1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochova a. teleeon am. Administration teiefon aut. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller forte) 15. Jahrgang Donnerstag, 10. Jänner 1935 Nr. 8 Der Erfolg von Rom- tojallslcrnni» der«utsdicn Aulröstunij? Gerüchte über die Rückkehr Deutschlands nach Genf In den Kommentaren der internationalen Presse, vor allem aber der englischen Blätter über die Genfer Vereinbarungen verdichtet sich eine Deutung immer mehr zu einer sehr glaubhaften These: daß als Endergebnis der franco- italienischen Entente dieRückkehrDeutsch- lands in den Völkerbund erfolgen werde und damit eine völkerrechtliche Anerkennung der deutschenAuf- rüstung und der tatsächlichen Revision des Versailler Vertrages. Italienische Zeitungen und englische Korrespondenten, aber auch französische Blätter und als gewichtigster Zeuge der Sprecher des italienischen Außenamtes, der dem Reuter-Korrespondenten ein Interview gegeben hat, erklären übereinstimmend, daß der Passus über die Abrüstung, den die römischen Abkommen enthalten, eine Brücke für die Rückkehr Deutschlands nach Genf sein solle. Es wird allgemein betont, daß zwischen legaler und illegaler Aufrüstung Deutschlands im Text der Gespräche kein Unterschied mehr gemacht wird. Ebenso einmütig vertritt die Presse die Ansicht, daß die P l a t t f o r m, auf der man sich einigte, di- A u f f a s s» n g e n Sir John l m o» i Über die Legalisierung der deutschen Aufrüstungen seien. Man nimmt an, daß Simon bei seinem Pariser Aufenthalt auf Laval in diesem Sinne eingewirkt habe. Ein englischer Kabinettsrat soll sich bereits mit der Frage beschäftigt haben, ob nicht der Augenblick zu einer neuen Demarche in Berlin gekommen sei. Die englische Auffassung, die man nun via Rom den Franzosen suggeriert zu haben scheint, läuft darauf hinaus, daß an den deutschen Rüstungen nur ihre Heimlichkeit und Vertragswidrigkeit anstößig seien. Baldwin hatte Hitler aufgefordert, rund heraus zu sagen, wo Deutschland mit seinen Rüstungen halte. Das Projeft von Rom zielt angeblich auf eine Herabsetzung der allgemeinen Rüstungen bei gleichzeitiger Anerkennung eines über dem Niveau von Versailles liegenden deutschen Rüstungsstandes ab. Interessant ist, daß Hitler in seiner Rede in der Staatsoper bereits von dem Inhalt der römischen Gespräche zu wissen schien. Er sprach davon, daß man Deutschland umwerbe und seine Rückkehr nach Genf anstrebe. Deutschland werde aber nur nach Genf gehen, wenn man ihm die Rüstungsgleichheit gewähre. Wieviel an Aufrüstung man Deutschland gestattet, ist für beide Teile eigentlich unwesentlich, denn es ist ohnehin unverbindlich. Die Entmilitarisierung der SA und der SS macht den Weg zu einer legalen Vermehrung der Reichswehr auf rund 8 0 0.0 0 0 Mann frei. Außerdem würde man Deutschland wahrscheinlich schwere Artillerie. und Flugzeuge zugestehen. Der eigentliche Gewinner bei diesem Spiel wäre Mussolini, der sich, wenn ein schüchternes Geständnis Ungarns In fünf Fällen„untergeordnete“ Beamte verantwortlich Paris. Wie die„Agence Havas" aus Gmf meldet, wird Dr. Eckhardt am Donnerstag mit der ungarischen Delegation in Genf eintreffen und dem BLlkerbundsrate das schriftliche Ergebnis der neuen Enquete der ungarischen Regierung bezüglich do: Verantwortlichkeit für das Marseiller Attentat unterbreiten. Das Dokument soll 78 Maschinenschreibseiten umfassen und etwa 100 Seiten verschiedener Beilagen enthalten. Es befaßt sich hauptsächlich mit Reisepässen und der Regelung der Lage der politischen Flüchtlinge in Ungarn. Es wird behauptet, daß durch das Dokument in fünf Fällen die Verantwortlichkeit untergeordneter(!) ungarischer Beamter, darunter zwei Polizeibeamter, festgestellt wurde. ihm dieser Schachzug gelingt, endgültig als der gerissenste Diplomat des Nachkriegseuropa vorstellt. Italien hat in Genf in der Marseiller Sache eine schwere moralische Niederlage erlitten. Nicht Ungarn, sondern Italien war der eigentliche Besiegte der letzten Genfer Tagung. Schmerzlich empfand Mussolini seine Isolierung im Völkerbund gegenüber der mächtigen französisch-russischen Gruppe. Kehrt aber Deutschland, und obendrein ein legal ausgerüstetes Deutschland, nach Genf zurück, so wird Mussolini jederzeit die Möglichkeit haben, Deutschlands Unter st ützung gegen Frankreich-Rußland zu finden und sich dann Des Gebäude der Hltlerfront von Polizei besetzt Saarbrücken. Bor dem Gebäude der Landesleitung der„Deutschen Front" kam es Mittwoch um%12 Uhr mittags zu einem Zusammenstoß zwischen Kolporteuren der«Reuen Saarpost"(eines Organes der hitlrrfeindlichen Katholiken im Saargrbiet) und Deutschfrontlern, in dessen Verlauf die Kolporteure der„Reuen Saarpost" die Polizei alarmierten. Das Ueberfall- kommando der Polizei in Stärke von 70 Mann besetzte das Haus und sperrte die Telephonzentrale. Um 2 Uhr nachmittag- hielt die Polizei daS Gebäude noch besetzt und die Telephonleitungen gesperrt. Aimmungsmomente Richt besonders erfreulich für die Hiiler- anhänger ist die Tatsache, daß von der Vorabstimmung am letzten Sonntag, die für jene öffentlichen Angestellten bestimmt war» die am Wahltag im öffentlichen Interesse(bei der Eisenbahn usw.) Dienst machen müssen, nur rund 200 Personen Gebrauch gemacht haben. Der Führer der statuS-quo-Bewegung Max Braun erklärt diese geringe Teilnahme damit, daß diejenigen, die sich der Abstimmung enthielten, befürchteten, daß das Geheimnis ihrer Abstimmung doch nicht ganz zuverlässig geschützt sei. Wären sie hitlerfreundlich gewesen, so hätten sie sicher nicht gezögert, ihre Stimme für den Anschluß an Deutschland abzugrben, da sie in diesem Falle gar nichts zu befürchten gehabt hätten. Bezeichnend ist auch die Meldung der kommunistischen„Arbeiterzeitung", daß die Banken in Forbach und in Saargemünd das Personal verdoppeln mußten, um den Andrang der Saarbrückener Bürger zu bewältigen, die französische Franken ein- legten, um sie nicht bei einer eventuellen Rückkehr des Saargebietes zum Reich in Mark umwechseln zu müssen. Großes Vertrauen in die Reichsmark scheint also auch unter den Anhängern des Anschlusses an Deutschland gerade nicht zu bestehen! wieder von Frankreich für einen folgenden Verrat an Deutschland bezahlen zu lassen. Deutschland aber muß zum Dank dafür, daß Mussolini ihm die Aufrüstung bringt und die Rückkehr nach Genf ermöglicht, einen Gegendienst leisten, der, wie jetzt schon deutlich Wird, in dem Beitritt zum österreichischen Garantiepcckt, also in der formellen Anerkennung der italienischen Oberherrschaft über Oesterreich bestehen wird. Man muß gerechterweise zugeben, daß Mussolini diesen Erfolg, der ihm augenscheinlich in nächster Nähe winkt, nicht nur durch seilte diplomatische Kunst und seine verwegene Rücksichtslosigkeit, sondern vor allem durch die II n e n t- schlossenheit, Angst und Kurzsichtigkeit seiner Gegenspieler errungen hat, die nicht begreifen wollten, daß eine Kombination Paris—Kleine Entente—Moskau allein stärker gewesen wäre als mit Italien. Denn gerade die volle Einkreisung Hitlers, die Laval erreichen wollte, zerbricht die Zange um Hitlerdeutschland und macht alle Erfolge zunichte, die der französischen Politik unter Barthou zugefallen waren. Die Einheftsfront hat beim Präsidenten der Plebiszitkommission gegen das Vorgehen des Bürgermeisters von Saarbrücken protestiert, welcher den Wahlaufruf der Einheitsfront beseitigen ließ. Bezüglich der Ausquartierung der kommunistischen Partei aus ihren bisher von der Stadt gemieteten Räumen hat der Stadtrat beschlossen, die Entscheidung bis nach dem Plebiszit zu verschieben. /Lite Kämpfer— für den Status quo! Saarbrücken.(A. P.) Bor kurzem ist eine „Nationalsozialistische Deutsche Freiheitsbewegung" geschaffen worden, die sich zum Nationalsozialismus bekennt, aber gegen Hitler und die NSDAP ausspricht, die Korruption in der Deutschen Front bekämpft und die Parole, „Zurück zu Deutschland, aber nie za Hitler" ausgegeben hat, sich also zum Status quo bekennt. Führer ist ein gewisser Dr. W i r s i n g, ein alter Kämpfer, der ursprünglich zum Bund „Bayern und Reich" gehörte und im November 1923 am Hitlerputsch teilnahm. Er erklärte, seine Freunde und er hätten an der Saar alles vorbereitet, um den Nachläufern der Deutschen Front die Augen zu öffnen. In diesem Sinne wirkt ein Blatt„Deutsche Saar-Wacht". Kurz vor der Abstimmung soll von dieser Seite noch eine Broschüre zur Beeinflussung der Indifferenten herauskommen. Ritter des Ordens pour le mirite für Status quol Saarbrücken.(A. P.) Der Fliegeroffizier Franz K o r t a s, Ritter des Ordens pour le mörite und ehemaliger Teilnehmer der Richthofen- Flugstaffel im Weltkrieg, erließ einen Aufruf, in dem er zunächst mitteilt, daß er wohl als einziger Saarländer die höchste Ordensauszeichnung des Reiches erhalten habe und fragt, wer ihn nun als Franzosensödling oder Separatisten zu beschimpfen wage? Er bezichtigt in dem Aufruf vielmehr die Nationalsozialisten des Landesverrates wegen ihrer Stellung zu Südtirol und zur Korridorfrage und fordert zur Stimmabgabe für den Status quo auf. Endkampf um die Saar Erbittertes Ringen vor dem Volksentscheid Der Saarkampf hat seinen Höhepunkt erreicht. Das Dritte Reich läßt alle Minen springen» nm dieses Stück freien deutschen GrenzlandeS znrückznhelen und vor der Welt einen Prr- stige-Erfolg zu erfechten. Die Freiheitssrant stützt sich in ihrem heißen Ringen gegen die braune Uebermacht nur auf die herrliche Opferfreudigkeit der saarländischen Arbeiterschaft. Hitler hat die größeren Chancen. Seine Gegner versuche« das Minus an Geld und Gewalt durch tapfere Gesinnung aufzuwirgen. Wir wird am Sonntag die Entscheidung ausfallen? Die Situation ist undurchsichtig. Neutrale Beobachter der BolkSstimmung rechnen mit einer knappen Hitlermehrheit, schließen aber einen UebrrraschungS- s i e g der Freiheitsfront nicht a«S. Getreidemonopol und Brotpreis Grundsätzliches Die Sozialdemokratie hat unter ihren wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben dem Schutz der Konsumenten immer einen hervorragenden Platz eingeräumt. Das Einkommen der arbeitenden Menschen ist, auch in sogenannten guten Zeiten des Kapitalismus, immer ein so niedriges gewesen, daß die Sicherung der Kauflrast dieses Einkommens sich als selbstverständliche soziale Ausgabe der Vertreterin der Arbeiterklasse ergab. Aber die Preisbildung in der kapitalistischen Wirtschaft ist kein einfaches Problem. Sie ist das Ergebnis einer ganzen Reihe einander ost entgegenwirkender Faktoren, von denen manche von internationalen Verhältnissen abhängen, andere wieder der Beeinflussung durch politische Maßnahmen überhaupt entzogen sind. Das Letztere gilt ganz besonders von der Preisbildung in der Landwirtschaft, die in hohem Maße von naturgegebenen Tatsachen abhängt. Darum kann das sachgemäße Eingreifen des Staates in die Preisgestaltung nicht einfach in einem Preisdiftat bestehen, sondern muß auf zweckmäßige Organisierung der Produktion und des Absatzes gerichtet sein. Von dieser Erkenntnis ist die Sozialdemokratie von jeher in ihrer Stellungnahme zur Frage der Getreidewirtschaft ausgegangen. Nur absichtliches oder unabsichtliches Mißverstehen hat diese Stellungnahme als Feindseligkeit gegen die landwirtschaftliche Bevölkerung deuten können. Wir sind freilich immer gegen eine Politik der mectm- nischen Preiserhöhung durch Zölle eingetreten, die bloß die Konsumenten schädigt, den Landwirten aber höchstens vorübergehenden Nutzen bringt, weil sie weder die Preisschwankungen auf dem Weltmarkt, noch das Spiel der Spekulation auszuschalten vermag. Es war daher schon ein relativer Fortschritt, und zwar ein Fortschritt von nicht geringer wirtschaftlicher Bedeutung, daß in unserem Lande zweimal, 1925 und 1930, beidemal unter dem Einfluß der Sozialdemokratie, das System der gleitenden Zölle, bzw. Zollzuschläge angewendet wurde, das den Zollschutz an die Preisschwankungen anpaßt und daher die schädlichen Wirkungen dieser Preisschwankungen sowohl für die Produktion, als auch die Konsumenten mildert. Für planmäßige Regulierung der Getreidewirtschaft Aber wir haben schon damals kein Hehl daraus gemacht, daß wir einer planmäßigen Regulierung der Getreidewirtschaft, welche die Fixierung der Preise für Produzenten und Konsumenten ermöglicht, den Vorzug gaben. Damals haben die Agrarier die Einführung eines Getreidemonopols abgelehnt. Wenn sie nun nach fünf Krisenjahren, belehrt durch die fortdauernde und durch keine Maßnahme bloßer Preispolitik zu bannende Not der Landwirtschaft endlich zu der Monopollösung gegriffen haben, so können wir darin eine volle Rechtfertigung unserer wirtschaftlichen Voraussicht erblicken. Es entspricht ganz der herrschenden Begriffsverwirrung, die durch das sinnverwirrende Getöse der antimarxistischen Schlagworte herbeigeführt wurde, wenn die Schaffung des Getreidemonopols als Sieg des zielbewußten agrarischen Willens über sozialistische Ideenlosigkeit hingestellt wird. Mag auch die Konstruftion der tschechoflowakischen Getreidegesellschaft, in der die Vertreter der organisierten Konsumentenschaft nur im Maße ihrer Potenz innerhalb der bestehenden Wirffchast zur Geltung kommen können, nicht durchaus unseren Wünschen entsprechen, grundsätzlich bedeutet die Uebertragung des Getreideaufkaufs und seiner Zuführung an den Konsum auf eine vom Staate kontrollierte Monopolgesellschaft den Sieg unserer konstruktiven Ideen. Die Sicherung stabiler Getreidepreise und die Fixierung der Spannung zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen, die spekulative Eingriffe ausschaltet und dabei die Jnteressenvertreter des Zwischenhandels bereits zu den beweglichsten Klagen veranlaßt hat, bedeutet ein Stück Planwirtschaft, zu dem wir uns ohne weiteres bekennen dürfen. Und wenn diese Regelung den Landwirten gegenüber dem fraglichen und vorübergehenden Nutzen einer Zollerhöhung einen wirklichen und dauernden Vorteil gebracht hat, io können wir damit durchaus zu- Seite 2 Nr. 8 DonnerStag, 10. Jänner 1935 Ergebnisse des Jahres 1933, um 15 Millionen Tonnen gegenüber dem Ergebnisse des Jahres 1932 zurück, die Roggenernte, die in den Jahren 1932 und 1933 26 Millionen Tonnen betrug, ist 1934 auf 22 Millionen Tonnen zurückgegangen. Diese Entwicklung hat auch eine Abnahme der in den letzten Jahren gewaltig angewachsenen Vorräte zur Folge gehabt und daraus ergab sich notwendigerweise eine steigende Tendenz der Getreidepreise in aller Welt. Ole Getreidepreise anderswo Damit wird auch die Einwendung hinfällig, daß bei freiem Handel vielleicht im weiteren Verlaufe der Entwicklung eine Preissenkung eingetreten wäre, während die Monopolpreise beim Weizen um 1.8 KL und beim Roggen um 1.5 KL monatlich steigen. In Oesterreich kostete der Zentner Roggen im Juli 23 S, im Jänner 1934 aber 26 S, er ist also um 3 S oder etwa 14 KL teuerer geworden, während die Monopolzuschläge in der gleichen Zeit KL 7.50, also gerade die Hälfte ausmachen. In Budapest kostete der Roggen am 14. Juli 10.22 bis 10.24 Pengö» am 2. Jänner 13.49 bis 13.50 Pengö, er hat sich also um etwa 30% verteuert. Die Behauptung, daß das Monopol eine Getreideteuerung herbeigeführt hat, ist also ein leeres Schlagwort, das vor den wirtschaftlichen Tatsachen nicht bestehen kann. Und der Orotpreis? Und schließlich die für den Konsumenten eigentlich entscheidende Frage: der BrotpreiS. Vor einigen Tagen ist eine vergleichende Statistik durch die Blätter gegangen, aus der sich ergibt, daß die Tschechoslowakei unter 17 Industriestaaten in der Höhe des Brotpreises an vorletzter Stelle steht. Nach einer Statistik» die in der„Wirtschaft" am 13. Oktober veröffentlicht war, kostete ein Kilogramm Brot in der Tschechoflowakei KL 1.87» in Deutschland KL 6.90, in Italien KL 3.52. Selbst wenn wir uns auf die Industriegebiete beschränken, in denen der Brotpreis KL 2.—, bis 2.20 beträgt, können wir sagen, daß das Brot bei uns billiger ist als in fast allen anderen Industriestaaten. Oder nehmen wir das Gebiet, das unsere Kommunisten am meisten interessieren sollte: Reichenberg. Dort kostete das Brot im Jahre 1932 bis zum September KL 2.50 und wurde erst in diesem Monat auf KL 2.30 herabgesetzt. Fast während des ganzen Jahres 1933 hielt sich der Brotpreis auf der Höhe von KL 2.—, nur in der Zeit vom Oktober bis zum Dezember dieses Jahres ist er auf KL 1.80 gesunken, um schon im Jänner, also vor der Devalvation lmd Monopol, auf KL 2.— zu steigen. Im September wurde er, gegen den Willen der kommunistisch geleiteten Arbeiterbäckerei, die einen höheren BrotpreiS verlangte» auf KL 2.20 festgesetzt. Welche Brotteuerung hat also das Getreidemonopol verschuldet? Der Brotpreis ist nicht wesentlich höher als im Jahre 1933 mit seinen ganz ungewöhnlich niedrigen und auf keinen Fall auf die Tauer haltbaren Roggenpreiken und niedriger als int Jahre 1932. Diese Feststellungen sollten wohl genügen. Die Gegner der Sozialdemokratie haben nach der Devalvation eine Teuerungswelle prophezeit. Sie ist auSgeblieben. Oie haben nach der Einführung des Getreidemonopols die Sozialdemokratie mit der großen Schuld einer Brotverteuerung belasten wollen: Diese Beschuldigung geht, wie wir an Hand von Ziffern gezeigt haben, völlig daneben. Wir Sozialdemokraten brauchen also die gegnerische Agitation in keiner Weise zu fürchten. Denn die Macht der Tatsachen wird sich schließlich als stärker erweisen als aller Phrasenlärm. Keine Entspannung in Kladno Der Bergarbeiter-R'vierratin Kladno hat ein Kommunique« ausgegeben, in dem es heißt: Am Mittwoch nachmittag fand im Berg- arbesterheim in Kladno eine Beratung der Vertreter aller Bergarbeiter-Gewerkschaftsorganisa- tionen statt, in der sie zu der durch die Dienstag- Verhandlungen mit den Unternehmern geschaffenen Lage Stellung nahmen. Es wurde konsta- trert, daß die schwere Lage durch die Verhandlungen keine Entspannung erfahren habe. Die Bergarbeiter-Organisationen beschlossen einmütig, gegen die Bergarbeiter-Entlassungen alle zur Verfügung stehenden Mittel in Anwendung zu bringen. Für Sonntag, den 13. Jänner, werden gemeinsame Revierversammlungen der Bergarbeiter einberufen, in welchen über das Ergebnis der Verhandlungen Bericht erstattet werden wird. Die Bergarbeiter werden zur Be- reitschaftund zurAbwehrderEnt lassungen aufgefordert werden. Außerdem beschlossen die Bergarbeiter, eine staatliche Revision der Kladnoer Gruben zu verlangen Für Sonntag, den 20. Jänner, wurde eine Konferenz der Vertrauensmänner des ReviereS einberufen. Minister Dr. BeneS als Vortragender in Luzern Genf.(C. P. B.) Die Genfer Presse bringt die Nachricht, daß Minister Dr. Benes am 17. Jänner im neuen Kongreßpalais in Luzern einen Vortrag halten wird, der von der örtlichen Böl- kerbundvereinigung veranstaltet werden wird. Minister Dr. Benes wird über das Thema:„Befindet sich der Völkerbund wirklich in einer Krise?" sprechen. Außer dem Vortrag des Ministers Dr. Benes werden im Kongreßsaal in Luzern einige tschechoslowakische Musikwerke zur Vorführung gelangen. Der LandeSausschnfi für Böhmen behandelte in seiner Sitzung vom 9. Jänner l. I. außer zahlreichen laufenden Angelegenheiten noch 238 Gemeindebudgets und genehmigte 212 Gemeinden die Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren. Der Landesausschuß genehmigte ferner die Entschließung der Hauptstadt Prag über den Abschluß einer Kommunalanleihe von 10 Millionen KL zur teilweisen Deckung der mit dem Bau des Krankenhauses Bulovka und im Jahre 1934 durchgeführten Kommunikationsarbeiten verbundenen Aufwände. Schließlich wurde zur Kenntnis genommen, daß die Regierung den Haushalt des Landes Böhmen für 1935 genehmigt hat. Streicher anf tschechisch. Herr Streicher, Führer der fränkischen Nationalsozialisten, H-r- auSgeber des„Stürmer" und seinerzeit Führer des Judenboykotts, hat eine unerwartete Konkurrenz bekommen. Die„Obre fasistickä" gibt seit neuestem eine„Arische Korrespondenz"(„Arijskä Korrespondence") hermlS, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Maßlosigkeit der antisemitischen Polemik Streichers in tschechischer Sprache zu verbreiten. Von gewissen Rücksichten auf die Zensur abgesehen, ist dieses neue Unternehmen inhaltlich vom Nürnberger„Stürmer" kaum zu unterscheiden. Die staunende Mitwelt erfährt, daß die Einwohner der Stadt Magnitogorsk sich regierungsprogrammäßig der Blutschande hingeben und untereinander keinerlei der in Europa frieden sein. Denn für die wahren und berechtigten Interessen der Landwirtschaft haben wir uns immer eingesetzt. Oas Interesse des Konsumenten Auch der K o n s u m e n t hat grundsätzlich das größte Interesse an der Festsetzung stabiler Preise. Wenn aber der Sozialdemokratie heute mit einem wahren Trommelfeuer der Agitation die Rolle des Brotverteuerers angedichtet wird, was, soweit es überhaupt einen Sinn hat, nichts anderes bedeuten kann, als daß die Getreidepreise durch das Monopol zu hoch festgesetzt wurden, so wollen wir uns mit dieser, vom reinen Konsumentenstandpunkt sicherlich wichtigsten Frage sachlich und leidenschaftslos auseinandersetzen. Die Preisfestsetzung durch eine Monopolgesellschaft, deren Bescklüsse der staatlichen Genehmigung unterliegen, wird sehr wesentlich durch rein machtpolitische Verhältnisse bestimmt. Wir könnten uns also einfach darauf berufen, daß die Monopolpreise ein Kompromiß darstellen, dessen Ergebnis die politischen Machterhältnisse widerspiegelt und das unsere Gegner, die seft Jahren auf nichts anderes hinarbeiten, als auf die Schmälerung unseres politischen Einflusses, am allerwenigsten uns anlasten dürfen. Gegnern, die uns nicht genug herabsetzen und gleichzeitig nicht genug Leistungen von uns verlangen können, müßte diese Bemerkung genügen. Aber unsere eigene Arbeit würden wir sehr ungerecht einschätzen, wenn wir uns auf sie beschränkten. Denn wenn der geltende Getreidepreis ein Kompromiß ist, so doch keines- we's ein solches, dessen wir uns zu schämen hätten. Wir müssen hier nur den Artikel von Dr. Rudolf Lang zitieren, der in einer wirtschaftspolitischen Ilebersicht in der Weihnachtsnummer der„Bo- hemia" sagt:„Das Getreidemonopol, die zweite, gesetzliche Stütze der Preise, wird sich aber immer mehr auch als Sicherung des Konsumenten Herausstellen. Bereits um die Mitte des Jahres hat es übermäßige Preissteigerungen verhindert." Zur sachlichen Beurteilung der Frage genügt es, einfach die Preisberichte des Statistischen Staatsamtes nachzuschlagen. Aus ihnen ist zu ersehen, daß die Weizenpreise im Großhandel im Juli 1934 170 bis 180 KL betrugen, im August, nachdem mit der Verordnung vom 13. Juli das Monopol eingeführt worden war, aber auf 147 bis 167 KL sanken. Die Roggenpreise notierten im Juli 132 bis 135, im August 123 bis 126. Warum die Ootreideprelse gestiegen sind Das Monopol hat also die Preise niedriger festgesetzt, als sie der freie Handel gebildet hatte. Wenn die Getreidepreise Heuer höher sind als im vorigen Jahre, so ist das also keineswegs eine Folge des Getreidemonopols, sondern einfach eine Folge der um vieles geringeren Ernte. Nach den deftnttiven Ernteergebnissen war der Gesamtertrag an Winterweizen 12.5 Millionen q gegen 19 Millionen q im Jahre 1933 und 14.2 Millionen im fünfjährigen Durchschnitt. Die Ernte an Winterroggen erbrachte 15 Millionen q gegen 20.5 Millionen q im Vorjahre und 18.2 Millionen im fünfjährigen Durchschnitt. Die heurige Ernte ist also nicht nur wesentlich schwächer als im Vorjahre, sondern sie bleibt auch hinter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre nicht unwesentlich zurück. Und diese Tatsache hat die Preisfestsetzung um so mehr beeinflußt, als der Ernteausfall in unserem Lande nicht etwa durch bessere Ernteergebnisse in anderen Ländern ausgewogen wird, vielmehr bleibt die Weltweizenernte um 10 Millionen Tonnen gegenüber dem. Copyright by Pressedienst E. Prager-Verl eg, Wien „Ich arbeite jetzt sehr, sehr viel. Alles andere ist mir widerwärtig. Zwischen uns ist keine Liebe mehr. Liebe— sieh dir Germaine an und ihren verheirateten Lucien; dort ist Liebe. Ich schätze dich als Menschen, als Künstler— aber sonst— ist nichts." Felicien warf den Meißel weg. Eine ratlose Schwäche überkam ihn. Babiola verlieren? Nie! Seine Arbeitskraft wäre vernichtet gewesen, seine Lebenskraft ausgelöscht. Stoßweise, krampfhaft kamen Worte aus seinem Munde:„Du darfst nicht gehen— du darfst nicht. Ich liebe dich. Ick liebe dich, so wie ich kann— ich kann nicht anders. Und wenn du auch gehst— ich werde dich zu finden wissen, ich werde nickt von deiner Seite lveichen. Geh nicht, Babiola. Ich will ja nichts von dir— ich werde nichts von dir wollen, was du mir nicht freiwillig geben willst. Ick will versuchen, dich zu verstehen— ich verstehe dich." Ergriffen dachte Babiola: Er versteht mich; sie hatten einander in schweren Dingen eigentlich immer verstanden— von der ersten Stunde an. Sie preßte ihre kalten Handflächen an seine Wangen und lackte. „Beruhige dich, Felicien." Sie stteichelte ihn, wie eine Mutter ihr Kind. Etwas Häßliches zersprang in Stücke; ein klares, reines Gefühl— so selten zwischen zwei Menschen verschiedenen Geschlechts— beherrschte sie. Und Babiola sprach die Wahrheit, eine Wahrheit, die ihr Runen in die Sttrn und um den Mund grub: „Laß dir sagen, Felicien: Ich liebe dich ja; ich glaube, daß ich dich liebe. Aber— es gibt Rätsel auf Erden, Rätsel, die andere Frauen schon mit siebzehn Jahren gelöst haben. Ich rate noch immer. Männer? Sie sind mir gleichgültig. Ich suche das Geheimnis des Lebens..." Sie lächelte. „Was soll das bedeuten?" „Das bedeutet— daß ich dich betrügen werde— wie man das nennt. Ich will nicht» daß du die Rolle des betrogenen Dummkopfs spielst. Du sollst wissen, was ich tue. Wenn du nicht Abschied nehmen willst— muß du verzeihen können." Sie erschauerte ob der eigenen Verworfenheit. Felicien hob die Augen und sagte schwer: „Du hast bislang immer das getan, was du gerade wolltest. Jacques hat mir alles erzähü. Und doch habe ich geschwiegen. Ich glaubte dich zu verstehen..." Babiola sprang auf; sie brannte wie eine Fackel! „Felicien, nein, das ist nicht wahr, glaube mir, das ist nicht wahr. Jacques ist doch dein Freund, ein edler Mensch. Er lügt, begreiflt du nicht, er lügt." Sie lachte wild auf; sie ertrug es nicht, Feliciens schmerzverzehrtes Gesicht zu sehen. „Ja... und ich erinnere mich— jetzt entsinne ich mich— ich habe Jacques gebeten, dir so etwas zu erzählen. Als Strafe dafür, daß du dich zwei Monate lang nicht um mich gekümmert hast. Und du, du Armer, hast das wirklich geglaubt? Hast du dich gekränkt? Du bist doch sonst so klug?" „Ja" Sie sprach mit ihm wie mit einem lleinen Kinde. „Gekränkt hast du dich? Du Dummer! Und hast nicht einmal gefragt: ist das auch wirklich wahr? Felicien, das tut Weh. So etwas konntest du von mir glauben? Du konntest an mir zweifeln? Und Jacques hat dir so zugesetzt? Haha!" Er lächelte noch immer nicht. Babiolas Aufflammen wurde zu Asche. Sie verlor die Geduld. „Ich muß jetzt gehen, Felicien. Hole mich nach dem Theater ab. Wir wollen dann allein nach Hause gehen. Und quäl dich nicht mehr mit dummen Gedanken. Alles ist in Ordnung. Ich war schlechter Laune. Das ist jetzt vorbei. Leb wohl." Sie kehrte nochmals zurück. „Felicien, zwischen uns muß alles klar sein, ich könnte sonst nicht spielen. Du darflt dich nicht quälen. Felicien, sieh mir in die Augen." „Ja." „Du schaust ja nicht; so sieh mich doch an." Sie hatte Augen, die den allwissenden Herrgott überzeugt hätten. „So, und jetzt sage mir, daß du mir glaubst." „Aber Babiola!" „Ist das ttaurig! Glaubst du mir?" „Ich glaube dir; du weißt ja, daß ich dir glaube." „Dann Adieu, du Dummerchen." Sie küßte ihn lang. Auf der Straße wartete Germaine volle zwei Stunden— müde, geduldig, freundlich. Sie schritten nun wottlos dahin. Babiola kam Felicien unerforschlich und sie selbst kam sich wie eine Wahnsinnige vor. „Germaine, so komm doch; man wird dich noch überfahren." Felicien ging nach Babiolas Abschied, ein schiefes Lächeln im Gesicht, im Atelier auf und ab. Wenn sie nur nicht gelogen hätte, dachte er. Er hätte sie höher geschätzt, wenn sie nicht versucht hätte, ihn auch mit Worten zu hintergehen. Es ist so: die wir lieben, können wir zuweilen nicht achten. Schließlich war er froh, daß sie seine Lüge— er glaube ihr— geglaubt hatte. Dann gedachte er seiner Mutter, die so eine Liebe bestimmt nicht verstünde; denn Mütter verstehen nicht einmal die, die sie selbst geboren haben. Er stolperte über den Meißel und bückte sich, um ihn aufzuheben. Linz.(Tsch. P.-B.) In Linz wurde eine nationalsozialistische Agitationszcntrale ausgeforscht, in deren Räumen Vervielfältigungsmaschinen und eine Menge Propagandamaterial beschlagnahmt wurden. Im Zusammenhang damit wurden einige Personen verhaftet. Wien. Am Dienstag wurden in einigen Bezirken Polizeirazzien auf Nationalsozialisten unternommen. Einige Personen, darunter zwei Gastwitte im 16. und 17. Bezirk, wurden verhaftet. Wien. Der Wiener Havas-Korrespondent zittert eine Meldung des»Linzer Bolksblatt", derzufolge sich die österreichische nationalsozialistische Partei reorganisiere, und zwar in Schutzabtellungen. Es wurde auch ein„Klub des Todes" namens„Pla- netta" gegründet. Der Träger dieses Namens war bekanntlich der Hingerichtete angebliche Mörder des Bundeskanzlers Dollfuß. Wien. Der ehemalige Landbündler, Abgeordneter Devaty, der infolge der Juliereigntffe mit anderen Landbundführern verhaftet und dem Wiener Landgericht eingeliefert wurde, wurde nunmehr aus der Hast entlassen. Das Untersuchungsvertahren gegen ihn läust aber Wetter. Paris. Das Amtsblatt veröffentlicht den Text des Gesetzes, welches besagt, daß sich„Außenminister Louis Barthou, welcher in Diensten des Friedens durch Ermordung starb, um das Vaterland vettnent gemacht hat". Dieser Text wird im Parlamente, in allen AmtSgebäuden und Schulen dauernd affi- chiert sein. Warschau. Die Textllarbeiterorganisationen in Lodz haben für den 17. ds. in der Lodzer Texttlindustrie einen eintägigen Demonstrations- streik zum Zeichen des Protestes gegen die Nichteinhalten der Lohnverträge durch die Industriellen und gegen die Herabsetzung der Lohnsätze pro- klamiert. üblichen Berwandffchastsbezeichnungen verwenden dürfen. Von Ritualmorden und ähnlichem wird vorläufig noch nicht berichtet, dafür verschiedene unkontrollierbare Erzählungen aus der Zeit der russischen Bürgerkriege wiedergegeben. So etwa: „Ein anderer Kokainist, Tschernowfly, Chef der Tscheka, Pflegte in schlechter Laune zu sein, wenn er nicht jeden Tag eine gewisse Anzahl von Leuten erschlagen hatte..." Leider äußert sich dieses Unternehmen für die Verbreitung antisemitischer Greuelmeldungen reicksdeutscher Provenienz in tschechischer Sprache nicht über andere in Europa hinreichend bekannte Persönlichkeiten, die in den letzten zwei Jahren Tortur und Menschenmord sozusagen als Sport betrieben haben; worüber sich wett stichhaltigere Unterlagen beibringen ließen als etwa über die amtlich befohlene Blük- schande in Magnitogorsk. Sttibrnh prophezeit. Der„Poledni List" hat in das Saargebiet einen eigenen Sonderberichterstatter geschickt, dessen Bericht Mittwoch mit dem verheißungsvollen vierspalttgen Titel„Die Deutschen werden die Saar gewinnen" erschienen ist. Sttibrnhs Informator hat, man könnte sagen selbstverständlich, nur mit Leuten von der„Deutschen Front" gesprochen und demgemäß gibt er nur eine Prognose für die Absttmmung wieder: 80 bis 98 Prozent für das Dritte Reich. Diese Sttmmungsmache der tschechischen Fascisten für die deuffchcn ist bezeichnend. Da» zwölfte Kapitel Nach dem Engagement am«Theater Tra- gique" kam ein solches ans„Theater des Arts". Babiola nahm eS an, denn die Gage war groß. Sie trat in die Sphäre erhöhten Wohlstandes und unerhörter Reflame. Sie spielte all« Fächer und überraschte das Publikum täglich vom neuen. Sie ging ins Theater» an dessen Kassen sich ab fünf Uhr die Menschen stauten. Die Größe ihres Namens und die Armut ihres Lebens standen in bösem Gegensatz zueinander. Sie berechnete im voraus, was ihr jeder llstann bieten könne und das Resultat war derart niederschmetternd, daß sie allen aus dem Wege ging.„Die Liebe ist wie der Kommunismus", sagte sie:„anteilloses Tellen". Ihr Name verhalf Germaine zu einem Engagement an derselben Bühne. Der Name Babiola Cloture war stark genug; es konnten sich einige solcher Hundertfrankengagen an ihn lehnen. Lucien verfiel auch Babiola, wie jeder, der mit ihr in Berührung kam. Er ging jetzt neben Germain« wie eine mechanische Puppe. Germaine glaubte, er habe Sorgen. Sie fürchtete sich, zu fragen und streichelle nur seine Hände» um ihm ihre Teilnahme begreiflich zu machen. Wenn er sie küßte, sahen seine Augen irgendwohin in die Ferne. Sie wollte sich Babiola nicht anverttauen, der sie eine größere Gage und bessere Rollen verdanfte. Sie seufzte leise:„Offenbar ist eines der Kinder krank, oder— was Gott verhüten möge— sie selbst—' erzählte sie dann doch einmal Babiola und drängte die Tränen mühselig zurück. Babiola hätte ihr gerne gesagt:„Nein, nein, meine Liebe; aber meine Wißbegier ist ei« Moloch." Babiola hatte Lucien gestattet, ihr zu schreiben, llnd er schrieb, obwohl sie die Feder sicherlich besser zu führen verstand. tFortsetzung folgt.) Ur 8 Donnerstag, 10. Jänner 1935 Seite 3 fudetendeuisdm Zeitspiele# Die Strömungen im Bund der Landwirte Die Meldung, daß der HeranSgeber des„Montagsblatt", Egon Fischer, die Reor ganisierung der Landbundpresse übernommen bat, wird uns bestätigt. Die Berufung dieses Zeitungsmannes, der seinerzeit gegen Henlein mehrfach in schärfster Weise Stellung nahm, auf einen so wichtigen Posten scheint mit den Strömungen zusammenzuhängen. Wie uns aus gutunterrichteten Parteikreisen mitgeteilt wird, wird im Lager Spinas mit zunehmender Nervosität beobachtet, daß die Henleinfront unter Bruch der seinerzei tige» Bereinbarungen ihre Agitation unter den deutschen Bauern fortsctzt. In einer am 13. Dezember in Z n a i m abgehaltenen Sitzung der südmährischen Kreisparteivertretung des Landbundes wurde beschlossen, von der Parteileitung dieunverzüglicheBe- kanntgabe der mit Henlein getroffenen Vereinbarung zu fordern. Auch zwei nordmährisch schlesische Kreise stellten das gleiche Verlangen mit der Begründung, daß jedes weitere Zuwarten auf Kosten des Bundes der Landwirte gehen müßte. Wie wir weiter hören, forderten die mährischen Kreise die Einberufung einer Sitzung der Reichsparteivrrtrrtung zum Zwecke einer definitiven Klärung des Verhältnisses zwischen Landstand und Heimatfront. der Sudetend irischen Volkshilfe Unser deutsches Bürgertum will vor den Wahlen seine Todfeindschaft gegen die Sozialpolitik durch eine Spenden'ammlung maskieren. Nach dem Ueberschwang der Schriftleiterpreffe wünte man schließen, daß die„Volkshilfe" geradezu eine Lösung der sozialen Frage bedeute. So schlimm ist eS wieder nicht, wie obiges Bild lleigi. In Karbid wurde mal unparteiische Ge- rechtigkest geübt und ein Arbeiterturner erhielt von der„VolkShilfe" großmütig ein Paar Schuhe geschenkt, dessen getreues Abbild wir unseren Lesern nicht vorenthalten können. Die Schuhe wurden im Fenster des Karbitzer Arbeiterheimes^ausgestellt und von den Arbeitslosen viel bewundert, bis die Gendarmerie aus unerfindlichen Gründen deren Entfernung veranlaßte. So soll nun die weitere sudetendeutsche Oeffentlichkeit dieses Beispiel der Hilfsbereitschaft unseres nationalen Bürgertums schauen dürfen. Auf ein Paar zerrissene, alte Latschen kommt es ihm wirklich nicht an, wenn die Hoffnung winkt, daß nach dem Rezept der Heimatfront künftig jeder Groschen Unterstützung durch Zwangsarbeit abgearbeitet werden soll. eine Zeitschrift der Jugend Eine neue Jugendzeitschrift erscheint mit Beginn dieses Jahres unter dem Titel„D a s junge Volk". Das erste Heft dieser Monatsschrift wird eingeleitet von einem kurzen programmatischen Aufsatz;„Bekenntnis, Weg und Ziel", der sagt,»Das junge Volk" wolle der jungen sudetendeutschen Generation Führer und Berater sein. Verbundenheit mit der Jugend schließe jede Gemeinschaft mit Faulem und Schlechtem, jede Ucbereinstimmung mit politischer und gesellschaftlicher Unwahrheit und Unmoral, jede Duldung des Muckertums, des Rückschritts und des Vernebelns der Wirklichkeit aus... Wer die Jugend führen und beraten wolle, müsse sich zur Wahrheit, zum Fortschritt und zur Freiheit bekennen.— Der Inhalt des Heftes dieser verheißungsvollen, von jungen Menschen für junge Menschen geschriebenen Zeitschrift rechtfertigt die Verheißungen der programmatischen Erklärung. Das Jänner-Heft bringt Gedichte von Karl Henckell, Kurt Doberer, Jilius Zerfaß, Jürgen Brand, Alfred Grünwald, einen Aufsatz über die zweijährige Dienstzeit, einen Brief Karl Liebknechts an seinen reifenden Sohn (mit Bild Liebknechts), einen„Blick in die Welt": zeitkritische Bemerkungen, ein Bruchstück aus dem Roman Upton Sinclairs«Samuel der Suchende", Anmerkungen und Mitteilungen über„Jugendnot und Jugendschutz", ein Bruchstück aus der erschütternden Biographie des steirischen Arbeiterführers Koloman Wallisch, die seine Gattin unter dem Titel„Ein Held stirbt" herausgab, einen kurzen Aussatz über„Die Sendung der Arbeiterjugend", Berichte aus der Jugendbewegung, Briefe über„Berufe der Jugend", ferner einen auf besonders wichtige Bücher verweisenden Aufsatz: „Freunde, wir wollen lesen!", eine Schilderung des Sklavenlebens japanischer Proletariermädchen, eine Skizze MultatuliS, einen Aussatz Wilhelm Bölsches:„Der nackte Leib" und noch verschiedene Kleinigkeiten. Ein paar gut auSgewählte Bilder schmücken daS Heft, das durch seine frische Haltung, durch seine Aufmerksamkeit für alle Jugendfragen, durch die Weite des Blicks und die Offenheit der Etzrache an die beste aller Jugendzeitschriften, an die von Waller Hammer herausgegebenen.^Zungen Menschen" erinnert. Und das ist ein hohes Lob! Die neue Zeitschrift ist wirklich so geartet, daß sie d i e Zellschrift der sudetendeutschen Jugend werden kann, jenes Teiles der sudetendeutschen Jugend, der das große Vermächtnis der früheren deutschen Jugendbewegung: wahr, aufrichtig, freiheitsliebend zu sein, noch heilig hält. Das „Junge Voll" wird, diese Prophezeiung darf gewagt werden, Wortführer eines großen Teiles unserer Jugend werden, jenes Teiles der Jugend, auf den bei Gestaltung der Zukunft gerechnet werden kann. jh. Wichtige Schulungsarbeit Ende Dezember und Anfang Jänner sanden im Erholungsheime der Arbeiterfürsorge in Hirschberg wichtige Kurse statt. Der erste Kurs, der in der Zeit vom 27. bis 30. Dezember abgehalten wurde, versammelte 43 Kreis- und Bezirks-Sekretäre unserer Partei zu mehrtägiger Schulungsarbeit. Das Programm dieser Schule war folgendes: 1. Lage und Aufgabe des Sozialismus in unserer Zeit; Vortragender Genosse Jak sch. 2. Die wirtschaftliche und soziale Struktur im su» detendeutschen Raum; Vortragender Genosse Rehwald. 8. Massenpsychologie; Vortragender Genosse Stern. 4. Ausbau der Organisation und der Propaganda: Vortragende die Genossen Kogler undPaul,,,............ An alle Vorträge schloß sich eine sehr eingehende Diskussion. Der Kurs, der von der Zentralstelle für das Bildungswesen veranstaltet wurde, hat einen vollkonimen zufriedenstellenden Verlauf genommen. Für die Zeit vom 2. bis 6. Jänner hatte der Reichserziehungsbeirat die E r z i e h u n g 3- funktionärezu einem Kurs zusammenberufen. Es nahmen an ihm 45 Funktionär« des Atus, der Kinderfreunde, des Sozialistischen Jugendverbandes und des Aruk teil. Der Kurs wurde mit einem Vortrage des Genossen I a k s ch über die„Weltlage des Sozialismus" eingeleitrt. Darauf berichteten die Vertreter der einzelnen Erziehungsorganisationen(die Genossen Hocke, Storch, Karl Fester und Kern) über die Arbeit und die Erziehungsziele ihrer Verbände in anschaulicher Weise. Am dritten Tage des Kurses behandelte Genosse Dr. Josef Luitpold Stern das Thema„Jugend-Psychologie". Ueber Fragen gemeinsamer Zusammenarbeit alle: Erziehungsorganisationen referierte sodann Genosse Paul. An seinen Vortrag schloß sich eine mehrstündige, außerordentlich interessante Diskussion, in der der Wille betont wurde» in gemein-- samer Arbeit die Erziehungseinrichtungen für die proletarische Jugend auszubauen.— Beide Veranstaltungen haben die Aufgaben der Partei und der Erziehungsorganisationen für das Jahr 1935 in zweckmäßiger Weise abgesteckt. I Okkendsnmgseld einer Gemeinde Die polllische Gemeinde Zettlitz, die durch die unverantwortliche Wirtschaft des deutschnationalen Ortsvorstehers Schlosser in große Bedrängnis geriet, ist infolge der Unmöglichkeit, ihre Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, in eine schwierige Situation gekommen. Sie schuldet u. a. der Pensionsanstall 5000 Kö und weitere 402 KC. Da alle Versuche, die rückständigen Pensionsbeiträge eindringlich zu machen, fruchtlos bleiben mußten, trieb die Pensionsanstalt die Gemeinde Zettlitz zum Offenbarungseid. Auch die Staatsdruckerei, der die Gemeinde 300 KL schuldet, llagt auf Zahlung von 180.50 KL und verlangte die Leistung des Offenbarungseides. Gemeinveoor- steher Schreüer verweigerte jedoch die Eidesleistung und nahm den Auftrag des Gerichtes zur Kenntnis, die schuldigen Beträge so bald wie möglich einzuzahlen. Die durch Schlosser ruinierte Orsschast Zettlitz schuldet der Gemeinde Zettlitz gegen 300.000 KL, einen für die Verhältnisse ungeheuer großen Betrag. Die bürgerliche Presse, die über den geschilderten ungewöhnlichen Tatbestand berichtete, schweigt sich über die Ursache des Zusammenbruchs der Gemeinde aus. Sie hat dazu allen Grund. Aber alle Schleusen der Gesprächigkell würden sich öffnen, wenn Schlosser ein Sozialdemokrat gewesen wäre. Dann ginge es weniger um die Feststellung eines sensationellen Tatbestandes als darum, die Unfähigkeit und Schlechtigkeit der Sozialdemokraten ganz allgemein anzuprangern. Wie wir bereits berichteten, hat die Enthüllung von sozialdemokratischer Seite, daß ein Sonderdelegierter Hitlers im vorigen Monat Fühlung mit Max Braun gesucht hat, um die Möglichkeiten eines friedlichen Ueberein- kommens zu sondieren» auf Seite der Deutschen Front große Verlegenheit ausgelöst. Montag abends hat Max Braun selbst im Straßburger Rundfunk diese Tatsache bestätigt und darüber folgende Darstellung gegeben: .Vor einigen Wochen hat der Saar-Kommissar des Dritten Reiches. Josef B u r ck e l. seine rechte Hand, den ftüheren Pressechef der.Deutschen Front", .Lr.-K»n i g, nach.Saarbrücken gcschickr, der um eipe Unterredung mit Braun bat, die er auch erhielt. In einer etwa« mehr alb zweistündigen Unterhaltung erklärte Dr. König, daß der Führer außerordentlich bedauere, daß er im Reichstag im März 1933 die„Bolksstimme" und Max Braun als Landesverräter bezeichnet habe und daß in der Propaganda der„Deutschen Front" immer wieder der Ausdruck„separatistisch" gegen die Status-mw-Bewegung, insbesondere aber auch gegen die„Bolksstimme" und Max Braun gebraucht wurde. Sie alle seien, sowohl in Neustadt wie am Nnndfunk in Stuttgart und auch in Berlin r e st- los davon überzeugt, daß das Deutschtum der Status-guo-Anhänger, sowohl der Sozialisten, wie der Kommunisten und auch der Katholiken gar nicht in Zweifel gezogen werde» k ö n ne, um mit den StatuS-guo-Anhängern, irzw. Max Braun, die Fühlung aufzunehmen, da dir Gefahr bestehe, daß daS Saargebiet geteilt werde. Ma« wisse durchaus, daß der Ausgang der Abstimmung noch absolut zweifelhaft sei. Jedenfalls sei klar, daß sich gegenübersteben würden: eine kleine Majorität und eine große Minorität. Das berge aber die große Gefahr der Teilung in sich, und deshalb sei er gekommen, um Max Braun zu fragen, ob er bereit sein würde, einen hohen Führer aus der nächsten Umgebung des Reichskanzlers, der mit großen Konwetenzen kommen werde, zu empfangen und anzuhören. Der Mann werde einige Vorschläge unterbreiten, die in der Richtung der Wahrung der nationalen Belange des Staatsgebietes liegen sollten, und er werde dazu alleBoll- Aufsehenerregende Verhaftung Der christlichsoziale Vizebürgermeister und Stadtrat der Stadtgemeind- B i l i n, der Bahnbeamte Hermann Schreite r, wurde am Dienstag, den 8. Jänner, in den Abendstunden verhaftet und dem Bezirksgericht eingeliefert. Die Verhaftung erfolgte wegen Unregelmäßigkeiten bei der Regickohle und ist schon älteren Datums. Schreiter war ein prominenter Führer der christlichsozialen Partei und bekleidete eine Reihe wichtiger Funktionen. Familiendrama in Neu-Titschein. Montag hat der arbeitslose Hutmacher Otto Schindler seine Ehefrau in Gegenwart der Kinder durch mehrere Messerstiche getötet und dann selbst Hand an sich gelegt. Dgs Motiv der Tat ist sozialer Art. Schindler wurde im Kriege einmal verschüttet und litt an Aufregungszuständen. Er hinterläßt drei kleine Kinder, von denen das jüngste erst 11 Monate zähll. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich Mittwoch nachmtttags auf dem Hammerteich in Liebenstein. Dort vergnügte sich mit andern Kindern der 13jährige Sohn Hans des Schuhmachermeisters Winterling mit Schlittschuhlaufen. Plötzlich brach der Junge am Eise ein, und zwar gerade an einer Stelle, wo der Teich sehr tief ist. Die Mutter des Jungen brach angesichts des Unglücks am Ufer ohnmächtig zusammen. Nach dreiviertelstündigen Rettungsarbeiten konnte die Leiche des Jungen geborgen werden. Den Eltern wendet sich allgemeine Teilnahme der Bevölkerung zu. machten haben, um im direkten Auftrag« des Führers jede Art von Vereinbarung zu treffen, die einer Teilung des Gebietes entgegenwirken könnten. Als Mar Braun ihm erklärte, daß ein solcher Besuch ganz überflüssig sein werde, wenn der betreffende Abgesandte versuchen sollte, die Anhänger zu einer Abstimmung für Hitler zu bewegen, waS niemals in Frage kommen könne, machte Dr. König eine Andeutung, daß es auch noch andere Wege gäbe, um eine Teilung zu verhüten und daß auch der Status guo eine deutsche Lösung d a r st e l l e, der ja ganz zweifellos durch eine spätere Abstimmung für Deutschland abgeändert werden könne. Diese Unterredung hat in Gegenwart eines Zeugen stattgefunden, nämlich des Redakteurs Schulle von der„Volksstimme", der von Anfang bis zu Ende die Unterhaltung verfolgte, sich darüber Notizen machte und unmittelbar nach der Unterhaltung ein Protokoll angefertigt hat, so wie es Braun im Rundfunk mitteilte und dies veröffentlicht wird. Wie auS dieser Unterredung ganz zweifellos hervorgeht und wie Brann in seiner Rundfunkrede auch betonte, ist von Siegeszuversicht im„Dritten Reich" nichts z« merken! Etwa 10 Tage später hat der frühere Staatskommissar der bayerischen Regierung für das Saargebiet. OberregierungSrat Dr. Binder in Waldmohr, der auch die baverische Regierung bei den Saarverhandlungen im Jahre 1980 in Paris vertreten hatte,«ine Unterredung mit dem sozialdemokratischen Abgeordneten im Landesrat, Lieser, nachgesucht. In dieser Unterredung bat Dr. Binder ungefähr die gleichen Gedankengänge entwickelt wie Dr. König bei Map Braun und hat dabei einleitend bemerkt, daß es keine größere Dummheit und Unwahrheit gebe, als den Gegnern Hitlers an der Saar ihr Deutschtum und ihren Patriotismus abzusprechen. Herrn HitlerS Delegierte baden also selbst zugegeben, daß die Haltung der Sozialdemokraten, die für den status qno eintrctcn, weil sie nicht an ein Hitlcrdentschland fallen wollen, mit Landesverrat und ähnlichen Dingen nicht das gering st e zu tun hat. Was natürlich unsere sudetendeutsche Provinzpresse nicht hindern wird, weiterhin über den„Bolksverrat" der Sozialdemokratie im allgemeinen und der Saar-Sozialisten im besonderen zn schreien! Statt 100.000— 6000! Ziffern-Kunststücke der Goebbels- Propaganda Wie wir der Saarbrückener„Bolksstimme" vom Dienstag entnehmen, waren bei dem Aufmarsch vom Sonntag über 100.000 Teilnehmer zu verzeichnen. Wie stark der Eindruck der grandiosen Kundgebung auf gegnerischer Seite war, geht am besten aus der Art und Weise hervor, wie der braune Stuttgarter Sender diese Kundgebung zu verkleinern suchte. Er meldete sage und schreib« sechstausend Teilnehmer, während er die .Kundgebung der Deutschen Front auf dem Wacken, berg ins Riesenhafte vergrößerte. Außerdem wurde noch gemeldet, daß die Eisenbahndirektion des Saargebietes 33 von der Deutschen Front bestellte Sonderzüge nicht befördert habe, so daß noch Zehntausende unfreiwillig hätten zurückbleiben müssen. Demgegenüber stellt die„Bolksstimme^ fest, daß überhaupt keine Sonderzüge für die Deutsch« Front gefahren sind. Es wurden lediglich die fahrplanmäßigen Zi^e verstärkt, wovon einige nicht einmal voll besetzt waren! Illflcr HlrditctdlcTcilung der Saar Auf einmal war Mai Braun Kein„Landesverräter“ Seite 4 Donnerstag, 10. Jänner 1835 9t. 8 Hier werden nach der Saarabstimmung die Stimme« gezählt. Das Haus„Wartburg" in Saarbrücken, in dem nach der Abstimmung vom 13. Januar sämtliche Stimmen des Saargebietes gezählt werden. Hilf» was helfen kann! Urblöde Verleumdungen gegen Wels, Vogel und Braun Das„Deutsche(Goebbels-) Nachrichtenbüro" meldet aus Saarbrücken, datz beim dortigen Landgericht gegen die SPD-Führer Wels und Vogel, sowie einige Funktionäre der saarländischen Sozialdemokratie, darunter Max Braun, eine Anzeige wegen„Untreue" erstattet worden sei. Zur Begründung wird angeführt, Wels und Vogel hätten im Jahre 1933 als frühere Treuhänder der Berliner Konzentrations-A.-G. (der Dachgesellschaft der Parteibetriebe) die Der- mögensanteile der Saarbrückener„Volksstimme" an die Parteifunktionäre des Saargebietes abge- treten. Weil aber damals die reichsdeutschen Parteibetriebe schon von den Nazis gestohlen waren, wird nun daraus ein Betrugsfall konstruiert, datz das Saarbrückener Arbeiterblatt seinen recht» mäßigen Besitzern gesichert wurde. Ganz gemein ist die weitere Behauptung des DNB, die an dieser Transaktion beteiligten Sozialdemokraten hätten sich dadurch bereichert, datz sie„zugunsten der eigenen Person" Werte der Konzen- trations-A.-G. aus deren Besitz gezogen haben. Hier scheint eine Verwechslung zwischen den Gewohnheiten nationalsozialistischer und sozialdemokratischer Führer vorzuliegen. Hoffentlich läßt sich die„Rote Fahne" diese neueste Goebbels-Ente nicht entgehen. Keine Auslandspresse Im Dritten Reich Berlin.(Havas.) Die deutschen Behörden ordneten heute die Beschlagnahme des grötzten Teiles der französischen und englischen Blätter an, offenbar wegen ihrer Nachrichten über die Verhältnisse im Saargebiet. Oesterreich verstSrht Grenzschutz gegen Bayern Paris.,(Havas). Der Wiener Havas- Korrespondeyt meldet, datz 50 Militärlastautos an die österreichisch-bayrische Grenze abgegangen sind, und zwar wegen Befürchtung vor einem nationalsozialistischen Einfall anläßlich des Saar- plebnzites. Genosse Seitz wird weiter gequält Wien.(Tsch. P.-B.) Der kürzlich aus der Untersuchungshaft des Landesgerichtes entlassene ehemalige Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien Karl Seitz erhielt Mittwoch die Bewilligung, sich zur Erholung nach Breitenstein am Semmering zu begeben. Seitz wird aber auch am Semmering unter Polizeiaufsicht stehen. Tagung des Völkerbundrates Genf.(Havas.) Der Völkerbundsrat, dessen Tagung am 11. Jänner beginnt, wird seine erste Arbeitssitzung aller Wahrscheinlichkeit nach am Dienstag abhalten. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung stehen etwa 30 Punkte, darunter die Saarfrage und der Grenzkonflikt zwischen dem Irak und Persien. Insel Marmara schwer heimgesucht Zerstörte Dörfer, Hausruinen, zwei Tote Jstambnl. Erst jetzt lätzt sich übersehen, datz die Schäden des Erdbebens vom vergangenen Freitag viel schwerer waren, als nach den ersten Nachrichten angenommen werden konnte. Die Zeitungen Jstambuls haben Berichterstatter in den mutmaßlichen Erdbebenmittelpunkt entsandt und so gelangten Mittwoch die ersten Einzelheiten hierher. Als Mittelpunkt des Bebens ist die Insel Marmara im Meere gleichen Namens festgestellt worden, die der asiatischen Küste vorgelagert ist. Bon den 137 Häusern der Inseldörfer sind 40 völlig zerstört worden, die übrigen meist schwer beschädigt. Zwei Dörfer der Insel sowie fünf Dörfer kleinerer benachbarter Inseln sind fast völlig z e r st ö r t. Tagcsnculglfcltcn Siebenfacher Mord und Selbstmord New Uork. In Mount Vernon(Kentucky) hat sich ein grauenhaftes Verbrechen zugetragen, dem insgesamt sieben Menschen zum Opfer fielen. Im Verlaufe von Familienstreitigkeiten tötete ein Mann seine Frau, seine beiden Schwiegereltern, einen Schwager und eine Schwägerin und verwundete einen weiteren Schwager und eine Schwägerin. Sodann ergriff er die Flucht und ermordete ein etwa 5 Kilometer entfernt wohnendes Ehepaar. Gendarmerie und eine Abteilung Nationalgarde, die vom Gouverneur bereitgestellt wurde, verfolgten den Masienmörder, der Selbstmord durch Erschießen beging, nachdem die Verfolger ihn eingekreist hatten. Im Zsergebirge bis—26 Grad! Breslau. In Schlesien hat bei zeitweise eintretender Aufheiterung die strenge Kälte noch weiter zugenommen. Aus dem Flachlande wurden Mittwoch morgens aus Breslau minus 18 Grad als Tieftemperatur gemeldet. In Kreuzburg und Festenberg wurden minus 19 Grad, in G r o t t a u sogar minus 20 Grad gemessen. Die niedrigste Temperatur wurde nach den Meldungen der Wetterdienststelle Breslau in Grotz-Jserim Jsergebirge in 840 Meter Höhe mit minus 26 Grad Mittwoch morgens abgelesen. Im Riesengebirge Schneefall. Hirschberg, im Riesengebirge. Im Riesengebirge ist im Tal ein erheblicher Temperaturanstieg eingetreten. Während in Hirschberg Dienstag abends noch gegen 15 Grad Kälte gemessen wurden, zeigte das Themometer Mittwoch früh nur gegen 5 Grad. Dafür hat im Tal neuer Schneefall eingesetzt. Im Hochgebirge war Mittwoch morgens das Wetter bei unveränderter Temperatur sehr schön und klar. Schifähre und Rodelbahnen sind von bester Beschaffenheit. Die Rodelbahnen reichen bis ins Tal hinab. Russischer Winter Moskau. Die Sowjetpresie erwartet für die nächsten Tage eine Erhöhung der Lufttemperatur. Die Erwärmung soll vom Nordwesten her kommen. In Archangelsk ist die Temperatur im Laufe des Dienstag bis auf ein Grad Kälte gestiegen. An der Nordspitze der Halbinsel Kola lag die Temperatur etwas über dem Gefrierpunkt. In Kiew wurden aber 26 Grad Kälte, in Charkow und in Dnepro-Potrowsk 30, in Lugensk 40, in Moskau 8 Grad Kälte verzeichnet. Während der letzten Tage des großen Frostes, sind in Moskau mehrere Fälle von Erfrierungen vorgekommen. Einstellung der Donauschiffahrt Wien. Auf der unteren Donau, auf der Strecke von der Mündung bis zum Eisernen Tor, ist durch den Kälteeinbruch,— es werden Temperaturen bis zu minus 20 Grad gemesien,— den starkes Eistreiben mit sich brachte, der gesamte Schiffsverkehr eingestellt worden. Auf der oberen Donau, die noch eisfrei ist, wird der Verkehr bei ungünstigem Wafferstand noch aufrechterhalten, doch trachten die Schiffe, ihre Wintev- häfen zu erreichen. Mit der offiziellen Einstellung des gesamten Schiffsverkehrs auf der Donau ist in den nächsten Tagen zu rechnen. Schwarzbrennereien um Ung. Hradisch Aus Ung. Hradisch wird berichtet: Die Gefällsorgane in Ung. Hradisch stellten fest, datz in der letzten Zeit drei größere Brennereien, und zwar eine in der näheren Umgebung der Stadt und zwei in Uh. Brod, bedeutend geringere Sliwowitzmengen versteuerten. Da aber bekannt war, datz die Umsätze der drei Brennereien keineswegs zurückgingen, vielmehr die Uh. Broder Brennerei wöchentlich grotze Sliwowitzmengen nach Mähr.-Ostrau liefert, fatzten die Gefällsorgane den Verdacht, datz hier Schwarzbrennereien vorgenommen werden. Eine plötzlich durchgeführte Revision war tatsächlich Die Bevölkerung, die sehr durch die Kälte leidet, hat beschlossen, die gefährdeten Inseln zu räumen. Der Rote Halbmond hat eine Hilfsaktion eingeleitet. Aus der Gegend vom asiatischen Küstenland werden ebenfalls grössere Schäden aus den Dörfern gemeldet. Einzelhesten fehlen. Die Telephonlinien scheinen zerstört zu sein. Bisher werden glücklicherweise nur zwei Tote und vier Verletzte gemeldet. Die Erdstöße dauern mit verminderter Stärke an. Ein grosser Teil der Bevölkerung des Mar- mara-Gebiets hat auf Schiffen die Inseln, auf denen sich die ersten Anzeichen des Erdbebens bemerkbar machten, verlassen. von Erfolg begleitet. Es wurde festgestellt, datz die Firmen sich Gefällsübertretungen zuschulden kommen ließen. In solchen Fällen gehen die Behörden sehr streng vor und nehmen die Schuldigen in Strafhaft. Die betroffenen Inhaber der Brennereien ersuchten sogleich um das Ablatzverfahren, einer von ihnen mußte 650.000 XL als Kaution für die zu bemessende Strafe erlegen. Auch den beiden übrigen werden große Strafen auferlegt werden. Die Korruption bei der Frainer Talsperre Weitere Berhastungen. Nach einer Meldung des nationalsozialistischen „A-Zet" zieht die im Zusammenhänge mit dem Bau der Frainer Talsperre aufgeflogene Korruptionsaffäre weitere Kreise. Nach einem längeren Verhör des verhafteten Oberrates der mährischen Landesbehörde, Jng. Navratil, nahm die Brünner Polizei auch den Direktor der böhmischmährischen Betonbaugesellschaft, R e i ch, in Gewahrsam. Die beiden leitenden Beamten der am Bau ebenfalls beteiligten Firma Pittel u. Brausewetter, die Ingenieure Fehr und M a ch a L e k, wurden aus Prag nach Brünn vorgeladen, dort einem Verhör unterzogen und sodann für verhaftet erklärt. * Die Reinigung bei der Eisenbahn Wegen betrügerischer Manipulation beim Schwelleneinkauf ist nun auch der Beamte des Eisenbahnministeriums Jng. Neumann verhaftet worden. Bei der Staatsbahndirektion Kö- nlggräh vertauschten drei Beamte wegen Unzukömmlichkeiten bei Staatsbauten ihre Kanzleien mit dem Untersuchungsgefängnis. Sieben Häftlinge entsprungen Salzburg. Aus dem Gefängnis in Schallmoos sind Dienstag nachts sieben Häftlinge entsprungen. Sie hatten in ihrer Zelle den eisernen Ofen zerlegt und mit den Ofenstäben und Platten den Fußboden durchbrochen. Sie gelangten in die darunter liegende offene Garage, von wo sie spurlos verschwanden. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch ein tschechoflowakischer Staatsangehöriger namens Josef Holoubek. Karl Kraus und die„Staatshalunken". Wie man der„ReuenFreienPresse" entnehmen kann, in der Karl Kraus jetzt lws Stattfinden seiner Wiener Vorlesungen anzeigt—„Kein Gedanke würde mir eine ärgere Pein verursachen als daß die Gesellschaft diese Veranstaltungen in ihren Mündern und in ihren Rubriken führte..." hat es einmal geheißen— wie man also einer Annonce in der„Neuen Freien Presse" entnehmen kann, wird Karl Kraus in den nächsten Tagen in Wien Offenbachs„Blaubart" lesen. Wir wollen hoffen, daß er nicht verabsäumen wird, auch bei dieser„Blaubart"-Vorlesung so wie bei zurückliegenden eine Zusatzstrophe zum Vortrag zu bringen, die der Aktualität nicht entbehrt. Sic ist in den„Zeitftrophcn" neben manchem anderen Hohn(auf di« Heimwehren, auf Starhemberg. auf Strafella und auf Schriftsteller, die ihre Vorlesungen in der„Neuen Freien Presse" ankündigen) abgedruckt und lautet: Ich, zu keinem Dienst am Hofe einer Republik verdammt, sollt« opfern solche Strophe einem Ueberwachungsamt. Das fällt mir doch im Traum nicht ein. Wäre ich so tief gesunken, daß ich schont' die S ta'atshalunk«n, dürft' ich in die Runde funken, - in die weite Runde funken. [:Nein, da lass' ich's lieber sein.:) Wäre er so tief gesunken, datz er schont' die Staatshalunken, dürft' er in die Runde funken, in die weite Runde funken. Doch da wär' erlief gesunken und so lätzt er's lieber sein. Schonung eines Staatshalunken fällt ihm im Traum nicht ein! Spanisches Todesurteil. Das Militärgericht bestätigte das Todesurteil gegen den Sergeanten B a s q u e z, der sich der D e s e r t i o n schuldig gemacht hatte. ! Aus der Arbcltcr-Turn- und Sportbewegung Grotze Atus-Kreisfeste 1935 Im Rahmen eines Arbeitsplanes, dessen Durchführung sich auf mehrere Jahre erstreckt, finden in diesem Jahre in allen Kreisen des AtuS Kreisfeste statt. Deren Bedeutung geht über die bisherigen Kreisfeste weit hinaus. Sie werden Gradmesser der Aktivität, der.Bcreitschaft der Jugend und freiwilliger Disziplin und Einordnung in den Gleichtritt von Pehntausenden aufmarschiercnder Sozialisten sein. In M ä h r e n findet das Kreisfest am 29. und 30. Juni in Sternberg statt. Als Auftakt dazu ist eine Wintersportveranstaltung zu betrachten, die am 26. und 27. Jänner in Zöptau durchgeführt wird. Der Reichenberger Kreis hält sein Fest gemeinsam mit der Partei im Monat August in Reichenberg ab. Der nordwestböhmische Kreis ist bereits jetzt mit umfangreichen Vorarbeiten für ein getvaltiges Kreisfest im flüssiger Stadion beschäftigt. Es soll den Umfang des legten Bundesfestes erreichen. Die aktive Teilnahme soll die des letzten Bundesfestes noch übertreffen. Stehen doch die Vorarbeiten und das Fest selbst, das am 29. und 30. Juni stattfinden wird, unter der Parole:„Tie Aktivität ist die Kraft unserer Bewegung." Grosse wintersportliche Veranstaltungen sind vorgesehen für Ende Jänner in Ober-Preschkau und Katharinaberg und für Mitte Feber in fldolfsgrün. Am 8. und 9. Juni veranstaltet der w e st- böhmische Kreis in Eger sein Fest. Die Vorarbeiten dazu sind auf breiter Grundlage vorgesehen. Bon besonderer Bedeutung wird das Fest durch eine starke Teilnahme der tschechischen Genossen aus dem Pilsener Kreise, die mit Sondervorführungen ausmarschieren werden. Mit Recht wurde deshalb das Kreisfest in Eger unter das Motto:.Im Zeichen der Zusammenarbeit" gestellt. Auch die grotze Wintersportveranstaltung der westböhmischen Arbeiter- Turn- und Sportbewegung, die erstmals in Eisenstein(am 20. Jänner) stattfindet, wird gemeinsam mit den tschechischen Genossen durchgeführt. Für den 12. und 18. Jänner ist eine Wintersportveranstaltung in Rothau vorgesehen. In Ostböhmen wird das Kreisffft der Ar- beiterturner gemeinsam mit der Partei und dem Aruk am 6. und 7. Juli in Braunau unter der Parole„Tag der Zehntausend" durchgeführt. Eine KreiS-WintersporWeranstaltung findet in Freiheit- Marschendorf am 2. und 8. Feber statt. Trebitscher Marktplatz wird versteigert Die Stadt Trebitsch befindet sich in einer solchen finanziellen Notlage, daß auf Verlangen einiger ihrer Gläubiger fast ihr gesamtes immobiles Vermögen im Exekutionswege versteigert werden soll. Darunter ist auch der Marktplatz der Stadt, welcher-zu den grötzten in der Republik'gehört. Die Frage ist allerdings, wer einen Marktplatz kaufen wil^... Keine vorzeitige Entlassung Einzelner aus dem Präsenzdienst. Das Nationalverteidigungsministerium teilt mit: Einige Wehrpflichtige des Jahrganges 1933, die am 1. Jänner den einmonatigen Urlaub nach dem Gesetz über die Länge des Präsenzdienstes angetreten haben, richten an das Ministerium Gesuche, es möge sie dauernd beurlauben, da sie einen Beruf haben. Sie berufen sich dabei auf Par. 4, Absatz 4 dieses Gesetzes, in welchem es heißt, daß das Nationalverteidigungs- ministerium das Recht habe, Wehrpflichtige des Jahrganges 1934 dauernd zu beurlauben. Diese Auffassung ist unrichtig. Diese Bestimmung hat den Zweck, der Militärverwaltung zu ermöglichen, den ganzen Jahrgang 1935 vor Ablauf der zweijährigen Dienstzeit zu entlassen. Eine vorzeitige Entlassung Einzelner kennt das Gesetz nicht. Nikotinfiei mit Aroma. Die jugoslawische Tabakregie hat neuerdings nach einem geheimgehaltenen Verfahren nikotinfieie Zigaretten erzeugt und in den Handel gebracht. Es soll sich um ein Entnikotinisierungs-Verfahren handeln, das im Gegensatz zu aflen bisher bekannten Methoden Geschmack und Aroma vollkommen unberührt läßt. Lediglich die schädigende Wirkung des Nikotins sei eliminiert. Es fragt sich nur noch, ob die Nachfrage sehr groß sein wird, denn bekanntlich ist die stimulierende, wenn auch schädliche Wirkung des Nikotins für viele Raucher die Hauptsache, Geschmack und Aroma hingegen nur Beigabe. Ei« Autobus in Lüttich rannte gegen einen Strassenbahnwagen an, wobei 13 Person e n, darunter einige schwer, verletzt wurden. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen: Freitag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.30: Schulfunk, 13.85: Arbeitsmarkt, 18.20: Deutsche Sendung: Sportvorschau, 18.25: Prof. Liebus: Das Aussterben von Lebewesen, 18.55: Deuffch« Presse, 21: Orchesterkonzert, 22.15: Schallplatten. Sender S.: 14.20: Schallplatte«, 15: Deutsche Sendung: Für die Frau.— Brünn 11: Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Sportbericht, 18.45: Vom guten und schlechten Deutsch.— Mähr.» Ostrau 12.35: Orchesterkonzcrt.— Prrßburg 17: Kammermusik, Kascha«: Konzert des Orchesters der Sendestation. Die gestrige Arbciterscndung entfiel wegen eines unvorhergesehenen Umstandes; der für gestern anberaumte Vortrag Anton Steinbergs „Die Saarfrage, ein europäisches Problem" wird Sonntag, den 13. Jänner, nachmittags(14 Uhr 45), gesendet werden. Nr 8 Seite 5 Explosion auf Lastkraftwagen Siebzehn Personen schwer verbrannt. NewUvrk. In Hudsonville im Staate Michigan ereignete sich Mittwoch ein schweres Explosionsunglück, bei welchem eine große Anzahl von Menschen z« Schaden kam. Ein Lastkraftwagen, der mit einer Farbflüffigkeit beladen war, hatte plötzlich Feuer gefangen, und eine große Menschenmenge hatte sich sofort aus Neugierde angesammelt, um den Fruermaffen zuzuschauen. Plötzlich erfolgte eine Explosion und ein großer Teil der Zuschauer wurde von den brennenden Farbmassen ergriffen. Siebzehn Personen erlitten schwere Verbrennungen. Eine Anzahl von ihnen dürste kaum mit dem Leven davonkommen. Erst 43, jetzt 400 Mexiko Stadt. Die 43 Arbeiter des Schlachthofes in dem Vorort Tacubaya, die, wie gemeldet, zur Erlangung besserer Arbeitsverträge in den Hungerstreik getreten waren, haben nach 13 3- stündigem Fasten den Streik abgebrochen, nachdem Präsident Cardettas erklärt hatte, er werde einen Schiedsspruch in diesem Konflikt fällen. Dienstag früh begannen 400 Mstglieder einer Arbeiterorganisation in den Borzimmerndes Staatspräsidenten einen Hungerstreik, den sie durchführen wollen, bis Präsident Eardenas die Gruppe empfängt und ihre Forderungen anhört. Sie verlangen u. a. die Beseitigung des Akkordlohnes, ferner gleiche Bezahlung für Männer und Frauen in den Fabriken. Poli-OitStetflebe«Mohammeda«er Kolhapur(Bombay). In dem Dorfe Jtschalkarandschi wollte die Polizei unter den Mohammedanern Verhaftungen vornehmen. Die Bewohner des Dorfes wollten die Polizei aber daran Hindern und überfielen sie. Die Polizisten gaben hierauf gegen die Volksmenge- eine Ge- wchrsalve ab, durch welche sieben Mohammedaner getötet und zwanzig verletzt wurden. Feuer in der Deutschen Technik in Prag. Mittwoch ahend gegen 8 Uhr brach im Gebäude der Deutschen Technik ein Kaminbrand aus, der auf den Fußboden des Hörsaals Übergriff und troh sofortigem Eingreifen der Feuerwehr auch das Gebälk im zweiten Stockwerk erfaßte. Es mußte erst ein großer Teil der Fußböden herauSgerissen werden, bevor man die weitere Ausdehnung des Brandes verhindern konnte. Der durch das Feuer angerichtete Schaden ist beträchtlich. Eine fünfgliedrige Räubervande verhaftet. Die Polizei von M u n k a ä verhaftete gemeinsam mit der Ujhoroder Fahndungsstelle eine fünfgliedrige Räuberbande, welche im Vorjahre die feuerfeste Kaffe auf dem Kennes-Gutsbesitz in der Gemeinde Borzava erbrachen und aus ihr 80.000 raubten. Die Bande hatte auch im Notariatsamt von Banovice n. O. bei Bel. Kapusany in der Ostslowakei und in Velki Luöky bei Munkaä Kaffen ausgeraubt und auf dem Forgaä-Gut bei Svinice in der Nähe von Kaschau einen Raub ver- übt. Zuletzt versuchte die Bande, die Kaffa der jüdischen Kultusgemeinde in Munkaö zu berauben, doch war ihr Vorhaben erfolglos, da die Räuber von den drei Kaffen gerade die leere anbohrten. Dieser Versuch führte die Polizei auf die Spur des Haupttäters, des polnischen Staatsangehörigen Michal Szablik und seines Gehilfen aus Kuzmina bei Munkai, Ma- , u ch a n i e. Außerdem wurden auch ein jüdi- scher Bettler, der die Kaffen ausspähte, sowie zahlreiche Helfer der Bande verhaftet. New Nork im Revel. Während der letzten zwei Tage ist New Aoick in Nebel gehüllt. Dreizehn Dampfer sind deshalb nicht ausgelaufen. Auch der Flugverkehr wurde eingestellt. »Krankheit" aus Reklamegründen. Aus Krakau wird gemeldet» daß der Tenor Jan K i e* pura nach einer Grippe wieder vollkommen genesen sei. Japanische Unglücksziffern. Während in Mitteleuropa der Aberglaube den Ziffern 7 und 13 unheilbringende Wirkungen zuschreibt— es gibt in dieser»aufgeklärtesten" Zone des Erdballes zahlreiche angesehene Hotels, welche bei der Numerierung ihrer Zimmer die Zahl 13 überspringen—, sind es in Japan vor allem die Zahlen 42 und 49, die als ausgesprochene Unglücksziffern gelten. Und wenn eine in der Presse mehrfach verzeichnete Meldung auf Wahrheit beruht, so macht sich das Tokioter Telephonamt'neuerdings diesen Aberglauben zunutze und setzt ihn in klingende Münze um. Das Amt weist die»Unglücksziffern" jenen Institutionen zu, die mit unerfreu- lichen Dingen zusammenhängen(wie etwa die Krankenhäuser, Friedhofsverwaltungen und Polizeistationen), während derjenige, der die .Glücksziffer"— in Japan ist das die Zahl 8— Lasten will, eine Sondcrgebühr in der Höhe von etwa 18.000 tschech. Kronen(2000 deutsche Mk.) entrichten muß. DaS Denkmal des BriesträgerS. Im n ö r d« lichenKanada, unweit von Fort Egbert, ist jetzt einem wirklichen Helden der Arbeit ein Denkmal gesetzt worden, dem Postler John Darell, der der nördlichste Briefträger der Welt war. John Darell, ein gebürtiger Schotte, besorgte den Vostdienst zwilchen der Mündung des MackenzieDonnerstag, 10. Jänner 1935 flusses und den einsamen Handelsstattonen jensetts der Berge- Er lebte, von aller Zivilisation abgeschnit- ten, nur seiner gefahrvollen Arbeit und war übrigens der erste, der eine wissenschaftliche Großleistung Roald Amundsens(die Entdeckung der Nordwestpassage im Jahre 1908) der Kulturwelt übermittelte. Seit dem Jahre 1908 war John Darell verschollen und kürzlich hat man an der Einmündung des Mackenzie- Flusses in das nördliche Eismeer ein menschliches Gerippe gefunden, das durch in der Nähe befindliche Papiere als der Leichnam John D a r ell s identifiziert werden konnte.— Nun wurde diesem Opfer des Eises und der Pflicht ein Denkmal gesetzt. Gesellschaftsspiel im Dritte« Reich Da im Dritten Reich das Zeitungslesen überflüssig, der Kinobesuch verdauungsstörend und daS Spazierengehen nur mit erhobenem Arm möglich ist, zieht man es vor, die fteie Zett im trauten Heim mtt Gesellschaftsspielen zu verbringen. Zum Beispiel Rätselraten. Deutschland ist ein Ständestaat. Welche Stände herrschen? Antwort: Die Mißstände. Welcher Stand fft unterdrückt? Der Verstand! In welchen Stand will man uns führen? In den Unterstand! Welchen Stand wird man aber so herbeiführen? Den Aufstand! Welcher Stand wird dem Dritten Reich fehlen? Der Bestand.— Wer alle Stände richttg erraten hat, darf das Standrecht für sich in Anspruch nehmen! Bilder von der Saar In einem»Hier spricht die Saar" be- tttelten Buche(Ring-Verlag, Zürich) hat Theodor Ball eine umfassende Reportage über das Saargebiet herausgegeben. Wir entnehmen dieser, für die Beurteilung der Verhältnisse im Saargebiet aufschlußreichen Schrift folgende interessanten Auszüge: Aus einem Gespräch mit Pirro »Wir rechnen auf 97 Prozent. Um ein halbes Prozent können wir uns vielleicht irren." »Und wenn es zwei oder drei Prozent wären?" Pirro versteht keine Ironie. Er antwortet todernst: „Nein, das glaube ich nicht." Pirro blieb bei seinem halben Prozent. »Werden Sie gegen die Leute, die für Status quo gestimmt haben, in irgendeiner Weise vorgehen, falls das Saargebiet zurückgegliedert werden sollte?" »Nein. Niemals. Nicht das Geringste werden wir ihnen antun. Das gilt auch für die Juden. Ich hoffe, daß Hitler eine Amnestie nach dem 13. Januar erlassen wird. Mit Ausnahme der Landesverräter natürlich." »Rechnen Sie zu den Landesverrätern auch di« Sozialisten und die Kommunisten?" »Jawohl, Max Braun und all«, die gegen Deutschland sind, sind für mich Landesverräter." Ein Widerspruch! Im ersten Satz verspricht Herr Pirro den Statusquolern Amnestie, im nächsten wird er sie als Landesverräter bestrafen. »Und wenn doch Status quo siegen sollte, Herr Pirro? Würden Sie diesen Entscheid des Volles loyal anerkennen?" »Ich kann mir das nicht richttg vorstellen. Der Gedanke daran ist mir ganz ftemd. Ich habe noch nie darüber nachgedacht." Dann,«ach einer kurzen Paus«, sich korrigierend: »Zu einem Status quo können wir nie und nimmer unser« Zustimmung geben." »Herr Pirro, wie verhalten Sie sich zu den Menschen, die einmal offene Separatisten waren und heute in Ihrer Front stehen?" »Ja, wenn sie nicht notorische Separattsten waren, dann wollen wir ihnen nichts nachtragen." »Herr Pirro, eines der Mitglieder Ihres Führerrates ist der Rechtsanwalt Steegmann. Der Herr Steegmann hat vor Jahren eine Petttion unterschrieben, die Sie sicher kennen, die Muth-Petition? Er ist also, wie Sie eS auSdrückten, ein notorischer Separattst. Wie läßt sich daS mit seiner Mitgliedschaft im höchsten Forum Ihrer Deutschen Front vereinbaren?" »Ja, sehen Sie, damals waren die Verhältnisse... Es ist fdjtoer, etwas auszusagen... Obwohl..." „Ich babe hier einen kleinen Auszug dieser Petttton. Bitte lesen Sie ihn und sagen Sie, ob daS nicht reiner.Vaterlandsverrat" ist." Pirro reicht mir das Blatt Papier zurück. Seine Stimme flackert wie das Herz eines NeurottkerS. »Ist das Landesverrat, Herr Pirro?" ftagt« ich nochmals. »Ja... Allerdings... Obwohl, wenn man die Linie gradlinig verfolgt... Es waren Bestrebungen, well sie damals mit den Zuständen in Deutschland unzufrieden waren. Die Katholiken hat. ten lieber ein Land gebildet, die Rheinlande,«inen selbständigen Staat im Rahmen deS Deutschen Reiches." Welche Toleranz! Herr Pirro konnte plötzlich nicht genug Gründe aus den Ecken seines Gehirns zusammentragen, um den Landesverrat des Steegmann reinzuwaschen. Wo blieb jene Intransigenz? Wo blieb jenes makellose Femerichtertum, daS für Landesverräter nur den Schuß in den Hinterkopf kennt? Wo? »Sie wissen/ Herr Pirro, daß diese Petttton um eine Belassung deS französischen Generals Andlauer in seiner damaligen Funktton eines obersten Verwalters des Saargebietes bittet." In meinem Nottzbuch finde ich auf diese Frag« keine Antwort mehr. Wahre Geschichte Bor langen Jahren habe ich ein Lustspiel gesehen: ich mußte viel und herzlich lachen. Es hieß „Die Reise um di« Welt". Ein Angehöriger eines hochpolitischen Völlchens gewinnt das große Los— eine Weltreise. Jedes Bühnenbild stellt ein Wiedersehen mit seinen Landsleuten dar. Auf einer wilden und winzigen Insel des Pazifik findet er ihrer zehn. Ein Schiffbruch hat pe hierher verschlagen. Die zehn haben sich sofort in zwei Parteien gespalten. Unter den zehn befindet sich ein Barbier. Was geschieht? Der Barbier weigert sich, die Mitglieder der andern Partei zu rasieren. So kommt es, daß die eine Partei aus Vollbärtigen besteht, die andere aus Glattrasierten. Die Partei der Bärtigen und die der Rasierten! Ein Lustspiel, wohlgemerkt, eine dichterische Idee. Zehn Jahre sind seither vergangen. Ich kam in das Saargebiet. Da sprach ich mit einem Herrn, deS Namens Max Braun. Der erzählte mir eine Geschichte, wohlgemertt, eine wahre Geschichte: Eines Tages schickte ihm sein Barbier Pinsel, Seife und die anderen nötigen Rasierutensilien ins Haus. Er könne ihn nicht mehr rasieren. Er solle entschuldig«!! und nicht ftagen— es geht nicht. Max Braun wandte sich an«inen Parteifreund mit dem Anliegen, ihn bei seinem Barbier unterzubringen. Der war zwar auch in der Deutschen Front, in seinem Geschäft hingen die»Landeszeitung" und die„Saarbrücker Zeitung", Äber im Herzen war er ein guter Status-quo-Mann. Der Barbier Nummer 2 hört sich das Anliegen von Max Braun an; sagt zuerst nichts, verzieht die Sttrn in Denkerfalten— schließlich äußert er sich: „Sie kennen mich, Herr T. Sie wissen, welches meine Gesinnung ist. Aber... eS geht nicht. Ich kann nicht. Man wird mich ruinieren. Verlangen Sie alle? von mir, nur da? nicht." Geschehen zu Saarbrücken, im Jahr« 1934. Max Braun Max Braun— auf der Rednertribüne stand er im grünen Schuhbundhemd, jetzt sitzt er mir im Restaurant der Arbeiterwohlfahrt gegenüber, ein - jugendlichejirKcwf. mit graumelierten Haaren. Seine Stimme ist' abwägend, wie von der Tribüne, nur ohne'den rhetorischen Glanz. „Warum wir für den Status quo kämpfen? Der Status quo ist im Augenblick die einzig mögliche deutsche Lösung. Der Status quo hält di« Saar frei vom Terror der Nationalsozialisten. Der Status quo gibt der Saar die Möglichkeit, sich eines Tages dem wiederbefreiten Deutschland anzuschließen. Er ist die einzig mögliche deutsche Lösung. Der Status quo ist auch die einzig mögliche sozialistische Lösung. Ein Sieg des vorläufigen Status quo ist nicht nur ein Sieg des Deutschtums. Er ist auch ein Sieg des freiheitsliebenden Sozialismus. Der Status quo ist eine Schlacht für di« Be- fteiung Deutschlands und für den Sieg des internationalen Proletariats. Niemand kann übersehen,! daß die fleine Saar den vorgeschobensten Schützengraben der Freihett, Wahrheit, Recht und Sozialismus darstellt." »Pirro spricht Ihnen daS Deutschtum ab. Was denken Sie darüber?" »Dieser Mann mit seinem„echt" deutschen Namen sollte etwas vorsichtiger sein. Herr Pirro hatte volle vier Jahre nicht den Mut, sich an der> Saar polizeilich anzumelden. In einem Schreiben an den Abstimmungskommissär sagte er ausdrücklich, daß er dar aus Angst vor den Franzosen nicht getan hat. Darf solch ein Mensch Steine gegen Leute werfen, die durch die vier Jahre öffentlich ihr Deuttchtum verteidigt haben und dafür in die KriegS- qerichtsgefängnisse gewandert und mit großen Geldstrafen belegt worden find! Unter den Hunderten von Verurteilten befand auch ich mich. Im übrigen glaube ich, daß diejenigen, die lieber jede Art von Verfolgung auf sich nehmen, als Charakter und Jntellett zu opfern, vor der Geschichte nicht nur als die wertvolleren Menschen, sondern auch als die besseren Deutschen dastehen werden. „Wie denken Sie sich die Rückgliederung des SaargebieteS in ein fteieS Deuffchland?" „Dafür gibt es drei Möglichkeiten: a) Der Völlerbund überträgt seine Souveräni- tät unter Zustimmung der Saarbevölkerung an das inzwischen^ wieder zum Völlerbundsmitglied gewordene wiedtrbefreite Deuffchland, wozu er auf Grund seiner Souveränität ganz zweifellos berechttgt ist; b) eine deutsch-ftanzösische Verständigung unter> der formellen Zustimmung des Völkerbundes bereinigt das Saarproblem, ähnlich den Beratungen von 1930, mit Zustimmung der Bevölkerung; e) der Völkerbund setzt auf Wunsch der Vevöl-1 kerung eine zweite Abstimmung an. Die wichtigste Voraussetzung einer künftige«! Rückgliederung aber wird die groß aufflammende! Begeisterung der Saardeutschen für ein wieder« befreites Deutschland sein!"! dogmatische Filmpolitik Das Sprichwort vom guten Ding, das Weile haben will, gitt sicherlich auch von der Politik,— aber es mutz dafür gesorgt werden, datz aus der Weile nicht eine Ewigkeit wird. Als vor einem halben Jahre nach langem Zögern endlich der Be- schlutz gefaßt wurde, zur Begutachtung der F i l m- einfuhr in die Tschechoslowakei, die bis dahin eine Sache des Handelsministeriums war, auch das Unterrichtsministerium heranzuziehen, als dann eine Filmkommission gebildet wurde,.die Filmeinfuhr und Filmproduttion auch nach kultur- polittschen Gesichtspunkten behandeln sollte und als schließlich vor zwei Monaten auch noch das Filmkontingentfiel, das-sich schon lange als unbrauchbar und schÄllich erwiesen hatte, schien die grotze Wendung unserer Filmpolitik nahege- kommen. Aber nach so erfreulichen Anläufen ist wieder eine Stockung eingetreten, und der erste greifbare Erfolg, der von der geänderten Filmpolitik zu erwarten war: die Wiedereinfuhr der großen amerikanischenFilme, hat sich noch immer«ich t verwirklicht. Der Grund dafür ist ein beinahe unbegreiflicher Streit«m Kleinigkeiten: man will den amerikanischen Filmfirmen nicht eine gewisse Dauer der neuen Einfuhrregelung zusichern, ohne die das Wiedererscheinen auf dem hiesigen Marft für sie nicht lohnend wäre, und man will ihnen nicht gestatten, andere als englische Filmversionen in die Tschechoflowakei einzuführen. Datz es zum Streit über diese Kleinigkeiten überhaupt kommen konnte» ist bezeichnend für ein gewiffes dogmatisches Festhalten an strengen, aber unbrauchbaren Prinzipien und an bürokratischen Berordnungstexten, die erst durch eine sinngemäße Auslegung den beabsichttgten Zweck erfüllen könnten. Die Aufhebung deS Kontingents konnte gar keinen anderen Sinn haben als die Beendigung des Streites mit dem amerikanischen Filmtrust. Es wäre widersinnig, wenn man den Streit neu heraufbeschwören wollte, nur weil von den Amerikanern eine Sicherheit dafür gewünscht wird, datz man das Kontingent nicht plötzlich wieder einführen wird. Und noch einen anderen Sinn hatte der Fall des Kontingents: die Zurückdrängung der Einfuhr hitlerdeutscher Filme, die den Charatter der Neberschwcmmung unserer Lichtspielhäuser mtt verblödendem und vergiftendem Schund angenommen hatte, der selbst in seinem Ursprungsland« so deutlich vom Publikum boykottiert wurde, datz Herr Goebbels sich genötigt sah, von ihm abzurücken. Wie wenig wirkliches Bedürfnis füp diese minderwertige War« aus dem Dritten Reich auch bei uns besteht, geht klar aus der Tatsache hervor, datz auf die bloße Hoffnung hin, der Fall des Kontingents werde die Einfuhr der amerikanischen Filme unmtttelbar nach sich ziehen, der Ankauf hitlerdeutscher Filme ins Stocken geraten ist, so datz heute die„Registrierkasse", in die der inländische Importeur eine Gebühr für eingeführte Auslandsfilme zu zahlen hat, völlig leer ist. Selbstverständlich gäbe es keinen geeigneteren Ersatz für die hitlerdeutscher! Filme als deutsche Filme nichtgleichgeschalteter Produktion,— und es ist erfreulich» datz man in Amerika(wie auch in Ungarn und Italien) deutsche Filmversionen herstellt. Aber da gibt es eine Verordnung bei uns, die verbietet, ausländische Filme in einer anderen Sprache als der ihres Ursprungslandes zu zeigen,— und mit dieser Verordnung will man jetzt die Amerikaner daran hindern, ihre deutschen Versionen hierzulande einzuführen. Wahrscheinlich war diese Bestimmung(die auf tschechische Versionen ausländischer Filme angewandt worden ist) ursprünglich gegen ein vom tschechischen Standpunkt aus»unerwünschtes" Uebermatz an deutschsprachigen Filmen in den hiesigen Kinos gerichtet. Aber es wäre der Gipfel bürokratischer Starrheit, die Vorschrift nun gerade gegen jene Filme in Anwendung zu bringen, die vom künstlerischen, kulturpolitischen und geschäftlichen Standpuntt aus erwünscht und notwendig sind. Das würde tatsächlich nichts anderes bedeuten, als datz der gleichgeschalteten Filmproduttion in Berlin, München und Wien ein unentgeltliches Monopol für den deutschen Film in der Tschechoflowakei zugeschanzt würde. Und es gibt— wie wir trotz widersprechender Gerüchte annehmen wollen— an den verantwortlichen Stellen hoffentlich niemanden, der ein Interesse daran hat., Es scheint manchmal, als wützte man an den maßgebenden Stellen heute nicht mehr, was man gestern getan hat. Auch bei der Filmzensur scheint es nicht anders zu sein. Da hat man zum Beispiel jetzt den Wiener Film„So endet eine Liebe" mtt' der durchaus verständlichen Begründung verboten, daß er monarchistisch sei. Aber warum hat man dann vor kurzem die Aufführung des Berliner Films vom»Baron Neuhaus" gestattet, der noch viel habsburgerischer und monarchistischer war—> und noch dazu künstlerisch völlig wertlos, während der verbotene Wiener Film immerhin die Schauspielerin Paula Wessely in die Hauptrolle gestellt hat, die— wie sich im Falle»Maskerade" zeigte — selbst einem unbedeutenden Film Bedeutung geben kann?