I r Samstag, 29. Dezember 1934 14. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Ehmipreis 70 IMter (ehnchliefiüdi 5 HdiNloto) BESCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii„ fochova a. telhon sm. Administration teiefon sm. HERAUSGEBERt SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHBJA NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Wir machen nochmals alle Kolporteure und Abonnenten darauf aufmerksam, daß unsere Ausgabe am2. Jänner entfällt, da am Neujahrstag nicht gearbeitet wird. Die Verwaltung. Schacht beseitigt auch Darrä Berlin. Die Stellung des Reichswirtschaftsministers und Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht wird immer mehr die eines Wirtschaftsdiktators. Daran dürfte jetzt auch der Reichsernährungsminister Dr. Walter Darre glauben müssen. In unterrichteten Kreisen wird behauptet, daß Dr. Darre infolge wiederholter Zusammenstöße mit Dr. Schacht vorläufig beurlaubt worden ist. Schacht wendet sich insbesondere dagegen, daß Darre die radikale Politik, die er auf landwirtschaftlichem Gebiete verfolgt, auch allgemein ausgedehnt wissen will. Die Hauptzusammenstöße bezogen sich auf die Regelung der Marktpreise. DarrL habe zwar noch nicht seine Demission gegeben, da er vom radikalen Teil der Partei stark unterstützt wird. Deshalb hält er seine Polstik auch noch nicht für gefährdet und er hat auch einen Neujahrsaufruf an die Bauern erlaffen, in welchem er sie ermahnt, in der Erzeugungsschlacht auszuharren. Französische Blätter konfisziert Das Hava s-Düro meldet auS Berlin, daß Donnerstag fast sämtliche französischen Blätter in Deutschland beschlagnahmt wurden. Dir gestrigen französischen Blätter veröffentlichten nämlich neben den Artikeln über die Mafsenver- haftungen und die Unruhe in Deutschland auch den Hinweis, daß der Reichskanzler in seinem Buch„M ein Kampf" die Frankreich beleidigenden Absätze abändern will. 405.000 Arbeitslose in Frankreich Paris. Die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich beträgt nach einer Statistik des Arbeitsministeriums Ende Dezember 405.000 Personen. Davon sind 323.000 Männer und 82.000 Frauen. Es ist dies die bisher höchste Arbestslosenzahl während der letzten Krise. Neue Spuren der Blondine von Marseille Paris. Blättermeldungen aus Marseille zufolge wurde die Spur der gesuchten Blondine, der Genoffin der kroatischen Terroristen, bekannt unter dem(offenbar falschen) Ramen Bon» d r a L e k, gefunden. Sie soll eigentlich Alsatz heißen Ihre Spur wurde in Dieppe und Berlin, in Oesterreich, Italien und in der Schweiz gesunden. Latente Kabinettskrise In Spanien Madrid. Der Ministerrat hat im Einvernehmen mit dem Staatspräsidenten das bereits vor einigen Tagen eingereichte Rücktrittsgesuch des Unterrichtsministers Billalobos genehmigt und an seine Stelle den Abgeordneten der liberal-demokratischen Partei Dualde berufen. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß demnächst noch weitere Veränderungen im Kabinett erfolgen werden, da zwei Ministerien vertretungsweise von anderen Ministern mitverwaltet werden. Azafta freigesprochen Madrid.(HavaS.) Der Oberste Gerichtshof sprach mangels an Beweisen A z a L a frei, der beschuldigt wurde, an der katalanischen Aufstandsbewegung teilgenommen zu haben. Hie„Unabhängigkeit der HallcnlsdKii Kolonie Ocstcrrcldi Eben propagiert die römische Politik wieder einen neuen Plan zur Sicherung der österreichischen„Anabhängigkeit". Frankreich und die Kleine Entente sollen gemeinsam mit Italien und allenfalls auch mit Deutschland und Angarn Oesterreichs Anabhängigkett garantieren. ZnWahrheitgibtes diese AnabhSngigkeit nicht. 3« Wien regieren nur die Beauftragten Mussolinis, Oesterreich ist nichts als ein großes Außenwerk der Waffenstar- renden Festung Italien. Das geht mtt aller Deutlichkett aus einem Artikel des in Luzern erscheinenden Schweizer Blattes„Vaterland" hervor, mtt dem fich das heutige „Prävo Lidu" ausführlich beschäftigt. Das katholisch- konservative„Vaterland" ist über Oesterreich stets ausgezeichnet informiert, sei» Wiener Berichterstatter ist niemand geringerer als der Ehesredaktenr der Reichspost, Dr. F« n d e r. In dem Schweizer Blatt erschien nun ei» Artikel, in däm dargetan wird, daß Oesterreich seit dem Freundschaftsvertrag von Rieeione mtt Italien auch eine regelrechte Militärkon- v e n t i o n hat. Auf Grund dieses Abkommens gehen die Heimwehroffiziere zur Ausbildung nach Italien, während italienische Offiziere unter Führung ortskundiger Helmwehroffiziere das Terrain an der jugoflawischen Grenze studiere«. 3« der Hirtenberger Patronenfabrik des Herr« Mandl(Finanziers des Starhemberg) find drei ttalienische Sachverständige beschäftigt. Während Flugzeuge und Geschütze von Italien geliefert werden, erzeugen die österreichischen Fabriken selbst in großen Massen Stahlhelme, Gasmasken, MG- Schutzschilde und Handfeuerwaffen. Das Schweizer Blatt macht die Rachbar» Oesterreichs darauf aufmerksam, daß zwischen Italien und Oesterreich die engste Zusammenarbett auf militärischem Gebiet besteht. Besonders die Geldgeber Oesterreichs mögen untersuchen, was mtt ihrem Gelde gemacht wird. Das„Prävo Lidu" fieht in dem Ar- tikel des Luzerner katholischen Blattes, der fich offenfichttich gegen die Regierung Schuschnigg-Starhemberg richtet, einen Angriff des anti-italienisch en Fl ügelL der Christlich s o z i a l e n auf de« Kurs der Heimwehr und der Vaterländischen Front. Es schließt fich der Meinung an, daß die militärische Zusammenarbeit Oesterreichs mit Italien die größte Beachtung aller interesfierten europäische« I Staatskanzleien finden müsse. Der moralische Verfall des Nationalsozialismus Kultusminister Rust; 10 Millionen und eine Villa Der„Neue Vorwärts"bringt in seiner letzten Ausgabe wieder'haarsträubendes Material über die Bonzen-Korruption im Dritten Reich. Im Zuge der Maßnahmen gegen die nationalsozialistische Opposition wird den Gauleitern auch der geschäftliche und politische Einfluß auf die Parteizeitungen entzogen. Da diese Blätter fast durchwegs Privatunternehmungen der Gaubonze« waren— ein Zustand, der in der sozialdemokratischen Bewegung überhaupt nicht denkbar ist— werden die Pg. Gauleiter mit horrenden Summen abgefunden'. Wie sich dieses Geschäft für die Nazibonzokratie rentiert, darüber werden im Falle des Kultusministers Rust aufreizende Ziffern bekannt. Rust gründete zusammen mit einem gewissen Behrendt vor einigen Jahren in Hannover ein nationalsozialistisches Käseblättchen. Zu dem Stammkapital per 18.000 Mark steuerte Rust 7000 und Behrendt 6000 Mark bei. Der Betrieb wurde nach der nationalen Revolution bedeutend erweitert, nachdem er sich den ganzen gestohlenen Maschinenpark des sozialdemokratischen»Volkswille" einverleibte. Diese Wertsteigernng wurde nun auch bei der Uebernahme des Razivlattes durch die Partei berücksichtigt und Rust erhielt die nette Summe von 1,200.000 Reichsmark(über 10 Millionen K£) als Entschädigung. Der braune Kultusminister erwies sich bei der Transaktion aber als ein gediegener Geschäftsmann, denn er zahlte seinem Kompagnon treu und bieder— 6000 Mark zurück. Behrendt, ein»alter Kämpfer", eilte wutschnaubend zum Stellvertreter des Führers, Heß, und verlangte seinen vollen Anteil an der Beute. Heß intervenierte in diesem Sinne bei Rust, aber erfolglos. Behrendt mußte sich mit den 6000 Mark begnügen und schlug darob Krawall. So hat die nette Geschichte auch ihren Weg in die sozialdemokratische Auslandspresse gefunden. Rust bekommt auch eine Villa Kultusminister Rust— der neugebackene Millionär— findet, daß seine Dienstwohnung zu klein sei. Er läßt sich eine Villa bauen, natürlich auf Staatskosten. Die Möbel für diese Villa werden aus staatlichen Schlößern beschafft. Röhms Nachfolger Lutze läßt sich eine große Villa bauen. Kosten 250.000 Mark, dazu 100.000 Mark für die Inneneinrichtung. Lutze hat sich dagegen gesichert, daß ihm dieser Aufwand einmal zum Vorwurf gemacht werden könne wie Röhm— er hat sich die Zustim- mung des Führers dazu verschafft. Die Wohnungen dieser beiden Parasiten kosten ungefähr das Doppelte der Summe, die in Berlin am»Tage der nationalen Solidarität" eingegangen ist. Die Geber wissen nun wenigstens, wofür sie gezahlt haben. Hitler kriecht zu Kreuze Berlin. Z« der bereits gemeldeten Absicht des Reichskanzlers Hitler, in der nächsten Ausgabe des Buches„Mein Kampf" gewiffe Aendrrungen vorzunehmrn, verlautet weiter» daß vor allem das Borwort ganz umgearbritet werden soll und daß jetzt Adolf Hitler in demselben die Wichtigkeit einer französisch-deutschen Annäherung unterstreichen wolle. Hitler werde in dem Borwort weiter erklären, er sei zu der Nebrr- zrugung gelangt, daß eine Wiederversöhnung zwischen den beiden Völkern für das Werk des Friedens notwendig sei. i Logik des Terrors Von R. Abramowitsch Wie ein Blitz aus heiteren Himmel kam das Attentat auf Kirow, den Diktator von Leningrad, den zweiten Mann nach Stalin. Hoch stand der Sowietstern am diplomatischen Himmel'und Litwinow feierte seine höchsten Triumphe. Auch die Ernährungssorgen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten schienen überwunden zu sein. Wenigstens erklärte die Sowjetregierung, in der Lage zu sein, das Lebensmittelkartensystem abzuschaffen und, gestützt auf die riesigen Getreidevorräte, die sie angesammelt hatte, die reibungslose Versorgung der Bevölkerung mit Brot zu gewährleisten. Nicht minder glänzend schien die finanzielle Lage der Sowjetunion nach außen hin zu sein: günstige Handeübilanz infolge großer Goldausfuhr, lockende Kreditangebote von verschiedenen Seiten. Rußland schien wieder, wie in den Glanzjahren der Zarenzeit, zum Schiedsrichter Europas zu werden. Und gerade in diesem Augenblick der höchsten Erfolge zieht ein junger Kommunist seinen Dienstrevolver und erschießt einen der höchsten Funktionäre seiner Partei, einen der»vergötterten Führer" seines Sowjetstaates. Vergeblich waren die Bemühungen der Sowjetpresse, ihre Bestürzung und Verlegenheit hinter donnernden Tiraden über»Klasienfeinde" und«ausländische Verschwörer" zu verstecken. Der Attentäter Nikolajew ist kaum 30 Jahre alt. Als die bolschewistische Revolution ausbrach, war er kaum 13 biS 14 Jahre alt. Er gehörte offenbar auch nicht den»kapitalistischen Klassen" an, denn wäre er ein Sprötzling einer Adels- oder Bourgeoisfamilie, so würde man das sofort veröffentlichen: die Sowjetbehörden haben sonst nicht die Gewohnheit, die kapitalistische Abstammung ihrer Feinde zu verschweigen! Also es steht fest: Nikolajew war ein Arbeiter- oder Bauernsohn, der sich in ganz jungem Alter ohne Zögern auf die Seite der bolschewistischen Revolution stellte, Mitglied der Kommunistischen Partei wurde und einen Posten in dem wichtigen Kommissariat der »Arbeiter- und Bauerninspektion" bekleidete. Warum hat nun dieser proletarische Revolutionär und Kommunist auf den Kommunistenführer Kirow geschossen? Einige ausländische Blätter, die gewöhnt sind, überall»cherchez la femme", haben die Vermutung ausgesprochen, es handelte sich in dem Konflikt zwischen Kirow und Nikolajew um eine Weibergeschichte. Natürlich sind auch die»eisernen Bolschewiken" der Liebe und der Eifersucht zugänglich. Aber wenn es sich wirklich um einen rein persönlichen Konflikt handelte, warum sollte die Sowjetpreffe von»Sendlingen der Klassenfeinde" sprechen, warum mußte die Sowjetregierung 103 vollkommen unbeteiligte Personen erschießen lassen? Dann wäre es doch das einfachste und auch für die politischen Zwecke der Söwjetregierung das Günstigste— einfach den vollkommen unpolitischen Charakter der Leningrader Tragödie festzustellen. Ach nein, das in Leningrad war keine Eifersuchtstragödie. Nicht aus Rivalität um die Liebe einer Frau erschoß der Kommunist Nikolajew den Kommunisten Kirow. Die Hintergründe sind rein politisch gewesen. Das unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, das mußte nun auch die Sowjetregierung nach drei Wochen verlegenen Schweigens endlich zugeben. Nikolajew soll nach den nunmehrigen sowjetoffiziellen Mitteilungen einer kommunistischen Oppositionsgruppe angehört habe«, die die Politik der Parteiführer durch Terrorakte zu bekämpfen suchte. Man braucht nicht jedes Wort der offiziellen Sowjetmitteilungen als die heilige Wahrheit zu betrachten. Wit wissen ganz getiau aus eigener traurigen Erfahrung, wie die GPU »Tatsachen" und„Zeugenaussagen" zu fabrizieren versteht.(Siehe»Menschiwikiprozeß" 1930.) Wir brauchen daher nicht unbedingt daran zu glauben, daß der vorsichtige Kamenew, der noch auf dem letzten Parteikongreß eine begeisterte Lobrede auf Stalin hielt, und per notorische Feigling Siiiowjew tatsächlich terroristische.Verschwörungen" organisierten. Höchstwahrscheinlich gab es überhaupt keine»Verschwörung", keine terroristische Organisation im eigentlichen Sinne des Wortes. Aber was unbestreitbar aus den amtlichen Nr. 303 Seite 2 Samstag, 29. Dezember 1934 sind, daß sich dort gefährliche Explosivstoffe ansammeln, daß das System der hermetisch abgesperrten Sicherheitsventile den Dampf im bolschewistischen Kessel auf den kritischen Druckpunkt gebracht hat. Die erste Reaktion des'stalinistischen Apparates auf die Verzweiflungstat Nikolajews zeigt, daß die herrschende Parteibürokratie die Gefahr Wohl erkannt hat, daß sie aber weit davon entfernt ist, die einzig richtigen Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen. Anstatt das unerträgliche Unterdrückungssystem resolut zu lockern, anstatt die Sicherheitsventile zu öffnen, hat Stalins „Politbüro" eine neue grausame Terrorwelle entfesselt. 103 Personen, die mit Nikolajew nichts zu tun hatten, wurden erschossen. Drakonische Bestimmungen, die darauf hinzielen, jeden„Verdäch tigen" ohne Untersuchung» ohne jegliche Gerichtsgarantien, ja ohne Begnadigungsmöglichkeit sofort erschießen zu lassen, wurden erlassen. Ungeheure, unwahrscheinliche Anschuldigungen gegen die „Sinowjew-Opposition" werden aufgestellt,„Verschwörungen" werden fabriziert, die den Borwand zu neuen Erschießungen gÄben sollen. Neue Ströme von Blut werden im vielgeprüften Sowjetland fließen. Diesmal nicht mehr das Blut der„Klassenfeinde", wie in der Zeit des „roten Terrors" 1918 bis 1919, sondern das Blut der eigenen Parteigenossen Stalins. Dieses neue Blut wird aber die Schwierigkeiten der bolschewistischen Revolution nicht lösen, die Wunden des russischen Proletariats nicht heilen. Im Gegenteil: Die russische Revolution tritt in ein neues gefährliches Stadium ein. nomiminlsnsdic unigrantcnhcizc Zar Kennzeichnung einer üenkergeslnnnng Das im Schatten der Bedeutungslosigkeit ' dahinwelkende Blättchen der KPE macht den lächerlichen Versuch, uns„an den Pranger" zu stellen, weil wir uns erlaubt haben, an den schimpflichen Methoden der Abwürgung der bolschewistischen Opposition durch die Stalinbüro- kratie berechtigte Kritik zu Wen. Nach den verlogenen Einheitsfront-Schalmeien findet die „Rote Fahne" wieder die gewohnte Tonart. Sie bezeichnet uns als„Sprachrohr der Mordterroristen" und will den sozialdemokratischen Arbeitern beweisen,„daß ihre Führer haßerfüllte Feinde des Arbeiter- und Bauernstaates sind". Dazu ist zu sagen, daß uns solche dumme Beschimpfungen von unserem grundsätzlichen Standpunkte nicht um Haaresbreite abbringen können, sondern eher veranlassen, ihn zu unterstreichen. Die„Rote Fahne" behauptet, wir nähmen „die Weißgardistischen und trotz- kistischen Terroristen" in Schutz. Sie möge zur Kenntnis nehmen, daß es eine für jede proletarische Zeitung unerhörte Schändlichkeit ist» Trotzki, den Sieger der Oktoberrevolution, den Schöpfer der roten Armee, den Todfeind der russischen Konterrevolution mit weiß- gardistischen Terroristen auf eine Stufe zu stellen. Wenn Trotzki gewillt Wäre, den Richtungskampf in der bolschewistischen Bewegung mit der Waffe des Kameradenmordes zu führen, dann hätte er als Kriegsminister der Sowjetunion dazu bessere Gelegenheit gehabt, als ein von Land zu Land ge- hetzter„Einigrant..,..., handgreiflich«‘Siige-der Stalins bürokratte, daß das Attentat auf Kirow in irgendeiner Gemeinschaft von Weißgardisten und Trotzkisten durchgeführt wurde. Warum wurde der wahre Tatbestand nicht in öffentlicher Gerichtsverhandlung aufgeklärt. Warum wurden Menschen hingerichtet, die zur Zeit des Attentates in den Gefängnissen saßen? Dagegen, daß Werführte Mörder und ihre Komplizdn schwersten Strafen verfallen» kann kein Einwand erhoben werden. Wir sistd die letzten, die das Notwehrrecht des Sowjetstaates gegen polittsche Terroristen verneinen würden. Daß Wer unter dem Borwand proletarischer oder sozialistischer Interessen staatlich organisierte Massenabschlachtüngen durchgeführt werden, daß gleichzeitig die bolschewistische Parteiopposition mit den Methoden zaristischer Persekution niedergetrampelt und obendrein verleumdet wird, muß das Rechtsgefühl jedes Sozialisten tief verletzen. Es ist nicht wahr und kann wirklich nur von „käuflichen Burschen" behauptet werden, daß diese Blut- und Rachepolitik den Interessen der Sowjetunion dient. Sie besudelt vielmehr däs große Werk der russischen Revolution vor den Augen der zivilisierten Welt. Sie erschwert auch den sozialistischen Freiheitskampf gegen die bluttriefenden fascistischen Henker, die sich bei der physischen Ausrottung ihrer politischen Gegner künftig auf das Beispiel Sowjetrußlands berufen können. Sehen die Kommunisten, soweit sie nicht direkte Kostgänger der Stalinbürokratie sind, nicht ein, daß es ein Widersinn ist, gegen die Hitler und Göring Braünbücher herauszugeben und gleichzeitig die Nachahmung des 30. Juni in Rußland gutzuheißen? Die Hetze gegen Trotzki hat aber noch eine viel ernstere Seite. Sie ist ein Verbrechen an der kommunistischen und sozialistischen Emigration. Ob nun in Paris offen oder indirekt die Ausweisung Trotzkis aus Frankreich verlangt wurde, ist nebensächlich. Das Hineinziehen Trotzkis und seiner Richtung in die Kirow-Affäre ist ein abscheulicher Versuch, einem Manne sein letztes Asyl zu rauben, vor dem einst die ganze Komintern auf dem Bauche gelegen ist. Bisher war die Emigrantenhetze ein Privileg der fascistischen Parteien. Setzt die kommunistische Presse ihre verlogene Hetze gegen den Emigranten Trotzki fort, dann gefährdet sie dadurch alle antifascistischen Kämpfer, die dus^Mrstkeckst" demokratischer Länder' in An? sprüch genommen^häben. Die„Rote Fahne" hat die sozialdemokratischen Arbester aufgefordert, gegen unsere Kritik an der Verleumdung und Verfolgung der bolschewistischen Opposition Proteste einzusenden. Da kann sie lange warten. Die sozialdemokratischen Arbeiter haben schon eindeutig zu erkennen gegeben, daß sie fester zu ihrer Partei und Presse stehen als die Kommunisten, die in Hellen Haufen die KP§ verlassen. Wenn die jüngsten Gemeindewahlen noch picht deutlich genug gezeigt haben, daß die kommunistische Phrasendrescherei hierzulande nicht der Arbeiterschaft und der Sowjetunion dient, sondern der Stärkung der Konterrevolution, dann wird die .Rote Fahne" diese notwendige Belehrung in Zukunft noch deutlicher empfangen. Die Flucht in das Sektierertum. Die deutschen Blätter berichten als Symptom für die religiösen Zustände und den Drang zum Sektterer- tum, daß es in Hamburg 894 verschie- dene Religionsbezeichnungen gebe. Seft 1925 seien 214 neue aufgetaucht und 123 ältere wieder verschwunden. Dabei zählen nur elf von ihnen Wer 1000 Anhänger, alle übrigen 383 haben weniger, oft Nur ein oder zwei Dutzend. Bemerkenswert ist, daß die Gruppe derer, die sich als religionslos bezeichnen, 175.000—16 Prozent zählt und nach den Protestanten die größte ist. Spitzeloffensive der Gestapo im Ausland. Wie wir erfahren, überschwemmt die Gestapo in jüngster Zeit das Ausland mit ihren Spitzeln. Insbesondere soll die Offensive sich gegen die Zentralen der Schwarzen Front in Prag und Kopenhagen richten. Die Leitung der Schwarzen Front teilt Mit, daß von ihren Mitgliedern sich nur jene im Ausland aufhalten, die sich mit einem von Dr. Otto Strasser handschriftlich gezeichneten Ausweis legitimieren können. Wer diesen Ausweis nicht besitzt, kann mit größter Wahrscheinlichkeit, sofern er sich für ein Mitglied der SF ausgibt, als Spitzel angesehen werden. Die Schöpfer des Bersailler Vertrages für Hitler. Mehrere ftanzösische Blätter befassen sich mit der inneren Lage Deutschlands. Das natio- nalistische Blatt„Le Figaro" schreibt: Unter der Bedingung, daß wir imstande sind, durch unsere moralische und materielle Kraft jeden unWerleg- ten Versuch abzuschlagen, hWen wir ein g r ö ß e- res Interesse daran, eine Verlängerung des Hitler-Regimes zu erleben, da die französische Außenpolitik sich damit unendlich leichter gestaltet. 200.000 indische Textilarbeiter im Streik. In Ahmedabad(Indien) brach ein Konflikt zwischen den Textilarbeitern und den Industriellen aus, die eine Lohnreduttion in der Höhe von zehn Prozent durchführen wollten. Etwa 200.000 Textilarbeiter sind daraufhin in den Streik getreten. Wie nunmehr bekanntgegcben wird, hat sich Gandhi in einer öffentlichen Erklärung offen auf die Seite der Textilarbeiter gestellt. Die Türkische Große Nationalversammlung sttmmte ihrer eigenen Auflösung bei und ging auseinander. Die Neuwahlen zur Großen Nationalversammlung finden entweder im Jänner oder Feber 1935 statt. Das bisherige Parlament zählte 817 Abgeordnete, die bis auf drei nentrale Abgeordnete zur Bolkspartei, der einzigen politischen Partei in der Türkei, gehörten- Das neue türkische Parlament wird 370 Mitglieder zählen, darunter 10 Frauen, denen erst unlängst das aktive und passive Wahlrecht zum türkischen Parlamente verliehen worden war. „Das Junge Volk“ erscheint am 1. Jänner „Das junge Volk" ist die Zeitschrift der fortschrittlichen jungen Generation. Es gehört in die Hand jedes jungen Arbeiters, Angestellten und Studenten. Bestellungen find zu richten an die Verwaltung Prag XU-, Fochova 02. Mitteilungen hervorgeht, ist die Tatsache, daß gewisse Elemente unter den Mitgliedern der russischen Kommunisttschen Partei in ihrer Verzweiflung Wer die falsche Politik der Führer sich zu Terrorakten entschlossen hatten. Und es waren, moralisch gesehen, sicher nicht die Schlimmsten, die zur Verzweiflung getrieben wurden. Die Bolschewist haben oft auf den merkwürdigen Unterschied hingewiesen, der in einer gewissen Beziehung zwischen der russischen jäkobini- schen Revolution und den anderen großen Revolutionen, z. B. der französischen besteht. In Frankreich haben die Revolutionsführer> einander auf die Guillotine geschickt, in Rußland haben sie sich bisher damit begnügt, einander in eine mehr oder weniger komfortable Verbannung zu schicken. Selbst der gefährlichste Nebenbuhler Stalins t- Trotzst, wurde, nicht erschossen, sondern ziemlich behutsam ins Ausland befördert. Mtt dieser Tradition, daß die russischen Kommunisten sich wohl W und zu bekämpfen, sich Wer nie gegenseittg erschießen, ist jetzt gebrochen worden. UW das kommt zweifellos dWon, daß die immer härter uW enger werdende Diktatur der kommunistischen Oberführer der kommunistischen Masse jede Möglichkeit des offenen Meinungskampfes nahm, daß die Arbeiter, selbst die kommunistischen, immer mehr jeder politischen Bewegungsfreiheit, jeder Möglichkeit der freien MeinungS- und Willensäußerung beraubt wurden. Jeder Versuch, selbst innerhalb der herrschenden Partei eine andere Meinung als die Stalins zu vertreten, wurde rücksichtslos niedergekämpft, als konterrevolutioikür hingestellt, mit allen Mitteln der Repression und Gewalt unterdrückt. Keine Opposition wurde geduldet, keine Gegenkandidatur bei Wahlen von Parteifunktionären zugelassen, keine Broschüre mit abweichenden Meinungen zur Veröffentlichung erlaubt, kein Resolutionsentwurf der Minderhett in den Zeitungen zum Abdruck gebracht. Daraufhin versuchten die Oppositionskommunisten verschiedener Richtungen, rechte und linke, ihre Gegnerschaft gegen Stalins Politik in der Form von geheimen Kreisen und Frattionen zum Ausdruck zu bringen. Das wurde natürlich erst recht als„konterrevolutionäre Verschwörung" hingestellt und entsprechend geahndet. Die Gefängnisse Rußlands füllten sich mit„Oppositions-Kommunisten". Und so entstand in den letzten zwei.bis drei Jahren der sonderbare Zustand, daß in einer Millionenpartei, wie die Kommunistische Partei Rußlands eine ist, jeder innere Meinungskampf aufhörte und jedes geistige Leben erstarb. Man diskutierte über nichts mehr, höchstens über belanglose technische Kleinigkeiten; man behandeüe keine Probleme mehr, ja es gab überhaupt keine „Probleme" mehr für die russischen Kommunisten: der geniale„Führer"(der es für geschmackvoll hält, sich in seinem eigenen Zentral- organ täglich in Dutzenden von Zuschriften uW Begrüßungen als„das größte Genie aller Zeiten" als den„geliebten Führer des russischen und des internationalen Proletariats" preisen zu lassen, und dessen Namen in der Zeitung nur in Fettdruck gebracht wird!) entscheidet und die Millionen Mitglieder der Kommunistischen Partei, mit ihnen das ganze Volk, haben nichts anderes zu tun, als diesen Entscheidungen des FWrers begeistert zuzujubeln und sie als den Ausdruck der letzten und endgültigen Wahrheit hinzunehmen l Nikolajews Schuß hat nun eine tragische Korrektur zu diesem„idyllischen" Bild gebracht. Es zeigt sich nun, daß gewisse Teile der kommunistischen Massen von einer tiefen Gärung erfaßt 27 Roman von Olga Scheinpflugovä Copyright by Prewedtenst ü. Prager-Verlag, Wien Babiola stellte fest, daß Papa Bonnetter heute nicht so widerlich war wie sonst. Sie spürte, daß ihm viel daran gelegen war, sie wiedergefunden zu haben. Sie bot ihm Zigaretten und Likör an und fragte nach seinen Geschäften. Mama wurde mit keinem Worte erwähnt. Beide hatten ihre Gründe dafür. Er wußte, daß BWy seinetwegen manchen bösen Tag durchlebt hatte. Sie gestattete ihm, sie hie und da zu besuchen. Sein schüchternes Angebot, ihr mit Geld zu helfen, nahm sie jedoch nicht an. „Bringen Sie mir eine kleine, geschmackvolle Krawattennadel," sagte sie schließlich.„Ich schulde jemand ein Gegengeschenk." Bonnetier machte ein unglückliches Gesicht. Als er gegangen war, schlug sie mtt sicherem Instinkt das Buch, das auf dem Tische gelegen hatte, auf. Dort lagen zehntausend Franken, ein ungeheurer Reichtum für ein Mädchen, das gelernt"ttte, zum Nachtmahl Kaffee zu trinken. Und ch wurde ihr bei diesem Funde nicht ein bina>.. schwül. Sie entschloß sich sofort, das Geld zu behalten. Papa Bonnetier war schließlich ein alter reicher Herr. Und sie war durch seine Schuld Demütigungen ausgesetzt worden. Die Buße war gerechtferttgt. Sie kaufte sich ihrer Schönheit würdige Kleider und erwarb für den Abend einen Parkettsitz im Theater. Sie sehnte sich breni.end darnach, sich von jemand bewundern zu lassen und fühlte mit Befriedigung, daß sie alle Männer ansahen. Wäre Felicien hier gewesen, sie hätte ihren Arm in seinen geschmiegt und hätte ihm erzählt. Dann wären sie gemein sam Wer den Boulevard geschlendert, hätten gemeinsam ein Kaffeehaus betreten und vielleicht — vielleicht hätte sie sich heute das erstemal in seinem Atelier als Weib gefühlt. Sie hatte ein kleines Theater gewähü; man spielte Ibsen, dem man für diesen Abend verzieh, daß er kein Franzose war. Sie besuchte Schauspiele sehr selten. Aber heute war sie wie gebannt. Selbst in der Pause blieb sie sitzen. Das Theater schien mtt ihr von Geburt an verwcmdt zu sein. Ein rätselhaftes Empfinden Aerkam sie, wie einen Menschen, der das erstemal ein« fremde Stadt besucht und das Gefühl hat, hier bin ich doch schon einmal gewesen. Ibsen rollte das Problem der Krankheit auf. Ihr eigenes Buch mit den Krankenproblemen widerte sie jetzt an. Nach der Aufführung ging sie bewegt heim unfreute sich erst jetzt Wer die zehntausend Franken, die es ihr ermöglichten, ost und ohne rechnen zu müssen, das Theater zu besuchen. Vor dem Hause ging Felicien auf und W. Sie erkannte ihn schon von weitem. Man sah seinen müden Schritten an, daß er schon lange gewartet hatte. Sie wäre ihm am liebsten entgeaengelaufen, aber es war ihr erstes Wiedersehen seit dem unglückseligen Besuch bei seinen Eltern Er stürzte auch nicht auf sie zu, wie er es sich vorgenomme.. hatte. Er hatte sich während seines zweistündigen Wartens damit gequält, wo sie gewesen sein mochte. Im Hotel Monaco hatte er I ihre neue Wohnung erkundet und als er ihre neue Toilette sah, w> rde auch die zu einem belastenden Umstande. „Im Theater? So, so." Felicien vergaß ganz, daß er sie, der Herzensruhe seiner Mutter wegen, vier Monate lang in Paris allein gelassen hatte. Männer, die lieben, begreifen nie, daß sich ihnen die Frauen nur leihen und nicht schenken. Stumm blickte er in ihrer Wohnung umher; die war einfacher als die Toilette. Sie kleidete sich im Nebenzimmer um. Er hörte das Rauschen ihrer Kleider; das Warten war ihm peinlich. Und Babiola, die sich noch vor kurzem nach Felicien gesehnt hatte, dachte jetzt, da er im Nebenzimmer saß, mit keinem Gedanken an ihn. Ihr Kopf war voll vom Theater und der Vorstellung, die in ihr Schrecken und Sehnsucht aufgewühlt hatte. Endlich trat sie ins Zimmer. Felicien saß da wie ein durchgefallener Schüler. Er war auf dem Lande ein wenig derber geworden. Sie sagte sich, daß er im Vergleiche zu seinem Können eigentlich zu bescheiden sei. Er hatte wieder Kopfschmerzen, roch zu englischem Salz und seine Augen waren gerötet. Da ging sie ins Badezimmer und befeuchtete ein Handtuch, das sie auf seine Stirn legte; auch verdunkelte sie das Zimmer, damit ihn das Licht nicht störe. Felicien schwieg und seufzte nur hin und wieder und Babiola erzählte mit gedämpfter Stimme: „Papa Bonnetier hat mich entdeckt; stelle dir vor: er war in der Redaktion des„Progreß". Ja, und das wichttgste habe ich dir noch nicht erzählt. Mein Buch erscheint,„Bois des Malades". Tausend Franken Vorschuß hWe ich bereits erhalten." Sie erzählten ihm das alles, obwohl es ihn eigentlich nichts mehr anging. Er hatte volle vier Monate bei seiner Mutter verbracht, die ihr ihre Abneigung deutlich gezeigt hatte. Er hatte sich vier Monate lang nicht um sie gekümmert; sie hätte Hungers sterben können. Sie schämte sich ihres geringen Stolzes diesem kranken Muttersöhnchen gegenüber. Felieiens Kopfschmerzen hörten auf. Er stand auf und küßte Babiola. „Was macht deine Mutter, Felicien?" Er überhörte diese Frage. Sie war schön wie immer. Babiola spielte sich im Geiste die Rolle der Heldin des heutigen Stückes in eigener Auffassung vor. Und Felicien küßte und ttißte sie. Der Roman des„Vagabond" erschien. In allen Auslagen war er zu sehen. Sie brachte Felicien ein Exemplar und schenkte ihm auch die Krawattennadel, die Papa Bonnetier zu kaufen nicht vergessen hatte. Ein überströmendes Gefühl erwärmte dWei ihr Herz. Er ttißte sie dankbar. Nun wußte er: sie liebt mich. Es war schön, ein Mädchen wie Babiola zu besitzen. Die Widmung Wer schien ibn nicht besonders zu erfreuen— wohl der Mutter halber. Das enttäuschte sie. „Du scheinst keine Freude zu haben?„Bois des Malades" ist doch mein erstes Buch." Papa Bonnetier bekam auch ein Exemplar, Es dürfte aber keine eigenhändige Widmung tra- gen, da Rama die Taschen ihres Gatten manchmal in ihre ehelichen Rechte einbezog. Sie bat Papa Bonnetier, nur nachmittags zu kommen. Zu dieser Zeit weilte Felicien in seinem Atelier und es schien' ihr nicht notwendig, Papa mehr zu offenbaren. „Papa, Ihr letzter Besuch hat sich gelohnt." Mit diesem Satz stattete sie ihm den Dank für zehntausend Franken ab. Er machte ihr keine Geldgeschenke mehr. Wer sie wußte: er werde ihr Geld geben, wenn sie es verlange. Er zeigte für ihre Arbeit Verständnis. Er fragte, wieviel sie für ein Exemplar bekomme und versprach, das Werk gelegentlich seiner nächsten Erkrankung, die ihn ans Bett fesseln würde, zu lesen. Er schenkte ihr Bonbons, Wein, Tücher und Pelzwerk. FelicienS Entwicklungssturm war unterbrochen. Er hatte einige Bildwerke für die Ausstellung tn_ Arbeit, kam aber nur langsam vorwärts. Hätte Babiola nicht geschrieben, wäre er dauernd in ihrer Gesellschaft gewesen. Er freute sich, weil die Zeitungen den„Bois des Malades" lobten; einige grobe Kritiken versteckte er vor Babiola. Er las das Buch und sein Respekt war eine Woche lang sehr groß. Eines Tages sagte sie zu ihm und wischte die Tinte von den Fingern und den Ernst von der Stirne: „Ach Felicien, ich bin ja glücklich darüber, daß ich dich habe; weshalb sind wir aber immer nur allein." (Fortsetzung folg:.) Nr. 303 Samstag, 29. Dezember 1934 Seite 3 Sudetendeubdier Zeihpiegel Freiwillige Spenden für die SVH? Den Arbeitern der Firma Pohl, Porzellanfabrik in Schatzlar, Bezirk Trautenau, wurde mit einer entsprechenden„Aufklärung" eine Liste vorgelegt, auf der sie sich zu einer wöchentlichen Lohnabgabe für die„Sudetendeutsche Volkshilfe" für die Dauer von drei Monaten verpflichten mußten. Ein Vermerk aus der Liste gab den Arbeitern zu wissen, daß ein'Betrag von weniger als Kc 2.— wöchentlich nicht zur Kenntnis genommen werde. Jeder Arbeiter, der bei dieser Firma beschLf- tigt ist, Weitz, daß die Weigerung, der Aufforderung der Betriebsleitung für die SVH eine Spende zu leisten, sehr unliebsame Folgen für ihn haben würde, denn seit Jahren herrscht hier uneingeschränkter Terror. Also gibt jeder freiwillig, was er mutz. „Elfi« verdächtige Hilfsaktion** Der„Venkov” über die SVH. Unter dem obigen Titel schreibt das Zentralorgan der tschechischen Agrarier über die„Sudetendeutsche Volkshilfe": Das größte Interesse an der Sache hat Henleins Heimatfront- Durch diese Hilfsaktion sollen die ärmsten Volksschichten gewonnen werden und es sieht wie Seelenkauf aus. Wenn es den Deutschen nur darum ginge, die Armen zu unterstützen, würden sie den örtlichen Hilfsaktionen nicht ausweichen, welche allen Arbeitslosen helfen wollen. Ein Stück Brot bereitet ihnen große Freude. Gelegentlich des Abschlusses des Ernährungshilfswerkes für arme Kinder im Winter 1933-34 berichtete eine Schule im Bezirke Bischofteinitz:„Den Kindern wurde Brot verabreicht, weil sie selbes von daheim nicht be- kommen, da sie sehr notleidend sind und meistens von Kartoffeln und Kartoffelsuppe leben. Ein Stück Brot bereitet ihnen daher eine große Freude." Solche Ernährungshilfswerke werden von der Deutschen Lcmdeskommission- für Kinderschuh- und- Hugondsür- sorge in Böhmen mit Unterstützung"der Oesfentlich- keit, der Gemeinden und des Staates schon seit 1923 durchgesührt. Im Winter 1933-34 wurden in 1165 Ausspeisestellen an durchschnittlich 46 Tagen 89.387 Kinder mit Ernährungszubutzen beteilt. Auch im heurigen Winter werden die Deutschen Bezirksjugend- fürsorgen ein solches Ernährungshilfswerk für arme Kinder durchführen und bitten um ihre Mithilfe und Unterstützung aller Kreise. Als staatlicher Beitrag stehen für das jetzige Hilfswerk Kö 502.348.— zur Verfügung. Das Kunstfett-Kontingent Im freitägigen Amtsblatt verlautbart der Handelsminister auf Grund der Verordnung über die Kunstfettwirtschaft, daß er die für 1935 hochstzulässige Jahresproduktion von Kunstfetten für den Jnlandbedarf mit 528.000 Meterzentnern festgesetzt hat. Die Aufteilung auf die einzelnen Fabriken wird den einzelnen Firmen durch Dekrete des Handelsministeriums be- kanntgegebcn werden. Die Verhandlungen über Regelung der Margarine- Abgabe mittels Abkommens zwischen Finanzverwaltung und Produzenten werden nach Neujahr fortgesetzt werden. Eilte nette Regierung! Tokio.(Reuter.) Der Presse wurde erlaubt, die Ergebnisse der Untersuchung, die nach dem Skandal mit den Akten einer Kunstseidefabrik durchgeführt wurde, im Detail zu veröffentlichen Dieser Skandal verursachte im Juli dieses Jahres die Demission der Regierung Saito. Blättermeldungen zufolge machten sich 17 ehemalige hohe Regierungsbeamte der Korruption, der Unterlassung der pflichtgemäßen Obsorge und sogar des Meineides schuldig. Alle werden sich vor Gericht zu verantworten haben. Unter ihnen befinden sich der ehemalige Handelsminister Nakaschima, dec ehemalige Eisenbahnmini st er Mitsutschi, der ehemalige StellvertreterdesFinanz- Ministers Kuroda, der ehemalige Präsident der Bank von Formosa Shimada und der ehemalige Präsident der Kaiserlichen Gesellschaft für Kunstseide-Erzeugung Takagi. Französische Einfuhrkontingente unverändert Paris. Eine interministerielle Kommission setzte unter dem Vorsitze Flandins die Einfuhrkontingente für die ersten drei Monate des nächsten Jahres fest. Die Kontingente sind fast die gleichen wie die für das letzte Trimester des Jahres 1934. Die Vierzigstundenwoche kommt Sie schafft Arbeitsplätze für rund 60.000 Arbeitslose Der jahrelange Kampf der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften um die Einführung der Vierzigstundenwoche steht vor einem erfolgreichen Abschluß. Nachdem die langwierigen Verhandlungen zwischen den Organisationen der Arbeiterschaft und der Unternehmer zu keinem positiven Ergebnis geführt haben, ist es nun an der Regierung, die durch die Rationalisierung in allen Industrieländern aufgerollte Frage der Arbrits» zeiwerkürzung hierzulande durch ihr Machtwort zu lösen. Fürsorgeminister Dr. Meißner befaßt sich in der Weihnachtsnummer des„Prävo Lidu" mit den voraussichtlichen Resultaten einer Einführung der Vierzigstundenwoche und betont, daß das Problem der Arbeitszeitverkürzung nicht ohne bestimmte Opfer der Arbeitgeber, der Angestellten und des Staates zu lösen sein wird. Fürsorgeminister Dr. Meißner schreibt u a.: Das Ministerium für soziale Fürsorge beantragt die Kürzung der Arbeitszeit in solchen Fabriken und Baugewerben, die wenigstens zehn Personen beschäftigen. Die Regulierung der Arbeitszeit in den Kohlenzechen ist einer Sonderverordnung Vorbehalten. Nach Feststellungen d-r Gewerbeinspektorate wurde im September und Oktober 1934 die 40stündige Arbeitszeit in 776 Fabriken mit 69.624 Arbeitern eingeführt, einkürzere Arbeitszeit als 40 Stunden bestand in 1545 Fabriken mit 125.323 Arbeitern. Rund 7700 Fabriken mit fast 500.000 Arbeitern arbeiteten in der Woche 48 Stunden. Diese Zahl von Fabriken und Arbeitern betrifft also die Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden. Könnte die Arbeitszeiwerkürzung um ein Sechstel in alle Konsequenzen und linear durchgeführt werden und könnte sie auch linear nach allen Richtungen zum Ausdruck kommen, würde sie eine Vermehrung der Zahl der Beschäftigten um ein Fünftel, das sind rund 100.000 Personen hcrbeiführen. Eine lineare Lösung ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Man muß bei Einsiihrung der 40-Stundenwoche die Gattung des Betriebes in Berücksichtigung ziehen, den verschiedenen Charakter der Arbeit, die Unmöglichkeit, das Personal eines bestimmten Arbestszweiges zu vermehren und das Bedürfnis des ununterbrochenen Betriebes in einzelnen Betrieben. Deshalb rechnet und muß sowohl das Gesetz über den Achtstundentag als auch die Vorlage des Fürsorgeministeriums über die 40-Stundenwoche mit be-i stimmten Ausnahmen rechnen. Ich glaube— so führt Dr. Meißner weiter ans—, im Rahmen nüchterner Erwägungen zu bleiben, wenn ich zum Schluß komme, daß insgesamt durch Einführung der 40-Stundenwoche in den Fabrikbetrieben mit 500.000 Angestellten rnnd zehn Prozent oder 50.000 Arbeiter sofort ne« in die Arbeit eingestellt werden können. Diese Ziffer wird sich durch Erhöhung der Produktion in beschränkt arbeitenden Betrieben vergrößern und insbesondere durch Neuaufnahme der Produktion in eingestellten Betrieben, die in der obgenannten Zahl nicht angeführt sind. Im Baugewerbe, worunter nach deri Gewerbeordnung Zimmermanns-, Maurerarbeiten, Steinmetzarbeiten und Baumeisterarbeiten gehören, waren 1930 297.151 Personen beschäftigt. Es läßt sich schwer feststellen, wieviel dieser Personen heute arbeitslos sind. Ende Juli 1934 waren 51.651 arbeitslose Bewerber aus dem Baugewerbe vorhanden, twch läßt sich nicht feststellen, wieviel von 123.111 stellenlosen Taglöhnern vorher im Baugewerbe beschäftigt waren. In einem Teil des Baugewerbes, besonder? bei Durch» ftihrung von Arbeiten, die vom Staat vergeben sind, ist bereits die 40-Stundenwoche eingestihrt. Man kann annehmen, daß im Wege der Arbeits- zeitkürzung im Baugewerbe bei der heute b.-- grenzten Baubewegung mindestens 10.000 Arbeiter Arbeit erhalten, eine Ziffer!, di« sich wesentlich bei fortschreitender Verbesserung des Baumarktes vergrößern wird. Die Vermehrung der Zahl der Arbeitenden im Anfang um 60.000 Personen und später um weitere Tausende, ist derart bedeutsam, daß sie die Durchst'lhrung der Arbeitszeitverkürzung voll begründet. W*JES.««4 Parlamentarische Bilanz in Ziffern In der letzten Parlamentssitzung vor den Weih, nachtsferien gab der Kammerpräsident StanLk eine Uebersicht über die in diesem Jahr geleistet Arbeit...Das Abgeordnetenhaus hielt 47 Plenarsitzungen ab, außerdem fanden 214 Ausschußsitzungen und 29 Sitzungen von Subkomitees statt. Aufgelegt wurden 51 Regierungsanträge, 29 Beschlüsse des Senats und 83 Initiativanträge, ferner 238 Interpellationen und 317 Jnterpellationsbeantwor- tungen sowie 147 Ausschußberichte. Im Plenum wurden 49 Gesetze santräge, 23 internationale Verträge und ein Staatsrechnungsabschluß verhandelt. Regierungserklärungen im Plenum gab es neun. In den Debatten sprachen insgesamt, 291 Redner. Der Senat hat nach dem Bericht des Vorsitzenden Dr. Soukup im abgelaufenen Jahr 43 Plenät- und 169 Aüsschußsitzungen sowie sechs Sitzungen von Subkomitees abgehalten. Im Druck verteilt wurden 42 Regierungsanträge, 30 Beschlüsse der Abgeordnetenkammer, 34 Initiativanträge, 145 Ausschutzberichte, 47 Interpellationen und 45 Inter« pellationsbeantwortungen. Im Plenum wurden 52 Regierungsvorlagen behandelt und 20 internationale Verträge ratifiziert. Die Lockerung der gebundenen Kandidatenlisten Lavals Romrcisc neuerlich Noch keine Einigung über Mitteleuropa verschoben Paris.(Tsch. P. B.)„Petit Parisi e n" deutet in seinem heutigen Leitartikel die Möglichkeit an, daß Außenminister Laval sich erst nach Abschluß der Tagung des Völkerbund- rateS und nach dem Saarplebiszit, demnach in der zweiten Hälfte des Monates Januar, nach Rom begeben wird. Die Entscheidung über die Reise Lavals nach Rom wird in der am 2. Jänner 1935 stattfindenden Ministerratssitzung getroffen werden. ' Der französische Außenminister will nämlich nicht eine bloße Besuchsreise unternehmen, sondern dauernde Resultate sowohl für die künftigen Beziehungen zwischen Frankreich und Italien, als auch für die Festigung des Friedens in Mitteleuropa erzielen. Das„Journal" schreibt in seinem politischen Leitartikel, das Schicksal der französischitalienischen Verhandlungen hänge von der Möglichkeit einer Annäherung und Kombination der Politik Italiens in Mitteleuropa mit jener Frankreichs und der Kleinen Entente ab. Der römische Korrespondent des„Matin" teilt mit, Laval werde in Rom bereits in der nächsten Woche erwartet. Die vorläufigen diplomatischen Verhandlungen seien bereits fast abgeschlossen. Was Mitteleuropa betrifft, so meldet der Korrespondent des„Matin" aus Rom:„Italien gibt seine Zustimmung, baß die Tschechoslowakei und Jngoftawicn unter Zustimmung Englands dem zwischen Frankreich und Italien abgeschlossenen Garantiepakt betreffend die llnabhän- gigkeit Oesterreichs, beitreten. Dieser Pakt wäre auch für Ungarn und Deutschland offen. Das letzte Zögern sei auf Seite Frankreichs, das den Wunsch ausgesprochen hat, die Kleine Entente möge als politisches Ganzes diesem Pakt beitreten, während Italien den Pakt nur auf jene Staaten ausgedehnt wissen will, die unmittelbar an Oesterreich grenzen. Die letzten Wahlen in die Gemeindevertretungen haben gezeigt, daß die Lockerung der gebundenen Kandidatenlisten sich einzüleben beginnt. Es hat sich dies in einer ganzen Reihe von Fällen erwiesen. So. gewann in der Gemeinde K o m a r o b, Bezirk Horvvice der Kandidat der sozialdemokratischen Partei soviel Vorzugsstimmen, als die Wahlzahl betrug und gelangte so von der 8. an die 7. Stelle, in Cernovice Bezirk Kamenice nad Lipou wurde durch Borzugsstimmen der wirtschaftlichen Bereinigung der 4. Kandidat an die 3. Stelle gesetzt. In Dönis Bezirk Rcichenberg kam für die deutsche Wahlgemeinschaft der Kandidat von der 15. an die 13. Stelle, in der Gemeinde Slavetin Bezirk Pelhrimov der Kandidat der Republikanischen Partei von.der 10. und 11. auf die 8. und 9. Stelle, in Simpach Bezirk Pclhiimov der Kandidat, der bürgerlichen Partei von der 5. auf die 2. Stelle, in Sobffiky Bezirk Prestic der Kandidat der Republikanischen Partei von der 8. an. die 6. Stelle, in Nesuchhnk Bezirk Rekovnitz der Kandidat der Sozialdemokratischen Partei von der 13. auf die 5. Stelle und in Kakov Bezirk Schlau i der Kandidat der sozialdemokratischen Partei von der 5. an die 2. Stelle. In der Gemeinde Sira Bezirk Rokycanh erhielt die tschechosi. sozialdemokratische Partei 3 Mandate, als gewählt erklärt wurde der 1., der 3/und der 7. Kandidat. Von der Kandidatenliste der nationalsozialistischen Partei wurden gewählt, der 1. und 2., dann der 4. und schließlich der 6. Kandidat. Wie sie rüsten... Berlin.(Havas.) Die Roheisenerzeugung Deutschlands ist im Jahre 1934 gegenüber dem Vorjahre um 60 Prozent gestiegen, die Rohstahlerzeugung um 55 Prozent. Berlin bestätigt Verhaftungen durch Dementi Paris. Die Agence Havas meldet aus' Berlin: Die offiziellen deutschen Kreise wollen zu den beunruhigenden, im Auslande über die innere Lage Deutschlands veröffentlichten Meldungen öffentlich keinen Standpunkt einnehmen. Dieses Verhalten der deutschen Behörden ist sehr bedauernswert, weil es in der Tat nur dazu beiträgt, die seit einigen Tagen über Deutschland kursierenden Gerüchte zu vermehren. Offiziös wurde heute bloß die Erklärung abgegeben, daß in Deutschland keine Hinrichtung stattgefunden hat und daß von 300 wegen Sittlichkeitsdelikten nach 8 175, des deutschen Strafgesetzes verhafteten Personen 200 freigelassen worden sind. Die Personen, deren Hinrichtung in einer ausländischen Zeitschrift gemeldet wurde, sollen mit Ausnahme Brückners, von dem bekanntgegeben wurde, daß er in ein Berliner Spital überführt wurde, weiterhin ihre amtlichen Funktionen ausüben. Es besteht kein Zweifel darüber, fährt der Berliner Berichterstatter der Agentur Havas fort, daß im Schoße der deutschen nationalsozialistischen Partei sehr ernste Meinungsverschiedenheiten in politischen und wirtschaftlichen Fragen andauern und daß diese Meinungsverschiedenheiten auch in Regierungskreisen bestehen. Dahin deuten auch außerordentlich umfangreiche Maßnahmen mili tärischen Charakters. Im Kerker ermordet W. Im Kerker San Vittore in Mailand wurde vor kurzem der antifascistische Arbeiter Mario Villa aus Cinisello Milanese regelrecht zu Tode gefoltert. Villa wurde auf die Denunziation eines Lockspitzels eines gewissen Borromeo verhaftet, weigerte sich aber, die ihm zur Last gelegten politischen Straftaten zu gestehen. Als er hierauf von den vernehmenden Polizisten mißhandelt und geschlagen wurde, antwortete Villa ihnen: „Geht doch vor das nächste Fabriktor wenn die Arbeiter sie verlassen. Verhaftet sie, mißhandelt sie— sie alle sind Antifascisten wie ich." Wenige Tage später wurde seiner Frau, die ihn im Gefängnis besuchen wollte, mitgeteilt, er sei„verstorben". In Wahrheit ist Villa den Marterungen erlegen. Sang- und klangloses Ende London. Die amerikanischen Delegierten auf der Londoner Flottenkonferenz, die am 19. Dezember vertagt wurde, sind dieser Tage nach den Vereinigten Staaten zurückgekehrt. Der Vorsitzende des Haager Gerichtshofes gestorben Der Alterszuschuß in der Arbeiterversicherung. Mit der letzten Novelle zum Gesetz Wer die Arbeiterversicherung wurde ab 1. Juli 1934 der Alterszuschuß zu den Renten der Jnvaliditäts- und Altersversicherung eingeführt. Auf die Erhöhung um den Alterszuschuß haben jene Versicherten und Rentner nicht Anspruch, welche nach dem 31. Dezember 1898 geboren wurden. Acl- tere Rentner und Versicherte haben nur dann Anspruch auf den Alterszuschuß, wenn sie vor Ende des Jahres 1931 die Wartezeit von 100 Beitragswochen zurückgelegt haben. Wenn diese Voraussetzungen des Alters und der Wartezeit nicht erfüllt sind, kann eine Erhöhung der Renten um den Alterszuschuß nicht stattfinden. Die Höhe des Alterszuschusses ist sowohl vom Alter als auch von» Versicherungsverlauf abhängig. Bei älteren Versicherten, welche in den höchsten Klassen versichert waren, beträgt die Erhöhung bis 1000 KL jährlich. Bei den erledigten Fällen beträgt das durchschnittliche jährliche Ausmaß der Alterszuschüsse zu den Jnvaliditätsrenten bei Männern KL 423.—, bei Frauen KL 314.—, zu den Altersrenten sind diese Beträge etwas niedriger und betragen'durchschnittlich bei Männern KL 562.— und bei Frauen KL 444.—. Bei den Witwenrenten beläuft sich der Alterszuschutz auf jährlich durchschnittlich KL 190.— und bei den Waisenrenten auf KL 46.— jährlich. Bei den bis Juli 1984 angefallenen Renten beläuft sich die gesamte Erhöhung auf insgesamt ungefähr 30 Millionen KL im Jahre. Haag.(Havas.) Freitag starb hier nach lan- Das Wochenblatt„Hlas Rärodni Fronty" ger Krankheit im Alter von 65 Jahren der be- wurde auf sechs Monate e i n g e st e l l t. Die kannte japanische Jurist Minsitschiro Adatschi, der‘ Zeitung war das Sprachrohr der Nationalen seit dem Jahre 1931 Vorsitzender des Ständigen Front(Vorsitzende Prof. Mares), die sich der internationalen Gerichtshofes war. 1«Nationalen Einigung" angeschlosseg hatten Seite 4 Samstag, 29. Dezember 1934 Nr. 303 Wildeuschwerter Notar veruntreut eine Million! Der Betrüger seit einer Woche flüchtig Jahr der Kameradschaft Eine Solidaritätsaktion der sozialistischen Jugend Der Sozialistische Jagendverband hat sein kommendes Arbeitsjahr als„Jahr der Kameradschaft“ bezeichnet, in dessen Rahmen eine ganze Reihe von Solidaritätsaktionen durch-1 geführt werden sollen. Es wird unter der Losung:„Der Arbeitende hilft dem Arbeitslo- sen!“ stehen. Das„Jahr der Kameradschaft“ wird durch Veranstaltungen eingeleitet, in deren Mittelpunkt eine Rundfunkrede des Verbandsvorsitzenden über die' sozialen Aufgaben der Arbeiterjugendbewe- I gong stehen wird. So wird die gesamte Mitgliedschaft des Verbandes zur gleichen Stunde versammelt sein. In den Veranstaltungen wird auch die von allen Mitgliedern des Ver-. bandsvorstandes unterzeichnete P r o k 1 a-' mation des„Jahres der Kameradschaft* verlesen werden. Die Rundfunkrede des Genossen Kern wird Sonntag, 30. Dezember um 14.45 Uhr über den Sender Straschnitz, Welle 249, er-! folgen. lagcsnciUgKcltcn Falsche Steuerbeamte locken 50.000 Kronen Heraus. Pardubitz. Freitag wurde iu Wildenschwert ein großer Betrug aufgedrckt. Seit dem 21. Dezember wird der dortige Notar Dr. Hugo Patsch vermißt. Sein Berschwinden gab zu verschiedenen Mutmaßungen Anlaß, die sich auch bestätigten. Erne Revision seitens der Notariatskammer kam auf eine Beruntreuung, deren bisher frstgestellte Höhe sich auf mehr als eine Million Lsl. Kronen beläuft. Den größten Posten bildet die Hinterlassenschaft nach dem verstorbenen Tex- Die ,CS Stätni Aerolinie" kann ziffernmäßig eine ununterbrochene starke Aufwärtsentwicklung seit dem Jahre 1924 nachweisen. Damals verzeichnete die Staatliche Aerolinie 649 Flüge im Jahr— 1934 sind es 3175. Allerdings war diese Zahl schon 1930 beinahe erreicht und das Jahr 1931 ergab mit 3840 Flügen die bisherige Höchstzahl. Dagegen, ist die Zahl der zurückgelegten K i l om e t e r heuer mit 573.239 eine Rekordziffer. Noch bedeutsamer aber ist das Ansteigen der Passagierzahlen. Im Jahre 1924 waren es insgesamt 426 Reisende, die die staatliche Fluglinie benützten; 1926 waren tilfabrikanten Jaroslav Äandera aus Wildenschwert im Betrage von 800.000 Kronen. Auf Grund der bisherigen Untersuchung wurde vom Chrudimer Kreisgericht gegen den vermißten Dr. Patsch ein Steckbrief erlaffen. Es ist nicht sicher, ob sich Dr. Patsch noch in der Tschechoslowakei oder jenseits"der Grenzen befindet. Die Familie des steckbrieflich Verfolgten erfreut sich eines guten Rufes. Die aufgedeckte Beruntreuung hat sehr überrascht. 10.000 Paffagiere im Jahre 1S34 es schon 1700, im Jahre 1927 bereits über 4000, seit 1929 bewegt sich die Pasiagierzahl immer um 8000 und hat Heuer mit über 1 0.0 0 0 Passagieren gleichfalls eine Höchstziffer erreicht. Die in unseren Verkehrsflugzeugen beförderten L a st e n sind in den Jahren von etlichen 2000 Kilogramm auf— 280.000 Kilogramm gestiegen, die Zahl der F l u g st u n d e n Ihat sich seit 1924 mehr als verdoppelt und beträgt jetzt 3470. Die Stundengeschwindigkeit hat sich von ursprünglich 134 auf nunmehr 16 5 erhöht. Die Entwicklung des tschechoslowakischen Verkehrsflugwesens Zu der Witwe Marie Fiser in Prag XI, kamen Donnerstag zwei Männer, welche sich i als Beamte der Steuerbehörde ausgaben und erklärten, Geldbeträge suchen zu wollen, die die Frau nicht angemeldet hatte. Sie fanden tatsächlich im Bett versteckt 50.000 Kronen, welche sie mit Beschlag belegten und Mitnahmen. Soweit die Aussage, welche die Frau bei der Polizei machte. Jetzt wird vor allem erhoben, ob sie wirklich jemals so viel Geld hatte oder ob der mysteriöse Vorfall sich nur in ihrer Phantasie abgespielt hat. Die größte Werst der Welt London. Auch im heurigen Jahr wahrten sich die Werften amClyde- Fluß das Weltprimat im Schiffsbau. Sie bauten 67 Schiffe mit einer Tonnage von 268.121 Tonnen, was etwa 2 5 Prozent des Schiffsbaues der Welt und mehr als der Hälfte des Schiffsbaues Großbritanniens gleichkommt. Die Aussichten für das künftige Jahr werden als günstig angesehen, der Schiffsbau beträgt aber noch immer nur etwa ein Drittel der auf diesen Wersten im Jahre 1913 erreichten Rekordtonnage. Die mexikanischen Wasfenfabriken »erden Eigentum des Staates und der Arbeiter. Die sozialistische Regierung Dtexikos geht mit aller Energie gegen das Rüstungskapital vor. Alle Fabriken, welche für das Heer liefern, wur-1 den in das Eigentum der dort beschäftigten Arbeiterschaft überführt und werden auf genossenschaftlicher Grundlage von Vertretern der Arbeiter und des Staates geleitet werden. Die Herstellung von Waffen wurde damtt den privaten Interessen einzelner Kapitalsgruppen entzogen.' Klein-Amerika. Die Geologen der Byrd- Expedition haben eine langgestreckte Erdfläche entdeckt, welche den Süd-Pol mft dem• Marie-Bhrd-Land verbindet. Ursprünglich meinten die Entdecker, es mit einem Eisberge zu tun zu haben, bis sie entdeckten, daß es sich um! festes Land handle, das sich in der Länge von einigen hundert Kilometern entlang des 145. Meridians hinzieht. Pottzistinne« in Paris Paris. Der Pariser Stadtrat hat beschlossen, die französische Hauptstadt mit einem Stabe weiblicher Polizeibeamter zu versehen. Es soll jedoch vorläufig nur ein B e r s u ch gemacht werden und erst, wenn die Ergebnisse befriedigend ausfallen, wird eine Erweiterung dieses Polizeistabes vorgesehen. Zwei weiblich« Polizeibeamte sollen zunächst ohne Gehalt eine Probezeit von drei Monaten durchmachen. 250.000 Tonne« Kalkstein stürze« ins Meer Möven fanden den Tod und hunderte von Möven- nestern wurden vernichtet. Noch stundenlang nach dem Vorfall umkreisten dichte Scharen dieser Vögel unter aufgeregtem Geschrei ihre zerstörten Brutstätten und das Grab ihrer Gefährten. Ei« Finanzer von Schmuggler« ermordet Innsbruck. Der K o m ma n d a n t der italienischen Finanzwachabteilung in Prad, Anton S p a n e t t i, ist von Schmugglern im Grenzgebiete des Stilfserjochs ermordet worden. Er hatte sich am 22. d. M. auf einen Potrouillengang be-. geben und war auf Schmuggler geswßen, die ihn überwältigten und in den Abgrund stie- ß e n. Seine zerschmetterte und beraubte Leiche ist Donnerstag aufgefunden worden. Erklärung. Unter Bezugnahme auf den in unserem Blatte unter der Ueberschrist„Zitternd vor Empörung" am 25. Oktober 1934, veröffentlichten Artikel erklären wir hi'emit, daß wir die beleidigenden Ausdrücke dieses Artikels, durch welche die„Deutsche Presse" an ihrer Ehre angegriffen wurde, wi derrufen. Die Redaktion. Nathan Rand und die„Arische Wochenschau**. In Wien gibt es seit einiger Zeit eine antisemitische Wochenzeitung,„Die Arische Wochenschrift". Es lohnt sich kaum, sich mü ihr zu befassen. Nur auf einen fleinen Umstand soll hingewiesen werden^ der immerhin würdig ist, bekannt zu werden: der Beherrscher des antisemitischen Blättchens ist Herr NathanRand, polnischer Jude. Nathan Rand ist in der Wiener Publizistik kein Unbekannter. Er hat sich stets als wütender Marxistenfresser betätigt, so beispielsweise in der„Freiheit" unseligen Angedenkens. Das Blatt hatte eine Reihe von Prozessen auszuhalten, bei denen die weiße Weste des Herrn Nathan Rand einige dunkle Flecke abbekommen hat. Nachdem die Wiener Journalisten schon gehofft hatten, von der Kollegenschast des Herrn Nathan befreit zu sein, taucht.er jetzt in der „Arischen Wochenschrift" auf. Das Blatt darf nichts bringen, was er, der Herr aus Polen, nicht vorher gesehen hat. Er gibt den„richtigen" Ton an, der sich in jiddischen Jargonausdrücken auswirkt, also in der Sprache, die Herr Nathan Rand sprach,‘ bevor er sich in Wien die Schläfenlocken abschneiden ließ und ehe er seinen Kaftan in die Redaktion des antisemitischen Hetzblättchens trug. Jetzt schimpft er sich in der arischen Wochenschrift aus und beschimpft besonders seine engeren Landsleute und Glaubensgenossen, die Ostjuden. „Prager Tagblatt**«nd Hakenkreuz. Man schreibt uns:„Es reist sich gut mit den Schiffen der Hamburg-Amerika Linie" versichert das „Prager T a g b l a t t" vom 28. Dezember lst34, seihen jüdischen Lesern.„Große Orientfahrt" gefällig?„Fahrt nach Griechenland, der Türkei und ins Schwarze Meer(ab 375 Mark)"? „Fahrt durchs westliche Mittelmeer(385 Mk.)"? London. Zwischen Dover und Deal bei St.! Oder vielleicht der neue Schnelldienst nach Ost- Margart stürzten Donnerstag etwa 250.000 i asien gefällig? Mit dem Doppclschrauben-Motor- Tönnen Kalkstein und Erde ins Meer. Der Ab- schiff„Cordillera"? Er bietet„ungemein günstige bruch vollzog sich unter weithin hallendem Getöse, und billige Gelegenheit zu Erholungsreisen nach! In die Küste würde eine 45 Meter breite und 12 Palma de Mallorca(Balearen) Barcelona, Ge- Meter tiefe Lücke gerissen, die den Fußsteig von nua und Neapel"!.(Schon für 275 Mark, zu Deal nach St. Margart-Bucht unterbrach. Ob-!haben!) Es ist alles vorhanden. Bitte nur auswohl der Einsturz noch vor dem Höchststand der zuwählen l Der kleine Schönheitsfehler, der von Flut erfolgte, blieben di« niedergebrochenen Ge-: den Masten der Hapag-Tchiffc wehenden Hasteinsmassen teilweise über dem Wasser sichtbar, Ikenkreuzfahne stört d i e ses arische das eine milchweiße Farbe zeigte. Die Klippen' Blatt sowenig wie feine arisch« Leserschaft. Dem erstrecken sich nach Art eines Vorgebirges 200 Me-„Prager Tagblatt" ist es gleichgültig, aus Wester weit ins Meer hinaus. Menschen kamen glück- sen Händen es Geld erhält. Richt einmal dann. 1 ticherwetje nicht zu Schaden, aber hunderte von'wenn es aus dem„Dritten" Reich stammt. Vor« wenigen Monaten brachte dieses Blatt eine Annonce der„Heidelberger Festspiele" mit dem Namen Goebbels als des Protektors. Heute macht es für Hapag-Reisen unter der Hakenkreuzflagge Propaganda. Und die Beziehungen zur gleichgeschalteten„NeuenLeipzigerZei- t u n g"? Alles demokratisch? Ein Soldat springt aus dem fahrenden Zug. Donnerstag nachmittag wurde am Bahnviadukt bei Sobochleben ein schwerverletzter Soldat in bewußtlosem Zustand aufgefunden. Der Verletzte wurde mit einer Tragbahre in ein benachbartes Haus getragen und von Samaritern betreut. Bei der späteren Vernehmung durch die Gendarmerie ergab sich, daß er der Soldat Rudolf We.rner aus Obernitz bei Brüx ist, der auf Urlaub weilte, und auf der Fahrt nach Aussig, wo er angeblich einer» Freund- besuchen wollte,‘ in selbstmörderischer Absicht aus dem fahrenden Zug gesprungen war. Die Ursachen zu dem schweren Entschluß sind unbekannt. Der Verletzte wurde mit dem Sanitätsauw dem Teplitzer Krankenhaus zugeführt. Gaunerftechheit. In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag brachen bisher noch unbekannte Täter in di« Kanzlei des städtischen Kinos -in Neu-Oder berg ein. Sie entwendeten aus einer eisernen Kaffe die ganze Weihnachtslosung von 19.000 Kc. Die bisherige Untersuchung ergab, daß den Einbruch ortsvertraute„Fachleute" verübt haben müssen. Für die Gaunerftechheit charakteristisch ist die Tatsache, daß sich gegenüber dem Kino die P 0- lizeiwachstube befindet! Die Forderungen der Citroen-Arbeiter. In einer von dem Einheitssyndikat der Metallarbeiter veranstalteten Versammlung der Arbeiter, Angestellten und kleinen Investoren der Citroen-Gesellschaft wurde die Forderung erhoben, daß den Angestellten und Arbeitern der Gesellschaft während des Stillstandes der Betriebe dieArbeits- losenunterstützung ausgezahlt werde. Ferner wurde verlangt, daß nach der Wiederaufnahme der Arbeit am 3. Jänner das gesamte Personal wieder eingestellt werde. Nach 28jähriger Ehe den Gatten erschossen. Das New Yorker Geschworenengericht sprach Frau Mary Colucci, Mutter von 17 Kindern, ftei, welche ihren Gatten im Juni d. I. erschossen hatte. Es wurde der einwandfteie Beweis erbracht, daß Colucci seine Frau bereits seft der ersten Woche ihrer 28jährigen Ehe ständig geschlagen hatte. Der Luftschiffhafen von Friedrichshafen soll nach dem im Bau befindlichen Rhein-Main- Flugplatz in unmittelbarer Nähe von Frankfurt verlegt werden. Die erforderlichen Anlagen werden in kaum mehr als einem Jahr fertiggestellt sein, so daß sich mit Beginn der„Zeppelin-Saison" des Jahres 1936 der gesamte Lufffchiffverkehr von dem verkehrstechnisch günstiger gelegenen Rhein-Main-Gebiet aus ab- Wickeln wird. Die Werft von Friedrichshafen bleibt für den Bau weiterer Zeppeline bestehens Dr. Eckener gibt als Grund der Verlegung vor allem die ungünstigen räumlichen und meteorolo- gischen Verhältnisse an. Der neue Flughafen liege gleichzeitig viel zentraler als Friedrichshafen. Die in Friedrichshafen vorhandenen Hallen würden zum Bau neuer Luftschiffe für den nordatlantischen Flugverkehr gebraucht. Mit der Anlage des großen Flugplatzes Rhein-Main bei Frankfurt, wo sich die künftigen Reichsautostroßen Nord-Süd und West-Ost kreuzen, sei die ideale Lösung des Problems gefunden gewesen. Außerdem sei es für die internationalen Fahrgäste ungleich bequemer, loenn der Startplatz der Luftschiffe in Frankfurt statt in Friedrichshafen liege. AK do* Arbeiter-Tunt- und Sportbewegung Arbeitsgemeinschaft des Atus und Aruk bei gemeinsamer Arbeit. Am 22. Dezember fand eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft statt, in der gemeinsame Arbeiten beraten wurden. Schwierigkeiten liegen noch darin, daß die großen festlichen Veranstaltungen derzeit noch nicht parallel laufen. Im nächsten Jahre hat der AtuS Kreisfeste, der Aruk sein Berbandsfest. Eine Angleichung muß angeftrebt werden. Auch in der Abgrenzung der Kreis- und Bezirksgebiete gibt es teilweise Schwierigkeiten. Um diese genau festzustellen und sie dann zu beseitigen, wird eine gemeinsame Katte mit allen Organisationsgliederungen angelegt. Fast in allen Kreisen und Bezirken wurden bereits nach gemeinsamen Richtlinien Arbeitsgemeinschaften geblldet, die auch in der organisawrischen Arbeit praktisch wirksam werden. Die Maiwanderungen 1936 sollen M Werbetagen für den Arbeitersport ausgebaut werden. In gemeinsamenSternwanderungen und gemeinsamen zenttalen Veranstaltungen sollen beide Organisationen in Erscheinung treten. Eine gemeinsame Jugendschule im Sommer und gemeinsame Ver» sammsungsaktionen und Funktionärkurse im Herbst 1936 sind weiters vorgesehen. Bezüglich des Sportabzeichens und der dazu gehörigen Leiftungsprüfungen-soll eine Vereinheitlichung angestrebt werden. Der ideale Test der Prüfungen kann bei beiden Verbänden gleich sein. In Fragen der Einheitsfront stellen sich beide Verbände auf den Boden der Beschlüsse der Sasi. Bei Verhandlungen mit russischen Spöttlern muß eine gegenseitig« Verständigung erftsgen. Die Verhandlungen mit dem Roten Kreuz werden gemeinsam ge- fühtt. Es kam anläßlich der Verhandlungen in der Sitzung der einmütige Wille zum Ausdruck, durch engstes Zusammenarbeiten die Voraussetzungen für einen Zusammenschluß zu schaffen. Autounglück des ungarische» Außenministers Wien. Das Automobil des ungattsche» Außenministers Kanya stieß heute in Budapest mit einem vom Generaldireftor des Geschäftshauses Corvin Maximilian Levyn gelenkten Automobil zusammen. Minister Kanya blieb unverletzt, Levyn erlitt schwere Verletzungen und mußte ins Krankenhaus transportiert werden. Arbeitertod. Bei H u e l v a(Spanien) wurden drei Arbeiter, die an einem Stauwerk Erneuerungsarbeiten vornahmen, vom plötzlich durchbrechenden Wasser fortgerissen. Sie ertranken. Sturm und Blaulicht. Ein sehr kurzer und ungeheuer heftiger Sturm ging Donnerstag über London und Umgebung hinweg. Die Bevölke- rung wurde insbesondere bei seinem Beginne durch ein scharfes blaues Licht erschreckt, welches von einem dumpfen Grollen be- glettet war, das in den inneren Teilen der Londoner City bemerft wurde. Bier Schwestern ertrunken. Bier Keine Mädchen— Schwestern— ertranken in den Gewässern des Flusses in H a r r is v i l l e(U. S. A.) als ein Kahn, auf welchem sie in den Fluß hinausgerudert waren, umschlug. Drei Kinder verbrannt. In Indiana (ll. S. A.) kamen beim Brande eines Wohnhauses drei Kinder ums Leben; sie verbrannten bei lebendigem Leibe. Strenge Fröste sind im Gebiete von New Hampshire(U. S. A.) hereingebrochen. Das Thermometer zeigte eine Temperatur von 34 Grad Celsius unter Null. Hickei wütete ein schwerer Wirbelsturm, der eine Schnelligkeit von 280 Stundenkilometer erreichte. Der britische Flieger Waller und Kapitän Franchomme, die von Brüssel aus einen Flug nach Belgisch-Kongo und zurück unternahmen, sind heute kurz nach Mittag in Brüssel gelandtt. Den Flug nach Leopoldsville in Belgisch-Kongo legten die beiden Flieger in der Rekordzeit von 51 Stunden zurück, während sie den Rückflug in 57 Stunden und 19 Minuten absolvietten. Wahrscheinliches Wetter Samstag: Im Westen und Südwesten des Staates wechselnd bis überwiegend bewölkt, und wärmer als im übrigen Ge- bitt, vielfach nebelig, keine oder nur geringfügige Niederschläge. Nn Karpathengebiete meist umzogen, allmähliche Abnahme der Niederschlagsneigung, Temperatur nahe Null.— Wetteraussichten für Sonntag: Wetterlage unsicher. In den westlichen Ländern wärmer als im Osten. Vom Rundfunk Imptahlenswert» aus den Programm««» Sonntag Prag, Sender L.: 7.30 Konzert aus Karlsbad. 9.15 Klavierkonzert. 12.15 Buntes Programm: Orchester des Nationaltheaters. 17.55 Deutsche Sendung: Offenbach: Ritter Blaubart. 18.55 Deutsch« Presse. 20.7, Konzert der tschechischen Philharmonie. 22.25 Deutsche Presse und Sport. 22.30 Jazzorchester.— Sender S.: 14.30 Deutsche Sendung: Landwirtschaft. 14.45 Arbeitersendung: Karl Kern: Kameradschaft der Jungen. 15.00 Lieder und Klavierkompositionen. — Brunn: 9.20 Alte französische Musik. 17.55 Deutsche Sendung: Unterhaltungskonzett.-- Preßburg: 19.35 Unterhaltungsmusik.— Kafchan: 18.00 Zigeunermufik. 19.15 Orchefterkonzert. 7. 303 Samstag, 29. Dezember 1934 «eite 5 Griechenland rüstet auf Der Generalstab der griechischen Armee hat einen Plan des Kriegsrates ausgearbeitet, welchem die Reorganisation der griechischen Armee anvertraut werden soll. Der Kriegsrat wird sich aus den Stabschefs der Armee, der Marine und der Militärluftfahrt zusammensetzen. Weiter wurde im Prinzip dem Kredit für die Modernisierung der griechischen Armee im Betrage von acht Milliarden Drachmen zugestimmt. Verwaltet wird dieser Kredit durch die sogenannte Nationalvertei- digungskassr. an deren Spitze der Ministerpräsident stehen wird. Das griechische Marineministerium hat bei englischen Schiffswerften zwei Torpedobootzerstörer von je 2000 Tonnen Raumgehalt in Auftrag gegeben. Für die Reparatur und den Bau von Militärflughäfen wurde vorderhand der Betrag von 175 Millionen Drachmen bewilligt. Das Innenministerium arbeitet an einem großangelegten Plan für Zwecke der Verteidigung der Bevölkerung gegen Giftgasangriffe. Blutiger Kampf mit Schmugglern. Bei der Ortschaft G a st e I an der h.o l l ä n d i s ch- belgischen Grenze kam es in der Nacht zum Mittwoch zu einer wilden Schießerei zwischen holländischen Zollbeamten und Schmugglern. Ein Zollbeamter entdeckte auf einem Patrouillengange einen Schmugglertrupp, der sofort die Flucht ergriff. Der Beamte konnte einen der Schmuggler einholen und festnehmen. Als die übrigen Schmuggler merkten, daß der Beamte allein war, kehrten sie wieder zurück. Sie umzingelten ihn von allen Seiten und bewarfen ihn mit Steinen, so daß er seinen Häftling freilasien mußte. Im letzten Augenblick kamen fünf weitere Zollbeamte im Auto ihrem Kollegen zu Hilfe. Diese machten sofort von der Schußwaffe Gebrauch. Zunächst gelang es ihnen, die Angreifer zurückzudrängen. Diese wurden aber von der Bevölkerung von Gastel unterstützt und gingen abermals zum Angriff über. Die Beamten mußten sich andauernd schießend zurückziehen und ihren Kraftwagen im Stiche laffen, der von der Menge z e r st ö r t wurde. Plötzlich tauchten neue Gendarmen auf, die aus ihren Karabinern ganzem Salven abgaben, worauf die Schmuggler endlich in wilder Flucht davon liefen. AchtSchmugg- ler blieben mit schweren Schußverletzungen liegen und wurden als Polizeigefangene in ein Krankenhaus übergeführt. Unterwegs erlag einer von ihnen seinen Verwundungen. Der Zustand von zwei weiteren ist besorgniserregend., Der Kulturkampf in Mexiko. Aus M e x i- ko-City wird gemeldet: Ueberraschend wurde am Hl. Abend angeordnet, daß am ersten Weihnachtsfeiertag sämtliche Staatsbeamte wie an einem Wochentage zu arbeüen haben.— In der mexikanischen Kammer wurde in einem Antrag die Enteignung der Kirchenkunstschätze verlangt. Pest in China. Aus chinesischer Quelle wird mitgeteklt, daß in der Umgebung von Tsinklanp, etwa 200 Meilen nördlich von Nanking, einige tausend Personen an schwarzer Pest erkrankt sind. Es wurden eiligst Aerzte und andere Hilfe dorthin entsandt. Volkswirtschaft und Sozialpolitik■ Wird die Fettzollerhöhung in Kraft treten? Einem Artikel des Genoffen Franz Svojse. in der„Konsumgenossenschaft" entnehmen wir: Wir haben berests einigemal darauf verwiesen, daß im Sinne des Zollgesetzes vom 10. Juni 1934 ab 1. Jänner 1935 erhöhte Zölle für Fett und Speck in Kraft treten sollen. Obwohl es sich um ein bereits beschloffenes Gesetz handelt, versuchen wir mit allen Kräften, eine Aenderung herbeizuführen, denn bei der jetzigen Lage der Ver- Die Stadt Lima feiert ihre« 400. Geburtstag Lima, die Hauptstadt von Peru, die von dem Eroberer des Landes— Francisco Pizarro (im Ausschnitt)— im Jahre 1535 gegründet wurde, begeht im Jänner die Feier ihres vierhundertjährigen Bestehens., braucher würde ein Inkrafttreten der Zollerhöhung zweifellos einen weiteren Rückgang des FettverbraucheS bedeuten. Die bei Inkrafttreten der geplanten Zollerhöhung sich automatisch vollziehenden Einfuhrrückgänge würden wieder auf unseren Export in jene Länder wirken, mit denen die Tschechoslowakei in Kompensationsverkehr steht. Es ist daher zu verwundern, daß die für diese Frage in Betracht kommenden Wirtschafts- ministerien nicht initiativ vorgegangen sind. Der entsprechende Antrag der Zentralen unserer Kon- sumgenoffenschaften, ist von den entscheidenden Stellen sehr lau behandelt worden. Wir haben das Arbeitenministerium darauf aufmerksam gemacht, daß auch die letzten Reste unseres Nein gewordenen Kohlen- und Koksexportes nach Ungarn verloren gehen, wenn es zu dieser Zollerhöhung kommen würde. Das Arbeiten Ministerium hqt sich nun dieser Frage angenommen, was wir mit Dank zur Kenntnis nehmen wollen. Ganz bezeichnend ist aber das Verhalten der Handets- und Gewerbekammern. Man sollt« annehmen, daß die Handelskammern das größte Interesse an einer Verbreiterung des internationalen Warenaustausches hätten. Das trifft auch in diesem Falle für die Handelskammern von Pilsen» Budweis und Brünn zu, die sich für die Annahme des Antrages der Zentralen unserer Konsumgenossenschaften ausgesprochen haben. Anders die Reichenberger Handelskammer. Diese sieht es offensichtlich als ihre Aufgabe an, inersterReihedieJnteressen der Margarineindustriellen wahrzunehmen, welche letztere sich wieder von der Einschränkung des Fettkonsums einen noch besseren Nutzen für Margarine erhoffen. Und so kommt es, daß die Reichenberger Handelskammer die Exportinteressen unserer Volkswirtschaft bedenkenlos opfert. Die Reichenberger Handels- und Gewerbekammer tut unseren Einspruch gegen das Inkrafttreten erhöhter Fettzölle damit ab, daß sie sagt, die Frage des Fettzolles sei eine Angelegenheit der Landwirtschaft, und daß hohe Fettzölle für die Landwirtschaft iw Interesse der heimischen Margarineindustrie nötig wären. Ersteres ist nicht richtig. Die Frage erhöhter Fettzölle kann keine Angelegenheit sein, über die ausschließlich die Landwirtschaft zu entscheiden hat; hier handelt es sich vielmehr um ein allgemeines volkswirtschaftliches Interesse. Weiters ist wichtig festzuhalten, daß wir keine genügende heimische Schweinefettproduktion haben und importieren müssen. Die Agrarier werden dem Herrn Handelskammersekretär gewiß sehr dankbar sein, daß er sich so warm für den Schutz von agrarischen Interessen eingesetzt hat, obwohl die Art und Weise, wie dies geschieht, im Gegensatz zu den allgemeinen Interessen des Handels und der Industrie steht. Das Referat der Reichenberger Handels- und Gewerbekammer stellt em Labyrinth von einander widersprechenden Meinungen dar. Wir wollen daraus nur das Konkrete behandeln, und das ist der Vermittlungsvorschlag, der auf die Festsetzung eines festen Zolles von 240 XL für Fett und von 180 XL für Rohspeck abzielt. Wiederholt ist in dem Referat angeführt, daß eine Fettzollerhöhung abgelehnt werden muß, aber trotzdem wird obiger Vorschlag gebracht, der effektiv eine Zollerhöhung bedeutet und so wiederum den Interessen der Mar- garineindustrie gerecht wird. Der Jndustriellenverband als solcher hat in der Frage des Inkrafttretens höherer Fettzölle keine Stellung eingenommen; gewiß em Spiegelbild der geteilten Meinungen innerhalb dieses Verbandes. Grundsätzlich erklärt dieser Verband, immer für Zollermäßigungen zu sein, schon wegen des erleichterten internationalen Güterverkehrs. In der Frage der Fettzölle jedoch werden die Interessengegensätze sichtbar. Die Margarineseltion hat ein Interesse an höheren Fettzöllen; die Schweineimporteure sind»auch immer für Zollermäßigung"; aber beim Fettzoll, wo es um ihre egoistischen Interessen geht, ist ihnen der Zollsatz noch zu niedrig. Sie verlangen ernstlich einen Fettzoll von XL 3.45. Diese Leute würden verdienen, vor aller Oeffentlichkeit mit Namensnennung angeprangert zu werden. Unsere Fettimporteure ermöglichen unserer Industrie bedeutende Exporte. Diese Exporte würden in dem Maße zurückgehen, als die Einfuhr sinkt. Der Bauer ist an Fettzöllen nicht interessiert. Der Fiskus hat nichts von höheren Zöllen, wenn die Einfuhr geringer wird. Alle Argumente sprechen also gegen die für den 1. Jänner vorgesehene Fettzollerhöhung. Göttin Kali fordert Blut Von Ruth Körner. In Bengalen, der reichsten und lebendigsten Provinz Indiens, lebt trotz Fortschritt und antireligiöser Propaganda immer noch eine Gruppe fanatischer Kali-Anhänger, die den Kult der Göttin erschreckend hemmungslos und grausam durchführt. Wo liegt der unheimlichste Ort Indiens?— In den Dschungeln? Im Innern des Landes? An den Rändern der Wüsten und des Urwaldes? Reitet man auf Elefanten oder Kamelen dahin? Ueber Wege unter Lianen und Palmen? Nein. Zum unhchmlichsten Ort Indiens führt die Straßenbahn. Er ist zwanzig Minuten von den Wolkenkratzern im Zentrum Kalkuttas— der größten indischen Stadt— entfernt. Die Häuser sind ein bis zwei Stock hoch, die Straße ist breit und gepflastert und auf einem freien Platze stehen eng zusammengedrängt die roten und silbernen Autobusse: Endstation. Dieser Vorort heißt Kalighat. Wenn man jedoch die Straße verläßt und dem schmalen ausgetretenen Feldweg folgt, kommt man nach etwa zehn Minuten in des Gebiet der Tempelstadt. Mit einem Schlag verändert sich das Bild. Wie die Läden im Basar, so stehen hier die Tempel mit den verschiedensten Göttern und Göt- xen nebeneinander. Ihre überlebensgroßen Bilder sind mit Blumen geschmückt, mit tierischen Fetten verklebt und mit gefärbtem Reis bestreut. Uralte, hexenhaste Frauen oder schöne,, junge Priester— offenbar nach Rang und Macht der Götter— hüten und pflegen die Altäre. Ein Stückchen weiter an der Tempelmauer sitzen Bettler. In zwei Reihen, in drei Reihen, einer ganz dicht am andern. Aussätzige, mit Asche Beschmierte, Hungrige, Fieberkranke.„Memsahb! Memsahb!" Sie halten jedem Vorübergehenden ihre schmutzigen Ehschalen entgegen und schlagen mit ihren verkrüppelten Händen abwechselnd aus Mund und Magen.„Memsahbl Memsahb!" Weiter führt der Weg zu einem Keinen, mit dickem, grünen Wasser gefüllten Bassin. Dieses Wasser ist heilig. Einige alte Leute und vier bis sechs Knaben baden darin; gleichzeitig waschen sie ihre Wäsche, vielmehr die Ueberreste ihrer Wäsche, und legen sie zum Trocknen an den Rand in den Staub der Straße oder gehen zu zwei und zwei in der Sonne, die Fetzen wie wertvolle Tücher ausgespannt tragend. Schon bei diesem Bassin hört man ein dumpfes Brausen, wie das Rauschen eines Flusses oder das Murmeln einer riesigen Menschenmenge. Es kommt von dem großen Platz, dem Mittelpunft der Tempelstadt, auf dem sich Hunderte, Tausende, vielleicht Zehntausende von Menschen drängen. Frauen im weißen Sari; Männer, halbnackt, mit bunt bemalten Stirnen; Mönche in ihren orangefarbenen Tüchern; Kinder, die hin und her gestoßen werden; Händler, die mit ausgeschrienen und gepreßten Stimmen Ketten grcllroter Tempelblumen anbieten; räudige, fast verhungerte Hunde, die in erwartungsvoller Erregung umherschnutz- Pern. Monoton und leist singen die Teufelsanbeter vor ihrem ewigen Feuer. Betäubend ist der durchdringende Geruch der Blumen, die Hitze fast unerträglich. Ein schwerer Monsunwind jagt Pechschwarze Wolken über den Himmel. Dann und wann erhellt ein ganz greller Sonnenstrahl den Platz. Der Gottesdienst im Kalitempel wurde eben beendet. Noch hocken einige Frauen auf den Stufen und im Tempelinnern oder liegen vor dem Eingang, ihre Stirnen in den Staub gedrückt. Sie Kagey, beten und bitten. Kali ist nämlich die furchtbarste und grausamste Göttin der Hindureligion, die Hüterin aller gefährlichen Krankheiten, die Lenkerin der Giftschlangen. Nur die herzzerreißendsten Gebete, unterstützt durch Blutopfer, können sie versöhnen, rühren und gütig stimmen. Und um dieses Blutopfer zu vollziehen, sammeln sich die Gläubigen auf denr Platz, auf dem— wenige Schritte vom Tempel entfernt— zwei gabelförmige Opferblöcke stehen. Nach langen Weihzeremonien und Besprengungen mit heiligem Wasser wird em kleines Opfertter nach dem andern auf den Block gelegt. Ein Priester hält ihm die Hinterbeine zusammen, während der andere mit einem kurzen, scharfen Messer den Kopf vom Rumpfe trennt. Auf diese Weist werden der Göttin Kali täglich sechs bis acht Ziegen geopfert. Und so ost ein Kopf auf die Erde fällt, vor die Füße der Gläubigen rollt und ein Strahl von Blut aufspritzt, geht ein Freudenschrei durch die Menge. Kampf der Schweizer Kommunisten untereinander Innerhalb der Schweizer Kommunistischen Partei haben die'"gegenseitigen Kämpfe noch nie aufgehört. In Thalwil hat die dortige KP-Leitung einige Leitungsmitglieder wegen Abiveichen von der Linie ausgeschlossen. Diese haben eine opposi- tionelle Rote Hilfe-Gruppe begründet, die jetzt ein Zirkular verbreitet mit folgenden Vorwürfen gegen den Führer der Schweizer Kommunisten Trostel: „Der Sekretär der Roten Hilfe in Zürich, Trostel, hat einem vom deutschen Nationalsozialismus verfolgten Genossen die Unterstützung entzogen, weil er in bezug auf die Lage in Deutschland trotzkistische Auffassungen bekundete.... I» der entscheidenden Versammlung vom 17. November konnte Sekretär Trostel uns nicht überzeugen, daß unser Denken und Handeln falsch sei. Auf welch schwachen Füßen seine Argumentation stand, bezeugt die Tatsache, daß er Arbeiter als Schuftebeschimpfte und ihnen m i t Biergläsern drohte... Di« Behauptung der KP und der RH, daß Genosse Fr. seit 1933 aus der KPD ausgeschloffen sei und die Tatsache, daß trotzdem von ihm di« Rückkehr nach Deutschland gefordert wurde, läßt bei jedem objektiv denkenden Menschen die Vermutung aufkommen, daß es sich hier um die Abschiebung eines der KP-Leitüng und ihrer Politik nicht mehr bedingungslos ergebenen Genoffen handelt, was somit nichts anderes als seine Auslieferung an denFasciS- rnui bedeutet." Wir können nicht die Richtigkeit der hier von Kommunisten gegen die kommunistische Leitung erhobenen Vorwürfe nachprüfen, aber dieser Streit offenbart einen sehr erfreulichen Zustand in der KP, in der scheinbar jeder Jedem alles Böses zutraut. Archäologische Arbeiten in Mittelamerika (AP.) Die archäologischen Arbeiten in Zentralamerika, insbesondere die Bemühungen, die in den Dschungeln der Halbinsel Vukatan liegenden Ruiüen- städte der Mayas freizulegen, sind erst neueren Datums und haben intensiv erst vor einigen Jahrzehnten eingesetzt. Es waren vor allem englische und amerikanische wissenschaftliche Jnstituttonln, die mit namhaften Mitteln versucht haben, das zu retten, was von der unsinnigen Zerstörungswut der Aben- teuerer des 16. Jahrhunderts verschont geblieben ist. Die Schwierigkeiten, die sich einer Erforschung der alten Ailturzentren entgegenstellten, waren ungeheuer. Zunächst waren Verträge mit der mexikanischen Regierung nöttg, die darauf bestand, daß mindestens 2000 Maya-Indianer bei den Arbeiten ständig beschäftigt werden müßten. Danach galt es, das ganze Gebiet von dem Dickicht zu säubern, um eine Häuserkolonie anlegen und den Kampf gegen die Malaria aufnehmen zu können. Weiter erwies es sich als nötig, durch fortwährende Geschenke das Zutrauen der Eingeborenen, insbesondere der sogenannten Chiole-Jäger, zu gewinnen, die den Dschungel auffuchen, um das zur Erzeugung von Kaugummi notwendige Bauniharz zu gewinnen. Die Halbinsel besitzt weder Eisenbahn noch Landstraßen. Verbindungen mit der Außenwelt vermitteln nut Lastdampfer und Postflugzeuge. Die MahaS hatten eine anders geartete Kultur als die Azteken und Inkas. Die Untersuchungen haben ergeben, daß sie über eine Zeitrechnung verfügten, die genauer als die damalige von Europa war. Mehrere Heilmittel, wie Chinin, wurden auS ihrer Heilkunde von Europa übernommen. Sie besaßen Schulen, in denen das Lesen und Schreiben ihrer Bilderschrift gelehtt wurde. In den Städten herrschte peinliche Sauberkeit. Die Sttaßen waren gepflastert und die einzelnen Landesteile durch breite Straßen verbunden, von denen noch kilometerlange Reste zu sehen sind. Die heutigen Nachkommen haben sich zwar in Sitte, Kleidung und Sprache europäisiert, aber die Handfertigkeit und künstlerische Anlage aus ihrer Vergangenheit herübergerettet. Dann eilen die Frommen herbei, hingerissen pom Blutrausch, mit verzerrten Gesichtern und in Ex- tase fast taumelnd; sie schütten Reis. Blumen und Geld aus ihren Opfergefätzen und füllen Schalen mit der dampfenden roten Flüssigkeit. Mit Blut bemalen sie ihre Sttrnen, ihre Wangen, ihre Hände, ihre Fußsohlen; sie lecken es vom Boden auf und küssen es von den Blöcken. Denn dieses Blut bringt Glück und schützt vor allem Unheil Nach dem Opfer werden die Köpfe der Tie» gesammelt und in eine lange Reihe gelegt; vor ihr sitzt ein Priester und zerteilt mit seinem heiligen Messer die Leichen. Rund um ihn hocken unzählige Frauen und lauern gierig auf die blutigen Fleischstücke, die ihnen zugeworfen werden. Kaum haben sie solche Klumpen ergattert, verschwinden sie in der Menge, chren Schatz vor nei* dischen Blicken ängstlich bergend. Und um die Hautfetzen— den letzten unheiligen Rest— raufen die Hunde und Krähen. Plötzlich fallen einige schwere Regentropfen. Die Menschen fliehen durcheinander, stoßen und drängen zu den Ausgängen und wenige Minuten später geht ein Wolkenbruch nieder, der alles verhüllt, grau in grau, der das Blut vom Boden fortwäscht, der die Hunde und Krähen vertreibt, der in die weit offenen, starren Augen der Tirrköpfe fällt, der die roten Tempelblumen zerschlägt und in Bächen an den Opferblöcken herabrinnt. Der Platz ist leer. Fast ausgestorben. Und das eben Gesehene erscheint wie eine furchtbar bedrückende Fata Morgana. Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 29. Dezember 1934. Nr. 303 PRAGER ZEIHJIIG Mißbrauch der Blinden-Stöcke. Bekanntlich wurden im Herbst des Jahres 1931 in Prag Weiße Stöcke als Abzeichen für die Blinden zur Erhöhung ihrer Sicherheit in den frequentierten Straßen eingeführt. Diese Neuheit hat sich vollauf bewährt. In der letzten Zeit mehren sich jedoch die Beschwerden aus den Reihen der Blinden, daß die Weißen Stöcke von einigen Blinden allzusehr zu Betteleien benützt werden und daß das erwähnte Abzeichen an Bedeutung dadurch verliert. Die tschechoslowakische Zentrale für Blindenfürsorge in Prag betont neuerdings, daß Blinde die weißen Stöcke zur Erhöhung ihrer persönlichen Sicherheit benützen und durch diese auf sich nur deshalb aufmerksam machen, um ein wenig Rücksicht und Hilfe beim Ueberqueren von Straßenkreuzungen zu erbitten. Einen anderen Zweck haben sie nicht. Blindenlegitimationen dienen ausschließlich als Ausweis für die Benützung des Weißen Stockes, und es ist deren öffentliches Zeigen in den Straßen bei Betteleien oder Zeitungsverkäufen unzulässig. Sonderausflugszüge. Die Staatsbahndirektion in Prag veranstaltet in den Tagen vom 29. Dezember d. I. bis 1. Jänner 1935 einen Sonderausflugszug„SilvesterimBöhmerwalde". Abfahrt von Prag-Wilsonbahnhof am 29. Dezember zirka 15 Uhr 30 Min., Ankunft in Eisenstein zirka 21 Uhr 30 Min. Rückkehr am Neujahrstag um 22 Uhr. Preis mit Verpflegung und Logis 198 KL. In den Tagen vom 5. bis 13. Jänner 1935 Ausflug in die Hohe T a t r a für 575 KL. Am 29. und 30. Dezember eintägiger Ausflug ins Riesengebirge mit Verpflegung und Uebernachtung für 75 KL. Anmeldungen mit Anzahlung im Referat für Ausflugszüge im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 383—35. Konst und wissen GUvestervorstellunge« im Neue« Theater: Im großen Haus: Nachtvorstel lung„Die schöne Helena" in vollkommener Neuinszenierung mit Käthe Walter als Helena. Pre- ger als Paris, Dudek als Menelaus, Kmmnersänger Scheid! als Agamemmnon, Bandler als Kalchas, Gutmann als Achill, Herta Rahn als Orest und Padlcsak—Göllnitz als Ajaxe. Regie: Liebl, Dirigent: Rieger, Ausstattung: Pirchan, Tanzgruppe Aubrecht und das Ballett des Deutschen Theaters unter Leitung von Martha Aubrecht. Silvester- Einlagen! Silvester-Feier um 12 Uhr usw. usw. Beginn um halb 11 Uhr. Preise nur 6 bis 64 KL. — Besondere Mitteilung an die Abonnenten: Die „Schöne Helena" wird nicht im Abonnement gegeben werdens. Abendvorstellung am 31. Dezember, halb 8 Uhr, einmalige volkstümliche Vorstellung der Revue„Hoch klingt das Lied vom braven Mann" im Neuen Theater. Preise nur 2 bis 20 KL. In der Kleinen Bühne: Nachtvorstellung:„Kleine Bühne etwas verrückt"(Theater, Musik, Gesang und Tanz). In dieser Revue werden unter, anderem auch vier Einakter(Sketche) aufgeführt, und zwar:„Romania p i t e l",„Go e t h e" von Friede!! und Polgar, „Versicherungsschwindel" und„Heim der Primadonna". ES wirkt der größte Test des Personals mit, und zwar u. a.: die Damen: Book, Carpentier, Moncasi, Schneck, Stein, di« Herren: Gellner, Klein, Klippel, Beda Lac, Marie Schick, Schmerzenreich, Stadler, Taub, Tauchen, Trabauer, Unruh. Valk, Volker. Leitung: Gellner, Taub, Schick. Beginn halb 11. Preise: 18 bis 45 KL. Abendvorstellung am 31. Dezember, halb 8 Uhr, zum erstenmale abends volkstümlich „S e n s a t i o n s p r o z e ß". 6, 12, 18 KL. Gastspiel Ernst Deutsch in„Gesellschaft" Schauspiel von Galswürthy. Es war verdienstvoll, Galsworthys Stück wieder dem Spielplan einzufügen. Es ragt beträchtlich empor über manche der„Neuheiten" der letzten Jahre. Und es ist aktuell und doch zeitlos, weil es ein noch lange recht lebendig bleibendes Problem behandelt. Auch wenn es sich nicht um einen Juden handelte, der in'.er „Gesellschaft" geduldeter Außenseiter ist, auch wenn ein anderer gegen den Corpsgeist der„Gesellschaft" sündigte, iväre diese die gegen ihn gerichtete Macht. Es gibt ja auch die„Gesellschaft", der Juden zugehörig sind, die in anderen Fragen gegen Außenseiter solidarisch ist. Besonders aktuell freilich ist Gals- worthhs Werk in dieser Zeit des tierischen Judenhaßes, in der auch außerhalb des„Drillen Reiches" das einzige Argument weitester Kreise das des Diebes Dancy iss:„Saujud"! So darf man'ch der Wiederaufführung der„Gesellschaft" auch deshalb freuen, weil hier in vornehmster Art der Kampf gegen den Antisemitismus geführt wird. Dazu kommt dann die Freude an der klaren, logischen Handlung, an dem guten Bau des Stückes, an der Fülle schöner Szenen. Und die Freude, an einer guten Aufführung, in der, weil ja alle handelnden Herren Gentlemen sind und deshalb einander in ihrem Wesen so sehr gleichen, es ganz auf das Zusammenspiel ankam. Hervorragen mußten zwei Personen: Ernst Deutsch als Levis und Herr Klippel als Hauptmann Dancy. Klippel kann zunächst nicht viel Besonderes zeigen, er ist ja der zurückhaltende Gentleman, der leicht hinter vorgetäuschter Ruh«, die nur wenig eine gewisse„Empörung" dprchschimmern läßt, seine Erregung verbergen kamt. Aber später, als die Anschuldigung seines Opfers deutlich wird, kommt sein Haß, der um so stärker, wird, je offensichtlicher der andere im Recht ist, explosiv zum Durchbruch.— Schön ist die anfängliche Zurückhaltung, die lächelnde Selbstbeherrschung Deutschs nach der Entdeckung des Diebstahls, echt die Kraft der Entrüstung des von der„Gesellschaft" seines Kampfes ums Recht wegen Geächteten. Nirgends eine llebertreibung! Selbst dort nicht, wo die geheiligte Ruhe des Klubs gestört wird durch das Aufbrausen des auf seinem Recht Beharrenden.— Neben den beiden Hauptakteuren hatte Herr Dudek Gelegenheit, eine Nebenrolle besonders farbig zu gestalten.—fb— Einmaliges Gastspiel des Graslitzer Kinder- Blasorchesters(45 Buben und Mädeln) unter Leitung Hans Riedls; Sonntag, 3 Uhr. Das£':o- gramm enthält außer einer Anzahl von Orchesterstücken Vorträge verschiedener jugendlicher Solisten auf dem Saxafon, dem Susafon uiw.; seiner u. a. das Sextett aus der„Verkauften Braut". Preise: 2 bis 20 KL. Donnerstag neueinstndiert„Der Barbier von Sevilla" mit Rose Book, Hagen und Riawetz.(C 2.) Dirigent: Zweig. Samstag Gastspiel Kammersänger Jerger: „Hoffmanns Erzählungen".(D2.) „Berkauste Braut" an der Wiener Staatsoper. Der neue Staatsoperndirektor Felix Weingartner hat als erste Neuhett der Staatsoper die„Verkaufte Braut" unter seiner Leitung in Neueinstudierung mit Jarmila Novotnä, Richard Taube r und Karl Norbert in den Haupttollen festgesetzt. Die erste Aufführung der neueinstudierten„Verkauften Braut" in der Wiener Staatsoper ist für Ende Jänner bestimmt. Der Verband deutscher Graphiker eröffnet Mittwoch, den 2. Jänner im Kunstverein für Böhmen(Prag II., Pstrossova Nr. 12) seine diesjährige Mitglieder-Ausstellung mit zahlreichen Gästen aus dem Auslände, darunter Kollwitz, Kubin, Kolbe, Kokoschka etc., Erfreulicher Massenprotest. In diesen Tagen kommt in Berlin ein Prozeß gegen das Phil- harmonischeOrchesterzur Verhandlung, und zwar über einen Stteitgegenstand, dessen Wert mit 4 2.0 0 0 RM beziffert wird. Zahlreiche Abonnenten der philharmonischen Konzerte fordern nämlich die Rückzahlung der Beträge für die abonnierten Konzerte, weil sie vor qllem im Hinblick auf den Dirigenttn Furtwängler abonniert hätten. Wochrnspielplan deS Neuen Deutschen Theaters. Samstag, halb 8: Gesellschaft, Gastspiel Ernst Deutsch, A 2.— Sonntag, 3: Gastspiel des Graslitzer Kinder-Blasorchesters; halb 8: Der singende Traum, Gastspiel Richard Tauber, CI.— Montag, halb 8: Hoch kling: das Lied vom braven Mann; halb 11: Die schöne Helena, Silvestervorstellung.— Dienstag, halb 3: Blaubart; halb 8: Lucia vonLammermoor, AI.— Mittwoch, halb 8: Gesellschaft. Gastspiel Ernst Deutsch, B 2.— Donnerstag, halb 8: Der Barbier'von Se Villa, neueinstudiert,'-C2.— Freitag, halb 8: Der singende Traum, DI.— Samstag, halb 8: Hoffmanns Erzählungen, Gastspiel Mfred Jerger, D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag. halb^5: Max und Moritz; 8: Mädels im Nachtbetrieb.— Sonntag, 3: Fremdenverkehr; 8: Mädels im Nachtbetrieb.— Montag, halb 8: Sensationsprozeß; halb 11: Kleine Bühne etwas verrückt.— Dienstag, 3: Nacht vor dem 11 l- timo; 8: Fremdenverkehr.— Mittwoch, 8: Mädels im Nachtbetrieb.— Donnerstag, 8: Mädels im Nachtbetrieb.— Freitag, 8: Mädels im Nachtbetrieb, Kultur- verbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag, halb 5: Max und Moritz; 8: Fremdenverkehr. Sport»Spiel• Körperpflege Werbe-Abend der Prager Atus-Tifchteunis-Tparte Am 3. Jänner(Donnerstag) um halb 8 Uhr abends veranstaltet die Tischtennis-Sparte des Prager Atus im Heim auf der Hetzinsel einen W« r be- abend, zu welchem alle Mitglieder und Genossen freundlichst eingeladen werden. Es mögen sich haupt- lich auch Anfänger(innen) und neue Interessenten für diese Sportart einfinden, da ihnen die Möglichkeit geboten wird, die ganze Ausbildung des Tischtennis zu absolvieren. Diese Abende werden in Form einer Tischtennis-Schule veranstaltet, welche regelmäßig jeden Donnerstag stattfinden wird. Anmeldungen vor Beginn der Spiele. Beittag: 50 Heller für Lichtspesen. Die Schule werden unsere Spitzenspieler, u. a. der Olympiade-Meister Genosse Möbius jun., leiten. Norwegens Arbeitcrsportverband und Gewerkschaften gegen Sportverkehr mit Hitlerdeutschland. Der norwegische Arbeitersportverband(AJF) faßte einen Beschluß, den sich auch die Gewerkschaften zu eigen machten, und welcher nun in der bürgerlichen Sportwelt, besonders aber in Hitlerdeutschland, große Bestürzung hervorrief. Es dürfen laut diesem Beschluß in Hinkunft alle in den norwegischen Gewerkschaften organisierten Mitglieder als Sportler weder in der Heimat noch im Ausland nicht, mehr gegen reichsdeutscheSportlerstarten. Die Mehrzahl der Sportler Norwegens sind gewerkschaftlich organisiert und daher wird der Beschluß seine Wirkung nicht verfehlen. Die norwegische Expedition für die Berliner Olympiade wird dadurch stark an Wert verlieren und zwecklos werden, Dn Oslo soll im kommenden Jahr ein Fußball-Länderkampf Norwegen—Deutschland abgehalten werden und die norwegische Mannschaft wird, falls der bürgerliche Verband nicht gänzlich absagt, äußerst schwach und wenig repräsentationsfähig sein. Mittelschüler spiele« Eishockey. Die Sektton für Leibesübungen beim Zenttalverein tschechoslowakischer Professoren veranstaltet ein Eishockeyturnier für die Mittelschulen Böhmens. Es meldeten sich nicht weniger als 5 4 Mannschaften— unter ihnen fünf deutsche, und zwar je eine aus Eger, Leitmeritz, Gablonz a. N. und zwei aus Prag— an, welche in fünf Gruppen eingeteilt werden mußten. Es wird zunächst um die Kreismeister- schasten in Pardubitz, Kolin, Leitmeritz, Pilsen, Tabor'und Prag gespielt, worauf die Kreissiege: am 13. und 14. Feber auf der Prager Kunsteisbahn die Endspiele austtagen werden. Oer Film Kamilla Horn in der verfilmten Strauß-Operette„Der letzte Walzer"(„Liebe am Zarenhof") Aergert den Großpapa nicht Der neue ffchechische Film, den der vielgewandte Regisseur Karel L a m a L mit dem Liebling des Volkes Vlasta B u r i a n angefertigt hat,.zeigt kein« andere Absicht, als um jeden Preis komisch zu sein. Und da er die Zuschauer immerfort zum Lachen bringt, kann man feststellen, daß er sein Ziel erreicht hat. Ueberraschend ist das nicht; denn daß LamaL sich auf die Herrichtung von Lacheffekten versteht, ist ebenso bekannt wie Burians Talent, das Zwerchfell hartnäckig und erfolgreich zu attackieren. Dabei hätte man sich aber gerade von diesen beiden Leuten gern überraschen lassen, weil sie in dem begründeten Verdacht stehen, mehr zu können als nur blühenden Unsinn hinzuzaubern. Sie haben es jedoch nicht gewollt: sie vergnügen sich und das Publikum mit einer bloßen Parade tofficherer Schwanksituationen,— mit dem falschen Onkel aus Amerika, mit dem Mann, der die Schaufensterfigur spielt, mit dem fidelen Irrenhaus, mit einem zweiten falschen Onkel und mit einem Betrunkenen, der den Wirt einsperrt und dem Tischnachbarn gemogelte Würfel in die Suppe wirft. Burian macht das alles: zapplig, redselig, unwiderstehlich wie immer. Es war eine Gnade von ihm, daß er niöht alle handelnden Personen selbst gespielt hat, sondern Theodor P i s t e k(der hier einen dicken Verrückten hingebungsvoll verkörpert) neben sich in Erscheinung treten läßt. Für zwei so begabte Schauspielerinnen wie Ljuba Herrmannovä und Hana V i t o v ä war dann allerdings kein Platz mehr. —eis— Wilde Fracht Der amerikanische Raubtterfänger Frank Buck, der mit seinem Film„Bring sie lebend heim!" bekannt wurde, hat hier ein. neues Kapitel seiner Arbeit verfilmt: wie er auf Ceylon und Sumatta Elefanten und Nashörner, Leoparden und Tiger, Affen und Riesenschlangen mit Netzen, Fallen und Schlingen einfing. Es sieht im Film etwas einfacher aus als es in Wirklichkeit verlaufen sein dürfte. Aber es ist angenehm, daß sich dieser Film(mit geringen Ausnahmen) von dem frechen Schwindel freihält, für den jüngst der„Bengal"-Film ein Beispiel war. Er zeigt einen interessanten Beruf, ein Stück Dschungel-Welt und Tierleben. Er ist also— mit einem Wort«— sehenswert. Der Herr ohne Wohnung Man könnte vermuten, daß ein Film mit diesem Titel etwas mit dem Schicksal derer zu tun hat, die ihre Miete nicht bezahlen können und obdachlos werden,— wie das ja gerade im schönen Wien, dem Ursprungsort dieses' Films, in letzter Zeit nicht selten ist. Aber klein: es handelt sich— selbstverständlich— um ein„Lustspiel" mit Gesang, und der Herr ohne Wohnung ist ein Betrunkener, der seine Adresse nicht weiß und den falschen Hausschlüssel bei sich hat, so daß ihn der Fiakerkutscher(der auch. Lieder anstimmt) in der Villa des gleichsam bezechten Chefs abliefert, wo es dann natürlich zum großen Skandal und zur glücklichen Versöhnung kommt. Das Ganze ist vom Anfang bis zum End« so aufdringlich stumpfsinnig, daß es Gähnkrampf verursacht— und der Regisseur Emo hat daran auch durch ein Aufgebot namhafter Schauspieler wie Hörbiger, Thimig und Slezak und auch durch die Bemühung der Adele Sandrock nichts ändern können. Mitteilungen aus dem Publikum Unangenehme Kopfschmerze« können durch einfaches Bestteichen von Schläfen und Sttrn mtt Alva- Franzbranntwein gelindert werden. Einreibungen mit Alpa lindern auch rheumattsche Schmerzen und erfrischen bei Ermüdung. Einige Tropfen Alpa in ein Glas Wasser und Sie haben ein gutes Mundwasser. 100 Merstnr Neue Musikbücher Ein neues Brahms-Buch ist dieser Tage im Verlage von Rudolf Rohrer in Brünn erschienen. Karl Geiringer, sein Verfasser, hat ihm den tteffenden Tüel„JohannesBrahms Leben und Schaffen eines deutschen Meisters" gegeben. In seiner Eigenschaft als Kustos an den Sammlungen der Gesellschaft dcr Musikfreunde in Wien hatte Geiringer Gelegenheit, besonders werwolles und neues Material für sein BrahmS-Buch zu benützen. Der Verfasser weist in der Vorrede zu seinem Werke selbst darauf hin,„daß ihm für dessen biographischen Teil ein ganz einzigartiges Material zur Verfügung stand, welches bisher noch von keinem Forscher eingesehen werden könnte; die wett über 1000 Briefe, die Brahms während seines Lebens von den verschiedensten Schreibern erhielt und die gegenwärtig Besitz der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde sind". Diese Briefe setzten Geiringer vor allem instand, den Menschen Brahms deutlicher als bisher zu offenbaren; Brahms Liebesleben insbesondere erscheint in vielfach neuer Weise erforscht. Schon die vorbildlich übersichtliche Einteilung des neuen Brahms- Buches von Geiringer empfiehlt es: Drei Hauptabschnitte behandeln in 22 Kapiteln das Leben, das Werk und die Persönlichkeit Johannes Brahms'. In der Durchführung der einzelnen Kapitel zeigt sich Geiringer als Brahms-Forscher von berufenster Art; denn er dient Brahms als ebenso gründlich wie liebevoll zu Werke gehender Biograph, der überschwenglich subjekttve Urteile zu vermeiden weiß. Die ausgezeichnete buchtechnische Ausstattung des reich bebilderten und durch interessante Notenbeispiel« auS» gestatteten neuen BrahmS-Buches ist noch hervorzuheben und seine bei aller wissenschaftlichen Gründlichkeit verständliche Schreibweise, die es auch dem Nichtmusiker zugänglich macht und den musikalischen Volksbibliotheken empfiehlt. Fast zur selben Zeit wie Rohrer sein Brahms- Buch hat der Verlag von Dr. Rudolf Passer in Wien ein neues Dvorak-Buch herausgegeben,' dem schon deswegen besondere Bedeutung zukommt, weil es die erste deutsche Dvoiak» Biographie ist. Besonders interessant ist eS auch im Zusammenhang mit dem besprochenen neuen Brahms-Buch, weil die Beziehungen der beiden großen Musiker BrahmS uno Dbokäk in beiden Büchern zuM Ausdruck kommen und ein rn unserer Zeit doppelt beherzigendes Beispiel internationaler Kunstauffassung geben. Der ffchechische Musikforscher O. S o u r e k und der bekannte Wiener Musikschriffftel» ler Paul Stefan sind die Verfasser der neuen deutschen Dvokak-Biographie. Die Mitarbeit Sou» reks,an ihr läßt erkennen, daß sie grundsätzlich unter Benutzung des erst vor einem halben Jahre fertig» gestellten großen biographischen Dvokak-Werkes dieses bedeutendsten Dvorak-Forschers geschrieben wurde. Aber dieses neue deutsche Dvorak-Buch ist nicht nur eine Dvorak-Biographie im üblichen Sinne und in der engeren Bedeutung des Wortes, aus der man eine umfassende Lebensbeschreibung des großen tschechischen Meisters erhält, sein künstlerisches Werden und Wachsen bis zum Gipfel des Ruhmes erfährt und durch ausgezeichstete Analysen der Hauptkompositionen auch in das schöpferische Werk des Meisters gründlich eingesührt wird, sondern es ist auch ein höchst lehrreiches Buch im weiteren biographischen Sinne, das über die Musikverhältniffe der Zeit Dvokaks im allgemeinen und jener Prags zu seiner Zeit im besonderen reiche und interessant« Aufschlüsse gibt. Auch diese Dvokak-Biographie kann allen musikalischen Volksbibliotheken bestens empfohlen werden, weil sie dem Laien ebenso verständlich und nützlich ist wie dem Fachmusiker. E. I. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Aergert nicht den Großpapa"(Bl. Burian— Tsch.)— Alfa:„Die wilde Last"— Avion:„Moskauer Nächte"(Annabella, H. Baur—- Fr.)— Beränek:„Mutter KraLmerka"(Tsch.)— Fcnix:„Polenblut"(Tsch.)— Flora:„Mutter KraLmerka"(Tsch.)— Hvkzda:„Aergert nicht den Großpapa"(Burian— Tsch.)—. Julis:„Moskauer Nächte"(Fr.)— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Reportage. Ab hab 2 bis viertel 8 Uhr.— Koruna:„Der Dämon"— Kotva:„Frigo, der Löwe von Paris"(B. Kea ton— Fr.)— Lucerna: „Frigo, der Löwe von Paris"(B. Keaton— Fr.)— Metro:„N octurno"(Regie G. Machaty D.)— Olympic:„Ein Walzertraum"(Fr.)— Praha:„Der Dämon"— Radio:„Bei uns in Krähwinkel"—(Tsch.)— Alma:„Bei unß in Krähwinkel"(Tsch.)— Bajkal:„Mutter KraLmerka" (Tsch.)— Beseda:„Maskerade"(D.)— Favorit: „Die treueNhmphe"(E.)— Lido:„Bengal" — Louvre:„Bei uns in Krähwinkel"— MaccSka: „Solang du eine Dkutter hast..."(Tsch.)— Rox»: „Bei uns in Krähwinkel"(Tsch.)— Sport Smi- chow:„Der letzte Mann"(Hugo Haas— Tsch.)— Baldck:„Bei uns in Krähwinkel"(Tsch.) OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlicki KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96—. ganzjährig KL 192.—.— Jmercrte werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- sraphendirelffon mit Erlaß Nr. 3&80Q/VII/193Q bewilligt.— Druckerei: jDrinS". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag,