maßgebender Funktionäre der sozialdemokratischen Partei war es möglich, sehr viel im Interesse der Arbeiterschaft einzuwirken. Wenn nun ein Produktionsquantum von 2210 Waggons für die Firmen Schicht und Centra für das Jahr 1935 festgelegt erscheint, so ist dies wohl nicht die Höhe der Standarderzeugung des Jahres 1934, aber es ist eine respektable Veränderung gegenüber dem Plane, der für das heurige Jahr bestand." Für die Arbeiterschaft besteht aber auch dabei die Genugtuung, daß ihre steigewerkschaftlichen Vertreter an diesem Ergebnisse in maßgebender Weise mit- aewirkt haben und ist damit em sehr ernstes Pei- spiel wirklicher Pflichterfüllung gegenüber der Arbeiterintereffen in schwerer Krisenzeit durch unseren Verband geschaffen." Lin verkrachter Schlager der deutschen Nationalisten Die seinerzeit veröffentlichte Behauptung der Hauptverbandes der Industrie, daß durch die Margarine-Kontingentierung dem deutschen Gebiete jährlich 150.000 Arbettsstunden verloren gehen, war der ganzen sudetendeutschen Schriftleiterprcsse ein willkommenes Fressen und Stoff zu einer maßlosen Hetze gegen die deutsche Sozialdemokratte. Die„Bohemia" wetteiferte mit den völkischen WinkeMättchen im Geschrei über den„marxistischen Verrat" am deutschen Arbeitsplatz. Die„Rundschau" des Herrn Henlein sah schon den Tag kommen, „wo auch der eingefleischteste sozialdemokra- tischr Arbeiter erkennen wird, daß die Sozialde- mokratisch« Partei mit dm tschechisch« Parteien gegm ihn, dm sndrtmdmtschm Arbeiter, durch dick und dünn geht." In allem Versammlungen der„Heimat- front" war daS Margarine-Kontingent ein Hauptschlager gegen die deutschen Sozialdemokraten. Dabei haben die in Bettacht kommenden deutschen Betriebe in diesem Jahre nm kein Kilo Margarine weniger erzeugt, weil der erste AufteilungSplan gegen unsere« Widerstand nicht in Kraft gesetzt werden konnte. Nach diesem Geschrei sollte man meinen, daß das deutschbürgerliche Lager seit den Sommermonaten nur eine Sorge kannte, wie eine neue Regelung zu erzielen sei, die den Verlust von 150.000 Arbeitssttmden verhindert. Weit gefehlt: das ganze deutsche Bürgertum hat keinen Finger krumm gemacht, um eine gerechtere Lösung zu erzielen! Weder Henlein, noch Mayr-Harttng, noch sonst irgendwer» sand rS für notwendig, praktisch etwas für den bedrohten Arbeitsplatz zu tun. Ihnen genüge der Fall alS Agitationsstoff gegen die deutschen Sozialdemokraten. Den„marxistischen Volksverrätern" war es wieder, wie in allen solchen Fällen, überlassen, den Grundsatz der nationalen Gerechtigkeit zu vertreten«nd durchzu- setzen. Wird die völkische Presse nun ein einziges Wort der Anerkennung. für den Arbeitermini- ster Dr. C z e ch finden? Wird sie ihre falschen Behauptungen und Beschuldigungen korrigieren? Nein, sie wird getteu ihrer verlogenen Tradi- tion unsere Leistung totschweigen und auf die nächstt Gelegenheit warten, der im schwersten Rmaen um wahre Bolksinteressen_stehenden So- zialdemokratie in den Rücken zu fallen k Der LandesauSschnß für Böhmen hat in seiner Mittwoch-Sitzung neben einer Reihe laufender Angelegenheiten 58 Gemeindebudgets erledigt und 31? Gemeinden die Einhebung versch-iedener Abgaben und Gebühren bewilligt. Außerdem bewilligte der Ausschuß nachstthende Unterstützungen durch daS Land: Für Wohnungszwecke an verschiedene Dau- und WohnungS-Genofsenschaften ttö 540.000.—, für soziale Zwecke 891.000 ttö, der tschechischen Settion der Modernen Galerie KL 87.000.— zum Ankauf von Werken zeitgenössischer und älterer Meister, der deutschen Sektion für den gleichen Zweck KL 45.000.—, den Schulgemeinden Kc 588.000.— zur Errichtung von Schulen, für den Ausbau des Sozialinstituts für verwahrloste Jugend in Jungbunzlau 200.000.— Kronen, dem Gewerbeförderungsinstitut 240.000 Kronen und für künstlerische, kulturelle und Volks» j erzieherische Zwecke Kö 904.000.—. Wem dient die Volkshilfe? Bon einem Teplitzer Arbeitslosen wird uns geschrieben: Ich ging am Sonntag, den 18. Dezember, in die' Kanzlei der Sudetendeutschen Volkshilfe in der Mühlsttaße, die sich im selben Raume befindet, wie die Kanzlei der Sudetendeutschen Hei- uuttfront, und bat um eine Unterstützung. Es wurde wir von dem anwesenden Manne geantwortet, daß zuerst nur die Mitglieder für Unterstützungen in Betracht kämen. Ich gehöre keiner Partei an und war deshalb über diese Aeußerung sehr erstaunt. Jetzt war mir nun klar geworden, daß die Volkshilfe von diesen Leuten zu einer Parteisache gemacht wird. Nachdem bei den Sammlungen der Eindruck erweckt wird, daß es sich um eine allgemeine Aktton für alle Arbeitslosen ohne Unterschied der Partti handelt, halte ich es für notwendig, die Oeffent- lichkeit von dttsem Vorkommnis in Kenntnis zu setzen. Bor etwa 14 Tagen ging ich für die städ- ttsche Arbeitslosenfürsorge sammeln. Von manchen Leuten wurde uns eine Spende abgelehnt nut dem Hinweis, daß sie für die Arbeitslosen nun nichts mehr geben, sondern der BolkShilfe spenden werden. In der Teplitzer Arbeitslosenfürsorge werden aber auch die Anhänger der Heimatftont mit unterstützt. Hier werden eben alle ohne Unterschied der Partei gleich geachtet. Es macht einen ungünsttgen Eindruck, wenn bei Wohltätigkeitsaktionen nach parttiischen Gesichtspunkten vorgegangen wird. Hltlerselst unter den Sudetendeutschen In Rosenthal bei Graupen hatten Zigeuner» ftauen Hühner gestohlen. Sie wurden von Bauersleuten eingefangen und in die Schmiede gebracht. Unter Androhung der Prügelstrafe soll- ten die Frauen eingestehen, daß sie Hühner gestohlen haben. Die Frauen gestanden den Diebstahl nicht und daraufhin haben jene, die sich wahrscheinlich als Dorfrichter fühlten, den Frauen die Röcke hochgehoben, wobei di^ gestohlenen Hühner zum Vorschein kamen. Dann wurden die Zigeunerinnen verprügell. Während dieser Strafprozedur gewahrte man erst, daß eine Zigeunerin s ch Wange r s ei. Man ließ von dem Zuschlägen auf das Gesäß der Frau ab und schlug ihr ins Gesicht. Wie werden sich die Dorfgewaltigen freuen, wehrlose Zigeunerinnen verdroschen zu haben. Wenn auch nur Zigeunerinnen, so doch Menschen, dtt von Natur aus andere Lebensbedingungen haben, als wir. Wollte man absolut auf einer Besttafung bestehen, so konnten die Dorfgewaltigen die Gendarmerie verständigen und diese höftt schon gewußt, waS mit den Zigeunern zu geschehen hat.• Aber, daß sich einige Menschen herausnehmen, R i ch- terzuspieleu, das ist unter den geregelten Rechtsverhältnissen eines zivilisierten Staates einfach undenkbar. Hätte man wenigstens Rücksicht genommen auf den Leib einer werdenden Mutter! Ist diese Heldentat mtt den christlichen ReligionS- gesetzen in Einklang zu bringen? Was sagt der Graupner Berichterstatter des„Teplitzes Tageblatt" zu einem derart christlichen Heldenstückchen? Das definitive Automobllsesetz Prag. Der Senat verabschiedete am Mittwoch abends noch das definitiv« Gesetz über die Fahrt mit Motorfahrzeugen, dessen Vorbereitung imgemein schwierig und langwierig war. Im Abgeordnetenhaus wurde am Vormittag inzwischen die letztt Verlängerung deS bisherigen Provisoriums auf diesem Gebiett angenommen, das nun» mehr spätestens mit 1. Juli 1935 endlich durch das definitive Gesetz abgelöst werden soll. Im Senat wies der Referent Jng. Winter darauf hin, daß bisher daS Automobilwesen durch 22 verschiedene Gesetze, Verordnungen und Erlässe geregelt sei, dtt zum Teil noch aus dem Jahre 1875 stammen und vor allem auch nach den Ländern verschieden sind. Da man auch weiterhin mit einer raschen Weiterentwicklung des Automobilismus.rechnen muß, sei die Vorlage im wesentlichen ein Rahmengesetz, das der Regierung im Verordnungswege großen Spielraum lasse, um die Vorschriften dem Fortschritt der Automobilttchnik rasch anpassen zu können. Die erste Bedingung sei jedoch: DieSicher« heit über alles! Richt nur an dtt Maschinen, sondern auch an dtt Fahrer müssen deshalb strenge Anforderungen gestellt werden.— Der Referent Panek urgiertt dtt Reform des Gesetzes 198/32. Heber den Aufichub der Wahlen kn die Landes»«nd Bezirksverttetungen verhandeltt das Abgeordnetenhaus am Mittwoch. Der Referent D an e k schloß sich der Begründung der Vorlage durch die Regierung ziemlich vollinhaltlich an. Dagegen riefen der Kommunist D v o r a k und Herr K r u m p e von den deutschen Christlichsozialen nach sofortigen Neuwahlen auch für die Nationalversammlung, obwohl die Kommunisten nach den letzten Gemeindewahlergebnissen auf alles eher als auf einen„Sieg" rechnen können und wohl auch die Christlichsozialen sich sagen müssen, datz sie auf das durch die fascistische Einstellung ihres Parteiobmannes Hilgenreiner nur noch geförderte Uebcrlaufen ihrer Wähler zur Henlein- fronj noch ruhig ein Weilchen warten könnten.— Die Verabschiedung der Vorlage wird erst Donnerstag erfolgen, worauf sie auch vom Senat noch vor den Weihmachtsserttn genehmigt werden muß. Prosinec Voller Poesie sind die tschechischen Monatsnamen. Da gibt es den Januar, den Eismonat, Mai, den Mütenmond, August, den Sichelmond, November, den Monat der fallenden Blätter, und Dezember, den Bütmonat. Vor allem dieser Name hat etwas Rührendes. Die ganze Tragik der kalten, bösen Jahreszeit steigt auf. Wir sehen dtt armen hungernden Menschen an den Sttaßenecken stehen und um ein bißchen Brot und ein paar Heller für wärmenden Tee flehen. Von einem dieser armen Bettler, einem arbeitslosen Glasschleiferjungen aus dem Sudetenland, will ich berichten. Frierend und zagend stand er an einem nah» kalten Abend des Bittmonats am WcnzelSplatz. Da näherte sich ihm ein großer, stattlicher Herr, der auf dem Kopfe ein grünes Hütchen trug, von dem stolz der Gamsbart, ein richtiger Keiner Himmelsbesen, wippte. Sein Gesicht Ivar rund, etwas brutal hochfahrend, wiewohl er eS im Augenblick durch ein steifes und etwas gefrorenes Lächeln aufzulockern suchte.»Na, mein Lieber," sagte er mit einer etwas krächzend scharfen Stimme, die so aus dem hohen Stehttagen herauötam, als ob eS sich mindestens um einen ehemaligen preußischen Offizier handle,»schlechtes Wetter, schlechte Zeiten!" Der Bettler, der ihn zuvor deutsch angesprochen hatte, nickte verlegen und zustimmend. Der Herr mit dem Gamsbarthütchen fuhr fott:»Tja, mein Lieber, wenn Sie jetzt in Deutschland wären, brauchten Sie n.cht an der Ecke-zu stehen und zu betteln. Da bekämen Sie Ihre Winterhilfe und das Betteln besorgen für Sie andere Leute. Das machen bei uns dtt Minister, dtt Generätt und dtt Führer d«S Volkes. Denn", so schloß er mit etwas erhobener Stimme,»wir haben ja Gott sei Dank bei uns dtt nationalsozialistische Volksgemeinschaft verwirklicht." Der Junge hatte ihn aufmerksam und mit ungläubigem Staunen zugehött,„das möchte ich auch einmal sehens erwiderte er mtt wachsender Neugier.„Können Sie haben! Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Ich nehme Sie in meinem Auto mit. In wenigen Stunden sind wir in Berlin und morgen, am Sonntag, können Sie schon sehen, wie eS bei uns zugeht. Nur eines verlange ich von Ihnen: Sie müssen nachher im Rundfunk Ihren sudetendeutschen Landsleuten erzählen, wie schön es bei uns ist und was Sie alles gesehen haben. Selbstverständilch erhalten Sie dafür," so schloß er,„ein angemessenes Honorar." Den Jungen lockte die Reise, das Abenteuer, das Geld. Er willigte ein und ehe er es sich versah, saß er in einem schönen, gutgepolstertcn Wagen, der in schneller Fahrt nach Bodenbach und von dort über die Grenze durch das Elbesandsteingebirge jagte und, nach kurzer Rast in Dresden, etwas nach Mitternacht in Berlin eintraf. Der unbekannte Gönner schien irgendein hoher Beamter zu sein. Er hatte seine Wohnung in einem weitläufigen Amtsgebäude, wurde von einer Unzahl uniformierter Männer in strammer Haltung begrüßt und wies dem Jungen, der von. der langen Reise schläfrig und übernächtig war, ein Zimmerchen an, in dem er bald in tiefen Schlummer versank. Am nächsten Morgen rieb sich der Junge ver» wundett die Augen. Das weiße Bett, das saubere hell« Zimmer und der bereits auf dem Tisch dampfende, allerdings etwas fade schmeckende Kaffee, alles das erschien ihm wtt dtt Fortsetzung Zum Gedächtnis der Nelson-Opfer Ostek.(Tsch. P. B.) Zum ehrenden Gedenken an die 141 Opfer der„Nelson"-Katastrophe wird am Jahrestag des Unglücks, das ist am 3. Jänner 1935, eine große Trauerkundgebung beim Relsonschacht stattfinden. Um 9 Uhr vormittags werden sich die Belegschaften der Nelson-Schächte und der übrigen Schächte der Brüxer Kohlenbergbau-Gesellschaft am Marktplatz versammeln. Von dort erfolgt der Marsch zum Friedhof, wo eine Abordnung auf die Gräber der geborgenen Opfer Kränze niederlegen wird. Dann erfolgt der Weitermarsch durch den Hof des Nelson Hl-Schachtes zu dem zu enthüllenden Gedenkstein. Während der Enthüllungsfeier wird die Sirene des Nelson-Schachtes die wten Bergleute grüßen und alle Schächte von Aussig bis Falkenau werden mit Sirenenrufen antworten. Zwei Senatorinnen gegen den Wehrbeitras der Mütter Prag. Bei der Beratung der drei Wehrvorlagen im Senat protestierte die Referenttn Pla- minkovä dagegen, datz auch die Mütter zum Teil zur Leistung des Wehrbeittages herangezogen werden. Die Gleichberechtigung der Frauen werde immer nur dann betont, wenn sie neue Pflichten auf sich nehmen sollen. Wenn wirklich auch Mütter den Wehrbeitrag entrichten sollen, dann wäre es nur billig, daß auch die Männer zu einer allgemeinen M u t t e r s ch a f t s v e r s i ch e r u n g bei tragen, daß die Frauen ohne Sorgen um die Zukunft dem Staate Kinder schenken können. Sie wünscht, daß in kürzester Zeit das Gesetz so geändert werde, daß die Mütter überhaupt vom Wehrbeitrag befreit sind, also auch dann, wenn sie nur ein Kind haben, und ohne Rücksicht auf die Höhe des Einkommens. Auch die tschechische GenossinKarpiskovä trat dafür ein, daß alle Mütter vom Wehrbektrag ausgenommen werden; vor allem sollttn die Mütter erwachsener Kinder nicht schlechter gestellt werden als solche von unmündigen. Die Frauen würden eine Korrektor des Gesetzes in dieser Richtung erzwingen. Für das Gesetz in der vorliegenden Form können sie nur mit innerem Wider- stteben und gegen ihre Ueberzeugung stimmen. Christlichsoziale Demagogie. Bei der Beratung der Wehrvorlagen im Senat war H i l g en- reiner auf einmal riesig erstaunt, daß man heute die zweijährige Dienstzeit beantrage und den Finanzminister sogar zu Kredttoperationen zur Deckung der Auslagen ermächtige. Die Gründe hiefür seien im Motivenbericht„zu allgemein" angeführt. Wenn wir ringsum von Feinden umgeben sein sollten, so' würde das beweisen, daß wir unsere Außenpolitik ändern müsse n.— Als derselbe Herr Hilgenreiner i. 1.1926 bedenkenlos die Dttnstzeiwerlängerung und den Rüstungsfonds schluckte, da fehlte es wtsächlich hiefür an jeglichem Grund, denn das demokratische Deutschland dachte sicherlich nicht daran, irgendeinen seiner Nachbarn zu überfallen. Damals hat Hilgenreiner aber auch keine Aendeung der Außenpolitik verlangt. Heute dagegen muß Herr Hilgenreiner schon sehr dicke Scheuklappen vor den Augen haben, um die wahnsinnige deutsche Aufrüstung nicht zu sehen. Heute statt Ausbau unserer Betteidigung eine „Aenderung unserer Außenpolttik" zu fordern, ist identisch mit dem Verlangen nach bedingungsloser Kapitulation vor dem deutschen Fascismus! Das würde wohl dem Herrn Hilgenreiner paffen, aber unsere sudetendeutschen Arbeiter denken darüber wesentlich anders. Die haben nicht die geringste Lust, einem Hitlerfascismus wehrlos zu erliegen. eines Traumes. Er wusch sich, fleidete sich an uno als er.gerade mit dem Frühstück fertig war, erschien sein hoher Gönner in der Tür, diesmal in einer schwarzen Uniform mit glänzenden silbernen Schnüren und Litzen. Er war offenbar ein ganz großer Herr.„Na, denn man los, mein Lieber", schnarrte er mit dem sichtlichen Bemühen, sich jovial zu zeigen.»Jetzt werden Sie Ihr blaues Wunder erleben. Hier haben Sie fünfzig Mark als Vorschuß für den Vottrag heute Abend. Ich setze Sie Ecke Wilhelmstraße und Unter den Linden ab, da können Sie unsere Minister sam» mcln sehen. Dann effen Sie etwas und nachmittags um vier Uhr hole ich Sie wieder ab und wir fahren zusammen zum Funkhaus." Sie rasten in schnellstem Tempo breit«, schöne Straßen entlang. Unterwegs sah der Junge viele Menschen auf den Straßen. Zwischen ihnen gingen Uniformierte, vor denen die Leute scheu auswichen. Ab und zu sah er auch einen Sammler in Uniform oder im Pelzmantel, aber es schien ihm, als ob man den Sammlern noch ehrfürchttger ausweiche als den Uniformierten. Dann fuhren sie durch eine Allee, an deren beiden Seiten große Herren, mit allerhand abenteuerlichen Waffen und Kleidern angetan, leuchtend wie aus Gips oder Zuckerguß standen. Der Junge erinnerte sich unwillkürlich an ein Wachsfigurenkabinett, daS er einmal für 80 Heller Eintritt auf dem Jahrmarkt in Dejvice besucht hatte. Nur fehlte ihm jetzt der Erklärer und der Herr neben ihm schien auch nicht für so etwas geeignet zu sein. Am herrlichsten war freilich ein goldener Engel, der auf einer hohen Säule mit einem Fuß hüpfte, so daß man etwas Angst haben mußte, ob er nicht plötzliH herunterfallen werd». Aber er tat das nicht und der Herr mtt dem Gamsbarthittchen sagte auch, tcä Seite 4 Donnerstag, 20. Dezember 1934 Nr. 297 London.(Reuter.) Die Londoner Flotten- besprechnngen wurden auf unbestimmte Zeit vertagt. Nach der Plenarsitzung aller drei Delegationen, die unter dem Borsitz Mardonalds statt- fand, wurde ein Kommunique hcrausgegeben. Die erste englische Saartruppe. Das erste britische Truppenkontingent, bestehend aus 180 Mann in feldmäßiger Ausrüstung, ist im Saargebiet eingetroffen und hat seine Quartiere bezogen. Kurz zuvor ist ein Eisenbahnzug mit dem britischen Kriegsmaterial in der Saar eingetroffen. Der Vorstand der Saarpolizei, Hemeleh, ist zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger ist der englische Major Hennessy ernannt worden. Ständerummel auch in Bulgarien. Aus Sofia wird uns geschrieben: Josif Robev, der Leiter der Propagandaabteilung im„Amte für nationale Wiedergeburt", hielt in der südbulgarischen Stadt Harmanli eine Rede, in der ein Bild von dem künftigen Regime in Bulgarien entwarf. Robev erklärte u. a.:„Der Staat wird auf den sieben Pfeilern der einheitlichen Jntereffenortzanisationen ruhen. In einer von ihnen wird die Arbeiterschaft zusammengeschloffen sein, in den anderen die Industriellen, die Kaufleute, die Gewerbetreibenden, die Landwirte, die Angehörigen der freien Berufe und die Bankbeamten, die Versicherungsgesellschaften und privaten Unternehmen. Die Vertreter dieser Organisationen werden in Zukunft Gemeinde-, Bezirksund Distriktsräte bilden und auch das kommende Parlament wird aus ihnen gebildet sein." Neues aus Spauie«. Die spanische Abgeordnetenkammer genehmigte das definitive Gesetz, durch welches das provisorische Regime für Katalonien festgelegt wird.— Die spanische Polizei verhaftete in Gijon 71 Personen, die an dem revolutionären Aufstande teilgenommen hatten und dann in die Berge geflüchtet waren. Matrlkenämter sind keine Hltlerflllalen Ein vernünftiger Erlaß der Landesbehörde Auf der Suche nach den arischen Großmüttern haben die reichsdeutschen Behörden vielfach auch die tschechoslowakischen Matrikenämter in Anspruch genommen, um sich über Reichsdeutsche und Tschechoslowaken sowie deren Vorfahren Auskünfte über Geburt, Religion und Abstammung zu verschaffen. Teils um den reichsdeutschen Behörden entgegenzukommen, teils aber auch aus Sympathie zum Fascismus, haben die Matrikenführer nicht, nur die Geburtsseine ausgestellt, sondern über Wunsch der reichsdeutschen Raffenschnüffler auch noch vermerkt, ob die Vorfahren der in Frage kommenden Person arischer Abstammung sind oder nicht. Gegen diesen Unfug ist nun endlich seitens der Landesbehörde durch Herausgabe eines Erlasses eingeschritten worden. In dem Erlaß, welcher von dem Landespräsidenten Dr. Sobotka unterzeichnet wurde, wird festgestellt, daß Ma- trikenscheine ohne Taxe und Stempel nur auf diplomatischem Wege verlangt und ausgestellt werden können. Ferner wird darauf verwiesen, daß die Einsichtnahme in die Matriken nur Personen gestattet ist, die sich über die Eintragung der eigenen Daten orientieren wollen;; fremden Personen aber ist der Einblick in die Matriken nicht erlaubt. Wird ein Matrikenschein einer in der Matrik eingetragenen Person ausgestellt, dann muß er entweder gestempelt sein oder aber es muß der Nachweis über die Mittellosigkeit geführt werden. Auf keinen Fall darf auf dem Diatrikenauszug ein Vermerk über die Abstammung sein. sei die Siegesgöttin und sie werde den Deutschen schon weiter helfen. Dann fuhren sie durch ein großes Tor und kamen in eine breite Straße.»Jetzt sind wir Unter den Linden und du mutzt aussteigen. Rechts vor dem großen Hotel siehst du eine Menschen- menAc. Da findest du die'Minister/ Schau sie dir nur tüchtig an. Es sind die größten und be- lrebtesten Männer in unserem Landet" Der Junge hatte den Wagen verlassen und blickte sich um, er konnte von den großen Dtännern zuerst nichts entdecken. Er sah nur eine Unmasse von Uniformierten. Offenbar waren sie dort, um die Minister vor der zudringlichen Liebe des Volkes zu beschützen. Es war ein großer Trubel eleganter Leute, die samt und sonders auf der Brust oder im.Knopfloch das Hakenkreuz trugen. Der Junge suchte sich durchzudrängeln und gelvahrt'. bei näherem Zusehen zwei Haufen, die fast feindlich voneinander abgegrenzt zu sein schienen In dem einen stand ein fetter Mann mit unendlich vielen Orden Und Goldschnüren. Der Junge war neugierig, wer das sein mochte und wandte sich an einen Burschen, der, ähnlich wie er selbst, etwas abgerissen aussah und ihm deshalb Vertrauen ein- flöste.»Wer ist denn," fragte er schüchtern,»der feine Herr, der da die Sammelbüchse hält."»Den kennste»ich? Det is doch unser Reichsbrandmet- ster!" Spruchs und rannte wie besessen davon. Der Junge glaubte erst, es handle sich um einen Feuerwehrgeneral, aus den Reden der Umstehenden entnahm er aber, daß cs kein geringerer sei als der Herr Ministerpräsident Goering, von dem er ja schon so viel Schlechtes gehört yattc. Amüsanter fand er den kleinen Mann mit dem Papageienkopf und dem Hinkefutz, der einen hellen Regenmantel trug und scheinbar dem Dicken Konkurrenz machte. Er schien sich auf das Geschäft besser zu verstehen.„Wahrscheinlich ein Kaufmann, wohl ein Jude. Ja, ja, man kann sagen, was man will, aber tüchtige Geschäftsleute sind doch diese Juden." Der Junge nahm sich wieder ein Herz und forschte einen der Umstehenden aus. „Wer ist denn der kleine jüdische Herr mit dem Klumpfuß?" Der Gefragte sah ihn, wie aus allen Wolken gefallen, an:„Du bist wohl fremd hier. Kleiner, mach nur, daß du fort kommst. Wenn das einer hört, dann geht es dir schlecht. Ihren Goebbels lassen die nicht beleidigen!" * Der Junge drängte sich trotzdem bürd'. In der Hand hielt er krampfhaft den 50-Mark-Schein. den ihm fein Gönner gegeben hat. Mitten in dem Gestoße und dem Gedränge, das um den Propagandaminister herrschte, kam er plötzlich ganz nach vorne. Josef Goebbels sich mit faltenscharfem Blick den 50-Mark-Schein in der Hand des Jungen „Deutschlands ärmster Sohn will zeigen, daß er sein getreuester ist", rief er pathetisch und riß dem entsetzten Jungen den Schein aus der Hand, um ihm schnell in seine Büchse zu versenken. Eh: der Junge noch protestieren konnte, wurde er von einigen vollgefrcffenen Uniformiertei. mit ein paar Püffen beiseite gedrängt. Müde und hungrig schlich er durch die Straßen. Ueberall sah er die feinen Herren sammeln Aber wer sammelte für chn? So beschloß er denn selbst sein Glück zu versuchen. Er stellte sich an emer belebten Ecke auf und hielt, wie er es gewöhnt war, sein kleines Mützchen bescheiden vor sich hin. Da kam er aber schön an! Ein Polizist, dem ein dicker Gummiknüppel an der Seite baumelte, fuhr ihn an:„Betteln ist hier verboten! Wenn ich dich noch einmal dabei erwische, dann fliegst du ins Kittchen oder kommst in den Ar- beiädienst.", Tagesnculghcltcn Die Waffenschieber Washington. Der den Waffenhandel untersuchende Ausschuß beschloß, es unmöglich zu machen, daß sich die Gangsters mit Waffen versehen und ordnete gleichzeitig an, daß von der WinchesterGese.llschaft ein jeder Verkauf von Maschinengewehren an einem anderen Käufer als die Regierung gemeldet werde. Der Ausschuß wurde damit betraut, ein Gutachten über einen geheimen Mobilisierungsplan abzugeben, indem u. a. die Kriegsgewinne, auf 60 Prozent herab- gesetzt werden. Einer aus amtlichen Stellen stammenden Information zufolge sandte der amerikanische Gesandte in der Schweiz dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Roosevelt einen Bericht, in welchem er die Ansicht vertritt, daß unter den gegenwärtigen Umständen eine internationale Vereinbarung bezüglich der Regelung des Waffenhandels möglich ist. Großer Zinndiebstahl in Tetschen In Tetschen wurde am Montag d. W. ein großer Zinndiebstahl entdeckt. Eine internationale Speditionsfirma hatte in ihrem Magazin am Tetfchner Bahnhofe eine größere Menge Zinn eingelagert. Am Montag wurde nun festgestellt, daß 51 sogenannte Riegel zu je 36 Kilogramm gestohlen worden sind. Es steht noch nicht fest, ob diese Menge, deren Gesamtgewicht 1800 Kilogramm beträgt, auf einmal gestohlen wurde» oder ob es sich um fortgesetzte Diebstähle in kleineren Mengen handelt. Im ersteren Fälle muß das Diebsgut mit einem Lastwagen abtransportiert worden sein. Der Wert des gestohlenen Zinns beziffert sich auf 50.000 XL. Für die Ergreifung der Täter ist eine Prämie von 5000 XL ausgeschrieben. Frau Major hingerichtet Hüll. Die 42jährige Frau Major, welche bekanntlich ihren Gatten vergiftet hatte, wurde gestern um 9 Uhr hingerichtet. Alle Versuche, eine Begnadigung, bzw. Umwandlung der Todesstrafe zu erreichen, blieben vergeblich. Es ist dies nach sieben Jahren die erste Frau, die in England hingerichtet wurde. Gerettet Wie Kommodore Kruse vom Hapag-Dampfer „New Uork" der Hamburg-Amerika-Linie berichtete, ist ihm die Rettung der vollzähligen Besatzung des norwegischen Dampfers„S i st o" südwestlich der irischen Küste trotz sehr stürmischen Wetters geglückt. An Bord der„New Dort" ist alles wohl. Die Besatzung ist 16 Mann stark. Das Schiff befand sich in sinkendem Zustand, es war aber noch an der Wasseroberfläche. Nur noch ein schwaches Licht brannte auf dem Dampfer. Fischzug für 100,000 Krone« Die Gendarmerie von Trebitsch beendete soeben die Untersuchung der ausgedehnten Tätigkeit von F i s ch d i e b e n, die während der letzten sechs Jahre aus den Teichen der Güter von Tre- bischt, Nämesk nad Oslavou und Budisov, weiter aus den Teichen des Trebitscher Kaufmannes Elachta im ganzen 114 Meterzentener Fische im Slachta von 109.000 XL gestohlen hatten. Aus einigen Teichen wurde im Verlaufe eines Jahres nahezu ein Drittel der an gesetzten 1. Klaffe des VI. Kreises Punkte die •c Brut gestohlen. Es wurden insgesamt sie ben Personen v e r ha stet, die sich an den Diebstählen beteiligten und gegen 39 Personen wurde Anzeige beim Kreisgericht in Trebitsch erstattet, weil sie die g est o h l e n e n Fische gekauft haben. Der Ar- Jn seinen fragte sich Erfreuliche Bilanz. Die reaktionäre Presse hat durch Jahre eine demagogische Kampagne gegen die angebliche übermäßige Humanität des Strafvollzuges geführt. Die Leser wurden mit der unwahren Behauptung geschreckt, daß die Kriminalität rapid wachse. Das„R e ch t s g e- fühl des Volkes" verlange danach— so hieß es— daß mehr gehenktwerde. Das am 3. Juni d. I. in Kraft getretene Gesetz über die Todes st rafe schuf nun einen neuen Rechtszustand insoferne, als es bei Verbrechen, welche mit Todes st rafe bedroht sind, die Geschworenen zur beratenden Mit- wirkung bei der Urteilsfällung berief. Es war also die Möglichkeit gegeben, eine Probe aufs Exempel zu machen und nachzuwei- scn, ob das Rechtsgefühl des Volkes wirklich danach verlangen, dem Henker mehr Arbeit zu geben. Seü Inkrafttreten des neuen Gesetzes ist mehr als ein halbes Jahr verflossen und vor dem Prager Schwurgericht drei Schwurgerichtsperioden absolviert worden. In Prag allein wurden in dieser Zeit verurtei- lende Verdikte in dreizehn Mordpro- z e s s e n gefällt, unter ihnen sehr abscheuliche Fälle, Fälle, welche Aufsehen und tiefste Empö- rung ausgelöst hatten. Aber in keinem dieser Fälle wurdeein Todesur- teil gefällt. Das gleiche gilt auch von den anderen Kreisgerichten. In keinem der verhandelten Halsprozesse setzten sich die Volksrichter für die Todesstrafe ein. Die Verlogenheit der reaktionären Kampagne ist damft schlagend erwiesen. Man kann sagen, daß sich das Gesetz über die Todesstrafe bewährt hat. Das alte Gesetz kannte in solchen Fällen nur zwei Möglichkesten: Freispruch oder Todesurteil.Die Geschworenen entschieden sich, vor diese Wahl gestellt, in vielen Fällen lieber zu einem Freispruch, wenn ihnen die Todesstrafe als zu hart erschien. Die völlige Straflosigkeit solcher Täter entsprach aber gleichfalls nicht dem natürlichen Rechtsempfinden. Das neue Gesetz hat hier einen erfreu- lichen Ausgleich geschaffen. Es gab sefther keine Todesurteile— aber es gab auch keine dem Rechtsgefühl zuwiderlaufenden Frei» sp rü ch...- 1t Tirfr MddM Urteil gegen Kisch aufgehoben. Das Oberste Gericht Australiens hat der Berufung Egon Kiscks stattgegeben und das Urteil, durch welches Kisch bekanntlich wegen unerlaubten Betretens australi- schen Bodens zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, aufgehoben. Nene Verbindung zwischen Süd- und Osteuropa. Im Zusammenhang mit der schwimmenden Donaubrücke zwischen Giurgiu und dem bulgarischen Donauhafen Rustschuk, die im Frühjahr dem Verkehr übergeben werden soll, wird die neue Eisenbahnverbindung zwischen Warschau und Jstambul einem Studium unterzogen. Unverzüglich nach Eröffnung der schwimmenden Brücke soll ein neuer Expreßzug von Warschau über Bukarest und Ostbulgarien verkehren. An der Fertigstellung der entsprechenden kleineren Streckenteile in Ostbulgarien wird unablässig gearbeitet. Diese neue Zugsverbindung Warschau—Jstambul würde eine Verkürzung der Fahrzeit um 20 Stunden bringen. Japanische Spionage in Singapore. Nachdem die Behörden von Singapore schon vor einigen' Tagen auf zweit Japaner, ott oywe Pässc^gclände: waren, Jagd gemacht hatten, stattete die Polizei nun überraschend mehreren japanischen Photogeschäften Besuche ab und beschlagnahmte eine Reihe von Negativen. Der Vorfall erregt in Verbindung mit den Spionagegerüchten anläßlich der am Sonntag beendeten englischen Flottenmanöver großes Aufsehen.• Prompte Arbeit der Gendarmerie. In der Nacht zum 18. d. M. drangen Einbrecher in das Geschäft der Frau Marie Klier in Donawitz bei Karlsbad ein und erbeuteten Textilwaren im Werte von 40.000 XL, die sie in acht Säcken in den nahen Wald trugen. Die Gendarmerie vermochte sehr bald den Diebstahl aufzuklären und der Täter habhaft zu werden. Sie verhafteten in G r a u p e n bei Teplitz Josef Petermann, Wenzel Loibner, Johann Rasper und Emil Schink«, alle vier in Graupen wohnhaft. Den Einbruch selbst hat Petermann mit Schinke durchgeführt, während Loibner und Rasper die Beute in einem Auw abgeholt haben. Selbstmord eines Fachlehrers. In Reichender» hat Mittwoch nachmittag der 59jährige Fachlchrer Franz P r e i ß l e r von der Knabenbürgerschule in Neustadt an der Tafelfichte, der bei seiner Tochter' zu Besuch weilt« und wegen eines schweren Leidens einen längeren Krankenurlaub erhalten hatte, Selbstmord verübt. Man fand ihn mit einem Gasschläuch im Munde tot auf. Die erschienene Rettungsgesell- schaft konnte nurmehr den Tod konstatieren. Altrohlau und Karlsbad erhielten aus den Spielen gegen FFK. Falkenau zugesprochen. Der Junge verdrückte sich scheu. Ein Arbeiter, der die Szene beobachtet hatte, nahm ihn beiseite. Zu ihm faßte der kleine Bettler Zu- trauen, er ließ sich ausfragen und erzählte seine Geschichte.„Ja, mein Junge", meinte bitter lächelnd der Arbeiter,„betteln darfst du nich: im Dritten Reich. Sogar das Betteln ist ein Naziprivileg geworden. Hier", und damit langte er in seine Tasche,„cs sollte zwar für Weihnachten sein, aber meine Frau wird nichts dagegen haben, daß ich es dir gebe. Nimm das Geld, kauf dir eine Fahrkarte nach Prag und fahre schleunigst zurück. Besser, du erzählst drüben, was du hier wirklich erlebt hast, als daß du dich im Rundfunk auspressen läßt. Später, wenn es hier mal anders ist, kannst du ja wieder kommen!" Der Junge blickte dankbar auf. beiter war in der Menge verschwunden. Händen hielt er das Reisegeld. Er nach dem Bahnhof durch, löste vorsichtshalber, weil er früher bereits daheim von seinen Freunden vor den Grenzstellen gewarnt worden war, nur eine Karte bis Schandau, wanderte von dort auf ihm bekannten Waldwegen durch die Berge und war ftoh, als er glücklich in Bodenbach anlangte und für den Rest des Geldes sich eine Kart« nach Prag kaufen konnte. Am folgenden Tage stand er wieder auf dem Wenzelsplatz. Alles war wie ein Traum. Er war so armselig wie zuvor. Aber als er am nächsten Abend seinen Freunden die kaum glaublich- Geschichte erzählte, meinte er:„Es ist immer noch besser, wir Armen betteln, als daß die Reichen es j tun, denn dabei kommt für unsereinen schon gar nichts heraus. Die machen auch daraus noch ihren Profit." Er dachte an den schönen Fünfzigmarkschein, der jetzt in der Sammelbüchse des Herrn Goebbels ruht. Weihnachtsmckauh der Soldaten. Wie„Be- Lernik Prävo Irdu" meldet, werden heuer in der Weihnachtszett jene Rekruten auf Urlaub gehen, welche den Dienst im heurigen Jahre angetrcten haben. Dieser Weihnachtsurlaub dauert vom'24. bis 28. Dezember. Die übrigen Soldaten gehen im Jänner, und zwar auf einen einmonatigen Urlaub. Leichenfund in Aussig. Am Dienstag in den Morgenstunden fanden drei Arbetter, die mtt einem Schlepper von Schönpriesen kamen, unterhalb der Böschung beim Bielazipfel halb im Wasser die.Leiche eines 60 Jahre alten Mannes. Vorgeimmmen« Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Es muß angenommen werden, daß der Mann in der Nacht über die ungefähr drei Meter hohe senkrechte Mauer abgestürzt und ertrunken ist.— Die Leiche war mit ziemlich defekten Kleidungsstücken bekleidet, ohne Mantel. Der Kopf ist fast haarlos, der Mund völlig zahnlos. Bemer- Westböhmrscher Arbeitersport Der letzte Seriensonntag der Fußballsparte dieses Jahres brachte keine wesentlichen Verschiebungen mehr. Es stehen derzeit für die Herbstserie noch zwei Spieltermine aus, welche am 2. und 10. März angesetzt find. Die Serie wird mit den 15 erstklassigen Mannschaften bis weit in den Sommer' 035 reichen. Spiele sind nachzutragen: Graslitz gegen Fleißen, Fleißen ge en FFK. Falkenau, Fischern gegen Drahowitz unb Karlsbad gegen Fischern. Bis auf Eger und Falkenau setzten alle Mannschaften je einen Sonntag aus. DieSpielevomSonntag: Atus Graslitz gegen Atus Unterreichenau 4:2, Atus Karlsbad gegen ASK. Alttohlau 1:4, ASK. Eger gegen ASV. Neudek 2:2, Atus Fischern gegen Atus Chodan 4:1, ASV. Meierhöfen gegen Atus Theusau 6:4, FFK. Falkenau gegen Atus Drahowitz 1:0, Atus Franzensbad gegen Sportbrüder Eibenberg 4:5. Die Tabelle der Vom Rundfunk empfehlenswerte* aus den Programmen! Donnerstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatte», 11.05 Konzert des Salonorche- fwrs, 12.35: Konzert des Jazzorchesters, 16: Mili- tärkonzert, 17.55: Deutsche Sendung, Jugendstunde: Dr. Moucha: Bücher, die uns gefallen haben, 18.20: Landwirtschaftsfunk, 19.15: Wir lernen russisch, 20.45: Symphoniekonzert, 22.15: Konzert des Prager Salonorchesters. Sender S.: Deutsche Sendung: 15.20: Leichte Musik, 19.15: Konzert des Ondricek- guartettes.— Brünn 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.30: Wanderlieder, 17.50: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Adler: Das neue Privatangestellten- gesetz.— Mährisch-Ostrau 17.50: Deutsche Sendung: Liederkonzert. Freitag: Prag, Sender L.: 9: Außerordentl. deutscher Schulfunk, 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Slowakische Volkslieder, 16.45: Tschechischkurs für deutsche Hörer, 18.20: Deutsch« Sendung: Prof.Bullirsch: Gabelsberg und sein Werk, 18.45: Arbeiter- sendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.55: Deutsche Presse, 22.15: Schallplattcn. Sender S.: 14.20: Schallplatte», 15: Deutsche Sendung: Für die Frau. — Brünn 13.40: Leichte Musik. 16.45: Walzer auf Schallplatten, 17: Das mährische Quartett, 18.20: Deutsche Sendung: Prof. Müller: Deutsche Weih-' nachtsbräuche, 21.15: Buntes Programm.— Mähr.» Ostrau 18: Deutsche Sendung: Kinderszene, ASB. Meierhöfen. 12 10 1 1 21 68:20 ASB. Altrohlau.. 12 7 4 . 1 20 49:28 Sportbr. Eibenberg. 12 8 1 3 17 50:29 ASK. Eger... 13 7 2 3 16 32:24 FFK. Falkenau.. 12 8 1 3 13 46:34 Atus Chodau... 12 5 2 5 12 28:25 Atus Unterreichenau. 12 5 2 5 12 31:30 Atus Fleißen... 10 4 2 4 10 32:34 ASV. Neudek... 12 4 2 6 .10 38:43 Atus Graslitz... 11 2 4 5 8 28:36 Atus Drahowitz.. 11 z 4 5 8 23:29 Atus Theusau.. 12 3 2 7 8 22:50 Atus Karlsbad.? 11 2 1 8 7 21:39 Atus Fischern... 10 2 2 6 6 20:37 Atus Franzensbad. 12 2 2 8 6 32:52 Nr. 297 Seite 5 Donnerstag, 20. Dezember 1934 Dir europäische Türkei. Aus Jstambul wird uns geschrieben: Der türkische Ministerpräsident Ismet Jnönü(so lautet Ismet Paschas neuer Familienname) hielt in Adrianopel eine bemer- kenswerte Rede, in welcher er betonte, die neue Türkei widme ihr besonderes Augenmerk dem europäischen Teil, d. i. Türkisch-Thrazien.— In dem bisher schwach besiedelten Türkisch-Thrazien treffen ständig neue Transport« türkischer Auswanderer ein. Dem Blatt„Cumhuriyct" zufolge, beträgt die Zahl der Türken, die in den letzten Monaten aus der rumänischen Dobrudscha nach Thrazien ausgewandert sind, etwa 10.000 Personen. Dieser Tage werden weitere 3000 Auswanderer erwartet. Fast SO Prozent der Auswanderer sind Bauern. Presse-Gleichschaltungskammer in Oesterreich. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat den Obmann der Gewerkschaft der Journalisten Mail- ler und den Generalsekretär des Verbandes der Herausgeber der österreichischen Tageszeitungen Dr. Dörfler empfangen und eine Denkschrift bezüglich der Schaffung einer Pressekammer entgegengenommen. Die Regierung wurde ersucht, der Errichtung einer Pressekammer zuzustimmen. Freigesprochen. Das Kreisgericht in B e l- grad fällte im Prozeß gegen den Univ.-Prof. NovakoviL und Genossen wegen angeblicher Annahme von Bestechungsgeldern das Urteil. Sämtliche Angeklagten wurden mü der Begründung freigesprochen, daß das von Professor No- vakoviö als Präsident eines Schiedsgerichtes und dessen beiden Mitgliedern im Waggonlie- ferungsprozeß zwischen dem jugoslawischen Maat und der tschechoslowakischen Firma Ringhoffer-Werke A.-G. zugun-^ sten der letzteren Firma gefällte Urteil rechtskräftig sei und Last die den Mitgliedern des Schiedsgerichtes von der Firma zuerkannten Honorare gesetzmäßig berechtigt waren. Der jugoslawische Staat als Kläger wurde wegen seiner Forderung nach Annullierung des erwähnten schiedsgerichtlichen Urteiles auf den Zivil- rechtsweg verwiesen. Politische Amnestie in Venezuela. General Juan Vicente Gomez feierte gestern den 26. Jahrestag seines Antrittes der Präsidentschaft von Venezuela. Aus diesem Anlatz hat er allen politischen Häftlingen eine Amnestie erteilt.— Die Republik Venezuela(Vereinigte Staaten von Venezuela— EstadoS Unidos de Venezuela) hat in Prag die Gesandtschaft für die Tschechoslowakische Republik wieder errichtet. Spionage. In Athen wurden zwei Personen verhaftet, die Spionage in der griechischen Marine betrieben haben sollen. Gegen sie wurde AnNage wegen Landesverrates erhöhen., Todesskurz eines Gemsjäger», Äus dem sogenannten Spitzenstein im Salzkammergut stürzte der Gemsjäger Josef F r a n n e r tödlich ab. Sowjetrnßland und die internationalen Schach, tnrniere. Vor seiner Abreise nach England, wohin fich der Reister des sowjetrussischen SchachverbandeS, B o t v i n n i k, zur Teilnahme an dem internationalen Weihnachtsschachturnier ip Hastings begeben wird, erklärte derselbe in einem Kreise von Pressevertretern, daß das internationale Turnier in Hastings ein ganz außerordentliches Jntereffe deshalb erwecke, weil dort zum ersten Male nach fast zehn Jahren sowjetrussisch« Schachspieler an einem ausländischen Turnier tett- nehmen. Während der setzten Jahre erzwangen sich die sowjetrussischen Schachspieler durch ihre Erfolge die Anerkennung des Auslandes, wodurch erklärlich erscheint, daß die Vertreter des sowjetrussischen SchachverbandeS zu einem Turnier geladen wurden, Has von dem ältesten englischen Schachklub veranstaltet wird.— Die sowjetrussische Schachorganisation bereitet sich nun eifrig für das große Ereignis des internationalen Schachturniers in Moskau Vor, das daselbst für Feber 1938 in Aussicht genommen ist. vontz kommt vor de« Disziplmarrat. Bekanntlich hatte der im Stawisky« und Prince-Skandal viel genannte Polizeiinfpektor Bonh nach seiner Haftentlassung dem Innenminister sein Rücktrittsgesuch«ingereicht. Wie verlautet, hat der Innenminister dieses Gesuch abgelehnt, um Bonh vor den Disziplinarrat zu zitieren. Tiroler Käse nach Belgisch-Kongo. Die städtische Molkerei inJnnsbruck, die einen Frischmilchexport von täglich 80.000 Litern nach Deutschland durchführt, hat mit einer Firma einen Vertrag abgeschlossen, der di« Dauerlieferung von einem Waggon Käse in Intervallen von zehn Tagen nach Belgisch-Kongo vorsieht. Film-Festival in Moskau. Anläßlich des 18 Jahrestages der sowjetrussischen Kinematographie wird in der Hälfte des Monats Feber in Moskau ein kinematographisches Festival veranstaltet, zu welchem die Vertreter der finematographischen Organisationen Sowjetrußlands und des Auslandes, sowie auch,hervorragende Filmschauspieler geladen werden. Bei den festlichen Veranstaltungen werden die neuen künstlerischen Filme Sowjetrußlands und die besten Filmaktualitäten vorgeführt werden, die den Fortschritt aufzeigen sollen, der bisher auf dem Gebiete der Farbenkinematographie erreicht wurde. Meteor. Am Dienstag abends wurde in Mese- ritsch ein großer Meteor beobachtet, der vom Westen nach Osten bog und in der Zenith mit lautem Knall zerplatzte. Der Meteor tauchte die Gegend sekundenlang in Helles Licht. Beim Zerspringen ging ein feuerbergähnlicher Sternenregen hernieder. Die Himmelserscheinung wurde auch in den Nachbarorten beobachtet. Wahrscheinliche» Wetter Donnerstag. Fortdauer des etwas unbeständigen und ziemlich warmen Wetters. Strichweise Niederschlagsneigung. Wetteraussichten für Freitag: Noch keine wesentliche Aenderung. Marie Luley- 25 Jahre schweren Kerkers Ihr Sohn— fünf Jahre Verschließung Prag. Zu Beginn des zweiten ProzeßiageS verkündete der Gerichtshof zunächst den Beschluß, durch den sämtliche weiteren Beweisanträge der Verteidigung abgelehnt wurden. Dann folgte die Verlesung der Schuldfragen, die den Geschworenen vorgelegt wurden. Hinsichtlich des Jugendlichen lautet die erste Schuldfrage auf das Verschulden des Raut» mordcS. Die erste Zusatzfrage erlegt dm Geschworenen die Entscheidung darüber auf, ob der Jugendliche infolge geistiger Zurückgebliebenheit fich der Tragweite seiner Tat etwa nicht bewußt war. Die zweite Zusatzfrage betrifft die Niedrigkeit und Unehrenha ßtigkeit der Motive. Bezüglich der Marie Luley lautet die Hauptfrage auf Mitschuld an dem Verbre- chendesRaubmordes. Dann folgten die Plädotzer». Staatsanwalt Dr. Stibral hob hervor, daß es sich bei diesem Prozeß um.einen geradezu ungeheuerlichen Fall handle. Hier steht der jugendliche Sohn als Kronzeuge gegen die Mutter. Diesem Zeugen muß Glauben geschenkt werden, um so mehr als der psychiatrische Sachverständige selbst die Wahrheit und Glaubwürdigkeit des Jugendlichen betonte. Der Ankläger wies auf die außerordentliche Raffiniertheit des Mordplanes hin, die nicht dem schvachen Gehirn des Jungen entspringen kannte. Es liegt auf der Hand, daß dieser junge nsch zum Werkzeug seiner Mutter wurde, deren Schuld völlig außer Zweifel stehe. Dessenungeachtet sei auch dieser Jugendliche in hohem Grade schuldig. Es gehe nicht an, in einem solchen Fall einen der Angeklagten straflos ausgehen zu lassen. Der Angeklägerplädierte auf Schuldigsprechung beider Angeklagten. Dr. Emil Poläk, der Verteidiger des Jugendlichen, nahm sich seines Klienten aufs wärmste an. .Dieser Junge hat getötet,«vernicht gemordet... Er war nur das Werkzeug, das tötete, aber kein Mensch, der mordete." Der Verteidiger zeichnete den Jugendlichen als Opfer seiner völligen Unterwerfung unter den Willen seiner Mutter und forderte einen Freispruch. Dr. Eermäk, der Verteidiger der Blatte Luley, hatte begreiflicherweise einen schweren Stand, wie er auch selbst betonte. Seine Verteidigungsrede gründete sich vor allem auf die Voraussetzung, daß dem Hauptzeugen nicht Glauben geschenkt werden dürfe, der ihm von der Anklage beigemeffen werde. Nach dem Resümee zogen fich die Geschworenen zur Beratung zurück. Kurz vor zwei Uhr wurde das Verdikt verkündet, durch welches der Jugendliche mit zehn Stimmen de» Verschuldens des Raubmordes schuldig erkannt wurde. Mit neun Sttmmen verneinten die Geschworenen die Z u s a tz f r a g e, ob der Angeklagte infolge geistiger Minderwertigkeit die Tragweite seiner Tat nicht zu erkennen vermochte. Marie Luley wurde mit allen zwölf Stimmen der Mitschuld am Verbreche» de» Raubmordes schuldig erkannt. Hierauf zogen sich Gerichtshof und Geschworene zur gemeinsamen Urteilsberatung zurück. Die Urteilsverkündigung wurde von dem überfüllten Auditorium mit fieberhafter Spannung erwartet. Gegen halb 8 Uhr nachmittags verkündete der Vorsitzende OGR. H r u§ k a das Urteil. Der Jugendliche wurde zu fünf Jahren Verschließung verurteilt. Seine Mutter, Matt« Luley zu fünfundzwanzig Jahren schweren und verschärften Kerker». Beide Angeflagten nahmen das Utteil ruhig auf. Die Verteidiger meldeten Richtigkeitsbesch w e r d e an. rb. vis ftau des großen Kämpfers der österreichischen Arbeiterbewegung Koloman Wallisch' schildert das Leben, die Kämpfe und den Heldentod ihres Mannes. Das Buch umfaßt 260 Seiten, mit 16 ganzseitigen Bildern, in Ganzleinen gebunden, mit farbigem Schutzumschlag, auf holzfreiem Papier gedruckt, Preis RM 4.20. Für Organisationen Sonder^ ausgabe. Erhältlich in jeder Buchhandlung. Bestellungen vermittelt unsere Verwaltung. Der 50-Heller-Weihnachtsmarkt Ueberall in der Stadt tauchen sie auf, die kleinen Buden und Stände der Weihnachtshändler. Es ist ein Saisongeschäft, das viel Spesen bringt und wenig Geld und die Kinder, die von dem bunten glitzernden Tand in diesen Nächten zu träumen pflegen, beneiden di« Leute hinter den Ständen, die wirklich nicht zu beneiden sind... Geivitz, die Objefte sind klein, die Süßigkeiten, die Lebkuchen, Hampelmänner und Weihnachtsbaum-Spezereien, die Kerzen und Lametta- Päckchen, die Stehaufmännchen und Spielautobuffe sind Werte, die dem zünftigen Kaufmann nur«in mitleidiges Lächeln ablocken werden. Aber für den Arbeitslosen, den verarmten Mittelständler, für die vielen Opfer der Krise, ^cnen hier für wenige Wochen ein schrnalerG«-^ legenheitsverdienst winkt^sinbschondiesovorhält« nismätzig geringfügigen Aufwendungen, ein schlimmes Risiko. Werden sie das Geld, das sie sich meist geborgt haben, wieder hereinbekommen? Werden sie vielleicht auf all ihrer Weihnachts-. Pracht sitzen bleiben—? Denn die Konkurrenz ist grotz und sie wird von Jahr zu Jahr größer. Stand reiht sich an Stand, alle wollen verdienen, aber der Markt ist schmal und eng und hart stoßen sich im kapitalistischen Wirtschaftsraum die Interessen der gehetzten, geplagten Menschen. Trotzdem warten sie sehnsüchtig auf die Tage der Weihnachtskonjunktur. Das Geschäft geht, den Umständen nach, nicht schlecht. Bei einzelnen Händlern sogar besser als im vorigen Jahr. Noch wenige Tage, dann ist Weihnachten—. Und die»große Umstellung" beginnt— mit der Kursrichtung auf die Silvester«.Saison"—. Wir protestieren! Das amtliche Verzeichnis der deutschen Schriftsteller ist— wie er selbst stolz betont—„Kürschners Literatur-Kalender", Jahrgang 47, auSgegeben in Berlin im Juni 1984. Jahrgang 47 ist der erste „Kürschner" des Dtttten Reiches. Dieser„Kürschner" ist, wie alles, was in Deutschland mit Duldung, ja Förderung der Regierung erscheint, gleichgeschaltet. Nun, diese Gleichschaltung ist mehr als dilettanttsch durchgeführt. Oder steckt etwas anderes dahinter? Wir wollen nicht hoffen: es spricht auch alles gegen diese Vermutung. Eine große Reihe neuer Namen, lauter Pgs., die meist nur im Nebenamt schreiben, tauchen als deutsch« Schriftsteller auf. So zum Beispiel:»Röhm, Ernst, Stabschef der SA., Reichsminister, Berlin. Verfaßte:„Stammtafel der Familie Röhm", 1927; „Geschichte eines Hochverräters", 1928. Neben diesen interessanten Feststellungen macht man bei nur flüchtiger Durchsicht des Bandes schamerregt eine andere. Der„Kürschner" ist, offenbar unfreiwillig, aber immerhin, ein Namensverzeichnis zahlreicher in di« Emigration gegangener Schttft- steller l So mußte der Autor dieser Zellen fich in dieser Gesellschaft finden. So stehen unter zahlreichen anderen, folgende Namen im„Kürschner" des Dtttten Reiches verzeichnet, als ob gar nicht» geschehen wäre: Feuchtwanger, Arnold Hahn, Hasenclever, Arthur Heller, Kutt Hiller, Josef Hofbauer, Julius Mader, Klaus Mann, Georg Mannheimer. Balder, Olden, Rudolf Olden, Heinz Pol und Emil Szittya.(Die» hat die nur fünf Minuten dauernde Durchsicht ergeben I) AIS ob gar nichts geschehen wäre, sieht uns besonders eine Eintragung an:„Erich Mühsam, Politik, Berlin-Neukölln, Jnnstraße 4." Der Autor dieser Zeilen glaubt im Namen der oben genannten antthitlerischen Schriftsteller, aber auch im Namen der hier nicht genannten, aber im „Kürschner" 1934 gedruckten Kämpfer gegen das Dritte Reich energischst protestieren zu müssen gegen die beispiellose Vergewaltigung! Wir bedanken uns dafür, in einem Verzeichnis als deutsche Schttftsteller bezeichnet zu werden, da» die Namen von Adolf Hitler, Hermann Göring und Josef Goebbels als die deutscher Schttftsteller verherrlicht. - Wir können nur hoffen, daß diesen Herren die Platzgemeinschast mit uns so peinlich ist, wie uns die mit ihnen. Und daß infolgedessen Herr Goebbels sofort die Beschlagnahme des neuen^.Kürschner" veranlassen wird. Julius Epstein. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Streiks und Aussperrungen im November 1934 Laut Mitteilung des Stattstischen Staatsamtes gab es im November 1934 14 Streiks(im Oktober 16), dahon waren 13.(14) Einzel- und 1(2). Gruppenstreiks in 15(23) Betrieben. In den bctrof- fenen Bitftieben wären 1353(18ll9) Mwiftnehiner)' von denen 1096(1648) streikten und 13(33) in«! folge der Streiks feietten. Die Streikenden versäumten 7489(10.910) Arbeitstage und hatten einen Lohnentgang von 146.480(193.071) K£. Die infolge Streiks Feiernden versäumten 80(199) Arbeitstage und hatten einen Lohnentgang von 1136 (8763) Ui. Zusammen betrug also der Verlust an Arbeitszeit bei den Streiks 7839(11.109) Arbeitstage und der Lohnverlust 147.616(198.884) Ui. Rach Gewerbeklassen entfallen 8 Streiks auf das Baugewerbe(2706 versäum»« Arbeitstage), je 2 Streiks auf die Metallverarbeitung(388) und den Warenhandel(54), je ein Streik auf die Maschinenindusttte(885) und die Textilindustrie(8956). Hinsichtlich der Forderungen wurde btt 9 Streiks eine Lohnerhöhung(2760), bei einem Streik eine Nichtkürzung der Löhne(385) gefordert, bei 8 Streiks waren andere Folgerungen(4344) Und bei einem Stteik ist die Forderung bisher noch nicht bekannt. Das Ergebnis war in zwei Fällen ein voller Ettolg(441), in 7 Fällen ein Teilerfolg (2981), in zwei Fällen ein Mißerfolg(161) und m drei Fällen ist das Ergebnis bisher noch nicht bekannt(8956). Nach Ländern enffallen auf Böhmen 5 Stteiks(4509), auf Mähren-Schlesien 5 Streiks, (2382), auf die Slowakei 1 Streik(387) und auf Karpathorußland 3 Streiks(214). Aussperrungen gab es im November keine.. Petitionskampagne gegen die Arbeitslosigkeit in Belgien (JGB) Der.Belgische Gewerkschaftsbund hat es unternommen, im ganzen Lande eine neue Kampagne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und gegen die Herabsetzung der Unterstützungen dprchzpfichxen,.W: AMMkoseN' wurden an bett'' Stempelstellen' zur' iNDrzelchmmA^einer PetP^ tton aufgefordert, die den Bürgermeistern der einzelnen Gemeinden zur Unterbreitung gelangt. Ueberdies finden lokale und regionale Manifestationen statt. Die Gemeinderäte werden gleichzeitig eingeladen, gegenüber der Regierung die entsprechenden Forderungen zu erheben. Endlich ist in Brüssel eine nattonale Manifestation der Arbeitslosen organisiett worden. In der besagten Pettfion wird zur Herabsetzung der Arbeitslosigkttt verlangt: Begünstigung der wirffchaftlichen Gesundung, bessere Verteilung der vorhandenen Arbeit durch Verkürzung der Arbeitszeit, Herauffetzung des Schul- entlassungSalterS, Herabsetzung der Altersgrenze für die Pensionierung, Abschaffung deS Doppelverdienstes. BiS zur Durchführung dieser Reformen wird gefordert: Hochhaltung der Unterstützungen, Abschaffung der Karenzfttsten, Erklärung des Krisenzustandes(Kriseinmterftützung) in' allen Industrien, Freizeitgestaltung für die arbeitslosen Jugendlichen, Lösung des Problems der fremden Arbeitskräfte. Der letzte Akt der Tragödie um Andree. Auf dem Stockholmer Nordfriedhof wurde die Asche der Polarforscher Andree, Strindberg und, Fränkel, die im Jahre 1897 bei ihrem tragischen Ballonfluge den Tod im Polareise gefunden hatten und i. I. 1930 wieder aufgefunden wurden, in einem Grabdenkmal feierlich beigesetzt. Seite 6 PRAGER ZEITUNG Kunst und Wissen Vcrcinsnadirlditcn Crst denke Dann schenke 0 I Zaus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.— vierteljährig Ke 48.—, halbjährig Kö 96.—. ganzjährig Kö 192.—. 1933: 42.90 Meter. (Pilsen) 50.25 Me- 1(M.-Ostrau) 27.97. 3. Gornisevik(M.- »Sozialdemokrat" 5.—6. Luüak(Prag) und VuL 7. Kratochvil(Pilsen) 3.19, 8. Monat 5560 Slum-Baracken abgerissen wurden, um Platz für menschenwürdige Wohnhäuser zu schaffen. Vom September 1933 bis September 1934 wurden in England 240.000 neue Wohnhäuser gebaut, 73.000 mehr als im gleichen Zeitraum vor der Periode der Anti-Slumkampagne. Die Ueberführung der Slum-Bewohner in die Neubauten-Komplexe geschieht systematisch. Der Beachtung wert erscheint auch der Gedanke, auf legislativem Wege die Höchst za hl der Wohnhaus-Insassen festzusetzen und U e b e r s chreitungen der Höchstziffer unter Strafe zu stellen. Die W o h n f r a g e ist auch eine Lohn- frage. Solange- der Staat die Ausbeutung, die Unterbezahlung der Werktätigen duldet, solange werden gesetzliche Bestimmungen der vorerwähnten Art nur Theorie bleiben müssen, die der Zwang der Praxis immer wieder widerlegt. Der PrinzvonWales, dies sei gerechtermaßen anerkannt, hat sich einmal nützlicheren Dingen als dem Protektorat über Modeveranstaltungen und Gesellschaftsbällen zugewandt, indem er sich mit der Antislumbewegung solidarisch erklärte:»Diese Nation kann keine Slums zulassen. Es mutz von unserer Gesteration gesagt werden können, daß sie die E l e n d s q u a r t i e r e hinweggefegt hat." Es ist selbswerständlich, daß> die neue sozialistische G e m e in d e m ehrheit Londons den sozial verdienstvollen Kampf gegen die Slums mit besonderer Energie und auch, wie wir hinzufügen möchten, mit besonderem Er- fol ausgenommen hat. x Donnerstag, 20. Dezember 1934. Nr. 297 Krieg dem Wohnungselend! Englands Kampf gegen die Slum-Baracken Eins der brennendsten Probleme unserer Tage ist die Wohnungsnot. Hier endgültig Ab- hilfe zu schaffen, mutz einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben, einer besseren Ordnung der gesellschaftlichen Dinge, die menschliche Lebensnotwendigkeiten nicht mehr vom verantwortungslosen Standpunkt dec Spekulation, sondern allein aus der Perspektive der menschlichen Wohlfahrt betrachten wird. f- Wer die hoffnungslosen grauen Mietskasernen der Großstädte kennt, wer weiß, wie verwüstend ihre atemberaubende Enge, ihre schreiende Unhygiene, ihr Mangel an jeglicher, auch der bescheidensten Wohnkultur, auf den Geist und Seele der Menschen wirkt; wer die Gefahren kennt, die aus der Ueberfüllung der Elendsräume und Notquartiere erwachsen, dep versteht, daß die Wohnungsfrage ein gesellschaftliches Problem von einschneidendster Bedeutung ist. Wenn die Weltreisenden die engen, buckligen Gassen der Elendsquartiere mit einem Gemisch von Neugier und Grausen durchstreifen, so pflegen sie das Fazit ihrer Forschungsarbeit meist mit dem verhüllenden Wörtchen„Romantik" zu umreitzen—. Diese„Romantik" verbirgt eine sehr unromantische Wahrheit. Man sehe sich das Leben der Armen und Aermsten in den Pariser Vorstädten an, wie sie, ineinander geschachtelt in engen, lichtlosen Wohn- Unsere nächstfolgende Veröffentlichung bringt die leichtathletischen Ergebnisse der Frauen im Verbände der DTJC. Der rezitatorische Teil des Abends war ungleichmäßig und, wie schon angedeutet, in regiemäßiger Hinficht, etwas dilettantisch angelegt. Der Schauspieler Kühne, ein guter, plastischer Sprecher, sprach Mühsamsche Kampfgedichte, ein wenig zu laut und zu dramatisch, aber nicht ohne Wirkung. Mit Frau Bringgolfs Sprechstil konnte man sich kaum befreunden, allzuviel Gefühl versandet leicht in Vorstadtpose' und auch ein BekeUntnis- gedicht singt man nicht im Stil einer Opernarie. Frau Matysova sprach mit Temperament und Verständnis tschechische Uebersetzungen Mühsamscher Gedichte, desgleichen Herr V Y d r a, dessen leidenschaftlicher Vortrag stürmischen Beifall weckte. Einige besondere Worte seien Fritz Walter Nielsen gewidmet. Der junge Rezitator, dessen schöne tragende Stimme immer wieder aufmerken; läßt, sprach zwei Szenen aus Mühsams Sacco- Vanzetti-Stück. Es war, mit Abstand, die beste und auch verständnisvollste Leistung des Abends. Pierre. SPD-Emigranten. Donnerstag/7 Uhr, PerZ- tvn, Versammlung mit Vortrag. Weihnachtsfeier Sonntag,, den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr. Nähere Mitteilungen in der Versammlung. AlnS Prag. Donnerstag, den 20. Dezember, Ausschußsitzung im Parteiheim. Beginnfi Uhr. WH wsj Gastspiel Richard Tauber als Jose in„Carmen". Mittwoch, halb 8 Uhr. Titelpartie: Rose Pauly.(B 1.) 6 bis 64 Ke. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag, den 20. Dezember, halb 8 Uhr: Lueiavon Lammermoor, neuinszeniert, C 2.— Freitag halb 8: Menschen in Weiß, DI.— Samstag halb 8: Der Charmeur von London, Ensemblegastspiel des Scala- Theaters-Wien mit Albert und Else Basser- m a n n, Ernst Deutsch etc. C 2.— Sonntag halb 8. G i u d i t t a, halb 8: Der Charmeur von L o n d o n, D 1. Wochenspielplan der Kleiner» Bühne. Donnerstag 8 Uhr: Schule für Steuerzah- ler.— Donnerstag 8: Schule für S t ez» erzähle r.— Freitag 8^: Schule für Steuerzahler.— Samstag 4%: Max und M o r.i h, Gastspiel der Sudetenbühne: 8:Das Gotteskind.— Sonntag 3%: M a.x und M o r i tz, 8: Schule für Steuerzahler. Erziehunss- und Propaganda* mittel der Gegenwart" Ein kulturpolitischer Kursus des Bezirksbildim-s- ausschusses der DSAP in Prag Heute Donne/rstag, um halb 8 Uhr im Parieiheim, Närodni tb. 4, letzter K u r s a b e n d: Die Fra« und die Politik Vortragende: Dr. Karla S ch w e I b. käsigen, die ständig unter einer Schmutzschicht von Staub und Moder liegen, Hausen müssen, man betrachte die Hafenquartiere von Marseille, die noterfüllten Zinshäuser der deutschen Industriestädte, die Londoner„Slums" und, nicht zuletzt, die alten Quartiere Prags! Wo ist da„Romantik"? Da ist nur schlimmstes Elend! Wien, das rote Wien, hatte seinerzeit mit besonderer Intensität den Angriff auf die„Wohnsorge" der Armen unternommen. Helle, luftige Wohnungen, frei von Dumpfheit und Schmutz— das war die Devise, unter der das gewaltige kulturelle Aufbauwerk der sozialistischen Wiener Gemeinde seine Triumphe feierte. In englischen Fachzeitschriften kann man Bilder finden, die schmerzlichste Erinnerungen wachrufen... So den„Mat- teotti-Hof", der den Engländern als beispielhaft hingestellt wird und als Anreiz zur Nachahmung.. „Erbaut von der Gemeinde Wien aus den Mitteln der Wohnbausteuer", so lautet, auch aus dem Bilde deutlich sichtbar, die Inschrift am Torbogen des„Matteotti-Hofes..."„Zerstört von den Kanonen des christkatholischen Regimes" haben die empörten Bewohner in den blusigen Febertagen 1934 an die Mauer geschrieben... Das Wiener Beispiel hat stärksten Widerhall in England gefunden. Eine Beioegung zur Beseitigung der Slums setzte ein, der die Unterstützung durch die Presse» Rundfunk und Film, durch Plakatwerbung und Versammlungsaktionen, sehr bald eine Mafsenbasis gab. Als Minimumprogramm wird verlangt, daß 1,250.000 Menschen in neue, hygienisch einwandfreie Wohnräume überführt werden. Den Schwung, mit dem hier ans Werk ge- gangen wird, beweist die Tatsache, daß in einem Lola Chlud, die vor Jahren am Prager Deusichen Theater engagiert war, als Kaiserin Maria Theresia in dem Rokokofilm„Der junge Baron Neuhaus". Sport• Spiel• Körperpflege Die DTI-Leichtathletik L Z. 1934 m. Wir beenden heute die zehn besten Ergebnisse der Sportler mit den Sprüngen und Würfen. In diesen Disziplinen hat sich besonders die Leistungsfähigkeit im Durchschnitt verbessert, die voraussichtlich im kommenden Jahre ein noch besseres Ergebnis zeitigen wird. Die Ergebnisse im Hammerwerfen, die wir veröffentlichen, stammen aus dem Mähr.- Ostrauer Kreis; der einzige, in dem-diese Sportart gepflegt wird. Die zehn besten Sportler und ihre Leistungen Springen und Werfen Hoch sprang: 1. Rozboril(Proßnitz) 1.80, 2. Smrcka(Prag) 1.76, 3. Snajdr(Proßnitz) 1.73, 4.—9. Andrhsek(Brünn), Bartos(Proßnitz), Hrbek(M.-Ostrau), Suda(Pilsen), Vejpustek (Proßnitz) und Zoubek(Proßnitz) 1.70, 10.—11. Orisek(Proßnitz) und Tksitel(Prag) 1.60 Meter. Durchschnitt: 171.61, 1933: 167.50 Zentimeter. Bestleistung: Smrcka(Prag) 1.76 Meter erzielt 1934. Weitsprnng: 1. Goth(Prag) 6.64, 2. Sandt- ner(Prag) 6.57, 3. Brzickh(Prag) 6.54, 4. Bartos(Proßnitz) 6.53, 5. Holubec(Pilsen) 6.51, 6. Saulich(Proßnitz) 6.43, 7. Vagner(Brünn) 6.42, 8. Sindler(Pilsen) 6.41, 9. Rastak(Proßnitz) 6.34, 10.—11. Pazdera(Prag) und Vhleta(Pilsen) 6.29 Meter. Durchschnitt: 646.81, 1933: 630.70 Zen- simeter. Bestleistung: Goth(Prag) 6.64 Meter, erzielt 1934. Dreisprung: 1. Goth(Prag) 13.88, 2. Bartos (Proßnitz) 12.80, 3. Makovec(Pilsen) 12.74, 4. Poupa(Königgrätz) 12.60, 5. Andrhsek(Brünn) 12.45, 6. Sandtner(Prag) 12.43, 7. Jelinek (Pilsen) 12.32, 8. Kralik(Proßnitz) 12.28, 9. Niettinger(Prag) 12.23, 10. Mazura(Prag) 12.12 Meter. Durchschnitt: 1253.51, 1988: 1208.5 Zentimeter. Bestleistung: Goth(Prag) 13.38 Meter, erzielt 1934. Stabhoch: 1. Raskak(Proßnitz) 8.50, 2. Masin (Brünn) 3.30, 3. Sevkik(Brünn) 3.27, 4. Barak (Brünn) 3.22," (Brünn) 8.20, ,, Wurbs(Brüx) 3.08, 10. Ravratil(Prag) 3.01 Meter. Durchschnitt: 320.41, 1930: 313.35 Zentimeter. Bestleistung: Liska(Brüx) 3.50 Meter, erzielt 1931. Kugel: 1. Hyndrhch(Proßnitz) 12.76, 2. Schöps(Prag) 12.88, 3. Mrva(Pilsen) 12.82, 4. Bejcek(Pilsen) 12.29, 5. Saitz(Prag) 12.17, 6. Raus(Brünn) 12.12, 7.—8. Jgnacek(Brünn) und Scheine!(Proßnitz) 12.09, 9. Tesitel(Prag) 12.07, 10. Jilek(Brünn) 12.06 Meter. Durchschnitt: 12.23, 1933: 11.65 Meier. Bestleistung: Schöps(Prag) 12.38 Meter. erzielt 1934. Diskus: 1. Hyndrhch(Proßnitz) 39.49. 2. Jgnacek(Brünn) 38.52, 8. Pekek(Proßnitz) 37 23, 4. Rastak(Proßnitz) 86.89, 5. Ulehla(Brünnl 36.13, 6. Bejcek(Pilsen) 85.49, 7. Zitek(Präg'. 35.06, 8. Dolezel(Proßnitz) 34.90, 10. Tösitel (Prag) 34.49 Meter. Durchschnitt: 36.23, 1933: 34.67 Meter. Bestleistung: Jgnacek(Brünn) 38.52 Meter, erzielt 1934. Speer: 1. Rozboril(Proßnitz) 51.73, 2. Os- mancik(M.-Ostrau) 49.52, 8. Cerny(Prag) 49.13, 4. Bartos(Proßnitz) 48.12, 5. Schuster(Prag) 47.92, 6. Bruha(Pilsen) 47.52, 7. Zoubek(Proßnitz) 47.17, 8. Cechura(Pilsen) 47, 9. Rhsavy (Brüx) 46.80, 10. Jilek(Brünn) 46.38 Meter. Durchschnitt: 48.12, 1933: 46.52 Meter. Bestleistung: Liska(Brüx) 51.69 Meter, erzielt 1982. Schleuderball: 1. Daher(Brünn) 50.81, 2. Vagner(Brünn) 50.11, 3. Ulehstr(Brünn) 50.10, 4. Bezchleba(Prag) 48.90, 5. Jelinek(Pilsen) 47.75, 6. Cechura(Pilsen) 47.28, 7, Sychrovy (Jungbunzlau) 46.03, 8. Vhleta(Pilsen) 45.16, 9. Kubat(Brüx) 44.82, 10. Stary(Prag) 44)82 Meter. Durchschnitt: 47.52, Bestleistung: Mudra ter, erzielt 1929. Hammerwerfen: 1. Lukas 2. Fiala(M.-Ostrau) 26.74, Ostrau) 26.22 Meter. „Polizeischulung" im Schwurgerichtssaal Tie Galerie des Prager Schwurgerichtssaales ist Tag für Tag mit Polizisten besetzt. Diese Polizeiorgane erscheinen aber keinswegs als„Hüter der öffentlichen Ordnung und Sicherheit", sondern als Zuschauer. Es hieß, daß es sich um Frequentanten eines Kurses handle, die auf diese Weise mit der' Gerichtspraxis vertrant gemacht werden sollten, und man war geneigt, diese Neuerung zu begrüßen. Als wir dann aber Gelegenheit hatten, mit einigen dieser vermeintlichen Kursfrequentanten zu reden, gewannen wir einen ganz andern— und nicht eben angenehmen— Eindruck. Es handelt sich nämlich gar nicht um einen praktischen Anschauungsunterricht für den jungen Polizeinachwuchs, sondern um eine aufgezwungene Fleißaufgabe für die dienstfreie Polizeimannschaft aller Prager Kom- missariare. Die Polizisten haben vier Tage Dienst, Tag- und Nachtschicht, während welcher Zeit sie sich ihrer Familie natürlich nicht widmen können. Der fünfte Tag ist dienstfrei. Und eben diesen fünften Tag müssen sie nun, statt im Kreis ihrer Familie, als Zuschauer bei Gerichtsverhandlungen verbringen, die zum großen Teil für ihre dienstlichen Aufgaben nicht die mindeste Belehrung bieten können. Wir sind überzeugt, daß der Referent, der den Einfall dieser.praktischen Instruktion" hatte, sich über deren Folgen nicht den Kopf zerbrochen hat. Wenn alte Inspektoren, die vor der Pensionierung stehen, gezwungen sind, ihren freien Tag auf der Galerie des Schwurgerichsfaales zu versitzen, wo überdies infolge der miserablen Akustik kein Satz im Zusammenhang zu verstehen ist, so erscheint uns solche.Fortbildungsarbeit" mehr als fragwürdig. Ilm so mehr, als diese wahllos kommandierten Zuhörer nicht einen Heller Vergütung erhalten und so- niit außerdem das Vergnügen haben, sich bei langen Verhandlungen, wie sie bei dieser Schwurgerichtsperiode die Regel sind, auf eigene Rechnung zu verköstigen. Der freie Tag der Prager Polizeimannschaften besteht also darin, daß sie von neun Uhr früh oft bis in die Nachtstunden hinein auf der Gerichtssaalgalerie verdösen dürfen, wobei die Kosten dieses Verfahrens zu allem andern auch noch den Leidtragenden auferlegt werden. rb. Verlanget überall Volkszünder ?' Aftillung" Zaus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig Kö 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut" Tanf billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen—'Rückstellungvon Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatuv wurde von der Post- und Tele- graphendlreksion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/19Z0 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag. Vorträge Ein Erich-Mühsam-Abend Im Städtischen Saalbau fand am Dienstag ein Gedenkabend für Erich Mühsam, den von braunen Mördern gemeuchelten revolutionären Schriftsteller und Dichter, statt. Tschechische und deutsche Schauspieler versuchten in etwas zu bunt ilitd zufällig gewürfeltem Reportoire Leben und Werk des für ein besseres Deusichland Gefallenen de» aufmerksamen Hörern zu verlebendigen. Mittelpunkt und Krönung der Veranstaltung waren die schlichten Worte Kreszentia M ü h- s a m s, dieser tapferen Frau, die für die Befreiung des lebenden Mühsam gekämpft hatte und nun auch dem toten die Treue hält., In skizzenhaft-lockerer Form zeichnete sie ein Bikd des immer wachen Asiivisten, der eine selten lautere Mischung von lebensgenießerischem Bohemien und idealistischem Revolutionär war. Mühsams Frau betonte das ausgeprägte Solidaritätsgefühl Mühsams, das ihn immer wieder veranlaßte, für seine Kameraden einzutreten.„Sie haben ihn mißhandelt, geschlagen und gepeinigt", so schloß die Anklägerin mit von Tränen erstickter Stimme,„über seine letzten Tage zu sprechen, fällt mir zu schwer. Aber daß mein Mann nicht Selbstmord verübt hat, sondern feige ermordet worden ist, dafür stehe ich mit meinem Wort vor der ganzen Welt ein!"