IE HTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«2. telefon 53077. Administration TELEFON 5307«. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 IMter (einschlieBlich S Heller tat») 15. Jahrgang Sonntag, 6. Jänner 1935 Nr. 5 Erste allgemeine Aussprache Mussolini: Kein Verzicht auf die gegenseitigen Freundschaften Rom. Die am Samstag vormittag stattgefundene Unterredung zwischen Laval und Mussolini dauerte zwei Stunden. Anschließend wurde Laval im Quirinal vom König empfangen. Wie der Korrespondent des HavaS-Büros meldet, bildeten den Gegenstand der Unterredung zwischen Mussolini und Laval, an welcher auch der italienische Staatssekretär Su- v i ch teilnahm, zahlreiche europäische Fragen diplomatischen Charakters, obwohl die Unterredung selbst in ziemlich allgemeinen Bahnen verlief. In den Samstag abends und Sonntag stattfindenden Gesprächen werden konkrete Angelegenheiten behandelt werden. Man ist der' Ansicht, daß erst Sonntag abends ein Ucberei»kommen abgeschlossen werden wird. Wie gewählt wird Drei Abstlmmungsmöslichkelten Saarbrücken Die Abstimmungskommission hat eine Kundmachung erlassen, durch die die Durchführung der Abstimmung im einzelnen geregelt wird. Darnach sind die Wahlbüros am 13. Jänner von 8 Uhr 30 bis 20 Uhr geöffnet. Die Polizeigewalt im Saallokal wird durch den Vorsitzenden ausgeübt. Nach einer Erläuterung des Begriffes„Beibehaltung der gegenwärtigen Rechtsordnung"(status quo) wird in der Bekanntmachung genau dargelegt, wie sich der Abstimmungsberechtigte bei der Wahlhandlung zu verhalten hat.> Dabei fallen die scharfen Bestimmungen auf, durch die die G e h e i m h a l t« n g der Wahl gewährleistet werden soll. So ist es den Abstimmungsberechtigten nach Erhalt des Stimmzettels strengstens untersagt, mit irgendwelchen Personen zu sprechen oder auf andere Weise in Verbindung zu treten. Nach erfolgter Stimmabgabe muß der Abstimmende das Wahllokal sofort verlassen. Es ist ihm bei schwerer Strafe untersagt, im Abstimmungs- lokal auf irgendeine Weise die Wahl, die er treffen wird oder bereits gettoffen hat, bekannt- ' zumachen. Wenn er noch nicht abgestimmt hat, wird er in diesem Falle nicht mehr zur Abstimmung zugelassen. Der Sttmmzettel, der in der Bekanntipachung abgebildet wird, trägt als Kopf die französische und englische Bezeichnung„Societe des Nations" ! und„Lague of Nations, darunter auf Deutsch t„Abstimmungskommiffion des Völkerbundes". ES folgen die Bezeichnungen der drei Abstimmungsmöglichkeiten: Beibehaltung der gegenwärtigen Rechtsordnung(status quo), Vereinigung mit Frankreich und Vereinigung mit Deutschland in der angegebenen Reihenfolge. Neben jeder der drei Angaben befindet sich ein Kreis, der in der üblichen Weise bei der Wahl durch ein Kreuz gekennzeichnet wird. Ad Donnerstag Versammlunssverbot Am Samstag wurde eine Verordnung ver- 1 öffentlicht, durch welche ab 10. Jänner im Saar- I gebiet alle öffentlichen Versammlungen, sowie | auch Privatversammlungen, die an sonst öffent- 1 lich zugänglichen prten stattfinden» verboten I werden. Waffenfunde bei der„Deutschen Front“ Wie die Saarbrückener„A r b e i t e r z e i- I tung" meldet, wurde in den Räumlichkeiten der l Nationalsozialisten in S« l z b a ch eine Haus- I durchsuchung vorgenommrn und hiebei 30 Angehörige der DA.-Formationen, die größtenteils aus i Deutschland gekommen waren, verhaftet. Es wur- l den auch W a f f e n am Sitze der Deutschen Front i in Sulzbach vorgefunden. Status quo— unter Völkerbund-Souveränität In der Kundmachung der Plebiszit-Kommis- I fron ist die Beibehaltung des status quo im Saar- I gebiet in dem Sinne definiert, daß die Souveräni- I tät über das Saargebiet auf die Völkerbundver- k sammlung in Genf übertragen würde, die in Zu« I fünft das Recht haben würde, über diese Sou- I veränitüt in einer Weise zu disponieren, die den I betreffenden Bestimmungen der Verträge und den I Grundsätzen entsprechen würde, auf Grund deren I ihr diese Souveränität anvertraut würde. Zurückgezogene Ausweisung Saarbrücken.(Havas.) Der tschechoslowa- 1 fische Staatsangehörige Prinz Löwen st ein I war im Saargebiet journalistisch und sonst I agitatorisch im hitlerfeindlichen Sinne tätig. Die i Regierungskommission des Saargebietes entschied, I daß«ne solche Tätigfeit im Saargebiet seitens 1 eines ausländischen Staatsbürgers unzulässig sei, I und hat Prinz Löwenstein äüsgewiesen. Die Ausweisung wurde noch am Samstag I widerufen, da sich der Prinz verpflichtete, sich I während seines Aufenthaltes im Saargebiet jed- 1 weder politischen Tättgkeü zu enthalten. Die Konventionen, die anf eine Sicherung der Stabilität in Mitteleuropa hinzielen, werden, wie der Havas-Korrcspondent erfährt, nicht unmittelbar nach ihrer Paraphierung durch die beiden Staatsmänner veröffentlicht werden, sondern erst dann» nachdem ihnen die direkt intereffierten Staaten beigetreten sein werden. Ueber die römischen Beratungen wird jedoch ein amtlicher Bericht veröffentlicht werden, in welchem daö französischitalienische Einvernehmen über die Grundlinien der Gesamtpolittk konstatiert werden wird, wobei sich das Einvernehmen zwischen den beiden Staaten auf das gegenseitige Berständnis für die Interessen dieser beiden Staaten und für die Gesamtinteressen Europas gründen wird. Bei einem Bankett am Abend wurden die üblichen Trinksprüche gewechselt. Mussolini sagte unter andexem:_ Hinsichtlich Mitteleuropa handelt es sich nicht darum, daß Frankreich und Italien in Mitteleuropa auf ihre gegenseitigen Freundschaften verzichten, sondern darum, im Donauraum die Interessen und Lebensnotwendigkeiten jedes Staates mit den Ergebnissen allgemeinen Charakters mit dem Trotz alledem! Die Führer der gemeinsamen sozialistisch» kommunistischen Front im Saargebiet Ma; Braun und Fritz Pfordt empfingen Samstag die Vertreter der internationalen Presse, denen sie die Besttebungen der gemeinsamen Front zugunsten der Status-quo-Bewegung im Saargebiet darlegten. Die beiden verwiesen auf die Moskau. Bolkskommissär für Aeußeres Litwinow empfing am Donnerstag die tschechoslowattschen Journalisten, die der Gesandte P a v l ü begleitete, und hielt an sie eine große Ansprache, in der er u. a. die gemeinsamen Interessen beider Länder hervorhob und die natürliche Sympathie Sowjetrußlands zu dem wieder erweckten tschechoslowattschen Volk unterstrich. Es genüge, einen Blick auf die Karte Europas zu werfen, um die Gemeinsamkeit der reale« Interessen der beiden Staaten zu verstehen. Litwinow wies dann auf das. russische Aufbauwerk hin und sagte, ein vollkommen neues sozial- ökonomisches System in einem Lande wie Rußland mit seinen 170 Millionen Einwohnern einzuführen, sei keine leichte Sache und erfordere Zett, aber auch vollkommene äußere Ruhe, Schon deshalb wolle Rußland den Krieg nicht. Auch die Tschechoslowakei erstrebe nicht die Eroberung neuen Bodens; der Krieg sei ihr daher aus den gleichen Ursachen unerwünscht. Daraus ergebe sich die Gemeinsamkeit einer großen Aufgabe: der Erhaltung des Friedens.• Ihr Land, fuhr Litwinow sott, verfügt über große Staatsmänner in der Person Ihres Präsidenten Masaryk und Ihres Außenministers Dr. Beneö und anderer, die allzu gut verstehen, daß eine Verletzung drö Friedens im gegenwärtigen Momente in irgendeinem Winkel der Erde n n v e r- meidlich einen allgemeinen Krieg nach sich ziehen würde. Alle europäischen Grenzpfähle find Stützen deS Friedens Ziel der Befriedung Europas in Uebereinstim- mung zu bringen.„Unter diesem weiteren Gesichtspunkt gesehen, glaube ich"— so wandte sich Mussolini an Laval—„daß Sie mit mir darin übereinstimmen, daß unsere Abmachungen in Hinblick auf andere Mächte, die ihre Mitarbeit zu dem Werk» das wir beginnen wollen, beizutragen wünschen, nicht als gegensätzlich oder auch nur störend ausgelegt werden können oder dürfen." Laval erwiderte u. ä.:' Alle, die von dem Ideal des Friedens beseelt sind, richten heute ihre Augen auf Rom. Niemand kann in der Tat den wahren Sinn der Aktton, die wir entschlossen unternommen haben, falsch verstehen. Ich spreche im Namen Frankreichs, das kein selbstsüchtiges Ziel verfolgt. Frankreich ist mit Recht umseine Sicherheit b e- s o r gt. Es hat aber auch die Absicht, sein Teil ,a» dem zur Versöhnung der Völker notwendigen Merk auf sich zu nehmen. "'Die große Hoffnung der Völker dürfe nicht enttäuscht, der Friede müsse erhalten und gefestigt werden. Die Zivilisation dürfe nicht untergehen. Man müsse aus der Vergangenheit lernen, daß immer im Kriege die Zivilisation zusammenbrochen sei. Schwierigkeiten, mtt denen sie im Saargebiete zu kämpfen haben. So z. B. übernahm kein einziger Fleischer in Saarbrücken die Versorgung der Mit- glieder der gemeinsamen Front bei ihrer sonntägigen großen Manifestation. Die städtischen Molkereien in Saarbrücken lehnten selbst die Lieferung von Milch ab, die die gemeinsame Front für. die Kinder verlangte, deren Eltern an der Manifestation teilnehmcn werden I »nd die Entfernung nur eines einzigen Pfahls würde den Einsturz deS gesamten FriedenSgebändrS herbeiführen. Die Gemeinsamkeit unserer Bestrebungen nach Sicherung deS Friedens wird auch durch jenen unbestrittenen Umstand diktiert, daß zwischen unseren Ländern Staaten liegen, deren„friedliche Ab sichle«"zumindest bedeutende Befürchtungen einflößten. Ob wir eS nun mit einem bestimmt«mrissenen Programm von Angrifisakttonen zu Inn haben,»der mit der Bereitschaft, irgendeine möglicherweise eintretende Kon- junktur zu Kriegsabenteuern zu versuchen und unerreichbare politische Träumereien zu verwirklichen,— jedenfalls müssen wir ernstlich mit solchen Stimmungen«nd Möglichkeiten rechnen. ' Und nun steht unseren Ländern die große Arbeit bevor, dieses gemeinsame Programm zu verwirklichen. Wir sind überzeugt, daß wir uns der aktiven und langdauernden Mitarbeit Ihrer Regierung und insbesondere des Ministers Dr. Benes erfreuen werden, dessen Energie und Konsequenz in Sachen des Friedens allen bekannt ist. Zwischen Litwinow und den tschechoslowakischen Journalisten fand hierauf eine angeregte Aussprache statt. Redakteur Dr. Ripka dankte sodann Litwinow für dessen Begrüßung und sprach die■ tiefe Befriedigung der tschechoflowakischen Oeffentlichkeit über die erfolgreiche Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakischen Republik im Kampfe um Len Frieden aus. Keine„Einmengung“! Von Otto Bauer Der österreichische Finanzminister hat den tschechoflowakischen Außenminister besucht. In den nächsten Tagen wird der österreichische Finanzminister zu einer Sitzung des Völkerbundkomitees reisen, das die österreichischen Finanzen kontrolliert. Herr Dr. Buresch ist, wie man sieht, sehr geschäfttg. Herr Dr. Buresch braucht nämlich dringend Geld. Zwar waren die Mächte so freundlich, der austtofascistischen Regierung die Konvertie- rung der Anleihe vom Jahre 1923 zu bewilligen, wodurch der gesetzliche Zinsen- und Tilgungsaufwand des österreichischen Staates um 60 Millionen Schilling verringert und ihm überdies ein zur Sicherstellung des Zinsendienstcs dienendes Depot von 40 Millionen Schilling freigegeben wurde. Diese 100 Millionen Schilling haben die austro- fascistische Diktatur vor dem finanziellen Zusammenbruch, dem sie ohne diese Freundlichkeit der Mächte im Verlaufe des Jahres 1935 nicht hätte entgehen können, gerettet. Aber der Aufwand der austrofascistischen Diktatur für die Rüstungen und für die Erhaltung des kostspieligen Gewaltapparates, mittels dessen sie das österreichische Volk niederhält, ist so groß, daß sie mit den 100 Millionen Schilling, die sie der Freundlichkeit der Mächte verdankt, nicht auskommt. Buresch bereitet daher weitere Kreditoperationen vor. Dies ist der Zweck seiner Reisen. Selbswerständlich wird die Kreditwerbung politisch vorbereitet. Zu Weihnachten hat die österreichische Regierung in die Welt hinaus melde» lassen, sie habe einen Großteil der Sozialisten, die sie in ihren Gefängnissen hält, amnestiert. Man wollte damit der Welt zeigen, wie zivilisiert, wie gnädig, wie sehr um die Milderung der inneren Gegensätze bemüht die österreichische Dikatur sei. Erst jetzt liegen uns präzise und verläßliche Angaben über den Umfang dieser Amnestie vor. In einem Augenblick, in dem sich die österreichische Regierung nach der rettenden Hilfe, die sie durch die Konvertierung der Anleihe bekommen hat, um weitere Liebesdienste der ausländischen Regierungen bemüht, wird es nützlich sein, die Wahrhaftigkeit der Meldungen, die die Zivilisiertheit des österreichischen Fascismus illustrieren sollen, zu überprüfen. Eine Tage vor dem 12. Feber wurden 25 Führer des Wiener Schutzbundes verhaftet. Es waren der Major Eifler, der Hauptmann Löw und 22 Arbeiter, die die Bezirksgruppen des Schutzbundes kommandierten. Sie waren am 12. Febex bereits in Haft, hatten also an dem Aufstand keinen Anteil. Sie sind auch heute noch in Hast. Man hat gegen sie die Voruntersuchung wegen Verbrechens des Hochverrates eingeleitet, weil sie den Aufstand vorbereitet hätten. Nach zehneinhalb Monaten ist die Untersuchung selbstverständlich längst beendet. Trotzdem wird weder die Anklage erhoben noch die Untersuchung eingestellt. Die 24 Genossen bleiben weiter in Hast. Vor einigen Monaten hat man allerdings dem Major Eifler die Enthaftung angeboten. Unter der Voraussetzung nämlich, daß er die Waffenverstecke des Schutzbundes verrate und unter den Schutzbündlern für die fascistische Regierung werbe. Da Eifler diese ehrlose Zumutung abgelehnt host, bleiben er und seine 23 Schicksalsgenossen in„Untersuchungshaft". In den Strafanstalten sind zur Stunde mehr als 600 Schutzbündler, die wegen ihrer Teilnahme an den Feberkämpfen verurteilt worden sind, in Haft. Der Bundespräsident Miflas hat zu Weihnachten, wie has alljährlich geschieht, 300 Strafgefangenen, die mehr als die Hälfte ihrer Strafe verbüßt hatten, den Rest der Strafe nachgesehen. Unter ihnen waren aber nur 93 Schutzbündler, alle übrigen teils kriminelle Verbrecher, teils Nazi. Die 93 Schutzbündler sind solche, die nur zu geringen Strafen verurteilt waren und binnen kurzem, manche von ihnen binnen wenigen Tagen aus der Hast zu entlassen gewesen wären. Von denen, die wegen Teilnahme an de« Feberkämpfen zu vieljährigen Kerkerstrafen verurteilt worden sind, wurde kein einziger begnadigt. Es ist daran zu erinnern, daß die fascistische Regierung ihnen alle Begünsttgungen, die in zivilisierten Ländern politischen Verbrechern gewährt werden, entzogen hat. Von den hunderten Genossen, die ohne gerichtliches Verfahren in Polizeihast gehaltm wer- Gemeinsame Friedenspolitik Litwinows Ansprache an die tschechoslowakischen Journalisten Seite L Sonntag, 6. Jänner 1835 Nr. 5 den, ist lein einziger begnadigt worden. Ebenso ist von den vielen Hunderten, die wegen ihrer Teilnahme an den Kämpfen oder wegen sozialistischer Propagandaarbeit nach dem Feber aus dem öffentlichen Dienst mit Verlust aller Ansprüche auf Pension für sich und für ihre Hinterbliebenen strafweise entlassen worden sind, lein einziger begnadigt worden. Die ganze Amnestie reduziert sich also darauf, daß von den vielen hundert Genossen, die ohne jedes gerichtliche Verfahren und Urteil im WöllerSdorfer Konzentrationslager gefangen gehalten worden sind, ein Teil enthaftet wurde. Als das Lager entleert wurde, wurde ein Teil des Küchenpersonals enüassen. Dabei wurde den Entlassenen mitgeteilt, die Erhaltung des Konzentrationslagers in seinem bisherigen Umfange sei in den Wintermonaten zu kostspielig. Im März würden sie wieder einberufen werden. Dafür, wie die aus Wöllersdorf in die„Freiheit" Entlassenen behandelt werden, nur wenige Beispiele: Einer Reihe von Genossen, die zu Weihnachten aus Wöllersdorf entlassen wurden, wurde vorgeschrieben, datz sie sich täglich zweimal bei der Polizei zu melden haben. Ihre„Freiheit" besteht darin, datz sie den ganzen Tag in den Amtsstunden der Polizei zu warten oder zwischen den Polizeikommissariaten und ihren Wohnungen hin- und herzugehen haben. Einer Reihe von Genossen, die aus Wöllersdorf entlassen Wörden sind, wurde vorgeschricben, datz sie nach acht Uhr abends nicht ausgehen und kein öffentliches Lokal betreten dürfen; unter denen, denen diese Beschränkungen auferlegt wurden, befindet sich ein früherer Landeshauptmannstellvertreter und ein früherer Stadtrat einer Landeshauptstadt. Einigen der aus Wöllersdorf Entlassenen wurde vorgeschrieben, datz sie sich in ihren früheren Wohnorten nicht aufhalten dürfen; diese Beschränkung wurde einigen früheren Bürgermeistern auferlegt. Einigen anderen wurde vorgeschrieben, in welchen Orten sie sich nunmehr aufhalten dürfen; es wurden ihnm Aufenthaltsorte zugewiesen, in denen sie keine Möglichkeit haben, auch nur das Geringste zu erwerben, um ihr Leben und das Leben ihrer Familien zu fristen. Den aus Wöllersdorf und den Strafanstalten Entlassenen wird auch die Arbeitslosenunterstützung verweigert; man sagt ihnen, sie würden die Arbeitslosenunterstützung erst bekommen, wenn sie sich einige Monate lang„brav aufgeführt" haben werden. Selbst das Blatt des Wiener Vizebürgermeisters Ernst Karl Winter, der sich vergebens bemüht, die Arbeiter für den fascistischen„Ständestaat" zu gewinnen, hat gegen die Engherzigkeit dieser Weihnachtsamnestie protestiert. Es ist deshalb konfisziert worden. • In der Tat hat sich in Oesterreich gar nichts „ geändert. Die Verteidiger der republikanischen ' Verfassung sitzen weiter in ben Kerkern, die Hochverräter, die öie republikanische Verfassung gewaltsam umgestürzt haben, halten die Verteidiger der Verfassung wegen Hochverrats in Haft. Am 1. Jänner sind 100 Zeitungen und Zeitschriften verboten worden. Alle Freiheitrechte bleiben zerstört, jede Möglichkeit legaler Vertretung von Arbeiterinteressen bleibt vernichtet, alle Arbeiterorganisationen bleiben aufgelöst. Ein Polizeiterror herrscht, mit dem verglichen das Regime Metternichs eine Idylle der Freiheit war. Laval und Mussolini verhandeln in Rom zur , Stunde über einen Pakt, durch den sich die Regierungen verpflichten sollen, sich in die inneren Verhältnisse Oesterreichs nicht einzumengen. Dieselben Regierungen haben durch die Konvertierung der Anleihe von 1923 die austrofascistische Diktatur vor dem Zusammenbruch gerettet und sich dadurch sehr wirksam zu Gunsten der Diktatur gegen die überwiegende Mehrheit des österreichischen Volkes «in die inneren Verhältnisse Oesterreichs eingemengt". Die 100 Millionen Schilling, die sie der österreichischen Diktatur zur Verfügung gestellt haben, sind ja nichts anderes als die Finanzierung des Gewaltapparates, der das österreichische Volk niederhält l Nunmehr wirbt der österreichische Finanzminister um weitere Zugeständnisse an die finanziellen Bedürfnisse der Diktatur. Die österreichischen Arbeiter verstehen nichts von den tiefen staatspolitischen Erwägungen, die die Regierungen veranlassen, solche Zugeständnisse zu^willigen. Den österreichischen Arbeitern erscheint die Bewilligung jeder finanziellen Konzession an die Diktatur einer winzigen Minderheit, die das österreichische Volk niederhält, als eine„Einmengung in die inneren Verhältnisse Oesterreichs",— eine Einmengung zugunsten der Kerkermeister des österreichischen Volkes gegen die, die im österreichischen Kerker leben und leiden. NcnsdUldikclt In Sozialismus bedeutet nicht nur: Uebergang der Produktionsmittel aus dem Besitze von Einzelnen in den Besitz der Allgemeinheit, er bedeutet auch eine höhere Stufe der Kultur, der Beziehungen von Mensch zu Mensch, ein erhöhtes soziales Verantwortungsbewutztsein, kurzum, auch eine höhere Stufe der Menschlichkeit. Dieses Wort hat im heutigen Sowjetruß- land einen verdächtigen Beigeschmack. Der es ausspricht, kommt leicht in den Verdacht der»Humanitätsduselei", des»bürgerlichen Liberalismus". Für den, der die Sowjetverhältnisse kennt, ist das nicht weiter erstaunlich. Der Sowjetbürger Weitz mit dem Wert„Menschlichkeit" sehr wenig anzufangen. Sein Leben ist hart, ist Kampf von früh bis spät. Kampf bei der Stratzenbahnfahrt, zur Arbeitsstelle, Kampf um, ein Plätzchen auf dem Trittbrett, um dann in schneidender Kälte sich mit halberstarrten Fingern irgendwo anklammern zu können, Kampf mit dem Meister um einen auskömmlichen Akkordsatz, Kampf um eine Anweisung auf ein Halbwegs erschwingliches Kleidungsstück, Kampf um eine bessere Wohnung, um einen Platz im Erholungsheim für den Urlaub, Kampf um alle die tausend Dinge des täglichen Lebens. In diesem Kampfe geht es hart auf hart. Er erzieht die Menschen zu ungeheurer Rücksichtslosigkeit, zu grenzenlosem Egoismus. Jeder Gedanke, jede Handlung ist auf den nächsterreichbaren kleinen Vorteil gerichtet. Kräftige Männer stotzen an der Strassenbahn, an der Autobushaltestelle rücksichtslos alte Frauen, schwache Greise beiseite, um nur selbst tnitzukommen. Die Schaffnerin, abgestumpft durch die täglichen Szenen, klingelt ab, Leute fallen vom Trittbrett in den Strahenschmutz. Einer älteren Frau, die in der Eile versehentlich an der falschen Seite einsteigen wollte, lieh die junge Schaffnerin mit aller Kraft die schwere Tür auf den Arm fallen.»Ich habe ihr wohl noch einen zu schwachen Denkzettel gegeben," meinte sie lachend. Keine Sadistin, sondern ein Produkt ihrer Umgebung. Aber rin traurigetz.^''" Die Verhältnisse erziehen auch zu tiefer Unehrlichkeit. Jemand tritt äusser Reihe an den Postschalter, vor dem eine lange Schlange auf Abfertigung wartet.»Anstellen, Bürger!"—«Eilbriefe werden äusser der Reihe angenommen."— Aber der Mann hat keinen Eilbrief, er kauft schnell eine 20-Kopeken-Marke und verschlvindet rasch, von wütenden Schimpfworten der Menge begleitet. Mit irgendeinem roten Ausweis versucht man am Bahnhof bevorzugt die schwer erhältliche Fahrkarte zu erhalten, indem man sich als einen „roten Partisanen", einen hohen Parteibeamten ausgibt, man lässt sich von einem Freund in höherer Stelle eine dienstliche„Kommandierung" SowjctrnOIand ausschreiben, um auf einer Privatreise nach Moskau ein Hotelzimmer zu bekommen. Diese kleinen Dinge erscheinen vielleicht unwichtig neben den grossen Problemen der Sowjetunion. Aber sie sind gar nicht so klein. Sie bestimmen den Charakter des Menschen, in dessen Händen die Zukunst liegt. .„Ich habe nicht das Gefühl der Solidarität hier," sagte mir in Leningrad ein erst vor kurzem angekommener deutscher Kommunist.„Jeder denkt nur an sich. Er sieht das Ganze nicht, fühlt sich nicht als das Rädchen im grossen Werk, das er sein muh." Der Mann hat eine grosse Wahrheit erkannt. Es ist tatsächlich so, dass die Brutalität, die Seelenlosigkeit das Zusammengehörigkeitsgefühl vernichten. Wie oft habe ich hohe kommunistische Funktionäre sagen hören:„Wenn das die und die Organisation macht, wenn sie dies oder jenes bezahlen wollen,'so ist das ihre Sache. Mich geht das nichts an."— Ich fragte:„Erlischt denn das Interesse an der sozialistisLen Gemeinschaft dort, wo die rein formale Verantwortung aufhört? Geht einen Verantwortlichen Parteimann wirklich nur das an, was in seinem Büro vorgeht? Schreibt denn die„Prawda" nicht jeden Tag, datz der Sowjetstaat der Staat aller ist, die für ihn arbeiten?" Sie schreibt es, aber das ist alles. Es wird sonst kein Versuch gemacht, den Abgrund zwischen Theorie und Praxis zu überbrücken. Die Verwilderung der öffentlichen Sitten ging soweit, dass erst im Sommer 1934, nach fast siebzehnjährigem Bestehen der Sowjetmacht, ein RegierungSerlah „Gegen das Rowdytum" erschien. Aber Strafen verhängen bedeutet: Symptome unterdrücken, statt dem Grundübel zu Leibe zu gehen. Menschlichkeit, Rücksichtnahme kann schwer ein Staat seinen Bürgern anerziehen, wenn er selbst den Terror als seine Hauptwaffe sanktioniert hat, wenn er selbst mit dem Menschen umgeht, als herrschte noch immer, der Bürgerkrieg.. "1933 wurden durch das Pass'yftem über eine Million Menschen, die zum grössten Teil Dauerstellen hatten, aus den Städten aufs Land verdrängt, in schon ungewohnt gewordene Bedingungen, denen sie sich nur noch schwer anpaffen konnten. Bei der Kollektivierung 1929—30 wurden durch gewaltige, jetzt zugegebene Fehler, die elementarsten Lebensintereffen von Millionen Bauern verletzt. Heute noch mutz nicht nur der, der vom Lande in die Stadt, sondern auch einer, der von einer Stadt in die andere, ja selbst zu seinen nächsten Angehörigen ziehen will, einen Stampf mit dem Bürokratismus durchfechten, muh nachweisen, dass er dort Wohnung und Arbest, zu der er eigens eingeladen ist» besitzt. Copyright by Pressedienst I. Prager-Verlag, Wien **„Nimm Platz." Er sprach Worte des Lobes; dann sprang er auf und kützte sie. Babiola fühlte dabei nur, wie gleichgültig er ihr war. Zehn Tage täglicher Ovattonen, unerwarteter Honorare, unverhofften Ruhmes muhten diese Äleichgülttgkeit gesteigert haben.- Felicien litt an diesem Abend Höllenqualen. Er sah Babiola auf der Bühne, durch Applaus und Hervorrufe gefeiert und obwohl er dem Theater stemd gegenüberstand, fühlte er, datz dies mehr als vergänglichen Ruhm bedeute. Er fühlte BabiolaS Stärke und ihren Ehrgeiz und er sehnte sich nach der kleinen Baby, so wie er sie einst einsam in einem Kaffeehause gefunden hatte. Er hörte ihre begeisterte Sttmme in seinem Atelier: Sie sind ein Künstler, Felicien. Babiola empfand es peinlich, dass er nach der Vorstellung selbstverständlich auf sie warten wollte. Er mußte doch begreifen, datz sich jetzt so manches geändert habe. Sie sagte deshalb vor der Garderobiere: „Ich weiß nicht, Felicien, ob ich heute frei bin. Laß mich einmal nachdenken. Es ist wirklich schwer, sich das alles zu merken." In diesem Augenblicke öffnete sich die Tür und jemand gab Blumen ab. Sie stammten von dem Rostandverehrer, den sie persönlich gar nicht kannte. «Da siehst Du, schon wieder einer."— „Geben Sie dem Manne meine Wohnungsadresse, Julie; ich speise heute mit Felicien Charneux zur Nacht. Ich habe schon lange nicht mit ihm gesprochen." Als Babiola sich in ihrer Garderobe umkleidete, tat sie dies hinter einem Paravent. Felicien saß demütig und ängstlich da und eine große Bitterkeit würgte ihn. Lange gingen sie schweigend nebeneinander. Die Wege, die sie gingen, waren voll verklungener Worte und Erinnerungen und doch fühlte er, datz jetzt alles anders war. Vor dem Hause BabiolaS wartete JacqueS. Er wagte es nicht, vor dem Theater zu warten. Sie lief ihm wie ein Backfisch entgegen und mahnte Felicien, sich nicht zu beeilen. „Du wirst leicht müde; geh langsam!" Sie pretzte Jacques hart die Hand. „Jacques, Felicien ist wieder hier; er war in der Vorstellung; dort kommt er. Er ist traurig und sieht recht elend aus. Bitte, kein Wort des Vorwurfs, Lieber, er ertrüge es nicht." Felicien kam und seine Sttmme klang noch nicht ganz sicher: „Jacques!" „Felicien!" Babiola war glücklich, datz JacqueS da war. So mutzte sie nicht mit Felicien allein sein. „Felicien, Liebling!" Ihr Benehmen gegen ihn wurde beinahe zärtlich.„Achtung, eine Stuft! Jacques, nehmen Sie Felicien unter den Arm. Sie kennen sich hier besser aus."• „Das will ich lieber nicht hoffen", sagte Felicien. Babiola lietz noch eine Rakete steigen: „Ich verdiene jetzt monattich Zweitausend Franken; was würde deine Mutter dazu sagen?" Sie gelangten ins dritte Stockwerk. „Ich werde übersiedeln, um nicht so hoch wohnen zu müffen. Ich komme jetzt immer spät nach Hause. Das Stiegensteigen im Dunkeln ist nicht angenehm. Witzt ihr was, Jungens? Morgen, nach der Vorstellung, wollen wir ins Casino gehen. Einverstanden, Felicien? „Ja." „Einverstanden, JacqueS?" Jacques gab ihr— das erstemal— keine Antwort. Er dachte daran, wie sehr das Theater auf Babiola abgefärbt habe. Da» elfte stapltel Germaine, Schauspielerin des„Theater Tragique", war keine Schauspielerin. Sie spielle weniger als nichts und bekam dafür weniger als nichts bezahlt. Der Himmel in Paris gehört wirk- Germalne eine kleine Schauspielerin lich nur den Sternen. Germaine war vierund- zwanzig Jahre alt'und in ihren offenen, ewig strahlenden Augen lag ewiger Frühling. Babiola nahm sie mit in ihre Garderobe. Sie war ungefährlich Unter dieser Hauptbrdingung verträgt sogar eine Frau die andere. Germaine erfuhr mtt der Zeit alle erotischen Angelegenheiten des unerotischen Lebens BabiolaS. Sie rief laut Feliciens Namen, der leiftr an die Türe der Garderobe pochte als andere Verliebte und sie bewunderte das große Können BabiolaS ebenso wie Verzinsung der neuen Kassenscheine von 8 auf 4>4 Prozent gesenkt. Prag, Wie uns mitgeteilt.wird, werden dft I am 1. Feber 1936 fälligen tschechoslowakischen i Kassenscheine gegen neue l^prozenttge einjäh-] rige und zweijährige Anweisungen prolongiert 1 werden. Die einjährigen werden zu einem Kurse I von 99.60, die zweijährigen zu einem solchen von j 99.10 äusgegeben werden. So hat der Sowjetstaat selbst seine Bürger I in Kampfstellung gegen sich, gegeneinander ge- I drängt. Er hat Verhältnisse entstehen lassen, deren 1 natürliche Folge die heutige geistige Lage ist. Es hiesse, die Sowjettegierung unterschätzen,| wenn man sagte, daß sie sich dessen nicht bewußt i wäre. In den Geschärten liest man Aufschriften: I „Käufer und Verkäufer, seid höflich zueinan- 1 der!" In der„Komsomolskaja Prawda" fordert I ein Artikel entschieden die Ausmerzung der be-* stehenden rohen Umgangsformen. Ebensowenig 1 wie man es heute als eine bürgerliche Abweichung I betrachtet, rasiert und mit sauberem Kragen ein-| herzülaufen, müsste es auch selbswerständlich sein I „Bitte" und„Danke" zueinander zu sagen, sich« aus der Strasse, auf der Treppe nicht anzurem« 1 peln, sondern auszuweichen, in der Strassenbahn i nicht grob zu sein, etc. etc. Die„Komsomolskaja Prawda" macht nur! einen kleinen Denkfehler. Auch sie will, wie dass „Rowdydekret", äußere Erscheinungsformen be-> seittgen, statt in die Tiefe des Problems einzu- I dringen. Menschenwürdige Umgangsformen— als i Massenerscheinung bewachtet,— sind die Folge- I erscheinungen humanen, sozial verantwortungS-] bewussten Denkens, sind nur die in lleine Münze i umgeprägte, tiefempfundene, wahre Menschlichkeit.! Diese muss von der jeweillgen Gesellschaftsord-S nung durch Wort und Beispiel gefördert, und! nicht unterdrückt werden. A. Rudolf. „Anschluß mit Hindernissen** Die Pariser Ausgabe des„New Uork Herald" I veröffentlicht einen Bericht über einen jüngst er- I folgten Zusammenstoss zwischen Mitgliedern der I österreichischen Legion und der§ bayrischen Bevölkerung in der Ge- I gend Fürth— Aibling. Nach der Darstel- 1 lung des Münchner Korrespondenten des amerika« 1 nischen Blattes wurde bei dem Fürther Zusam- I menskoss ein Mann getötet, neun Personen| liegen verwundet im Spitak.'Die Auseinander- setzung begann in einem Kaffeehaus' während einer I Tanzunterhaltung. Als die Oesterreicher, die man I cingeladen hatte, zu konzertteren, auf der Tribüne I Platz nahmen, wurden sie mit dem Rufe„Nieder I mit den Parasiten!" begrüßt. Sie antworteten! „Nieder mit Hitler!". Mit Stühlen und Biergläsern bewaffnet. I stürmten die Gegner gegeneinander. Einer der I bayrischen Angreifer fand bei der Schlägerei den 1 Tod. Die Oesterreicher zogen sich dann auf die I Eisenbahnstatton zurück, wo sie von den Bayern! neuerdings angegriffen wurden. Erst als die nattonalsozialisttschen j Sturmtruppen eingriffen, konnte die Ruhe wieder 1 hergestellt werden. die Ausdruckslosigkett ihres Gesichtes, wenn Felicien oder der schöne Jacques in ihre Garderobe waten. In letzter Zeit kamen viele Herren. Germaine wohnte in der Rue de Zola, wo eS nach Fischen und Oel roch. Allmorgens drückte sie sich in ihrem dünnen Midinettemantel in die Untergrundbahn. Sie war pünktlich im Theater, wo sie eigentlich den ganzen Vormittag nichts zu tun hatte. Der Bildhauer Felicien war auch zu diesem Mädchen, das ihr Schicksal in die hinterste Kulisse und nicht vorn an die Rampe gestellt hatte, recht freundlich und übersah sie nicht, wie all die anderen Herren. Als BabiolaS Freundin lud er sie einmal zum Besuch seines Ateliers ein. Er sagte aber nicht wann sie kommen solle. Das Schicksal hatte Germaine ein unglückseliges kleines Talent und ein unglückselige große Liebe beschert. Ihr Lucien war verheiratet. Sie wäre unsagbar glücklich gewesen, wenn Freiheit und Gewissen ihres Lucien nicht mit einer ewig weinenden Frau und zwei Kinder beschert gewesen wäre. Diese Tatsache war aber nicht zu ändern und Germaine nahm das Kreuz auf sich. Sie konnte nicht stehlen und wurde doch zur Diebin; sie wußte, daß ihre Liebe niemals mit einem Brautschleier und festlichen Freuden enden würde. Lucien war ein schlanker, schmaler Vierziger. Er besaß einen Herzfehler, gelben Teint und geheimnisvolle Augen. Nichts an ihm verriet, daß an den Schößen seines eleganten Rockes recht- und gesetzmäßig drei Menschen hingen. Er sah wirklich nicht nach Ehemann und Vater aus. Die arme Germaine hätte das auch nie erkannt. Er selber sagte es ihr vor Jahren nach einer bereits vier Monate dauernden wahnsinnig glücklichen Liebe. Er stotterte sein Bekenntnis gelegentlich eines Spazierganges beim Springbrunnen auf* den Champs ElyseeS hervor. Sie schluckte die Tränen hinunter und sagte fest: das macht doch nichts. Sie sah, daß er nicht stark genug war, seine Feigheit allein zu tragen. Aber daheim angelangt» flössen ihre Tränen wie Blut. (Fortsetzung folgt.) Nr. 5 Sonntag, 6. Jänner 1838 Roosevelt macht Schule Ottawa.(Havas.) Der kanadische Ministerpräsident B e n e t t, ein Liberaler, kündigte in einer Wahlversammlung sein Programm gegen die Krise an. Benett will sich nach der Doktrin Roosevelt richten: Festsetzung der hochstzulässigen Ar- beitsdauer und der niedrigstzuläffigen Lohngrenze, Durchführung des staatlichen Eingreifens in private Angelegenheiten im höchstmöglichen Maße, Leitung und Kontrolle derselben. Geständnisse im Memel-Prozeß Kaunas. In dem Prozeß gegen die Memeler Nationalsozialisten legte am Freitag der Angeklagte Kubbutat ein sensationelles Geständnis ab. Er bekannte, der ihm von der Anklage zur Last gelegten Taten schuldig zu sein, und bestätigte, daß die Memeler deutschen Nationalsozialisten eine umstürzlerische Aktion durchführten, deren Ziel die Lostrennrng Memels von Litauen und besten Angliederung an Deutschland war. Kubbutat bestätigte, daß in Memel nationalsozialistische Sturmabteilungen gebildet und geheime Jugendorganisationen geschaffen wurden. Eine geheime Organisation erließ den Befehl, daß die militärischen Uebungen ihrer Abteilungen vollkommen geheim zu halten seien. Wer dieses Geheimnis nicht wahren würde, würde als Verräter angesehen, der nicht wert sei, zu leben. Der Angeklagte G a w e h n gestand, die deutschen Behörden hätten ihn versprochen, daß er in Deutschland eine Beschäftigung erhalten werde, wenn er aus politischen Gründen das Memelgebiet zu verlassen gezwungen würde. Gawehn bekannte weiter, daß die Lehrer aus Deutschland Beträge bis zu 20.000 Mark erhielten und daß er nationalsozialistische Kurse in Rippen besucht habe. Folterung ohne Ende Ernst Heilmann wieder nach Papenburg! Seit Monaten wußte man von dem ehema- ligen Führer der preußischen sozialdemokratischen Landtagsfraktion, dem 63jährigen Ernst H e i.l- mann, nur, daß er in Berlin festgehalten, aber nicht freigelasten werde, weil sein Zustand so ernst ist, daß man ihn nicht offenkundig machen könne. Man erinnert sich, daß Hellmann seinerzeit im Konzentrationslager Papenburg zusammengeschossen wurde, als er bei der Außenarbeit angeblich einen Halteruf überhört hatte und weitergrgangen war. Es ist viel wahrscheinlicher, daß man Hellmann, der körperlich und geistig von den Beauftragten Hitlers zum Krüppel geschlagen worden ist, aus der Welt schaffen wollte. Da er aber nur verwundet wurde, mußte man ihn wieder herstellen. Nun besagt eine Reuter-Meldung aus Berlin, daß Heibnann nach einem Aufenthalt im Berliner Gefängnisspital wieder nach dem Konzentrationslager Papenburg nahe der holländischen Grenze zurückgeschafft worden ist! „Gewerkschaftsfreiheit“ In Österreich In Oesterreich sieht ek mit dem vom Papst Leo XHI. verbürgten Recht, wonach„weder der einzelne Mensch noch die Familie vom Staate absorbiert werden sollen", wie folgt aus: Die Ottakringer Brauerei, die der Firma Kusner gehört, kündigte an, daß jene Arbeiter und Angestellten, die bis Ende des Monats den Beitritt zur Einheitsgewerkschaft und der Vaterländischen Front nicht vollzogen haben, als„Staatsfeinde" erklärt werden. Wie die öffentlichen Körperschaften vorgehen, nur ein Beispiel von den Bundesbahnen. Der Eisenbahner Flöckinger wurde seinerzeit zu einem Abteilungsleiter berufen, der verlangte, Flöckinger müffe der Vaterländischen Front beitreten. Rach Ablauf einer Bedenkzeit, die ihm der Abteilungsleiter einräumte, erklärte Flöckinger seinem Vorgesetzten, daß er nur Eisenbahner und sonst nichts sein wolle. Er wurde darauf zum Chefarzt geschickt, in der offenbaren Absicht, einen Grund zu seiner Pensionierung zu finden. Der Chefarzt mußte Flöckinger jedoch als gesund erklären. Um den Mann dennoch wegzubringen, wurde er nun bei der Polizei wegen angeblicher illegaler kommunistischer Agitation denunziert. Die Polizei hat nun den Mann, gegen den gar nichts vorlag, ohne jede Untersuchung fünf Monate eingesperrt. Nach Entlastung aus dem Arrest wurde er von der Bundesbahn als vorbestraft fristlos und ohne jede Entschädigung entlasten. Auch die Unternehmer sind fortwährend unter Druck gestellt, um sie zu veranlassen, ihre Arbeiter in die Einheitsgewerkschaft und Vaterländische Front hineinzupreffen. Fascistische Arbeiterkammern gehen dabei so weit, in Zirkularen den widerstrebenden Firmen bekanntzugegen und ihnen mit der Entziehung öffentlicher Aufträge zu drohen. Ein Protest der Buchdruckereibesitzer in Tirol, der besagte, sie können sich nicht um die Zugehörigkeit ihrer Arbeiter zu einer Gewerkschaft kümmern, ist ohne Wirkung geblieben. Seite 3 fadefendoitediicr Zcifepiegcf Die Stadt Reichenbers verpachtet die Straßenreiniguns Bürgerlichere aktionäre Gemeindepolitik Einem Prominenten der DWAG blieb es Vorbehalten in der Gemeindewirtschaftsführung einen neuen Weg zu gehen, der vom bürgerlichen Standpunkt gesehen, geradezu ideal für die Klassenpolitik des Bürgertums erscheint. Man hat unter der Regie des Bürgermeisters Dr. Kostka die gesamte Straßenreinigung der Stadt Reichenberg, für die man bisher an die 900.000 Kronen verwendete, an ein privates Unternehmen für den runden Betrag von 500.000 XL vergeben. Die Stadt Reichenberg will sich damit gegen 400.000 Kronen in ihren Finanzen verbeffern und ist noch so hochherzig der armen Straßenkehrer zu gedenken, für die, well sie brotlos werden, ein Betrag von 100.000 XL von dem ersparten Betrag zurückgelegt werden soll. Der Beschluß zu dieser brutalen Maßnahme wurde vom Stadtrat gefaßt, dem Verlangen unserer Genossen nach sofortiger Einberufung einer Sitzung der Stadtvertretung hat Dr. Kostka gar keine Beachtung geschenkt, obzwar die der Geschäftsordnung der Stadt Reichenberg vorgesehene Anzahl von Unterschriften, die zur Einberufung einer außerordentlichen Sitzung der Gemeindevertretung notwendig sind, nachgewiesen wurden. Man nahm auch nicht die geringste Rücksicht auf eine von den Gewerkschaften einberufene Protestversammlung, sondern kündigte am 14. Dezember 79 Arbeitern zum 1. Jänner d. I.«nd hat sie auch tatsächlich z« diesem Termin weggeschickt. Allerdings find nicht alle bürgerlichen Kreise von dieser Maßnahme des Herrn Dr. Kostka erfreut, sondern schon rührt sich an allen Ecken und Enden der Stadt der Widerstand. Die Empörung richtet sich vor allem gegen die deutschdemokratischen Spitzen der Stadtverwaltung, die diesen Mt gesetzt und dir ihn zu verantworten haben. Er entspricht durchaus den liberalen Wirtschaftsprinzipien, denen die AWG ja noch huldigt. Nach diesen Anschauungen sind öffentliche Einrichtungen nur dazu da, daß Privatfirmen aus ihnen Nutzen ziehen. Von sozialer Verantwortung ist in diesen Wirtschaftsanschauungen nichts zu finden. Die Herren vergessen aber, daß dieser Liberalismus tot ist und in unserem Jahrhundert keinen Raum mehr hat. Was das Vorgehen der Stadt Reichenberg gegen die 79 Arbeiter betrifft, so ist es auch das denkbar schlechteste Beispiel, das für den Schutz des deutschen Arbeitsplatzes gegeben wird. ES beweist, wie man auf bürgerlicher Seite diesen Kampf versteht. Wenn sich die Bourgeoisie etwas ersparen und irgendeinem Unternehmen ein Gewinn in die Hände gespielt werden kann, pfeift man auf den Schutz des Arbeitsplatzes. Ein Brief und eine Antwort Ein sicherer Petzina Karl aus Unter-Tanno- witz in Südmähren hat im Drange der Gefühle— welcher, wird bald klar— einen Brief an den „Sozialdemokrat" gerichtet, in dem es heißt: Sehr geehrte Schriftleitung. Der Sozialdemokratie, die Sie vertreten, bin ich innerlich fremd geworden, den» das ist nicht mehr die alte Sozialdemokratie eines Bikwr Adler und eines Pernersrorfer sondern(verzeihen Sie bitte) eine Sozialdemokratie^ die nicht mehr sich duüsch nennen sollte, foiü>evn den Sozialdemokrat richtig Blatt der deutschsbrechenden Und jüdischen Sozialdemokratie. Ich kann verstehen, daß die Sozialdemokratie einen Haß auf ihre jetzigen und künftigen Ueber- winder hat, daß aber mit solchen Waffen gekämpft wird, gegen einen Gegner, der seine Widersacher auf völlig legalem Wege niedergekämpft hat, das kann ich nicht begreifen. Die Führer sind all« davongelausen— und spielen sich als Emigranten auf, wir können sie jetzt erhalten. Warum... sind sie nicht dort geblieben? Wenn sie sauber gewese.. wären, wäre ihnen bestimmt nichts geschehen. Man kann nicht anders annehmen, als... es muß etwas borliegen, was sie zwang Reißaus zu nehmen. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die Meinung vieler anderer Genossen. Noch etwas: als mein Bruder drüben, die rote Fahne wehen ließ... war ich Deutscher, ich wäre«S, auch wenn er den Sowjetstern als sein Zeichen gewählt hätte. Weil er sich jetzt ein Hakenkreuz zugelegt hat, soll ich ihn hassen?? Nein, Genosse Redakteur, das magst Du tun, der Du nicht meines Stammes und Blutes bist. Wir sagen es hier ofien(Blut ist kein Wasser), wir können nicht anders, denn es binden uns Bande des Blutes mit unseren VollSstämmen. Gar garstige Sachen schreibst Du oft. Aber niemand kann sie Dir wiederlegen. Und wir wissen, warum Du das tust. Weil Du es nicht gerne sehst, daß wir achtgeben, was um uns vorgeht. Ich bin. schon viele Jahr« Schuhvereinsmitglied und arbeite in der SVH mit. Du sagst, das hat etwas mit der SHF etwas zu tun. Du lügst bewußt, und weißt es ganz bestimmt, aber, wahrscheinlich, weil Du Dich fürchtest, stellst Du das so dar, als ob man jemanden politisch zwingen wollte. Das bitte, Herr Redakteur zur Kenntnis zu nehmen. Gebe Gott, daß unsere alte Sozialdemokratie bald wieder auf vernünftige Wege kommt, bevor es hier spät wird. Spät wird«S nicht, wenn sie, die deutsch« Bewegung, nur von Deutschen geleitet wird. Jedes Voll mag sich seine Gruppe bilden, jedes Volk sein« Ideale für sich vertreten, jedes Voll seine blntmäßigen Führer haben, aber keine fremden Führer sollen die Völker führen, denn bei ihnen ist wohl nur die Sprache gleich, nicht aber das Denken und nicht das Fühlen. Auf dieses Schreiben wurde dem Herrn Karl Petzina folgende Antwort zuteil: Sehr geehrter Herr! Ihr Brief würde eigenllich keinerlei Antwort verdienen, aber da Sie sich auf di«„alte Sozialdemokratie eines Viktor Adler und eines Perner- storfer" berufen und überhaupt so tun, als wären Sie ein alter Parteigenosse, der jetzt der Sozialdemokratie, weil sie. auf„Abwegen" ist, den Rük- ken kehrt, so sei Ihnen einiges gesagt. Daß Sie jemals wirllicher Sozialdemokrat gewesen find, das bezweifle ich entschieden, dazu beherrschen Sie den hakenkreuzlerischen, antisemitischen Jargon zu gut. Dagegen spricht auch Ihr Bedauern, daß nicht sämtliche der sozialdemokratischen Führer in den fascistisch gewordenen Ländern in die Hände der blutbefleckten Henker gefallen sind, sondern sich retten konnten, wobei Sie sich die echt hakenkreuzlerische Unwahrheit leisten: ...... wir können sie jetzt erhalten". So nebenbei: waS haben Sie denn, lieber Herr, zur Erhaltung der aus den Klauen ihrer Marterer erretteten Emigranten schon beigetragen? Ich wette, nicht einen roten Helleri Daß Sie kein Recht haben, sich auf die alte Sozialdemokratie eines Viktor Adler und Pernerstorfer zu berufen, geht auch daraus hervor, daß Sie die Partei, falls Sie ihr überhaupt jemals angehört haben, gerade zur Zett ihres schwersten Kampfes schmählich im Stich« lassen und in kühnem Schwünge zu jenen, hinübervoltigiert find, welche in den Ländern, wo der FasciSmuS triumphiert, tausende Angehörige der Sozialdemokratie zu Tode gequält, den furchtbarsten Folterungen ausgesetzt, in die Gefängnisse und Konzentrationslager geworfen haben. Das hat noch kein wirllicher Sozialdemokrat getan, sondern nur Leute, die es innerlich nie waren und die ich nicht näher charakterisieren will. Nach ihrem Briefe könnte man glauben, die alte Sozialdemokratie eines Adler und Perner- storfer hätte Ihnen gefallen, nur die jetzige Sozialdemokratie mißfalle Ihnen. Gründ« dafür geben Sie nicht an. Es fällt mir natürlich nicht ein. Ihnen irgendwie zuzureden, um Sie bei der Partei zu erhalten, denn erstens glaube ich wie gesagt nicht, daß Sie jemals zu uns gehört haben und zweitens bin ich der Auffassung, daß es nur gesund ist, wenn Menschen von einer Gesinnung, wie sie aus Ihrem Briefe spricht, reinlich von uns getrennt bleiben. Ich will nur Sie selber kennzeichnen. Von den Emigranten, von denen jeder einzelne ein armer, seiner Existenz und Heimat beraubter Mensch ist, schreiben Sie:„Wenn sie sauber gewesen wären, wäre ihnen bestimmt nichts geschehen. Man kann nicht anders annehmen, als... es mutz etwas, vorliegen, was sie zwang Reißaus zu nehmen." Jemand, der so etwas niederschreibt, hat entweder kein« Ahnung, was in den letzften zwei Jahren in Deutschland und Oesterreich geschehen ist oder ist«in infamer Lump, der grundlos, nur wegen ihrer politischen Gesinnung aus der Heimat Vertriebene ohne den geringsten Anhaltspunft verdächtigt. Ich will annehmen, daß Sie zu der ersten Kategorie gehören, denn nur so kann ich mir erllären, daß Sie arm«, verfolgte Menschen verdächtigen. Also unsere Partei gefällt ihnen nicht mehr. Sie wissen selhstverständlich nichts davon, daß diese Partei die alt« geblieben ist, daß sich nichts an ihr geändert hat und daß eben nur die Zeitver- hältniffe, unter denen sie zu wirken und zu kämpfen gezwungen ist, ander« geworden sind. Daß wir gegenwärtig nicht wie früher mit wehenden Fahnen kämpfen können, sondern einen harten zähen Kampf mit den bürgerlichen Parteien, zu denen» Sie übergelaufen find, führen müssen, um das nackte Leben der hunderttausende von Arbeitslosen zu sichern, ist sicher nicht so romantisch, wie es Ihnen gefallen mag, aber eiserne Notwendigkeit. Daß Sie uns nicht als Deutsche, sondern nur als Deutschsprechende gelten lassen wollen, nehme ich mit Gleichmut hin, möchte Ihnen aber raten, ehe Sie die Berufung zur Ausschließung anderer aus der deutschen Nation in sich entdecken, vorher selber Deutsch zu lernen, von dem Ihr Brief recht weit enffernt ist. Im übrigen hab« ich wahrhaftig nichts dagegen, wenn Sie dauernd bei Ihren „blutmäßigen Führern", den Hitler, Henlein, Goering und Goebbels verbleiben. Wilhelm Nießner, Chefredakteur des„Sozialdemokrat" und Senator. Zerfall der Aussiser kommunistischen Partei Die kommunistische„Rote Fahne" bestätigt die Meldung von dem Ausschluß des Aussiger Stadtrates Berger aus der kommunistischen Partei. In ihrer Nummer vom 5. Jänner meldet' das Blatt, daß Stadtrat Berger wegen parteischädigenden Verhaltens aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen und von allen seinen Funk-' tionen enthoben wurde. Worin das parteischädigende Verhalten Bergers besteht, wird nicht ge-' sagt. Ein Versagen im Kampf gegen die Sozial- demokratte kann nicht vorliegen, denn hierin hat Berger Meisterhaftes geleistet. Wenn auch über seine lommunalpolitische Tätigkeit so gut wie nichts zu berichten ist, die wütenden Attacken gegen die sozialdemokratische Gemeindefraktion und die Beschimpfung der Sozialdemokratie im allgemeinen verdienen Anerkennung. So ist der Lauf der Welt. Eine gute Tat findet niemals ihre gerechte Wertung. In der gleichen Nummer der„Roten Fahne" wird noch„eine Erklärung gegen Herrn Günter" veröffentlicht, die der kommunistische Stadtvertreter V o b e tz k i in der letzten Sitzung der Aussiger Stadtvertrctung abgab. Auch die„Rote Fahne" gesteht also zu, daß Günther jahrelang den»proletarischen Vertreter" mimen durste, „weil sich Günter in der Arbeiterbewegung betätigte und für die Interessen der Arbeiter wirkte".,— Sehr spär hat man gemerft, daß „Günter nun diesen Weg'verlassen hat"... Für die Zustände in der KPTsch ist diese Erklärung bemerkenswert; sie läßt erkennen, daß jeder, der den Mund genügend nufreißt,«nd was noch wichtiger ist,— wer gehörig auf die Sozialfascisten schimpfen kann— der rechte Mann ist, nm Kandidaturen und Funktionen für die KPTsch auszuüben. Aus gut informierter Quelle erfahren wir, daß überhaupt die Zustände in der Ortsgruppe Aussig der KPTsch geradezu katastrophal sind. Funktionäre legen ihre Aemter nieder und die noch wenigen Mitglieder verlassen fluchtartig die Organisation. Der größte Teil der bisherigen„Kommunisten" geht anscheinend zur Henleinftont. Das sind die Früchte kommunistischer Vernebelungstaktik! Die unpolitische SVH , Ein Keser unseres Martes— übrigens kein organisierter Sozialdemokrat— teilt uns zur Illustration des„unpolitischen" Charakters der SVH folgenden Vorfall mit: In Böhmisch-Le ipa hat man alle bürgerlichen Parteien zur gründenden Sitzung der SVH eingeladen. Nun hat aber die liberale AWG in Leipa zum Unglück einen jüdischen Obmann. Man sollte meinen, daß dieser Umstand zwar die nazistische SHF, aber nicht die„neutrale" SVH frören sollte. Es scheint den Herren der SVH aber doch unangenehm gewesen zu sein, denn sie luden nicht den Obmann, sondern einen anderen Funktionär der AWG ein. Man muß also eine arische Großmutter haben, um über die SVH, die„unpolitische und neutrale" Hilfsorganisation, mitberaten zu können. Ueberflüssig zu sagen, daß die wie immer würdelose AWG den arischen Vertreter unter Umgehung des Obmanns entsandte. Bei den Sammlungen allerdings hat man die Juden nicht ausgelassen. Geld riecht nicht, eine 50-Kroncn-Note hat weder eine arische noch eine jüdische Großmutter, man sammelt alfo bei den Juden wie bei den Christen. Und die Juden von Leipa, denen man so deutlich gezeigt hat, daß sie in der SVH nichts zu suchen haben, spenden, wie man uns schreibt, doch, denn„man könne sich nicht ausschließen". Henlein wird es ihnen kaum danken. Der Regierungskommissär der Stadt Görka« Viktor Kostetzky hat seine Funktion niedergelegt. Von der Bezirksbehörde in Komotau wurde an seine Stelle der pensionierte Rat der politischen Verwaltung Richard Schreiter aus Komotau berufen, der am Montag die Leitung der städtischen Geschäfte übernehmen wird. Lebende Fackel. Im Orte Wallach an der Bezirksgrenze Dauba-Wegstädtl bewohnt der verkrüppelte Ziehharmonitaspieler Römisch mit seiner Frau und einem zweijährigen Kind ein Häuschen. Der Mann war den ganzen Tag über unterwegs, um den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Frau und Kind waren daheim. Als abends das Licht in der Petroleumlampe verlöschen wollte, wollte die Frau nachfüllen. Dabei explodierte die brennende Lampe und der Inhalt ergoß sich über die Frau, die sofort in Flammen stand. Als lebende Fackel lief die Unglückliche nach dem Nachbarhaus, um dort Hilfe zu holen. Nachbarn konnten zwar durch Ueberwerfen von Decken das Feuer ersticken, doch hatte üje Frau so gefäbrliche Brandwunden erlitten, daß sie im Krankenhaus starb. Das in der Wohnung entstandene Feuer konnte rasch gelöscht werden. Das zweijährige Kind, das allein in der Stube war, blieb unverletzt. Seite 4 Sonntag, 6. Jänner 1935 Nr. 5 MW und AM in Her Mente Den unerkannten Sohn ermordet. Mutter und Schwester begehen Selbstmord Belgrad. In Oravica unweit von Bela Crkva betrat ein unbekannter Mann die Dorfschenke. Als der Gastwirt feststellte, daß der Fremde eine größere Summe Geldes bei sich trug, faßte er den Plan, den Unbekannten zu ermorden und sich des Geldes zu bemächtigen. Er führte die Tat auch durch, wobei ihm seine Tochter half. Nach dem Morde nahmen sie die Barschaft ihres Opfers in der Höhe von 20.000 Dinar an sich. Am nächsten Tage stellte es sich jedoch heraus, daß der ermordete Fremdling niemand anderer war als der S o h n des Wirtes selbst, der nach 20jähriger Anwesenheit aus der Fremde zurückgekehrt war und seiner Mutter seine Ersparnisse in der Höhe von 20.000 Dinar bringen wollte. Als Mutter und Schwester erfuhren, wer das Opfer ihres Mordanschlages geworden war, verübten sie Selbstmord. Tagcsncolghcltcn Schwere Explosion in der Pulverfabrik Blumau Ein ganzes Objekt in die Luft geflogen Wien. Samstag früh um 3 Uhr ereignete sich in der Pulverfabrik in Baumau bei Wirner- Ncustadt eine Explosion, durch die das Objekt 195. dieses staatlichen Unternehmens vollständig demoliert wurde. Zum Glück kamen Menschen nicht zn Schaden. Der Materialschaden ist aber groß. Die Explosion war auch in der weiteren Umgebung zu hören. Unter der Bevölkerung entstand eine begreifliche Panik. Einer amtlichen Nachricht zufolge ereignete sich die Explosion im Trockenranm, wo 50 Kilogramm Schießpulver explodierten. Der gleichen amtlichen Nachricht zufolge wird die Arbeit nicht unterbrochen werden. Zehn Arbetter getötet Mailand. Nach den letzten Meldungen sind einem am Donnerstag erfolgten Hauseinsturz in Mailand zehn Arbeiter zum Opfer gefallen. Bier Skiläufer von einer Lawine begraben Bozen. Bei einer Skitour auf die Marmo- l a t a(Dolomiten) wurde eine Gesellschaft von sieben Skiläufern aus München unter Führung des Skilehrers Luber durch eine Lawine verschüttet. Vier Teilnehmer wurden von Sen ungeheuren Schneemasien begraben. Ein italienischer Skiläufer, der gerade von der Marmo- lata abfuhr, leitete die erste Hilfe und alarmierte Bauern und die fascistische Miliz, die eine Hilfs- expedition ausrüsteten. Bei Fackelschein konnten die vier Leichen in das Dorf Rocca Pietore gebracht werden. Einer Privatmeldung zufolge, handelt es sich bei den Verunglückten um den Skilehrer L u b e r, um die Sportlehrerin D o r i s G n o d t auS Marienwerder, Frl. Trude Fritz aus Ruhla und mm den Kandidaten der Medizin Gottschalk aus München. Tragischer Tod eines Arbeitslosen Beim Schneeschaufeln an Entkräftung geswrben Das freitägige erste Schneegestöber in Wien hat ein Todesopfer gefordert. Bei der Wegräumung des Schnees in der Nähe des St. Marx- Schlachthofes im XI. Bezirk brach der 47jährige beschäftigungslose Kellner Karl Hirsch zusammen und starb. Es zeigte sich, daß er v o l l- kommen erschöpft zur Arbeit kam, da er zehn Wochen nichts Warmes gegessen hatte, und infolge lleberanstrengung starb. Zahnarzt mißbraucht seine Patientinnen Laibach. Nach mehrtägiger Dauer wurde die polizeiliche Untersuchung gegen den Zahnarzt Bevo wegen Vergewaltigung und Gelderpres- sungtzn an zahlreichen Patientinnen abgeschlossen. Wie erhoben wurde, hat Bebo über 100 Mädchen und Frauen von einfachen Arbeiterinnen bis zu Mitgliedern angesehener Familien durch narkotische Mittel des Bewußtseins beraubt und dann mißbraucht. Ueber 60 Frauen wurden ausgeforscht und in diskreter Weise verhört. Die weitere Untersuchung wird vom Staatsanwalt fortgeführt. Tauwetter, auf den Bergen Frost Prag. In der Freitag-Nacht hat sich die Niederschlagszone auch auf den mittleren Teil des Staates ausgebreitet, wo es heute bei nachlaffen- dem Frost allgemein schneit. Unter minus fünf Grad ist die Temperatur nurmehr in Karpatho- ruhland gesunken. In Böhmen haben die Niederschläge vielfach aufgehört, in den Niederungen ist die Schneedecke jedoch wieder im Schmelzen begriffen, da hier in der Nacht Tauwetter eingetreten ist. Auf den Bergen dauert der Frost an. Samstag früh meldete der Panzer minus 4 Grad und 37 Zentimeter Schnee, der Fichtelberg—4 und 35 Zentimeter, die Schneekoppe—7 und 38 Zentimeter, der Alwater(Schäferei)—9 und 60 Zentimeter.— Wetteraussichten für heute Sonntag: Veränderlich, auf den Bergen Frost, in den Niederungen untertags Tauwetter. Raubmord an einem Kassabeamten Breslau. Hinter den Schaltergittern der Kassa des Breslauer Domkapitels wurde gestern früh der Rendant Richard Malich erschossen aufgefunden. Wie festgestellt wurde, hat der 57jährige Mann einen Herzschuß durch eine kleinkalibrige Waffe erhalten. Die Telephonleitung war durchschnitten. Wie hoch der geraubte Geldbetrag ist, muß die Untersuchung ergeben. Der Tat dringend verdächtig sind drei junge Leute Mitte der 20iger^Jähre, die gesehen worden sind, als sie die Kassa verließen. Die Untersuchung der„!liver"-Katastrophe Amsterdam. Nach der am Freitag erfolgten Rückkehr des im Flugzeug nach Arabien entsandten Untersuchungsausschusses der hoUändischen Luftverkehrsgesellschaft gibt deren Leitung ein« neue Darstellung über den Untergang des Großverkehrsflugzeuges„Uiver" heraus, die ein ganz neues Licht auf den Hergang der Katastrophe wirft. Auf Grund der an der Unfallstelle bei Ratbach—Wells angestellten eingehenden Nachforschungen kann die anfängliche Annahme, datz der „Uiver" vom Blitz getroffen worden sei, nicht mehr aufrechterhalten werden. Der Untersuchungsausschutz hat vielmehr zu der Feststellung gelangen müssen, datz das Flugzeug höchstwahrscheinlich in voller Fahrt, und zwar mit einer Geschwindigkeit von rund 250 Kilometern, mit dem Erdboden zusammenstietz und in Brand geriet. Es führte nach diesem Aufprall nur in gerader Linie einen Sprung von etwa 100 Meter aus, wobei des Schwanzstück und ein Motor abbrachen, und drehte sich darauf vollkommen im Kreise, ehe das auf diese Weise zum Wrack geschlagene Flugzeug zum Stehen kam. Kurz vor dem Unfall scheint sich der„Uiver" noch in einer Höhe von 600 Metern befunden zu haben. Hierauf mutz die Maschine plötzlich senkrecht zu Boden gedrückt worden sein. Die Insassen haben fast alle als Folge des Ausfalles auf die Erde Genick- b r L ch e aufzuweisen und müssen sofort tot gewesen sein. Was als die Ursache des rätselhaften Aufpralles auf der Erdoberfläche zu betrachten ist, steht zur Zeit noch nicht fest. Die offizielle Untersuchung hierüber ist noch im Gange. Die christlichsozialen Redaktionen, die für Hitler schwärmen, sollten sich einmal die Büchlein kommen lassen, aus denen in der letzten Folge der„Europäischen Hefte" Weihnachtslieder zitiert sind, so z. B. Fritz von Rabenaus Sammlung „W eihnachten im Dritten R e i ch", in der man das Gedicht findet: Stille Nacht, heilige Nacht, Alles schläft, einsam wacht Nur der Kanzler zu treuer Hut... Sülle Nacht, heilige Nacht, Alles schläft, einsam wacht Adolf Hitler für Deutschlands Geschick... oder auch das Gedicht„Erlöser": Im fernen Ost erstand Aus Gottes Vaterhand Der Heiland, der die Welt beglückt. Für unser Deutsches Land Hat Christus uns gesandt. Den Führer, der uns all' entzückt. Im fernen Ost«inst bracht' Erlösung aus der Nacht Der Gottessohn durch Opfertod. Durch Hitler nnserm Land Erlöser jetzt erstand. Zu ewig hellem Morgenrot. Man braucht weder kirchengläubig, noch fromm zu sein, um den Vergleich zwischen Jesus und dem Führer der deutschen Konzentrationslager als Blasphemie zu empfinden. Es scheint aber, daß in diesem Punkte kein Freigeist und kaum ein Atheist so eine dicke Haut hat, wie christliche Pfaffen und Journalisten, deren Hitler- begeisterung durch all diesen lästerlichen Irrsinn keinen Abbruch erleidet. Lastauto und Mowrzug. Freitag vormittags stieß ein Lastkraftwagen der Kaschauer Fleischerei Brüder Daüek, das von dem Chauffeur Jlnica gelenkt wurde, unweit der Haltestelle Hatalov auf der Strecke UZhorod—Bänovce nad Ondavou mit einem Motorzug zusammen. Der Motorzug wurde beschädigt und alleJnsassen des Auws, der Chauffeur und die BrüderDane!, erlitten Verletzungen. Der Lastkraftwagen wurde zertrümmert. Von den Insassen des Zuges wurde niemand verletzt. Auw und Lastzug. Am Freiwg um 19.15 Uhr stieß der Lastzug mit Personenbeförderung Rr. 5084 im Kilometer 15.6/7 auf der schrankenlosen Ueberfahrt zwischen den Stationen H um- p o l e c und Herälce Usobi mit einem Lastauto des Josef H o r k y aus Humpolec zusammen. Die Maschine und der Tender entgleisten. Z w ei Privat« n g e stellte und ein P o st a n gestellter wurden leicht verletzt. Die Beseitigung der Folgen des Unfalles wird etwa zwei Tage in Anspruch nehmen. Die Ursache des Unfalles wird untersucht. Mit der weiteren Untersuchung im Nelson- Verfahre« wurde der Gerichtsrat des Brüxer Kreisgerichtes Dr. Hofbauer betraut. Der bisherige Untersuchungsrichter, Bezirksrichter Dr. Kansky, wurde vom Kreisgericht dem Brüxer Bezirksgericht zugeteilt. Verschüttet. Auf dem Schacht„Franziska- Tiefbau" bei Radonitz wurde Samstag der Bergarbeiter Marschalekvon herabstürzenden Kohlenmassen verschütet. Ein zweiter ebenfalls verschütteter Bergmann, der aber nur leicht verletzt wurde, konnte sich befreien und grub dann sofort seinen Kameraden aus den Kohlenmaffen hervor. Marschalek wurde ins Podersamer Krankenhaus emgeliefert, wo ihm der linke Arm amputiert werden mutzte. Eisenbahnverkehr Aussig—Bodenbach gestört. Auf der Bahnstrecke Aussig— Bodenbach sprangen am Freitag beim Rangieren zwei Waggons eines Lastzuges aus dem Gleise und blok- lierten den gesamten Verkehr auf der vielbefahrenen Strecke. Zu Schaden kam niemand. Der Verkehr konnte jedoch nur durch Umsteigen in der Swtion Topkowitz aufrecht erhalten werden. Der Berlin-Budapester Schnellzugs wurde über Tetschen-Schreckenstein nach Aussig geleitet, um eine Beläsfigung der ausländischen Passagiere, die in der Regel viel Gepäck mitführen, zu vermeiden. Der Balkanzug machte zwar in Aussig Station, mutzte aber über den ATE-Bahnhof nach Schreckenstein-Tetschen dirigiert werden. Auch der Güterverkehr erlitt erhebliche Verspätungen. Von Aussig wurde eine technische Abteilung zur Unfallstelle beordert. Die Arbeiten konnten noch im Laufe des Abends beendet werden, beide Hauptgleise waren dann wieder ftei für den Verkehr. Ein Erdbeben, das Freitag in der Türkei beobachtet wurde, war so stark, datz an den Mauern der Häuser in Istanbul Riffe entstanden und sich des Publikums in den Kinematographen eine Pani! bemächtigte. Die Erdstötze wurden auch m Ankara, in Smyrna, in den Dardanellen und in Thrazien verspürt. Glücklich davongekommen. Die rumänischen Flieger Fräulein B u r n atz und Leutnant I v a- n i c, die sich auf dem Fluge von B u k a r e st nach Kapstadt befanden, stürzten in einem Schneesturm bei Adabazar in Kleinasien ab. Das Flugzeug wurde zertrümmert, die Insassen kamen ohne Verletzungen davon. Gesuche um Zulassung zu den Staatsprüfungen für Forst- und Jagdwesen. Nach Erlatz des Landwirt- schastsministeriums vom 17. Jänner 1928 Nummer 4921/15 finden die forstwirtschaftlichen Staatsprüfungen in Prag zu Beginn des Monats September 1935 statt. Die in Böhmen wohnenden Kandidaten mögen ihre Gesuche um Zulassung mit allen im 8 3 der Verordnung des ehemaligen Ackerbauministeriums vom 3. Feber 1903, Reichsgesetzblatt Nr. 30 vorgeschriebenen Beilagen bis zum 31. März 1935 an das Landesamt in Prag richten.— Nach Beendigung dieser Prüfungen finden die Prüfungen für den For st schütz- und technischen Hilfsdienst statt. Die in Böhmen wohnenden Kandidaten wollen ihre Gesuche um Zu» laffung zu dieser Prüfung, versehe» mit allen im 8 29 der oben zitierten" Verordnung vorgeschriebenen Beilagen, gleichfalls bis zum 31. März 1935 an das Landesamt in Prag richten. Rach diesen Prüfungen finden als Fortsetzung noch Prüfungen auS Francois Marsal, ehemaliger französischer Ministerpräsident, wurde in dem Prozetz gegen die Funkttonäre des Westafrikanischen Handelsgesellschaft bei der er Vorsitzender des Verwaltungsrates war, zu zehn Monaten Kerker und zu einer Sttafe von 2 0.0 0 0 Franken verurteilt. dem Jagdwesen und Jagdschutzwesen statt. Die Gesuche um Zulassung zu diesen Prüfungen sind mit den Beilagen nach Vorschrift des 8 2 der Verordnung des ehemaligen Ackerbauministeriums vom 3. Feber 1903. Reichsgesetzblatt Nr. 31, gleichfalls bis zum 31. März 1935 an das Landesamt in Prag zu richten. 3837 nene Unterleutnants der Reserve. Das Personalverordnungsblatt des Nationalverteidigungsministeriums veröffentlicht die Ernennung von 3837 Aspiranten zu Unterleutnants der Reserve. Davon entfallen auf die Infanterie 2071, die Artillerie 783, die Kavallerie 174, Fliegertruppe 55, Geniettuppe 157, Gesundheitsdienst 151 usw. Hut abnrhme« oder nicht abnehmrn? Ein Wiener Sozialdemokrat, der vor dem Grab Georg Weiffls den Hut abgenommen hatte, wurde zu sechs Wochen Polizeiarrest verurteilt. Er verbützte die Strafe mit einem Nattonalsozialisten, der zu sechs Wochen Polizeiarrest verurteilt worden war, weil er auf dem Zenttalfriedhof, vor dem Grabe der Opfer der Exekutive den Hut nicht abgenommen hatte. ' Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen; Montag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.85: Orchesterkonzert, 13.35: Arbeitsmarkt, 16.55: Kinderftunde, 17.45: Klavierkonzert, 18.40: Deutsche Sendung: Professor Mink: Der Skiläufer im Böhmerwald, 22.60: Deutsche Nachrichten. Sender S.: 14.20: Schallplatten, 15.05: Deutsche Sendung: Für die Frau, 15.35: Deutsche Presse, 19.15: Lieder.— Brünn 17.45: Deutsche Sendung: Dr. Christ: Das Wesen der Materie im Lichte der neuesten Forschung, 18: Jng. Buhl: Wirtschaftlichkeit und Hy- gienie von Heizanlagen.— Mährisch-Ostrau 11: Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Brotkorb: Demokratte und Arbeiterschaft.— Preß- bürg 17.10: Unterhaltungsmusik. Dienstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11.05: Deutscher Schulfunk, 12.10: Schallplatten, 12.35: Konzert des Salonorchesters, 16.45: Jugendstunde, 17.50: Tschechisch« Volkslieder, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Weil: Wirtschaftliches Relief, 18.30 bis 18.55:.Lieder heimischer Komponisten", gesungen von Hedda Grab. Am Klavier: Franz Schönbaum. 18.55: Deutsche Presse, 19.30: Operette aus dem Studio-— Sender S.: 14.20: Schallplatte«: Konzert des Salonquartctts, 15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 15.45: Deutsche Presse, 18.20: Kinder, wir wollen turnenl— Brünn 15.55: Orchesterkonzert, 16.45: Theater für Kinder, 17.45: Deutsche Sendung: Soziale Informationen, 17.50: Arbeitersendung: König: Leinenweber im Schönhengster Land, 18.05: Landwirt- schastsfunk.— Preßburg 17.05: Tanzmusik.— Kascha» 17.05: Harfenkonzert. Vorbereitung zur Saarabstimmung Eine Probeverladung von Wahlurnen auf einen englischen Militärtransportwagen— ein Bild von einer Maßnahme, die durch die Bestimmung der Regierungskoyrmission des Saargebietes bedingt wurde, datz die Stimmen nicht in den Wahllokalen, sondern gemeinsam in Saarbrücken gezählt werden müssen. Daher werden die Wählurüen unter militärischer Bedek- kung auf Lastautos in die Hauptstadt des Saargebietes gebracht werden. Nr. 5 Sonntag, 6. Jänner 1935 Sekt« S Ein Millionär, der im Armenrecht klagt — und ein armer Schlucker, der Großgrundbesitze kaust Prag. An der Peripherie des kapitalistischen Wirtschaftslebens gedeihen sonderbare Existenzen. „Jng. Anton Vävra, Bankhausinhaber, Großgrundbesitzer und Eigentümer von Realitäten", so lautet die prunkvolle Visitkarte des 48jährigen Herrn, der Samstag in fortgesetzter Hauptverhandlung vor dem Senat Krys tu sek auf der Anklagebank Platz nahm. Her Jng. Anton Vävra hat bei der ersten Verhandlung am 2. August vorigen Jahres erklärt, er besitze Immobilien im Werte von 7 Millionen, die allerdings mit 5 Millionen Hypothekarschulden belastet seien. Außerdem habe er Forderungen für 17 Millionen. Unter anderem führe er einen Prozeß gegen die Deutsche Reichsbahn um 86 Millionen, wobei nur befremdet, daß dieser Millionär imArmen- r e ch t klagte. Herr Jng. Anton Vävra ist des Verbrechens des Betruges angeklagt. Er ist bereits rechtskräftig zu zehn Monaten schweren Kerkers verurteilt worden, was nicht hinderte, daß er in der Närodni tiida eine Kanzlei eröffnen konnte, die sich mit sonderbaren„Geschäften" befaßte(die vielsagenden Anführungszeichen bei dem Wort„Geschäft" finden wir in der Anklageschrift). Die gegenwärtige Anklage betrifft allerlei ftagwürdige Realitätengeschäfte, wobei verschiedene arme Teufel schwer zu Schaden kamen. Da ist zunächst ein gewisser Josef O k t a b e c aus Rata je an der Sazawa. Der Angeklagte kaufte im Dezember 1933 von ihm ein als Pension für Sommergäste eingerichtetes Haus für 826.909 KL, wobei er 290.099 KL Hypothekarschulden übernahm- Er versprach, binnen drei Monaten den Kaufpreis zu bezahlen, wobei er viel von hohen Außenständen sprach, die er in den nächsten Wochen eintreiben werde. Tatsächlich bezahlte er aber nur 909 KL (neunhundert KL), noch dazu in winzigen Raten, selbst per 20 KL! O k t a b e c w u r d e b u ch- stüblich zum Bettler. Der großmütige„Kau-, fer" überließ ihm a conto des Kaufpreises die Obsternte seines Villeng artens im Dorfe Mokropsy, wobei eS dem armen Teufel überlassen blieb, die Obstbäume durch zwei Monate zu bewachen. Schließlich loste er für die geernteten Früchte ganze 1S9 (hundertfünfzig) KLl Wie der Zeuge Oftäbec heute erklärte, wurde er vom Rechtsanwalt des Angeklagten(gleichzeifig dessen Bruder) Dr. Robert Vävra, als er halbverhungert die Auszahlung des Kaufpreises urgierte, mit der Bemerkung:„Und wenn Sie noch so viel Hunger haben, so bekommen Sie doch nichts" aus der Kanzlei gewiesen. Dieser Dr. Robert Vävra ist ein ehemaliger Richter. Seine Kanzlei befindet sich auf dem gleichen Korridor mft der seines angeklagten und von ihm vertretenen Bruders, der ihm nach eigener Aussage die Advokatenkanzlei eingerichtet unb finanziert hat. Während noch der bedauernswerte Josef Oktober vergeblich auf sein Geld wartete, hatte der Angeklagte bereits ein neues„Geschäft" eingefädell. Diesmal suchte er durch Inserate Teilhaber zum Betrieb der Pension. Zwei arme Frauen fielen furchtbar herein. Eine Näherin ließ sich bereden, ihre letzten Groschen— 20.999 KL— als„Geschäftseinlage" zu investieren, eine andere arme Frau steckte 5909 KL in den Betrieb. Durch die Verttäge, die gleichfalls in der Kanzlei des Advokaten Dr. Robert Vävra abgeschlossen wurden, war den Frauen nebst Wohnung und Kost ein Gehatt von 1099 KL monatlich versprochen worden. Heute bemühen sie sich verzweifelt, ihr Geld zurückzubekommen, denn das Geschäft erwies sich als Schwindel. Dieser fragwürdige„Millionär" rühmte sich auch noch des Besitzes des Gutes KaLerov bei Vrutice und eines Hotels inCelakovice, wozu die Anklage freilich bemerkt, daß es sich um ungeheuer verschuldete Liegenschaften handelt und die phantastischen Werte, die der Angeklagte anführt, nur auf dem Papier stehen. _ Ein durch die Dtachinationen des Angeklagten geschädigtes Geldinstitut bezeichnet die Geschäfte dieses Herrn Vävra als regelrechten Kettenhandel mit überschuldeten und also entwerteten Grundstücken. Maß- gebende Fattoren sind der Ansicht, daß diese„Ge- ' schäfte" dem Angeklagten nur den Nimbus des ver- > mögenden Grundbesitzers verleihen sollten, den er zu seinen sonstigen Unternehmungen brauchte.. Eine bemerkenswerte Figur war der Zeuge Josef H ä«j e k. Der Angeklagte behauptete nämlich, er habe die diversen Grundstücke inzwischen an diesen Häjek. wciterverkauft. Der„Käufer" von Immobilien im Wette vieler Millionen präsentierte sich als ärmlich aussehender junger Mensch. Er bestättgte, die Grundstücke für etliche Millionen gekauft zu haben, worauf sich die Frage ergab, wo er—ein notorischer armer Schlucker— das Geld für den Kaufpreis hergenommen habe. Er erzählte, vom Staatsanwalt Dr. C e s ä k ins Kreuzverhör genommen, etwas von einer„reichen Braut",(deren Namen er aber nicht nennen wollte), dann von einer„politischen Persönlichkeit", die zu nennen er sich gleichfalls weigerte. Bemettenswett ist, daß der„Kaufvertrag", durch welchen dieser Zeuge auch alkeVer- pflichtungen des Angeklagten gegenüber den Geschädigten übernimmt, kurz vor der ersten Hauptverhandlung unter- schtteben wurde.. Bei derartigen Fällen sind„ Strohmän- n e r", die eine bestimmte dienliche Rolle zu spielen haben, eine stehende Erscheinung. Das Gericht behielt sich vor, in einem späteren Zeitpuntt dem- Zeugen Häjek gründlicher auf den Zahn zu fühlen. Vorläufig wurde der Prozeß zwecks I Ladung weiterer Zeugen vettagt. rb. Die Indianer werden politisch aktiv (AP.) Man kann es nicht leugnen: das indianische Element ist wieder ein Faktor des politischen Lebens geworden. Es wäre zuviel, wollte man von einem Erwachen der Indianer oder von einer Aggressivität gegen die Weißen sprechen. Wer es ist nicht zu verkennen, daß in den Ländern, in denen sich die indianische Urbevölkerung am meisten erhallen hat, in Mexiko, Boli- v i a und Peru, gewissermaßen der ursprüngliche indianische Kern wieder bloßgelegt worden ist und die später von außen hinzugekommenen Einflüsse langsam abblättern. Die spanische Herrschaft hat die Lebensgewohnhellen und Denkformen der Urbevölkerung niemals in die politische und soziale Struktur gänzlich und organisch einzugliedern vermocht. Unter der Herrschaft des Feudalsystems und des Kapitalismus haben sich alle Traditionen der Zell vor Columbus erhalten, die ihren reinsten Ausdruck in dem theorettschen Reich der Inkas gefunden haben. In Mexiko ist die Jndianerfrage durch die Umwälzung von 1911—1917 ins Rollen gebracht worden. Das Bodengesetz von 1917 mtt der Parzellierung der Lattfundien und des Kirchenbesitzes sowie die Einführung bäuerlicher Kollektiven kam dem indianischen Wirtschaftsideal westgehend entgegen, wenn auch der Indianer, durch jahrhundertelange Leibeigenschaft jeder Initiative entwöhnt, von den ihm gewährten Rechten keinen Gebrauch machen konnte. Daher die Bemühungen der mexikanischen Regierungen fest 1917, durch eine große Erziehungsarbeit das Volk geistig und technisch zur Erfüllung der nationalen Aufgaben heranzubilden. In B o l i v i a ist die Jndianerfrage durch den Chaco-Ktteg erneut aufgerollt worden. Die militärische Niederlage der Bolivianer im Kampf mit Paraguay hat großenteils darin ihre Ursache, daß die Indianer der Anden, aus denen das Heer überwiegend besteht, den Zielen der Regierung vollkommen indifferent gegenüberstanden. Die nationale Idee wird nur von einer dünnen Oberschicht getragen. Die Indianer fühlen sich hier noch als Parias, die in dem Krieg nicht ihre Angelegenheit erblicken und an seinem Ausgang uninter- essiert sind. Freilich kam noch hinzu, daß sie klimatisch den ganz anders gearteten Verhältnissen in der Chaco-Ebene nicht gewachsen waren. Wer auch in P e r u ist das geschilderte Problem aktuell. Dort gibt es seit 1919 eine revolutionäre Bewegung, die zuerst die Studenten erfaßte und deren geistiger Kopf Haya de la T o r r e ist. Er bettef, zum Vorsitzenden der Studentenföderation gewählt, den Nationalen Studentenkongreß nicht nach der Hauptstadt Lima ein. Deutschlandlied im Radio— Aufreizung Lrünu. Das Oberste Gettcht in Brünn gab Sonntag der Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsan- waües in Angelegenhttt eines Urteils statt, durch welches im vergangenen Jahre der Friseur Franz P r a x e aus Wallern zu acht Tagen Attest verurteilt worden war. Praxe hatte seinen Radioapparat auf größte Lautstätte eingestellt, als aus demselben das Lied„Deutschland, Deutschland über alles"«klang. Als einige Tschechen vor seiner Rasierstube Halt machten und sich wundetten, stellte« eine noch größere Tonstätte ein und lachte sie aus. Das KreiSgettcht hatte ihn nur nach 8 14, Zl. 5 des Gesetzes zum Schutze der Republik wegen Lä- cherlichmachung verurteilt. In der Verhandlung vor dem Obersten Gericht fühtte der Vettret« der Ge- neralprokuratur aus, daß bereits die Wiedergabe dieses Liedes an sichalsAuf« r e i z u n g anzusehen sei und gleichzeifig die Tatsache, daß Praxe die Lautstärke des Apparates noch erhöhte und die Tschechen auslachte, als Aufteizung nach 8 14 Zahl 1 des Republik-Schutzgesetzes zu qualifizieren sei. Die Angelegenheit wurde zur neuerlichen Verhandlung an das Erstgericht zurückverwiesen. Die Schönheitskönigin als RLuderkommandanti« Die Athener Polizei hat eine Bande gefährlicher Betrüger verhaftet, an deren Spitze die griechische Schönheitskönigin von 1931 stand, die sich bei der Verhaftung als Engländettn ausgab. Die Bande arbeitete in zahlreichen gttechischen Städten in der Weise, daß die Schönheitskönigin ihre zahlreichen V e r e h r e r, die durchwegs den höheren und vermögenden Gesellschaftskreisen angehörten, dazu überredete, in den Salons der von ihnen besuchten Familien Wettgegenstände zu st e h l e n. Ein Mitglied der Bande, das sich als Polizeiinspektor ausgab, besuchte dann den betreffenden Dieb, nahm ihm den gestohlenen Gegenstand ab und zwang ihn außerdem, zur Bezahlung eines größeren Geldbetrages als Schweigegeld. Ein Bodenbach« Hans niedergebrannt. In den späten Abendstunden des Donnttstag fiel eines der Westen Häuser von Bodenbach den Flammen zum Opfer. Aus bisher ungeklärter Ursache brach in dem Hause des Allwarenhändlers Oskar L ö b l ein Feuer aus, das an den in mehreren Räumen des alten Hauses aufgestapelten Warenvorräten reiche Nahrung fand. In äußerst kurzer Zeit hatten die Flammen das ganze einstöckige Haus erfaßt und bis auf die Grundmauern niedergelegt. Die Bemühungen der Feuerwehren, wenigstens einen Teil der Warenvorräte zu retten, blieben erfolglos, sie konnten sich nur daraus beschränken,- da- liebergreifen des Brandes auf die benachbatten Häuser zu dtthindern. Auto und Handwagen. Auf der Straße zwischen Bokau und Schöbritz bei Aussig fuhr am Donnerstag vormittags ein von dem Chauffeur Gottwald gelenktes Lastauto des Aussiger Konsumvereines einer Reihe von in der gleichen Richtung fahrenden Handwagen vor. Hiebei wurde einer der Wagen, auf dem eine Frau namens S a m s ch gesammelte Kohle fuhr, vom Trittbrett des Lastautos erfaßt. Frau Samsch wurde zu Boden gerissen und schwer verletzt. Sie wurde in bewußtlosem Zustand ins Aussiger Krankenhaus eingeliefert, wo sie aber ihren Verletzungen erlag. Gottwald wurde verhaftet. Auf der Flucht erschossen. In d« Nacht auf Silvester sind aus der Strafanstalt in St. Pöllen die drei Attestanten Hochreith«, Koch und Weigl entflohen. Die Sttäflinge wurden am Freitag von einer Gendarmerie- und Schutzkorps-Patrouille in der Nähe von Ubbs betreten. Es kam zu einer Schießerei, bei welcher Hochreither getötet und Koch schwer verletzt wurde, während Weigl verhaftet werden konnte. 152 Jahre alt geworden. In der Gemeinde Kingdi, Bezirk Otschemtschir, ist der 152 Jahre alte Chanara Kiut, der Weste Mensch in Abscha- sien(Westkaukasus) gestorben. Im Schnellzug bestohlen. Dem Arzte Dr. Reik aus Mähr.-Ostrau wurde während einer Schnell» zugsfahtt von Lundenburg nach Mähr.-Ostrau eine Handtasche entwendet, in der sich u. a. Pretiosen im Wette von 48.900 KL befanden. ES handell sich vor allem um ttne goldene Tabafitte, die mtt Perlen besetzt war urw einen Wett von 20.000 KL besaß, sowie um Hemdknöpse aus Plafin, die gleichfalls einen Wett von 20.000 KL besaßen. Für di« Zustandebringung der Schmucksachen oder di« Ergreifung des Täters ist eine Belohnung von 1000 KL ausgeschrieben. Dampf« im Stnrm. Ein englischer 5000 Ton- nen-Dampfer hat auf dem Wege nach Vancouver in schwerem Sturm sein« Schrauben verloren und wurde von seinem Weg abgettteben. An Bord befinden sich 87 Personen. Ein englischer Dampfer ist zur Hilfeleistung unterwegs. Entflohene Sttäflinge. Aus dem Bezittsgettcht in Schlesisch-Ostrau entflohen zwei Sttäflinge, die auf dem Gange mit Reinigungsarbeiten beschäftigt waren. Es handelt sich um den 28jähttgen Rudolf Puter aus M.-Ostrau und den 35jähttgen Anton Hendl aus Bs«tin, die beide im genannten Gericht kleinere Strafen abzubüßen hatten. Es gelang ihnen, ihre Zivillleidung an sich zu bringen; die Gefängnis, kleidung warfen sie weg. Die Gendarmen« hat die Verfolgung ausgenommen. Vom Prater RundiunK So im Handumdrehen gingS aus dem alten Jahre ins neue hinein. Mit den Feiern, wie'S einstens war, ist nichts mehr. Man hat keinen Anlaß, vom Gewesenen bewegten Wschied zu nehmen; ebensowenig, sich aufs Kommende mit großen Erwartungen zu freuen. Auf der Erde istS recht stier geworden. Vielleicht machte der Rundfunk deshalb einen Silvesterabstecher in die Sphären, Sttatosphäre.. bis zur Milchstraße, um sein« Unterhaltung von einem nächtlichen Rekontte zwischen Fräulein Welle 480, dem Herrn Stern und einem Mondkalb zu beziehen. Na— der Ausflug in solche Weiten hat sich auch nicht gerade übermäßig gelohnt; die paar Chansons wären auf ganz alltäglichem Erdboden bil- liger zu haben gewesen, zumal man 50 Millionen Kilometer über der Sttatosphäre auch schon zum großen Teile mit Schallplattenmusik zuftteden ist. Dessenungeachtet war die Begegnung mit Olga Rinnebach, Karl Padlesak und Leopold Dudek recht erfteulichl— Da wir schon beim Dramatischen sind: weit fröh- licher war Offenbachs„Blaubart". Man r.uß ja mit M o r d o s Regie nicht restlos übereinstimmen; aber die reizende Musik und die auserlesene Besetzung der führenden Rollen mit Else Lord, Kurt P r e g e r und die feinsinnige musikalische L i- tung durch Kapellmeistu Schick waren ein Ge nuß, für den man sich schon sehr gerne bedankt. Da drängt sich nun fteilich wieder die Frage auf: warum kann man so etwas nicht ganz hören? Statt gekürzt, aber den goldenen Humor und die beherzt zugreifende Satire der unvergänglichen Dichtung Kleists noch im wesentlichen erfassend, brachte unser Sender dem jungen Jahre den„Zerbrochenen Krug" als Morgengabe dar. AuS dem flotten, von der zugemeffenen Zeit nur zu sehr auf presto eingestellten Zusammenspiel ttat am«indruckvollsten vor die Fran Matthe Elfttede B r i n- golfs. Neben ihr die stärkste Leistung: Schmerzenreich als Ruprecht. Doch auch die übrig« Besetzung war durchaus angemessen, dem Neujahrstage einen künstlettsch bedeutsamen Willkommgruß zu bieten. Im Ausklang des alten Jahres erfüllte der Sender noch ein« ehrenvolle Pflicht, indem er zum 75. Geburtstage des Komponisten Josef B. F o e r- st e r eine Auswahl seiner Lieder und Klavierkom- posifionen als Glückwunsch für den greisen Meister in das Programm einstellte. Dabei lernte man in Lydia Kindermann eine ganz vottreffliche Liedersängerin mit überaus wohllautender Sfimme und wunderschöner Bortragskultur kennen. Mit den Klaviersoli erwies Kapellmeister I a r o s ch y eia technisch bravouttöses Können und poetisches Stil- empfinden. Di« zweite beachtenswette musikalische Darbietung war die vierte Fortsetzung iu der Bor- Komponist und ehemaliger Opernchef des Deutschen Theaters in Prag wurde an die Wiener Staatsoper berufen. sondern nach C u z e o, d« Wen Kaiserstadt der Inkas. Das war ein Symbol und ein Fanal. Er machte das indianische Element gegen das weiße mobil und wandte sich gegen den europäisch orientierten Geist der Küstenstädte, sich auf die Kräfte aus dem Innern des Landes stützend. 1924 gründete er die A p r i st e n- P a r t e i, die„Einheits- ftont der Schaffenden der Hand und der Stirn", die sehr bald zum Sammelbecken aller nationalrevolutionären Tendenzen in Peru wurde, Peru wieder peruanisch machen will und in den übrigen lateinamerikanischen Ländern ein begeistertes Echo weckte, vor allem bei der PresteS-Bewe« g u n g in Brasilien, bei den mexikanischen Nationalrevolutionären, bei dem Anhang San dinos in Nicaragua, aber nicht minder auf Kuba und Haiti, Porto Rico und Guadelope. Haya de la Totte verlieh seinem Programm Stoßkraft durch die Aufnahme des sozialen Gedankens und predigte gleichzeitig die Rückkehr, zur Wen indianischen Lebensform. Das Land, das der Indian« bebaut, soll dem Indianer gehören. So sieht das Programm Zerschlagung des Großgrundbesitzes, Par-' zellierung des Landes an die Indian«, Errichtung bäuerlicher Kollettiven, Loslösung vom Einfluß des ausländischen Kapitals, Aufgebung der Konzessionen und Neuregelung der Schuldenverhältnisse vor. Das erinnert alles an das mexikanische Beispiel, aber die umfassende Schulung wird hi« an den Anfang gesetzt. Die Apra hat zahlreiche Volksuniversitäten, Abendschulen und Bildungskurse oraanisi«t. Haya de ja Torre kämpft um eine StäütSid'xe.... Ex NM, daß Ut'StikKt'die Einz^A' int er essen ausgleicht und die wirtschaftliche Ent-> Wicklung überwacht. An Stelle des kolonialen Charakters soll der Nationalstaat auf der Grundlage der Kleinlandwirtschaft stehen. Eine Zeitlang suchte Haha de la Torre Anschluß an die K o m m u n i st e n. 1927 erschien er auf dem Anfiimperialisttschen Kongreß in Brüssel. Wer bald danach trennte er sich von ihnen, wie es andere Nationalrevolutionäre, der Maler Diego Rivera in Mexiko, Vascon- celoS in Porto Rico, San dino in Nicaragua taten, ganz zu schweigen von den Nationalrevo- luttonären in China, Indien, Java, Syrien, Aegypten und Südafrika. Anderseits bekunvet der Nationalsozialismus ein großes Interesse für diese Bewegung und will glauben, daß sie ihm durch die nafionale und soziale Einstellung geistesv«wandt seien. Das ist zum Lachen. Dafür braucht man sich nur den Widerspruch zwischen Programm und Praxis der NSDAP anschauen. Eine Parallele zu Sttaffers Schwarzer Front wäre viel ang Frachter. GEDENKET bei allen AnlAaaen der Arbeiterfürsorgel tragsreihe„8 OOJahreKlaviermusik", gesprochen von Leo Schleißner, am Klavier all unübettrefflicher Interpret Prof. Langer. Das alte Jahr wollte nicht scheiden, ohne sich von dem güfigen Poeten des JsergebirgeS, Gustav Leute!t, im besonderen zu verabschieden und ihm ein Liebes zu tun. Freilich: Molnar als Sprecherin war dazu nicht die Berufene. Ihre Erzählweise ist eintönig und wenig liebenswert. Um so feffelnder war die von Dr. MaraS vermittelt« Sttldie zur fichechischen Gegenwartsliteratur, sein« wettvoll« Analyse der beiden neuen Romane von Karel C a p e k(des dtttten Teiles der Tttlogi« von der Relavivität des menschlichen Daseins) und Bla- dislav V a n 5 u r a(des Buches vom„Ende d« alten Zeit"). Solche Einblick in das dichterisch« Schaffen der Zeit und Heimat wünscht man sich gerne öfter._ Die Mittwoch-Arbeitersendung brachte eine Würdigung Komenskys von Dr. Löwe, einen schön gewählten Querschnitt durch das Leben und Witte« dieses großen Pädagogen und Lehrmeisters du Menschheit. Daß die Arbeitersendung auch der Opfer der Nelson-Katastrophe vor JahreSfttst gedacht«, war eine selbstverständliche Pflicht proletattscher Gemeinschaft, die den auf den Schlachtfeldern der Arbeft Gefallenen immer ein ehrendes Gedenken bewahren wird. Sprecher war der Obmann der Union der Bergarbeiter, Genosse Josef Zinner. Ernst Thön«», Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 6. Jänner 1938. Nr. 5 PRAGER ZEIIIJMG Die Stefanik-Lolkssternwarte in Prag ist im Monate Jänner dem Publikum zugänglich täglich mit Ausnahme des Montag um 18 Uhr, für Schulexkursionen um 17 Uhr und Vereinsexkursionen um 19 Uhr. An klaren Abenden sind in der ersten Monatshälfte der Planet Saturn, der neue Stern im Sternbild des Herkules und einige Nebelflecken, in der zweiten Monatshälfte der Mond und Doppelsterne sichtbar. Jeden Sonntag von 10 bis 11 Uhr und von 15 bis 16 Uhr finden Besichtigungen der technischen Einrichtung der Sternwarte statt. Wohlbeleibten Menschen schafft ein Glas natür- siches„Franz-Josef"-Bitterwasser, früh nüchtern genommen, mühelosen, leichten Stuhlgang und reinigt das Blut sicher von Stoffwechselgiften. Aerztl. empf. 394 «»ast und wissen Samstag,„Siegfried", Dirigent: S z e l I. Brünhilde— FineReich-Dörich, Siegfried— IeanBarton, Wanderer— Josef Schwarz als Gäste.(C 2.) Wochenfpielplan des Rene» Deutschen Theaters. Sonntag, 6. Jänner, nachmittags halb 3 Uhr: HochklingtdasLiedvombravenMann, halb 8:Die schöne Helena, Abonnement aufgehoben.— Montag halb 8: DieGefan- g e n e, volkstümliche Vorstellung, Gastspiel Ernst Deutsch.— Dienstag halb 8:Giuditta, A2. — Mittwoch halb 8: Lucia von La Merino o r, B 1.— Donnerstag halb 8: Menschen in W e i ß, C 1.— Freitag halb 8: I u a r e z und Maximilian, Gastspiel Ernst Deutsch, neuinszeniert, D 2.— Samstag halb 7: Sieg- Fried, C 2.— Sonntag halb 3: Die Hugenotten, Arbeitervorstellung, halb 8: Juarez und Maximilian, AI.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag nachmittags, 3 Uhr: Sensations- Prozeß, 8: Mädels im Nachtbetrieb. — Montag 8: NachtvordemUltimo, volkstümlich« Vorstellung..— Dienstag 8: Schule für Steuerzahler, Bankbeamte und freier Verkauf.— Mittwoch 8: KleineBühne — etwas verrückt.— Donnerstag 8%: HochklingtdasLiedvombravenMann, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Märchen im Grnndhotel, volkstümliche Vorstellung. — Samstag 3: Max und Moritz, halb 8: Ehe m. b. H., Deutsche Uraufführung.— Sonntag 3: Schule für S t euerzahler. 8: E h e m. b. H.— Verlangen Sie In feder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Pa.HEGNER a Cie., PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I Der Film Merle Oberon eine der beliebtesten englischen Filmschauspielerinnen Tatra-Romanze Der Titel sieht wie eine Entschuldigung aus, die den kritischen Beschauer dieses slowako-tschechi- schen Films von vornherein entwaffnen soll. Aber selbst nach der gewünschten Kapitulation vor allem, was in einer„Romanze" an märchenhaften Unwahrscheinlichkeiten, an lyrischen Verfärbungen und unschuldsvoller Einfalt zulässig ist, ist der Kritiker noch immer nicht in der Lag«, zu diesem Film Ja zu sagen,— zu diesem Film, der nicht nur mit seinem Titel, sondern auch sonst auf Schritt und Tritt die Verlegenheit seiner Schöpfer verrät. Den Regisseur Rovensky hat die Landschaft der Tatra gelockt, und er hat sie, da er ein Meister der Freilichtszene ist, in stimmungsvolle Bilder gebracht: die Gipfel in Wolken getaucht, di« Herden über die Bergwiesen ziehend, die Bäche übers Geröll rauschend, die Bäume einsam am Abhang ragend... Und wenn er sich mit diesen Bildern begnügt hätte, dann hätte er etwas ähnlich Schönes schaffen können wie KarolPlicka seinerzeit mit dem„singenden Land". Aber es kam eine Handlung hinzu und eine Musik und eine Schauspieler-, schar,— und jedes der drei war vorn Uebel. Di« Musik(von Josef D obes teils komponiert, teils zusammengestellt) ist noch das Gelungenste, obwohl sie immer um einen Grad zu süßlich oder zu pathetisch klingt und wenig zu der großen, Stille der Bergwelt paßt. Die Handlung aber(von einem jungen Hirten, den eine schöne Städterin betört und dann auf Bitten des Vaters fteigibt, so daß er zu seiner Dorfliebsten heimfindet) ist so mißlungen, daß sie der Regisseur selbst als störend empfand, er hat sie auf karge Stichwort«, stumme Liebesszenen und«in paar Gesänge beschränkt, aber er hat damit nur erreicht, daß sie noch einfältiger und noch überflüssiger wirkt. Das Aergste aber ist, daß sich um dieser Handlung willen Schauspieler in die Tatra verirrt haben, die dort als wohlfrisierte Schäfer herumstelzen, slowakische Bauernmädchen ungewollt karikieren oder im Gewand des Dorffchmieds Opernallüren zur Schau stellen. Ihre Namen seien schonend verschwiegen. Nur soviel muß gesagt werden: daß der großangekündigte Pavel Ludi- k a r eine Enttäuschung ist, well seine darstellerischen Mittel unzulänglich sind und sein Bariton■— im Tonfilm wenigstens— überanstrengt und glanzlos klingt.-—eis—. Sport• Spiel• Kürperpflepe Die Geräte-Wettkämpfe der DT3 im Jahre 1938 Geräte-Wettkämpfe sind schön—■ besonders für di« Zuschauer—, aber sie erfordern von den Ausübenden eine große Gewandtheit und Beherrschung des Turnens. Viele haben sich schon darin versucht und viele sind gescheitert am Reck, Barren oder am schwierigsten Gerät, dem Pferd. Die letzte Prager Arbeiter-Olympiade brachte ebenfalls Gerätewettkämpfe, die jedoch infolge der großen Anforderungen und der Schwere der georderten Uebungen nur ein paar Mannschaften auf Rn Plan brachten, von denen die Schweizer den Vogel abschoffen. Sie sind in der SASJ die Lehrmeister des Kunstturnens und hatten seinerzeit nur in Deutschlands Arbeiterturner eben- bürtige Könner. Nun geht die DTJ daran, das Geräteturnen volkstümlicher zu gestalten und dadurch den Murnern die Möglichkeit zu bieten, ihr Können durch langsame, schulungsmäßige Steigerung zu verbessern und um dann jenen Stock von Geräteturnern zu erhalten, welcher auch international gute Figur machen kann. Die für 1935 ausgeschriebenen Wettkampfübungen für Geräte sind zwar leicht, aber schwierig genug und gewährleisten eine ausgezeichnete Fortbildung für die Zukunft. Die Unterstufe der Männer sieht einen Fünflampf vor, welcher aus Freiübung, Reck, Barren, Pferd(Seite mit Bauschen) und Weitsprung besteht. In der Mittelstufe gibt es einen Achtkampf,- welcher Freiübung, Reck, Barren, Pferd(Seite mit Bauschen) und Klettern vorsieht. An den Hauptgeräten ist eine Pflicht- und eine Kürübung zu absolvieren. Die Oberstufe hat einen Zehnkampf zu bewältigen, bestehend aus: Freiübung, Reck, Barren, Pferd(Seite mit Bauschen), Ringe und Klettern(wiederum eine Pflicht- und eine Kürübung). Auch die Schüler und Zöglinge tragen ihre Wettkgmpfe aus. Bei den Schülern— ein Fünflampf— ist vornehmlich das Springen, Laufen und Klettern in Verbindung vorgesehen. Bei den Zöglingen, welche wie die Schüler in zwei Gruppen turnen, ist es ebenfalls ein Fünfkampf. Die erste Gruppe hat Freiübung, Reck, Barren, Pferd (Seite mit Bauschen) und Weitsprung, während in der zweiten Gruppe jene Uebungen gelten, welche ' für die Unterstufe vorgesehen sind. Das Tatra- Eishockehturnier in Neu-Schmecks brachte am Freitag folgende Ergebnisse: EASK Prag gegen Slovan M.-Ostrau 11:0, TC Romania Bukarest gegen SK. Vys. Tatry 2:2, Slavia Prag gegen SK. Vysehrad-Prag 4:2, EKE Wien gegen BBTE Budapest 2:1. Einmal etwas Vernünftiges! Die bürgerliche Skisportinternationale(Fis) macht nun Ernst mit dem Verbot der Benützung der sogenannten Mammut- Sprungschanzen, die nur der Sensation dienen. Sie hat eine Verfügung erlassen, nach der di« Benützung von Sprungschanzen nur dann gestattet wird, wenn diese Sprünge von über 70 Meter zulassen und nach den Vorschriften der Fis erbaut wurden. Unter das Benützungsverbot fallen zwei Schanzen in der Schweiz. Ans der Partei Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Dienstag, den 8. Jänner, um 20 Uhr Aus- schußsitzüng. Närodni trida 4. KreiS Prag. G Sozialistische Jugend,. Sonntag, den 6. Jänner, 4 Uhr nachm. im Parteiheim:„F e i e r zur Verkündung des Jahres der Kameradschaft". Kommt alle! Blaues Hemd. 7— Montag, den 7. Jänner, 8 Uhr abends im Parteiheim: Kreisleitungssitzung. Vereinsnadiriditcn © Deutsche B»lkssinggemeinde. Da am Dienstag, den 8. Jänner, das Uebungslokal anderweitig besetzt ist war es notwendig, die für diesen Tag angesetzte Ucbungsstunde auf Freitag, den 11. Jänner, zu verlegen. Filme in Prager Lichtspielhäusern tis einschließlich Donnerstag, den 10. Jänner Alfa:„Aergert nicht den Großpapa". Buria». Tsch.— Alfa:„Die wilde Last."— Avion:„Moskauer Nächte", Annabells, Harry Baur. Fr.— Fenix:„Polenblut". Tsch.— Flora:„Im fremden Revier." Tsch.— Hvkzda:„Aergert nicht den Großpapa". Burian. Tsch.— Julis:„Moskauer Nächte" Annabella, Baur. Fr.— Kinema, B.-Th.: Journal«, Groteske, Reportage. Ab halb 2 bis%8 Uhr. — Koruna:„Der Dämon." E.— Kotva:„Tatra- Romanze." Tsch.— Lucerna:„Tatra-Romanze." Tsch.— Metro:„Nocturno", Regie G. Ma- ckaty. D.— Olympic:„Jud Süß", Conrad Beidt. E.— Praha:„Der Dämon." E.— Staut:„Im fremden Revier." Tsch.— Baikal:„Solang du eine Mutter hat..." Tsch.— Belvedere:„Bengal." — Beseda:„Solang du ein« Mutter hast.. Tsch. — Maceska:„Solang du eine Mutter hast..." Tsch.— Sport- Smichov:„Der letzte Mann", Hugo Haas. Tsch.— Bälde!:„Im fremden Revier." Tsch. Nektar und Ambrofia Bon E. Aldt Die Götter der alten Griechen aßen Ambrosia und tranken Nektar und erwarben sich dadurch Unsterblichkeit. Trotzdem sind sie gestorben, aber die Namen„Nektar" und„Ambrosia" leben weiter, wenn man auch heute ganz andere Dinge darunter versteht. Eine Götterspeise ist es wahrhaftig nicht, was die Naturforscher heute Ambrofia nennen! Ja, nicht einmal den Gaumen eines sterblichen Menschen könnte sie reizen. Pilze sind es, von amerikanischen Ameisen in kunstvoll angelegten und wohlgedüngten Pllzgärten gezüchtet. Durch beständiges Benagen und Beknabbern erzielen die Ameisen ein seltsames Züchtungsprodukt von ganz eigenartig verändertem Aussehen und besonders hohem Eiweißgehalt. Diese mcrk- tvürdigen Gebilde stellen die ausschließliche Nahrung ihrer Züchter dar. Aber nicht davon soll heute die Rede sein, sondern vom Nektar, dem Zuckersaft am Grunde der Blüten. Der verleiht auch heute noch Unsterblichkeit freilich nicht dem, der davon trinkt, sondern den Pflanzen, die ihn produzieren. Er schützt sie nämlich davon, auszusterben; denn er hilft die Erhaltung der Art zu sichern. Er lockt Tiere herbei, Hummeln, Bienen, Falter, die von ihm nippen und unversehens dabei der Pflanze einen großen Dienst erweisen, indem sie den Blü- ten staub übertragen, was bekanntlich-zur Samenbildung notwendig ist. Als ein süßes, berauschendes Getränk mag man sich den Nektar wohl einst dorgesrellt haben, ähnlich vielleicht dem Met, den unsere Urväter aus gegorenem Honigwaffer bereiteten. Die Pflanzen wenden verschiedene Mittel zue Anlockung der Insekten an: Sie bringen bunte Farben hervor, große, auffallende Blüten, Dust und Honig. So lernen wir das schon in der Schule. Aber die wenigsten fragen sich: warum und woher eigentlich all der Aufwand?^ In den meisten Blüten stehen ja Staubblätter und Fruchtknoten nebeneinander. Warum fällt nicht einfach der Blutenstaub auf die Narbe des Fruchtknotens? Und waren denn die Blüten von jeher auf die Insekten angewiesen? Es ginge'doch so einfach, wozu der Umweg? Diese unerhörte Prachtent- faliung det Blumenwelt im Frühjahr und Sommer, warum all diese ungeheuerliche Verschwendung, wenn wirllich nur die Bestäubung der Zweck ist und dieser Zweck so viel einfacher zu erreichen wäre?— Ja, warum eigentlich? Wir sehen fast überall in der Natur Kreuzbefruchtung angestrebt und Selbstbefruchtung vermieden oder doch eingeschränkt. Und wenn auch in der Zwitterblüte beide Partner, Stempel und Staubblätter, eng verbunden neben einander stehen, so ist doch meist dafür gesorgt, daß der Blüten.staüb die Narbe nicht erreicht. Oft reifen und entleeren di« Staubbeutel den kostbaren Staub längst, ehe die Narbe empfängnisfähig wird. Eine Fülle von komplizierten Einrichtungen im Blütenbau erscheint uns nur verständlich als Anpassungen an ganz besttmmte, zur Bestäubung ausersehene Insekten, für die allein der Nektar bereit gehalten wird, weil nur sie zu ihm gelangen und dabei der Pflanze den verlangten Dienst leisten können. Es bestehen da Wechselbeziehungen zwischen Pflanz? und Tier, die sich erst im Laufe sehr langer Zeiten herausgebildet haben können. Wir wissen heute, daß die Steinkohlenzeit etwa noch keine Blumen kannte. Der Steinkohlenwald war ein grüner Wald, ohne bunte Blumen und ohne Falter, ohne Duft und ohne Farbigkeit. Wohl gab es damals schon Insekten, sogar weit größere als heute, räuberisch lebend, wahrscheinlich. Und Blüten gab es auch schon. Aber die zarten Beziehungen zwischen Blüten und Insekten tvare» noch nicht angcknüpft. Der Wind war es wohl, der den Pflanzen den Dienst der Bestäubung leisten mußte. Bekanntlich gibt es auch heute noch zahlreiche windblütige Pflanzen, die auf den Jnsektenbesuch leicht verzichten können. Viele Bäume sind darunter: Die Nadelhölzer, der Haselstraüch, Eiche und Buche haben die ältere Art der Blütenstaubübertragung beibehalten. Sie alle haben unscheinbare Blüten. Aber das große Heer der vielfarbigen, bunten Blumen zeigt deutliche Beziehungen zur Tierwelt der betreffenden Gegend, die sich allmählich herausgebildet haben mögen. Nektar ist ein pflanzliches Drüsenprodukt. Man bezeichnet Stellen, welche einen zuckerhaltigen Saft ausscheiden, als Nektarien. Außer in Blüten findet man sie auch zuweilen an anderen Pflanzentellen. Wie sie entständen sein mögen, wissen wir nicht. Zufallsbildungen?— Vielleicht. Aber das erflärt noch nichts. Wir finden sie z. B. hie und da an BlattstiÜen. Welchen Zweck mögen sie hier haben? Ja muß denn alles, was entsteht, zuerst einen Zweck haben? Varianten, die unzweckmäßig sind, verschwinden meist nach wenigen Generattonen wieder und entziehen sich dadurch der Beobachtung. Zuweilen» freilich bleibt auch„Zweckloses" erhalten» wenn dem Individuum daraus weiter kein Nachtell erwächst. Die Möglichkeü zur Bildung von Nektarien scheint weit verbreitet. Warum sollten sie nicht auch einmal zwischen den Blütentellen entstehen? Zufällig, ganz beiläufig. Wie zweckmäßig! Die nahrungssuchenden Insekten, die sie hier finden, übertragen dabei den Blütenstaub, so daß gerade diese Pflanzenindibiduen reichlicher Samen ansetzen, als die andern, denen die Insekten keinen Besuch abstatten. Was liegt näher, als die Annahme, daß sie durch den zufälligen Besitz von > Nektarien jene im Kampf ums Dasein aus dem Felde schlagen, die keine haben? Und nun sind sic eben an den Jnsektenbesuch angepaßt, und erzeugen den Honig, weil sie von den Insekten besucht werden wollen. Die Nektarproduktion ist übrigens oft ziemlich bedeutend. Wie zuckerreich der Neftar sein kann, zeigen Untersuchungen, die man an verschiedenen Blüten angestellt hat. Eine Fuchsienblüte kann etwa 7 Milligramm Zucker produzieren, eine Erbsenblüte 10 Milligramm. 123.000 Kleeköpfchen enthalten etwa 1 Kilogramm Zucker. Um ein Kilogramm Honig zu sammeln, müssen die Bienen ungefähr fünf Millionen einzelne Kleeblüten erschöpfen. In den großen goldbraunen Blüten der Kaiserkrone bilden sich schwere Nektartropfen, die man in den grubig vertieften Nektarien am Grund der Blumenblätter hängen und manchmal auch herausfallen fehen kann. Sie bestehen fteilich zu 90 Prozent aus Wasser. Andere Blüten wieder haben einen so zuckerreichen Nektar, daß man aus aufgefangenen Tropfen den Zucker beim Verdunsten auskristallisieren lassen kann. So haben einige Kakteen eine außerordentlich hohe Nektarproduktion. Aus den großen roten Blüten der beliebten Zimmerpflanze Phyllocactus z. B. kann man Tropfen auffangen, die dickflüssig sind und direft eine konzentrierte Zuckerlösung darstellen. In den amerikanischen Tropen gibt es eine Menge von Pflanzen mit sehr zuckerrcichem Nektar, die speziell von Vögeln aufgesucht werden. Kolibris sind hier die Blütenstaubträger Sie schweben mit schwirrendem Flügelschlag vor den Blüten und saugen, ohne sich niederzulaffen, mit ihren langen dünnen Schnäbeln den süßen Saft, dev fast ihre einzige Nahrung darstellt. Blüten, die den Besuch von Dienen, Hummeln, Schmetterlingen wünschen, strömen meist Duftftoffe aus, die auch wir als Wohlgcrüche wahrnehmen. Aber es gibt auch Blüten, die nur durch Fliegen bestäubt werden können und um diese herbeizulocken, Gerüche aussenden, die wir wenig schätzen. Fliegenblumen haben meist einen widerlichen Aasgeruch. Es ist übrigens ein Irrtum, anzunehmen, daß aller Honig, den die Bienen fabrizieren, aus Blütennektar hergestellt ist. Die Bienen haben zuweilen weit weniger poetische Nahrungsquellen. In den Alpenländern ist stellenweise der Lärchenhonig sehr geschätzt. Die Lärche ist aber ein windblütiger Nadelbaum, der überdies im ersten Frühjahr blüht, während der Lärchenhonig im Juli und August eingetragen wird. Diese Honigsorte ist besonders dicht, kristallisiert schon in den Waben aus und hat einen befonders würzigen Geschmack. Den Saft der Lärchennadeln können die Bienen fteilich nicht verarbeiten, aber auf den Nadeln leben Blattläuse, die diese Fähigkeit besitzen. Sie saugen den Blättersast und scheiden dafür sehr zuckerhaltige Exftemente aus, die von den Bienen eifrig aufgeleckt werden. Diese schweben in der Lust über den Läusen und stoßen auf sie nieder, sobald ein Tröpfchen austritt. Die Läuse kommen ost in so großen Mengen vor, daß die Zweige ganz weiß erscheinen von eingetrockneten Exkrementen. Da bei diesen Läusen auch unbefruchtete Weibchen sich fortpflanzen, und überdies noch statt der Eier gleich junge Läuse zur Welt bringen, geht die Vermehrung außerordentlich rasch vor sich. In diesem Zusammenhänge sei noch einer anderen seltsamen Erscheinung gedacht, nämlich der eigenartigen Beziehungen, die zwischen Ameisen und den Raupen jener kleinen, als„Bläulinge" bekannten Schmetterlinge bestehen. Diese Raupen scheiden ebenfalls Zuckersäfte ab, aber nicht als Exkremente, aus dem Darm, sondern eigens für die Ameisen und aus einer eigens zu diesem Zwecke vorhandenen spaltföcmigen Oeff- nung. Sie scheiden diesen kostbaren Saft auch nur dann ab, wenn eine Ameise zugegen ist. Dafür verteidigen die Ameisen die Raupen gegen Feinde und es wird sv"ar berichtet, daß si. si- vor der Verpuppung in ihr Nest schleppen, wodurch die' völlig nackten Puppen vor den Nachstellungen anderer Tiere gut geschützt sind. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hans oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kö 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Vokt- und Tele- .... graphendirektton mit Erlaß Ar. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis" Druck-. Verlags- und 8eitungS-A.-G.. Prag