Freitag, 21. Dezember 1934 Nr. 298 14. Jahrgang XENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xtt., fochova«r. telefon aon. Administration Telefon 53076. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR> WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 H«Uar Berta) 37*5 Millionen für die Ernährungsaktion Davon 8 Millionen Weihnachtsaushilfe für Arbeitslosen-Kinder Nach der Zuteilung von Brot, Kartoffeln und Kohle, wovon etwa 10.000 Waggons ver- teilt wurden, hat das Ministerium für soziale Fürsorge von der Regierung die Zustimmung zu neuen Zuteilungen für die staatliche Ernährungsaktion bekommen. Für die Zeit vom 17. Dezember 1934 bis zum 20. Jänner 1935 hat das Ministerium für soziale Fürsorge weitere 26,428.000 KL für die E r n ä h r« n g von Arbeitslosen zugeteilt. Davon entfallen auf Böhmen 14,641.000, auf Mähren-Schlesien 7,654.000, auf die Slowakei 3,942.000 und auf Karpathorußland 191.000 KL. Die Zuteilungen erfolgen an die einzelnen Bezirke nach der Zahl der Arbeitslosen und die Bezirke teilen die Zuwendungen den Gemeinden zu, wobei die Bezirks- und Gemeinde-Sozialko mmiffionen entscheiden. Gleichzeitig wurden drei Millionen KL für eine Milchaktion bewilligt, die für die Kinder der Arbeitslosen und der Kurzarbeiter bestimmt ist. Davon entfalle» auf Böhmen 1,788.300 KL. auf Mähren-Schlesien 756.000 KL, auf die Slowakei 195.000 KL und auf Karpathorusiland 48.200 KL. Der Rest wird je nach Bedürfnis verteilt. Dazu kommen noch acht Millionen KL an WeihnachtSaushilfen für die Kinder Arbeitsloser. Zusammen machen die Zuteilungen für die Ernthrungsaktion und für die Kinderaushilfen 37.5 Millionen KL für die Zeit von ungefähr einen Monat aus. Wie man sieht, sind die Regierung and das Ministerium für soziale Fürsorge bemüht, mit allen Kräften z« verhindern, daß Weihnachten jemand hungere. JcvtlC erster versuch gescheitert Statt Konzentration^Kabinett: Regierung der Genossenschaften? Abg. Beran im Rundfunk: Wir beharren bedingungslos auf der Demokratie! Prag. Der amtierende Bizevorsitzende der Republikanischen Partei, Abgeordneter Rudolf Beran, sprach Donnerstag um 20.30 Uhr zum Abschluß des politischen Jahres im tschechoslowakischen Rundfunk. Er führte z« Beginn seiner Rede aus, daß das Jahr, welches in den nächsten Tagen zu Ende gehe, in verschiedenen Staaten der Welt viele Wirren brachte, denn auf allem Staaten der Welt lastet die Wirtschaftskrise. Daher werden verschiedene Wege gesucht, welche die Staatsbürger zu einer Besserung der schwierigen Wirtschaftsverhältnisse führen sollen. In zahlreichen Staaten entstand deshalb ein Kampf um die Form des Staates, der Kampf zwischen Diktatur «nd Demokratie. Wir aber beharren bedingungslos auf der Demokratie«nd bleiben ihr stets treu, denn wir sind überzeugt, daß nur die Demokratie bei uns gute und gesunde Staatseinrichtuugen zu sichern vermag. Wir find offene Gegner jeder Diktatur«nd jeder Gewalt. Unser Parlament war das einzig« in Europa, daS ohne Erschütterungen arbeitet««nd trotz der Berschiedenartig- keit der Parteien viel mehr leistete, als die Parlamente anderer Länder, in denen die Berhält- «isse weit einfacher liege». Hot und Terror an der Grenze In dar Debatte zum Rachteagstradit das. Fürsorgeministeriums betonte Genosse Dr. Hel- l e r im Senat, daß mehr als die Hälfte des än- geforderten Betrages auf die Verschärfung der Krise und ihrer Folgeerscheinungen in dem eben ablaufenden Jahre zurückzuführen sei. Zu den Gebieten, in denen sich die Verhältnisse noch verschlechtern, rechnet Genosse Dr. Heller vor allem auch das mittlere Erzgebirge mit den Eerichtsbezirken Katharinaberg, Preßnitz, Wei- pert und Sebastiansberg, deren wirtschaftliche Situation— auch im Hinblick auf die Nähe der Grenze— Redner einer eingehenden Analyse unterzog. Er schilderte namentlich auch den schweren politischen Terror, der von den Arbeitgebern diesseits wie jenseits der Grenze auf die Grenzbevölkerung ausgeübt wird, und der in der allerletzten Zeit auch noch durch die Sudetendeutsche Volkshilfe sejne besondere Rote bekommt, und verlangte unparteiische und strenge Anwendung, wenn nötig Verschärfung des Terrorgesetzes gegen unsere Unternehmer. Wir kommen morgen auf diese wirkungsvolle Rede des Genossen Dr. Heller noch ausführlicher zurück. Neurath erzählt Schauermärchen Eine freie Saar„bedroht den Frieden**! Rom.(Tsch. P. B.) In einem Interview, das der Reichsaussenminister Neurath einem Vertreter des„Messaggero" gegeben hat, antwortete er auf die Frage, ob das durch den Versailler Vertrag vorgesehene Äbstimmungssystem irgendwelche unangenehme Ueberraschungen für Deutschland bringen könne: Das sei nicht wahrscheinlich. Höchstens wäre es möglich, dass die eine oder andere Gemeinde für den status quo optieren würde. Dian stünde dann einer ebenso lächerlichen wie gefährlichen Tatsache gegenüber, eben einem Staat von ein paar tausend Einwohnern. Mit der Anerkennung eines solchen Staates würde der Völkerbund als dessen gerechter Souverän keine gute Figur machen. Man müsste, ihn finanzieren, also eine Art Pensionat aus ihm machen; denn lebensfähig wäre er nicht. Zugleich würde dieser Liliput- Staat.sehr gefährlich sein, weil er die Zuflüchtstatte des ganzen Emigrantentums nicht nur aus Deutschland sein würde. Sein Wahlspruch würde lauten: Gegen das Dritte Reich; zugleich aber: Für die Dritte Internationale. So würde sich unter der Souveränität des Völkerbundes eine wahre Zentrale derUn- zufriedenheit entwickeln, ein ewiger Anlass z u R eibungen zwischen zwei benachbarten grossen Ländern, und daher eine Bedroh üngfürdeneuropäi sch enFrie- d en. Weiter sprach sich Neurath gegen den O st P a k t aus. Belgrad.(Tsch. P.-B.) Die Bildung des neuen Kabinetts JevtiL war bis Donnerstag mittags nahezu beendet. In die neue Regierung sollten auher Mitgliedern des gegenwärtigen Parlaments auch Bertreter der altparlamentarischrn Opposition, darunter der serbischen Radikalen, der slowenischen Kolkspartei «nd der bosnischen Mohammedaner eintraten. Mit Vertretern der kroatische« Bauernpartei, deren Führer Dr. M a L e k sich noch zur Abbüßung seiner dreijährigen Arreststrafe im Jnqmfitionsspital in Agram befindet, wurden Ber- handlungen geführt. Die Ernennung der neuen Regierung sollte abends erfolgen. In die neue Regierung, in welcher Ministerpräsident JevtiL das Reffort des Aeußern beibehalten wollte, sollten von der Opposition der Führer der flowenischen BolkS- partei Dr. K o r o i 1c, von den Radikalen der ehemalige radikale Minister Dr. S t o j a d in»- v i L, Westers der ehemalige radikale Minister M i l e t i r als Bertreter der altparlamentarischen Opposition eintreten. Kaunas.(Elta.) In dem Hochverratsprozess gegen die memelländischen Nationalsozialisten wird die Verlesung der Anklageschrift fortgesetzt.' In diesem Teile der Anklage wird die Aufgabe beleuchtet, die dem deutschen Generalkoü- s u l a t bei der Tätigkeit der SOVOG-Parthi (Sozialistische Volksgemeinschaft) zugefallen war. Das deutsche Generalkonsulat nahm die Korrespondenz«nd das Archiv dieser Partei in Verwahrung, und zwar war hiemit der Vizekonsul Strack betraut. Im Winter 1933/34 erhielten die Gruppenführer der SOVOG den BefehL Vorbereitün- gen zum Aufstande zu treffen. Es wurden Terrorgruppen organisiert. Die Verräter der Patei wurden mit dem Tode bedroht. Am 23. April verschwand der Beamte des Memeler Gerichtshofes Jesutis, Mitglied der christlichsozialistischen Arbeitsgemeinschaft. Sein Leichnahm wurde'päter am Ufer des Jur- Flusses gefunden. Es wurde. sichergestellt, dass Jesutis von Mitgliedern der terroristischen Gruppen der SOBOG getötet und dann in den Fluß geworfen wurde, weil er den litauischen.Behörden, welche ihn wegen seiner umstürzlerischen Tätigkeit verhaftet hatten, verriet, daß er mit Sass, Ropp und Pries zum Minister H ess nach Berlin gegangen sei. Ehe es zur Bereidigung der neuen Regierung kam, tauchten Plötzlich neue Schwierigkeiten auf. Die alten Parlamentarischen Parteien stellten plötzlich persönliche und sachliche Forderungen, die JevtiL nicht erfüllen wollte oder konnte. Sie verlangten mehrSitzr für sich— insbesondere die serbischen Radikalen wollten ihre alte Machtstellung im ersten Rennen nehmen — und sie forderten sofortige Aufhevnng derZensur. Darauf gab es JevtiL am Abend auf, ein Konzentrattonskabinett z« bilden. Da er vom Regenten ein unbeschränttes Mandat erhalten hat, wird er Freitag die Ber- handlungen fortsetzen, aber nunmehr mit dem Ziel, ein Kabinett außrrparlamen- tarischerPrrsönlich leite» zu bilden, in das er vor allem Bertreter der bäuerlichen Genossenschaften aufnehmen will, zu denen er ja enge Beziehungen hat und die unter seinem Einfluß ein Programm der genossenschaftlichen Planwsttschaft entwickelt I haben. Als Bizekonsul Strack erfuhr, was Jesutis getan habe, rief er ans:„Und dieser Mann lebt noch?" Die Anklage führt weiters genau Daten aus den Aussagen aller Angeklagten an, welche von deutschen Institutionen Gelder erhielten. Lange»nd Goldschalk bekamen 500 Mark,«m den Leichnam Jesutts zu beseitigen. Einer der Mörder, Bannagat, erhielt 3000 Lits. Der nationalsozialistische Kommissär von Tilsit versprach Pang noch weitere 5000 Lits. Eine andere Terroristengruppe überfiel litauische Organssatiotten, s ch o ss in ihren Versammlungen, verübte ein Attentat gegen einen gewissen Leops•(einen vermeintlichen Verräter), stellte Bomben her und wollte das Polizeigebäude von Silut in die Luft sprengen. Ein Brief, der bei den Haussuchungen gefunden wurde und die Unterschrift von 16 Mitgliedern der ESA trug, bildet einen klaren Beweis dafür, das; diese Organisation der nationalsozia- listtschen Partei unterstand. In dem Briefe heißt es:„Wir tragen die Verantwortung vor allen führenden Persönlichkeiten des Deutschen Reiches. Unsere Delegation hat der politischen'Sektion in Berlin Dokumente zukommen lassen. Wir bitten, daß an Adolf Hstler Bericht erstattet werde." Die Bekämpfung des Friedens Die Bekämpfung des Friedens— das ist es, worauf heute in beinahe allen Ländern ein Ueber- maß von Kraftaufwand verschwendet wird. Als wüßten die Menschen schon nicht mehr, dass der Krieg die höchste Steigerung alles Grauenvollen und Entsetzlichen ist, daß er Massenverwüstung von Gütern, Massenmord an Kindern, Frauen und Männern bedeutet, so wird heute von dem nächsten Krieg als von einer.Selbstverständlichkeit gesprochen. Das„Ob." scheint nicht mehr fraglich— nur höchstens noch das„Wann". Ja, wenn nur vom nächsten Krieg gesprochen würde. Aber in Wirklichkeit sehen wir ihn überall vorbereiten. Geistig, wirtschaftlich, finanziell und militärisch; mit einem riesigen Einsatz von Menschen und Mitteln. Die Auspeitschung des Nationalismus feiert in vielen Ländern höchste Triumphe. Die eigene Nation steht„über alles, über alles in ver Welt", Und sie muß wachen, dass sie der böse Nachbar nicht überfällt. Die Völker sollen glauben, dass die umfassenden Rüstungen auf allen Gebieten nur erfolgen zum Schutz des Vaterlandes, zur Sicherung des Friedens.„Wenn Du den Frieden willst, so bereite den Krieg vor". Und weil sie alle den Frieden wollen, bereiten sie alle den Krieg vor— bis er ausbricht! Die Arbeiterklasse ist den Tatsachen gegenüber nicht blind. Sie sieht, dass das Hochkommen des Fafcismus und die Ausdehnung seines Machtberei- cves dir in den Widersprüchen des kapitalistischen Wirtschaftssystems wirksamen Ursachen der Kriege verstärkt und vermehrt. Sie muß die Beobachtung machen, wie dieser Fascismus, dem für seine brutale Herrschaft die Grenzpfähle ein zu kleines Gebiet abstecken, auch in anderen Völkern Tendenzen und Strömungen stärker hervortreten lässt, die im betonten Nationalismus, in der Unterdrückung friedenfördernder Bewegungen, in der Anwendung von Gewaltmethodcn gegen Andersdenkende, in der Militarisierung der Jugend, der Wirtschaft und des ganzen öffentlichen Lebens. die einzige erfolgreiche Abwehr eines drohenden Krieges sehen. Die sozialistischen und fteigewerkschaftlichcn Organisationen des Proletariats wehren sich dagegen, dass die Völker Opfer dieser Strömungen werden sollen. Sie haben nie zugeben können, dass der wahre Frieden mit den Mitteln des Krieges gesichert wird. In der bisherigen Geschichte ist dieser geflügelte Satz stets von neuem wieder Lügen gestraft worden. Denn immer folgte den gewaltigen Rüstungen der Krieg. Es ist der Ausdruck höchster und wahrster Menschlichkeit, die der sozialisttschen Arbeiterbewegung der ganzen Welt innewohnt, dass sie in einer Zeit, in der alle anderen ihre Kräfte auf den Krieg und die Kriegsrüstungen konzentrieren, mit der letzten Energie sich einsetzt, die Opfer der schwersten Krise des kapitalistischen Systems zu retten und zu schützen. Dass sie überall, wo sie von den fascistischen Tyrannen nicht in einem Strom von Blut erstickt worden ist, mit allen demokratischen Mitteln kämpft für die Erhaltung und den Ausbau der Sozialgesetzgebung, für Arbeitsbeschaffung für die Arbeitslosen, deren.es auch nach der leichten Krisenabschwächung noch immer weit über zwei Dutzend Millionen in der Welt gibt, und für die Umgestaltung der Organisation und der Grundlagen der bestehenden'Wirtschaft, damit die Ursachen der Krise und der Kriege ausgerottet werden könne». Dieser Kampf bei uns, in Frankreich, England, der Schweiz, in Belgien, Holland, Skandinavien, in den Vereinigtem Staaten, und überall, wo die Sozialdemokratie, und die. freien Gewerkschaften lebendig sind, zeugt in■ dieser kriegge- schwängerten Atmosphäre von Heroismus und von der Einsicht, daß mit ihm die Garanten des Friedens, die Massen des werktätigen Volkes aktionsfähig.erhalten werden. Solange es Kapitalismus gibt, wird es Kriege geben und so lange bleibt immer.wahr, dass nur die Arbeiterklasse die friedenerhaltende Kraft in der Gesellschaft ist. Diese Kraft muß wirksam werden bis in die letzten Zipfel eines jeden Landes, bis in die letzten Winkel jeder Hütte: Enthüllen sich die Bourgeoisie und ihr Anhang als die Bekämpfer des Friedens, treiben sie in den fascistisch regierten Ländern ein unverhüsites Frevlerspiel mit dem Krieg, kennen, sie nur die eine überragende Sorge, neue gefähr- Fememorde und Terror in Litauen Verbindung mit Berlin nachgewiesen! Seite 2 Freitag, 21. Dezember 1934 Nr. 298 liche Giftgase zu fabrizieren, neue Gewehre, Geschütze, Bombenflugzeuge und Schlachtschiffe in Massen zu bauen und die gesamte Wirtschaft in die Kriegszwangsjacke hineinzupressen, so fordert die Geschichte von der Arbeiterklasse, aktive Kämpferin gegen den Krieg zu sein. Das Ringen um die soziale und wirtschaftliche Neugestaltung des gesellschaftlichen Lebens führt heran an die Grundlagen der Macht der herrschenden Klaffe, in die die letzten Kriegsursachen eingebettet liegen. Je fester, lückenloser die Arbeiterklaffe in ihren großen Organisationen zusammengeschloffen ist, je bewußter sie unter ihrer Führung in diesem Ringen vorstößt, desto eher wird sie diese Grundlagen erschüttern und abtragen können, und damft ein gesellschaftliches System zum Sturz bringen, dessen Existenz den Frieden bedroht und immer neue Kriege gebiert. Offenes Antwortschreiben des Genossen Reyzl an den Propasandachef Henleins. Herrn Rudolf Sandner »Sie haben in der Nr. 51, der„Rundschau" einen„Offenen Brief" an mich gerichtet, der eine Kritik meiner Rede über die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" im Budgetausschuffe des Senates darstellen soll und der von Beleidigungen und Beschimpfungen nicht nur meiner Person, sondern auch der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei strotzt. Auf dieses Gebiet werde ich Ihnen nicht folgen, Sie werden aber die Beleidigungen an anderer Stelle zu verantworten haben. Ihr Wutanfall ist aber der beste Beweis da- für, daß ich mit meiner Kritik der„Sudetendeutschen Bolkshilfe" ins Schwarze getroffen habe. Er bestätigt, daß die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" nicht nur der Linderung der Not willen geschaffen wurde, sondern nur dazu ausersehen ist, den sudetendeutschen Arbeiter in das Garn der „Sudentendeutschen Heimatfront" zu locken. Ansonsten hätten Sie sich— der Propagandachef Henleins— nicht als erster so sehr für ihre Verteidigung exponiert. Nehmen Sie zur Kenntnis, daß ich von meinen Ausfiihrungen auch nicht eine Silbe zurückzunehmen habe und bereft bin, in jeder frei zugänglichen Arbeiterversammlung, in Ihrer Anwesenheit, alles das zu wiederholen, was ich im Budgetausschuffe des Senates gesagt habe. Wir wollen dann sehen, ob eS Ihnen gelingen wird, meine Ausführungen zu entkräften. Und nun an Sie einige Fragen: Warum vermeiden Sie es in der„Rundschau" gefliffentlich, meine Rede abzudrucken, wenn sie so arbeiterfeindlich ist, und warum begnügen Sie sich mit einem inhaltslosen Geschimpfe? Warum führen Sie auch nicht einen einzigen Satz aus meiner Rede an? Warum weigert sich die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" überall, die Beiträge, die sie in aller Oeffentlichkett sammelt, den Sozialkommissionen der Gemeinden zuzuweisen, die allein die Gewähr dafür bieten, daß sie an alle Bedürftigen, ohne Unterschied der Person und Partei, gerecht verteilt werden?. Warum haben Sie mit Ihren Chef Henlein erst jetzt plötzlich Ihr Herz und Ihr Mitgefühl für die Arbeitslosen und Bedürftigen entdeckt, während noch in der programmatischen Erklärung in Böhm.-Leipa kein Wort von der Ar- beitslo ennot enthalten war und die Sorge für die Arbeitslosen immer nur den Sozialdemokraten ganz allein überlassen blieb? Warum setzen sich gerade die maßgebenden deutschen Unternehmer so warm für die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" ein, jene Unternehmer, die nie einen Heller für die Arbeitslosen übrig hatten, obwohl sie in den Zeiten der Konjunktur riesenhafte Gewinne aus den Arbeitern preßten, jene Unternehmer, die sogar die Borlage des Fürsorgeministers Dr. Czech über den so mäßigen Notfond für die Arbeitslosen zu Fall brachten? Ist Ihnen bekannt, daß gerade jene Kreise, die sich jetzt so warm für die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" einsetzen, es sind, die die Mtion„D e- mokratie für das Kind" sabotieren? Ist es nicht verdächtig, wenn z. B. die Kreditanstalt der Deutschen für die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" XL 100.000.— spendet, dieselbe Bank, die für eine überparteiische Weihnachtsaktion für arme deutsche Kinder nur XL 10.—, sage zehn Kronen, übrig hat? Sie wagen eS in Ihrem„Offenen Brief" vom„Gipfelpunkt der Demagogie und dem Höchstmaß verantwortungsloser und skrupelloser Parteipolitik" zu sprechen. Sie, deffen Partei bei den"sonntägigen Sammlungen in einigen Städten den Passanten durch die bestellten Sammler Aufnahmsscheine der„Sudetendeutschen Heimatfront" aufgedrängt hat. Auch wurde allgemein verschwiegen, daß die Sammlung für die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" durchgeMrt wird. Auf Anfragen wurde, frei nach Hitler, nur geantwortet: für die Winterhilfe, für die Arbeitslosen. Wollen Sie leugnen, Herr Sandner, daß die gesammelten Gelder für die„Sudetendeutsche Bolkshilfe", die von dergesamtenOffent- l i ch k e i t stammen, ohne öffentliche Kontrolle verteilt werden sollen und sind Ihnen die Stimmen aus Ihren Kreisen nicht bekannt, die ausdrücklich davon sprachen, daß durch die„Sudetendeutsche Bolkshilfe" nur nichtmarxistische Bedürftige beteüt werden? Ist Ihnen bekannt, daß SHF-Leute in Zossen(Schlesien) zu den dortigen Landwirten gingen und sie veranlaßten, eine Erllärung zu unterschreiben, wonach das von diesen gesammelte Getreide für die„Sudetendeutsche Vollshilfe" an sozialdemokratisch« Arbeitslose nicht verteill werden darf? Wollen Sie leugnen, daß durch die„Sudetendeutsche Vollshilfe" die Arbeitsloftn-Für- sorgeaktionen der Gemeinden, die' auf Itnpartei« sicher Grundlage aufgebaut sind, schwer geschädigt werden, weil sie nur auf Sammlungen angewiesen waren, deren Ergebnisse nun um die Beträge verkürzt wird, die der„Sudetendeutschen Bolks- hilfe" zufließen, wo sie ganz willkürlich ohne öffentliche Kontrolle, wahrscheinlich nach politischen Gesichtspunkten verteill werden? Wollen Sie leugnen, daß schon bei der Gründung der„Sudetendeutschen Bollshilfe" weniger die Sorge um die Arbeitslosen und Bedürftigen, als vielmehr der von der„Sudetendeutschen Heimatfront" Henleins inaugurierte, ganz nach dem Muster des Hitlerfascismus organisierte Kampf gegen den„Marxis- muS" ausschlaggebend war? Sie verdächtigen, Herr Sandner, mich und meine Partei, daß wir uns gegen ein soziales! Hilfswerk stellen, obwohl ich eS in meiner Rede ausdrücklich begrüßt habe, daß nun endlich weitere Kreise deS deutschen Bürger- und Unternehmertums etwas für die Arbeitslosen tun wollen. Allerdings verlangte ich, und das werden wir auch weiter mft vollem Rechte verlangen, daß die von der Allgemeinhell gesammelten Gelder durch eine unparteische, der öffnttlichen Kontrolle unterliegende Instanz, verteill werden. Noch eine weitere Frage: Ist es richtig, daß von den am Orte gesammelten Gelbe nur ein Teil im Orte verwendet wird und der andere Teil abgeführt werden muß? Wasgeschieht mit diesem Gelbe und wer verfügt darüber? Ich habe hiemll an Sie, Herr Sandner, eine Anzahl Fragen gerichtet, deren Beantwortung sicher die ganze fudetendrutsche Oeffentlich- keit interessieren wird. Ich hoffe, daß Sie, der mich und meine Partei in einem„Offenen Brief" beschimpft hat, nun auch die journalistische Ehre und den Mut besitzen werden, mein„Offenes Ant- wortschreiben" ebenfalls in der„Rundschau" zu veröffentlichen. Es könnte Ihnen sonst, nachdem Sie schon an mich einen»^Offenen Brief" richteten, ohne den Lesern der„Rundschau" den Inhalt meiner Rede zur Kenntnis gebracht zu haben, der Borwurf der Feigheit nicht erspart bleiben. Ich schließe mit Ihren Worten, Herr Sandner; es kommt der Tag, an dem der sudetendeutsche Arbeiter Ihnen und Ihrer sudetendeutschen Heimatfront die Antwort geben wird, die Ihnen gebührt. Josef Reyzl. Weihnachtsferien in beiden Häusern Wahlaufschub angenommen Prag. Am letzten Tage vor den Weihnachtsferien erledigten beide Häuser der Nationalversammlung noch die Borlage über den Aufschub der Wahlen in die Landes- und Bezirksvertretungen. Im Abgeordnetenhaus gab der Nationaldema- krat I e Z e k dem Protest seiner Partei gegen den Auffchub der Wahlen Ausdruck und bemühte sich im übrigen, nachzuweisen, daß seine Partei unb womöglich auch der Herr Stiibrntz echte Demokraten seien, während die Regierungsparteien antidemokratisch handelten und einer„fascistischen Psychose" verfallen seien. Dabei gab eS stürmischen Wtterspruch bei der tschechischen Linken. Den Abschluß der Debatte bildete eine kommunistische Rede, worauf der Referent D a n i t erklärte, Jezek möge nicht so viel von der Furcht der Koalition vor deg Wahlen reden; vielleicht werde sich noch zeigen, daß die, die am meisten davon sprechen, aus den Wahlen am schwächsten hervorgehen werden. Nach der Annahme ging die Borlage sofort an den Senat, wo sie in der Pause zwischen zwei Sitzungen vom Ausschuß angenommen und dann sofort ohne schriftlichen Bericht nach§ 35 der Geschäftsordnung dem Plenum unterbreitet wurde. Referent war der Nationalsozialist Riedl In der Debatte erging sich der Thristlichsoziale Reil in den üblichen Angriffen gegen die Regierungsparteien, die angeblich die Wahlen fürchten, bis ihm schließlich der Landbündler Kahler darauf aufmerksam machte, daß man das alles schon in seiner Presse gelesen habe. Reil zerbrach sich weiters den Kopf, Saarbrücken.(Havas.) Die Demission des Obersten Hemsley, des Inspektors der saarländischen Polizeikräfte, wird amtlich bestätigt. Sein Nachfolger wird der englische Kapitän H r n• n e s sy. Schweizer Voranschlag angenommen. Dec schweizerische Nationalrat hat in der Schlußabstimmung den eidgenössischen Voranschlag für das Jahr 1935 mft großer Mehrheit angenommen. Eine Spur des vermißten Fliegers Ulm? Bei Honolulu wurden im Meer Trümmer eines Flugzeuges gefunden, von dem man annimmt, daß sie zu der Maschine des vermißten Fliegers Ulm gehörten. Die Sachverständigen sind mit der Nachprüfung beschäftigt.(Mm ist bekanntlich am 4. Dezember zu einem Ozeanflug gestartet und wird fest dieser Zeit vermißt.) Reuter meldet aus New Mark, die Annahme, daß es sich bei dem in der Nähe von Honolulu aufgefundenen Flugzeugtrümmern um Neberreste der Maschine des vermißte» Fliegers Mm handle, hätten sich als irrig herausgestellt. was mit dem Senat geschehen werd«, dessen Funktionsperiode ja um zwei Jahre länger ist. Der tschechisch« Rattonalsozialist Hubka erklärt die Novellierung der Gesetze aus dem Jahr« 1927 über die Selbstverwaltung für unausweichlich; die Neuregelung der Verhältnisse der Selbstverwaltung müsse nach dem neuen Jahre die nächst« Aufgabe der Regierung sein. Nach der Annahme der Borlage in beide« Lesungen wurden dem Abgeordnetenhause verschiedene Fristverlängerungen bewilligt. Der Vorsitzende Dr. Soukup zog zum Schluß in längerer Rede die polittsche Bilanz des abgelaufenen Jahres und erörterte die Probleme, di« im nächsten Jahre der Lösung harren. Seine Rede klang in die obligaten Weihnachtswünsche und in eine Huldigung für Masaryk aus, die mft langandauerndem Beifall beantwortet wurde. » In der vorauSgegangenen ersten Sitzung hatte der Senat das Nachtragsbudget des Fürsorgeministeriums und die novellierte Verlängerung deS Parteienauflösungsgesetzes genehmigt. Diätenkonflikt bereinigt. Am Donnerstag nahm das Parlamentsplenum auch noch die strittige Vorlage über die Diätenkürzungen in der Fassung des Senates an, so daß es also bei den bisherigen Abzügerk bleibt. DerReferent Bergmann wies darauf hin, daß auch der Senat die sozialen Gründe, die den Budgetausschuß zu der Staffelung der Abzüge führten, ausdrücklich anerkannt habe. Daraus einen offenen Konflikt zwischen den beiden Kammern zu konstruieren, werde der Opposftion nicht gelingen. Der Ausschuß habe seinerzeft die Aenderung nur Wer ausdrücklichen und begründeten Wunsch der Abgeordneten aus der Slowakei und Karpathorußland vorgenommen. Der Referent gab der Erwartung Ausdruck, daß es in absehbarer Zett zu einer gerechten Lösung dieser Frage kommen werde.— Nach der Annahme der Borlage ging das HauS dann nach den Weihnachtswünschen deS Borsitzenden in die Ferien, über deren Dauer noch nichts bestimmtes bekannt ist. Copyright by Pressedienst X. Prager-Verlag. Wien Er hieß Felicien, das hörte sie, wie er sich vorstellte. Paris, für deffen laue Lust das Meer und der Himmel sorgen, gab dem Abend eine wunderbare Milde. Sie gingen durch Straßen, die nicht nach Hause führten. Babiola machte fleinere Schritte als sonst. Der Boulevard des Jtaliennes bekämpfte mtt der Dioptrie des Lichtes die nächtliche Kurzsichtigkeit. Sie setzten sich in ein zweites Kaffeehaus. Feliciens Krawatte saß um 15 Grad zu wett links. Seine Hände schienen gierig nach dem Leben greifen zu wollen. Babiola sah in sein bleiches Gesicht und fühlte traurig, daß es schwer sein werde, dieser Bläffe einmal Lebwohl zu sagen. Er sprach anders» als junge Leute seines Alters. Er sagte:„Sie dürfen nicht glauben, daß es mich besonders glücklich macht, daß ich Ihnen in den Weg gelaufen bin. Sie sind zwar schön und süß; aber ich bin überzeugt: wäre der heuttge Abend nicht— mein Leben würde einfacher verlaufen." „Wollen Sie durchaus einfach leben?" „Ja. Ich bin nicht gesund." Seine Bläffe hatte ihr das bereits erzählt. Sie dachte:„Mensch, lieber armer Mensch, was soll ich tun, um deine Bläffe zu verscheuchen?" Felicien zahlte und sie gingen durch Straßen, in denen Straßenkehrer ruhig ihres Amtes walteten. Die Nacht ließ sich liebend von den goldenen Krinolinen der Straßenlaternen zurückdrängen. Sie sprachen Dummheiten, Worte und Wörtchen, Nichtigkeiten und Wichttgkeiten für das Archiv der Erinnerungen. Als er ihre Hand faßte, drückte sie seine Finger mit der verwegenen und erfahrenen Geste einer Frau. Wie anders find die Straßen, wenn man zu zweit geht. Es war gleichgüllig, wo sie die Droschke bestiegen, die Felicien auch bezahlte. Und als er hörte, daß Baby im Hotel Monaco wohnte, sagte er laut:„Ach Gott." Ihr fiel ein, daß ihm, der in guten Berhält- niffen lebte, ihre Armut vielleicht peinlich sei. Der MdM Protest des Proletariers gegenüber diesem„Ach Gott" wurde in ihr geweckt und weil Künstler stolz sind, erflärte sie ihm:„Ich würde mich schämen, anderswo zu wohnen. Bonnetier, Großkaufmann, ist mein Papa. Bonnetter, vom Boulevard des Capucines, wohnhaft im gelben Palast mit den aufgeflebten Putten. Fünf Leute hatte ich zu meiner eigenen Bedienung. Im Hotel Monaco mutz ich mich wenigstens nicht schämen. Er blickte auf ihre Zähne, die schmal und scharf wie die eines Raubtieres waren. Es war gleichgültig, woher sie kam und wie sie gelebt hatte. Er sagte: ,;Das Leben bleibt manchmal stehen wie ein Kalender, den man abzureihen vergaß. Es genügt aber ein Augenblick, um ihn zu ändern." Und dann küßte er Babiola. Beim zweiten Kuß wehrte sie sich ein wenig; sie gönnte ihm die Freude des UeberwindenS. Jeder Mann zeigt doch gerne an der Schwäche des WeibeS seine Kraft. Sie bog und wand sich geziert unter seinen zupackenden Händen. Sie war verlegen, well sie so gar nicht verlegen war. Sie ahnte, daß der Anspruch geliebt zu werden im Geben von Illusionen lag. Wer keine hat, muß sie vortäuschen. Sie erschrak wie vollkommene Wirklichkeit ihre Lüg« war. Sie konnte ihm in atemlos scheinender Erregung„gute Nacht" sagen und schamhaft ihren zerküßten Hals in den Kragen ihres Mantels hüllen. Sie nahm zwei Stufen auf einmal und schloß die Türe, als ließe sie jemand draußen stehen. Sie fiel auf ihr Bett, biß dis Zähne in die Kissen und erstickte ein nervöses Lachen. Felicien /— der war eine männliche Frau Bonnetter. Er* nahm sie mit, weil sie so lieb war und weil sie mitgenommen werden wollte. Felicien war ein Mensch, dem daS Schicksal ein bequemes Dasein beschert hatte. Er war in die weiche Wiege reicher Eltern gefallen und sein Lächeln wurde von vielen Tanten bewundert. Das Ehepaar Giraud war reich und lebte ruhig. Es war eigentlich erstaunlich, daß der einzige Sohn dieser Menschen nicht verwöhnt war. Er sollte Medizin studieren und tat es mit der Langsamkett des Bewußtseins, nicht arbeiten zu müffen. Seine Mutter, die mehr Herz als Verstand hatte, sagte, wenn sie ihn blaß bei seinen Büchern sitzen sah: „Du hast es doch nicht notwendig, dich so zu plagen." Schon als Knabe hatte er aus Brot allerlei geknetet: Elefanten, Hunde. Als die Familie einmal in Bichy weilte, formte er aus Brot ein Denkmal, das dort im Parke stand. Er stellte es vor des Vaters Teller und der Vater konnte vor Bewunderung nicht essen. Er kam in der Medizin nur bis zu den Hämorrhoiden; dann hatte er genug. Und damit seine Mutter ob seines Gesinnungswechsels nicht allzusehr erschrecke, formte er ihre Büste. Und er wurde Bildhauer. Seine Blldhauerei begann mit Denkmalen für Katzen und Vögel, hie man im heimatlichen Garten begraben hatte. Das Gut der Girauds war sehr groß. Felicien sagte sich: die Sicherheit meines Lebens mißt so und soviele Quadratmeter Erde. Er lernte nie den Hunger, die treibende Kraft der Künstler kennen. Ehrgeizig war er auch nicht. Mer in den Jahren, in denen der Mann sein Knabentum wegwirst wie einen Detettivroman, faßte ihn der Wunsch der Notwendigkeit, jemand zu fein. Er besuchte die Akademie zu Paris, ließ aber schon bei Kursbeginn angewidert seine Arbeit in Sttch. Erst später suchte und fand er den Ausdruck der ihm gemäßen Art. Dieser blaffe Bursch, mit den melancholischen Augen des reichen Bettlers kam sich unsäglich arm vor; wenn er König gewesen wäre, er hätte sich an den Wegrand gestellt und das Leben um ein Almosen angefleht. Mann nannte ihn Felicien Charneux, well er Lieder von Fleisch in seinen Stein komponierte. Vielleicht war er seme Unberührtheit, die die Hüsten und Schenkel seiner Marmormädchen formte. Eine seiner achtunggebietenden Arbeiten wurde ausgezeichnet; Seine Männer hatten Muskeln und seine Frauen Körper. Er wurde bald bekannt und im Zimmer seiner Mutter zierten Lorbeerkränze und Auszeichnungen die Wände. Er liebte seine Mutter unendlich. Sie mühte sich seit seinem ersten Atemzug» ihm den Weg eben und leickit zu machen. Aber er fühlte die Zwecklosigkeit des Erfolges und sein Ches d'oeuvre widmete er dem Tod.(Forts, folgt.) Freitag, 21. Dezember 1934 Seite 3 fudetcndeutsdier Zeifepie^ef „Geht zu Bechynö in die Schule M i Warum nicht zu Beran? Die„Landpost" glaubt es sich leisten zu können, uns im Anschluß an die groß- Prager Versammlung der tschechischen Sozialdemokraten gute Lehren zu erteilen. Ganz in der Tonart der Hen- keinschen„Rundschau" wirft sie der deutschen Sozialdemokratie„haßerfüllten Kampf gegen jede völkische Regung im Sudetendeutschtum" vor, ja sie entblödet sich nicht, uns einen„r a ch e g i e- rigen Vorstoß gegen alles Deutsche" zu unterschieben. Den tschechischen Sozialdemokraten sagt die„Landpost" nach, sie hätten sich in die tschechische nationale Volksbewegung „offen und bedingungslos" eingegliedert. Und sie weiß dieses nach Anbiederung riechende Llck noch zu steigern:«Aber darüber hinaus sind die Führer der tschechischen Sozialdemokratie fast ausnahmslos der sudetendeutschenBewe- g u n g wenn auch nicht wohlwollend, so doch zumindest neutral gegenüber gestanden." Was meint die«Landpost" unter der «sudetendeutschen Bewegung": die Krebs und Jung oder Henlein oder ausgerechnet die deutsche Agrarpartei? Vielleicht genügt diese Feststellung: Wer behauptet, die tschechische Sozialdemokratie sei jemals einem sudetendeutschen Fascismus oder Ständeschwindel neutral gegenüber gestanden, der belohnt die anständige Haltung unserer Bruderpartei in nationalen Dingen mit frecher Verdrehung. Der belügt auch bewußt die sudetendeutsche Oeffentlichkeit. Der tschechischnationalen«Volksbewegung" der H o d a k und Stkibrnh hat sich die tschechische Sozialdemokratie niemals eingegliedert, sondern bekämpft sie mit gleicher Entschiedenheü, wie wir die offenen und getarnten Hakenkreuzler bekämpfen. Der bekannte Schristleitertrick, die Sozialdemokraten der anderen Nation zu loben, um die Sozialisten im eigenen Volke besser diffamieren zu können, geht also vollkommen daneben. Die »Landpost" soll sich als Beschützerin der»völ- ksschen Regungen" nur nicht übernehmen, denn die Feuerlöschmänner im Landstand haben schon genug zu tun. Nicht wir haben zu Bechynk in die Schule zu gehen, weil wir schon seü dem Smichover Kongreß mft ihm auf einer Linie kämpfen. Dafür aber könnte es den deutschen Agrariern nicht schaden, von der anständigen und maßvollen Haltung eines Beran zur Arbeiterbewegung zu lernen. Auch könnte es nicht schaden, auch die Schrift- lester der»Landpost" einzuladen, wenn HodZa den deutschagrarsschen Jugendführern wieder eine ernste demokratische Belehrung erteilt. Jedem Kinde eine Weihnachtsfreude! Fast in allen Fallengruppen beschäftigt man sich in den Vorweihnachtstagen mit der vom Reichsverein„Kinderfteunde" veranstalteten Aktien„Jedem Kinde eine Weihnachtsfreude". lieber die Durchführung dieser Aktion im Bezirk Letschen erhalten wir den folgenden schönen Bericht. Die unter obiger Parole vom Beichsverein der Kinderfteunde veranstaltete Weihnachts-Solidaritätsaktion wurde auch von den Fallengruppen des Bezirkes Letschen durchgeführt. Samstag, den 15. und Sonntag, den 16. Dezember, hatte nun die breite Oeffentlichkeit Gelegenheit, das Ergebnis dieser wochenlangen Bastelarbeit der Fallen zu bewundern. In geschmackvoller Form hatten sie all die vielen schönen Gegenstände im Saale des Dampfschiff- Hotels in Letschen ausgestellt. Schon beim Ein- ttütt leuchteten dem Besucher drei große Wandsprüche entgegen:„Freundschaft", der internationale Gruß aller Arbeiterkinder,„Wir sind das Bauvoll der kommenden Well", Ausdruck des festen Willens, an der Gestaltung dieser Well einstens mitzuarbeiten, und„Freude allen Kindern", als Ziel ihrer Weihnachts-Solidaritätsaktion. An der rückwärtigen Stirnloand und auch an anderen Stellen große rote Fahnen mft dem Roten Fallen. Entlang der vier Saalseiten, sowie in der Saalmitte waren auf Tischen die Spielsachen ausgestellt. In bunter Abwechslung lagen und standen Holztiere» Klötzeldörfer» Puppen, Autos, Fuhrwerke, Gesellschaftsspiele und viele andere schöne Sachen. Einige Sätze auf einem großen Plakat erläuterten den Besuchern den Zweck dieser Ausstellung: Alle hier ausgestellten Spielsachen wurden von Arbeiterkindern selbst ge- bastelt. In wenigen Tagen wandern diese Spielsachen in dft Stuben arbeitsloser Familien, um deren Kindern eine kleine Weihnachtsfreude zu bereiten. Die Roten Fallen üben praktische Solidarität. Einige Rote Fallen und Helfer betätigten sich als Führer und gaben den Besuchern weiterer Erklärungen oder beantworteten an sie gestellte Fragen. An einer Seite des Saales befand sich eine Darstellung der internationalen Kinderbewegung. Sozialistische Kinderzeitschristen aus Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien, Frankreich, Schweiz, Polen, Ungarn, Oesterreich, Deutschland(beide jetzt verboten), Tschechoslowakei (deutsche und tschechische) zeigten den Besuchern, daß der sozialistische Erziehungsgedanke heute schon in allen Ländern Fuß gefaßt hat. Viele ausgestellte Photographien ermöglichten auch einen Einblick in das bunte und vielgestallete Leben in unseren Kindergemeinschasten. In einem Nebenzimmer unterhielt der„rote!Kasperl" die vielen kleinen Ausstellungsbesucher. Immer wieder dröhnten Lachsalven, wenn Kasperl seine lustigen Spässe trieb. Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Ausstellung war bester Ausdruck und Beweis für die große Begeisterungsund Leistungsfähigkeit unserer Arbeiterkinder. Den Kinderfteunde» gebührt der Dank dafür, daß sie unsere Arbeiterbuben und Mädel im Sinne sozialistischer Gemeinschaft und praktischer Hilfeleistung beschäftigen und erziehen. SVH-- SHF= DNSAP Daß die Volkshilfe nur eine Arbeitsstelle der Henleinfront und diese wieder die Fortsetzung"der aufgelösten Nazipartei ist, stellte sich in Mährisch-Schönberg heraus,'als die SVH sich mit ihren Vertretern in den Winterhilfsausschüssen der Gemeinde einstellte. Zunächst hatte die SVH, unterstützt vom Bund der Landwirte und der Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, gefordert, daß die Gemeinde— also eine öffentlich-rechtliche Körperschaft!— sich der Bollshilfe e i n- und unterordne. Das wurde denn doch abgelehnt und so fand sich die SVH bereit, in die Gemeindeausschüffe zu delegieren. Als ihre Vertreter entsandte sie ausschließlich Mitglieder der SHF! Und unter den SHF-Leuten der SVH befand sich wieder bezeichnenderweise der ehemalige Nazi-Senator Franz Köhler. Als der BerteilungsauSschuß gebildet wurde, erklärte der Vorsitzende der SVH, ein Fabrikant Siegel, ebenfalls Henlein-Mann, seine Freunde hätten«strenge Weisung", daß die von ihnen gesammelten Gegenstände nur von ihnen selbst verteilt werden dürften. Es zeigt sich also, daß über zentrale Weisungen die Verteilung der öffentlichen Hand entzogen und— wie in einigen Orten schon erwiesen wurde— parteiisch zugunsten der SHF geübt werden soll. Noch weiter ging der Landeskaffier der SHF, ebenfalls Vertreter der SVH, der offen erklärte:»Wir müssen den Bertei- lungsausschuß in der Hand haben". Gerade dieses offene Eingeständnis des Führungs- und Totalitätsanspruchs der SHF—SVH führte dann aber zum Widerstand der übrigen Parteien und dazu,, daß. der dhristlichsoziale Fürsorgereferent zum Obmann des Ausschusses gewählt wurde. Dies Ist die SVHI Ein Beitrag rar Volksgemeinschaft. InZossenin Schlesien sind zu den dortigen Landwirten, die alljährlich ganz erheblich zur Wcihnachtssammlung für die Arbeitslosen beitrugen und damit einen Beweis wirklicher Volksgemeinschaft lieferten, die Henleinleute gegangen und legten ihnen folgendes Schreiben zur Unterschrift vor: Sudctendeutsches Bolkshilfswerk. G etreid esammlung in Zossen. Die unterzeichneten Landwirte, welche Getreide am 3. Dezember d. I. gespendet haben, behalten sich daS Recht vor, bei der Verteilung an die arbeitslosen Volksgenossen nur jene zu berücksichtigen, welche keinen Haß gegen andere führen und nicht versuchen, Volksgenossen aus dem Brot« zu reißen. Es geht nicht an, Leute zu unterstützen, welch« die Einheit des Volkes hemmen und ihre Kinder in die tschechische Schule schicken. Sollte sich das im Laufe des Jahres ändern, so kann nächstes Jahr wieder allgemein verteilt werden, aber heuer nicht. Unterschriften: Januschke, Seifert Paul, Rieger Otto, Heinz Liebor, Beierle Josef, Bruno Engel, Ullmann Fil.» Springer Richard, Beyerle Alfred, Januschke Joh., Pietsch Joh., Boguth Joh., Plisch Franz, Herman, Hoppe Franz, Frank, Novak, Kolb Hugo, Kinzel, Gebauer Johann, Gebauer P., Schindler, Schmidt Josef, Weyrisch I., Engel Erwin, Seifert I., Wawra Paul, Gebauer, Gröger, Meier. Das gemeinsame Werk aller Einwohner des OrteS soll also nach dem Willen der SHF-Leute durchbrochen werden, um die Sozialdemokraten auf die Knie zu zwingen, um die Arbeiter zu einer Gesinnungslumperei zu verleiten. Das ist die Volksgemeinschaft I Agrarische Protektionskinder Wir lesen in der„Zukunft": Vor 14 Tagen wurden die Löwensteinschen Wälder bei Lichtenstein mit Zustimmung des Bodenamtes an Herrn Hkebikek verkauft, der ftü- her Eigentümer des Meierhofes in Chränscho- witz war und vor zwei Jahren in Konkurs ging. Die Erwerbung des Waldes durch Herrn Hiebi- cek ist um so unbegreiflicher, als er gar kein Fachmann ist und deshalb die Befürchtung begründet erscheint, daß der wertvolle Wald nicht nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten bearbeitet und allmählich zugrunde gerichtet wird. Der Wald hat ein Ausmaß von zirka 830 Hektar, dessen heutiger Wert von Fachleuten auf S Millionen geschätzt wird. Herr HkebiLek erwarb ihn jedoch für 2 Millionen XL, sozusagen für einen Pappenstiel. Eines der vielen Rätsel dieses Falles ist die Frage, wieso er überhaupt über einen solchen Betrag verfügt, der bis Juni 1935 zur Gänze bezahlt sein muß, nachdem er doch vor zwei Jahren in Konkurs gegangen war und man nicht gut annehmen kann, daß er bei dieser Gelegenheit noch einige Millionen verdiente. Vielleicht könnte mancher Beamte deS Bodenamtes dieses Geheimnis lüsten, zumal man von gewissen verwandtschaftlichen Beziehungen spricht, die bis zu den höchsten Spitzen der Bürokräfte Hinaufteichen sollen. Die erste Verfügung des Herrn Hkebicek auf seinem neuen Besitz war die Entlassung des gesamten Personals bis auf drei Heger. Ein paar proletarische Familien waren die ersten Opfer. Wir verlangen von den zuständigen Behörden Aufklärung, wie es möglich war, daß dieser ausgedehnte Waldkomplex in privaten Besitz gelangen konnte, insbesondere an einen Nichtfachmann, entgegen den llaren Bestimmungen der Bodenreform, deren Sinn es war, die geschäftliche Ausbeutung der Wälder durch Privatpersonen zu verhindern. Auch darüber muß Aufklärung geschaffen werden, durch wessen Verschulden es geschehen konnte, daß Hrebicek die Wälder, die einen Wert von sechs Millionen Kronen haben, mit Zustimmung des Bodenamtes um zwei Millionen erwarb. Die Arbeitslosigkeit In Mähren-Schlesien Neuerliche Zunahme der Arbeitslosenziffer im November. Di« Zahl der Arbeitslosen im Lande Mähren- Schlesien ist im Monat November wieder beträchtlich gestiegen, und zwar gegen den Monat Oktober um 13.628 Personen. Allerdings ist dies« Zahl noch bedeutend geringer als die im Vorjahre. Bei 61 Arbeitsämtern des Landes meldeten sich im November insgesamt 226.501 Arbeitslose, davon 179.811 Männer, 46.420 Frauen und 270 Lehrlinge und Lehrmädchen. Die Unternehmer meldeten 12.440 freie Stellen; untergebracht wurden 12.246 Personen, und zwar 9148 Männer, 3033 Frauen und 65 Lehrlinge und Lehrmädchen. »-^.Dig^trötzten Arbeitsloscnziffcru meldeten folgende Bezirke: Brünn-Stadt 12.936 lim Oktober 12.090), Schönberg 9072(8948), Mährisch-Ostrau 9067(8631), Sternberg 9051(8843), Fried«! 8673(8581), Boskowitz 8349(8009), Brünn-Land 7903(7936), Troppau 7736(7150), Neutitschein 7718(7424), Jägerndorf 7379 6999), Freistadt 6895(6768), Freudenthal 6840(6318), Ung.- Brod 5779(5265), Freiwaldau 5456(5095), Mähr.-Trübau 5395(5307), Ung.-Hradisch 5288 (3895), Trebitsch 4202(3916), Wall.-Meseritsch 4124(3795), Hohenstadt 4076, Mistek 8957 (3886), Wsetin 3920(3910). Die Zahl der Arbeitslosen hat sich also nur im Bezirk Brünn-Land verringert, während sie sich in allen übrigen Bezirken vergrößerte. „Ezechkartenvezieher." Die Geschäftsstelle der SVH gibt Erhebungsbogen aus, auf denen sich auch die Rubrik„Czechkartenbezieher" befindet. Das soll wohl h ö h n i s ch gemeint sein. Immerhin könnten sich die Herren dabei erinnern, daß lange, ehe sie da waren, Sozialdemokraten prak- tischeFürsorgearbeit geleistet haben l Die deutsche Völkerbundliga hielt Mittwoch eine Trauer sitzung aus Anlaß des Ablebens ihres Präsidenten Dr. Medinger ab. Dr. N e l b ö ck(Brünn) brachte eine Reihe von Kim-, dolenzschreiben zur Verlesung, aus denen hervorgeht, welch großer Wertschätzung sich Dr. Medinger im Inland und in ganz Europa als Freund des Friedens, der Minderheiten und der Völkerverständigung erfreute. Dann hielt Dr. Nelböck dem Verstorbenen einen herzlichen und tief empfundenen Nachruf, den die Anwesenden zum Zeichen der Trauer stehend anhörten. Dr. Nelböck würdigte den Verstorbenen als einen Mann, ter in edlem Idealismus seine Person hintansetzte, um der Idee zu dienen und der mit großem Können und einer vornehmen Kunst der Menschenbehandlung Persönlichkeiten verschiedenster Rich, tungen zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuführen wußte. Ein Roß vom„Himmel" für die Arbeitslosen. Der Fuhrwerkbesitzer Himmel in Wallern hatte ein zwar schon bejahrtes, aber gut erhaltenes und genährtes Pferd. Nachdem es zum Ziehen nicht mehr recht tauglich war, und vom Vereine abgelöst wurde, wurde es geschlachtet und das Fleisch, über 300 Kilo, an die Arbeitslosen unentgeltlich verteilt. Ueber 100 Arbeitslose erhielten je 2.5 bis 3 Kilo Fleisch gratis. Es roch diese Woche in der ganzen Stadt nach Roßbraten, Gulasch und Gedämpftem. Politik der Erpressung. Gen. H., der schon längere Zeit arbeitslos ist und sich weigerte, den Henlein-Sammlern einen Betrag zu spenden, erhielt einen Brief, in welchem er beschimpft und bedroht wurde, daß er sich nicht mehr auf der Gasse blicken lassen möchte, sonst würde er die teutschen Fäuste kennen lernen. Wirtsdiattsplan der Zcnlralsozlal- vcrskhcrnngsanstalt Mr das Jahr 1935 Unter Vorsitz des Abg. Anton Hampl, des Vorsitzenden der Zentralsozialversicherungsanstalt, fand Mittwoch die Sitzung des Ausschusses dieser Anstalt statt. . Direftor B. Klumpar referiette Wer den Wirtschaftsplan der Zentralsozialversicherungs» anstalt für das Jähr' 1935. Er führte aus, daß das Ansteigen des Außenhandels und des Indexes der industriellen Erzeugung nicht in einem Ansteigen der Zahl der versicherten Arbeiter zum Ausdruck gekommen ist. Wiewohl in den Frühjahrsmonaten gegenüber dem Vorjahr mehr Versicherte zu zählen waren, zeigen die Sommer- und Herbstmonate des Jahres 1934 ein Sinken der Versichertenzahl gegenüber dem Jahre 1933. Im Durchschnitt der ersten zehn Monate des heurigen Jahres beträgt das Sinken der Bersichertenzahl allerdings nicht ganz ein Prozent im Vergleich zur selben Zeit des Jahres 1933. Die Borschreibung des Versiche- rungsbettrages für die ersten neun Monate des Jahre» 1934 ist ungefähr um elf Millionen XL niedriger als im Jahre 1933; hingegen ist in der Abführung der von den Krankenversicherungsanstalten eingehobenen Versicherungsbeiträge an die ZentralsoziälverficherungSanstalt eine Besserung eingetteten. Die Zentralsozialversicherungsanstalt tritt in daS Stadium der Entwicklung, in welchem sozusagen die ganzen Einnahmen an Beiträgen in den Ausgaben der Anstalt aufgehen. Diese Erscheinung wird durch daS Anwachsen der Ausgaben für Leistungen und Renten bewirkt und durch die Einführung deS Alterszuschusses noch beschleunigt. Künftighin wird der Erttag der angelegten Kapitalien den wesentlichen Bestandteil deS Vermögenszuwachses der Zentral- sozialverficherungSanstalt bilden. Infolgedessen würde der Vermögenszuwachs der Zentralsozial-- versicherungsanstalt selbst dann eine Vermmde- rung erfahren, wenn die Einnahmen nicht sinken würden. Im Jahre 1930 belief sich der Vermögenszuwachs auf 634 Millionen XL, im Jahre 1933 auf bereits nur 432 Millionen XL und im Jahre 1934 wird er noch niedriger sein. Im Wirtschaftsplan für das Jahr 1935 werden die Einnahmen an Beiträgen auf 380 Millionen XL veranschlagt. Di« für die Auszahlung der Renten und Leistungen notwendigen Mittel werden für das Jahr 1935 bereits auf 270 Millionen XL veranschlagt, für die Hcilfür- sorge dürften ungefähr 27 Millionen XL notwendig werden. Der Zentralsozialversicherungsanstalt dürften im Jahre 1935 nach Abzug der für die Auszahlung det Renten und Leistungen sowie der sonstigen Ausgaben notwendigen Be- träge ungefähr 342 Millionen XL, demnach ettva» weniger als im Vorjahr, für die Vermögensanlage zur Verfügung stehen. Hierauf wurde der Wirtschaftsplan für daß Jahr 1935 genehmigt. Für den Ankauf von Wertpapieren und für staatliche Fonds werden auf Grund dieses Wirtschaftsplanes 175 Millionen XL bereitgestellt, hievon als Darlehen an den Staatlichen Sttaßenbaufonds 100 Millionen XL, für den Staatlichen Fonds für wasserwirtschaftliche Meliorationen 15 Millionen XL(außer fünf Millionen XL für Darlehen an Wasserbaugenossenschaften), für den Elektrifizierungsfonds jechs Millionen XL, für den Ankauf staatlicher Wertpapiere 20 Millionen XL. Außerdem werden dem Ankauf sonstiger mündclsicherer Wertpapiere 34 Millionen XL Vorbehalten, für die Pflichteinlage bei dem Tschechoflowaftschen ReeSkompte» und Lombardinstitut 34 Millionen XL, für Hypothekardarlehen nach dem BauförderungSgesetz, insbesondere aber für Darlehen auf Familienhäuschen der zur Sozialversicherung dauernd beitra- genden Personen 20 Millionen XL, für Hypothekardarlehen für landwittschaftliche Betriebe und Zinshäuser 23 Millionen XL, fiir Kommunaldarlehen 35 Millionen XL, für Hypothekardarlehen für die der Industrie und dem Gewerbe dienenden Objekte 30 Millionen XL. Der Finanzierung d-r Exportkredite mit Staatsgarantie wird sowohl im Wirtschaftsplan als auch bei der nicht dauernden Anlage des Vermögens gedacht werden. Der Wirtschaftsplan wurde vom Ausschuß der Zentralsozialversicherungsanstalt ein stimm!» genehmigt. Nach einem vom Dr. P. Zenfl erstatteten Referat wurden verschiedene Aenderungen der Dienst- und Disziplinarordnung für di« Angestellten der KrankenversicherungSanstaltcn infolge der Aenderung deS Gesetzes betreffend die Privatangestellten genehmigt Sei^c 4 Freitag, 21. Dezember 1934 Rr. 298 Dynamit-es Rassenhasses Ein amerikanisches Gerichtsgebäude in Flammen lagcsnculgkcifcn Entscheidungsschlacht im Gran Chaeo? Buenos Aires. Die hiesigen Blätter belichten ausführlich über die letzten Kämpfe im Gran Chaco, in deren Verlauf die päraguayanischen Truppen einen ungewöhnlich heftigen und blutigen Angriff gegen die bolivianischen Abteilungen unternahmen. Drei paraguayanische Armeekorps sind im Vormarsch gegen das Zentrum der bolivianischen Operationsbasis bei Montes begriffen. Die Paraguay« ne r befinden sich in großer U e b e r m a ch t. Den gleichen Meldungen zufolge dürfte cs demnächst zur Entscheidungsschlacht kommen, bei der nach Angaben eines gewissen bolivianischen Generals 80.000 Mann eingesetzt werden sollen. Die Lagny-Katastrophe vor Gericht Paris. Vor dem Gericht in Maux begann Mittwoch die Verhandlung gegen den Lokomo- tivführerDaubigny, dem die Anklage zur Last legt, durch seine Fahrlässigkeit vor Jahresfrist das gräßliche Eisenbahnunglück bei Lagny verschuldet zu haben, dem, wie erinnerlich, über 200 Menschen zum Opfer gefallen sind. Daubigny hatte bekanntlich in der Unglücksnacht den Schnellzug gelenkt, der in voller Fahrt auf einen auf demselben Geleise stehenden Pcrsonenzug aufgefahren war. Der Lokomotivführer, der bei dem Unglück nur leichte Verletzungen davongetragen hatte, bestreitet, das auf„Halt" gestellte Warnungssignal gesehen zu haben, während die Eisenbahningenieure behaupten, daß das Alarmsignal funktioniert habe, dem der Lokomotivführer keine Beachtung geschenkt haben dürfte. Lvfache« Mordes beschuldigt New Aork. Der Steckbrief, welchen der kubanische Generalkonsul in New Aork der dortigen Polizei überreichte und auf Grund dessen Alberto H e r r e r a, ein ehemaliges Mitglied der Ma- chado-Regierung, verhaftet wurde, besitzt den gleichen Wortlaut, wie der gegen den ehemaligen kubanischen Präsidenten M a ch a d o erlassene Haftbefehl. Beide werden des Mordes an 20 Personen beschuldigt. Machado weilt derzeit in Interlaken. Schiffszusammenstoß Oporto. Als Mittwoch der holländische Dampfer„O r a n i a" vor den Lexois-Docks Anker warf und einen Teil der Passagiere ausschiffen wollte, fuhr ihm der portugiesische Dampfer „Lu a n d a" mit Volldampf in die Seite und zerschnitt ihn buchstäblich in zwei Teile. In der entstandenen unbeschreiblichen Panik verließen die Passagiere überstürzt und ohne Gepäck das bedrohte Schiff. Die„Orania" ging wie ein Stein unter; die Passagiere s prangen ins Mass er, wo sie von Rettungsbooten gerettet lvurden. Die Behör- Gute Kohle Bon Bera Inder Meri-Anna, die berühmte Schönheit, deren große Augen und kleine Ohren alle ihre Freunde verrückt machten— Meri-Anna hat heute in der Küche ein Mäuschen gefangen und es aufgefressen. Ja, da gibt es gar nichts sich zu wundern, wenn man bedenkt, daß Meri-Anna eine Katze ist. Und doch ist es seltsam, weil eben diese Katze dadurch berühmt war, daß sie nie Mäuse fraß und sie nicht einmal zu fangen versuchte, so daß man schließlich eine Mäusefalle kaufen mußte. Das alles hat Bill entdeckt. Er.rannte eben die Stiege hinunter, bei Mama Geld zu holen, um für das Nacktmahl Butter und Brot zu kaufen, als er auf der filnsten Treppe Meri-Anna sah. Bill vergaß ganz auf sein eigenes Nachtmahl und blieb stehen, um zu sehen, wie die großäugige Schönheit ihr Nachtmahl verzehrte. Ganz aufgeregt kehlte er zurück und sagte zu seiner Schwester Susann«: — Susi, Meri-Anna hat eine Maus gefressen. Ich habe es selbst gesehen. Und wir sind mit der ganzen Schule eine Wette, eingegangen, daß sie nicht einmal die seltenste australische Maus anrühren würde, auch wenn man diese mit Zucker und Rosinen bestreuen sollte.— Und was stellt sich heraus? Wir haben unsere Wette verloren. Meri-Anna ist auch die richtige, so die Leut« bei der Nase herumzuführen. Das hat sie absichtlich gemacht. Susi rundete die Aeuglein und antwortete still: — Das hat sie nicht absichtlich gemacht, Bill Sie hat Hunger, verstehst du das? Schon drei Tage, daß. Mutti ihr nichts zu fressen gibt. Gegen Abend kam Regen, obzwar sich niemand nach ihm gesehnt hatte und dann Wind Beide gingen fest an die Arbeit. Während der Regen an die Scheiben schlug, huschte der Wind durch den Kamin. Der Tisch war gedeckt, Butter gab es keine, auch Brot sehr wenig. Bill erklärt« sich das so, daß nicht er— Bill— Sohn eines .Bergarbeiters und selbst zukünftiger Bergarlniter — mit seinen kräftigen, vom Sport gestählten Muskeln zum Greisler gegangen ist, sondern Mutter, die schivache Frau, die nicht einmal eine Sportlerin ist. Bill steckte die Hände in die Selbyville(Tennessee). Eine große Menschenmenge unternahm einen Angriff auf das Gerichtsgebäude, in dem eben die Verhandlung gegen eine» Neger stattfand, der der Bergrwal- tigmrg eines vierzehnjährigen weißen Mädchens angeklagt war. Die Menge wollte sich des Negers bemächtigen und ihn lynchen. Die Nationalgarde mußte, um dies zu verhindem, von der Schußwaffe Gebrauch machen. Schon vorher hatte die Menge einen Angriff auf das Gefängnis unternommen, wo sich der angeklagte Neger in Haft befand, doch hatte die Polizei die Angreifer mit Tränengasbomben vertrieben. Durch die Schüsse der Nationalgardc wurden mindestens zwei Angreifer auf das Gerichtsgebäude getötet und etwa fünf Personen schwer den gestehen die Schuld des portugiesischen Dampfers ein. Die„Luanda" hat 5910 Tonnen, während der holländische Dampfer bloß 1000 Tonnen hatte. Soldatentod Pilsen. Der Pressedienst des Kommandos der 2. Division teilt mit: In einer am 17. und 18. Dezember in der Umgebung von Falkenau stattgefundenen Uebung wurde der Soldat Josef Slädek vom Jnf.--Reg. 33 in Eger durch ein Uebungsgeschoß verletzt. Das Unglück wurde durch einen Zufall herbeigeführt. Bei der Uebung ging ein Schutz aus dem Gewehr eines Kameraden Slä- deks los und traf Slädek in den Bauch. Der Verletzte wurde von dem anwesenden Arzt gleich behandelt^ und ins allgemeine Krankenhaus in Falkenau überfiihrt» wo er nach der durchgeführ- ten Operation starb. Weitere Planwirtschaft in der Einfuhr. Das Getreidemonopol hat es ermöglicht, das cinge- führte Getreide als Kompensation für die Ausfuhr von Jndustrieartikeln zu vettvenden. Aehnlich wird auch das Viehmonopol den Interessen unserer industriellen Ausfuhr dienen können. Die Außenhandelsabteilung des Außenministeriums hat bereits einen Plan ausgearbeitet, wonach im Jahre 1935 in die Tschechoslowakei ungefähr 130.000 Fettschweine, 16 Waggons Fett und Speck, 86 Millionen Eier und 65 Waggons Butter eingeführt werden sollen. Diese Einfuhr soll dazu dienen die Länder, von denen wir beziehen, für den Export von Jndustriewaren aufnahmsfä- hig. zu machen. 135 Bewerber für 10 Chauffeurposten. Di« Direktion der Staatsbahnen in Brünn schrieb 10 frei« Chauffeurposten aus. Für diese 10 freien Stellen meldeten sich insgesamt 135 Bewerber. Davon wurden 30 ausgesucht, die einer Prüfung unterzogen tvurden. Die 10 Chauffeure,'Vie diese Prüfung am besten bestanden, wurden sodann engagiert. Taschen, verdrehte die Lippen ganz wie sein Vater, wenn er Pfeife raucht und sagte auch, ganz wie der Vater: — Schau dir mal ein Wetter anl Bei solch' einem Wetter ist es gut, beim Kamin zu sitzen Sprach's und guckte in den Kamin, erblickte dort aber nur zwei Stücke Kohle und die sahen gar nicht so lustig aus. Und Bitter kam noch immer nicht. Bill setzte sich zum Feuer, stieß mit dem Fuß die schlaue Meri-Anna an und sagte: — Susi, Vater ist noch immer nicht da Weißt du nicht, wo er ist? Aber Susi wußte alles, das war ihre Eigenschaft. — Vater ist zum Platz gegangen, du weißt, dort, wo auf dem Schild eine große Bierflasche ist, von der der Schaum rinnt, wie die Seife, wenn man sich das Haar wäscht. Dort versammeln sich alle und beraten. — Beraten? fragte Bill.— Was denn? — Beraten und beschließen— noch immer dürchzuhalten.— — Du, Bill, wenn Mutti geröstete Kartoffeln gibt, denk' daran.— —-Warum denn, Susi?— — Weil du so viel davon ißt, Bill, daß cs dann sehr schwer ist, durchzuhalten.— — Aber warum?— wollte Bill wieder anfangen, da trat der Vater ein. Von seinem Regenmantel tropfte das Wasser, die Kappe hing herunter und die Halsbinde, lang und grau wie die Schlaflosigkeit, verwandelte sich in einen nassen Plumpsack. — Bist schon da, Jack?— sagte die Mutter— es ist schon spät, die Kinder müssen schon schlafen gehen. Dieses Wetter!— Während sie sprach, schaute sie unverwandt in sein Gesicht, als wäre es ein geschloffener Brief, den sie sich nicht zu öffnen traute. — Morgen' wird die Genossenschaft einige Lebensmittel verteilen-— sagte der Vater, tväh- rend er das feuchte Gesicht trocknete.— Milch und Eier werden ausgegeben, aber nur für Kinder, die krank sind.— — Milch.— Du bist nicht krank, Susi,— fragte leise Bill. Und fügte wehmütig hinzu: — Und ich bin auch nicht krank. Den blauen Fleck am Fuß wird man mir, glaube ich, nicht als Krankhesi anrechnen. Und wenn ich, sagen wit. verletzt. Unter den Verletzten befindet sich auch der Bruder des Mädchens, das den Gegenstand des Angriffes des verhaßten Negers bildete. Die Menge versuchte, nachdem die Nationalgarde von der Schußwafle Gebrauch gemacht hatte, das Gerichtsgebäude mit Dynamit in die Luft zu sprengen. In der entstandenen Verwirrung gelang es dem bedrohten Reger, verkleidet in einem Automobil zu entkommen. Nach der Flucht des Regers zerstreute sich die Menge allmählich. Das Gerichtsgebäude brennt lichterloh, seine Rettung ist unmöglich. Demonstranten ziehen durch die Straßen der Stadt, schießen nach alle» Richtungen und stoßen Verwünschungen gegen dieNeger aus. Klemer Rückgang der Bierproduktion. Im Oktober 1934 arbeiteten in der Tschechoflowakischen Republik und stießen Bier aus 402(411) Brauereien; außerdem hatten einen bloßen Bierausstoß ohne zu arbeiten 2(2) Brauereien. Im ganzen wurden 614.365(631.488) Hektoliter Bier ausgestoßen. Gegenüber dem gleichen Monat im Jahre 1933 sank der Gesamtausstoß um 2.7 Prozent und gegenüber dem Monat September des heurigen Jahres sank er um 12.3 Prozent, Vom Gesamtausstoß wurden für den Jnlandsverbrauch 607.855(626.244) Hektoliter Bier, für die Ausfuhr über die Grenze 6510(5244) Hektolsier Bier ausgestotzen. In Böhmen wurden in diesem Monat in 320(329) Brauereien 495.590 (509.281) Hektoliter Bier ausgestotzen, in Mähren-Schlesien in 68(68) Brauereien 103.493 (107.749) Hektoliter, in der Slowakei in 15 (15) Brauereien 14.114(13.313) Hektoliter und in Karpathörußland in 1(1) Brauerei 1168 (1145) Hektoliter Bier. Vom Jänner bis Ende Oktober wurden insgesamt 6,861.676 (6,948.447) Hektoliter Bier ausgestoßen; also um 1.2 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres 1933. Citroen in Konkurs„Petit Journal" beschäf- titzt sich mit der finanziellen Lage des bekannten Chefs der Automobilwerke Citroen und meldet, daß die Citroen-Gesellschaft ihre Bilanz deponiert habe. Das Handelsgericht wird dir Untersuchung durchführen. und zu Ende der Woche entscheiden, ob die Gesellschaft gerichtlich liquidieren oder sich f a l l i t erklären wird. Den Informationen des Blattes zufolge werden alle Vprkehrungen getroffen werden, damit die Gesellschaft, nicht>dic Erzeugung einstellen müsse. ' Schmngglerauko' zertrümmert. Düs'„Mrliner Tageblatt" meldet aus Maastricht: Zollbeamte verfolgten ein mit drei Personen besetztes Schmugglerauto. Dieses fuhr in rasender Fahrt gegen einen Baum und wurde vollständig zer- trümrpert. Der Lenker, ein gewisser Willems, wurde getötet, seine beiden Komplizen schwer verletzt. von der Wasserpumpe hetunterspringe, was glaubst du?— Als man die gerösteten Kartoffeln zu Tische reichte, tvarf Susi ihrem Brüderchen einen Blick zu, aber Bill, im Eifer der Erzählung, hptte schon alles vergessen. Er erzählte seinem Vater, daß Mr: Krigs. der Lehrer, ihn heute in der Schule über die Sintflut gefragt hatte und was er dabei angestellt hat. — Nun, was hast du schon wieder angestellt? fragte neugierig der Vater. — Ja, das war eine unangenehme Sache. Mr. Krigs hatte mich aufgerufen und fragte: „Was kannst du mir über Noah erzählen? Wer war denn Noah?" Und ich antwortete.„Ich kann nur sagen, daß Noah ein Streikbrecher war. Er sst der einzige Gerettete, während alle anderen zugrunde gegangen sind." Bill schaute nach seinem Teller und sah, daß er verschwunden war. Er konnte sich aber ganz genau erinnern, daß im Teller noch eine ganze und eine halbe Kartoffel tvar. Warum haben sie ihm seinen Teller weggenommen, während er von Mr. Krigs erzählte? — Nun sah er, daß die Mutter alle Reste in ein Töpfchen sammelte. Und erst jetzt erinnerte er sich an die Worte Sust's und schloß den Mund, den er zum Fragen geöffnet hatte. Während der Nacht hatte kalter Nebel das Dörfchen eingehüllt. Irgendwo weit gab es Mondnächte, warme Meere, heiße Herzen. Aber hier, diese Gebirgserde war hart, die Schächte schwiegen', wie tot, und harter Kohlenschimmel lag auf den Dächern. Bill, der vom alten Noah und von heißen Kattoffeln träumte, erwachte, weil ihm kalt wurde. — Susi— rief er— schläfst du nicht? Warum ist es so kalt geworden?' '— Sprich leiser, Bill.— Ich glaube, weil gestern schlecht geheizt wurde./ Vater und Mutter schliefen auch nicht. Vater wickelte sich einen langen Schäl um den Hals, ging einigemale zur Tür und versuchte, beim Lichte der Laterne etwas zu erblicken. Als er wieder zurückk-chrte, legte er sich nicht mehr nieder, sondern setzte sich in die Ecke auf einen Schemmel. — Wie schaut es aus?— fragte die Mutter. — Das Barometer sinkt fortwährend. In den letzten drei Stunden ist es um 8 Grad kälter geworden. Vielleicht fällt Schnee- Schnellzug rast in eine Reiteravteil«»-. In Ksar el Kebir in Spanisch-Marokko ereignete sich am Mittwoch ein schwerer Unglücksfall. Eine Schwadron spanischer Kavallerie hatte im R e b e l den Weg über eine Eisenbahnbrücke genommen, als ganz plötzlich ein Eilzug hereinbrauste, der in boller Fahrt in die Reiter hineinfuhr. Ein Kavallerist wurde auf der Stelle getötet, zehn weitere Berittene wurden schiver verwundet. Auch mehrere Kavafleriepferde wurden das Opfer des Zusammenstoßes. Hauseinsturz: fünf Tote. Ein von Eingeborenen bewohntes Haus in Kairo ist einge- stürzt. Ein Mann, zlvei Frauen und zwei Kinder fanden, unter den Trümmern des Hauses den Tod. Blühende Touristik. Blättermeldungen zufolge hat der j u g o s l a w i s ch e Staat aus Einkünften der Touristik einen Betrag von 255 M i l- lionen Dinars eingenommen. Fünf maskierte Räuber überfielen am Donnerstag das Lohnbüro der Philadelphia-Electric Company, schlugen den Wachebeamten nieder und raubten einen Geldsack, der etwa 45.000 Dollar enthielt. Die Räuber entkamen unerkannt. Fahrlässige Tötung. Der Legationsrat der reichsdeutschen Gesandtschaft in Bukarest, W i s ch m a n n, wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, da der hohe Beamte des Arbeitsministeriums, der von Wischmann mit dem Automobil umgefahren worden war, gestorben ist. Wischmann wurde der Führerschein abgenommen. Wahrscheinliches Wetter heute: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, strichweise, leichter Niederschlag, ein wenig kühler, und zwar besortders im Nordosten der Republik. Im allgemeinen jedoch noch immer milde, bei vorwiegendem Südostwind. Vom Rundfunk ■mpfehlenswertes«im den Programmen» Samstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11.05: Konzert des Muzik-Salonquartettes, 15.55: Schrammelkonzert, 18.'05: Deutsche Sendung: Das Gotteskind, Weihnachtsspiel, 19.30: Tschechische Volkslieder. Sender S.: 14.30: Liederkonzert, 15: Deutsche Sendung: Lieder von Mufforgflij und Wolf, 18.20: Kinder, wir wollen turnen!— Brünn 12.35: Orchesterkonzert, 17.05: Tanzmusik, 17.50: Deutsche Sendung: Hausmusik: Mozart.— Mähr.» Ostrau 22.30: Orchesterkonzert.— Preßburg 19.55: Operette aus dem Studio. * Neberttagung von Radioempfangsgeräten. Der regelmäßige Betrieb des Rundfunkempfängers soll an dem Orte geschehen, der in der Konzessionsurkunde ausdrücklich angefühtt ist. Es ist jedoch ohne weiters gestattet, das Gerät zeitweilig zu übertragen lz. B. bei-Ausflügen, Sommerwohnungen u. ähnl.), ohne es dem Postamte melden zu müssen, und zwar weder im ständigen, noch im zeitweisen Wohnorte., Die Konzessionsurkunde, sowie die Zahlungsbestätigung für. den laufenden Monat hat Doch oer Rundfunkhorer ständig bei sich zu tra- gen. Der Konzessionär kann auch sein Gerät z. B. in die Turnhalle, in einen Vereins- oder Bvrtrags- saal usw. zwecks einer öffentlichen Wiedergabe mitnehmen. Findet aber die öffentliche Wiedergabe in einem Gasthaus oder dgl. statt, so wird sie— wie „Piehled Rozhlasu" schreibt, als eine Unterhaltungsvorführung betrachtet, die eine besondere Lizenz erfordert. Eine Stille trat ein. —- Morgen find unsere Vorräte an Kohle zu Ende— fing wieder die Mutter an.— Wir haben nur mehr so viel, um morgens das Teewasser zu kochen,. In der Ecke fing der Sessel zu ächzen an, als könnte er cfilf einmal die Last des Menschen, der auf ihm saß, nickt mehr ertragen. Aus der mütterlichen Ecke erklang wieder eine Stimme: :— Glaube nicht, Jack, daß ich Angst habe. Ein bifferl nur fürchte ich, das ist wahr. Die Kinder... Ist es denn nicht traurig... das ganze Leben für die Kohle gegeben zu haben und jetzt tötet sie uns, weil sie nicht mehr da ist. Aber ausharren muß man, Jack. Was kann man machen. Es gilt vor allem durchzuhalten. Denn, läßt der eine nach, dann tut es auch der zweite und so geht alles zugrunde. Morgen werde ich unseren Frauen Vorschlägen, der Reihe nach zu Heizen, um die Kinder zu erwärmen. Jack kam näher zum Bett. — Durchhalten muß man. Und wir beide werden durchhalten, sonst wäre ich nicht Jack Chiltschins, nicht wahr, Alte? - Nach drei Tagen hatte Bill Kopffchmerzen, dann Halsschmerzen, dann schmerzte ihm die Brust und dann alles. Mit drei Steppdecken und drei Mänteln zugedeckt, lag er da, die Augen geschlossen und öffnete sie nur, um Susi, ohne die er nicht leben konnte, etwas zu sagen. Meri-Anna, die die Hälfte ihrer Schönheit eingebüßt hatte, schlummerte zu seinen Füßen. — Susi— sagte Bill—- ist es denn gerecht, daß wir unser ganzes Leben für diese gute Kohle hergegeben haben und sie sich jetzt so boshaft zeigt? Susi schwieg. — Susi— sagte wieder Bill— mir scheint, jetzt bin ich krank genug, um Milch zu kriegen— was glaubst du? Man könnte den Federnreiniger, den du mir zum Geburtstag geschenkt hast, verkaufen. Aber es gilt durchzuhalten. Denn sonst läßt der eine nach, dann der zweite. Aber wir werden durchhalten, sonst wäre ick ja nicht, Bill Chiltschins— nicht wahr. Alte?— Wahr— antwortete Susi. Aus dem Russischen übettragen von Rccha Katz. Nr. LS8 Freitag, 21. Dezember 1934 Seite» 4 Gefangene Jeden Morgen singt«ns ein Bogel Kiwit, kiwit, er umkreist»nS schimmernd»nd steigt und flieht. Bang hör ich meinen Namen rufen, so weit, so«eit, Bogel singt daS düstere Lied dieser Zeit. Wir hacken die Erde nad graben hinab, hinab. Birlleicht kreiset der Bogel bald stber rin Grab. Flügellahm hinter dem Stacheldraht, dir Srrlr wund, blick ich dem dunllen Bogel»ach mit stummem Mund. Wir legen«ns nieder a«fS Stroh der Erinnerung Baum dehnt sein Geäst über uns Gefangene aus. Wir sind lei der Liebste« im Traum. Mancher flüstert leise im Schlaf, es«erzittert im Raum. Wir gehen in den Garten, da erwache ich jüh, ich brach dir eine Rose im Traum. Den wachen Sinnen entgleitet der Verlockung Saum. Die Seele war ei« Falter um drin Lockenhaupt im Traum... DrS Sommers Fülle ist dahin, entblättert steht der Wald. Die Tanne« zitter» im Rauh reif, es ist kalt. Dir tückische» Nebrkschwad« zieh» herüber vom Moor. Das Hungergekreisch der Raben gellt ans Ohr. Ihr schwarzen Bote» des Unglücks mögt unsre Gäste sei«! Wenn wir verbifle» schweige», dürst ihr schrei'»... HanS Kirn er- 21 Dortmunder Kommunisten verurteilt. Der IV. Strafsenat des Oberlandesgerichtes Hamm verhandelte gegen zahlreiche Dortmunder Kommunisten, denen Borbereitung zum Hochverrat, Beteiligung am Roten Frontkämpferbund sowie verbotener Waffen- und Sprengstoffbesitz zur Last gelegt, war. Die Verhandlung hat ergeben, daß der Röte Frontkämpferbund trotz Verbotes seit Sommer 1932 in Dortmund, insbesondere im Stadtteil Eving, wieder errichtet worden war. Der Strafsenat verurteilte 21 Angeklagte zu Zuchthausstrafen von einem Jahr drei Monaten bis sechs Jahren und 61 Angeklagte zu Gefängnisstrafen von einem Jahr bis zwei Jahren sechs Monaten. Die Malaria wütet auf Ceylon. Die Lebensmittelversorgung der Opfer der Malariaepidemie wird immer schwieriger. In zahlreichen entfernten Dörfern sind fast alle Einwohner zu schwach, sich auf den Beinen halten zu können; in anderen Gemeinden ist der Zustand der Bevölkerung noch schlimmer und viele Leute haben sehr wenig Hoffnung auf Genesung. Die einzige Art der Verhinderung des Massensterbens bilden Hilfsexpedit, ionen, und die vollkommen unentgeltliche Versorgung mit Lebensmitteln. Die Regierung veranstaltete Sammlungen für den nationalen Hilfsfonds. C h i n i n ist jetzt sehr teuer, da sein Vorrat ständig abnimmt und neue Vorräte noch nicht eingetroffen sind. Aus allen von der Malaria betroffenen Gebieten kommen traurige Nachrichten. Kriegsentscheidung durch Präsidenten? Das Staatsdepartement studiert eine neue Definition! der Neutralität. Einer Information der Revuej .Außenpolitik" zufolge, schlägt der ehemalige Ge- neral-Attwag aus den Jahren 1914 bis 1917, Warren vor, daß einzig und allein der Präsident der Vereinigten Staaten das Recht haben soll, die Neutralität aufzugeben oder zu entscheiden, wenn die Neutralität aufrecht erhalten wird. Der Präsident der Bereinigten Staaten wird diesem Vorschläge gemäß, welcher den Gegenstand des Studiums des Staatsdepartementes bildet, auch zu entscheiden haben, ob ein Konflikt als Anlaß zum Kriege anzusehen ist und ob er dem Kongreß vorgelegt werden soll. Malverbot für Max Liebermann! Nachdem Furtwängler fortgeekelt worden ist, geht die neudeutsche„Kultur" aufs Ganze. Dem greisen Max Liebermann, einem der größten deutschen Expressionisten, haben di« komischen.Kultur"-Feldwebel jetzt ein— einjähriges Malverbot ins HauS geschickt. 8S ist kein verfrühter Silvestettcherz, sondern eine Tatsache. Liebermann darf in diesen zwölf Monaten nicht nur nicht ausstellen, so verfügt die Reichskulturkammer, es ist ihm auch streng untersagt» zu malen. Wie kontrolliert man das? Werden sie dem großen Berliner die Pinsel und Farbe» als.staatsfeindlicher" Eigentum beschlagnahmen, werden sie einen Exekutor der Gestapo ins Künstleratelier setzen, der Tag und Nacht die Fessel kontrolliert, die die Kulturfeinde dem Genie Max Liebermanns angelegt hohen—? Was er verbrochen hat, der alte Mann—? Ein Satz ist sein Verbrechen, ein köstlich plastischer Satz, der in seiner lebfrischen Derbheit das ganze System der Sklaverei besser charakterisiert als tausend Leitartikel. Ein ausländischer Freund hatte Liebermann gefragt:„Wie geht es denn jetzt in Deurjchland?" Und Liebermann anttoortetc:„Man kann gar nicht soviel essen, wie man kotzen möchte!" Dafür straft ihn die„Reichskulturkammer"— mit einjährigem Malverbot. Sie haben es überhaupt mit den Verboten. Einem bekannten Architekten ist, ebenfalls für ein Jahr, das Bauen untersagt worden. Ueber ihn ist, auch im nationalsozialistischen Sinne, nichts „Nachteiliges" bekannt geworden. Aber sein Baustil ist's, der das wacklige System der Diktatur in den Grundfesten zu erschüttern droht und die gleichgeschal- tete Konkurrenz, sowie die ebenso unbegabten, wie alte« Kämpfer blaß vor Neid werden läßt. Und so ist die„Reichskulturkammer" der Ansicht, daß eS für den neuen Staat„nicht zu ertragen" sei, wenn„die deutsche Landschaft durch jüdische Projefte" verschandelt werde. Wenn man das alles so liest, ließe sich denken, daß hier besonders tückische„Miesmacher" und.Zersetzer" am Werke seien, die eifrig bemüht sind, mit besonders saftigen Pointen das Land der Totalität allen Unsinns im Umkreis von mindestens 5000 Kilometern unmöglich zu machen. Aber dem ist nicht so. Sie halten allen Ernstes für rassisch-kulturelle Regeneration, was für normale Menschen höchstens noch rüder Witzblattstil ist. WaS sie erreichen wollen, ist die Ausschaltung jedes ernsthaften schöpferischen Könnens, weil sie wissen, daß nur stupidestes Mittelmaß dem Regime der Ungeisttgkeit gegenüber loyal und ungefährlich bleiben wird. Wissen und Können bedeutet Distanzierung vom „Dritten Reich". So müssen sie die Leistung erschlagen, um nicht selbst von der Leistung erschlagen zu werden! Zucker— das ist ein Geschäft! Zucker ist eins der unentbehrlichsten Nahrungsmittel des Volkes. Die Tschechoslowakei gehört zu den bedeutendsten Zuckerproduktionsländern der Welt. Es gibt demnach genügend Zucker bei uns, ja, es gab in den letzten Jahren stets zu viel, so daß die Anbaufläche für Zuckerrüben und auch die Zuckerproduktion immer weiter eingeschränkt worden ist. Aber gleichzeittg sind zehntausende Familien, die Zucker nicht in genügenden Mengen konsumieren können, weil sie ihn nicht kaufen können, da er zu teuer ist. Der Zucker muß bei uns— übrigens auch in den meisten anderen Lünern— um ein Vielfaches teurer bezahlt werden, als er auf dem Weltmartt gehandelt wird. Vorstöße gegen die hohen Zucker-Inlandspreise sind bisher von den Zuckerproduzenten erfolgreich abgewehrt worden. Sie behaupten, niedrigere Preise vertrüge die Zuckerwirtschaft nicht. Das Inland müsse die hohen Preise bezahlen, um den Export, der aus Konkurrenzgründen viel billiger erfolgen müsse, überhaupt möglich machen. Ohne die hohen Inlands- preise sei der Export unmöglich und die Existenz der Zuckerproduktion gefährdet. Die Bilanzabschlüffe der Zuckerfabriken rede» nun freilich eine ganz andere Sprache. Dowett solche bisher für da» laufende Jahr veröffentlicht worden sind, weisen sie in der Mehrzahl recht er- liebliche Reingewinne auf. Es seien dafür auS den letzten Wochen ein paar Belege aufgeführt: Die Böhmische Gesellschaft für Zuckerindustrie erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Reingewinn von 8,622.000 Kronen gegen 8,008.000 Kronen im vergangenen Jahre. Es wird eine siebenprozentige Dividende, das find 14 Kronen pro Aktie, zur Ausschüttung kommen. Die Schönpriesner Zuckerraf- fin e r i e-A.-G. stellt fest, daß die Beschäftigung und auch die erzielten Preise besser sind als im Vorjahre. Die Dividendenaussichten für das abgelaufene Geschäftsjahr werden günstig beurteilt; eS dürste wieder eine Dividende von 20 Kronen je Aktie wie im Vorjahr zur Ausschüttung kommen. Die Lnndenbnrger Znckerraf- f i n e r i e-A.-G. erzielte mit 942.266 Kronen einen etwas höheren Reingewinn als im Vor-' fahre, auS dem wieder eine Dividende von 10 Prozent verteilt wird. Die Generalversammlung der Aussiger Zuckerraffineri e-A.-G. genehmigte den vorgelegten Geschäftsabschluß. Der Reingewinn beträgt 2,436.000 Kronen gegen nur 1,966.000 im Vorjahre. Die Dividende wurde auf 6 Prozent erhöht, ebenso wurde eine Erhöhung der Tantieme um rund 60.000 Kronen beschlossen. Der bedeutend höhere Reingewinn der Anffi- ger Zuckerraffinerie wurde erzielt, obwohl die Produktion geringer war alS im Vorjahr Trotz dieser recht beträchtlichen Dividenden ist eine Reihe von Zuckerraffinerie-Gesellschaften nicht in der Lage, den ganzen Reingewinn durch Dividendenausschüttung unterzubringen. Denn noch wesentlich höhere Dividenden könnte« aufreizend und alarmierend wirken. Darum greifen die Zuckerkapitalisten zu einem anderen Mittel, daS für Nichteingeweihte die horrenden Profite etwas verschleiert: sie erhöhen dtS Aktienkapital ihrer Gesellschaften. Richt etwa dadurch, daß neue Aktien auSgegeben werden, die an der Börse zu den üblichen Preisen gekauft werden können, sondern dadurch, daß die Gesellschaften die alten Aktten gegen neue umtauschen. Aber diese neuen Aktten kanten— nm ein Beispiel anzuführen— nicht ans 160 KC wie die alten, sondern auf 300 AL. Die Aktionäre erhalten also mit den neuen Aktten ein Geschenk von 100 Prozent. Ihr Kapital hat sich über Nacht verdoppelt, ohne daß sie etwaS dazu getan habe«. Da nun die Attionäre in keinem Falle nur eine Aktie, sondern meist hundert« von Aktten besitzen, so betragen diese Geschenke ost viele zehntausende Kronen! DaS dazu notwendige Kapital, daS Millionen Kronen beträgt, nehmen die Gesellschaften auS besonderen, auS Gewinnen in früheren Jahren aufgefüllten Fonds.. Diese riesigen Geschenke, die de« Zuckeraktio- nären in einem Jahr schlimmster Wirtschaft--»nd Finanznot in die Taschen fallen, werden obendrein noch verzinst. In vielen Fällen wird anf da» so erhöhte Aktienkapital eine rückwirkende Dividende gezahlt. Auf diese Weise werden die hohen Gewinne in der Zuckerwirtschaft untergebracht l So also wollen die nachstehenden Meldungen verstanden sein: Die ZuckerfabrikTrebiöov A.-G. hat das Akttenkapital von 9 Millionen AL zu Lasten des Stabilisierungsfonds auf 18 Millionen AL erhöht. Die Aktten zu 160 AL werden gegen neue anf 300 AL mit Dividendenberechttgung ab 1. Jänner 1934 umgetauscht. DerBerwaltungsratder Zuckerfabriken Schöller u. Co. A.-G. beschloß, der Generalversammlung vorzuschlagen, aus dem Reingewinn von 6,049.000 AL wie im Vorjahre eine Dividende von 7.6 Prozent auszuzahlen. Die Dividende ist Mar prozentuell unverändert, da aber inzwischen die Aktten von 400 auf 600 AL Nennwert aufgestempelt wurden, bedeutet dies prakttsch eine Erhöhung der Dividende um 60 Prozent, das ist von 30 auf 46 AL die Aktie. Zwei zum Schöllerkonzern gehörige Zuckerfabriken stempeln ihr Aktienkapital auS dem Stabilisierungsfonds auf. Die Chropiner Zulke r f a b r i k-A.-G. erhöht das Kapital von 7.2 auf 10.8 Millionen AL. Die Zuckerfabrik Brüx A.-G. von 1.63 auf 3.06 Millionen AL. Die Landwirtschaftliche Zuk- kerfabrik und Raffinerie in R ö m k i tz i. H. schlägt der Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals von 4 auf 8 Millionen AL durch Ausgabe von Grattsaktien zu Lasten des Stabilisierungsfonds vor. Die Erste mährische landwirt- sch östliche Zuckerfabrik in Kremsier erhöht das Aktienkapital von 1.46 auf 7.3 Millionen AL. Es erfolgt eine Aufitemplung von 200 auf 1000 AL. Von dem dazu erforderlichen Kapital werden 6.54 Millionen AL dem Stabilisierungsfonds und 300.000 AL dem Reingewinn des letzten JahreS entnommen. In dem letzten Falle werden ans 200 AL 1000 AL gemacht! Die Aktionäre, die nur 1.46 Millionen Kronen eingezahlt haben, erhalten 8.86 Millionen Ai geschenkt. Es sind wirklich gewalttge Sonderprofite, die den Zuckerkapitalisten zufallen. Und das in einer Zeit, in der bei uns zehntausend« Menschen nicht einmal das zu einem Stück trockenen Brotes notwendige Geld haben. Und eben diese notleidende Bevölkerung ist es, die mit dem teuren Zuckerpreis den Zuckerakttonären diese phantastischen Gewinne zahlen muß. Denn die Zuckerausfuhr, die 1926 rund 1 Million Tonnen betrug, ist bis 1933 auf 206.000 Tonnen zurückgegangen, und im Jahr 1934 weiter gesunken. Die Bilanzabschlüsse der tschechoflowattschen Zuckerindustrie schreien förmlich nach der schleunigen Herabsetzung der volkswirtschaftlich schädlichen Zuckerpreise. Ille Ballade von Pinsk Bon Erich Gottgetreu, Jerusalem. An einem Frühjahrsabend des Jahres 1919 schickte der polnische Kommandant der Stadt Pinst Truppen ins Volkshaus, in dem wett über hundert jüdische junge Leute gemütlich beisammen saßen, diskutierten, Zeitung lasen oder Schach spielten. Von der Diskussion weg, von der Zeitung weg, vom Schach weg wurden die Versammelten verhaftet und ins Gefängnis geschleppt, die Mädchen, die Frauen, die Männer. Alle hatten Mißhandlungen zu erdulden. Am nächsten Morgen entließ der Kommandant die Mädchen und Frauen. Die Männer, siebenzig an der Zahl, ließ er standrechtlich erschießen—„wegen revolutionärer Umtriebe". Die Angelegenheit kam vor den polnischen Sejm. Der verantwortliche Kommandant wurde bestraft. Noch Jahre hindurch lastete auf der kleinen Handelsstadt im Osten die Erinnerung an die grausige Tat. Noch Jahre hindurch stand der Wahnsinn des Verbrechens zwischen den Mauern der niederen Häuser wie giftiges gelbes Unkraut. Biele, die in der Blutnacht von Pinfl ihre Brüder ihnen und Freunde verloren hatten, wanderten aus. Sie Oie Frau des großen Kämpfers der österreichischen Arbeiterbewegung Koloman Wallisch' schildert das Leben, die Kämpfe und den Heldentod ihres Mannes. Das Buch umfaßt 260 Seiten, mit 16 ganzseitigen Bildern, in Ganzleinen gebunden, mit farbigem Schutzumschlag, auf holzfreiem Papier gedruckt, Preis RM 4.20. Für Organisationen Sonderausgabe. Erhältlich in jeder Buchhandlung. Bestellungen vermittelt unsere Verwaltung. Bevölkrrungspolitik bei den Nazi. Nachdem aus Deutschland nach der Machterschleichung Hitlers so ziemlich alle großen Geister und seriöse Menschen ins Ausland gegangen oder in Konzentrattonslagern interniert oder auf der Flucht erschossen worden sind, kommen dort nur noch Ignoranten, Verbrecher und Kreaturen zum Worte und was von ihnen kommt, das ist auch darnach. In Stuttgart erzählte vor kurzem ein Ministerialrat S t ä h l e den Angestellten u. a. folgenden hanebüchenen Blödsinn: Niemals sei, so fühtte er nach dem Bettcht deS „Württembergischen LandespreffediensteS" u. a. aus, gegen die drei Gesetze der Erhaltung der Zahl, des Erbwettes und des Blutes so gesündigt worden, wie in den 16 Jahren nach dem Kriege (ein Jahr Hitlerei eingeschloffen, d. Red.). Während noch zehn Jahre nach dem 70er Krieg auf 1000 Einwohner in Deutschland 42 Lebendgebo- rene kamen, habe diese Zahl zehn Jahre nach dem Weltkrieg nur noch 12 betragen. Die zahlenmäßig«!>?. Stärke eines Volles könne aber nur erhalten werden, wenn auf 1000 Einwohner mindestens 30 Lebendgeburten kämen. Dies bedeut«, daß auf jede Familie im Durchschnitt 3%, praktisch 4 Kinder fallen müßten. Deutschland fehlten sieben Millionen Kinder, die als Verbraucher ausfielen. S o sei die W i r ts ch a f t S no t geradezu eine Folge deS Geburten-> rückgangeS. Die Geschicke der Völker würden nicht in den Kabinetten, simdern in den Kindbetten entschieden werden. Dieses Musterexemplar eines NaziamtSwalterS ist ein sozial-wirtschafts- und bevötterungspolitisches Genie. 7 Millionen Arbeitslose können in den deutschen Betrieben nicht eingereiht werden, sind arbettsloS, die deutsche Industrie leidet an Devisen- und Rohstofftnangel und dieser deutsche Ministerialrat, der seine polittsche und wissenschaftliche Ausbildung in einer Baumschule genossen haben mag, empfiehlt jeder Familie 4 Kinder, da, wie er errechnet hat, 7 Millionen zum Fehlen kommen. Folgt man aber seiner Denkart, so wird die Frage nicht müßig sein, inwieweit, abgesehen von ihm selber, sich die hervorragendsten Repräsentanten des neudeutschen Regimes an die der Gesetze gehalten haben. Wieviele Kinder haben Hitler, Göring, Goebbels, Röhm, Heines, Heldorf, Feder, Rosenberg, Ley, Himmler, Heß und die ganze Gesellschaft, die daS neudeutsche Regiment führt und soweit sie den 30. Juni überlebt haben? alle hatten eine Hoffnung und ein Ziel: Erez Israel. Sie kamen ans Ziel. Gevaih, die„Kwuzzah Pinfl", liegt am Anfang des Emek in der Nähe von Haifa. Als ich vor mehreren Jahren zum erstenmal nach Palästina kam, waren an der Stelle der heutigen Siedlung nur einige Arbeiter zu sehen, die die neue Heimat mit einem Drahtzaun umzogen. Nun, im Winter 1934, finde ich jene Stelle wieder: ein blühendes, in sozialistischen Formen zusammengeschweißtes und bereits mit Ueberschuß arbeitendes Gemeinwesen mit siebenzig Erwachsenen, dreißig Kindern, weitem Getreidefeld, umfangreicher Tierzucht und einem werdenden Wald, dessen Name die Erinnerung an die ermordeten Brüder, die unschuldigen Opfer, die„Kiduschim von Pinst" trägt. * Die Mitglieder der Kwuzzah sprechen untereinander hebräisch, seltener jiddisch, und mit dem kleinen fünfjährigen Einwanderer aus Kottbus» dessen sich Heidje und Abraham elterlich annehmen, verständigt man sich vorläufig in gebrochenem Deutsch. Hans von Kottbus, jetzt Jehuda, antwortet munter im behäbigen Dialekt seiner Lausitzer Heimat. Eine schöne Gemeinschaft deS Frieden-, des Wohlstandes und des edlen Vorbilds ist dieses „Pinst" bei Haifa. Seite 6 »Sozialdemokrat, Freitag, 21. Dezember 1934. Nr. 298 PIIAGEB ZEITBNft im Traume zum Verbrechen werden. Die Regie des eindrucksvollen Abends lag in der künstlerischen Hand des Herrn D ost ä l; sie wurde durch die Ausstattung von V. Hofman ergänzt. m. i. „Das iunge Volk** erscheint am 1. Jänner Für Rothau-Neudek . Eine„WeihnachtS Montage" in der„Urania" Die„Montage aus' Prosa, Lied und Dichtung" die Fritz Walter Nielsen am Mittwoch abend in der„Urania" gemeinsam mit dem Vokalquartett Prof. Dr. Hermann E h m s und dem Schauspieler Viktor S o r d a n vorführte, galt einem verdienstvollen Zweck: der Linderung der unsagbaren Not in den Elendsbezirken von Rothau-Neudek. Dieser Zweck allein legitimierte vollauf dazu, vor die Oef- fentlichkeit zu treten, darüber hinaus war auch der neuartig-sachliche Stil dieser Weihnachtsveranstaltung bemerkenswert. Nielsen vermied es, ein Potpourri weihnachtlicher Stimmungsbilder zu geben; Charakteristisches, nicht Zufälliges, fügte er zusammen. Historisches stand, klug ausgewählt, neben Naiv-Beschaulichem und das starke Band dieser Montage war ein forderndes soziales Ethos, das auch vor grausamer Desillusionierung nicht zurückschreckte. So, als er, in feiner materiälreichen Reportage aus dem Hungergebiet, den verhüllenden Schleier frömmelnder Sentimentalität herunterriß und die Zahlen der Not in die weihnachtliche Idylle hineinplatzen ließ. Diese Reportage, auch szenisch gut gestaltet, war die eindringlichste Leistung des Abends. Das Ehm-Quartett, das Weihnachtslieder aus verschiedenen christlichen Epochen vortrug, sang mit Kultur und Disziplin, Innigkeit.und mit Wärme. Viktor S o r d a n war als Typ und Sprecher fstr die besonderen Aufgaben dieses Abends nicht sehr geeignet. Die Veranstaltung, deren. Reingewinn restlos nach Rothau-Neudek geht, hätte ein stärkeres Publikumsinteresse wohl verdient. Pierre. Anmeltmng« von Offizier« und Rottmeiste« zu« Disziplinarausschuß. Das Garnisonskommando von Groß-Prag fordert die Offiziere in der Reserve, nn Ruhestand und außer Dienst stehend, die im Range eines Unterleutnants bis Kapitäns stehen, weiters die Rotimeister. Stabsrottmeister und Fähnriche i. R., und a. D- stehend, die in Prag oder Umgebung woh- h«, auf. sich bis zum 13. Jänner 1935 zur freiwilligen Funktion als Mitglieder des Disziplinarausschus- ses der 1. Division zu melden. In der Anmeldung muß angeführt werden: Rang, Waffengattung oder Dienstgruppe, Verhältnis(i. R., a. D.. i. Reserve) Vor- und Zuname, Truppengattung, Wohnort und die Erklärung,- daß gegen die Angemeldeten keinerlei Gerichts- oder Disziplinarverfahren geführt wird. Rechtskundige Offizier« haben diesen Umstand in einer Anmerkung anzuführen. Kunst irnd Wissen „Lucia von Lammermoor" Geatano Donizetti gehörte in der ersten Hälfte des-19. Jahrhunderts zu den musikschöpferisch fruchtbarsten italienischen Komponisten. Es ist bekannt, daß er in einem einzigen Jahr« mitunter drei bis vier Opern aus dem Aermel schüttelte; in kaum 39 Schaffensjahren— er starb schon als. Einundfünfzigjähriger— schrieb er an 70 Opern. Seine Opernmusik ist typisch für den Opernstil der Zeit nach Rossini. Diesem großen Meister folgte Donizetti ebenso als Vorbild wie sein Zeitgenosse und Rivale Bellini. Di« Rivalität Bellinis hatte auf Donizettis Opernschasfen übrigens wohltätigen Einfluß; man sagt, daß sie ihn zu gründlicherer künstlerischer Arbeit zwang. Gerade di« Opern D o n i z e t t i s, die er im Wettbewerb mit Bellini komponiert«, sind seine besten; so der „L i e b e s t r a n k", vor allem aber die„L u- eia". Ebenso wie Rossinis Opern zeichneten sich mich Donizettis Opern durch blühenden Melodien- reichtiim und leichte Konzeption aus; aber in der Durchführungstechnik und künstlerische» Sorgfalt reichen sie nicht an jene heran. Die einseitige Bevorzugung des gesanglichen Prinzips in den Opern Donizettis ist für ihre dramatische Wirksamkeit nicht immer vorteilhaft. Auch die.Lucia von Lamin e r m o o r" lehrt dies. Das Orchester ist in ihr von durchaus untergeordneter Bedeutung,' eigentlich nur Begleitmittel zum Gesang, den es nicht einmal immer ausdrucksentsprechend unterstützt. Vergeblich wird man in dieser Oper selbständige instrumentale Stellen suchen; alles ist den Singstimmen überlassen, nicht einmal eine Ouvertüre hat der Komponist dieser Oper vorangestellt. Den Singstimmen allerdings hat Donizetti in seinen Ope« ebenso bedeutende wie wirkungsvolle Aufgaben zugewiesen. In der„Lucia" nicht, nur der Titelheldin sonde« auch fast allen übrigen Darstellern. An Opernbühnen, die über schöne und virtuos geschulte Stimmen verfügen, ist mit Donizettis Opern noch immer Furore und ein Geschäft zu machen. Die mehr leichtbeschwingt« als dramatisch tief« Kompositionsw«ise Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab.....,., 1934 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GostoKemotrar Verwaltung Prag XU., Fochova tf. 62, zum Preise von 16 liö monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name:. Genaue Adresse:. Setzte Post: Unterschrift: Donizettis macht es erklärlich, daß vor allem seine heiteren Opern— gestützt auf glückliche Inspiration und Invention— ausgezeichnet sind. Der „D on Pasqua l-e" gilt mit Recht als eines der besten Werke der komischen Opernliteratur und auch die„R e g i m e n t s t o ch t e r" gehört zu den guten Schöpfungen dieser Operngattung. Die.Lucia von Lamm«rmoor"ist ein ausgesprochen dramatisch-ernstes Werk; Donizetti hat sie selbst als t r a g i s ch« Oper bezeichnet. Ihr Textbuch hat Salvatore C a m e- r a n o nach Walter Scotts Erzählung„D i e Braut" verfaßt. Der Inhalt der Oper dreht sich um eine unglückliche Liebesgeschichte. Lucia soll, um ihren Vater vor dem Ruin zu retten, eine Heirat nach dessen Wunsch eingehen. Aber sie liebt Edgar, den Feind des väterlichen Hauses. Um diese Liebe aus ihrem Herzen zu reißen, greift ihr Vater zu einem schändlichen Mittel: er läßt einen Brief an Lucia gelangen, in dem die Untreue Edgars geschrieben steht. Nun fügt sich Lucia und vermählt sich dem Wunsch« ihres Vaters entsprechend. Aber die Vermählungsfestlichkeiten werden durch Edgars Erscheinen gestört, der Lucia wegen ihrer vermeintlichen Untreue anklagt und die Arme trotz aller Beteuerungen von sich stößt. Lucia wird in ihrem Liebes- schmerze wahnsinnig und erdolcht den ihr aufgezwungenen Gatten. Von Wahnsinn und Liebesleid erlöst sie der Tod. Als Edgar das tragische Geschick der Geliebten erfährt, macht auch er seinem Leben ein Ende. Bei der glücklichen Zusammensetzung seines gegenwärtigen Opernensembles, das über eine glänzende Koloratursängerin ebenso verfügt wie über einen ausgezeichneten lyrischen Tenor und belcantofesten echten lyrischen Bariton» durfte sich das Pra- gerDeutsche Theater mit Recht an die Wiederaufführung der.Lucia" Donizettis wagen. Man erlebte gestern einen Opernabend, dem schöne Gesangstimmen und virtuose Gesangstechnik das Gepräge gäben. Rose Book, anfänglich unsicher und tonunrein, war in der Wahnsinnszene eine Lucia von blendender gesangstechnischer Virtuosität, Hage» ein gesanglich brillanter und nobler Lord, R i a v« c ein durch Stimmglanz begeisterter Edgar. Leider waren die kleineren Partien der Oper nicht durchaus befriedigend besetzt. Fritz Z w e i g als musikalischer Leiter der Oper war bestrebt, ihren italienischen Charakter durch starke dynamische und rhythmische Gegensätze zu bewnen und sah auf musikalische Genauigkeit und Sauberkeit. Renato M o r d o s stilvolle und in den Details sorgfältige Inszenierung und Spielleitung unterstützte wirksam das musikalische Bild. Schade nur, daß dieser italienisch« Opernabend knapp vor Weihnachten ins Werk gesetzt wurde, also in einer Zett, da das Publikum für Operngenüffe wenig Sinn und Geld übrig hat. E. I. „Und der M«sch weiß nicht, wie.. Luigi Pirandello kam von Stockholm, wo er den Nobelpreis für Literatur bekam, nach Prag, um der Welt-ltrausführung seines Dramas beizuwöhnen, di« am 19. De»zember im Na-tional- t h e a t e r stattfand.„Der Mensch weiß nicht, wie..." er dazu kommt, ein Verbrechen zu begehen, im Traumzustande, unbewußt und keine Reue verspürend, bis ein zweites Verbrechen, aus demselben Zustande heraus, ihn aus der Scheinsicherheit aufrüttelt. Romeo Daddi begeht mit der Frau seines Freundes, mit Ginevra Vanzi, einen Ehebruch. Die Ungeduld der leidenschaftlichen Frau, die ihren Mann erwartet, die Sonne, das Meer, warfen diese beiden Menschen einander in die Arme, ohne daß sie für einander mehr als bloße Freundschaft gefühlt hätten. Und doch erweckt dieser Treubruch ist der Seele des Mannes die dort dreißig Jahre vergrabene Schuld eines Mordes aus seiner Kindheit, als er unbewußt und uuschuldZvoll, erregt durch den Anblick einer toten Eidechse, einem Landjungen mit einem Stein den Schädel einschlug. Romeo Daddi verfällt dem Wahnsinn, in dem er in den Augen der ihn umgebenden Fremwe zu ergründen sucht, ob in ihren Seelen auch eine verborgene Erinnerung an ein begangenes Verbrechen ruht; zu erlauschen versucht, ob jeder Mensch eines Verbrechens fähig wäre, von dem er nicht wciß, wie... In der Angstftunde seiner Seele beichtet er seinem Freunde Giorgio Vanzi seinen Mord aus den Kindheitsjahren, gibt die Möglichkeit eines zweiten Verbrechens zu und erweckt den Verdacht seiner Frau und seines Freundes. Er verträgt nicht mehr die Lüge, in die er sich verstrickt, sucht nach Wahrheit, die nur«inen Ausweg gibt, der gleichzeittg ein Ausweg aus dem Löben ist— der Tod. Er empfängt ihn aus der Hand des Freundes, der beruhigt und versöhnt, durch das plötzliche Geständnis des Freundes zum Mörder wird.— Die Handlung des Schauspiel wird von fünf Personen getragen. Den Romeo Daddi gab Herr Stipänek, der seiner Rolle künstlerisch voll gerecht war. Herr Ste- pänek wächst zu einem großen Charakterdarsteller heran, fühlbar hauptsächlich in den Szenen des dem Leben entrückten Wahrheitsfanatikers, der Selbstzerfleischung einer Dostojevski'schen Gestatt, schuldigunschuldig seine Strafe erwartend von einem Gott, der das Erdbeben sandte und keine helfende Hand dem Menschen bot. Herr S t e i m a r gab den -Lieutenant Giorgo Vanzi mit der Frische seiner Natürlichkeit, der brutal das Geständnis seiner Frau erzwingen will und nur ungewollt zum Instrument der ttagischen Schicksalserfüllung wird. Der Nicola Respi des Hemm Otto Rubtk ergänzte in vollkommener Weise den Männerkreis um zwei Frauen. ■— Frau Mila P a i o v ä gab in der Ginevra Vanzi die Frau, die durch ihre Leidenschaft das Schicksal herausbeschworen hat und es mit der ganz« Kraft der liebenden Frau zurückhalten will. Ihre Worte klangen echt, ihr Spiel war überzeugend, als sie mit allen Mitteln des Weibes um das Glück kämpfte. Frau Schejbalovä ftel die Rolle der reinen, seewellenklaren Frau Bice zu. Es war eine hervorragende Leistung dieser jungen Schauspielerin in der Rolle der jungen Frau, di« halb gezwungen und halb sich zwingend, das Opfer auf sich nimmt, das zu scheinen, was sie für die Genesung des Mannes als notwendig erachtet: einen Menschen darzustellen, in dessen Seele Regungen schlummern, die „Studio 1934". Der lustige Ringelnah-Abend wird am 26. Dezember 8%(2. Feiertag) in der Urania des großen Erfolges wegen wiederholt. Wochenspielplan des Reu« Deutschen Theaters. Heute Freitag halb 8:Menschen in Weiß, DI.— Samstag halb 8: Der Charmeur von London, Ensemblegastspiel des Scala- Theaters-Wien mit Albert und Els« Basser- m a nn, Ernst Deutsch etc. C 2.— Sonntag halb 3. G iu d i t t a, halb 8: Der Charmeur von L o n d o n, D 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Freitag 8lj: Schule für Steuerzahl« r.— Freitag 8%: Schul« fürSteuer- zahler.— Samstag 4%: Max und Moritz, Gastspiel der Sudetenbühne: 8:Das Gottes- kind.— Sonntag 3^: Max unh Moritz, 8: Schul«für Steuerzahler. Bia Byron spielt die Hauptrolle in dem neuen Mach ath- Film„Rocturno". Filnrskandal in München. Am vergangenen Samstag organisierten Münchener Iiazis eine Aftion gegen den. Film„Das Mädchen von Wim". Der englische Schauspieler R i s c o e wird von den Nazis für einen Juden gehallen. Ein Zeugnis Wer seine nichtjüdische Abstammung hat er zwar vorgelegt, trotzdem aber ist ein früherer Film wegen seiner Mitwirkung durch die Goebbels-Zensur verboten worden. Als Riscoe nun in dem Wiener Film mtt Magda Schneider zusammen erschien, machten etwa 100 Hitlerianer auf ein Signal Krach. Sie schrien und brüllten das Kommando:„Deutsche hinaus I Es ist ein Skandal, daß ein Jude mit einer Deutschen flirtet." Der Krawall hatte den. Abbruch, der Vorstellung und die Absetzung des Films zur Folge. Riscoe hat ein Protesttelegramm an Goebbels geschickt. Sport• Spiel» Körperpflege Feierliche„Uebergabe" eine» Randes Am 15..Dezember wurde di« Arb eiter- Turn- u nd S Port s chul e in L e ip z i g unter Anwesenheit von Regierungsvertretern der Universität in Leipzig übergeben. Der Vertreter des sächsischen Ministeriums sagte über den früheren„Bou- zenpalast":- „Das Leipziger Institut für Leibesübungen hat nun' auch das Gebäude erhalten, das' es auch äußerlich zum idealen Vorbild für ganz Deutschland stempelt." Prof. Altrock, der- Leiter des Instituts, fand den Mut zu sagen, daß diese Stätte von den ehemaligen Arbeitersportlern geschaffen worden ist. Er meinte, daß der neue- Stil-des Feierns nicht den Triumph des Siegers in den Vordergrund stellen soll, sondern die Besinnung auf neue Taten. Dieser Satz war sicher an die Nazi gerichtet, die den Raub der Schule als großen Siegnfeierten. In dem Bericht heißt es weiter:„Ein neues Ausstattungsstück, ein Epidiaskop, war von den„Ehemaligen", des Instituts gemeinsam mit den Assistent« heute erst Prof. Altrock als Ehrengabe überreicht worden." Wir stellen fest, daß von einer„Uebergabe" der Schule von den „Ehemaligen" keine Rede sein kann. Di« Schule ist, wie alle Arbeiterinstttutt, gestohlen worden. Die deutschen Arbeitersportler werden nie vergessen, daß die Erbauer und Verwalter der Schule von den braunen Horden mit dem Gummiknüppel aus ihr verjagt wurden. Der bisherige Vorsitzende des intemattonalm Fußballausschusses der SÄSJ, Genosse L a l e- mend(Brüssel), hat sein Amt niedergelegt. Die belgische Fußballsektion wählte den Genossen Nobels in den internationalen Fußballausschuß. Der Fachausschuß für Fußball besteht nun aus folgenden Landesvertretern: Nobels(Brüssel) als Vorsitzenden und den Mitgliedern Dr. I. Michalowicz (Warschau) und Gustav Erlacher(Weiskirchlitz). „Das junge Volk" ist die Zeitschrift der fortschrittlichen jungen Generation. Es gehört in die Hand jedes jungen Arbeiters, Angestellten und Studenten. Bestellungen sind zu richte« an die Verwaltung Prag XII., Fochova 62. Der Berbandstag der Schweizer Arbeitersport- ler wurde auf den 6. bis 7. April 1935 angesetzt. Er findet diesmal im Volkshaus-Limmathaus in Zürich statt. Der Berbandstag wird sich neb« der Entgegennahme der verschiedenen Berichte in erster Linie mit dem Unfallwesen, Beitragsfragen und technischen Fragen zu befassen haben. Am 23. und 24. Feber ftndet in Bern eine Zentralvorstands- sihung statt. Diese hat zur Hauptsache die Geschäfte des Verbandstages vorzubereitcn. Internationale Fußballspiele in Belgieu. In der letzten Sitzung hat das Landeskomitee der belgischen Arbeiterfußballer beschlossen, im Jahre 19 3 5 mehrere internattonale Spiele zu organisieren. Holland wird eingeladen werden, zwei Spiele während der Osterfeiertage zu absolvieren. Eine mitteleuropäische Mannschaft soll bei der großen Veranstaltung anläßlich der Ausstellung im Juni 1935 Spiele austragen. DaS nächste schweizerische Arbeiterskireuncn ist in die Zenttalschweiz verlegt worden. Es ftndet am 20. eventuell 27. Jänner 1935 in Unter- ä g e r i im Kanton Zug statt. Die Skibereinigung des Kantons Zug hat die Organisation übernom- men. Nach den letztjährigen Erfahrungen zu schlie- ß«, ist mit einer sehr regen Beteiligung zu rechnen. Die Zugerberge, dieses ideale Skifahrergelände, dürfen sich also auf ein« Massenbesuch der Satus- Sportler gefaßt machen. Sozialversicherung in den Bereinigten Staaten von Amerika PM. Auf dem letzten Kongreß des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes nahm der Arbeitenminister Miß Per k i n s in ihrer Begrüßungsrede Stellung zu den Fragen der Sozialversicherung. Sie führte u. a. aus: „Der Ausschuß für wirtschaftliche Sicherheit, der vom Präsidenten Roosevelt errichtet wurde und in dem ich den Vorsitz führe, prüft jetzt eingehend die Frage der Sozialversicherung und darunter besonders die Arbeitslosenpflichtversicherung und Altersversicherung. Die Sozialversicherung ist in den Bereinigten Staat« nicht vollständig neu, den» , in 44. Bundesstaaten werd« die Gesetze über die Enffchädigung bei Arbeitsunfällen durchgeführt, die zum mindesten ein« begrenzten Schutz geg« Arbeitsunfälle und in bestimmt« Fällen auch geg« Berufskrankheit« gewähren. 46 Bundesstaate« führ« Gesetze Wer Witwenrenten durch, und 28 Bundesstaat« haben eine besttmmte gesetzliche Regelung für Altersrenten. Ein erstes Arbeits- losenversicherungsgeseh wird gegenwärtig in einem Bundesstaat(Wisconsin) durchgeführt. Wen« die Arbeitslosenversicherung in den Vereinigten Staaten bereits vor 1929 eingeführt gewese« wäre, so hätte in vielen Fällen die Schwere der Wirtschaftskrise ge« mildertwerdenkönnen. In seinem Bericht an den Kongreß unterstrich die Leitung des Amerikanischen Gewerk- schastsbundes das sich steigernde Interesse für die Einführung der ArbeiElosenversicherung in den Vereinigten Staaten. Während der letzten acht Monate des Jahres 1933 sind mehr als 60 Gesetzentwürfe in 25 Bundesstaaten zu dieser flrage eingebracht worden. Der Kongreß nahm eine Entschließung an, durch die die Bundesregierung aufgefordert wird, die Bundesstaaten durch Bundesmittel für Arbeitslosenversicherung zu unterstütze n für den Fall, daß die Verfassung die Errichtung einer einheitlichen Arbsitslosenpflichiver- sicherung für das ganze Bundesgebiet nicht zulasse. Fredika Deutscher Emigrant sucht Verbindung mtt „Freund« der internationalen Kleinarbett" zwecks Gedankenaustausch und Vervollkommnung der englisch« Sprache. Es wirb um Angabe der Adresse der Ortsgruppe an die Verw. des„Sozialdemokrat"" gebet«. Urania-Kino, Klimentskä 4. - Fernsprecher 61623. Ad ffreitoa: Jede Frau hat ein Geheimnis Entzückende Lustspicl-Overette. Statin Hardt, Sddnker, Thtnita. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Ki 16.—, vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kä 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tcle- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewMgt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.