Einzelpreis 70 Heller (•irisch läßlich 5 Heller Forto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UNO VERWALTUNG MAG XU, FOCHOVA a. TELEFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 5307«. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15.Jahrgang Sonntag, 13. Jänner 1935 Nr. 11 Heute Saar-Entscheidung Deutsche Front vernichtet Wahlfreiheit Saarbrücken. In der Hauptstadt des Saargebietes herrscht höchste Spannung. Die Straßen waren am letzten Tage vor der Abstimmung überfüllt, alle Gaststütte« und Hotels sind bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Die Lebensmittelpreise sind enorm gestiegen. Aeußerlich herrscht zwar Ruhe, aber der Terror der Deutsche» Front wird im StMen ausgeübt. Er ist so noch wirksamer als die lauten Metho den, deren er sich bis jetzt bediente. So hat die Freihettsfront in letzter Stunde entdeckt, daß die Deutsche Front ihren Wählern ei« Formular aushändigt, das sofort nach der Abstimmung beim zuständigen nationalsozialistischen Abstimmungsinspektor abzugeben ist; in diesem Formular ist be- kanntzugeben, wie, wann«nd wo abgestimmt wurde. Für die Richtbetelli- gung an der Wahl müffen der Deutschen Front die Gründe mitgeteilt werde«. MaxBraun, der Führer der Freihettsfront, erklärte, daß unter diese» Umständen von einer Freihett der Wahl keine Rede mehr sein könne. Es werde eine neue Beschwerde»ach Gens gerichtet werden. Der Ausgang der Abstimmung ist noch völlig« n g e w i ß, da sich ei« großer Prozentsatz der Stimmberechtigten voraussichtlich bei der Stimmenabgabe enthatten wird.— Die Polizei ist in strenger Bereitschaft, die internationalen Truppen bleiben heute in den Kasernen und dürfen nur auf schriftliches Ansuchen des Polizei- oder Gendarmeriechefs ausrücken. Scharfe Warnung an die Deutsche Front 3ftt bet Befürchtung, das- infolge deS Terrors her Deutschen Front Zweifel an der Gültigkeit der Abstimmungsergebnisse auftauchen könnten, hat die Plebiszit-Kommission an den Führer der Deutschen Front eine scharfe Warnung ergehen lassen und ihn darauf aufmerksam gemacht, daß hei der Schlußentscheidung des Bölkerbundes größtes Gewicht darauf gelegt werden wird, über das künftige Schicksal des Saargebietes nach jenen Boraussetzungen zu entscheiden, unter denen die Abstim- mungskampagne durchgeführt werden wird. Die Berichte über die Abstimmung am Sonntag zeigen, daß an diesem entscheidenden Tage den internationalen Truppenkörpern eine sehr heikle Aufgabe zufallen wird. An ihnen wird es liegen, darüber zu wachen, daß der Transport der Urnen mst den Stimmzetteln aus den Landgemeinden des SaargebieteS bis zur Wartburg unter ihrer sicheren Bedeckung stattfindet. An der Wartburg, wo die Stimmenzählung vorgenommen wird, werden die internattonalen Truppen gleichfalls für die Aufrechterhaltung der Sicherheit zu sorgen haben. Die Zählung der Stimmen wird der schwedische Präfett Bleger letten. Die Führer der Deutschen Front hatten zwar versichert, daß sie sich mtt ihren Anhängern um die Aufrechterhaltung der Ordnung kümmern würden, doch wurde ihr Angebot abgelehnt. Der Pressedienst der Einheitsfront hat ein Verzeichnis ungesetzlicher Handlungen und Gewalttätigletten, deren sich ihre Gegner schuldig gemacht haben, ausgegeben. Es handelt sich hauptsächlich um Mißhandlungen von Verläufern anti- hitlerischer Zeitungen, die Zerstörung von Einheitsfront-Plakaten usw. Das Verfahren gegen den englischen Polizeioffizier, der einen Saarländer durch einen Revol- derschuß verletzt hatte, als er sich von einer Menschenmenge bedroht glaubte, endete mit seiner Freisprechung. Dadurch wurde ein Zwischenfall liquidiett, der bedeutende Erregung und Befürchtungen hinsichtlich seiner Folgen hervorgerufen hatte. Ruhige Erwartung In Frankreich Paris. Die breite französische Oeffentlichkett wie auch die politischen Kreise und die Presse verfolgen die Begebenheiten ttn Saargebiet zwar mtt Interesse, dabei aber mtt absoluter Ruhe, ohne Nervosität und Voreingenommenheit. Lediglich die Börse ist mit per immer näher rückenden Entscheidung etwas vorsichtiger geworden. Unparteiisch registriert die Presse das Wachsen der Einheitsfront der Sozialisten, Kommunisten und Katholiken zugunsten des status quo sowie auch die sich mehrenden Uebergriffe und Terrorakte der Nationalsozialisten, doch nimmt sie— soweit sie von der Sache überhaupt spricht— eines sehr reservierten Standpunkt zu der Frage ein, nach welcher das Saargebiet nach der Abstimmung in zwei Teile geteilt werden soll, von denen der eine an Deutschland angegliedett, der andere unter den Schuh des Völkerbundes gestellt werden würde. Bezeichnend ist, daß niemand in Frankreich Voraussetzungen macht oder vorzeitige Folgerungen zu ziehen versucht. Die verantwortlichen amtlichen und politischen Stellen sind augenblicklich bemüht, bis zum letzten Augenblick mit peinlicher Genauigkeit auf dem Standpunkt zu verharren, den beretts mehrere französische Regierungen nacheinander festgelegt haben, daß nämlich die Saarfrage weder als eine französische, noch als eine deutsche, sondern als eine internationale Frage anzusehen sei in der einzig und allein der Völkerbund eine meri- torische Entscheidung treffen könne. Eintägiges Kolportageverbot Durch ettte Verordnung des Präsidenten der Regierungskommiffion Knox wird für den Wahlsonntag die Berbreitung sowie der Vertrieb sämtlicher periodischer und nichtperiodifcher Druckschriften, soweit sie im Saargebiet erscheinen» verboten, ebenso ihr Aushängen oder Auflegen an öffentlich zugänglichen Orten. Auch das Verteilen von Druckschriften jeder Art von Haus zu Haus» auf Sttaßen oder Plätzen» in Gaststätten oder an anderen öffentlichen Orten ist verboten. Zuwiderhandelnden droht Haff nicht unter drei Tagen, bei mildernden Umständen eine Geldstrafe von nicht unter 500 Franken. Um das letzte Stück deutscher Freiheit Entscheidung Uber die Saar Eine Ration stürzt von der Höhe moderner Zivilisation in den Abgrund des Fascismus. Doch da bleibt ein Rest, ein Siebzigstel des ganzen Volkes, auf schmaler Felsplatte von dem Absturz bewahrt. Und der soll jetzt entscheiden, ob er da bleiben will, isoliert von dem, was durch Jahrzehnte den Begriff„Mutterland" umschloß, oder ob er sich den„Brüdern" anschließen, also Selbstmord begehen, in den Abrgund nachspringen soll. Dian sollte meinen» daß die Entscheidung unstrittig wäre, daß von 100 Saarländern 99 das Leben in Freiheit, in dem letzten Rest eines freien Deutschland, der Heimkehr in den Abgrund der braunen Bandenherrschaft vorziehen würden. So wäre es, wenn die Menschen Phantasie genug hätten, sich vorzustellen, was drei Kilometer von ihnen entfernt geschieht, und wenn in solchen Entscheidungen der wägende Verstand der entscheidende Faktor wäre. So ist es aber nicht. In Deutschland gibt es Konzentrationslager, in den Konzentrationslagern Folterzellen, Stehsärge, unerfindbare, immer von neuem unglaubwürdige und doch tausendfach bezeugte Gleuel. In Deutschland gibt es Goebbels, der den Gelehrten vorschreibt, was sic zu erforschen, zu entdecken, zu beweisen, zu widerlegen haben, in Deutschland gibt es Göring, den Sadisten und Hanswurst, ewigen Jnheyriff menschlicher Entartung. In Deutschland gibt es einen mit göttlichen Ehren ausgestatteten„Führer", der nicht deutsch schreiben kann und dessen Reden keinen vollsinnigen Menschen über die Persönlichkeit im unklaren lassen, von der sie kommen. In Deutschland herrsch, Teuerung und Arbeitslosigkeit, es gibt keine Rechtssicherheit in Deutschland, schlafen Millionen allnächtlich den Angstttaum der Verfolgten und Gehetzten. Das wissen Zehntausende Saarländer. Das ist den Andern immer wieder berichtet, bewiesen, einwandfrei belegt worden. Werden sie die Folgerungen daraus ziehen? Wir Sudetendeutschen wissen aus eigener Erfahrung, daß es eine Sorte Menschen gibt, für die alles, was in Deutschland geschieht, nicht existiert. Sollten di, unheilbar Irrsinnigen, für die Hitler ein Gott und Deutschland ein ideales Vaterland bleibt, nur bei uns zu Lande, nur in den Reihen der SHF existieren? Wo in der Republik Deutsche wohnen, sitzen sie hart an der Grenze, haben ein paar Stunden, oft nur ein paar Schritte hinüber in das Land des braunen Schreckens. Aber unter Hunderttausenden, denen deutscher Anschauungsunterricht erteilt wird, gibt es'Zehntausende, die nichts begreifen. Es wird an der Saar nicht viel besser sein. Die Phantasielosigkeit, die Dummheit der Menschen ist der eine Feind, mit dem die Frei- heitsfront an der Saar zu kämpfen hatte. Es gib, eben Menschen, die an die Nilpferdpeitsche nicht eher glauben, als bis sie ihnen quer durch das eigene Gesicht gezogen wird, die das Einschlagen vor. Zähnen, Augen und Nieren solange für ein Greuelmärchen halten, als es nicht an ihnen praktiziert wurde. Es gibt Menschen, die sich das, was dicht neben ihnen dem Mitmenschen geschieht, nicht vorstellen können, andere die zu dumm sind, sich ein Urteil zu bilden, wenn ein Beweis gegen eine Phrase steht. Aber nicht nur Dummheit und Phantasielosigkeit tteiben Tausende Saarländer dazu, für ihren Selbstmord, für die Rückverwandlung ihres Landes in„Saarabien", wie man vor 1914 sagte, zu plädieren. Die Deutsche Front, Hitlers Saar-Organisation, hat zwei Mittel angewandt, die den Demokraten nicht zur Verfügung standen: Korruption und Terror. Daß man an 50 Wähler aus Amerika kommen ließ, damtt sie an der Saar abstimmen— nicht weil man die 50 Stimmen braucht, sondern weil das Theater zieht— ist ja das bezeichnendste Beispiel dafür, welchen Aufwand die Deutsche Front getrieben hat. Millionen und Abermil- lionen Mark sind in den Saarkampf investiert worden. Wenn Hitler die Mehrheit bekommt, dann wird jede Stimme mit einem hohen Betrag bezahlt sein. Und jede ist im voraus mtt Blut bezahlt worden, freilich mtt dem Blot der Gegner. Hunderte Demokraten sind, verprügelt,, schwer verletzt» mtt dem Tode bedroht.worden. Jeder ein- ««« Genf entscheidet endgültig! Genf. Der Bölkerbundrat, der Samstag um 12 Uhr zusammentrat, beriet einige mit der Saarabstimmung zusammenhängende Fragen. Es wurde beschlossen» das Mandat der dreigliedrigen Saarkommiffion ohne FestsetzungdesDatumszuvelängern, also solange» als das Saarproblem nicht definitiv gelöst ist. Außerdem hat der Bölkerbundrat ans Anregung der Saar-Regiernngskommission eine Resolution ausge- arbeitet, in welcher er sich an die Saarbevölkerung wendet«nd die im wesentlichen lautet: Lor der Abstimmung appelliert der Völkerbundausschuß in feierlicher Weife an die Bevölkerung«nd ersucht sie» in Erkenntnis der Wichttgkeit dieser Volksabstimmung Ruhe«nd Würde zu bewahren. Der Rat rechnet damtt, daS die Saarbevölkernng sich auch weiterhin so verhalten und in Ruhe die Entscheidung des Böllerbundes, die erehebaldigst treffen wird, abwarten wird. Die Entscheidung» durch welche die Machtbefugnisse deS dreigliedrigen BöllerbundauS- fchusses für die Saarfrage verlängert wurde«, zeigt» daß der Böllerbund in jedem Falle, wie immer auch die Abstimmung ausfallen möge, über die Durchführung deS Saarplebiszites verhandeln wird, auch wenn es sich nur«m eine„Interpretation" der am Sonntag durch die Saarbevöllerung getroffenen Entscheidung handeln sollte. Der Pakt von Rom Hitler:„O weh, es Ist kalt geworden!“ Seite 2 Sonntag, 13. Jänner 1935 Nr. 11 Uebersicht der Internationalen Sozialpolitik im Jahre 1934 Leo P. Wildmann gelne Tcrrorfall hat Hunderte Menschen einge- schüchtert, Tausende schwankend gemacht. Die Freiheitsfront hat nicht das Geld der deutschen Schwerindustrie zur Verfügung gehabt, sie wollte und konnte nicht zu terroristischen Mitteln greifen, sie könnte mit der Brutalität der braunen Banditen nicht konkurrieren und die internationale Polizei hat jeden kleinen Vorstoß von links zehnmal stärker gerügt als jeden von rechts. So stehen die Gegner an der Saar einander mit ungleichen Waffen gegenüber. Gegen die finanzielle Macht und den blutigen Terror der Braunen, gegen Dummheit und Beschränktheit Iveiter Volksschichten, die dem nationalen Schlagwort unterliegen und ebendadurch der Nation den letzten Zufluchtsort rauben, in dem sie autonom leben könnte, steht der Appell an Menschlichkeit, an London.(Havas.) Die„Times" formulieren heute zum erstenmale in klarer Weise die Bestrebungen der britischen Diplomatie, welche aus die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund hinauslaufen. Dieser Anregung zufolge sollen sich die Sieger-Signatare des Versailler Friedensver- trages der militärischen Begünstigungen, welche ibnen durch diesen eingeräumt werden, begeben. Dadurch würde nach der Ansicht Londons das Versprechen der Gleichberechtigung durchgeführt und Deutschland die Rückkehr nach Genf ermöglicht werden. Nach Erfüllung dieser Bedingungen wäre eS schließlich möglich, über eine Konvention betreffend die Einschränkung der Rüstungen, an der auch Deutschland teilnehmen würde, zu verhandeln. Der Havas-Korrespondent bemerkt hiezu, daß eS sich wahrscheinlich um einen Versuchsballon bandelt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese Anregung bestimmtere Formen annehmen wird. Der betreffende Passus dieses„Times"- Artikels lautet: „Großbritannien, Frankreich und Italien würden de» anderen Staaton, welche ans dem Das Vorwort zum Rom-Pakt Rom.(Stefani.) In Paris und in Rom wird gleichzeitig folgende gemeinsame Erklärung veröffentlicht, die Mussolini und Laval am 7. Jänner in Rom als Vorwort zu den französischitalienischen Vereinbarungen unterzeichnet haben: „Der französische Außenminister und der italienische Regierungschef stellen fest, daß die Ver- rmvarungen vom 7. Jänner 1935 die Regelung der wichtigen Fragen sichergesiellt haben, die die früheren Vereinbarungen zwischen den beiden Völkern in der Schwebe ließen, besonders über alle Fragen hinsichtlich der Anwendung des Artikels 13 deS Londoner Abkommens vom 26. April 1915. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß die strittigen Fragen, die in Zukunft zwischen den beiden Regierungen auftreten könnten, ihre Regelung entweder durch diplomatische Verhandlungen oder durch die BerfahrenSarten finden werden, die die Völkerbundsatzungen, die Satzung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes und der Allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit vorsehen. Sie erklären, daß ihre Regierungen entschlossen sind, die herkömmliche Freundschast, die die beiden Völker einen, zu fördern und in einem Gei-1 den Verstand, an da- wahre nationale Interesse und Verantwortungsgefühl. Siegt die Freiheitsfront, so wäre das nicht nur ein gewaltiger Sieg iiber Hitler, es wäre auch der Beweis für die Kraft, die unvergleichliches Heldentum zu entwik- kcln vermag. Siegt Hitler, so wird es der Sieg der brutalen materiellen Ueberlegenheit sein, aber an den Sftmmen der Freiheitsfront werden wir den Grad der Widerstandsfähigkeit messen, die das deutsche Volk dem fascistischen Wahn gegenüber entwickelt. Unsere Herzen schlagen für die freie Saar. Unsere Gedanken sind bei den Brüdern im Westen, die heute fechten zugleich als die Nachhut von 1933 und als die Vorhut kommender Schlachten. Versailler Vertrage Vorteile ziehen, bie Anregung unterbreiten, daß sie einer gemeinsamen Erklärung an de« Bölkerbundsrat über die Militärklausel im Teil V des Versailler Vertrage- zustimmen. In der Erklärung würde konstatiert werden, daß»ach der Ansicht der erwähnten Mächte nach 15 Jahren des Frieden- brr Angenblick z« der Erklär»»«» gekomnr«» sei, daß die durch den Versailler Vertrag mrfcrlegte Einschränkung nicht mehr gegen irgend'men Signatarstaat wirkung-kräftig sein werde, vorausgesetzt oster, ding-, daß ein allgemein'? System der Rüstungsbegrenzung angenommen und r»f all Ltnateu ohne unterschiedliche Behandln»»« mrgowendet wird. ES würde da» natürliche»nd erwartet? Er- gebnis eine» neuen Schritts» in dieser Richtung sein, daß die von der Bertrag-einschränkung befreite Macht einen vollen Anteil an de« Kollektivsystem Europas nehmen würde. Durch diese Methode würde kein souveränes Recht verletzt »nd jede Ratton würde auf der Grundlage der Gleichheit an den Verhandlungen über ei« Rüstungsabkommm in einem Regime der Sicher- heit teilnehmen." sie gegenseitigen Vertrauen- an der Auftechterhal- tung des Friedens zusammenzuarbeiten. Im Hinblick auf diese Zusammenarbeit werden sie untereinander alle Konsultattone« abhalten, die die Umstände erfordern werden." Bayrische Garnisonen um 50.000 Mann verstärkt 7 Wien. DaS in der Regel gttt informierte „Linzer Bolksblatt" veröffentlicht eine Nachricht, wonach die bayrischen Garnisonen um 50.000 Mann verstärkt worden sind. Srüder 0«: lebenslänglich und zehn Jahre Wien. Das Wiener Militärgericht fällte Samstag nachmittags das Urteil gegen die beiden Brüder Ott. Beide wurden des Hochverrates im Sinne der Anklage schuldig erkannt. Jng. Walter Ott wurde zu lebenslänglichem, Dr. Rudolf Ott zu zehn Jahren schweren Kerker verurteilt. Ebenso wie der„große" Völkerbund auf polittschem und diplomatischem Gebiet um die Erhaltung des Weltftiedens bestrebt ist, so gibt es noch einen„kleinen" Völkerbund— das ist die Jnternattonale Arbeitsorganisation. Der Titel „kleiner" Völkerbund trifft nicht ganz zu, denn die Jnternattonale Arbeitsorganisation zähtt heute 62 Staaten zu ihren Mitgliedern, wohingegen im „großen" Völkerbund nur über 50 Staaten vertreten sind. Es gibt Staaten, die es als einen Prestige-Standpunkt angesehen haben, entweder aus dem Völkerbund auszutreten, oder ihm überhaupt nicht beizutreten; so hat Japan, nachdem eS aus dem Völkerbund ausgetreten ist, seinen Vertreter im Internationalen Arbeitsamt belassen, ebenso haben die Vereinigten Staaten einen Ver- treter im Jnternattonalen Arbeitsamt, obzwar sie nicht Mitglied des Völkerbundes sind. Außer Amerika, das im Laufe des vorigen Jahres beigetreten ist, hatte die Internationale Arbeitsorganisation eine weitere Stärkung zu verzeichnen durch den Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund und in die Jnternattonale Arbeitsorganisation. Betrachten wir nun die Tätigkeit der Jnternattonalen Arbeitsorganisation im verflossenen Jahr. Die Lösung des Problems der Arbeitsstundenkürzung wurde wohl von der ganzen arbeitenden Well verfolgt; es ist leider nur ein Teilerfolg erzielt worden, und diese Frage steht abermals auf der Tagesordnung der nächsten Arbeitskonfetenz. Dagegen wurden in der Sozialversicherung weitgehende Erfolge erzielt. So besteht von nun an eine internattonale Konvention, die die Arbeitslosenversicherung regelt. Die Grenzen der Bezeichnung„Berufskrankheiten" wurden weiter gezogen und die Entschädigungen werden nach demselben System zuerkannt, wie die aus der Unfallversicherung. Weiter wurde das Verbot der Nachtarbeit für Frauen endgülttg geregelt DaS internattonal« Arbeitsgesetzbuch beinhaltet heute 44 Konventionen zum Schutze der Arbeitenden. Wie weitgehend die Jnternattonale Arbeitsorganisatton ist, davon können wir uns überzeugen, wenn wir das Programm der nächsten Arbeitskonferenz betrachten. Neben dem schon früher genannten Problem der Vierzigstundenwoche, liegen folgende Punkte zur Verhandlung vor: Arbeitslosigkeit der Jugend, bezahlter Urlaub der Angestellten, die Arbeitsbedingungen einheimischer Arbeiter in den Kolonien. DaS Jnternattonale Arbeitsamt hat zu jedem dieser Punüe eine Dokumentationsnachricht vorbereitet und auch für andere Fragen, die später zur Verhandlung gelangen sollen, ist Material gesammelt worden(z. B. die Sicherheit der Bauarbeiter, Beschäftigung von Kindern in der Filmindustrie, Uttterbringung von Auswanderern, Kollektivverträge u. a.). Im vorigen Jahre veröffentlichte das Jnternattonale Arbeitsamt zahlreiche Dokumentationsstudien, so über die rationelle Politik der öffentlichen Arbeiten mit Hinsicht auf die Arbeitslosigkeit, über soziale Lasten, über Prinzipien der Jndustriehygiene, über soziale Statistiken u. a. Ein rege- Interesse wurde durch Studien über die in Amerika durchgeführten Reformen hervorgerüfen. Auch die Konkurrenz Japans auf dem Weltmärkte wurde in einer besonderen Studie behandelt. Bemerkenswert ist, daß die Welürise nicht bremsend auf die Aktivttät der Internationalen Arbeitsorganisatton wirkt. So wurden bis Ende 1934 636 Ratifikationen unterzeichnet. Um die ganze Tättgkeit der Jnternattonalen Arbeitsorganisation verfolgen zu können, müßte man eine oer zahlreichen Publikationen studieren, die das Internationale Arbeitsamt jährlich veröffentlicht. Aber auch dieser kurzen Uebersicht ist das aufrichtige Bestreben nach der Besserung der Arbeitenden der ganzen Welt klar ersichtlich. Genf.(HavaS.) Der ungarische Delegierte Eckhardt überreichte dem Generalsekretär des Völkerbundes A v e n o I das Memorandum der ungarischen Regierung, welches die Ergebnisse der amtlichen Untersuchung Ungarns betteffS der Verantwortlichkeit für das Marseiller Attentat enthält. Es wird demnach noch in dieser außerordentlichen Tagung des Bölkerbundsrates über das Marseiller Attentat verhandelt werden, in dem Bemühen, die Angelegenhett endgültig zu liquidieren. Genf. Das Sekretattat des Völkerbundes hat Samstag abends ein kurzes Kommuniquee veröffentlicht, in welchem mitgeteilt wird, daß die ungarische Delegation dem Generalsekretär des Völkerbundes den Bettcht betteffend die Beschwerde der jugoslawischen Regierung übergeben habe. Der Bettcht der ungarischen Regierung wird einschließlich der Beilagen den Mitgliedern des Völkerbundrates zugestellt Werdern Brüssel. Der belgische Ministerpräsident Theu- nis gab bekannt, daß der Minister für öffentliche Arbeiten und Landwittschast Cauwelaert die Demission gegeben habe, um sich gegen die in der letzten Zeit gegen ihn gettchteten Angriffe vetteidigen zu können. Berlin. Mit Ausnahme der„Times" sind Samstag wieder alle englischen Zeitungen beschlagnahmt worden, ferner auch die großen französische« Zeitungen wie„Temps",„Figaro",..Echo de Patts" .Information"..Le Journal" und auch die schweizerische Zeitung„Basier Nachrichten". Man vermutet, daß die Beschlagnahme dieser Blätter wegen ihrer Nachrichten aus dem Saargebiet erfolgte. Oslo. Der König eröffnete am Samstag in feierliches Meise die Tagung"des Storting. Gleichzeitig wurde der Staatsvoranschlag für 1935/36 veröffentlicht, welcher die Ausgaben und Einnahme« mit der gleichen Sunune von 409 Millionen norw, Kronen(gegen 895 im vergangenen Jahre) feftsetzt. Die außerordentlichen Notverfügungen werden im Budget mit 42.2 Millionen festgesetzt.(Eine norw. Krone ist gleich 5.90 Ki.).Die Regierung schlägt behufs Erleichterung der finanziellen Lasten der Gemeinden und autonomen Korporationen vor. den größeren Teil der Ausgaben für die Erhaltung der Straßen zu übernehmen. Es wurden keine neuen Steuern vorgeschlagen, mit Ausnahme einer neuen Steuer für Motorfahrzeuge, welche jährlich 8 Millionen eintva- gen soll. Die Regierung erklärt, daß die Witt- schaftslage Norwegens günstiger ist als im Vorjahre. England und die Gleichberechtigung Revision von Versailles? 39 Roman von Olga Scheinpflugovä Copyright by Preeeedlemt B. Prager-Verla». Wien Es wurde immer Heller. Germaine konnte sich beim besten Willen das Gesicht ihrer Mutter nicht vorstellen. Die war Kassierin in einem Restaurant und brachte das Essen von dort heim. An ihrer Wohnung in der Vorstadt fuhren öfter Totenwagen vorbei. Einen Vater hatte es in ihrem Leben nie gegeben. Ein entsetzliches Mitleid mit der unbekannten Frau Madelaine packte Germaine. Sie hatte schon alles hinter sich— aber auf jene Frau warteten noch schreckliche Stunden. Aber— Lutten wird nie mehr nach Hause zurückkehren; sie fühlte sich mtt ihm versöhnt. Babiola wird auf sie warten— auf die Rollenabschrift Watten. „Das Leben ist eine Krise, die man überstehen muß", hatte Babiola einmal zu ihr gesagt. Was wußte die von Liebe. Lutten wird nie mehr sprechen, nie mehr seine statten Hände bewegen.' Wenn er nur lebte I Wie ein Hund, scheu und treu wollte sie seinen Fußspuren folgen! Und dabei war sie selbst eigentlich schon lange tot; sie konnte nur noch ein wenig denken. Aber sonst war sie ruhig, ganz ruhig— wie tot. Paris wachte auf. Das Hoteltor wurde geöffnet. Die Straßen, in denen der Morgen jede Spur der Dämmerung verwischte, bereiteten sich auf den Bettteb des neuen Tages vor. Hinter den geschloffenen Fenstern der Häuser schliefen Menschen. die guten Willens waren. Ein Zeitungsausträger ellte vorbei; dann kam ein Knabe, der einen Handwagen mit Brot schob. Milchwagen fuhren nach verschiedenen Richtungen. Zwei, drei Hunde hatte man auf die Straße geschickt. Germaine blickte zum Himmel empor; es schien ihr, als habe sie niemals gebetet. Ein bläuliches Licht durchflutete das Zimmer. Der erste Autobus, mtt Arbeitern besetzt, poltette vorbei. Ohne Grauen setzte sie sich zu dem Toten aufs Bett. Sie wollte ihm ein paar Worte sagen. Sie bat seine kalte Hand mit einem Druck um Verzeihung. Sie betrachtete die Ruhe seines Todes wie ihre nächste Zukunft. Dann durchsuchte sie die Taschen seines verlaffenen Rockes und nahm mit einer scheuen Bewegung sein Nottzbuch. Sie wollte fchreiben, wie es war— aber wozu. Für die Men« schen blieb es ein Skandal. Lieber nicht. Zwei kleine Büschel wttcher Kinderhaare lagen im Fache des Buches und erschüttetten Germaines Ruhe ein wenig. Ein wilder Schmerz zerschnitt ihr Herz und sie fühlte, daß sie noch lebe. Sie wagte nicht, eine einzige Zeil« in diesem Buch zu lesen; sie ließ die Blätter durch die Finger gleiten. Einige-Sätze sprangen ihr in die Augen: ein Pelz für Madelaine 5000 Franken— ein Sweater für Fillou 300 Franken. Sie kam sich wie ein Eindttngling vor. Ein Geldtäschchen war da, Schlüssel— eine Gilettklinge. Das Schicksal war ein umsichtiger Requistteur. DaS Zimmer war jetzt voll Licht. Die Sonne schien auf die schmutzige Zweifrankenvase mit dem Cngelsköpfchen. Sie setzte sich auf das Sopha, gekrümmt von grenzenlosem Grauen. Einen Augenblick lang sehnte sie sich darnach, das Gräßliche nicht tun zu muffen, ohne Lutten leben zu können, ihren armseligen Posten im Hintergründe der Bühne ausfüllen zu dütten. Dann schämte sie sich ob dieser Sehnsucht nach dem Leben. Ihre Rechte schloß sich zur Faust— dann die Linke; eine Hand diente der anderen. Das Blut sprang auf den Parktttboden, auf ihre Füße. Sie legte sich auf das Sopha und fühlte mit jeder Faser bei vollem Bewußtsein ihr Leben entströmen. Die Krttse auf den Tapeten wurden größer, röter und verloren sich dann irgendwo in schwarzer Finsternis. Jetzt— jetzt wollte sie schreien. Mtt schwachen Händen erstickte sie die tote Sttmme ihres Mundes. Und dann fühlte sie noch, wie etwas heißes über ihr Gesicht rann... Da» dreizehnte Kapitel Der Fall Lutten— Germaine erregte nicht mehr Auffehen, als andere Hotelselbstmorde. Lutten war ein bekannter Ingenieur. Germaine mußte agnosziert werden. Babiola erlangte erst bei ihrer Rückkehr hievon Kenntnis. Felitten erzählte. Sie blieb mit offenem Munde stehen. Und dann fuhren sie zur städtischen Leichenkammer, wo Germaine aufge- bahtt war. Hier roch es beißend nach Näffe und nach Zwecklosigkttt alles Lebens. Babiola schloß fröstelnd ihren Mantel. Zwei Ehottstinnen vom»Lheater des Atts" waren hier. Sie hatten Germaine nur flüchtig gekannt. Sie machten Babiola ehrerbiettg Platz. Sie verharrte nur einen Augenblick mit großen Augen vor dem hölzernen Schrein, in dem das große Herz und das wuchttge Schicksal der kleinen Germaine Platz gefunden hatten. Dann ging sie, Felitten zur Seite, schweigend nach Hause. Für Babiola war der Fall Germaine eine neu« Erkenntnis; sie ging ihr lagelang nicht aus dem Kopf. Nach einer Woche aber war Germaine vergessen. Es gab neue Ziele, neue Erfolge. Die Arbeit wuchs. Babiola spielte und spielte. Sie wurde die Sklavin ihres Erfolges. Sie vergaß sogar Jacques, der immer seltener kam und immer blasser wurde. Sie schtteb gerade die letzten Zttlen eines neuen Romanes nieder,— da schoß es Babiola durch den Kopf, daß sie eigentlich erst zweiundzwanzig Jahre alt sei und daß sie in diesem Jahre eine halbe Million Franken verdient habe. Sie ttef Felicien telephonisch an; die Bittetteit des Ettn- nerns lag in ihrer Sttmme:„Was würde jetzt das Gut Giraud zu meiner Qualifikation sagen; glaubst du, daß deine Mutter„herein" sage» würde, wenn ich jetzt anklopfte?" Felitten hatte sich aufgerafst. Eine seiner Ar- beiten, eine Bronzefigur, die einen Bettler wie- dergab, erhielt ttnen Preis. Er war nur mehr Babiolas Kamerad. Sie versprach ihm, im Sommer mit ihm nach Bidar zu fahren. Bidar— das war ihr Heimatort am Meere. Sie bekam die Augen und die Sttmme eines Kindes, wenn sie von Bidar sprach. Auch dott, wo jeder Abend mit Blumen und mit Gold endet, vergeht die Zett. Und eines Tages fuhren sie. Erster Klaffe. Felitten hatte sich auf Wunsch Babiolas einige Anzüge anfettigen lassen. Babiola hatte ein angefangenes Manuskript in ihrem Koffer und in ihren Augen flimmerten Ettnnerungen. Im Zuge kannte sie jeder, der französisch wie ein Pariser sprach und in der Nähe ihres Abteils standen— anscheinend ohne ersichtlichen Grund— andauernd neugierige Herren und Damen. Felitten fuhr nicht gern. Es kostete ihm viel Mühe, Frau Giraud begreiflich zu machen, daß es auch andere Otte gebe als ihr Dorf mit den alternden Hunden. Aber Babiola wünschte diesmal sehr energisch, er möge sie begleiten. Und da er bei ihrem wachsenden Ruhm fürchtete, sie ganz zu verlieren, folgte er ihr. Im Zuge waren viele Frauen mit viel Gepäck. Sie hatten für die Dauer von vier. Wochen „Fetten". Sie waren dick und verschwitzt; Babiola hatte ihnen vielleicht ttnmal Limonade verkauft. Ihre Gatten saßen oder läge» gähnend neben ihnen nach Att aller Verheirattter oder Gelangweilter. Felitten hatte etwas ttgenes an sich. Maa hätte ihn nie und nimmer für ttnen Gemahl gehalten. Ganz Paris wußte, daß er zu Babiola gehöre, ohne sich darüber klar zu sein, warum dass war. Die Erfahrenen machten es sich sehr einfach:«S war ttne Jugendsache, aus der man schwer herausk-unmt.(Fortsetzung folgt.) Rr. 11 Sonntag, 13. Winner 1935 Seite 3 fudctendcutscfier Zeifcpie^ef Deutscher Sender notwendig Ein bemerkenswerter Artikel des Genossen Netas Im heutigen„Närodni Osvodozeni" macht der tschechische Genoffe Abg. ReLaS daraus aufmerksam, daß die Errichtung eines deutschen Senders in der Tschechoslowakei notwendig ist. Die demokratischen Staaten, schreibt er, müssen von den Diktaturen lernen, wie man die Propagandamöglichkeiten ausnützen könne. Richt mehr so sehr von einer Krise der Demokratie sei zu sprechen, sondern eher von dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und der Krise der fasristischen Länder. Der Rundfunk sei bei«nS besonders wichtig, weil dreieinhalb Millionen deutscher Mitbürger ständig der Beeinflussung durch den deutschen Rundfunk ausgesetzt find. Die durchschnittliche TnaeSlänge der deutschen Sendungen an beide« Prager Sendern betragen nur 104 Minuten. In dieser knappe« Zeit müssen der Wetterbericht, die Rachrichten, daSI UnterhaltungS. und BelrhrungSprogramm, die Börsenberichte, der LandwirtschastS-, Arbeiter- und Schulfunk dnrchgegeben werden. Es sei offensicht» lich, daß hiezu die Sendezeit zu kurz ist. So sei eS nur natürlich, daß die deutschen Mitbürger die reichsdeulschen Sender hören. Man versündige sich an dem Gedanken der StaatStreue, der Demokratie und der republikanischen Gesinnung, wenn man die deutschen Mitbürger der hakenkrrnzleri- schen Agitation im Rundfunk preisgebe. Es müsse auch überlegt werden, daß ein deutscher Sender (ein größerer oder einige kleinere) wirtschaftlich stark aktiv fei« würde. Kein Mittel der modernen Propaganda sei geeignet, dem demokrattschen Gedanken in Mitteleuropa einen solchen Dienst zu erweisen wie die Errichtung einer deutschen Sende- station in der Tschechoftowakischen Republik. Ausbau der Arbeitsvermittlung notwendig Man schreibt uns aus Friedland i. B.: Schier unaufhaltsam geht die Kurve der Beschäftigungsmöglichkeit nach abwärts. So wurden in den letzten Tagen gegen 70 Personen bei der Firma Anton Richters Söhne, Kammgarnspinnerei A.-G. in M i l d e n a u, ganz entlassen. Der verbleibende Arbeiterstand dieser Firma kann nur dadurch beschäfttgt werden, daß ein Teil immer aus der Arbeit aussetzt. Weitere Entlassungen erfolgten bei der Firma Fg. Eisen- schiml, Textilveredlungsbetriebe in Friedland, Kraus u. Hofmann, Feintuchfabrik in Friedland, Carl Dienert, Scheuertuchfabrik in Raspenau, Fritsch u. Co., Weberei A.-G. in Ha in d o rf, sowie bei Ludwig Neumann, Gürtlerei in Neustadt a. T. Beachtenswert find weiter die vorgenommenen Beamtenent- laffungen bei der Firma„Lanex", früher Jg. Klinger, Wollwarenfabriken in N e u st a d t a. T., und zwar deshalb, weil es sich bei den Entlassenen durchwegs um solche Personen handelt, die durch viele Jahre dem Betrieb« treu gedient und nun, da sie noch nicht pensionSreif sind, zum Bezüge der Arbeitslosenunterstützung verurteilt wurden. Eine Begründung der Entlassungen kann wohl nicht gut angegeben werden, zumal für diese zu meist fremde Kräfte, angeblich auch aus der Wiener Filiale, eingestellt wurden. Bei Neueinstellungen sowie bei notwendigen Entlassungen im allgemeinen zeigt sich immer wieder der Uebelstand, daß man bei diesen Gelegenheiten nicht nur keine Rücksicht auf die sozialen Verhältnisse eines jeden einzelnen Betroffenen nimmt, sondern dass bei solchen Massnahmen in den meisten Fällen der sozial schlechter Gestellte benachteiligt werde. Wie notwendig die Reorganisation der ganzen öffentlichen Arbeitsvermittlung ist, mit welcher unter anderem auch die Pflichtanmeldung aller freien Arbeits- und Dienststellen eingeführt werden mühte, soll nachfolgendes Beispiel zeigen: Für den Monat November 1834 haben wir 6201 und für den Monat Dezember 1934 6350 Arbeitslose ausgewiesen. Im Dezember 1934 wurden bei allen Gemeindeämtern des Bezirkes Erhebungen gepflogen, die ergaben, dass wir im Dezember 1934 eigentlich 8220 Arbeitslose hatten. Wenn man über den wahren Stand der Arbeitslosen und so- mft über die Wirtschaft ein zuverlässiges Bild haben will, dann muss die öffentliche Arbeitsver- mfttlung reorganisiert werden. Vie politische Woche Die Ferialruhe, die nach den Plänen der Regierung bis Ende der kommenden Woche in Aussicht genommen war, hat durch den Anschlag der Grubenherren auf die Kladnoer Arbeiter eine plötzliche und sehr unerquickliche Unterbrechung erfahren. Die Herausforderung der Grubenherren war umso schlimmer, als sie unter Hintansetzung strikt gegebener Zusicherungen auf vorläufige Waffenruhe erfolgte und daher in allen Kreisen der Bevölkerung mit grosser Erbitterung ausgenommen wurde. Die Bergarbeiterorganisationen, die mit dem Arbeitenministerium in ununterbrochenem Kontatt stehen, aber auch die Regierung sind daran, die Maßnahmen vorzubereiten, die sich aus dem ganz unerhörten Borgehen der Grubenherren ergeben. Die Situation kann als e r n st bezeichnet werden, wenn die Bergherren, die inzwischen die vorbereitenden Anstalten zu den ersten Entlassungen getroffen haben, nicht im letzten Moment Vernunft annehmen! Im übrigen hält der durch die Feiertage verursachte kurze Stillstand im öffentlichen Leben noch inimer an. Er wurde von den Regierungs- Nellen dazu benützt, um die vielen Beschlüsse, die im Laufe des Monats Dezember gefasst wurden, zu verarbeiten und zu verdauen, vor allem aber um die grossen Arbeiten vorzubereiten. die sofort nach Aufnahme der Re- gierungs» und Parlamentsarbciten in Angriff genommen werden sollen. Wir haben auf diese Arbeiten, die vor allem auf wirtschaftlichem und so« zralem Gebiete liegen, wiederholt hingewiesen und wollen beute deshalb nur die brennendsten Fragen, die Arbeitsbeschaffung, Arbeitszeitverkürzung und Sanierung der Selbstverwaltungskörper erwähnen. Daneben läuft eine Menge anderer wich- tiger, vielfach umstrittener, aber auch stürmisch geltend gemachter Forderungen einher, deren Verhandlung und Entscheidung kaum wird auf die Dauer zurückgestellt werden können. Es wird also schon in der kommenden Woche, in der die politi- schen Arbeiten wieder ausgenommen werden, arbeitsreiche und bewegte Tage geben, die auch die sozialistischen Parteien wieder auf ihrem Platz finden werden. Die dringlichste Aufgabe, vor welche die Regierung augenblicklich gestellt ist, ist die Arbeitsbeschaffung. Selbswerständlich darf sie sich absolut nicht auf den Bereich der öffentlichen Arbeiten beschränken und lediglich als eine Sorge des Staates erklärt werden: Im Gegenteil, hier fällt die primäre Aufgabe der Industrie zu, welche die guten Jahre reichlich frukttfiziert und deren Früchte ausgiebig eingeheimst hat und die nun endlich einmal wieder mit Hand anlegen muß, um den durch die Krise ermatteten Produktionsprozess wieder flott zu machen. Aber gerade im privaten Wirtschaftsbereich hat es bisher an der nötigen Jnittative vollständig gefehlt, so daß man ruhig sagen kann, dass die Herren Wirt- schastsführer aufderganzen Li niedersagt haben. Im Bereich der öffentlichen Arbeiten kommt es vor allem auf die Aufbringung der erforderlichen Mittel über den Rahmen des Budgets hinaus an. Was hier zu sagen ist, wurde mit ganz besonderer Eindringlichkeit in den Budgetexposees der sozialistischen Minister dargelegt. Doch haben afle Bemühungen zur Bereitstellung der notwendigen finanziellen Kredite bisher noch keine greifbaren Resultate gezeittgt. Diese Bemühungen sind aber durchaus noch nicht abgeschlossen. Unermüdlich sind die sozialistischen Parteien daran, dafür zu sorgen, dass es im Wege von Verhandlungen mit den entscheidenden finan- zieflen und wirffchaftlichen Stellen doch zu einem baldigen und greifbaren Ergebnis kommt. Inzwischen hat das Ministerium für öffentliche Arbeiten alle Vorsorgen ffw den Fafl der Flüssigmachung finanzieller "Kredite gettoffen und hat für sämtliche Zweige seiner Verwaltung, und zwar überdaSnor- maleBudgethinauS, ganz konkrete, durch fertiggestellte Projekte fundierte Anträge vorbereitet, die eS ermöglichen, sofort nach Eintreten günstiger Witterungsverhältnisse reichliche Arbeitsmöglichkeiten flott zu mache n, wenn ihm die notwendigen Mittel an die Hand gegeben werden. Auch das Fürsorgemin i st e r i u m trifft parallel die notwendigen Vorsorgen auf dem Gebiet der produkttven Arbeitslosenfürsorge, wobei es gleichzeitig bemüht ist, bis zur Inangriffnahme der großzügigen Arbeiten für die von der Krise in Mitleidenschaft gezogenen Arbeiter gewisse ergänzende Hilfsmassnahmen durchzuführen. Wie sich auS dem Vorstehenden ergibt, gab eS für die sozialistischen Parteien keinerlei Ferien. Sie hatten aUe Hände voll zu tun» um die notwendigen Vorsorgen für die geplanten.Regierungsarbeiten zu treffen. Konkubinat als Entlassunssgrund Wien. DaS Amtsblatt der Stadt Wien veröffentlicht eine neue Dienstordnung der Wiener Angestellten, durch die verschiedene Neuerungen eingeführt werden. So lässt die neue Dienstord- nung die Entlassung eines Gemeindeangestellten ohne Angabe des Grundes zu. Konkubinat stellt gleichfalls einen Ent- lassungögrund dar, desgleichen auch der Berauch, eine ander« Staatsbürgerschaft zu erhalten. Die bei der Stadtgemeinde Wien angestellten Frauen werden im Falle ihrer Verheiratung gegen Abfindung entlasse». Freiheit und Vaterland Das Jägerndorfer.Volk", ein Tagblatt der Dhristlichsozialen deutschen Vollspartei, beschäftigt sich wiederum mit unserer Stellungnahme zur Saarabstimmung. Freilich sei für die Sozialdemokraten an der Saar ein schmerzlicher Verlust zu erwarten, denn nach einer Rückgliederung hätten die sozial« demokrattschen und kommunistischen Organisattonen ihr« sichere Auflösung zu erwarten; aber man könne von der Sozialdemickratte nicht erwarten, dass sie über ihren engen Partei- und Klassenhorizont hinaussehe.— Die Christlichsozialen, durch die Hal- wng Jmbuschs und seiner Freunde keineswegs beirrt, werfen also den saarländischen Sozialdemokraten vor, dass sie nicht Lust zum Selbstmord haben. Wie könnte man von den Fascistenfreunden denn gar erwarten, dass ste das nationale Motiv auch nur sehen wollen, von dem die Haltung der saarländischen So« zialdemokratte bestimmt ist.— ES bleibt den Katholiken unbenommen,.Kreuz und Heimsuchung" auf Der alte Schmidt Man kennt die Geschichte vom sadistischen Professor zur Genüge. Manchmal wird sie übertrieben, oft beruht sie aber auf Wahrhett. Besonders Menschen, die später im Leben eine angesehene Stellung bekleiden, lieben es, ihr Martyrium in der Schule in den grauesten Farben zu malen, damit die unausgesprochene— Pointe:«Na und trotzdem haben Sie soviel erreicht!", umso wirkungsvoller ausfällt. Der«alte Schmidt" gehörte zu der Gruppe der„Originale", wiewohl wir nie so richttg lachen konnten über seine Eigenheiten. Dazu hatten wir viel zu großen Respekt vor ihm, seinem Wissen und seiner Persönlichkeit. Er war Mathematikprofeffor, Verfasser eines berühmten Lehrbuches und es ging ihm ein gefürchteter Ruf voraus. Schauergeschichten über seine Strenge und seine Prüfungsmethoden waren im Umlauf und wir saßen mit heimlichem Herzklopfen und mäuschenstill in den Bänken der 4. Realschulklasse, als er zum ersten Mal hereintrat. Vom Sehen kannten wir ihn alle. Ein feiner Professorenkopf mit Augengläsern und graumelierten Haaren. Er trug jahraus, jahrein einen dunkelgrauen Anzug und wenn er zu besonderen Anlässen— Schulfeiern, Akademien u. ä.— im schwarzen Gehrock erschien, so sah der alte Schmidt sehr komisch darin aus. Er fühlte jedoch die Lächerlichkett seines Aufzuges und empfand sie auch eines Mathematikers unwürdig. Darum zog er kurz entschlossen in der nachfolgenden Lehrstunde den feierlichen Schwalbenschwanz aus und seinen gewohnten, geliebten, abgeschabten und fleckglänzenden grauen Rock an, den er sich wohl in der Aktentasche von zu Hause mitgebracht haben mußte. sich zu nehmen, um durch die»Rückkehr ins Vaterland" dem„ganzen Volk zu dienen",und sich dabei auf die Hoffnung zu stützen, dass sich das fascisttsche System ja auch einmal ändern werde. Es ist nicht an den voraussichtlichen Opfern des fascifttschen Regierungssystems, um der staatlichen Einheit willen ihre vollliche Freiheit zu opfern. Die Pflicht der Machthaber ist es, Methoden des Negierens anzuwenden, die nicht die Vernichtung der Freiheit des Einzelnen und ganzer politischer Gruppierungen— ja, noch mehr: di« Vernichtung der Kulwr und der moralischen Ansehens des ganzen Volles in sich schliessen. Und wenn die Subjekte der fascisttschen Politik nicht den Willen haben, sich zu wandeln— das können sie bei Strafe ihres Unterganges nicht so ergibt sich daraus für freie Deutsch« nicht die Pflicht, zu deren Objekten zu werden, sondern da» für zu sorgen, dass ihre freie Stimme auch für die geknechteten Brüder d«S eigenen Volkes weiter erschalle und durch ihre männlich-ablehnende Haltung gegen daS System der Barbarei dessen Sturz her beiführen zu helfen.— Wir wählen nicht den jesui- ttschen Ausweg, zu sagen, dass die Freiheitskämvfer an der Saar in ihren Entscheidungen auf sich selbst gestellt sind, und sie vor sich selbst verantworten müs. sen: sie sind vor dem deutschen Voll für sie verantwortlich. Dessen Bedürfnisse entscheiden allein, nichi aber die Bedürfnisse des fasristischen Reg-erungS- systemS, mit denen sich abzufinden der poutische Katholizismus im allgemeinen ja eine erstaunliche Fertigkeit aufbringt..Gegen Hitler— für Deutschland" lautet die Parole. An der Saar aber genüg: eS nicht, den Mund zu spitzen, dort muh gepfiffen werden. In dem Kampfe, den die saarländischen Sozialdemokraten um ein fteieS Deutschland führen, bekennen wir uns vorbehaltlos zu ihnen. Nicht nur als Sozialisten, sondern auch und vor allem alh Deuttche.' Sittlichkeitsskandal in Warnsdorf In Warnsdorf wurde ein großer Sittlichkeitsskandal aufgedeckt. Ein Arbeiter wird beschuldigt, fett 1931 zu seiner jetzt sechzehnjährigen Tochter unerlaubte Beziehungen unterhalten zu haben; der zwanzigjährige Bruder des Mädchens wird des gleichen Verbrechens bezichttgt. Der Vater wurde verhaftet, gegen den Sohn wurde die Anzeige erstattet. Man vcrdäch- ttgt den Vater, auch seine vierundzwanzigjährigc Stieftochter mißbraucht zu haben. Die Sechzehnjährige hatte einen Geliebten, der ihr die Beziehungen w Vater und Bruder vorhielt, die öffentliches Geheimnis waren. Tas entrüstete Mädchen drohte, den Burschen wegen Verleumdung bei der Gendarmerie anzuzeigen. Dieser bekam es mit der Angst zu tun, lief zur Gendarmerie und ersuchte dort, man möge die durch ihn erfolgte Beleidigung deS Mädchens im Guten beilegen lassen. Die Gendarmerie ging der Sache nach und deckte den Skandal auf. Das Mädchen hat die Beziehungen zu seinem Vater bereits gestanden, bestreitet jedoch, mit dem Bruder ein Verhältnis gehabt zu haben. Ole Reichenberger Straßenreinigung verpachtet! Der.Freigeist" berichtet: Der unerhörte Schlag gegen die städtischen Straßenarbeiter ist vollbracht. Die Straßenrei- nigung der Stadt Reichenberg wird nun pachtweise an einen Privatunternehmer übergehen, der um 300.000 KL billiger arbeitet und trotzdem noch einen Gewinn erzielen will. Diesen Streich bezahlen über 70 deutsche Arbeiter mit ihrer Existenz, das bezahlen die Arbeiter durch erschwerte Arbettsbedingungen, das bezahlt die Oeffentlich- keit mit ihrer Gesundheit. So wollte eS die„kerndeutsche" Mehrheit der Reichenberger Stadtver- tretung. Verantwortlich für den Entgang der 300.000 KL wollte der Bürgermeister jene machen, die mit Nein zu sttmmen wagten. Trotz dieser an Nötigung grenzenden Haltung stellten sich 17 Vertreter gegen die Entkommunalisierung der städtischen Betriebe, sie werden dafür sicherlich die Verantwortung vor der Wählerschaft ertragen. Bravo, Altstadt! Die Lokalorganisation der Partei in Altstadt b. Tetschen hat in der letzten Zeit eine Werbeaktion durchgeführt und dabei 16 Mitglieder geworben. Tretet mit den Altstädtern in den Wettbewerb! Den neuen Kämpfern gilt unser FreihcitSgrußl Genau so, wie er das erste Mal die Klasse betreten hatte, so tat er dies nun vier Jahre hindurch, da er unser Lehrer blieb: den Mantel um die Schultern gelegt, den schwarzen Hut schief und weltentrückt auf dem Kopf, die Hände in den Hosentaschen, den Blick wie abwesend immer vor sich und geradeaus gerichtet. „Seeetzenl", sagte er dann mit einer gedehnten Sttmme, deren schläfriger Ton sich stets gleich blieb. Eine kurze Eintragung in das Klassenbuch und der Unterricht begann. Er begann damit, daß der alte Schmidt sich von seinem Stuhl erhob und nun langsam, aber unentwegt durch die Klaffe schritt. Ungefähr eine halbe Stunde. Wir waren derart verblüfft, daß wir uns nur anstteßen, verstohlen in uns hineinkicherten und gespannt den wetteren Verlauf der Dinge abwarteten. Es geschah aber nichts. Nach dieser halben Stunde begann Schmidt mit seinem Vortrag, in demselben Ton, wie er„Seectzen" zu sagen pflegte. Er zer- dehnte jedes Wort. Hatte er das vorgeschriebene Pensum erledigt, schwieg er wieder, ohne seine Wanderung auch nur einen Augenblick zu unter« brechen. DaS also war der gefürchtete«alte Schmidt"?! Enttäuschung zeigte sich auf unseren Lausbubengesichtern und in den nächsten Stunden waren wir bereits merflich lauter und vertrieben uns die Zeit seines Spazierengehens mit allerlei Scherzen. Papierkugeln flogen hin und her, kleine Tüten, deren Spitze mit Speichel tüchtig angefeuchtet worden waren, stiegen als niedliche Aeroplane zur Zimmerdecke und blieben wie lustige Gebilde der Tropfsteinhöhlen über dem Gewirr der unterdrückten Stimmen und Bewegungen hängen. Der alte Schmidt schien von all dem nichts zu merken. Ein alter Bär, ging er ruhelos auf und ab, kaute an seine» Fingernägel» und sagte manchmal: «Ruuuhe..." Aber nicht etwa strafend oder gar erregt, sondern schläfrig, gedehnt, gutmütig und uninteressiert. Als der Lärm gar zu arg wurde, meinte er so von obenhin:«Da muh ich bald zu prüfen anfangen." Stieg auf das Podium, nahm ein abgegriffenes Lederbüchlein aus der Hinteren Hosentasche und begann zu prüfen. Immer der Reihe [ nach und getreu dem Alphabet. Und wenn nicht der Schuldiener das rettende Klingelzeichen gegeben hätte, so wären nur wenige dem„Blutbad" entronnen. Das ging alles so schnell und ruhig, daß einer mit„nicht genügend" schon wieder in der Bank saß, ehe er sich erhoben hatte. Wie glücklich war ich, daß mein Buchstabe erst weit rückwärts kam. Biele Stoßgebete sttegen zu den hängenden Tüten empor und Schwüre: Nur heute soll ich nicht drankommen l Nur dies eine Mal soll mich noch ein güttges Schicksal verschonen!, entrangen sich meinem angstgefolterten Herzen. Nach dieser Strafexpedition herrschte für lange Zeit Ruhe und der alte Schmidt konnte seine Wanderungen ungestört forffetzen. Wir hatten uns daran gewöhnt und wußten, daß er nicht zu der Kategorie jener hilflosen Opfer gehörte, deren Toben von der Klaffe nur mit einem Stnrmge- lächter quittiert wird und die die Zielscheibe unserer Spässe waren.(Wir hatten deren in den Flegeljahren eine erschreckliche Menge...!). Mit der Zeit, als er uns dieserart Respett eingeflötzt hatte, hielt er uns philosophische Vorträge, zitierte die griechischen Weisen, schwärmte von Aristoteles, Plato, Einstein und nannte die Mathematik die erste, einzigste und vornehmste aller Wiffenschaf« ten.(DaS leuchtete denen von uns, die sich gleich mir hart mit den Formeln und Gleichungen herumbalgen mußten, nicht so ganz ein. Umsomehr, da er durchblick«« liess, daß jeder große Geist ei» erWr I Sonntaff, 13. Jänner 1935 *r. TI guter Mathematiker gewesen sei. Und die Umkehrung des Satzes, wer ein schlechter Mathematiker ist, ist ein Trottel, war für uns Junge, die damals noch schöne, gewaltige und geniale Pläne hegten, nicht sehr berauschend.) Trotzdem waren seine Borträge eben wegen ihrer Paradoxia unerhört amüsant. Die Uninteressierten machten in der Zwischenzeit andere Aufgaben und so verloren die Stunden beim eilten Schmidt— da auch die späteren Prüfungen unerwartet milde ausfielen— alles von ihrem Schrecken. Wir wunderten uns nicht wenig darüber und konnten uns diese Tatsache gar nicht erklären, da sie in direktem Widerspruch zu den Ueberlieferungen der Schulchronik stand. Eines Tages, der alte Schmidt übersetzte uns eben die Relativitätstheorie ins Halbwegs Menschliche(er gebrauchte für den Vergleich einen aufgespannten Regenschirm und eine Großmutter), fragte ihn einer meiner Kameraden,, wie es denn komme, daß dem Herrn Professor ein solcher Ruf der Strenge, ja der Unbarmherzigkeit vorausginge, während er doch zu uns, abgesehen von jener kleinen selbstverschuldeten Strafexpcdition, immer unglaublich milde sei. Da unterbrach der Alte für einen Augenblick sein Gehen, sah meinen freund über die Brille an, zupfte an seinem Schnurrbart, das war das einzige Zeichen von Nervosität bei ihm, und nahm sein ruheloses Wandern wieder auf. Wir warteten der Dinge, die da kommen würden. Versetzte unS schon die Kühnheit unseres Kollegen in maßloses Staunen, so erregte uns die Ungewißheit, wie die Frage ausgenommen werden würde, vollends. Wäre es nicht mein Freund gewesen, der gefragt hatte, d. h., einer der wenigen mit «Sehr gut" in Mathematik, so wäre kein Zweifel geblieben, daß der unscheinbare Satz:«Da muuuß ich bald prüüüüüseu.. der interessanten Si tuation ein unrühmliches und für uns peinliches Ende beschieden hätte. So aber ging der alte Schmidt die Stufen des Physiksaales einmal hinauf und hinunter, bis er endlich vor einem Fenster stehen blieb' und begann: „Es gefällt mir Unger, daß Sic fragen!" Wir atmeten auf.„Stimmt, ich war früher viel strenger und die gefürchteten Prüfungen waren an der Tagesordnung. Na, davon werden Euch ja die Kollegen der oberen Jahrgänge erzählt haben. Meine Klaffe ist auch immer eine Musterklasse gewesen und wenn ich einen beim Abschrecken erwischte, so mußte er schon ganz verteufelte Anstrengungen machen, wollte er durchkommen... Aber vor einigen Jahren, es war auch hier im Physiksaal, da saß ein Schüler gerade dort, wo Sie jetzt ttssen, Reimoser— und der las in einem illustrierten Heft. Ich hatte ihn schon lange bemerkt, wiewohl ich mit dem Rücken zur Klaffe stand, und an der Tafel schrieb. Aber soviel versteht ihr ja doch schon von Physik, daß man in der BriUe das Spiegelbild sehr klar und deutlich sieht, schließt man ein wenig die Augen. Nun, der Schüler, von dem ich Euch erzähle, war so vertieft in sein Büchel, daß er es gar nicht merkte, als ich plötzlich hinter ihm stand. „Geben Sie mir das Buch!", sagte ich. Der Junge fuhr zusammen, wurde rot und weiß und machte verzweifelte Anstrengungen, das Heft verschwinden zu laffen... Es nützte ihm natürlich nichts, auch nichts, als er bat und weinte und mir angstvoll bis zum Konferenzzimmer nachlief. Ich hatte ras corpus delicti schon in der Hand. „Gehen Sie in ihre Klaffe!, befahl ich ihm. Das Weiter wird sich finden!" Der Alte schwieg und blickte zum Fenster hinaus. Man sah förmlich die Flut von Gedankenbilder«, die auf ihn ein stürmte. Genosse Max Braun Tagcsnculghcitcn Alleinflug einer Frau von Honolulu nach Kalifornien New Aork. Die«nerikanische Fliegerin BmeliaEarhartist Freitag um 22.15 Uhr New Uorker Zeit in Honolulu zum Flug nach K alifornien aufgestiegen. Die Länge der Strecke beträgt 3885 Kilometer. Die Fliegerin hat den Entschluß zum Alleinflug gefaßt, obwohl diese Streck« sehr gefährlich ist und, wie bekannt, kürzlich der Flieger Ulm auf dieser Strecke zugrunde gegangen ist. Im letzten Augenblick wurde von den Behörden sogar versucht, diesen Flug zu verhindern, da die Nachforschungen nach verschollenen Fliegern mit großen finanziellen Kosten verbunden sind. Die Fliegerin teilte in einer Funkdepesche mit, daß sie sich nach viereinhalbstündigem Fluge in der Höhe von 1000 Metern in dichtem Nebel befand. Große Ueberschwemmungen in Kanada Ottawa. Infolge plötzlichen Tauwetters und starker Regenfälle sind in mehreren Teilen Kanadas große Ueberschwemmungen eingetreten. Durch die Straßen von Truro in Neu-Schottland ergießen sich tosende Wasserfluten, die große Eisblöcke mit sich führen. Die Flüsse sind teilweise um acht Meter über den Normalstand gestiegen. Mehrere Brücken wurden zerstört. Viele Gebiete von Sherbrooks im Bezirke Quebec sind von der Umwelt abgeschnitten. Weite Ackergebiete stehen unter Wasser. Da in einigen Orten die Verbindungen vollkommen unterbrochen sind, liegen noch keine NachIle erfte KreMeWW „Haus des Trostes Heute wird in Brünn in feierlicher Weise! das erste Kr eb s-Bekämpfungsin- stitut in der Republik eröffnet. Der Verein ,^>aus des Trostes" in Brünn übergibt damit der OeffenUichkeit eine Anstalt, in der nicht nur Krebsleidende Heilung finden sollen, sondern in der die Fachärzte auch Arbeitsstätten finden, in denen all das vorhanden ist, was sie für ihren schweren Kampf gegen den Krebs, diese Geißel der Menschheit, benötigen. Schon im Jahre 1022 plante der inzwischen verstorbene Primarius der Brünner Landeskrankenanstalt Prof. Dr. Barkes die Errichtung einer solchen Anstalt und rief den Verein.„Haus des Trostes" ins Leben, dem er auch durch ein entsprechendes Vermächtnis die Möglichkeit fchuf, an die Vertvirklichung des Planes zu schreiten. Die Propagandatätigkeit des Vereines, dem die namhaftesten Wiffenschaftler und Aerzte Mährens ohne Unterschied der Nationalität angehören, trug ! bald Früchte, so daß im Jahre 1933 der Bau in Angriff genommen wurde. Die Bedeckung des Bauaufwandes erfolgte durch Spenden, durch eine langfristtge Anleihe bei der Zenttal-Sozialversi- cherungsanstalt, für deren Amortisierung die Regierung einen jährlic^n Beitrag von' 600.000 XL zusagte, und durch em Geschenk des Präsidenten der Republik in der Höhe von 2)H Millionen XL. Die Anstalt, die zu Ende des vergangenen Jahres fertiggebaut war, befindet sich auf dem Gelben Berg in Brünn in unmittelbarer Nachbarschaft der chirurgischen Klinik der Lan- richten über das Ausmaß der Ucberschwemmun- gen vor. Großfeuer bei Brünn Brünn. Kurz vor Freitag 24 Uhr brach in der Strickerei des Leopold Eismann in Hussowitz ein Brand aus. Durch denselben wurden Strik- kereimaschinen und fertige sowie in ArbeU befindliche Waren im Werte von vielen tausend XL vernichtet. Außerdem erlitt der Modelleur, der eine Werkstätte oberhalb der Wohnung Eismanns hatte, einen Schaden von 30.000 bis 40.000 XL. Der Brand wurde von den Feuerwehren bald gelöscht. Die Ursache des Brandes wird untersucht: Neue Höhlenfunde im Mährischen Karst Brünn. Deist Abgeordneten S a m a l i k gelang es am Freitag, den 11. d. M., in eine neue große Höhle bei Ostrov im Mährischen Karst einzudringen» welche durch Tropfsteine reich geziert ist. Samstag wurden seine wissenschaftlichen Arbeiten durch die Entdeckung weiterer fünf großen Höhlen, ähnlich der Wilson-Rotunde, gekrönt. Diese Höhlen sind jedoch noch viel schöner dekoriert. Eine Höhle ist mit der anderen verbunden. Sie sind alle fünf etwa 50 Meter lang und werden durch den Foche-Dome verbunden. fi« ILSjahrtger Moskau. In der patho-physiologischen Klinik des Instituts für experimentelle Medizin starb an einer Infektion der 123jährige M u s u ch i n, dessen Geburtsjahr 18 11 d o k um e n t a- risch sichergestellt ist. Eine Tochter Masuchins steht im Alter von 80 Jahren. Masu- VMM in Her WM ' in Brünn eröffnet deskrankenanstalt. Der Bau erstreckt sich über einen Flächenraum von 6520 Quadratmetern, ist ungefähr 60 Meter lang und 2 Stock hoch. Das Projekt stammt vom Professor der Brünner tschechischen technischen Hochschule Dr. Fischer, dem Arch. Jng. Friedrich Rozehnal hilfreich zur Sette stand. Die Anstalt verfügt über eine Empfangskanzlei, Warteräume, Untersuchungssäle, Ambulanzen, eine akttno-therapeutische Abteilung, einen Operationstrakt, Diathermie, eine Laboratoriumsabteilung, Wohnungen, eine Teraffe für die Patienten, 26 Krankenzimmer für 100 Patienten, eine Radiumabteilung mit zwei Gramm Radium usw. Zum Leiter der Anstalt wurde der langjährige Direktor der Krebsheilanstalt in Reichenberg, Dr. Richard Werner, bestimmt, zum Vorstand der Laboratorien Dr. Vladimir M o r ä- v e k. Dr. Werner genießt als Krebsforscher internationalen Ruf. Der Bauaufwand betrug ungefähr 10.4 Millionen XL, es steht daher dem Institut für sein erstes Bettiebsjahr kein großes Kapital zur Verfügung. Es wird notwendig sein, daß die Oeffent- lichkeit für das neugeschaffene Werk das vollste Verständnis aufbringt und die Anstalt in ihrer großen Aufgabe, sich wirtschaftlich und wissenschaftlich auf der Höhe zu erhalten, ausreichend unterstützt. Rur dann kann das Institut voll und ganz seinen Zweck erreichen, einen erfolgreichen Kampf zu führen gegen eine der furchtbar st en Geißeln der Menschheit, den Krebs! chin war 50 Jahre hindurch Kutscher auf einem Gutshof; später widmete er sich der Landwirtschaft und legte erst vor drei Jahren den Pflug aus der Hand. Bis in seine letzten Tage bewahrte er sich ein gutes Gedächtnis und auch einen verhältnis- mäßig guten Gesichts- und Gehörsinn. Während seines ganzen Lebens hat er weder geraucht noch alkoholische Getränke zu sich genommen. Ei« Erinnerung an den Rittmeister Sager. Ein Genosse schreibt uns: Unter den Gestalten des österreichischen Heimwehrfascismus, die Paula Wallisch in ihrem Gedenkbuche auftreten läßt, spielt bekanntlich eine ganz besonders unrühmliche Rolle der Herr' Stabsrittmeister Rudolf Sager, der die Verfolgung des gleich einem wilden Tiere gehetzten Wallisch vrganisierte und dafür mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurde. Die Erwähnung dieses brutalen österreichischen Offiziers rief in mir die Erinnerung an eine Episodengestalt des Krieges wach, der ich damals begegnete. Es war in den Jahren 1917 und 18, ich saß als Titu- largefreiter im Komotauer Ergänzungsbezirkskommando und wir schwelgten beretts in Was- scrrübengemüse und Zichoriensatztorten. Dem genannten Kommando war ein Oberleutnant Sager zugeteilt, ein älterer Herr, der sich, um die magere Pension etwas fetter zu machen, zu Kriegsbeginn hatte reakttvieren lassen und dessen Beschäftigung nun in der Regel darin be- srand, von Kanzlei zu Kanzlei zu wandern und durch seine Unterhaltung die anderen bei der Arbeit zu stören. Seine Gespräche betrafen entweder die Qualität der Eß- und Rauchwaren Mäuschenstill waren wir. Kein Tintendeckel klappte, keine Bank knarrte. Ueber den Sonnen- feldern auf dem geölten Fußboden tanzten viele Stäubchen. Nebenan schrie einer mit der lärmenden Klaffe. Durch die Scheiben drang das Summen der Straßenbahn, das Hupen der Autos und das Geschrei der Kutscher vom Neubau gegenüber. „Ich habe mir das Buch angeschaut", fuhr der alte Schmidt fort.„Es war eine verbotene pornographische Schrift, mit vielen obszönen Bildern. Ihr wißt ja wohl schon, was„pornographisch" und das andere Fremdwort heißt?.... Na freilich... Zuerst wollte ich das Heft der Konferenz vorlegen, dann erwog ich, die Eltern des Jungen kommen zu laffen— wer weiß, in was für schlechte Gesellschaft der Junge geraten war!... Endlich zerriß ich die Schmutzschrift, warf sie in den Papierkorb und beschloß, am folgenden Tag mit dem Jungen selbst zu reden. 24 Stunden wollte ich ihn noch zappeln laffen. , Aber am Morgen darnach kam der Knabe nicht in die Schule. Aha, er schwänzt, um sich der Strafe zu entziehen! vermutete ich. Der Junge fehlte auch am zweiten Tag..." Schmidt machte eine lange Pause. Wir wagten kaum zu atmen. „Dafür traf die Nachricht ein, daß er sich umgebracht hatte". Vor uns stand kein Professor mehr, sondern ein Mensch, der an unsere Seele gerührt hatte Und nach einigem Besinnen:„Jetzt versteht ihr vielleicht, warum ich euch so manches durchgehen lasse. Das Leben besteht zuweilen aus fo vielen Unbekannten, daß die Gleichung nicht zu lösen ist... Reimoser, haben Sie fertig gegessen? Dann kommen Sie heraus und schreiben Sie: Wurzel aus..." Und der Unterricht begann. Hanns Leo Reich. oder die Geldbedürfnisse seines Sohnes, der, soviel ich weiß, damals an einer Kadetten- oder Militäroberrealschule„studierte" und den Vater durch seine Wunschbriefe nicht selten in die miss- mufigste Sttmmung versetzte. Sein häufiger Stoßseufzer„Mein Rudi, der Hund", der gerade nicht von einenr sehr zärtlichen Verhältnis zwischen Sohn und Vater Zeugnis ablegte, wurde in den Rämnen des Ergänzungsbezirkskommandos schließlich zu einem geflügelten Wort... Der Alte, ein„lahmlacketer", im Grunde aber harmloser Mensch, wird ferne Raunzereien wohl schon in einem besseren Jenseits an den Mann zu bringen versuchen; sein Sprössling aber,„mein Rudi, der Hund", den wir mft grosser Wahrscheinlichkeit und ohne dem Herrn Stabrittmeister sehr nahezutreten, mit dem unmenschlichen Peiniger des Ehepaares Wallisch identifizieren dürfen, ist heute eine stramme Stütze des österreichischen Blutregimes und mit dem besten Erfolge bestrebt, der sreund- lichen väterlichen Bezeichnung von einst volle Ehre anzutun. Vom Hauptmann-Prozeß. Der älteste Schriftsackverständige in den Vereinigten Staater Osborne sagte aus, daß alle das Lösegeld betreffenden Briese von der gleichen Hand ge- sckrieben wurden, welche die Hauptmanns Unterschrift tragenden Dokumente geschrieben hat. Einigen Hauptpersonen aus dem Hauptmann-Prozeh wurde von den Music Hall-Unternehmern ange- ! boten, auf der Bühne aufzutreten, und einige Worte zum Publikum zu sprechen. So wurden Dr. Condon einige tausend Dollar und den Ge> schworenen 300 Dollar wöchentlich angeboten. Bei dem Erdbeben im Marmara-Gebict sind 40 P ersonen ums Leben gekommen und einige hundert wurden verletzt. Unter den Bettoffenen breitet sich die Ruhr aus. Kleinere Erdstöße sind noch immer wahrzunehmen. Brennendes Oel. Im Hafen von Newark (New Jersey) verursachte eine Explosion an Bord des Tankdampfers„Berrin" der Continental Oit Company einen Brand, der auf den Pier und ein nahegelegenes Lagerhaus der Sunoil Company Übergriff. Mehrere tausend Kannen Schmieröl im Lagerhaus explodierten. Das Gebäude brannte in wenigen Minuten nieder. Die Flammen schlugen 60 bis 70 Meter hoch. Der ehemalige Polizeiinspektor Bonny wurde in Dijon mit acht Zeugen konfronttert. Zwei von ihnen behaupten, in ihm den Mann zu erkennen, der am Tage des Todes des Obergerichtsrates P r i n c e in der Umgebung von Dijon geweilt hat. Einer der Zeugen, ein Restaurateur in Mont- bard, behauptet sogar mit Bestimmtheit, daß mit Bonny in seiner Restauration auch Oberstaatanwalt Pressard war. Diese Behauptung wird jedoch mit einem gewissen Mißtrauen ausgenommen. Einige Blätter deuten jedoch an, daß das Gericht den genannten Zeugen mit Pressard konftontteren werde. Gottlieb von Jagow gestorben. Wieder geht einer aus der Kompagnie der internattonalen Kriegsschuldigen dahin. Im Alter von 72 Jahren ist Herr vonJagow gestorben, der 1914 deutscher Staatssekretär für Aeußeres war. Er war ein Höfling, als Diplomat in keiner Weise bedeutend. Seine unsichere Haltung, seine falschen Berechnungen vor allem der englischen Politik gaben für die unglückselige Politik Bethman-Hollwegs und des Kaisers im Juli 1914 den Ausschlag. Jagow war als Günstling Bülows hochgekommen, fiel aber dann von seinem Gönner ab. Bülow greift ihn wie alle, die nach ihm noch deutsche Politik gemacht haben, in seinen Memoiren aufs hefttgste an. Jagow nahm 1916 seinen Abschied und wurde durch den bedeutend fähigeren und weltgewandten Külil- m a n n ersetzt, den im Sommer 1918 die Deutschnationalen und Ludendorff zu Fall brachten. Vom Rundfunk empfehlenswert«« aus den Programmen! Montag Prag, Sender L.: 6.15 Gymnastik. 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.40 Ballettmusik. 12.10 Duette aus Smetana^pern. 12.35 Konzerl dec Salonorchesters. 13.35 Arbeitsmarkr. 13.45 Chansons auf Schallplatten. 17.20 Schallplattee 18.26 Deutsche Sendung: Dr. Bumba: Die Heiserkeit. ihre Deutung und Behandlung. 18.35: Fahrt ins Ricicn- gebirge. 19.15 Wir lernen russisch. 22.15 Tanzmusik-— Sender S.T-14.40 Volkslieder aus Südböhmen. 15.05 Deuffche Sendung: Jazzband. 19.15 Kompositionen für hawaische Gitarren.— Brünn: 13.50 Schallplatten. 17.45 Deutsche Sendung: Wie baue ich mein Motorboot und Flugzeug? 19.30: Heute wird getanzt und gesungen.— Mähr-Ostran: 11.00 Schallplatten. 18.00 Tanzmusik.— Preßburg: 17.10 Jugoslawische Lieder. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05 Deuffche Nachrichten. 11.00 Schallplatten. 11.05 Deutscher- Schulfunk. 12.10 Opernfantasien: 12.35 Jazzorchesterkonzcrt. 13.45 Opernarien. 16.45 Jugendfunk. 18.20 Deutsche Sendung: Dr. Moller: Wirtschaftliches Relief. 18.30: Simbriger: Lieder. 20.50 Violinkonzert. 21.40 Klavierkonzert.— Sender S.: 14.20 Schallplatten. 15.00 Deutsche Sendung: Jng. Wurr- mann: Das Kleinhaus als Ziel der neuen Wohnungsbewegung. 15.15 Opernszenen. 19.30 Aus Pariser Operetten.— Brünn: 17.45: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Soziale Informationen. 20.50 Tschaikowski.— Mäbr.-Ostra«: 21.40 Saxophon- konzert.— Preßburg: 19.10 Tanzmusik.— Kascha«: 19.50 Harmonikavorträge. Nr. 11 Sonntag, 13. Jänner 1935 Seite 5 ( Der türkische Außenminister leitet die Ratstagung anläßlich der Saar-Abstimmung Am Freitag Dormittag trat der Völkerbundsrat zu seiner 84. Tagung zusammen. Er wird in Anwesenheit der prominentesten Vertreter während der Saarabstimmung zusammenbleiben, um auf Grund des Abstimmungsergebnisses die endgültigen Entscheidungen zu treffen. Vorsitzender des Rates ist diesmal der türkische Aussenminister Ruschdi Aras Der Winter auf dem Balkan Die Temperatur auf dem östlichen Balkan ist sehr rasch auf durchschnittlich minus 18 Grad zurückgegangen. Die Stürme und das Schneetreiben auf dem Schwarzen Meere dauern an, wodurch der Schiffsverkehr stark be- emträchtigt wird. Auf der unteren Donau wurde der Schiffsverkehr infolge Schneestürme und treibender Eisschollen eingestellt. Das baldige Einfrieren der Donau wird erwartet. Meldungen aus Saloniki zufolge ist der Winter besonders in Nordgriechenland sehr streng, wo der Schnee stellenweise einen Meter hoch liegt. Vielerorts sind Rudel hungriger Wölfe aufgetaucht, die den Schafherden sehr gefährlich werden. Auch aus nahezu allen griechischen Häfen werden so heftige Stürme gemeldet, dass die Schiffe am Ausfahren gehindert sind. Abschwächung des Frostes. In Westeuropa war ei SamStag überall etwas wärmer. Die Erwärmung schwächt sich jedoch unterwegs ab und dürfte bei Uns nur«ine Milderung des FrosteS herbeiführen. 8» unseren Gegenden herrschte Samstag mässiger Frost von rund minus 5 Grad Celsius. Das Gebiet strenger Fröste hat sich nach Inner- und Südostruß- land zurückgezogen, wo am Nachmittag minus 15 bis minus 20 Grad Celsius verzeichnet wurden. Der gesamte Wettercharakter wird auch in den nächsten Tagen winterlich bleiben.— Wahrscheinliches Wetter Sonntag: In den böhmischen Ländern vorwiegend bewölkt, und stellenweise Niederschlag. Vorübergehend Frostmilderung, Wind aus westlichen Richtungen. Im Karpathengebiete vorwiegend bis wechselnd bewölkt, Abnahme der NiederschlagSnei- gung, mässiger Frost.— Wetteraussichten für Montag: Fortdauer des winterlichen Wetters, unbeständig, vielfach Schnefall. Die Postgebühren. Das Post- und Telegraphenministerium hat eine neue Uebersicht der Postgebühren herausgegeben, in der auch alle günstigen Sondertarife sowie auch die seit dem 1. Jänner 1985 geänderten Tarife enthalten find. Der Verkaufspreis beträgt 2 KL und bann beim Hilfsamt des Post« und Telegraphenministeriums in Prag-Smichob, Holeckobä 36, am besten mit einem Biancoscheck, der auf das Scheckkonto Nr. 40.902 (Anschrift deS Kontos: Post- und Telegraphenministerium, Administration des Anzeigers und verschiedener Publikationen, Prag-Smichov) ausgefüllt wird, bestellt werden. Die Fahrtbrgünstlgungrn für Mitglieder der Touristenvereine. Das Eisenbahnministerium hat den Touristenvereinen im Jahre 1934 die Begünstigungen derart erweitert, dass für die Rückreisen und für den Einzelnen ein grosses Betätigungsfeld geschaffen worden ist. Diese ausserordentlichen Begünstigungen brachten aber auch Mitglieder in die Vereine, welche Fahrten zu nichttouristischen Zwecken unternahmen. Auch Reisebüros sollen die tariflichen Bestimmungen durch die Verein« umgangen haben. Da« Ministerium verfügte Einschränkungen, die in der nächsten Zeit in Kraft treten sollten. Nun wurde von den Touristenvereinen, zu welchen auch die .Naturfreunde" zählen, eine Konferenz veranstaltet. Tie Vertreter aller Verbände stimmen strengeren Bestimmungen zu, welch« dem Missbrauch der Fahrten für andere Zwecke steuern sollen, können jedoch der kurzfristigen Entscheidung und der Aufhebung einiger Begünstigungen in der verlangten Form nichc zustimmen. Die Auswirkungen einer Aufhebung der letzt geltenden Begünstigungen wurden in ernem Memorandum dargestellt und von einer Abordnung der Verbände, bei welcher auch die„Naturfreunde" vertreten waren, dem zuständigen Ressortchef übergeben. Es wird nach der Aussprache die Hinausschiebung der Gültigkeit deS bezüglichen Erlasses und feine Modifizierung erwartet. Dem wirklichen Touristen, welcher auch bei den früheren Begünstigungen in Gruppen hinausfuhr, werden strengere Betsimmungen nichts anhaben, nur darf er nicht in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt werden. Ruch geht- nicht an, Bestimmungen, die in allen Veröffentlichungen der Eisenbahnverwaltung und in den Prospekten der Vereine für 1935 ausgenommen wurden, kurzerhand aufzuheben. Wir erwarten, dass eine für beide Interessenten gangbare Lösung gefunden wird. Fascismus in( Wer den österreichischen Fascismus kennenlernen und das Wesen des österreichischen Spiessers voll verstehen will, kann auf das Studium der Fascisten in den„Kronländern Oesterreich ob und unter der Enns" nicht verzichten. Dort, in den Städten und Marktflecken am Ausgang der Alpentäler, ist das typisch Oesterreichische, das, nach den Worten der diversen autoritären und ständestaatlichen Ober- und Unterführer den österreichischen Fascismus ausmacht, in Reinkultur zu finden. Richt in der Grossstadt. Zu viel fremder flutz ist dort wirksam. Und zu viel Kontrolle. in der Provinz kann man den echt österreichische::, den so oft gerühmten und belachten österreichischen Beamten bei seiner«Wirksamkeit" beobachten, die aus einer harmonischen Zusammenfügung von Schlamperei, Brutalität nach unten und Servilität nach oben besteht. Und den österreichischen Spiesser, dessen unsagbare Dummheit nun„österreichische Tradition" geworden ist, nirgends findet man ihn so ausgeprägt wie an den Stammtischen in den kleinen Provinzorten und kann ihn nun wieder, wie in der guten alten Zeit wirken sehen an der unkontrollierten Verwaltung der Gemeinden und Bezirke. Dort findet er aber auch den prächtigen Proleten, der schon in der Zeit der Monarchie einen zähen, aber erfolgreichen Kleinkrieg gegen diese Art des Oesterreichertums geführt hat. Nun, da der autoritäre Ständestaat aufgerichtet ist, führt er diesen Kampf mutig wieder und nicht weniger erfolgreich. Und von diesem österreichischen Fascismus in einer österreichischen Provinzstadt wollen wir nun erzählen. Zum besseren Verständnis des Nachfolgenden muss aber vvrausgeschickt werden, dass diese Stadt n o ch im Besitze der Christlichsozialen ist, aber die Heimwehr bereits heftigst um ihre Eroberung kämpft. Der Leiter der vaterländischen Front in dieser Stadt ist ein alter österreichischer Oberst. Jetzt ist er christlichsozial. Einmal hat er auch Beiträge für die sozialdemokratische Partei geleistet. Aber daran lässt er sich gegenwärtig nicht gerne erinnern. Dieser Oberst nun hat einige ehemalige so- zialdemokratische Funktionäre rufen lassen und sie wie folgt angeredet:„Meine Herren! Ich habe Sie rufen lassen, um Ihnen nahezulegen, der vaterländischen Front beizutreten. Ja, ich beschwöre Sie, dies zu tun. Ich kann Ihnen versichern, dass wir Ihnen alles konzedieren werden, was Sie wünschen, denn wenn Sie nicht Mitglieder werden und mit uns kämpfen, dann werden wir beide. Sie und die vaterländische Frönt, von der Heimwchr aufgefressen." Die Funktionäre entfernten sich, ohne das rot-weiss-rote Bändchen erworben zu haben. Kurz darauf werden die Arbeiter eines grösseren Betriebes zu einer Versammlung des Freiheitsbundes eingeladen, in einer Form, die es ihnen unmöglich machte, fernzubleiben. Einer jener neugebackenen Gewerkschaftssekretäre versuchte so recht und schlecht, seinen wenig Interesse zeigenden Zuhörern klarzumachen, dass sie zum Frcihcitsbund kommen müssten, wenn sie ihre Interessen wirksam vertreten wollten. Nachdem er eine gute Stunde geredet hatte, ohne irgend einen Zusammenhang zwischen sich und den Versammlungsteilnehmern herzustellen, meldete sich einer zum Wort und meinte, es wäre ja alles schön und gut. Er hätte aber auch eine Aufforderung bekommen, dem Heimatschuh beizutreten. Beiden Vereinen könne er aber nicht die Mitgliedsbeiträge bezahlen, dazu sei der Verdienst zu klein. Nur einem. Er wisse nur nicht welchem. Er habe soviel davon schon reden hören, dass sich beide Parteien heftig bekämpfen. Nun wolle er aber weder den Hcimatschutz bekämpfen noch auch den Freiheitsbund. Es dürfe niemanden Wundern, wenn er unter solchen Umständen noch zu keinem Entschluss gekommen sei und sich weitere Ueberlegung vor- ter Provinz behalten müsse. Seinen Ausführungen schlossen sich die anderen Arbeiter an, der Herr Gewerk- schastssekretär wusste nichts zu antworten, schloss die Versammlung.... und seither haben diese Arbeiter Ruhe. Jeder wacht ängstlich darüber, dass der andere ihm die Arbeiter dieses Betriebes nicht wcgschnappt. In der Stadt war nach langem Kuhhandel der. Gemeindetag" zusammengestellt und ernannt worden, der nun weiterhin ihre Geschicke leiten sollte. Weil weder die Christlichsozialen zu- ,'liessen, dass die Heimatschützer eine zu große Vertretung bekamen, noch der Heimatschutz an einer zu grossen christlichsozialen Fraktion interessiert war, konnte eS geschehen, dass ein gutes Drittel Nazi, darunter auch stadtbekannte Funktionäre, dre im Juli nur ihr wirtschaftlicher Einfluß vor Wöllersdorf oder schlimmerem bewahrt hat, in die erlauchte Versammlung einer ständischen Gemeindevertretung kamen. Nun wurde die Wahl des Bürgermeisters ausgeschrieben. Als vor zirka zwei Jahren ein neuer sozialdemokratischer Bürgermeister gewählt worden war, da bereiteten ihm die Arbeiter eine gewaltige spontane Kundgebung. Auf so etwas wollte auch der neue Bürgermeister nicht verzichten und es wurde nun eifrig eine„spontane" Kundgebung vorbereitet. Bor dem Rathaus wurde ein Rednerpult aufgestellt, ein Mikrophon angebracht, an zwei Seiten des grossen Platzes Lautsprecher montiert und alle Korporationen, deren man habhaft werden konnte, aufgefordert, sich am Tage der Wahl um S Uhr— die frühere Bürgermeisterwahl fand nämlich auch um 5 Uhr nachmittags statt— vor dem Rathaus einzufinden. Und richtig, am Tage der Wahl warteten vor dem festlich hergerichteten Rathaus gegen 300 Personen. Und warteten. Schier kein Ende wollte daS Warten nehmen. Ünmutsfalten legten sich allmählich in die Gesichter dieses kleinen Häufleins über das unmenschlich lange Warten an einem nasskalten Dezemberabend. Bis endlich verkündet wurde, daß die Verhandlung des Ge- meindetages vertagt worden sei. Kopffchüttelnd die Teilnehmer der„spontanen Kundge- zu ihren ständischen Stammtischen. WaS t wE da geschehen? Eiftig wurde darüber an den Stammtischen gestrftten, bis man endlich die Wirklichkeit erfuhr. Die Christlichsozialen und Heimatfchützer konnten sich einfach über die Person des Bürgermeisters nicht einigen. Jeder wollte den Bürgermeister haben und verttat seine Forderung mehr heftig denn sachlich. Und die Nazigruppe im Gemeindetag konnte sich unter solchen Umständen Denn auch nickt entscheiden. Weder fürnoch wider. Ist ihnen auch nicht zu verdenken; sie sind in der österreichischen Provinz noch einigermassen' erblich belastet vom Vermächtnis des alten„Nationalverbandes" seligen Andenkens. Also beschloß man nur, eine Deputation zur Regierung zu schicken. Dort kamen sie aber schön an: Man bedeutete ihnen, dass man über dem ersten einen zweiten noch höheren Regierungskommissär einsetzen werde, und nun gelang die Einigung rasch. Nach einigen Tagen wurde der Bürgermeister— ein Christlichsozialer, der Heimatschutz erhielt das Sicherheitsreferat und damit die Herrschaft über die städtische Polizei— einstimmig gewählt, die „spontane Kundgebung" klappte diesmal besser und voll Triumph sendete die Welle Wien dieses freudige Ereignis in den Aether. Na fteilich, je schwerer die Geburt, desto größer die Freude, wenn sie glücklich überstanden ist. Bleibt noch nachzutragen, dass die städtische Polizei bis jetzt noch keinen Lester im Gemeindetag hat. Im Schoße des Heimatschutzes hat man sich nämlich bisher nicht darüber einigen können, wer das Sicherheitsressort innehaben soll... • Am Tage der verhinderten Bürgermeisterwahl geschah aber noch anderes: Die Korporatio- Friedrich Deutsch, Probstau, gestorben Am Freitag ist Genosse Fritz Deutsch, Ge meindevorsteher in Probstau, einem Herzschlag er-' legen. Mit Deutsch scheidet einer der bekanntesten Arbeiter des Teplitzer Gebietes aus den Reihe!, der Sozialdemokratie, denn der Verstorbene war seit seiner frühesten Jugend Mstglied der politischen Organisation, der freien Gewerkschaft, de' Genossenschaft und der Kulturorganisationen. Als Proletarierkind erkannte er rechtzeitig, welche Aufgaben seine Klasse zu erfüllen hat, wenn sie sich ein besseres Lebensdasein erkämpfen will. In dieser Erkenntnis begann auch er zu schaffen- im Dienste des Sozialismus. Frühzeitig schon suchsi er die sozialisttsche Literatur, forschte und grübelt, und war seinen Arbeitskollegen ein freundlicher Berater, em wahrhafter Kamerad. Deutsch war auch einige Jahre im Konsumverein Teplitz- Schönau beschäftigt und diente dort mit seine»' ganzen Kraft den Zielen der Genossenschaft; in jeder Parteiversammlung nahm er an den Geschehnissen deS politischen Lebens regsten Anteil war ständig bemüht, jener Idee zu dienen, der er sein Lebensziel geweiht hatte. Die Partei entsandte ihn nach dem Umsturz im Jahre 1919 in die Gem-indevertretung, der er ohne Unterbrechung als Mitglied angehörte und auch au' diesem Posten ein tteucr Anwalt der Interesses:, des schäftenden Volles war. In der letzten Periode wurde er Mstglied des Gemeinderates uno fest einem Jahre ungefähr versah er die geradhin der gegenwärtigen Zeit so schwierige Funktion eines Vorstehers der Gemeinde Probstau. Mi» der organisierten Arbeiterschaft des Teplitzer Bezirkes trauert um den Verstorbenen auch fein Gattin, Genossin Deutsch, und sein Sohn. Wir danken an dieser Stelle dem wackeren, treuer. Kampfgefährten für seine aufopferungsvoll-. Tätigkeit, für seine selbstlose und hingebungsvoll- Arbeit und werden ihm stets ein dauerndes Anämien bewahren. nen der Gewerbetreibenden der Stadt sandten an den früheren sozialdemokratischen Bürgermeister, der auch ein Gewerbetreibender war, eine Deputation, um ihm mitzuteilen, daß sie noch in ihm ihren Bürgermeister erblickten, denn ihnen wäre es nicht eingefallen, ihn, der für die Stadt so güt gesorgt habe, abzusetzen. Und weil die Kunde davon an die Ohren der gegenwärtigen Machthaber in der Stadt gedrungen war, mußte, wohlverstanden, mußte einfach dre Kundgebung nach geglückter Bürgermeisterwahl klappen. Ein öffentliches Versicherungsinstitut in der Stadt bekam einen neuen Obmann. Der frühere verdienstvolle Obmann, ein. Sozialdemokrat, wapj. abgesetzt worden. Einen Heimatschützer» der schon«-: je nachdem es einträglich war, Christlichsozialer, Heimatschützer und Nationalsozialist war und seit Feber wieder Heimatschützer ist und, wenigstens was die Strafkarte anbelangt, kein unbeschriebenes Blatt Papier darstellt— und um seine Lster- reichische Neberzeugung jedem, der zu ihm kommt nur eindringlich vorzuführen, nach seiner Vergangenheit könnte vielleicht jemand zweifeln, schaffte er sich vor seinem Büro einen grün-weißen Fußabstreifer an. Im Gebäude hat auch ein höherer Beamter des Instituts seine Dienstwohnung. Einmal— es ist freilich schon lange, beinahe ein Jahr eher-— schien auch der Beamte freiheitlichen Ideen zu huldigen. Aber jetzt muß„österreichische" Gesinnung dokumentiert werden und flugs tut er es seinem Vorgesetzten nach und legt auch vor seine Wohnungstür einen grün-weißen Fuhstrei- fei. Jetzt kann jeder sehen, welch guter österreichischer Beamter er ist... s—r. GEDENKET bei allen Anlässen der Arbeiter lürsargel Vom Prager RundionK So wie zwei Jahre in der kalendermäßigen Wende einander die Hand reichen, so begegneten Vergangenheit und Gegenwart einander in den Prager Sendungen am 5. Jänner. Sttaschnih brachte— wie man börte, auf besonderen Wunsch einiger alleren Damen—„Vergessene Lieder". Die schmachtenden Gesänge von Radeck«, Bendel, Dessauer, Himmel usw. wurden nach einleitenden Worten von Dr Herta Wien-Claudi von Nelly v. Grasern mit inbrünstigem Versenken in„gute alte" Zeit vorgetragen und man konnte sich so recht vorstellen, wie »'m Lawendeldust solcher Poesie traute Bilder für stille Herzen aus langem Schlafe erwachten. Ganz von selbst fügt sich dazu die freundliche Würde einer Kirschholzkommode, in deren feiertäglichen Glanze sich die leise tickende Pendelscheibe einer Alabasteruhr spiegelt, zartfühlend teilnehmend an den stillen Seufzerlein, die kosend über Vergessenes streicheln' Der Abstand zwischen dem Damals und dem Heute wurde so recht fühlbar, als sich in der Liblitzer Abendsendung die Gegenwart mit Max H ü t t e l, Anton K. i l, Fidelio Finke einstellte, überzeugend vertreten durch eine im Empfinden ebenso tiefe wie in der Gestaltung reife Sängerin: Maria Tutta Wie wandelbar ist doch der Ausdruck eines im Wesen gleichen Gefühls! Eine ähnliche Rückschau in daS Vergangene, an den Augenblick leichter anknüpfend durch di« vielsagende Deutung der immer gültigen Satire auf AllzumenschlicheS, eröffnete das nach dem Roman von Charles Dickens bearbeitete Hörspiel „Die Pickwicker", das Sonntag von Liblitz übertragen wurde. Der Laie in religiösen Dingen hörte nicht ohne Verwunderung am Montag aus dem Munde«meS gewiß Berufenen, deS Prälaten Dr. Josef Grüner, daß der im Jahre 1935 in Prag zusammentretende erste gesamtstaatliche Katholikentag eine Manifestation jener„Werktätigen Liebe" sein Werde, die als„Christi Testament an die katholische-Kirche" immer daS„Kennzeichen der Christen" gewesen ist und sich„durch alle Jahrhunderte bewährt hat" Der Katholikentag in Prag werde für immer di« klare Scheidung„Hie Christen— hie Antichristen" bringen und dadurch wesentlich beitragen, die„derzeit schwerste Krise, die Krise der Seele" zu überwinden. Die„von Gott gesetzten Führer", die Bischöfe, sind die Veranstalter dieser„grandiosen Unternehmung", die auch vom Papste freudig begrüßt wird. Es ist ein Wunderbares um die unbegrenzte Liebe, die jedem die Hand reicht, jedem Feinde verzeiht, sich schützend vor jeden stellt, dessen Leben bedroht ist. die jede Waffe von sich weist. Güt« und Milde übend über die Erde schreitet, nie einen Auftechten fällt, sondern Gefallene aufrichtet, die segnend ihr Verzeihen breitet von Jahrhundert zu Jahrhundert— frei von jeder Schuld deS BluteS und deS Hassens... Der mit etlicher Verspätung inS Land rückende Winter gab Prof. Fritz Mink aus Budweis Anlaß, den Hörern die verschneiten Wälder des Böhmerwaldes als das Paradies für alle Skifahrer zu schildern mit der Beredsamkeit einer von der Schönheit der Natur ergriffenen Seele. In der Vorschau auf das Musikprogramm der Prager Sender gedachte Dr. Richard Pflegsöhrl vor allem des 75. Geburtstages des Komponisten und Rektors Jos. B,- Foerster. Tie Kehrseite des Winters war zu schauen in den Elendsbildern, die Red. Horner in den aktuellen zehn Minuten am Mittwoch und Sekretär M a ch u n z e zur Beantwortung der Frag«„Wie lebt der sudetendeutsche Arbeiter?" malten— mi: furchtbarer Eindringlichkeit nachgebildet den kaum faßbaren Tatsachen in den Notstandsgebieten in den Randsiedlungen unserer Republik, wo in zahllos«" Arbeiterfamilien daS Einkommen lange schon nichr einmal die Hälfte dessen erreicht, WaS notwendig wäre, um auch nur die notwendigsten Forderungen der Lebenserhaltung tilgen zu können. Wie leben diese Menschen? Werden sie in ihrer Verzweiflung nicht doch einmal den Lockungen deS FasciSmuS verfallen, von dem ja Alexander Brunner in der Mittwoch-Sendung klarlegte, daß er sein wichtigstes Agitationsmittel darin hat, den verelendeten Schichten den Wohlstand zu versprechen, wenn auch die Erfahrung lehrt, daß in den Ländern mit„autoritärer Staatsform" eine bedeutende Senkung der Löhne und des Lebensniveaus folgte? Wie aber soll sich einmal die Verzweiflung dieser armen, ewig gequälter Menschen abreagieren? Die tröstlichen Worte, zu denen sich die„wirtschaftlichen Reliefs" immer wieder flüchten(Arid Weil), werden über kurz nicht mehr viele gläubige Ohren erreichen; in der unerbittlichen Kält« der Hungerstuben werden di« letzten Hoffnungen nur zu schnell erfrieren.— Nicht unerwähnt bleibe die rei- zende Jugendstunde, in der Paul und Hans sich aufmachten. um Tscheljuskin zu retten. Ernst T h 2 n e r. Seif* ft „8»Zkalbemokrak* Sonntag, 13. Jänner 1933. Nr. 11 / ATLASSCHUHE färben wir zu jeder beliebigen Schattierung Ihrer Toilette. ELEGANTE UND LEICHTE TANZ-HALBSCHUHE PRÄGE« ZEITCMfi Rodelunfälle Beim Rodeln fuhr der 15jährige Lehrling Karl Bernhäuser aus Prag I., Kkemen- eobä 1, gegen eine Hauswand und verletzte sich schwer am Kopfe.— Die 37 jährige Witwe Milada M i c a n aus Kosir 490 stürzte beim Rodeln dom Schlitten und wurde in bewußtlosem Zustande auf die Klinik Schlosser gebracht. Dort wurden innere Verletzungen festgestellt.— Freitag nach 17 Uhr stürzte in Motol der Schriften- maler Boh. M a ch a aus Liben 477 beim Skifahren, wobei er sich so verletzte, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte.— Auf der Kleinseite fiel der 22jährige Student Franz Sedlääek auf dem unbestreüten Gehsteige nieder und brach sich die rechte Hand. Bei Darmträgheit, Magen- urÄ> Darmkatarrh, Geschwülsten der Dickdarmwand, Erkrankungen des Enddarmes beseitigt das natürliche„Franz-Josef"- Bitterwafler Stauungen in den Unterleibsorganen sicher, rasch und schmerzfrei. Aerztlich empfohlen. Kunst und wissen Deutsche Uraufführung: „Ehe m. b. H." Lustspiel i» fünf Bilder« von Frantisek Langer Im öden Einerlei des Spielplans der Kleinen Bühne eine erfrischende Unterbrechung— als Lustspiel aus der Feder Frantisek Langers eine Enttäuschung. In der Ehe m. b. H. sind zwei Geschäftsleute, Adolf und Käthe Schidlik, verbunden, sie ergänzen einander als Kompagnons, sie machen gemeinsam Geschäfte, führen ein großes Haus, machen gemeinsam Bankrott und kommen durch vereinter Kräfte Walten wieder hoch. Nur— als Eheleute wollen sie nichts voneinander wissen. Einmal, als er nach vier Monaten Untersuchungshaft heimkommt und seine Freundin ihm die kalte Schulter zeigt, möchte Adolf mit der angetrauten Gattin anbandeln, aber sie winkt ihm energisch ab und ftnanziert lieber aus bescheidenen Mitteln seinen Abendausgang. Das Ideal der modernen Ehe? Eine Karikatur, eine Satire, ein abschreckendes Beispiel? Die Antwort bleibt aus, denn die Frage wird gar nicht gestellt. Es ist ein Lustspiel, in dem das Motiv und das Problem nichts, das Drum und Dran alles ist. Das Auf und Ab des Schieberdaseins, die Luftgeschäste eines.Handelsunternehmens", das in die Kategorie der.Galeristen" eiuzureihen wäre, werden mit übermütiger Freude an den Details geschildert. Der Autor schwelgt in dem Milieu. Das Stück mag im Tschechischen durch das Lokalkolorit stärker wirken, auch bringt es wohl dem tschechischen Publikum mehr. Mne Nation, die chre erste Gründerzeit durchlebt, in der Rafftes und Schieber noch neue Figuren sind, wird auf das Spiel stärker reagieren als ein abgebrühtes deutsches Großstadtpublikum, dem die übertreibende und übermütige Darstellung solchen Geschäftemachens als schüchterner Versuch eines Schriftstellers erscheinen muß, das wahre Leben, das Geschäft, dessentwegen der Mensch der Bürgerzett doch lebt, zu karikieren. Die Hauptspatzmacherin, eine Köchin, ist die typische komische Figur der tschechischen Theaters, auf Stegreifspiel und Extempores zugeschnitten. Die Aufführung war(Regie: G e l l n er) wohl ein wenig langatmig, im großen ganzen aber gut. Götz macht aus dem geriebenen Schieber einen liebenswürdigen Spitzbuben, Gerda Meller ist der elegante und großzügige Kompagnon, Emmy Carpentier und Erich Dörner die reziproken Freunde der assoziierten Ehegatten. Lotte Stein spielt die Köchin als ausländische Type, mit breiter Komik, durchaus gelungen, nur ist es—- aber dafür kann sie nichts— quantitativ ein bisserl zu viel. Einen gemütlichen Monteur spielt Dudek, ein Vhsosaner Mädel in lehr fremden Farben und Tönen zeichnet Valerie Schneck, Herr Frank, die Damen Bertram und Sommer find in gut pointterten Episoden zu sehen. Das beste an dem Lustspiel und an der Aufführung sind die Kleinigkeiten, die wirklich Humor zeigen. Die sprachlich saubere und witzige Verdeutschung stammt von O t t o P i ck. Fr. Juarez und Maximilian Die Neueinstudierung der. Werfelschen Historie reicht an stilistischer Geschlossenheit und feierlichem Glanz nicht an die Premiere heran, die ein rundes Jcthrzehnt zurückliegen dürfte. Die schwächere Aufführung, deren erste Hälfte stark papieren wirkte und der jene unwägbaren Elemente fehlten, die gerade im reinen Historienstück allein Stimmung schaffen, legte auch die Schwächen des Stückes deutlicher bloß. Werfel wollte«in Ideendrama schreiben, ccher eben.das ist nur in beschränktem Maße gelungen. Wodurch das Stück wirken kann, das ist offenbar die glänzende historische Szenerie und die Rekonstruktton eines merkwürdigen Schicksals. Die ideelle Problematik tritt demgegenüber zurück, der Gegensatz zweier Ideen, ausgedrückt im Spiel eines leibhaftigen Menschen(Maximilian) gegen ein Abstraktum(Juarez), reicht für die dramatische Spannung nicht aus. Es mag auch sein, daß uns die Schluß-Erkenntnis, daß der schlichte Demokrat Juarez, der stets das Richtige tut, der wahre Held der Zeit sei, ein wenig anti- quiert anmutet, da doch heute die andern wieder obenauf sind und Werfel selbst wenigstens bei einem von ihnen die Dienste eines Lakaien für die schöngeistige Arbeit versieht. Gerade diese Zett fordert auch die klare Parteinahme, sie verträgt nicht die salbungsvolle Objektivität, die Maximilian entschuldigt und zum Heiligen erhebt, zugleich aber seine Gegner heroisiert. Zeitgemäß wäre die Problematik deS liberalen Volksbeglückers— der Maximilian ja in gewiffem Sinne wirft ich war— der da glaubt, durch Güte, Zureden und Edelmut die Gegner zu bändigen, und der am Ende nichts als Feinde hat.— FritzKlippel spielte den Maximilian um ein paar Grade zu handfest, zu fleischlich, die morbide Romanttk des dekadenten Prinzen kam zu wenig zum Durchbruch. Dagegen war die Kaiserin Charlotte Frau WünscheSin dem verzehrenden Ehrgeiz der kinderlosen Frau, der Hingabe an den überschätzten Gatten, der Angst vm der Katastrophe glaubhaft, im Bilde der unglücklichen Frau recht porträt-echt. Eine unheimlich realistische Feldwebelgestalt war V a l k s Bazaine, gut gesehen der Meja Paul Lewitts, feine Sattre der Erzbischof M a ö s. Ernst Deutsch hat di« rhetorische Paraderolle des Porfirio Diaz zu spielen. Er wird ihr nicht gerecht, soweit dieser General naturburschenhaft, unproblematisch, der Haudegen ohne intellektuelle Komplexe sein soll. Dagegen leiht er dem Pathos der Revolution eine leidenschaftliche Sttmme und dem Typ des südländischen Reiteroffi- ziers die elegante Figur und eine vornehme Gestik. Siedlers geschmeidiger Lopez, der Verräter aus innerem Zwang, Jordans Herzfeld, Friedrich Richters Dr. Basch, T a u b s Reporter Clark seien noch genannt. Der stärkste theatralische Eindruck des Abends war Dolores Moncasi als Prinzessin Salm-Salm. Sie allein vermochte zu erschüttern und den historischen Bilderbogen mit dramatischem Leben zu durchgluten. Sehr schön waren die Bühnenbilder von Kotulan. Regie: L i e b l. E. F. Zweites Philharmonisches Konzert Das Programm dieses Konzertes war in jeder Hinsicht geeignet, den Wünschen des verwöhntesten Konzertbesuchers gerecht zu werden. Denn es enthielt zwei bedeutende symphonische Werke, Franz Schuberts Symphonie in B-Dur und Felix Mendelssohn-Bartholdys Vierte oder Italienische Symphonie in A-Dur, und eines der bedeutendsten instrumentalen Solokonzerte, das Klavier-Konzert in Es-Dur von Beethoven. Schuberts B-Dur-Symphonie ist die beste unter den Jugendsymphonien des Meisters, die einzige unter ihnen, die noch hie und da zur Aufführung gelangt. Als sie der neunzehnjährige Schubert komponierte, dachte er an Mozart und den jungen Beethoven, teilweise sogar an Haydn, Anmut, naive Fröhlichkeit und unbeschwerte Freude zeichnen die Musst dieser Jugendsymphonie aus; der Reichtum an musikalischer Erfindung und melodischer Gestaltung läßt sie unschwer als Schöpfung Schuberts«kennen, dem die musikalischen Gedanken unerschöpflich aus der Seele strömten. Auch Mendelssohns Vierte Symphonie zeichnet sich durch Reichtum der melodischen Erfindung aus und auch ihre Musik ist grundsätzlich heiterer und freudiger Art. Der große Romantster hat sie unter dem Eindrücke seiner Jtalienreise komponiert, hat in ihr den ungetrübten ewig-blauen italienischen Himmel ebenso musikalisch eingefangen wie die leichtlebige Heiterkeit des italienischen Volkslebens. Der beschwingte Rhythmus ist kennzeichnend für diese Symphonie, die dem Bau und der Satzweise nach ein echtes Kind des großen Meisters der Form und Schönheit Mendelssohn ist. Das Klavierkonzert in Es-Dur von Beethoven ist dieses Meisters letztes Konzertwerk. Es hat durchaus symphonischen Charakter, weist die Hauptaufgabe also dem Orchester zu, in dem das Klavier nur eine notwendige, den Gesamtstil des Werkes bestimmende Rolle spielt. Lebhafte Rhythmen und Klangfarben zeichnen auch dieses Klowierkonzert aus, zwischen deffeu kraftvollem ersten und frohem dritten Satz die ganz romanttsche Allste eines gesangvollen Adagio steht. Der musikalische Leiter des Konzertes, Kapellmeister Fritz Zweig, hatte vor allem reichlich Gelegenheit, sein starkes rhythmisches Gefühl und sein kraftvolles Temperament zu zeigen. Dynamisch hätte man sich,— namentlich bei Schubert und Mendelssohn,— manches feiner und durch- sichtiger gewünscht, rhythmisch zum Wöhle der musikalischen Sauberkeit manches weniger übertrieben im Zeitmaße. S o l i st des Beethoven-Konzertes war an Stelle des infolge eines Eisenbahnunfalles verhinderten Wiener Profesiors W a g n e r der heimische Pianist und Meisterlehrer des Klavierspieles an der Prager Deutschen Musikakademie Prof. Franz Langer. Da dieser ausgezeichnete Künstler in seinem Spiel Kraft nist» Energie des Tones mit differenziertester Anschlagskunst verbindet und technisch ebenso bedeutend wie geisttg ist, traf er den heroischen Ton dieses Klavierkonzertes ebenso gut wie den ritterlich-frohen und romanttsch besinnlichen seines letzten beziehungsweise mittleren Satzes. Von der Muster-Vortragsordnung dieses Konzertes hätte man sich eine noch größere Anteilnahme des Publi- kmns versprechen dürfen. E. I. Wie es ihm gefällt... Ein Leser schreibt uns: In der DonnerStag-Nummer des„Prager Tagblatt" war ein Bericht von Dr. Max Brod über Moskauer Theaterauffuhrungen zu lesen, der mit einer hochinteresianten kritischen Betrachtung einer Vorstellung von Shakespeares„Wie es euch g e- fällt" begann, aus der wir erfahren konnten, wie sich russische Schauspieler mit den Rollen der Viola und des Malvolio abgefunden haben. Hochinteressant schon deshalb, weil diese Rollen in Shakespeares Lustspiel.Wie«S euch gefällt" gar nicht enthalten sind—, sondern die Hauptgestalten der nicht so ganz unbekannten Shakespeare-Komödie„W a s ihrwollt" sind. Es dürft« sich also bei der von Dr. Brod rezensierten Aufführung gar nicht um „Wie es euch gefällt" gehandelt haben,— aber wie ihm„Wie es euch gefällt" gefallen hat, ist für „Tagblatt"-Leser vielleicht auch dann noch interessant, wenn es gar nicht»Wie es euch gefällt" gewesen ist. Arbeitervorftellung„Die Hugenotten" Große Oper von Meyerbeer(Mitwirkende: Rose Book, Fine Reich-Dörich a. G., Herta Rahn, Scheidl, Riawetz, Andersen, Hagen u. a.), heute Sonntag, den 13. Jänner, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Luise Reuther tot. Samstag wurde die in Radebeul bei Dresden wohnhafte, ehemalige königlichsächsische Kammersängerin Luise Reuther tot aufgefunden. Die Künstlerin, die im 83. Lebensjahre stand, hat anscheinend in ihrer Küche einen Schwindelanfall erlitten und im Fallen den Hahn der Gasleitung berührt. Das ausströmende Gas hat den Tod der«inst sehr bekannten Sängerin herbeigeführt. Der älteren Generation wird die Künstlerin, die von 1873 bis 1894 dem Verbände der Königlichen Oper in Dresden angehörte, als hochdramatische Sängerin noch im besten Andenken sein. Sie war neben Therese Malten eine der besten Vertreterinnen Wagner'scher Frauengestalten. Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag. Montag, den 14. Jänner 1935, findet um acht Uhr abends im„Monopol"(gegenüber Masarykbahnhof) ein Fraueu-Abeud statt. Der Gerichtssaal-Berichterstatter des„Sozialdemokrat" Genosse Dr. Robert Baum- g a e r t l wird zu dem Thema:„Ein Querschnitt durch den Gerichtssaal" sprechen. Wir laden alle Genossinnen zu diesem, viele soziale Probleme des Lebens beleuchtenden Vortrag herzlich ein. Wochenspielplan des Neue« Deutschen Theaters. Sonntag%3: Die Hugenotten, Arbeitervorftellung. — halb 8: Juarez und Maximilian, Gastspiel Ernst Deutsch, AI.— Montag 8: Gastspiel Dela Lipinskaja, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Cavalleria rusticana, Bajazzo, AI.— Mittwoch 7: PeerGhnt. B2.— Donnerstag halb 8: Blaubart, C 2.— Freitag halb 8: Der Barbier von Sevilla, DI.— Samstag halb 8: Juarez und Maximilian, Gastspiel Ernst Deutsch. BI. Wochenspielpla« der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 3: Schule für Steuerzahler, 8: Ehe m. b. H.— Montag 8: Mädels im Nachtbetrieb, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8: Eh e m. b. H.— Mittwoch 8l4: Hoch klingt das Lied vom braven Mann, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8: Nacht vor dem U l t i m o, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Ehe m. b. H., Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Der Schneider von Gümpendorf (Schneider Wippel), Erstaufführung. Aus der Partei Freie Vereinigung sozialistischer Akademttcr, Montag, den 14. Jänner, 20 Uhr, Parteiheim, I.» Närodnl 4, Diskussionsabend:»Tschechisch-deutsche Zusammenarbeit". Es sprechen tschechische Kollegen. Nach dem Jnsignienstreit ist diese Frage von höchster Aktualität. Gäste willkommen. Filme in Prager Lichtspielhäusern bis einschließlich Donnerstag, de« 17. Jänner Adria:»Das Kind des Karnevals." Fr.—- Alfa:„Die wilde Last";„Die hohe Schule" mit Forster.— Avion:„Moskauer Nächte." Annabella. Fr.— Beranek:»Frigo, der Löwe von Paris." Fr, — Fenix:„lpolenblut." Tsch.— Flora:„Solang du eine Mutter hast." Tsch.— Hvezda:„Aergert nicht den Großpapa." Tsch.— Julis:»Moskauer Nächte." Baur, Annabella. Fr.— Kinema, B.-Th.r Journal-, Groteske, Reportage. Ab /fi bis-548.— Koruna. „Der Sheriff von Colorado." A.— Kotva:„Tatra- Romanze." Tsch.— Lucerna:„Tatra-Romanze." Tsch.— Metro:„Nocturno." Regie Machatv Letzte Woche. D.— Olympier„Skandal im Atlantic- Hotel." D.— Praha:»Der Sheriff von Colorado." A.— Radio:„Frigo, der Löwe von Paris." B Kea ton. Fr.— Skaut:„Frigo, der Löwe von Paris." B. K e a t o n. Fr-— Svitozor:„Das Kind des Karnevals." Fr.— Bajkal:„Solang du ein« Mutter hast." Tsch.— Beseda:„Don Juans letzt« Liebe." E.— Roxy:„Das unsterbliche Lied." D.—■ Sport-Smichov:„Bei uns in Krähwinkel." Werich Tsch.— Baldek:„Das unsterbliche Lied." D. Mitteilungen der»Urania« Heute halb 11 Uhr: Hallo Asien— Hall» j Australien". Kulturtonfilm. Das Toppelgesicht deS Ostens. Für Jugendliche geeignet. Kulturfilmpreise. Heute hach 4 Uhr:„Zirkus Habenixini". 3. und letzte Wiederholung. Unvergeßliche Filme: Wir zeigen in dieser ! Reihe:„Metropolis".(1. und 2. Teil) mit Brigitte Helm und Gustav Fröhlich in den Hauptrollen. Montag%9 Uhr. Lustiger Kindernachmittag. Das lustige Spaßmacherpaar: Pat und Patachon. Außerdem: Fatty auf der Jagd. Märchenonkel und sein Kinderwerr- bewerb. Mittwoch 3 Uhr. Verlangen Sie In iecler Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa.HEGNER« Cie., PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I dWWSmWMIMSWIMMIIMW* WMM mit besonderer Triebkraft und höchster Halt* O barkeit, garantiert reines Malzmehl und feinsten S rekt. als auch denat. Spiritus liefert X ßejäner Zucker*. Spiritus* und Preßhefe-Fabrik S vormals Brüder A. A H. May A.-G. X Olmütz-Hojöin. 2860 W Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Poft monatlich fii 16.—, vierteljährig K£ 48.—, halbjährig KC SS.—. ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektion mtt Erlaß Rr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.