IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiu fochova a. telefon sw7. Administration telefon am. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR, EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Haller (•'mKhlieBHch S Hallar Forte) 15. Jahrgang Mittwoch, 16. Jänner 1935 Nr. 13 vis Saar in Hitlers Hand * 25. von 539.549 528.704 46.613 2.083 476.089 901 1.256 Goldene Brücken für die Rückkehr nach Genf? Flandin und Laval anfangs Feber in London London.(Dientet.) Der französische Ministerpräsident Flandin und Außenminister Laval werden am 31. Jänner in London eintreffen. Die Minister werden über eine große Reiste von Fragen verhandeln. Die Berhandlnn- gen werden am 1. und 2. Feber stattfinde«. In dem Zeitraum zwischen der Rückkehr auS Genf und der Reise nach London beabsichtigt Außenminister Laval namentlich die A b rüst un gs f r a g e in allen Details durchzustudieren, die einen der Hauptgegenstände der Londoner Beratungen darstellen wird. Genf.(Tsch. P.-B.) Der im Völkerbund herrschende Gesamteindruck ist. daß das Ergebnis deS Plebiszits im Saargebiet einen günstigen Einfluß auf die Entwicklung der internationalen Politik üben könne, insbesondere, soweit die Bestrebungen der englischen Regierung nach Wiederaufnahme der Ab rüst u n g s k o n f e r e-n z, und zwar in Anwesenheit der Delegierten Deutschlands in Betracht komme. Man ist ferner der Ansicht, daß die Verhandlungen der englischen Regierung mit der deutschen Regierung über die Rückkehr Deutschlands zum Völkerbund erleichtert werden. An amtliche« Stellen in Genf wird aber betont, daß die Garantien der deutschen Regierung für die Saarbevölkerung bis in alle Konsequenzen erfüllt werden in ü s s e n, wenn das Saarproblem endgültig und friedlich gelöst werden soll. London.(Reuter.) Am Mittwoch wird sich eine Kabinettsitzung mit dem Ergebnis der Abstimmung im Saargebiet befaffen. Großbritannien hat den Wunsch, daß der Völkerbundrat so schnell als möglich eine Entscheidung über die Abstimmung trifft. Was die internationale Lage betrifft, scheint man in hiesigen politischen Kreisen der Ansicht zu sein, daß Großbritannien, Frankreich und Italien versuchen werden, sich in der Frage der S t r e i- chung der Militärklauseln des Vertrages vonBer s a illes auf einer gemeinsamen Linie zu einigen unter der Bedingung. daßDeutschland in den Völkerbund zurückkehrt und an einem allgemeinen Pakt über die Rüstungsbegrenzung teilnimmt. Fey klagt Dr. Kreißler In Leitmeritz Broschüre„Wer hat Dollfuß ermordet?" beschlagnahmt Unter dem Titel„Das Geheimnis des Juli— Wer hat Dollfuß ermordet?" wurde einem junge» Juristen Dr. K r e i ß l e r, der zu letzt ein Jahr lang als Auskultant bei einem Wiener Gerichte war und sich Ende 1834 in Prag als polttischer Emigrant aufgchalten hatte, eine Broschüre verfaßt» in der der österreichische Minister F e y der Mittäterschaft an der Ermordung Doktor Dollfuß beschuldigt wird. Auf Grund eines von Wien ergangenen Strafantrages war der Verfasser Dr. Fritz Kreißler Ende 1934 in Prag verhaftet, ist dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Broschüre ist am 4. Jänner 1935 von der Tetschener Bezirksbehörde beschlagnahmt worden und nunmehr hat über An- ttag der Leitmeritzer Staatsanwaltschaft daö KreiS- als Preffegericht in Leitmeritz diese Beschlagnahme der Broschüre bestätigt. Während hinsichtlich der Beschlagnahme der Broschüre nur daS objektive Verfahren in Anwendung kam, ist nunmehr auch ein Strafverfolgungsantrag des Fey auS Wien eingelangt, um das Presiestraf- verfahren beim zuständigen Presiestrafsenat des Leitmeritzer Kreisgerichtes einzuleite«. Wenn es wirklich zur Austragung dieses Preffeprozefles kommen sollte, so kann man wieder mit der Aufrollung und amtlichen Erörterungen der bedrut- semen Ereignisse in Cesterreich rechnen und den Feh etwas näher kenne» lernen. Ulanenkaserne untergebrachie Sonderpolizei von 120 Mann, die zum großen Teil aus deutschen Emigranten besteht, einen„Putsch" vorhabe. Angeblich hatten die paar Leute die Absicht, im Laufe der Nacht„die Macht an sich zu reißen". Die gleichgeschaltete Polizei habe eingegriffen und die Waffen des Sonderkommandos beschlagnahmt, die Polizisten selbst einvernommen und sechs von ihnen verhaftet. Der Führer des Putsches Grum- bach sei rechtzeitig geflohen. Es handelt sich offenkundig um einen Racheakt, gegen die kleine nicht gleichgeschaltete Polizeitruppe, die seinerzeit hauptsächlich aus Emigranten angeworben worden war, denn daß diese Truppe angesichts des Aufgebotes an internationalen Militär an einen Putsch auch nur einen Augenblick gedacht hätte, ist einfach undenkbar. Das DNB verbindet diese aufgelegte Falschmeldung, die nur den einsetzenden Rachefeldzug gegen alles» was anti- hitlerisch war, kaschieren soll, noch mit Angriffen gegen den Präsidenten der Regierungskommission K n o x, der„seine Aufsichtspflichten versäumt" hätte. Goebbels-Theater „Dank“ an die Katholiken— blasphemische Zeremonien! Saarbrücken.(Havas.) Bis 14 Uhr wurde bloß ein einziger Zwischenfall verzeichnet, wobei ein demokratischer Friseur angegriffen wurde, der jedoch in seinem Laden Zuflucht suchte. Die Gebäude der Druckereien der hitlerfeindlichen Blätter sind mit ironischen Aufschriften bedeckt. Die Kundmachungen der Einheitsfront wurden durchwegs unterdrückt und für den Abend wurde bloß eine Manifestation der Anhänger Hitlers gestattet. Es bildeten sich Umzüge, die unter Ab- singung patriotischer Lieder durch die Straßen, ziehen. Es wurde ein symbolisches Begräbnis der Einheitsfront inszeniert, wobei a l s P r i e- ster verkleidete Pers onen die Leute mit Weihwasser besprengten. In Saarbrücken blieben am Dienstag alle Geschäfte, Fabriken und Gruben geschlosien. An den Schulen wurde nicht unterrichtet. Kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Abstimmung wurden die Häuser in der ganzen Stadt mit Ha- kenkreuzslaggcn geschmückt. Saarbrücken.(Havas.) Dienstag gegen I Abend umzingelte eine Gruppe von Nationalsozialisten das Gebäude der saarländischen sozial- ! demokratischen Partei, in welchem sich noch eine ! Anzahl Sozialdemokraten aufhalten. Bis 20 Uhr wnrde kein ernster Zwischenfall gemeldet. Nach einer späteren Meldung haben die Behörden die Schließung des Parteihauses angeordnet, um Zusammenstößen vorzubeugen. In Saarlouis haben die Httleranhänger bei einigen dortige« Bürgern Hausdurchsuchungen vorgenommen. In KarlSbrüll wurde der Führer der Hitlerfront verletzt. An zahlreichen Orten haben die Polizisten ihre Stellen„freiwillig" den in braune Uniformen gettei- drten Hitleranhängern überlasten. Dienstag früh wurden mehrere Saar-Kommunisten verhaftet. Es wurden in den Wohnungen von sechzehn Kommunisten Hausdurchsuchungen vorgenommen. Da bei ihnen angeblich Schlagringe und verschiedene andere Waffen vorgefunden wurden, wurden sie verhaftet. «• Die Führer der antihitlerschen Front Max Braun und Pfordt halten sich, wie Havas meldet, in den Räumlichkeiten der Arbestersozial- fürsorge auf, wo sie von einigen Hundert ihrer Parteigänger beschützt werden. Max Braun war vorerst äußerst erregt, als er von dem Ergebnis der Volksabstimmung Kunde erhielt, hat sich jedoch bereits beruhigt. Pfordt blieb absolut ruhig. Beide Genannten erklären, daß sie auf dem Territorium der Saar weiterhin in ihrem Kampfe fortfahren würden.„Wir anerkennen unsere Niederlage," sagten sie,„die den Beweis erbringt, daß man gegen den Fascismus nicht mit demokratischen Mitteln ankämpfen kann. Wir werden den Völkerbund ersuchen, jene Saarbürger zu schütz en, die uns ihr Vertrauen bezeugt hatten." Durchsichtige Putschgerüchte Das DNB setzt allen Ernstes Meldungen von einem- ,,im letzten Augenblick verhüteten Aufruhr der Emigrantenpolizei" in Saarbrücken in die Welt und berichtet, daß in der Nacht auf Dienstag bekannt geworden sei, daß die in der DaS Saarland stand seit vielen Monaten unter dem stärksten Terror der Deutsch e n F r o n t. Die Verhältnisse waren nicht viel besser als im Drftten Reich selbst. Die Vorkämpfer des Status quo wurden als Separatisten beschimpft, als Landesverräter verleumdet, am Leben bedroht, waren jeder Ehrabschneidung, materiellem und moralischem Druck ausgeliefert. Zu dem monatelang täglich praktizierten Terror kam die Drohung:„Denk an 1935", die jedem„Separatisten" für den Fall der Rückgliederung des Saar« gcbictS an Deutschland Konzentrationslager in Aussicht stellte. Die Peitsche war aber nur ein Mittel, Stimmen zu gewinnen; ein anderes, nicht minder gefährliches war dieKorruptioninjeder Form. Ein Heer von Spitzeln überwachte die Bevölkerung, durchsetzte den Beamtenapparat, Einbrecher wurden gemietet, Akten entwendet, Zeitungen gekauft, Redakteure bestochen, Urkunden gefälscht, Tatsachen verleugnet, Statistiken erfunden, Gerüchte in Umlauf gesetzt; in den letzten Wochen steigerten sich die Aktionen bis zu solchen Wirkungen wie dem Auftreten der gewesenen kommunistischen Abgeordneten Reese vor dem Mikrophon, wo sie offen für Hitler tvarb, und zu dem erfundenen Severing-Jnterview, das in diesem Falle die durch keinen Terror zu erreichende Aussage im Rundfunk ersetzen mußte, aber vor allem dank der Mithilfe kommunistischer Ehrabschneider und gewisser politisierender Lausbuben auch seine verheerende Wirkung ausübte. Es gibt kein Register in der Skala menschlicher Gemeinheit, das die Führer der.Deutschen Front nicht gezogen hätten. Geld spielte keine Rolle. Deutschland kann zwar seine Auslandsgläubiger nicht bezahlen, aber im Saarkampf kam es auf ein paar Millionen Mark mehr oder weniger nicht an. Terror und Ko rruption haben das Resultat der Abstimmung wesentlich beeinflußt. Es war den Nazis gelungen, den Dkassen der Bevölkerung die nicht mehr auszurottende Ucberzeugung einzuimpfen und einzuprügeln, daß die Abstimmung nicht geheim bleiben, daß jeder „Landesverräter" entdeckt und verfolgt werden würde. Unter den politisch Indifferenten, unter Frauen vor allem, haben Terror und Korruption und, mehr noch als der greifbare Terror, die dumpfe Ang st vor der ungewissen Zukunft viele Zehntausende bewogen, für Deutschland zu stimmen. Ein Volk, das Nervenproben wie sie ein Wahlkampf gegen Goebbels und Göring stellt, noch nicht durchgemacht hat, kann sich von der Pa-, nik keine Vorstellung machen, die im Gefolge des Hitler hat an der Saar einen höheren Prozentsatz Stimmen erreichen können als in Deutschland selbst. Die Freiheitsfront vermochte nicht die 20 Prozent zu gewinnen, mit denen auch Pessimisten gerechnet hatten. Der Versuch, den Kampf gegen den Tyrannen aus dem letzten Schlupfwinkel der Freiheit, von der Peripherie des Reiches her aufzurollen, ist gescheitert. Die Parole „Schlagt Hitler an der Saar!" hat sich als strategischer Fehlschlag erwiesen; denn offensichtlich haben Zehntausende, vielleicht Hunderttausende für Hitlerdeutschland gestimmt, die bei anderer Entscheidung nichtfürHitler stimmen würden. Es ist nicht gelungen, die Begriffe Deutsch-, land und Drittes Reich zu trennen. Der primitive Verstand des indifferenten Wählers hat die von der braunen Front behauptete Identität der Begriffe Hitler und Deutschland als gegebenes Schicksal hingenommen und glaubte, um Deutschlands willen Hitler in Kauf nehmen zu müssen. Die nationalrevolutionäre Parole, für Deutschland zu sein, indem man gegen Hitler ist, haben wenige begriffen. Es ist für uns alle das Ende einer Illusion, eine deutliche Lehre: Hitler ist nicht außerhalb Deutschland, Hitler ist nur in Deutschland zu schlagen. Den Tyrannen stürzen können nur jene, die unmittelbar unter seiner Faust stöhnen. Aber jenseits dieser Erkenntnis haben wir uns zu fragen, was dieses Resultat im einzelnen.herbeigeführt hat. 01« Rache der Sieger beginnt Saarbrückener Parteiheim umzingelt 90 Prozent für Deutschland Genf. Das Sekretariat des Völkerbundes teilte den Journalisten folgendes Ergebnis des Plebiszits im Saarlande mit: Anzahl der ei«getragenen Wähler Anzahl der abgegebenen Stimmen davon für den Status a«o für Frankreich.... für Deutschland.... ungültig.. leer.... Völkerbundrat zieht die Konsequenzen Genf. Der dreigliedrige Ausschuß für die Saarangelegeuheiten ist Dienstag zusam- mengetrete« und hat den Text eines Berichtes ansgearbeitet, der am Mittwoch dem Bölker- bundsrat untcrbrritrt wird. Der Bericht enthält Vorschläge betreffend die Durchführung der Maßnahmen im Sinne des Abstimmungsergebnisses und empfiehlt grundsätzlich die Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland. Der Bölkerbnndsrat wird Mittwoch nachmittag- zusammentreten nnd sich auf Grund der Empfehlung des dreigliedrigen Ausschusses wohl für die Rückgliederung aussprechen und das Datum der Uebergabe festsetzen. Später wird sich der Rat mit den andere« sich aus dem Plebiszit ergebenden Fragen befaffen. Die italienischen, französischen und deutschen Experten werden wahrscheinlich in eiuigen Tagen in einem italienischen Orte zusammentrete». Ma» glaubt, daß da» Saarproble« in administrativer und politischer Beziehung in einem Monat, spätestens aber in zwei Monaten liquidiert sei» wird. Die britische» Truppe« werde» ans dem Saargebiet in einige« Woche« abbernfe« werde«. Settel Mittwoch, 16. Jänner 1935 Nr. 18 braunen Terrors, der braunen Seelenvergiftung ausbricht. * Das Reservoir, aus dem an der Saar Demokraten und Kommunisten schöpfen konnten, war von allem Anfang stark eingeengt. Runde dreißig Prozent der Bevölkerung waren in normalen Zeiten marxistisch eingestellt. Die beherrschende Partei des Saargebietes aber war immer das katholischeZentrum. Von der Entscheidung der bewußten Katholiken hing eS im Grunde ab, ob die Saar frei oder versklavt werden sollte. Nun ist die Zentrumspartei an der Saar glcichgeschaltet. Sie ging widerstandslos in der Deutschen Front auf. Die wichtigste und stärkste Gewerkschaft, die der katholischen Bergarbeiter, ist ebenfalls seif langem gleichgeschaltet. Biel zu spät wurde eine christliche Partei gegründet, die sich in der Masse nicht mehr durchzusehen vermochte. Die katholischen Bischöfe von Speyer und Trier» die Diözesanhirten des Saargebietes, setzten sich in schamloser Offenheit für ihren Peitschenhalter Hitler ein. Der P a p st schwieg lange, um zum Schluß beide Möglichkeiten offenzulaffen. Was bei der Haltung der Bischöfe doch Hitler zugutekam. Der Verrat des deutschen Ka- tholizis m u S an seiner ganzen demokratischsozialen Tradition hat bei der Entscheidung an der Saar den Ausschlag gegeben. Von den Zchntausenden politischen Katholiken deS Saargebiet haben kaum ein paar Dutzend den Mut gehabt, für eine Weltanschauung und gegen ein nationalistisches Schlagwort zu entscheiden. Den Dank werden die Saarkatholiken bald erhalten. Darum braucht man sich nicht zu sorgen. In dem Freiheitskampf der Saar hat, ähnlich wie beim Kampf der österreichischen Sozialdemokratie, die Westeuro päische Demokratie versagt. Frankreich hat das Saargebiet ausgepumpt, solange es die Saarkohle für seine Wirtschaft, das Land als Sanktion gegen ein schwaches und ftiedenSbereiteS Deutschland brauchte. Dem ausgerüsteten Deutschland gegenüber wollten die Franzosen das Faustpfand je eher je lieber los sein. Sie machten kein Hehl daraus, daß sie die Saar abstoßen, daß sie Hitler besänftigen, den Wölfen einen Knochen zuwerfen wollten. Daraus und aus der Hitlerfreundschast Englands erklärt sich die schlechte Vorbereitung der Abstimmung durch den Völkerbund. Ein Jahr lang wütete der braune Terror ohne Schranken, ein Jahr lang sabotierten Herr Knox und die Polizei den Abwehrkampf der Demokraten, indem sie sich blind und taub gegen den Terror stellten, aber nach links hin den energischen Mann spielten. Als endlich, viel zu spät, internationale Polizei kam, hat ein betrunkener englischer Offizier, durch sein gewissenloses Benehmen der Sache der Demokratie im ersten Augenblick der neuen Situation unermeßlichen Schaden zugefügt. Daß man die Saarländer fast bis zum Schluß in Ungewißheit darüber ließ, ob der Status quo überhaupt eine Abstimmungsmöglichkeit ist, daß man die Frage der zukünftigen Verfassung deS Saargebietes offen ließ, keinen Termin für die zweite Abstimmung nannte, war eine weitere Gewissenlosigkeit der Westmächte. Nicht minder waren die Auslieferung der wichtigsten Agerwa an den Baron A l o i s i, einen stillen Kompagnon der Hitlerei, war die demonstrative Verlegung der Grubendirektion nach Metz, das Verhandeln mit Berlin über den Kopf der Saarländer hinweg schwere Schädigungen der guten Sache. Auch an den Westmächten kann sich ihre kurzsichtige Politik im Saargebiet noch einmal rächen I Die Parole für den Status quo war sicher keine zündende Losung. Aufrechterhaltung des Bestehenden— just das will heute niemand, nirgends in der Welt. Die Menschen wollen eine Aenderung, sei es auch der Kopfsprung inS Ungewisse. Dazu kam, daß sich die Franzosen in 18 Jahren anscheinend wenig beliebt gemacht haben. Der Ausgang des Ringens um die Saar zeigt, wie man es machen muß, wenn man ein Land, ein Volk, eine Minderheit nicht gewinnen will. Man kam den Saarländern mit Bürokratismus, engherziger Militärverwaltung und mit Ausbeutermanieren. Sie haben das nicht vergessen. Gegenüber allen Berichten über Hitlerdeutschland, die ja doch aus einem ftemden Lande kamen und von der Riesenpropaganda der Braunen täglich dementiert wurden, war die konkrete eigene Erfahrung mit der Franzosenherrschast das stärkere Gewicht. Grubenbarone, Generale und Bürokraten sind augenscheinlich nicht die Mächte, die das Herz einer nationalen Minderheit für das neue Vaterland gewinnen! * Die StatuS-quo-Parole, die einzig mögliche für die Saar-Demokraten, stieß gegen übermächtige Gefühle vor. Das nationale Schlagwort hat sich stärker erwiesen als die national-revolutionäre Parole. DaS ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß am Sonntag an der Saar eine der letzten Schlachten des Weltkrieges geschlagen wurde. Der Kampf um die Rückgliederung der Saar war für die große Mehrheit der Deutschen Kampf gegen den Wahnwitz und die Willkür der Pariser Diktate. Dieser Kampf hat fteilich unter Hitler seinen Sinn verloren. Denn was die Sieger von Versailles dem deutschen Volke auch auferlegen oder rauben mochten,— Hitler hat ihm größere Last auferlegt, mehr geraubt. Aber gerade an der Saar, wo Hitler noch nicht Geschichte geworden, sondern das große„Neue" ist. verfing die alte Parole noch: gegen Versailles, für das Recht Deutschlands aus die 14 Punkte Wilsons! So ist an der Saar im Grunde d a S System von Versailles geschlagen worden, der verhängnisvolle Versuch der Sieger von 1919, ein neues Europa zugleich auf die Botschaft von Freiheit und Gleichheit, Humanität und Zivilisation und auf die Gewalt der Tanks und Flugzeug« zu gründen. Es war das Verhängnis des deutschen Freiheits- kampfes gegen Hitler, daß er an der Saar not« wendig in die schiefe Stellung kommen mußte, scheinbar nicht das Deutschland von Morgen, sondern, das Frankreich von Gestern zu vertreten. Die Propagandämittel der Freiheitsfront reichten nicht aus, im ideologischen Wirrwarr einer Bevölkerung. die 18 Jahre um ihre Befreiung von dem 1919 begründeten Zustand gekämpft hatte, soweit Ordnung zu schaffen, daß sie begriffen hätte, daß die Freiheit jetzt gerade in der B e w a h- rung dieses Zustandes gelegen hätte. Der Kampf an der Saar ist verloren worden. Nicht weil wir in der Minderheit blieben, sind wir geschlagen worden, sondern weil die Minderzahl von Stimmen, die wir erreichten, so gering ist. Aber wir kämpfen weiter. UeberS Jahr wird das Saarvolk anders denken. Die geschichtlich« Erfahrung wird den Saarländern beibringen, was sie nicht begreifen wollten, daß sie sich nicht an Deutschland, sondern an ein Zuchthaus angeschlossen haben. Der Kampf war notwendig. Der internationale Sozialismus müßte ihn, ginge es noch einmal von vorn an, wieder aufnehmen. Die Absage deS deutschen Fceiheitskampfes an Berlin. Der Ausfall der Saarabstimmung wird, wir nicht anders zu erwarten war, von den leitenden Partei- und Regierungsstellen zu einem Reklamefeldzug er st en Ranges für das Hakenkreuz benützt. Im Anschluß an die Verlesung des Abstimmungsergebnisses ließ sich H i t l e r im Rundfunk von dem Gauleiter Bürckel angratulieren. Dann hielt Hitler über alle deutschen Sender selbst eine Ansprache, in der er den Saarbewohnern den„Dank der Nation" aussprach und dann an Frankreich ein Friedensangebot stellte, zu dem er das Konzept allerdings kaum feinem Buch„Mein Kampf" entnommen haben dürste: Durch die Saarabstimmung sei eine der am schwersten tragbaren Spannungen in Europa be-- seitigt und sie alle wollen in diesem Akt des 13. Jänner„einen ersten und entscheidenden Schritt sehen auf dem Wege einer allmählichen Aussöhnung jener, di« vor 20 Jahren durch Verhängnisse und menschliche Unzulänglichkeiten in den furchtbaren und unfruchtbarsten Kampf aller Zeiten getaumelt sind. Eure Entscheidung, deutsche Volksgenossen von der Saar, gibt mir heute die Möglichkeit, als unseren Opferwillen ge- Paris. Die Antwort des französischen Ministerpräsidenten Flandin auf Hitlers Rundfunk- Angebot ist ziemlich zurückhaltend undvorsichttg gehalten und verlangt von Deutschland erst entsprechende Taten. Die betreffende Stelle der Rede lautet: Ich habe, bereits erwähnt, daß die Regelung der Saarfrage als wertvoller Versuch in den deutsch-französischen Beziehungen dienen wird. Ich bin sicher, die übergroße Mehrheit der Franzosen wünscht, daß sich diese Beziehungen allmählich bessern, um eineSTageSzu einer Zusammenarbeit am europäischen Frieden zu führen. Die französische Oeffentlichkeit, die oft enttäuscht worden i st, legt heute mehr Wert aufTaten, alsaufWorte. Wenn wir unsererseits so handeln, daß die Liquidierung des besonderen DaarregimeS in kürzester Frist vorgenommen wird, dann haben wir d a S R e ch t, von der deutschen Regierung einen gleichen guten Willen und eine gewissenhafte Achtung des Völkerrechtes zu erwarten. Völkerbund muß Hltlergesner schützen lieber das nun aktuell gewordene Flüchtlingsproblem erklärte Flandin u. a: Hitler ist eine geschichtliche Notwendigkeft. Der Saarkampf zeigt nur, daß der Weg zum Ziel viel länger und schwieriger ist, als die meisten von uns glaubten. Aber der Kampf muß zu Ende gefochten werden. Die Front schließt sich von neuem: Deutschlands Freiheit gegen die braune Tyrannei! schichtlichen Beitrag zu der so notwendigen Befriedung Europas die Erklärung abzugeben, daß nach dem Vollzug Eurer Rückkehr daS Deutsche Reich keine territorialen Forderungen an Frankreich mehr stellen wird. Unser aller Wunsch ist es, daß dieses deutsche Ende eines so traurigen Unrechts zu einer höheren Befriedung der europäischen Menschheit beitragen möge. So groß und unbedingt unsere Entschlossenheit ist, Deutschland die Gleichberechtigung zu erringen und zu sichern, so sehr sind wir gewillt, unS dann nicht jenen Aufgaben zu entziehen, die zur Herstellung einer wahrhaften Solidarität den Nationen gegenüber den heutigen Gefahren und Nöten erforderlich find. '* Nach Hitler ordnete Goebbels die sofortige Beflaggung sämtlicher Amtsgebäude und Schulen an, der sich die ganze Bevölkerung anschließen solle: In einer halben Stunde müsse ganz Deutschland in ein Flaggenmeer verwandelt sein. Für Dienstag abends wurden Demonstrationen, Fackelzüge, Vorbeimärsche und Ansprachen angeordnet. Das heikelste Problem, das einer möglichen A b w a n d e r u n g, ist, was Frankreich anbe- trifft, von einem Ausschuß des Kabinettes unter dem Vorsitz Herriots genau studiert und vorbereitet worden. Aber es geht vor allem den Völkerbund an. Dieser hat die Pflicht, diejenigen, die nicht für Deutschland gestimmt haben, vor allen etwaigen Repressalien zu schützen. Flandin bleibe übrigens überzeugt, daß die deutsche Regierung von selb st(?) alle Maßnahmen ergreifen werde, um vor aller Welt zu zeigen, daß sie die Minderheitenrechte zu achten und dadurch eine Abwanderung aus der Saar zu vermeiden wisse. Frankreich seinerseits könne seine Grenze Flüchtlingen nicht verschließen, die sich bedroht glauben. Aber es wünscht sehr, daß solche Umstände nicht eintreten. „Rot Front“— sechs Monate Gefängnis Berlin. In Gera hatte ein Mann namenS Trier nach einer Zecherei auf der Straße Vorübergehenden den Gruß„Rot Front" zugerufen. DaS Schöffengericht verurteilte ihn wegen kommunistischer Betätigung zu sechs Monaten Gefängnis. Hitler: Keine territorialen Forderungen an Frankreich mehr... «Zuerst Taten!“ Zurückhaltende Antwort Handlns Copyright by PmMdleut I. Prager-Verla*. Wien Sie duckte sich in der Erinnerung an ihr früheres Dasein. Damals waren dieses davongelaufenen WeibeS wegen hier geleerte Rumflaschen herumgelegen.„Mutter? Das war ein Märchen für sie gewesen, als sie mit Kinderschritten durch das Dorf trippelte, um sich ihr Brot zu verdienen. „Mutter"— sie hatte sich daran gewöhnt, ohne den Reichtum dieses Wortes auszukommen. Und jetzt stand dieses Weib hier und erfüllte sie mit Ratlosigkeit und Grauen. Sie fühlte nichts für diese„Mutter", die einmal mit einem Herrn— so wie sie selbst mit Bonnetier— fortgelaufen war. Der Verrat lag wohl im Blute, in ihrem Blute, im Blute dieser Frau, die auftauchte, da sie ihrer nicht mehr bedurft«. Alle Gefühle von Kindesliebe und Blutbande sind Unsinn, sagte sie sich und fühlte wirklich nichts als unendliche Ratlosigkeit. Sie ging zu Felicien, streifte hart an Frau Cloture vorbei und fühlte, wie über ihren Rücken ein Frösteln glitt. Mit heiseren, hastigen Worten, flüsterte sie: „Felicien, Lieber, das da ist meine Mutter. Sage mir, was soll ich tun, was soll ich tun...?" In FelicienS Dasein war der Begriff„Mutter" der Höhepunkt aller Gefühle. Ueberraschung und Grauen raubten ihm die Sprache. Babiola winkte der Frau. Sie trat mit ihr hinter die Hütte, wohin die vielleicht neugierigen Ohren des Gespenstes Cloture nicht reichen konnten und dort sprach Babiola atemlos den schwersten Sah ihres Lebens: „Ich bin Babiola, ich glaube: deine Babiola." Die Fischerin wurde totenblaß und ließ die Hände kraftlos sinken. In ihren Augen tobte ein tränenloser Kampf. Babiola dauerte die Sttlle zu lange. Mit ihren energischen Händen ergriff sie die leblosen der Mutter:„Geh zu ihm in die Hütte und gib ihm Geld. Gib ihm dies und dann komme uns nach. Dort in den Dünen wollen wir uns treffen. Gib es ihm, aber sprich kein Wort, kein Wort von mir. Es könnte ihn töten. Ich werd« warten, schnell!" Sie zog Felicien mit sich. ,/Fch habe, bei Bott, kein alltägliches Schicksal!" Hierher reichten die Sttmmen der Badegast nicht und nur wenn das Brausen des Meeres neuen Atem schöpfte, sickerten tropfengleich einige Töne der Jazzmusik herüber. Sie setzten sich auf Steine. „Felicien, rate mir, was soll ich mit der... mit ihr machen? Ich bin zu groß, um kindisch zu lachen und zu klein, immer noch zu klein, um zu weinen. In mir ist alles wie erstarrt. Zu spät sagt man mir: schau, da ist deine Mama. Zu spät. Ich kann nicht mehr in die Hände klatschen und mich freuen. Sie ist mir fremd— fremd— fremd—" Felicien atmete den Dust des Meeres und empfand seine Farben wie eine schwere Symphonie. Er ertappte sich bei BabiolaS Frage bei dem Gedanken, er hätte lieber Maler werden sollen. Er sagte: „Babiola, sie ist deine Mutter. Du mußt mit ihr sprechen." Babiola war sehr erregt:„Ich hätte fortgehen, nicht mit ihr sprechen sollen. Ich sehe immer nur, daß sie ein ganz gewöhnliches Weib ist." Die Fischerfrau Cloture kam, gerötet vom Lauf und um viele ihrer verpfuschten Jahre verjüngt. Babiola sammelte Kräfte. Jetzt stand sie da. Sie hatte ihre Ueberraschung ünterwegS verloren. Ihre noch immer schönen Augen blitzten. Sie drehte und wendete Babiola nach allen Seiten und schluchzte leise. „Babiola, meine arme, kleine Babiola. Was hast du für ein schönes Kleid, mein Kind." Babiola antwortete nicht. Beider Mund war wie vermauert durch den Einsturz der Schicksale und Jahre. „Babiola, Babiola, ich habe nicht gehofft, daß ich dich jemals Wiedersehen werde. Aber wenn ich von dir geträumt habe, dann warst du immer eine feine Dame." „Hast du nie etwas von mir aus den Zeitungen erfahren? Cloture— die Schauspielerin aus Paris. Ich habe nie den Namen verleugnet, den ihr mir geliehen habt." „Wir haben davon gehört, daß es eine Schauspielerin Cloture gibt, aber nicht im Traume daran gedacht, daß du... wie hätten wir denn denken sollen, daß du das bist... unsere arme Kleine." Sie begann zu weinen. Babiola empfand die Tränen dieser Frau peinlich. Die Flut trieb sie weiter in die Dünen. Sie waren ihr dafür dankbar. Sie rettete einen Augenblick lang das ratlose Zwiegespräch. Babiola fand eine Lösung: „Wollt ihr hierbleiben oder wollt ihr mtt nach Paris?" .Felicien sagte plötzlich: „Ich werde vorausgehen." Und er ging, ohne eine Antwort abzuwarten. Frau Cloture trocknete ihre Tränen/ „Ist das dein Mann?" „Nein." „Dein Geliebter?" „Nein, mein Freund. Ich brauche keinen Geliebten." Das llang wie ein Borwurf. Das Fischer- weib bückte sich wie unter einer schweren Last. „Ich habe dir das Leben verdorben, Babiola." »Aber nein; quäle dich nicht mst solchen Ge danken. Wenn ich das Kind Clotures wäre, würde ich wahrscheinlich nicht Theaterspielen. Wo warst du denn, bevor dich Cloture hierher brachte?" „In Madrid. Er hatte dort Fabriken. Ich war die Aufseherin seiner Arbeiterinnen. Madrid ist eine weiße Stadt, von der Sonne verflucht. Den ganzen Tag brennt sie. Man hat immer Kopfschmerzen. Dann verkaufte er die Fabrik und fuhr davon. Nach Paris. Es war mir gleich. Er hat mich schon früher schlecht behandelt." Dieser„er" war der Gegenstand von Da« biolas brennendster Neugierde. Sie war enttäuscht, zu hören, daß er eine Fabrik besessen hatte. Wenn sie über ihre Kunst, von den ersten triebhaften Anfängen an, nachdachte, stellte sich stets der Wunsch ein» den Ursprung des Stromes ihres Könnens zu entdecken. Sie hatte sich immer einen Künstler mit klingendem Namen vorgestellt und heute muhte sie hören, daß sie von einem Bourgeois abstammte. „Ich werde„Mutter" zu dir sagen und du wirst nach Paris übersiedeln. Mit Cloture kannst du nicht weiter Hausen. Wir wollen Ordnung machen." „Babiola." „Mama", sagte sie, wie eine eingelernte Rolle. „Kleine Babiola, ich mochte dich küssen." Und Babiola neigte den Kopf und ließ sich auf die Haare küssen. Sie hatte die Rolle einer zärtlichen Tochter schon des öfteren spiel« müssen. Frau Cloture sagte: „Nach Paris! Ich würde gerne mitgehen. aber Cloture ist so alt. In Paris sind viele Straßen, aber ich werde ihn bestimmt in einer treffen." „Wen?" (Fortsetzung folgt.) Nr. 18 Mittwoch, 16. Jänner 1935 Seite 3 »« i i ist die Entwicklung in den Gegenden von der Mol- j bau nach Osten, sehr günstig in der Gegend von bereit- dem Fürsorgeminister einen Bericht über seine Wahrnehmungen zu erstatten Gelegenheit hatte. Am 23. d. M. wird der Ausschuß bei dem Ministerpräsidenten und bei den Ministern für soziale Fürsorge und öffentliche Arbeiten vorspre chen. In den Ministerien wird eine Denkschrift abgegeben«erden, die alle Vorschläge enthält, die darauf abzielen, die vorhandene Not der Arbeits losen in der wirksamsten«nd raschesten Weise z« bekämpfen. den Verdienst finden, betroffen wurden. Auch im Bergbau können die Folgen deS milden Winters beobachtet werden. ES ist begreiflich, daß die Arbeiterschaft unter diesen Verhältnissen auf verschiedene Gelegenheitsarbeiten sowie auf öffentliche Arbeiten wartet. Die Bezirksanstalten für allgemeine öffentliche ArbeitS- und Dienstvermittlung bitten daher wiederholt alle ArbeitS- und Dienstgeber, die irgendwelche Arbeit-- oder Dienstkräfte benötigen, sich an die Anstalten, die die Arbeitslosen in Evidenz führen und kontrollieren müssen und daher passende Kräfte zuweisen können, zu wenden. sion durch die Bezirksverwaltung Leitmeritz in der ursprünglichen Höhe von 89.000 KC im Mai 1927 festgestellt worden war. Funfarek hatte einen Schuldschein auf 90.000 Kä unterzeichnet, der auf der ihm und seiner Frau gehörenden Wirtschaft verbüchert wurde und binnen fünf Jahren abgezahlt werden sollte. Das geschah aber bisher nicht. Die Anzeige der Gendarmerie war erst später erfolgt. In der Nichtigkeitsbeschwerde hatte der Verurteilt« eingewendet, Hatz die Organe der damaligen BezirkSverwaltungSkommiffion, die die erste Revision der Gemeinderechnung vornahm, nicht als„Obrigkeit" im Sinne des Strafgesetzes anzusehen seien. DaS Oberste Gericht hatte der Nichtigkeitsbeschwerde in nichtöffentlicher Sitzung stattgegeben und Funfarek wurde durch einen Straffenat des Kreisgerichtes Lett- meritz wieder zu der früher erkannten Sttafe, aber unbedingt, verurteilt. Gegen das Urteil erhob Funfarek wieder die Nichtigkeitsbeschwerde, die vom Obersten Gericht verworfen wurde. DaS Oberste Gericht gab dagegen der Berufung der Staatsanwal t- schäft statt und erhöhte die unbedingte Straft von sechs Monaten auf zehn Monate schweren Kerkers. Parlamentarischer Ausschuß für den Notstandsbezirk Kratzau Am Dienstag konstituierte sich der für den RotstandSbezirk Kratzau eingesetzte parlamen tarische Ausschuß, der zu seinem Vorsitzende« Bürgermeister Senator Kostka wählte. Sein Stellvertreter ist Abgeordneter Genosse Roscher. Zum Geschäftsleiter wurde Abgeordneter B o b e k bestellt. Dem Ausschuß gehören noch an: die Senatoren D n n d r(Abgeordneter Jng. Re- Las),Eich Horn und Abgeordneter Min tz i r s ch. Im Wege einer eingehenden Aussprache wurde festgelegt, daß von den zu ergreifenden Hilfsmaßnahmen sofort die Erklärung deS Ge- richtSbezirkcS Kratzau alS RotstandSbezirk anzu streben ist,«m die ungemein notleidend geworde nen Arbeitslosen in die Ernährungs-, Beklei dung-- und BehrizungSaktion einzuteziehen. ES wurde ermittelt, daß SektionSrat Dr. H o l h, der in Vertretung deS Fürsorgeministerium- an der Bereisung des Bezirke- Kratzau teilgenommen hat, i Deutsche und Tschechen in Südböhmen Der tschechische Professor R. Strnad in B.-BudweiS hat eine Broschüre über die VolkS- zählnngsergebnifse in Südbö^nen geschrieben, auS. der wir folgende Angaben festhalten: In den 15 Präsidiums sprachen den Dank für diese"Hilfe auS. südböhmischen Gerichtsbezirken haben die Tscheche» Die Verteilung wird im Einvernehmen mit den (seit der vorletzten Volkszählung) um 2283 Per- angeschloffenen deutschen Organisationen durch den sonen zugenommen, die Deutschen um 1533 Per-( Reichsverband für Kinderschuh und Jugendfür- sonen abgenommen. Für die Deutschen ungünstig sorge durchgesührt werde» Ein Waggon Mehl für die deutschen Kinder. In der Präsidialsitzung der„Demokratie für die Jugend" am 14. Jänner teilte die Vorsitzende der Aktion„Benkov dStem"(DaS Land den Kindern), Frau Helene E e r n h, mit, daß dieses soziale Hilfswerk der Republikanischen Partei einen Waggon Mehl für die deutschen hungernden Kinder zur Verfügung stellt. Die deutschen Mitglieder deS Judetenden> Lss zeit eine beträchtliche Rolle. Die Anzahl der zeitweise Arbeitslosen war um 1144, b- i. um 5.9 Prozent höher als Ende Dezember 1933, wovon 1102 auf Textilarbeiter entfielen. Es muß jedoch bemerkt werden, daß die Aussetzung eine kürzere Zeit dauerte, da die große Mehrzahl der hauptsächlich mit dem 22. Dezember 1934 Ausgesetzten bereits am 2. Jänner 1935 wieder dir Arbeit angetreten hat, wogegen im Jänner 1934 die Aussetzungen länger gedauert haben. Die Erhöhung der Anzahl der unterstützten gewerkschaftlich Organisierten war im Dezember 1933 geringer, denn eS handelte sich bei den gänzlich Arbeitslosen um eine Erhöhung um 8796, d. i. 10.2 Prozent und bei den zeitweise Arbeitslosen um 1693, d. i. um 9.6 Prozent. Im Vergleich mit Dezember 1933 ist die Anzahl der gänzlich arbeitslosen Unterstützten im Dezember 1934 um 3406, d. i. um 8.3 Prozent niedriger, die die der zeitweisen ausgesetzten Unterstützten wie schon erwähnt wurde, um 1144, b. i. um 5.9 Prozent höher. Auf dje Entwicklung der Lage deS Arbeitsmarktes wirkte die saisonmäßige Arbeitsruhe in der Landwirtschaft, die beschränkte Möglichkeit der Arbeit in den Wäldern, die Arbeitsruhe in den Steinbrüchen, Sandgruben und Ziegeleien, die Abschivächung in der GlaSindustri», die in manchen Zweigen nach der vorübergehenden Befferung in den letzten Monaten jetzt zu verzeichnen war und durch WeihnachtSauSsetzungen vergrößert Möglichkeit der Beurteilung der Lage— soweit dies nach den bloßen Zahlen überhaupt möglich ist— können die Zahlen über die Anzahl der mit Ende Dezember in den einzelnen Hauptberufsgruppen in den Jahren 1932, 1933 und 1934 angemeldeten gänzlich Arbeitslosen benützt werden. So waren in diesen Jahren in der Glasindustrie 24.185, 20.429, 16.649 Arbeitslose angemeldet, in der Metallindustrie 15.144, 13.640, 12.944, in der Textilindustrie 29.483, 25.825, 24.136, 16.851, 20.170 12.117, Gründer In der periodischen Zeitung„Deutscher Landbote" deren verantwortlicher Redakteur der Beschuldigte ist, wurde am 29. Okwber 1984 Rr. 8, auf Bltzl. 1«in Artikel veröffentlicht, welcher gegen die klagende Partei schwere Beleidigungen entölt, welche schandbare Rolle spielt und die eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des deutschen Volkes darstellen soll. Die klagende Partei wird alS Partei des Volksverrates bezeichnet, wobei gesagt wird, eS bestehe die Pflicht, die Wahlen so vorzubereiten, daß die Partei deS Volksverrates vernichtend geschlagen wird. Mtt Rücksicht auf diese Anschuldigungen erachtet daS Gericht die vom Kläger ad 1—4 abverlangte und vom Beschuldigten auch angenommene Genugtuung als angemessen. Rücksichtlich des Bettages für die Arbeitslosen zuerkannte das Gericht im Sinne deS§ 26 Ges. Nr. Leidensweg eines Dienstboten Das Vieh hat es besser Das„Pilsner Tagblatt" berichtet unter dem lakonischen Titel„Schwere Dienstbotenmißhand- lung" über den Leidensweg eines als Dienstbote verdingten Waisenmädchens, das von seinem Dienstherrn in geradezu grausamer Weise behandelt wurde: In das Krumauer Krankenhaus wurde ein junges Waifenmädchcn in einem unglaublichen Zustand eingcliefert. Die Unglückliche war bei einem Bauer in H o s s e n f ch l a g bei Höritz alS Dienstmädchen angestellt; ihr Dienstgrörr behandelte sie ärger als das Vieh und schlug sie unbarmherzig. Schließlich verletzte er daS Mädchen mit einer Mistgabel am Fuß«nd sperrte sie in den Schweinestall. Ein bei dem Landwirt angrstrllter Knecht erstattete die Anzeige lei der Gendarmerie, welche das Mädchen befreite und inS Krankenhaus schaffen ließ. AuS der durch den Stich mit der Mistgabel zugefügtrn Wunde scheint sich Beinfraß zu entwickeln und eS ist möglich, daß dem unglücklichen Mädchen daS Bei« abgenommen wird. Gegen den Landwirt wurde die Anzeige erstattet." Daß ein den Landbündlern so nahestehendes Blatt, wie daS.Pilsner Tagblatt", diesen Bericht bringt, muß man sich besonders merken, denn in der Regel ist man dort, wenn wir einen solchen Fall aufgreifen und für die landwirtschaitlichen Dienstboten die Anwendung moderner Schutzgesetze fordern, immer eifrigst bemüht, den Nachweis zu führen, daß im Zeichen der D o r f g e- mein schäft geradezu ideale Verhältniffe zwischen ländlichem Arbeitgeber und Arbeitnehmer bestehen, die durch nichts gestört werden dürfen. ES wäre daher sehr intereffant, wenn das„Pilsner Tagblatt" auch noch den Namen des Bauern nennen würde, der sich nach dem berühmten Muster deS Dritten Reiches eine Art Privatfolterkammer eingerichtet hatte, um ein armes Waisenmädchen, das in der Welt ohne Verwandte und Freunde dasteht, darin zum Krüppel zu peinigen. Möge das Schicksal deS Waisenmädchenü unseren gesetzgebenden Körperschaften eine dringliche Mahnung sein, daß eS notwendig ist, auch für die Landwirtschaft eine sozial« ArbeitS- inspcktion einzuführen! bei den Bauarbeitern 18.385, 16.709, bei den Hilfsarbeitern 22.333, 20,738, und bei den Tagarbeitern 13.711, 11.780. Die gewerkschaftliche Arbeitslosenunterstützung mit dem Staatszuschuß erhielten Ende Dezember 37.687 gänzlich und 20.514 zeitweise Arbeitslose, was gegenüber Ende November eine Erhöhung um 5083, bczw. 4285 bedeutet. Besonders bei den zeitweise Arbeitslosen spielte hier die Aussetzung der Industriearbeiter in der Weihnachts- und Neujahrs- Sieben Prozent mehr Arbeitslose In Kordböhmen Keine Saisonarbeiten— Weniger Arbeitslosigkeit als 1932 und 1933 Wo sind Nationsverrätei Eine gerichtliche Stäupung der Landbundpresse - in den Gebieten von Hohenfurch, Kalsching und Waller« zu verzeichnen. In 10 Orten haben die Tschechen seit 1921 die Mehrheit erlangt. Von den 516 Gemeinden haben 9 keine tschechischen Einwohner. Außer in Kruinau haben die Tschechen in allen Bezirksstädten zugenommen. Die Deutschen haben in tschechischen Orten zugenommen und sind in vielen Orte zu finden, wo es srüher keine Deutschen gegeben hat. 108/1983 Slg. nur dem Beschuldigten, und zwar in dem seinem Verschulden und seinen Vermögens» verhältniffen angemessenen Betrag, während der Anttag, es tteten Josef Türmer als gewesener Herausgeber der Zeitung„Deutscher Landbott" sowie die Druckerei Fa. Kobttsch und Gschihah, deren Inhaber Jng. Bergmann in Eger ist. auch dieser Verpflichtung bei, wurde abgewiesen, weil derselbe im Gesetze nicht begründet und auch im Strafverfahren nicht durchführbar ist." Wer nun etwa glauben wollte, daß die Schriftleiterpresse ihre schwachsinnige Argumenta- tion gegen die Sozialdemokratie einstellen und deren wahrhaft nattonaler Arbeit gerechte Würdigung zuteil lassen werde, einer Arbeit, die deshalb wirklich national zu nennen ist, weil sie dem Schutze des ärmsten und zugleich größten Volksteiles, der Arbeiter und der Arbeitslosen, dient, der wird sich irren: da den Herren Schriftleitern geistige Waffen nicht zur Verfügung stehen, werben sie weiter verleumden. Nur mögen stt zur Kenntnis nehmen, daß sie von nun an das Schicksal ihrer Kollegen vom„Deutschen Landboten" teilen werden. Dtt Waffe, von der das deutsche Bürgertum glaubt, daß stt im Kampfe gegen die Sozialdemo« Katie am wirksamsten sei, ist der Vorwurf des Rattonsverrats. Nationsverrat ist nach der Behauptung der„Völlischen" schlechthin alles, waS die Sozialdemokraten unternehmen. Wenn etwa dtt Gewerkschaften für höhere Löhne kämpfen, wenn wir mehr Freizest fordern oder Unterstützung für die Krisenopfer auf Kosten derer, die dtt Arbeiter in den Zeittn der Konjunüur wacker auS» gebeutet haben, wenn wir uns bemühen, den Kul« turstandard der Arbeiterklasse zu heben, um ihr dtt Teilnahme an den Kulturgütern des Volkes zu «möglichen, so ist dies alles nach der Behauptung der völkischen Patentdeutschen„Nationalverrat". Roch schlimmer wird aber der Kampf der Sozialdemokratie gegen dtt Verderber der deutschen Freiheit beurteilt: wer nicht für Hitler ist oder für seinen sudetendeutschen Ableger, der ist in den Augen der Christlichsozialen, Landbündler und Henleinleute nicht wert, ein Deutscher genannt zu werden. Und wer sich nun gar als Feind Hitlers oder Henleins erklärt, für den hat man nur jour- nalisttschen Kot bereit. Nicht immer bekommt solches Tun den„Völkischen" gut. Vor kurzem hat z. B. der„Deutsche Landbote", das Egerer Spinablatt, die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei deS Nationsverrats bezichtigt. Die Herren Landbundredakteure, die gleich ihren Kollegen bei den übrigen Schriftletterblättern jede Verleumdung der Sozialdemokraten bedenkenlos niederschreiben, hoffend, daß dies ftine weitere Folge haben werde als die, daß doch etwas hängen bleibt, haben sich sehr gewundert, als sie vom zuständigen Kreisgericht auf Grund einer Klage unserer Partei aufgefordert wurden, für ihre Behauptungen Beweise zu erbringen. Sie rieten hin, sie rieten her. Schließlich aber riskierten sie nicht einmal den Versuch eines Beweises, sondern nahmen den folgenden Beschluß des Egerer Kreisgerichtes zur Kenntnis: „KreiSgericht in Eger Mt. XHI hat in der Strafsache„die polittsche Organisation(Polittsche Pattei) der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik vertteten durch den Patteivorsitzenden-Stellvettreter Eugen de Witte gegen Josef Hahn, Verantwortlichen Redak- ttur der periodischen Druckschrift„Deutscher Landbote" in Eger wegen Vergehens gegen dtt Sicherheit der Ehre wie folgt beschlossen: DaS Gericht eracht« nachstehende Genugtuung für angemessen. 1. Dem Beschuldigten wird aufgetragen, in der nächsten oder zweitnächsten Nummer de»„Deutschen Landboten" bei sonstiger Einstellung seines Blattes und bei sonstiger Exekution auf der 1. Seit« in der 1. Spalte seiner Zeitung als erste Nachricht nachstehende Erklärung zu veröffenllichen: Erklärung: Dtt Redaktion de»„Deutschen Landboten" hat am 29. Oktober 1934 einen Leitartikel unter der Ueierschrist„Zum Kreisparteitag" veröffentlicht, in welchem schwere Beleidigungen der Deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republtt enthalten waren. Ans Grund deS von dieser Pattei gegen den »erantwortliche« Redakteur dr»„Deutsche« Land- boten" beim Krtt»grrichte in Eger eingrlriteten Strafverfahren» steht die gefrttigtt Redaktion deS „Deutschen Landbote«" nicht an, alle i« dem ge- genständliche« Artikel enthaltenen, auf die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei bezüglichen beleidigenden Arußrrunge« al» unbegründet und unhaltbar z« bezeichnen. Dtt gesettigte Redaktton zieht darum alle beleidigenden Behauptungen«nd Aeußerungen, insbesondere den Borwurf deS BolksverrateS al» völlig grundlos mit dem Ausdrucke deS Bedauerns zurück«nd leistet der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpattei hiemit volle Genugtuung. Für di« Redaktto« de»„Deutschen Landboten" Josef Hahn» verantwortlicher Redakteur. 2. Der Beschuldigte verpflichtet sich, die Kosten der Veröffentlichung dieser Erklärung in den Zeitungen„Sozialdemokrat" in Prag und„BolkSwille" Karlsbad per je 80 llc unter Exekutiv nSfolgen binnen acht Tagen zu bezahlen. 3. Er verpflichtet sich, die Kosten deS Straf- verfahrens, insbesondere die Kosten der rechtsfreundlichen Vettretung der Pttvatanklägerin zu Händen des Vertreters Dr. Egon Schwelb, Advokaten in Prag H., Närodni trida 24, in der gerichtlichen Be- ftimnmng binnen acht Tagen nach rechtskräftiger Festsetzung bei sonstiger Exekution zu bezahlen. 4. Herr Josef Türmer als gewesener Herausgeber der Zeitung„Deutscher Landbott", sowie die Druckerei Firma Kobttsch und Gschihah. deren In» Haber Jng. Bergmann in Eger ist, treten den Verpflichtungen ad 1—3 bei unter denselben oben genannten ExekuttonSfolgen. 6. Dem Beschuldigten wird aufgettagen, binnen acht Tagen nach Rechtskraft diese» Beschlusses unter ExekuttonSfolgen für Arbeitslosenzwecke einen Betrag von 300 lli zu Händen deS ArbeitSministettumS entweder direkt oder durch den Rechtsanwalt Dr. Egon Schlvelb, Adv. in Prag II., Narodni ttida 24, zu übermitteln. Gegen diesen Beschluß stellt ihnen daS Recht der Rechtsbeschwerde an daS Kreisgericht Eger in drei Tagst» seit Zustellung diese» Beschlusses zu. Gemeindevorsteher vor dem Obersten Gericht Durch Urteil des Leitmeritzer KreisgerichteS vom 23. Oktober 1929 war der frühere Gemeindevor- stther Josef Funfarek aus Czalositz wegen Amtsveruntreuung zu sechs Monaten schweren Kerker ..... Der mitangeklagte Ge- industrie in der Weihnachtszeit, der Einfluß der meinderat und Gemeinderechnungsführer, der pen- Witterung in der Bekleidungsindustrie, sowie im sioniette Bankbeamte und Wirtschaftsbesitzer P o- Gastgewerbe in de» Gebirgsgegenden. Es fehlten! k o r n h, wurde damals freigesprochen. Funfarek auch die üblichen Saisongelegenheitsarbeiten, mit hatte durch seinen Vettetdiger gegen da» Urteil eine denen im Winter sonst gerechnet wird, wodurch’ NlchttgkeitSbeschw-rde mit d-r Begründung erhoben. M!»«* ST.ÄÄSäk?’’! We I« HwÄäSfÄ ®auat6etier, bt< bet denselben einen vorübergehen- untreuung Kenntnis.erlangt hattt, dtt bei der Revi- Jn den 47 Bezirksanstalten für allgemeine und unentgeltliche ArbeitS- und Dienstvermitt lung in Nordböhmen waren im Dezember 1934 mit der Zurechnung der vom November übrigge- blttbenen Stellen und Bewerber 5609 Arbeits und Dienststellen und 159.158 Bewerber und Be- werbettnnen angemeldet. Im Vergleiche mit De zember 1933 zeigt sich bei den Stellen ein Rück gang um 22.9 Prozent, gegenüber derselben Zeit des Jahres 1932 um 31.9 Prozent. Dies ist teils als Folge der erhöhten direkten Nachfrage der Bewerber zu betrachten, teils dem Umstande zuzu schreiben, daß bei den Witterungsverhältnissen die sonst üblichen Winterarbeiten für Hilfs- und Tag- aibeiter nicht vorhanden waren. Die Anzahl der angemeldeten Bewerber und Bewerberinnen zeigt gegenüber Dezember 1933 einen Rückgang um 8.6 Prozent, gegenüber Dezember 1932 um 22.4 Prozent. Auch die Vermittlungserfolge sind aus den bei dem Rückgang der angemeldeten Stellen angeführten Gründen zurückgegangen und zwar um 18.4 Prozent bezw. um 20.4 Prozent gegen über Dezember 1933 bezw. 1932. Es wurden 4835 Vermittlungen erzielt, wovon 895 auf Bau-, 860 auf Tag- und 706 auf Hilfsarbeiter, 885 auf Haushaltungspersonal, 377 auf die Glas-, 350 Textll- und 316 auf die Metallindu strie entfallen. Ende Dezember waren in den erwähnte« 47 ArbeitSvermittlungSanstalten 137.110 gänzlich p r Arbeitslose, also um 9017, b. i. um 7 Prozent> wurde, einige Wohl.nur saisonmäßige Berschlech- mehr alS Ende November angemeldet. Ende terungen in der Metallindustrie zu denen auch Dezember 1933 handelte es sich um 144.592 Weihnachtsaussetzungen, die in manchen Fällen Arbeitslose. Ende Dezember 1932 um 160.868.[ bis Mitte Jänner gebauert haben, beigetreten sind. Für einen teilweisen Vergleich, sowie für die die saisonmäßige Abschwächung in der Holzbearbei- tvngsindustrie, große, wenn auch meistenteils nur kurze Zett dauernde Aussetzungen m der Textil-! bedingt verutteilt worden. Seite 4 Mittwoch, 16. Jänner 1935 9t. TS Berbrecherjagd im Böhmerwald Sin entsprungener Mörder wird gesucht Pflichten der Demokratien mit deutschen Minderheiten In seinem Kommentar zum Saarplebiszit erinnert das Abendblatt des„Prävo Lidu"- daran, daß das junge Deutschland vor hundert Jahren auf der Wartburg der Despotie in seinem Land den Krieg erklärt hat, während jetzt auf der Wartburg der Anschluß an das Deutschland der Diktatur besiegelt wurde. Wir behalten unseren Glauben, sagt„B. P. L.", daß Europa die Gefahr erkennt, welche aus ver künstlichen Festigung des Regimes im Dritten Reich erwächst. Eine umso ernstere Pflicht haben heute die Staaten mit deutschen Minderheiten: Um die Seelen dieser Deutschen zu kämpfen, ste vor kem Einfluß der Hakenkreuzlerei zu schützen und dafür zu sorgen, daß sie ihr wahres Baterland nur und nur in der Demokratie sehen! Lledrig Jahre Böhmische Hypotheken-Bank Mittwoch sind es 70 Jahre seit dem Tage, an dem die Hypotheken-Bank des Königreiches Böhmen, die jetzige Böhmische Hypotheken-Bank, ihre Tätigkeit begann. Es hatte fast hundert Jahre gedauert, bevor es Politikern beider Nationen gelang, die Bewilligung zur Gründung von der Wiener Regierung zu erwirken. In der Geschichte der Anstalt sind die Namen der bedeutendsten Politiker Böhmens verzeichnet, deren gemeinsamer Arbeit es gelang, die Bank zu einem Muster für alle andern Anstalten ähnlichen Charakters in Oesterreich-Ungarn auszugestalten. Verdienste hat sich die Hypotheken-Bank um die Schaffung eines rationellen Typs von unkündbaren und amortisierbaren Hypotheken und um die Verbilligung des Hypothekarkredits erworben. Nach dem Umsturz wurde die Anstalt durch Gesetz mit der Gewährung solcher Kredite auch für die Länder Slowakei und Karpathorutzland betraut und außerdem wurde ihre Tätigkeit auch auf Einlagen- und Mobilargeschäfte ausgedehnt. Dadurch wurde es der Hypotheken-Bank ermöglicht, sich bei der systematischen Elektrifizierung, der Durchführung der Bodenreform und der Finanzierung der Baubewegung zu beteiligen. Nach der letzten genehmigten Bilanz von 1933 verwaltete die Bank 36.248 Hypothekar- Darlehen im Betrage von 1.897,783.000 Kronen und Einlagen in der Höhe von 904,000.000 Kronen. Der Bank gelang die Popularisierung der Pfandscheine, die ein beliebtes Anlagepapier der breiten Schichten wurden. Emlsrantenhetze Unter der Spitzmarke:«Verhaftung eines Emigranten rn Teplitz-SchLnau" berichtet der «Teplitz- Schönauer A n z e i g e r" über die Verhaftung eines Schwindlers, der sich unberechtigterweise als Doktor der Philosophie und als Vertreter Prager Zeitungen ausgab. Nach Schilderung des Tatbestandes teilt das edle Blatt mit, daß der Verhaftete«indenKreisen, in denen man ihn kannte, allgemein als Emigrant angesehen wurde" diese vage Verdächtigung genügt der Henlein-Publizistik also, um die politische Emigration mit einer landläufigen Schwindleraffäre zu belasten—-t Jedenfalls ist das Ganze ein Schulbeispiel dafür, wie die mühsam getarnte Provinzpreffe dem Hitlerfascismus jenseits der Grenzen in die Hände arbeitet! Wien. Der ehemalige Abgeordnete und Stadtrat von Wiener-Neustadt Josef P ü ch l e r, der im Feber verhaftet und vom Kreisgericht Wiener-Neustadt zu zehn Monaten Kerker verurteilt worden war, wurde aus der Haft entlaffen. Püchler war während der Haft einige Monate erkrankt und wurde vom Wiener Neustädter Spital übernommen. Dort hat er den Rest seiner Strafe verbüßt. Laibach. Gemäß der Amnestie, die durch den jugoslawischen Regentschaftsrat erlaffen wurde, sind in Laibach 64 Personen aus dem Gefängnis entlassen und 26 Preßprozesse eingestellt worden. Paris.(Tsch. P. B.) Der Vorsitzende des Kammer-Untersuchungsausschusses über die Sta- wisky-Affäre, der radikale Deputierte G u e r n u t, wurde, als er die Ausschußsitzung leitete, und den Amtsarzt Dr. Morlot als. Zeugen in der Angelegenheit des Todes des Gerichtsrates Prince vernahm, von Herzkrämpfen befallen. Berlin. In Köln teilte der Vorsitzende der Disziplinarstraskammer für den Regierungsbezirk Köln mit, daß die vielfach in der Presse erschienene Behauptung^ der evangelische Theologieprofessor Dr. Barth aus Bonn sei wegen seiner Haltung gegenüber der^Leistung des neuen Beamteneides aus dem Dienste entlaffen worden, unzutreffend ist.«Professor Barth mußte vielmehr wegen einiger politisch bedenklicher Aeußerungen, wegen Verweigerung der Leistung des deutschen Grußes bei den Vorlesungen an der Universität und wegen seiner für einen deutschen Beamten und Jugenderzieher nicht tragbaren Ablehnung des neuen Staates entlassen worden. Die Frage der Eidesleistung hat nur eine ganz Untergeordnete Rolle gespielt. Professor Barth hat noch die Möglichkeit der Berufung an das Oberverwaltungsgericht, so daß seine Dienstentlassung noch nicht endgültig ist." — Prof. Barth ist schweizerischer Staatsbürger und einer der hervorragendsten evangelischen Theologen, die auf den Kathedern der deutschen Universitäten gegenwärtig lehren. Im Oktober des vorigen Jahres wurde im Linzer neuen Dom der M e tz n e r Bachhau e r durch mehrere Schüsse getötet. Der Mörder Johann Birmayer flüchtete in die Tschechoflowakei, wurde verhaftet und dem Kreisgericht Budweis eingeliefert, aus dem es ihm gelang, zu entspringen. Jetzt wird sowohl von tschechoslowakischer wie auch von österreichischer Seite alles daran gesetzt, um des Mörders habhaft zu werden. Birmayer hat seither einen Mordversuch an einem Gendarm eriewachtmei st er verübt und treibt sich in den Waldungen des südlichen Böhmerwaldes umher. Er benützt Schmugglerschleichwege, um nach Oberösterreich zu kommen, wo er in den letzten vier Wochen eine Reihe von Einbrüchen und Ueberfällen auf einzelne Personen ver- Tagcsnculgkcltcn Ein Heger von Wilderern erschoffen Ujhorod. Sonntag abends unternahm der Waldheger Michal Mazjak aus der Gemeinde Pausin im Bezirke Munkac einen nächtlichen Jnspektionsgang in die Wälder der Gesellschaft Latorica. Als er am Montag nicht zuzurückkehrte, ging ihn der ziveite Heger, Barna, suchen und fand ihn tot in größerer Entfernung vom Gorom'kaer Hegerhause auf. Mazjak ist im Walde mit.Wilderern zusammengestoßen und wurde durch einen Schutz schwer verletzt. Er versuchte, mittels eines Riemens die Blutung abzubinden. Als er sah, daß sein Ende nahe sei, hinterließ er in seinem blutigen Dienstbuch eine Weisung an seine Gattin, die Kinder zu betreuen. Er beschrieb auch kurz, wie die vier Männer aussahen, welche ihn angeschossen haben. Am Tatorte haben die aus der Umgebung zusammengezogenen Gendarmen die Erhebungen nach den Tätern ausgenommen. Großer Einbruch in einer Prager Villa Wertsachen für 100.000 UL geraubt. In der Nacht auf Dienstag drangen bisher unbekannte Einbrecher in eine von einem Ingenieur und seiner Frau bewohnte Villa in Prag-Dejwitz ein. Ohne von dem Ehepaar bemerkt zu werden, konnten sie die ganze Wohiumg durchsuchen und alles mitschleppen, was einen Wert besaß. Auch die Einrichtung ist zum großen Teil stark beschädigt, so daß der Verlust, den die Eigentümer erleiden, hunderttausend Kronen beträgt, die nicht durch Versicherung gedeckt sind. Auto durchbricht Bahnschranken und fährt in einen Zug. Dienstag in den Frühstunden durchbrach ein Prager Auto, in welchem außer dem Chauffeur und dem Besitzer vier Frauen saßen, die zu einem Begräbnis fuhren, bei Uvaly, in der Nähe von B.-Brod, die Bahnschranken im Augenblick, als ein Personenzug vorbeikam. Das Auto wurde umgeworfen und zertrümmert. Zwei Frauen wurden schwer verletzt, die anderen Insassen, mit Ausnahme des Lenkers, der unversehrt davonkam, erlitten leichte Verletzungen. Der Chauffeur erklärt, daß er im Morgengrauen die geschlossenen Schranken zu spät bemerkt habe und dann nicht rechtzeitig halten konnte, weil der Wagen zu schleudern begann. 20 lange Kilometer... Die Staatsbahndireftion in Königgrätz teilt mit: Am 13. Jänner, um 17 Uhr 57, rollten beim Verschieben des Zuges Nr. 3749 in Ro- kitnitz im Adlergebirge auf der abschüssigen Strecke zwei leere ungesicherte Waggons bis nach Doudleby nad Orlici. Die genannte Strecke, die 19.6 Km. lang ifft durchfuhren sie in 18 Minuten. Auf den ungeschützten Ueberfahrten der Lokalbahn kam es zu keinem Unfall, da die Bewachung dieser Stellen beizeiten veranlaßt wurde. In Doudleby ließ man die allein rollenden Wagen gegen zwei auf dem dortigen Magazingeleise stehende andere Wagen ausfahren, wobei sie bei dem heftigen Aufprall entgleisten und beschädigt wurden. Auch von den stehenden Waggons entgleiste einer und wurde beschädigt. Zu einem Unsall kam es nicht. Auch der Verkehr wurde nicht unterbrochen. Wer Hot Glütkwuoschtelegromme erholte«? Paris. Die Untersuchung des Stawisky- Skandal s tritt in ein neues Stadium ein. Die parlamentarische Untersuchungskommission suchte durch ein volles Jahr vergeblich nach der Kopie eines Glückwunschtelegrammes, welches Stawifly im Jahre 1932 nach den Wahlen an verschiedene Deputierten gesendet hat. Erst dem neuen Postminister Mandell, einem ehemaligen Mitglied« der Untersuchungskommission, gelang es nun, diese Kopie aufzufinden. Man rmnmt an. übt hat. Den Gendarmen ist es nun gelungen, einige Personen festzunehmen, die den Mörder durch Hehlerei unterstützt haben. So wurde ein gewisser Wessely und eine Frau Enneckerin Malsching festgenommen. In der Begleitung des Verbrechers befinden sich ein s e ch z e h n j ä h r i g e s M ä d ch e n und ein Man n, der als Kennzeichen eine tiefe Gesichtsnarbe aufweist. Der Mörder hat an die Gendarmerie in Traberg einen Drohbrief geschrieben, in dem es heißt:„Ihr werdet sehen, daß ich noch beim Verfolgen Zeit haben werde, zwölf Schüsse auf einen. Gendarmen abzugeben und der dreizehnte erst wird mich selbst treffen." Der Verbrecher ist schwer bewaffnet und wurde zuletzt von einem Bauer in der Umgebung St. Peter gesehen, zu dem er sich dahin äußerte, daß er sich wieder in den Böhmerwald zurückziehe." daß festgestellt werden wird, welche Deputierten mit Stawisky in kompromittierenden Beziehungen gestanden haben. 78 von 222. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" berichtet, daß die reichsdeutsche Film- aus fuhr, die in früheren Jahren durchschnittlich 20 Millionen Mark erzielt hat, im Jahre 1934 auf 10 Millionen Mark, also auf die Hälfte gesunken ist. Angesichts des völligen künstlerischen Verfalls der gleichgeschalteten deutschen Film- Produktion und der Abwehrbestrebungen, die besonders in Amerika und Osteuropa erfolgreich waren, erscheint dieser Rückgang nicht überraschend. Im Gegenteil: verwunderlich ist es, daß man für die unter Goebbels' Diktat herge- stellte Filmware noch immer eine so große Summe(etwa 96 Millionen XL) außerhalb Deutschlands gezahlt hat. Einen wie großen Anteil die Tschechoslowakei zu diesem Geschäft der gleichgeschalteten Filmindustrie beigetragen hat, kann man daran ermessen, daß im vergangenen Jahre von den insgesaint 222 Filmen, die bei uns aufgeführt wurden, 78 reichs- deutschen Ursprungs waren,— also m eh rals ein Drittel. Im Jahre 1933 waren eö 80 von insgesamt 207. Es hat sich also bedauerlicherweise an der Ueberflutung unserer Kinos mit Goebbels-Filmen fast nichts geändert. Umso begrüßenswerter ist der Entschluß, nun endlich den amerikanischen Filmen Einlaß zu gewähren. An der Grenze verhaftet. Der Tänzer. deS tschechischen'' NaflvnaltheätebS in Prag, Emanuel F a m i r a, wurde vor einiger Zeit zu sechs Monaten Gefängnis wegen eines Vergehens gegen das Schutzgesetz verurteilt. F a m i r a trat die Strafe nicht an und versuchte, mit einem falschen Paß nach Rußland zu entkommen. An der Grenze bei Oderberg wurde die Paßfälschung erkannt und F a m i r a wurde nach Prag zurückgebracht. Motorzug und Lastauto. Die Staatsbahndireftion in Königgrätz teilt mit: Am 14. Jänner um 11 Uhr 15 Min. stieß der Motorzug Nr. 4324 auf einer ungeschützten Uebersetzung der Staatsstraße im Kilometer 3412 der Strecke C h l u m e c nad Cidlinou-Kkinec mit dem Lastautomobil C. 12.650 zusammen. Das Automobil wurde zertrümmert. Der Eigentümer des Wagens, Josef Svejda aus Bischofteinitz, der den Wagen lenkte, wurde leicht verletzt. Der Motorlvagen wurde leicht beschädigt. Nach 15 Minuten war die Sttecke freigelegt. Die Ursache des Unfalles muß in dem unvorsichtigen Fahren des Wagenlenkers gesucht werden. Die RettungSexpeditio« in der Tatra, die den verschollenen Skifahrer Rudolf Kubin suchen sollte, hat nach viertägigen Nachforschungen alle Hoffnung aufgegeben, Kubsn noch zu finden. Alle Abhänge des Dumbier sowie auch die umliegenden Schluchten unter seinem Massiv wurden abgesucht, jedoch ohne Ergebnis. Es ist wahrscheinlich, daß der unglückliche Skifahrer vor seiner Rückkehr noch ein wenig seinem Sport huldigen wollte und bei steiler Talfahrt auf der Nordseite deS B e r g e s ab- st ü r z t e, wo die Nachforschungen erst im Frühling möglich sein werden. Der Rucksack Kubins wurde in der Baude gefunden. Kubin war ein sehr guter, aber waghalsiger Skisährer, denn häufig riskierte er so gefährlich« Talfahrten, daß er die Hüttcnbesucher in Staunen setzte. Der Hüttenpächter Petrle hatte ihn einigemale wegen seiner waghalsigen Fahrten ermahnt und ihm größere Vorsicht ans Herz gelegt. Einbruch in ein Militärmagazin. Vor einigen Tagen wurden aus dem versperrten Militärmagazin in P r e ß b u r g aus den Vorräten einige Gegenstände entwendet. Ein genauerer Bericht ist, so wird amtlich gemeldet, vorläufig untunlich, um dadurch die Erhebungen nicht zu erschweren. Um sich gegen di« Kälte zu schütze«, stülpte der mit einem zweispännigen Schlitten einen Bahnübergang passierende Landwirtssohn Weindl aus Grub an der March den Rockkragen über die Ohren. Er überhörte dabei das Heranbrausen des Wien- Prager D-Zuges, der seinen Schlitten erfaßte und 80 Meter weit mitschleifte. Der Kutscher und die beiden Pferde wurden sofort getötet, das Gefährt vollkommen zertrümmert. Roth«« im Zeichen des Arbeiterrvirrtersports _ Das Kreis- Wintersportfest am 12. und 13. Jänner in Rothau trug noch immer den Stempel des schneearmen Winters an sich. Die Wettkämpferbeteiligung war gegenüber anderen Fahren bedeutend schwächer. Dennoch war die Veranstaltung ein neuerlicher Beweis der Aktivität des Arbeiterwinrer- sports. Am Wettrodeln, welches Samstags nachmittags außertourlich ausgetragen wurde, beteiligten sich 42 Fahrer, die Bahn war durch den starken Neuschnee start behindert. Am Mannschaftslauf beteiligten sich elf Mannschaften aus den Vereinen Unter-Rothau, Graslitz, Ober-Rothau, Bärringen, Joachimstbal und Eibenberg-Grüwberg. Die Schneelage selbst war genügend, nur kam der reichliche Schneefall am Samstag- und Sonntag sehr ungelegen. Tie Einquartierung wurde von den Rothauer Genossen sehr gut erledigt, es dürften gegen 150 auswärtige Teilnehmer bereits Samstag in Rothau geblieben sein. Der Freundschaftsabend im Rothauer Kino war sehr gut besucht, Beifallsstürme belohnten die vorzüglichen Vorführungen. Schnee und wieder Schnee rieselte auch am SonMagmorgen nieder, die Läufer mußten.Umwachsen". Zwanzig Jugendsportler gingen um 9 Uhr auf die Sechs-Kilometerstrecke. Anton R u- dert(Unter-Rothau) stellte mit 25:16 Min. die beste Zeit auf, der 15jährige Glaser(Joachims- thal) blieb als Sieger der unter 16jährigen nur eine Minute und 25 Sekunden zurück. Aus der Zehn-Kilometerstreck« gingen 25 Läufer, es gab da einige Ueberraschungen. Der Rothauer Laus- mann wurde Sieger. Der Zweite, Funk(Mcrks- grün). zeigte gegenüber dem Vorjahr«ine bedeutende Formverbesserung auf. Der bisher beste Langstreckler Häuser(Bärringen) mußte sich mit dem vierten Platz begnügen, allerdings hatte er als Bahnmacher im Neuschnee keine leichte Arbeit. Unger (Rothau) war Dritter. Sehr schwach war der Sportlerinnenlauf. Die Kinderstrecke war verhältnismäßig schwierig, dennoch waren 70 Kinder am Start. Viele Rothauer Familien holten sich Ouartiergäste zum Mittagessen ab. Sonntag nachmittags setzte ein Menschenstrom nach der Schanze ein. Bis in die letzten Winkel hatten sich Menschen angesammelt. Das Springe» war nicht stark besetzt. Di« tschechischen Springer waren nicht gekommen. Der Neuschnee und der ständige Schneefall erschwerte das Springen ungeheuer, zahlreiche Stürze waren die Folge. Ernsthafte Unfälle gab es jedoch nicht. Die zwei Sieger vom Bärringen-Springen, Urban und Heikler(Reu- dek), schieden nach dem zweiten Sprung durch harte Stürze aus. Heidler gab dadurch den sicheren Sieg auf, da er bereits 38 und 40 Meter erzielt hatte. Sieger wurde Held*. Bei einem plötzlichen LodeSfall eine» Achtundvierzigjährigen entschloß sich der Arzt, der an daS Sterbebett in Eonnerttcut gerufen wurde, zu einem Versuch: Er führte«ine JnjekttonSnadel bis ttef in das Herz des noch nicht erkalteten Menschen. Zehn Einheiten Adrenalin jagte er hinein und beobachtete sorgsam den Körper auf eventuelle Reccktionen: Nichts— alles blieb still und tot! Und der Körper erkaltete merklich weiter. Aber der Arzt hatte die Nadel stecken lassen. Und nach kurzer Wartezeit schickte er 16 Einheiten Adrenalin hinterher. Und nun geschah das Seltsame: daS Herz begann zu schlagen. Der Mensch begann zu atmen und zu leben. Wenn auch daS Bewußtsein nicht mehr zurückkehrte, entwich das Leben doch erst nach 22 Stunden wieder auS dem Körper. Das war zeitlich bisher das großartigste Experiment. Nm so erstaunlicher, als man bisher ni« Adremalin, dieses aus der Nebenniere gewonnene blutdrucksteigernde Mittel verwandte. Einige Tage vorher hatte Professor Brunck- hanenko in Moskau mit einem Erhängten, der sich am Roten Platz an einem Gitter aufknüpste, ein andere» Experiment gemacht, da» in seiner Versuchsreihe des künstlichen Herzen» lag. Er legte das Herz zum Teil bloß und schloß hier sein« künstliche Herzmaschine an, die in sehr regelmäßigen, und kraftvollen Stößen Blut in daS Herz und von da auS durch den Körper jagte. Man ließ das Blut einige Zeit pulsieren. Der Erhängte bekam Farbe, er begann die Arme zu bewegen, die Lippen des Erhängten, bei dem vorhe» der Tod einwandfrei festgestellt war, begann Wor^ zu stammeln. 120 Stunden lang lebte er. wenn auch nicht bewußt, aber nach den äußerlichen Manifestationen wie Gliederbewegungen und Sprechversuchen. Jener Dr. Eornish, der durch seine Anträge, ihm Hingerichtete für seine versuche auszuliefern, in der ganzen Welt Aufsehen erregte, hat in. Arizona(Amerika) feine WiederbelebungSexpertment» unter ganz neuen Gesichtspunkten fortgesetzt. Mangels Menschen(die Gouverneure lehnten seine Gesuche ab, weil bei erfolgter Wiederbelebung die Hingerichteten nochmals exekuttert werden müßten!) mutz Dr. Eornish weiter mit Tieren expe- rimentteren. Er hat eine besttmmte Salzlösung gefunden, die «ine starke wiederbelelende Wirkung hat. DaS konnte er tatsächlich an Hunden mehrfach beweisen, wenn er die Injektionen nach seiner Methode kurz nach dem Ableben der Hunde gab. Jetzt versichert er, daß es ihm gelang, einen Hund, der vor 240 Stunden verstarb(damals natürlich sofort vor jedem Verfall durch Einlagerung in«inen Kälteraum geschützt wurde), für einige Minuten mit seinen Jnjekttonen zu beleben. Hier ist die prüfende Wissenschaft freilich noch fleptischer, als sie eS schon bei den übrigen Experimenten dieser Art ist. Während man noch über diese Möglichkeiten nnd Unmöglichkeiten debattiert, teilt ein Professor Dr. W. B. Kouwenheven von der John-Hopkins- Universität mit, datz er in ISO Fällen Tiere, die durch elekttischen Strom getötet wurden, durch die Einleitung eines Gegenschocks wieder erwecken konnte. Er placiert einfach eine Elekttode gegen die Brust und. einen Gegenpol gegen den Rücken und schickt dann Sttöme von einigen Amperen durch da» Herz. Di« Wiederbelebung erfolgte dann meist sehr rasch. Die New Aorker Elektrizitätsgesellschaft hat ihn ersucht, seine Experimente auf Menschen auszudeh- den. Christian Ferkel ist bei seinen Vernehmungen so mißhandelt worden, datz auch er in die Irrenanstalt Dösen überführt werden mutzte und dort nach wochenlangem qualvollem Krankenlager im Oktober gestorben ist. Die Untersuchungsmethoden der Leipziger Gestapo haben also bereit- das erste Todesopfer gefordert. In Leipzig sind diese Tatsachen so bekannt geworden, daß sich au der Bestattung Ferkels, dir am 16. Oktober stattgefunden hat, mindestens 400 Personen beteiligten, obwohl jeder von ihnen fürchten mußte, von der Gestapo dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Auch di« anderen Verhafteten befinden sich in größter Gefahr, nicht weil sie Verbrechen begangen haben, die die zivilisierte Welt alS strafwürdig ansieht, sondern weil ihnen daS Schicksal Ferkel- droht,»der weil sie von Marterungen zermürbt, Taten gestehen könnten, die sie nicht begangen haben. Die Leipziger Gestapo hat bisher ihre Tätigkeit, die an Brutalität den international bekannten Methoden des Columbia-Hauses in Berlin nicht nachsteht, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit ausüben können. Der fürchterliche Tod des allseits geachteten Christian Ferkel und die ungeheure Gefahr, in der sich bewährte Männer der früheren Leipziger Sozialdemokratischen Parteiorganisation befinden, dürfte Anlaß genug sein, daß die Weltöffentlichkeit auch den Zuständen bei der Leipziger Gestapo ihre Aufmerffamkett widmet! nen. Die zu erwartende Frage, ob er denn auch Menschen Wied er erwecken könne, die auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurden, verneint Professor Koüwenhoven. Da» heißt— er glaubt nicht, daß«S ihm gelingen wird, denn durch die direkte Placierung der Kupferkappe auf dem Kopf wett«: ein Hitzeeffett erzeugt, der die Gehirngeweb« zerstöre. Und da Hesse dann auch der.Gegenschock" nicht mehr. Die Experimente find keine Spielereien, sondern ernsthaft« Versuche, nicht etwa den Ablauf del menschlichen Lebens in seiner natürlichen Form zu verhindern, sondern Unfalltote unter Umstände« retten zu können. Denn über alles Menschenwiffen hinweg triumphiert doch al» allerletzte Instanz allen Professoren zum Trotz die Majestät des Todes., Zuckerjahr 1934-35 Bedeutende Zunahme der ZuckerauSfuhr iu de» erste» drei Monaten.^ Da» neue Zuckerjahr, da» am 1. Oftober be» ! gönnen hat, lätzt sich für die Zuckerindustrie recht gut an. In den drei-Monaten.Oktober bi» De«: zember 1934 hat si>er Zuckerexport- gegenüber den« gleichen Zeittaum des Vorjahres eine erhebliche Steigerung erfahren. Wurden in dieser Dreimonatperiode 1934 666.290 q Zucker ausgeführt» so waren e» im Jahre vorher nur 461.022 q; so datz die Zunahme 205.268 q oder 45 Prozent beträgt Bon der gesamten sschechoslowafischen Zuckerausfuhr gingen in den drei Monaten über 250.000 q in den Hamburger Hafen. Im einzelnen weist di« Richtung der ZuckerauSfuhr im Vergleich mit dem Vorjahr folgende Veränderungen auf: In Meterzentnern Rohguckerwert wurden ausgeführt: Oktober— Dezember 1934 1933 England-. 70.583 88.747+ 81.836 Oesterreich. 1.861 1.618+ 248 Schweiz.. 127.820 64.500+ 62.820 Hamburg 250.189 160.087+ 901102 Trieft.. 62.758 46.883+ 15.920 Griechenland 63.002 47.660+ 15.342 Irland.. — 31.581— 81.581 Norwegen» 18.179 7.263+ 5.916 Dänemark. 5.204 4.264+ 940 Sonst. Europa 1.257 4.771— 8.514 Irak... 6.680 2.095+ 4.585 Palästina. 899 5.410— 5.011 Sonst. Asien 4.182 8.882+ 800 Marokko. 41.268 11.522+ 29.746 Sonst. Afrika 5.763 2.566+ 8.197 Uruguay- 12.700 28.604— 15.904 Sonst. Amerika— 124— 124 666.290 461.022+ 205.268 Außer nach Hamburg ist die Steigerung der Zuckerausfuhr besonders stark gewesen nach England, der S ch w e i z, T r i e st und Norwegen. In Afrika hat der tschechoslowakische Zucker den Ab- satzmarkt in Marokko erobert und dringt auch in anderen Ländern stärker vor. In Kleinasien hat der Irak das Dreifache des Vorjahres abgenommen, während Palästina infolge der Konkurrenz der englischen Fabriken nahezu völlig verloren gegangen ist. Aus Irland, das eine eigene Zuckerindustrie entwickelt hat, ist der sschechosiowakische Zucker restlos verdrängt worden. Wenn die Zuckerausfuhr sich weiter erhält, so würde das heurige Zuckerjahr mit einem bedeutend höheren Export abschließen als das vorige. Paula Wal lisch: Ein Held stirbt Leben. Kampf und Tod des Koloman Walllnk Preis lm Buchbandei K« 40.—, flir die Parteien« ausgabe LS 22.—, ®eH»« Eozialdemokrak^ Mittwoch, 16. Jänner 1838. Ä. rt A PRAGER ZEITUNG G Sport• Spiel• Körperpflege rb. rb. Aus der Partei >, dass silM, Auspliin-i^ lten speWsi .Wir machen hiemit die traurige Mitteilung von dem Ableben unseres langjährigen und verdienstvollen Vorstandsmitgliedes, des Herrn ALOIS HECHT Direktor der Bank für Handel und Industrie ehemals„Länderbank** PRAG, am 16. Januar 1935. Belgiens Arbeitersport feiert die Gründung der Partei. Die sozialdemokratische Partei in Belgien feiert am 8. August 1988 den fünfzigste« Jahrestag ihrer Gründung. Anläßlich dieses In» biläumS finden in Brüssel auch graste Turn« und Sportveranstaltungen statt. Die Jungsozialist«« sowie die Kulturorganisationen werden 60.000 Teil« nehmer entsenden.' Der Handfertigkeitnachmittag der Frauen- organisation findet von nun ab nicht Donnerstag, sondern Mittwoch statt. Sozialistische Jagend, KreiS Prag. Mittwoch, den 16. Jänner, 8 Uhrtckends Gruppenabende: S. I. Zentrum: Der italienische Fascismus. S. I. Holle- schowitz: Der Prager G e- werkschaftSkongress.— S.J. Weinberge-Smichov: Welt im Bild (Lichtbildervortrag). ster Zeit eingehend Stellung nehmen. Den Verhält« nisten in Frankreich wird di« gröhte Aufmerksamkeit gewidmet, aber auch den bis zuletzt geübten verwerf« lichen Praktiken einiger Sektionen der RSJ, die in kraffen Widerspruch mit der Propagierung des Ein« heitSgedankens stehen. Das Verhältnis zu den franzöfischen Genosse« bleibt weiterhin ein freundliches. Gerichten abgestraft worden. Im Spätherbst des vergangenen Jahres machte die Gesellschaft, welche die Telephonautomaten betreibt, die Wahrnehmung, dast in zahlreichen Sprechzellen die Geldbehälter systematisch geplündert wurden. Die Gesellschaft schätzt den entstandenen Schaden auf mindestens' 13.000 stö. Am 26. November v. I. wurde der Angeklagte Hejplik dabei ertappt, als er im Telephonautomaten gegenüber dem Hotel.Union" in N u s l e mit einem Nachschlüssel das Automatengehäuse öffnete, um sich die eingeworfenen Geldstücke anzueignen. Er legte im Laufe der Untersuchung auch das Geständnis ab, in 25 bis 30 Fällen die öffentlichen Sprechzellen geplündert zu haben. Hiebei bediente er sich der Methode, dast er mit selbswerfertigten Nachschlüsseln zuerst einmal das unter dem Telephon befindlich« Gehäuse aufschlost und das Rohr, durch welches die Münzen in den darunter befindlichen, schwer aufzubrechenden Tresor rollen, verstopfte. Am nächsten Tag heimste er dann mit leichter Mühe die steckengebliebenen Kronenstücke ein. Der Angeklagte behauptet allerdings, dast seine Beute höchstens 600 bis 700 Kä betragen habe. Das Gericht schenkte den Beschönigungsversuchen des alten Kriminalbruders keinen Glauben und verurteilte ihn zu einem Jahr schweren und verschärften Kerkers. Mst Rücksicht auf seine vielen und schweren Vorstrafen wurde ferner die Anhaltung des Angeklagten in der Zwangsarbeitsanstalt nach verbüstter Strafe ausgesprochen. ' Frauenorganisation. Donnerstag, den 17. Jänner, um halb 7 Uhr im Parteiheim w i ch- tige Sitzung. Es wird ersucht, bestimmt zu erscheinen! SPD-Emigranten. Donnerstag um 5 Uhr nachmittags Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft über Mittelstandsfragen. am.._, teiligung des Atus, der D T I E und des Verbandes der tschechischen Arbeitertouristen Wintersportwettkämpfe statt, deren Veranstalter der Pilsener Kreis der DTJC ist. Vormittags.werden die Langläufe für Männer in zwei Kategorien(bis 26 Jahre und von 26 Jahre) über 12 Kilometer, für Zöglinge über 6 Kilometer und für Frauen über 3 Kilometer durchgeführt. Start und Ziel aller dieser Bewerbe vor dem Restaurant.Siegerhof". Nachmittags werden auf der Sprungschanze des Pilsener Skiklubs die Sprünge absolviert. Anmeldungen sind zu richten an I. Pesek, Sekretär des III. Kreises der DTJE, Pilsen, Houskova 8, welcher auch nähere Informationen über Nachtlager usw. erteilt. Die SchneeverhAtniffe sind im Böhmerwald sehr gut. Bon Pilsen wird«in Sonderzug für Skifahrer mit SOprozentiger Fahrpreisermässigung abgefertigt. Es wird eine starke Teilnahme der Arbeiter- Wintersportler der drei Verbände zu dieser ersten gemeinsamen Veranstaltung erwartet. Der herrliche Böhmerwald will auch den Arbeitersportlern seine Reize und Schönheiten im winterlichen Kleide vermitteln, darum: Auf Wiedersehen am kommenden Sonntag am Spitzberg bei Eisenstein! Vorstand, Verwaltungsrat und Direktion der„SOLO“ Vereinigte 6sl. Zündholz- und chemische Fabriken A. G. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16—, vierteljährig Kt 48.—. halbjährig Kd 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- undTele- . graphendirettion mit Erlass Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis" Druck-. Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag- Geplünderte Telephonantomaten Prag. Auch die DiebSzunst hat bekanntlich ihre Spezialisten, vom Kassenknacker angefangen, bis herab zum Taschendieb. Kein Wunder also, dass sä' gewisse unternehmende Langfinger auf die!” derung der öffentlichen Telephonautomaien zialisierten. ' Der 33jährige Tomas Hejplik, der sich Dienstag vor dem Strafsenat Kna« te zu verantworten hatte, zählt zu den letztgenannten Spezialisten. Er hat neun, grösstenteils schwere Vorstrafen wegen Diebstahls verbüht und ist auch vor ausländischen Für 100 Millionen Schmuck in den Prager Versatzämtern. Aufschlussreich ist der Ausweis der Prager Versatzämter über das vergangene Jahr. Nach dem „Beter" wurden die Anstalten von 600.000 Personen aufgesucht, von welchen jedoch die überwiegende Mehrheit Wertsachen versetzte und nur eine Minderheit Pfänder auslöste. Die Belastung des Mittelstandes durch die Krise äuhert sich darin, dass der gröhte Teil der versetzten Gegenstände Schmuckgegenstände, nicht weniger als ein« Viertelmillion Stück, im Werte von 100 Millionen Kronen bilden. Die ExekutivederSASJ wird zu dem Bericht DevliegerS und der neuen Situation in näch-1 MmUWe BkkltlWWUl der ArbeiterfLrsorge finde« jede« S«mA« tag do« 5—7 Uhr im Bereiu deutscher Arbeiter, Smekkagaffe Nr. 27, statt. Der Verbliebene stellte seit Gründung unseres Unternehmens sein reiches Wissen und seine Erfahrung in den Dienst unserer Gesellschaft, wofür wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren werden. Die Fusion im Arbeitersport in Frankreich hat auf dem zweitägige« Kongress am 23. und 24. Dezember in P a r i s den formellen Abschluss gefunden. Die Beteiligung war sehr stark. Es waren von beiden früheren Organisationen eine ungefähr gleich grosse Zahl von Delegierten anwesend. Vertreten waren auch viele Arbeiterorganisationen von Paris. Die Debatten zeigten den einhettlichen Willen des Zusammenschlusses. Interessant waren besonders die Ausführungen GuillevicS sowie DechamS, des Vertreters der früheren FST. Bemerkenswert war der Versuch des Kommunisten Thomasson, speziell für die R 2 I zu agitiere« und zu beschließen, daß sich die neue Organisation der RSJ angliedert. Dieser Redner mnßte unter Tumult«nd Ab- zugrufen die Tribüne verlassen. Der Fusionsbericht der paritätischen Kommission und die Satzungen wurden einstimmig angenommen. Die Verteilung der Mandate wurde ÄenfallS einstimmig beschlossen. Es befinden sich unter den Repräsentanten u. a. Guillevic. Pepin, Delattre. Genosse Devlieger(Belgien), der als Gast für die SASJ teilnahm, stellte vor allem die selbstverständliche Entschlussfreiheit unserer Organisationen fest und wies die Vorwürfe, die von den Delegierten der RSJ wegen.Verzögerung der internafionalen Verhandlungen" durch die SASJ gemacht wurden, zurück. Er verlangte, dass man für dies« wichtigen Beschlüffe Zeit lässt, ohne Druck und äusserliche Manöver. Er bat die Delegierten, nichts zu unternehmen, was der internafionalen Einheitsbewegung schaden könnte. Er verwies auf die veränderte Einstellung Moskaus, die, falls sie beibehalten wird, sicher die internafionalen Beziehungen erleichtert und verbesserte Die Verwirklichung der Einheitsidee muss o h n e dir von Moskau gegebenen Bedingungen erfolgen kön- nen, ohne Unterordnung der«inen oder anderen Internationale. Arbeiter-LkimettkLutpfe im Böhmermuld Am Sonntag, den 20. Jänner, finden Spitzberg im Böhmerwald unter Be- Fritz Kortner als Sultan Abdul Hamid in dem englischen von Grüne gedrehten Film„Der blutige Sultan". Kunst und Wissen Del« Lipinskaja fesselte, unterhielt, begeisterte am Montag ein volles Haus. Russische Volks- und Soldatenlieder trug sie vor, Gedichte von Morgenstern, Kästner und Tucholsty, eine Ghetto-Szene: Der junge Chaffid, und«ine Jackie Coogan-Parodie. In dieser Jungenrolle schien sie am besten zu gefallen, mit verständnisvoller Heiterkeit wurden die Strophen, die sanfte Zeitsaüre versuchten, ausgenommen. Feiner aber, fiefer auch, durch Wort und Geste Gestaltung eines Menschen und eines Menschenschicksals, war„Der junge Chaffid". Dela Lipinskaja hat gezeigt, wie lebendig diese Art von Kleinkunst, als deren beste Vertreterin sie gilt, noch ist, dieser Zusammenklang von Dichtung, Stimme, Musik und Geste, und wie sehr sie auch in der Zeit des Films und des Radio noch zu wirken vermag. —fb— Deutsche Mnfikakademie. Interner Wend Donnerstag, den 17. Jänner, 20 Uhr, im Saale des Lyzeums. Prag II, Charvätovä 5. Auf dem Programm Werke von Bach, Brahms, Debussy, Krumbholz, Mozart, Reger, Schubert, Schumann, Scar- latti und Sinding. Wochenspielplan des Re«»« Deutschen ThrsterS. Mittwoch 7 Uhr: P e e r G y n t.""B 2. — Donnerstag, halb 8 Uhr: Blaubart, C 2.— Freitag halb 8: Der Barbier von Sevilla, DI.— Samstag halb 8: Fuarez und Maximilian, Gastspiel Ernst Deutsch. B 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Mittwoch 8^:Hoch klingt dasLiedvom braven Mann, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8: Nachtvor dem Ultimo, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: E h e m. b. H., Kulturverbandsfreund« und freier Verkauf.— Samstag 8: Der Schneider von Gumpendorf (Schneider Wippe!), Erstaufführung. Gcrkhtssaal Spione des»Dritten Reiches" vor dem Prager Kreisgericht Ein preußischer Baron, ein russtscher Emigrant und eine Prager Telephonistin. Prag. Vor dem hiesigen Kreisgericht stand ein sonderbares Trio unter Anklage des Militärverrates. Da ist zunächst ein Herr Friedrich Baron von Reichenstein aus Berlin, ferner der russische Emigrant Poschilinsky und dessen Freundin Eleonore Haase. Sonderbar muten die Personalien der Angeklagten an. Der preussische Baron ist seinem Pah nach Pilot, nach anderer Version Kaufmann. Der Beruf des Russen ist als .Erfinde r" angegeben und die Eleonore Haase war Telephonistin in Prag. Der Baron von tzieichenstein logierte in. einem billigen Hotel, in welchem auch deutsch« Emigranten wohnten. Er verbreitete über den Zweck seines hiesigen Aufenthaltes allerhand einander widersprechende Gerüchte. Einmal behauptete er auf einer Geschäftsreise nach Schanghai zu sein, dann wieder erzählte er, dass er von einem früheren Geschäftskompagnon Forderungen aus Waffenlieferungen an die aufstän- Pischen Marokkaner eintreiben wolle. Die Anklage legt diesem Baron von Reichenstein das Verbrechen des Militärverrates zur Last, und den zwei Mitangeklagten die Mittäterschaft an diesem Verbrechen. Da die Verhandlung geheim war, können wir über die Art der begangenen Delikte nichts Näheres mitteilen. Nur so viel steht fest, dass dieser Baron von Reichenstein sich insbesondere für die Organisation und. die technische Ausrüstung unserer Fliegerabwehr interessierte, ganze Nächte die militärischen Objekte auf dem P etiin umschlich und«inen— sehr unadeligen— Verkehr giit Zuhältern Unterhielt, welche ihm auch'Warnungen zukommen liessen, als die Polizei diesen Baron in Beobachtung nahm. Demerkenwert ist, dass dieser nordische Edelmensch sich unter Vorlage seiner Pilotenlegitimafion eine Freikarte nach Wien verschaffte, wo er gleichfalls den Fluganlagen verdächfige Aufmerksamkeit schenkte. Wie verlautet, soll er auch von einer gewissen diplomattschen Vertretung Unterstützungen erhalten haben. Die Verhandlung wurde vertagt. Filme in Prager Lichtspielhäusern bis einschließlich Donnerstag, de» 17. Jänner Wria:.Das Kind des Karnevals." Fr.—- Alfa:»Die wilde Last";.Die hohe Schule" mst Forster.— Avion:„Moskauer Nächte." Annavella. Fr.— Bcranck:.Frigo, der Löwe von Paris." FL — Fcnix:.'^.olenblut." Tsch.— Flora:.Solang du eine Mutter hast." Tsch.— Hvkzda:.Aergert nicht den Grosspapa." Tsch.— JrrliK:.Moskauer Nächte." Baur, Annabell«. Fr.— Kinema, B.-Th.: Journal«. Groteske, Reportage. M>/r2 bis%8.— Koruna« .Der Sheriff von Colorado." A.— Kawa:»Tatra- Romanze." Tsch.— Lacerna:„Tatra-Romanze-" Tsch.— Metro:.Nocturna." Regie Machaw, Letzte Woche. D.-— Olympir:.Skandal im Atlantik- Hotel." D.— Praha:.Der Sheriff von Colorado.^ A.— Radio:„Frigo, der Löwe von Paris." B. Keaton. Fr.— Skant:.Frigo, der Löwe voa Paris." B. Keaton. Fr-— Svitozor:„Das Kind des Karnevals." Fr.— Bajkal:„Solang du ein» Mutter hast." Tsch.— Beseda:„Don Juans letzta Liebe." E.— Roxy:.Das unsterbliche Lied." D.—* Sport-Smichov:.Bei uns in Krähwinkel." Werich. Tsch.— Baldrk:.Das unsterbliche Lied." D.